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Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertzweiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mehr als vierzig Tote trotz Sicherheitsoffensive in Bagdad. Neuer
Misshandlungsvorwurf gegen britische Soldaten im Irak
Mo.26.02.07 - Neue Anschläge mit über 40 Toten haben die irakische
Hauptstadt Bagdad erschüttert und die vor zehn Tagen begonnene
US-Sicherheitsoffensive weiter geschwächt. Mindestens 40 Menschen
wurden bei einem Selbstmordanschlag vor einer Wirtschaftsfakultät
in Bagdad getötet, 30 weitere wurden verletzt. Zuvor waren bei
einem Autobombenanschlag in der Nähe der iranischen Botschaft zwei
Menschen getötet und acht verletzt worden.
Der Selbstmordanschlag richtete sich gegen die Wirtschaftsfakultät
der Mustansarija-Universität im Osten der irakischen Hauptstadt,
die überwiegend von Schiiten besucht wird. Die Fakultät liegt
außerhalb des Campus' in der Nähe des Schiitenviertels Sadr
City. Die meisten der Opfer waren Studenten, die Hälfte von ihnen
Frauen, wie Sicherheitskräfte mitteilten. Bei einem Doppelanschlag
auf die Universität waren Mitte Januar mindestens 70 Menschen
getötet und 140 verletzt worden.
Rund 50 Meter von der iranischen Botschaft entfernt explodierte ein
Kleinbus mit Sprengstoff. Dabei wurden zwei Passanten getötet. Ein
Sprecher der Botschaft sagte, er glaube nicht, dass die Botschaft das
Ziel des Anschlags gewesen sei. Im Norden des Landes wurden mindestens
vier weitere Menschen von Aufständischen getötet.
Bei einem Autobombenanschlag in der westirakischen Stadt Habbanija
waren am Samstag bereits mindestens 56 Menschen ums Leben gekommen. Der
Anschlag richtete sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums gegen
eine sunnitische Moschee. Laut US-Armee befinden sich in der Nähe
des Explosionsortes auch eine Polizeiwache und eine Schule. Das Viertel
wird von einem sunnitischen Clan kontrolliert, der sich gegen das
Terrornetzwerk El Kaida stellt.
Der irakische Ministerpräsident Nuri el Maliki machte El Kaida
für den Anschlag verantwortlich. "El Kaida hat ein neues
schreckliches Massaker verübt", erklärte Maliki. Die
Extremisten respektierten weder Gläubige, noch Gebete, nicht
einmal Moscheen. Sie hätten alle Iraker "ohne Ausnahme" im Visier.
Das britische Verteidigungsministerium geht Vorwürfen nach, wonach
Soldaten eines schottischen Regiments Zivilisten im Irak misshandelt
haben sollen. Die Militärpolizei ermittele, bestätigte eine
Ministeriumssprecherin in London. Die Vorwürfe sind in einem Buch
des britischen Journalisten Mark Nicol mit dem Titel "Condor Blues"
enthalten, das im März erscheinen soll. Für sein Buch hatte
Nicol hunderte Stunden Gespräche mit Soldaten einer schottischen
Infanterie-Einheit geführt.
Ausführlich schildert Nicol unter anderem den Fall eines
14-jährigen irakischen Jungen, der von den Soldaten mit
Fußtritten malträtiert und mit Schusswaffen bedroht wurde,
weil sie ihn mit Gewehrteilen erwischt hatten. Laut seinem Bericht
gehörten rassistische Beschimpfungen und Beleidigungen zum
gängigen Wortschatz der Soldaten. Nicols erklärte sich die
zunehmende Verrohung der Sitten innerhalb der im Südirak
stationierten Einheit mit dem Klima der Gewalt und Bedrohung, dem die
Soldaten selbst tagtäglich ausgesetzt waren.
"Die Briten haben die Kontrolle über einen Teil des Irak
übernommen, in dem ihr Kommen von der Bevölkerung
zunächst begrüßt wurde", sagte der Buchautor der
Zeitung "Sunday Times". Doch ein Jahr später habe sich der
Großteil der Bevölkerung gegen die Soldaten gewandt und
versuche nun, sie zu töten.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 26.02.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertundachten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.26.02.06 - Gewalt zwischen irakischen Sunniten und Schiiten hält an +++ 13
Mitglieder einer schiitischen Familie erschossen +++ Mindestens fünf
Tote durch Autobombe in Kerbela +++ Zwölf Landwirte im Irak von
Unbekannten getötet +++ US-Präsident Bush fordert Ende der
Gewalt. Rasche Regierungsbildung aller politischen Gruppierungen
angemahnt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0602260.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Zeitungsbericht über Vorbereitung von Plänen zum Angriff auf
den Iran
Mo.26.02.07 - Im Büro des gemeinsamen Generalstabs der US-Streitkräfte soll
laut einem Bericht des Magazins «The New Yorker» eine
besondere Planungsgruppe für einem möglichen Angriff auf den
Iran eingerichtet worden sein. Die Pläne für Bombenangriffe
auf den Iran könnten auf einen Befehl von US-Präsident George
W. Bush hin innerhalb von 24 Stunden aktiviert werden, hieß es in
dem Bericht des bekannten Journalisten Seymour Hersh unter Berufung auf
Geheimdienstinformationen.
Pentagon-Sprecher Bryan Whitman erklärte am Sonntag, er wisse
nichts von einer solchen Planungsgruppe. Die USA bereiteten keinen
Angriff auf den Iran vor und das Gegenteil anzudeuten, sei
«schlicht falsch, irreführend und bösartig». Der
Führer der Republikaner im Streitkräfteausschuss des
Repräsentantenhauses, Duncan Hunter, sagte, der US-Geheimdienst
konzentriere sich schon lange auf den Iran, vor allem wegen dessen
Atomprogramm. «Wir haben Notfallpläne überall auf der
Welt. Wir hatten Notfallpläne für die Sowjetunion und wir
hatten auch bestimmte Ziele. Das bedeutet aber nicht, dass wir
vorhatten, die Sowjetunion anzugreifen.»
(Quelle: ap)
Iran in Atomstreit angeblich sogar auf Krieg vorbereitet
Mo.26.02.07 - Der Iran ist einem Agenturbericht zufolge im Streit um sein
Atomprogramm "sogar auf Krieg" vorbereitet.
Auch weitere Sanktionen der Vereinten Nationen (UN) würden die
Islamische Republik nicht zum Stopp der Arbeiten führen, sagte der
stellvertretende Außenminister Manuchehr Mohammadi am Sonntag laut
der Nachrichtenagentur Isna. Auch der iranische Präsident Mahmud
Ahmadinedschad zeigte sich in der Atomfrage entschlossen. Der Iran
bewege sich bei diesem Thema wie ein Zug ohne "Bremsen und
Rückwärtsgang", zitierte Isna den Politiker.
Die UN hatten im Dezember Sanktionen gegen den Iran wegen dessen
Atomprogramm verhängt. Am Montag wollen die fünf
ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschland
Beratungen über eine Verlängerung oder Verschärfung der
Strafmaßnahmen aufnehmen, nachdem der Iran eine Frist zum Stopp
seiner Urananreicherung verstreichen lassen hat.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
Palästinenserpräsident Abbas gewinnt in Europa keine
Zugeständnisse beim Finanzboykott. Palästinensische Wirtschaft
weiter eingebrochen. Jordanischer König berät in Ägypten
über Nahost-Friedensprozess. Israelischer Geheimdienstbericht
warnt vor Hisbollah
Mo.26.02.07 - Der Finanzboykott der Europäischen Union gegen die
palästinensische Autonomiebehörde bleibt vorerst bestehen.
Präsident Mahmud Abbas konnte bei seiner Reise nach London, Berlin,
Brüssel und Paris keine Zugeständnisse bezüglich einer
Aufhebung des Embargos gewinnen. Der französische
Außenminister Philippe Douste-Blazy versprach am Samstag lediglich
eine enge Zusammenarbeit mit der künftigen palästinensischen
Regierung der nationalen Einheit.
Abbas betonte, dass sein Volk bei einer Fortsetzung des Finanzboykotts
große Not leiden müsse. Internationale Hilfe hat in der
Vergangenheit etwa die Hälfte des palästinensischen Haushalts
ausgemacht. Sie wurde jedoch nach dem Amtsantritt der Hamas-Regierung im
vergangenen März auf Eis gelegt, weil diese das Existenzrecht
Israels bestreitet.
Auch die geplante Einheitsregierung zwischen der radikalislamischen
Hamas und der gemäßigteren Fatah von Abbas will die
Anerkennung Israels vorerst ausklammern, wie aus der Anfang des Monats
unterzeichneten Vereinbarung von Mekka hervorgeht. Damit wurde eine
wesentliche Forderung der internationalen Gemeinschaft
einschließlich der EU nicht erfüllt. Douste-Blazy
erklärte dennoch, er wolle sich bei seinen EU-Partnern für
eine Zusammenarbeit mit der künftigen palästinensischen
Regierung einsetzen.
Abbas zeigte sich erfreut darüber, dass Frankreich auch den
Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern fördern
wolle. Israel will allerdings nicht mehr mit Abbas verhandeln, sollte
er sich wirklich mit der Hamas zusammenschließen. Ein
Gipfeltreffen zwischen Ministerpräsident Ehud Olmert und Abbas
unter Vermittlung von US-Außenministerin Condoleezza Rice endete
am vergangenen Montag ohne Ergebnis.
Zu einer neuen Vermittlungsmission der EU reist Außenkommissarin
Benita Ferrero-Waldner in den Nahen Osten, wie in Brüssel bekannt
wurde. Ferrero-Waldner wird am (heutigen) Montag in Kairo und am
Dienstag in Jerusalem erwartet. Für Mittwoch ist ein Treffen mit
Abbas vorgesehen, bevor sie am Donnerstag nach Amman weiterfährt.
Die palästinensische Wirtschaft ist im letzten Quartal 2006 im
Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 21 Prozent geschrumpft. Dies gab die
Statistikbehörde in Ramallah am Sonntag bekannt. Die Behörde
machte für den Rückgang vor allem die internationalen
Sanktionen nach der Regierungsübernahme der Hamas im März
vergangenen Jahres verantwortlich.
Der jordanische König Abdullah II. hat derweil die
palästinensische Regierung aufgerufen, auf die Forderung des
Nahost-Quartetts nach einer Anerkennung Israels einzugehen. In einem
Interview des israelischen Fernsehsenders Kanal 2 sagte Abdullah, es
gebe immer weniger Gelegenheiten für eine Lösung. Vielmehr
«nimmt die Frequenz des Konflikts im Nahen Osten rasant
zu», erklärte der König in dem am Samstag
ausgestrahlten Interview. Im Abkommen von Mekka haben sich die
palästinensischen Organisationen Hamas und Fatah lediglich darauf
verständigt, bestehende Verträge mit Israel zu respektieren.
Zu Gesprächen über den Nahost-Friedensprozess traf Abdullah
am Sonntag mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak in
Kairo zusammen. Anschließend wurde der Monarch in Saudi-Arabien
erwartet. Am Mittwoch ist ein Treffen mit dem britischen
Premierminister Tony Blair und in den kommenden Tagen mit
US-Präsident George W. Bush in Washington geplant.
Bei neuen innerpalästinensischen Gefechten im Gazastreifen wurden
in der Nacht zum Samstag mindestens vier Menschen getötet und 37
zum Teil schwer verletzt. Augenzeugen zufolge wurden sie Opfer einer
Fehde zwischen zwei Familien aus den rivalisierenden politischen Lagern
der Hamas und der Fatah. Kämpfe zwischen Anhängern der beiden
Gruppen haben bis zur Unterzeichnung des Abkommens von Mekka rund 130
Menschen das Leben gekostet.
Auf der Suche nach militanten Palästinensern durchkämmten
israelische Truppen am Sonntag Nablus im Westjordanland. Nach
Augenzeugenberichten rückten sie mit 80 Jeeps und mehreren
Planierraupen in die Stadt ein. Gegen die 50.000 Einwohner wurde ein
Ausgehverbot verhängt. Es kam zu Schießereien, Jugendliche
warfen mit Steinen. Die palästinensische Regierung verurteilte die
Operation aufs Schärfste. Die israelischen Streitkräfte
begründeten den Einsatz damit, dass in Nablus tags zuvor ein
Sprengstofflabor entdeckt worden sei.
In ihrem jährlichen Bericht an das Kabinett haben die israelischen
Geheimdienste vor einer weiteren Bewaffnung der schiitischen
Hisbollah-Miliz gewarnt. Die libanesische Miliz bereite sich nach dem
Krieg im vergangenen Sommer offenbar auf eine weitere Konfliktrunde
vor, erklärte der Militärgeheimdienst in dem am Sonntag
vorgelegten Bericht laut einem Teilnehmer des Regierungstreffens hinter
verschlossenen Türen.
Der Mossad ging den Angaben zufolge unter anderem auf die Lage im Irak
ein und warnte vor Chaos bei einem vorzeitigen Abzug der US-Truppen.
Die Gefahr eines Flächenkriegs im Nahen Osten wurde vom
Auslandsgeheimdienst aber als nicht besonders groß eingestuft.
(Quelle: ap)
Expertenbericht warnt vor Gefahren für Europas Lebensqualität
Mo.26.02.07 - Maßgebliche EU-Experten warnen vor wachsenden Gefahren für
die Lebensqualität in Europa. In einem Bericht für die
EU-Kommission weisen die Fachleute auf schwerwiegende Folgen von
Arbeitslosigkeit und «ungelösten Problemen verbreiteter
Armut» hin. Die Kluft zwischen Arm und Reich sei in vielen
EU-Staaten gewachsen. Das steigere bei vielen Bürgern auch Stress,
Fettleibigkeit und Drogenkonsum. Die Entwicklung verstärke zudem
das Risiko psychischer Erkrankungen und von Verbrechen, heißt es
in dem Bericht.
(Quelle: dpa)
Deutschland
DGB nennt EU-Armuts-Bericht Aufruf zum Handeln
Mo.26.02.07 - Der DGB wertet den neuen EU-Expertenbericht zu ungelösten
Armutsproblemen als dringende Mahnung, die Arbeitslosigkeit europaweit
energisch zu bekämpfen sowie soziale Mindeststandards in der EU
und einen Mindestlohn in Deutschland verbindlich vorzuschreiben. In
einem Gespräch der «Neuen Osnabrücker Zeitung»
(Montagausgabe) forderte DGB-Chef Michael Sommer außerdem, den
Entwurf für eine EU-Verfassung nur mit einem Grundrechtskatalog zu
verabschieden.
Sommer betonte, der Bericht, den die EU-Kommission am (heutigen) Montag
vorstellen wolle, bestätige die Position der deutschen und
europäischen Gewerkschaften, die seit Jahren «vor den
fatalen Folgen wachsender Arbeitslosigkeit sowie ungleicher
Vermögensverteilung gewarnt haben». Politiker aller Couleur
- und auch die EU-Kommission - hätten diese Warnungen praktisch in
den Wind geschlagen und nichts Entscheidendes unternommen. Nun
könne der DGB nur hoffen, dass der Expertenbericht endlich dazu
führe, dass die EU und die Regierungen der Mitgliedsstaaten
energisch Arbeitslosigkeit und Armut bekämpfen
(Quelle: ap)
Vernichtende UN-Kritik an deutschem Schulsystem
Mo.26.02.07 - Der UN-Menschenrechtsinspektor Vernor Muñoz hat mit scharfen
Worten die deutsche Bildungspolitik gerügt. Das dreigliedrige
Schulsystem mit Haupt-, Realschule und Gymnasium benachteilige durch
seine frühe Aufteilung Kinder aus armen Elternhäusern und aus
Migrantenfamilien.
Es wirke «extrem selektiv» und diskriminiere Behinderte,
schreibt der Menschenrechtsexperte in einem vorläufigen Bericht,
der der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt. Der Jura-Professor aus
Costa Rica besuchte im Auftrag der UN-Menschenrechtskommission genau
vor einem Jahr Deutschland.
Weitere Kritikpunkte in seinem Berichtsentwurf sind die völlig
unterschiedliche Schulorganisation der 16 Bundesländer, die Eltern
und Schülern den Wohnortwechsel erschwere, fehlende
Durchlässigkeit zwischen den Schulformen, die Lehrerausbildung,
die Probleme beim Schulbesuch von Kindern, deren Familien illegal in
Deutschland leben, sowie zu wenig Autonomie der einzelnen Schule
gegenüber der Verwaltung.
Muñoz will am 21. März bei der vierten Sitzung des
Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen in Genf über seine
Deutschland-Inspektion berichten. Sein vorläufiger Text, der vom
Auswärtigen Amt übersetzt wurde, liegt jetzt den
Kultusministern und dem Bundesbildungsministerium
«vertraulich» vor.
Der Menschenrechtsexperte legt der Bundesrepublik «eindringlich
nahe», das mehrgliedrige Schulsystem «noch einmal zu
überdenken». Bei der im internationalen Vergleich
«untypisch» frühen Aufteilung der in der Regel
zehnjährigen Kinder auf die verschiedenen Schulformen könnten
«die Schüler nicht angemessen beurteilt werden». Dies
wirke sich besonders negativ auf arme Kinder, Schüler aus
Migrationsfamilien sowie auf Kinder mit Behinderungen aus. Auch seien
die Lehrer für das Auswahlverfahren der Schüler «nicht
immer ausreichend geschult». Weltweit verteilt außer
Deutschland nur noch Österreich die Kinder so früh auf
verschiedene Schulformen.
Mit Blick auf die PISA-Studie verweist Muñoz darauf, dass in
keinem anderen vergleichbaren Industriestaat der Bildungserfolg so
stark von der sozialen Herkunft abhängt wie in Deutschland. Durch
den internationalen Konkurrenzdruck wachse auch in der Bundesrepublik
der Bedarf an hoch qualifizierten Arbeitnehmern. Ungelernte hätten
dagegen kaum noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Dabei bezieht sich
Muñoz auch auf die im internationalen Vergleich geringe
Abiturientenquote in Deutschland und bemängelt die hohe Zahl von
Schulabgängern ohne Abschluss, insbesondere bei Migrantenkindern.
Das in der UN-Menschenrechtscharta verankerte «Recht auf
Bildung» müsse auch für Kinder im schulpflichtigen
Alter gelten, deren Eltern illegal hier leben oder sich um Asyl
bemühen. Zwar gebe es in einigen Bundesländern deutliche
Fortschritte sowie eine gewisse Toleranz und Duldung. Kritisch hebt
Muñoz jedoch die Situation in Baden- Württemberg, Hessen
und dem Saarland hervor.
Gewürdigt werden in dem Papier die von den deutschen
Kultusministern nach dem PISA-Schock eingeleiteten inhaltlichen
Verbesserungen. Doch für eine wirklich erfolgreiche Reform des
«Bildungssystems als Ganzem» bedürfe es ebenso
Änderungen an der Schulstruktur. Dieses hat die
Kultusministerkonferenz (KMK) bisher abgelehnt.
In einer ersten Kommentierung weist die Bundesregierung die Kritik
weitgehend zurück: «Deutschland gehört dank seines
leistungsfähigen Bildungssystems zu einer der stärksten
Wirtschaftsnationen und stabilsten Demokratien der Welt.»
Eingeräumt wird allerdings, dass die «Abhängigkeit von
Bildungserfolg und sozialer Herkunft» durchbrochen werden
müsse, um Jugendlichen gleich welcher Herkunft «die besten
Chancen auf Bildung zu bieten». In der KMK-Stellungnahme
heißt es, einige der Kritikpunkte «beruhten offensichtlich
auf Missverständnissen».
(Quelle: dpa)
Ex-Chef des UN-Umweltprogramms Töpfer: Kfz-Steuer abschaffen und
auf Benzinpreis umlegen
Mo.26.02.07 - Der frühere Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UN),
Klaus Töpfer, hat eine vollständige Abschaffung der
Kraftfahrzeugsteuer in Deutschland empfohlen.
«Das Sinnvollste wäre, die Kfz-Steuer abzuschaffen und auf
den Benzinpreis umzulegen. Das würde am ehesten zum Benzinsparen
anregen. Zudem würde es umweltfreundliche Technologien wie
Biodiesel, Brennstoffzelle und Hybridantrieb voranbringen», sagte
der frühere CDU-Bundesumweltminister der «Welt am
Sonntag». Die Umlegung auf den Mineralölpreis habe aber
«zu viele Gegner - wie alles, was in Deutschland Veränderung
bringt».
Töpfer warnte eindringlich davor, das empfohlene Ziel im
jüngsten UN-Bericht, eine Klimawende bis 2020, zu verpassen.
«Wir müssen das erreichen. Es gilt zu tun, was längst zu
tun war.» Zu lange seien Warner vor den Folgen der
Erderwärmung «als Untergangspropheten diffamiert»
worden.
Im Kampf gegen den Klimawandel seien in erster Linie die
Industrieländer, erst in zweiter Linie Schwellenländer wie
China in der Verantwortung, sagte Töpfer, der zurzeit an
chinesischen Universitäten lehrt und die Regierung in Peking
berät. «Das Ziel der Europäer, die CO2-Produktion bis
2020 um mindestens 20 Prozent zu verringern, ist ein großartiges
Signal.»
Töpfer geht davon aus, dass auch die USA den Kampf gegen den
Klimawandel bald «zur Priorität Nummer eins» machen
werden.
(Quelle: dpa)
Mehrheit in Deutschland wäre mit Glühbirnen-Verbot
einverstanden
Mo.26.02.07 - Die Mehrheit der Bundesbürger wäre mit einem Verbot von
Glühbirnen einverstanden. Dies ermittelte das Forsa-Institut im
Auftrag der «Bild am Sonntag». Danach würden 56 Prozent
einem Verbot zustimmen, 38 Prozent wären dagegen.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) will Glühbirnen von den
europäischen Märkten verdrängen. «Der Standort
Europa kann sich eigentlich keine Produkte mehr leisten, die wie
herkömmliche Glühbirnen einen Effizienzgrad von nur fünf
Prozent aufweisen», zitierte die Zeitung aus einem Brief an
EU-Umweltkommissar Stavros Dimas.
Studien zufolge gebe es für Europa «ein
CO2-Verminderungspotenzial von etwa 25 Millionen Tonnen pro Jahr, das
durch die Umstellung von herkömmlichen Glühbirnen auf
Energiesparlampen in Haushalten und im Dienstleistungssektor erreicht
werden kann», schrieb der Minister. Er schlug vor,
europäische Standards über die so genannte Richtlinie für
das Öko-Design vorzuschreiben. Hier sollten anspruchsvolle
Effizienzkriterien für Lampen festgeschrieben werden, die sich an
den besten Produkten am Markt orientieren sollten.
Anfang der Woche war ein Plan der australischen Regierung bekannt
geworden, wonach herkömmliche Glühbirnen bis 2010 wegen
Energieverschwendungen verboten werden sollen. Nach der Forsa-Umfrage
ist die Zustimmung für ein Glühbirnen-Verbot unter
Anhängern der Linkspartei am größten (77 Prozent), das
geringste Verständnis haben unionsnahe Bürger (48 Prozent).
Die Ergebnisse der Befragung sind repräsentativ.
(Quelle: ap)
Atomkraftgegner feiern 'Widerstands-Jubiläum' mit Beton-Torte
Mo.26.02.07 - Mit einem Fest vor dem atomaren Zwischenlager im niedersächsischen
Gorleben haben Kernkraftgegner am Wochenende 30 Jahre Widerstand gegen
Castortransporte und die Einrichtung eines Endlagers im Wendland
gefeiert. Die Feierlichkeiten erreichten ihren Höhepunkt, als aus
einer Beton-Torte in der Einfahrt zum Zwischenlager 30
Feuerwerksraketen gezündet wurden.
Bauern aus dem Wendland, die sich an den Protesten der Kernkraftgegner
beteiligen, hatten die an einer Kette hängende Beton-Torte mit
einem Durchmesser von 1,20 Meter vor dem Werktor abgesetzt. Der
Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Lüchow-Dannenberg, Francis
Althoff, sagte, die Torte stehe symbolisch dafür, dass sich die
Atomlobby an den Protesten die Zähne ausbeißen werde.
Ausgangspunkt der Proteste war der 22. Februar 1977, als der
niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU)
Gorleben als Standort für ein «nukleares
Entsorgungszentrum» benannte.
(Quelle: ddp)
Regierung plant offenbar Verschärfungen im Ausländerrecht
Mo.26.02.07 - Die Bundesregierung plant offenbar spürbare Verschärfungen im
Ausländerrecht. Wie die «Frankfurter Rundschau»
(Montagausgabe) berichtete, sollen Ausländer ausgewiesen werden
können, wenn sie sich «integrationsfeindlich»
verhalten. Das sehe ein Gesetzentwurf zur Änderung des
Aufenthaltsrechts vor. Wer in «schwerwiegender Weise» etwa
die Integration von Familienangehörigen beeinträchtigt und
hartnäckig durch einen «besonders integrationsfeindlichen
Charakter» auffalle, solle zum Verlassen des Landes verpflichtet
werden können, meldete das Blatt.
Auch Migranten, die zu Hass aufstacheln und Teile der Bevölkerung
«böswillig verächtlich machen» oder beschimpfen,
sollen ausgewiesen werden können, schreibt die Zeitung. Die
Pläne sehen danach auch ein Bußgeld bis zu 1.000 Euro
für Zuwanderer vor, die ihrer Pflicht zu Integrationskursen nicht
nachkommen. Die neuen Auflagen seien Teil eines 400-seitigen
Gesetzespakets, mit dem die Bundesregierung mehrere
Ausländerrechtsrichtlinien der EU umsetzen wolle.
(Quelle: ap)
Wirbel um Islam-Forum im ZDF
Mo.26.02.07 - Das vom ZDF geplante «Forum zum Freitag» für Muslime
sorgt für erheblichen Wirbel. CSU-Generalsekretär Markus
Söder kritisierte das Vorhaben am Wochenende scharf:
«Deutschland braucht keinen Moschee-Sender.» Die
Grünen-Vorsitzende Claudia Roth begrüßte dagegen
ausdrücklich die Pläne und warf Söder «üble
Hetze» vor. Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in
Deutschland, Salomon Korn, stellte unterdessen das christliche
«Wort zum Sonntag» in der ARD grundsätzlich in Frage.
Das ZDF will im Sommer das umstrittene Islam-Forum in seinem
Online-Dienst starten. Bestehen soll das Angebot aus Kommentaren,
Gesprächen und Interviews. Interview- oder Gesprächspartner
können von den muslimischen Verbänden in Deutschland
vorgeschlagen werden. Die Auswahl will das ZDF aber selbst treffen.
Inhaltlich soll sich das «Forum zum Freitag» mit ethischen
Themen, Spiritualität und Sinnfragen befassen, aber auch den
Muslimen in Deutschland die Möglichkeit geben, sich zu aktuellen
Ereignissen zu äußern.
Söder sagte der «Bild am Sonntag»: «Dafür
sind Gebührengelder nun wirklich nicht da.» Eine solche
Sendung fördere auch nicht die Integration, sondern bestärke
Parallelgesellschaften. «Das öffentlich-rechtliche Fernsehen
muss bestehende Gräben überwinden und darf sie nicht
vertiefen», sagte der CSU-Generalsekretär. Statt über
Islamkunde zu reden, sollte mehr über Werte und Alltagskultur
berichtet werden. Söder warnte zugleich vor der Möglichkeit,
«dass aggressive Islamgruppen diese Internetplattform für
ihre Zwecke nutzen».
Dagegen lobte Grünen-Chefin Roth das Vorhaben als
überfälligen Schritt und wichtigen Beitrag zur Integration:
«Der Sender zeigt damit, dass er seinen
öffentlich-rechtlichen Auftrag ernst nimmt, alle
Gebührenzahler einzubeziehen und Defizite bei Informationen
über unterschiedliche Religionen und Herkünfte zu
überwinden», sagte Roth der AP. Sie warf Söder vor,
erneut seine eigene mangelnde Integrationsbereitschaft und
-fähigkeit bewiesen zu haben: «Söder ist nicht
angekommen in der Realität unseres Landes.» Und diese
Realität heiße: «Wir leben in einer
multireligiösen Gesellschaft. Und die zweitgrößte
Religionsgemeinschaft bilden die Muslime.»
Nach Ansicht des Zentralrats der Juden sollte die Debatte auch die ARD
zum Nachdenken über ihr «Wort zum Sonntag» bringen. Ein
zeitgemäßes öffentlich-rechtliches Fernsehen müsse
alle Religionen und Weltanschauungen kritisch begleiten, sagte
Zentralrats-Vizepräsident Korn dem Nachrichtenmagazin «Der
Spiegel»: «Das Wort zum Sonntag ist ein
Anachronismus.» Viel sinnvoller sei ein Format, in der es um die
Frage gehe, welche Werte es in der Gesellschaft gebe. Das könne
dann aber nur ein Informationsforum sein und kein Predigtmarkt.
Bereits zuvor hatte der Zentralrat ein «Wort zum
Wochenende» im Fernsehen angeregt, das allen größeren
Religionsgemeinschaften Gelegenheit zur Medienpräsentation geben
soll. Auch der Parlamentarische Geschäftsführer der
Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck forderte:
«Christentum, Islam und Judentum sollten einen angemessenen
Sendeplatz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen erhalten.»
Dies diene dem gegenseitigen gesellschaftlichen Verständnis. Das
Verfassungsrecht garantiere den Religionsgemeinschaften einen Platz zur
Artikulation im gesellschaftlichen Raum.
(Quelle: ap)