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Irak am neunhundertundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Irakischer Vizepräsident bittet um Geduld. Bombe in Bus tötet
vier irakische Fabrikarbeiter. Vier US-Soldaten bei Bombenanschlag in
Bagdad getötet. Zähes Ringen um Irak-Rückzug im
US-Kongress
Fr.16.03.07 - Der irakische Vizepräsident Adel Abdul Mahdi hat sich zufrieden
mit dem Erfolg der jüngsten Sicherheitsoffensive in seinem Land
gezeigt, zugleich aber um Geduld gebeten. Bei einem Treffen mit
US-Präsident George W. Bush am Donnerstag in Washington
erklärte Abdul Mahdi, der Irak komme besser voran als erwartet,
aber «wir sind noch nicht fertig». Bush sagte, die
Regierung in Bagdad habe eine schwere Aufgabe vor sich. Es sei nicht
leicht, das Misstrauen in der Bevölkerung zu überwinden, das
sich über Jahre hinweg aufgebaut habe. Bush war zuletzt im August
mit Abdul Mahdi im Weißen Haus zusammengetroffen. Im Dezember
traf er einen weiteren irakischen Vizepräsidenten, Tarik al
Haschimi.
Eine Bombe in einem Bus in der irakischen Stadt Iskanderija hat am
Donnerstag mindestens vier Menschen getötet. Nach Angaben der
Polizei ereignete sich der Anschlag am Morgen vor dem Eingang einer
Fabrik, als die Angestellten zur Arbeit kamen. Weitere 24 Menschen seien
verwundet worden. Iskanderija liegt rund 50 Kilometer südlich von
Bagdad im so genannten sunnitischen Todesdreieck. Die Fabrik
gehört zu den wenigen Industrie-Produktionsstätten im Irak,
die noch in Betrieb sind. Ein Gesandter des
US-Verteidigungsministeriums hatte zuvor mitgeteilt, in Iskanderija sei
es nach Ansicht des Pentagons möglich, die Wirtschaft wieder zu
beleben.
Bei einem Bombenanschlag im Osten von Bagdad sind am Donnerstag vier
US-Soldaten getötet und zwei weitere verletzt worden. Zwei
Sprengsätze detonierten in kurzem Abstand, als die Soldaten gerade
von einem Einsatz in einem überwiegend von Schiiten bewohnten
Viertel der irakischen Hauptstadt zurückkehrten, wie die
amerikanischen Streitkräfte mitteilten. Zuvor war bereits in der
Unruheprovinz Anbar westlich von Bagdad ein US-Soldat getötet
worden.
Im zähen Ringen um einen Rückzug der amerikanischen Truppen
im Irak haben die Demokraten am Donnerstag in Washington einen Erfolg
und eine Niederlage erlitten. Im Repräsentantenhaus brachten sie
trotz einer Veto-Drohung von Präsident George W. Bush im
Finanzausschuss eine Initiative durch, mit der die amerikanischen
Soldaten bis zum September 2008 heimgeholt werden sollen. Im Senat
scheiterten sie deutlich mit einem schärferen Antrag, binnen 120
Tagen mit dem Truppenrückzug zu beginnen.
Seit dem Wahlsieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen Ende
vergangenen Jahres ist der Kongress zu einer zentralen Bühne in
machtpolitischen Auseinandersetzung um die Irak-Politik geworden.
Erstmals in seiner Amtszeit hat es Bush mit einem Kongress zu tun, in
dem seine Republikaner in beiden Häusern nicht mehr die Mehrheit
haben. Die Demokraten wollen ihren Rückzugsinitiative mit Gesetzen
zur Finanzierung des Einsatzes durchsetzen.
Im Repräsentantenhaus stimmte der Finanzausschuss entlang der
Fraktionslinie mit 36 gegen 28 Stimmen für den demokratischen
Antrag. Nur eine Demokratin, Barbara Lee, stimmte dagegen, weil ihr der
Antrag nicht weit genug ging. Insgesamt wird damit gerechnet, dass die
demokratische Mehrheit auch im Plenum hält.
Anders die Lage im Senat, in dem die Mehrheit der Demokraten
hauchdünn ist. Dem wesentlich härter formulierten Antrag, den
Abzug bereits in 120 Tagen zu beginnen, folgten auch nicht alle
Senatoren der Mehrheitsfraktion. Mit 50 gegen 48 Stimmen wurde der
Antrag verworfen; 60 Stimmen waren für die Annahme erforderlich.
Den Demokraten fehlten also zwölf Stimmen. Ihr Antrag war
überhaupt erst nach wochenlangem Ringen auf die Tagesordnung
gekommen.
Der republikanische Senator Mitch McConnell warf den Demokraten vor,
Bush als oberstem Befehlshaber die Hände binden zu wollen. Dies
wäre «absolut fatal» für den Irak-Einsatz. Der
demokratische Mehrheitsführer Harry Reid bestritt das. «Nach
fünf Jahren Krieg funktioniert der Ansatz des Präsidenten
nicht mehr», sagte er. «Das Land (Irak) ist dem Chaos
näher als der Stabilität. US-Soldaten sind Polizei in einem
Bürgerkrieg, sie jagen und töten nicht die Terroristen, die
Amerika am 11. September angegriffen haben.»
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 16.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertsechsundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.16.03.06 - Berichte über Todesschwadronen aus den Reihen der
Sicherheitskräfte bestätigt +++ Elf Mitglieder einer Familie
offenbar durch US-Beschuss getötet +++ Erneut Kleinbus voller Leichen
entdeckt. +++ Rumsfeld: Keine Beweise für Verwicklung Teherans in
Gewalt im Irak +++ Britischer Armeearzt wegen Nein zu Irak-Einsatz vor
Gericht +++ Straßburger Menschenrechts-Gerichtshof lehnt Saddams
Beschwerde ab...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0603160.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nummer drei von Al Kaida gesteht Planung der Anschläge vom 9/11
Fr.16.03.07 - Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge vom 11. September
2001, Chalid Scheich Mohammed, hat ein umfassendes Geständnis
abgelegt und sich neben 30 weiteren Terrorakten und Attentatsversuchen
auch zur Ermordung des US-Reporters Daniel Pearl bekannt. «Ich
war für die 9/11-Operation von A bis Z verantwortlich», wird
Mohammed im Protokoll eines Verhörs im Gefangenenlager Guantanamo
zitiert, von der das US-Verteidigungsministerium am Mittwoch
Auszüge veröffentlichte.
Er habe den 2002 in Pakistan entführten Pearl persönlich
enthauptet und dem Journalisten «mit meiner gesegneten rechten
Hand» den Kopf abgeschlagen, heißt es in dem Protokoll.
Geplant habe er außerdem Anschläge auf den früheren
Papst Johannes Paul II., den ehemaligen US-Präsidenten Bill
Clinton und den pakistanischen Staatschef Pervez Musharraf.
Die Anhörung vor drei Mitgliedern eines Militär-Gremiums fand
in Guantanamo hinter verschlossenen Türen statt, Teile der
Niederschrift wurden vom Pentagon geschwärzt. Mohammed war im
vergangenen Jahr mit 13 weiteren Verdächtigen aus einem geheimen
CIA-Gefängnis in das Lager auf Kuba gebracht worden. Die
Männer gelten als die wichtigsten festgenommenen
Terrorverdächtigen seit dem 11. September 2001.
Insgesamt bekannte sich Mohammed zur Planung von 28 Anschlägen
zwischen 1993 und seiner Festnahme zehn Jahre später in Pakistan.
An der Planung von drei weiteren Attentaten war er nach eigenen Angaben
beteiligt. Mehrere tausend Menschen wurden bei den von ihm
ausgeklügelten Angriffen getötet - darunter die
Anschläge auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon
in Washington, ein Anschlag auf die indonesische Urlauberinsel Bali und
eine Touristenanlage in Kenia.
«Wenn ich sage, ich bin nicht glücklich darüber, dass
3.000 (Menschen) in Amerika getötet wurden, fühle ich sogar
Bedauern», sagte er offenbar über einen Dolmetscher.
«Ich mag es nicht, Kinder und Jugendliche zu töten.»
Der Hauptverdächtige für die Anschläge vom 11. September
2001 übernahm außerdem die Verantwortung für die
Planung, Finanzierung und Ausbildung von Terroristen für
Bluttaten, die vom Anschlag auf das New Yorker World Trade Center 1993
bis zum gescheiterten Versuch des «Schuhbombers» Richard
Reid reichten, ein Passagierflugzeug im Dezember 2002 auf dem Flug von
Paris nach Miami in die Luft zu sprengen. Auch die New Yorker
Börse, der Panama-Kanal und der Londoner Flughafen Heathrow
hätten auf seiner Liste gestanden.
Mohammed erklärte, der US-Geheimdienst CIA habe ihn unmittelbar
nach der Festnahme gefoltert. Später in dem 26 Seiten langen
Transkript sagt er, sein Geständnis auf Guantanamo erfolge nicht
unter Zwang. Der Vorsitzende bei der Anhörung, ein Oberst, fragte
Mohammed ausdrücklich, ob er seine Aussage mache, nachdem Zwang,
oder «um Ihr Wort zu benutzen, Sie behaupten Folter»,
ausgeübt worden sei. Teile von Mohammeds Aussage dazu wurden aus
dem Transkript gelöscht und seine Antwort in diesem Punkt blieb
unklar.
Das Pentagon veröffentlichte auch Niederschriften von
Anhörungen im Fall des Libyers Abu Faradsch al Libi und des
Jemeniten Ramsi Binalschib. Binalschib hatte sich allerdings geweigert,
an seiner Anhörung teilzunehmen. Er soll Mohammed bei der Planung
der Anschläge vom 11. September geholfen haben.
Die Anhörungen gegen die 14 Terrorverdächtigen begannen am
vergangenen Freitag. Dabei soll festgestellt werden, ob sie zu
«feindlichen Kämpfern» erklärt werden
können, die unbegrenzt festgehalten und von Militärgerichten
verurteilt werden können.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Neue Palästinenserregierung will Nahost-Verträge anerkennen
Fr.16.03.07 - Die neue palästinensische Regierung von Fatah und Hamas will die
von der PLO mit Israel unterzeichneten Friedensverträge
respektieren. Gleichzeitig hieß es nach palästinensischen
Angaben vom Donnerstag in den Leitlinien der neuen Regierung, das
palästinensische Volk habe das Recht auf Widerstand gegen die
israelische Besatzung, solange diese andauere.
Das Programm betone zudem das Recht auf Rückkehr der
palästinensischen Flüchtlinge in ihre Heimat. Eine
ausdrückliche Anerkennung Israels gibt es nicht.
«Die Regierung betont, dass die Beendigung der israelischen
Besatzung der palästinensischen Gebiete und die Anerkennung des
Rechts des palästinensischen Volkes auf Selbstbestimmung der
Schlüssel für Stabilität und Sicherheit in der Region
sind», hieß es in der gemeinsamen Erklärung. Die
große Koalition wolle mit der internationalen Gemeinschaft
zusammenarbeiten, um die Besatzung zu beenden.
Die neue Regierung sei gegen einen palästinensischen Staat in
vorübergehenden Grenzen. Man rufe zudem zur Freilassung
palästinensischer Häftlinge auf. Die Koalition von Hamas und
Fatah wolle die «Judaisierung Jerusalems» stoppen und
fordere den Abbau der israelischen Sperranlage im Westjordanland,
hieß es zudem.
Die Regierung wolle sich gleichzeitig dafür einsetzen, dass eine
Waffenruhe mit Israel eingehalten und ausgeweitet wird. Israel
müsse seinerseits Militäreinsätze unterlassen.
Künftige Friedensverhandlungen mit Israel sollten von
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und der
Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO geführt werden.
Eine Friedensvereinbarung müsse von dem Palästinensischen
Nationalrat, dem obersten legislativen Organ der PLO, oder per
Volksbefragung gebilligt werden.
Die Regierung wolle sich für eine rasche Freilassung des
verschleppten israelischen Soldaten Gilad Schalit im Rahmen eines
«ehrenhaften Häftlingsaustausches» einsetzen,
hieß es in den Leitlinien.
(Quelle: dpa)
Frankreichs Premier Villepin für Shuttle-Diplomatie zur
Lösung der Darfur-Krise
Fr.16.03.07 - Der französische Premierminister Dominique de Villepin hat sich
für eine Shuttle-Diplomatie zur Lösung der Darfur-Krise
ausgesprochen. Einer Sicherheitsresolution gegen den Sudan erteilte er
dagegen eine Absage. Dies würde den Prozess nur auf dem Papier
beschleunigen, sagte er am Donnerstag bei einem Besuch im New Yorker
UN-Hauptsitz.
Villepin erklärte, die internationale Gemeinschaft müsse in
dem Konflikt im Westen Sudans sowohl die Unterstützung arabischer
als auch afrikanischer Länder gewinnen. Das Thema gehöre
«an die Spitze der UN-Agenda», sagte er nach einem Treffen
mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. In dem Konflikt in Darfur sind
in vier Jahren mehr als 200.000 Menschen getötet worden, mehr als
2,5 Millionen wurden vertrieben.
(Quelle: ap)
UN-Vetomächte und Deutschland einig über Iran-Sanktionen
Fr.16.03.07 - Die fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat und Deutschland
haben sich auf neue Sanktionen gegen den Iran geeinigt. Die sechs
Staaten hätten einen Entwurf für eine neue Resolution
verfasst, die weitere Strafmaßnahmen gegen Teheran wegen dessen
Atomprogramm vorsehe, sagte der russische Botschafter bei der UNO,
Witali Tschurkin, in New York. Das UN-Gremium stimmt voraussichtlich
nächste Woche darüber ab. Der Iran bekräftigte seinen
Anspruch auf Fortsetzung seines Atomprogrammes.
Laut einer Kopie des Entwurfs, die der Nachrichtenagentur AFP vorlag,
verweist auch die neue Resolution auf den Artikel 41 der UN-Charta, der
wirtschaftliche und finanzielle, aber keine militärischen
Zwangsmittel erlaubt. Im Vergleich zur ersten, im Dezember
verabschiedeten UN-Entschließung mit der Nummer 1737 beinhaltet
der neue Entwurf unter anderem ein Kaufverbot für im Iran
produzierte Waffen. Er sieht weitere Sanktionen wie ein Reiseverbot
für mit dem iranischen Atomprogramm verbundene
Persönlichkeiten vor.
Wie in den vergangenen Wochen zeigte sich die iranische Führung
von der drohenden Verschärfung der internationalen
Strafmaßnahmen unbeeindruckt. Der Iran habe schon seit 27 Jahren
mit Sanktionen zu kämpfen, und habe dennoch ein nukleares Programm
entwickelt, sagte Präsident Mahmud Ahmadinedschad mit Blick auf
das für den Iran geltende US-Embargo laut Nachrichtenagentur Irna.
Dem UN-Sicherheitsrat warf er vor, über keinerlei
"Legitimität" zu verfügen. Der außenpolitische Berater
von Religionsführer Ayatollah Chamenei, Ali Akbar Welajati,
bekräftigte, dass der Iran nicht auf die Anreicherung von Uran
verzichten werde.
Deutschland und die fünf Veto-Mächte USA, China, Russland,
Frankreich und Großbritannien hatten zehn Tage lang über
Sanktionen gegen den Iran beraten. Die Sechser-Gruppe will erreichen,
dass der Iran die Urananreicherung aussetzt. Vor allem die USA
befürchten, dass Teheran unter dem Deckmantel der friedlichen
Nutzung der Atomkraft den Bau von Kernwaffen anstrebt.
(Quelle: afp)
50 Polizisten in Indien bei Rebellenangriff getötet
Fr.16.03.07 - Mindestens 50 Polizisten sind bei einem Angriff von mutmaßlichen
maoistischen Rebellen auf einen Sicherheitsposten in Zentralindien ums
Leben gekommen. Der Angriff sei im Dschungel des Bundesstaates
Chhattisgarh rund 500 Kilometer südlich der Hauptstadt Raipur
erfolgt, sagte ein Sprecher der örtlichen Behörden. Unter den
Opfer seien auch Polizisten von Spezialeinheiten gewesen. Maoistische
Rebellen sind in zehn der 18 verarmten indischen Bezirke von
Chhattisgarh aktiv.
In den vergangenen Jahrzehnten sind tausende Menschen bei den
Aufständen der vor allem in ländlichen Gebieten aktiven
Rebellen gestorben. Sie begründen ihren Kapf mit der
Unterstützung der Armen gegen wohlhabende Landbesitzer.
(Quelle: afp)
UN: 130.000 Menschen in Sri Lanka auf der Flucht
Fr.16.03.07 - Angesichts der jüngsten Gefechte in Sri Lanka ist die Zahl der
Flüchtlinge nach Angaben der Vereinten Nationen auf 130.000
gestiegen. Der UN-Hilfskoordinator John Holmes äußerte sich
am Donnerstag in einer Stellungnahme sehr besorgt über die Lage im
Osten des Landes und bat um Spenden für die Menschen dort. Die
srilankische Luftwaffe hatte in der Region in den vergangenen Tagen
mehrfach einen wichtigen Stützpunkt der tamilischen Rebellen
angegriffen.
Die Vereinten Nationen hätten praktisch kein Geld zu
Verfügung, um die Grundversorgung der Flüchtlinge zu sichern,
hieß es in der Stellungnahme weiter. Am dringendsten würden
im Moment Lebensmittel, aber auch Wasser und Unterkünfte gebraucht.
Die UN-Abteilung zur Koordinierung von Hilfseinsätzen hatte
für 2007 um 66,2 Millionen Dollar (50,22 Millionen Euro) Spenden
für Sri Lanka gebeten. Davon gingen den Angaben zufolge bisher nur
2,7 Millionen Dollar (2,05 Millionen Euro) ein - rund vier Prozent der
Summe.
Die tamilischen Rebellen kämpfen seit 1983 für einen eigenen
Staat im Norden und Nordosten des Landes. Etwa 65.000 Menschen kamen ums
Leben, bevor 2002 unter norwegischer Vermittlung eine Waffenruhe
vereinbart wurde. Ende 2005 flammten die Gefechte jedoch wieder auf.
Nach Schätzungen europäischer Beobachter wurden seitdem rund
4.000 Menschen getötet.
(Quelle: ap)
Chinesischer Volkskongress schützt Privateigentum
Fr.16.03.07 - Im kommunistischen China wird der Schutz des Privateigentums
verstärkt: Der Volkskongress beschloss am (heutigen) Freitag zum
Abschluss seiner Jahrestagung ein Gesetz, mit dem die Rechte des
Einzelnen gestärkt und sein rechtmäßig erworbenes
Eigentum geschützt werden soll. In einer weiteren wichtigen
wirtschaftspolitischen Entscheidung wurden Steuernachlässe
für ausländische Unternehmen abgeschafft, die mit zum
Wirtschaftsboom beigetragen hatten.
Das Gesetz zum Schutz von Privateigentum enthält 247 Artikel,
deren Ziel ein Gleichgewicht zwischen staatlichen und privaten
Interessen ist. «Das rechtmäßige Eigentum
individueller Personen soll gesetzlich geschützt sein»,
heißt es. «Illegale Besitznahme, Plünderung und
Zerstörung von solchem Eigentum durch irgendeine Körperschaft
oder eine Einzelperson ist verboten.»
Ausländische Firmen müssen künftig in China genauso viel
Unternehmenssteuer zahlen wie inländische Unternehmen. Bisher
zahlten chinesische Firmen 33 Prozent, während ausländische
Investoren nur an die zehn Prozent abführen mussten. Alle
Unternehmen sollen künftig einheitlich 25 Prozent bezahlen. Mit
den Steuernachlässen hatte Peking fast 530 Milliarden Euro
ausländische Investitionen ins Land gelockt und auch so den
Aufstieg zur viertgrößten Wirtschaft weltweit geschafft.
Beide Gesetze wurden mit klarer Mehrheit verabschiedet.
(Quelle: ap)
Europa und Südostasien wollen politisch enger zusammenrücken
Fr.16.03.07 - Die Staaten Europas und Südostasiens haben den Grundstein für
eine wesentlich engere politische Zusammenarbeit gelegt. Bei einer
Außenministerkonferenz in Nürnberg vereinbarten die
Vertreter der EU und des Verbands Südostasiatischer Staaten
(ASEAN) am Donnerstag vor allem, die Kooperation beim Klimaschutz und
der Bekämpfung des internationalen Terrorismus auszubauen.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte zum
Abschluss des zweitägigen Treffens, die Europäische Union und
der ASEAN-Staatenbund seien von ihrer Organisation her «ideale
Partner». Gemeinsam stünden sie für die Interessen von
einer Milliarde Menschen und damit einem Sechstel der
Weltbevölkerung.
In einer «Nürnberger Erklärung» beschlossen die
Außenminister neben der Zusammenarbeit auf zahlreichen
politischen Feldern, auch die gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen zu
verstärken. Hierzu kündigten sie einen Aktionsplan für
die kommenden Jahre an. Die EU will zudem die ASEAN-Staaten beim Aufbau
eines gemeinsamen Binnenmarktes nach dem europäischen Vorbild
unterstützen. In ihrem Abkommen sprachen sich die
Außenminister von EU und ASEAN zudem für eine rasche
Umsetzung der UN-Klimaschutzbemühungen und des Kyoto-Protokolls
aus. Außerdem wollen die 37 Länder auch den Ausbau
erneuerbarer Energien vorantreiben.
Zum Thema Sicherheitspolitik sagte Steinmeier, die Minister hätten
intensiv über die Lage im Irak und vor allem im Nahen Osten
diskutiert. Dabei sei deutlich geworden, dass viele der ASEAN-Staaten
enge Beziehungen zum Nahen Osten hätten und die
Friedensbemühungen wieder in Schwung bringen wollten.
Als weiteren Punkt enthält das Nürnberger Abkommen eine
verbesserte Zusammenarbeit bei der Verbrechensbekämpfung werden.
Dies soll vor allem für den Menschen-, Waffen- und Drogenhandel
sowie das wachsende Problem der See-Piraterie gelten.
Der kambodschanische Außenminister Namhong Hor, der gemeinsam mit
Steinmeier den Vorsitz der Konferenz innehatte, würdigte die
Tagung als Durchbruch in der Zusammenarbeit: «Das ist ein
Meilenstein in den Beziehungen zwischen EU und ASEAN.» Steinmeier
sagte, Asien dürfe nicht nur auf China, Indien und Japan
beschränkt werden: «Wir schauen auch auf die mehr als 560
Millionen Menschen in den Staaten Südostasiens.» Die
bisherige Diskussion habe gezeigt, dass der politische Dialog zwischen
der EU und ASEAN sich nicht nur lohnt, sondern dass es auch viele
Gründe gibt, ihn zu intensivieren», fügte der
SPD-Politiker hinzu.
Die Minister klammerten auch die Menschenrechtsverletzungen in Birma
nicht aus: «Die Entwicklung dort stellt uns in keinster Weise
zufrieden», sagte Steinmeier. «Wir werden dafür
eintreten, dass die Menschenrechte dort gewahrt werden.»
Zu den Staaten der 1967 gegründeten ASEAN (Association of South
East Asian Nations) gehören Indonesien, Malaysia, die Philippinen,
Singapur, Thailand, Brunei, Vietnam, Birma, Laos und Kambodscha. Im
Januar hatten die Mitgliedstaaten darauf verständigt, bis 2015
einen Wirtschaftsverbund nach dem Vorbild der EU zu bilden. In
Nürnberg feierten die Staaten auch den 30. Jahrestag der Aufnahme
ihrer transkontinentalen Beziehungen.
(Quelle: ap)
USA wollen Raketenabwehr nicht zum NATO-Projekt machen
Fr.16.03.07 - Die USA wollen die Stationierung von Abwehrraketen in Europa nicht zu
einem NATO-Projekt machen. Der Chef der US-Raketenabwehrbehörde,
Henry Obering, betonte am Donnerstag bei einem Besuch in Berlin zwar die
Bereitschaft zur Kooperation mit den Partnern im transatlantischen
Bündnis. Er machte aber gleichzeitig deutlich, dass die USA nicht
gewillt sind, die Federführung bei dem Projekt aus der Hand zu
geben.
Die USA wollen innerhalb der nächsten fünf Jahre zehn
Abwehrraketen in Polen und ein Radarsystem in Tschechien stationieren.
Noch in diesem Jahr sollen die entsprechenden Abkommen abgeschlossen
werden.
Vor allem in Russland haben die Pläne große Besorgnis
ausgelöst und zu scharfen Reaktionen geführt. Der russische
Präsident Wladimir Putin hatte den USA auf der Sicherheitskonferenz
in München im Februar militärisches Abenteurertum, ausufernde
kriegerische Gewalt und eine gefährliche Missachtung des
Völkerrechts vorgeworfen.
Obering hatte am Donnerstag Gesprächstermine im Kanzleramt,
Verteidigungsministerium und im Auswärtigen Amt. Bundeskanzlerin
Angela Merkel hatte am Dienstag dafür plädiert, das
Abwehrsystem unter das Dach der NATO zu stellen. «Ich finde, wir
sollten dabei bleiben, es als eine NATO-Aufgabe insgesamt zu sehen und
dafür werde ich werben», sagte sie in einem Interview. Bei
ihrem Besuch in Polen am (morgigen) Freitag und Samstag will sie das
Thema ansprechen.
Obering verwies darauf, dass bisher ohnehin nur «eine Hand voll
Programme» im Rüstungsbereich von der NATO gesteuert
würden. Die große Mehrheit seien aber nationale Projekte. Das
US-System solle eine von der NATO geplante Raketenabwehr für
kürzere Strecken ergänzen.
Die russischen Bedenken gegen die Raketenabwehr wies Obering
zurück. Er betonte, dass das Raketenabwehrsystem
ausschließlich gegen den Iran gerichtet sei. «Es bedroht in
keiner Weise die russische Raketenflotte.» Den hunderten
russischen Raketen mit tausenden Sprengköpfen stünden nur zehn
US-Abwehrraketen gegenüber. Von ihrer Position in Polen
könnten sie die russischen Raketen gar nicht erreichen.
Es gebe eine weiter gültige Einladung an die Russen, Raketenbasen
in den USA zu besichtigen, betonte Obering. «Wir werden die
Konsultationen fortsetzen.» Die NATO sei bereits seit einem Jahr
in die Planungen eingebunden.
Nach den Angaben Oberings könnte die Raketenabwehr ganz Europa vor
Angriffen des Irans schützen. Eine Stationierung von Abwehrraketen
oder Radargeräten in noch kürzerer Entfernung zur iranischen
Grenze in Georgien schloss Obering aus. «Das ist viel zu
nah», sagte er zur Begründung.
(Quelle: ap)
Ausschreitung am ungarischen Revolutionsfeiertag
Fr.16.03.07 - Am ungarischen Revolutionsfeiertag haben am Donnerstag zehntausende
Demonstranten den Rücktritt der Regierung des sozialistischen
Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsany gefordert. Nach dem
friedlichen Protest kam es in Budapest zu Straßenschlachten
zwischen der Polizei und Skinheads, die versuchten, den
mutmaßlichen Anführer der Unruhen vom vergangenen Jahr zu
befreien.
Mit Tränengas und Wasserwerfern gingen Bereitschaftspolizisten
gegen die 500 bis 800 gewaltbereiten Personen aus der extremistischen
Szene vor. Die Skinheads versuchten, zum Gebäude der Ermittler in
der Innenstadt vorzudringen, in dem ihr mutmaßlicher
Anführer György Budahazy festgehalten wird. Gegen 22.00 Uhr
hatte die Polizei die Menge weitgehend auseinandergetrieben.
Zuvor hatten Demonstranten forderten den Rücktritt des Gyurcsanys
gefordert, der gemeinsam mit anderen Regierungsvertretern an mehreren
Festakten zum Jahrestag der Revolution von 1848 teilnahm.
Sicherheitskräfte schützten Gyurcsany und den Budapester
Bürgermeister Gabor Demszky mit Regenschirmen, als die Politiker
mit Eiern beworfen wurden.
Zu einer Gedenkveranstaltung des oppositionellen Bürgerbundes
(Fidesz) unter Führung des früheren Ministerpräsidenten
Viktor Orban kamen der amtlichen Nachrichtenagentur MTI zufolge rund
200.000 Menschen. Orban machte die «neue aristokratische
Regierung» für die Probleme des Landes verantwortlich.
Die Proteste gegen die Regierung begannen im vergangenen September,
nachdem in den Medien eine parteiinterne Rede Gyurcsanys
veröffentlicht worden war, in der dieser eingestand, dass er die
Öffentlichkeit vor der Parlamentswahl im April über den
wahren Zustand der Wirtschaft und der Staatsfinanzen belogen habe.
Die ungarische Revolution von 1848 endete ein Jahr später mit
einer Niederlage. Ungarn wurde schließlich 1867
gleichberechtigter Teil der so genannten Doppelmonarchie
Österreich-Ungarn.
(Quelle: ap)
Deutschland
Wiedergutmachung für deutsche Kolonialverbrechen gefordert
Fr.16.03.07 - Die Bundesregierung sollte nach Ansicht der Links-Fraktion die von
deutschen Kolonialtruppen zwischen 1904 und 1908 verübten
Verbrechen im damaligen Deutsch-Südwestafrika anerkennen und
dafür Wiedergutmachung leisten. Einen entsprechenden Antrag brachte
die Fraktion in den Bundestag ein, wie die Parlamentsverwaltung am
Donnerstag mitteilte. Begründet wurde der Antrag damit, dass die
Kriegsführung der deutschen Kolonialtruppen gegen die Völker
der Herero und Nama die heute gängigen Kriterien für
Völkermord erfülle.
Nach Expertenschätzungen könnten damals bis zu 80 Prozent der
Herero und bis zu 50 Prozent der Nama den deutschen Schutztruppen zum
Opfer gefallen sein. An der Wiedergutmachung sollten sich deutsche
Unternehmen beziehungsweise ihre Rechtsnachfolger, die in der ehemaligen
deutschen Kolonie von Zwangsarbeit und Enteignung profitierten,
«angemessen» beteiligen.
(Quelle: ddp)
BGH lehnt Strafbarkeit von Anti-Nazi-Symbolen ab
Fr.16.03.07 - Der Verkauf von Emblemen mit durchgestrichenen Hakenkreuzen ist nicht
strafbar. Der Bundesgerichtshof (BGH) sprach einen Versandhändler
frei, der Kleidungsstücke, Anstecker und andere Artikel mit
Anti-Nazi-Symbolen vertrieben hatte.
Wenn die Symbole «in offenkundiger und eindeutiger Weise»
die Gegnerschaft zum Nationalsozialismus zum Ausdruck brächten,
dann dürfe deren Gebrauch nicht kriminalisiert werden.
Damit korrigierten die Karlsruher Richter ein Urteil des Landgerichts
Stuttgart. Es hatte den 32 Jahre alten Angeklagten aus dem
baden-württembergischen Winnenden wegen des Verwendens von
Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zu einer Geldstrafe von
3600 Euro verurteilt. Laut BGH besteht kein Zweifel, dass die verkauften
Artikel eindeutig gegen die Nazi-Ideologie gerichtet sind.
Der Angeklagte Jürgen Kamm hatte über seinen Online-Shop
«Nix Gut» Anstecker, Kleidungsstücke und andere Artikel
mit durchgestrichenen oder zerstörten Hakenkreuzen verkauft. Zwar
hatte auch das Landgericht keinen Zweifel, dass er damit eine Ablehnung
der Nazi- Ideologie zum Ausdruck brachte. Es sprach ihn gleichwohl
schuldig, weil solche Symbole - ob durchgestrichen oder nicht -
generell aus dem öffentlichen Raum verbannt werden sollten, um
einen Gewöhnungseffekt zu vermeiden. Die Bundesanwaltschaft hatte
vergangene Woche Freispruch beantragt.
(Quelle: dpa)
Oberstleutnant der Bundeswehr verweigert Tornado-Einsatz
Fr.16.03.07 - Als erster Bundeswehr-Soldat hat ein Oberstleutnant den Tornado-Einsatz
in Afghanistan verweigert. Ein entsprechender Antrag des Soldaten sei
eingegangen und werde nun zügig intern behandelt, sagte ein
Sprecher des Wehrbereichskommandos IV in München. Nach einem
Bericht des ARD-Magazins "Panorama" gab der Oberstleutnant zur
Begründung an, gravierende verfassungsrechtliche,
völkerrechtliche sowie strafrechtliche Bedenken gegen den Einsatz
zu haben. Er könne es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, den
Tornado-Einsatz in irgendeiner Form zu unterstützen.
Laut "Panorama" gehört der Offizier zum Vorstand des Vereins
Darmstädter Signal, einem Zusammenschluss kritischer
Bundeswehrsoldaten.
Wie der Sprecher des Wehrbereichskommandos IV sagte, wird nun der
Disziplinarvorgesetzte des Offiziers den Antrag bearbeiten. Dieser habe
eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Er
könne den Antrag zur Kenntnis nehmen und es dabei bewenden lassen.
Er könne darin aber auch einen Straftatbestand erkennen und diesen
zur Anzeige bei der Staatsanwaltschaft bringen. Da die Zeit für
eine Entscheidung dränge, solle der Fall sehr schnell entschieden
werden, sagte der Sprecher.
(Quelle: afp)