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Irak am neunhundertneunundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Senat begann kontroverse Irak-Debatte über Abzugsdatum. Drei
US-Soldaten im Irak getötet. Acht Tote bei Anschlag auf Markt in
Tus Chormato
Do.15.03.07 - Der US-Senat hat am Mittwoch in Washington die mit Spannung erwartete
Debatte über ein Abzugsdatum aus dem Irak begonnen. Die Demokraten
haben US-Präsident George W. Bush aufgefordert, bis zum 31.
März kommenden Jahres bis auf eine begrenzte Zahl alle
Kampftruppen aus dem Irak abzuziehen.
Die Annahme des Entwurfs ist ungewiss, weil die Demokraten im Senat nur
eine formale Mehrheit von 51 zu 49 Stimmen haben. Sie sind deshalb
für die Annahme auf die Unterstützung von mindestens neun
Senatoren der Republikaner angewiesen. Außerdem hat
Präsident Bush bereits sein Veto gegen jeden Abzugsplan
angekündigt.
Während der teilweise sehr emotionalen Debatte warf der
republikanische Minderheitssprecher Mitch McConnell den Demokraten vor,
ihre Forderung sei eine Rückzugserklärung. Falls die USA den
Irak verlassen sollten, drohe dort ein «gescheiterter
Staat» und ein humanitäres Desaster, sagte der
einflussreiche Senator John McCain.
Dagegen verteidigten mehrere demokratische Senatoren vehement ihre
Abzugsforderung. «Es ist Euer Land. Wir können Euch nicht
vor Euch selbst retten», sagte Senator Carl Lewin an die Adresse
der Iraker. «Mr. Präsident, Sie führen uns in den
Abgrund. Stopp!» sagte der demokratische
Präsidentschaftsbewerber Joseph Biden.
Zur Stabilisierung des Iraks will die US-Regierung bis Ende Mai
zusätzlich mehr als 26 000 Soldaten entsenden. Nach Angaben des
Pentagons werden dann mehr als 160 000 Soldaten im Irak stationiert
sein.
Die Gewalt im Irak hat am Mittwoch erneut drei amerikanische Soldaten
das Leben gekostet. Sie wurden bei Bombenanschlägen und einem
Überfall in der Provinz Dijala getötet, wie die
Streitkräfte mitteilten. Seit Beginn des Krieges im März 2003
starben laut einer Zählung der Nachrichtenagentur AP rund 3.200
US-Soldaten im Irak.
Ein Selbstmordattentäter hat sich am Mittwoch auf einem Markt im
Nordirak in die Luft gesprengt und mindestens acht Menschen mit in den
Tod gerissen. Die Polizei erklärte, der Mann habe seinen Sprengsatz
um die Mittagszeit gezündet, als besonders viele Kunden auf dem
Markt in Tus Chormato, 210 Kilometer nördlich von Bagdad,
unterwegs gewesen seien. 25 Menschen hätten Verletzungen erlitten.
Im Westen von Bagdad war ein Kontrollpunkt der irakischen
Streitkräfte Ziel eines Selbstmordanschlags. Zwei Zivilpersonen
kamen nach Angaben der Polizei ums Leben, vier weitere wurden verletzt.
(Quellen: dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 15.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertfünfundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.15.03.06 - Journalist in Bagdad ermordet +++ Deutsche Irak-Geiseln seit 50 Tagen
verschleppt +++ Pentagon interpretierte interne irakische Dokumente falsch +++
Britische Unternehmen, ehemalige Politiker und Militärs scheffeln
Milliardengewinne im besetzten Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0603150.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Neue palästinensische Regierung steht. Verhandlungen zwischen
Israel und Palästinensern in Tokio. EU-Außenbeauftragter
Solana beginnt Gespräche in Syrien
Do.15.03.07 - Nach monatelangem Machtkampf haben sich die rivalisierenden
Palästinenser-Organisationen Hamas und die Fatah am Mittwoch auf
eine neue Regierung der nationalen Einheit geeinigt. Das Kabinett werde
sich am Samstag im Parlament einer Vertrauensabstimmung stellen, sagte
Ministerpräsident Ismail Hanija am Abend nach einem Treffen mit
Präsident Mahmud Abbas. Die beiden Politiker hatten sich zuvor auf
die Besetzung des Innenministeriums verständigt, das für die
Sicherheitskräfte zuständig ist.
Nach Angaben eines Abbas-Vertrauten soll der Fraktionschef der Fatah,
Assam al Ahmed, stellvertretender Ministerpräsident werden. Das
Innenministerium soll Medienberichten zufolge von Hani Kawasmi besetzt
werden, einem ranghohen Mitarbeiter des Ministeriums, der sowohl zur
der Hamas als auch zur Fatah gute Beziehungen hat. Die Hamas stellt
insgesamt neun Minister, die Fatah wird sechs Ressorts besetzen.
Mit dem Einheitskabinett soll der monatelange Machtkampf zwischen der
regierenden Hamas und der oppositionellen Fatah beigelegt werden.
Grundlage ist ein Abkommen, das Anfang Februar unter saudiarabischer
Vermittlung in Mekka abgeschlossen wurde.
Die rivalisierenden Palästinensergruppen waren daran interessiert,
die Vereinbarungen noch vor dem Gipfeltreffen der Arabischen Liga Ende
März in Saudi-Arabien umzusetzen. Auf diesem Gipfel soll auch der
saudische Nahost-Friedensplan aus dem Jahre 2002 erneut zur Sprache
kommen. Dieser sieht die diplomatische Anerkennung Israels vor, wenn
die 1967 besetzten Gebiete aufgegeben werden. Die Palästinenser
betonten am Mittwoch, sie würden keine Änderungen an diesem
Plan akzeptieren. Dagegen hat Israel kürzlich erklärt, das
erwähnte Rückkehrrecht palästinensischer
Flüchtlinge müsse gestrichen werden.
Unter japanischer Leitung hat in Tokio eine zweitägige
Verhandlungsrunde zwischen Israelis und Palästinensern begonnen. An
den Gesprächen nehmen unter anderem der israelische
Vize-Regierungschef Schimon Peres und der palästinensische
Chefunterhändler Sajeb Erakat teil. Im Zentrum der Verhandlungen
sollen Wirtschaftsfragen stehen. Peres sagte zum Auftakt, er glaube,
dass die wirtschaftliche Entwicklung den Weg für eine politische
Lösung bereiten könne. Der japanische Unterhändler,
Tatsuo Arima, sagte, die japanischen Wirtschaftspläne seien "Teil
eines langfristigen Bemühens um das Zusammenleben und den Wohlstand
beider Völker".
Erstmals seit dem tödlichen Attentat auf den libanesischen
Ex-Ministerpräsidenten Rafik Hariri vor gut zwei Jahren hat der
EU-Außenbeauftragte Javier Solana Syrien besucht. Solana traf sich
am Mittwoch in Damaskus zu getrennten Gesprächen mit
Vize-Präsident Faruk el Schara und Außenminister Walid
Muallem, um über die Krisensituation im Nachbarland Libanon zu
beraten. Über den Verlauf der Gespräche wurde zunächst
nichts bekannt. Im Vorfeld hatte Solana gesagt, auf eine
"Einstellungsänderung" Syriens in Bezug auf den Libanon
drängen zu zu wollen. Solana wollte noch mit Präsident Baschar
el Assad zusammenkommen. Der EU-Beauftragte befindet sich auf einer
dreitägigen Nahostreise und besuchte zuvor den Libanon und
Saudi-Arabien.
Die UNESCO fordert Israel nach Medienberichten derweil zu einem
sofortigen Stopp der umstrittenen Bauarbeiten am Tempelberg auf. Eine
Studie der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und
Kommunikation unterstreiche allerdings auch, dass diese Arbeiten die
heiligen Stätten des Islams nicht beschädigten, berichteten
israelische Zeitungen am Mittwoch. Der Jerusalemer Bürgermeister
Uri Lupolianski hatte nach Protesten in der arabischen Welt den Neubau
eines Fußgängerzugangs vorübergehend gestoppt, nicht
aber die archäologischen Vorarbeiten. Muslime befürchten,
dass dabei die Al-Aksa-Moschee beschädigt werden könnte.
(Quellen: afp, ap)
UN-Bericht über weiterhin hohe Flüchtlingszahlen in Darfur
Do.15.03.07 - Die Gewalt in der sudanesischen Krisenregion Darfur treibt laut einem
neuen UN-Bericht immer noch zahlreiche Menschen in die Flucht. Allein
im Januar und Februar hätten gut 78.500 Menschen ihre Dörfer
verlassen, heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten
Studie der UN-Mission für den Sudan. Etwa die Hälfte der
Betroffenen seien vor Regierungseinheiten und arabischen Reitermilizen
geflohen. Allerdings seien auch Stammeskämpfe immer häufiger
für einen Exodus aus Darfur verantwortlich.
Dem Bericht zufolge flohen allein 15.000 Menschen vor der Sudanesischen
Befreiungsarmee von Minni Minnawi, der als einziger Rebellenführer
in Darfur einen Friedensvertrag mit der Regierung in Khartum
unterzeichnet hat. Stammesfehden gebe es vor allem unter den arabischen
Bewohnern der Region, aber auch unter den afrikanischen Stämmen.
Seit Beginn des Konflikts in Darfur Anfang 2003 sind schon etwa 2,5
Millionen Menschen zu Flüchtlingen geworden. Mehr als 200.000
wurden getötet.
Die sudanesische Regierung erhielt derweil Unterstützung für
ihr Bemühen, eine Debatte im UN-Menschenrechtsrat über dessen
jüngsten Darfur-Bericht zu verhindern. Die Organisation der
Islamischen Konferenz (OIC) forderte die Entsendung einer neuen
Delegation nach Darfur, um Menschenrechtsverletzungen zu
überprüfen. Die Zusammensetzung müsse aber von der
Regierung in Khartum gebilligt werden. Der UN-Bericht legt dem Sudan
eine direkte Verwicklung in die Gräueltaten in Darfur zur Last und
mahnt ein stärkeres Engagement der internationalen Gemeinschaft an.
(Quelle: ap)
Simbabwes Opposition auf Konfrontationskurs
Do.15.03.07 - Nach der Freilassung des schwer verletzten simbabwischen
Oppositionschefs Morgan Tsvangirai aus Polizeihaft hat eine
Protestwelle gegen die Regierung des südafrikanischen Staates
eingesetzt.
Während international die Kritik an der Regierung zunahm, wurden
nach Angaben des Staatsrundfunks drei Polizisten durch
Molotow-Cocktails schwer verletzt. Oppositionsanhänger hätten
die Brandsätze geworfen, hieß es. Die Regierung von
Präsident Robert Mugabe kündigte ein weiter hartes Vorgehen
gegen «Unruhestifter» an; die Opposition dagegen stellte
zunehmende Proteste in Aussicht. Die Afrikanische Union (AU)
äußerte sich «sehr besorgt» über die Krise.
Die simbabwische Regierung wies zudem ausländische Kritik
zurück und warnte vor weiteren harten Reaktionen. Während am
Mittwoch der südafrikanische Rundfunk über vereinzelte
Krawalle im Lande berichtete, wurden erste Details über die
Misshandlung Tsvangirais bekannt. Er war am Mittwochmorgen schwer
verletzt aus dreitägiger Haft freigekommen und berichtete
über gezielte Polizei-Willkür.
«Sie warteten schon auf mich. Bevor ich wusste, wie mir geschah,
wurde ich geschlagen; sie hatten die Absicht, so viel Schaden wie
möglich zuzufügen», sagte er vom Krankenbett aus. Die
Polizei stellte die Bewachung der Festgenommenen im Krankenhaus ein, so
dass die von Tsvangirai geleitete Bewegung für Demokratischen
Wandel ihn und andere Festgenommene als freigelassen ansah. Ein Anwalt
des Politikers erklärte aber, der Staat könne jederzeit eine
neue Vorladung aussprechen. Die Polizei kündigte entsprechende
Pläne an.
Tsvangirai war auf dem Weg zu einer Protestveranstaltung festgenommen
und so schwer misshandelt worden, dass er seit Dienstag auf der
Intensivstation eines Hospitals medizinisch versorgt werden musste. Er
erklärte, er habe viel Blut verloren, Prellungen am ganzen
Körper, einen gebrochenen Arm und eine Kopfverletzung. Erste
Untersuchungen bestätigten den Verdacht auf eine
Schädelfraktur. Tsvangirai gilt als wichtigster Herausforderer des
seit 27 Jahren zunehmend autokratisch herrschenden Präsidenten
Robert Mugabe.
Seine Festnahme sowie die brutale Niederschlagung der geplanten
Protestveranstaltung hatten weltweit massive Kritik ausgelöst. Der
AU-Vorsitzende, Ghanas Präsident John Kufuor, betonte: «Die
Situation ist sehr kompliziert, und ich wünschte, ich hätte
eine Lösung dafür. Afrika ist sehr besorgt über die Lage
in Simbabwe.» In Deutschland forderte der SPD-Vorsitzende Kurt
Beck die internationale Gemeinschaft auf, von der Regierung Mugabe
stärker als bisher ein Ende der politischen Unterdrückung der
Opposition zu fordern. Nach Protesten von den USA, der UN und der
Europäischen Union hatte sich auch Südafrika am Mittwoch
besorgt gezeigt, eine Verurteilung der Regierung von Präsident
Mugabe aber vermieden.
(Quelle: ap)
Diplomaten verständigen sich grundsätzlich auf Sanktionen
gegen Iran
Do.15.03.07 - Die Botschafter fünf ständigen UN-Sicherheitsratsmitglieder
und Deutschland haben sich grundsätzlich auf neue Sanktionen gegen
den Iran verständigt. Das teilte der amtierende amerikanische
UN-Botschafter Alejandro Wolff am Mittwoch in New York zu den
Beratungen der Sechsergruppe über das iranische Atomprogramm mit.
Da das Maßnahmenpaket einige neue Elemente enthalte, müssten
einige Teilnehmer erst noch die Zustimmung ihrer Regierung einholen.
Danach wäre der Weg für einen neuen Resolutionsentwurf im
Weltsicherheitsrat frei - möglicherweise schon am (heutigen)
Donnerstag.
Im Dezember hatte das höchste UN-Gremium begrenzte Sanktionen
gegen den Iran verhängt, um diesen zu einem Stopp der umstrittenen
Urananreicherung zu bewegen. Teheran beschleunigte daraufhin sein
Programm zur Urananreicherung, das nach Befürchtung der USA und
ihrer Verbündeten auch zur Herstellung von Atomwaffen verwendet
werden könnte.
Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin, dessen Regierung
zusammen mit China bisher ein härteres Vorgehen gegen den Iran
ablehnte, sagte, «im großen Ganzen» sei das Paket
durch. Er erwarte, «dass es eine positive Antwort in den
Hauptstädten bekommt».
Im Gespräch sind nun weitere Handelsbeschränkungen
insbesondere im Rüstungssektor und das Einfrieren der Konten von
Unternehmen und Einzelpersonen im Zusammenhang mit den iranischen Atom-
und Raketenprogramm, verlautete in New York.
(Quelle: ap)
Großbritannien: Blair bringt Atomwaffenmodernisierung durchs
Parlament
Do.15.03.07 - Mit der Zustimmung des Unterhauses zur milliardenschweren
Modernisierung der britischen Atomwaffen hat der scheidende
Premierminister Tony Blair einen wichtigen politischen Erfolg errungen.
Er überstand am Mittwoch die Rebellion von 95 Abgeordneten seiner
Labour-Partei, die größte seit dem Irak-Krieg, mit Hilfe der
konservativen Opposition. 409 Abgeordnete stimmten für, 161 gegen
das Programm, das bis 2022 rund 40 Milliarden Pfund (30 Milliarden
Euro) für neue mit Atomwaffen bestückte U-Boote kosten soll.
Blair verfügt über eine Parlamentsmehrheit von 67 Mandaten.
Ohne die Stimmen der Konservativen hätte er also eine Niederlage
einstecken müssen. Ähnlich erging es ihm in der Vergangenheit
bei zwei Abstimmungen zum Irak-Krieg, wo sogar 138 beziehungsweise 122
Labour-Abgeordnete gegen ihn votierten. Jede dieser Abstimmungen wurde
als schwerer Rückschlag für den Premierminister gewertet.
Vor dem Votum am Mittwoch verteidigte Blair noch einmal seinen Plan zur
Beschaffung neuer mit Atomwaffen bestückter U-Boote als Ersatz
für die derzeitigen «Tridents». Angesichts der
potenziellen Bedrohungen seitens Schurkenstaaten und Terroristen sei
dies für die Sicherheit Großbritanniens unabdingbar.
«Es ist zwar unmöglich, die Zukunft vorherzusehen, fest
steht aber ihre Unberechenbarkeit», sagte er. Es wird erwartet,
dass Blair bis September sein Amt zur Verfügung stellt.
Aus seiner Regierung waren über den Atomwaffen-Disput vier
Mitglieder des erweiterten Kreises zurückgetreten, um gegen die
Modernisierung stimmen zu können. Ein Labour-Abgeordneter, Jeremy
Corbyn, sagte, das Modernisierungsprogramm stehe im Widerspruch zum
Atomwaffensperrvertrag. Außenministerin Margaret Beckett
erwiderte: «Das ist völliger Blödsinn.» Die Zahl
der Atomsprengköpfe will Blairs Regierung im Zuge der
Modernisierung von 200 auf 160 verringern.
Zahlreiche Demonstranten protestierten vor dem Parlamentsgebäude
ebenfalls gegen den Bau neuer Atomwaffen-U-Boote, für deren
Beschaffung rund 20 Milliarden Pfund (30 Milliarden Euro) veranschlagt
sind. An der Kundgebung nahmen auch Prominente teil, allen voran Bianca
Jagger, die Pop-Sängerin Annie Lennox und die Mode-Designerin
Vivienne Westwood.
(Quelle: ap)
Polnischer Europa-Abgeordneter wegen antisemitischer Broschüre
gerügt
Do.15.03.07 - Wegen einer antisemitischen Veröffentlichung ist der polnische
Europa-Abgeordnete Maciej Giertych am Mittwoch öffentlich
gerügt worden. EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering
warf Giertych vor, seine Broschüre «Zivilisationen in Europa
im Krieg» stelle «objektiv eine echte Verletzung der
Grundrechte und der Menschenwürde» dar. Auf keinen Fall
dürfe das Europaparlament mit den Inhalten der Broschüre, auf
die Giertych das Parlamentslogo gesetzt hatte, in Verbindung gebracht
werden.
In dem 32 Seiten starken Heft werden die Juden als «tragische
Gemeinschaft» bezeichnet, die «aus freien Stücken ein
abgeschottetes Leben in Apartheid» führe. Finanziell wurde
die Veröffentlichung vom Europaparlament nicht unterstützt.
Gegen die Verwendung des Parlamentslogos durch einen Abgeordneten gibt
es gegenwärtig keine rechtliche Handhabe, die Vorschriften sollen
nun dementsprechend geändert werden.
Maciej Giertych ist der Vater des polnischen Bildungsministers Roman
Giertych und gehört wie sein Sohn der erzkonservativen Liga
Polnischer Familien an.
(Quelle: ap)
UNEP-Chef fordert Festschreibung von Klimaschutzzielen
Do.15.03.07 - Der Direktor des UN-Umweltprogramms UNEP, Achim Steiner, hat
Deutschland aufgefordert, dem britischen Beispiel zu folgen und
ambitionierte Klimaschutzziele für 2050 verbindlich
festzuschreiben. Der Londoner Vorstoß, den CO2-Ausstoß bis
dahin um 60 Prozent zu verringern, sei «ein Vorbild für alle
Industriestaaten, auch Deutschland», sagte Steiner der
«Frankfurter Rundschau» zufolge.
Der UNEP-Chef appellierte an die Autoindustrie, von einem
Mitverursacher des Klimaproblems zur Lösung zu werden. «Sie
sollte auch von sich aus eine zukunftsfähige Produktpalette
anbieten», sagte er. Um das zu unterstützen, müsse der
Staat die entsprechenden Anreize geben. Ein Tempolimit könne dazu
gehören, «weil dann der Wettbewerb nach noch schnelleren
Autos abnimmt».
Steiner sprach sich gegen jede Reglementierung von Urlaubsreisen aus.
Der Staat müsse aber «dafür sorgen, dass wir als
Verbraucher die wahren Kosten unserer Flugreise zahlen».
Flugpreise müssten «so berechnet werden, dass nicht
hinterher die Allgemeinheit für die Klimaschäden einzelner
aufkommen muss», wird er zitiert. Dazu könnten die Airlines
zur Teilnahme am Emissionshandel verpflichtet oder eine Kerosinsteuer
eingeführt werden.
(Quelle: ap)
US-Autoindustrie warnt vor Totalschaden durch Klima-Auflagen
Do.15.03.07 - Die Spitzenvertreter der amerikanischen Autoindustrie sehen ihre
Branche durch schärfere Auflagen für den Klimaschutz
gefährdet. Die im Kongress geplante Initiative, den Spritverbrauch
von Autos um vier Prozent zu senken, könnte zu weiteren
Fabrikschließungen und den Verlust von zehntausenden
Arbeitsplätzen in den USA führen, sagte der Vorsitzende der
Autoarbeitergewerkschaft UAW, Ron Gettelfinger, am Mittwoch im Kongress.
Die Klimadebatte hatte eine in der Autoindustrie selten so
einmütige Allianz von Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern zu
der Kongress-Anhörung gebracht: Mit dem Gewerkschaftschef waren
auch die VVorstandsvorsitzendenvon GM, Ford, Toyota und Chrysler
gekommen und warnten vor einer aus ihrer Sicht einseitigen Belastung
der Autoindustrie.
Das Weiße Haus will gesetzlich vorschreiben, dass der
Treibstoffverbrauch neuer Autos um vier Prozent gesenkt werden muss.
GM-Chef Rick Wagoner sagte, das amtliche Programm zur Treibstoffsenkung
CAFE sei schon an seinen ursprünglichen Zielen dramatisch
gescheitert. Eine Vorschrift zur Einsparung von vier Prozent
Spritverbrauch wäre «außerordentlich teuer und
technologisch schwierig umzusetzen». Mit sparsameren Motoren
allein sei der steigende Ölverbrauch in Amerika nicht in den Griff
zu bekommen.
Auch der Nordamerika-Chef von Toyota, Jim Press, betonte, dass die
Autoindustrie nicht allein den Kampf gegen den Klimawandel führen
und gewinnen könne. Die Autoindustrie stehe aber in der
Verantwortung, «Teil der Lösung» zu sein.
Chrysler-Chef Tom LaSorda betonte, klima-effizientere Fahrzeuge allein
könnten nicht zu einem dringend erforderlichen Rückgang des
Spritverbrauchs und der Treibhausgas-Emissionen beitragen. Auch
alternative Kraftstoffe wie Ethanol und Biodiesel sollten für die
Verbraucher attraktiv gemacht werden. «Wir müssen uns aber
alle über eines im Klaren sein: neue
Fahrzeug-Effizienzverbesserungen allein werden nie zu dem
Gesamtrückgang im Ölverbrauch und bei den Treibhausemissionen
führen, den wir brauchen», sagte LaSorda.
An der Anhörung nahm auch Ford-Chef Alan Mulally teil. Sie
erfolgte in einer Zeit wachsender Sorge in den USA über die Folgen
des weltweiten Klimawandels. Eine demokratische Abgeordnete, Jane
Harman, sagte, die Autoindustrie könne die Gelegenheit wahrnehmen,
Änderungen mitzugestalten, sie könne sich aber auch dagegen
stellen: «Aber der Wechsel wird sicher kommen.»
(Quelle: ap)
Klimawandel könnte Deutschland bis 2050 knapp 800 Milliarden Euro
kosten
Do.15.03.07 - Bei fortschreitendem Klimawandel mit Wirbelstürmen,
Überschwemmungen und Trockenheit kommen nach einer
wissenschaftlichen Studie gigantische Kosten auf die Deutschen und ihre
Wirtschaft zu. Bis 2050 könnten Kosten von 800 Milliarden Euro
für Schutzmaßnahmen und zur Schadensbewältigung
entstehen.
Das errechnete das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung
(DIW) in seinem am Mittwoch vorgestellten Wochenbericht. Damit sei zu
rechnen, wenn sich die Durchschnittstemperatur der Erde bis 2100 global
um 4,5 Grad Celsius gemessen an der vorindustriellen Zeit erhöhe,
sagte DIW-Umweltökonomin Claudia Kemfert. Für jeden
Privathaushalt bedeute das jährliche Aufwendungen von im Schnitt
250 Euro.
Es sei kaum davon auszugehen, dass die Erderwärmung bis Ende des
Jahrhunderts bei 2 Grad Celsius stehen bleiben werde. Diesen
langfristigen Durchschnittswert hatten Wissenschaftler als Obergrenze
ausgemacht, bis zu der der Klimawandel als beherrschbar gilt. Für
das 2-Grad-Szenario müsste in Deutschland der jährliche
Pro-Kopf-Ausstoß bei Kohlendioxid von 10,4 Tonnen auf 3 Tonnen
gesenkt werden. Auch die Beschlüsse des jüngsten EU-Gipfels
zur Senkung des CO2-Ausstoßes um 20 Prozent bis 2020 sowie zum
Ausbau erneuerbarer Energien und zur Energie-Effizienz um je 20 Prozent
«werden den Klimawandel nicht aufhalten».
In den Kostenangaben berücksichtigt seien Klimaschäden,
erhöhter Energieaufwand und Schutzmaßnahmen wie der Bau von
Deichen, Schutzmauern sowie Wasser-Rückhaltebecken, sagte Kemfert.
«Sollte keine nennenswerte Intensivierung des Klimaschutzes
erreicht werden, können sich die durch Klimakatastrophen insgesamt
verursachten Kosten bis zum Jahr 2100 auf fast 3000 Milliarden Euro
belaufen», heißt es im Bericht.
Aber selbst wenn der Abbau schädlicher Treibhausgase wie
Kohlendioxid (CO2) gelinge, seien durch Dürren, Stürme und
Überschwemmungen Wachstumsverluste von durchschnittlich 0,5
Prozent zu erwarten. Extreme Wetter-Lagen mit Wirbelstürmen,
Überschwemmungen und Dürreperioden werden sich laut Kemfert
weiter verstärkten.
Um das Schlimmste zu verhindern, müsse die EU mindestens die
selbst gesetzten Ziele beim CO2-Abbau sowie dem Ausbau von
Energieeffizienz und erneuerbaren Energien erreichen. Daneben
müssten auf absehbare Zeit modernisierte Kohlekraftwerke und
Atomkraft eingesetzt werden. Die CO2-Emissionsmengen in der EU
müssten bei gleichzeitiger Versteigerung der Handelszertifikate
verknappt werden. «Auch müssen wir die USA ins Boot
holen», sagte Kemfert zur bisherigen Weigerung Washingtons, an
der Klimaschutzpolitik im Rahmen des Kyoto-Protokolls mitzuwirken.
Wegen des Wachstumsdrangs in China und Indien sei es «sehr
wahrscheinlich, dass der Klimawandel sich eher beschleunigt».
«Auch in Deutschland wird es zu Klimaveränderungen
kommen», heißt es in dem DIW-Bericht. Auf Grund von
Wasserknappheit und Trockenheit seien Ernteeinbußen vor allem in
Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen zu erwarten. «An
Nord- und Ostsee ist vermehrt mit Sturmfluten zu rechnen.» Sehr
wahrscheinlich sei, «dass durch eine globale
Temperaturveränderung um 1 Grad etwa 60 Prozent der heutigen
Wintersportgebiete in Deutschland keinen Schnee mehr aufweisen».
Bei 4,5 Grad wären sogar sämtliche deutschen Skigebiete
«schneefrei». Dagegen könne Norddeutschland auf Grund
des milderen und wärmeren Klimas mit mehr Tourismus rechnen.
Die erwarteten Wachstumsverluste würden die Wirtschaft bis 2050 in
unterschiedlichem Maße treffen, sagte Kemfert: Bauern und
Forstwirte mit etwa 3 Milliarden Euro, die Tourismusindustrie mit 30
Milliarden, die Versicherungen mit 100 Milliarden, den
Gesundheitssektor auch infolge von Krankheiten wie Malaria mit 61
Milliarden und die Energiewirtschaft bei
20-Prozent-Preiserhöhungen durch Energie-Verknappung mit 130
Milliarden Euro.
(Quelle: dpa)
Reform der Unternehmensbesteuerung beschlossen
Do.15.03.07 - Nach monatelangen Diskussionen zwischen den Parteien der großen
Koalition hat das Bundeskabinett in Berlin den Entwurf für die
umstrittene Reform der Unternehmensbesteuerung verabschiedet. Nach der
von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) ausgearbeiteten
Vorlage sollen die Kapitalgesellschaften ab kommendem Jahr zunächst
deutlich entlastet werden. Durch die Senkung des
Körperschaftssteuersatzes und Senkung der so genannten Messzahl
für die Berechnung der Gewerbesteuer soll die steuerliche
Gesamtbelastung der Unternehmen knapp unter die Marke von 30 Prozent
sinken.
Auf der Einnahmeseite veranschlagt die Regierung bis zum Jahr 2010
Ausfälle von mehreren Milliarden Euro jährlich, die
anschließend wieder zurückgehen sollen. Dafür soll die
Zahl möglicher Steuerbegünstigungen zusammengestrichen werden.
Auf Kapitalerträge soll künftig eine Abgeltungssteuer von 25
Prozent erhoben werden.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) beklagt nach Informationen
der "Financial Times Deutschland" Nachteile für den Mittelstand und
fordert entsprechende Änderungen im weiteren Verlauf des
Gesetzgebungsverfahrens. Ursprünglich habe auch Bundesbauminister
Wolfgang Tiefensee (SPD) eine entsprechende Erklärung abgeben
wollen, weil er sich um ostdeutsche Mittelständler sorge. Aus
Rücksicht auf seinen Parteifreund Steinbrück habe Tiefensee
aber offenbar zurückgezogen.
Der linke Flügel der SPD-Bundestagsfraktion bekräftigte
unterdessen seinen Widerstand gegen die Reform. "Die Mehrwertsteuer
wurde von uns nicht um drei Prozent erhöht, um jetzt mit dem Geld
Konzerne in Milliardenhöhe dauerhaft zu entlasten. Das widerspricht
sozialdemokratischen Wertvorstellungen", sagte Ernst Dieter Rossmann,
der Sprecher der 80 Fraktionslinken, der Tageszeitung "Die Welt".
(Quelle: afp)
Stromkonzerne wegen Manipulationsvorwurfs unter Druck
Do.15.03.07 - Das Bundeskartellamt will aufklären, ob am deutschen Strommarkt
Preise künstlich nach oben getrieben wurden.
"Wir werden die Daten auswerten und die EU-Kommission bei ihren
Ermittlungen unterstützen", kündigte Kartellamtschef Ulf
Böge der "Financial Times Deutschland" (Mittwochausgabe) an. Dem
Verdacht des Marktmissbrauchs müsse nachgegangen werden.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) forderte in der
"Bild"-Zeitung, den Stromkonzernen "besser auf die Finger" zu schauen.
Seine Novelle des Kartellrechts dazu werde aber von Umweltminister
Sigmar Gabriel (SPD) "leider blockiert". Der Chef des Stromkonzerns
E.ON, Wulf Benotat, wies den Vorwurf der Preismanipulation zurück.
Mit einem eigenen Gutachter wolle der Konzern zur Klärung der
Vorwürfe beitragen.
Kartellamt-Chef Böge machte klar, dass seine Behörde kein
eigenes Verfahren führe. Ansonsten sei es noch viel zu früh,
von Missbräuchen von Marktmacht im Stromhandel zu sprechen. Dazu
bedürfe es belastbarer Beweise. Zuvor hatte bereits die
Staatsanwaltschaft Leipzig erklärt, sie gehe dem Verdacht auf
Preistreiberei an der Leipziger Strombörse EEX nach. Glos drohte
den Energiekonzernen mit verschärften Preiskontrollen. E.ON-Chef
Bernotat antwortet auf die Frage der "Bild"-Zeitung, ob er ein
"Strom-Abzocker" sei: "Nein! Das können wir schon deshalb nicht,
weil wir über die Börse mehr Strom verkaufen als wir kaufen."
Sein Unternehmen unterstütze und fordere eine rückhaltlose
Aufklärung der Vorwürfe. Dazu werde es einen unabhängigen
Gutachter einsetzen.
Nach übereinstimmenden Medienberichten sind im Februar Daten mit
angeblichen Handelsaktivitäten großer Versorger an der EEX an
verschiedene Empfänger verschickt worden. Diese nährten den
Verdacht, dass Stromkonzerne den Preis an der Börse durch eine
Verknappung des Angebots in die Höhe getrieben haben könnten.
(Quelle: rtr)
Bütikofer: Grüne bereit zu Bündnis mit der CDU auf
Länderebene
Do.15.03.07 - Die Grünen ziehen verstärkt Bündnisse mit der Union auf
Landes- und Bundesebene in Betracht. Parteichef Reinhard Bütikofer
sagte der «Passauer Neuen Presse»: «Regieren geht
über Studieren.» Es müssten derzeit wichtige Weichen
gestellt werden, deshalb wollten die Grünen alle
Möglichkeiten nutzen, um wieder Regierungsverantwortung
übernehmen zu können.
Seine Partei sehe alle demokratischen Parteien als mögliche
Koalitionspartner an, betonte Bütikofer. Nach Landtagswahlen
würden die Grünen alle Koalitionsmöglichkeiten
einschließlich schwarz-grüner Bündnisse ernsthaft
prüfen. Auf Bundesebene wollte Bütikofer eine so genannte
Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen nach der
nächsten Wahl 2009 nicht ausschließen. Für Prognosen
sei es aber noch zu früh: «Wie es auf Bundesebene
weitergeht, hängt sehr stark von der Entwicklung bei den wichtigen
Landtagswahlen 2008 ab», wird er zitiert.
Als größte Streitfrage zwischen Union und Grünen sieht
Bütikofer die Atomkraft an. Auf Landesebene spiele das keine so
große Rolle, auf Bundesebene müsse die Union den
Atomausstieg akzeptieren, damit eine schwarz-grüne Koalition
möglich würde, sagte der Grünen-Vorsitzende.
(Quelle: ap)
Friedman von mutmaßlich rechtsradikalen Polizisten bewacht
Do.15.03.07 - Der frühere Vizepräsident des Zentralrates der Juden, Michel
Friedman, ist von mutmaßlich rechtsradikalen Polizisten bewacht
worden. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main bestätigte am
Mittwoch einen Bericht der «Bild»-Zeitung, dass gegen einen
Beamten ermittelt wird, der bei der Personenschutzgruppe eingesetzt
war. Auf der Computer-Festplatte des 43-Jährigen wurde demnach das
Horst-Wessel-Lied der Nazis gefunden. Ein weiteres Verfahren gegen zwei
seiner Kollegen wurde inzwischen eingestellt. Friedman selbst und
Vertreter von Oppositionsparteien zeigten sich entsetzt über die
Enthüllungen.
Dem hessischen Innenministerium zufolge sind die Beamten inzwischen
versetzt oder suspendiert, zudem erhielt die Einheit des Frankfurter
Polizeipräsidiums einen neuen Leiter. Oberstaatsanwalt Thomas
Bechtel sagte, das Ermittlungsverfahren gegen den 43-jährigen
Verdächtigen werde in absehbarer Zeit abgeschlossen. Dann werde
auch über eine Anklage entschieden.
Ein weiteres Verfahren gegen zwei Polizisten im Alter von 26 und 32
Jahren wurde inzwischen eingestellt. Laut Staatsanwaltschaft posierte
der 26-Jährige auf einem Foto mit einer SS-Uniform. Das Bild sei
Anfang 2005 bei einer kleinen Dienstfeier auch herumgereicht worden,
sagte Bechtel. Allerdings wurde es nicht einer breiten
Öffentlichkeit zugänglich gemacht, weswegen der Mann nicht
angeklagt wurde. «Die Tat ist moralisch verwerflich, aber
strafrechtlich nicht relevant», sagte Bechtel.
Nach Erkenntnissen der Ermittler überreichte der 26-Jährige
an einen Kollegen auch eine Art Glückwunschkarte, die einer
Urkunde aus dem Dritten Reich mit Hakenkreuz zum Verwechseln
ähnlich sieht. Bei einer Durchsuchung bei dem 32-jährigen
Beamten fanden die Behörden sieben Musikdateien mit
rechtsradikaler Musik, unter anderem von der verbotenen Band
«Landser». Zwar stellte der Polizist die Dateien über
ein Internet-Tauschprogramm zur Verfügung, niemand lud sie jedoch
herunter, wie Bechtel sagte. Der 32-Jährige soll auch das SS-Foto
seines Kollegen geschossen haben.
Laut Innenministerium ermittelt auch die Dienstaufsicht gegen zwei der
drei Beamten. Ein Polizist wurde suspendiert. «Rechtslastige
Tendenzen werden bei der hessischen Polizei überhaupt nicht
geduldet», sagte auch Polizeisprecher Manfred Feist. Das
Landeskriminalamt war ursprünglich im Zuge von
Korruptionsermittlungen auf die Beamten aufmerksam geworden, bei denen
es um falsche Reise- und Überstunden-Abrechnungen ging.
Friedman selbst forderte eine schnelle Aufklärung. Er finde es
erstaunlich, dass die Staatsanwaltschaft seit über einem Jahr
ermittle und zu keinem Ergebnis komme. «Alles in allem bin ich
außerordentlich bestürzt und betrübt», sagte er
im Sender N24. Rechtsradikalismus sei nicht nur ein Thema der
Skinheads, sondern trete mittlerweile in allen Berufsgruppen auf, auch
bei der Polizei. Deshalb müsse es gegebenenfalls auch eine
Bestrafung geben. «Wir können nicht einerseits Jugendlichen
eine Strafe auferlegen, wenn sie dem Rechtsradikalismus
hinterherlaufen, und andererseits bei Polizeibeamten wegschauen.»
Auch die SPD-Fraktion im Wiesbadener Landtag forderte eine schnelle
Aufklärung und kritisierte Innenminister Volker Bouffier (CDU).
«Zumindest eine vertrauliche Information der Obleute wäre
längst notwendig gewesen», sagte der innenpolitische
Fraktionssprecher Günter Rudolph. Laut Innenministerium
entscheidet allein die Staatsanwaltschaft darüber, wann und ob die
Öffentlichkeit informiert wird. Auch die Grünen kritisierten
den Minister. Friedman war bis 2003 Vizepräsident des Zentralrats
der Juden in Deutschland und trat in Zusammenhang mit einer
Drogenaffäre zurück. Der 51-jährige Frankfurter
moderiert derzeit auf dem Privatsender N24 die Sendung «Studio
Friedman».
(Quelle: ap)
Verwaltungsgerichtshof hebt Berufsverbot gegen linken Lehrer auf
Do.15.03.07 - Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg hat das
Berufsverbot für einen Heidelberger Lehramtsbewerber aufgehoben.
Die Richter entschieden in einem am Mittwoch in Mannheim
veröffentlichten Urteil, dass dem Lehrer vom Oberschulamt
Karlsruhe «zu Unrecht» die Einstellung in den Schuldienst
wegen Zweifeln an seiner Verfassungstreue verweigert wurde. Das Land
Baden-Württemberg wurde verpflichtet, erneut über den
Einstellungsantrag des Klägers zu entscheiden.
Das Oberschulamt hatte dem Lehrer Michael C. 2004 die Einstellung
verweigert, weil er Mitglied der «Antifaschistischen Initiative
Heidelberg» (AIHD) ist. Die Gruppierung wird vom
Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestuft. Nach den
baden-württembergischen Behörden hatte auch die hessische
Schulverwaltung den Bewerber abgelehnt.
(Quelle: ddp)