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Irak am neunhundertdreiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mindestens 20 Tote bei Anschlägen. USA: Neue Beweise für
iranische Waffen im Irak. Bericht: Minderheiten im Irak werden auf
vielfältige Art verfolgt. Irakische Regierung legt Ölgesetz
vor
Di.27.02.07 - Bei einem Bombenanschlag in der irakischen Stadt Ramadi sind am Montag
mindestens 14 Menschen getötet worden. Zehn weitere wurden
verletzt, wie die Polizei mitteilte. Der Attentäter versuchte den
Angaben zufolge, mit einem mit Sprengstoff beladenen gestohlenen
Krankenwagen einen Kontrollpunkt zu überfahren. Als die Polizisten
auf das Fahrzeug schossen, explodierte der Sprengsatz. Unter den Toten
waren fünf Polizisten und drei Kinder.
Bei einem Anschlag in einem irakischen Ministerium sind sechs Menschen
ums Leben gekommen.
Die Explosion habe sich am Montag bei einer Veranstaltung mit
Vizepräsident Adel Abdul-Mahdi im Ressort für Öffentliche
Arbeiten ereignet, sagte ein Mitarbeiter der Behörde. Aus Kreisen
von Abdul-Mahdis Schiitischer Allianz hieß es, der Politiker sei
leicht verletzt ins Krankenhaus eingeliefert worden. Es handele sich um
"Routineuntersuchungen".
Zuvor hatte die Polizei mitgeteilt, Abdul-Mahdi gehöre nicht zu
den 31 Verletzten in dem Gebäude außerhalb der besonders
gesicherten Grünen Zone, wo einige Regierungsstellen untergebracht
sind. Die genaue Ursache der Explosion war zunächst unklar.
Präsident Dschalal Talabani war am Sonntag in ein Krankenhaus in
Jordanien geflogen worden. Talbanis Zustand ist nach offiziellen Angaben
"völlig normal und stabil". Ein enger Mitarbeiter Talabanis hatte
Medienberichte dementiert, dass der mehr als 70 Jahre alte Politiker
einen Herzanfall erlitten habe.
Die USA haben nach eigenen Angaben neue Beweise für den Einsatz
iranischer Waffen im Irak.
Das US-Militär teilte am Montag mit, mehrere Waffen iranischer
Bauart, darunter Raketen und Mörsergranaten, seien am Samstag in
der Nähe der Stadt Bakuba nördlich von Bagdad gefunden worden.
Es stehe außer Zweifel, dass die Waffen iranischer Bauart seien.
Allerdings gebe es keine Möglichkeit herauszufinden, ob die
Regierung in Teheran an Waffenlieferungen in das Nachbarland beteiligt
sei.
Die betreffenden Waffen wurden Journalisten von
US-Militärvertretern auf einer US-Basis in Bagdad gezeigt. Für
welche Gruppe irakischer Aufständischer die Waffen bestimmt waren,
blieb unklar. US-Major Jeremy Siegrist sagte, die Waffen seien in der
Nähe eines Dorfes gefunden worden, in dem Anhänger der
Mehdi-Miliz des einflussreichen schiitischen Geistlichen Moktada
al-Sadr aktiv seien. Nach US-Einschätzung zählt die Miliz von
Sadr zu den größten Bedrohungen für die Sicherheitslage
im Irak.
Die USA werfen dem Iran vor, die Gewalt im Irak anzuheizen und damit
gegen die US-Truppen zu arbeiten. Der Iran hat diese Vorwürfe
zurückgewiesen. Wegen des weiter ungelösten Atomstreits mit
dem Iran haben sich die Fronten zuletzt verhärtet. Medienberichte
über erste Vorbereitungen eines Angriffs auf den Iran haben die USA
zurückgewiesen.
Die religiös motivierte Gewalt im Irak trifft die Minderheiten wie
Christen, Juden, Palästinenser und Turkmenen besonders stark.
Ethnische und religiöse Minderheiten des Landes würden zu
Opfern "von Angriffen, Entführungen und Drohungen von allen Seiten,
und einige Gemeinden, die seit 2000 Jahren im Irak leben, stehen jetzt
vor der Vernichtung", heißt es in einem Bericht, den die in
London ansässige Menschenrechtsgruppe Minority Rights Group
International am Montag veröffentlichte. Im Kampf um die
Vorherrschaft im Irak würden sie von Sunniten, Schiiten und Kurden
gleichermaßen mit Gewalt überzogen.
Die irakische Regierung hat am Montag ihr lang erwartetes Gesetz zur
Regulierung der Öl- und Gasindustrie vorgelegt.
Ministerpräsident Nuri al-Maliki sprach von einem Grundstein des
staatlichen Aufbaus und einem wichtigen Schritt, um Investitionen
anzuregen. Die Regelung werde allen Irakern zugute kommen. Der
Gesetzentwurf soll nun dem Parlament vorgelegt werden.
Ölminister Hussain al Schahristani erklärte: «Dieses
Gesetz wird den Irakern - nicht nur jetzt, sondern auch für
spätere Generationen - die komplette nationale Kontrolle über
diesen natürlichen Reichtum garantieren.» Die Einnahmen
sollten unter Aufsicht des Föderalen Öl- und Gasrats unter
den Regionen verteilt werden.
Die Regierung hatte ihr Gesetz ursprünglich bis Ende 2006
zugesagt. Widerspruch vor allem der Kurden hatte den Entwurf jedoch
verzögert. Die meisten großen Ölvorkommen liegen im
kurdischen Norden und schiitischen Süden des Iraks.
(Quellen: rtr, afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 27.02.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertundneunten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.27.02.06 - Iraks Sicherheitsberater rechnet mit monatelanger Regierungsbildung +++
Gemeinsames Bemühen zur Bürgerkriegs-Verhinderung +++ Wieder
mehr als 80 Tote bei Anschlägen im Irak +++
Sadr ruft zu gemeinsamer Demonstration gegen US-Besatzer auf...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0602270.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Kriege im Irak und in Afghanistan schwächen US-Streitkräfte
Di.27.02.07 - Das militärische Engagement der USA im Irak und in Afghanistan
beeinträchtigt zunehmend die Fähigkeit der
US-Streitkräfte, angemessen auf andere potenzielle Konflikte in
der Welt zu reagieren. Das geht aus einem Bericht von Generalstabschef
Peter Pace an den Kongress in Washington hervor. Der Bericht ist
geheim, doch ranghohe Verteidigungsexperten bestätigten am Montag
dessen Kernaussage.
Demnach stuft General Pace das Risiko, dass die US-Streitkräfte
wegen der Belastungen durch die Kriege im Irak und in Afghanistan auf
andere Krisen nur unzureichend reagieren könnten, als erheblich
ein. Ein Jahr zuvor war das Risiko noch als mäßig
eingeschätzt worden. Das Pentagon wolle zwar die
militärischen Kapazitäten verbessern, es könne aber
einige Jahre dauern, bis das von Pace beschriebene Risiko auf ein
akzeptables Maß verringert sei, heißt es in einem
Begleitbericht des Verteidigungsministeriums zur Analyse des
Generalstabschefs.
Der Bericht von Pace war bereits zu Jahresbeginn Verteidigungsminister
Robert Gates vorgelegt worden und berücksichtigt damit noch nicht
die Entscheidung von Präsident George W. Bush, die Truppen im Irak
in den nächsten Monaten um 21.500 Mann zu verstärken, um die
Gewalt in dem Land einzudämmen.
(Quelle: ap)
Russland besorgt wegen Angriffsdrohung gegen Iran
Di.27.02.07 - Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad beharrte am Sonntag
trotz internationaler Warnungen auf der bisherigen iranischen Position
zum Atomprogramm. Sieben einflussreiche islamische Staaten warnten vor
einer Eskalation des Konflikts, nachdem US-Vizepräsident Richard
Cheney während eines Besuches in Australien erneut einen
Militärschlag gegen den Iran nicht ausgeschlossen hatte.
Mit Sorge hat Russland auf die jüngste Entwicklung im Atomstreit
mit Teheran reagiert. «Es ist beunruhigend, dass sich die
Prognosen und Vermutungen häufen, der Iran könnte angegriffen
werden», sagte Außenminister Sergej Lawrow am Montag nach
einem Gespräch mit Präsident Wladimir Putin. Lawrow bezog
sich dabei auf die Äußerungen Cheneys in Australien.
Russland widersetzt sich im Weltsicherheitsrat bislang den Forderungen
der USA nach harten Sanktionen gegen die Führung in Teheran.
Moskau will die Iraner durch Verhandlungen vom Bau eigener Atomwaffen
abhalten. Russische Militärexperten zeigten sich in Moskau
beunruhigt über den ersten Start einer iranischen Weltraumrakete.
«Das ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Bau von
Angriffsraketen mit einer Reichweite von 3000 bis 5000
Kilometern», sagte der russische Generalleutnant Leonid Saschin
der Nachrichtenagentur Itar- Tass in Moskau. Eine solche Rakete
könne nicht nur Russland und Israel, sondern auch Länder in
Europa treffen.
Das US-Verteidigungsministerium beschäftigt sich nach
Informationen des US-Enthüllungsjournalisten Seymour Hersh mit
ernsthaften Planungen für einen Luftangriff auf den Iran. Falls
Bush den Befehl gebe, könnten die USA den Iran innerhalb von 24
Stunden angreifen, sagte der Pulitzer-Preisträger von 1970 am
Sonntag dem US- Nachrichtensender CNN. Er habe den Eindruck, dass Bush
nicht aus dem Amt scheiden werde, ohne etwas gegen den Iran zu tun.
«Ich weiß nicht, was ihn aufhalten kann, weil er der
Präsident ist», sagte Hersh.
Beim Generalstab im Pentagon sei eine spezielle Einsatzgruppe mit den
Vorbereitungen der Angriffe beschäftigt, berichtete Hersh.
«Derzeit laufe eine Feinabstimmung der Ziele.»
Verteidigungsminister Robert Gates und das Pentagon hatten vor
Erscheinen des Beitrages versichert, dass es keinerlei
Kriegsvorbereitungen gebe.
(Quelle: dpa)
Blix kritisiert Bedingung für Gespräche mit Iran als
demütigend
Di.27.02.07 - Der ehemalige UN-Waffeninspekteur Hans Blix hat die internationalen
Bedingungen für neue Atomgespräche mit dem Iran als
demütigend kritisiert. Statt Gespräche an einen Stopp der
iranischen Urananreicherung zu knüpfen, sollten direkte
Verhandlungen ohne derartige Vorbedingung aufgenommen werden,
erklärte Blix am Montag am Rande einer Tagung in Washington.
«Das wäre eine Abkehr von einer demütigenden
neokolonialistischen Haltung zu einer normaleren», sagte der
frühere Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA).
Teheran habe wiederholt erklärt, dass es zu Gesprächen
über die Urananreicherung bereit sei, aber einen vorherigen Stopp
ablehne, erklärte Blix. «Ich wäre überrascht, wenn
ein Pokerspieler seine Trumpfkarte schon wegwerfen würde, bevor er
am Tisch Platz nimmt», sagte er. «Wer macht so etwas?»
Blix kritisierte, dass das im Juni 2006 vorgelegte Paket von Anreizen
für den Iran nicht oder nicht in ausreichendem Maße wichtige
Punkte wie eine Sicherheitsgarantie oder die Normalisierung der
Beziehungen zu den USA enthalte. Der Westen solle sich in die Lage des
Irans versetzen, forderte er: Im Irak seien 140.000 amerikanische
Soldaten, in Pakistan und Afghanistan US-Militärbasen. Es sei
nicht erstaunlich, dass der Iran «sich ein bisschen Sorgen
über seine Sicherheit» machen könnte.
(Quelle: ap)
Presse: USA wollen Pakistan wegen Anti-Terror-Defizit Gelder kürzen
Di.27.02.07 - Wegen Versäumnissen im Anti-Terror-Kampf wollen die USA einem
Pressebericht zufolge dem pakistanischen Präsidenten Pervez
Musharraf die Kürzung von Finanzmitteln androhen. Washington habe
vor, Musharraf eine "ungewöhnlich heftige Botschaft" zu
übermitteln, berichtete die "New York Times" am späten
Sonntagabend auf ihrer Internetseite unter Berufung auf mehrere
namentlich nicht genannte Regierungsbeamte. Der pakistanische Staatschef
habe zwar in den vergangenen Monaten "zahlreiche Zusicherungen"
gemacht. Unterm Strich habe aber nichts funktioniert. "Unsere Botschaft
lautet jetzt, dass nur Ergebnisse zählen", zitierte die Zeitung
einen Beamten.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Abbas hofft auf Weg zur palästinensischen Anerkennung Israels. EU
sucht nach neuen Wegen zur Unterstützung der Palästinenser
Di.27.02.07 - Die neue palästinensische Koalitionsregierung könnte nach
Ansicht von Präsident Mahmud Abbas trotz des Widerstands der Hamas
einen Weg zur Anerkennung Israels finden. Er hoffe auf eine
Lösung, erklärte Abbas am Montag in Kairo, wo er um
Unterstützung für die geplante Einheitsregierung seiner
Fatah-Bewegung mit der militanten Hamas warb.
Hamas-Führer Chaled Maschaal erklärte unterdessen in Moskau,
die internationale Gemeinschaft solle die Haltung der Hamas
respektieren. Er rief zur Aufhebung des Finanzboykotts gegen die
Palästinenser auf, den Israel und viele westliche Geber nach der
Regierungsübernahme der Hamas im März vergangenen Jahres
verhängten. Zugleich appellierte er laut Agenturberichten an das
Nahost-Quartett aus USA, EU, UN und Russland, den Druck auf Israel zu
verschärfen, um ein Ende der Besatzung palästinensischer
Gebiete zu erreichen.
Die Europäische Union sucht derweil nach neuen Wegen zur
Unterstützung der Palästinenser, wie
EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner am Montag in einem
Beitrag für die palästinensische Zeitung «Al
Kuds» schrieb. Auch Entwicklungsprojekte sollten weiter
gefördert werden.
Für die Aufhebung des Boykotts haben Geber zur Bedingung gemacht,
dass die palästinensische Regierung unter anderem das
Existenzrecht Israels anerkennt. Ferrero-Waldner hielt sich zu einer
neuen Vermittlungsmission im Nahen Osten auf. Am (morgigen) Dienstag
waren Gespräche in Jerusalem geplant, für Mittwoch ein
Treffen mit Abbas. Am Donnerstag sollte die EU-Beauftragte nach Amman
weiterfahren.
In der vergangenen Woche hatte bereits Abbas in London, Berlin,
Brüssel und Paris um ein Ende des Finanzboykotts geworben.
Internationale Hilfe hat in der Vergangenheit etwa die Hälfte des
palästinensischen Haushalts ausgemacht. Sie wurde jedoch nach dem
Amtsantritt der Hamas-Regierung im vergangenen März auf Eis gelegt.
Die palästinensische Wirtschaft schrumpfte laut dem Amt für
Statistik in Ramallah im letzten Quartal 2006 im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum um 21 Prozent. Die Behörde machte dafür vor
allem die internationalen Sanktionen verantwortlich.
Israelische Soldaten fahndeten am Montag den zweiten Tag in Folge in
der Altstadt von Nablus im Westjordanland nach militanten
Palästinensern. Zehntausende Bewohner durften ihre Häuser
nicht verlassen, zahlreiche Straßen wurden gesperrt. Nach
palästinensischen Angaben wurde ein Mann aus einem fahrenden
israelischen Jeep heraus erschossen. Im Rundfunk wurden die Namen von
sieben gesuchten Mitgliedern der Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden
verlesen. Soldaten durchkämmten zahlreiche Häuser.
Die Soldaten waren nach Augenzeugenberichten am frühen
Sonntagmorgen mit 80 Jeeps und mehreren Planierraupen in die Stadt
eingerückt. Es war die erste größere israelische
Militäraktion im Westjordanland seit dem 19. Juli. Damals
rückten Soldaten auf der Suche nach mutmaßlichen Extremisten
ebenfalls in Nablus ein.
(Quelle: ap)
Internationaler Gerichtshof in spricht Serbien vom Vorwurf des
Völkermords frei
Di.27.02.07 - Der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag hat Serbien vom
Vorwurf des Völkermords freigesprochen, zugleich aber für
schuldig befunden, nichts zur Verhinderung des Massakers von Srebrenica
getan zu haben. Das Gericht befand, nach den Worten von
IGH-Präsidentin Rosalyn Higgins, "dass Serbien keinen
Völkermord begangen hat". Bei dem Massaker waren im Juli 1995 rund
8000 muslimische Männer und Jungen ermordet worden.
Serbien habe im Bosnien-Krieg 1992-95 keinen Völkermord begangen,
erklärte das Gericht. Allerdings habe die Regierung in Belgrad auch
nichts unternommen, um das Massaker von Srebrenica zu verhindern. Das
höchste UN-Rechtsprechungsorgan ordnete dieses als Völkermord
ein, ohne jedoch Serbien dafür verantwortlich zu machen.
Serbien sei seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen, das Massaker zu
verhindern und zu bestrafen, hieß es in dem Richterspruch weiter.
Die Regierung in Belgrad sei weiterhin dazu verpflichten, die
Verantwortlichen des Massakers an die internationale Justiz
auszuliefern. Bosnien hatte 1993 in Den Haag beantragt, Serbien des
Völkermords während des Bosnien-Kriegs schuldig zu sprechen.
(Quelle: afp)
UN-Studie rügt Situation der Roma
Di.27.02.07 - Die Lage der größten Minderheit Europas ist einer Studie der
Vereinten Nationen zufolge mehr als 60 Jahre nach Kriegsende von
Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung geprägt. Nahezu zwei
Millionen Roma-Kinder in Osteuropa wachsen demnach «ohne Zugang
zu Bildung, Gesundheitsversorgung oder würdigem Wohnraum»
auf, zitiert die «Frankfurter Rundschau» aus einer noch
unveröffentlichten Studie des UN-Kinderhilfswerks UNICEF.
Von acht bis zehn Millionen Roma lebe die überwiegende Mehrheit
unterhalb der Armutsgrenze; zwei von drei Familien hungerten zeitweise,
heißt es darin. Die Lage der Roma in den neuen EU-Mitgliedstaaten
sei kaum besser als in den ehemaligen Kriegsgebieten Bosnien und
Kosovo, konstatiert UNICEF. In Rumänien lebten zwei von drei Roma
unter dem Existenzminimum, etwa ein Drittel in «ghettoartigen
Wohnsiedlungen» meist ohne fließendes Wasser.
Das Kinderhilfswerk wirft laut dem Bericht auch ein kritisches Licht
auf Deutschland: Unter den bis zu 50.000 Roma-Flüchtlingen aus
Bosnien und dem Kosovo seien bis zu 35.000 ohne sicheren
Aufenthaltsstatus. 15.000 Roma-Kinder in Deutschland litten unter
«sozialer Ausgrenzung und Stigmatisierung» und
«ständiger Angst vor Abschiebung». Am kommenden Montag
soll UNICEF die Ergebnisse in Berlin vorstellen.
(Quelle: ap)
EU: Wachsender Verkehr als riesiges Klimaproblem
Di.27.02.07 - Die Europäische Umweltagentur (EUA) hat die massive Zunahme des
Auto-, Flug- und Schiffsverkehrs als immer größere Gefahr
für das Klima bezeichnet. Wie die Agentur am Montag in Kopenhagen
angab, ist der Luftverkehr in 32 untersuchten Ländern Europas
zwischen 1990 und 2003 um 96 Prozent gestiegen.
Insgesamt nahm das Transportaufkommen zu Lande, in der Luft und auf dem
Wasser in dieser Zeit um 20 Prozent zu. Der Verkehr stehe damit in den
15 alten EU-Ländern für 21 Prozent der Treibhausgase, die als
entscheidende Ursache für den globalen Klimawandel gelten.
Während die Emissionen aus anderen Sektoren wie Energieversorgung,
Industrie, Landwirtschaft und Müllbeseitigung zwischen 1990 und
2004 gesunken seien, hieß es in dem Bericht über den
Transportsektor: «Die Emissionen sind massiv gestiegen,
angetrieben von der immer größeren Nachfrage.» Das habe
eine durchschnittliche Zunahme der Emissionen an Treibhausgasen um 25
Prozent in den 25 damaligen EU-Ländern (plus Bulgarien,
Rumänien, Türkei, Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein)
zur Folge gehabt.
In Luxemburg stiegen diese Emissionen um 156 Prozent und in Irland um
140 Prozent an. Mit 107 Prozent mehr als verdoppelt haben sie sich auch
in Tschechien. Deutschland verzeichnete mit fünf Prozent den
geringsten Zuwachs bei Treibhausgasen durch Verkehr in den 15 alten
EU-Ländern.
Mit einem Gesamtzuwachs von 86 Prozent in allen Ländern nahmen
Schadstoffe durch den Luftverkehr am stärksten zu. EUA-Direktorin
Jaqueline McGlade sagte zu den neuen Zahlen, man komme beim Klimawandel
und anderen gravierenden Umweltfolgen nicht an der Zunahme des Verkehrs
als Problem vorbei. «Technische Fortschritte wie saubere und
treibstoffarme Motoren sind sehr wichtig. Aber wir können die
Emissionsprobleme nicht durch Innovationen allein lösen»,
meinte McGlade weiter.
Mitverantwortlich für die Zunahme des Verkehrs machte die Agentur
auch die EU selbst durch deren gewaltige Subventionszahlungen. So
würden jährlich zwischen 270 und 290 Milliarden Euro an
Zuschüssen für Transport ausgeschüttet. «Allein die
Hälfte davon geht an den Straßenverkehr als eine der am
wenigsten umweltfreundlichen Transportformen», hieß es in
dem Bericht.
Die Agentur verwies auf massive direkte Folgen für die Gesundheit
von Menschen durch immer mehr Verkehrsemissionen. So lebten 25 Prozent
der Bevölkerung in einem Abstand von weniger als 500 Metern von
sehr stark befahrenen Straßen (jeweils mehr als drei Millionen
Autos pro Jahr). Mit Blick auf Krankheit und vorzeitigen Tod koste dies
pro Jahr umgerechnet vier Millionen Lebensjahre.
(Quelle: dpa)
EU-Kommission stößt Debatte über soziale Wirklichkeit
in der EU an
Di.27.02.07 - Die EU-Kommission will eine Debatte über die soziale Wirklichkeit
in der EU anstoßen. Das europäische Sozialmodell sei durch
eine schleichende Erosion der Solidarität innerhalb der
Gesellschaft gefährdet, schreiben Berater von
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in einem am
Montag veröffentlichten Bericht. Die schwindende Solidarität
sei in der Abhängigkeit von Sozialtransfers «und Fragen, die
mit der Integration von Minderheiten in unsere Gesellschaften verbunden
sind», begründet.
«In vielen Mitgliedstaaten lindern die Wohlfahrtssysteme
erfolgreich die Armut, sind aber weniger gut darin, neue Zugangschancen
zu eröffnen», heißt es in dem Bericht. Das Beispiel
der skandinavischen Staaten lege nahe, dass ein großzügiges
Wohlfahrtssystem nur dann funktionieren könne, wenn die Zahlungen
von nachweislichen Bemühungen um einen Arbeitsplatz abhängig
gemacht würden.
Schlüssel für einen fairen Zugang zum Arbeitsmarkt und
sozialen Aufstieg sei die Bildung, schreiben die Autoren des Papiers,
Roger Liddle und Frederic Lerais. Hier gelte es von erfolgreichen
EU-Staaten zu lernen, heißt es unter Verweis auf den
Pisa-Spitzenreiter Finnland. Die gravierenden Unterschiede bei Pisa und
anderen Bildungsstudien könnten «nur durch Unterschiede bei
den nationalen Bildungssystemen erklärt werden».
Unzureichende Bildung sei auch eines der größten Probleme
bei der Integration von Einwanderern. So erreiche nur jeder zehnte
Deutsche türkischer Herkunft einen Universitätsabschluss,
kritisieren die EU-Experten. Die Probleme von Einwanderern bei der
Arbeitssuche trügen zu «ungelösten Spannungen» in
der Gesellschaft bei, «die eine Herausforderung für den
sozialen Zusammenhalt sind».
In einer parallel zu dem Bericht veröffentlichten Erhebung der
EU-Kommission äußerten 46 Prozent der befragten
EU-Bürger die Befürchtung, die Zuwanderung von
Ausländern verschärfe die Arbeitslosigkeit. Allerdings
stimmten gleichzeitig 54 Prozent der Aussage zu, Einwanderung
bereichere das kulturelle Leben in ihrem Land.
Besorgt zeigte sich eine Mehrheit der Befragten über die
Sicherheit der Renten und die Lage auf dem Arbeitsmarkt. EU-weit
beurteilten nur 42 Prozent der 26.755 Befragten die Zukunft der Renten
zuversichtlich, in Deutschland sogar nur 25 Prozent. Zusammen mit den
Bulgaren sind die Deutschen demnach am pessimistischsten, was die
Sicherheit der Renten betrifft.
Arbeitslosigkeit ist für die Umfrageteilnehmer das Sorgenthema
Nummer eins, noch vor dem Niveau der Lebenshaltungskosten, der Rente,
Kriminalität und dem Zustand der Gesundheitsversorgung. Auch unter
den Bundesbürgern rangiert die Angst vor Arbeitslosigkeit an
erster Stelle. In Deutschland zeigten sich zudem
überdurchschnittlich viele Befragte besorgt über die Kluft
zwischen Arm und Reich.
Dennoch gibt die Umfrage auch Anlass zum Optimismus, wie die
Barroso-Berater Liddle und Lerais notieren. So bezeichneten sich 87
Prozent der EU-Bürger als glücklich, mit ihrem allgemeinen
Lebensstandard zeigten sich 86 Prozent zufrieden.
Der DGB wertete den Expertenbericht als dringende Mahnung, soziale
Mindeststandards in der EU und einen Mindestlohn in Deutschland
verbindlich vorzuschreiben. In der «Neuen Osnabrücker
Zeitung» forderte DGB-Chef Michael Sommer außerdem, den
Entwurf für eine EU-Verfassung nur mit einem Grundrechtskatalog zu
verabschieden.
(Quelle: ap)
Eurogruppe mahnt Gewerkschaften zur Mäßigung
Di.27.02.07 - Der Eurogruppen-Vorsitzende Jean-Claude Juncker hat die Gewerkschaften
mit Blick auf die anstehenden Tarifrunden in Deutschland und anderen
Staaten zur Mäßigung gemahnt. Lohnsteigerungen müssten
«mit der Produktivitätsentwicklung konform gehen»,
erklärte der luxemburgische Regierungschef nach einem Treffen der
Finanzminister der Euro-Staaten am Montag in Brüssel. Juncker
kündigte an, er wolle innerhalb der Währungsunion eine
Debatte über eine Beteiligung der Arbeitnehmer an den
Unternehmensgewinnen anstoßen.
«Es gibt andere Möglichkeiten als Lohnerhöhungen, um
die Früchte des Wachstums zu verteilen», sagte Juncker und
prophezeite: «Die Vermögensbeteiligung der Arbeitnehmer
kommt wieder.»
EU-Währungskommissar Joaquín Almunia sprach sich für
einen verstärkten Dialog zwischen Politik und Tarifparteien aus.
«Wir können die Differenzen bei der Entwicklung der
Lohnstückkosten innerhalb der Eurozone nicht ewig
akzeptieren», sagte der Spanier. Natürlich müsse die
Autonomie der Tarifparteien gewahrt bleiben, er sei aber dafür,
«die Kontakte zwischen der Eurogruppe und den Sozialpartnern zu
verbessern».
Die Finanzminister der Eurozone rief Almunia zu verstärkten
Sparanstrengungen auf. «Die Bemühungen um eine strukturelle
Reform der öffentlichen Finanzen liegen unter den Zielvorgaben des
Stabilitätspakts», kritisierte der Währungskommissar.
Danach sollen die Staaten der Währungsunion ihre
Gesamtverschuldung jedes Jahr um 0,5 Prozentpunkte abbauen, um
langfristig einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen.
Gegenwärtig seien nur Irland, Finnland und die Niederlande auf dem
richtigen Weg dorthin, sagte Almunia.
Die deutsche Regierung hat bereits angekündigt, im Jahr 2008 sei
die 0,5-Prozent-Vorgabe wegen des In-Kraft-Tretens der
Unternehmenssteuerreform nicht einzuhalten. Dafür würden in
diesem Jahr voraussichtlich mehr als 0,5 Prozentpunkte abgebaut.
Nach Zypern will am (heutigen) Dienstag auch Malta seinen Beitritt zur
Eurozone beantragen. Ein entsprechendes Schreiben werde an die
EU-Kommission und an die Europäische Zentralbank geschickt, teilte
die Regierung in Valetta am Montag mit. Malta ist der EU im Jahr 2004
beigetreten. Offiziellen Angaben zufolge ist die Inflation im Januar
weiter gefallen.
(Quelle: ap)
Aufruf zu internationaler Demonstration gegen G-8-Gipfel
Di.27.02.07 - Gegner des G-8-Gipfels im Ostseebad Heiligendamm haben für den 2.
Juni zu einer internationalen Großdemonstration in Rostock
aufgerufen. Unter dem Motto «Eine andere Welt ist
möglich» wollen Menschenrechts- und Friedensgruppen,
Gewerkschaften sowie verschiedene linke Organisationen für eine
«Globalisierung im Interesse der Mehrheit der Menschen» und
damit für Gerechtigkeit, Frieden und soziale Sicherheit
demonstrieren, wie das Netzwerk Friedenskooperative und Attac
Deutschland am Montag in Frankfurt am Main berichteten.
Eine solche andere Globalisierung könne nur von unten entstehen
«aus einer globalen Bewegung von Menschen und Initiativen, die
sich für eine bessere Welt einsetzen», heißt es in dem
Aufruf. Unterzeichnet wurde er bisher unter anderem von Greenpeace,
Medico International, Pro Asyl, den Jusos, der Grünen Jugend und
antirassistischen Gruppen.
Auch Prominente wie der als TV-Kommissar bekannte Schauspieler Peter
Sodann, die Schriftstellerin Daniela Dahn, Jazzmusiker Emil
Mangelsdorff, der britische Literatur-Nobelpreisträger Harold
Pinter sowie der italienische Philosoph Antonio Negri unterstützen
den Angaben zufolge die Großdemonstration. Sie soll den Auftakt
für eine ganze Reihe von Protesten gegen den G-8-Gipfel bilden, der
vom 6. bis 8. Juni in Heiligendamm stattfindet.
(Quelle: ap)
Koalition streitet über Geld für Kinderbetreuung - SPD will
Rechtsanspruch auf Krippenplatz und kostenlose Kita
Di.27.02.07 - Über das Ziel ist sich die große Koalition einig, über
den Weg dorthin aber hat der Streit gerade erst begonnen. Die
Kinderbetreuung soll ausgebaut werden, um die Bildungschancen der
Kleinen zu erhöhen und den Eltern den Spagat zwischen Familie und
Beruf zu erleichtern. Während die Union mit
Finanzierungsvorschlägen noch zögert, kam die SPD am Montag
mit einem Milliardenprogramm aus der Deckung - und handelte sich von
CDU und CSU ein schallendes Nein ein.
Konkret wollen die Sozialdemokraten bis 2010 einen Rechtsanspruch auf
Ganztagsbetreuung schon für Einjährige einführen, den
Kindergartenbesuch vom dritten Jahr an kostenfrei stellen und die
Qualität der Betreuung verbessern. Die erforderlichen 6,36
Milliarden Euro sollen aus anderen Töpfen umgeschichtet werden,
hauptsächlich durch Verzicht auf die nächste
Kindergelderhöhung und die Kappung des Ehegattensplittings zu
Lasten von Besserverdienern.
Das sei mit ihren Parteien nicht zu machen, erklärten unisono
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla und CSU-Chef Edmund Stoiber.
Familienfeindlich, unsozial und ideologisch seien die SPD-Pläne,
rügte Stoiber: «So geht das mit Sicherheit nicht.» Die
CDU hätte sich schon gewünscht, «wenn in der Koalition
zunächst einmal über die möglichen Finanzierungen
gesprochen wird, bevor man mit einzelnen Konzepten und mit einzelnen
Vorschlägen versucht, auf den Markt zu gehen», sagte
Pofalla. Die SPD wiederum trat mit fünf Spitzenpolitikern zur
Vorstellung ihres Konzepts an und will es in der nächsten
Koalitionsrunde kommenden Montag zum Thema machen.
Kanzlerin Angela Merkel mahnte eine konstruktive Lösung an und
warnte davor, sich «im Kleinklein der Finanzierung» zu
verlieren. Familienministerin Ursula von der Leyen will noch im
März ihre Länderkollegen zu einer Sonderkonferenz bitten.
Merkel regte an, «dass man dann in Ruhe darüber spricht, wie
wir die Lage für die Eltern in Deutschland verbessern». Die
CDU-Vorsitzende äußerte sich erfreut darüber, dass
jetzt parteiübergreifend ein Konsens über die Notwendigkeit
von mehr Betreuungsmöglichkeiten bestehe. Von der Leyen erhofft
sich von der Sonderkonferenz die «Chance, gemeinsam mit den
Ländern eine Übereinkunft über konkrete Schritte zu
erreichen, die danach in einem freiwilligen Pakt von Bund, Ländern
und Kommunen gemeinsam umgesetzt werden».
Auf eine gemeinsame Anstrengung von Bund, Ländern und Gemeinden
setzt auch die SPD und regt dazu eine Art Familiengipfel an. Parteichef
Kurt Beck betonte, die SPD wolle den Eltern keine Vorgaben machen, wie
sie ihre Kinder erziehen sollten. Sie wolle aber für ausreichend
Betreuungsangebote sorgen, damit wirkliche Wahlfreiheit bestehe.
«Das halte ich für die freiheitlichste und familienpolitisch
vernünftigste Lösung», sagte der
rheinland-pfälzische Ministerpräsident.
Von der Leyen wolle inhaltlich das gleiche, bleibe aber die
Finanzierung schuldig, kritisierte er: «Schöne Wünsche
aneinander reihen ohne Finanzierung - das ist das Gegenteil von
Politik, das sind nur schöne Wünsche.» Dass durch die
sinkenden Geburtenzahlen frei werdende Mittel herangezogen werden
sollen, dem stimmt auch von der Leyen zu. Nicht anfreunden kann sie
sich aber mit einem Einfrieren des Kindergelds und einer Reduzierung
des Betreuungsfreibetrags. Das schaffe nur Ungerechtigkeiten und spiele
Eltern von Kindern unterschiedlichen Alters gegeneinander aus. Auch die
Pläne beim Ehegattensplitting lehnte sie ab und möchte es
lieber durch eine Kinderkomponente ergänzen. Nach Vorstellung der
SPD soll das Steuersplitting so beschränkt werden, dass nur noch
15.000 Euro auf den nicht oder gering verdienenden Partner
übertragen werden. Bezieher niedriger Einkommen würden damit
nicht belastet, versicherte Beck.
CDU-Ministerpräsidenten wie Christian Wulff (Niedersachsen) und
Peter Müller (Saarland) setzten sich dafür ein,
zusätzliches Geld in die Hand zu nehmen. Dazu sei die Union
bereit, versicherte Wulff. Umschichtungen seien ein Nullsummenspiel,
erklärte Müller. Die kommunalen Spitzenverbände
forderten die große Koalition auf, gemeinsam ein solides
Finanzierungskonzept auszuarbeiten.
(Quelle: ap)
GfK: Kauflaune der Deutschen sinkt weiter
Di.27.02.07 - Die Kauflaune der Deutschen ist wegen der höheren Mehrwertsteuer
erneut gesunken.
Der monatlich ermittelte Indikator für das Konsumklima fiel
für März auf 4,4 von revidiert 4,9 Punkten, wie die
Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Montag mitteilte. Die
Verunsicherung der Konsumenten über die Folgen der
Steuererhöhung sei noch nicht gewichen, hieß es zu der
Umfrage unter 2000 Verbrauchern. Deren Konjunkturzuversicht nahm
zugleich deutlich zu und lässt den Forschern zufolge auf ein wieder
besseres Konsumklima hoffen.
Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten hatten im Schnitt
mit einem leichten Anstieg des Konsumbarometers 4,9 von unrevidiert 4,8
Punkten gerechnet. Die Anschaffungsneigung fiel im Februar auf minus 16
von minus 5,1 Punkten. Allein dieser Rückgang sei verantwortlich
für die Schwächephase des Konsumklimas, hieß es. Sie
könnte aber bereits im Frühjahr mit der Aufgabe der
Kaufzurückhaltung der Verbraucher überwunden werden.
Dafür sprechen der GfK zufolge die anhaltende Besserung auf dem
Arbeitsmarkt und stabile Energiepreise. Zudem würden die
Verbraucher erkennen, dass die höhere Steuer nur die Hälfte
des Konsums betreffe und es nur verhaltene Preiserhöhungen gebe.
Die Forscher rechnen für 2007 weiter mit einem Plus beim privaten
Konsum von einem knappen halben Prozent.
Rasant zugelegt hat die Zuversicht der Verbraucher in einen starken und
nachhaltigen Aufschwung. Die Konjunkturerwartungen legten auf 53,3 von
37,5 Punkten zu und erreichten damit den höchsten Stand seit August
2000. Für die euphorische Stimmung sind den Forschern zufolge vor
allem die guten Nachrichten vom Arbeitsmarkt verantwortlich. Die
Beschäftigtenzahl war im vierten Quartal mit 39,7 Millionen auf
den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung gestiegen. Die
Verbraucher bekunden wie die vom ZEW befragten professionellen Anleger
und Analysten zunehmend Vertrauen in die Aufschwung.
Auch die Einkommenserwartungen stiegen auf 2,9 von minus 5,1 Punkten.
Die bessere Lage auf dem Arbeitsmarkt schüre auch die Hoffnung auf
steigende Einkommen. Der Indikator liege nun wieder über seinem
langjährigen Durchschnitt.
(Quelle: rtr)
Ex-Terrorist Klar hofft weiter auf 'Niederlage des Kapitals'
Di.27.02.07 - Der ehemalige RAF-Terrorist Christian Klar hofft weiterhin auf die
"Niederlage der Pläne des Kapitals". Dies geht aus einer
Grußbotschaft für die von der Tageszeitung "Junge Welt"
organisierte Rosa-Luxemburg-Konferenz hervor, wie das ARD-Magazin
"Report" berichtet. Klar äußert die Hoffnung, dass die Zeit
gekommen sei, "die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden
und die Tür für eine andere Zukunft aufzumachen". Bayerns
Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) kritisierte die
Äußerungen als "verblendete Aggression gegen die deutsche
Demokratie" und als "eiskalte Verhöhnung" der Opferfamilien.
Klar, der wegen mehrfachen Mordes seit 24 Jahren im Gefängnis
sitzt, hat ein Gnadengesuch gestellt, über das
Bundespräsident Horst Köhler entscheiden muss. In der
öffentlichen Botschaft vom 13. Januar prangert das ehemalige
RAF-Mitglied zudem ein "imperiales Bündnis" in Europa an, "das
sich ermächtigt, jedes Land der Erde, das sich seiner Zurichtung
für die aktuelle Neuverteilung der Profite widersetzt, aus dem
Himmel herab zu züchtigen und seine ganze gesellschaftliche
Daseinsform in einen Trümmerhaufen zu verwandeln."
Klar würdigte ferner die sozialistischen Bestrebungen in einigen
Ländern Südamerikas. Anders als in Europa werde dort "nach
zwei Jahrzehnten sozial vernichtender Rezepte der internationalen
Besitzerklasse - endlich den Rechten der Massen wieder Geltung gegeben
und darüber hinaus an einer Perspektive gearbeitet." Das
Grußwort wurde laut ARD verlesen von dem ehemaligen
PDS-Abgeordneten und wegen Stasi-Vorwürfen entlassenen Rektor der
Humboldt-Universität, Heinrich Fink. Fink hatte Klar nach eigenen
Angaben mehrmals im Gefängnis besucht.
Der Freiburger Kriminologe, Helmut Kury, der im Auftrag des
Justizministeriums Baden-Württembergs ein Gutachten über Klar
erstellt hat, zeigte sich von dem Text überrascht. Mit Blick auf
Klars Gnadengesuch sagte Kury zu "Report", Klar habe sich damit
sicherlich "nicht genützt".
Nach der Ansicht Stoibers hat Klar mit der Erklärung seinem
Gnadengesuch endgültig jeden Boden entzogen: "Aus den Tiraden des
Christian Klar spricht die unveränderte Grundhaltung eines
RAF-Terroristen. Statt sich von seinen Morden und Verbrechen zu
distanzieren, ruft er weiter zum Kampf gegen die deutsche Gesellschaft
auf". Es stelle sich nun die Frage, ob Klar nicht "auf Dauer hinter
Schloss und Riegel gehört".
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Forscher entdecken zahlreiche neue Tierarten in der Antarktis
Di.27.02.07 - Bei einer Forschungsfahrt in bislang unerreichbare Gewässer vor
der Küste der Antarktis haben Wissenschaftler zahlreiche neue
Tierarten entdeckt. Bislang sind 15 unbekannte Krebsarten sowie eine
Seeanemonen-Art und ein neues Nesseltier gefunden worden.
Dies teilte das Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven mit. Der
deutsche Forschungseisbrecher Polarstern war bis Ende Januar über
zwei Monate im Weddellmeer, in den Gewässern rund um die
Antarktische Halbinsel und in der Bransfieldstraße unterwegs. In
den vergangenen zwölf Jahren waren insgesamt 10 000
Quadratkilometer Schelfeis abgebrochen. Dadurch wurden viele Bereiche
des Meeresbodens freigelegt, die vorher für Schiffe
unzugänglich waren.
An Bord waren 52 Wissenschaftler aus 14 Nationen, die unter Leitung des
AWI besonders die Veränderungen der Umweltbedingungen an der
Antarktischen Halbinsel untersuchten. «Die neuen Ergebnisse werden
uns ein gutes Stück weiter bringen, um die Zukunft unserer
Biosphäre im Klimawandel vorhersagen zu können», sagte
Expeditionsleiter Julian Gutt. Die Reise war Teil des «Census of
Antarctic Marine Life» (CAML) - das Projekt arbeitet unter anderem
an einer Bestandsaufnahme der Arten in dieser Region.
Mit einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugs fanden die Forscher in
830 Metern Tiefe unter anderem eine kalte Quelle («Cold
Seep») - daraus steigt schwefel- und methanhaltiges Wasser auf.
Davon können einige hoch spezialisierte Bakterien leben, die auf
diese Weise die Grundlage für eine ganze Lebensgemeinschaft legen,
die völlig ohne Sonnenlicht auskommt.
Bei Walbeobachtungen sichteten die Forscher Zwergwale häufig nahe
am Packeis. Die sehr seltenen Schnabelwale zeigten sich
hauptsächlich rund um Elephant Island. «Es war
überraschend, dass die neuen Lebensräume so schnell besiedelt
werden», sagte Meike Scheidat von der Universität Kiel.
Die wertvolle Fracht - wissenschaftliche Daten und viele Tiere - ist
jetzt auf dem Weg in die Heimatinstitute der Expeditionsteilnehmer. Im
September sollen erste Ergebnisse vorgestellt werden. Die genaue Analyse
wird noch Monate bis Jahre dauern.
(Quelle: dpa)
Census of Antarctic Marine Life:
http://www.caml.aq