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Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertdreiundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Acht Menschen bei Anschlägen in Bagdad ums Leben gekommen - Unter
den Opfern fünf US-Soldaten. Muslime in Deutschland fordern
Freilassung deutscher Geiseln im Irak. Weitere Proteste gegen Irak-Krieg
in den USA
Mo.19.03.07 - In Bagdad sind bei verschiedenen gewalttätigen Zwischenfällen
fünf US-Soldaten, ein Polizist und zwei Zivilisten ums Leben
gekommen. Im Westen von Bagdad explodierte eine Bombe am
Straßenrand, als eine US-Militärpatrouille vorbeifuhr, teilte
die US-Armee mit. Dabei wurden vier Soldaten getötet und einer
verletzt. Ein weiterer US-Soldat wurde im Süden der Stadt durch
eine Bombenexplosion getötet.
In der Nähe der El Mustansirijah Universität im Osten der
irakischen Hauptstadt kamen nach Angaben von Sicherheitskräften
durch ein Bombenattentat ein Polizist und ein Passant ums Leben.
Fünf Polizisten wurden verletzt. Die Universität war schon
häufig Ziel von Anschlägen. Im Februar wurden dort 40 Menschen
durch eine Selbstmordattentäterin getötet.
Im Bezirk El Fadhel im Zentrum Bagdads wurde ein Zivilist durch einen
Granatwerferbeschuss getötet. Dabei wurde ein weiterer Zivilist
verletzt. Trotz der neuen Sicherheitsoffensive der rund 90.000
US-Truppen und irakischen Sicherheitkräfte in Bagdad ist die Gewalt
durch Aufständische noch nicht eingedämmt.
Führende Muslime in Deutschland haben eine sofortige Freilassung
der im Irak entführten Deutschen Hannelore Krause und ihres Sohnes
Sinan gefordert. «Diese Entführung hat mit dem Wesen unserer
Religion nichts zu tun und findet auch im Koran keine
Rechtfertigung», sagte der Vorsitzende des Islamrats für
Deutschland, Ali Kizilkaya, der «Bild am Sonntag».
«Ich appelliere im Namen der Menschlichkeit an die Entführer:
Lasst die unschuldigen Geiseln unverzüglich frei»,
fügte er hinzu.
«Wenn die Entführer islamisch handeln, oder wenn die
Entführer Menschlichkeit haben und Barmherzigkeit, dann sollten sie
die beiden freilassen», sagte der Leipziger Imam Hassan Dabbagh
in einem Interview der Fernsehsendung «MDR aktuell».
Zugleich kritisierte er die Entführer scharf. Seine Religion
verbiete Ungerechtigkeit, und es sei ungerecht, was mit den beiden
passiere, sagte der Imam.
Dabbagh verwies auch auf die deutsche Haltung im Irak-Konflikt:
«Das deutsche Volk war immer gegen Krieg, und das deutsche Volk
ist gegen den Krieg. Und wenn andere Falsches gemacht haben, dann
sollten nicht diese Personen bestraft werden.»
Hannelore Krause, die seit 40 Jahren im Irak lebt, mit einem irakischen
Professor verheiratet ist und den arabischen Namen Um Mazin trägt,
und ihr Sohn Sinan waren am 6. Februar in Bagdad verschleppt worden. Am
10. März drohten ihre Entführer mit der Ermordung der
61-jährigen Frau und ihres 20-jährigen Sohnes, falls
Deutschland nicht binnen zehn Tagen alle Bundeswehrsoldaten aus
Afghanistan abzieht. Das Ultimatum läuft am Dienstag ab. Sowohl
Bundespräsident Horst Köhler als auch der Ehemann und Vater
der Entführten haben die Entführer inzwischen in
Videobotschafter zur Freilassung der Geiseln aufgefordert.
Zum vierten Jahrestag der Invasion im Irak haben in mehreren
US-Städten den zweiten Tag in Folge tausende Menschen gegen den
Krieg demonstriert. Sie forderten den sofortigen Rückzug der
US-Truppen aus dem Irak beziehungsweise einen Stopp der Finanzierung
des Kriegs. In San Francisco demonstrierten am Sonntag rund 3.000
Menschen in der Market Street, in New York versammelten sich mehr als
1.000 Menschen in einem Park in der Nähe des Sitzes der Vereinten
Nationen.
Auch in Portland im US-Staat Oregon nahmen mehrere tausend Menschen an
einer Kundgebung teil. Die Proteste verliefen überwiegend
friedlich. Bereits am Samstag hatten zigtausend Menschen in aller Welt
gegen den Krieg demonstriert. Allein in Washington nahmen nach
inoffiziellen Schätzungen der Polizei bis zu 20.000 Menschen an
einem Marsch zum Pentagon teil, dessen historisches Vorbild eine
Demonstration gegen den Vietnam-Krieg vor knapp 40 Jahren war. Die
US-Invasion im Irak jährt sich am (morgigen) Dienstag zum vierten
Mal.
(Quellen: afp, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 19.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertneunundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.19.03.06 - Zwei US-Soldaten bei Angriff nahe Tikrit getötet +++ New York Times:
US-Agenten misshandelten Iraker in Folterkammer Saddams +++
Massendemonstrationen vor Jahrestag gegen Irak-Krieg. Geringe
Mobilisierung bei Anti-Irakkriegs- Protesten in USA +++ US-Präsident
Bush bereitet seine Landsleute auf weitere Kämpfe und Opfer im
Irak vor...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0603190.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Irak-Krieg hat politische Landschaft der USA gründlich
verändert
Mo.19.03.07 - Der Irak-Krieg hat die politische Landschaft in den Vereinigten Staaten
gründlich verändert. Das einzige, was sich seit Beginn des
Krieges vor vier Jahren nicht geändert hat, ist das Beharren von
Präsident George W. Bush, dass der Kampf gewonnen werden
könne. Nach mittlerweile mehr als 3.200 getöteten US-Soldaten
und dem Fehlen einer klaren Rückzugsstrategie ist die
öffentliche Unterstützung für den Krieg allerdings auf
den tiefsten Stand gesunken.
Die Republikanische Partei des Präsidenten hat bei den
Zwischenwahlen im November als Folge des Krieges die Mehrheit in beiden
Häusern des Kongresses an die Demokraten verloren. Selbst Bush hat
inzwischen eingeräumt, dass die Kriegsstrategie geändert
werden müsse. Die einstige Debatte über einen
Präventionskrieg gegen den Irak mündete mittlerweile in die
Frage: Wie schnell sollen die US-Soldaten das Land wieder verlassen?
«Der Krieg, zu dem der Kongress dem Präsidenten die
Ermächtigung gegeben hat, ist nicht mehr derselbe, den wir heute
führen», sagt der republikanische Kongressabgeordnete Bill
Young. Angesichts der zunehmenden Gewalt im Irak müsse man eine
ernste Bestandsaufnahme machen, verlangt er. Young, ein Anhänger
des Präsidenten, steht mit dieser Forderung nicht allein. Die
anhaltende Gewalt im Irak hat bei Gegnern und Anhängern Bushs
gleichermaßen zur Gewissensprüfung geführt, wie weit der
Kongress gehen kann, um in einem Krieg zu intervenieren, der schlimm
verläuft.
Das Weiße Haus und viele Rechtsexperten vertreten die Ansicht,
dass der Präsident laut Verfassung die höchste Instanz in
außenpolitischen Fragen und der Kontrolle der Streitkräfte
ist. Das Parlament hingegen kann als schärfste Waffe den Geldhahn
zudrehen. Die Demokraten zögern allerdings, von dieser
Möglichkeit Gebrauch zu machen. Sie fürchten den Vorwurf,
damit die Soldaten im Stich zu lassen. Stattdessen bemüht sich die
Oppositionspartei, per Gesetz einen Termin für einen Rückzug
aus dem Irak festzusetzen. Es wird erwartet, dass Bush sein Veto gegen
ein solches Gesetz einlegen oder es ignorieren würde.
Wie lange der Präsident noch an seinem Kurs festhalten kann, ist
allerdings ungewiss. Seine Ankündigung am 10. Januar, weitere
21.500 Mann an Kampftruppen in den Irak zu entsenden, fand die
Unterstützung der meisten Republikaner im Kongress. Aber auch sie
sagen, dass die Uhr allmählich ablaufe. Und wenn die Strategie
nicht funktioniere, blieben nicht mehr viele Optionen.
Solche Zweifel waren zu Beginn des Irak-Kriegs in der Nacht vom 19. zum
20. März 2003 rar. Die Mitglieder des Kongresses stellten sich
hinter die US-geführte Invasion, ebenso die meisten Abgeordneten
und Senatoren der Demokraten. Zu den Befürwortern zählte
damals auch Senatorin Hillary Clinton, die heute zu den entschiedensten
Kritikern von Bushs Irak-Politik gehört.
Die Zustimmung der Bevölkerung zum Irak-Krieg hat sich seit damals
dramatisch verändert. Nahezu drei Viertel der Amerikaner
unterstützten laut einer Gallup-Umfrage zu Beginn des Krieges die
Militäraktion. Ein Viertel war dagegen. Im vergangenen Monat
erklärten laut einer AP-Ipsos-Erhebung 60 Prozent der Befragten,
die Kriegsentscheidung sei falsch gewesen. Nur 40 Prozent
befürworteten den Krieg noch.
Mit ein Grund für die schwindende Unterstützung dürfte
der Umstand sein, dass der damals von der Regierung angeführte
Hauptgrund für den Krieg in sich zusammengebrochen ist: Nach dem
Sturz Saddam Husseins wurden keine Massenvernichtungswaffen gefunden,
mit denen dieser angeblich die USA bedroht hatte.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Ohne Kurswechsel der Hamas droht neue Nahost-Eiszeit
Mo.19.03.07 - Nach dem blutigen Machtkampf der rivalisierenden Parteien Hamas und
Fatah knüpfen die Palästinenser jetzt große Hoffnungen
an die neue Einheitsregierung. In Israel gilt die von
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas vereinbarte Koalition mit
der Hamas dagegen als Sieg von Islamisten.
Auf dem Weg hin zu einer Friedenslösung wird das Bündnis als
Rückschritt bezeichnet. So könnte dem Durchbruch bei den
Palästinenser nun umgehend eine neue politische Eiszeit folgen.
Der israelische Regierungssprecher Mark Regev sagte, in den Leitlinien
der palästinensischen Regierung werde «keine der
internationalen Forderungen» erfüllt. Er kündigte an, es
werde keine Zusammenarbeit mit der Einheitsregieung geben. Israel will
verhindern, dass einige europäische Staaten den Boykott der Hamas
auch ohne eine ausdrückliche Anerkennung des Existenzrechtes
Israels aufheben könnten.
Denn eine direkte Anerkennung findet sich in dem Programm nicht. Die
palästinensische Regierung kündigt in ihren Leitlinien aber
an, internationale Resolutionen und die von der PLO unterzeichneten
Friedensverträge respektieren und die Waffenruhe mit Israel
ausbauen zu wollen. Zugleich beharrt die Einheitsregierung aber auf dem
Widerstand gegen die israelische Besatzung.
«In Israel wird gefordert, dass (Regierungschef) Hanija
öffentlich auf die Knie fällt und sagt, wir akzeptieren
Israel. Das wird nie passieren. Aber Abu Masen (Präsident Abbas)
ist es gelungen, die Hamas in eine politische Übereinkunft
einzubinden, bei der sie frühere politische Abkommen mit Israel
akzeptiert. Das ist eine schrittweise Anerkennung», sagt dazu ein
palästinensischer politischer Beobachter in Gaza.
Mit Spannung wird erwartet, ob das Ausland die palästinensische
Einheitsregierung akzeptiert. Aus Europa sind zunächst abwartende
Stimmen zu hören. Frankreich hat eine Einheitsregierung früh
als Schritt in die richtige Richtung bezeichnet. Unter den
Vermittlerstaaten hat sich bisher nur Russland für ein Ende der
Blockade-Politik gegen die Palästinenserregierung ausgesprochen.
«Die Führer der Fatah hatten nur die Wahl zwischen
Kämpfen oder einem Kompromiss mit der Hamas. Fatah hat den
Kompromiss gewählt», was Hamas-Sicht einen Sieg bedeute,
sagte der palästinensische Politik-Professor Naschat Aktasch in
Ramallah. Muhannad Abdel Hamid, ein im Westjordanland lebender
politischer Experte, ist skeptisch. Die pragmatischen Töne der
Hamas seien nur taktisch begründet. «Hamas steht da, wo die
PLO 1974 war», sagt er. «Wir haben die Uhr 30 Jahre
zurückgedreht, anstatt nach vorn zu gehen.»
(Quelle: dpa)
Sudan setzt Zusammenarbeit mit Strafgerichtshof in Den Haag aus
Mo.19.03.07 - Der Sudan setzt die Zusammenarbeit mit dem Internationalen
Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag aus. Das teilte Justizminister
Mohammed Ali al Mardi am Sonntag mit. Die Entscheidung sei auf einer
Kabinettssitzung unter Leitung von Präsident Omar al Baschir
getroffen worden, berichtete die Zeitung «Al Ray Al Aam»
unter Berufung auf Regierungskreise.
Der Chefankläger des IStGH benannte im vergangenen Monat einen
früheren sudanesischen Innenstaatssekretär als
mutmaßlichen Kriegsverbrecher in Darfur. Es sei völlig
unsinnig, dass der Strafgerichtshof einen sudanesischen
Staatsbürger vor Gericht stellen wolle, sagte Justizminister Al
Mardi der Nachrichtenagentur AP. Der Sudan habe einige Zeit seine
Zusammenarbeit mit dem IStGH ausgeweitet, jetzt habe sich die Lage aber
völlig geändert, sagte der Minister weiter. Der Sudan hat den
IStGH-Vertrag nicht unterzeichnet und spricht dem Gericht Befugnisse
auf seinem Staatsgebiet ab.
Der anhaltenden Gewalt in Darfur sind seit Februar 2003 bereits mehr
als 200.000 Menschen zum Opfer gefallen. Etwa 2,5 Millionen Bewohner
wurden in die Flucht getrieben.
(Quelle: ap)
Streit um nordkoreanische Konten in Macau beigelegt
Mo.19.03.07 - Die USA und Nordkorea haben einen Streit über 25 Millionen Dollar
(19 Millionen Euro) beigelegt, wie der stellvertretende
US-Handelsstaatssekretär Daniel Glaser am (heutigen) Montag sagte.
Das von den USA eingefrorene nordkoreanische Geld werde über ein
Konto der Bank of China in Peking an Pjöngjang überwiesen und
dort für Bildungs- und humanitäre Zwecke verwendet. Die
Einigung macht nach US-Angaben den Weg frei für weitere
Fortschritte im Abrüstungsprozess.
Die USA froren das bei der Banco Delta Asia mit Sitz in Macau
deponierte Geld wegen des Verdachts der Geldwäsche vor 19 Monaten
ein. Washington sagte im Februar im Rahmen einer internationalen
Vereinbarung über das nordkoranische Atomprogramm zu, den Konflikt
bis Mitte März zu lösen. Am Samstag erklärte Nordkorea,
es werde seinen Atomreaktor in Yongbyon erst dann abschalten, wenn das
Geld freigegeben werde. Am (heutigen) Montag sollen in Peking die
nächsten Sechsländergespräche über das
nordkoreanische Atomprogramm beginnen.
(Quelle: ap)
IWF-Chef Rato sieht bis 2008 starkes Weltwirtschafts-Wachstum
Mo.19.03.07 - IWF-Chef Rodrigo Rato rechnet angesichts der noch immer starken
Weltwirtschaft für dieses und kommendes Jahr mit einem Wachstum von
fast fünf Prozent.
Die sich abzeichnende sanfte konjunkturelle Landung der US-Wirtschaft
werde wohl durch die gute Entwicklung in der Europäischen Union und
in Schwellenländern wie China und Indien wettgemacht, sagte Rato
am Freitag vor Journalisten in Kapstadt. Der Internationale
Währungsfonds (IWF) gehe von einer Abkühlung der US-Wirtschaft
aus, diese werde jedoch nicht dramatisch ausfallen.
Der IWF prognostiziert einem von Reuters bereits vor Tagen
veröffentlichten Entwurf zufolge für 2007 und 2008 ein
Wachstum der Weltwirtschaft um 4,9 Prozent. Vergangenes Jahr waren 5,3
Prozent erreicht worden. Die möglichen globalen Auswirkungen der
Krise am US-Hypothekenmarkt sieht Rato als begrenzt an. Zwar müsse
die jüngste Entwicklung aufmerksam beobachtet werden. Allerdings
sei das US-Finanzsystem stark und gesund. Auch die höhere
Volatilität an den Finanzmärkten und das Risiko eines
Abwärtstrends seien Tatsachen, die man als gegeben hinnehmen
müsse.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Umweltminister Gabriel wirft Autoindustrie Versagen beim Klimaschutz vor
Mo.19.03.07 - Im Ringen um mehr Klimaschutz wird der Ton rauer. Bundesumweltminister
Sigmar Gabriel warf der Autoindustrie am Wochenende Versagen vor.
Deutsche Autofirmen seien im Vergleich zu asiatischen Hybridprodukten
technisch «nicht auf Ballhöhe». Als Gastgeber der
G-8-Umweltminister in Potsdam räumte der SPD-Politiker ein, das
nur kleine Fortschritte auf dem Weg zu mehr Klimaschutz erreicht worden
seien. Die Länder stimmten aber grundsätzlich überein,
dass im Kampf gegen die globale Erwärmung mehr getan werden
müsse.
Vor allem zeigte sich Gabriel enttäuscht, dass die Autobranche
ihre CO2-Selbstverpflichtung nicht eingehalten habe. Der Verband der
deutschen Automobilindustrie (VDA) sieht dagegen keine Defizite und
wies die Vorwürfe zurück. Man habe sich frühzeitig des
Themas angenommen.
Gabriel sagte der «Wirtschaftswoche», er verstehe nicht,
warum die Branche wie schon beim Katalysator und Partikelfilter
Wettbewerbschancen verstreichen lasse. Den Rücktritt von
VDA-Präsident Bernd Gottschalk bezeichnete er als Bauernopfer.
Der Minister appellierte an die Hersteller, sich rasch auf die
Forderung nach sparsameren Autos einzustellen. Bald legten auch China
und Indien Obergrenzen für ihre Emissionen fest. «Dann
müssen wir uns entscheiden: Wollen wir diese Märkte den
Hybridherstellern aus Japan oder Südkorea überlassen oder
wollen wir die europäische Autoindustrie wettbewerbsfähig
halten?»
Beim G-8-Treffen in Potsdam vermieden die Schlüsselländer USA
und China jede Festlegung, wie stark sie ihre Treibhausgase vermindern
wollen. Dort hatten sich die Umweltminister der G-8 - USA, Kanada,
Japan, Großbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland und
Russland - und der kommenden Wirtschaftsmächte China, Indien,
Brasilien, Mexiko und Südafrika seit Donnerstag beraten. Gabriel
betonte, schon dass die 13 Länder «Klartext»
miteinander geredet hätten, sei ein wichtiges Signal.
Die Vereinten Nationen zogen ein gemischtes Resümee. Der Chef des
UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, sagte: «Es bildet sich gerade
ein Gefühl dafür heraus, wie dringlich die Sache ist, und das
gibt mir Zuversicht.» Der Chef der UN-Umweltbehörde UNEP,
Achim Steiner, sagte ebenfalls, es gebe Anlass zu Optimismus. Die
Verhandlungen bräuchten jedoch weitere ein bis zwei Jahre Zeit.
Klimaschutz prägte auch den Parteitag der britischen Konservativen
in Nottingham. Parteichef David Cameron forderte seine Parteifreunde zu
mehr Umweltbewusstsein auf. Er sprach sich für eine höhere
Besteuerung des Flugbenzins aus, um den Klimaschutz zu fördern.
Beobachter bezweifelten allerdings, ob dies den seit 1997 in der
Opposition verharrenden Konservativen Zulauf verschafft.
In den USA machte eine Studie des Lawrence Livermore National
Laboratory der Universität Kaliforniens von sich reden. Danach
habe die Klimaerwärmung in den vergangenen 25 Jahren
Milliardenverluste in der Landwirtschaft verursacht, die allerdings
dank des technologischen Fortschritts wieder ausgeglichen worden seien.
Die Studie stieß in Fachkreisen allerdings auf massive Skepsis,
da sie von einem faktischen Ernterückgang ausgegangen sei.
Tatsächlich seien die Ernten gestiegen, erklärten Kritiker.
(Quelle: ap)
Grüne fordern 'zweite industrielle Revolution' zum Klimaschutz
Mo.19.03.07 - Die nordrhein-westfälischen Grünen setzen sich für ein
grundsätzliches Umdenken in der Klimapolitik und für
gesetzliche Mindestlöhne in Deutschland ein. Der Landesvorsitzende
Arndt Klocke forderte am Sonntag auf einem kleinen Parteitag in Essen
eine «zweite industrielle Revolution». «Gegen den
Klimawandel hilft nur ein kompletter und konsequenter Umbau der
Industriegesellschaft», betonte Klocke vor den 120 Delegierten.
Die schwarz-gelbe Landesregierung versage auf ganzer Linie.
«Wir brauchen ambitionierte Ziele und keine falschen Kompromisse
wie zuletzt beim EU-Gipfel. Wir brauchen einen Masterplan», sagte
Klocke. Ziel müsse sein, den Emissionsausstoß pro Kopf und
Jahr auf eine Tonne Kohlendioxid zu senken. Derzeit sei der
Pro-Kopf-Ausstoß in Deutschland zehn Mal so hoch.
In einem einstimmig verabschiedeten Leitantrag zur Klimapolitik lehnen
die Grünen den Neubau von Kohlekraftwerken ab. Allein in NRW
sollen 13 neue Kraftwerke gebaut werden.
Einstimmig sprachen sich die Delegierten auch gegen die von CDU und FDP
geplante Privatisierung von Betätigungsfeldern der kommunalen
Unternehmen sowie den Abbau kommunaler Demokratie aus. «Wir
werden uns am Widerstand gegen die geplanten Änderungen der
Gemeindeordnung beteiligen und dafür Sorge tragen, dass die
Diskussion um die Änderungen für die Kommunalwirtschaft noch
nicht als beendet betrachtet werden kann», betonte die
Landesvorsitzende Daniela Schneckenburger.
Mit deutlicher Mehrheit forderte der kleine Parteitag die
Einführung eines einheitlichen Mindestlohns in Deutschland.
»Tarifverträge reichen nicht mehr aus, um das
Existenzminimum zu sichern«, sagte Daniela Schneckenburger und
sprach sich für ein »Mindestlohnkorridor« von 7 bis
7,50 Euro aus.
In der Auseinandersetzung um den Einsatz von »Tornados" in
Afghanistan wollen die Grünen in den Kreisverbänden eine
umfassende Debatte um einen Strategiewechsel in der
Afghanistan-Politikführen. Ziel müsse eine Neuausrichtung der
Strategien sein mit dem Ziel, ein Scheitern der internationalen
Bemühungen in Afghanistan abzuwenden. Außerdem wird auch der
Bundesvorstand aufgefordert, eine Debatte zur aktuellen Lage in
Afghanistan zu führen.
(Quelle: ddp)
Bundespräsident Köhler erwartet von Wirtschaft mehr soziales
Engagement
Mo.19.03.07 - Bundespräsident Horst Köhler erwartet von der Wirtschaft mehr
Engagement für die Gesellschaft. «Ich möchte den
deutschen Unternehmern sagen: Unterschätzt nicht die soziale
Dimension. Es reicht nicht mehr, sich nur um die Arbeitnehmer zu
kümmern und ab dem Werkstor ist es wurscht», sagte das
Staatsoberhaupt dem «Focus».
Köhler sieht für die Firmen eine Fülle von
Möglichkeiten, sich zu beteiligen, beispielsweise an die
Ausstattung von Schulen mit Computern, die Renovierung von
Klassenräumen oder die Unternehmer-Initiative
«Wissensfabrik», die in Schulen erklärt, was Wirtschaft
ausmacht.
Nur solide wirtschaftende Unternehmen könnten etwas für die
Gemeinschaft leisten, sagte er. «Aber nur Unternehmen, die sich
sozial engagieren, bleiben auf Dauer auch erfolgreich.»
Köhler äußerte sich am Wochenende nach seiner
Rückkehr von einer mehrtägigen Lateinamerika-Reise.
Während viele Firmen dort ihr Engagement auch damit begründen,
die Gewerkschaften aus dem Betrieb fern zu halten, lehnt Köhler
solche Motive ab. «Niemand sollte versuchen, die Gewerkschaften
kaputt zu machen oder herauszudrängen. Aber sie sollten den
Arbeitnehmern helfen, flexibler zu sein», sagte er.
Der Bundespräsident mahnte zugleich eine bessere
Einkommensverteilung und Bildungspolitik in Südamerika an. Die
soziale Ungleichheit könne nicht alleine mit Wirtschaftswachstum
beseitigt werden, sagte Köhler im Deutschlandradio Kultur zum
Abschluss seiner Reise. Viele Unternehmer und Mitglieder der Eliten vor
Ort hätten bereits erkannt, dass politische Stabilität
über einen sozialen Ausgleich hergestellt werden könne.
Köhler erklärte, wenn sich diese Einsicht nicht generell
durchsetze, werde sich die Zivilgesellschaft immer mehr des Themas
annehmen und über politischen Einfluss im Rahmen demokratischer
Verfahren dafür sorgen, dass das Wachstum der ganzen
Bevölkerung zugute komme. Im Moment sehe er aber nicht die Gefahr
einer akuten sozialen Revolution in Südamerika.
Für die letzte Station seiner Reise, Kolumbien, forderte der
Bundespräsident allerdings von der internationalen Gemeinschaft und
auch der EU Hilfe für eine Verbesserung des Justizapparats. In
Kolumbien fehle die Fähigkeit des Staats und des Rechtswesens,
«wirklich bis in den letzten Winkel des Landes Rechtsstaatlichkeit
zu bringen». Zudem sei das Land mit dem Problem des Drogenanbaus
überfordert, wobei aus Europa und den USA immense Summen
kämen. Hier müsse man auf der Nachfrageseite ansetzen, um
Kolumbien zu helfen, sagte Köhler.
(Quelle: ap)
Finanzminister wollen auch Beamte bis 67 arbeiten lassen
Mo.19.03.07 - Die Finanzminister von Bayern und Baden-Württemberg wollen
künftig auch die Beamten bis zum 67. Lebensjahr arbeiten lassen.
Der Stuttgarter Ressortchef Gerhard Stratthaus (CDU) sagte dem
Nachrichtenmagazin «Focus»: «Die Menschen sind mit 67
noch leistungsfähig. Daran würden auch die öffentlichen
Arbeitgeber der anderen Bundesländer nicht vorbeikommen. In
Baden-Württemberg sollen die Beamten nach dem Willen von Stratthaus
spätestens ab 2011 länger als bisher arbeiten.
Ähnlich äußerte sich auch der bayerische Finanzminister
Kurt Faltlhauser. «Wir werden erleben, dass alle Länder auf
67 hinaufgehen», sagte der CSU-Politiker. Er befürchtet eine
«dauerhafte Debatte zu Lasten der Beamten», wenn diese nicht
genauso lange arbeiteten wie die Angestellten.
(Quelle: ap)
'Behörden-Notruf' 115 soll 'schöne neue Verwaltungswelt'
schaffen
Mo.19.03.07 - Verschiedene Ämter beschäftigen sich mit verschiedenen
Problemen - doch welche Behörde ist für welches Anliegen der
richtige Ansprechpartner? Abhilfe im Behördendschungel soll eine
einheitliche Rufnummer schaffen, der «Behörden-Notruf
115».
Von der einheitlichen Telefonnummer aus würde der Bürger an
das entsprechende Amt weitergeleitet. Geboren wurde die Idee im
vergangenen Dezember auf dem «ersten nationalen IT-Gipfel»,
auf der Computermesse CeBIT in Hannover wird nun eine Lösung
vorgestellt.
Eine «schöne neue Verwaltungswelt», nennt dieses
Ansinnen Gudrun Quandel vom Fraunhofer Institut für Offene
Kommunikationssysteme (FOKUS). Ihre Forschungsanstalt ist an der
Entwicklung des «Service-115» - so der Arbeitstitel des
Projektes - maßgeblich beteiligt. «Die technischen
Voraussetzungen bestehen bereits», sagt Quandel. Als große
Herausforderung sieht sie eher die politische Ebene. Hier soll ein
Kompetenzgerangel zwischen Bund, Ländern und Kommunen vermieden
werden. «Eine Herkulesaufgabe», findet auch Josef Nyary vom
federführenden Institut für Interdisziplinäre Studien zu
Politik, Recht, Administration und Verwaltung (ISPRAT).
Seine Lösung klingt einfach: Funktionierende Call-Center, wie sie
in vielen Städten und Gemeinden bereits existieren, sollen vernetzt
werden. Aus diesen Inseln, so die Überlegung, entsteht dann in
absehbarer Zeit ein bundesweites Netz. «Drei bis fünf
Jahre» würden dafür benötigt, so Nyarys
Schätzung. Ein Anreiz sei die im Dezember verabschiedete
EU-Dienstleistungsrichtlinie. Dadurch sind die EU- Mitgliedsstaaten
verpflichtet, bis Ende 2009 den Abbau von bürokratischen
Hindernissen und zwischenstaatlichen Hemmnissen sowie die Förderung
des grenzüberschreitenden Handels mit Dienstleistungen umzusetzen.
«Die Einheitsrufnummer ist eine Chance für die
Verwaltung», meint Gudrun Quandel - und die müsse genutzt
werden. «Wenn Bund und Länder sich nicht einig werden,
läuft Deutschland Gefahr, überholt zu werden», sagt sie.
Schließlich sei in anderen Ländern wie Frankreich oder
Italien die Umsetzung eines solchen Projekts auf Grund der politischen
Gegebenheiten einfacher. «Für den Standort Deutschland ist
dieses Projekt von großer Wichtigkeit», betont auch
ISTRAT-Mann Nyary. Aus etlichen Ländern lägen bereits Anfragen
für das Projekt vor, unter anderem aus Thailand oder Taiwan.
Finanzielle Hindernisse sieht er nicht: Da die Call-Center meistens
schon bestünden, fielen lediglich Kosten für die
Mitarbeiter-Schulung an - «das ist tragbar.»
Die Bundesbürger selbst sind allerdings skeptisch: Knapp zwei
Drittel glauben einer Umfrage vom Dezember zufolge, dass sich das
Verhältnis zwischen Bürgern und Verwaltung durch eine
Einheitsrufnummer nicht verbessern wird. «Wir dürfen nicht
den Eindruck erwecken, alles anders machen zu wollen», sagt Gudrun
Quandel mit Blick auf die Vorbehalte. Doch eines muss auch sie
einräumen: «"Service-115" ist kein Versprechen dafür,
dass wir in 20 Jahren paradiesische Zustände haben.»
(Quelle: dpa)
Bayern will Haupt- zu Ganztagsschule machen
Mo.19.03.07 - Mit dem Schwerpunktthema Bildung und einem milliardenschweren
Investitionsprogramm will sich Bayern «an der Spitze des
Fortschritts» aufstellen. Ministerpräsident Edmund Stoiber
kündigte am Samstag einen «Bildungsplan Bayern 2020»
an, der unter anderem eine Reform der Hauptschulen vorsieht. Diese
sollen zu Ganztagsschulen werden, zugleich sollen in den kommenden drei
Jahren 10.000 neue Betreuungsplätze für Kleinkinder entstehen.
Stoiber betonte, dass Bayern am gegliederten Schulsystem festhalten
wolle.
Der Ministerpräsident äußerte sich nach der letzten
Arbeitssitzung der Kommission «Zukunft Bayern 2020».
Mit dem Programm wolle sich Bayern «im zweiten Jahrzehnt des 21.
Jahrhunderts an der Spitze des Fortschritts» positionieren. Die
erste Generalantwort auf die neuen gesellschaftspolitischen
Herausforderungen heiße Bildung, erklärte Stoiber. Der
Bildungsplan gebe von der Kleinkindbetreuung bis zum Hochschulstudium
die bildungspolitischen Leitlinien im kommenden Jahrzehnt vor.
Stoiber kündigte an, dass bei der Hauptschule ein Schwerpunkt bei
den Investitionen für Ganztagsschulangebote liege. Sie werde eine
offene Schule mit verschiedenen fachlichen Zweigen, mit der man bis zum
Abitur gehen könne. Bei der Grundsatzfrage, ob man das
dreigliedrige Schulsystem aufgebe oder wie andere den Weg zu einem
zweigliedrigen System einschlage, sei der bayerische Weg:
«Festhalten an der Differenzierung, aber gleichzeitig maximale
Offenheit».
Zur Stärkung der Lehrer will Stoiber das Besoldungsrecht
reformieren und stärkere Leistungsanreize für Lehrer an Grund-
und Hauptschulen schaffen. Dazu gehöre die Einführung von
Beförderungsämtern an diesen Schulen. Weiterer Schwerpunkt
soll die Schaffung neuer Studienplätze sein.
In der «Süddeutschen Zeitung» kündigte der
bayerische Ministerpräsident an, für die Betreuung von
Kleinkindern brauche Bayern bis 2010 «einen Ausbau von 10.000
Plätzen, bis 2020 von weiteren 27.000 Plätzen. Das wird ein
Schwerpunkt sein».
Die Milliarden-Investitionen sollen mit Steuermehreinnahmen und
Privatisierungserlösen finanziert werden. Fundament sei ein
schuldenfreier Haushalt. Stoiber betonte, die Reform sei mit seinem
designierten Nachfolger Günther Beckstein und der
CSU-Landtagsfraktion abgesprochen.
Der bayerische SPD-Fraktionschef Franz Maget warf der CSU vor, sie habe
den Bildungsplan von der SPD abgeschrieben. Diese stimme den
Zielsetzungen zu, glaube aber nicht an eine schnelle Umsetzung, sagte
Maget im Bayerischen Rundfunk. In den vergangenen Jahren habe man immer
wieder erleben müssen, dass genau diese Vorschläge abgelehnt
worden seien. Ablehnend äußerte sich Maget zum Vorschlag des
reformierten Besoldungsrechts für Grund- und Hauptschullehrer.
Generell seien Leistungsanreize für Lehrer sinnvoll,
grundsätzlich müsse man aber die Unterschiede zwischen Lehrern
an Haupt-, Realschulen und Gymnasien abschaffen, wenn man die
Hauptschulen aufwerten wolle.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft forderte, die Hauptschule
mittelfristig abzuschaffen. Stoibers Plan sei «ein guter Schritt,
aber es darf nur ein Zwischenschritt sein», sagte der
GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne der «Welt am Sonntag».
Dagegen stellte sich der Deutsche Lehrerverband hinter Stoibers
Pläne. Die Hauptschule werde völlig zu Unrecht kaputt geredet,
sagte Verbandschef Josef Kraus.
(Quelle: ap)