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Irak am neunhundertsiebenundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Sunnitische Extremisten töten 14 entführte Polizisten. Irak
lud EU-Troika zu Regionalkonferenz ein
Fr.03.03.07 - Sunnitische Extremisten haben im Irak mindestens 14 Polizisten
verschleppt und offenbar anschließend getötet. Die
Behörden hätten bei Bakuba die Leichen von 14
Entführungsopfern gefunden, berichtete eine Nachrichtenagentur.
Die Extremisten, die dem Terrornetz El Kaida zugeordnet werden, hatten
die Entführung zuvor im Internet als Vergeltung für die
angebliche Vergewaltigung einer Sunnitin durch schiitische Polizisten
dargestellt. Sie stellten außerdem die Bilder einiger ihrer Opfer
ins Netz.
Die Gruppe Islamischer Staat Irak nannte den Namen der nach eigenen
Angaben sexuell missbrauchten Frau, der sie als Sunnitin identifizierte.
Die Irakisch-Islamische Partei, die größte sunnitische
Organisation des Landes, erklärte jedoch, die Frau habe einen
falschen Namen angegeben. Sie sei tatsächlich Schiitin. Sie hatte
im arabischen Fernsehen erklärt, am 18. Februar westlich von
Bagdad in Gewahrsam genommen und auf ein Polizeirevier gebracht worden.
Dort hätten drei Beamte sie vergewaltigt.
Ministerpräsident Nuri al-Maliki kündigte daraufhin am 19.
Februar Ermittlungen an. Schon einen Tag später sprach er die
Polizisten von allen Vorwürfen frei und löste damit
Empörung unter sunnitischen Politikern aus.
Das Innenministerium meldete am Freitag den Tod von 80
Al-Kaida-Mitgliedern bei Kämpfen nahe Falludscha in der
Unruheprovinz Anbar westlich von Bagdad. Weitere 50 Extremisten seien
festgenommen worden, sagte General Abdul-Karim Chalaf. Die
US-Streitkräfte meldeten zudem, dass am Donnerstag acht
mutmaßliche Rebellen bei Gefechten südwestlich von Bagdad
getötet worden seien.
Irak hat die EU-Troika zu einer ersten Regionalkonferenz eingeladen,
die übernächste Woche in Bagdad stattfinden soll.
Außenamtssprecher Martin Jäger sagte, diese Konferenz mit den
Anrainerstaaten finde auf der Ebene hoher Regierungsbeamter und
Botschafter statt. Deutschland mache seine Teilnahme von der
Sicherheitslage abhängig.
Eine zweite Konferenz auf Ministerebene unter Beteiligung der
G-8-Staaten solle folgen. Der Versammlungsort sei noch offen. Sehr
wahrscheinlich werde es sich nicht um Bagdad handeln. Deutschland hat
die Präsidentschaft sowohl in der EU als auch in der Gruppe der
führenden Industrienationen (G-8) inne.
Zuvor hatte US-Außenministerin Condoleezza Rice bekannt gegeben,
dass Washington an den Nachbarschaftskonferenzen mit Vertretern Syriens
und des Irans teilnehmen werde. Die Ankündigung war als Abkehr von
der bisherigen US-Politik bewertet worden, Gespräche unter
Einbeziehung Syriens und Irans abzulehnen. Im Irak-Bericht der so
genannten Baker-Hamilton-Kommission Anfang Dezember hatte der US-Senat
eindringlich direkte Gespräche mit dem Iran und Syrien empfohlen,
was von US-Präsident George W. Bush jedoch abgelehnt wurde.
Die Türkei hat nach irakischen Angaben die Teilnahme an der
geplanten Irak-Konferenz am 10. März in Bagdad zugesagt.
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan habe Al Maliki telefonisch
versichert, dass Ankara die Konferenz als «positiven Schritt, um
Sicherheit und Stabilität im Irak zu erreichen»
unterstütze. Ein Gesandter des türkischen
Außenministeriums werde an dem Treffen teilnehmen, teilte das
Büro Al Malikis mit.
(Quellen: ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 03.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertunddreizehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.03.03.06 - Regierungsbildung im Irak verzögert sich weiter:
Kurdisch-sunnitisches Bündnis gegen amtierenden Regierungschef
Daschaafari +++ Bei zahlreichen Gewalttaten landesweit mindestens 32
Menschen getötet +++ So viele Menschenrechtsverletzungen im Irak wie
unter Saddam Hussein...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0603030.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Afghanistan: Taliban drohen mit hunderten Selbstmordattentaten
Sa.03.03.07 - Während ihrer Frühjahrsoffensive wollen die
radikalislamischen Taliban nach eigenen Angaben hunderte von
Selbstmordattentätern einsetzen, um die NATO-Truppen in Afghanistan
zu schwächen. "Wir werden Rache an den Amerikanern nehmen,
entweder in Afghanistan oder außerhalb des Landes", sagte der
hochrangige Taliban-Kommandeur Mullah Dadullah dem britischen
Fernsehsender Channel Four. Hunderte mögliche
Selbstmordattentäter hätten sich bereits registrieren lassen
und seien bereit. Indes nahmen pakistanische Sicherheitskräfte nach
eigenen Angaben den früheren Verteidigungsminister der Taliban an
der Grenze zu Afghanistan fest.
Auf einer Warteliste gäbe es hunderte weitere Freiwillige, sagte
Dadullah. "Jeder von ihnen möchte als erster entsandt werden."
Dadullah ist nach eigenen Angaben im regelmäßigen Kontakt mit
dem El- Kaida-Chef Osama bin Laden und anderen El-Kaida-Mitgliedern.
"Wir tauschen Nachtrichten über unsere Pläne aus." Er selbst
habe bin Laden jedoch seit 2001 nicht persönlich gesehen.
Der frühere Verteidigungsminister der Taliban, Mullah Obaidullah
Achund, sei mit vier anderen Verdächtigen in der südwestlichen
Statt Quetta bereits vor einigen Tagen festgenommen worden, sagten zwei
Sicherheitskräfte. "Achund ist in Quetta mit vier anderen
Verdächtigen während einer Razzia in einem Hotel festgenommen
worden", sagte einer der Sicherheitsbeamten, ohne zunächst weitere
Details zu nennen. Die Festnahme war nach seinen Angaben die wichtigste
seit dem Sturz der Taliban in Afghanistan 2001.
Eine Bestätigung der pakistanischen Regierung liegt bisher nicht
vor. Auch Innenminister Aftab Scherpao sagte, er wisse nichts von den
Festnahmen. Ein Sprecher der Taliban dementierte die Festnahme. "Das ist
nicht wahr. Mullah Obaidullah ist nicht festgenommen worden und mit uns
in Afghnaistan."
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Palästinenser ringen weiter um Regierungsbildung
Sa.03.03.07 - Im Ringen um die Bildung einer palästinensischen Regierung der
nationalen Einheit ist ein Durchbruch nicht in Sicht.
Die für Freitag angekündigte Vorstellung einer Kabinettsliste
aus Vertretern der rivalisierenden Gruppen Hamas und Fatah wurde aus
nicht näher genannten Gründen bis auf weiteres verschoben.
Ministerpräsident Ismail Hanija von der radikal-islamischen Hamas
hatte um die Benennung von Kandidaten für die Ministerposten vor
einem für Samstag geplanten Treffen mit dem zur Fatah
gehörenden Präsidenten Mahmud Abbas gebeten.
Beide Gruppen seien ernsthaft darum bemüht, eine Liste mit den
Nominierungen zu erstellen, sagte Hanijas Mitarbeiter Ghasi Hamad.
Womöglich werde binnen zwei Tagen ein Vorschlag vorliegen. Zu dem
Treffen zwischen Abbas und Hanija werde es voraussichtlich erst am
Sonntag kommen. "Ich erwarte keine größeren Hürden
für die Bildung einer Regierung", sagte Hamad. Nach Angaben aus
Hamas-Kreisen könnte es allerdings noch eine Woche dauern, bis die
Liste feststeht.
Die beiden Palästinenserparteien hatten sich nach einem
wochenlangen Machtkampf mit zahlreichen Toten vergangenen Monat auf die
Bildung einer gemeinsamen Regierung geeinigt. Da sich die Hamas nach wie
vor weigert, Israel anzuerkennen, behindert der Prozess die
Bemühungen des aus EU, UN, USA und Russland bestehenden
Nahost-Quartetts, den auf Eis liegenden Friedensprozess zwischen
Palästinensern und Israel neuen Schwung zu verleihen. Die USA
wollen wegen der unnachgiebigen Haltung der Hamas an den seit gut einem
Jahr bestehenden Finanzsanktionen gegen die palästinensische
Regierung festhalten.
(Quelle: rtr)
Süd- und Nordkorea nähern sich einander an
Sa.03.03.07 - Nach der Entspannung im Streit um das nordkoreanische
Atomwaffenprogramm haben beide koreanischen Staaten ihren
Annäherungsprozess wieder auf den Weg gebracht.
Zum Abschluss der ersten Versöhnungsgespräche seit sieben
Monaten kündigten Süd- und Nordkorea am Freitag in
Pjöngjang an, ihre humanitären Projekte wieder aufzunehmen und
ihre Wirtschaftsbeziehungen auszubauen. Zwar blieben mögliche
Hilfslieferungen Südkoreas mit Reis und Düngemitteln für
Nordkorea in einer gemeinsamen Erklärung unerwähnt. Doch habe
der südkoreanische Vereinigungsminister Lee Jae Joung angedeutet,
dass Südkorea vor der Frühlingssaat 150 000 Tonnen
Kunstdünger an das kommunistische Nachbarland liefern wolle,
berichteten südkoreanische Medien aus Pjöngjang.
Nach mehr als einem halben Jahr Pause wollen beide Länder von Ende
März an wieder direkte Kontakte zwischen getrennt lebenden Familien
aus beiden Ländern zulassen. Auch der Bau an einem ständigen
Treffpunkt solle fortgesetzt werden. Nordkorea hatte beide Projekte im
vorigen Jahr auf Eis gelegt. Zudem sollen die im vorigen Jahr
verschobenen Testfahrten über bereits wiederhergestellte
Schienenverbindungen über die Grenze bis zum Juni nachgeholt
werden.
Beide Länder wollten gemeinsame Anstrengungen unternehmen, um die
Einigung bei den so genannten Sechs-Länder-Gesprächen
über eine Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms zu
verwirklichen, hieß es. Nordkorea hatte vor gut zwei Wochen erste
Schritte zum Abbau seines Atomwaffenprogramms zugesagt und damit auch
den Weg für den Dialog mit Südkorea wieder geebnet.
(Quelle: dpa)
USA wollen Finanzrestriktionen gegen Nordkorea teilweise aufheben
Sa.03.03.07 - Die US-Regierung will die Finanzsanktionen gegen Nordkorea teilweise
aufheben, wie am Freitag aus Washington verlautete. Bereits kommende
Woche könnte es eine entsprechende Erklärung des
Finanzministeriums geben, sagte ein Gewährsmann. Damit
könnten gesperrte nordkoreanische Konten im Wert zwischen acht und
zwölf Millionen Dollar freigegeben werden. Insgesamt wurden bei
einer Bank mit Sitz in Macau Konten im Wert von 24 Millionen Dollar
(18,2 Millionen Euro) gesperrt. Der Streit über die amerikanischen
Finanzrestriktionen hat die Verhandlungen über das nordkoreanische
Atomprogramm im vergangenen Jahr schwer belastet.
(Quelle: ap)
Serben und Albaner können sich nicht über das Kosovo einigen
Sa.03.03.07 - Serben und Kosovo-Albaner haben sich auch bei den abschließenden
Gesprächen über die Zukunft des Kosovo nicht einigen
können. Die Verhandlungsrunde in Wien sei ohne Einigung zu Ende
gegangen, teilte der UN-Sondergesandte für das Kosovo, Martti
Ahtisaari, mit. "Ich muss Ihnen offen sagen, dass die beiden
Gesandtschaften immer noch diametral entgegengesetzte Sichtweisen
haben", was den zukünftigen Status der südserbischen Provinz
angehe, sagte er.
Ein Berater des serbischen Präsidenten Boris Tadic wies darauf
hin, dass keine Einigung zu erwarten gewesen sei. Ein letztes Treffen
aller Parteien wurde für den 10. März anberaumt. Serben und
Kosovo-Albaner hätten sich bei der fast dreistündigen Sitzung
am Vormittag "nicht bewegt", sagte der UN-Sondergesandte Ahtisaari.
Vielmehr hätten beide Seiten ihre sehr unterschiedlichen
Sichtweisen zu den wichtigsten Themen verteidigt.
Ahtisaari kündigte an, er werde die Anmerkungen
berücksichtigen, wenn er seinen Vorschlag überarbeite; die
aktualisierte Fassung werde er den Regierungen in Belgrad und Pristina
rechtzeitig zukommen lassen. Die beteiligten Parteien wollen ein
letztes Mal am Samstag kommender Woche zusammenkommen. Ende des Monats
will Ahtisaari seinen Kosovo-Plan dem Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen vorlegen.
Ein Berater des serbischen Präsidenten Tadic sagte, mit einer
Einigung sei nicht zu rechnen gewesen. Die Regierung in Belgrad hatte
Ahtisaaris Plan abgelehnt, als er ihn Anfang Februar vorgelegt hatte.
Der Sprecher der kosovarischen Gesandtschaft in Wien sagte, seine Seite
habe bei den Gesprächen wiederholt, dass sie den Vorschlag des
UN-Gesandten "in vollem Umfang" annehme. Die Vertreter Serbiens und des
zu 90 Prozent von Albanern bewohnten Kosovo waren am Mittwoch zu einer
letzten Verhandlungsrunde zusammengekommen.
Ahtisaari hatte Anfang Februar seinen Plan vorgestellt, in dem zwar
nicht die Unabhängigkeit des Kosovo vorgesehen ist, aber eine
weitgehende Souveränität unter internationaler Kontrolle. Die
Serben sind damit nicht einverstanden, weil sie das Kosovo als Teil
ihres Staatsgebiets betrachten. Die Kosovo-Albaner wünschen eine
vollständige Unabhängigkeit.
(Quelle: afp)
Bewegung in Verhandlungen über Türkei-Beitritt
Sa.03.03.07 - In die Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Türkei kommt
offenbar neue Bewegung: Sowohl der türkische Chefunterhändler
Ali Babacan als auch EU-Diplomaten zeigten sich am Freitag
zuversichtlich, dass noch unter deutscher Ratspräsidentschaft die
Gespräche über vier der 35 Verhandlungskapitel formell
eröffnet werden könnten. «Es geht schneller voran als
ich dachte», erklärte ein ranghoher EU-Diplomat in
Brüssel. Babacan betonte, die Türkei werde künftig auch
unabhängig von den EU-Vorgaben nationale Reformen voranbringen.
Die für einen EU-Beitritt notwendigen Voraussetzungen sind in 35
Kapitel unterteilt. Zu den beiden Kapiteln Bildung und Kultur sowie
Industrie und Unternehmen liege die Verhandlungsposition der
Türkei bereits vor, verlautete aus Diplomatenkreisen in
Brüssel. Als nächstes müsse nun die EU-Kommission eine
Stellungnahme dazu formulieren, die dann von den
EU-Außenministern abgesegnet werden muss.
Bei Kultur und Bildung bestünden allerdings große
Hindernisse wegen der Kurdenfrage, sagte ein Diplomat. Deshalb
könne in nächster Zeit wohl nur das Kapitel Industrie und
Unternehmen formell geöffnet werden. Die Türkei sei aber
bereits aufgefordert, zu drei weiteren Kapiteln ihre
Verhandlungsposition vorzulegen. Die Gespräche darüber
könnten dann eventuell ebenfalls noch vor Ende der deutschen
EU-Ratspräsidentschaft am 30. Juni eröffnet werden.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte im
Dezember bei der Vorstellung des Ratspräsidentschaftsprogramms
erklärt, er würde sich glücklich schätzen, wenn
unter seinem Vorsitz zwei bis drei Verhandlungskapitel mit der
Türkei eröffnet werden könnten. Die Sprecherin von
EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn bestätigte am Freitag, die
Kommission strebe die Aufnahme von Gesprächen über vier
Kapitel an.
Der türkische Chefunterhändler Babacan begrüßte
bei einem Besuch in Brüssel die Unterstützung der Kommission
und der deutschen Ratspräsidentschaft. Zugleich betonte er aber,
die Türkei werde nicht länger auf EU-Entscheidungen über
die Eröffnung bestimmter Verhandlungskapitel warten. Vielmehr
bereite Ankara ein eigenes Reformprogramm für die Jahre 2007 bis
2013 vor, das spätestens im April veröffentlicht werde.
«Die Türkei muss Reformen in vielen, vielen Bereichen
unternehmen, und wir haben keine Geduld zu warten», sagte Babacan
vor Journalisten.
«Wir können unsere Kinder nicht Milch mit vielen Bakterien
trinken lassen, nur weil es einen historischen Konflikt wegen Zypern
gibt», erklärte der türkische Chefunterhändler. Er
spielte damit auf den Beschluss der EU vom Dezember an, die
Verhandlungen mit der Türkei wegen des Streits mit Zypern in
Teilen auf Eis zu legen.
In dieser Frage zeichnen sich nach Angaben aus Diplomatenkreisen
bislang kaum Fortschritte ab. Steinmeier hatte vor Beginn der deutschen
Ratspräsidentschaft die Hoffnung geäußert, die
griechischsprachige Republik Zypern werde einem Direkthandel mit dem
international isolierten türkischen Nordteil der Insel zustimmen.
Ein solcher Schritt könnte die Beziehungen zwischen der
Türkei und dem EU-Mitglied Zypern erheblich entspannen. Ankara
verweigert griechisch-zyprischen Schiffen und Flugzeugen den Zugang zu
türkischen See- und Flughäfen und wurde dafür von der EU
mit einer Teilblockade der Beitrittsverhandlungen bestraft.
(Quelle: ap)
Belgien verbietet Finanzierung von Landminen-Produzenten
Sa.03.03.07 - Belgien hat als weltweit erster Staat ein Gesetz verabschiedet, das die
Finanzierung von Landminen- und Streubomben-Produzenten untersagt.
Nichtregierungsorganisationen zufolge sind rund 60 belgische
Finanzinstitutionen davon betroffen. Nach dem neuen Gesetz können
Banken, Versicherungen und Investment Fonds rechtlich belangt werden,
wenn sie "direkt oder indirekt ein Unternehmen finanzieren, das - auch
in eingeschränkter Weise - Streubomben oder Anti-Personen-Minen
herstellt, einsetzt oder lagert".
Das Gesetz, das im Dezember vom Senat angenommen worden war, wurde
jetzt einstimmig von der Abgeordnetenkammer verabschiedet. Es sieht
außerdem vor, eine "schwarze Liste" von Firmen zu erstellen, deren
Aktivitäten mit Landminen oder Streubomben verbunden sind, sowie
von deren Aktionären, wenn sie mehr als 50 Prozent der Anteile
halten.
Belgien hatte bereits im März 2006 als erster Staat weltweit die
Herstellung und Lagerung von Streubomen sowie deren Einsatz und den
Handel damit verboten.
(Quelle: afp)
Erneut gewaltsame Proteste in Kopenhagen
Sa.03.03.07 - In Kopenhagen ist es in der Nacht zum Samstag erneut zu
Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei
gekommen. Randalierer zündeten Mülleimer und Autos an,
hunderte Sicherheitskräfte setzte Tränengas ein. Mehr als 100
Menschen wurden festgenommen, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Nach
Angaben des Fernsehsenders TV2 wurde ein Demonstrant verletzt. Der
Rettungsdienst berichtete ebenfalls von einem Verletzten, der ins
Krankenhaus gebracht wurde.
Die Demonstranten versammelten sich kurz nach 01.00 Uhr auf einem Platz
in der Nähe des am Donnerstag geräumten Hauses in der
Innenstadt. Sie gerieten mit Sicherheitskräften aneinander und
errichteten Straßenblockaden, die sie in Brand setzten. Auch vier
Autos gingen in Flammen auf. Aus anderen Stadtteilen wurden ebenfalls
Proteste gemeldet.
In der Innenstadt griff ein Brand auf der Straße laut Polizei auf
ein Haus über, in dem ein Kindergarten untergebracht ist. Auch ein
benachbartes zweistöckiges Gebäude wurde von den Flammen
erfasst. Ob sich in den Häusern Menschen aufhielten, war
zunächst nicht bekannt. Eine Gruppe Randalierer verschaffte sich
Zugang zu einer Schule und warf Stühle, Tische und Computer auf
die Straße.
Insgesamt scheine sich die Lage aber wieder zu beruhigen, sagte
Polizeisprecher Flemming Steen Munch. In Erwartung der neuerlichen
Ausschreitungen waren am Freitag hunderte Beamte in die dänische
Hauptstadt gesandt worden. Aus dem benachbarten Schweden lieh die
Regierung 20 Polizeifahrzeuge aus.
Die Tumulte begannen am Donnerstagmorgen, als eine Anti-Terror-Einheit
der Polizei das Gebäude in der Innenstadt räumte.
Wütende Demonstranten griffen daraufhin die Sicherheitskräfte
mit Pflastersteinen, Flaschen und Farbe an und errichteten
Straßenblockaden. 25 Menschen wurden verletzt und mehr als 200
festgenommen. Unter ihnen waren 21 Ausländer, darunter auch
Deutsche. In mehreren deutschen Städten gab es
Solidaritätskundgebungen.
(Quelle: ap)
Über 120 000 Portugiesen protestieren gegen Sozialreformen
Sa.03.03.07 - In Lissabon haben mehr als 120 000 Menschen gegen die Gesundheits- und
Bildungspolitik der sozialistischen Regierung protestiert. An der
Kundgebung in der portugiesischen Hauptstadt nahmen Mitarbeiter des
privaten und öffentlichen Sektors teil. Nach Gewerkschaftsangaben
war es eine der größten Demonstrationen in der jüngeren
Geschichte des Landes. Die portugiesischen Arbeitnehmer würden mit
ihrer Teilnahme ihre Unzufriedenheit mit der aktuellen Lebens- und
Arbeitssituation bekunden, hieß es.
(Quelle: dpa)
Bayer will weltweit 6100 Stellen abbauen
Sa.03.03.07 - Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer will im Zuge der
Schering-Integration weltweit etwas mehr Stellen abbauen aus
ursprünglich geplant.
Weltweit würden 6100 Stellen gestrichen, davon allein 1500 in
Deutschland, teilte Bayer am Freitag mit. Bayer hatte Schering im
vergangenen Jahr nach einem Bieterkampf mit dem Darmstädter Pharma-
und Chemiekonzern Merck für 17 Milliarden Euro übernommen.
Ursprünglich wollte Bayer 6000 Stellen der weltweit etwa 60.000
Stellen in den Gesundheitssparten abbauen. Die geplanten Einsparungen
von jährlich 700 Millionen Euro ab 2009 würden erreicht,
bekräftigte der Konzern. Der Arbeitsplatzabbau und das
Zusammenführen von Infrastrukturen sollen je etwa zur Hälfte
zum Erreichen des Sparziels beitragen.
"Wir haben bereits zu Beginn der Integration gesagt, dass zur
Erreichung der Synergieziele ein Abbau von Stellen unumgänglich
sein wird", erklärte Bayer-Chef Werner Wenning. Die Stellen in
Deutschland würden "sozialverträglich" gestrichen, teilte der
Konzern mit. Berlin bleibe Sitz der neuen Bayer Schering Pharma AG.
Vom geplanten Stellenabbau in Deutschland sind in der
Unternehmenszentrale in Berlin noch rund 950 Positionen betroffen.
Bereits im vergangenen Jahr war ein Abbau von 250 Stellen bei der
deutschen Vertriebsgesellschaft in Berlin festgelegt worden. Insgesamt
will Bayer in Europa 3150 Stellen streichen, in den USA sind 1000
Stellen betroffen. Dazu kommt der Abbau von 750 Arbeitsplätzen in
der Region Asien, Pazifik und Japan sowie von 1200 Positionen
Lateinamerika und Kanada.
(Quelle: rtr)
IG Metall attackiert Management von Airbus, Telekom und Bayer
Sa.03.03.07 - Angesichts des Abbaus und der geplanten Ausgliederung von zehntausenden
Arbeitsplätzen bei Airbus, der Deutschen Telekom und Bayer
Schering Pharma hat die IG Metall den zuständigen
Unternehmensleitungen Versagen und Geldgier vorgeworfen. Der Chef des
mitgliederstärksten Gewerkschaftsbezirks Nordrhein-Westfalen,
Detlef Wetzel, sagte der "Berliner Zeitung" (Samstagausgabe): "Wenn
Arbeitsplätze verloren gehen, sind es vor allem die Unterlasser in
den Chefetagen, die dafür die Verantwortung tragen." Den Managern
mangele es an sozialer Verantwortung, das Renditestreben
überlagere alles andere.
Wetzel rief die betroffenen Mitarbeiter zu Widerstand auf: "Bei Airbus,
der Telekom, bei Bayer Schering und in vielen anderen Betrieben gibt es
für die Belegschaften keinen Grund, klein beizugeben. Wenn
derartige Entwicklungen weitergehen, ist das der Tod der sozialen
Marktwirtschaft."
Der Gewerkschaftschef geht davon aus, dass vor allem die Airbus-Krise
die Verhandlungsposition der IG Metall in der anstehenden Tarifrunde
eher stärken wird. Wetzel sagte der "Berliner Zeitung", die
Gewerkschaftsmitglieder würden "immer verbitterter": "Die
Wirtschaft brummt, sie sollen von den Gewinnen aber kaum etwas
abbekommen. Und gleichzeitig lesen sie in der Zeitung, dass Kollegen
anderswo ihre Jobs verlieren. Das wird unsere Leute nur mobilisieren."
Die IG Metall fordert für die 3,4 Millionen Beschäftigten der
Metall- und Elektroindustrie Lohnsteigerungen von 6,5 Prozent. Die
Gespräche beginnen am 12. März in Gelsenkirchen.
(Quelle: afp)
Kombilohn soll Jobs für junge Arbeitslose schaffen
Sa.03.03.07 - Union und SPD haben sich auf einen staatlich bezuschussten Kombilohn
für junge Arbeitslose sowie die Förderung schwer
vermittelbarer Langzeitarbeitsloser verständigt. Das
bestätigten Koalitionskreise am Freitag in Berlin. Eine
Arbeitsgruppe von Union und SPD habe einen so genannten
Qualifizierungs-Kombilohn für Jugendliche unter 25 Jahren
gebilligt.
Hier bekommen Arbeitgeber die Hälfte des Bruttolohns erstattet,
wenn sie Jugendliche einstellen, die länger als sechs Monate
arbeitslos waren. Ferner sollen 100 000 chancenlose Langzeitarbeitslose
im Rahmen des Modells «Job-Perspektive» in einer
geförderten Beschäftigung unterkommen. Heftig umstritten
bleibt hingegen in der Koalition der Mindestlohn.
Damit zeichnen sich nach langer ergebnisloser Debatte Lösungen
zumindest in Teil-Bereichen ab. Ob sie am Ende so auch im Gesamtkonzept
für den Niedriglohnsektor festgezurrt werden, bleibt abzuwarten.
Dieses soll bis Ende März vorliegen. Die «schweren
Brocken» kämen noch, hieß es in Koalitionskreisen. Es
müsse ein für alle Seiten akzeptables Gesamtpaket vorliegen.
Die nun getroffene Vereinbarung kommt den Unionsforderungen nahe. Daher
wird nun die SPD Entgegenkommen etwa beim Mindestlohn verlangen.
CDU-Arbeitsmarktexperte Ralf Brauksiepe nannte die Teileinigung
«allenfalls eine Zwischenlösung». Für die Union
sei der Konsens in diesen beiden Punkten zu wenig. Vorankommen
müsse man aber auch bei der Hart-IV-Effizienz, beim Mindestlohn,
bei der Neuordnung der Hinzuverdienstregelungen sowie bei weiteren
Kombilohnmodellen etwa für die über 50-Jährigen.
Das von der Koalitionsgruppe am Donnerstagabend vereinbarte Modell
eines «Qualifizierungs-Kombilohns» für 50 000,
vielleicht auch 100 000 Arbeitslose unter 25 Jahren ist eine
Ermessensleistung und befristet. Bei einem Bruttomonatslohn von bis zu
1000 Euro soll der Arbeitgeber 50 Prozent des Lohns für ein Jahr
vom Staat erstattet bekommen. Ein Teil soll aber zur Qualifizierung
benutzt werden - die Höhe hängt davon ab, ob der Jugendliche
einen Berufsabschluss hat oder nicht.
Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer nannte die Ausgestaltung der
Qualifizierungsprogramme «fragwürdig», weil sie nicht
dazu dienten, einen Berufsabschluss nachzuholen. Den Teilnehmern drohe
eine «berufliche Sackgasse», weil sie somit sehr schnell
wieder von Arbeitslosigkeit bedroht würden.
Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) hatte zudem
Kombilohn-Modelle auch für allein erziehende Frauen erwogen. Die
Union favorisiert Lohnzuschüsse vor allem für ältere und
für jüngere Langzeitarbeitslose. Etwa 100 000
Langzeitarbeitslose insbesondere in Ostdeutschland, die auf dem
regulären Arbeitsmarkt keine Chance haben, sollen nun in
geförderten sozialversicherungspflichtigen Jobs unterkommen.
Der Mindestlohn steht am Montag im Koalitionsausschuss auf der
Tagesordnung. In weiten Teilen der Union werden sowohl gesetzliche wie
auch Branchen-Mindestlöhne abgelehnt. Müntefering will
klären, welche Branchen unter eine Mindestlohnregelung per
Entsendegesetz fallen könnten. Mit dem umstrittenen
Niedriglohn-Modell des Wirtschaftsweisen Peter Bofinger könnten
nach Schätzung des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) rund
zwei Milliarden Euro gespart und 140 000 neue Arbeitsplätze
geschaffen werden.
Die Einsparungen ergäben sich dadurch, dass Arbeitslosengeld-II-
Empfänger durch Leistungskürzungen in Vollzeitarbeit gebracht
würden, sagte der IZA-Experte Hilmar Schneider der
«Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Das eigentliche
Kombilohn-Modell hingegen würde zu massiven Mitnahmeeffekten
führen. Es kombiniert einen Mindestlohn von 4,50 Euro und
staatliche Zuschüsse für Geringverdiener beim
Arbeitnehmeranteil für die Sozialversicherungen.
(Quelle: dpa)
Auseinandersetzung um Minderheitsrechte im Bundestag
Sa.03.03.07 - Die Oppositionsfraktionen im Bundestag finden mit ihrer Forderung nach
einer Ausweitung der Minderheitsrechte im Parlament keine Gegenliebe
bei der großen Koalition. Sowohl Union als auch SPD wiesen am
Freitag entsprechende Vorstöße von FDP, Links-Fraktion und
Grünen zurück. Über die Oppositionsanträge soll nun
in den zuständigen Ausschüssen weiter beraten werden.
Hintergrund ist die zahlenmäßigen Stärke der
großen Koalition, die mit 447 Abgeordneten die
Zweidrittelmehrheit im Parlament deutlich übertrifft. Zur
Ausübung bestimmter Rechte - etwa der Einreichung einer
Normenkontrollklage beim Bundesverfassungsgericht oder einem Antrag auf
Einberufung des Parlaments - ist ein Drittel der Parlamentarier
erforderlich.
Nach dem Willen der FDP soll künftig bereits ein Viertel der
Bundestagsabgeordneten eine Normenkontrollklage einreichen können.
Im Antrag der Links-Fraktion wird gefordert, dass schon eine
Bundestagsfraktion eine Normenkontrollklage anstrengen kann. Auch will
die Links-Fraktion, dass schon auf Antrag einer Fraktion das Parlament
einberufen oder ein Untersuchungsausschuss eingesetzt werden muss. Die
Grünen wollen vom Geschäftsordnungsausschuss prüfen
lassen, ob die gegenwärtige Rechtslage ausreicht, «um auch
unter den Bedingungen einer großen Koalition die Rechte der
parlamentarischen Opposition hinreichend zu wahren».
Der Grünen-Parlamentarier Volker Beck betonte in der Debatte, dass
es sich bei der großen Koalition um einen «Ausnahmezustand
der parlamentarischen Demokratie» handele. Bisher habe im
Regelfall allein die größte Oppositionsfraktion auf Grund
ihrer Stärke über sämtliche Oppositionsrechte
verfügt. Dies könnten gegenwärtig nicht einmal alle drei
Oppositionsfraktionen gemeinsam erreichen.
Die Links-Abgeordnete Dagmar Enkelmann beklagte, dass die Minderheit im
Parlament «weitgehend ausgeschaltet» werde. Die
Koalitionsfraktionen sollten jedoch nicht vergessen, dass «morgen
schon in der Opposition sein» könne, wer heute noch in der
Regierung sitze.
Der FDP-Parlamentarier Jan Mücke räumte ein, dass das
Grundgesetz nicht nach jeder Wahl den Mehrheitsverhältnissen
angepasst werden könne. In der Verfassung sei aber nicht als
Regelfall eine große Koalition vorhergesehen, bei der
«diese Minderheitenrechte ausgehebelt sind».
Der CDU-Abgeordnete Bernhard Kaster verwies darauf, dass Grundgesetz
und Geschäftsordnung auch der Opposition bereits eine
«Vielzahl von parlamentarischen
Gestaltungsmöglichkeiten» eröffneten. Gleichwohl werde
man sich mit den Oppositionsvorlagen in den Ausschussberatungen
«ausführlich und kritisch beschäftigen».
Für die SPD sagte ihr Parlamentarier Uwe Küster, die
Minderheitsrechte im Bundestag seien bereits «bis an die Grenze
des Verantwortbaren» erweitert worden. Daher gebe es «keine
Veranlassung für tiefgreifende Änderungen».
(Quelle: ddp)
Klar bezeichnet seine Kritiker als 'Meinungsblockwarte'
Sa.03.03.07 - Der frühere RAF-Terrorist Christian Klar hat sich erstmals
persönlich zu seinem umstrittenen antikapitalistischen
Grußwort geäußert. Er finde es
«verteidigenswert», «dass auch ein Gefangener an einer
öffentlichen politischen Diskussion von Menschen in Freiheit
teilnehmen kann», hieß es in einem der Tageszeitung
«junge Welt» (Samstagausgabe) vorliegenden Schreiben Klars.
Er habe nicht mit «so einer erstaunlichen Welle» gerechnet,
die sein Grußwort ausgelöst habe.
Klar sitzt seit 24 Jahren wegen mehrfachen Mordes im Gefängnis.
Nach einem radikalen antikapitalistischen Grußwort an eine
marxistische Konferenz hatten Politiker von Union, SPD und FDP eine
Begnadigung abgelehnt, die derzeit von Bundespräsident Horst
Köhler geprüft wird. Baden-Württembergs Justizminister
Ulrich Goll (FDP) verwehrte Klar wegen seiner Äußerungen
zudem bereits in Aussicht gestellte Haftlockerungen.
Scharfe Kritik übte Klar an den politischen Reaktionen auf sein
Grußwort. «Niemand von diesen Meinungsblockwarten fand es
interessant, bis eben genau einen Tag vor der Vollzugsplankonferenz in
der JVA Bruchsal.» Klar warf seinen Kritikern eine
«verantwortungslose Vergiftung der Öffentlichkeit» vor.
(Quelle: ddp)
Umwelt
Klimawandel laut UN-Bericht nicht mehr abzuwenden
Sa.03.03.07 - Der Weltklima-Bericht 2007 der Vereinten Nationen zeichnet ein
düsteres Bild des Klimawandels und seiner Folgen. Selbst mit einer
deutlichen klimapolitischen Wende ließen sich die schwerwiegenden
Folgen des globalen Klimawandels bestenfalls abmildern, heißt es
in einer vorläufigen Version der Zusammenfassung zum zweiten Teil
des Berichts, der AFP vorliegt. Allein in Europa könnten bis 2080
bis zu 2,5 Millionen Menschen an den Küsten von Überflutungen
betroffen sein.
Ein schnelles Umsteuern sei nötig, könne aber nicht mehr
verhindern, dass die globale bodennahe Mitteltemperatur bis zum Jahr
2100 um 0,6 Grad steigen werde, heißt es in der UN-Studie. In der
"Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger" warnt
das UN-Expertengremium IPCC, dass die weitaus meisten der beobachteten
Umweltveränderungen mit dem jeweiligen regionalen
Temperaturanstieg übereinstimmten. Betroffen seien davon alle
Weltregionen. Besonders deutlich zeigen sich die Veränderungen den
Klimaexperten zufolge durch die Schnee- und Eisschmelze in Arktis und
Antarktis sowie bei Gletschern. Kleine Gletscher würden in Europa
vermutlich ganz verschwinden, große um bis zu 70 Prozent
schrumpfen.
Auswirkungen haben die Umwelt- und Klimaveränderungen auch jetzt
bereits auf die Wirtschaft: "Die globalen wirtschaftlichen Verluste
durch Unfälle, die auf das Wetter zurückzuführen sind,
sind seit den 70er Jahren deutlich gestiegen." Zudem rechnet der
UN-Klimarat fest mit steigenden Zahlen von Todesfällen und
Erkrankungen durch Hitzewellen, Überschwemmungen, Unwetter und
Dürren. Die Waldbrandgefahr in Nordamerika soll stark zunehmen.
Zudem könne die Hitze zu mehr Fällen von
Lebensmittelvergiftungen führen.
Zudem droht ein empfindlicher Verlust an biologischer Vielfalt.
Für 20 bis 30 Prozent aller Arten besteht ein hohes Risiko des
Aussterbens, sollte die globale Durchschnittstemperatur um etwa zwei
Grad Celsius verglichen mit dem Stand von 1990 steigen. Bei
stärkerem Temperaturanstieg fällt das Artensterben noch
massiver aus.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) zu einem stärkeren Engagement auf. So solle
Deutschland den G-8-Gipfel im Juni in Heiligendamm zum
"Klimakrisengipfel" machen. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon
kündigte an, beim G-8-Gipfel das Problem des Klimawandels
anzusprechen.
(Quelle: afp)
Hintergrund: UN-Experten sehen Erde mitten im Klimawandel
Der Klimawandel ist weiter fortgeschritten als bislang bekannt, und
seine Folgen lassen sich selbst durch rasches Umsteuern nur teilweise
auffangen. Das ist eine Kernaussage des UN-Expertengremium IPCC im
zweiten Teil seines Weltklimaberichts, dessen "Zusammenfassung für
politische Entscheidungsträger" der Nachrichtenagentur AFP in
einer vorläufigen Version vorliegt. Allerdings lassen sich
dramatische Folgen des Klimawandels für Menschen und
Ökosysteme demnach verringern, wenn eine klimapolitische Wende mit
Maßnahmen zur Anpassung an die steigenden Temperaturen
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kombiniert wird. AFP umreißt Kernaussagen des Berichts, der im
April veröffentlicht werden soll:
HEUTIGE SITUATION: Der Klimawandel wirkt sich bereits jetzt auf
physikalische und biologische Systeme auf allen Kontinenten aus. Dabei
sind mehr als 99 Prozent der beobachteten Entwicklungen offensichtlich
auf regionale Temperaturänderungen zurückzuführen. Viele
von ihnen werden der Erwärmung durch den von Menschen erzeugten
Treibhauseffekt zugeschrieben. Genannt werden die Zunahme von
Gletscherseen durch das Abschmelzen von Gletschern, das Aufweichen von
Dauerfrostböden, die Erwärmung von Flüssen und
Binnenseen, Vorverlagerungen von Pflanzenblüte und Vogelzug sowie
Änderungen des Verbreitungsgebiets von Pflanzen- und Tierarten.
MEERESSPIEGEL: Schon ein Anstieg des Meeresspiegels um etwa einen Meter
wird zu großflächigen Überflutungen in den dicht
besiedelten Küstenregionen Süd- und Südostasiens
führen. Ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen wären
dort etwa 100 Millionen Menschen pro Jahr unmittelbar betroffen.
Erheblich gefährdet sind auch Küstengebiete in Lateinamerika
sowie zahlreiche kleinere Inseln. Hauptleidtragende werden
Entwicklungsländer sein. Aber auch in Europa könnten in etwa
75 Jahren bis zu 2,5 Millionen Menschen jährlich von der
Überflutung von Küstengebieten betroffen sein.
WASSERVERSORGUNG: Der Klimawandel dürfte sowohl zu einer Zunahme
sehr feuchter wie auch sehr trockener Gebiete führen. Dabei werden
die Folgen dort am schwerwiegendsten sein, wo bereits heute
Wasserknappheit herrscht. So dürfte in Afrika der Anteil der von
Dürre bedrohten Menschen von heute 47 Prozent schon bis 2025 auf
65 Prozent zunehmen. Das Abschmelzen von Gletschern lässt in
einigen Regionen, vor allem in Asien, die Trinkwasserversorgung
versiegen.
LANDWIRTSCHAFT: Riesige Gebiete werden in Afrika, aber auch auf anderen
Kontinenten für die landwirtschaftliche Nutzung verloren gehen.
Andere Regionen können dagegen mit steigenden Erträgen
rechnen. Gewinner in Europa dürften nördliche Länder
sein, während im Mittelmeerraum schwere Ernteeinbußen zu
erwarten sind.
ÖKOSYSTEME: Tropische Wälder werden bei steigenden
Temperaturen teilweise durch Savannen verdrängt. Da damit auch
sogenannte CO2-Senken verschwinden, wird zugleich der Treibhauseffekt
verstärkt. Im Norden nehmen Tundra-Gebiete ab, während
Taiga-Gebiete zunehmen. Korallenriffe in Asien, das Great Barrier Reef
vor Australien sowie Riffe vor Mittelamerika gehen zurück oder
verschwinden ganz. Ein besonders starker Temperaturanstieg wird in den
Polarregionen zu verzeichnen sein.
PFLANZEN UND TIERE: Bereits bei einem Temperaturanstieg um ein bis zwei
Grad, der als unvermeidbar gilt, dürfte etwa ein Viertel aller
Pflanzen- und Tierarten aussterben. Steigt die Temperatur um zwei bis
drei Grad, wären es etwas ein Drittel aller Arten. Etwa die
Hälfte der Wälder in nördlichen Breiten verschwindet.
Schwer abschätzbar sind Auswirkungen durch das klimabedingte
Eindringen fremder Arten in neue Lebensräume, wo sie mit den
bisher dort heimischen Arten konkurrieren.
GEGENMASSNAHMEN: Industriestaaten sind am ehesten in der Lage, durch
verbesserten Küstenschutz und Änderungen der
landwirtschaftlichen Praxis Folgen des Klimawandels zu verringern. In
ärmeren Staaten ist diese Möglichkeit dagegen schon durch den
Mangel an finanziellen Mitteln stark eingeschränkt.
Naturräume, darunter auch die Ozeane, lassen sich am wenigsten
schützen. Generell steigen die Kosten von Gegenmaßnahmen, je
später sie eingeleitet werden. Ohne gleichzeitige Verringerung des
CO2-Ausstoßes sind Maßnahmen gegen die Folgen des
Klimawandels weitgehend unwirksam. Nur beides zusammen kann effektiv
eine Schadensbegrenzung bewirken.
Quelle: afp, 02.03.2007
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Umweltminister Gabriel für Tempolimit auf Autobahnen
Sa.03.03.07 - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat sich für ein Tempolimit
auf Autobahnen ausgesprochen. «Ich habe nichts gegen ein
Tempolimit», sagte er der «Welt am Sonntag» und
begründete dies nicht etwa mit dem Kampf gegen CO2, sondern mit
der notwendigen Rettung von Menschenleben. Ein Tempolimit würde
dazu führen, «dass die schweren Verletzungen, Unfälle,
Schädelhirntrauma und Todesfälle deutlich abnehmen. Das ist
ein Grund, warum man für ein Tempolimit sein sollte», sagte
der SPD-Politiker der Zeitung.
Ein Tempolimit aus CO2-Gründen birgt nach den Worten des Ministers
die «ganz große Gefahr, dass die Republik sich darüber
streitet und die Autoindustrie sich still und heimlich verdrücken
kann». Dies sei nicht sein Weg. Wenn die Automobilindustrie nicht
freiwillig die CO2-Emissionen reduziere, werde es ein Gesetz auf
europäischer Ebene geben. Die Forderung der Union, wieder
stärker auf Kernkraft zu setzen, wies Gabriel erneut zurück.
Die Klimaschutzziele sollten stattdessen erreicht werden, indem der
Anteil der erneuerbaren Energien auf mindestens 28 Prozent des
Energiemixes steige.
(Quelle: ap)
Computer
Künstliche Intelligenz zwischen Ingenieurswissenschaft und
Glaubensfrage
Sa.03.03.07 - Computersysteme entwickeln sich zunehmend zu persönlichen
Assistenten, die den Anwender in allen Lebenslagen unterstützen
sollen. Für die einen ist das technische Spielerei oder sogar
Überforderung durch Technik, für die anderen die
Verwirklichung von jahrzehntelanger Forschung auf dem Gebiet der
Künstlichen Intelligenz (KI). Sprachdialogsysteme sind die wohl
alltäglichste Entwicklung, die diesen Trend belegen kann. Mit
Joseph Weizenbaum und Wolfgang Wahlster diskutierten zwei der
profiliertesten Informatiker der Gegenwart auf der diesjährigen
Call Center World in Berlin über Chancen und Grenzen der
Mensch-Maschine-Kommunikation.
Weizenbaum, der in den 60er Jahren zu den bahnbrechenden Forschern auf
dem Gebiet der Informatik gehörte und unter anderem am
Massachusetts Institute of Technology (MIT) arbeitete, kritisierte auf
der Berliner Fachmesse nicht die technischen Möglichkeiten
grundsätzlich, sondern die teilweise religiös anmutende
Gläubigkeit an die Naturwissenschaften. "Die Extremisten, die
Ideologen der Künstlichen Intelligenz, versuchen, Gott zu spielen.
Da muss man von Größenwahn, buchstäblich von Wahnsinn
sprechen."
Eine der wichtigsten Herausforderungen für die zukünftige
Wissensgesellschaft ist nach Auffassung von Wahlster, Leiter des
Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI)
in Saarbrücken, eine "Informatik für den Menschen": die
Schaffung intelligenter Technologien für die
Mensch-Technik-Interaktion, die den natürlichen Kommunikationsstil
von Techniklaien akzeptieren, einen direkten Dialog mit der Technik
unterstützen und damit Hemmschwellen bei der Nutzung von
Hochtechnologie abbauen. "Semantische Technologien überbrücken
die Lücke zwischen der Fachsprache der Informatik und den Sprachen
ihrer Anwender, weil sie es erlauben, verschiedene Begriffssysteme ohne
Bedeutungsverlust ineinander zu übersetzen. Automobilingenieure,
Medizintechniker oder Logistikexperten sind mit semantischen
Technologien in der Lage, ihr Wissen und ihre Prozessmodelle digital in
der eigenen Fachsprache zu formulieren, ohne die speziellen
künstlichen Sprachen zur maschinellen Wissensrepräsentation
erlernen zu müssen", betonte Wahlster.
Hier setzte auch Lupo Pape Geschäftsführer von Semanticedge,
und ebenfalls Teilnehmer der Expertenrunde, an. Das Ziel der
Sprachdialoge sei es, den Erwartungen des Menschen so nahe wie
möglich zu kommen. "Bei einem Dialog mit menschlichen Zügen
wird sich der Anrufer eher angenommen fühlen als bei einem mit
starrer Menüführung und der Abfrage bestimmter Antworten",
erläuterte Pape. Selbst wenn man den Namen eines
Geschäftspartners gerade nicht weiß, könne man über
eine Suchfunktion mit der Eingabe von Branche und Standort die
gewünschte Verbindung aufbauen, so der Sprachdialogexperte.
(Quelle: pte)