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Irak am neunhundertsiebenundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Großbritannien will Truppenabzug aus dem Irak einleiten. Gewalt
in Bagdad hält trotz Sicherheitsoffensive - Mindestens elf
Tote bei Anschlägen
Mi.21.02.07 - Großbritannien will offenbar bereits in den nächsten Wochen
einen Teilabzug seiner Truppen aus dem Irak einleiten. Nach
BBC-Informationen sollen zunächst 1.500 Soldaten in ihre Heimat
zurückkehren. Bis Ende des Jahres könnten insgesamt 3.000 der
7.100 Soldaten abgezogen werden, falls die Sicherheitslage im
Süden Iraks dies zulässt.
Ein britischer Regierungsbeamter bestätigte, dass Premierminister
Tony Blair am (heutigen) Mittwoch im Unterhaus eine Erklärung zu
den britischen Truppen im Irak abgeben werde. Blair führte am
Dienstag ein Videotelefongespräch mit US-Präsident George W.
Bush. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Gordon
Johndroe, sagte anschließend, Bush betrachte die geplante
Verringerung der britischen Truppenstärke im Irak als Erfolg der
Bemühungen um mehr Sicherheit. «Der Präsident ist
dankbar für die Unterstützung der britischen Truppen in der
Vergangenheit und bis in die Zukunft», sagte Johndroe und
fügte hinzu: «Wir wollen ebenfalls unsere Truppen nach Hause
bringen.»
Zunächst aber verstärken die USA ihren Truppen im Irak um
21.000 Mann, um mit einer neuen Offensive gegen Aufständische im
Großraum Bagdad vorzugehen. Die britischen Truppen sind vor allem
in Basra und Umgebung stationiert. Dort sollen künftig die
irakischen Streitkräfte die Verantwortung für die Sicherheit
übernehmen.
Im Januar hatte Blair erklärt, er werde dem Unterhaus seine
Vorstellungen zur weiteren Strategie im Irak erläutern, sobald der
als «Operation Sinbad» bezeichnete Einsatz gegen den
Einfluss von Milizen in der südirakischen Stadt Basra
abgeschlossen sei. Am Sonntag teilte Blair mit, dass dies der Fall sei.
Schatzkanzler Gordon Brown, der wahrscheinlich im September die
Nachfolge Blairs antreten soll, hat sich für den Abzug von
mehreren tausend Soldaten bis Ende des Jahres ausgesprochen.
Großbritannien hat nach den USA die meisten Truppen im Irak
aufgeboten. Militärisch präsent sind noch Südkorea
(2.300 Mann), Polen (900), Australien und Georgien (jeweils 800),
Rumänien (600) und Dänemark (460). Die Truppen aus Italien
und der Slowakei wurden bereits abgezogen. Auch Südkorea und
Dänemark wollen den Abzug einleiten.
Ungeachtet der laufenden Sicherheitsoffensive irakischer und
amerikanischer Truppen in Bagdad haben Anschläge am Dienstag wieder
mindestens elf Menschen das Leben gekostet. Seit Sonntag fielen der
Gewalt im Großraum Bagdad bereits mehr als 100 Menschen zum Opfer.
Im Viertel Sadija explodierte im morgendlichen Berufsverkehr ein mit
Sprengstoff beladenes Auto. Mindestens sechs Menschen wurden
getötet und 14 weitere verletzt, wie die Polizei mitteilte.
Auf einem Gemüsemarkt im überwiegend von Sunniten bewohnten
Stadtteil sprengte sich wenig später ein Selbstmordattentäter
in seinem Auto in die Luft. Bei dem Anschlag kamen laut Polizei
mindestens fünf Menschen ums Leben, sieben weitere wurden verletzt.
Rund 20 Kilometer nordwestlich von Bagdad explodierte ein Tankwagen,
der nach Militärangaben eine Chlorsubstanz transportierte. Zwei
Menschen wurden bei der Detonation in der Nähe von Tadschi
getötet, fast 150 mussten wegen Atemproblemen oder Übelkeit im
Krankenhaus behandelt werden.
Für politischen Sprengstoff sorgten unterdessen
Vergewaltigungsvorwürfe gegen drei Beamte der schiitisch
dominierten Polizei. Eine sunnitische Frau beschuldigte die Männer,
sie am Sonntag in Bagdad festgenommen und auf einer Polizeiwache
vergewaltigt zu haben. Ministerpräsident Nuri al-Maliki ordnete am
Montag eine Untersuchung an, ließ aber schon wenige Stunden
später mitteilen, die Vorwürfe hätten sich als haltlos
erwiesen. Eine Untersuchung habe ergeben, dass die Frau nicht
missbraucht worden sei. Die Anschuldigungen seien lanciert worden, um
die Sicherheitskräfte zu diskreditieren, hieß es in der
Erklärung, die das Büro des Ministerpräsidenten am
Dienstag herausgab. Ein Berater des sunnitischen Vizepräsidenten
Tarik al-Haschemi zweifelte das Untersuchungsergebnis an. Es sei
«fehlerhaft und voller Lücken», sagte er.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 21.02.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertunddrittenTag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.21.02.06 - Schleppende Regierungsbildung - US-Botschafter droht mit Entzug der
Unterstützung +++ Mindestens 24 Tote bei Anschlägen +++ Zwei im
Irak entführte Mazedonier wieder frei +++ Agenten des deutschen
Nachrichtendienstes BND wurden im Irak angeblich vom US-Geheimdienst
abgehört +++ US-Kirchen übernehmen Mitverantwortung für Irakkrieg +++
Haben die Uranwaffen des Irak-Kriegs auch Europa kontaminiert...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0602210.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Pakistan weist Berichte über neue El-Kaida-Lager zurück
Mi.21.02.07 - Die pakistanische Regierung hat US-Angaben über ein Erstarken des
Terrornetzwerks El Kaida im Grenzgebiet zu Afghanistan
zurückgewiesen. "Das ist ein absurder Bericht, den wir nicht ernst
nehmen", sagte eine Sprecherin des pakistanischen
Außenministeriums. Pakistan habe 80.000 Soldaten an der Grenze zu
Afghanistan stationiert, von denen 700 im Kampf gegen die Islamisten
gefallen seien. "Niemand sollte an unserem Willen, den Islamismus zu
bekämpfen, zweifeln", sagte die Sprecherin.
Ein US-Regierungsmitarbeiter, der ungenannt bleiben wollte, hatte am
Montag berichtet, das Terrornetzwerk El Kaida baue offenbar neue
Stützpunkte im Westen Pakistans an der Grenze zu Afghanistan auf,
in denen Terroristen für den Kampf in der westlichen Welt
ausgebildet würden. Nach Informationen der "New York Times" liegt
die neue Operationsbasis von El-Kaida-Chef Osama Bin Laden und seinem
Stellvertreter Aiman el Sawahiri in der pakistanischen Bergregion Nord
Waziristan.
In dem von lokalen Stämmen beherrschten Gebiet Nord Waziristan an
der Grenze zu Afghanistan töteten Islamisten einen angeblichen
US-Spion und entstellten dessen Leiche. Der aus Afghanistan stammende
Mann sei enthauptet worden, außerdem seien ihm Hände und
Füße abgeschnitten worden, sagte ein Sicherheitsbeamter der
Nachrichtenagentur AFP. Mutmaßliche Anhänger der Taliban
haben in der Region bereits mehrere Stammesmitglieder umgebracht, die
sie der Spionage für die US-geführte Koalition auf der anderen
Seite der Grenze in Afghanistan verdächtigen.
(Quelle: afp)
US-Berufungsgericht: Guantánamo-Gefangene dürfen nicht
gegen Inhaftierung klagen
Mi.21.02.07 - Ausländischen Terrorverdächtigen im US-Gefangenenlager
Guantanamo bleibt der Weg zu ordentlichen Gerichten versperrt: Mit
diesem Urteil stärkte ein US-Berufungsgericht in Washington am
Dienstag Präsident George W. Bush in seinem Anti-Terror-Kampf den
Rücken. Bushs Ende 2006 in Kraft getretenes Gesetz zum Umgang mit
Gefangenen erlaubt der Regierung ausdrücklich,
Terrorverdächtige vor Militärtribunale anstatt vor
ordentliche Gerichte zu stellen.
Das Richtergremium an einem Bundesgericht im District of Columbia
entschied mit zwei Stimmen und einer Gegenstimme, dass
Guantanamo-Gefangene
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ihre Inhaftierung nicht vor zivilen Gerichten anfechten können und
die Gerichte nicht über die Rechtmäßigkeit der
Militärhaft befinden können. Damit werden vermutlich hunderte
anhängige Eingaben von Guantanamo-Häftlingen abgewiesen; ein
entsprechender Antrag des Justizministeriums wurde erwartet.
Das Weiße Haus sprach von einem «bedeutenden Sieg»
für die Regierung. Die stellvertretende Pressesprecherin Dana
Perino betonte, das Gesetzespaket vom vergangenen Jahr biete den
Gefangenen ausreichenden und fairen Zugang zur Gerichtsbarkeit. Die
Entscheidung bekräftige die Gültigkeit des Gesetzesrahmens,
dem der Kongress zugestimmt habe, erklärte das Justizministerium.
Anwälte der Gefangenen zeigten sich enttäuscht und
kündigten Berufung vor dem Obersten Gerichtshof an. Dieser hatte
im Juni vergangenen Jahres den Umgang mit den Häftlingen in
Guantanamo wegen mangelnder Rechtsgrundlage als illegal bezeichnet und
damit Bush unter Zugzwang gebracht, das neue Anti-Terror-Gesetz
vorzulegen. Bürgerrechtsgruppen und eine Reihe führender
demokratischer Politiker kritisieren das Gesetz als verfassungswidrig
und Verstoß gegen die amerikanischen Werte.
Gegen den Zugang zu ordentlichen Gerichten sprachen sich zwei von den
regierenden Republikanern ernannte Richter aus. Sie ordneten die
Abweisung hunderter Klagen in unterer Instanz an. Dagegen wandte sich
das dritte Mitglied im Richtergremium, eine unter der demokratischen
Regierung von Bill Clinton ernannte Juristin. Sie kritisierte, dass die
Terrorverdächtigen bei den Anhörungen vor
Militärtribunalen nachweisen müssten, dass von ihnen keine
Bedrohung ausgehe.
(Quelle: ap)
Iran stellt Bedingungen für neue Atomgespräche
Mi.21.02.07 - Der Iran ist nach den Worten von Präsident Mahmud Ahmadinedschad
nur dann zu einem Stopp der Urananreicherung bereit, wenn die westlichen
Staaten ihre Programme ebenfalls aussetzen. Einen Tag vor Ablauf einer
Frist des UN-Sicherheitsrats sagte Ahmadinedschad in Teheran:
«Die Gerechtigkeit erfordert, dass die, die mit uns
Gespräche führen wollen, ihre Programme für
Brennstoffkreisläufe ebenfalls schließen. Dann können
wir einen Dialog in gerechter Atmosphäre führen.»
Der iranische Atomunterhändler Ali Laridschani wollte sich nach
Angaben aus Teheran am Dienstag in Wien mit dem Chef der Internationalen
Atomenergiebehörde IAEA, Mohammed ElBaradei, treffen. Der
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat der iranischen Regierung eine
Frist bis zum (heutigen) Mittwoch gesetzt, um die Urananreicherung
einzustellen. Sonst drohen weitere Sanktionen. Der Westen vermutet,
dass Teheran nach Atomwaffen strebt. Der Iran betont dagegen, sein
Nuklearprogramm diene allein der Energiegewinnung.
Ahmadinedschad lehnte erneut die Forderung ab, vor einer Rückkehr
an den Verhandlungstisch die Urananreicherung auszusetzen. Das
würde die Rechte seines Landes missachten, sagte der Präsident
vor tausenden Iranern im Norden des Landes. Teheran habe kein Problem
damit, die Anreicherung zu stoppen und zu verhandeln, sofern der Westen
Gleiches tue.
(Quelle: ap)
US-Armee hat laut BBC mögliche Angriffsziele im Iran festgelegt
Mi.21.02.07 - Das US-Militär hat nach BBC-Informationen bereits Details für
einen möglichen Militärschlag gegen den Iran festgelegt.
Geplant habe das Zentralkommando des US-Militärs in Florida
Luftangriffe sowohl gegen die Atomanlagen als auch die wichtigsten
Militäreinrichtungen des Landes.
Das berichtete die BBC am Dienstag unter Berufung auf nicht näher
genannte Diplomaten. Das unterirdische Atomforschungszentrum Natanz im
Zentraliran solle etwa mit so genannten Bunker brechenden Bomben
angriffen werden, die aus B2-Stealth-Langstreckenbombern abgeworfen
werden sollen.
Die Regierung in Washington hat zwar mehrfach unterstrichen, sie strebe
keine Militäraktion an. Gleichzeitig hat sie aber eine solche
nicht ausgeschlossen, wenn Teheran sein umstrittenes
Urananreicherungsprogramm nicht einstellt. Nach BBC-Angaben könnte
aber auch ein folgenschweres Attentat auf US-Soldaten im Irak, hinter
dem nachweislich der Iran steckt, einen US-Militärschlag
auslösen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Hisbollah laut israelischem General stärker als vor dem Krieg im
Sommer
Mi.21.02.07 - Die libanesische Hisbollah-Miliz ist nach israelischer
Einschätzung stärker als vor dem Krieg im Sommer vergangenen
Jahres. Die Hisbollah habe sich verstärkt, zitierte der
Armeerundfunk den General Jossi Beidaz. Beidaz ist der Chef der
Rechercheabteilung des Armeenachrichtendienstes. Die Schiitenmiliz werde
von Syrien und dem Iran mit verschiedenen Waffensystemen
ausgerüstet, darunter seien Waffen, die die Hisbollah in der
Vergangenheit nicht besessen habe. Auch Syrien verstärke seine
Truppen und bereite sich auf einen neuen Konflikt in der Region vor,
sagte der Offizier während einer Sitzung des Auswärtigen und
des Verteidigungsausschusses des Parlaments. Israels Feldzug im Libanon
dauerte vom 12. Juli bis zum 14. August 2006.
(Quelle: afp)
Blogger im Nahen Osten rütteln am Informationsmonopol der
Regierungen
Mi.21.02.07 - Wael Abbas wurde noch nicht von der ägyptischen Polizei
festgenommen. Aber er fürchtet, dass es jeden Tag passieren
könnte. Der Demokratieaktivist, der seine Wohnung nie ohne Kamera
verlässt, ist ins Visier der ägyptischen
Sicherheitskräfte geraten, weil er etliche Videos ins Internet
gestellt hat. Sie zeigen, worüber in Ägypten nur hinter
vorgehaltener Hand gesprochen wird - die Brutalität der Polizei und
die sexuelle Belästigung von Frauen auf der Straße.
Abbas gehört zur wachsenden Gruppe der muslimischen Blogger im
Nahen Osten, die mit ihren Berichten im Internet die Informationshoheit
der Regierungen untergraben und sich deshalb einer immer stärkeren
Verfolgung durch die Sicherheitskräfte ausgesetzt sehen. In
Ägypten wurden im vergangenen Jahr eine ganze Reihe von Bloggern
vorübergehend inhaftiert, einer ist immer noch im Gefängnis.
Ihm wird Beleidigung des Islams vorgeworfen, weil er sich kritisch
über islamische Institutionen geäußert hat.
«Ich könnte der nächste sein», sagt Abbas in
einem Kairoer Kaffeehaus. Seine Familie habe schon anonyme Anrufe
erhalten, in denen nach ihm gefragt wurde. Er vermutet, dass sie von den
Sicherheitskräften kamen. «Ich glaube, es gibt hier eine
Kampagne gegen Blogger», sagt Abbas. «Wir zeigen, was alle
wissen, aber vorüber niemand spricht.»
Die Regierungen in den muslimischen Staaten des Nahen Ostens haben die
Medien seit Jahrzehnten kontrolliert und so jede offene Kritik an den
Behörden verhindert. Die Blogger kratzen nun an diesem Monopol. In
den meisten Blogs finden sich zwar vor allem persönliche Gedanken
oder Träumereien. Aber sie schreiben auch über die Lage der
Menschenrechte und über das größte Tabu: den Islam. Wer
sich mit diesen Themen befasst, bekommt schnell Ärger. Die Websites
werden blockiert, ihre Autoren ins Gefängnis geworfen.
«Ich glaube, dass Blogs heute für viele Menschen zu einer
Art fünfter Gewalt geworden sind», sagt Mahmud al Jussif, ein
Blogger aus Bahrein. Seine Website sei im vergangenen Jahr blockiert
worden, erklärt er, nachdem er über einen Wahlskandal
berichtet habe.
Auf der Liste von Reporter ohne Grenzen mit den 13 Ländern auf der
Welt, die die Meinungsfreiheit im Internet am meisten einschränken,
stehen fünf aus dem Nahen Osten: Ägypten, Iran,
Saudi-Arabien, Tunesien und Syrien. Die Regierungen verteidigen ihr
Vorgehen damit, dass sie ihre Bürger vor
«unmoralischen» und «verleumderischen»
Äußerungen schützen müssten. Für
Bürgerrechtsgruppen und Blogger ist aber klar, dass es hier nur um
die Kontrolle der Medien geht.
«Vor fünf Jahren haben sich die Regierungen um die Blogger
gar nicht gekümmert, weil die Reichweite des Internets zu gering
war», sagt Julien Pain von Reporter ohne Grenzen. «Jetzt
achten die Zensoren vor allem auf die Blogs in der Landessprache und
blockieren sie.» Besonders kritisch sei die Lage im Iran, wo
etliche Blogger inhaftiert wurden. Auch der Zugang zu
regierungskritischen Websites wurde schon blockiert, was auch das
Videoportal YouTube betraf, wo Videos der iranischen Exilopposition zu
sehen waren.
Auch wenn die Zahl der Blogger zum Beispiel im Iran trotz aller
Schikanen wächst, so stellt sich doch die Frage, was sie
tatsächlich verändern können. Die Zahl der Internetnutzer
in der Region hat sich seit 2000 zwar verfünffacht, trotzdem haben
gerade einmal zehn Prozent der Menschen einen Onlinezugang. Eine
Demokratiebewegung sei daraus noch nicht entstanden, sagt Jesse Sage
von der US-Bürgerrechtsgruppe Hands Across the Middle East Support
Alliance. «Es muss sich noch zeigen, ob aus den
Äußerungen im Internet auch tatkräftiges Handeln
wird.»
Der saudiarabische Blogger Ahmed al Omran ist zuversichtlich.
«Blogger haben jetzt Chancen», sagt al Omran.
«Saudi-Arabien verändert sich und die Möglichkeiten,
seine Meinung zu äußern, werden größer. Und die
Blogger nutzen diese Möglichkeiten.»
(Quelle: ap)
Afrikanische Union erhält UN-Mandat für Friedenstruppe in
Somalia
Mi.21.02.07 - Nach der Entmachtung der islamischen Milizregierung in Somalia sollen
8.000 Soldaten der Afrikanischen Union das Land stabilisieren. Ein
entsprechendes Mandat beschloss am Dienstag der Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen in New York mit den Stimmen aller 15 Mitglieder. Im
Anschluss an den auf sechs Monate angelegten Einsatz sollen dann
möglicherweise Blauhelmsoldaten die langfristige Friedenssicherung
übernehmen.
Die UN-Resolution fordert die 53 Staaten der Afrikanischen Union auf,
Soldaten für die Stabilisierungstruppe bereitzustellen. Alle
anderen UN-Staaten werden gebeten, finanzielle Unterstützung zu
leisten sowie bei benötigtem Personal, Ausrüstung und
Dienstleistungen zu helfen.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon soll so schnell wie möglich
eine Delegation zum Sitz der Afrikanischen Union in der
äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba sowie in die somalische
Hauptstadt Mogadischu entsenden. Dabei sollen technische Einzelheiten
des Mandats geklärt und die Möglichkeiten einer
UN-Friedensmission im Anschluss an den Einsatz der
Stabilisierungstruppe untersucht werden. Ban wurde gebeten, dem
Sicherheitsrat innerhalb von 60 Tagen einen Bericht vorzulegen.
Die Regierung der islamischen Miliz wurde im Dezember vergangenen
Jahres von somalischen und äthiopischen Truppen gestürzt.
Dadurch konnte die von den Vereinten Nationen unterstützte
Übergangsregierung für Somalia erstmals seit ihrer Einsetzung
im Jahr 2004 in der Hauptstadt Mogadischu einziehen. Seitdem kommt es
aber immer wieder zu gewaltsamen Zwischenfällen.
(Quelle: ap)
Zwölf Tote bei schweren Kämpfen in Mogadischu
Mi.21.02.07 - Bei schweren Kämpfen in der somalischen Hauptstadt Mogadischu sind
am Dienstag mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen.
Auslöser war laut Augenzeugen eine Serie von Granatenangriffen. Zu
den Zielen gehörten der Präsidentenpalast, der Hafen sowie
äthiopische und somalische Kasernen. Die äthiopischen Truppen
reagierten auf die Angriffe in der Nacht mit Artillerie- und
Maschinengewehrfeuer.
Ärzte in den zwei wichtigsten Krankenhäusern der Stadt
sagten, es seien 42 Verletzte eingeliefert worden, darunter sieben
Kinder. Unter den Toten war den Angaben zufolge ein vierjähriger
Junge. Es waren die wahrscheinlich schwersten Gefechte, seit somalische
Regierungstruppen mit äthiopischer Unterstützung Ende Dezember
die Islamisten aus Mogadischu vertrieben hatten. Der Bürgermeister
der Stadt, Mohamud Hassan Ali, machte am Dienstag islamistische
Extremisten für die Angriffe verantwortlich.
(Quelle: ap)
USA haben Russland angeblich regelmäßig über
Raketenpläne informiert
Mi.21.02.07 - Die US-Regierung hat nach eigenen Angaben Russland seit drei Jahren
regelmäßig über die Pläne einer Raketenabwehr in
Osteuropa informiert. Allein seit März vergangenen Jahres habe es
zehn Treffen zwischen hochrangigen Regierungsmitgliedern beider
Länder über die Details des geplanten Raketenschilds gegeben.
Das sagte Außenamtssprecher Tom Casey in Washington. Er habe
deshalb Probleme mit Äußerungen, die nicht die breit
angelegte Diskussion mit Russland widerspiegelten.
(Quelle: dpa)
Serbien geht mit striktem Nein in Kosovo-Gespräche
Mi.21.02.07 - Serbien wird Regierungsangaben zufolge mit einem strikten Nein zu einer
Unabhängigkeit des Kosovos in die letzte Verhandlungsrunde mit den
Vereinten Nationen gehen.
Wie vom Parlament beschlossen werde die Delegation jeden einzelnen
Punkt des UN-Vorschlags ablehnen, der die serbische
Souveränität verletze, erklärte Aleksandar Simic, ein
enger Berater des nationalistischen Ministerpräsidenten Vojislav
Kostunica und Mitglied der serbischen Delegation. "In anderen Worten:
alle Punkte, die zur Schaffung eines weiteren albanischen Staates auf
dem Balkan, auf serbischem Gebiet, führen", sagte Simc am
späten Montagabend in einem Fernsehinterview.
Serbien und Kosovo-Albaner treffen sich am heutigen Mittwoch in Wien
mit dem UN-Sonderbeauftragten Martti Ahtisaari, der zur Lösung des
Kosovo-Konflikts eine überwachte Souveränität der
südserbischen Provinz vorschlägt. Ahtisaari hat ein Jahr lang
zwischen den Konfliktparteien vermittelt. Nach den abschließenden
Gesprächen wird er seinen Vorschlag dem UN-Sicherheitsrat vorlegen,
der über den endgültigen Status des Kosovos entscheiden wird.
(Quelle: rtr)
China erwärmt sich schneller als der Rest der Welt
Mi.21.02.07 - Der Klimawandel erwärmt China schneller als große Teile der
übrigen Welt. Zudem nehmen extreme Wetter-Erscheinungen wie heftige
Regenfälle, Taifune, Dürren und Wüstenbildung zu.
Das geht aus einem Bericht des nationalen Meteorologischen Amtes
hervor, über den die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag
berichtete. Die Temperaturen sollen demnach in der ersten Hälfte
dieses Jahrhunderts noch deutlich schneller steigen als in den
vergangenen Jahrzehnten.
Schon das chinesische Neujahrsfest, das diese Woche in China nach dem
traditionellen Mondkalender gefeiert wird, war das wärmste seit
Beginn der Wetteraufzeichnungen. Während die Temperaturen sonst zu
dieser Jahreszeit um den Nullpunkt liegen, stiegen sie am Dienstag in
Peking sogar auf frühlingshafte 15 Grad.
In den vergangenen 50 Jahren sei die Temperatur in Bodennähe alle
zehn Jahre um durchschnittlich 0,22 Grad Celsius gestiegen, heißt
es in dem Bericht. Dieser Zuwachs übertreffe sowohl die globalen
Werte als auch jene der nördlichen Hemisphäre.
(Quelle: dpa)
Großkonzerne wollen bei Kampf gegen Klimaschutz voranschreiten
Mi.21.02.07 - Rund 100 international tätige Unternehmen haben sich zum Abschluss
einer Konferenz in New York zum Kampf gegen den Klimawandel bekannt.
Sie riefen zu schnellen und wirksamen Maßnahmen zur Drosselung
der Emission von Treibhausgasen auf. Die Teilnehmer des Treffens
gehören dem 2004 gegründeten Globalen Roundtable zum
Klimawandel an. Vertreten waren auch Unternehmen wie General Electric,
Volvo oder Air France.
«Wir haben es mit einem Problem zu tun, das Handeln erfordert,
aber nicht sofort gelöst werden kann», erklärte der
Direktor des Earth Institute an der Columbia University in New York,
Jeffrey Sachs. Die internationale Business-Community strebt nach seiner
Darstellung ein Rahmenwerk für globales Handeln mit dem Ziel an,
die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels zu
entschärfen, ohne negative Folgen für Energieversorgung und
Wirtschaftswachstum in Kauf nehmen zu müssen. Bis 2012 streben die
Unternehmen einen dauerhaften Plan gegen den Klimawandel an.
Die am Dienstag verabschiedete Erklärung ruft die Regierungen in
aller Welt auf, Ziele für die Reduzierung der
Treibhausgasemissionen festzulegen und sofortige Maßnahmen zu
ergreifen, um diese Vorgaben zu erreichen. Dies schließe auch
ein, Risiken und Kosten auf sich zu nehmen, erklärte der
Vorstandschef des weltgrößten Aluminium-Herstellers Alcoa,
Alain Belda. «Aber viel größer sind die Risiken, wenn
nicht gehandelt wird.» Ohne eine Mitwirkung von Ländern wie
China, Indien, Australien und den USA könne der Klimawandel nicht
wirksam bekämpft werden, sagte Sachs. Schon bald werde China die
USA als Land mit dem höchsten Ausstoß von Kohlendioxid und
anderen Treibhausgasen ablösen.
(Quelle: ap)
EU will Treibhausgasausstoß bis 2020 um ein Fünftel
drücken
Mi.21.02.07 - Im Kampf gegen den Klimawandel will die EU den
Treibhausgasausstoß bis 2020 im Alleingang um ein Fünftel
senken. Das vereinbarten die EU-Umweltminister in Brüssel. Da es
sich um einen Durchschnittswert handelt, muss nach Worten des deutschen
Umweltministers Sigmar Gabriel (SPD) noch über eine gerechte
Lastenverteilung zwischen den einzelnen EU-Ländern beraten werden.
Es sei aber klar, dass Staaten wie Deutschland einen
größeren Beitrag zur Emissionsminderung leisten müssten
als andere, die ökonomisch "Nachholbedarf" hätten.
Die Lastenteilung war einer der Streitpunkte der Verhandlungen und
dürfte auch in Zukunft für Diskussionsstoff sorgen. Die
Umwelt-Ressortchefs vereinbarten, das Ziel zur Verminderung der
Treibhausgase bis 2020 auf 30 Prozent heraufzusetzen, wenn sich andere
Industrieländer anschließen. Gabriel erklärte, damit
würden die Vorschläge der EU-Kommission von allen
EU-Ländern geteilt.
Aus Diplomatenkreisen verlautete, im Streit um eine gerechte
Lastenverteilung hätten die Minister darauf verzichtet, schon
jetzt konkrete Kriterien aufzulisten und sich auf eine Umschreibung
geeinigt. Damit sei der Text "glatt durchgegangen". Mehrere - vor allem
osteuropäische - Staaten hatten im Vorfeld Einwände erhoben,
weil sie zu harte Reduktionsziele fürchteten.
Als Basisjahr für die Berechnung wollen die Minister für die
EU als Ganzes an 1990 - wie schon beim Kyoto-Protokoll - festhalten.
Für die interne Lastenverteilung wird aber offenbar erwogen,
einzelnen Mitgliedstaaten auch andere Basisjahre zuzugestehen.
Kohlendioxid (CO2) macht die mit Abstand größte Menge an
klimaschädlichen Gasen aus. In der EU beläuft sich der
Pro-Kopf-Ausstoß auf jährlich elf Tonnen.
Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) kritisierte die
Beschlüsse der EU-Umweltminister. Die Bundesregierung habe es
erneut nicht geschafft, die Ablehnung verbindlicher Ziele für den
Ausbau erneuerbarer Energien zu überwinden, hieß es vom BEE
in Berlin.
Der Umweltministerrat dient - wie der Energieministerrat in der
vergangenen Woche - der Vorbereitung des Frühjahrsgipfels der
EU-Staats- und Regierungschefs am 8. und 9. März. Die deutsche
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich den Klimaschutz als eines
der vorrangigen Ziele der deutschen EU-Ratspräsidentschaft auf die
Fahnen geschrieben, die am 30. Juni endet.
(Quelle: afp)
Deutschland
Widerstand aus den Ländern gegen geplante Kfz-Steuerreform
Mi.21.02.07 - Gegen die Regierungspläne zum Umbau der Kfz-Steuer regt sich
Widerstand in den Ländern. Die Finanzminister Niedersachsens und
Berlins, Hartmut Möllring (CDU) und Thilo Sarrazin (SPD),
kritisierten den Vorstoß als voreilig. «Eine Umstellung der
Kfz-Steuer auf den CO2- Ausstoß ist nicht durchdacht und geht am
Thema Klimaschutz vorbei», sagte Sarrazin der «Berliner
Zeitung». Möllring sprach von einem politischen
Schnellschuss, der nur für Verwirrung sorge.
Die Bundesregierung will die Berechnungsgrundlage für die
Kfz-Steuer noch in diesem Jahr von Hubraum auf Abgasausstoß
umstellen. Sie benötigt dafür aber die Zustimmung des
Bundesrats. Die Steuer steht alleine den Ländern zu.
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee sagte im Bayerischen Rundfunk,
er erwarte «noch ein paar Wochen heftige Diskussionen»
über das Thema. Er hielt aber an seiner Einschätzung fest,
dass die Reform der Kfz-Steuer noch 2007 beschlossen und 2008 umgesetzt
werden könne.
Möllring sagte der «Berliner Zeitung», bisher habe
Tiefensee nur allgemeine Vorschläge unterbreitet, die eine
inhaltliche Bewertung nicht zuließen. «In keinem Fall darf
es am Ende zu Steuerausfällen für die Länder
kommen», sagte der SPD-Politiker.
Skeptisch zeigte sich auch die Finanzministerin
Mecklenburg-Vorpommerns, Sigrid Keler (SPD). «Die vorgeschlagenen
Änderungen bedeuten einen völligen Systemwechsel bei der
Kfz-Steuer», sagte sie.
Sarrazin sprach sich dafür aus, den Klimaschutz über die
Mineralölsteuer zu beeinflussen, weil die schadstoffabhängig
sei. «Wer mehr Klimaschutz beim Autofahren will, könnte ja
die Mineralölsteuer erhöhen», betonte Sarrazin.
Tiefensee lehnte einen solchen Schritt ab. «Das ist nicht der
richtige Weg», sagte er und verwies auf hohe Benzinpreise.
Kritik an den Regierungsplänen kam auch vom Steuerzahlerbund.
Präsident Karl-Heinz Däke sagte laut «Neuer
Osnabrücker Zeitung», er befürchte eine zusätzliche
Belastung der Autofahrer.
Die Grünen-Bundestagsfraktion unterstützte dagegen
grundsätzlich die Koppelung der Kfz-Steuer an den
Schadstoffausstoß der Fahrzeuge. «Jetzt kommt es nur darauf
an, ob aus einem Ministerwort tatsächlich auch Taten werden»,
sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast im
ARD-Morgenmagazin.
CSU-Generalsekretär Markus Söder brachte unterdessen eine
andere steuerliche Maßnahme zur Verbesserung des Klimaschutzes ins
Gespräch. In der «Passauer Neuen Presse» forderte er
die Koppelung der Erbschaftsteuer an Klimaschutzmaßnahmen. Bei
der Vererbung von Immobilien solle sich die Höhe der Steuer danach
richten, wie gut die Gebäude unter ökologischen
Gesichtspunkten modernisiert werden, sagte er. «Wer energetisch
saniert, muss deutlich weniger Erbschaftsteuer zahlen.»
Insbesondere Erben von Altbauten sollen demnach bei entsprechenden
Investitionen kräftig entlastet werden: «In den nächsten
Jahren werden 80 Prozent des Altbaubestandes vererbt. Wir wollen einen
deutlichen Anreiz setzen», erklärte Söder.
(Quelle: ap)
Experten erwarten deutlichen Rückgang der Arbeitslosenzahl
Mi.21.02.07 - Führende Wirtschaftsexperten rechnen dank des Aufschwungs mit
einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosenzahl.
Wenn sich die wirtschaftliche Lage weiter so positiv entwickele,
könne die Zahl im Jahresschnitt knapp unter die
Vier-Millionen-Marke kommen, sagte der Vorsitzende des Rates der
Wirtschaftsweisen, Bert Rürup, der Zeitung "Bild" (Dienstagausgabe)
laut Vorabbericht. Im Herbst seien Zahlen deutlich unter vier Millionen
denkbar.
Der Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Michael Heise, bezeichnete den
Rückgang der Arbeitslosigkeit seit 2005 als "geradezu
sensationell". Wenn der Trend anhalte, könne die Zahl der
Arbeitslosen 2009 unter drei Millionen sinken.
Der Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, Andreas Rees, prognostizierte
der Zeitung zufolge für 2008 einen Rückgang der Zahl auf 3,6
Millionen.
Im Januar waren in Deutschland etwa 4,25 Millionen Erwerbslose
registriert. Dies sind der Bundesagentur für Arbeit (BA) zufolge
239.000 mehr als im Dezember, aber etwa 764.000 weniger als im Januar
vorigen Jahres.
(Quelle: rtr)
Immer weniger Gewerkschafter im Osten
Mi.21.02.07 - Die Gewerkschaften haben 2006 in Ostdeutschland prozentual deutlich
mehr Mitglieder verloren als im Westen. Obwohl sich der
Mitgliederschwund insgesamt verlangsamte, hielt der Trend der Vorjahre
damit an.
Die acht Einzelgewerkschaften büßten in den ostdeutschen
Bundesländern 5,1 Prozent ihrer Mitglieder ein, im Westen betrug
das Minus 2,3 Prozent, wie ein Sprecher des Deutschen Gewerkschaftsbunds
(DGB) der dpa in Berlin berichtete.
Im Westen wurden 5,410 Millionen Gewerkschafter gezählt nach 5,540
Millionen im Jahr 2005. Das ist ein Minus von rund 130 000 Menschen. Im
Osten waren es 1,176 Millionen nach 1,238 Millionen ein Jahr zuvor. Das
bedeutet einen Rückgang um 63 000 Mitglieder. Die gesamtdeutsche
Bilanz hatte der DGB bereits Ende Januar vorgelegt. Danach sank die Zahl
der Gewerkschaftsmitglieder binnen Jahresfrist um 193 000 auf 6,586
Millionen (minus 2,8 Prozent).
Der DGB-Sprecher begründete den überproportionalen
Rückgang in den neuen Ländern mit dem starken
Arbeitsplatzabbau dort in den vergangenen Jahren. Nach einiger Zeit der
Arbeitslosigkeit suchten die Betroffenen nach Möglichkeiten, ihre
Ausgaben zu verringern. Irgendwann sei dann auch der für
Erwerbslose reduzierte Gewerkschaftsbeitrag an der Reihe und der
Austritt die Konsequenz.
(Quelle: dpa)
Kurnaz-Unterlagen beim BND verschwunden
Mi.21.02.07 - Im Bundesnachrichtendienst (BND) sind nach Angaben zweier Mitarbeiter
im Fall des früheren Guantánamo-Häftlings Murat Kurnaz
US-Vernehmungsprotokolle verschwunden.
Dabei geht es nach dpa-Informationen vom Dienstag in Berlin um
Unterlagen, die der US-Geheimdienst CIA im Zuge seiner Verhöre von
Kurnaz in dem amerikanischen Gefangenenlager auf Kuba im Jahr 2002
angelegt hatte. Laut «Berliner Zeitung» würden diese
Unterlagen Kurnaz vom Vorwurf entlasten, er sei ein gefährlicher
Islamist gewesen oder habe Beziehungen zu Taliban und
El-Kaida-Aktivisten unterhalten.
Der SPD-Obmann im BND-Untersuchungsausschuss des Bundestages, Thomas
Oppermann, wies dies als «wüste Spekulation»
zurück. Die angeblich verschwundenen Akten lägen ihm vor und
seien Teil der staatsanwaltlichen Ermittlungsakte. Zwar könne er
keine Einzelheiten nennen, aber die Akte enthalte nur tabellarische
Informationen über die US-Befragung von Kurnaz: «Die sind in
keiner Weise geeignet, Murat Kurnaz zu entlasten.»
Hingegen erklärten beide BND-Mitarbeiter, die Kurnaz im September
2002 gemeinsam mit einem deutschen Verfassungsschützer befragt
hatten, nach dpa-Informationen in der vertraulichen Sitzung des
Untersuchungsausschusses am 1. Februar, der in Bremen geborene
Türke sei ihrer Ansicht nach in keiner Weise in Terrorstrukturen
eingebunden gewesen. Er sei ein «naiver» Mensch und nicht
auf dem Weg gewesen, für Osama bin Laden oder für den Islam zu
kämpfen oder zu sterben.
Einer der beiden BND-Mitarbeiter gab an, Vernehmungsprotokolle der
Amerikaner vor seiner eigenen Befragung von Kurnaz im September 2002
gelesen, aber aus Sicherheitsgründen in seiner Dienststelle in
München gelassen habe. Der BND weiß nach eigenen Angaben aber
nicht, wo die Unterlagen geblieben sind und verweist auf den Umzug der
Dienststelle nach Berlin. Dabei seien umfangreich Akten vernichtet
worden. Laut «Berliner Zeitung» will sich das für die
Geheimdienste zuständige Parlamentarische Kontrollgremium (PKGr)
des Bundestags mit dem Vorfall befassen.
Der BND-Mitarbeiter, der in Guantánamo die Befragung von Kurnaz
geleitet hatte, sagte, die Amerikaner hätten die deutsche
Einschätzung geteilt, dass Kurnaz trotz seiner Pakistan-Reise nach
den Anschlägen auf die USA nicht sehr gefährlich erschien. Er
bezog sich dabei auf Auskünfte eines CIA-Verbindungsbeamten in
Bezug auf etwa 30 Befragungen von Kurnaz durch die CIA.
Oppermann stellte in der Sitzung fest, dass dieser CIA-Mann nicht
persönlich an den Vernehmungen beteiligt war, und schlussfolgerte
daraus, dass das dann nicht als Information gewertet werden könne.
Er hielt den beiden BND-Mitarbeitern damalige Erkenntnisse von Polizei
und Verfassungsschutz vor, wonach Kurnaz mit einem Hassprediger in
Bremen in Verbindung gestanden und einen Einsatz bei den Taliban
angekündigt haben soll. Die BND-Mitarbeiter kannten diese Akten
nach eigenen Angaben nicht. Oppermann zufolge hätten sie
möglicherweise andere Erkenntnisse aus ihren Befragungen von Kurnaz
gewinnen können, wenn sie ihn damals mit diesen Vorwürfen
konfrontiert hätten.
Ferner wurde bekannt, dass der deutsche Delegationsleiter des BND
gemeinsam mit dem Verfassungsschutzmitarbeiter außer Kurnaz noch
einen weiteren Häftling verhörte. Das sagte der
Verfassungsschützer in der Sitzung des BND-Untersuchungsausschuss.
Um wen es sich bei dem Inhaftierten handelte, ist nicht bekannt. Die
Aussagegenehmigung des Verfassungsschützer beschränkte sich
auf den Fall Kurnaz.
Kurnaz war nach bisherigen Erkenntnissen der einzige in
Guantánamo internierte Terrorverdächtige mit Bindungen nach
Deutschland. Er war Ende 2001 in Pakistan unter Terrorverdacht
festgenommen und über Afghanistan nach Guantánamo gebracht
worden. Erst im August 2006 kam er wieder frei. Der früheren
rot-grünen Regierung wird vorgeworfen, Kurnaz im Wissen um seine
Unschuld im Stich gelassen zu haben.
(Quelle: dpa)
Zentralrat der Muslime «entsetzt» über Schäuble
Mi.21.02.07 - Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Ayyub Axel
Köhler, ist «entsetzt» über Bundesinnenminister
Wolfgang Schäuble (CDU). Köhler sagte der Zeitung «Die
Welt» (Mittwochausgabe), zunächst habe Schäuble zwar
betont, dass Muslime zur Gesellschaft dazugehörten. Kürzlich
habe der Innenminister aber ohne konkreten Anlass wieder in der Sprache
derer gesprochen, «die das Misstrauen säen».
Köhler kritisierte auch die beschlossene Anti-Terror-Datei. Durch
die Speicherung der Religionszugehörigkeit werde «der
Generalverdacht schon mal amtlich». Der Zentralrats-Vorsitzende
fügte hinzu: «Offensichtlich nimmt es die Politik billigend
in Kauf, dass Muslime sich zunehmend zurückhalten werden, sich
öffentlich zu ihrer Religion zu bekennen.» Ein solches
Gesetz sei «außerordentlich gefährlich für den
freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat insgesamt».
Köhler legte zugleich ein klares Bekenntnis zur Verfassung ab. Er
versicherte: «Jawohl, wir stehen zur Meinungs- und
Pressefreiheit, zur Freiheit der Kunst.» Viele Muslime kämen
aus Ländern, in denen es keine demokratischen Verhältnisse
gebe. Köhler fügte hinzu: «Sie sind doch froh, dass sie
hier leben. Und diese Freiheit verteidigen wir.»
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Fernsehen für Kinder schädlicher als bisher gedacht
Mi.21.02.07 - Fernsehen kann nach den Ergebnissen einer neuen Studie für Kinder
schädlicher sein als bisher angenommen. Der Fernsehkonsum
beschleunige eine nachhaltige Schädigung der Augen, Fettleibigkeit,
Autismus und das verfrühte Eintreten der Pubertät, schreiben
Wissenschaftler um den britischen Psychologen Aric Sigman in einer am
Montag in der Fachzeitschrift "Biologist" veröffentlichten Studie.
Das Fernsehen hemmt nach Erkenntnissen der Forscher die Produktion des
Hormons Melatonin. Dies beeinflusse das Immunsystem, den Schlafzyklus
und den Beginn der Pubertät. Gleichzeitig könne die geringere
Melatonin-Produktion in Krebs erregenden Mutationen der Zell-DNA
resultieren. Bei Menschen zwischen 20 und 60 Jahren steige zudem mit
jeder Stunde vor dem Fernseher das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung.
Der Studie zufolge haben Sechsjährige in Großbritannien im
Durchschnitt bereits ein Jahr ihres Lebens vor dem Fernseher verbracht.
Mehr als die Hälfte der Dreijährigen habe ein eigenes
TV-Gerät im Kinderzimmer. Die Autoren raten dazu, die Reduzierung
des Fernsehkonsum zu den vorrangigen Themen der Gesundheitspolitik zu
erklären. Auf diese Weise seien erhebliche Einsparungen im
Gesundheitssystem möglich.
(Quelle: afp)