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Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mindestens 30 Tote bei Anschlag nahe Büchermarkt in Bagdad.
Außenminister der Arabischen Liga fordern politische Lösung
für den Irak
Di.06.03.07 - Trotz der Bemühungen der USA um mehr Sicherheit im Irak sind
mindestens 30 Menschen bei einem Autobombenanschlag in Bagdad
getötet worden. Bei dem Attentat in der Nähe eines
Büchermarktes seien zudem 65 Menschen verletzt worden, hieß
es in Sicherheitskreisen. Bei weiteren Anschlägen im Irak kamen
mindestens sieben weitere Menschen ums Leben. Irakische und
US-Sicherheitskräfte nahmen nördlich von Bagdad sechs
mutmaßliche El-Kaida-Mitglieder fest, darunter vermutlich ein
Regionalchef des Terrornetzwerks.
Der Anschlag in Bagdad ereignete sich in einer Straße des
kulturellen Zentrums der irakischen Hauptstadt. Unter den Toten und
Verletzten war den Angaben zufolge eine größere Anzahl
Frauen und Kinder. Noch am Abend war eine hohe Rauchwolke über dem
Explosionsort zu sehen. Im Süden der Hauptstadt starben zwei
schiitische Pilger bei einem Angriff von Bewaffneten auf ihre
Prozession. In West-Bagdad tötete ein Selbstmordattentäter
einen Polizisten, in Baakuba kamen vier Polizeibeamte in einem
Hinterhalt ums Leben.
Der 70 Kilometer nördlich von Bagdad in Duluhija festgenommene
mutmaßliche örtliche El-Kaida-Anführer gehörte
nach Angaben eines Sprechers des Innenministeriums der Gruppe
Islamstaat im Irak an. Diese hatte sich in der vergangenen Woche zur
Entführung und Ermordung von 14 Polizisten bekannt, um die
angebliche Vergewaltigung einer Sunnitin durch schiitische Polizisten
zu rächen. Zum Islamstaat im Irak gehören mehrere sunnitische
Organisationen, die von El Kaida kontrolliert werden. Insgesamt wurden
im Irak bei Razzien von irakischen und US-Truppen 36 mutmaßliche
Terroristen festgenommen.
Die Außenminister der arabischen Länder forderten eine
politische Lösung für den Irak. Die Einheit, die
Souveränität und die Unabhängigkeit des Irak seien zu
achten, erklärten die Außenminister der Arabischen Liga am
Sonntagabend nach einem Treffen in der ägyptischen Hauptstadt
Kairo. Die "arabische und muslimische Identität" des Landes
sollten bewahrt werden. Um die Stabilität des Irak zu sichern und
die derzeitige Krise zu meistern, sei eine politische Lösung
notwendig, "die die Probleme der konfessionellen Gewalt und des
Terrorismus lösen kann".
Von Schritten in diese Richtung machte die Liga ihre volle
Unterstützung für die am kommenden Wochenende geplante
Regionalkonferenz über die Zukunft des Iraks abhängig. An
diesem Treffen sollen neben dem Irak die USA, Großbritannien und
die Europäische Union sowie Iraks Nachbarstaaten Saudi-Arabien,
Iran und Syrien teilnehmen. Der iranische Außenminister
Manutschehr Mottaki deutete am Montag an, dass sein Land
höchstwahrscheinlich eine Delegation nach Bagdad schicken werde.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 06.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertundsechzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.06.03.06 - Angriff auf Sunniten-Moschee +++ Widerstand gegen ausländische
Islamisten formiert sich im sunnitischen Dreieck +++ Amnesty kritisiert
Menschenrechtsverstöße im Irak +++ Britische Zeitungsberichte:
US-geführte Truppe 'im Frühjahr 2007 aus dem Irak'...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0603060.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Bei NATO-geführtem Angriff in Afghanistan neun Zivilisten getotet
Di.06.03.07 - Bei einem Angriff der NATO-geführten Schutztruppe ISAF im
Nordosten Afghanistans sind mindestens neun Zivilisten getötet
worden. Unter den Todesopfern seien fünf Frauen und zwei Kinder,
teilte der stellvertretene Gouverneur der Provinz Kapisa mit. Dem
Angriff war der Beschuss eines von der NATO geführten
Stützpunktes eines Wiederaufbauteams vorausgegangen. Die NATO habe
mit Artillerie und aus der Luft zurückgeschossen. Dabei seien die
Zivilisten getötet worden.
Das Innenministerium bestätigte, dass ein Haus in Kapisa, einer
Nachbarprovinz der Hauptstadt Kabul, angegriffen wurde. Es werde nun
geprüft, wer den Angriff ausgeführt habe, sagte ein Sprecher.
Erst am Sonntag waren bis zu zehn Zivilisten nach einem Angriff auf
einen US-Militärkonvoi im Osten Afghanistans getötet worden.
(Quelle: afp)
Guantanamo-Anwälte fordern Zugang zu ordentlicher Gerichtsbarkeit
Di.06.03.07 - Vor dem Obersten Gericht der USA wollen Anwälte von
Guantanamo-Häftlingen ihren Mandanten den Weg vor ordentliche
Gerichte erkämpfen. Die Juristen reagierten mit ihrer Eingabe am
Montag auf ein Urteil eines Berufungsgerichts vom Februar, wonach
ausländische Terrorverdächtige im Gefangenenlager Guantanamo
ihre Haft nicht vor Bundesgerichten anfechten können.
Die Frage sei nicht nur von überragender juristischer Bedeutung,
erklärten die Anwälte in einem Schreiben an das Oberste
Gericht in Washington. Auch «die extreme und sich verschlimmernde
Notlage der Guantanamo-Häftlinge» fordere eine schnelle
Entscheidung. Einige der rund 400 Terrorverdächtigen in Guantanamo
werden dort bereits seit Öffnung des Lagers vor mehr als fünf
Jahren ohne Anklage gefangen gehalten.
Das Oberste Gericht hat sich bereits zwei Mal zugunsten der
Häftlinge für den ordentlichen Gerichtsweg ausgesprochen und
sich damit gegen den Kurs der Regierung von US-Präsident George W.
Bush gestellt. In beiden Fällen reagierte die Regierung mit einer
Änderung der Vorschriften. Zuletzt setzte Bush Ende 2006 ein
Gesetz zum Umgang mit den Gefangenen durch, dass es der Regierung
ausdrücklich erlaubt, Terrorverdächtige vor
Militärtribunale anstatt vor ordentliche Gerichte zu stellen.
(Quelle: ap)
US-Soldaten berichten von traumatischen Erfahrungen in
Militärklinik
Di.06.03.07 - Im Kriegseinsatz verletzte US-Soldaten haben am Montag vor einem
Parlamentsausschuss von ihren traumatischen Erfahrungen im renommierten
Walter-Reed-Militärkrankenhaus berichtet. Abgeordnete kamen zu der
Anhörung in der betroffenen Klinik in Washington zusammen, die
wegen Vorwürfen unhaltbarer hygienischer und organisatorischer
Zustände in den Blickpunkt der Politik geraten ist.
Die Behandlung ihres Mannes, der im Irak verletzt wurde, habe sich
unverantwortlich lange verzögert, sagte eine Zeugin. Ein
ehemaliger Soldat berichtete, er sei nach seiner Entlassung aus
stationärer Behandlung nur mit einer Karte des Geländes
ausgestattet worden und habe selbstständig nach seiner Unterkunft
als ambulanter Patient suchen müssen. Dort habe er zwei Wochen in
seinem Zimmer gesessen und sich gefragt, wann jemand wegen der weiteren
Behandlung Kontakt zu ihm aufnehmen würde.
«Dies ist der absolut falsche Umgang mit unseren Soldaten»,
erklärte der Vorsitzende des zuständigen
Parlamentsausschusses, der Demokrat John Tierney, bei der Anhörung
am Montag. Er äußerte die Einschätzung, dass sich die
unhaltbaren Zustände durch das gesamte
Militärgesundheitswesen zögen. Er fürchte, «diese
Probleme reichen weit über die Mauern von Walter Reed
hinaus», sagte Tierney. Und je mehr Truppen im Irak und in
Afghanistan im Einsatz seien, desto größer würden die
Probleme. Er stellte die Frage, ob die Zustände in der Einrichtung
«nur eine weitere schreckliche Folge» unzureichender
Kriegsplanung seien.
Von den Berichten über die Walter-Reed-Klinik aufgerüttelte
Abgeordnete haben schnelle Reformen und einen unabhängigen
Untersuchungsausschuss gefordert. «Der Gedanke, dass Männer
und Frauen ihrem Land auf die ehrenwerteste und mutigste Weise dienen
und wir ihnen für ihre Genesung nur ein baufälliges, von
Ratten verseuchtes, verwahrlostes Gebäude zur Verfügung
stellen, ist eine Schande», schrieb der Senator Charles Schumer
am Sonntag an Verteidigungsminister Robert Gates. «Ich
fürchte, dass Walter Reed nur die Spitze eines Eisbergs
darstellt.» Das Weiße Haus hat einen
parteiübergreifenden Ausschuss angekündigt, der prüfen
soll, ob solche Probleme auch in anderen Einrichtungen auftraten.
US-Heeresminister Francis Harvey hatte wegen des Krankenhaus-Skandals
am Freitag offiziell seinen Rücktritt eingereicht. Die
Vorwürfe bezogen sich sowohl auf Berichte über untragbare
hygienische Zustände - wie Mäuse und verschimmelte Pflaster -
als auch auf sehr lange Wartezeiten vor allem für ambulante
Patienten.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Irritationen in ägyptisch-israelischen Beziehungen.
EU-Finanzhilfen an Palästinenserregierung bleiben ausgesetzt.
Libanon setzt bei Grenzsicherung auf deutsche Unterstützung
Di.06.03.07 - Eine Fernsehdokumentation über den Sechstagekrieg 1967 hat
Irritationen im ägyptisch-israelischen Verhältnis
ausgelöst. Kabinettsminister Binjamin Ben Elieser sagte einen
Besuch in Kairo ab, nachdem der israelische Film in den ägyptischen
Medien so dargestellt worden war, dass Ben Elieser als Kommandeur einer
israelischen Einheit auf der Sinai-Halbinsel 250 ägyptische
Kriegsgefangene habe erschießen lassen.
Ben Eliesers Sprecher Ronen Mosche teilte am Montag mit, obwohl die
Vorwürfe falsch seien, hätten beide Seiten den Termin
abgesagt. Die Atmosphäre sei für einen Besuch nicht geeignet
gewesen. Mosche wies die Darstellung der israelischen Zeitung
«Jediot Ahronot» zurück, Ben Elieser habe die Reise
abgesagt, weil er fürchte, Ägypten könnte versuchen, ihn
wegen Kriegsverbrechen festzunehmen.
Das ägyptische Außenministerium hatte am Sonntag den
israelischen Botschafter Schalom Cohen einbestellt. In einer am Abend
veröffentlichten Erklärung hieß es, Ägypten habe
«die Tötung von 250 ägyptischen Kriegsgefangenen
verurteilt, wie sie in einer israelischen Fernsehdokumentation
enthüllt wurde».
Der Dokumentarfilmer Ran Ederlist erklärte zu den Irritationen,
die ägyptischen Medien hätten seinen Film erheblich verzerrt.
In dem von ihm gezeigte Zwischenfall mit Ben Eliesers Einheit gehe es um
ein Gefecht mit palästinensischen Kämpfern. Es gebe keine
Situation mit ägyptischen Kriegsgefangenen, betonte er im
israelischen Militärrundfunk. «Was passierte, war eine
Schlacht zwischen (israelischen) Kämpfern gegen ein sich
zurückziehendes palästinensischen Kommando-Bataillon»,
sagte er. «Man kann sagen, dass in dieser Schlacht exzessive
Gewalt angewendet wurde. Das geschah aber immer im Kontext des Kriegs:
Es gab keine Gefangenen, kein Kriegsgefangenenlager, keine Männer
mit erhobenen Händen.»
Die EU ist noch nicht zur Wiederaufnahme der direkten Finanzhilfen an
die Palästinenserbehörde bereit. Man könne eine solche
Entscheidung noch nicht treffen, sagte EU- Außenkommissarin Benita
Ferrero-Waldner. Die EU hatte die direkten Finanzhilfen nach dem
Wahlsieg der radikalislamischen Hamas ausgesetzt.
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas und
Ministerpräsident Ismail Hanija haben sich noch immer nicht auf die
Bildung einer gemeinsamen Regierung geeinigt. Auch bei einem Treffen am
Sonntag habe keine Fortschritte gegeben, teilte Regierungssprecher
Gahsi Hamad nach dem dreistündigen Gespräch in Gaza mit.
Die beiden hofften, bis zum Ende der von Hanija für die Bildung
einer Regierung eingeräumten Frist in zwei Wochen eine Einigung zu
erzielen, erklärte der Sprecher weiter. Zuvor war von einem
möglichen Durchbruch noch in dieser Woche die Rede gewesen. Abbas
und Hanija verhandeln auf der Grundlage der Einigung, die Fatah und
Hamas im vergangenen Monat in Mekka erreicht hatten. Die
radikalislamische Hamas hatte am Samstag ihre Mitglieder für die
angestrebte neue Regierung benannt.
Zu Gesprächen über die Sicherung der libanesischen Grenze ist
der deutsche Innenstaatssekretär August Hanning am Montag mit
Regierungsvertretern in Beirut zusammengekommen. Es sei vor allem um
die deutsche Unterstützung für die Zoll- und
Grenzbehörden gegangen, erklärte Hanning nach dem Treffen mit
dem libanesischen Ministerpräsidenten Fuad Siniora. Diese Aufgaben
seien von großer Wichtigkeit für die Sicherheit im Libanon.
Die derzeitigen Maßnahmen bei der Sicherung der Landgrenzen
sollten später auch auf Häfen und den Luftfahrtbereich
ausgeweitet werden, sagte Hanning. Im vergangenen Monat stellte
Deutschland dem Libanon Geräte zur Grenzsicherung, darunter
Dokumenten-Scanner, im Wert von rund 380.000 Euro zur Verfügung.
Für die Sicherung des Flughafens in Beirut entsandte Deutschland
bereits im vergangenen Jahr Berater.
(Quellen: ap, dpa)
ElBaradei: IAEA kann Zweifel an Irans Atomprogramm nicht ausräumen
Di.06.03.07 - Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) kann nach den Worten
ihres Leiters Mohamed ElBaradei die internationalen Zweifel am
iranischen Atomprogramm nicht ausräumen, weil Teheran mit ihren
Inspektoren nicht kooperiert. Zur Eröffnung einer
IAEA-Direktoriumssitzung sagte ElBaradei am Montag in Wien, seine
Behörde sei nicht in der Lage, «die erforderliche
Bestätigung über die friedliche Natur des iranischen
Atomprogramms zu erteilen». Daran werde sich nichts ändern,
bevor Teheran die «die lange überfällige
Entscheidung» treffe, mit der IAEA zusammenzuarbeiten. Bis dahin
werde der internationalen Gemeinschaft nichts anderes übrig
bleiben, als ihre Sorge über die atompolitischen Aktivitäten
des Irans auszudrücken.
Es wird erwartet, dass die IAEA-Direktoren frühestens am Dienstag
über die Aussetzung Dutzender technischer Hilfsprogramme für
den Iran beraten. Die Maßnahme gehört zu den vom
Sicherheitsrat verhängten Sanktionen für die iranische
Weigerung, auf die Anreicherung von Uran zu verzichten.
(Quelle: ap)
USA und Nordkorea wollen Beziehungen normalisieren
Di.06.03.07 - Drei Wochen nach der Einigung bei den Atomgesprächen wollen
Nordkorea und die USA über eine Normalisierung ihrer Beziehungen
verhandeln. Bei der Gesprächsrunde in New York soll es um die
Aufnahme bilateraler Kontakte gehen, die langfristig in die Aufnahme
diplomatischer Beziehungen münden könnten. An der Spitze der
Delegationen stehen Christopher Hill und Kim Kye Gwan, die beiden
Verhandlungsführer der Atomgespräche. Die Runde soll bis
Dienstag dauern; konkrete Ergebnisse oder gemeinsame Erklärungen
sind nicht geplant.
Die am 13. Februar in Peking unterzeichnete Einigung sieht vor, dass
Nordkorea seine Atomaktivitäten still legt; im Gegenzug soll das
Land Hilfslieferungen erhalten, außerdem wurden ihm diplomatische
Beziehungen mit den USA in Aussicht gestellt.
(Quelle: afp)
Führung in Peking droht Taiwan mit Militär
Di.06.03.07 - China hat die neuen Unabhängigkeitspläne von Taiwans
Präsident Chen Shui-bian scharf verurteilt und indirekt eine
militärische Antwort angedroht. Außenminister Li Zhaoxing
protestierte vor Journalisten in Peking energisch gegen eine
überraschende politische Kehrtwende des taiwanesischen
Präsidenten.
Dieser strebt nun doch eine Unabhängigkeitserklärung und
kündigte an, den Namen der demokratischen Inselrepublik von
«Republik China» in Taiwan ändern zu wollen. Li
Zhaoxing sagte, wenn Chen Shui-bian die Unabhängigkeit wolle, werde
er «ein Verbrecher vor der Geschichte». Er werde aber
scheitern.
Der Außenminister verwies auf das Anti-Abspaltungsgesetz,
«das nicht nutzlos außer Acht gelassen wird», wie ihn
die Zeitung «Lianhe Zaobao» aus Singapur auf ihrer Webseite
zitierte. Das vor zwei Jahren angenommene Gesetz ermächtigt die
chinesische Volksbefreiungsarmee zu einem Militärschlag, falls sich
Taiwan von China ablösen oder einer Wiedervereinigung auf ewig
entziehen wolle. Die kommunistische Führung betrachtet Taiwan seit
1949 nur als abtrünnige Provinz.
«Taiwan muss die Unabhängigkeit anstreben, muss seinen Namen
ändern, muss eine neue Verfassung bekommen und Entwicklung
anstreben», hatte Taiwans Präsident am Vorabend in Taipeh
seine neue Politik vorgestellt. Die Unabhängigkeit solle angestrebt
werden, weil Taiwan längst ein souveräner Staat und
unabhängig von China sei. Mit der Namensänderung solle eine
Aufnahme in die Vereinten Nationen angestrebt werden. Mit seiner Rede
widerrief Chen Shui-bian sein aus Rücksicht auf die kommunistische
Führung in Peking und die USA gegebenes Versprechen bei seinem
Amtsantritt 2000, von einer solchen Unabhängigkeitserklärung
oder Namensänderung abzusehen.
Die Opposition in Taiwan übte scharfe Kritik. «Ich bin
geschockt», sagte der Hoffnungsträger der
nationalchinesischen Kuomintang für die Präsidentenwahl 2008,
Ma Ying-jeou. Die Volkspartei (PFP) verklagte den Präsidenten wegen
Landesverrats. Aus Angst vor neuen Spannungen mit der Volksrepublik
sackte die Börse in Taipeh um zwei Prozent, weil Kurse von
Unternehmen fielen, die Geschäfte mit China machen.
Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao ging auf der Jahrestagung des
Volkskongresses in Peking nicht direkt auf Chen Shui-bian ein und hielt
sich an seinen vorbereiteten Text. Unter dem starken Applaus der 3000
Delegierten erklärte Wen Jiabao aber den «energischen
Widerstand gegen alle Formen von Aktivitäten zur Abspaltung wie den
Ruf nach Unabhängigkeit für Taiwan durch Gesetzgebung».
China wolle die friedliche Wiedervereinigung.
Der Premier verteidigte die überdurchschnittliche Steigerung des
Militäretats in diesem Jahr um 17,8 Prozent. Die Streitkräfte
müssten unter anderem «Chinas Einheit» sichern und sich
auf moderne Kriegsführung unter hochtechnologischen Bedingungen
einstellen. Die massive Erhöhung war vom Sprecher des
Volkskongresses am Vortag auch mit den Unwägbarkeiten um Taiwan
begründet worden.
(Quelle: dpa)
US-Präsident Bush verspricht Lateinamerika Hilfe bei
Überwindung der Armut
Di.06.03.07 - Drei Tage vor Beginn einer Mittel- und Südamerikareise hat
US-Präsident George W. Bush ein umfangreiches Hilfsprogramm
für Lateinamerika angekündigt. Die USA würden zig
Millionen Dollar bereitstellen, um in der Region Bildung, Unterkunft
und Gesundheitsfürsorge zu verbessern, sagte Bush am Montag in
einer Rede vor Vertretern der US-Lateinamerikanischen Handelskammer in
Washington.
In einem Zeitalter wachsenden Wohlstandes und Überflusses sei die
Armut in Lateinamerika ein Skandal und eine Herausforderung,
erklärte der Präsident. Die USA fühlten sich
verpflichtet, den Menschen dabei zu helfen, sich aus der Armut zu
befreien.
Seit dem Amtsantritt von Bush im Jahr 2001 hat sich die Auslandshilfe
der USA für Lateinamerika auf etwa 1,6 Milliarden Dollar (1,2
Milliarden Euro) pro Jahr verdoppelt. Das Geld wurde für
Entwicklungs- und Militärhilfe sowie die Bekämpfung des
Drogenhandels ausgegeben. Größter Hilfsempfänger ist
Kolumbien, wobei das meiste Geld dort in die Bekämpfung des
Rauschgifthandels fließt.
Bush bricht am Donnerstag zu seiner einwöchigen Reise nach
Brasilien, Uruguay, Kolumbien, Guatemala und Mexiko auf.
(Quelle: ap)
Exministerpräsident des Kosovos vor Haager Kriegsverbrechertribunal
Di.06.03.07 - Der ehemalige Ministerpräsident des Kosovos, Ramush Haradinaj,
muss sich seit Montag vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag
verantworten. Chefanklägerin Carla Del Ponte nannte den
früheren Kommandeur der Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) zu Beginn des
Prozesse einen Banditen in Uniform, der für brutale Morde an der
serbischen Bevölkerung verantwortlich sei. Haradinaj und zwei
Mitangeklagten wird vorgeworfen, während des Kosovo-Kriegs von
1998 und 1999 Gräueltaten in 37 Fällen begangen zu haben.
«Diese drei Männer haben Blut an den Händen»,
sagte Del Ponte. Auch seien Zeugen der Anklage wiederholt bedroht
worden, so dass mehrere von ihnen große Angst vor einer Aussage
hätten. «Wenn vor diesem Gericht keine Zeugen auftreten,
muss ich die Anklage zurückziehen.»
Bei Haradinajs Mitangeklagten handelt es sich um seinen Stellvertreter
in der Region Dukagjin, Lahi Brahimaj, und den früheren Chef einer
Spezialeinheit, Idriz Balaj. Alle drei Angeklagten haben sich für
nicht schuldig erklärt. Den Ausführungen Del Pontes folgten
sie am Montag ohne sichtliche Regung. Bei einer Verurteilung droht
ihnen lebenslange Haft.
Haradinaj wurde nach dem Kosovo-Krieg Politiker und war 100 Tage
Ministerpräsident der nunmehr unter UN-Verwaltung stehenden
serbischen Provinz. Er trat im März 2005 zurück, nachdem das
UN-Tribunal Anklage gegen ihn erhoben hatte, und stellte sich dem
Gericht. Die Anklage erklärte, die Beschuldigten hätten nicht
alle Straftaten persönlich begangen. Sie seien aber verantwortlich
für eine Kampagne zur Vertreibung von Serben aus Dukagjin.
Haradinajs Kämpfer hätten gemordet, gefoltert und
vergewaltigt.
Haradinaj durfte bis zum Beginn des Prozesses im Kosovo bleiben,
während seine Mitangeklagten in Den Haag inhaftiert waren. Der
ehemalige Regierungschef genießt im Kosovo viel
Unterstützung. «Er fährt nach Den Haag nicht nur, um
sich selbst zu verteidigen, sondern auch, um unseren Freiheitskampf zu
verteidigen», sagte der amtierende Ministerpräsident Agim
Ceku.
Ankläger David Re wies darauf hin, dass beide Seiten
Gräueltaten verübt hätten. Wegen serbischer Verbrechen
habe sich aber beispielsweise Expräsident Slobodan Milosevic vor
dem Tribunal verantworten müssen. Mehreren weiteren serbischen
Angeklagten wird derzeit der Prozess in Den Haag gemacht.
(Quelle: ap)
Terrorverdacht bei Festgenommenen in Großbritannien meist
unbegründet
Di.06.03.07 - Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 sind in
Großbritannien mehr als 1.100 Menschen wegen Terrorverdachts
festgenommen worden. Mehr als die Hälfte von ihnen wurde aber
wieder auf freien Fuß gesetzt, ohne dass sie formell irgend eines
Vergehens beschuldigt wurden. Entsprechende Zahlen legte die Regierung
in London am Montag vor. Demnach wurden nur 40 der Festgenommenen wegen
terroristischer Straftaten verurteilt.
Im Zeitraum vom 11. September 2001 und 31. Dezember 2006 wurden
insgesamt 1.166 Personen in Großbritannien wegen Terrorverdachts
festgenommen, wie das Innenministerium mitteilte. 221 von ihnen wurden
formell terroristischer Straftaten beschuldigt, gegen 186 wurden andere
Vorwürfe erhoben. 652 der Festgenommenen wurden wieder
freigelassen, weil sich der Verdacht als unbegründet erwies.
Die britischen Sicherheitsdienste haben nach eigenen Angaben in den
vergangenen Jahren mehrere Anschläge im Land vereitelt. Ihnen wird
aber auch vorgeworfen, vor allem Muslime auf der Jagd nach Terroristen
ungerechtfertigt ins Visier zu nehmen.
(Quelle: ap)
UNO warnt vor Überfischung der Weltmeere
Di.06.03.07 - Die UN-Welternährungsorganisation (FAO) hat eindringlich vor einer
Überfischung der Weltmeere gewarnt und den mangelnden politischen
Willen zum Schutz bedrohter Fischbestände kritisiert. Manche Arten
wie Kabeljau, Heilbutt oder Blauflossen-Tunfisch seien stark
gefährdet, heißt es im Zweijahresbericht der FAO zur Lage der
Fischerei und Fischzucht weltweit. Der Fischfang hat demnach eine
Rekordmenge von 95 Millionen Tonnen pro Jahr erreicht - 85,8 Millionen
Tonnen Fische werden aus dem Meer gezogen, 9,2 Millionen Tonnen aus
Binnengewässern.
Insgesamt werden dem Bericht zufolge bereits mehr als die Hälfte
der Meeresfisch-Bestände (52 Prozent) so intensiv befischt, dass
eine Steigerung nicht mehr möglich ist. Von allen von der FAO
beobachteten Beständen in den Weltmeeren sind 17 Prozent
überfischt, und sieben Prozent gehen zurück. Ein Prozent der
Bestände erholt sich demnach von der Überfischung.
Betroffen sind vor allem Arten, die zwischen nationalen Hoheitsgebieten
wandern oder außerhalb dieser Zonen gefischt werden. Dazu
zählen mehr als die Hälfte der wandernden Hai-Arten und zwei
Drittel der wandernden Hochseebestände wie der Kabeljau, der
Heilbutt, der Blauflossen-Tunfisch oder der Riesenhai.
Überfischte Meere sind vor allem der Südostatlantik, der
Südostpazifik, der Nordostatlantik und damit die Nordsee sowie die
Lebensräume der Hochseetunfischarten im Atlantik und im Indischen
Ozean. In diesen Gebieten betrage der Anteil der überfischten
Bestände bereits 46 bis 66 Prozent.
Nötig seien Reformen, damit mehr Staaten regionale
Fischereiabkommen zum Schutz der Arten schlössen, fordert die FAO
in ihrem Bericht. Solche Abkommen seien der "einzig realistische Weg",
die Überfischung zu bekämpfen. Bei vielen dieser Abkommen sei
bei manchen Mitgliedern in den vergangenen Jahren aber ein Mangel an
politischem Willen festzustellen gewesen. Starre Positionen hätten
dazu geführt, dass die Ziele heruntergeschraubt werden mussten.
Die Tierschutzorganisation WWF forderte, mindestens zehn Prozent der
Meere unter Schutz zu stellen. Zudem müssten
umweltverträgliche Fangmethoden eingeführt werden. Große
Hoffnungen setzt der WWF in das blaue Siegel des "Marine Stewardship
Council": Es garantiert, dass nicht mehr Fisch gefangen wird als
nachwächst. Vier Prozent des Weltfischfangs trägt demnach
bereits dieses Öko-Zertifikat.
(Quelle: afp)
Bei EU-Gipfel droht Streit um Klimaschutz
Di.06.03.07 - Vor dem Gipfeltreffen der Europäischen Union Ende der Woche bahnt
sich ein Streit um den Klimaschutz an. Deutschlands Außenminster
Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte vor einem Treffen mit seinen
EU-Kollegen in Brüssel, einen Durchbruch werde es frühestens
beim Treffen der Staats- und Regierungschefs am Donnerstag und Freitag
geben. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft will die EU-Staaten auf
einen radikalen Klima-Aktionsplan einschwören.
Die EU müsse eine Vorreiterrolle in der Klimapolitik
übernehmen und werde einen Aktionsplan beschließen, der in
der Geschichte der EU einmalig sei, sagte Deutschlands Bundeskanzlerin
Angela Merkel (CDU) der "Süddeutschen Zeitung". Nach Informationen
des "Handelsblatts" ist im Entwurf der deutschen Regierung für den
EU-Gipfel das Ziel formuliert, den Kohlendioxid-Ausstoß bis zur
Jahrhundertmitte um 60 bis 80 Prozent zu verringern.
Merkel bezeichnete den Klimawandel als "ernsthaftes, lange andauerndes,
globales Problem, das nicht durch das übliche Tagesgeschäft
bezwungen werden kann". Bei dem angestrebten Klima-Aktionsplan handele
es sich nicht "um irgendeine Absichtserklärung".
Uneinig sind sich die EU-Staaten vor allem bei verbindlichen Zielen
für erneuerbare Energien. Deutschland unterstützt Pläne
der EU-Kommission, den Anteil von Energieträgern wie Sonne, Wind
und Biomasse bis 2020 verbindlich auf 20 Prozent zu steigern.
Frankreich, aber auch viele Staaten Osteuropas sind gegen den
verpflichtenden Ausbau erneuerbarer Energien. Auch die Rolle der
Atomenergie ist umstritten. Der luxemburgische Außenminister Jean
Asselborn rief die EU-Staaten auf, zum Erreichen der Ziele nicht in
erster Linie auf die Atomkraft zu setzen.
Wenn die Europäische Union dem Entwurf zum Klima-Aktionsplan
zustimme, werde Deutschland die Forderung nach einer drastischen
Verringerung des CO2-Ausstoßes auch im Rahmen seiner
G8-Präsidentschaft auf dem Gipfel der größten
Industrienationen und Russlands im Juni vertreten, berichtet das
"Handelsblatt". Für die EU sieht der 15-seitige Entwurf der Zeitung
zufolge eine Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes bis 2020 um 30
Prozent vor. Die EU-Staaten hatten Mitte Februar beschlossen, ihren
Treibhausgas-Ausstoß bis 2020 im Durchschnitt um ein Fünftel
zu verringern.
(Quelle: afp)
Koch warnt vor Beschädigung der deutschen Autoindustrie
Di.06.03.07 - In der Diskussion um schärfere Umweltauflagen hat der hessische
Ministerpräsident Roland Koch mehr Besonnenheit angemahnt. In der
«Bild»-Zeitung verwies der CDU-Politiker darauf, dass an der
Autoindustrie Millionen von Arbeitsplätze hingen und dass
andererseits gerade bei großen Autos enorme Exportchancen zum
Beispiel auf dem chinesischen Markt bestünden. «Wir
müssen aufpassen, dass unsere Navigation stimmt», zitierte
«Bild» Koch.
Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Ulrich
Kelber, sagte im Südwestrundfunk, jetzt müsse die Politik
starken Druck auf die Autoindustrie mit dem Ziel ausüben,
«endlich verbrauchsärmere Fahrzeuge anzubieten».
Zweitens müsse die steuerliche Absetzbarkeit der Nutzung von
Dienstwagen mit hohem Verbrauch deutlich verringert werden.
(Quelle: ap)
Wirtschaft verdoppelt Zusage für neue Ausbildungsplätze
Di.06.03.07 - Der 2004 von Regierung und Wirtschaft geschlossene Ausbildungspakt ist
um drei Jahre verlängert worden. Die Wirtschaft verdoppelte dabei
ihre Zusage für die Schaffung neuer Ausbildungsplätze von
30.000 auf 60.000 pro Jahr. Zusätzlich sagte sie zu, jährlich
40.000 Plätze für betriebliche Einstiegsqualifizierungen zu
schaffen - 15.000 mehr als bisher.
Mehrere Bundesminister sowie Vertreter der Arbeitgeberverbände,
des Bundesverbands der Deutschen Industrie, des Deutschen Industrie- und
Handelskammertages, des Handwerks und des Bundesverbands der Freien
Berufe unterzeichneten den Vertrag am Montag in Berlin.
Die Partner sehen den Ausbildungspakt als Erfolg, weil in den
vergangenen drei Jahren zahlreiche neue Ausbildungsplätze
entstanden seien. Allerdings waren trotzdem im Januar 2007 17.500
Jugendliche auf der Suche - 1.800 mehr als im Vorjahr.
(Quelle: ap)
Gekürzte Pendlerpauschale laut Finanzgericht verfassungswidrig
Di.06.03.07 - Die Kürzung der Pendlerpauschale ist nach Auffassung des
niedersächsischen Finanzgerichts verfassungswidrig. Das Gericht
veröffentlichte am Montag in Hannover einen Beschluss, mit dem die
Klage eines Ehepaares dem Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung
vorgelegt wird. Die Aussichten, dass die Pauschalenkürzung
tatsächlich gekippt wird, wurde unterschiedlich bewertet.
In dem Beschluss heißt es, die zum Jahreswechsel in Kraft
getretene Neuregelung, nach der Aufwendungen für Fahrten zwischen
Wohnung und Arbeitsstätte keine Werbungskosten mehr sind und erst
ab Entfernungen über 20 Kilometer wie Werbungskosten behandelt
werden, verstoße gegen den Gleichheitsgrundsatz des
Grundgesetzes. Die vom Gesetzgeber eingeführte
Härtefallregelung, nach der Aufwendungen für Fahrten zur
Arbeit ab dem 21. Kilometer wie Werbungskosten abgezogen werden
dürfen, führe nicht dazu, dass die generelle Umqualifizierung
der Aufwendungen verfassungsgemäß sei, stellten die Richter
fest.
Der Gesetzgeber habe zwar bei der Ausgestaltung der Steuergesetze einen
weiten Ermessensspielraum, betonten die Finanzrichter. Das Grundgesetz
gebiete ihm aber, wesentlich Gleiches gleich und wesentlich Ungleiches
ungleich zu behandeln. Die Besteuerung müsse sich daher am Prinzip
der finanziellen Leistungsfähigkeit und am Gebot der
Folgerichtigkeit ausrichten. Deswegen unterliege grundsätzlich nur
das Nettoeinkommen, der Saldo aus Erwerbseinnahmen und
Erwerbsaufwendungen der Einkommensteuer.
Obwohl ein Arbeitnehmer seinen Wohnsitz frei wählen könne,
seien die Aufwendungen für die Fahrten zur Arbeitsstätte
keine freiwilligen und privaten Aufwendungen, sondern würden
zwangsläufig auf den Arbeitnehmer zukommen, erklärten die
Finanzrichter. Bei einer Gesamtbetrachtung aller Steuerpflichtigen sei
es «tatsächlich unmöglich, dass jeder Arbeitnehmer
seiner Arbeit an seinem Wohnort nachgeht».
Bei der Neuregelung habe der Gesetzgeber zudem das Gebot der
Folgerichtigkeit nicht beachtet. Ein sachlicher Rechtfertigungsgrund
dafür, dass die ersten 20 Kilometer nicht mehr wie Werbungskosten
anerkannt werden, sei nicht ersichtlich, stellten die Richter fest. In
der Gesetzesbegründung werde als Grund dafür nur die
notwendige Haushaltskonsolidierung genannt. Allein dies rechtfertige
jedoch die gesetzliche Neuregelung nicht.
Nach Angaben eines Gerichtssprechers hofft der Senat, dass das
Bundesverfassungsgericht noch dieses Jahr über die Vorlage aus
Hannover entscheidet. Anlass für den Beschluss war die Klage eines
Ehepaars aus dem Nordwesten Niedersachsens. Das Ehepaar will erreichen,
dass sein Finanzamt einen höheren Freibetrag auf der
Lohnsteuerkarte einträgt, der weiter den gesamten Weg von der
Wohnung bis zur Arbeitsstätte steuermindernd berücksichtigt.
Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion, Carl-Ludwig Thiele,
sprach in der «Neuen Osnabrücker Zeitung»
(Dienstagausgabe) von einer Roten Karte für die Bundesregierung.
Der finanzpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Jörg-Otto Spiller,
geht hingegen davon aus, «dass die gekürzte Pendlerpauschale
in Karlsruhe bestehen wird». Die Vorschrift liege im Rahmen des
von Karlsruhe eingeräumten gesetzgeberischen
Gestaltungsspielraums, sagte Spiller dem Blatt.
(Quelle: ap)
Bleiberechts-Streit soll in den nächsten Tagen gelöst werden
- Noch keine Annäherung der Koalition bei Familienpolitik und
Mindestlohn
Di.06.03.07 - Die Koalition will den festgefahrenen Streit über das Bleiberecht
für bislang geduldete Ausländer erst in den nächsten
Tagen lösen. Nach rund dreistündigen Beratungen
verständigten sich Union und SPD am Montagabend darauf, dieses
Reizthema zu vertagen. Die Gespräche sollen in den kommenden Tagen
in kleiner Runde fortgesetzt werden, wie es aus Koalitionskreisen
hieß.
Die CSU-Spitze hatte sich vor dem Treffen bei Bundeskanzlerin Angela
Merkel unnachgiebig gezeigt. Sie wollte die Vereinbarung, wonach
langjährig geduldete Ausländer bis Ende 2009 Zeit für
die Arbeitssuche haben sollen, nicht mittragen. Die auf Bundesebene
geplante Regelung würde zwischen 700 Millionen und 1,3 Milliarden
Euro im Jahr kosten und abgelehnten Asylbewerbern die selben Leistungen
zukommen lassen wie jemandem, der 30 Jahre lang in die
Arbeitslosenversicherung einbezahlt habe, hatte die CSU argumentiert.
Generalsekretär Hubertus Heil warf der CSU daraufhin eine
Blockadehaltung vor und erklärte, der Kompromiss, den Bayern jetzt
wieder in Frage stelle, sei auch mit den Fachpolitikern der CSU
abgestimmt
Noch keine Annäherung erreichten die Koalitionspartner bei den
weiteren strittigen Themen Familienpolitik und Mindestlohn. Die SPD
hatte in der vergangenen Woche ihr Finanzierungskonzept für den
Ausbau der Kleinkinderbetreuung vorgelegt. Sie will dafür eine
Kindergelderhöhung nutzen und das Ehegattensplitting ändern.
Dieser Vorschlag wird von der Union als ungerecht abgelehnt. Die Union
müsse dringend ein Finanzierungskonzept vorlegen, und zwar noch
vor Ostern, verlangte daraufhin Heil.
Beim Thema Mindestlöhne hatte Vizekanzler Franz Müntefering
die Erwartung geäußert, dass die Union ihren Widerstand
aufgibt. Nach den Vorstellungen des Vizekanzlers besteht bei
Fleischern, Friseuren, im Einzelhandel, im Hotel- und
Gaststättenwesen, im Bewachungsgewerbe und bei Postdiensten
besonderer Handlungsbedarf. In diesen Branchen favorisiert
Müntefering branchenspezifische Mindestlöhne.
(Quelle: ap)