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Irak am neunhundertvierundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Resolution gegen Bushs Irak-Politik kommt nicht durch den Senat. US-Außenministerin Rice zu überraschendem Kurzbesuch in Bagdad - Mahnt zu Geduld für bessere Sicherheitslage im Irak. Zehn Tote bei Bombenanschlägen im nordirakischen Kirkuk

So.18.02.07 - Eine von den Demokraten eingebrachte Resolution gegen die Irak-Politik von US-Präsident George W. Bush hat am Samstag im Senat nicht die erforderliche Mehrheit von 60 Stimmen bekommen. Nach einer scharfen Debatte stimmte zwar mit 56 gegen 34 eine klare Mehrheit der Senatoren für die nicht bindende Resolution, die am Freitag wortgleich im Repräsentantenhaus verabschiedet worden war, letztlich fehlten aber vier Stimmen am notwendigen Quorum.

Es war bereits das zweite Mal, dass Bushs Republikaner im Senat eine Resolution gegen die Politik ihres Präsidenten verhindern konnten. Es gibt aber auch Anzeichen, dass die harte Front der Republikaner bröckelt. So stimmten dieses Mal sieben Republikaner gegen ihre Führung, die zu Geschlossenheit gemahnt hatte. Bei der ersten Abstimmung gab es nur einen Abweichler.

Im Namen des amerikanischen Volkes müsse der Senat dem Präsidenten klar machen, dass seine Irak-Politik nicht mehr einfach nur so abgesegnet werde, hatte der demokratische Mehrheitsführer Harry Reid unmittelbar vor der Abstimmung erklärt. Bush will weitere 21.500 Soldaten in den Irak entsenden, um im Rahmen einer Sicherheitsoffensive die ausufernde Gewalt dort einzudämmen.

US-Außenministerin Condoleezza Rice hat bei einem Überraschungsbesuch in Bagdad zu Geduld für eine Verbesserung der Sicherheitslage im Irak gemahnt. Es sei zu früh, um jetzt schon "wirkliche Ergebnisse" des jüngsten Sicherheitsplans zu erwarten, sagte Rice bei einem Kurzbesuch am Samstag in der irakischen Hauptstadt. "Der Sicherheitsplan für Bagdad entfaltet sich gerade erst." Was den Einsatz iranischer Waffen im Irak angehe, so trage "die iranische Regierung als Ganzes" dafür Verantwortung - auch wenn es keinen echten Beweis für ihre direkte Verwicklung in den Waffenhandel gebe.

Zur Verstärkung der US-Einheiten im Irak will Washington rund 1000 Soldaten drei Monate früher als geplant entsenden. Rice sprach von einem "guten Start" für den Sicherheitsplan, der Mitte der Woche angelaufen war. Wenn dadurch nun "eine Atempause" entstehe, müssten die Iraker sie nutzen - entscheidend sei, dass die politische Versöhnung "echten Fortschritt" mache, sagte die US-Außenministerin bei ihrem zuvor nicht angekündigten Besuch in Bagdad.

Ein Sprecher der irakischen Armee sagte, die täglichen Angriffe in Bagdad seien seit dem neuen Sicherheitsplan um 80 Prozent zurückgegangen. Bevor die Regierung den Plan in Kraft gesetzt habe, seien täglich zwischen 40 und 50 Tote ins Leichenhaus gebracht worden - "in den vergangenen 48 Stunden sind nur 20 hereingebracht worden".

Rice sagte, sie könne keine genauen Angaben darüber machen, ob und wie die iranische Führung an den ständigen Angriffen auf US-Soldaten im Irak beteiligt sei. Washington rufe den Iran auf, "im Irak eine stabilisierende Rolle zu spielen statt einer destabilisierenden". Rice wollte im Anschluss mit dem irakischen Regierungschef Nuri el Maliki, mit Präsident Dschalal Talabani und mit verschiedenen gemäßigten Politikern reden, bevor sie nach Jerusalem weiterreisen sollte. Höhepunkt ihrer Nahost-Reise ist ein für Montag geplantes Dreiertreffen mit dem israelischen Regierungschef Ehud Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.

Die 3. Infanterie-Division, die in Fort Stewart im US-Bundesstaat Georgia stationiert ist, werde schon im März statt im Juni Soldaten in den Irak schicken, teilte das Pentagon mit. Die Soldaten sollten helfen, in Bagdad wieder Sicherheit herzustellen.

Bei zwei Bombenanschlägen im Nordirak sind am Samstag mindestens zehn Menschen getötet und 60 weitere verletzt worden.

Nach Angaben der Polizei wurden die Sprengsätze in zwei Fahrzeugen auf einem belebten Marktplatz in der Stadt Kirkuk gezündet. Mehrere Fahrzeuge und Geschäfte seien ausgebrannt. Viele der Verletzten seien in kritischem Zustand, hieß es. Der Stadtteil Rahim Awa, in dem die Bomben explodierten, ist von Kurden dominiert.

Irakische Behörden hatten zuletzt die Sorge geäußert, die Gewalt außerhalb der Hauptstadt Bagdad könne ansteigen. In der Hauptstadt mit ihren sechs Millionen Einwohnern wollen die USA und irakische Sicherheitskräfte mit einer Offensive massiv gegen Aufständische vorgehen.

(Quellen: ap, afp, rtr)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Chronologie des Irak-Kriegs:

Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01. 2006 bis 18.02.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
 
 


Vor einem Jahr:
 
Irak am sechshundertstenTag nach Erlangung der formellen Souveränität

Sa.18.02.06 - Blair lehnt Truppenrückzug aus Irak ab +++ Iraker demonstrieren gegen Mohammed-Karikaturen und Folter in Abu Ghoreib +++ Erneut Europäer im Irak entführt. Susanne Osthoff in den Irak zurückgekehrt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0602180.htm#news

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919 Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.

Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine verlässlichen Angaben. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp
 
 

 


 


 

Mindestens 15 Tote bei Selbstmordanschlag in Pakistan

So.18.02.07 - Bei einem Selbstmordanschlag in Pakistan sind mindestens 15 Menschen getötet und weitere 35 zum Teil lebensgefährlich verletzt worden. Der Selbstmordattentäter drang nach Polizeiangaben in ein Gericht der Stadt Quetta im Südwesten des Landes ein und zündete dort eine Bombe. Innenminister Aftab Sherpao erklärte, unter den Toten seien ein Richter und Justizangestellte. Das Gericht gehört zu einem Gebäudekomplex, in dem auch ein Polizeirevier mit einer Ausgabestelle für Führerscheine untergebracht ist. Quetta ist die Hauptstadt der Provinz Belutschistan.

Pakistan wird seit Jahresbeginn von einer Reihe von Anschlägen erschüttert. Zuletzt starben Ende Januar bei einem Selbstmordattentat in der nordwestlichen Stadt Peshawar 15 Menschen. Die meisten Anschläge werden Rebellen zugeschrieben, die gegen den von Staatspräsident Pervez Musharraf angeordneten Anti-Terror-Einsatz im Grenzgebiet zu Afghanistan kämpfen und mit den dortigen radikalislamischen Taliban sympathisieren.

(Quelle: afp)
 


 

Sudan lehnt UN-Truppen in Darfur weiter ab

So.18.02.07 - Der Sudan lehnt eine Stationierung von UN-Truppen in Darfur weiter ab. Präsident Omar al Baschir stimmte am Freitag auf einem Frankreich-Afrika-Gipfel in Cannes lediglich der Entsendung einer Delegation der Vereinten Nationen in die westsudanesische Krisenregion zu. Allerdings will er mehreren Mitgliedern des Teams die Einreise nicht gestatten, weil sie nach seiner Ansicht nicht objektiv sind. «Wir akzeptieren die Mission, aber nur, wenn sie unabhängig ist», sagte Baschir.

Die Ermittlungskommission unter Leitung von Friedensnobelpreisträgerin Jody Williams will in Darfur Vorwürfen von Menschenrechtsverletzungen nachgehen. Die 14-köpfige Delegation sitzt in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba fest, weil Khartum die Visa bislang nicht ausgestellt hat.

Die Kämpfe in Darfur haben seit 2003 schon mehr als 200.000 Menschen das Leben gekostet, etwa 2,5 Millionen wurden in die Flucht getrieben. Die sudanesische Regierung wird beschuldigt, die arabischen Reitermilizen Dschandschawid zu unterstützen. Diesen werden zahlreiche Übergriffe auf die schwarzafrikanische Zivilbevölkerung zur Last gelegt. Die Vereinten Nationen wollen 22.000 Blauhelmsoldaten in die Region entsenden, um die Bevölkerung zu schützen. «Dazu haben wir bereits Nein gesagt», sagte Baschir in Cannes.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich am Donnerstag in New York enttäuscht über die Haltung Baschirs. Die Lage in Darfur sei inakzeptabel. Noch im Januar habe Al Baschir ihm zugesichert, die Ausstellung der Visa für die Experten-Delegation sei kein Problem. «Wenn er glaubt, dass es kein Problem gibt, dann sollte er in der Lage sein, die ... Mission zu empfangen», sagte Ban.

(Quelle: ap)
 


 

Italien: Massenprotest gegen US-Militärbasis in Vicenza

So.18.02.07 - Zehntausende Menschen haben am Samstag in Norditalien gegen den geplanten Ausbau des US-Stützpunkts in Vicenza demonstriert, der in der Mitte-links-Koalition von Ministerpräsident Romano Prodi zu erheblichen Spannungen geführt hat. Die Polizei schätzte die Zahl der Demonstranten, die mit Sonderzügen und Bussen aus dem ganzen Land kamen, auf 50.000 bis 80.000.

Die Sicherheitskräfte hatten rund 1.300 Polizisten aufgeboten, um auf mögliche Ausschreitungen vorbereitet zu sein. Bars, Restaurants und Schulen entlang des 7,5 Kilometer langen Demonstrationswegs hatten geschlossen.

Prodi hatte die Linken in seiner Koalition gegen sich aufgebracht, weil er es ablehnte, gegen die vom Stadtrat von Vicenza gebilligte Erweiterung des US-Stützpunkts vorzugehen. Unterstützt wurden die Demonstranten von Kommunisten und Grünen. Prodi hatte es Ministern und Staatssekretären aber untersagt, an der Kundgebung teilzunehmen. Er betonte aber nur wenige Stunden vor der Demonstration in einer Rundfunksendung: «Demonstrationen sind das Salz in der Demokratie.» Er mahnte, der Protest müsste «friedlich, ernsthaft und gewaltfrei» sein.

In der Koalition war schon vermutet worden, dass die Großdemonstration zu einer antiamerikanischen Stimmung in Italien führen könnte. Die US-Botschaft in Rom hatte den US-Bürgern in Italien auch den Rat gegeben, am Samstag das Gebiet um Vicenza zu meiden. Aber auch US-Amerikaner kamen, um gegen die Erweiterung des Stützpunkts zu demonstrieren. Die USA sollten keine Militärbasen bauen, sondern sich um ihre Probleme zuhause kümmern, sagte einer von ihnen, John Gilbert. Und ein italienischer Demonstrant, Simone Pasin, erklärte, das Problem sei nicht, dass die Amerikaner in Vicenza seien, das Problem sei, dass es ein Militärstützpunkt sei.

Nach der Erweiterung könnten die US-Streitkräfte vier Bataillone nach Vicenza verlegen, die derzeit in Deutschland stationiert sind.

(Quelle: ap)
 


 

UN-Umweltdirektor kritisiert europäische Klimaschutzpolitik

So.18.02.07 - Der Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Achim Steiner, hat die Klimaschutz-Politik der europäischen Staaten kritisiert. "Wir haben uns in Europa in den letzten Jahren zu sehr der Illusion hingegeben, wir hätten schon genug getan", sagte Steiner der "Bild am Sonntag". "Amerikaner und Asiaten holen beim Klimaschutz mächtig auf und machen uns da auch wirtschaftlich Konkurrenz." Der Westen sehe beispielsweise China "immer nur unter der braunen Smogglocke, aber es werden dort schon CO2 freie Städte geplant".

Die westlichen Industriestaaten hätten "eine historische Verantwortung", beim Klimaschutz voran zu gehen, sagte Steiner. "Die Klimaproblematik heute ist nicht von China verursacht, sondern vor allem von den westlichen Industrieländern." Also müsse der erste Schritt auch von diesen kommen. Deutschland müsse hier eine Vorreiterrolle übernehmen.

(Quelle: afp)
 


 

Verkehrsminister Tiefensee will Kfz-Steuer am CO2- und Schadstoff-Ausstoß koppeln

So.18.02.07 - Die neue Kfz-Steuer soll nach dem Willen von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee am Kohlendioxid-Ausstoß und den Emissionen von anderen Schadstoffen ausgerichtet werden.

In einem vorab veröffentlichten Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung" vom Samstag spricht sich der SPD-Politiker dafür aus, beim Ausstoß des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid nicht zwischen Otto- und Dieselmotoren zu unterscheiden. Allerdings solle mit Sockelbeträgen die unterschiedliche Mineralölsteuer für Benzin und Diesel berücksichtigt werden. Bei anderen Schadstoffen durch die Kraftstoffverbrennung plädiert der Minister für die Einführung unterschiedlicher Emissionsklassen. Für extrem schadstoffarme Autos schlägt er Freibeträge vor. Bei älteren Fahrzeugen befürwortet Tiefensee Zuschläge auf die Kfz-Steuer.

"Wer die Umwelt wenig belastet, spart" schrieb Tiefensee. Eine Koppelung der Kfz-Steuer nur am Kohlendioxid-Ausstoß lehnte er als eindimensional ab. Die Umstellung der Kfz-Steuer soll nach Angaben des Bundesumweltministeriums noch dieses Jahr beschlossen werden.

(Quelle: rtr)
 


 

Streit über Familienpolitik geht weiter

So.18.02.07 - In der großen Koalition geht die Diskussion um das weitere Vorgehen in der Familienpolitik weiter. Die SPD kündigte an, bis Ende des Jahres zu gemeinsamen Vereinbarungen mit der Union für mehr Krippenplätze kommen zu wollen. Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) sieht indessen keinen Handlungsbedarf. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) bekam weitere Unterstützung für ihre Pläne, mit Hilfe des Bundes 500.000 zusätzliche Kinderbetreuungsplätze zu schaffen. Gleichzeitig ging in der Union die Debatte über die Familienpolitik weiter.

"Wir wollen, dass die Koalition in diesem Jahr ein Ergebnis vorlegt", sagte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil der "Berliner Zeitung". Seine Partei werde die CDU/CSU weiter unter Druck setzen. Alle Kinder ab dem zweiten Lebensjahr sollten einen Rechtsanspruch auf einen Ganztages-Kitaplatz bekommen. Auch müsse die Betreuungsqualität verbessert und Eltern schrittweise von Kita-Gebühren befreit werden.

"Das Thema ist für diese Legislaturperiode abschließend behandelt", sagte dagegen Althaus der "Berliner Zeitung". Es sei bereits festgelegt, dass die Kommunen bis 2010 insgesamt 230.000 Krippenplätze schaffen.

Von der Leyen bekam unterdessen Unterstützung für ihre Pläne, zusätzliche Kinderbetreuungsplätze zu schaffen. CDU-Präsidiumsmitglied Friedbert Pflüger sagte "Spiegel Online", von der Leyen habe "in kurzer Zeit der Familienpolitik der CDU ein modernes Profil gegeben, das viele junge Ehepaare in den letzten Jahren vermisst haben".

Der CDU-Politiker Heiner Geißler, der von 1982 bis 1985 Bundesfamilienminister war, sagte der "Frankfurter Rundschau": "Es gibt leider in unserer Volkspartei immer noch Leute, die sich nicht an den Interessen der Frauen und Kinder orientieren, sondern ihre Ideologie vertreten, die mit der Realität nicht übereinstimmt." Seine Nachfolgerin, Rita Süssmuth, sagte dem gleichen Blatt, von der Leyens Forderungen seien richtig.

"Die einzige Chance, die Identität der Union als einer Partei zu wahren, die den im besten Sinne konservativen Wert der Familie hochhält, sehe ich darin, dass wir den Weg, den von der Leyen beschritten hat, mitgehen", sagte der hessische Ministerpräsident Roland Koch der "Welt".

"Die Menschen haben das Gefühl, dass sich die Union um die Belange der Familien wirklich kümmert", sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla der "Welt am Sonntag". Dies sei vor allem auch ein Verdienst der Bundesfamilienministerin.

(Quelle: afp)
 


 

Union will Heroinambulanzen offenbar doch weiterarbeiten lassen

So.18.02.07 - Die Zukunft der Heroinambulanzen in sieben deutschen Städten scheint nun doch gesichert zu sein. Nach Informationen des Hessischen Rundfunks haben die CDU-Regierungschefs von Hessen und Hamburg im Gespräch mit Unionsfraktionschef Volker Kauder eine entsprechende Zusage erhalten.

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch und der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust hätten Kauder davon überzeugt, dass die ärztlich kontrollierte Heroinvergabe an Schwerstabhängige in Frankfurt am Main, Hamburg und fünf weiteren Städten fortgesetzt werden könne, meldete der HR am Samstag. Die entsprechenden Modellversuche sollten nach dem Willen von CDU und CSU eigentlich im kommenden Sommer auslaufen. Bedingung für eine Weiterführung der Arbeit mit zurzeit etwa 300 Betroffenen sei aber, dass keine neuen Projekte dieser Art mehr hinzukämen.

Bisher hatte die Unionsfraktion im Bundestag strikt auf dem Auslaufen der Heroinvergabe bestanden. Vertreter der sieben Städte hatten sich dagegen parteiübergreifend für eine Fortführung der Arbeit in den Ambulanzen eingesetzt, weil sie sonst die Versorgung der Schwerstabhängigen in Gefahr sahen, die in der Regel weder mit Methadon behandelt noch gar auf harten Entzug gesetzt werden konnten. Der Hamburger Bürgermeister von Beust hatte eine Bundesratsinitiative mit dem Ziel der weiteren Sicherung dieser Arbeit angekündigt, der auch Koch Unterstützung zusagte.

Neben Frankfurt und Hamburg haben auch Hannover, Bonn, Köln, Karlsruhe und München derartige Heroinambulanzen. Dort erhalten Schwerstabhängige unter ärztlicher Aufsicht synthetisch hergestelltes Heroin, das so genannte Diamorphin. Die beteiligten Städte berichteten kürzlich nach einer gemeinsamen Tagung zu diesem Thema in Frankfurt von erheblichen Fortschritten bei der Behandlung der Schwerstabhängigen in diesen Ambulanzen. So lebten sie nicht mehr auf der Straße und seien nicht mehr auf Beschaffungskriminalität angewiesen. Die meisten hätten wieder eigene Wohnungen und vielfach auch Arbeit oder Ausbildungsplätze gefunden. All dies wäre bei einer Einstellung der Modellversuche im Sommer gefährdet.

(Quelle: ap)
 


 

Firmen drohen bei Verbot von Killerspielen mit Auswanderung

So.18.02.07 - Sollten Killerspiele zum Schutz von Kindern und Jugendlichen verboten werden, drohen die Hersteller einem Zeitungsbericht zufolge mit Abwanderung aus Deutschland. «Es gibt einige Entwickler, die bereits überlegen, wegen der schlechter werdenden Rahmenbedingungen ins Ausland zu gehen», sagte Thomas Dlugaiczyk, Geschäftsführer der Berliner Games Academy, der einzigen Spezialschule Deutschlands für Computerspiel-Entwickler, laut «Tagesspiegel am Sonntag». Es sei klar, dass die Branche künftig einen Bogen um Deutschland machen werde.

Auch die Vertreiber der Spiele haben dem Bericht zufolge große Bedenken gegen eine Verschärfung des Jugendschutzes. «Sinnvolle Regeln zum Jugendschutz begrüßen wir», wird Niels Bogdan zitiert, Sprecher des zweitgrößten europäischen Videospielvertreibers Ubi Soft, «aber der aus Bayern eingebrachte Entwurf schießt über das Ziel hinaus.» Bayern will die Herstellung und Verbreitung gewaltbeherrschter Spiele unter Strafe stellen. Der Gesetzentwurf wird zunächst in den Ausschüssen des Bundesrats beraten.

Der Bundesverband interaktive Unterhaltungssoftware kritisiert auch das Sofortprogramm, das das Bundesfamilienministerium «zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor extrem gewalthaltigen Computerspielen» gerade beschlossen hat. «Selbst die 'Moorhuhn'-Jagd ist gewalthaltig», sagt Geschäftsführer Olaf Wolters. Eine Grenze zu ziehen, sei kaum möglich. Ein solches Verbot ist nach seiner Ansicht nicht mit der Verfassung vereinbar - wegen Verstoßes gegen die Kunst- und die Berufsfreiheit.

(Quelle: ap)
 


 

Wissenschaft

Neuer Therapieansatz für Allergiker

So.18.02.07 - Einen neuen Therapieansatz für Allergikern haben Wissenschaftler jetzt gefunden. Sie haben im Körper einen Mechanismus entdeckt, der bei der Auslösung von Allergien eine große Rolle spielt. Mit Hilfe der neuen Erkenntnisse können effektivere Medikamente gegen die Überempfindlichkeitsreaktionen entwickelt werden.

In Deutschland leiden inzwischen bis zu 40 Prozent der Bevölkerung an Allergien. Blütenpollen, Insektengifte oder Nahrungsbestandteile lösen in ihren Organismen Abwehrprozesse aus, die sich in Heuschnupfen, Hautausschlag oder lebensbedrohlichen Atemstörungen äußern. Dabei hängen sich fremde Substanzen, die Allergene, an Abwehrkörper an, die sich auf bestimmten Immunzellen befinden. Die sogenannten Mastzellen setzen daraufhin Entzündungsstoffe frei, die die körperlichen Beschwerden verursachen.

Wissenschaftler des Homburger Instituts für Pharmakologie und der Universität Leuven in Belgien haben jetzt nachgewiesen, dass der Ionenkanal TRPM4 , ein spezielles Eiweißmolekül, die Ausschüttung der Entzündungsstoffe steuert. Wird er aktiviert, dann wird die Freisetzung gebremst.

Laut Gesundheitszeitung wären Substanzen, die die Wirksamkeit des Ionenkanals steigern, viel versprechende Medikamente zur Behandlung von allergischen Krankheitssymptomen. Die Suche nach neuen Arzneimitteln habe bereits begonnen, ebenso wie die genetische Untersuchung von Allergikern. Bei dieser solle herausgefunden werden, inwieweit die Krankheit auf Veränderungen des TRPM4-Gens zurückzuführen ist.

(Quelle: yahoo-Nachrichten)
 


 

Elefantengras als Schlüssel zur Energie der Zukunft

So.18.02.07 - Der Schlüssel zur Energie der Zukunft liegt im Unkraut: Aus dem in Afrika und Südasien wachsenden Chinaschilf lässt sich Äthanol herstellen - und das zu bedeutend niedrigeren Kosten als aus anderen Pflanzen. Der Ertrag aus dem auch als Elefantengras bezeichneten Gewächs sei fünf bis zehn Mal so hoch wie aus Mais, sagten Experten am Freitag beim jährlichen Treffen der Amerikanischen Gesellschaft für den Fortschritt der Wissenschaften. Deshalb könne das Elefantengras (wissenschaftlich: Miscanthus) den USA beim Erreichen der im Januar von US-Präsident George W. Bush gesetzten Ziele für die Äthanolproduktion helfen, erläuterte Chris Sommerville, Biologie-Professor an der Universität Stanford

Bush hatte die Versiebenfachung der Äthanolproduktion gefordert, um die Abhängigkeit von Öl zu reduzieren. Kritiker hatten die Forderungen des Präsidenten als unrealistisch bezeichnet. Um das Ziel zu erreichen, müssten demnach zusätzliche Felder in der Größe der Bundestaaten Iowa und Kansas mit Mais bestellt werden. Deshalb sei Chinaschilf aber eine Lösung, sagte Sommerville. Das Äthanol wird durch die Fermentierung von Zucker aus den Pflanzen gewonnen. Der Vorteil von Chinaschilf ist nach Angaben Somervilles, dass der Zucker aus der gesamten Pflanze gewonnen wird - und nicht nur aus den Früchten wie bei Mais. Hinzu komme, dass Süßgras aus den Tropen nicht einmal bewässert werden müsse, um diesen hohen Ertrag zu liefern.

(Quelle: afp)
 


 

Internet

Mozilla Manifesto

So.18.02.07 - Wenige Monate nach Veröffentlichung von Firefox 2 hat sich Mozilla mit einem Manifest zurückgemeldet. Im sogenannten "Mozilla Manifesto" sind zehn Leitlinien festgeschrieben, die der Mozilla-Gemeinde zukünftig als Orientierungshilfe dienen sollen. Im Zentrum der formulierten Prinzipien steht das klare Bekenntnis zur positiven Weiterentwicklung des Internets. Interoperabilität, Transparenz und Innovation sowie das Recht des Einzelnen auf Sicherheit und Eigenständigkeit im Umgang mit dem Internet sind nur einige der Eckpfeiler des Manifests, das in seiner Rohfassung im Blog der Initiatorin und Mozilla-Vorsitzenden Mitchell Baker http://weblogs.mozillazine.org/mitchell zu finden ist.

(Quelle: pte)


 

 

Mozilla-Präsident Tristan Nitot offenbart der Agentur pressetext seine Vision vom Web

pressetext: Herr Nitot, was will Mozilla mit dem Manifest erreichen?

Nitot: Die Leute sehen Firefox primär als einen kostenlosen Webbrowser. Das ist zwar richtig, aber im Grunde geht uns bei Mozilla um sehr viel mehr. Es geht um die große Vision, die dahinter steht - nämlich wie das Internet langfristig zum Besseren verändert und sein gesamtes Potenzial ausgeschöpft werden kann.

pressetext: Würden Sie sagen, dass das Internet ein besserer Ort geworden ist, seit Mozilla den Firefox ins Leben gerufen hat?

Nitot: In punkto Sicherheit und Privatsphäre bin ich fest davon überzeugt. Generell glaube ich auch, dass die Zukunft des Webs sehr viel freundlicher aussieht, seit wir einen kritischen Marktanteil erreicht haben. Denn noch vor drei Jahren war der Zustand des Internets sehr deprimierend, ja beinahe hoffnungslos.

pressetext: Inwiefern geben Sie der Marktdominanz von Microsoft und dem Internet Explorer die Schuld daran?

Nitot: Microsoft hat durch die Monopolstellung einfach aufgehört, an seinem Browser weiterzuarbeiten. Alle Webentwickler wiederum haben nur Webseiten für dieses eine Produkt entworfen, das bereits eingestellt war und große Sicherheitslücken aufwies. Im Grunde waren wir dabei, direkt an eine Wand zu fahren.

pressetext: Worauf führen Sie diese negative Entwicklung zurück?

Nitot: Ich denke, dass der kommerzielle Antrieb eine zu große Rolle bei der Definition des Internets gespielt hat. Daran ist auch letztlich auch Netscape gescheitert, dessen Geschäftsmodell durch die Freigabe des Konkurrenzbrowsers erfolgreich untergraben werden konnte.

pressetext: Haben Sie keine Angst, dass Microsoft oder ein anderer kommerzieller Anbieter Mozilla bzw. den Firefox wie das Vorgänger-Produkt Netscape erneut vom Markt drängen kann?

Nitot: Wir bemühen uns sehr, nicht zu scheitern. Gleichzeitig muss man sehen, dass mit Mozilla und Firefox alles gänzlich anders ist. Wir sind eine Non-profit-Organisation und werden durch die Entwickler- und Anwendergemeinde vorangetrieben. Wir haben keine Aktionäre im Nacken, für die wir Geld erwirtschaften müssen. Uns geht es einzig und allein um die Weiterentwicklung des Internets im Sinne aller. Das Spielfeld ist somit ein gänzlich anderes als das von Microsoft

pressetext: Offene Standards beherrschen ja nicht nur die Diskussion in Sachen Internet. Inwiefern muss ihre Vision von Interoperabilität auch in anderen Bereichen des digitalen Lebens umgesetzt werden?

Nitot: Derzeit gibt es einen Trend in Richtung offene Formate. Das ist ein enorm wichtiges Thema. Schließlich geht es ja nie um die Technologie selbst, sondern darum, welche Information man mithilfe der Technologie produziert und speichert. Bei meiner Kaffeemaschine ist es mir relativ egal, ob ich auf einen Hersteller festgenagelt bin. Ich trinke den Kaffee und das war's. Wenn ich jedoch beim Aufrufen und Bearbeiten meiner Daten auf Jahre hinaus komplett von einem Hersteller abhängig bin, dann ist das mehr als fatal.

pressetext: Herzlichen Dank für das Gespräch!

Quelle: pte, 17.02.2007

 


 
 
 
 

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