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Irak am neunhundertneunundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
UN-Sicherheitsrat verurteilt Anschläge im Irak. Demokraten im
US-Senat bereiten Gesetzentwurf zum Irak-Krieg vor. Britische Armee
schickt Prinz Harry in den Irak. 100 Jahre Haft wegen Vergewaltigung
und Mord im Irak
Fr.23.02.07 - Der UN-Sicherheitsrat hat die anhaltenden Anschläge im Irak
verurteilt und zu stärkeren Bemühungen um Stabilität
aufgerufen. In seiner Resolution vom Donnerstag nannte das Gremium
neben anderen Bombenanschlägen ausdrücklich auch die
jüngsten Angriffe auf Chlorgas-Transporter, bei denen in den
vergangenen Tagen 14 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt
wurden.
Der Weltsicherheitsrat würdigte die Anstrengungen der irakischen
Sicherheitskräfte und der internationalen Truppen bei der
Sicherung des Landes. Zugleich wurden die UN-Mitgliedsstaaten
aufgerufen, «den Transit von Terrorismus in den und aus dem Irak
zu verhindern». Der Terrorismus müsse in allen seinen Formen
bekämpft werden. Um die Verurteilung der jüngsten
Anschläge hatte die irakische Vertretung bei den Vereinten
Nationen ersucht.
Die Demokraten im Senat haben mit der Arbeit an einem Gesetzentwurf
begonnen, der den Einsatz der US-Truppen im Irak beschränken soll.
Dabei soll es im Kern darum gehen, den Beschluss von 2002 mit weit
reichenden Befugnissen für Präsident George W. Bush zur
Kriegführung im Irak rückgängig zu machen, wie am
Donnerstag aus Kongresskreisen verlautete.
Einer der Vorschläge geht dem Vernehmen nach in die Richtung, den
Einsatz der US-Soldaten auf den Kampf gegen das Terrornetz der Al Kaida
sowie auf die Ausbildung der irakischen Streitkräfte und der
Polizei zu beschränken. Ein Sprecher des demokratischen
Mehrheitsführers Harry Reid sagte, dass bislang keine
Entscheidungen getroffen seien.
Der britische Prinz Harry wird im Mai oder Juni als Soldat in den Irak
gehen. Der 22-Jährige werde mit seinem Regiment «Blues and
Royals» nach Basra entsandt, erklärte das
Verteidigungsministeriums am Donnerstag in London. Der
zweitälteste Sohn von Thronfolger Prinz Charles dient in dem
Regiment als Leutnant. Er soll im Irak eine Gruppe von zwölf
Soldaten in vier gepanzerten Aufklärungsfahrzeugen befehligen.
Prinz Harry wäre das erste Mitglied der Königsfamilie im
einem Kampfeinsatz, seit sein Onkel Prinz Andrew 1982 im Falklandkrieg
gegen Argentinien kämpfte.
Ein Militärgericht im US-Staat Kentucky hat einen Soldaten wegen
Vergewaltigung einer 14-Jährigen Irakerin und Ermordung ihrer
Familie zu 100 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht verfügte am
Donnerstagabend in Fort Campbell außerdem die unehrenhafte
Entlassung des 24-jährigen Feldwebels Paul Cortez. Cortez bekannte
sich schuldig zu vierfachem Mord, Vergewaltigung und Verabredung zur
Vergewaltigung. Er habe die Tat mit drei weiteren Soldaten der 101.
Luftlandedivision im Irak geplant, erklärte Cortez. Das
Strafmaß kann nach einer Vereinbarung mit dem
Militärankläger nach zehn Jahren ermäßigt werden.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 23.02.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertundfünftenTag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.23.02.06 - Bombe vor irakischer Schule tötet zwei Jungen +++ Schiiten-Heiligtum
in Samarra in die Luft gesprengt - Welle der Gewalt nach Anschlag +++ Vier
misshandelte Iraker klagen auf Entschädigung +++
Im Irak mag zwar kein traditioneller Bürgerkrieg herrschen, in dem
sich zwei wohlorganisierte Untergrundarmeen bekämpfen. Doch nach
dem verheerenden Anschlag auf das schiitische Heiligtum in Samarra
kommt man um die Feststellung nicht herum, dass das geschundene Land
längst von einem Religions- und Bürgerkrieg neuerer Art
heimgesucht wird...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0602230.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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USA deuten radikalen Strategiewechsel in Afghanistan an
Fr.23.02.07 - Die USA haben einen radikalen Strategiewechsel in Afghanistan
angedeutet, der auf einen Einsatz deutscher NATO-Soldaten auch im
umkämpften Süden des Landes hinauslaufen würde. Der
Sicherheitsberater von US-Präsident George W. Bush, Stephen Hadley,
plädierte nach einem Treffen mit dem NATO-Rat in Brüssel
dafür, die militärische Aufteilung Afghanistans in fünf
von der NATO verwaltete Zonen aufzugeben. Bisher ist Afghanistan in
fünf Zonen unterteilt. Deutschland hat mit knapp 3000 Soldaten im
vergleichsweise ruhigen Norden die Führung.
"Wir sind für einen Ansatz, der dem ganzen Land Sicherheit
bringt", sagte Hadley laut der offiziellen US-Abschrift eines Interviews
mit sieben Zeitungen, das die Nachrichtenagentur AFP in Brüssel
erhielt. Briten, Kanadier und Niederländer tragen die
Verantwortung im umkämpften Süden. Italien kümmert sich
um den Westen. Die NATO-Befehlshaber bräuchten aber
"Flexibilität, die Truppen durch das Land zu bewegen - je nachdem,
wo sie gebraucht werden und wie sie gebraucht werden", unterstrich
Hadley. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, damit würde
Afghanistan zum Operationsgebiet für alle NATO-Truppen.
Die von Hadley geäußerten Vorstellungen widersprechen dem
Bundeswehr-Mandat für Afghanistan. Danach können die deutschen
Soldaten nur im Norden eingesetzt werden. Hadley betonte dagegen, alle
Länder müssten ihre Truppen in vollem Umfang den
NATO-Oberbefehlshabern zur Verfügung stellen. "Es ist auch eine
Frage der Solidarität", sagte er.
Australien erwägt derweil die Entsendung weiterer Soldaten nach
Afghanistan. Die Regierung sei wegen der Aktivitäten der
radikalislamischen Taliban-Milizen und des Terrornetzwerks El Kaida in
dem Land sehr besorgt, sagte Verteidigungsminister Brendan Nelson im
australischen Rundfunk. Daher wolle er ein kleines Expertenteam
entsenden, das die Lage vor Ort genau prüfen solle. Derzeit sind
rund 550 australische Soldaten in Australien im Einsatz, rund 370 von
ihnen bei Wiederaufbaumaßnahmen. Angesichts der erwarteten
Frühjahrsoffensive der Taliban hat die NATO für die von ihr
geführte Afghanistan-Schutztruppe ISAF zusätzliche Soldaten
gefordert.
(Quelle: afp)
Iran hält an Urananreicherung fest
Fr.23.02.07 - Der Iran hat eine Frist des UN-Sicherheitsrats zur Einstellung seiner
Urananreicherung verstreichen lassen. Teheran habe entsprechende
Aktivitäten nicht eingestellt, erklärte die Internationale
Atomenergiebehörde (IAEA) am Donnerstag in einem Bericht an den
UN-Sicherheitsrat. Der Iran erklärte, ein Verzicht auf sein
Atomprogramm stehe im Widerspruch zu seinen Rechten und zum
Atomwaffensperrvertrag.
IAEA-Chef Mohamed ElBaradei erklärte, der Iran arbeite weiterhin
an einem Ausbau der Atomanlage von Natans, wo Zentrifugen zur
Anreicherung von Uran installiert wurden. In dem sechsseitigen Bericht
hieß es weiter, der Iran setze den Bau eines Schwerwasserreaktors
fort - allen Forderungen des Sicherheitsrats zum Trotz. Die
IAEA-Experten könnten darüber hinaus keine Aussagen zur
Entwicklung des iranischen Atomprogramms machen, da die Behörden
nicht ausreichend kooperiert hätten.
Auf Grundlage des IAEA-Berichts entscheidet der Sicherheitsrat
über eine Ausweitung der Sanktionen gegen Teheran, die in einem
Ultimatum vor 60 Tagen angedroht worden war. Der Sicherheitsrat hatte
in seiner Resolution vom 23. Dezember gefordert, dass der Iran mit der
IAEA zusammenarbeitet, um ausstehende Fragen zu klären.
Der stellvertretende Leiter der Iranischen Atomenergiebehörde,
Mohammad Saidi, erklärte, der Bericht zeige, dass nur
Verhandlungen zu einer Lösung in dem Konflikt führen
könnten. ElBaradei habe eingeräumt, dass die IAEA-Inspekteure
neue Überwachungskameras hätten installieren können,
während die Zahl der Kontrollen gestiegen sei.
Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich
nicht überrascht von dem Bericht. «Nach der Entwicklung der
letzten Woche war nichts anderes zu erwarten, dass die IAEA feststellen
würde, was sie heute getan hat», sagte er. «Damit gilt
es gemeinsam zu besprechen, wie jetzt verfahren wird.» Zu den
Optionen gehöre auch eine weitere Runde im Weltsicherheitsrat.
Die USA sehen in der Weigerung Teherans «eine verpasste Chance
für die iranische Regierung und das iranische Volk». Der
stellvertretende Sprecher des US-Außenministeriums, Tom Casey,
erklärte in Washington, die amerikanische Regierung sei der
Ansicht, dass der UN-Sicherheitsrat jetzt weitere Schritte einleiten
sollte. Diese müssten über die im vergangenen Jahr
vereinbarten Sanktionen hinausgehen. Einzelheiten wollte er nicht
nennen. Der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy
forderte eine entschlossene und einheitliche Reaktion der
internationalen Gemeinschaft. Sein Land unterstütze eine zweite
Resolution des Sicherheitsrats, die einstimmig verabschiedet werden
müsse, um die Sanktionen fortzusetzen.
Unmittelbar vor Veröffentlichung des neuen Iran-Berichts der IAEA
hatten die EU, die USA und Russland Teheran zum Einlenken im Atomstreit
aufgefordert. Bei einem Treffen in Berlin bekräftigten die
Außenminister Steinmeier für die deutsche
EU-Präsidentschaft, Condoleezza Rice, Sergej Lawrow und der
EU-Außenbeauftragte Javier Solana am Donnerstag ihre
Bereitschaft, unter bestimmten Bedingungen an den Verhandlungstisch
zurückzukehren. Man hoffe auf die Einsicht Teherans, «dass
ein noch so ehrgeiziges Atomprogramm die Menschen im Iran nicht satt
macht», sagte Steinmeier nach dem Treffen. Es sei vereinbart
worden, zum weiteren Vorgehen in der Iran-Frage «im vertraulichen
Gespräch zu bleiben und in den nächsten Tagen die weiteren
Schritte eng miteinander abzustimmen».
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
EU setzt in Nahost auf Saudi-Arabien, Ägypten und Jordanien.
UN-Experte vergleicht Israels Kurs in Autonomiegebieten mit Apartheid
Fr.23.02.07 - Die Europäische Union setzt bei den Friedensbemühungen
für Nahost auf die Hilfe von Saudi-Arabien, Ägypten und
Jordanien.
"Die spielen eine wichtige Rolle und sind gute Partner", sagte
EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner am Donnerstag im
Deutschlandfunk. Damit konkretisierte die EU-Spitzenpolitikerin einen
Beschluss des Nahost-Quartetts, wonach arabische Staaten künftig
stärker in die internationalen Friedensbemühungen einbezogen
werden sollen. Das Quartett aus USA, Russland, Vereinten Nationen und EU
hatte am Mittwochabend in Berlin über das weitere Vorgehen beraten
und ein nächstes Treffen in einem arabischen Staat beschlossen.
Ferrero-Waldner stellte zudem internationale Unterstützung
für die neue Palästinenserregierung in Aussicht, wenn diese
die Forderungen des Nahost-Quartetts erfülle. "Wir wollen der
Regierung eine Chance geben, wenn sie die Bedingungen erfüllt." Das
Quartett fordert von der Palästinenserregierung eine
ausdrückliche Anerkennung Israels, den Verzicht auf Gewalt sowie
die Einhaltung früher geschlossener Friedensverträge.
Das Nahost-Quartett hatte sich nach dem Treffen in Berlin
öffentlich noch nicht festgelegt, wie es mit der geplanten
Einheitsregierung aus der radikalen Hamas und der
gemäßigteren Fatah umgehen will. Die USA und die EU, die
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier derzeit im
Quartett vertritt, haben einen Finanz- und Kontaktboykott gegen die
gegenwärtig von der Hamas gestellte Regierung verhängt.
Mit der palästinensischen Regierung der nationalen Einheit soll
ein Bürgerkrieg verhindert werden. Dazu dienen auch
Bemühungen, den Palästinensern konkrete Perspektiven für
einen Staat aufzuzeigen. Dazu soll die vorsichtige Annäherung mit
Israel gefördert werden. Da Israel Kontakte mit der Hamas strikt
ablehnt, soll Präsident Mahmud Abbas von der Fatah Ansprechpartner
bleiben.
Ein im UN-Auftrag entstandener Bericht vergleicht die israelische
Politik in den palästinensischen Gebieten mit der Apartheid in
Südafrika. Das israelische Vorgehen in den Autonomiegebieten
ähnele in Aspekten der südafrikanischen Rassentrennung,
schreibt der Menschenrechtsexperte John Dugard in seinem Bericht, der
im kommenden Monat dem UN-Menschenrechtsrat vorgelegt werden soll und
bereits auf der Website des Gremiums veröffentlicht wurde.
Der Südafrikaner Dugard wirft Israel vor, die Bewegungsfreiheit
der Palästinenser einzuschränken und Häuser zu
zerstören. Auch eine Vorzugsbehandlung der jüdischen Siedler
im Westjordanland listet der Jurist auf. «Kann man ernsthaft
bestreiten, dass es das Ziel solcher Aktionen ist, die Dominanz einer
Volksgruppe - der Juden - über eine andere - die
Palästinenser - durchzusetzen und zu erhalten?» fragt Dugard
in seinem 24-seitigen Bericht.
Israel begründet Beschränkungen der Bewegungsfreiheit
für die Palästinenser mit der Abwehr von Anschlägen. Der
israelische Botschafter bei den Vereinten Nationen in Genf protestierte
gegen den Bericht und warf ihm Einseitigkeit vor.
Dugard wurde 2001 von der UN-Menschenrechtskommission, dem
Vorgänger des Menschenrechtsrats, mit der Untersuchung
möglicher Verstöße in den palästinensischen
Gebieten von Seiten Israels eingesetzt. Israel und die USA weisen seine
Berichte regelmäßig als einseitig zurück. In seiner
jüngsten Untersuchung erwähnt Dugard allerdings auch
palästinensische Raketenangriffe als Verbrechen.
(Quellen: rtr, ap)
Ägyptischer Blogger zu vier Jahren Haft verurteilt
Fr.23.02.07 - Ein ägyptischer Blogger ist wegen Beleidigung des Islams und des
ägyptischen Staatspräsidenten zu vier Jahren Haft verurteilt
worden. Der 22-jährige Abdel Karim Nabil hatte die islamische
Hochschule Al Ashar als «Universität des Terrorismus»
bezeichnet und ihr vorgeworfen, das freie Denken zu unterdrücken.
Er war daraufhin vom Studium ausgeschlossen worden. Zudem
äußerte der unter dem Namen Karim Amer schreibende Blogger
scharfe Kritik an der Regierung von Präsident Husni Mubarak. In
beiden Fällen hatte Nabil auf nicht schuldig plädiert.
Wegen Verunglimpfung des Islams und Volksverhetzung verurteilte ihn das
Gericht am Donnerstag in Alexandria zu drei Jahren Haft. Für die
Beleidigung des Staatspräsidenten muss der 22-Jährige ein
weiteres Jahr ins Gefängnis. In einem Beitrag hatte er die
Regierung Mubaraks als «Symbol der Diktatur» bezeichnet.
Nabil war im November festgenommen worden. Mehrere Blogger, die
ebenfalls im vergangenen Jahr wegen Kontakten zur demokratischen
Opposition festgenommen wurden, kamen inzwischen frei. Es ist das erste
Mal, dass ein Blogger in Ägypten tatsächlich verurteilt wurde.
(Quelle: ap)
UN-Mission in Osttimor verlängert
Fr.23.02.07 - Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat das Mandat für die
Friedensmission in Osttimor um ein Jahr verlängert. Außerdem
wurde beschlossen, die internationale Polizeipräsenz von 1.300
Mann vor den Wahlen am 9. April zu verstärken. Zur Sicherung der
Abstimmung werden 140 zusätzliche Polizisten nach Osttimor
geschickt.
Die internationale Gemeinschaft folgt damit einem Appell von
Ministerpräsident José Ramos-Horta, der die kommenden
Monate als besonders kritisch für die Entwicklung des Landes
bezeichnete. Bei der Verlängerung der UN-Mission bis 26. Februar
2008 äußerte sich der Sicherheitsrat besorgt über
«die immer noch gefährdete und unsichere Situation» in
Osttimor.
Das kleine Land hat sich 1999 von Indonesien gelöst, das die
ehemalige portugiesische Kolonie 24 Jahre lang besetzt hielt. Nach
zweieinhalbjähriger Verwaltung durch die Vereinten Nationen
erlangte Osttimor im Mai 2002 seine Unabhängigkeit. Bei schweren
Zusammenstößen im April und Mai vergangenen Jahres kamen
mindestens 37 Menschen ums Leben.
(Quelle: ap)
EU-Arbeitsminister fordern stärkere Gewichtung der sozialen Frage
Fr.23.02.07 - Die soziale Frage muss nach Auffassung der EU-Arbeitsminister in der
Gemeinschaft mehr Beachtung finden. Beschäftigungs- und
Sozialpolitik müssten mit der Wirtschaftspolitik
«gleichrangig behandelt werden», erklärte Deutschlands
Arbeitsminister Franz Müntefering am Donnerstag nach einem Treffen
mit seinen EU-Kollegen in Brüssel. Die von Frankreich erhobene
Forderung, der EU-Gipfel im März solle sich für gemeinsame
soziale Mindeststandards aussprechen, griff die deutsche
Ratspräsidentschaft indes nicht auf.
Der französische Arbeitsminister Gérard Larcher
erklärte auf einer Pressekonferenz, in die Abschlusserklärung
des Gipfels sollte eine Klausel aufgenommen werden, dass es
«gemeinsame soziale Mindeststandards für alle» geben
müsse. Gemeinsam mit acht weiteren Staaten legte Frankreich
außerdem eine Erklärung vor, in der eine verstärkte
Zusammenarbeit der EU-Staaten im Sozialbereich gefordert wird. Bislang
gibt es hierzu nur unverbindliche Absprachen.
Die neun Länder - neben Frankreich Belgien, Bulgarien,
Griechenland, Italien, Luxemburg, Spanien, Ungarn und Zypern - sprechen
sich in dem Papier zudem für die «Stabilisierung von
Beschäftigungsverhältnissen» und die Schaffung
hochwertiger Arbeitsplätze aus. «Wir wollen mehr Arbeit,
aber auch mehr Arbeit von besserer Qualität», betonte der
italienische EU-Botschafter Alessandro Pignatti. In einer von allen
Ministern gemeinsam verabschiedeten Botschaft an den EU-Gipfel ist
dagegen nur allgemein davon die Rede, dass sich Arbeit auch lohnen
müsse.
Müntefering erklärte, er betrachte die von den neun Staaten
eingebrachte Erklärung eher als «Diskussionsbeitrag»
für den Zeitraum 2008 bis 2010. Dagegen betonte Larcher, eine
Klausel über soziale Mindeststandards sollte möglichst in die
Abschlusserklärung des Gipfels am 8. und 9. März eingehen und
schon im zweiten Halbjahr 2007 in eine konkrete Debatte etwa über
die höchstzulässige Arbeitszeit münden.
Die Festlegung einer solchen gemeinsamen Obergrenze ist allerdings
schon mehrfach gescheitert. Der britische Staatssekretär James
Plaskitt bekräftigte am Donnerstag die skeptische Haltung seiner
Regierung: «Wir sind noch nicht davon überzeugt, dass man
noch weitere Mindeststandards braucht für die Sozialpolitik.»
Breite Zustimmung gab es bei dem Treffen für den Vorschlag der
deutschen Familienministerin Ursula von der Leyen, eine «Allianz
für Familien» zu schaffen. Ziel sei es, sich über
Erfolg versprechende Ansätze in der Familienpolitik auszutauschen,
erklärte von der Leyen mit Blick auf die sinkenden Geburtenraten
in weiten Teilen der EU. Die Bundesfamilienministerin rief dazu auf,
«wegzukommen von dem Drohszenario einer älteren Gesellschaft
und hinzukommen zum positiven Bild einer Gesellschaft des langen
Lebens». Der demographische Wandel berge außer Risiken auch
Chancen.
Die Gesellschaft werde gezwungen sein, jungen Eltern die Vereinbarkeit
von Beruf und Familie zu erleichtern, sagte von der Leyen. Zudem steige
der Druck dafür zu sorgen, «dass alle Kinder früher und
besser Zugang zu Bildung haben». Die dritte Chance bestehe darin,
«die Potenziale älterer Menschen am Arbeitsmarkt besser zu
nutzen», sagte die Bundesfamilienministerin.
(Quelle: ap)
Frankreich: Pariser Nationalversammlung beschließt Recht auf
Wohnung
Fr.23.02.07 - Das französische Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, das allen
Bürgern ein Recht auf Wohnung garantiert. Ab Ende 2008 können
Obdachlose eine dauerhafte Unterkunft einklagen, ab 1. Januar 2012 auch
alle Personen mit Anspruch auf eine Sozialwohnung. Premierminister
Dominique de Villepin kündigte nach der Abstimmung am
Donnerstagabend die schnelle Einrichtung von Unterkünften für
Obdachlose an, die zurzeit in Zelten am Canal Saint-Martin leben.
Wirksame Hilfen für Obdachlose sind vor der
Präsidentschaftswahl im April und Mai zu einem wichtigen
Wahlkampfthema geworden. Ein öffentlich beachtetes Thema wurde die
Not der Obdachlosen vor allem durch die Kampagne der Organisation
«Die Kinder von Don Quichotte». Ein ähnliches Gesetz
mit einem Recht auf Wohnung gibt es in Europa sonst nur noch in
Schottland.
(Quelle: ap)
OECD: Deutschland muss Entwicklungshilfen deutlich erhöhen
Fr.23.02.07 - Deutschland muss für eine Umsetzung der selbst gesetzten
entwicklungspolitischen Ziele deutlich größere Anstrengungen
unternehmen. Für das Ziel, bis 2010 für die
Entwicklungszusammenarbeit 0,51 Prozent des Bruttonationaleinkommens
bereitzustellen, müsse die Bundesregierung ihre Hilfen innerhalb
der kommenden vier Jahre um mehr als die Hälfte erhöhen,
erklärte die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD) in einer entwicklungspolitischen Bilanz am
Donnerstag in Berlin. "Deutschland muss sich dringend der Umsetzung
seiner Verpflichtungen annehmen", mahnte der Vorsitzende des
OECD-Entwicklungsausschusses, Richard Manning. Er forderte eine
(Quelle: afp)
Deutsches Staatsdefizit 2006 nahezu halbiert
Fr.23.02.07 - Das Staatsdefizit hat sich im ersten Regierungsjahr der großen
Koalition nahezu halbiert.
Dank des kräftigen Wirtschaftsaufschwungs lag der Fehlbetrag 2006
nur bei 1,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), teilte das
Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Die Regierung
hatte bisher 1,9 Prozent genannt. Bundesfinanzminister Peer
Steinbrück äußerte sich erfreut über die
Entwicklung und kündigte an, er wolle die Kreditaufnahme des Bundes
2008 so weit wie möglich zurückführen. Die Union
forderte noch stärkere Anstrengungen bei der Haushaltssanierung,
insbesondere des Bundes. Die FDP erklärte, der Schuldenberg sei
zwar weiter zu hoch, ein Haushalt ohne neue Schulden aber keine Utopie
mehr.
Damit wurde von Deutschland erstmals seit 2001 wieder die Defizitgrenze
des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspaktes von drei
Prozent eingehalten. Das Defizit des Bundes betrug 2006 34,9 Milliarden
Euro und bei den Ländern 9,7 Milliarden Euro. Die Gemeinden
schlossen ihre Kassen mit einem Überschuss von 1,2 Milliarden Euro.
Die Sozialversicherungen kamen sogar auf einen Überschuss von 3,9
Milliarden Euro. 2005 hatte das Defizit aller öffentlichen
Haushalte noch 3,2 Prozent des BIP betragen.
Finanzminister Steinbrück äußerte sich erfreut, dass
2006 deutlich weniger Schulden gemacht wurden als ursprünglich
geplant. "Diesen Weg gilt es jetzt konsequent weiterzugehen. Deshalb
werden wir bei der anstehenden Aufstellung des Bundeshaushalts 2008 alle
Möglichkeiten nutzen, um die Kreditaufnahme des Bundes 2008 so
weit wie möglich zu senken", kündigte der Minister an.
Der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Steffen Kampeter,
sagte, stabile öffentliche Haushalte gehörten wieder zum
"Markenkern der Bundesrepublik". Ein ausgeglichener Haushalt des
Gesamtstaates sei greifbar nahe. "Man muss schon bekloppt sein, um jetzt
nicht einen ausgeglichenen Staatshaushalt anzusteuern", sagte Kampeter
der Nachrichtenagentur Reuters. Zur Entwarnung gebe es aber keinen
Anlass, sagte der CDU-Politiker. Das Problem liege besonders beim Bund.
"Fast 1000 Milliarden Euro beträgt die Schuldenlast allein beim
Bund", sagte Kampeter. Angesichts dessen löse auch ein
ausgeglichener Haushalt nicht alle Probleme.
Der FDP-Finanzpolitiker Jürgen Koppelin kritisierte, die
Schuldenstandsquote liege noch immer bei 67 Prozent des BIP. Der
Euro-Stabilitätspakt erlaubt nur 60 Prozent. Größter
Sünder sei erneut der Bund gewesen, dessen Anteil am Staatsdefizit
bei 88 Prozent liege. Wenn die Regierung es mit der Konsolidierung ernst
meine, müsse sie die Quote 2007 auf 1,2 Prozent senken. Der
Maastricht-Vertrag sieht jährlich einen Rückgang um 0,5
Prozentpunkte vor. Noch in dieser Regierungsperiode könnte ein
ausgeglichener Staatshaushalt erreicht werden, sagte Koppelin.
Die Finanzpolitiker der Koalition wollen bis 2010/2011 einen
ausgeglichenen Haushalt schaffen und dann mit dem Schuldenabbau
beginnen. Steinbrück hat sich bisher dagegen beharrlich geweigert,
ein Zieldatum zu nennen.
(Quelle: rtr)
Mehrheit der Länder will Kfz-Steuer an Bund abgeben
Fr.23.02.07 - Die Mehrheit der Bundesländer will alle Auto-Steuern beim Bund
bündeln. «Wir werden dem Bund vorschlagen, dass er die
Kraftfahrzeugsteuer übernimmt und uns dafür einen fairen
Ausgleich liefert über andere Steuereinnahmen», sagte der
Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) am Donnerstag vor einem
Treffen der Länderfinanzminister im Bundesrat. «Dann kann der
Bund die steuerliche Belastung des Straßenverkehrs allein so
gestalten wie er will.»
Der hessische Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) machte den selben
Vorschlag und sagte, alle unionsgeführten Länder würden
einer solchen Übertragung der Kfz-Steuer auf den Bund zustimmen.
«Und ich habe auch Signale, dass es in den SPD-geführten
Ländern so gesehen wird.» Er sei «sehr
zuversichtlich», dass es im Finanzausschuss des Bundesrats eine
sehr breite Mehrheit dafür geben werde. Weimar sagte, das Vorhaben
sollte schnell angepackt werden und nicht erst während der
voraussichtlich langwierigen Verhandlungen über die
Föderalismusreform II.
Weimar betonte: «Wir Länder wollen dabei kein Geschäft
machen, sondern entflechten. Und dann kann der Bund mal zeigen, ob er in
der Lage ist, eine soziale und ökologische Verkehrspolitik zu
machen.»
Zum Vorschlag von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), den
Schadstoffausstoß von Autos zu vermindern, in dem man die
Berechnungsgrundlage der Kfz-Steuer von Hubraum auf Abgasmenge umstellt,
äußerte sich Weimar ablehnend und sprach von einem
unüberlegten Schnellschuss. «Dieser Vorschlag ist ja in
keiner Weise unterfüttert. Und wir als Länder sind immer die
Leidtragenden von solchen tagesaktuellen Diskussionen.»
Die Kfz-Steuer steht bislang vollständig den Ländern zu, im
Gegenzug könnte der Bund die Versicherungsteuer den Ländern
übertragen. Nach Angaben des Wiesbadener Finanzministeriums lag das
Aufkommen aus der Versicherungsteuer im vergangenen Jahr bei 8,8
Milliarden Euro, während die Kfz-Steuer 8,9 Milliarden Euro in die
Kassen der Länder spülte.
Auch der bayerische Finanzminister zeigte sich aufgeschlossen für
eine solche Lösung. «Wir halten es für sinnvoll, dass
die Kfz-Steuer zum Bund geht», sagte er. Doch müsse der Bund
dies vollständig und dauerhaft ausgleichen. «Uns ist es
zunächst gleichgültig, wie er das ausgleicht. Das geht zum
Beispiel über die Versicherungsteuer. Jetzt wäre der richtige
Zeitpunkt, dann können sich Umweltminister Gabriel und
Verkehrsminister Tiefensee in der Gestaltung austoben.»
Das Land Berlin und Schleswig-Holstein hatten einen Umbau der
Kfz-Steuer nach dem Modell Tiefensees bereits abgelehnt und sich
stattdessen für eine Verbesserung des Klimaschutzes über die
Mineralölsteuer ausgesprochen. Auch Weimar meinte, eine Umsetzung
werde vor allem Arme treffen, sagte der CDU-Politiker. Ältere Autos
mit schlechteren Abgaswerten würden vor allem von Rentnern,
Studenten und sozial Schwachen gefahren.
(Quelle: ap)
Koalition will Bürokratie bis 2011 spürbar abbauen
Fr.23.02.07 - Die Bundesregierung will den Bürokratieabbau messbar vorantreiben.
Nach einem Bericht des Düsseldorfer «Handelsblatts»
soll bis 2011 die Belastung der Wirtschaft durch staatliche
Informationspflichten um 25 Prozent reduziert werden. Auf eine
entsprechende Vorlage für die Kabinettssitzung am kommenden
Mittwoch hätten sich die beteiligten Ressorts mit dem Kanzleramt
verständigt, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im
Bundeswirtschaftsministerium, Hartmut Schauerte, der Zeitung.
«Damit wird eine verlässliche Basis hergestellt, auf der die
Ressorts arbeiten können und an der sie gemessen werden
können», sagte Schauerte dem «Handelsblatt».
Erfreut zeigte er sich, dass das nationale Abbauziel damit noch etwas
ehrgeiziger ausfalle als die geplanten Zielmarken für den
Bürokratieabbau in der Europäischen Union. Für die
EU-Ebene wollen die Staats- und Regierungschefs Anfang März
ebenfalls ein Reduktionsziel von 25 Prozent festzurren, aber für
die Zeit bis 2012.
Laut «Handelsblatt» beläuft sich die Belastung durch
die bestehenden Informationspflichten in Deutschland derzeit auf 80
Milliarden Euro, ein Abbau von 25 Prozent würde damit rund 20
Milliarden Euro entsprechen.
(Quelle: ap)
Deutsche Behörden wollten Kurnaz nicht nach Deutschland lassen
Fr.23.02.07 - Die deutschen Behörden wollten den ehemaligen
Guantánamo-Häftling Murat Kurnaz aus
Sicherheitsgründen im Herbst 2002 in jedem Fall nicht mehr in die
Bundesrepublik einreisen lassen. Nach wie vor ist nicht restlos klar,
ob es damals ein US-Freilassungsangebot gegeben hat und wie dies zu
bewerten war.
Diese Erkenntnisse gewannen die Mitglieder des
BND-Untersuchungsausschusses am Donnerstag bei der Anhörung von
Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm und dem Präsidenten
der Bremer Landesbehörde, Walter Wilhelm.
Vor allem der Verfassungsschutz hat den in Bremen lebenden Kurnaz im
Jahr 2002 ungeachtet aller Zweifel für ein Sicherheitsrisiko und
einen möglicherweise gewaltbereiten Mann gehalten. Diese
Einschätzung ließ Fromm vor dem Ausschuss erkennen. Dabei
räumte er ein, dass die Bewertungen seiner Behörde sich im
wesentlichen auf Erkenntnisse des Bremer Landesamtes für
Verfassungsschutz stützten, das wiederum sein Wissen zu einem
großen Teil vom «Hörensagen» hatte.
Die Ausschussmehrheit aus Union und SPD schloss sich den Bewertungen im
Wesentlichen an. Der SPD-Politiker Thomas Oppermann sagte, man sei nach
den Zeugenauftritten von Fromm und Wilhelm einen wichtigen Schritt
weiter gekommen. Die Erkenntnisse der Verfassungsschutzbehörden
seien nicht nur auf «Hörensagen» gegründet
gewesen, sondern auf polizeiliche Ermittlungen.
Die CDU-Abgeordnete Kristina Köhler meinte, im Jahr 2002 sei davon
auszugehen gewesen, dass Kurnaz gefährlich gewesen sein
könne. Für ihn habe im besten Fall die Möglichkeit
bestanden, dass er nicht nach Deutschland, sondern in die Türkei
überstellt worden wäre. Kurnaz kam erst im August 2006 frei.
Die damalige Bundesregierung konnte nach Fromms Angaben seinerzeit mit
einer baldigen Freilassung von Kurnaz rechnen. Es habe zwar kein
formelles Angebot der USA gegeben. Aber man habe die Einlassungen der
drei Geheimdienst-Beamten, die den in Bremen geborenen Türken im
Herbst 2002 in dem US-Gefangenenlager auf Kuba verhört hatten, so
deuten können.
Der Chef der Bremer Verfassungsschützer, Walter Wilhelm, hatte
zuvor gesagt, dass auch noch 2005 vier Jahre alte Erkenntnisse vom
«Hörensagen» bei der Beurteilung des Falls Kurnaz
herangezogen worden seien. Zugleich bezeichnete Wilhelm Medienberichte
als «völligen Quatsch», wonach sein Amt Unterlagen
manipuliert habe, um Kurnaz in einem schlechten Licht erscheinen zu
lassen. Wilhelm sagte, heute gehe von Kurnaz keine Gefahr aus - der in
Bremen lebende Türke sei Islamist, aber kein Terrorist.
(Quelle: dpa)
Grüne wollen Werbeverbot für umweltschädliche Autos
Fr.23.02.07 - In der Debatte um den Klimaschutz haben die Grünen ein Werbeverbot
für besonders umweltschädliche Autos gefordert. «Die
Werbung für Spritfresser sollte in Deutschland verboten
werden», sagte der Fraktionsvorsitzende der Grünen im
Bundestag, Fritz Kuhn, der «Berliner Zeitung»
(Freitagausgabe). Solche Fahrzeuge seien gesundheitsschädlich und
zerstörten die Lebensgrundlagen der Menschen. «Es ist die
Aufgabe des Staates, dagegen vorzugehen», sagte Kuhn.
Das Werbeverbot soll nach Vorstellungen der Grünen für alle
Fahrzeuge gelten, die mehr als 210 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer
ausstoßen. «Es ist absurd, große Geländewagen
mit Millionenaufwand zu bewerben, wo in Deutschland kaum jemand im
Gelände fährt. Wir sind doch nicht in der Sahara oder im
australischen Busch», kritisierte Kuhn.
(Quelle: ap)
Weltklimabericht-Autor: Atomenergie löst Probleme nicht
Fr.23.02.07 - Einer der Autoren des Weltklimaberichts, der Potsdamer Klimaökonom
Ottmar Edenhofer, hat die Diskussion über einen Ausstieg aus dem
Atomausstieg als «Geisterdebatte» kritisiert. Die
Atomenergie «kann keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten»,
sagte er am Donnerstagabend in den ARD-«Tagesthemen».
Sie werde auch in Zukunft «nur ein Nischendasein
führen». Derzeit habe sie am weltweiten Strombedarf einen
Anteil von 17 Prozent. Allein um bei der erwarteten Verdoppelung des
Bedarfs diesen Anteil zu halten, müsse man 400 neue Kernkraftwerke
bauen. Das sei völlig unrealistisch.
Er empfahl drei unabdingbare Schritte, um eine Klimakatastrophe noch
abzuwenden: die Nutzung erneuerbarer Energien, die Verbesserung der
Energiebilanz von Gebäuden und die Abscheidung und unterirdische
Lagerung des freigesetzten Kohlenstoffs von Kraftwerken.
Zugleich widersprach der Ökonom Befürchtungen der Wirtschaft,
dass drastische Beschränkungen die Konjunktur gefährden
könnten. Marktwirtschaften würden «ungeheuer flexibel
reagieren können, wenn es neue Herausforderungen gibt». Er
fügte hinzu: «Es ist nicht wahr, dass eine CO2-Reduzierung
Einbußen am Wachstum bedeutet.»
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Rabenvögel planen voraus und sichern sich damit ihr
Frühstück
Fr.23.02.07 - Rabenvögel planen voraus und sichern sich damit das
Frühstück für den nächsten Morgen. Das haben
Forscher um Nicola Clayton von der Universität Cambridge
(Großbritannien) in Futterexperimenten mit Westlichen
Buschhähern (Aphelocoma californica) herausgefunden.
Dabei erkannten die Tiere, in welchem Raum des Labors sich am
nächsten Morgen kein Frühstück für sie finden
würde - und versteckten daraufhin am Abend genau dort Futter.
Solche Vorratshaltung billigten viele Forscher bislang nur dem Menschen
zu, wie die Experten für experimentelle Psychologie im Journal
«Nature» (Bd.445, S.919) berichten.
Das Experiment fanden in einem durch Wände teilbaren Raum statt:
In der Mitte gab es immer Futter. In einem der Nebenräume (dem
«Frühstückszimmer») war morgens immer Futter in
einer sandgefüllten Schale versteckt. Im zweiten Raum (dem
«Nicht-Frühstückszimmer») stand immer eine Schale
mit Sand, jedoch immer ohne Körner. Clayton und ihre Kollegen
sperrten die Vögel dann einige Tage lang morgens für je zwei
Stunden entweder ins eine oder ins andere Zimmer. Die Tiere hatten also
Zeit zu lernen, wo es etwas zu fressen gab und wo nicht.
Anschließend boten die Forscher den Tieren nur noch abends im
mittleren Raum Futter an - und in den Zimmern links und rechts lediglich
Schalen mit Sand. Daraufhin versteckten die Vögel drei mal so viel
Futter in ihrem «Nicht-Frühstückszimmer» wie im
«Frühstückszimmer».
«Die Krähen planen für den nächsten Tag und sind
dabei nicht von ihren gegenwärtigen Bedürfnissen
motiviert», erklärt Clayton. Bislang sei angenommen worden,
dass Tiere nur für die Gegenwart Entscheidungen treffen
könnten, betonte die Forscherin, «aber die Experimente haben
gezeigt, dass sie auch dazu fähig sind, für die Zukunft zu
planen». Dies zeuge von hoch entwickelten und komplizierten
Gedanken bei den Tieren.
Diese zeigten sich auch in einem zweiten Versuch: Dabei lernten die
Vögel, dass es in beiden Räumen immer Frühstück gab
- entweder Erdnüsse oder kleine Stücke Hundefutter. Sobald die
Tiere erneut die Möglichkeit hatten, etwas zu verstecken, trafen
sie eine eindeutige Wahl und versorgten jeden Raum mit dem Futter, das
dort für gewöhnlich fehlte.
(Quelle: dpa)
Riesige Seen unter dem Eis der Antarktis
Fr.23.02.07 - US-Forscher haben vier riesige Seen unter dem Eis der Antarktis
entdeckt. Der größte hat die achtfache Fläche des
Bodensees. Die Eisschicht über den Seen sei mehr als drei Kilometer
dick, berichtet ein Team um Michael Studinger von der Columbia
Universität im britischen Fachjournal «Nature» (Bd.
445, S. 904) von diesem Donnerstag.
Die vier mit Hilfe von Satelliten und Radar entdeckten Seen liegen
gerade am Beginn des so genannten Recovery-Eisstroms, einem der
größten Eisströme der Antarktis. Diese leiten
große Massen des antarktischen Eises ins Meer.
Solche Seen können die Eisströme der Antarktis nach Ansicht
der Forscher wesentlich beeinflussen und sollten daher in den
Computermodellen zu den Auswirkungen des Klimawandels
berücksichtigt werden. Inzwischen seien insgesamt mehr als 150 Seen
unter dem Eis der Antarktis entdeckt worden, schreibt Jack Kohler vom
Polar Environmental Centre in Tromsø (Norwegen) in einem
«Nature»- Kommentar. Die meisten sind jedoch kleiner als die
nun gefundenen. Die Seen entstehen durch Erdwärme und dem
isolierenden Effekt der Eisschichten. Zusammen haben die vier neuen Seen
etwa die Fläche des Vostok-Sees, dem mit knapp 16 000
Quadratkilometern größten unter dem Antarktiseis.
(Quelle: dpa)