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Irak am neunhundertsechsundachtzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Präsidentschaftskandidat Obama spricht sich für Abzug aus
dem Irak aus. Mindestens 58 Tote bei Anschlägen. Internationale
Sicherheitskonferenz in Bagdad: USA und Iran bewerten erste direkte
Gespräche seit 2003 positiv
Mo.12.03.07 - Der amerikanische Präsidentschaftskandidat Barack Obama hat sich
für einen Abzug der US-Truppen aus dem Irak ausgesprochen. Wenn die
irakische Regierung keine ernsthaften Reformen einleite, «gibt es
nicht viel, was wir tun können», sagte Obama auf einer
Wahlkampfveranstaltung in Dubuque im US-Staat Iowa. «Es ist Zeit,
diesen Krieg zu beenden und unsere Soldaten heimzuholen»,
forderte der Senator von Illinois und erhielt dafür stehende
Ovationen. Obama gilt neben Hillary Clinton als aussichtsreichster
Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen
Partei.
Bei Anschlägen im Irak sind mindestens 58 Menschen ums Leben
gekommen. Bei der Explosion einer Autobombe im Zentrum Bagdads wurden
31 Menschen getötet und 25 weitere verletzt. Zunächst war von
19 Toten und 20 Verletzten die Rede. Der Anschlag zielte laut
Sicherheitskräften auf schiitische Pilger, die von Feierlichkeiten
zu Ehren des Imams Hussein aus dem südirakischen Kerbala
zurückkehrten. Zehn Menschen starben und sieben wurden verletzt,
als ein Selbstmordattentäter einen Sprengstoffgürtel
zündete.
Bei einer Explosion nahe einem Kontrollpunkt wurden zwei Zivilisten
getötet und sechs verletzt. Bei Anschlägen im nordirakischen
Mossul und anderen Teilen des Landes wurden insgesamt 15 Menschen
getötet und acht verletzt.
Trotz anhaltender Meinungsverschiedenheiten haben die USA und der Iran
eine positive Bilanz ihrer ersten direkten Gespräche seit Beginn
des Irak-Kriegs gezogen. Die Verhandlungen könnten ein erster
Schritt für mehr Sicherheit und Stabilität im Irak sein,
erklärte das Außenministerium in Teheran am Sonntag. Tags
zuvor hatten sich auf der internationalen Irak-Konferenz in Bagdad die
Delegierten beider Seiten einen verbalen Schlagabtausch geliefert.
Die Verhandlungen in Bagdad seien konstruktiv verlaufen, sagte der
Sprecher des iranischen Außenministeriums, Mohammed Ali Hosseini.
Teheran sei bereit, jeden Plan für ein Ende des
Blutvergießens in dem Nachbarland zu unterstützen. Auch
US-Botschafter Zalmay Khalilzad betonte, die Gespräche seien
insgesamt positiv und konstruktiv verlaufen: «Niemand hat auf den
Tisch gehauen.»
Auf der Bagdader Konferenz gaben sich am Samstag die Vertreter beider
Seiten gegenseitig die Schuld an der Krise im Irak. Der US-Delegierte
David Satterfield warf in seinen Ausführungen dem Iran vor,
schiitische Milizen im Irak zu bewaffnen. Daraufhin entgegnete laut
einem Gewährsmann der iranische Delegationsleiter und
stellvertretende Außenminister Abbas Araghtschi, die USA
versuchten mit solchen Vorwürfen nur von ihrem Versagen im Irak
abzulenken.
Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki bat auf der Tagung
um Hilfe im Kampf gegen Extremisten und warnte davor, dass die Gewalt
zwischen Schiiten und Sunniten auf den gesamten Nahen und Mittleren
Osten übergreifen könnte. Er benötige breite
Unterstützung, um ein Übergreifen der Gewalt auf die gesamte
Region zu verhindern. Terroristen müssten insbesondere von
Waffenlieferungen und finanzieller Hilfe abgeschnitten werden.
An der Konferenz nahmen unter anderem Delegierte der sechs
Nachbarländer des Iraks sowie der fünf ständigen
Mitglieder im UN-Sicherheitsrat teil. Sie diente der Vorbereitung einer
Konferenz auf Ministerebene, die im kommenden Monat in Istanbul
stattfinden soll.
Das Treffen fand unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen im
Außenministerium statt, das außerhalb der hermetisch
abgeriegelten Grünen Zone liegt. Kurz nach der Eröffnung
schlugen in unmittelbarer Nähe des Tagungsorts mindestens zwei
Mörsergranaten ein. Im schiitischen Viertel Sadr City riss ein
Selbstmordattentäter bei einem Autobombenanschlag mindestens 20
Menschen mit in den Tod. 48 weitere wurden laut Polizei verletzt.
Die sunnitische Extremistengruppierung Islamischer Staat im Irak
bezeichnete die Sicherheitskonferenz im Irak als Schutzmaßnahme
für Israel. Die Konferenz vom Samstag sei dazu bestimmt gewesen,
"die Sicherheit Israels sicherzustellen, damit der große
jüdische Staat in Palästina errichtet wird", erklärte
ein Sprecher der Gruppierung des Terror-Netzwerkes El Kaida auf seiner
Internetseite. US-Präsident George W. Bush sei am Ende seines
Mandats angelangt und habe "alle seine Lügen ausgeschöpft",
hieß es weiter.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 12.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertzweiundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Islamisten drohen Deutschland und Österreich mit Attentaten
Mo.12.03.07 - Eine islamistische Gruppe hat mit Anschlägen in Deutschland und
Österreich gedroht, falls die beiden Länder ihre Soldaten
nicht aus Afghanistan zurückziehen. Auf einem Videoband der Gruppe
namens Stimme des Kalifats, das auf einer El Kaida nahestehenden
Internetseite zu lesen war, verliest ein vermummter Mann eine
entsprechende Erklärung. Darin wird unter anderem gefragt, welches
Interesse Deutschland habe, 2750 Soldaten in Afghanistan "für die
Lügen von (US-Präsident George W.) Bush und seine Bande"
kämpfen zu lassen. Fachleute der Bundesregierung beschäftigten
sich mit der Analyse des Videos.
Zu Österreich heißt es, es war und sei immer noch "eines der
sichersten Länder in der Welt". Wenn Österreich jedoch auf die
Liste der Mudschahedin (Heilige Krieger) gerate, werde sich "die Lage
ändern".
Die Videobotschaft werde "derzeit von Spezialisten der Bundesregierung
ausgewertet", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in
Berlin. Auch der wegen der Morddrohung gegen zwei deutsche Geiseln im
Irak einberufene Krisenstab des Auswärtigen Amtes befasse sich mit
dem Video. Das Gremium setze zudem seine Bemühungen um die
Befreiung der Geiseln im Irak intensiv fort. Bundesaußenminister
Frank-Walter Steinmeier (SPD) lasse sich laufend über den Stand der
Arbeit unterrichten.
Am Samstag war auf einer islamistischen Internetseite ein Video der
Gruppe Kataeb Siham el Hak ("Brigade der Pfeile der Rechtschaffenheit")
veröffentlicht worden, auf dem die Geiselnehmer von zwei im Irak
entführten Deutschen mit deren Hinrichtung drohten, falls
Deutschland keinen Trupppenabzug aus Afghanistan vornehme.
(Quelle: afp)
Mutmaßliche Taliban töten acht Polizisten in Afghanistan
Mo.12.03.07 - In der südlichen Provinz Kandahar in Afghanistan haben
mutmaßliche Taliban-Kämpfer nach Angaben der örtlichen
Polizei acht afghanische Polizisten getötet. Der Vorfall habe sich
im Distrikt Argistan ereignet, sagte der Kommandeur der Grenzpolizei der
Provinz. Kandahar gehört zu den Hochburgen der radikalislamischen
Taliban, die für den Sturz der von den USA unterstützen
Regierung unter Präsident Hamid Karsai kämpfen.
In der Nachbarprovinz Helmand hatte die NATO-geführte
Internationale Afghanistan-Truppe (ISAF) am Dienstag ihre
Frühjahrsoffensive "Operation Achilles" begonnen. Daran sind mehr
als 4500 ISAF- und etwa 1000 afghanische Soldaten beteiligt.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Kaum Fortschritte bei Gipfeltreffen zwischen Olmert und Abbas
Mo.12.03.07 - Auch der zweite Nahostgipfel binnen drei Wochen hat am Sonntag keine
entscheidenden Fortschritte gebracht. Der israelische Regierungschef
Ehud Olmert und der palästinensische Präsident Mahmud Abbas
vereinbarten bei ihrem zweistündigen Treffen in Jerusalem
lediglich, den Dialog fortzusetzen, wie aus israelischen
Regierungskreisen verlautete.
Die Palästinenser sprachen von einem «schwierigen»
Treffen ohne Einigung. Olmert habe bei der erhofften Lockerung der
Bewegungsfreiheit für die Palästinenser im Westjordanland und
einer Freilassung kranker und alter Gefangener keine Versprechen
gemacht, sagte Abbas-Berater Mohammed Dahlan. Olmert erklärte sich
israelischen Angaben zufolge in einer Geste des guten Willens aber dazu
bereit, die Öffnungszeiten des wichtigen Grenzübergangs Karni
in den Gazastreifen zu verlängern.
Angesichts der Verzögerung bei der Bildung einer neuen
palästinensischen Regierung unter Einschluss von Hamas und Fatah
war kein Durchbruch bei dem neuen Spitzengespräch erwartet worden.
Das Treffen sei konstruktiv gewesen, hieß es von israelischer
Seite. Olmert habe auch das Thema der Freilassung eines verschleppten
israelischen Soldaten und den anhaltenden Beschuss Israels mit Raketen
aus dem Gazastreifen angesprochen.
Zuletzt waren Abbas und Olmert am 19. Februar gemeinsam mit
US-Außenministerin Condoleezza Rice zusammengetroffen, auch
damals gab es keine konkreten Fortschritte zur Wiederbelebung des seit
mehr als sechs Jahren ausgesetzten Friedensprozesses.
Das Treffen wurde überschattet von neuer
innerpalästinensischer Gewalt. Bei einer Schießerei im
Gazastreifen wurde ein Aktivist der radikalislamischen Hamas
getötet, sieben Menschen erlitten Verletzungen. Es war der
schwerste Zwischenfall seit der Einigung auf eine gemeinsame Regierung
im vergangenen Monat.
Die Hamas kündigte Vergeltung an. Beide Seiten warfen sich
gegenseitig vor, die Gefechte in Beit Hanun begonnen zu haben. Bereits
am Samstag hatte der schwelende Konflikt zwischen den beiden
palästinensischen Organisationen wieder an Schärfe gewonnen,
als Bewaffnete unweit von Nablus auf das Fahrzeug eines
palästinensischen Kabinettsministers schossen. Minister Wasfi
Kibha blieb unversehrt.
Die regierende Hamas machte Sicherheitsbeamte mit Verbindungen zur
Fatah von Präsident Abbas für den Überfall
verantwortlich. Die Gruppen hatten sich im vergangenen Monat in Mekka
auf eine Aufteilung der Macht geeinigt, um wochenlange Kämpfe mit
mehr als 130 Toten zu beenden.
Olmert machte vor dem Treffen mit Abbas klar, dass
Friedensgespräche erst möglich seien, wenn die Hamas der
Gewalt abgeschworen habe. Er äußerte sich erneut
enttäuscht über das in Mekka erzielte Ergebnis. Die Hamas
lehnt auch eine formelle Anerkennung Israels ab und stimmte lediglich
einer Achtung bestehender Friedensvereinbarungen zu, was laut Abbas
einer indirekten Anerkennung Israels gleich kommt.
Der israelische Regierungschef erklärte sich am Sonntag bereit,
ernsthaft eine saudiarabische Friedensinitiative in Erwägung zu
ziehen. Riad hatte 2002 einen umfassenden Frieden der arabischen Welt
mit Israel vorgeschlagen, wenn sich das Land aus den seit dem
Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzten Gebieten zurückzieht. Der Plan
soll auch auf dem Gipfeltreffen der Arabischen Liga in diesem Monat auf
der Tagesordnung stehen.
(Quelle: ap)
Deutschland
US-Raketenpläne lösen in Deutschland Sorgen vor neuem Kalten Krieg aus
Mo.12.03.07 - Die Amerikaner stoßen mit ihren Raketenabwehrplänen auf
europäischem Boden in Deutschland parteiübergreifend auf
Unverständnis. FDP-Chef Guido Westerwelle forderte am Wochenende
Klarheit darüber, was die Bundesregierung während ihres
EU-Ratsvorsitzes tun werde, «um die drohende Rüstungsspirale
durch eine starke gemeinsame europäische Außen- und
Sicherheitspolitik zu verhindern». Auch Links-Fraktionschef Gregor
Gysi warnte vor einem neuen Wettrüsten.
Angesichts lauter werdender Kritik an den Raketenplänen wollen die
Amerikaner speziell in Deutschland für ihre Pläne werben. In
den nächsten Tagen werde US-Luftwaffengeneral Henry Obering, Chef
der amerikanischen Raketenabwehr, zu Gesprächen in Berlin erwartet,
berichtete «Der Spiegel» am Wochenende. Im Bundestag sowie
im Verteidigungsministerium wolle der General den Verdacht zerstreuen,
das in Mitteleuropa geplante System - eine Radaranlage in Tschechien
und Raketenstellungen in Polen - könne zu Konflikten mit den
Russen führen.
Die Raketenabwehr knüpft an das umstrittene SDI-Projekt aus der
Reagan-Ära an. In Europa sind es laut «Spiegel» vor
allem Befürworter einer stärkeren Integration der EU, die
gegen das Vorgehen der USA Front machen. So verlangt der luxemburgische
Außenminister Jean Asselborn, dass die EU eine eigenständige
Position formuliert. «Wir haben kein Interesse daran, dass Europa
sich darüber zerstreitet», sagte er und fügte warnend
hinzu: «Wir dürfen nicht wieder zum Spielball zwischen
Amerikanern und Russland werden.»
Der Luxemburger betonte: «Das ist ein europäisches
Problem.» Er verlangte, spätestens beim informellen
EU-Außenministertreffen Ende März in Bremen müsse die
Raketenabwehr Thema sein. Auch Westerwelle forderte eine abgestimmte
europäische Haltung und kritisierte die Alleingänge Polens und
Tschechiens. «Eine Raketenstationierung in Mittel- und Osteuropa
ist nicht die Privatangelegenheit von Prag, Warschau und Washington. Es
ist eine Angelegenheit ganz Europas - auch der NATO, aber eben
entscheidend Europas», sagte der FDP-Chef. Wenn die USA den
Aufbau eines Raketenabwehrsystems in Europa auf bilaterale Absprachen
stützten, sei dies «kein gemeinsames Vorgehen im Sinne einer
multilateralen Weltsicherheitspolitik».
Links-Fraktionschef Gysi warnte vor der Stationierung von US-Raketen in
Europa. «Das wäre der Anfang eines neuen Wettrüstens und
eines neuen Kalten Krieges, der verheerend und völlig
überflüssig ist.» Russland habe allen Grund, sich durch
das Raketenschild an seinen Grenzen von den USA und der NATO
«eingekreist und bedroht zu fühlen». Behauptungen der
Amerikaner, wonach die Raketenstellungen in Polen und Tschechien gegen
eine Bedrohung aus Nordkorea oder Iran gerichtet sind, hält Gysi
für unglaubwürdig: «An dieses Märchen glaubt die
russische Führung nicht."
Der russische Präsident Wladimir Putin hatte im Februar bei der
Sicherheitskonferenz in München die Raketenpläne der USA
heftig kritisiert. Dies hatte international Befürchtungen
genährt, zwischen den Supermächten könnte ein neues
Wettrüsten in Gang gesetzt werden.
(Quelle: ddp)
Bundesregierung plant Klimaschutzgipfel
Mo.12.03.07 - Die Bundesregierung plant einen Klimaschutzgipfel.
Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) kündigte in
«Bild am Sonntag» an, nach Ostern einen Forschungsgipfel
für den Klimaschutz einzuberufen und dazu 200 Wissenschaftler
einzuladen.
Schavan sagte: «Rund 2000 ausgezeichnete Forscherinnen und
Forscher beschäftigen sich in Deutschland mit dem Klima und den
drohenden Folgen seiner Veränderung. Wir müssen die
Erkenntnisse der Experten zusammenführen und eine Strategie
entwickeln, um eine lebenswerte Umwelt auch in Zukunft zu
bewahren.»
Unterdessen hat der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck angesichts
der Klima-Debatte vor «Hysterie» gewarnt. In «Bild am
Sonntag» unterstützte er entsprechende Äußerungen
von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und EU-Kommissar Günter
Verheugen. «Glos und Verheugen haben Recht - ich schließe
mich der Warnung vor der Klima-Hysterie ausdrücklich an. Es macht
keinen Sinn, jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf zu jagen»,
kritisierte Struck.
Plötzlich stehe nur noch der Klimawandel an der Spitze, und
Arbeitsplätze in Deutschland seien egal. «Wenn wir eine
Debatte darüber führen, wie viel Gramm CO2 ein Auto
ausstoßen darf, dann müssen wir die Auswirkungen auf die
Unternehmen im Augen haben. Es geht auch um unseren Wirtschaftsstandort.
Und beides, Klimaschutz und Wirtschaftsstandort, ist in
Übereinstimmung zu bringen», forderte der SPD-Politiker
(Quelle: dpa)