Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertfünfundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Armee fliegt Luftangriffe im Norden von Bagdad. Mindestens zehn Tote
bei Anschlag in Bagdad. USA dementieren Tod von 18 Kindern bei Anschlag.
Syrien leidet unter der Flut irakischer Flüchtlinge. USA nehmen an
einer vom Irak organisierten Konferenz unter Einbeziehung Irans und
Syriens teil
Do.01.03.07 - Mit Jagdflugzeugen und Kampfhubschraubern haben die
US-Streitkräfte am Mittwoch Luftangriffe im Norden von Bagdad
geflogen und dabei acht mutmaßliche El-Kaida-Mitglieder
getötet. Außerdem seien weitere sechs Verdächtige in der
Region Tadschi im Nordosten des Iraks festgenommen worden, teilte die
US-Armee mit. Die getöteten Kämpfer seien an Angriffen gegen
die multinationalen Truppen im Irak beteiligt gewesen.
Trotz der amerikanisch-irakischen Sicherheitsoffensive kommt der
Großraum Bagdad nicht zur Ruhe: Bei einem Autobombenanschlag in
einem Geschäftsviertel im Westen der Hauptstadt wurden am Mittwoch
mindestens zehn Menschen getötet.
Der Autobombenanschlag wurde nach Angaben kurz nach dem Berufsverkehr
in Baijaa, einem von Sunniten und Schiiten bewohnten Viertel,
verübt. Kurz darauf waren in Bagdad vier weitere Explosionen zu
hören. Ein schiitisches Dorf im Süden der Hauptstadt,
Al-Maail, wurde mit sechs Mörsergranaten beschossen. Nach Angaben
der irakischen Polizei wurde ein Mensch getötet, 14 Menschen wurden
verletzt. In Mahmudija, einem weiteren überwiegend von Schiiten
bewohnten Ort, explodierten drei am Straßenrand versteckte
Sprengsätze. Hier wurde laut Polizei ein Mensch getötet.
Die US-Streitkräfte im Irak haben Berichte über den Tod von
18 fußballspielenden Jungen bei einem Anschlag in Ramadi als
falsch zurückgewiesen. Konteradmiral Mark Fox sagte am Mittwoch,
die am Dienstag auch von irakischer Polizei und Militär
bestätigten Angaben seien unzutreffend. Die Gerüchte seien
wohl nach einer von US-Soldaten ausgelösten kontrollierten
Explosion in Ramadi entstanden, nach der es Verletzte gegeben habe. In
einem Militärkommuniqué vom Dienstag hatte es
geheißen, US-Soldaten hätten 15 Taschen voller Sprengstoff
gesprengt und von umherfliegenden Trümmerteilen seien 31 Menschen
verletzt worden - niemand lebensgefährlich. «Es gab keine
zweite Explosion», sagte Fox vor Journalisten. «Und es
wurden keine 18 Kinder getötet.»
Syrien leidet unter der Flut irakischer Flüchtlinge. In manchen
Stadtteilen von Damaskus hat man das Gefühl, man wäre nicht in
Syrien, sondern im Irak. Auf den Straßen trifft man weit mehr
Iraker als Syrer, Restaurants werben mit irakischen Spezialitäten
und Bauchtänzerinnen kommen extra aus Bagdad oder Basra, um in
Syrien aufzutreten. Über eine Million irakische Flüchtlinge
gibt es derzeit in Syrien. Bereits jetzt machen diese nach Angaben des
UN-Flüchtlingshilfswerks mehr als fünf Prozent der
Bevölkerung Syriens aus. Die Flüchtlingswelle ist ein weiterer
unvorhergesehener Nebeneffekt des Irak-Krieges 2003.
Auch Jordanien oder Ägypten stöhnen unter einer Flut von
Flüchtlingen. Doch Syrien, mit seinen 18 Millionen Einwohnern, ist
das bevorzugte Zielland für viele irakische Flüchtlinge, da
die Einwanderungsbestimmungen für Araber dort relativ locker sind.
Auch die relativ geringen Lebenshaltungskosten sowie das gute Schul- und
Gesundheitssystem erscheinen vielen Irakern attraktiv. «Wir haben
hier kein gutes Leben. Aber wenigstens sind wir in Sicherheit»,
sagt Ibrahim Hamad, ein ehemaliger Offizier der irakischen
Streitkräfte, der vor acht Monaten mit seiner Familie nach Syrien
kam. «Hier gibt es keine Bomben, keine Schießereien, keine
Amerikaner, keine Milizen und keine Stromausfälle.»
Syriens Vizepräsident Faruk al-Scharaa sagt, die hohe Zahl an
Flüchtlingen sei eine Herausforderung. Man wolle sich jedoch nicht
beklagen und bitte niemanden um Hilfe. Doch Syrien ist arm und es
herrscht ein Mangel an Arbeitsplätzen. Daher beschweren sich
bereits viele Syrer darüber, dass die Neuankömmlinge die
Preise für Lebensmittel und die Mieten nach oben trieben. Die
Immobilienpreise in Damaskus sollen bereits um bis zu 300 Prozent
gestiegen sein.
Viele Syrer klagen auch über auch über überfüllte
Schulen. Bis zu 28.000 irakische Kinder gehen derzeit in syrische
Schulen. Dies hat mancherorts dazu geführt, dass die Klassen von 30
auf 50 Schüler gewachsen sind. Hinzu kommt, dass viele der Iraker
kaum Geld mitgebracht haben. Manche der Flüchtlinge haben das
Glück, eine legale Arbeit zu finden. Andere gehen illegaler Arbeit
nach oder sind völlig auf die Hilfe der
Flüchtlingsorganisationen angewiesen.
Langsam werden Stimmen laut, die sich über die mangelnde Hilfe aus
dem Ausland vor allem aus den USA. beschweren. Washington gibt pro Woche
rund zwei Milliarden Dollar für den Krieg im Irak aus. «Aber
über die irakischen Flüchtlinge verliert man kaum ein
Wort», sagt Bill Frelick von der Menschenrechtsorganisation Human
Rights Watch. Er fordert von den USA finanzielle Hilfe und die
Entsendung von Freiwilligen in die Krisenregion.
Auch das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) hat
Probleme mit der Flut von Flüchtlingen. Sie hat in diesem Monat um
zusätzliche 60 Millionen Dollar gebeten, um die notwendigen
Hilfsmaßnahmen durchführen zu können. Denn die Iraker
strömen nicht nur in die Nachbarländer. Eine halbe Million
Menschen soll alleine 2006 auch in andere Regionen ihres Heimatlandes
geflohen sein. Die UNHCR nimmt an, dass die Zahl dieser innerirakischen
Flüchtlinge bis zum Ende des Jahres auf 2,3 Millionen steigen
könnte.
Die USA wollen sich an einer vom Irak organisierten Konferenz
beteiligen, zu der auch der Iran und Syrien eingeladen sind. Bislang
lehnten die USA einen Einbezug der beiden irakischen Nachbarn in
Gespräche ab. Dem Treffen auf Beamtenebene Mitte März werde
ein Ministertreffen der beteiligten Staaten folgen, möglicherweise
bereits in der ersten Aprilhälfte. Dazu würden auch Mitglieder
der Gruppe der G-8 hinzugezogen, sagte US-Außenministerin
Condoleezza Rice.
Rice erklärte am Dienstag im US-Senat, Ziel der Konferenz sei die
Stabilisierung des Iraks und der Region. Sie sagte, die Einladung gehe
vom Irak aus, die USA unterstützten Bagdad aber dabei. Das
Weiße Haus betonte indes, die Entscheidung zur Teilnahme an dem
«Nachbarschaftstreffen» stelle keinen Kurswechsel dar.
«Wir waren immer geneigt, an einer Konferenz unter irakischer
Führung teilzunehmen», sagte ein Berater des Weißen
Hauses, Dan Bartlett.
Rice erklärte, zu dem Treffen werde ein weite Bandbreite
interessierter Staaten eingeladen. Außenamtssprecher Sean
McCormack erklärte, die Tagesordnung werde vom Irak festgelegt. Der
Sicherheitsaspekt werde dabei ganz oben stehen.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 01.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertundelften Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.01.03.06 - Anhaltende Gewalt hat allein in Bagdad mindestens 66 Menschenleben
gefordert +++ Prozess gegen Saddam fortgesetzt +++ Umfrage: Mehrheit der
US-Soldaten im Irak will baldige Rückkehr +++ Regierungsbericht: USA
haben bei der Planung des Irak-Kriegs den Wiederaufbau des Landes
vernachlässigt +++ 'New York Times' legt im Streit wegen BND-Rolle im Irak nach.
Opposition fordert umfassende Aufklärung verlangt +++
Weltweite Mehrheit glaubt an erhöhte Terrorgefahr nach Irakkrieg...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0603010.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
|
Nahost-Konflikt
Palästinenserpräsident Abbas will sich um akzeptablere
Einheitsregierung bemühen. Israelische Soldaten töten drei
radikale Palästinenser
Do.01.03.07 - Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas will sich
zusammen mit der radikalislamischen Hamas um eine Einheitsregierung
bemühen, die international auf mehr Akzeptanz stößt aus
bisher. «Wir müssen die Regierung bilden, und wir werden sie
rechtzeitig bilden», sagte Abbas am Mittwoch in der jordanischen
Hauptstadt Amman. «Bis dahin müssen wir an vielen Punkten
arbeiten, die uns helfen, der Welt die Regierung besser zu
präsentieren.» Hamas und Fatah hatten sich im Februar im
saudiarabischen Mekka auf eine grundlegende Koalitionsvereinbarung
verständigt. In dieser kommt die Hamas jedoch nicht der
internationalen Forderung nach, das Existenzrecht Israels anzuerkennen
und der Gewalt abzuschwören.
Israelische Elitesoldaten haben in Dschenin im Westjordanland drei
Kämpfer der radikalen Palästinensergruppe Islamischer Dschihad
getötet. Unter den Toten sei auch der örtliche Anführer
des bewaffneten Arms der Organsiation, teilten palästinensische
Sicherheitskräfte mit. Die Armee sei mit etwa dreißig
Geländewagen in das Flüchtlingslager von Dschenin
eingedrungen und habe mit Razzien begonnen. Ein Armeesprecher konnte
zunächst keine Angaben zu dem Einsatz machen.
Auch in Nablus im Westjordanland durchsuchten israelische Soldaten am
Mittwochmorgen erneut Häuser und verhängten eine teilweise
Ausgangssperre, wie palästinensische Sicherheitskräfte
mitteilten. Vereinzelt seien Schüsse aus automatischen Waffen zu
hören gewesen. Erst am Vortag hatte sich die Armee aus der Stadt
zurückgezogen. Bei dem Einsatz in Nablus, dem größten
der Armee seit Monaten im Westjordanland, wurden bis zum Dienstag ein
Palästinenser getötet und zehn weitere verletzt.
(Quelle: afp)
Bosnisch-Serbische Republik entschuldigt sich für Kriegsverbrechen
Do.01.03.07 - Die Regierung der bosnisch-serbischen Republik hat sich bei allen
Opfern und Überlebenden des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995
entschuldigt. In ihrer Stellungnahme äußerte sie am Mittwoch
ihr tiefstes Bedauern über die Verbrechen am nichtserbischen Teil
der Bevölkerung und verurteilte alle Personen, die daran beteiligt
waren. Die Entschuldigung erfolgte zwei Tage nach einem Urteil des
obersten UN-Gerichts zu den Ereignissen in der UN-Schutzzone Srebrenica
1995.
Der Internationale Gerichtshof der Vereinten Nationen (IGH) hatte am
Montag entschieden, das Massaker von Srebrenica, dem 1995 rund 8.000
männliche Muslime zum Opfer fielen, eindeutig als Völkermord
zu bewerten. Der bosnisch-serbische Vertreter der Regierung bezeichnete
das Urteil am Mittwoch als Chance für alle Bürger des Landes,
diese unglückselige Zeit hinter sich zu lassen, um sich der Zukunft
zuzuwenden und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.
(Quelle: ap)
Italien: Prodis Mitte-links-Regierung gewinnt Vertrauensabstimmung im
Senat
Do.01.03.07 - Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi hat eine kritische
Vertrauensabstimmung im Senat gewonnen und damit zunächst den
Fortbestand seiner Mitte-links-Regierung gesichert. Für den
Regierungschef stimmten am Mittwochabend 162 Senatoren, 157 votierten
gegen ihn. Staatspräsident Giorgio Napolitano hatte Prodi nach
dessen Rücktrittsangebot in der vergangenen Woche beauftragt, die
Koalition fortzusetzen und sich einem Vertrauensvotum in beiden
Parlamentskammern zu stellen.
Die Regierung sei wie der Schiefe Turm von Pisa, sagte Justizminister
Clemente Mastella: «Sie steht schief, aber sie fällt
nicht.» Prodi zeigte sich mit dem Abstimmungsergebnis zufrieden.
Das Votum im Abgeordnetenhaus, wo sich der Ministerpräsident auf
eine deutlich komfortablere Mehrheit als im Senat stützen kann,
ist für (den morgigen) Freitag angesetzt.
Prodi hatte sich am Dienstagabend bemüht, die Reihen zu
schließen, und vor den Senatoren seine Außenpolitik
verteidigt, unter anderem den Einsatz in Afghanistan. In diesem Punkt
hatten Kommunisten und Grüne im Senat dem Ministerpräsidenten
die Gefolgschaft verweigert, woraufhin Prodi seinen Rücktritt
einreichte.
Der Ausgang der Abstimmung im Senat hatte auf Grund der
äußerst knappen Mehrheitsverhältnis als ungewiss
gegolten. Im Fall einer Niederlage hätte die Regierung
zurücktreten müssen. Dann wäre es möglicherweise zu
Neuwahlen gekommen, bei denen die Konservativen unter Führung des
früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi Umfragen
zufolge mit einem klaren Sieg hätten rechnen könnten. Selbst
nach dem Abstimmungserfolg vom Mittwoch gilt die langfristige
Stabilität von Prodis Regierung als unsicher. Ihr
fünfjähriges Mandat endet 2011.
(Quelle: ap)
Airbus plant Abbau von 10.000 Stellen in Europa
Do.01.03.07 - Beschäftigte in Deutschland und Frankreich tragen die Hauptlast
beim Airbus-Sanierungsplan Power8: Der Chef des Flugzeugbauers, Louis
Gallois, gab den Abbau von 10.000 Stellen und die Abspaltung von sechs
Werken in den insgesamt vier Airbus-Partnerländern bekannt. Allein
in Deutschland sollen zwei Werke verkauft und eines vermutlich in ein
Joint Venture eingebracht werden; 3700 Jobs sollen wegfallen. Noch
stärker fällt der geplante Abbau in Frankreich mit 4300
Stellen aus. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel bedauerte die
Einschnitte. In Deutschland und Frankreich gab es erste
Arbeitsniederlegungen.
Dem Sanierungsplan zufolge will Airbus den Standorten Laupheim in
Baden-Württemberg, Varel in Niedersachsen und Saint-Nazaire in
Westfrankreich langfristige Aufträgen zusichern und sie verkaufen.
Die Werke Nordenham in Niedersachsen, Méaulte in Nordfrankreich
und Filton in Großbritannien sollen mit Hilfe von Investoren von
Metall-Fertigung auf Verbundwerkstoffe umgestellt werden. Toulouse soll
die Endmontage des zwischen Deutschen und Franzosen umstrittenen
Langstreckenjets A350 erhalten, Hamburg von Toulouse einen Teil der
Endmontage des Airbus-Erfolgsmodells A320 übermehmen und auch die
A320-Nachfolgemodelle fertigen.
Der Sparplan sei "mit Schwierigkeiten und schwierigen Entscheidungen
auch für die Menschen verbunden", sagte Merkel in Berlin. "Das
bedauern wir". Zugleich hob sie die Rolle der Bundesregierung beim
Ringen um die Verteilung der Belastungen hervor: "Von politischer
Seite" sei es gelungen, zwischen Deutschland und Frankreich "eine
Gleichverteilung der Chancen und Risiken zu erreichen".
In Varel, Nordenham und Laupheim legten tausende Mitarbeiter spontan
die Arbeit nieder und gingen nach Haus. Proteste und
Arbeitsniederlegungen gab es auch in Toulouse, Saint-Nazaire und
Méaulte. IG Metall und Airbus-Gesamtbetriebsrat erklärten,
sie wollten um "jeden Arbeitsplatz" kämpfen. Französische
Gewerkschafter reagierten wütend. "Frankreich hat es nicht
geschafft, seine Industrie zu schützen", klagte Julien Talavan von
der Gewerkschaft Force Ouvrière (FO).
Von den geplanten 10.000 Stellenstreichungen entfallen 5000 auf
Zeitarbeitskräfte oder Beschäftigte von Auftragsfirmen an den
Airbus-Standorten. "Hier wird die Reduzierung sofort beginnen",
erklärte die Airbus-Mutter EADS. Die anderen 5000 treffen die
eigentliche Airbus-Belegschaft und sollen über vier Jahre verteilt
werden. "Bislang sieht das Airbus-Management keine Notwendigkeit
für Entlassungen."
In Großbritannien sollen 1600 Arbeitsplätze wegfallen und in
Spanien 400. Für den Stellenabbau bildet EADS im ersten Viertel
des laufenden Jahres 680 Millionen Euro an Rückstellungen. Allein
1100 Stellen sollen in Toulouse gestrichen werden.
(Quelle: afp)
Arbeitslosenzahl in Deutschland sinkt im Februar auf 4,22 Millionen
Do.01.03.07 - Die positive Entwicklung am deutschen Arbeitsmarkt hat auch im Februar
angehalten. Die Zahl der Arbeitslosen sank im Vergleich zum Januar um
24.000 auf 4,22 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit in
Nürnberg mitteilte. Im Jahresvergleich sank die Arbeitslosenzahl
sogar um 826.000. Die Arbeitslosenquote verringerte sich leicht auf
10,1 Prozent. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit lag der
Bundesagentur zufolge vor allem in der guten Konjunktur und dem weiter
milden Winter (Xetra: 555560 - Nachrichten) begründet.
Im Februar steigt die Zahl der Arbeitslosen den Angaben zufolge
gewöhnlich an. Eine Abnahme gab es demnach zuletzt im Februar
2000. Die gute Konjunktur sorgte laut Bundesagentur vor allem für
einen Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung.
Neben dem milden Wetter habe zudem das Saison-Kurzarbeitergeld eine
Rolle bei der positiven Entwicklung gespielt. Dieses ermöglicht es
Baubetrieben, Entlassungen in den Wintermonaten zu vermeiden.
(Quelle: afp)
Bundesbürger gehen im Schnitt mit 63,2 Jahren in Ruhestand
Do.01.03.07 - Das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Deutschland ist zwischen
1995 und 2005 um rund ein Jahr gestiegen. Der neuesten Statistik zufolge
gehen die Bundesbürger im Schnitt mit 63,2 Jahren in Rente, wie
die Deutsche Rentenversicherung in Berlin am Mittwoch mitteilte. Sie
bestätigte damit einen Bericht der «Bild»-Zeitung.
Gesetzlich rentenversicherte Männer gingen 2005 mit rund 63,14 und
Frauen mit 63,19 Jahren in Rente. Frauen arbeiteten damit
durchschnittlich 18 Tage länger als Männer.
In zahlreichen Branchen lag das Renteneintrittsalter der
männlichen Beschäftigten allerdings unter dem Schnitt:
Elektriker schieden mit durschnittlich 61,9 Jahren und Bauarbeiter mit
62,2 Jahren aus; Beschäftigte in Verkehrsberufen gingen mit 62,5
Jahren in Rente. Personen mit Büroberufen arbeiteten bis zum Alter
von 62,6 Jahren.
(Quelle: ap)
57 Projekte zur Modernisierung der Verwaltung beschlossen
Do.01.03.07 - Die Bundesregierung modernisiert ihre Verwaltung. Das Kabinett
beschloss am Mittwoch 57 Modellprojekte, mit denen die Effizienz von
Verwaltungsabläufen gesteigert, Kosten gesenkt und Bürokratie
abgebaut werden sollen. Unter anderem soll ein Bundesmelderegister
aufgebaut, das Haushalts- und Rechnungswesen modernisiert und
Informationen online einfacher zugänglich gemacht werden.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble erklärte: «Eine
innovative, leistungsfähige und effiziente Verwaltung sowie der
Abbau überflüssiger Bürokratie gehören zu den
erklärten Zielen der Bundesregierung.» Eine effiziente
Verwaltung diene vor allem den Bürgern und der Wirtschaft. Der
CDU-Politiker forderte außerdem, Staat und Verwaltung müssten
Vorreiter beim Einsatz innovativer Technologien sein.
32 Modellprojekte betreffen laut Mitteilung des Innenministeriums die
Bereiche Personal, Steuerung und Organisation. Etwa durch die
Bündelung verwaltungsinterner Dienstleistungen sollen
Bearbeitungszeiten verkürzt und Ressourcen besser genutzt werden.
Um Informationen einfacher zugänglich zu machen, soll das Intranet
des Bundes weiterentwickelt werden.
25 Modellprojekte betreffen die Einführung der elektronischen
Kommunikation. So soll beispielsweise die flächendeckende
Einführung der Online-Anmeldung die Registrierung bei Umzügen
vereinfachen. Zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus
sollen Banken verdächtige Kontotransaktionen ebenfalls online an
das Bundeskriminalamt melden.
(Quelle: ap)
Keine Haftlockerung für Ex-Terrorist Klar nach Kapitalismuskritik
Do.01.03.07 - Der ehemalige RAF-Terrorist Christian Klar wird angesichts seines
anti-kapitalistischen Grußwortes für eine
Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin vorerst keine Hafterleichterungen
erhalten. Dies teilte der zuständige baden-württembergische
Justizminister Ulrich Goll (FDP) in Stuttgart mit. Goll will nun ein
zweites Gutachten zu der Frage in Auftrag geben, ob von Klar noch immer
Gefahr ausgehe.
Der Ex-Terrorist stand laut Medienberichten unmittelbar vor der
Vollzugslockerung, um ihn schrittweise an die Freiheit zu gewöhnen.
Die Mindesthaftzeit des mehrfachen Mörders endet nach 26 Jahren im
Januar 2009. Ab dann könnte er zur Bewährung entlassen werden.
Laut Goll hat sich angesichts der Grußbotschaft Klars vom 13.
Januar eine neue Situation ergeben. "Die irritierenden Aussagen des
Gefangenen stellen zum Teil das Ergebnis des bereits vorher fertig
gestellten Lockerungsgutachtens in Frage, betonte Goll. Deshalb sehe er
derzeit keine ausreichende Entscheidungsgrundlage für eine
Zustimmung zu Vollzugslockerungen. Er halte eine neue Begutachtung aus
einer zweiten Perspektive für erforderlich, um Klarheit über
die Frage einer fortwährenden Gefährlichkeit Klars zu bekommen.
Klar hatte Europa anlässlich der von der Zeitung "Junge Welt"
organisierten Konferenz als Ausgangspunkt eines "imperialen
Bündnisses" bezeichnet. Ziel müsse sein, "die in Europa
ökonomisch gerade abstürzenden großen
Gesellschaftsbereiche" ihren "chauvinistischen 'Rettern'" zu
entreißen. "Sonst wird es nicht möglich sein, die Niederlage
der Pläne des Kapitals zu vollenden und die Tür für eine
andere Zukunft aufzumachen", hieß es in dem Grußwort.
(Quelle: afp)
'Die Niederlage des Kapitals vollenden'
Wegen kapitalismuskritischen Äußerungen erhält der
frühere RAF-Terrorist Christian Klar vorerst keine
Haftlockerungen. Klar hatte sich in einer Grußbotschaft an die
Teilnehmer der Rosa-Luxemburg-Konferenz am 13. Januar in Berlin
gewandt. Am 15. Januar wurde die Grußbotschaft in der Zeitung
«Junge Welt» veröffentlicht. Im folgenden der Wortlaut:
«Liebe Freunde, das Thema der diesjährigen
Rosa-Luxemburg-Konferenz 'Das geht anders' bedeutet - so verstehe ich
es - vor allem die Würdigung der Inspiration, die seit einiger
Zeit von verschiedenen Ländern Lateinamerikas ausgeht. Dort wird
nach zwei Jahrzehnten sozial vernichtender Rezepte der internationalen
Besitzerklasse endlich den Rechten der Massen wieder Geltung gegeben
und darüber hinaus an einer Perspektive gearbeitet.
Aber wie sieht das in Europa aus? Von hier aus rollt weiter dieses
imperiale Bündnis, das sich ermächtigt, jedes Land der Erde,
das sich seiner Zurichtung für die aktuelle Neuverteilung der
Profite widersetzt, aus dem Himmel herab zu züchtigen und seine
ganze gesellschaftliche Daseinsform in einen Trümmerhaufen zu
verwandeln. Die propagandistische Vorarbeit leisten dabei Regierungen
und große professionelle PR-Agenturen, die Ideologien verbreiten,
mit denen alles verherrlicht wird, was den Menschen darauf reduziert,
benutzt zu werden.
Trotzdem gilt hier ebenso: 'Das geht anders'. Wo sollte sonst die Kraft
zu kämpfen herkommen? Die spezielle Sache dürfte sein, dass
die in Europa ökonomisch gerade abstürzenden großen
Gesellschaftsbereiche den chauvinistischen 'Rettern' entrissen werden.
Sonst wird es nicht möglich sein, die Niederlage der Pläne
des Kapitals zu vollenden und die Tür für eine andere Zukunft
aufzumachen.
Es muss immer wieder betont werden: Schließlich ist die Welt
geschichtlich reif dafür, dass die zukünftigen Neugeborenen in
ein Leben treten können, das die volle Förderung aller ihrer
menschlichen Potenziale bereithalten kann und die Gespenster der
Entfremdung von des Menschen gesellschaftlicher Bestimmung vertrieben
sind.»
Quelle: ap, 28.02.2007
Guten Tag, Herr Justizminister Goll!
Der Kapitalismus ist das friedlichste und schönste System, das man
sich überhaupt vorstellen kann. Der Kapitalismus hat Armut, Hunger,
Leid ein für alle Mal auf der ganzen Welt abgeschafft. Stattdessen
gibt es nur noch Wohlstand in Form von Milch und Honig, die durch alle
Flüsse und Bäche dieser Welt fließen. Seit es den
wunderbaren Kapitalismus gibt, wurden die in der Steinzeit
üblichen Kriege um Rohstoffe überflüssig. Es ist heute
das reinste Paradies auf Erden - in seiner Reinheit und Klarheit. So,
wie es sich nicht einmal Gott früher vorstellen konnte. Mit dem
Kapitalismus ist der Mensch zu sich selbst gekommen - zu seinem edlen,
liebenden, friedlichen Charakter.
Na, zufrieden, Sie Kapitalistenschwein?
taz vom 1.3.2007, S. 1
|
Intendant Claus Peymann verteidigt umstrittene
Klar-Äußerungen
Do.01.03.07 - Der Intendant des Berliner Ensembles, Claus Peymann, hat die
umstrittenen kapitalismuskritischen Äußerungen des
Ex-Terroristen Christian Klar verteidigt. «Das sind auch meine
Ansichten», sagte Peymann der Berliner Tageszeitung
«taz» (Donnerstagausgabe). Peymann erneuerte sein Angebot,
Klar nach dessen Freilassung ein Praktikum als Bühnentechniker am
Berliner Ensemble zu ermöglichen. «Wir haben uns das gut
überlegt und mit dem Betriebsrat beschlossen, dass Klar eine
Chance bekommen könnte.»
In seinem Grußwort an die Berliner Rosa-Luxemburg-Konferenz
spreche Klar das aus, was der weitaus größte Teil der
Weltbevölkerung außerhalb von Westeuropa und Amerika denke,
sagte Peymann. «Es kann ja nicht sein, dass dieses
kapitalistische System von Korruption und Verantwortungslosigkeit der
Weisheit letzter Schluss ist.» Wer einen halbwegs klaren Kopf
habe, der wisse, dass dieses System geändert werden müsse.
(Quelle: ap)