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Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertachtundsiebzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
UN-Generalsekretär Ban ernennt Nigerianer Gambari zu
Irak- Sonderbeauftragten. Ministerpräsident Al-Maliki kündigt
Kabinettsumbildung an. Zwölf Tote bei Selbstmordanschlag auf
Polizeistation im Irak. Irakische Aufständische verbreiten Video
von Geisel-Erschießung. Gewalt vertreibt immer mehr Iraker aus
ihren Wohnorten
So.04.03.07 - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den nigerianischen Diplomaten
Ibrahim Gambari zu seinem Sonderbeauftragten für die UN-Hilfen zum
Wiederaufbau des Irak ernannt. Gambaris Aufgabe sei es, im Rahmen des
2006 gegründeten Paktes die Unterstützung der UNO für den
Irak zu koordinieren, sagte Bans Sprecherin, Michèle Montas, am
Freitag in New York. Die Vereinten Nationen und die irakische Regierung
hatten im Juli vergangenen Jahres eine Kooperation zum Wiederaufbau des
Landes vereinbart. In Absprache mit der Weltbank soll der Irak in den
kommenden fünf Jahren Hilfe von der internationalen Gemeinschaft
erhalten, um in dieser Zeit seine Wirtschaft wiederaufzubauen.
Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki will in Kürze
sein Kabinett umbilden. Die Änderungen würden «entweder
diese oder nächste Woche» verkündet, sagte Al-Maliki am
Samstag der Nachrichtenagentur AP, ohne Einzelheiten zu nennen. Aus
Regierungskreisen verlautete, es würden etwa neun Minister ihre
Ämter verlieren, darunter alle sechs Gefolgsleute des radikalen
schiitischen Geistlichen Muktada al Sadr.
Al-Maliki kündigte in dem Interview außerdem strafrechtliche
Ermittlungen gegen politische Würdenträger an, die
Verbindungen zu Aufständischen oder Todesschwadronen unterhalten.
Wie AP aus unterrichteten Kreisen erfuhr, könnten davon bis zu 100
Personen betroffen sein.
Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Polizeistation in der Nähe
der westirakischen Stadt Ramadi sind mindestens zwölf Menschen ums
Leben gekommen. Nach Krankenhausangaben starben elf Zivilisten und ein
Polizist. Zunächst hatte die Polizei von einem Toten und 22
Verletzten gesprochen. Das in der sunnitischen Unruheprovinz El Anbar
gelegene Ramadi war nach Angaben von Bewohnern der Stadt zuvor gesperrt
worden und wurde von US-Soldaten durchkämmt. Die US-Armee wollte
den Einsatz bisher nicht bestätigen.
Im Zentrum von Bagdad kamen nach Armeeangaben drei US-Soldaten bei
einer Bombenexplosion in der Nähe ihres Fahrzeugs ums Leben.
Bereits am Freitag waren demnach zwei US-Soldaten und ein
Übersetzer bei einem Bombenanschlag umgekommen. In der irakischen
Hauptstadt hatten US-Soldaten und irakische Sicherheitskräfte
Mitte Februar eine Sicherheitsoffensive begonnen. Durch die
verstärkten Kontrollen sind die Soldaten mehr als zuvor auf den
Straßen Bagdads präsent.
Sunnitische Aufständische haben am Samstag ein Video verbreitet,
auf dem die Erschießung von 18 zuvor entführten irakischen
Sicherheitskräften zu sehen ist. In einer Erklärung der
Gruppe Islamischer Staat Irak hieß es, die Verschleppten seien
als Vergeltung für die Vergewaltigung einer sunnitischen Frau
durch Mitglieder der von Schiiten dominierten Polizei getötet
worden. Das drei Minuten lange Video war auf einer Website zu sehen,
die von Islamisten genutzt wird. Die Gruppe Islamischer Staat Irak
hatte sich bereits am Freitag zu der Entführung von 18
Regierungsmitarbeitern und Soldaten bekannt. Die Leichen von 14 der
Entführungsopfer waren ebenfalls am Freitag gefunden worden.
Das irakische Verteidigungsministerium erklärte am Samstag,
Soldaten hätten in Chan Bani Saad nördlich von Bagdad drei
mutmaßliche Aufständische getötet. Zwei weitere
Männer seien festgenommen worden. Sieben weitere Verdächtige
seien in Bala Rus nordöstlich der Hauptstadt in Gewahrsam genommen
worden.
Gewalt vertreibt immer mehr Iraker aus ihren Wohnorten: Wer im Irak
plötzlich ein Umschlag mit einer Gewehrkugel im Briefkasten
findet, weiß genau, was das bedeutet: Verschwinde oder dein
nächster Besucher ist ein Todesschütze oder ein Bombenleger!
Als die schiitische Familie Al Sihaili im Nordosten von Bagdad diese
Botschaft erhielt, packte sie umgehend ihre Sachen und machte sich auf
den Weg zu Verwandten im schiitisch dominierten Süden. Alle hatten
es bei der Flucht so eilig, dass sie sogar vergaßen, die
Haustür zuzuziehen.
Tag für Tag spielen sich im Irak solche Szenen ab.
Gewalttäter aus den verfeindeten Religionsgemeinschaften der
Sunniten und Schiiten tyrannisieren die jeweils andere Seite. Tausende
Menschen kommen dabei ums Leben, sämtliche Friedhöfe sind voll
von frischen Gräbern. Millionen haben ihr Zuhause aufgeben
müssen. Schiitische Todesschwadronen ebenso wie von der Al Kaida
inspirierte sunnitische Extremisten ziehen willkürlich Grenzen um
einzelne Stadtviertel, die niemand mehr zu überschreiten wagt - es
sei denn, um der Gegenseite Tod und Verderben zu bringen.
Tagtäglich werden die geschundenen Leichen von Gefolterten
gefunden. Für diese Verbrechen werden in der Regel radikale
Schiiten verantwortlich gemacht. Den Sunniten werden wiederum die
meisten Selbstmordattentate sowie Mörserangriffe auf schiitische
Wohngebiete zur Last gelegt. Im Februar kamen landesweit 1.646
Zivilpersonen gewaltsam ums Leben, im Januar waren es 1.990, wie aus dem
irakischen Gesundheitsministerium verlautete. Die Vereinten Nationen
und Menschenrechtsgruppen setzen die Zahlen weitaus höher an.
Die Feindschaft zwischen Schiiten und Sunniten geht auf das siebte
Jahrhundert zurück, als die Nachkommen des Propheten Mohammed
untereinander um die Vorherrschaft kämpften. Der gestürzte
irakische Staatschef Saddam Hussein favorisierte die Sunniten bei der
Vergabe von Staatsämtern und ging mehrmals brutal gegen die
Schiiten vor, wofür er Ende vergangenen Jahres schließlich
gehängt wurde. Das Misstrauen zwischen den beiden muslimischen
Religionsgemeinschaften sitzt so tief, dass in vielen Lebensbereichen,
etwa im Gesundheitswesen, strikte Segregation praktiziert wird.
In der Provinz Dijala nordöstlich von Bagdad sind die Schiiten aus
manchen Gegenden zu 100 Prozent vertrieben worden, wie der schiitische
Imam Ahmed Hamad al Tamimi beklagt. Er schwört, dass er eines Tages
in sein Haus im Dorf Kuba zurückkehren werde. Aber zunächst
müssten sich die Verhältnisse ändern. Dies hält die
Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf allerdings
für wenig wahrscheinlich. Vielmehr nähmen die Vertreibungen
jeden Tag zu. In Wohngegenden, wo Schiiten und Sunniten noch friedlich
zusammenlebten, wachse derweil die Angst.
Wie die schiitische Familie Al Sihaili. Bis zum Erhalt der drohenden
Gewehrkugel im Briefkasten lebten fünf Brüder mit ihren Frauen
und 13 Kindern im mehrheitlich sunnitischen nördlichen Vorort
Balad Rus. Mitten in der Nacht ergriffen sie die Flucht. Die
Männer fuhren im ersten Auto voran, die Frauen und Kinder folgten
in zwei Minibussen. Entlang der Straße am Tigris näherten sie
sich bereits dem südöstlichen Vorort Suwajra, wo sie von
ihren alarmierten Verwandten erwartet wurden. Da zerriss ein am
Straßenrand versteckter Sprengsatz das Fahrzeug mit den
Brüdern. Alle fünf wurden getötet, die Frauen und Kinder
wurden von herumfliegenden Trümmerteilen verletzt.
Offizielle Ermittlungen wurden nicht eingeleitet. Zu häufig sind
die Vorfälle dieser Art, so dass die Behörden überlastet
sind. Außerdem verhindert die weit verbreitete Angst jegliche
Aussagen nützlicher Zeugen. Die fünf Brüder wurden
nebeneinander in Suwajra begraben. Eine Rückführung in ihren
Heimatort Balad Rus wäre zu gefährlich gewesen.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 04.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertundvierzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Afghanischer Außenminister wirft Pakistan Terror vor
So.04.03.07 - Der afghanische Außenminister Rangin Dadfar Spanta hat Pakistan
terroristisches Verhalten vorgeworfen. «Pakistan sollte Terror
nicht als Mittel der Außenpolitik einsetzen», sagte Spanta
am Samstag vor Parlamentariern. «Ich würde mir
wünschen, die internationale Gemeinschaft würde Staaten, die
die Taliban unterstützen, nicht belohnen», fügte der
Außenminister hinzu.
Die afghanische Regierung beschuldigt Pakistan immer wieder,
islamischen Extremisten Unterschlupf zu gewähren. Pakistan weist
diese Vorwürfe zurück und versichert, den Terrorismus mit
allen Mitteln zu bekämpfen. Am Freitag meldete der pakistanische
Geheimdienst die Festnahme des früheren Verteidigungsministers der
Taliban, Mullah Obaidullah Achund. Eine offizielle Bestätigung
seitens der Regierung gab es zunächst jedoch nicht.
Die pakistanischen Streitkräfte widersprachen am Samstag
amerikanischen Angaben, wonach die in Afghanistan eingesetzten
internationalen Truppen mutmaßliche Taliban-Kämpfer auch
über die Grenze nach Pakistan verfolgen. Die ausländischen
Soldaten hätten dazu keine Erlaubnis, sagte Generalmajor Waheed
Arshad der Nachrichtenagentur AP. Ähnlich äußerte sich
eine Sprecherin des Außenministeriums. «Pakistan und die
USA sind Partner im Kampf gegen den Terror, nicht Feinde», sagte
sie.
Der amerikanische Generalleutnant Douglas Lute hatte zuvor
erklärt, seine Truppen würden bei der Verfolgung von
Aufständischen regelmäßig über die Grenze
schießen oder Verdächtige auf pakistanisches Gebiet
verfolgen. Die Koalitionsstreitkräfte hätten die dafür
nötige Ermächtigung.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Hamas benennt Mitglieder für Einheitsregierung
So.04.03.07 - Die islamistische Organisation Hamas hat am Samstag ihre Mitglieder
für die Regierung der nationalen Einheit benannt, wie in Gaza
mitgeteilt wurde. Die Liste mit den zwölf Namen sei
Ministerpräsident Ismail Hanija übergeben worden. Dieser
gehört auch der Hamas an. Die Fatah des gemäßigten
palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas hat ihre acht
Vorschläge für die Ministerposten noch nicht fertig gestellt.
Abbas kommt am (heutigen) Sonntag im Gazastreifen mit Hanija zusammen,
um über die Regierungsbildung zu beraten.
Wie Hamas-Sprecher Salah Bardawil mitteilte, kommen sieben der
zwölf Nominierten aus dem Westjordanland, fünf aus dem
Gazastreifen. Von diesen sei bislang keiner im Parlament oder in der
Regierung gewesen.
(Quelle: ap)
China will mehr Umweltschutz durch schärfere Kontrolle
So.04.03.07 - China will durch schärfere Überwachungsmechanismen seine
Umweltverschmutzung eindämmen. Die Staatliche
Umweltschutzbehörde (SEPA) wolle umgerechnet rund 190 Millionen
Euro ausgeben, um innerhalb von anderthalb Jahren ein System zur
Überprüfung neuer Standards einzurichten, berichtet die
staatliche Tageszeitung "China Daily". Damit solle unter anderem die
Sammlung von Daten verbessert werden. Zugleich sollten die Lokal- und
Regionalregierungen bei Missachtung der Grenzwerte stärker zur
Verantwortung gezogen werden.
Ziel sei es, in diesem Jahr den Schadstoffausstoß in Luft und
Gewässern um zwei Prozent zu senken. China hat eine der
schlechtesten Umweltbilanzen in der Welt. Nach einem Bericht der SEPA
ist in elf Großstädten des Landes mindestens jeden dritten
Tag die Luft so verschmutzt, dass die Gesundheit von rund 15 Millionen
Menschen gefährdet ist.
(Quelle: afp)
Schneller Computer-Neukauf belastet Klima extrem
So.04.03.07 - Der schnelle Neukauf von Computern, Fernsehern und Handys belastet
einem UN-Bericht zufolge das Klima stark. Das häufige Ersetzen
älterer Geräte durch Produktneuheiten haben massive
klimaschädliche Folgen, zitiert die "Saarbrücker Zeitung" aus
einer unveröffentlichten Analyse der deutschen
Forschungseinrichtung der UNO in Bonn (UNU). Bei der Herstellung eines
Computers mit Monitor wird demnach fünfmal so viel fossile Energie
verbraucht und Kohlendioxid ausgestoßen wie bei der Produktion
eines Autos.
"Die Herstellung jeglicher Elektrogeräte ist ein wahrer
Energiefresser", zitiert das Blatt den federführenden UN-Experten
Rüdiger Kühr. Um den CO2-Ausstoß bei der Produktion
deutlich zu verringern, müssten die Geräte künftig
einfacher als bisher aufrüstbar gemacht werden, forderte er.
Dadurch verlängere sich nicht nur die Nutzungsdauer für den
Verbraucher. "Das hätte auch enormes Klimaschutzpotenzial", sagte
Kühr.
Zugleich warnen die Experten vor dem weltweit unentsorgten Berg an
Elektroschrott. Der Müll wachse dreimal so schnell wie jede andere
Form von Abfall und betrage inzwischen weltweit 40 Millionen Tonnen. "In
Lkw gefüllt würde dies eine Schlange um den halben Erdball
ergeben", sagte Kühr. Kommende Woche wollten deshalb die
UN-Fachleute zusammen mit führenden High-Tech-Unternehmen eine neue
Recycling-Strategie (Step) präsentieren.
(Quelle: afp)
EU-Industriekommissar Verheugen warnt vor Hysterie beim Klimaschutz
So.04.03.07 - EU-Industriekommissar Günter Verheugen hat in der Debatte um einen
besseren Klimaschutz vor Hysterie gewarnt. Zwar müsse der
Klimawandel "an allen Fronten" bekämpft werden, sagte Verheugen der
"Bild am Sonntag". "Wir dürfen aber auch nicht in hysterischen
Aktionismus verfallen." Europa verursache "nur einen relativ geringen
Teil der weltweiten CO2-Belastung", betonte Verheugen. Und an den
C02-Emissionen wiederum hätten Pkw "einen außerordentlich
kleinen Anteil."
Der Vizepräsident der EU-Kommission äußerte die Sorge,
"dass wir die europäische Autoindustrie - ein Kronjuwel der
europäischen Industrie - zum alleinigen Sündenbock machen".
Der SPD-Politiker beklagte: "Wir haben immer diese merkwürdigen
Wellen. Vor zwei Jahren hieß es: Jobs, Jobs, Jobs! Jetzt
heißt es: Klima, Klima, Klima!" In Wahrheit komme es darauf an,
beides zu verbinden: Klimaschutz lasse sich nur sinnvoll betreiben, wenn
gleichzeitig die eigene Wettbewerbsfähigkeit sichergestellt werde.
(Quelle: afp)
Ökodebatte hinterlässt kaum Folgen beim Autokauf
So.04.03.07 - Die Klimadebatte hat laut einem Zeitungsbericht bisher kaum Folgen
für das Geschäft der Autoindustrie. Die Ökowelle schlage
sich bisher nicht im Kaufverhalten der Bundesbürger nieder, ergab
eine Umfrage der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung»
unter den deutschen Autoherstellern. Bundesumweltminister Sigmar
Gabriel lädt am Mittwoch die Betriebsräte der Autoindustrie
zum Autogipfel nach Berlin. Mit den Vorständen der Unternehmen
ging der SPD-Politiker hart ins Gericht.
Die Folgen der Debatte über den Klimawandel seien marginal,
zitiert die Zeitung einen VW-Sprecher. «An den täglichen
Bestelleingängen ist nichts abzulesen.» Auch bei Mercedes
sei noch niemandem aufgefallen, dass Kunden massenweise von der
S-Klasse in die A-Klasse umsteigen, schreibt die Zeitung. Und BMW
jubele über das «hervorragende Interesse» der
Kundschaft am neuen Geländewagen X5. «Wir sind über
Monate ausgebucht. Die Lieferzeit beträgt ein halbes Jahr»,
wird ein Konzernsprecher zitiert.
Gabriel sagte der Zeitung, «die Vorstände in den Unternehmen
müssen akzeptieren, dass sie nicht nur der Börse, sondern
auch dem Gemeinwohl verpflichtet sind». Sie hätten eine
ökologische Verpflichtung, der Klimawandel sei eine Gefahr wie
früher das atomare Wettrüsten der beiden Blöcke.
«Da können sich die Manager nicht davon stehlen oder die
Bedrohung verniedlichen», betonte der SPD-Politiker.
Die Industrie müsse die geforderten CO2-Grenzwerte einhalten, aber
nicht mit der Brechstange, forderte Gabriel. «Wir werden die
Arbeitsplätze nicht gefährden.» Es sei nie darum
gegangen, dass jedes einzelne Modell die 120 Gramm Co2 erfüllen
müsse, sondern immer um einen Durchschnittswert. Der
Umweltminister schlägt unterschiedliche Grenzwerte je
Fahrzeugklasse vor, um im Durchschnitt eine Belastung von 120 Gramm zu
erreichen: «Alle müssen mit dem CO2-Ausstoß herunter:
Die Ober- und Mitteklasse genauso wie die Kleinwagen.»
(Quelle: ap)
Umweltminister Gabriel ruft Bürger zu freiwilliger Klima-Abgabe auf
So.04.03.07 - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die Deutschen zu einer
freiwilligen Abgabe für ihre Flüge aufgerufen.
Mit den Einnahmen sollten Klimaschutzprojekte in
Entwicklungsländern unterstützt werden, sagte der
SPD-Politiker der "Berliner Zeitung" laut Vorabbericht aus der
Samstagausgabe. "Flüge lassen sich nicht immer vermeiden. Aber
jeder kann etwas dazu beitragen, sie klimafreundlicher zu gestalten."
Gabriel riet zu einer Kompensation über das Internetportal
www.atmosfair.de. Dort könne sich jeder Passagier die Klimabilanz
seines Fluges errechnen lassen und freiwillig eine entsprechende Abgabe
zahlen.
Gabriel sprach sich erneut dafür aus, die Fluglinien zum
Emissionshandel verpflichten. Die Debatte darüber hält seit
Monaten an. Für diesen Plan werde sich die deutsche
EU-Ratspräsidentschaft einsetzen, sagte der Minister. In der
Branche gibt es Skepsis gegen das Vorhaben. Mehrere Marktbeteiligte
betonen allerdings, die Einbeziehung der Branche in den Emissionshandel
sei besser als neue oder höhere Steuern mit Umweltbezug.
Die Grünen plädieren für eine europaweite Steuer auf
Flugbenzin. "Fliegen zum Taxipreis geht doch nur, weil die Fluglinien
keine Steuer auf den Treibstoff zahlen, während die
umweltfreundliche Bahn dies tut", sagte Fraktionschefin Renate
Künast dem Blatt.
(Quelle: rtr)
Viele Tariflöhne liegen unter gefordertem Mindestlohn
So.04.03.07 - Viele Geringqualifizierte verdienen deutlich weniger als den derzeit
diskutierten Mindestlohn von 7,50 Euro.
Die niedrigsten tariflichen Bruttostundenlöhne betrugen im zweiten
Halbjahr 2006 rund fünf Euro, wie das Statistische Bundesamt am
Freitag mitteilte. In Thüringen zum Beispiel verdienten Wachleute
für Veranstaltungen gerade mal 4,38 Euro pro Stunde. In Hotels und
Gaststätten in Nordrhein-Westfalen lag der unterste Tarifverdienst
bei 5,25 Euro. Ähnlich sieht es den Statistikern zufolge in anderen
Bundesländern und Branchen aus.
"Aber auch Fachkräfte mit Berufsqualifikation erhielten im zweiten
Halbjahr 2006 vergleichsweise niedrige Tarifverdienste", hieß es.
So kamen Friseure im ersten Berufsjahr in Sachsen auf 3,82 Euro pro
Stunde, ein Salonleiter mit bis zu zehn Angestellten verdiente 5,96
Euro. Gesetzliche Mindestlöhne gibt es in Deutschland bislang nur
auf dem Bau, im Abbruchgewerbe sowie für Dachdecker, Maler und
Lackierer. Der Mindeststundenlohn für Dachdecker etwa liegt
bundesweit bei zehn Euro, ungelernte Maler und Lackierer in
Ostdeutschland verdienen 7,15 Euro und westdeutsche Facharbeiter am Bau
12,40 Euro.
Die Gewerkschaften plädieren für einen Mindestlohn von 7,50
Euro. Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) setzt sich für
eine Ausweitung des Entsendegesetzes zur Festschreibung von weiteren
Mindestlöhnen ein. Dies lehnt die Union bislang ab. Am Montag
berät die Koalition über das Thema.
(Quelle: rtr)
Mittelschicht rutscht laut Studie doch nicht ab
So.04.03.07 - Die Einkommen der Mittelschicht in Deutschland sind laut einer Studie
entgegen allen Befürchtungen stabil. «Die empirische Basis
für die These, die soziale Krise Deutschlands habe nun auch die
Mittelschicht erreicht, ist schwach», schreibt der Historiker
Paul Nolte, einer der Autoren der Studie, wie die «Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung» berichtet. Die Ungleichheit der
Einkommen habe innerhalb der vergangenen 20 Jahre nicht zugenommen.
Die Studie widerspreche damit der populären These, wonach der
finanzielle Absturz jedermann treffe und nur noch eine kleine Gruppe
von Spitzenverdienern oder Vermögenden vor ihm sicher sei,
heißt es in dem Bericht über die noch unveröffentlichte
wissenschaftliche Studie der Bad Homburger Herbert-Quandt-Stiftung.
Empirisch feststellen lasse sich nach Ansicht der Autoren aber eine
Stagnation der Mitte, schreibt die Zeitung. «Die Mitte kapselt
sich innerhalb der Gesellschaft ab», sagte der Forscher am
Münchner Ifo-Institut und Mitautor der Studie, Martin Werding
demnach. Der Zugang zur Mittelschicht für Aufsteiger werde daher
zunehmend schwieriger, wie das Phänomen der «Generation
Praktikum» zeige.
Zuletzt hatte der SPD-Vorsitzende Kurt Beck mehr Unterstützung
für die Mittelschicht eingefordert, die er als die
Leistungsträger der Gesellschaft bezeichnete. Diese «40 bis
50 Prozent in der Mitte der Gesellschaft» müssen laut Beck
wieder das Gefühl bekommen, dass man ihnen nicht ständig nur
nehme, sondern auch etwas gebe.
(Quelle: ap)
Koalitionszoff zu Finanzierung von Krippenplätzen
So.04.03.07 - Im Tauziehen um die Finanzierung zusätzlicher Krippenplätze
wird der Ton zwischen Union und SPD rauer. Kurz vor der Koalitionsrunde
am Montag attackierten sich Spitzenpolitiker beider Seiten.
CSU-Chef Edmund Stoiber schlug vor, für neue Krippenplätze
Geld aus der Mehrwertsteuer einzusetzen. Aus Sicht des Deutschen
Städte- und Gemeindebundes kosten die Krippen-Pläne der
großen Koalition drei Mal so viel wie die genannten drei
Milliarden Euro.
«Ich könnte mir vorstellen, dass der Bund zeitlich befristet
bis zum Jahr 2010 einen halben Mehrwertsteuerpunkt zweckgebunden
für diese gesellschaftliche Aufgabe zur Verfügung stellt. Das
sind dann gut drei Milliarden Euro», sagte Stoiber der
«Bild am Sonntag». Damit «und mit verstärkten
Anstrengungen der Länder» sei bis 2010 der komplette Bedarf
an Kinderbetreuungsplätzen zu decken.
Praktisch zeitgleich griffen SPD-Chef Kurt Beck und SPD- Vizekanzler
Franz Müntefering CDU und CSU scharf an und verlangten die Vorlage
eines Finanzierungskonzepts. «Schon bei der Gesundheitsreform hat
die Union mehr Haushaltsmittel für die Krankenkassen verlangt,
ohne dass sie sagen wollte, woher das Geld dafür kommt»,
sagte Müntefering dem Magazin «Der Spiegel».
«Jetzt will sie diese unsolide Form, Politik zu betreiben,
offenbar bei der Kinderbetreuung wiederholen.»
Beck schrieb in der «Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung»: «Die Union, die gern von
Haushaltsdisziplin redet, ist bisher jede Auskunft schuldig geblieben,
wie die Vorschläge ihrer Familienministerin bezahlt werden
können. So geht es nicht.» Die unionsregierten Länder
müssten «ihre Hinhaltetaktik und Ablenkungsmanöver
beenden», forderte der SPD-Chef.
Müntefering sagte, die SPD werde darauf drängen, dass die
Regierung die Frage innerhalb der nächsten vier Wochen klärt.
An diesem Montagabend befasst sich der Koalitionsausschuss mit dem
Vorschlag von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU), bis
2013 die Anzahl der Krippenplätze auf 750 000 zu verdreifachen.
Die SPD-Spitze will dafür beim Ehegattensplitting kürzen und
die nächste Kindergelderhöhung aussetzen. Letzteres
stößt in Teilen der Partei auf Widerstand.
Müntefering betonte am Samstagabend im «Heute Journal»
des ZDF, am Montag müsse die Finanzierung klarer werden. «Es
geht nicht, dass ein Teil der Koalition sich bisher davor
drückt.» Die CDU/CSU müsse sagen, wie die Finanzierung
gewährleistet werden soll. «Da ist Montag der Tag, an dem
sie was auf den Tisch legen sollte, oder wo wir miteinander den
Zeitplan vereinbaren.»
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla erklärte am Samstag, die
Finanzierungsvorschläge der SPD stießen «auf eine
breite Front der Ablehnung. Sie sind sozial ungerecht, benachteiligen
Alleinverdiener und laufen auf weniger Wahlfreiheit für Eltern
hinaus.» Auch Stoiber nannte die SPD-Vorschläge
«familienfeindlich und unsozial». «Das ist mit der
Familienpartei CSU und nach allem, was ich aus der CDU-Spitze
gehört habe, auch mit der Union insgesamt nicht zu machen.»
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sagte dem
Berliner «Tagesspiegel am Sonntag», wenn die
Bundesregierung beim Thema Krippenplätze weitergehende Vorgaben
machen wolle, müsse sie ihren finanziellen Beitrag leisten. Koch
widersprach der Haltung der Unionsfraktion, der Ausbau von
Kindertagesstätten sei Ländersache.
«Bild am Sonntag» zufolge hat Stoiber mit Kanzlerin Angela
Merkel (CDU) das weitere Vorgehen besprochen. Demnach werde sich von
der Leyen mit ihren Länder-Kollegen zusammensetzen, um den
künftigen Bedarf an Krippenplätzen zu berechnen. «Dann
könnte der Ausbau der Kinderbetreuung in einem Familiengipfel
unter Leitung der Bundeskanzlerin auf den Weg gebracht werden»,
sagte Stoiber.
Beck schlug vor, bei einem Spitzentreffen sollten die Parteichefs der
Koalition, die Ministerpräsidenten und Vertreter der Kommunen mit
der Bundesregierung die Finanzierungsfragen klären. Pofalla lehnte
in der «Passauer Neuen Presse» einen solchen
«Familiengipfel» strikt ab.
Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) hält eine
zügige Einigung mit der SPD für ausgeschlossen. «Die
Finanzierung und der verfassungsrechtliche Weg sind völlig
offen», sagte er der «Welt am Sonntag».
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU)
plädierte in der «Neuen Osnabrücker Zeitung»
(Samstag) dafür, den «nervtötenden und unnötigen
Streit» über die Finanzierung zu beenden. Wenn drei
Milliarden Euro erforderlich seien, wäre es sinnvoll, «wenn
wir uns diese Summe teilen: der Bund, die Länder und die
Kommunen».
Nach Berechnungen des Deutschen Städte- und Gemeindebundes kostet
die Kinderkrippen-Initiative der Koalition sogar 9,5 Milliarden Euro.
Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sieht dafür den Bund
in der Zahlungspflicht, wie er der «Leipziger Volkszeitung»
(Montag) sagte. Landsberg bekräftigte zugleich das Nein seines
Verbandes zu einem Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Sonst
würden mindestens 40 Prozent einen Platz beanspruchen. «Also
bräuchten wir in etwa 897 000 Krippenplätze.» Von der
Leyen geht von 500 000 neuen Plätzen aus.
(Quelle: dpa)
Gysi räumt Konflikte mit Lafontaine in der Linkspartei ein
So.04.03.07 - Linksfraktionschef Gregor Gysi hat erstmals Auseinandersetzungen mit
seinem Ko-Vorsitzenden Oskar Lafontaine eingeräumt.
«Natürlich gibt es auch Konflikte», erklärte Gysi
dem Magazin «Der Spiegel» nach einer Meldung vom Samstag. Er
und der aus der SPD stammende Lafontaine hätten ein
unterschiedliches Parteienverständnis.
Lafontaine habe lange zum Establishment gehört und sich
entschlossen, bewusst außerhalb zu stehen. Dagegen gehöre er,
Gysi, zu einer Partei, in der viele noch «um Akzeptanz
ringen». Es gebe kulturelle Konflikte, wenn sich etwa ostdeutsche
Landesvorstände bevormundet fühlten. Manche empfänden
Lafontaine als «Störung». Auch bei der Fortsetzung der
rot-roten Koalition in Berlin «hatten wir einen Dissens»,
sagte Gysi.
Dennoch warb er dafür, dass Lafontaine und der jetzige
Linkspartei-Chef Lothar Bisky ab Sommer die aus Linkspartei und WASG
vereinte Partei führen und danach erneut für den Bundestag
kandidieren. «Das Team Bisky, Lafontaine, Gysi muss sich 2009 auch
für den Fusionsprozess die Quittung vom Wähler holen»,
sagte Gysi. «Wenn es meine Gesundheit zulässt, trete ich
an.»
(Quelle: ap)
Deutsche Haftbefehle gegen CIA-Agenten verärgern Washington
So.04.03.07 - Die Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft gegen 13
CIA-Agenten belasten laut einem «Spiegel»-Bericht das
deutsch-amerikanische Verhältnis. Ranghohe US-Diplomaten
hätten bei der Bundesregierung in den vergangenen Wochen wiederholt
gegen die juristische Verfolgung der Geheimdienstler interveniert, die
Anfang 2004 an der Verschleppung des Deutsch-Libanesen Khaled El Masri
nach Afghanistan beteiligt gewesen sein sollen.
Wie das Nachrichtenmagazin berichtet, sprachen amerikanische Diplomaten
im Kanzleramt bei den außenpolitischen Beratern von
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor. Im Bundesjustizministerium, das
für internationale Rechtsfragen zuständig ist, sei der
Gesandte der US-Botschaft vorstellig geworden.
Mit der diplomatischen Offensive reagiert die US-Administration dem
Bericht zufolge auf die Entscheidung der Bundesregierung vom 21.
Februar, die Münchner Haftbefehle wegen des Verdachts der
gefährlichen Körperverletzung und Freiheitsberaubung zur
internationalen Fahndung freizugeben. Seitdem sind 10 der 13
verdächtigen CIA-Agenten in den 186 Interpol-Mitgliedstaaten
«mit dem Ziel der Festnahme zwecks Auslieferung nach
Deutschland» ausgeschrieben. Auch nach Washington sei das
Fahndungsersuchen von Interpol übermittelt worden.
(Quelle: ddp)
Muslime in Deutschland wollen gemeinsamen Verein gründen
So.04.03.07 - Die muslimischen Organisationen in Deutschland wollen sich zu einer
gemeinsamen Interessensvertretung zusammenschließen. Nach
Informationen der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung»
wollen sie dafür in den kommenden Monaten einen Verein
gründen. «Wir sind entschlossen, als Vertreter aller Muslime
in Deutschland aufzutreten», sagte Bekir Alboga, der
Dialogbeauftragte der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt
für Religion (Ditib) dem Blatt.
Die islamischen Verbände seien derzeit dabei, sich über die
Strukturen des Vereins und über die Inhalte seiner Arbeit zu
einigen. «Ich gehe davon aus, dass es noch vor den Sommerferien
zur Vereinsgründung kommt», sagte Alboga. Der
Koordinierungsrat der Muslime erstelle derzeit eine
Geschäftsordnung und Satzung. Zum Koordinierungsrat gehören
neben Ditib noch der Islamrat, der Zentralrat der Muslime in
Deutschland und der Verband der islamischen Kulturzentren (VIKZ). Beide
bestätigten die Pläne, die Vereinsgründung
voranzutreiben.
(Quelle: ap)