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Irak am neunhundertvierundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
12 Kinder bei Anschlag in Ramadi getötet. Neue Signale aus
Washington - USA nehmen mit Iran und Syrien an Irak-Konferenz teil
Mi.28.02.07 - In der westirakischen Stadt Ramadi sind 12 Kinder und sechs Frauen
durch eine Autobombe getötet worden. Die Kinder im Alter zwischen
zehn und 15 Jahren spielten nach Angaben aus dem
Verteidigungsministerium auf dem Fußballplatz, als der Sprengsatz
in der Nähe explodierte. 20 weitere Kinder wurden verletzt. Erst
am Montag waren in Ramadi 15 Menschen bei einem Attentat getötet
worden, für das das Terrornetzwerk El Kaida verantwortlich gemacht
wird. Aufgrund der Verschlechterung der Sicherheitslage stellt die
deutsche Hilfsorganisation HELP ihre Projekte im Irak ein.
Ramadi liegt in der Unruheprovinz El Anbar, einer Hochburg des
Widerstands gegen die US-Truppen. Gleichzeitig bekämpfen sich dort
rivalisierende sunnitische Gruppen. Am Samstag waren bei einem Anschlag
auf die sunnitische Mosche in Habbanija bei Ramadi 56 Menschen
getötet worden. Auch dafür machte die Regierung das
Terrornetzwerk El Kaida verantwortlich. Im Herbst hatten einflussreiche
sunnitische Scheichs in El Anbar eine Offensive gegen aus- und
inländische Unterstützer des Terrornetzwerks gestartet. Die
Anschlagserie der vergangenen Tage wird als Reaktion darauf gewertet.
In Bagdad starben bei einem Autobombenanschlag im mehrheitlich
schiitischen Viertel Karrada nach Angaben aus Sicherheitskreisen zwei
Menschen, sieben wurden verletzt. Bei einem zweiten Anschlag in dem
Viertel auf den Konvoi einer wichtigen Persönlichkeit starben
fünf Passanten; der Konvoi selbst wurde nicht getroffen. In
weiteren Stadtvierteln wurden bei Bombenanschlägen und durch
Beschuss mit Mörsergranaten mindestens zwölf Menschen
getötet, darunter drei US-Soldaten. Im nordirakischen Mossul kamen
bei einem Anschlag mindestens sechs Polizisten ums Leben.
Die Hilfsorganisation HELP kündigte aufgrund der Sicherheitslage
an, ihre Hilfsprojekte im Irak einzustellen. Betroffen sind Projekte
zur Minenräumung und Wasserversorgung. Nach Angaben der
Organisation wurden die HELP-Projekte im Irak nach dem Abzug der
internationalen Mitarbeiter im September 2004 ausschließlich von
irakischen Mitarbeitern betreut.
Die Sicherheitsoffensive der amerikanischen und irakischen Truppen in
Bagdad erreichte am Dienstag erstmals auch den schiitischen Stadtteil
Sadr City, die Hochburg des radikalen Predigers Muktada al Sadr. Dieser
hatte die Kämpfer seiner Miliz auf Druck der irakischen Regierung
von den Straßen zurückgezogen, um Konfrontationen
während der Sicherheitsoffensive zu vermeiden. Umfangreichen
US-Patrouillen in Sadr City hatte sich die irakische Regierung aber aus
Furcht vor einer Eskalation der Gewalt widersetzt.
Bei den Razzien am Dienstag in Sadr City handelte es sich eher um
Nadelstiche, als um einen großflächigen Einsatz, wie es ihn
in den sunnitischen Stadtteilen gab. Sechs Häuser wurden
gestürmt und mindestens 16 Personen festgenommen.
Die USA werden sich in den kommenden beiden Monaten auf zwei
internationalen Irak-Konferenzen nun doch mit dem Iran und Syrien an
einen Tisch setzen. Zunächst sei im März eine Tagung geplant,
an der sich Botschafter und Gesandte aus den Nachbarstaaten des Irak
sowie die fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat beteiligen
würden, teilte US-Außenministerin Condoleezza Rice am
Dienstag in Washington mit. Auf dieses erste Treffen solle dann
"vielleicht schon in der ersten April-Hälfte" eine Tagung auf
Ministerebene folgen, zu der die irakische Regierung die gleichen
Länder "plus die G-8-Staaten" eingeladen habe. Bilaterale
Gespräche mit dem Iran über die Atomkrise soll es aber nicht
geben. US- Generalstabschef Peter Pace wies unterdessen Berichte
über angebliche Vorbereitungen eines Angriffs gegen den Iran
entschieden zurück.
(Quellen: afp, ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 28.02.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertundzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.28.02.06 - Vier Tote bei Explosion in Schiitenviertel von Bagdad +++ Studie: Nur
Reformen können Bürgerkrieg im Irak verhindern +++ Forschergruppe:
Bei Bürgerkrieg im Irak droht Destabilisierung des gesamten Nahen
Ostens +++ 'New York Times': Deutsche gaben USA
Irak-Verteidigungspläne...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0602280.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Gespräche zwischen Japan und Nordkorea nächste Woche in
Vietnam
Mi.28.02.07 - Japan und Nordkorea werden in der kommenden Woche in Vietnam bilaterale
Gespräche über die Normalisierung der Beziehungen zwischen
beiden Ländern führen. Das kündigte der japanische
Regierungssprecher Yasuhisa Shiozaki in Tokio an. Die Beratungen finden
demnach am 7. und 8. März in Hanoi statt. Sie sind Teil der
Vereinbarung, die vor zwei Wochen in Peking bei den
Sechs-Parteien-Gesprächen über die Beilegung des Atomstreits
mit Nordkorea erzielt wurde. Darin hat sich Pjöngjang zur
schrittweisen atomaren Abrüstung bereit erklärt. Es wurden
auch Gespräche der Vereinigten Staaten und Japans mit Nordkorea
vereinbart, um die bilateralen Beziehungen zu normalisieren.
(Quelle: ap)
Selbstmordanschlag vor afghanischem US-Stützpunkt während
Cheney-Besuch - Mindestens 19 Tote
Mi.28.02.07 - Während eines Überraschungsbesuchs von US-Vizepräsident
Dick Cheney in Afghanistan hat sich ein Selbstmordattentäter vor
dem Militärstützpunkt in Bagram in die Luft gesprengt und
mindestens 19 Menschen mit sich in den Tod gerissen. Elf weitere wurden
verletzt, wie afghanische und amerikanische Regierungsvertreter am
Dienstag mitteilten. Ein Sprecher der Taliban bekannte sich zu der Tat
und erklärte, das Ziel des Angriffs sei Cheney selbst gewesen.
Dieser war nach US-Angaben allerdings zu keinem Zeitpunkt gefährdet.
Die Explosion ereignete sich vor dem ersten Sicherheitstor
außerhalb des wichtigsten amerikanischen Stützpunkts
nördlich von Kabul. Ein kleiner Straßenmarkt vor dem
Gelände wurde schwer erschüttert, wie Augenzeugen berichteten.
Bei den Opfern handelte es sich überwiegend um Lastwagenfahrer,
die vor dem Stützpunkt auf Einlass warteten. Cheney befand sich
den Militärangaben zufolge sicher im Inneren des Geländes.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Russland für Ende des Finanzboykotts gegen die Palästinenser.
Landesweite Atomschutzübung in Israel
Mi.28.02.07 - Russland will sich für ein Ende des internationalen Finanzboykotts
gegen die Palästinenser stark machen. Das kündigte
Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag in Moskau an. Er rief die
Staatengemeinschaft auf, die neue palästinensische
Einheitsregierung aus Hamas und Fatah zu unterstützen. Deren
Koalitionsvereinbarung spiegele «Weisheit, Vernunft und
Verantwortung gegenüber dem palästinensischen Volk»
wider, sagte Lawrow vor einem Treffen mit dem Hamas-Führer Chaled
Maschaal.
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hatte sich in der
vergangenen Woche auf einer Europa-Reise vergeblich um eine Aufhebung
des Finanzembargos bemüht. Der französische
Staatspräsident Jacques Chirac kündigte lediglich an, er
werde sich auf dem EU-Gipfel im März für eine
Unterstützung der neuen Koalitionsregierung einsetzen. Die
Europäische Union macht ihre Finanzhilfen für die
palästinensische Autonomiebehörde von deren Gewaltverzicht
und der Anerkennung Israels abhängig.
Internationale Finanzhilfen haben in der Vergangenheit etwa die
Hälfte des palästinensischen Haushalts ausgemacht. Sie wurden
jedoch nach dem Amtsantritt der Hamas-Regierung im vergangenen
März auf Eis gelegt, weil diese das Existenzrecht Israels
bestreitet. Auch die künftige Einheitsregierung zwischen der
radikalislamischen Hamas und der gemäßigteren Fatah von
Abbas kann vorerst mit keinen neuen Auslandshilfen rechnen. Das neue
Kabinett soll nach palästinensischen Angaben Anfang März
stehen.
Maschaal bekräftigte am Dienstag, die Hamas sei nicht zu einer
Anerkennung Israels bereit. Zuvor müsse Israel die Besetzung
palästinensischer Gebiete und damit das Leid der Bevölkerung
beenden, sagte er laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax in
Moskau. Maschaal kündigte zugleich an, dass die Hamas sich
für ein Ende der Raketenangriffe und anderen Gewalttaten gegen
Israel einsetzen werde, wie Lawrow erklärte.
Israel plant für den kommenden Monat eine landesweite
Atomschutzübung. Bei dem für den 21. und 22 März
vorgesehenen Test solle der Fall eines Atomangriffs auf das Land
durchgespielt werden, teilten die Rettungsdienste am Montag mit. Es
würden sowohl das Szenario eines massiven Raketenangriffs geprobt,
wie Israel ihn im vergangenen Sommer während des Krieges gegen die
schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon erlebt hatte, als auch ein
Angriff mit nicht-konventionellen Raketen, erklärte ein Sprecher
des Magen David Adom, das israelische Gegenstück zum Roten Kreuz.
An der Übung nehmen demnach die Einsatzkräfte von Armee,
Polizei und Feuerwehr teil. Es wurde Sirenenalarm für das ganze
Land angekündigt.
(Quellen: ap, afp)
Internationaler Strafgerichtshof benennt mutmaßliche
Darfur-Kriegsverbrecher
Mi.28.02.07 - Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) hat
am Dienstag einen früheren sudanesischen Innenstaatssekretär
als mutmaßlichen Kriegsverbrecher in Darfur benannt. Ahmed
Muhammed Harun werde Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die
Menschlichkeit verdächtigt, erklärte Chefankläger Luis
Moreno-Ocampo in Den Haag. Harun habe geholfen, Mitglieder von
Dschandschawid-Reitermilizen zu rekrutieren, die für Morde,
Vergewaltigungen und Folter verantwortlich seien. Harun, der als
Innenstaatssekretär für Darfur zuständig war, und
Milizenführer Ali Mohammed Ali Abd al Rahman gälten in 51
Fällen von Kriegsverbrechen als Verdächtige.
Die Richter werden nun über mögliche Haftbefehle entscheiden.
Es gilt allerdings als fraglich, ob Verdächtige festgenommen und
nach Den Haag überstellt werden: Der Sudan hat den IStGH-Vertrag
nicht unterzeichnet und spricht dem Gericht Befugnisse auf seinem
Staatsgebiet ab.
Der anhaltenden Gewalt in Darfur sind seit Februar 2003 bereits mehr
als 200.000 Menschen zum Opfer gefallen. Etwa 2,5 Millionen Bewohner
wurden in die Flucht getrieben.
(Quelle: ap)
Botschafter der USA und Italiens bei Beschuss in Sri Lanka verletzt
Mi.28.02.07 - Bei einer Informationsreise im Osten Sri Lankas sind westliche
Diplomaten in ihrem Hubschrauber unter Rebellenbeschuss geraten. Dabei
wurden die Botschafter der USA und Italiens leicht verletzt, wie ein
srilankischer Regierungsvertreter am Dienstag mitteilte. Der deutsche
Botschafter sowie die Gesandten aus Frankreich, Großbritannien,
Kanada und Japan blieben ebenso unversehrt wie die örtlichen
Beamten, die sie in einem zweiten Hubschrauber begleiteten.
Die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) bekannten sich zu dem
Angriff mit Mörsergranaten und bekundeten den Botschaftern ihr
Bedauern. Letztlich seien aber die srilankischen Streitkräfte
für den Zwischenfall in Batticaloa verantwortlich. Vom Landeplatz
der Hubschrauber aus seien schon mehrfach Angriffe auf tamilische
Stellungen geflogen worden. Deshalb habe die Vermutung nahe gelegen,
dass auch die Helikopter mit den Diplomaten einem Militäreinsatz
dienten.
Der srilankische Außenminister Rohitha Bogollagama sprach
indessen von einem gezielten Terrorangriff auf ausländische
Gesandte, die in einer humanitären Mission unterwegs gewesen seien.
US-Botschafter Robert Blake und der italienische Gesandte Pio Mariani
waren nach Batticaloa geflogen, um sich über die Entwicklung der
Region zu informieren. Unmittelbar nach der Landung der Hubschrauber
schlugen die Granaten nahe der Maschinen ein.
Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft verurteilte den Angriff und
sprach von einem ernsten Zwischenfall. Die Europäische Union bleibe
besorgt über die Entwicklung Sri Lankas und fordere beide Seiten
nachdrücklich zur umgehenden Einstellung aller Gewaltaktionen auf,
hieß es in der Erklärung des Auswärtigen Amtes in
Berlin. Stattdessen sollten die Konfliktparteien umgehend an den
Verhandlungstisch zurückkehren und an einer tragfähigen
Lösung arbeiten.
(Quelle: ap)
Dürre am Jangtse: Eineinhalb Millionen leiden unter Wassermangel
Mi.28.02.07 - Aufgrund einer Dürre an Chinas Jangtse leiden mindestens
eineinhalb Million Menschen in der südwestchinesischen Stadt
Chongqing unter Wassermangel.
Sollte der Wasserspiegel von Chinas größtem Strom sowie des
Jialing-Zuflusses weiter abnehmen, stehe die Metropolregion mit 30
Millionen Einwohnern vor einer «realen Krise», zitierte am
Dienstag die «China Daily» den Sprecher eines örtlichen
Wasserwerks.
Der Wasserspiegel der beiden Flüsse habe in den vergangenen zwei
Wochen wegen ausbleibender Regenfälle stark abgenommen. In den
Reservoirs sei der Stand um die Hälfte gesunken.
China leidet derzeit unter einem extremen Klima. 2006 war nach Angaben
das nationalen Meteorologischen Amtes das wärmste Jahr seit 1951.
Im vergangenen Sommer war die Region Chongqing von einer der schlimmsten
Dürren heimgesucht worden, 7,5 Millionen blieben ohne ausreichend
Trinkwasser. Der Jangtse erreichte damals seinen niedrigsten
Wasserstand seit hundert Jahren.
(Quelle: dpa)
Experten fordern mehr Investitionen in Kampf gegen Klimakatastrophe
Mi.28.02.07 - Um die dramatischsten Folgen des Klimawandels abzuwenden, muss die
internationale Gemeinschaft nach Ansicht von Experten deutlich mehr
Geld als bisher bereitstellen. Für die Erforschung sauberer
Energien und die Minderung des weltweiten Schadstoffausstoßes
seien mehrere zehn Milliarden Dollar notwendig, hieß es in einem
am Dienstag in New York veröffentlichten Bericht an die Vereinten
Nationen. Die UN selbst müssten sich besser darauf vorbereiten,
Millionen von Umweltflüchtlingen zu helfen.
Den Menschen drohe im 21. Jahrhundert eine Welt mit extremen
Wetterbedingungen, Trockenheiten, Krankheiten und steigenden
Meeresspiegeln, hieß es in dem 166-seitigen Bericht, den 18
Wissenschaftler aus elf Ländern im Auftrag der UN verfassten. In
diesem Jahrhundert dürften die Temperaturen aber weltweit maximal
um durchschnittlich zwei Grad steigen. Ansonsten drohten
«untragbare Auswirkungen auf das Wohl des Menschen»,
erklärten die Forscher.
Die Wissenschaftler unter Leitung des US-Artenvielfaltsexperten Peter
Raven zeigten sich besorgt über die wachsende Zahl von
Umweltflüchtlingen, die gezwungen seien, ihre Heimatorte an
Küsten zu verlassen. Ein drohender Anstieg des Meeresspiegels um
einen Meter bis 2100 werde etwa 130 Millionen Menschen auf der ganzen
Welt zu Flüchtlingen machen.
(Quelle: ap)
Grüne fordern ehrgeizigere Ziele beim Ausbau der Erneuerbaren
Mi.28.02.07 - Die Grünen haben die Ausbauziele von Bundesumweltminister Sigmar
Gabriel für erneuerbare Energien als zu wenig ehrgeizig kritisiert.
«Man kann viel mehr tun, und man sollte mehr tun», sagte
der energiepolitische Sprecher Hans-Josef Fell am Dienstag der
Nachrichtenagentur AP in Berlin. Sachverständige der
Bundesregierung hielten es für möglich, bis 2025 zwei Drittel
des Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen zudecken.
Gabriel bleibe mit seinem Ziel, den Anteil der Ökoenergien am
deutschen Gesamtverbrauch bis 2020 auf 16 Prozent zu steigern, hinter
den Möglichkeiten der Branche zurück. Auch habe der Minister
keine neuen Maßnahmen zur Förderung des Ausbaus
angekündigt.
Gabriel habe Recht, wenn er mit Hinweis auf den Ausbau der erneuerbaren
Energien längere Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke
ablehne, sagte Fell. «Da sind wir ganz bei ihm.» Nötig
sei es aber auch, den Ausbau der Kohleverstromung zu verhindern.
Um die Potenziale der Erneuerbaren voll zu nutzen, dürften der
Branche «keine Knüppel zwischen die Beine» geworfen
werden, wie dies derzeit teilweise geschehe, sagte der
Grünen-Politiker. Er verwies auf die Schwierigkeiten beim
Netzanschluss von Windrädern oder Biomassekraftwerken.
(Quelle: ap)
Gewerkschaften sehen bei Airbus 10 000 Stellen in Gefahr
Mi.28.02.07 - Das Sanierungsprogramm für den angeschlagenen Flugzeugbauer Airbus
steht: Laut Medieninformationen konnte sich Deutschland teilweise mit
seinen Forderungen durchsetzen. Airbus will sich dem Vernehmen nach
europaweit von 8000 Arbeitsplätzen trennen. Der Europäische
Metallgewerkschaftsbund sieht bis zu 10 000 Stellen in Gefahr und hat
bereits Proteste angekündigt. Hamburg soll weiter ein
Auslieferzentrum des Superjets A380 erhalten. Der Mutterkonzern EADS
will heute Details zu dem Sanierungsplans bekannt geben.
(Quelle: dpa)
Zeitung: Telekom lagert etwa 55.000 Jobs aus
Mi.28.02.07 - Die Deutsche Telekom will möglicherweise rund 55.000 Mitarbeiter
in eine neue Servicegesellschaft auslagern, wo sie weniger Stundenlohn
bekommen und länger arbeiten sollen. Wie die "Süddeutsche
Zeitung" (Mittwochsausgabe) unter Berufung auf Unternehmenskreise
berichtet, will Konzernchef René Obermann eine Auslagerung in
dieser Größenordnung am (heutigen) Mittwoch dem Aufsichtsrat
vorschlagen. Die Beschäftigten sollen in einen neuen Bereich
namens T-Service ausgegliedert werden, der sich um den Kundendienst und
die Callcenter kümmert. Die Telekom wolle in der Billig-Tochter
vor allem Mitarbeiter der bisherigen Festnetzsparte T-Com unterbringen,
berichtet die Zeitung.
Zuvor hatte ein Telekom-Sprecher die Zahl von etwas mehr als 45.000
Beschäftigten genannt. Die Gewerkschaft Verdi hatte die
Auslagerung von bis zu 61.400 Stellen befürchtet und massive
Proteste angekündigt.
Dem Zeitungsbericht zufolge sollen die ausgelagerten Mitarbeiter nicht
wie derzeit 34,5 Stunden in der Woche arbeiten, sondern 40 oder 40,5
Stunden. Ihr Stundenlohn soll deutlich unter dem bisherigen Niveau
liegen. Weil die Mitarbeiter von T-Service mehr arbeiten sollen als zur
Zeit, werde ihr monatliches Einkommen unter dem Strich in etwa konstant
bleiben, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise.
(Quelle: afp)
Verfassungsgericht erhöht Schutz der Presse vor Durchsuchungen
Mi.28.02.07 - Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat den Schutz der Presse vor
Durchsuchungen der Redaktionsräume deutlich gestärkt. Nach dem
am Dienstag verkündeten Urteil war die Durchsuchung der
Redaktionsräume des Politmagazins Cicero im Jahr 2005
verfassungswidrig. Das Monatsmagazin hatte Teile eines vertraulichen
Berichts des Bundeskriminalamts veröffentlicht.
Der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts entschied, dass allein
die Veröffentlichung vertraulicher staatlicher Unterlagen keine
Durchsuchung von Redaktionen rechtfertige. Denn die Durchsuchung
dürfe nicht vorrangig dem Zweck dienen, Hintermänner zu
ermitteln, die der Presse eine geheime Information zugespielt haben.
Durchsucht werden dürfe vielmehr nur, wenn tatsächliche
Anhaltspunkte bestehen, dass ein Journalist sich selbst strafbar gemacht
hat und Beihilfe zum Geheimnisverrat leistete. Das sei im Fall
«Cicero» nicht der Fall gewesen.
Mit der Entscheidung hatte die Verfassungsbeschwerde des
Chefredakteurs, Wolfram Weimer, Erfolg. Das monatlich erscheinende
Politikmagazin hatte im April 2005 ausführlich aus einem Bericht
des Bundeskriminalamts (Bka) zitiert, in dem es um den islamistischen
Terroristen Abu Mussab al Sarkawi ging. Der Bericht hatte die niedrigste
Geheimhaltungsstufe «vertraulich». Wer dem Magazin das
Dokument zuspielte, konnte nicht ermittelt werden. Um an den
Informanten heranzukommen, wurde im September 2005 eine Durchsuchung
der Redaktionsräume in Potsdam angeordnet. Dabei kopierten die
Ermittler die Festplatte eines Computers. Das Strafverfahren wurde
später gegen die Zahlung von 1.000 Euro eingestellt.
Das Bundesverfassungsgericht urteilte jetzt, dass sowohl die
Durchsuchung als auch die strafrechtliche Verfolgung des Chefredakteurs
verfassungswidrig war. In dem Urteil wird betont, die Pressefreiheit
habe besondere Bedeutung für den freiheitlichen Staat. Auch die
Geheimhaltung der Informationsquellen der Presse sei
verfassungsrechtlich geschützt.
Allerdings sind Journalisten laut dem Karlsruher Urteil nicht generell
von strafprozessualen Maßnahmen auszunehmen. Werde einem
Journalisten eine Straftat zur Last gelegt, dürfe gegen ihn
ermittelt werden. Die Verfassungsrichter verlangen jedoch, dass es
«zureichende konkrete Anhaltspunkte» dafür gibt, dass
ein Journalist Beihilfe zum Geheimnisverrat leistete. Dafür sei
Voraussetzung, dass es zwischen dem Geheimnisträger und dem
Journalisten einen gemeinsamen Tatplan gab, geheimes Material zu
veröffentlichen.
Die Richter weisen darauf hin, dass das Material beispielsweise von
einer Mittelsperson an die Presse weitergegeben werden könne, die
selbst gar nicht dem Geheimnisschutz unterliege. Auch im Fall
«Cicero» habe es keine Anhaltspunkte dafür gegeben,
dass der Journalist und ein unbekannt gebliebener Bka-Beamter gemeinsam
planten, das Material zu veröffentlichen. Die Durchsuchung sollte
erst der Ermittlung des Informanten dienen. Das verletzte aber das
Grundrecht der Pressefreiheit.
Die Richter bestätigten ausdrücklich das
«Spiegel»-Urteil von 1966, nach dem Durchsuchungen und
Beschlagnahmen in einem Ermittlungsverfahren gegen Presseangehörige
verfassungsrechtlich unzulässig sind, wenn sie
ausschließlich oder vorwiegend dem Zweck dienen, die Person des
Informanten zu ermitteln.
«Cicero»-Chefredakteur Weimer nannte das Urteil eine
Entscheidung für die Pressefreiheit in Deutschland.
Staatssekretär Lutz Diwell vom Bundesjustizministerium hob dagegen
hervor, das Gericht habe klargestellt, dass Journalisten nicht absolut
vor strafrechtlicher Verfolgung geschützt seien. (Aktenzeichen:
Bundesverfassungsgericht 1 BvR 538/06)
(Quelle: ap)
Ehemaliger RAF-Terrorist Klar soll noch einmal begutachtet werden
Mi.28.02.07 - Der inhaftierte RAF-Terrorist Christian Klar soll wegen seiner
jüngsten kapitalismuskritischen Äußerungen nochmals
begutachtet werden. Der baden-württembergische Justizminister
Ulrich Goll (FDP) sprach sich am Dienstag dafür aus, angesichts
der irritierenden Formulierungen Klars abermals zu prüfen, ob
«eine Gefährlichkeit fortbesteht». Zahlreiche
Politiker empfahlen Bundespräsident Hort Köhler, den Antrag
Klars auf Begnadigung abzulehnen.
Wie Goll mitteilte, könnte das vorliegende Gutachten über den
seit 24 Jahren einsitzenden Klar erweitert werden. Denkbar sei auch die
Erstellung eines völlig neuen Gutachtens. Es müsse um die
Frage gehen, wie sich Klar verändert habe.
Das Gutachten ist eine der Bewertungen, die Bundespräsident Horst
Köhler für seine Entscheidung über eine mögliche
Begnadigung Klars heranzieht. Zugleich ist es die Grundlage für
mögliche Hafterleichterungen. Der 54-Jährige kann nach 26
Jahren Haft Anfang 2009 mit seiner Entlassung auf Bewährung
rechnen. Zuvor ist es üblich, den Vollzug, auch zur Vorbereitung
auf die Freiheit, zu lockern. «Wenn Klar allerdings
gefährlich ist, dann wird er nicht entlassen», sagte Goll.
Prominente Politiker lehnten am Dienstag nach der neuen
Kapitalismus-Kritik des vielfachen Mörders einen Gnadenakt strikt
ab. Sowohl FDP-Chef Guido Westerwelle als auch
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sowie
Unionsfraktionsvizechef Wolfgang Bosbach und CSU-Generalsekretär
Markus Söder sagten, dagegen spreche die Geisteshaltung Klars.
Dieser hatte im Januar in einem Grußwort für die Zeitung
«Junge Welt» anlässlich der Rosa-Luxemburg-Konferenz
in Berlin eine «Niederlage der Pläne des Kapitalismus»
als wünschenswert bezeichnet.
Söder sagte, die Äußerungen Klars zeigten, «dass
so ein Mann nie auf freien Fuß kommen darf». Ähnlich
äußerten sich Westerwelle, Thierse, Bosbach und der
bayerische Innenminister Günther Beckstein, der Klar noch immer
als gefährlich einschätzt. CDU-Generalsekretär Ronald
Pofalla meinte, man könne «einfach nur mit dem Kopf
schütteln, wie jemand für sich erwartet, eine
Gnadenentscheidung zu bekommen, der selber politisch überhaupt
uneinsichtig ist».
Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz warnte indessen davor,
auf die Entscheidung Köhlers Einfluss nehmen zu wollen. Es sei der
Politik dringend abzuraten, sich dazu öffentlich zu
äußern. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast
erklärte: «Ich möchte nicht in der Haut des
Bundespräsidenten stecken.» Schließlich müsse
Köhler vor Hinterbliebenen und Opfern rechtfertigen, warum er
Gnade vor Recht ergehen lassen wolle.
Der Stuttgarter Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger glaubt indes nicht,
dass von dem 54-Jährigen noch eine terroristische Bedrohung
ausgeht. Pflieger, der als Bundesanwalt vor Jahrzehnten selbst nach
Klar fahndete, bezeichnete es aber als «verwunderlich, wenn
jemand die alte Sprache wieder aufgreift und gegen diesen Staat nicht
kritisch, sondern feindlich eingestellt ist» und gleichzeitig
Gnade wolle.
Der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) nannte es
entscheidend, ob Klar weiter für den bewaffneten Kampf eintrete.
Das lasse sich aus dieser Erklärung nicht schließen.
Linksfraktions-Geschäftsführerin Dagmar Enkelmann, sagte,
Klar sei wegen seiner Taten, nicht wegen seiner politischen Ansichten
verurteilt worden.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Europäischer Forschungsrat soll Grundlagenforschung stärken
Mi.28.02.07 - Die Förderung der Grundlagenforschung soll in Europa einen
höheren Stellenwert erhalten. Dies machten Wissenschaftler und
Politiker am Dienstag bei der Auftaktkonferenz des Europäische
Forschungsrates am Dienstag in Berlin deutlich. Der Rat soll die
grundlagenorientierte Forschung mit jährlich etwa einer Milliarde
Euro fördern. Mit dem Gremium werde die Grundlagenforschung "enorm
aufgewertet", erklärte Bundesbildungsministerin Annette Schavan
(CDU). Während diese Forschung bislang Sache der Mitgliedsstaaten
sei, bekomme sie nun auf europäischer Ebene besonderes Gewicht.
(Quelle: afp)