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Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhunderteinundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mindestens 100 Tote bei Angriffen auf schiitische Pilger in Hilla. Neun
US-Soldaten bei Bombenanschlägen getötet - Seit Kriegsbeginn
verloren mindestens 3.184 amerikanische Soldaten im Irak ihr Leben. UNO
richtet Flüchtlingsbüro für Irak in Jordanien ein.
US-Soldat wegen Fahnenflucht zu acht Monaten Haft verurteilt
Mi.07.03.07 - Auf ihrer Pilgerreise von Bagdad nach Kerbela sind am Dienstag
mindestens 100 Schiiten getötet worden. In Hilla, rund 100
Kilometer südlich der Hauptstadt, sprengten sich zwei
Selbstmordattentäter inmitten ihrer Gruppe in die Luft. Etwa 150
Menschen wurden verletzt. Die Polizei erklärte, es habe noch
weitere Bombenanschläge gegeben. Außerdem sei mehrfach auf
Pilger geschossen worden, die zu Fuß unterwegs gewesen seien.
Auch in Bagdad wurden Schiiten das Ziel tödlicher Angriffe. Im
südlichen Stadtviertel Dora wurden acht Pilger in ihrem Kleinbus
erschossen, zwei weitere fielen in der Nähe einem
Autobombenanschlag zum Opfer. Im Stadtteil Jarmuk wurden fünf
Schiiten bei der Detonation von zwei Sprengsätzen in den Tod
gerissen, mehr als ein Dutzend wurden verletzt.
Die amerikanischen Streitkräfte wurden Ziel von zwei schweren
Anschlägen, die neun Soldaten das Leben kosteten. Ein
Militärsprecher erklärte, es habe sich um Angehörige
einer Sondereinheit gehandelt. Für die US-Streitkräfte war es
der verlustreichste Tag seit Anfang Februar. Seit Beginn des Krieges im
März 2003 wurden nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP
mindestens 3.184 US-Soldaten im Irak getötet.
Ein 21-jähriger britischer Soldat erlag seinen Schussverletzungen,
die er in der vergangenen Woche bei einem Angriff unweit von Basra
erlitten hatte. Die britischen Streitkräfte haben seit Beginn des
Irak-Kriegs 134 Soldaten verloren.
Ziel der Gewalt waren am Dienstag nicht nur Pilger: In einem
südöstlichen Vorort von Bagdad explodierte eine Autobombe in
der Nähe eines Polizeikonvois und tötete fünf Beamte.
Bei einem ähnlichen Anschlag weiter südlich kam ein
Polizeikommandeur ums Leben.
Die US-Streitkräfte setzten ihre Razzien im schiitischen Bagdader
Stadtteil Sadr City fort. Rund 600 Soldaten durchsuchten den Nordwesten
des Gebiets. US-Präsident George W. Bush erklärte, bei der
Sicherheitsoffensive seien schon bedeutende Fortschritte erzielt
worden. Für eine ausführlichere Bewertung sei es aber noch zu
früh.
Das irakische Parlament konnte am Dienstag mangels Anwesenheit der
Abgeordneten nicht zusammentreten. Nur rund ein Dutzend der 275
Parlamentarier kam zu der Sitzung in der Grünen Zone von Bagdad.
Aus Regierungskreisen verlautete, ein weiterer Versuch werde wohl erst
in der kommenden Woche unternommen.
Die Vereinten Nationen kündigten unterdessen die Eröffnung
eines Büros in Jordanien an, um die fast zwei Millionen irakischen
Flüchtlinge besser unterstützen zu können. Der neue
Leiter des UN-Büros für die Koordinierung Humanitärer
Angelegenheiten, John Holmes, sagte am Dienstag in Amman, sowohl die
Flüchtlinge außerhalb des Iraks als auch im Land selbst
stünden vor großen Schwierigkeiten. Das neue Büro soll
mit zehn Mitarbeitern besetzt sein. Nach Schätzungen sind 1,8
Millionen Menschen aus dem Irak geflohen, die meisten von ihnen in die
Nachbarländer Syrien und Jordanien.
Ein US-Soldat, der sich einem Einsatzbefehl für den Irak
verweigert hatte, ist von einem US-Militärgericht in Würzburg
zu acht Monaten Haft verurteilt worden. Das Tribunal sprach den
35-jährigen Agustin Aguayo nach Angaben eines
US-Militärsprechers der Fahnenflucht schuldig. Laut Urteil wird
Aguayo in Unehren aus den US-Streitkräften entlassen. Er verliert
zudem seine Bezüge.
Aguayo hatte sich im vergangenen Jahr geweigert, einem Befehl zum
Einsatz im Irak zu folgen. Der in Deutschland stationierte Soldat
bemüht sich bereits seit drei Jahren vergeblich um seine
nachträgliche Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer.
Der in Mexiko geborene und im Alter von drei Jahren mit seiner Familie
in die USA gezogene Aguayo hatte sich wie viele junge Männer kurz
nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 freiwillig zum
Dienst in der Armee gemeldet. Im Februar 2004 beantragte er dann die
Entlassung. Doch noch während der Prüfung seines Antrages
wurde er in den Irak entsandt, wo er als Sanitäter eingesetzt war.
Nachdem im vergangenen Jahr sein Antrag auf Entlassung aus der Armee
abgelehnt worden war, sollte der verheiratete Vater von zwei Kindern
erneut in den Irak abkommandiert werden.
Aguayo weigerte sich jedoch, dem Befehl zu folgen, und floh
schließlich. Gut drei Wochen danach stellte er sich der Armee und
wurde zurück nach Deutschland gebracht. Dort ist er derzeit auf
einem US-Stützpunkt bei Mannheim in Haft. Er hat von seiner
achtmonatigen Haftstrafe bereits 161 Tage abgesessen. Parallel zu dem
Militärprozess läuft in den USA auch ein zivilrechtliches
Verfahren, in dem sich Aguayo um eine Anerkennung seiner
Kriegsdienstverweigerung bemüht.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 07.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertundsiebzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.07.03.06 - Iraks Parlament soll sich am Sonntag konstituieren +++ Mindestens sechs
Tote bei Anschlag auf Markt in Bakuba. +++ Sunnitischer Stammesführer
und drei Schiiten in Hawidscha getötet +++ Britischer Truppenabzug aus
Irak bis Sommer 2008...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0603070.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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NATO beginnt Frühjahrsoffensive gegen Taliban in Afghanistan
Mi.07.03.07 - Im umkämpften Süden Afghanistans hat die Internationale
Schutztruppe (ISAF) am Dienstag eine Frühjahrsoffensive gegen die
Taliban begonnen. Die unter NATO-Befehl stehende ISAF teilte mit, die
ersten Kräfte der «Operation Achilles» hätten in
der Provinz Helmand Stellung bezogen.
Auf dem Höhepunkt werde die zeitlich unbefristete Operation mehr
als 4500 ISAF-Soldaten und knapp 1000 afghanische
Sicherheitskräfte umfassen. Die Taliban, die ebenfalls eine
Frühjahrsoffensive und Selbstmordanschläge angekündigt
haben, drohten mit Gegengewalt. In Helmand halten die Taliban nach
eigenen Angaben einen Briten fest. Auch ein seit Sonntag vermisster
italienischer Journalist soll von den Taliban entführt worden sein.
Rebellensprecher Kari Mohammad Yousif Ahmadi sagte, in Helmand und der
Nachbarprovinz Kandahar stünden mehr als 10 000 bewaffnete
Taliban-Kämpfer bereit. «Es ist eine gute Nachricht, dass
die Soldaten aus ihren Militärstützpunkten kommen werden. Das
macht die Arbeit für unsere Mudschaheddin einfacher.» Die
Schutztruppe teilte mit, ein ISAF-Soldat sei am Dienstag bei
Kämpfen im Süden Afghanistans getötet worden. Nach
ISAF-Angaben sind britische, kanadische, niederländische und
amerikanische Soldaten an der Offensive beteiligt.
Zu dem festgehaltenen Briten sagte Taliban- Sprecher Ahmadi, dieser
habe gestanden, als Journalist getarnt Geheimdienstinformationen
für die britischen Truppen gesammelt zu haben. «Sein
Schicksal wird bald vom Taliban-Führungsrat entschieden
werden.»
Der vermisste Italiener war in der früheren Taliban-Hochburg
Kandahar unterwegs, wie dessen Zeitung «Repubblica»
mitteilte. Auch im Fall des Journalisten Daniele Mastrogiacomo
hätten die Taliban erklärt, er befinde sich in ihrer Hand,
meldete die Zeitung auf ihrer Webseite unter Berufung auf einen
Rebellen-Sprecher. Ministerpräsident Romano Prodi und
Außenminister Massimo D'Alema verfolgten die Situation
persönlich, hieß es.
ISAF-Sprecher Tom Collins sagte am Dienstag in Kabul, mit der
«Operation Achilles» solle in Gegenden mit Taliban,
Drogenhändlern und ausländischen Terroristen Sicherheit
geschaffen werden. «Wenn die Sicherheitslage verbessert ist,
werden wir mit kurz- und langfristigen Wiederaufbauprojekten
beginnen.» Diese würden Arbeit und wirtschaftliche
Entwicklung schaffen. Collins bat die afghanische Bevölkerung
ausdrücklich um Unterstützung, die die ISAF und die
afghanische Regierung nun «mehr denn je» benötigten.
In den vergangenen Tagen hatten zivile Opfer bei Einsätzen
ausländischer Soldaten zu wachsendem Unmut bei den Afghanen
geführt.
Collins betonte, «Achilles» sei eine bedeutende
Militäroffensive. In den kommenden Monaten würden aber noch
weitere Operation anlaufen, die den Einfluss der Kabuler Regierung
«in neue Gebiete» ausdehnen und Bedingungen für
Wiederaufbau und Entwicklung schaffen sollten. Derzeit sind rund 35 000
ISAF-Soldaten und 12 000 Soldaten der US- geführten
Koalitionstruppen in Afghanistan. Die deutschen Bundeswehr stellt mit
knapp 3000 Soldaten das drittgrößte ISAF-Kontingent.
Deutsche Bodentruppen sind in Südafghanistan aber nicht eingesetzt.
Im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan töteten
mutmaßliche Extremisten zwei Männer, denen sie vorwarfen,
für die USA zu spionieren. Die Zeitung «Dawn»
berichtete am Dienstag, an den mit Schusswunden übersäten
Leichen seien Schreiben gefunden worden, in denen davor gewarnt werde,
dass «amerikanische Spione dasselbe Schicksal» erleiden
würden. In den vergangenen Wochen waren mehrere Männer in
Pakistan von Extremisten wegen angeblicher Spionage getötet worden.
Das bislang größte deutsche Wiederaufbauprojekt im
umkämpften Süden Afghanistans ist planmäßig und
ohne Zwischenfälle beendet worden. Drei Monate nach Baubeginn
wurde die von der Bundesregierung finanzierte Straße in der
Provinz Kandahar «völlig unbehelligt von
Aufständischen» fertiggestellt, wie der Regionaldirektor der
GTZ- International Services in Afghanistan, Hans-Hermann Dube, am
Dienstag bestätigte.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Israels Ministerpräsindent Olmert und
Palästinenserpräsident Abbas kündigen weiteres
Gipfeltreffen an
Mi.07.03.07 - Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert und der
palästinensische Präsident Mahmud Abbas wollen in der
kommenden Woche zum zweiten Mal innerhalb eines Monats zu einem
Gipfeltreffen zusammenkommen. Das kündigte Olmerts Sprecherin am
Dienstag in Jerusalem an. Im Mittelpunkt des Gesprächs sollten
humanitäre Fragen stehen, sagte Miri Eisin. Es sei wichtig, den
Kommunikationskanal offen zu halten. Ein genauer Termin für die
Unterredung stehe noch nicht fest.
Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat sagte,
beide Seiten hätten ihre Vorbereitungen für das Treffen noch
nicht abgeschlossen. Man hoffe, dass es «in naher Zukunft»
stattfinden könne. Olmert und Abbas waren zuletzt am 19. Februar
zusammengekommen. An dem Gespräch, das ohne greifbares Ergebnis zu
Ende ging, nahm auch US-Außenministerin Condoleeza Rice teil. Die
israelische Zeitung «Maariv» berichtete am Dienstag, jetzt
sei ein Zweiertreffen geplant. Möglicherweise wolle sich Rice aber
noch im März wieder in die Verhandlungen einschalten und mit Olmert
und Abbas getrennt sprechen.
Bei dem bevorstehenden Treffen wolle sich Olmert vor allem um eine
weitere Verbesserung seines persönliches Verhältnisses zu
Abbas bemühen, berichtete «Maariv» weiter.
Außerdem wolle er ihn von dem Vorhaben abbringen, eine
Einheitsregierung mit der radikalislamischen Hamas zu bilden. Die
Koalitionsvereinbarung zwischen der Hamas und Abbas' Fatah kommt der
internationalen Forderung nach einer Anerkennung Israels nicht nach.
Abbas und der palästinensische Ministerpräsident Ismail
Hanija konnten sich trotz der Vereinbarung bislang nicht auf ein
gemeinsames Kabinett verständigen. Hauptstreitpunkt ist die
künftiges Besetzung des Innenministeriums. Ein Gespräch
zwischen Abbas und Hanija über diese Frage verlief am Montag ohne
Ergebnis.
(Quelle: ap)
Zuversicht nach ersten Gesprächen zwischen USA und Nordkorea
Mi.07.03.07 - Die USA und Nordkorea haben die erste Gesprächsrunde über
eine Normalisierung ihrer Beziehungen am Dienstag abgeschlossen. Der
Unterstaatssekretär im US-Außenministerium, Christopher
Hill, sagte nach zwei Treffen mit dem nordkoreanische
Vizeaußenminister Kim Kye Gwan in New York, er habe den Eindruck,
«dass wir auf dem richtigen Weg sind».
Die Verhandlungen über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen
waren im Februar in den Sechsparteiengesprächen in Peking
vereinbart worden. Dort sagte Pjöngjang zu, innerhalb von 60 Tagen
seinen einzigen funktionierenden Atomreaktor abzuschalten. Dafür
wurde dem verarmten Land auch wirtschaftliche Hilfe zugesagt.
Hill sagte am Dienstag, er sei optimistisch, dass die Ziele in der
60-Tage-Frist erreicht werden könnten. Auch Kim äußerte
sich zufrieden. Die Gespräche in New York seien in «sehr
guter, konstruktiver und ernsthafter Atmosphäre»
geführt worden, sagte der Chefunterhändler für das
Atomprogramm seines Landes.
(Quelle: ap)
Britischer Parlamentsbericht kritisiert Blairs Atomwaffen-Pläne
Mi.07.03.07 - Ein britischer Parlamentsbericht hat die Modernisierungspläne der
Regierung für die Atomstreitkräfte des Landes kritisiert. Das
30-Milliarden-Euro-Programm von Premierminister Tony Blair könnte
von Regimen, die illegal nach Atomwaffen strebten, als Rechtfertigung
missbraucht werden, heißt es in einem am Mittwoch
veröffentlichten Bericht des Verteidigungsausschusses im
Unterhaus. Das Parlament will in der nächsten Woche über den
Plan abstimmen.
Mit der Begründung, Großbritannien brauche eine nukleare
Abschreckung gegen künftige Bedrohungen von Schurkenstaaten oder
Terroristen, könne Blair den Bemühungen schaden, die
Weiterverbreitung von Atomwaffen zu verhindern, hieß es weiter.
Die angekündigte Verkleinerung des britischen Nukleararsenals von
200 auf 160 Sprengköpfe werde kaum operationelle Auswirkungen
haben. Blair hatte im Dezember seine Pläne zur Modernisierung der
mit Atomwaffen bestückten U-Boot-Flotte vorgestellt.
(Quelle: ap)
Mehr als 1.000 Medienvertreter im vergangenen Jahrzehnt getötet
Mi.07.03.07 - Mehr als 1.000 Journalisten und ihre Mitarbeiter sind im vergangenen
Jahrzehnt bei der Ausübung ihres Berufs getötet worden. Die
meisten Opfer waren im Irak, in Russland und in Kolumbien zu beklagen,
wie aus einem am Dienstag in London veröffentlichten Bericht
hervorgeht. Zusammengestellt wurde er vom internationalen Institut
für Mediensicherheit (INSI) mit Sitz in Brüssel. Demnach zog
nur jeder achte gewaltsame Tod ein Gerichtsverfahren nach sich.
Das verlustreichste Jahr für die Medien war 2006, als insgesamt
167 Reporter und deren Mitarbeiter ums Leben kamen. 2005 waren es 147,
im Jahr davor 117. Hier spielte vor allem der Irak-Krieg eine
große Rolle. 2001, dem Jahr der Anschläge vom 11. September,
wurden 103 getötete Journalisten registriert. 1996, dem ersten
Jahr des Berichtszeitraums, lag die Zahl bei 83.
Die meisten Getöteten waren der Studie zufolge männlich und
fest angestellt. Auch kamen sie überwiegend in ihrem eigenen
Heimatland gewaltsam ums Leben. Etwa die Hälfte der Opfer wurde
erschossen. Andere wurden in die Luft gesprengt, zu Tode geprügelt
oder gefoltert, erstochen oder enthauptet. Meist handelte es sich dabei
um gezielte Angriffe. Betroffen waren Journalisten ebenso wie ihre
Übersetzer, Fahrer und Büroangestellten.
Im Irak kamen im vergangenen Jahrzehnt insgesamt 138 Medienvertreter
ums Leben, in Russland 88, in Kolumbien 72. Andere besonders
gefährliche Länder für Journalisten sind laut INSI die
Philippinen und der Iran sowie Indien, Algerien, Pakistan und die
Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens.
INSI-Direktor Rodney Pinder verwies bei der Vorstellung des Berichts
insbesondere auf die Lage in Russland. Dort kam erst am vergangenen
Freitag der Journalist Iwan Safronow beim Sturz aus einem Fenster im
fünften Stock ums Leben. Seine Kollegen sprachen von einem
Mordanschlag. Im vergangenen Oktober wurde Anna Politkowskaja, eine
scharfe Kritikerin der russischen Tschetschenien-Politik, in Moskau
erschossen.
Der Präsident der Nachrichtenagentur AP, Tom Curley, sprach von
einem bahnbrechenden Bericht. Er zeige, wie gefährlich die Arbeit
von Journalisten vielerorts geworden sei und wie selten die Angreifer
zur Rechenschaft gezogen würden. «Wir stehen an einem echten
Gefahrenpunkt des Journalismus», sagte Curley. «Faire und
akkurate Berichterstattung ist notwendiger denn je, aber die Risiken
für diejenigen, die diese Aufgabe erfüllen, ist ebenfalls
größer denn je.»
(Quelle: ap)
Mädchen kämpfen weltweit für mehr Rechte
Mi.07.03.07 - Ein 16 Jahre altes Mädchen aus Nepal schildert unter Tränen
die harte Arbeit in einer Streichholzfabrik. Eine 18-jährige
Jordanierin berichtet über Gewalt gegen Mädchen in
ländlichen Gegenden ihrer Heimat. Eine ehemalige Kindersoldatin aus
dem Kongo, gerade 15 Jahre alt, erzählt weinend eine
Schreckensgeschichte von langjähriger sexueller Ausbeutung. Dies
sind Schicksale, die in vielen Teilen der Welt jeden Tag aufs Neue
anzutreffen sind.
Rund 200 junge Mädchen waren dieser Tage zu einer Konferenz der
UN-Frauenrechtskommission nach New York eingeladen, um über ihr
Leben unter widrigsten Bedingungen zu berichten. Viele von ihnen kamen
bei dieser Veranstaltung zum Weltfrauentag immer wieder auf leidvolle
bis grausame Erfahrungen zu sprechen: das Verbot, eine Schule zu
besuchen, Kinderarbeit, Menschenhandel, Vergewaltigung,
Zwangsprostitution und Aids.
Sunita Tamang aus Nepal hatte eine klare Botschaft an die Regierungen
der Welt: Wenn Kinder schon arbeiten müssten, was schlimm genug
sei, dann sollten sie zumindest parallel dazu eine freie Schulbildung
erhalten. Und vor allem Mädchen müssten hierbei
unterstützt werden. In vielen Teilen der Welt, so auch in ihrem
Heimatland, herrsche immer noch die Ansicht vor, dass gebildete
Mädchen einer Familie nur Schande brächten.
Tamang musste schon früh arbeiten, weil ihre alleinerziehende
Mutter kein Geld hatte, um die Kinder zu ernähren. Die heute
16-Jährige hatte jedoch das Glück, dass das Kinderhilfswerk
UNICEF in ihrer Nähe ein Unterrichtsprojekt startete. So konnte sie
vormittags zur Schule gehen und nachmittags in der Streichholzfabrik
arbeiten. Tamang hat sich jetzt mit anderen Jugendlichen
zusammengeschlossen, um für bessere Bildungschancen in Nepal zu
kämpfen.
An einer ähnlichen Kampagne in Jordanien ist die Studentin
Golfidan Chader Al Abassi beteiligt. «Ich hoffe, dass Mädchen
in Kürze dieselben Möglichkeiten haben wie Jungen»,
sagt die 18-Jährige. «Mädchen haben ein ungeheures
Potenzial. Wenn man ihnen nur die Chance gäbe, sich zu behaupten,
dann würden sie Enormes leisten.» Davon will Al Abassi ihre
Landsleute und die ganze Welt überzeugen.
Die 15-jährige Madeleine, die aus Angst vor ihren früheren
Peinigern ihren Nachnamen nicht nennen will, hat von allen
Teilnehmerinnen der UN-Konferenz das wohl grausamste Schicksal hinter
sich. Als Elfjährige wurde sie von der Mai-Mai-Miliz im Osten des
Kongos als Kindersoldatin rekrutiert. Sie musste an der Front
kämpfen und den Milizführern zugleich als Sexsklavin zur
Verfügung stehen. An die Weltgemeinschaft hat sie vor allem eine
Forderung - die Verantwortlichen vor dem Internationalen
Strafgerichtshof zur Rechenschaft zu ziehen.
Dass es mitunter auch Positives über das Schicksal von
Mädchen in Dritte-Welt-Ländern zu berichten gibt, zeigt das
Beispiel von Chinyanta Chimba aus Sambia. Ihre alleinerziehende Mutter
war entschlossen, ihrer Tochter einen Schulbesuch zu ermöglichen,
selbst wenn sie dafür hungern musste. Die heute 17-Jährige ist
jetzt Präsidentin einer Schülergruppe zur Förderung der
Bildungschancen von Mädchen und organisiert Fortbildungsprogramme.
Unter anderem wollen Chimba und ihre Freundinnen die sexuelle
Aufklärung verbessern, um der Ausbreitung von Aids in Sambia
entgegen zu wirken. Ferner geht es ihnen darum, die traditionellen
Vorurteile gegen Mädchen und Frauen abzubauen und den Ausbruch aus
Rollenklischees zu ermöglichen. «Mädchen sollen wissen,
dass sie Rechte haben, und es ist an der Zeit, dass alle jungen
Mädchen aufstehen und sich Gehör verschaffen», sagt die
engagierte 17-Jährige.
Für ihr eigenes Leben hat sich Chimba zwei Ziele gesetzt:
«Zuerst will ich Ärztin werden, und später will ich dann
der erste weibliche Generalsekretär der Vereinten Nationen
sein.»
(Quelle: ap)
Türkei will weibliche Islam-Geistliche in allen 81 Provinzen
Mi.07.03.07 - Alle 81 Provinzen der Türkei sollen weibliche islamische
Geistliche erhalten. Die Entsendung weiblicher Vize-Muftis ins ganze
Land sei weltweit einzigartig, sagte der Chef des türkischen
Religionsamtes, Ali Bardakoglu, der englischsprachigen Zeitung "Today's
Zaman". Damit sollten die Frauenrechte gestärkt werden. Schon jetzt
sei das Religionsamt in der Türkei die staatliche Organisation mit
dem höchsten Frauenanteil: Von den Imamen in den Moscheen
abgesehen, seien mehr als 40 Prozent der Mitarbeiter im Amt Frauen.
Bei Neueinstellungen würden Frauen bevorzugt, sagte Bardakoglu.
Der Chef des Religionsamtes gilt als islamischer Reformer und setzt sich
unter anderem auch für die Bekämpfung der so genannten
Ehrenverbrechen ein.
In dem aus Anlass des Internationalen Frauentages am 8. März
geführten Interview wandte sich Bardakoglu gegen den Eindruck, dass
der Islam frauenfeindlich sei. Der Islam sehe Mann und Frau als
gleichberechtigt an, sagte er. Frauenrechte hätten für den
Islam zentrale Bedeutung. Leider sei dies aber immer noch nicht
verwirklicht. Bardakoglu forderte die Männer in der Türkei
insbesondere auf, ihren Töchtern das Recht auf Bildung nicht zu
verweigern. Mehrere hunderttausend Mädchen in der Türkei
werden von ihren Eltern nicht zur Schule geschickt.
(Quelle: afp)
Merkel will für EU Vorreiterrolle beim Klimaschutz
Mi.07.03.07 - Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel sieht die EU in einer weltweiten
Vorreiterrolle beim Klimaschutz. Sie sei den anderen Staaten und der
EU-Kommission dankbar, dass diese zu weit reichenden Schritten bereit
seien, sagte die CDU-Politikerin in einem Interview der
«Financial Times», das auch in der deutschen Ausgabe
veröffentlicht werden sollte. «Europa positioniert sich als
Vorreiter», hieß es in der Vorabmeldung. Über die
Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen um 20 Prozent bis 2020
gegenüber 1990 bestehe Einigkeit, wurde Merkel zitiert.
Die Kanzlerin betonte damit die historische Dimension der ersten
gemeinsamen Energiestrategie der EU. «Das ist für mich ein
sehr großer Paradigmenwechsel.» Merkel plädierte
für möglichst konkrete Festlegungen der Staats- und
Regierungschefs. Man sei sich über das Ziel, den Anteil
erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch auf 20 Prozent zu
erhöhen, im Prinzip einig.
Merkel will laut Vorabmeldung Skeptiker wie Frankreich überzeugen,
indem sie eine Lastenteilung verspricht, bei der die besondere Lage
jedes Landes berücksichtigt wird. «Es gibt Länder wie
Schweden, die schon über 25 Prozent Anteil an erneuerbaren
Energien haben, und andere wie Malta, die unter einem Prozent liegen.
Das wird der nächste Schritt der Verhandlungen.»
Mit der Festlegung auf EU-Ebene will die Kanzlerin laut
«FTD» die anstehenden Verhandlungen über eine
weltweite Klimaschutzstrategie voranbringen. Beim G-8-Gipfel in
Heiligendamm wolle sie ein Signal der versammelten Staats- und
Regierungschefs erreichen. «Wir werden versuchen, die politische
Verpflichtung in die Arbeit und die Schlussfolgerungen des Gipfels in
Heiligendamm einzubringen», wurde Merkel zitiert. Aus den USA und
China gebe es bereits ermutigende Signale.
(Quelle: ap)
BDI-Präsident warnt vor ehrgeizigen Klimazielen
Mi.07.03.07 - Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat Kanzlerin Angela
Merkel davor gewarnt, beim EU-Gipfel zwingende Klimaziele
durchzusetzen. «Ich warne klar davor, solche Ziele einseitig
festzuschreiben», sagte BDI-Präsident Jürgen Thumann
der «Frankfurter Rundschau» laut Vorabmeldung. Das
vorgeschlagene Ziel, den Kohlendioxid-Ausstoß bis 2020 EU-weit um
mindestens 20 Prozent zu senken, sei äußerst ehrgeizig.
«Man kann es anpeilen, aber nicht verbindlich machen»,
sagte der BDI-Chef.
Thumann verwies darauf, dass Deutschland allein bereits 75 Prozent der
Treibhausgas-Reduzierung bringe, die die EU im Kyoto-Protokoll für
das Jahr 2012 zugesagt hat. «Nun sollen wir noch mehr aufgepackt
bekommen. Man hat den Eindruck: Der Klassenerste soll jetzt auch noch
zusätzlich bestraft werden, in dem er noch mehr bringen muss als
alle andern. Das kann nicht sein.»
Der BDI-Chef forderte, die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke um
zehn Jahre zu verlängern, um mehr Zeit für die Umstellung auf
erneuerbare Energien und CO2-freie Kohlekraftwerke zu haben. Er verwies
darauf, dass die deutschen Kraftwerke laut Atomkonsens nur 32 Jahre am
Netz bleiben sollen, während die Laufzeiten in den USA und
Frankreich 60 Jahre betrügen. Zehn Jahre mehr seien eine moderate
Frist.
Die Themen Energie und Klima stehen im Mittelpunkt des EU-Gipfels am
Donnerstag und Freitag in Brüssel. Dabei soll der Ausbau der
erneuerbaren Energien auf 20 Prozent am Gesamtenergiemix bis 2020 sowie
die Reduzierung der Treibhausgase um 20 Prozent gemessen an den Werten
von 1990 festgeschrieben werden.
(Quelle: ap)
Französische Airbus-Mitarbeiter protestieren gegen Sparplan
Mi.07.03.07 - Aus Protest gegen den Sparplan bei Airbus haben tausende
Beschäftigte des Flugzeugbauers in Frankreich am Dienstag die
Arbeit niedergelegt. Mindestens 12.000 Menschen gingen am Airbus-Sitz in
Toulouse gegen den Sparplan "Power8" auf die Straßen. Der
vergangene Woche vorgestellte Plan für Airbus sieht in Frankreich
innerhalb von vier Jahren die Streichung von 4300 Arbeitsplätzen
vor, davon 1100 in Toulouse. Angesichts der Airbus-Krise schlug
Frankreich als Großaktionär des Mutterkonzerns EADS unter
anderem eine Reform der deutsch-französischen Doppelspitzen vor.
An einer Großkundgebung im Zentrum von Toulouse nahmen zahlreiche
Beschäftigte des Flugzeugbauers in blauen Arbeitsanzügen mit
Fahnen und Transparenten teil. Auch die Chefs aller großen
französischen Gewerkschaften waren in dem Zug zu sehen. Die Arbeit
sollte in Toulouse bis zum Nachmittag ruhen, ebenso in den Airbus-Werken
in Saint-Nazaire und Nantes im Westen Frankreichs sowie im
nordfranzösischen Méaulte.
Kritik in Frankreich gibt es daran, dass in Deutschland mit 3700 Jobs
weniger Stellen wegfallen sollen als in französischen Werken. Die
französische Mehrheitsgewerkschaft Force Ouvrière (FO)
schloss deshalb einen längeren Airbus-Streik und Blockaden der
Flugzeugproduktion nicht aus, wenn die Firmenleitung nicht zu einer
Neuverteilung der Einschnitte auf beide Länder bereit ist.
Der französiche Ko-Vorsitzende des Europäischen
Airbus-Betriebsrates, Jean-François Knepper, kündigte im
Radiosender Europe 1 einen internationalen Protesttag gegen den Sparplan
für den 16. März in Brüssel an.
Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Thierry Breton erinnerte
daran, dass es bei EADS zwei Ko-Verwaltungsratschefs und zwei
Ko-Vorstandschefs gibt. Bei dem Unternehmen sei es nunmehr "vielleicht
wichtig, gelassen über die Möglichkeit zu diskutieren,
mittelfristig nur noch einen" zu haben.
Bislang sind Deutsche und Franzosen durch einen Aktionärspakt
gleichberechtigt im Management vertreten; dies spiegelt sich auch in der
Doppelspitze wider. Breton hatte den so genannten harten Kern von
Aktionären im Vorfeld unter anderem gelobt, weil dadurch feindliche
Übernahmen abgewehrt würden. EADS hat als strategisch
eingestufte Geschäftsfelder die Bereiche Luftfahrt und
Rüstung.
(Quelle: afp)
Keine Zulage für Beamte in Ballungsräumen
Mi.07.03.07 - Beamte in teuren Ballungsräumen haben keinen Anspruch auf
besondere Einkommenszulagen. Mit dieser Entscheidung wies das
Bundesverfassungsgericht am Dienstag in Karlsruhe die Beschwerde eines
Kriminalbeamten aus München zurück. Der Gesetzgeber sei
gegenwärtig nicht verpflichtet, den erhöhten
Lebenshaltungskosten in der bayerischen Landeshauptstadt durch
Ausgleichszahlungen Rechnung zu tragen, erklärte der Zweite Senat
in seinem mit 6 zu 2 Stimmen ergangenen Urteil. Nicht zuletzt stehe den
hohen Lebenshaltungskosten in München auch eine höhere
Lebensqualität gegenüber.
Beamte müssten laut Verfassung über ein Nettoeinkommen
verfügen, das ihre rechtliche und wirtschaftliche
Unabhängigkeit gewährleiste, betonten die Richter.
Entscheidend seien folglich die Nettobezüge. Bis zum Jahr 1973 habe
es zwar Ortszulagen gegeben. Solche Zulagensysteme gehörten aber
nicht zum wesensprägenden Charakter der Beamtenbesoldung. Sehe der
Gesetzgeber von regionalen Ortszuschlägen ab, sei das so lange
nicht zu missbilligen, wie sich die Besoldung gleichwohl als angemessen
erweise.
Der bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser sprach von einem
«guten Urteil»: Das höchste Gericht hat unsere Linie
voll bestätigt», sagte der CSU-Politiker als Vertreter des
von Kriminalhauptkommissar Peter Steininger verklagten Freistaats.
«Dass wir unsere Beamten in ganz Bayern nach denselben
Maßstäben bezahlen, ist angemessen», betonte
Faltlhauser. Steininger selbst, der das Verfahren in Karlsruhe mit
Unterstützung des bayerischen Landesverbandes der Deutschen
Polizeigewerkschaft geführt hatte, zeigte sich enttäuscht. Das
Ergebnis von 6 zu 2 zeige ihm aber, dass er auf dem richtigen Weg sei.
Der Polizist hatte argumentiert, er verdiene wegen der hohen Mieten und
Lebenshaltungskosten in München weniger als ein rangniedrigerer
Beamter in Bayreuth. Die Karlsruher Richter wiesen dies zurück:
Vielmehr müsse das Einkommen auch mit dem eines gleich
qualifizierten Angestellten außerhalb des öffentlichen
Dienstes verglichen werden. Und Steininger habe nicht belegen
können, dass er hier in einem Umfang benachteiligt werde, dass
seine Besoldung nicht mehr als standesgemäß angesehen werden
könne. Außerdem dürfe er sich nicht mit rangniedrigeren
Beamten auf dem Land vergleichen, sondern nur mit solchen am Ort.
Zugleich verwies der Senat auf die höhere Lebensqualität in
Großstädten - etwa reichhaltigere Bildungsangebote, bessere
medizinische Versorgungsmöglichkeiten sowie vielfältige
Freizeit- und Unterhaltungsangebote. Auch wenn Beamte mit niedrigerem
Einkommen nur in geringerem Umfang am kulturellen Angebot und den
Einkaufsmöglichkeiten teilhaben könnten, sei daher eine
geringere Kaufkraft nicht ohne weiteres mit einem geringeren
Lebensstandard gleichzusetzen. Allerdings gibt der Zweite Senat dem
Gesetzgeber auf, die weitere Entwicklung der Lebenshaltungskosten und
die Unterschiede zwischen Stadt und Land zu beobachten.
Der Vertreter des Bundesinnenministeriums, Ministerialdirektor Werner
Müller, sah sich durch das Urteil bestätigt: Die
Bundesregierung sehe gegenwärtig keinen Grund, regionale
Unterschiede bei der Beamtenbesoldung zu berücksichtigen.
(Aktenzeichen: Bundesverfassungsgericht 2 BvR 556/04)
(Quelle: ap)
Koalitionsarbeitsgruppe soll Lohnuntergrenzen prüfen
Mi.07.03.07 - Die große Koalition erwägt nach Angaben von
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer, im Kampf gegen das Lohndumping
bestimmte Lohnuntergrenzen festzulegen. Als Orientierung könne der
Satz gelten, den ein lediger, kinderloser Hartz-IV-Empfänger
erhalte, sagte Ramsauer am Dienstag in Berlin. Die Spitzen von Union und
SPD hätten sich am Montagabend darauf verständigt, eine
Arbeitsgruppe einzusetzen, die die entsprechende Möglichkeiten
prüfen solle.
Ramsauer wies darauf hin, dass es bereits heute rund 500.000
Beschäftigte gebe, die trotz eines Vollzeitjobs mit
Arbeitslosengeld II unterstützt werden müssten. Dabei sei
dieses «Aufstocken» ursprünglich als Ausnahmeregelung
gedacht gewesen. Um das Problem dieser extremen Niedriglöhne zu
lösen, wolle man nun prüfen, ob eine so genannte
Lohnanteilsschranke eingeführt oder ein gewisser unterer Lohnsockel
festgelegt werden könne. Dies habe aber nichts mit gesetzlichen
Mindestlöhnen zu tun.
Union und SPD wollen den Angaben zufolge jeweils vier Vertreter in die
Arbeitsgruppe entsenden. Sie sollen sowohl aus dem Parlament als auch
auch der Bundesregierung kommen.
(Quelle: ap)
Sozialverband kritisiert Benachteiligung von Frauen bei der Rente
Mi.07.03.07 - Der Sozialverband VdK hat auf eine überdurchschnittliche
Benachteiligung von Frauen bei der Anhebung des Rentenalters auf 67
hingewiesen. «Kaum eine Frau kommt auf 45 Pflichtbeitragsjahre, um
mit 65 abschlagsfrei in Rente gehen zu können»,
erklärte VdK-Vizepräsidentin Carin Hinsinger am Dienstag in
Berlin anlässlich des Internationalen Frauentages.
Nur noch 7,5 Prozent der Frauen und 47 Prozent der Männer
erreichten überhaupt 45 Beitragsjahre. «Die akute
Armutsgefährdung von Frauen steigt», betonte Hinsinger.
Der Sozialverband VdK bezifferte die durchschnittliche Rente von Frauen
auf 468 Euro monatlich, die damit unter der Armutsgrenze von 856 Euro
liege. Nur zwei Millionen Frauen hätten eine Rente von 650 Euro im
Monat. Das gesamt Ausmaß des politisch bereits vorgenommenen
Rentenverfalls werde kaum wahrgenommen, kritisierte Hinsinger.
«Witwenrenten wurden gekürzt, Berufsunfähigkeitsrenten
abgeschafft, Beiträge für Arbeitslose und damit deren
Rentenansprüche zusammengestrichen.» Seit 2004 habe es keine
Rentenanpassung mehr gegeben.
(Quelle: ap)
Union bremst von der Leyen aus
Mi.07.03.07 - Die Union hat die Pläne von Familienministerin Ursula von der
Leyen für einen massiven Ausbau der Kleinkindbetreuung in Frage
gestellt. Wie Unionsfraktionschef Volker Kauder am frühen
Dienstagmorgen nach einem Spitzentreffen der Koalition mitteilte, soll
die CDU-Politikerin zunächst gemeinsam mit Ländern und
Kommunen klären, inwieweit es überhaupt Bedarf für neue
Krippenplätze gibt.
Dazu soll die Ministerin nach Angaben von CSU-Landesgruppenchef Peter
Ramsauer möglichst noch vor Ostern einen Familiengipfel einberufen.
Dabei solle geprüft werden, ob die schon im Koalitionsvertrag
festgelegte Zielgröße ausreiche, bis zum Jahr 2010 insgesamt
230.000 zusätzliche Betreuungsplätze für Kleinkinder zu
schaffen, sagte Ramsauer am Dienstag in Berlin. Er habe die
optimistische Hoffnung, dass schon bis zum nächsten Spitzentreffen
der Koalition am 16. April erste Zwischenergebnisse vorlägen.
Familienministerin von der Leyen hatte angekündigt, sie wolle die
Zahl der Betreuungsplätze für unter Dreijährige bis 2013
auf 750.000 verdreifachen. Zur Zeit gibt es rund 250.000 Plätze.
Das Tagesbetreuungsausbaugesetz (TAG) von 2005 sieht vor, bis 2010 rund
230.000 zusätzliche Plätze für unter Dreijährige zu
schaffen. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist vereinbart, im Jahr
2008 die Fortschritte zu überprüfen.
Diese Überprüfung solle nun vorgezogen werden,
erläuterte Ramsauer. Die Koalitionsspitzen hätten von der
Leyen grünes Licht gegeben, den Bedarf möglichst rasch mit den
Ländern und Kommunen abzuklären. Sollte sich tatsächlich
herausstellen, dass es über den bereits beschlossenen Ausbau
hinaus noch Bedarf für neue Krippenplätze gebe, müsse
man über die weiteren Schritte reden.
«Das ist dann auch eine politische Entscheidung», sagte
Ramsauer. Zunächst gehe es darum, den im Koalitionsvertrag
festgelegten Ausbau voranzutreiben: «Jetzt machen wir das erst
mal!» Dies bedeute keineswegs, dass die Ministerin ausgebremst
worden sei.
(Quelle: ap)
Hauptschulen verlieren weiter an Bedeutung
Mi.07.03.07 - Die Hauptschulen in Deutschland verlieren immer mehr an Bedeutung im
deutschen Bildungssystem: Nur noch 953.000 Kinder und Jugendliche - und
damit lediglich zehn Prozent aller Schüler in allgemeinbildenden
Schulen - lassen sich derzeit dort unterrichten. Seit dem Schuljahr
2001/2002 ist damit die Zahl der Hauptschüler um 161.000 oder 14,4
Prozent gesunken, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in
Wiesbaden mitteilte. Von dem Rückgang profitieren demnach besonders
die Gymnasien, aber auch die Realschulen.
Traditionell gering ist die Bedeutung der Hauptschulen in
Ostdeutschland: Nur rund ein Prozent aller Schüler besuchen diese
Bildungseinrichtungen, die es aber ohnehin nur in Berlin und
Mecklenburg-Vorpommern gibt. Im Westen dagegen bildet die Hauptschule
weiterhin eine der drei traditionellen Säulen des Bildungssystems -
wenn auch eben mit rückläufigen Zahlen: Besuchten 2001/2002
noch 14 Prozent aller Schüler eine Hauptschule, sind es im
laufenden Schuljahr nur noch zwölf Prozent.
Im selben Zeitraum stieg laut Bundesamt der Anteil der Schüler in
Realschulen um 1,5 Prozentpunkte auf 16 Prozent, der in Gymnasien um 3,7
Prozentpunkte auf 26 Prozent. Von den übrigen Schularten
erreichten die Grundschulen einen Schüleranteil von 34 Prozent, was
einem Rückgang um 1,4 Punkte entspricht.
Allerdings ist die Zahl der Jungen und Mädchen an
allgemeinbildenden Schulen insgesamt auf den niedrigsten Stand seit 1992
gesunken, und bis mindestens 2020 ist mit weiteren Rückgängen
zu rechnen. Im laufenden Schuljahr 2006/07 besuchen rund 9,4 Millionen
Kinder und Jugendliche allgemeinbildende Schulen in Deutschland. Das
waren 1,6 Prozent oder knapp 150.000 weniger als im Vorjahr.
(Quelle: ap)
Zentralrat der Juden wirft Bischöfen antisemitische
Äußerungen vor
Mi.07.03.07 - Aussagen deutscher katholischer Bischöfe auf ihrer
Nahost-Pilgerreise haben bei Juden empörte Reaktionen und massive
Irritationen ausgelöst. Die Präsidentin des Zentralrats der
Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, nannte die
Äußerungen «entsetzlich und völlig inakzeptabel.
Der israelische Botschafter Schimon Stein sprach von einer
Dämonisierung Israels. Der Sekretär der Bischofskonferenz,
Hans Langendörfer, bedauerte entstandenen Missklang.
Die Mitglieder des Ständigen Rates der Deutschen Bischofskonferenz
hatten eine Woche lang Israel und die palästinensischen
Autonomiegebiete besucht. Knobloch und Vizepräsident Dieter
Graumann kritisierten, dass dabei der Eichstätter Bischof Gregor
Maria Hanke die Zustände in den palästinensischen
Städten mit dem Warschauer Getto verglichen habe. Der Augsburger
Bischof Walter Mixa habe zudem von israelischem Rassismus im Umgang mit
den Palästinensern gesprochen. Diese Aussagen bedienen nach den
Worten Knoblochs Klischees, «die sich hart an der Grenze des
Antisemitismus bewegen».
Der Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe im
Bundestag, Jerzy Montag, forderte die Bischöfe zu einer
Entschuldigung auf. Knobloch nannte es besonders enttäuschend,
dass die Reise mit solchen Entgleisungen geendet habe.
«Auch wir wissen, dass die Situation der Palästinenser nicht
leicht ist», sagte Graumann nach Angaben des «Kölner
Stadt-Anzeigers». «Wer aber deren Lage mit dem Leiden der
Juden in den Gettos der Nazis gleichsetzt, der hat aus der Geschichte
nichts gelernt. Diese Äußerung hat antisemitischen
Charakter.» Der Vergleich zeuge von dem judenfeindlichen Versuch,
mit Hinweis auf Verbrechen der Nachfahren der Opfer die Taten der Nazis
zu relativieren. Der Zentralrat erwarte Lehmann, dem Vorsitzenden der
Bischofskonferenz, eine Klarstellung.
Stein warf den Bischöfen Demagogie und Dämonisierung Israels
vor. Wer Begriffe wie «Warschauer Getto» im Zusammenhang
mit israelischer oder palästinensischer Politik verwende, habe
«alles vergessen oder nichts gelernt oder moralisch
versagt».
Langendörfer erklärte, es seien beim Besuch in Bethlehem
«unter dem Eindruck der bedrückenden Situation» aus
der «emotionalen Betroffenheit Einzelner heraus einige wenige
sehr persönliche Bemerkungen gefallen, die bereits selbstkritisch
richtig gestellt» worden seien. «Dies gilt vor allem
für eine Nebenbemerkung, die auf das Warschauer Getto
anspielte.»
(Quelle: ap)