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Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertvierundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mehr als drei Millionen schiitische Pilger in Kerbela.
Ministerpräsident Al-Maliki zu Fuß in Bagdader Viertel
unterwegs
Sa.10.03.07 - Mehr als drei Millionen schiitische Gläubige haben sich an einer
Pilgerreise in die Stadt Kerbela, rund 110 Kilometer südlich von
Bagdad, beteiligt. Viele Pilger waren in schwarz gekleidet. Sie
peitschten sich zum Rhythmus von Trommeln und Gebeten den Rücken.
Die Schiiten feiern das Ende der 40-tägigen Trauerperiode aus
Anlass des Todes von Imam Hussein, einem Enkel des Propheten Mohammed.
In Kerbela befindet sich das Mausoleum des Imams, der dort im Jahr 680
von den Truppen des sunnitischen Kalifen Jasid getötet wurde.
"Mehr als drei Millionen Pilger sind schon in der Stadt eingetroffen",
sagte der Gouverneur von Kerbela, Akil el Chasaali. "Man kann den Boden
nicht mehr sehen, weil überall Menschen sind." Die
Sicherheitskräfte versuchten mit Personalkontrollen und der Ausgabe
von Ausweisen der Gefahr von Anschlägen entgegenzuwirken. Am
Dienstag waren bei Anschlägen in der Stadt Hilla, 40 Kilometer
östlich von Kerbela, 117 Pilger getötet worden.
Um sein Vertrauen in die Sicherheitsbemühungen seiner Regierung zu
zeigen, hat der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki am
Freitag zu Fuß ein Viertel in Bagdad besucht. Al-Maliki sei durch
die Straßen gelaufen und habe mit Anwohnern gesprochen, sagte ein
Berater des Regierungschefs. Einzelheiten zum
öffentlichkeitswirksamen Besuch al-Malikis wurden allerdings zuvor
aus Sicherheitsgründen nicht bekannt gegeben.
Vor der am Samstag beginnenden internationalen Irak-Konferenz wurden
die Vorkehrungen erneut verschärft. Die Innenstadt blieb wie in den
vergangenen Wochen auch am Freitag erneut mehrere Stunden lang für
den Autoverkehr gesperrt. An der Regionalkonferenz im Innenministerium
von Bagdad nehmen Iraks Nachbarn sowie Delegation der fünf
ständigen Sicherheitsratsmitglieder und der UN teil.
Georgien kündigte unterdessen an, seine Truppen im Irak zu
verdoppeln. Die Zahl der Soldaten werde von derzeit 850 auf mehr als
2.000 steigen, erklärte die georgische Botschaft am Donnerstag in
Washington.
(Quelle: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 10.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.10.03.06 - Zehn Tote bei Anschlag +++ Irakische Justiz lässt 13
Aufständische hinrichten +++ US-Militär will Gefängnis von
Abu Ghoreib an Iraker übergeben +++ Angeblich neues Lebenszeichen der
deutschen Irak-Geiseln...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0603100.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Israelische Armee benutzte offenbar Kinder als Schutzschilde. Israels
Ministerpräsident Olmert und Palästinenserpräsident Abbas
bleiben im Gespräch
Sa.10.03.07 - Die israelische Armee hat offenbar bei ihrem Großeinsatz in
Nablus im Westjordanland drei Zivilisten als menschliche Schutzschilde
missbraucht. Unter ihnen seien ein 15-jähriger Junge und ein
11-jähriges Mädchen gewesen, teilte die israelische
Menschenrechtsorganisation B'Tselem mit. Augenzeugen hätten
berichtet, dass die Soldaten die drei Zivilisten gezwungen hätten,
sie bei ihren Durchsuchungen zu begleiten. Die Soldaten hätten
befürchtet, dass sie in den Häusern von palästinensischen
Kämpfern angegriffen würden.
"Die beiden Minderjährigen und der Erwachsene wurden gezwungen,
sich einer eindeutigen Gefahr auszusetzen und den Soldaten war das
bewusst", kritisierte die Menschenrechtsgruppe. Ein Militärsprecher
kündigte eine Untersuchung des Vorfalls an. Bei dem Einsatz in
Nablus Ende Februar, dem größten der Armee seit Monaten im
Westjordanland, hatten israelische Soldaten Häuser durchsucht und
eine teilweise Ausgangssperre verhängt. Ein Palästinenser
wurde dabei getötet und zehn weitere verletzt.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert und der
palästinensische Präsident Mahmud Abbas wollen am Sonntag zum
zweiten Mal in diesem Monat zum direkten Gespräch zusammenkommen.
Mit dem Treffen solle in erster Linie der Mitte Februar eingeleitete
Austausch lebendig gehalten werden, sagte Olmerts Sprecherin Miri Eisin
am Freitag in Jerusalem. Auch Abbas-Berater Sajeb Erakat wandte sich
gegen überzogene Erwartungen.
Das jüngste Treffen zusammen mit US-Außenministerin
Condoleezza Rice brachte am 19. Februar keine konkreten Ergebnisse. Kurz
zuvor hatte sich Abbas mit der islamisch-fundamentalistischen Hamas auf
die Bildung einer gemeinsamen Regierung geeinigt. Auch nach der
Einbeziehung der Fatah von Präsident Abbas bleiben Israel und die
internationale Gemeinschaft jedoch bei ihrer Politik der Isolierung,
weil die neue Regierung die Friedensabkommen mit Israel lediglich
«respektieren» und nicht in vollem Umfang anerkennen will.
Diese Bedenken werde Olmert bei dem Treffen mit Abbas zur Sprache
bringen, sagte seine Sprecherin Eisin. Außerdem will Israel die
Verwendung von 76 Millionen Euro an Steuermitteln überprüfen,
die bislang zurückgehalten und im Januar unter Auflagen an Abbas
überwiesen wurden. Dazu gehörte die Bedingung, dass die Mittel
nur für humanitäre Zwecke und für die
Sicherheitskräfte von Abbas, nicht aber für die
Hamas-Regierung verwendet werden.
(Quellen: afp, ap)
Sudanesischer Präsident Al Baschir stellt UN-Friedensplan in Frage
Sa.10.03.07 - Der sudanesische Präsident Omar al Baschir hat in einem Brief an
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die geplante Entsendung von
Blauhelmen in die Krisenregion Darfur in Frage gestellt. UN-Sprecherin
Marie Okabe erklärte am Freitag in New York, Ban habe den Brief am
Donnerstag erhalten, zwei Monate nach der Aufforderung an den Sudan,
der Stationierung schriftlich zuzustimmen.
Al Baschir hatte den Plan im November grundsätzlich angenommen,
später aber wieder Kritik geäußert. Okabe sagte, der
Brief vom 6. März enthalte Elemente, die die Vereinbarungen vom
November offenbar in Frage stellten. Es gebe jedoch auch positive
Punkte, wie die Unterstützung des Präsidenten für die
gemeinsamen Friedensbemühungen in Darfur. Einzelheiten nannte sie
nicht. Die UN will die in Darfur stationierten Truppen der
Afrikanischen Union (AU) stufenweise durch Blauhelme verstärken.
(Quelle: ap)
Deutschland
Innenminister Schäuble will Bundespolizisten zu
Auslandseinsätzen verpflichten
Sa.10.03.07 - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will Beamte der
Bundespolizei auch ohne deren Einwilligung in Auslandseinsätze
schicken und dafür eine gesetzliche Grundlage schaffen. «Es
wird zunehmend Auslandsverwendungen geben müssen», sagte
Schäuble der «Mitteldeutschen Zeitung». Zwar gebe es
derzeit genug Freiwillige. «Aber andere Möglichkeiten lasse
ich prüfen.»
Die Situation eines Polizeibeamten auf Lebenszeit sei nicht mit der
eines Wehrpflichtigen zu vergleichen, betonte der CDU-Politiker. Zwar
orientiere er sich am Prinzip der Fürsorge. Dienstliche Belange
hätten jedoch Vorrang. «Und dass Verwendungen von Polizisten
im Ausland zunehmend wichtiger werden, ist keine Frage.»
Weiter sagte Schäuble, Polizeiarbeit finde eben nicht mehr nur in
den Grenzen Deutschlands statt. Daher müssten die gesetzlichen
Grundlagen für Auslandseinsätze geschaffen werden. Gegen ein
entsprechendes Gesetz hat der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei,
Konrad Freiberg, bereits Protest angekündigt
(Quelle: ap)
Bundestag stimmt Tornado-Einsatz in Afghanistan zu
Sa.10.03.07 - Der Bundestag hat mit großer Mehrheit der Entsendung von
Tornado-Flugzeugen nach Afghanistan zugestimmt. 405 von 573 Abgeordneten
votierten am Freitag dafür, 157 dagegen, 11 enthielten sich der
Stimme. Sechs bis acht Maschinen vom Typ «Recce» sollen in
der Krisenregion zu Aufklärungszwecken eingesetzt werden.
Die Bundeswehr ist zurzeit mit mehr als 2.900 Soldaten in Afghanistan
im Einsatz. Deutschland ist damit der drittgrößte
Truppensteller im Rahmen der ISAF-Mission zur militärischen
Absicherung des Wiederaufbaus in Afghanistan. Die Bundeswehr trägt
die Verantwortung für den gesamten Norden des Landes.
Mit der Entsendung der Tornados und rund 500 weiteren Soldaten kommt
die Bundesregierung einer Bitte der NATO nach. Die Debatte im Bundestag
wurde durch den Tod des deutschen Entwicklungshelfers Dieter
Rübling in Afghanistan überschattet.
(Quelle: ap)
Grünen-Politiker fordern Rücktritte nach Ja zum
'Tornado'-Einsatz
Sa.10.03.07 - Grünen-Politiker aus Nordrhein-Westfalen fordern wegen der
Zustimmung zum «Tornado»-Einsatz in Afghanistan den
Rücktritt der Bundestagsfraktionschefs Renate Künast und
Fritz Kuhn sowie von Parteichef Reinhard Bütikofer. «Es muss
jetzt etwas passieren, die drei müssen zurücktreten»,
sagte der Grünen-Landtagsabgeordnete Rüdiger Sagel der
«tageszeitung» (Samstagsausgabe). Wenn das
«abweichende Verhalten» beim Afghanistan-Einsatz keine
Konsequenzen habe, seien Grünen-Parteitage zukünftig nur noch
«Witzveranstaltungen», argumentierte Sagel.
Die jüngste Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen im Dezember
vergangenen Jahres in Köln hatte den Angaben zufolge gegen eine
Ausdehnung des deutschen Militäreinsatzes votiert, die Mehrheit
der Grünen-Bundestagsfraktion stimmte am Freitag dennoch für
die Entsendung der Flugzeuge.
Der Grünen-Fraktionsgeschäftsführer im Bundestag, Volker
Beck, nannte die Rücktrittsforderungen «eine
Unverschämtheit». Alle Fraktionsmitglieder hätten sich
ihre Entscheidung gut überlegt, sagte er der Nachrichtenagentur
ddp. «Es gibt kein imperatives Mandat bei
Gewissensentscheidungen», betonte Beck, der als
nordrhein-westfälischer Bundestagsabgeordneter gegen den
«Tornado»-Einsatz gestimmt hatte. Auch früher
hätten die Grünen Meinungen respektiert, die von
Parteitagsbeschlüssen abgewichen seien.
(Quelle: ddp)
Bundestag billigt Rente mit 67
Sa.10.03.07 - Arbeitnehmer in Deutschland werden ab dem Jahr 2012 erst später in
Rente gehen können. Der Bundestag beschloss am Freitag mit den
Stimmen der Koalition gegen das Votum der Opposition die schrittweise
Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre. Auch ein Gesetzentwurf
zur Verbesserung der Jobchancen Älterer passierte das Parlament.
Geplant sind hier vor allem Kombilöhne für Beschäftigte
und Eingliederungszuschüsse für Unternehmen. Die
Gewerkschaften kritisierten den Beschluss zur Rente mit 67.
Für die Rente mit 67 votierten 408 Abgeordnete. 169 Parlamentarier
stimmten dagegen, 4 enthielten sich. Bei der SPD gab es 11 Nein-Stimmen
und 4 Enthaltungen. Die Union votierte geschlossen für das Gesetz,
die Opposition geschlossen dagegen. Die Grünen sprachen sich im
Grundsatz zwar für die Rente mit 67 aus, sehen aber die 45er-Regel
als Diskriminierung von Frauen, Arbeitslosen und späten
Berufseinsteigern. Die Regel besagt, dass Versicherte weiter mit 65
Jahren ohne Abschläge in Rente gehen können, wenn sie 45 Jahre
lang in die Rentenkassen eingezahlt haben. Der Bundesrat befasst sich
am 30. März mit der Vorlage.
Sozialminister Franz Müntefering (SPD) verteidigte die
Regierungspläne. Die Menschen bezögen immer länger Rente
und stiegen später in den Beruf ein. «Man kann das alles
ignorieren. Klug wäre das nicht, verantwortlich schon gar
nicht», sagte Müntefering. Die gesetzliche Rente bleibe zwar
Kern der Alterssicherung. Die Privatvorsorge müsse aber ausgebaut
werden. Müntefering kündigte dazu noch in diesem Jahr bessere
Rahmenbedingungen an. Der Vizekanzler warb ferner für die
«Initiative 50plus». Über 50-Jährige müssten
noch eine «echte Chance» auf dem Arbeitsmarkt haben.
Unions-Fraktionsvize Ilse Falk (CDU) sagte, weil die Menschen immer
älter würden und zu wenig Kinder bekämen, stoße der
Generationenvertrag an seine Grenzen. Falk mahnte, Vorschläge
für mehr Flexibilität des Renteneintritts ernsthaft zu
prüfen, ohne die Rente mit 67 in Frage zu stellen.
Der FDP-Rentenexperte Heinrich Kolb zweifelte die Pläne an, die
Jobchancen für Ältere zu verbessern. Entsprechende Versuche
seien schon in der Vergangenheit gescheitert. Der
Links-Fraktionspolitiker Klaus Ernst sprach von einer
Rentenkürzung. Die Regierung sage nicht, wo und wie die Menschen
länger arbeiten sollen. Das Konzept sei daher eine «pure
Luftnummer». Links-Fraktionschef Gregor Gysi verlangte die
Einbeziehung aller Einkommen in die Rentenbeitragspflicht.
Die Grünen-Abgeordnete Irmingard Schewe-Gerigk forderte die
Regierung auf, alle zwei Jahre die Beschäftigungslage für
Ältere darzulegen, damit gegebenenfalls weitere Maßnahmen
ergriffen werden können. Das Gesetz zur «Initiative
50plus» fand im Gegensatz zur Rente mit 67 die Zustimmung der
Grünen.
DGB-Chef Michael Sommer bedauerte das Votum, bei dem sich viele
Abgeordnete nur «knurrend dem Fraktionszwang gebeugt»
hätten. Die Debatte um die Rente mit 67 sei aber nicht beendet. Die
Nagelprobe komme 2010, wenn anhand der
Arbeitsmarktüberprüfung entschieden werde, ob die Rente mit 67
Realität werde. IG-Metall-Chef Jürgen Peters bezeichnete den
Beschluss als «fatale sozialpolitische Fehlentscheidung»
gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung.
(Quelle: ddp)
Sozialverbände fordern mehr Jobs für Ältere
Sa.10.03.07 - Die Sozialverbände halten die Rente mit 67 nur dann für
annehmbar, wenn die Jobchancen für Ältere drastisch verbessert
werden. Wenn dies bis 2010 nicht geschehen sei, müsse die am
Freitag beschlossene Erhöhung des Rentenalters ausgesetzt werden,
betonte der Präsident des Sozialverbands Deutschland, Adolf Bauer.
«Solange viele ältere Beschäftigte gar nicht die Chance
haben, bis zum Alter von 67 Jahren zu arbeiten, darf die Rente mit 67
nicht eingeführt werden», meinte Bauer. Derzeit hätten
nur 45 Prozent der über 55-Jährigen einen Job. «Wer die
Rente mit 67 einführt, ohne dass sich das grundlegend verbessert
hat, macht den ersten vor dem zweiten Schritt.»
Auch der Sozialverband VdK sieht darin ein Rentenkürzungsprogramm.
Es sei unannehmbar, dass die Ruheständler immer größere
Abschläge hinnehmen müssten, wenn gleichzeitig die Jobs
fehlten, sagte VdK-Chef Walter Hirrlinger der Chemnitzer «Freien
Presse».
(Quelle: ap)
Offener Dissens in der Regierung über Atompolitik
Sa.10.03.07 - Der Atomstreit in der Koalition ist am Freitag offen zu Tage getreten:
Nachdem Umweltminister Sigmar Gabriel einen Antrag des Konzerns RWE auf
Übertragung von Reststrommengen des AKW Mülheim-Kärlich
auf die Anlage Biblis A abgelehnt hatte, erklärte
Regierungssprecher Thomas Steg, Kanzleramt und Wirtschaftsministerium
hielten diese Übertragung für möglich. Er verwies den
Konzern auf den Rechtsweg gegen Gabriels Beschluss.
Der SPD-Minister hatte zuvor den RWE-Antrag als Verstoß gegen das
Atomgesetz abgelehnt. Der endgültige Bescheid ergehe nach Ablauf
einer Entgegnungsfrist im April oder Mai. Die Debatte zwischen Gabriel
und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatte sich zuletzt
wegen des Antrags auf eine längere Laufzeit für Biblis A
verschärft.
RWE hatte vergangenen September beantragt, Reststrommengen des
stillgelegten Atomkraftwerke Mülheim-Kärlich auf Biblis A
übertragen zu können. Eine solche
Übertragungsmöglichkeit ist nach Auffassung Gabriels im
Atomgesetz nicht gegeben.
Ein von RWE dem Antrag beigefügtes Rechtsgutachten, wonach die
Übertragung dennoch möglich sei, ist nach den Worten Gabriels
«rechtsfehlerhaft und abwegig». Die Ablehnung sei RWE
«im Benehmen» mit dem Kanzleramt und dem
Bundeswirtschaftsministerium mitgeteilt worden. Außer einem
Hinweis auf die Rechtsauffassung von RWE habe es von Regierungsseite
keinen Widerspruch gegeben.
Die unterschiedlichen Auffassungen innerhalb der Regierung ändern
nach Stegs Worten jedoch nichts daran, dass die Ablehnung erst einmal
gilt. Es handele sich um eine Verwaltungsentscheidung, gegen die vor den
Verwaltungsgerichten geklagt werden könne. Steg verwies ebenfalls
auf das Atomgesetz, nach dem die Ablehnung eines solchen Antrags dem
Umweltminister überlassen ist und sie nur «im
Benehmen», also nach Unterrichtung von Kanzleramt und
Wirtschaftsressort, entschieden werden kann. Nur bei Zustimmung muss
Einigkeit zwischen den drei Behörden hergestellt werden.
(Quelle: ap)
Länder wollen Einbürgerungsvoraussetzungen verschärfen
Sa.10.03.07 - Die Länder treiben die geplante Verschärfung der
Einbürgerungsvoraussetzungen in Deutschland voran. Der Bundesrat
brachte am Freitag einen entsprechenden Gesetzentwurf zahlreicher
unions-geführter Länder sowie der rheinland-pfälzischen
SPD-Regierung beim Bundestag ein. Danach sollen künftig nur
diejenigen die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten, die die
deutsche Sprache hinreichend beherrschen. Mit dem Gesetzentwurf, der
sich auf einen Beschluss der Innenministerkonferenz vom Mai 2006
bezieht, soll auch die unterschiedliche Einbürgerungspraxis der
Länder vereinheitlicht werden.
Danach sollen Einbürgerungsbewerber künftig nachweisen, dass
sie über «staatsbürgerliches Grundwissen»
verfügen, Grundsätze und Werte der deutschen
Verfassungsordnung kennen und bislang rechtstreu in der Bundesrepublik
gelebt haben. Dabei soll eine Einbürgerung in der Regel
ausgeschlossen sein, wenn der Bewerber zu einer Geldstrafe von 90
Tagessätzen oder zu mehr als drei Monaten Haft verurteilt worden
war.
Bei Bewerbern, die besondere Integrationsanstrengungen unternommen
haben, soll dagegen die Mindestaufenthaltsdauer für eine
Einbürgerung auf sechs Jahre verkürzt werden können.
Vorgeschrieben werden soll auch ein feierlicher Rahmen bei der
Überreichung der Einbürgerungsurkunde sowie die Ablegung eines
Eides oder feierlichen Bekenntnisses.
In der Debatte betonte Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber
(CSU), mit der angestrebten Neuregelung würden Mängel im
geltenden Einbürgerungsrecht beseitigt. Künftig solle nur noch
jemand die deutsche Staatsangehörigkeit beanspruchen können,
«der unsere Rechts- und Werteordnung anerkennt und in die
deutsche Gesellschaft integriert ist».
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Ratten bewerten ihr eigenes Können
Sa.10.03.07 - Ratten können ihre eigenen Fähigkeiten beurteilen und weichen
zu schwer erscheinenden Aufgaben aus. Eine solche Fähigkeit zur
Selbsteinschätzung sei bislang nur von Primaten bekannt gewesen,
berichten US-Forscher im Journal «Current Biology» (online
vorab veröffentlicht).
Die Psychologen Allison Foote und Jonathon Crystal von der
Universität von Georgia in Athens hatten zunächst acht Ratten
darauf trainiert, zwei Töne zu unterscheiden: einen eher kurzen (2
bis 3,6 Sekunden) und einen eher längeren (4,4 bis 8 Sekunden).
Nach der Übungsphase waren die Tiere in der Lage, beim Hören
eines Tones zu entscheiden, ob es sich um einen kurzen oder
längeren handelte - und entsprechend einen von zwei Knöpfen
anzustupsen. Bei einer korrekten Antwort gab es Futter, bei einer
falschen nichts.
Die so trainierten Ratten wurden anschließend in einem zweiten
Versuchs-Parcours untergebracht. Dort wurde ihnen ein Ton vorgespielt -
entweder kurz oder lang. Diese galt es dann zu unterscheiden. Die Nager
konnten per Knopfdruck zunächst entscheiden, ob sie überhaupt
an dem Tontest teilnehmen mochten. Die Tiere hatten die Qual der Wahl:
Teilnehmen mit der Chance auf einen großen Futterberg - aber
gleichzeitig mit dem Risiko, gar nichts zu bekommen. Die zweite
Alternative: Nicht teilnehmen und mit Sicherheit nur halb so viel Futter
bekommen.
Die Tiere «übten» zunächst mit klar
unterscheidbaren Tonlängen, in späteren Versuchsreihen wurden
die Töne so gewählt, dass sich ihre Länge nur minimal
unterschied - und die Ratten sich deshalb oftmals für den falschen
Knopf entschieden. Bei klar unterscheidbaren Töne wählten die
Ratten meist den lockenden großen Futterberg, berichten die
Forscher. Anders war das bei nahezu gleich langen Tönen. Hier war
die Unsicherheit größer und die Tiere entschieden sich lieber
für die kleine, aber dafür sichere Futterportion.
Ratten seien also in der Lage, ihr eigenes Wissen und Können
einzuschätzen und entsprechend zu handeln, erklären die
Forscher. Diese Fähigkeit könne es auch bei anderen Tieren
geben. «Diese Art der Forschung könnte unser Denken über
das Erkenntnisvermögen und die Gedächtnisleistung von Tieren
verändern», schrieb Crystal.
(Quelle: dpa)