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Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhunderteinundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
37 Tote bei Anschlag nahe Moschee westlich von Bagdad. Tausende
Schiiten demonstrieren gegen Festnahme von Politikersohn. Rund 800
Zivilbeschäftigte des Pentagons im Irak getötet. Tausende
demonstrieren gegen Blairs Irak-Politik in London
So.25.02.07 - Bei einem Anschlag vor einer sunnitischen Moschee im irakischen
Habbanija sind nach Polizeiangaben 37 Menschen getötet worden. 64
Menschen wurden verletzt, als ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen
vor der dortigen Moschee explodierte, wie örtliche Medien unter
Berufung auf die Polizei berichten. Der Anschlag gilt als Anzeichen
für wachsende Konflikte unter den Sunniten. Der Imam der Moschee
hatte sich gegen die Aufständischen ausgesprochen.
Tausende Schiiten haben am Samstag im Irak gegen die Festnahme des
Sohns eines prominenten Politikers protestiert. In Nadschaf versammelten
sich rund 8.000 Menschen und schwenkten irakische Fahnen und Bilder von
Abdul Asis al Hakim und seinem Sohn Amar. Im Bagdader Stadtteil Al Sadr
gingen mehrere hundert Demonstranten auf die Straße.
Amar al Hakim war am Freitag nach seiner Rückkehr aus dem Iran von
US-Soldaten vorübergehend festgenommen und nach fast zwölf
Stunden wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Sein Vater ist
Vorsitzender der größten schiitischen Partei, dem Obersten
Rat für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI) und
unterhält seit langem enge Beziehungen zum Iran. Al Hakims
Festnahme sei eine Beleidigung des gesamten irakischen Volkes, sagte
einer der Demonstranten in Nadschaf, Hassan al Schebli. Die US-Truppen
erklärten, Al Hakim sei «mit Würde und Respekt»
behandelt worden.
Seit Kriegsbeginn wurden im Irak neben mehr als 3.100 US-Soldaten auch
nahezu 800 Zivilbeschäftigte des Pentagons getötet, wie eine
Erhebung der Nachrichtenagentur AP ergab. Die Zivilbeschäftigten
sind meist bei Unternehmen angestellt, die wie Halliburton, Blackwater
und Wackenhut Großaufträge des US-Verteidigungsministeriums
angenommen haben. Sie kümmern sich um Reparaturarbeiten für
die Streitkräfte, bereiten Mahlzeiten zu, übersetzen
Dokumente, bewachen Gefangene oder schützen Militärkonvois.
Zu jedem Tod eines Soldaten gibt das Pentagon eine Pressemitteilung
heraus. Die Todesfälle der Zivilbeschäftigten im Irak bleiben
jedoch weitgehend im Dunkeln. Unter Berufung auf das
Informationsfreiheitsgesetz hat AP jetzt die Unterlagen zu den im Irak
getöteten Zivilbeschäftigten über das Arbeitsministerium
erhalten. Dort waren bis Ende vergangenen Jahres 769 Todesfälle von
Zivilbeschäftigten im Irak und 3.367 Fälle von Verletzungen
registriert.
«Das sind unsichtbare Kriegskosten», sagte der ehemalige
Luftwaffenreservist Thomas Houle, dessen Schwager als Lkw-Fahrer im Irak
ums Leben kam. Und es sei ein Mangel an Achtung, dass der Tod von
Zivilbeschäftigten nicht die gleiche Aufmerksamkeit erhalte wie der
Tod der Soldaten. Dabei halten sich im Irak zurzeit rund 120.000
Zivilbeschäftigte auf - fast so viele wie die 135.000 Soldaten der
US-Streitkräfte.
Die Zivilbeschäftigten erhalten einen für viele Amerikaner
auf den ersten Blick attraktiven Lohn. Einige verdienen 100.000 Dollar
(75.000 Euro) oder mehr im Jahr, und das zumeist steuerfrei. Das ist
etwa sechs Mal so viel wie ein einfacher Soldaten bekommt.
Die Aufständischen im Irak machen kaum einen Unterschied zwischen
beiden Gruppen. Im Januar kamen vier Angestellte von Blackwater ums
Leben, als ihr Hubschrauber in Bagdad abgeschossen wurde. 2004 wurden
zwei Amerikaner und ein britischer Ingenieur entführt und
enthauptet. Und im gleichen Jahr überfielen Aufständische
einen von Zivilbeschäftigten gesicherten Konvoi, verbrannten und
verstümmelten deren Leichen und hängten zwei von ihnen an
einer Brücke auf.
Mehrere tausend Kriegsgegner haben am Samstag in London einen
völligen britischen Truppenrückzug aus dem Irak gefordert.
Der von Premierminister Tony Blair angekündigte Abzug von 1.600
Soldaten bis zum Ende des Sommers sei zu wenig, sagte die Leiterin des
Bündnisses Stop the War, Lindsey German. Die Demonstration richte
sich auch gegen Blairs Pläne zur Errichtung einer Raketenabwehr.
An Demonstrationen gegen den Irak-Krieg nahmen 2003 und 2004 mehrere
hunderttausend Menschen teil.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 25.02.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertundsiebtenTag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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US-Vizepräsident Cheney schließt Militärschlag gegen
Iran nicht aus
So.25.02.07 - Im Konflikt um das iranische Atomprogramm schließt
US-Vizepräsident Richard Cheney einen Militärschlag gegen
Teheran weiterhin nicht aus. «Alle Optionen liegen immer noch auf
dem Tisch», sagte Cheney bei einer Pressekonferenz mit dem
australischen Premierminister John Howard am Samstag in Sydney.
Die USA wollten gemeinsam mit ihren Verbündeten alle Anstrengungen
unternehmen, um den Iran von seinen atomaren Bestrebungen abzubringen.
Die USA seien jedoch tief besorgt wegen der Nuklearaktivitäten
Teherans. Deshalb hätten Präsident George W. Bush und er
selbst betont, dass keine Option ausgeschlossen werde, sagte Cheney.
Der Iran sei ein Land, das im Nahen Osten «recht aggressiv»
sei und die radikal-islamische Hisbollah unterstütze. Die Teheraner
Führung habe außerdem sehr «aufrührerische»
Reden gehalten, zudem scheine sie die Entwicklung von Atomwaffen
anzustreben. «Es wäre ein schwerer Fehler, wenn ein Land wie
Iran eine Atommacht werden würde», bekräftigte Cheney.
Deutschland und Frankreich sprechen sich für eine Doppelstrategie
aus. Trotz der Weigerung Teherans, der Forderung der Weltgemeinschaft
nach Einstellung der Uranreicherung nachzukommen, bleibe die Tür
für Gespräche offen. So äußerten sich die deutsche
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Jacques
Chirac am Freitag nach einem Treffen in Meseberg bei Berlin.
Gleichzeitig müsse sich der UN-Sicherheitsrat mit Sanktionen gegen
Teheran befassen. «Uns wäre es lieber, wir müssten nicht
wieder über den UN-Sicherheitsrat gehen, sondern der Iran
würde die Gunst der Stunde nutzen und einfach aus den vielen
Ankündigungen von möglichen Gesprächen endlich einmal
auch auf die Angebote, die wir gemacht haben, eingehen», sagte
Merkel.
Nach der Vorlage seines Iran-Berichts betonte der Direktor der
internatnationalen Atomenergiebehörde IAEO Mohammed el Baradei die
Notwendigkeit einer Verhandlungslösung. Eine Rückkehr an den
Verhandlungstisch sei die «Tür zu einer langfristigen
Lösung», sagte El Baradei nach einem Gespräch mit
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in Wien. Sein Vorschlag,
gleichzeitig die iranische Urananreicherung und die internationalen
Sanktionen auszusetzen, sei noch nicht vom Tisch. Ban appellierte erneut
an Teheran, weiter den Dialog zu suchen.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Israel will angeblich Luftkorridor über Irak für Angriff auf
Iran. Hamas: Europäische Staaten unterstützen
Palästinenserregierung
So.25.02.07 - Israel bereitet einem britischen Pressebericht zufolge einen
möglichen Luftangriff auf iranische Atomanlagen vor. Die
israelische Regierung habe bei der US-Regierung angefragt, ob
israelische Jets im Falle einer Entscheidung für einen solchen
Angriff den irakischen Luftraum überfliegen dürften,
berichtete "The Daily Telegraph" in seiner Samstagausgabe. "Eine der
letzten Fragen, die wir klären müssen, ist, wie wir eigentlich
zu den Zielen im Iran gelangen. Der einzige Weg ist, durch den von der
USA kontrollierten Luftraum im Irak zu fliegen", sagte ein israelischer
Offizier, der der Zeitung zufolge an den militärischen Planungen
beteiligt ist.
Nach der Einigung auf eine palästinensische Einheitsregierung
haben etliche europäische Staaten der Hamas zufolge konkrete
Zusagen für Finanzhilfen gemacht.
Zwar weigerte sich Hamas-Chef Chaled Maschaal am Freitag bei einer
Pressekonferenz in Kairo, diese Länder beim Namen zu nennen. Er
betonte aber, die Zusagen gingen über lose Versprechen hinaus. In
der Frage seien bereits palästinensische Regierungsvertreter
kontaktiert worden. Maschaal deutete zugleich an, dass es
möglicherweise Unstimmigkeiten im so genannten Nahost-Quartett
über das Vorgehen gegenüber der neuen Regierung aus Hamas und
Fatah gebe. Die USA schafften es offenbar nicht mehr, die Partner von
einem Finanz-Boykott gegen die Palästinenser zu überzeugen.
Neben den USA gehören dem Quartett die Europäische Union
(EU), die Vereinten Nationen (UN) und Russland an. Die Vermittler
für einen Friedensprozess im Nahen Osten waren in dieser Woche auf
Einladung der deutschen EU-Ratspräsidentschaft in Berlin
zusammengekommen. Dabei hatten sie ihre Forderung bekräftigt, dass
die derzeit entstehende neue Palästinenser-Regierung der Gewalt
abschwören und Israel anerkennen müsse. Über eine
Zusammenarbeit mit der neuen Regierung wurden zunächst keine
Entscheidungen getroffen. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel
bekräftigte am Freitag nach einem Treffen mit
Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas in Berlin ebenfalls,
bisher geschlossene Vereinbarungen mit Israel müssten eingehalten
werden. Abbas stellte sich zwar hinter diese Prinzipien, wich aber der
Frage aus, ob die neue Regierung diese tatsächlich umsetzen werde.
(Quellen: afp, rtr)
Acht Tote bei Kämpfen in Somalias Hauptstadt Mogadischu
So.25.02.07 - Bei heftigen Kämpfen in der somalischen Hauptstadt Mogadischu
zwischen äthiopischen Soldaten und bewaffneten Angreifern sind nach
Zeugenaussagen mindestens acht Menschen getötet worden. Die
Angreifer attackierten demnach einen Stützpunkt der
äthiopischen Armee mit Granaten und Maschinengewehren. Die
äthiopischen Soldaten hätten mit Artilleriegeschützen
zurückgeschossen. Unter den Todesopfern waren auch Kinder.
Die von vielen früheren Kriegsherren unterstützte somalische
Übergangsregierung hatte im Dezember und im Januar in einer
gemeinsamen Offensive mit der äthiopischen Armee die in weiten
Teilen des Landes herrschenden islamistischen Milizen vertrieben. In
Mogadischu häufen sich seitdem die Angriffe auf Stellungen der
somalischen und äthiopischen Soldaten. Dabei kamen über 50
Menschen, überwiegend Zivilisten, ums Leben.
Der UN-Sicherheitsrat hatte der Afrikanischen Union am Dienstag das
Mandat zur Entsendung von 8000 Soldaten in das ostafrikanische Land
erteilt. In Somalia gibt es seit dem Sturz des Diktators Siad Barre im
Jahr 1991 keine reguläre Regierung.
(Quelle: afp)
Italiens Ministerpräsident Prodi soll im Amt bleiben
So.25.02.07 - Der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano hat
Ministerpräsident Romano Prodi beauftragt, seine nach einer
Abstimmungsniederlage angeschlagene Mitte-links-Regierung fortzusetzen.
Dazu solle Prodi sich mit seinem Kabinett einer Vertrauensabstimmung im
Parlament stellen, entschied Napolitano am Samstag. Prodi sagte, er
werde dem so schnell wie möglich nachkommen.
Nach Konsultationen mit den Parteispitzen der Koalition teilte
Napolitano mit, er habe die Zusicherungen erhalten, dass Prodi bei der
Vertrauensabstimmung die notwendige Mehrheit erhalten werde. Eine
ausreichende Unterstützung für die von Oppositionsführer
Silvio Berlusconi geforderte große Koalition gebe es dagegen
nicht. Die meisten Parteivorsitzenden stimmten auch mit seiner
Einschätzung überein, dass eine vorgezogene Neuwahl ohne
vorherige Wahlrechtsreform zwecklos sei. Das derzeitige Wahlrecht hat
den Einfluss kleiner Parteien erhöht. Zu seiner Entscheidung
für eine Fortsetzung der Regierung Prodi sagte Napolitano
schließlich: «Es gibt keine Alternative.»
Bereits am Freitag waren Prodis Chancen auf einen Verbleib im Amt
gestiegen, nachdem er sich die Unterstützung seines Bündnisses
versicherte. Die Parteichefs seiner Koalition einigten sich auf einen
Zwölfpunkteplan. Am Samstag erklärte Prodi, er wolle nach der
Vertrauensabstimmung die Koalition mit neuem Schwung und neuer
Geschlossenheit fortsetzen. Am 19. Mai gewann Prodi eine
Vertrauensabstimmung im Senat mit 165:155 Stimmen, am 23. Mai im
Abgeordnetenhaus mit 344:269 Stimmen.
Ausgelöst wurde die jüngste politische Krise von einer
Abstimmungsniederlage über die Außenpolitik im Senat, in der
es auch um die Fortsetzung des Afghanistan-Einsatzes ging. Anders als im
Abgeordnetenhaus hat die Koalition im Senat nur eine knappe Mehrheit.
Sie ist dort auf die Unterstützung der sieben auf Lebenszeit
ernannten Senatoren angewiesen. Mit einer Vertrauensabstimmung im Senat
wird deshalb nicht vor dem kommenden Mittwoch gerechnet, da dann
Ehrensenatorin Rita Levi Montalcini von einer Konferenz in Dubai
zurückgekehrt sein wird.
(Quelle: ap)
Deutschland
Große Koalition streitet über Zukunft der Atomenergie
So.25.02.07 - Die Zukunft der Atomenergie in Deutschland sorgt für Missstimmung
in der großen Koalition. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warf
der SPD mangelnden Realismus vor: Die Sozialdemokraten hätten es
bisher versäumt, einen ausreichenden Ersatz für die
Atomenergie zu benennen. SPD-Chef Kurt Beck hingegen drängte zum
Ausstieg aus der Technologie.
«Ich bin dagegen, an der Atomkraft festzuhalten», sagte der
SPD-Chef der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».
«Denn das ist schon deshalb keine Zukunftstechnologie, weil es
Uran auch nicht viel länger geben wird als Öl und Gas. Zudem
wird Uran in Ländern abgebaut, die gleichermaßen politisch
unsicher sind, wie viele Öl- und Gasstaaten», sagte Beck.
Außerdem sei das Risiko nuklearer Unfälle zu groß. Er
riet der Union davon ab, die Atomenergie im Wahlkampf zu thematisieren:
«Nein, für Atomkraft zu streiten ist kein
Gewinnerthema.»
Dagegen warf die Bundeskanzlerin der SPD vor, sich der Wahrheit zu
verweigern: «Wer, wie die SPD, sehr schnell aus der
Atomstromerzeugung aussteigen will, muss auch sagen, wie er die dann
fehlende Energie ersetzen und die Gefahr weiterer CO2-Emissionen
vermeiden will», sagte die Bundeskanzlerin derselben Zeitung und
fügte hinzu: «Das ist eine Diskussion, bei der sich alle den
Wahrheiten stellen müssen.»
Die Regierungschefin kündigte indirekt an, dass in Kürze in
der großen Koalition über die weitere Nutzung von Atomkraft
diskutiert werden solle: «Wir erarbeiten im Rahmen des laufenden
Energiegipfel-Prozesses unser Energiekonzept bis zum Jahr 2020, rechnen
unterschiedliche Szenarien durch und wollen im Sommer mit allen
Beteiligten darüber reden.»
Umweltstaatssekretär Michael Müller warf den vier
großen Energiekonzernen E.ON, EnBW, RWE und Vattenfall vor, in
erster Linie an abgeschriebenen Kraftwerken Geld verdienen zu wollen.
«Deshalb stellen sie den Atomkonsens in Frage. Ihnen geht es
nicht um Klimaschutz, der muss als untaugliches Argument
herhalten», sagte der SPD-Politiker.
Für eine weitere Nutzung der Atomenergie plädierte der
Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder: «Jeder in
Deutschland und der Welt hat inzwischen gemerkt, dass wir mehr zur
Bewahrung unserer Erde tun müssen», sagte Mißfelder in
der «B.Z.». Diese Erkenntnis werde zu einer Renaissance der
Atomenergie führen.
(Quelle: ap)
Wirtschaftsminister Glos will notfalls weitere Anhebung bei
Renteneintrittsalter
So.25.02.07 - Ungeachtet des Streits um die Rente mit 67 hält
Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sogar noch weiter gehende
Anhebungen des Renteneintrittsalters für möglich. "Ich bin mir
nicht sicher, ob wir da nicht noch einmal nachlegen müssen", sagte
Glos dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Auf die Frage, ob er das
Rentenalter noch einmal heraufsetzen wolle, antwortete der
Wirtschaftsminister: "Wenn nötig, ja." Die Heraufsetzung des
gesetzlichen Renteneintrittsalters von 65 auf 67 Jahre ist von der
Bundesregierung beschlossen, muss aber noch vom Bundestag verabschiedet
werden.
Auch im Gesundheitswesen sieht Glos weiteren Reformbedarf. In einem
Land, in dem die Menschen immer älter würden, sei eine
Gesundheitsreform nie zu Ende. "Da werden mit Sicherheit weitere
Maßnahmen folgen."
(Quelle: afp)
Arbeitsplatz-Sicherheit wichtiger als hohes Einkommen
So.25.02.07 - Die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes ist den Bundesbürgern deutlich
wichtiger als hohes Einkommen und geregelte Arbeitszeiten. 88 Prozent
der Beschäftigten in der Bundesrepublik halten es für
besonders wichtig, einen sicheren Job zu haben, wie eine
Allensbach-Umfrage ergab. Gerade in der jungen Generation sei dieses
Bedürfnis von hohem Niveau aus noch weiter angestiegen, schreibt
die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie,
Renate Köcher, in einem Gastbeitrag für die
«Wirtschaftswoche».
Geändert habe sich in den vergangenen 15 Jahren der Stellenwert
hoher Entlohnung: Statt 61 zählten heute nur noch 48 Prozent ein
hohes Einkommen zu ihren beruflichen Prioritäten, berichtet
Köcher. Ebenso verlören geregelte Arbeitszeiten sowie der
Wunsch nach weniger Überstunden und großzügigen
Urlaubsregelungen an Bedeutung. In der ersten Hälfte der 90er Jahre
seien geregelte Arbeitszeiten und möglichst wenig Überstunden
noch der Mehrzahl der Berufstätigen besonders wichtig gewesen;
heute gelte das nur noch für jeden Dritten.
Der Wunsch nach großzügigen Urlaubszeiten hat sich nach
Erkenntnissen des Allensbacher Instituts von 39 auf 20 Prozent halbiert.
Stark gesunken sei auch das Verlangen nach möglichst viel
Entscheidungsspielraum: War sie laut Köcher Anfang der 90er Jahre
für 50 Prozent der unter 30-Jährigen besonders wichtig, ist
sie es heute nur für 36 Prozent. Dagegen sei den
Berufstätigen wichtiger als früher, dass der Beruf ihren
Neigungen entspreche: Statt 40 Prozent legten heute 54 Prozent Wert auf
einen Job, in den sie ihre Fähigkeiten voll und ganz einbringen
könnten.
(Quelle: ap)
Beschäftigte großer Firmen von falschen Betriebsärzten
behandelt
So.25.02.07 - Beschäftigte mehrerer großer Firmen sind offenbar über
längere Zeit von falschen Ärzten behandelt worden. Die
Staatsanwaltschaft Bochum bestätigte am Samstag eine entsprechende
Vorabmeldung des «Spiegels». Danach waren beim bundesweit
tätigen Werksarztzentrum Recklinghausen unter anderem ein gelernter
Bäcker und ein Maurer beschäftigt. Ein Sprecher der
Staatsanwaltschaft bestätigte auf AP-Anfrage, dass das
Werksarztzentrum heimlich nicht-ärztliches Personal eingesetzt habe.
Weiter berichtete der «Spiegel», die falschen Mediziner
hätten etlichen hundert Menschen Blut abgenommen, Krankenscheine
ausgefüllt und Impfungen durchgeführt. Die dafür
nötigen Handgriffe hätten sie sich bei privaten Kursen im
Selbstversuch beigebracht. Zu diesen Informationen wollte der Sprecher
der Staatsanwaltschaft nicht Stellung beziehen. «Wir haben aber
Hinweise darauf, dass es wohl so gewesen ist», sagte Güroff.
Die Bochumer Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen des Verdachts der
Körperverletzung und wirft dem Gründer des Werksarztzentrums
zudem Abrechnungsbetrug und Steuerhinterziehung vor. Die Ermittler seien
durch eine anonyme Strafanzeige auf den Fall aufmerksam geworden, sagte
Güroff.
Der Gründer des Werksarztzentrums, ein Honorarprofessor der
Fachhochschule Gelsenkirchen, sitzt seit zweieinhalb Wochen in
Untersuchungshaft. Für sein «zeitarbeitbasiertes Konzept
für flexible Arbeitsprozesse und -möglichkeiten im
Gesundheitswesen» wurde er 2005 mit dem Zukunftswettbewerb
Ruhrgebiet des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Das
Werksarztzentrum Recklinghausen ist nach eigenen Angaben
Branchenführer in der bundesweiten betriebsärztlichen
Betreuung mit 750 Firmen-Kunden in 250 Städten.
(Quelle: ap)
Justizministerin Zypries plant Sicherungsverwahrung auch für
Jugendliche
So.25.02.07 - Gewalttätige Jugendliche sollen nach dem Willen von
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries in Zukunft härter bestraft
werden. Zypries werde in den nächsten Wochen einen Gesetzentwurf
vorlegen, demzufolge Richter in dramatischen Fällen auch bei jungen
Tätern nachträglich Sicherungsverwahrung anordnen
dürfen, sagte eine Sprecherin der SPD-Politikerin am Samstag in
Berlin. Sie bestätigte damit einen Bericht des Nachrichtenmagazins
«Der Spiegel». Die Höchststrafe im Jugendstrafrecht
liegt bislang bei zehn Jahren.
Künftig sollen Schwerstkriminelle wie Sexualstraftäter und
Mörder, die ihre Taten als Jugendliche begangen haben, wie
erwachsene Straftäter behandelt und bis an ihr Lebensende
festgehalten werden können. Gutachter müssen dafür am
Ende der Haft zu dem Ergebnis kommen, dass weiterhin schwere Gewalttaten
zu erwarten sind. Diese Einschätzung soll einmal pro Jahr
überprüft werden. Erforderlich wäre eine Änderung
des Jugendgerichtsgesetzes (JGG), das gesetzliche Grundlage für
das Jugendstrafrecht ist.
Zypries hat dem Bericht zufolge die Eckpunkte ihrer Pläne bereits
mit dem Rechtspolitikern der großen Koalition abgestimmt. Am Ende
ihrer Haftzeit sollen alle jungen Täter auf ihre
Gefährlichkeit hin überprüft werden, die etwa einen
Totschlag, eine Raub mit Todesfolge, eine Vergewaltigung oder eine
schwere Körperverletzung begangen haben.
Zypries' Sprecherin erklärte, mehrheitlich herrsche bei Union und
SPD Einigkeit darüber, dass ein Jugendlicher mindestens sieben
Jahre Freiheitsstrafe erhalten haben muss, um begutachtet zu werden. Das
Gesetz wäre im Bundesrat nicht zustimmungspflichtig.
Im Februar 2005 hatte der Mord an dem neunjährigen Peter aus
München vor allem in Bayern Rufe nach schärferen Gesetzen laut
werden lassen. Ministerpräsident Edmund Stoiber und
Justizministerin Beate Merk (beide CSU) verlangten höhere Strafen
für junge Täter und die Möglichkeit zur Zwangstherapie.
Merk appellierte, Heranwachsende von 18 bis 21 Jahren anders als bisher
üblich «grundsätzlich nach Erwachsenenstrafrecht zu
behandeln». Sie sprach sich schon damals dafür aus, die
nachträgliche Sicherungsverwahrung auf Heranwachsende auszuweiten,
wenn es sich um «hochgefährliche Täter» handle,
die nicht resozialisierbar seien.
Peter war von dem 28-jährigen, kurz zuvor entlassenen
Kindermörder Martin Prinz sexuell missbraucht und erdrosselt
worden. Der Täter hatte als 18-Jähriger bereits einen
elfjährigen Jungen nach einem Vergewaltigungsversuch erstochen.
Trotz mehrjähriger Sexualtherapie in Haft wurde Prinz von
Gutachtern als gefährlich eingestuft. Wieder auf freiem Fuß,
kam er der richterlichen Aufforderung zur weiteren Therapie nicht nach.
(Quelle: ap)
Zentralrat der Juden stellt 'Wort zum Sonntag' in Frage
So.25.02.07 - Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland,
Salomon Korn, hat das «Wort zum Sonntag» in der ARD
grundsätzlich in Frage gestellt. «Die jetzige Debatte sollte
die ARD zum Nachdenken bringen über die ganze Art der
Sendung», sagte Korn dem Nachrichtenmagazin «Der
Spiegel». Ein zeitgemäßes öffentlich-rechtliches
Fernsehen müsse alle Religionen und Weltanschauungen kritisch
begleiten.
In der seit 53 Jahren ausgestrahlten Sendung sprechen jeden
Samstagabend katholische und evangelische Geistliche zu durchschnittlich
rund zwei Millionen Zuschauern. Die Debatte hatte sich an der
Ankündigung des ZDF entzündet, zunächst in seinem
Online-Angebot ein «Wort zum Freitag» für Muslime
einzuführen.
Daraufhin hatte der Zentralrat der Juden ein «Wort zum
Wochenende» im Fernsehen angeregt, das allen größeren
Religionsgemeinschaften Gelegenheit zur Medienpräsentation geben
soll. «Das Wort zum Sonntag ist ein Anachronismus», sagte
Korn jetzt. Viel sinnvoller sei ein Format, in der es um die Frage gehe,
welche Werte es in der Gesellschaft gebe. Das könne dann aber nur
ein Informationsforum sein und kein Predigtmarkt.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Beschneidung reduziert Risiko für HIV-Infektion
So.25.02.07 - Die Beschneidung von Männern reduziert deren Risiko für eine
Infektion mit dem Aidsvirus HIV beim Geschlechtsverkehr etwa um die
Hälfte. Dies ist das Resultat zweier groß angelegter Studien
in Afrika, deren Resultate im Medizinjournal «The Lancet»
präsentiert werden (Bd. 369, S. 643 und S. 657).
Der Zusammenhang zeigte sich so klar, dass die beiden Untersuchungen
vorzeitig abgebrochen wurden. Die Mediziner warnen angesichts der
Ergebnisse ausdrücklich vor Sorglosigkeit: Das Entfernen der
Vorhaut schütze keinesfalls zuverlässig vor dem Virus, sondern
müsse von mehr Aufklärung, besserer Diagnose, medizinischer
Versorgung, Verhaltensänderungen und stärkerem Kondomgebrauch
begleitet werden.
An der ersten Studie hatten 2784 nicht mit HIV infizierte Männer
im kenianischen Kisumu teilgenommen, bei der zweiten waren es 4996
ebenfalls HIV-negative Männer in der Region Rakai in Uganda.
Jeweils eine Gruppe der Teilnehmer wurde beschnitten, die andere nicht.
Im Verlauf der Untersuchung prüften die Ärzte dann, welche
Gruppe sich beim Geschlechtsverkehr eher mit dem Virus ansteckte. Bei
den Beschnittenen infizierten sich rund 50 Prozent weniger Probanden als
in der Gruppe der nicht beschnittenen Männer.
Die Ergebnisse bestätigen eine ähnliche Studie in der Region
Orange Farm in Südafrika. Dort hatten französische Forscher
2005 gar eine Minderung des Infektionsrisikos um 60 Prozent beobachtet.
Warum die Beschneidung vor einer Infektion schützt, ist nicht
endgültig geklärt. Es wird vermutet, dass die Zellen an der
Oberfläche der Eichel ohne Vorhaut verdicken und so einen besseren
Schutz gegen das Eindringen der Viren bieten. Eine andere
Erklärung: Der Penis trocknet nach dem Geschlechtsverkehr ohne
Vorhaut schneller - das Virus stirbt in der Folge schneller ab.
Vielleicht spielt auch die Reduktion der Hautoberfläche eine Rolle,
denn in ihr finden sich zahlreiche Immunzellen, die Viren aufnehmen und
sie zu den Lymphknoten bringen.
Die weltweite Aidsepidemie hatte 2006 mit 39,5 Millionen Infizierten
einen neuen Höchststand erreicht. 4,3 Millionen Menschen steckten
sich nach Angaben des Aids-Programms UNAIDS der Vereinten Nationen neu
an. 2,9 Millionen Menschen starben an den Folgen der Immunschwäche.
Angesichts dieser Zahlen ist den Medizinern jede Reduktion der
Infektionsrate willkommen, selbst wenn sie nur auf dem vergleichsweise
unsicheren Schutz durch Beschneidung beruht.
(Quelle: dpa)