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Irak am neunhunderteinundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
UN-Generalsekretär wirbt um internationale Unterstützung
für den Irak. Zehntausende zu Protesten gegen Irakkrieg in
Washington erwartet. Richter: US-Angriff auf britische Soldaten im Irak war
'kriminell'. Kriminalbeamte: Lage der deutschen Geiseln im Irak sehr
bedrohlich. UNHCR: Zahl der irakischen Flüchtlinge in Europa
verdoppelt sich
Sa.17.03.07 - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat am Freitag vor Vertretern aus
mehr als 90 Staaten um Unterstützung für den jüngsten
Irak-Plan geworben. Es sei herzzerreißend, die fast
täglichen Anschläge auf unschuldige Zivilpersonen zu sehen,
die so viel Leid und Schmerz verursachten, sagte Ban in New York. Er
räumte ein, dass angesichts der Gewalt Zweifel am Nutzen der
Vereinbarung aufgekommen seien. Ein solcher Rahmen für die
Stabilisierung des Landes sei jedoch notwendig.
Ban äußerte sich auf einer Hilfskonferenz in New York, bei
der um Unterstützung für den Plan (»Iraq
Compact») geworben werden sollte. Der Plan soll sicherstellen,
dass die irakische Regierung in den kommenden fünf Jahren
über die notwendigen Finanzmittel verfügt, um politische und
wirtschaftliche Reformen durchzusetzen. Der irakische
Vizepräsident Abel Abdul-Mahdi erklärte am Donnerstag, der
Plan sei von großer Bedeutung für die Stabilität des
Iraks.
Zehntausende Menschen werden heute in Washington zu einer Demonstration
gegen den Irakkrieg erwartet. Im Mittelpunkt steht ein Marsch auf das
Pentagon mit einer anschließenden Kundgebung auf einem Parkplatz
des Verteidigungsministeriums. Eine ähnliche Aktion hatte vor rund
40 Jahren gegen den Vietnamkrieg stattgefunden. Anlass für die
Wiederholung des historischen Marsches ist der vierte Jahrestag des
Kriegsbeginns im Irak.
Vier Jahre nach einem versehentlichen Angriff von US-Truppen auf
britische Soldaten im Irak hat der zuständige britische
Untersuchungsrichter den tödlichen Zwischenfall als kriminelles
Verhalten eingestuft und Washington fehlende Zusammenarbeit bei den
Ermittlungen vorgeworfen. Der Luftangriff am 28. März 2003 in Basra
sei durch nichts gerechtfertigt gewesen, erklärte Richter Andrew
Walker am Freitag in London. Ein britischer Soldat wurde damals
getötet, vier weitere erlitten Verletzungen.
Die US-Soldaten hätten sich gesetzwidrig verhalten, erklärte
Walker zum Abschluss seiner Ermittlungen. Für den Angriff habe es
keinen rechtmäßigen Grund gegeben, die Piloten hätten
offenkundig nicht in Selbstverteidigung gehandelt. Auch nach Jahren
lägen offenbar noch nicht alle Fakten vor, und er habe nicht alle
notwendigen Beweismittel erhalten, betonte Walker weiter.
Washington gab erst Anfang Februar ein Video frei, das die Reaktion der
US-Piloten nach dem versehentlichen Angriff zeigt. Zuvor hatte ein
britisches Boulevardblatt bereits über das Band berichtet. Der
Aufzeichnung zufolge war offenbar zumindest einer der Piloten der
Ansicht, dass es sich bei den Angegriffenen um Koalitionstruppen handeln
könnte. Am Ende wird ihnen ihr schrecklicher Irrtum klar, und
einer schaltet die Aufzeichnung ab.
Die Lage der beiden deutschen Geiseln im Irak ist nach Ansicht des
Vorsitzenden des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Klaus Jansen,
diesmal bedrohlicher als vor einem Jahr die Situation der beiden
entführten Sachsen. Indiz dafür sei, dass sich
Bundespräsident Horst Köhler während einer Auslandsreise
an die Entführer gewandt und sich für die Geiseln Hannelore
Krause sowie ihren Sohn Sinan eingesetzt hat, sagte Jansen der
«Sächsischen Zeitung» (Freitagausgabe). «Das ist
ein einmaliger Vorgang», der offensichtlich nach Absprache mit
allen deutschen Sicherheitsbehörden für erforderlich gehalten
wurde.
Daraus könne nur der Schluss gezogen werden, das die
Bundesregierung die am Wochenende aufgetauchten Drohvideos sowie die
darin enthaltenen Forderungen sehr ernst nehme, sate Jansen. Man
müsse davon ausgehen, dass die Geiselnehmer im jüngsten
Entführungsfall wahrscheinlich zumindest logistische
Unterstützung aus dem deutschsprachigen europäischen Raum
erhalten.
Nach Ansicht des BDK-Vorsitzenden ist die Gefahr des islamistischen
Terrorismus damit «an der Schwelle zur Bundesrepublik»
angekommen. Terroristische Aktivitäten in Deutschland sind nach
Einschätzungen Jansens derzeit «eher wahrscheinlich, als
unwahrscheinlich». Er forderte die Behörden auf, die
tatsächliche Bedrohungslage transparent darzustellen, um Panik in
der Bevölkerung zu vermeiden.
Die Zahl der irakischen Flüchtlinge in Europa wird sich nach
Einschätzung des UN-Flüchtlingshilfswerks im kommenden Jahr
verdoppeln. Man rechne für 2007 mit der Ankunft von bis zu 40.000
Irakern, erklärte das UNHCR am Freitag in Brüssel.
Büroleiterin Judith Kumin forderte Europa auf, eine einheitliche
und großzügige Antwort auf die Bedürfnisse der
Flüchtlinge zu finden.
Seit 2003 sind etwa zwei Millionen Iraker aus ihrer Heimat geflohen.
Die meisten suchten in Syrien und Jordanien Zuflucht. Weitere 1,7
Millionen sind Schätzungen zufolge im Landesinneren auf der
Flucht. In Europa hat Schweden die meisten irakischen Flüchtlinge
aufgenommen, gefolgt von den Niederlanden, Deutschland, Griechenland,
Großbritannien und Belgien. Die UNHCR-Statistiken zeigten, dass
im vergangenen Jahr 20.000 Iraker Asyl in Europa beantragten. Das waren
doppelt so viele wie 2005. Die Vereinigten Staaten haben
angekündigt, in diesem Jahr rund 7.000 Iraker aufzunehmen.
Im Irak erinnerten am Freitag hunderte Kurden mit Schweigeminuten an
ein Massaker im Norden des Landes, dem 1988 schätzungsweise 5.600
Menschen zum Opfer fielen. In mehreren Städten versammelten sich
Angehörige der Opfer des von Saddam Hussein angeordneten
Chemiewaffen-Angriffs. In Halabdscha wurden zum Gedenken an jedes Jahr
seit dem Massaker 19 Kerzen erzündet.
Die Hinrichtung Saddam Husseins habe ihren Schmerz gelindert, sagte die
53 Jahre alte Tuba Abid, die bei dem Angriff 22 Familienangehörige
verlor. Othman Abdullah sagte, im vergangenen Jahr seien seine Eltern
gesundheitlichen Problemen in Folge des Chemiewaffen-Einsatzes erlegen.
Sein Vater starb an Nierenversagen, seine Mutter hatte jahrelang
Atemprobleme. Eine medizinische Behandlung der beiden im Ausland habe
er sich nicht leisten können, erklärte Abdullah. Sein Bruder
sei direkt bei dem Angriff getötet worden. «Das Leben ist
für mich sinnlos geworden», sagte der 26-Jährige.
Bei einem Bombenanschlag in einem vorwiegend von Schiiten bewohnten
Viertel Bagdads wurden am Freitag vier US-Soldaten getötet. Die
Streitkräfte gaben außerdem den Tod von zwei weiteren
Soldaten bekannt, die am Donnerstag ums Leben kamen. Einer wurde bei
einer Explosion in der Provinz Salahuddin getötet, ein weiterer in
der Provinz Anbar.
Im schiitischen Stadtteil Sadr City beschossen Bewaffnete am Donnerstag
den Konvoi eines ranghohen Beamten. Rahim al Darradschi wurde schwer
verletzt, zwei seiner Leibwächter wurden getötet, wie die
Polizei mitteilte. Bei Anschlägen und Überfällen kamen
am Freitag landesweit mindestens vier Menschen ums Leben.
(Quellen: ap, ddp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 17.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertsiebenundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.17.03.06 - Größter Luftwaffeneinsatz seit Invasion im Frühjahr
2003 +++ Konstituierende Sitzung des irakischen Parlaments. Einigung der
Parteien auf eine Regierung nicht in Sicht +++ USA bestätigen
Präventivkriegsdoktrin
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0603170.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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US-geführte Truppen töten fünf afghanische Polizisten
Sa.17.03.07 - Die von den USA geführten Koalitionstruppen haben im Süden
Afghanistans versehentlich fünf afghanische Polizisten
getötet. Wie ein Sprecher des Innenministeriums am Freitag in Kabul
mitteilte, waren die Polizisten im Bezirk Gereschk in der Provinz
Helmand im Einsatz, als am Donnerstagabend auf sie geschossen wurde. Die
Regierung leitete eine Untersuchung ein. Von den US-Streitkräften
gab es zunächst keine Stellungnahme.
Helmand gilt als Hochburg der Taliban. In der Provinz kämpfen auch
Einheiten der NATO-Schutztruppe ISAF. In den Vorfall vom Donnerstag
seien aber keine ISAF-Soldaten verwickelt gewesen, sagte eine Sprecherin
der Truppe in Kabul.
(Quelle: ap)
Zweifel nach Geständnis von El-Kaida-Chefplaner
Sa.17.03.07 - Nach dem vom Pentagon veröffentlichten Geständnis der
ehemaligen Nummer 3 des Terrornetzes El Kaida, Chalid Scheich Mohammed,
wachsen in den USA Zweifel an den Aussagen. Die Zeitung «Los
Angeles Times» zitierte am Freitag amerikanische
Anti-Terror-Experten mit der Vermutung, Mohammed habe übertrieben.
«Er ist bestimmt für einige Anschläge verantwortlich.
Aber ich denke, er heftet sich auch Dinge ans Revers, mit denen er
nichts zu tun hatte», sagte ein früherer Terrorfahnder der
US-Bundespolizei FBI.
Nach einem für die Öffentlichkeit zensierten Protokoll des
US- Verteidigungsministeriums hatte der 53-Jährige erklärt,
er sei für die die Planung der Terroranschläge vom 11.
September 2001 verantwortlich. Auch gab er demnach zu, unter anderem
den Anschlag auf das World Trade Center 1993 sowie auf einen Nachtclub
auf der indonesischen Ferieninsel Bali 2002 vorbereitet zu haben.
In einer vor der Militärkommission verlesenen schriftlichen
Aussage hat Mohammed nach Angaben des Pentagons ebenfalls die
Verantwortung für das 2001 fehlgeschlagene Schuhbomben-Attentat
auf ein Flugzeug der Fluggesellschaft American Airlines
übernommen. Er habe zudem Attentate auf Papst Johannes Paul II.
und den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton geplant. Er gestand
überdies, den US- Journalisten Daniel Pearl 2002 eigenhändig
enthauptet zu haben.
Die Familie Pearls teilte unterdessen mit, sie könne nicht sagen,
ob die Aussagen des Topterroristen wahr sind. «Man kann
unmöglich wissen, ob an Chalid Scheich Mohammeds Prahlerei
irgendetwas Wahres ist», hieß es in einer Mitteilung Judea
und Ruth Pearls.
Die US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) forderte die
US-Regierung unterdessen auf, eine unzensierte Version des Protokolls
zu veröffentlichen. Mohammed habe in seinen Aussagen
Foltervorwürfe erhoben. «Es ist ein klarer Missbrauch der
Geheimhaltung durch die Regierung, wenn sie Informationen
zurückhält, weil sie möglicherweise ungesetzlich oder
peinlich sind», sagte der Direktor von Human Rights Watch,
Kenneth Roth. «Mohammeds Foltervorwürfe sollten untersucht
statt verheimlicht werden.»
Die deutsche Regierung will die vom Pentagon veröffentlichten
Geständnisse Mohammeds über seine Verantwortung für die
Anschläge vom 11. September nicht bewerten. Man habe diese
Meldungen zur Kenntnis genommen, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas
Steg am Freitag in Berlin. Die scheinbaren Widersprüche in den
Aussagen könne die deutsche Seite nicht bewerten. Steg
bekräftigte die Position der Bundesregierung, dass das
US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba nicht dauerhaft bestehen
dürfe. Dies liege auch im US-Interesse.
Vor einer US-Militärkommission in Guantánamo werden derzeit
14 als besonders gefährlich eingestufte Gefangene angehört.
Sie wurden im September vergangenen Jahres aus geheimen
CIA-Gefängnissen im Ausland in das Militärgefängnis
gebracht. Die 14 Gefangenen sollen nach dem Willen von
US-Präsident George W. Bush wegen Kriegsverbrechen angeklagt
werden.
(Quelle: dpa)
Bush berät mit Staatschefs aus Saudi-Arabien und Ägypten
über Nahost
Sa.17.03.07 - US-Präsident George W. Bush hat am Freitag mit den Staatschefs aus
Saudi-Arabien und Ägypten über den Nahost-Konflikt beraten.
Weitere Themen der Gespräche waren der Krieg im Irak sowie die
Lage im Libanon und im Iran, wie der Sprecher des Weißen Hauses,
Tony Snow, mitteilte. Bush habe dem saudiarabischen König Abdullah
und dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak für die
Teilnahme ihrer Staaten an der internationalen Irak-Konferenz vom
vergangenen Wochenende gedankt. Mit Mubarak habe der Präsident
auch über die bevorstehende Nahost-Reise von
US-Außenministerin Condoleezza Rice gesprochen.
(Quelle: ap)
USA bekennen sich nicht zu internationalen Klimazielen
Sa.17.03.07 - Die USA sind offenbar weiter nicht bereit, sich auf internationale
Klimaschutzziele festzulegen. «Unser Fokus ist darauf gerichtet,
die Technologie zu entwickeln, um praktische Ergebnisse zu
erzielen», sagte der Chef der US-Umweltbehörde EPA, Stephen
Johnson, am Freitag am Rande des G-8-Umweltministertreffens in Potsdam.
Die US-Regierung habe eine Führungsrolle übernommen. Sie habe
zwischen 2001 und 2006 29 Milliarden Dollar für Forschung und
Entwicklung beim Klimaschutz bereitgestellt - mehr als jedes andere
Land. Es gehe unter anderem um die Entwicklung «sauberer»
Kohlekraftwerke und der Nutzung des Treibhausgases Methan. Darüber
hinaus habe Präsident George W. Bush unter anderem klare Vorgaben
für Auto-Abgase gemacht, die das Emissionswachstum in diesem Sektor
stoppen würden, sagte der amerikanische Delegationsleiter.
Zur Bedeutung des G-8-Treffens mit Vertretern der fünf wichtigsten
Schwellenländer sagte er, die wirtschaftliche Zusammenarbeit sei
den USA wichtig. «Wir konzentrieren uns darauf, mit den
G-8-Ländern zusammenzuarbeiten, aber auch mit den anderen
fünf», sagte Johnson.
«Wir sind uns alle einig, dass wir gegen den Klimawandel angehen
müssen», betonte er. «In den USA haben wir einen
aggressiven, aber auch praktischen Ansatz dafür.»
Auf die Frage, ob durch die neuen Klimaziele der EU Bewegung in den USA
zu erwarten sei, sagte er: «Es gibt ganz sicher
Übereinstimmungen.» Die Entwicklung moderner
Klimaschutztechnik gehöre dazu. «Wir müssen uns auf
diese gemeinsamen Punkte konzentrieren», sagte Johnson.
(Quelle: ap)
Milliarden-Kostenvoranschlag für US-Atommülllager
Sa.17.03.07 - Der Bau und Betrieb eines neuen Atommülllagers in den USA wird
nach einem amtlichen Kostenvoranschlag bis 2023 rund 26,9 Milliarden
Dollar (20,2 Milliarden Euro) kosten. Das teilte der Direktor des Amtes
für Radioaktives Müll-Management im US-Energieministerium,
Edward Sproat, am Freitag in Washington mit. In dieser Kalkulation sind
nicht die Kosten für die gesamte Lebensdauer der Anlage in Yucca
Mountain im US-Staat Nevada enthalten. Diese werden auf 58 Milliarden
Dollar (43,5 Milliarden Euro) geschätzt.
Sproat zufolge sollen die Kosten im Mai erneut kalkuliert werden - man
rechne bereits jetzt mit einer weiteren Steigerung. Die Anlage 150
Kilometer nordwestlich von Las Vegas soll in einem Indianerreservat
gebaut und 2017 eröffnet werden. Das ist allerdings die
günstigste Schätzung, sagte Sproat. Sollte das Projekt nicht
ausreichend Finanzmittel erhalten, werde sich die Inbetriebnahme nach
hinten verschieben.
In den vergangenen Jahren hat das Projekt nicht die erforderlichen
Summen bekommen, zum Teil auch wegen dem Widerstand des demokratischen
Senators Harry Reid. Als Mehrheitsführer des Senats ist Reid
inzwischen noch einflussreicher geworden. Yucca Mountain soll 77.000
Tonnen radioaktiven Mülls aus Atomkraftwerken und aus dem
Atomwaffenprogramm aufnehmen. Die Anlage ist vom Kongress 2002
gebilligt worden, ihr Bau ist allerdings durch politischen Widerstand
und Klagen aufgehalten worden.
(Quelle: ap)
G8-Umweltminister legen Plan zum Kampf gegen das Artensterben vor
Sa.17.03.07 - Die großen Industrie- und Entwicklungsländer haben sich
verpflichtet, den dramatischen Artenschwund auf der Erde so schnell wie
möglich zu stoppen. Dazu habe man eine «Potsdamer
Initiative» beschlossen, gab Bundesumweltminister Sigmar Gabriel
am Freitag als erstes Ergebnis der G-8-Umweltministerkonferenz in
Potsdam bekannt. Zentrales Thema des Treffens ist auch der Klimaschutz.
Gabriel sagte, die Artenvielfalt müsse ähnlich viel
Aufmerksamkeit bekommen wie derzeit der Klimaschutz. Täglich
gingen 150 Arten weltweit unwiderruflich verloren. «Wir
löschen derzeit die Festplatte der Natur», sagte Gabriel.
Dabei bauten 40 Prozent des Wohlstands in der Welt auf der intensiven
Nutzung der natürlichen Lebensgrundlagen. «Der Schutz der
Artenvielfalt ist gleichzeitig ein Schutz des Wohlstands und der
sozialen Entwicklung», meinte der Minister.
Deshalb hätten sich die G-8-Staaten (USA, Kanada, Japan,
Frankreich, Großbritannien, Italien, Deutschland und Russland)
und die fünf geladenen großen Schwellenländer (China,
Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika) darauf geeinigt, die
wirtschaftlichen Folgen des Artensterbens zu untersuchen. Der Report -
ähnlich dem Stern-Report zu den Folgen des Klimawandels - soll vor
der Weltartenschutzkonferenz in Bonn im kommenden Jahr fertig sein.
Teil der Initiative ist auch, die Entwicklungsländer besser
finanziell beim Artenschutz zu unterstützen. Gabriel schlug vor,
dazu Einnahmen aus dem Emissionshandel zu nutzen: So könnte
innerhalb der EU die Versteigerung von Zertifikaten nach 2012 Pflicht
werden, und zwar von mehr als den bisher möglichen zehn Prozent
der Verschmutzungsrechte. Damit könnte man enorme Ressourcen
locker machen, meinte Gabriel. Ein Teil könnte in den Erhalt der
Artenvielfalt fließen.
Mit dem Klimaschutz wollen sich die Minister am (heutigen) Samstag
intensiv befassen. Ziel ist es, ambitionierte Klimavereinbarungen beim
G-8-Gipfel in Heiligendamm vorzubereiten und die Schwellenländer
dabei einzubeziehen.
Die Umweltgruppe Greenpeace forderte die Minister mit einer
Protestaktion auf, endlich zu handeln. Ein Greenpeace-Schiff mit dem
Banner «Stop Talking - Act now» kreuzte auf dem Jungfernsee
vor dem Tagungsort. In einer Deklaration forderten die Aktivisten, die
Industriestaaten müssten sich sofort verpflichten, ihren
Treibhausgas-Ausstoß bis 2020 um mindestens 30 Prozent unter den
Wert von 1990 zu bringen.
(Quelle: ap)
Klimawandel mindert laut Studie Ernteerträge
Sa.17.03.07 - Der vom Klimawandel ausgelöste Temperaturanstieg hat nach einer
US-Studie in den vergangenen 25 Jahren Milliardenverluste verursacht,
die allerdings durch technologischen Fortschritt wieder ausgeglichen
worden sind. Das berichtete David Lobell vom Lawrence Livermore
National Laboratory der Universität Kaliforniens. «Die
Erwärmung, die wir seit 1980 erlebt haben, hat einen erheblichen
Einfluss auf die Ernte», sagte er. «Es ist aber richtig,
dass die Auswirkung des Klimawandels relativ gering zur Gesamtzunahme
wegen der Technologie sind.»
Lobell und sein Team beziffern den jährlichen Ernteverlust auf
fünf Milliarden Dollar (3,75 Milliarden Euro). Von 1980 bis 2002
seien wegen des globalen Temperaturanstiegs 40 Millionen Tonnen Gerste,
Mais, Reis, Hirse, Soja und Weizen weniger produziert worden. Regionale
Auflistungen darüber wurden in der Studie nicht erstellt.
Agrarwissenschaftler reagierten skeptisch auf die Studie. Terry Francl
von der American Farm Bureau Federation sagte, die ganze Zeit seien
mehr Erträge eingefahren worden. «Es ist schwer einzusehen,
wie man den globalen Wärmeeffekt darin berechnen will.»
Lobell zufolge haben gentechnische Veränderungen am Saatgut und
verbesserte Anbautechniken die Verluste durch die Klimaerwärmung
ausgeglichen.
(Quelle: ap)
Merkel verlangt von der EU Konzentration auf Kernaufgaben
Sa.17.03.07 - Europa sollte sich nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel
künftig stärker auf seine Kernaufgaben konzentrieren.
«Wir müssen prüfen, was in Brüssel geregelt werden
muss und was bei den Nationalstaaten nicht besser aufgehoben wäre.
Dieser Aufgabe müssen wir uns stellen. Dann wird auch die
Akzeptanz der EU wieder größer», sagte die
CDU-Vorsitzende der «Passauer Neuen Presse»
(Samstagausgabe).
Viele Menschen fragten zu Recht, was Europa noch alles regeln
müsse, erklärte Merkel: «Die Europäische Union
muss sich auch nach innen reformieren. Wir brauchen den
Verfassungsvertrag, damit die EU auch in Zukunft handlungsfähig
bleibt.» Allein mit dem Vertrag von Nizza komme die EU nicht
weiter. Damit könne es keine Erweiterung mehr geben: «Wenn
wir nicht nur eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und
eine gemeinsame Energiepolitik wollen, sondern auch die Akzeptanz bei
den Bürgerinnen und Bürgern erhöhen wollen, müssen
wir das institutionelle Gefüge effektiver machen.»
(Quelle: ap)
Kontroverse in deutschem Regierungslager über US-Raketenpläne
Sa.17.03.07 - In der großen Koalition gibt es eine Kontroverse über das
von den USA geplante Raketenabwehr-System, das unter anderem in Polen
stationiert werden soll.
Der Vizechef der Unionsfraktion, Andreas Schockenhoff, rügte im
Gespräch mit der "Berliner Zeitung" vom Freitag
Äußerungen des Staatsministers im Auswärtigen Amt,
Gernot Erler, zu dem US-Projekt. Es sei ein schwerer Fehler, die
Überlegungen für einen Schutz gegen Raketen zu verteufeln,
sagte Schockenhoff von der CDU. Sozialdemokrat Erler hat die
Raketenpläne im Gespräch mit derselben Zeitung als
Aufrüstung kritisiert. Hintergrund dieser
Aufrüstungspläne sei unter anderem, dass das bisherige Arsenal
inzwischen veraltet sei, sagte Erler. Schockenhoff sieht den
Raketenschutzschild hingegen als Folge einer wachsenden Bedrohung durch
"ungebremste Weiterverbreitung von Raketentechnologie".
In Polen sollen nach den US-Plänen bis zu zehn US-Raketen
stationiert werden, die polnische Regierung hat in dieser Frage nicht
die Nato-Partner konsultiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisierte
dieses Vorgehen und warb für eine Lösung innerhalb der Nato
und offene Gespräche mit Russland darüber. Die CDU-Politikerin
trifft heute zu einem Besuch in dem östlichen Nachbarland ein.
(Quelle: rtr)
Offiziere werfen Verteidigungsminister Jung in Tornado-Debatte
Täuschung vor
Sa.17.03.07 - Offiziere der Bundeswehr sehen sich laut einem Medienbericht beim
geplanten Tornado-Einsatz in Afghanistan von Verteidigungsminister Franz
Josef Jung (CDU) getäuscht. Das geht aus einem Offenen Brief des
Vereins «Darmstädter Signal», eines Zusammenschlusses
kritischer Bundeswehrsoldaten, hervor, der der im Internet
erscheinenden «Netzeitung» vorliegt.
Es handele sich bei dem Einsatz nicht nur um Aufklärung,
argumentieren die Offiziere. «Die Aufklärungsergebnisse
sollen sofort ausgewertet werden und den Kampf der Bodentruppen und der
Jagdbomber direkt unterstützen», heißt es in dem Brief,
zu dessen Unterzeichnern aktive und ehemalige Offiziere und
Unteroffiziere der Bundeswehr gehören. Das Schreiben soll vor der
Abstimmung über den Einsatz am vergangenen Freitag den
Bundestagsabgeordneten übermittelt worden sein.
Unterschrieben hat den Brief den Angaben zufolge auch ein
Oberstleutnant, der nach Informationen des ARD-Magazins
«Panorama» von allen weiteren Aufträgen im Zusammenhang
mit der «Operation Enduring Freedom» entbunden werden
möchte. Er könne es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren,
den Einsatz von Tornado- Aufklärungsflugzeugen der Bundeswehr in
Afghanistan in irgendeiner Form zu unterstützen, begründete
der Oberstleutnant seine Beweggründe. Der Offizier ist zur Zeit im
Wehrbereichskommando IV des
Streitkräfteunterstützungskommandos in München eingesetzt
und unter anderem für die logistische Unterstützung von
Auslandseinsätzen der Bundeswehr zuständig.
Gegen den Tornado-Einsatz ist auch eine von der Linksfraktion gestellte
Organklage vor dem Bundesverfassungsgericht anhängig. Der
verteidigungspolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Paul
Schäfer, begrüßte in einer Stellungnahme «die
mutige und wohlbegründete Entscheidung» des Oberstleutnants.
(Quelle: dpa)
Politiker und Gewerkschaften verbünden sich gegen Airbus-Umbau
Sa.17.03.07 - Beim Protest gegen die Sparpläne des Flugzeugbauers Airbus wollen
Gewerkschaften und Politiker an einem Strang ziehen.
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wullf sagte am Freitag
vor Beginn einer zentralen Kundgebung in Hamburg, es sei wichtig,
"politisch und gewerkschaftlich europaweit für die Luft- und
Raumfahrt als Wachstumsbranche Position zu beziehen". Der CDU-Politiker
forderte das Management des Airbus-Mutterkonzerns EADS auf, die
Beschäftigten bei der Suche nach einer Lösung für die
Krise des Flugzeugbauers einzubeziehen. "Es sind bisher einfach
Einsparauflagen verkündet, aber noch nicht die Sinnhaftigkeit des
Konzepts deutlich gemacht worden."
IG-Metall-Chef Jürgen Peters warf dem EADS-Management während
einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Regierungschefs von
Niedersachsen und Baden-Württemberg Einfallslosigkeit vor. Das
Unternehmen werde aus den eigenen Reihen trotz guter Auftragslage "so
schlecht geredet, als handele es sich um einen Sanierungsfall".
Airbus-Mitarbeiter protestieren am Freitag europaweit erneut gegen die
Sparpläne des Flugzeugbauers. Nach Betriebsratsangaben beteiligen
sich deutschlandweit bislang 17.300 Beschäftigte von
Airbus-Standorten und ihre Familien an den Aktionen. Bei einer zentralen
Großkundgebung in Hamburg werden Peters, Wulff und der
baden-württembergische Ministerpräsident Günther
Oettinger zu den Demonstranten reden. An allen sieben deutschen
Airbus-Standorten soll die Arbeit zeitweise unterbrochen werden.
Auch in Spanien und Frankreich soll es zu Arbeitsniederlegungen kommen.
In Paris soll zudem eine Kundgebung vor der Verwaltung des
Airbus-Mutterkonzerns EADS stattfinden.
Airbus war durch Lieferverzögerungen seines neuen
Großraumjets A380 in die Krise geraten und will sie mit dem Abbau
von 10.000 Stellen und dem Verkauf von mindestens drei Werken
bewältigen. Neben Varel in Niedersachsen steht auch das Werk
Laupheim bei Ulm auf der Verkaufsliste. Für Nordenham soll ein
Investor gefunden werden.
(Quelle: rtr)
SPD-Linke will Firmensteuer-Reform kappen
Sa.17.03.07 - Die SPD-Linke kämpft weiter gegen die von der großen
Koalition geplante Unternehmensteuerreform. Der Sprecher der
Parlamentarischen Linken, Ernst Dieter Rossmann, forderte im
«Kölner Stadt-Anzeiger», die Steuern von derzeit rund
39 Prozent nicht auf unter 30 Prozent, sondern nur auf 32 Prozent zu
senken.
Das habe auch der damalige SPD-Kanzler Gerhard Schröder im
März 2005 mit der Union ausgehandelt. Zudem verlangte Rossmann von
der Union ein Entgegenkommen bei der Erbschaftssteuer.
Der CDU-Wirtschaftsexperte Laurenz Meyer lehnte das im selben Blatt
aber bereits ab. Zudem argumentierte er wie Finanzminister Peer
Steinbrück (SPD) und nannte die Reform eine «Investition, die
sich auszahlen wird, weil sie langfristig zu mehr Steuereinnahmen
führt».
Unterdessen sprachen sich führende Unionspolitiker für
Nachbesserungen zu Gunsten des Mittelstandes aus. CDU/CSU- Fraktionsvize
Michael Meister (CDU) sagte der «Financial Times
Deutschland» (Freitag): «Wir wollen im Laufe des
Gesetzgebungsverfahrens schauen, ob wir für mittelgroße
Unternehmen noch etwas tun können.» Ähnlich
äußerten sich der Finanz- und der Mittelstandsexperte der
Fraktion, Otto Bernhardt und Michael Fuchs (beide CDU). Aus ihrer Sicht
kommen bei der Reform mittelgroße Personengesellschaften zu kurz,
während alle Kapital- und sehr kleine Personengesellschaften
profitieren.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Donnerstag
«Beratungsbedarf an verschiedenen Stellen» eingeräumt.
Dass mit der Reform die Steuerbelastung der Unternehmen sinke, mache
aber «Deutschland als Investitionsstandort sehr viel
attraktiver», sagte sie. Das Kabinett hatte am Mittwoch nach
monatelangem Tauziehen den Gesetzentwurf für die Absenkung der
Unternehmenssteuern gebilligt. Die Reform führt zu
Steuerausfällen von anfangs voraussichtlich rund sechs Milliarden
Euro.
(Quelle: dpa)
Deutsche für drastischere Maßnahmen beim Klimaschutz
Sa.17.03.07 - Die meisten Deutschen sind laut ZDF-Politbarometer für
drastischere Maßnahmen beim Klimaschutz. Dass Flüge
künftig stärker besteuert werden sollen, finden 56 Prozent
richtig, 39 Prozent sind dagegen. Eine deutliche Mehrheit ist für
ein Tempolimit auf Autobahnen: 54 Prozent sprechen sich für Tempo
130 aus und zehn Prozent plädieren für eine
Höchstgeschwindigkeit unter 130 Stundenkilometer. 35 Prozent lehnen
beides ab.
Bei der Atomkraft sind die Deutschen weiter gespalten: 49 Prozent sind
dafür, die deutschen AKW nur wie gesetzlich festgeschrieben bis ins
Jahr 2021 zu betreiben. 44 Prozent wollen sie auch über diesen
Zeitpunkt hinaus am Netz lassen.
CDU/CSU-Fraktionsgeschäftsführer Norbert Röttgen (CDU)
sagte im ZDF-Morgenmagazin, die Bürger seien bereit mitzumachen,
auch wenn es Einschränkungen bedeute. Statt viele individuelle
Verbote zu erlassen, sei jedoch eine globale Strategie gefordert.
Röttgen plädierte für ein Anreizsystem, das auf
technologische Innovation abzielt. Es müsse klar werden, "dass
Umwelt ein ökonomisch knappes Gut" sei.
(Quelle: afp)
Martin Walser bereut sein Verhalten gegenüber Bubis
Sa.17.03.07 - Der Romanautor Martin Walser hat fast neun Jahre nach seiner
umstrittenen Auschwitz-Rede in der Frankfurter Paulskirche
persönliches «Versagen» im darauf folgenden Streit
eingeräumt. Er habe «völlig borniert reagiert»,
als der damalige Präsident des Zentralrats der Juden in
Deutschland, Ignatz Bubis, ein Angebot zur Rücknahme von
Vorwürfen gemacht habe. «Ich hätte die Hände
ausstrecken und danken sollen für dieses Frieden stiftende
Angebot», wird Walser am Freitag im «Hamburger
Abendblatt» zitiert. Zur Rede selbst stehe er nach wie vor.
Doch das Ausschlagen des Angebots von Bubis tue ihm aus heutiger Sicht
weh. Der damalige Präsident des Zentralrats der Juden starb 1999.
Knapp ein Jahr zuvor hatte Walser 1998 in der Rede zur Verleihung des
Friedenspreises des Deutschen Buchhandels eine Instrumentalisierung des
Holocausts beklagt. «Auschwitz eignet sich nicht dafür,
Drohroutine zu werden, jederzeit einsetzbares
Einschüchterungsmittel oder Moralkeule oder auch nur
Pflichtübung.» Daraufhin warf ihm der Zentralrat der Juden
«geistige Brandstiftung» vor. Bubis nahm den Vorwurf
später zurück. Walser war von den
Antisemitismus-Vorwürfen schwer getroffen.
Im «Hamburger Abendblatt» berichtete Walser jetzt über
die Zeit nach der Rede, die er allerdings heute nicht anders halten
würde. «Aber ich würde mich danach ganz anders
verhalten, als ich mich im Herbst 1998 verhalten habe», sagte er
laut dem Zeitungsbericht. Sein «größtes Versagen»
habe stattgefunden, «im Gespräch mit Ignatz Bubis, Salomon
Korn und Frank Schirrmacher im Haus der FAZ». Er sei durch den
öffentlichen Streit «so verkrampft, so erbittert, so
verbohrt» gewesen, dass er auf Bubis' Angebot, den
Brandstifter-Vorwurf zurück zu nehmen «völlig borniert
reagiert habe».
Walser fügte hinzu, das Schlimmste sei gewesen, dass er
«auch noch angeben und mich brüsten» wollte, dass er
sich schön länger als Bubis mit dem deutsch-jüdischen
Problem beschäftige. «Von heute aus gesehene tut mir das
leid. Tut mir sogar weh», sagte der Schriftsteller. Die Familie
von Bubis wurde von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager
ermordet, Bubis selbst musste Zwangsarbeit leisten.
Walser war im Jahr 2002 wegen des Buches «Tod eines
Kritikers» erneut Antisemitismus-Vorwürfen ausgesetzt. Die
«Frankfurter Allgemeine Zeitung» lehnte den Vorabdruck wegen
antisemitischer Tendenzen ab und sah in dem Buch eine
«Exekution» ihres ehemaligen Literatur-Ressortchefs Marcel
Reich-Ranicki. Walser wies dies zurück. In dem Buch geht es um den
angeblichen Mord eines Schriftstellers an einem jüdischen
Literaturkritiker.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Wirkstoff kann traumatische Erinnerung löschen
Sa.17.03.07 - Traumatische Erinnerungen können mit einem speziellen Wirkstoff
gelöscht werden. Das haben Hirnforscher der New York University
herausgefunden. Nach einem Bericht des Fachmagazin "Nature Neuroscience"
konnten die Wissenschaftler zwei Gene identifizieren: Eins ist für
das Abspeichern von Gefühlen durch Erfahrungwerte verantwortlich,
das andere Gen für die Löschung überflüssiger
Erinnerungen. Chemische Prozesse im Gehirn beeinflussen die Leistung
dieser Gene und sorgen beispielsweise dafür, dass traumatische
Erlebnisse nicht vergessen werden, sondern die Angstgefühle, die
dabei durchlebt wurden, in vergleichbaren Situationen wieder
präsent sind.
Mit dem Wirkstoff U0126 wollen die Forscher eine solche Erinnerung
anscheinend gezielt tilgen können. Gelungen ist das bereits bei
Ratten. Nun hoffen die Wissenschaftler, den Wirkstoff so weiter zu
entwickeln, um damit traumatisierte Menschen behandeln zu können.
Allerdings dürfte damit auch eine Diskussion über die ethische
Vertretbarkeit eines solchen Eingriffes in des Erinnerungsvermögen
ausgelöst werden.
(Quelle: yahoo-Nachrichten)
Mund-zu-Mund-Beatmung bei Herzstillstand nicht hilfreich
Sa.17.03.07 - Die Mund-zu-Mund-Beatmung ist im Falle eines Herzstillstands gar nicht
so hilfreich wie lange Zeit angenommen. Eine Herzmassage allein rettet
im Fall eines plötzlichen Herzstillstandes rund doppelt so viele
Leben wie eine Kombination aus Herzmassage mit Mund-zu-Mund-Beatmung.
Das berichten Forscher um Ken Nagao vom japanischen Surugadai Nihon
Universitätskrankenhaus, nachdem sie 4068 Fälle von
plötzlich kollabierten Erwachsenen aus der japanischen Region Kanto
untersucht hatten. Die Resultate werden im Medizinjournal «The
Lancet» vom Freitag (Bd. 369, S. 920) vorgestellt.
Umstehende Retter sollten sich künftig ganz auf die Herzmassage
konzentrieren, empfehlen die Wissenschaftler mit Blick auf die Resultate
ihrer Studie. In keiner Patientengruppe habe die zusätzliche
Mund-zu-Mund-Beatmung irgendeinen Nutzen gebracht. Im Gegenteil: Sie
benötige zu viel Zeit, die für die nützlichere
Herzmassage fehle.
Diese Studie bestätige, was sich in Tierversuchen bereits gezeigt
habe, erklärte Gordon Ewy vom Klinikum der Universität Arizona
in Tucson (USA) in einem begleitenden Text in dem Journal. Der Verzicht
auf die vielfach als unangenehm empfundene Methode könnte zudem
mehr Menschen ermutigen, im Notfall auch wirklich zu helfen. Andere
Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Beatmung auch aus Angst
vor übertragbaren Krankheiten unbeliebt sei. Der Transport des
Blutes durch den Körper sei für den kollabierten Patienten
wertvoller als die Anreicherung des Blutes mit Sauerstoff durch die
Beatmung, erläuterte Ewy. «Wir wissen jetzt, dass sie nicht
nur nicht hilfreich ist, sondern oft sogar schadet.»
Die Gruppe um Nagao unterteilte die Patienten - je nach ihren
Herzproblemen - in mehrere Untergruppen. Eine davon waren Betroffene,
deren Herz nach einem Stromstoß der herbeigeeilten Notärzte
wieder zu schlagen begann. Allein in dieser Gruppe überlebten fast
doppelt so viele Menschen, die nur eine Herzmassage und keine
zusätzliche Mund- zu-Mund-Beatmung erhielten (19,4 zu 11,2
Prozent), heißt es in «The Lancet».
(Quelle: dpa)
US-Forscher: Winter war der wärmste weltweit
Sa.17.03.07 - Der vergangene Winter war der US-Regierung zufolge der weltweit
wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Die
Temperaturen an Land und in den Ozeanen hätten zwischen Dezember
und Februar in der nördlichen Hemisphäre 0,72 Grad Celsius
über dem Durchschnitt gelegen, heißt es in einem Bericht der
Nationalen Behörde für Ozeane und Atmosphäre (NOAA).
Zu der Erwärmung habe auch das El-Nino-Phänomen über dem
Pazifik beigetragen, das im Januar besonders stark zu spüren
gewesen sei, erklären die Experten. In den vergangenen 100 Jahren
stieg die Temperatur dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht
zufolge weltweit um rund 0,06 Grad pro Jahrzehnt an. Die ersten Daten
stammen aus dem Jahr 1880. Der Weltklimarat (IPCC) hatte in einem Anfang
Februar veröffentlichten Bericht die Emission von Treibhausgasen
als wahrscheinlichsten Grund für die globale Erwärmung
genannt.
(Quelle: ap)
Gefrorener Ozean am Südpol des Mars
Sa.17.03.07 - Der Mars hat an seinem Südpol ein Meer aus Eis. Die Eisschicht sei
so groß, dass sie beim Abschmelzen den gesamten Planeten etwa elf
Meter hoch mit Wasser bedecken würde, berichtet ein internationales
Forscherteam unter deutscher Beteiligung im US-Fachjournal
«Science» (online vorab veröffentlicht).
Das Team um Jeffrey Plaut vom California Institute of Technology in
Pasadena hatte mit Hilfe von Radargeräten der europäischen
Raumsonde «Mars Express» die Ablagerungen am Südpol des
Roten Planeten untersucht. Ergebnis: Das Volumen der
Südpol-Ablagerung, die nahezu aus purem Wassereis bestehe,
beträgt etwa 1,6 Millionen Kubikkilometer. Das entspricht zwei
Dritteln des Grönlandeises. Die Daten stammen aus 300 Umrundungen
des Mars.
Das Team nutze das Radargerät «Marsis» (Mars Advanced
Radar for Subsurface and Ionospheric Sounding). An der Arbeit waren auch
Forscher aus Dresden, Bochum und Katlenburg-Lindau beteiligt.
Eine Eisschicht ähnlicher Größenordnung am Mars-Nordpol
hatte ein Forscherteam um Giovanni Picardi von der Universität Rom
bereits im vergangenen November vorgestellt («Science», DOI:
10.1126/science.1122165).
Andere Untersuchungen lassen darauf schließen, dass der Rote
Planet früher zum Teil von Wasser bedeckt gewesen ist. Viele
Forscher verbinden damit die Vorstellung, dass damals
möglicherweise Mikroorganismen auf dem Roten Planeten lebten.
(Quelle: dpa)