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Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertzweiundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
30 Tote und 29 Verletzte bei Anschlag auf ein Café in Baladrus.
22 Tote bei Autobombenanschlag an Straßensperre in Bagdad.
Angriffe auf schiitische Pilger dauern an. Iran sagt Teilnahme an
Irak-Konferenz in Bagdad zu
Do.08.03.07 - Bei einem Anschlag auf ein Café im Irak sind mindestens 30
Menschen getötet worden. Weitere 29 Menschen seien verletzt
worden, als sich ein Selbstmordattentäter in dem Lokal in der
Stadt Baladrus in die Luft gesprengt habe, teilten
Sicherheitskräfte mit. Das Attentat in der nordöstlich von
Bagdad gelegenen Stadt ereignete sich demnach in einem von der
kurdisch-schiitischen Minderheit bewohnten Viertel.
Bei einem Anschlag an einer Straßensperre der irakischen Polizei
sind am Mittwoch 22 Menschen getötet worden. Die US-Armee in
Bagdad berichtete, der Sprengsatz sei im Süden der irakischen
Hauptstadt detoniert. Bei den Toten handele es sich um zwölf
Polizisten und zehn Zivilisten. Zahlreiche weitere Menschen seien
verletzt worden.
Eine Anschlagsserie auf Pilger vor einem hohen schiitischen Feiertag
hat am Mittwoch mindestens elf weitere Menschen in den Tod gerissen. Die
Attentäter, nach Angaben der irakischen Polizei vermutlich
sunnitische Aufständische, schlugen gegen Pilger auf dem Weg nach
Kerbela zu: Sie zündeten südlich von Bagdad einen an der
Straße versteckten Sprengsatz und beschossen wenige Stunden danach
auch Reisende mit Gewehren, wie ein Polizeisprecher sagte. In Kerbela
feiern gläubige Schiiten am Wochenende das Ende der 40-tägigen
Trauerperiode über den Tod des Imams Hussein, einem Enkel des
Propheten Mohammed.
Die Zahl der am Dienstag bei einem Doppelanschlag in der
überwiegend von Schiiten bewohnten Stadt Hilla getöteten
Menschen stieg unterdessen auf 120 Menschen. Den amtlichen Angaben
zufolge wurden etwa 190 Menschen verletzt. In Plastiksäcken
gehüllte Leichen lagen vor dem überfüllten Krankenhaus
der Stadt, viele Verwundete mussten auf den Fluren untergebracht werden.
Trauernde trugen Särge zu Grabe.
Der Gouverneur der Provinz Kerbela, Akil al Chasalije, sagte, für
das schiitische Fest würden 10.000 Sicherheitskräfte
aufgeboten. Einige Pilger auf dem Weg berichteten, sie trügen eine
Liste mit wichtigen Adressen für den Fall am Körper, dass
ihnen was zustoße. Von den Angriffen ließen sie sich nicht
von ihrer Wallfahrt nach Kerbela abbringen. «Wir sind die Mehrheit
und wir werden unsere Ideologie und Doktrin verteidigen», sagte
der 32-jährige Pilger Abbas Ghatije Ali.
Nach tagelangem Zögern hat der Iran seine Teilnahme an der
internationalen Irak-Konferenz zugesagt. Der iranische
Außenminister Manutschehr Mottaki sagte am Mittwoch in Teheran,
seine Regierung habe zwar einige Bedenken, werde aber dennoch am
kommenden Samstag eine von seinem Stellvertreter Abbas Araghtschi
geleitete Delegation nach Bagdad entsenden. An der Regionalkonferenz
nehmen Iraks Nachbarn sowie Delegation der fünf ständigen
Sicherheitsratsmitglieder und der UN teil.
Nach Mottakis Zusage kommt es am Samstag zum ersten Treffen
amerikanischer und iranischer Regierungsvertreter seit Ende 2004. Damals
berieten Außenminister aus 20 Staaten im ägyptischen Scharm
el Scheich über die Zukunft Iraks. Es kam zwar nicht zu einem
offiziellen Treffen zwischen den damaligen Außenministern Colin
Powell und Kamal Charrasi, die ägyptischen Gastgeber setzten die
beiden aber beim Abendessen nebeneinander. Powell sagte danach, man habe
sich höflich unterhalten.
Die Bagdader Regionalkonferenz kommt inmitten einer Phase, in der die
USA den Ton gegenüber Teheran diplomatisch und militärisch
verschärft haben. Präsident George W. Bush hat dem Iran
vorgeworfen, militante Schiiten im Irak zu unterstützen. Die
US-Streitkräfte haben im Irak mehrere Iraner festgenommen und
zusätzliche Kriegsschiffe in den Persischen Golf entsandt. Zudem
dringt Washington auf Sanktionen gegen den Iran wegen seiner Weigerung,
die Urananreicherung zu stoppen.
Mottaki ging auf die von ihm geäußerten Bedenken gegen die
Irak-Konferenz nicht weiter ein. Er sagte: «Wir hoffen, dass von
der Konferenz die klare Botschaft ausgeht, dass die Länder der
Region fest an der Seite der Regierung und der irakischen Nation
stehen.»
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 08.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertundachtzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.08.03.06 - Schiiten wollen erste Sitzung des irakischen Parlaments verschieben +++
Mehrere Tote bei Autobomben-Anschlägen +++ El Dschasira strahlt Video
mit Geiseln im Irak aus +++ In einem neuen Bericht wirft amnesty international den
Koalitionstruppen im Irak und der irakischen Regierung Willkür und
Grausamkeit im Umgang mit Gefangenen vor...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0603080.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Keine Presse bei Anhörungen in Guantanamo zugelassen
Do.08.03.07 - Bei den am Freitag beginnenden Anhörungen im US-Gefangenenlager
Guantanamo sind keine Journalisten zugelassen. Ein Sprecher des
Pentagons erklärte am Dienstag, die Regierung werde später
Abschriften der Befragung von 14 Terrorverdächtigen
veröffentlichen. Daraus würden alle Angaben entfernt, die die
nationale Sicherheit gefährden könnten.
Unter den 14 Gefangenen, die im vergangenen Jahr aus
Geheimgefängnissen der CIA nach Guantanamo Bay auf Kuba verlegt
worden waren, ist auch der mutmaßliche Drahtzieher der
Anschläge vom 11. September 2001, Khalid Sheihk Mohammed.
Eine US-Menschenrechtsgruppe warf dem Pentagon vor,
«Scheingerichte» einzurichten. Ein von ihr vertretener
Häftling, Majid Khan, sei seit Oktober 2006 der Kontakt zu einem
Anwalt untersagt, nur damit seine Folter nicht der Öffentlichkeit
bekannt werde. So etwas hätte man in Libyen oder China erwartet,
nicht aber in den USA, erklärte das Center for Constitutional
Rights. Khan sei von der CIA mit Methoden befragt worden, die auf Folter
hinausliefen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Weltbank sieht Palästinenser vor Existenz bedrohender Finanzkrise.
Israelische Armee nimmt 18 Palästinenser in Ramallah fest
Do.08.03.07 - Die palästinensische Autonomiebehörde steht nach
Einschätzung der Weltbank vor einer Existenz bedrohenden
Finanzkrise. Der Einbruch der Wirtschaft und Fehler in der
Ausgabenpolitik sind dem neuen Bericht zufolge Hauptursachen für
die Notlage. Aber auch der internationale Finanzboykott nach der
Machtübernahme der radikalen Hamas trage dazu bei, heißt es
in dem der Nachrichtenagentur AP in Jerusalem vorliegenden Bericht.
Die palästinensische Wirtschaft ging im vergangenen Jahr weiter
zurück, das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt sackte um mindestens
acht Prozent ab, wie die Weltbank berichtet. Die Arbeitslosigkeit liegt
bei rund 25 Prozent. In Gaza stieg sie den Zahlen zufolge sogar von 29
auf 36 Prozent.
Die Weltbank warnte, der Autonomiebehörde drohe der finanzielle
Kollaps, wenn sie ihre Personalkosten nicht in den Griff bekomme.
Derzeit stehen rund 165.000 Mitarbeiter auf der Gehaltsliste. Die
Palästinenser müssten die monatlichen Löhne von
über 93 Millionen Dollar (71 Millionen Euro) auf 80 Millionen
drücken, mahnt die internationale Finanzinstitution. Seit 1999
seien die Ausgaben dafür jährlich um etwa neun Prozent
gestiegen. Die frühere «unverantwortliche
Ausgabenpolitik» sei einer der wesentlichen Gründe für
die finanzielle Existenzkrise. Bereits vor der Regierungsübernahme
der Hamas habe die Autonomiebehörde ein monatliches Defizit von 60
Millionen Dollar (46 Millionen Euro) eingefahren.
Der internationalen Gemeinschaft rät die Weltbank, ihre
Finanzhilfen wieder direkt an die Autonomiebehörde zu senden,
«wenn die Umstände es erlauben». Die meisten Geber
haben dies davon abhängig gemacht, dass die Hamas der Gewalt
abschwört und Israel sowie bisherige Abkommen anerkennt. Israel
wird aufgefordert, die Voraussetzungen für den freien Waren- und
Personenverkehr in den palästinensischen Gebieten deutlich zu
verbessern. Auch die von Israel weitgehend zurückgehaltenen
Steuereinnahmen sollten wieder direkt der Autonomiebehörde
ausgezahlt werden.
Die israelische Armee hat bei einer Durchsuchung des
palästinensischen Militärgeheimdienstes in Ramallah am
Mittwoch 18 Palästinenser festgenommen. Nach Angaben eines
Armeesprechers werden sie verdächtigt, Entführungen von
israelischen Soldaten und Zivilisten und Angriffe auf sie geplant oder
ausgeführt zu haben. Palästinensische Sicherheitskreise
bestätigten die 18 Festnahmen. Insgesamt hätten die Soldaten
jedoch rund 50 Geheimdienstmitarbeiter mitgenommen. Die Soldaten seien
im Morgengrauen mit etwa hundert Geländewagen vor dem Sitz des
Militärgeheimdienstes vorgefahren.
Sie hätten den Palästinensern gedroht zu schießen, wenn
sie nicht aus dem Gebäude kämen. Bei dem Einsatz im
Westjordanland sei niemand verletzt worden.
(Quellen: ap, afp)
Erneut AU-Friedenstruppe in Somalia angegriffen
Do.08.03.07 - In Somalia sind am Mittwoch den zweiten Tag in Folge Soldaten der
Friedensmission der Afrikanischen Union (AU) angegriffen worden. Bei
einem anschließenden Gefecht in der Hauptstadt Mogadischu seien
drei Zivilpersonen verletzt worden, berichteten Augenzeugen. In
Mogadischu sind inzwischen rund 800 AU-Soldaten aus Uganda
eingetroffen. Die Truppen wurden am Dienstag kurz nach ihrer Ankunft am
Flughafen mit Granaten beschossen. Bei Gefechten kamen nach
Polizeiangaben drei Menschen ums Leben.
Die vom UN-Sicherheitsrat bewilligte Friedensmission für Somalia
soll insgesamt 8.000 Mann umfassen und das Land am Horn von Afrika nach
der Entmachtung der islamischen Milizen stabilisieren. Die Islamisten
wurden im Dezember vergangenen Jahres von somalischen und
äthiopischen Truppen zurückgedrängt. Dadurch konnte die
von den Vereinten Nationen unterstützte, aber schwache
Übergangsregierung erstmals seit ihrer Einsetzung im Jahr 2004 in
der Hauptstadt Mogadischu einziehen. Äthiopien will seine Truppen,
die an Weihnachten offen auf der Seite der somalischen Regierung in die
Kämpfe eingegriffen hatten, schnellstmöglich
zurückziehen.
(Quelle: ap)
UNO: Rund 68.000 Kindern in Mauretanien droht der Hungertod
Do.08.03.07 - In Mauretanien drohen rund 68.000 Kinder zu verhungern. Sollten die
für dieses Jahr benötigten elf Millionen Euro nicht bald
zusammenkommen, müssten die Essensrationen der Kinder gekürzt
oder gar gestrichen werden, erklärte das
Welternährungsprogramm (WFP) am Dienstag in Dakar. Die Hilfen
für den westafrikanischen Wüstenstaat seien in den vergangenen
Monaten Besorgnis erregend zurückgegangen. Dabei überschreite
in einigen der am schlimmsten betroffenen Regionen der Grad der
Unterernährung schon die international anerkannte Notstandsschwelle.
(Quelle: afp)
Chinesische Führung legt Gesetz zum Schutz von privatem Eigentum
vor
Do.08.03.07 - Die chinesische Führung hat zum ersten Mal in der Geschichte ein
Gesetz zum Schutz von privatem Eigentum vorgelegt. Der stellvertretende
Vorsitzende der Kommunistischen Partei, Wang Zhaoguo, erklärte auf
dem Volkskongress in Peking, die wirtschaftlichen und sozialen
Veränderungen im Land hätten das Gesetz notwendig gemacht. Es
diene den Interessen der Menschen.
Wang sagte vor den fast 3.000 Abgeordneten, der Lebensstandard der
Menschen habe sich allgemein verbessert. Sie benötigten daher
einen effektiven Schutz ihres rechtmäßig erworbenen
Eigentums. Es wurde erwartet, dass die Abgeordneten das Gesetz zum
Abschluss des Kongresses am 16. März verabschieden würden.
(Quelle: ap)
Belgiens Regierungschef fordert Einführung einer EU-Steuer
Do.08.03.07 - Einen Tag vor Beginn des EU-Gipfels unter deutscher
Ratspräsidentschaft in Brüssel hat Belgiens Regierungschef Guy
Verhofstadt am Mittwoch die Einführung einer EU-Steuer und einer
europäischen Armee gefordert. "Ich bin dafür, dass die EU
über eigene finanzielle Mittel verfügt", sagte Verhofstadt
sagte der Zeitung "Die Welt". Die Einführung einer EU-Steuer
wäre sinnvoll, weil sie mehr Transparenz schaffe und gerechter sei.
Außerdem würde eine EU-Steuer der Union mehr Geld bringen als
die bisherigen Finanzverhandlungen.
"Heute fließt ein Prozent des Bruttosozialprodukts der
Mitgliedsstaaten in den EU-Haushalt - das ist einfach zu wenig", sagte
Verhofstadt. Im Gegenzug könnten dann auch nationale Steuern
gesenkt werden.
Zugleich forderte der belgische Regierungschef die Einführung
einer gemeinsamen EU-Armee: "Eine europäische Armee aus 100.000
Soldaten würde die europäische Verteidigungsbereitschaft
deutlich verbessern und die NATO stärken. Zudem würde eine
EU-Armee Kosten sparen, weil die ineffiziente Aufteilung der Union in
nationale Verteidigungsmärkte endlich überwunden würde."
Mit Blick auf die Energiepolitik, einem zentralen Thema des Gipfels,
warnte Verhofstadt die deutsche EU-Ratspräsidentschaft davor, in
dieser Frage die eigenen Interessen in den Vordergrund zu stellen: "Wir
werden beim Gipfel eine offene Diskussion über die Trennung von
Netz und Produktion führen. Ich hoffe, dass die deutsche
EU-Ratspräsidentschaft eine Lösung finden wird. Aber es kann
nicht sein, dass die Tür, die zu mehr Wettbewerb führt,
zugeschlagen wird."
Verhofstadt forderte mehr Wettbewerb auf den Energiemärkten: "Die
Monopole, die nur den Unternehmen nützen, müssen aufgebrochen
werden. Darum ist eine Trennung von Netz und Produktion dringend
erforderlich. Sie würde auch zu niedrigeren Preisen für die
Verbraucher führen." Im Gegensatz zur großen Mehrheit der
EU-Staaten wehren sich Deutschland und Frankreich gegen eine strikte
Trennung von Netz und Produktion auf den Energiemärkten.
(Quelle: afp)
Bedenken gegen Tornado-Einsatz quer durch den Bundestag
Do.08.03.07 - Vor dem Hintergrund der NATO-Frühjahrsoffensive gegen die Taliban
stimmt der Bundestag am Freitag über den Einsatz von
Bundeswehr-Tornados in Afghanistan ab. Zwar ist eine üppige
Mehrheit für die Entsendung der Aufklärungsflugzeuge zu
erwarten. Doch gibt es zahlreiche Abweichler in der großen
Koalition, vor allem aus der SPD. Auch in der FDP werden sich die
grundsätzlichen Bedenken in einigen Gegenstimmen niederschlagen.
Die Grünen sind in der Frage komplett gespalten. Einzig in der
Linksfraktion gibt es eine klare Linie: geschlossene Ablehnung.
Sechs bis acht Recce-Tornados sollen die ISAF dabei unterstützen,
den Wiederaufbau Afghanistans militärisch abzusichern. Während
die Bundeswehr bislang für den Norden des Landes zuständig
ist, sollen die Aufklärungsflugzeuge auch im umkämpften
Süden des Landes eingesetzt werden. Verteidigungsminister Franz
Josef Jung begründet die Entsendung damit, dass sie dem Schutz der
Bevölkerung, der Aufbauhelfer und nicht zuletzt der ISAF-Soldaten
diene. Die Aufklärungserkenntnisse sollen aber auch der
amerikanisch geführten Antiterror-Operation Enduring Freedom zur
Verfügung gestellt werden. Gerade die dadurch mögliche
Verwicklung der Bundeswehr in den Krieg löst bei vielen
Abgeordneten Bedenken aus.
Eine Probeabstimmung in der SPD-Fraktion ergab, dass 40 bis 50
Abgeordnete gegen die Entsendung votieren werden. Hauptargument der
Gegner des Tornado-Einsatzes sei die Befürchtung, dass die
Bundeswehr dadurch stärker in Kampfhandlungen einbezogen werde,
berichtete der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Gert
Weisskirchen. Anders als bei der Abstimmung zur Gesundheitsreform werden
die Abweichler allerdings nicht zur Rechenschaft gezogen.
Bei der Union gab es ebenfalls in einer Probeabstimmung zwei
Gegenstimmen, zwei Abgeordnete enthielten sich. Der CDU-Abgeordnete
Willy Wimmer und sein CSU-Kollege Peter Gauweiler hatten ihre Ablehnung
zuvor öffentlich mit den Worten begründet: «Der
Bundestag würde einer Form der Kriegsführung zustimmen, die
durch das Völkerrecht nicht gedeckt ist.»
FDP und Grüne erklärten die Abstimmung zur Gewissensfrage und
stellten ihren Abgeordneten ihr Verhalten frei. Dabei eine weitgehend
einheitliche Fraktionslinie zu finden, gelang nur der FDP. Die
sicherheitspolitische Sprecherin Birgit Homburger empfahl nach
quälendem Abwägungsprozess die Zustimmung - unter anderem aus
Bündnissolidarität, wie sie der AP sagte. Ob sich die NATO
tatsächlich wie von Deutschland gewünscht künftig mehr
auf die Absicherung des zivilen Wiederaufbaus konzentriere, werde man im
Auge behalten - bis zur Wiedervorlage des Mandats im Bundestag im Herbst.
Nun wird mit acht Gegenstimmen aus der FDP-Fraktion gerechnet, wie ein
Meinungsbild ergab. Auch diejenigen, die zustimmen, äußern
Bauchschmerzen. Doch die ISAF-Mission solle «noch eine letzte
Chance» erhalten, «zumindest in Teilbereichen durch ein
erheblich größeres Engagement der NATO-Partner beim zivilen
Aufbau Verbesserungen für die leidgeprüfte Bevölkerung zu
erzielen», sagte die FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff der
Nahcrichtenagentur AP.
Zerrissen präsentieren sich die Grünen. Bei der
Bundestagsabstimmung am Freitag wird mit einem Patt zwischen
Befürwortern und Gegnern gerechnet. Der Riss verläuft quer
durch Bundes- und Fraktionsvorstand. Während Parteichef Reinhard
Bütikofer für den Einsatz plädiert, ist seine
Amtskollegin Claudia Roth dagegen. In der Fraktion wollen die
Vorsitzenden Fritz Kuhn und Renate Künast dafür stimmen, ihre
Stellvertreter Bärbel Höhn und Jürgen Trittin dagegen.
Beide Seiten demonstrieren indes Einigkeit in ihrer grundsätzlichen
Befürwortung des ISAF-Einsatzes. Eine Exitstrategie verlangt
niemand.
Verteidigungsobmann Winfried Nachtwei empfahl seiner Fraktion die
Ablehnung. Er führte unter anderem die Kosten von 70 Millionen Euro
im Jahr an. Das sei so viel, wie die Unterstützung Deutschlands
für den Polizeiaufbau in Afghanistan in fünf Jahren koste,
sagte er der AP. Auch die Unterstützung der Militäroperation
im Süden durch die Tornados nannte er kontraproduktiv.
Schließlich ärgerte er sich über die Informationspolitik
der Bundesregierung, mit der «der Nebel in Südafghanistan
nicht gelichtet» werde.
Eine «Mischung aus Verschweigen, Halbwahrheiten und
Täuschungen» warf auch die Linksfraktion der Bundesregierung
in Zusammenhang mit dem Tornado-Einsatz vor. Ihr Verteidigungsexperte
Wolfgang Gehrcke empfahl der Regierung, auf die Mehrheit der
Bevölkerung zu hören, die gegen den Einsatz sei.
(Quelle: ap)
Von der Leyen beharrt auf 750.000 neuen Krippenplätzen
Do.08.03.07 - Ungeachtet des massiven Gegenwinds aus den eigenen Reihen beharrt
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf der Einrichtung
von bundesweit insgesamt 750.000 Krippenplätzen. "Ich werde
beharrlich mein Ziel verfolgen, denn in den westlichen
Bundesländern gibt es nur für acht Prozent der Eltern ein
Angebot", sagte von der Leyen im ARD-Morgenmagazin. Die Ministerin
kritisierte, Deutschland sei bei der Kinderbetreuung in Europa derzeit
im unteren Drittel zu finden. Sie werde sich daher am 2. April mit allen
Familienministern der Länder zusammensetzen, um Finanzierungswege
für einen Ausbau der Kinderbetreuung auszuloten.
Die Umsetzung der Pläne von der Leyens würde die Einrichtung
von rund 500.000 zusätzlichen Plätzen erfordern. Die Vorgabe
des Koalitionsausschusses, zunächst einmal den Bedarf
festzustellen, bezeichnete die Ministerin in diesem Zusammenhang als
eine "große Chance". Dieser auf Druck von CDU und CSU gefasste
Beschluss war vielfach als innerparteiliche Niederlage der
Familienministerin gewertet worden.
(Quelle: afp)
Terre des Femmes: 'Gewalt gegen Frauen ist Alltag'
Do.08.03.07 - Rund 25 Prozent aller Frauen in Deutschland haben nach
Einschätzung der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes
körperliche oder sexuelle Gewalt durch ihre Partner erlebt. In fast
95 Prozent der Fälle häuslicher Gewalt seien Frauen die Opfer
und Männer die Täter, sagte die Geschäftsführerin
der Organisation, Christa Stolle, am Dienstag in Berlin. Rund 40 000
Frauen fliehen deshalb in jedem Jahr mit ihren Kindern in
Frauenhäuser. Die Männergewalt gegen Frauen und Mädchen
koste der Solidargemeinschaft jährlich 14,8 Milliarden Euro.
Deshalb startet Terre des Femmes anlässlich des Weltfrauentages am
8. März eine bundesweite Plakat- und Anzeigenkampagne «Gewalt
gegen Frauen ist Alltag». Die von der Werbeagentur Heymann
Schnell initiierte Aktion wird unter anderen von den Schauspielern Nina
Hoss, Sibel Kekilli und Jochen Senf unterstützt.
Die Aktion will zugleich auf das Problem der Genitalverstümmlungen
aufmerksam machen. Davon sind nach Angaben der Organisation auch in
Deutschland mindestens 4000 Mädchen in Migrantenfamilien bedroht.
19 000 Frauen hätten diese Tortur schon über sich ergehen
lassen müssen.
Nina Hoss sagte, «für mich ist die Genitalverstümmlung
Folter und eines der schlimmsten Verbrechen, die im Namen der so
genannten Ehre auf dieser Erde geschieht.» Die durch den Film
«Gegen die Wand» bekannt gewordene Türkin Sibel Kekilli
verwies darauf, dass laut einem UN-Bericht 5000 Frauen «im Namen
der Ehre» weltweit ermordet wurden. Die Dunkelziffer sei
wahrscheinlich viel höher.
(Quelle: ddp)
Frauen verdienen ein Viertel weniger als Männer
Do.08.03.07 - Trotz besserer Bildung werden Frauen immer noch weniger eingestellt,
rücken seltener in Führungspositionen und verdienen deutlich
weniger Geld als Männer. In Deutschland beträgt das
Lohngefälle 22 Prozent, deutlich mehr als der europäische
Durchschnitt von 15 Prozent. Größer ist die Schere nur noch
in Zypern, Estland und der Slowakei. Das geht aus dem ersten
Gleichstellungsbericht der EU-Kommission hervor, der am Mittwoch
veröffentlicht wurde.
Der Bundestag debattiert am Internationalen Frauentag am (heutigen)
Donnerstag über die anhaltende Benachteiligung von Frauen im
Berufsleben. Union und SPD verlangen in einem gemeinsamen Antrag, die
Ungleichheiten bei gleichwertiger Arbeit zu beseitigen und die
Gleichstellung bei weiteren Arbeitsmarktreformen stärker zu
berücksichtigen. Alarmierend sei die Situation bei den
Führungspositionen: Selbst in kleinen Betrieben seien Frauen nur
zu 13 Prozent in der Leitungsebene vertreten. In den Vorständen
der deutschen DAX-Unternehmen gebe es keine einzige Frau.
Frauen seien die Antriebskraft beim Beschäftigungswachstum in
Europa und besetzten drei von vier neu geschaffenen
Arbeitsplätzen, berichtete in Brüssel der zuständige
EU-Kommissar Vladimir Spidla. «Aber es gibt immer noch zu viele
Barrieren, die sie daran hindern, ihr Potenzial voll
auszuschöpfen», kritisierte er. Zentrale Bedeutung misst der
Bericht, der dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag vorgelegt werden
soll, einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu.
So sei es bemerkenswert, dass die Beschäftigungsquote von Frauen
zwischen 20 und 49 Jahren um 15 Prozent zurückgehe, wenn sie ein
Kind haben, während die der Männer um sechs Prozent steige.
Auch seien Frauen mit knapp 33 Prozent weitaus häufiger in
Teilzeit beschäftigt als Männer (7,7 Prozent). Als
Haupthindernisse einer besseren Vereinbarkeit von Berufs- und
Familienleben nennt der Bericht unter anderem den Mangel an
Kinderbetreuungseinrichtungen, finanzielle Faktoren, Karrierenachteile
und Probleme bei der Rückkehr in den Beruf.
Dabei haben die Frauen die Männer inzwischen
bildungsmäßig überflügelt, wie Spidla
erklärte: 59 Prozent der Hochschulabsolventen sind weiblich.
Allerdings fallen sie auf der akademischen Karriereleiter wieder
zurück; nur 43 Prozent erlangen einen Doktortitel und nur 15
Prozent den Grad eines Professors. Auch in Politik und Wirtschaft haben
die Männer das Sagen: Der durchschnittliche Frauenanteil in den
Parlamenten der 27 EU-Staaten lag 2006 bei nur 24 Prozent, wobei
Deutschland und Österreich mit über 30 Prozent noch gut
abschneiden. Von den Managern in europäischen Wirtschaftsbetrieben
waren 32 Prozent weiblich.
Das starke Lohngefälle von 22 Prozent wird von einer
Online-Umfrage des WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen
Hans-Böckler-Stiftung bestätigt. Danach verdient
beispielsweise eine Großhandelskauffrau monatlich 2.188 Euro
brutto und damit 504 Euro weniger als ihr Kollege, eine Informatikerin
liegt mit 3.971 Euro um 381 Euro hinter einem Mann zurück, und
eine Köchin bekommt mit 1.505 Euro rund 360 Euro weniger als ein
Koch.
Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock nannte es einen
Skandal, dass Frauen im Arbeitsleben immer noch nicht gleichberechtigt
seien. Von der Politik forderte sie konkrete Maßnahmen:
«Appelle sind gut, verbindliche Regelungen besser.» Auch
Grüne und Linksfraktion drangen auf gesetzliche Vorgaben.
(Quelle: ap)
Anteil von Frauen in Führungspositionen unter dem EU-Schnitt
Do.08.03.07 - Die deutschen Unternehmen hinken beim Anteil von Frauen in
Führungspositionen dem europäischen Durchschnitt hinterher.
Nach einer am Dienstag in Düsseldorf veröffentlichen Umfrage
im Auftrag des nordrhein-westfälischen Familienministeriums waren
in den befragten Firmen 24 Prozent der Führungskräfte
weiblich, in Nordrhein-Westfalen 23 Prozent. In den Ländern der
Europäischen Union (EU) liege der Anteil dagegen im Schnitt bei 32
Prozent, erläuterte Familienminister Armin Laschet (CDU).
Laut der Umfrage wird eine Führungsposition in der Regel mit einem
Mann besetzt, wenn ein Mann die Entscheidung trifft. Entscheide eine
Frau, dann sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie auch eine
Frau auswähle, betonte Laschet. Am stärksten wird der Anteil
von Frauen in den Chefetagen davon bestimmt, wie hoch der Frauenanteil
im Unternehmen insgesamt ist.
Für die repräsentative Studie hatte das Bonner Institut
für Mittelstandsforschung im Auftrag des Ministeriums rund 15 000
Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten angeschrieben. Rund 4,5
Prozent der Firmen beteiligten sich an der Umfrage.
(Quelle: ddp)
Jeder fünfte Ausländer wurde in Deutschland geboren
Do.08.03.07 - Jeder fünfte in Deutschland lebende Ausländer ist auch hier
geboren worden. Dies geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes
hervor, die am Mittwoch in Wiesbaden veröffentlicht wurden. Danach
lebten 2006 in der Bundesrepublik rund 6,75 Millionen Menschen ohne
deutsche Staatsangehörigkeit - unwesentlich weniger als im Jahr
zuvor. Mit 26 Prozent der weitaus größte Anteil kommt aus der
Türkei; vier beziehungsweise drei Prozent - also weiterhin eher
wenig - stammen aus Afrika und Amerika.
1,4 Millionen (20 Prozent) der hier lebenden Ausländer kamen in
Deutschland zur Welt. Bei den türkischen Staatsangehörigen
beträgt der Anteil sogar 34 Prozent. Die durchschnittliche
Aufenthaltsdauer von Ausländern in der Bundesrepublik liegt bei
17,3 Jahren. Mehr als ein Drittel lebt bereits seit über 20 Jahren
hier, und rund 70 Prozent (4,7 Millionen) halten sich seit mindestens
acht Jahren in Deutschland auf. Damit erfüllen sie eine der
Voraussetzungen für eine Einbürgerung.
2,2 Millionen oder 32 Prozent der in Deutschland lebenden
Ausländer stammen aus den Mitgliedstaaten der Europäischen
Union; weitere 3,2 Millionen (47 Prozent) kommen aus anderen
europäischen Ländern. Mit 1,7 Millionen Menschen ist der
Anteil der Türken darunter am größten. Gut 800.000 in
Deutschland lebende Menschen (12 Prozent) sind asiatischer Herkunft,
272.000 (vier Prozent) kommen aus Afrika, 213.000 (drei Prozent) aus
Amerika und rund 10.000 aus Australien beziehungsweise Ozeanien. Knapp
60.000 hatten keine oder eine ungeklärte Staatsangehörigkeit.
Mit Abstand wichtigstes Herkunftsland der hier lebenden Personen mit
ausschließlich ausländischer Staatsangehörigkeit ist die
Türkei (26 Prozent); auf Platz Zwei liegt Italien mit acht Prozent,
gefolgt von Polen mit fünf Prozent und Serbien und Montenegro
einschließlich der beiden Nachfolgestaaten mit zusammen ebenfalls
fünf Prozent sowie Griechenland mit 4,5 Prozent.
Im Vergleich zu 2005 verringerte sich die Zahl hier lebender
Ausländer um 0,1 Prozent (4.800 Personen). Dies ergibt sich der
Statistik zufolge aus folgenden Veränderungen: Knapp 382.800
ausländische Personen sind im Laufe des Jahres nach Deutschland
zugezogen oder wurden hier geboren; gut 272.900 haben Deutschland im
gleichen Zeitraum verlassen oder sind gestorben; rund 114.600 sind aus
anderen Gründen aus dem Ausländerzentralregister (AZR)
ausgeschieden, zum Beispiel durch Einbürgerung.
Von den neu Zugezogenen kamen 69 Prozent aus Europa, davon 44 Prozent
aus EU-Ländern, vor allem Polen. Aus dem
außereuropäischen Raum kamen insbesondere aus den USA und aus
China viele Zuwanderer in die Bundesrepublik. Die neu zugezogenen Frauen
waren im Durchschnitt 27,2 Jahre alt, die Männer 30,4 Jahre. Auf
alle in Deutschland lebenden Ausländer bezogen, sind die Frauen
durchschnittlich 36,3 Jahre alt, die Männer 37,1 Jahre.
(Quelle: ap)
Umweltorganisationen fordern konkrete Ziele zum Klimaschutz
Do.08.03.07 - 13 deutsche Umwelt- und Entwicklungsorganisationen haben von dem am
(morgigen) Donnerstag beginnenden EU-Klimagipfel verbindliche Ziele zum
Klimaschutz gefordert. Die EU solle bis zum Jahr 2020 die Emission von
Treibhausgasen um 30 Prozent verringern, verlangten die Organisationen
am Mittwoch in Bonn in einem offenen Brief an die amtierende
EU-Ratspräsidentin Angela Merkel.
Die Staats- und Regierungschefs sollen nach Vorstellung der
Organisationen auf dem Klimagipfel in Brüssel auch
beschließen, den Energieverbrauch in den nächsten 13 Jahren
um 20 Prozent zu senken und den Anteil erneuerbarer Energien auf
mindestens 25 Prozent des gesamten Verbrauchs anzuheben. Kohlekraftwerke
sollten nur noch betrieben werden, wenn sie nicht mehr CO2
ausstoßen als ein modernes Gaskraftwerk. «Ein starkes
Engagement der EU könnte für viele Länder aufzeigen, dass
der Klimaschutz neue Chancen der Zukunftsfähigkeit für
Wirtschaft und Gesellschaft eröffnet», hieß es in dem
Brief.
Unterzeichnet haben das Schreiben unter anderem die Organisationen
Greenpeace, Brot für die Welt, Deutscher Naturschutzring und der
Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen.
(Quelle: ap)
Lehmann hält Äußerungen von Bischöfen über
Palästina für unangemessen
Do.08.03.07 - Die umstrittenen Äußerungen deutscher Bischöfe
während eines Israel-Besuches waren nach Einschätzung des
Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, nicht
angemessen. In den harten Äußerungen habe sich das
Gefühl der Bedrängung in den Palästinenser-Gebieten
niedergeschlagen, schrieb der Kardinal in einem offenen Brief an den
Vorsitzenden der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem, Avner
Schalev. Einige Äußerungen seien situativ zugespitzt
gewesen. Auf einer Nahost-Pilgerreise hatten Bischöfe die
Zustände im Westjordanland mit denen des Warschauer Gettos im
Zweiten Weltkrieg verglichen. Daraufhin hatte sich Schalev bei Lehmann
beschwert.
Lehmann schrieb in dem am Mittwoch veröffentlichten Brief, dass
auch die kritisierten Bischöfe die Bedrohung der Israelis durch
den Terrorismus nicht in Frage stellten. «Auch sie vertreten
uneingeschränkt das Existenz- und Selbstverteidigungsrecht des
Staates Israel», schrieb der katholische Geistliche an Schalev.
Zwar könne er nachvollziehen, dass die Äußerungen
für Irritationen gesorgt hätten, der betroffene Bischof habe
aber klargestellt, dass sich solche Vergleiche verböten. «Es
gibt keinen Grund, diesem selbstkritischen Wort zu misstrauen.»
Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hatte die Zustände
in den palästinensischen Städten mit dem Warschauer Getto
verglichen. Der Augsburger Bischof Walter Mixa hatte zudem von
israelischem Rassismus im Umgang mit den Palästinensern
gesprochen. Schalev warf den Bischöfen eine Unwissenheit der
Geschichte vor. In einem Beschwerdebrief an Lehmann schrieb er:
«Das israelische Vorgehen hat keinerlei Ähnlichkeit mit dem
der Nazis.» Kritik an Israel sei legitim. Aber der Holocaust
müsse aus billiger politischer Verwertung und Demagogie
herausgehalten werden. Der Nazi-Plan zur Vernichtung des jüdischen
Volks mit der Situation der Palästinenser sei nicht vergleichbar.
Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Johannes
Gerster, warnte vor der Vergiftung der Atmosphäre und forderte
beide Seiten zur Mäßigung auf. Die gegen Israel erhobenen
Rassismus-Vorwürfe seien unhaltbar und unsinnig. Die daraufhin von
jüdischer Seite erhobenen Antisemitismus-Vorwürfe gegen die
Bischöfe seien unberechtigt. «Durch diese Art
öffentlicher Auseinandersetzung wird das Klima zwischen Juden und
Katholiken in Deutschland unnötig vergiftet und die so notwendige
sachliche Auseinandersetzung über den Nahostkonflikt und seine
Ursachen erschwert», erklärte der CDU-Politiker.
Die Bischofskonferenz hat sich nach Gersters Ansicht durch Lehmann
«eindeutig und klar zu Israel bekannt und die Infragestellung
dieses Staates ebenso wie den Terror gegen Israel verurteilt».
Ihre zu Recht angreifbaren Vergleiche und Stellungnahmen seien
korrigiert und klargestellt. «Das sollte man akzeptieren und
nicht ständig neu aufwärmen.»
Auch der Chefhistoriker des Vatikans, Walter Brandmüller, warnte
vor «weiterer Aufregung». Zugleich bekräftigte er die
Kritik an der israelischen Politik. Er sagte im Deutschlandfunk, es sei
geradezu absurd, den deutschen Bischöfen Antisemitismus
vorzuwerfen. «Man kann doch nicht in Jad Vaschem erschüttert
sein und dann über das Elend, das man in Ramallah vor Augen hat,
einfach zur Tagesordnung übergehen», sagte Brandmüller.
«Nur das Warschauer Getto ist leider nicht mehr ungeschehen zu
machen, aber Ramallah könnte wohl geändert werden.»
(Quelle: ap)
Deutsche interessieren sich nur wenig für Weblogs
Do.08.03.07 - Die Bundesbürger nutzen das Internet zwar immer intensiver. Doch
Weblogs sind in hier zu Lande immer noch vergleichsweise unpopulär.
Nur acht Prozent der hiesigen Internet-Nutzer betreiben ein eigenes
Blog. Deutschland bildet damit das Schlusslicht in Europa, wie die
Zeitschrift «Internet Professionell» (Heft 03/2007) unter
Berufung auf eine europaweite Studie berichtet. Zum Vergleich: In
Frankreich sind es 25 Prozent und in Dänemark 20 Prozent. Im
europäischen Durchschnitt nutzen 15 Prozent der Internetnutzer
Weblogs.
Allerdings sind die Deutschen mittlerweile im Durchschnitt an fünf
Tagen pro Woche im Internet unterwegs. Dabei surfen sie zwischen 20
Minuten und rund 10 Stunden. Dies entspricht einer Steigerung um 14
Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie die Zeitschrift weiter
berichtet. Wesentlich beliebter als Weblogs sind bei deutschen
Internetsurfern beispielsweise Instant-Messaging-Dienste, die von fast
jedem Vierten genutzt werden. Webradio hören 21 Prozent und
immerhin 15 Prozent telefonieren via Internet.
(Quelle: ddp)
Frauen gehen vorsichtiger ins Internet
Do.08.03.07 - Frauen bewegen sich auf unbekannten Gefilden im Internet weitaus
vorsichtiger als Männer, wie eine Studie der IT-Sicherheitsfirma
Symantec jetzt ergeben hat. So rufen 85 Prozent der Frauen in
Deutschland keine Web-Site auf, die ihnen verdächtig erscheint. Bei
Männern sind es nur 72 Prozent.
Die größere Vorsicht macht sich auch bei der Bereitschaft
zum Download bemerkbar. So laden 58 Prozent der Männer, aber nur 30
Prozent der Frauen Updates von Programmen herunter. Fast die
Hälfte der Frauen verzichtet grundsätzlich auf Downloads von
Inhalten jeder Art. Zum Online-Shopping mit der Kreditkarte sind 55
Prozent der Männer, aber nur 32 Prozent der Frauen bereit.
Allerdings achten Männer dabei eher auf eine verschlüsselte
Datenübertragung als Frauen. Für die Erhebung wurden jeweils
200 Internet-Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz
befragt.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Weltberühmter französischer Soziologe und Philosoph
Baudrillard ist tot
Do.08.03.07 - Der weltberühmte Soziologe und Philosoph Jean Baudrillard, einer
der bekanntesten Franzosen, ist tot. Wie Vertraute Baudrillards der
Nachrichtenagentur AFP sagten, starb er in Paris nach langer Krankheit.
Der einstige Deutschlehrer und Brecht-Übersetzer wurde 77 Jahre
alt. Baudrillard, einer der einflussreichsten Denker der Postmoderne,
hatte Soziologie an der Universität Nanterre gelehrt, die im
Zentrum der Protestbewegung vom Mai 1968 gestanden hatte. In der
Folgezeit machte er sich als scharfer Kritiker der Konsumgesellschaft
und der Medien einen Namen.
Der 1929 in der Champagnermetropole Reims geborene Baudrillard
verfasste rund 50 Bücher. Als seine Hauptwerke gelten "Der
symbolische Tausch und der Tod" und "Requiem für die Medien". Der
einstige Marxist mokierte sich zunehmend auch über linke Utopien
oder die Vorstellung, Intellektuelle könnten die Politik
beeinflussen. Seine scharfen Aphorismen würden "mit der Zeit immer
weniger verstanden", stellte er nüchtern fest; "doch das ist mein
Problem". In Büchern setzte sich Baudrillard auch mit den USA
auseinander. Nach einer US-Reise beschrieb er diese als "Originalversion
der Modernität, von der wir die synchronisierte und mit Untertiteln
versehenen Version sind".
In seinen späten Jahren befasste sich Baudrillard unter anderem
mit den Attentaten des 11. September 2001 in den USA oder mit dem
Medien-Phänomen um die TV-Sendung "Big Brother". Baudrillard wurde
abwechselnd als Nihilist oder Moralist eingestuft; Kritiker wie Alan
Sokal und Jean Bricmont warfen ihm vor, seine Werke seien in
Wirklichkeit inhaltsleer.
(Quelle: afp)