Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertfünfundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Weiter intensive Bemühungen um deutsche Geiseln in Irak -
Vizepräsident Iraks fordert Freilassung. Aufständische
setzten laut US-Angaben Kinder bei Anschlag ein. Irakischer
Exvizepräsident Ramadan hingerichtet. Zehn Jahre Haft für
US-Soldat wegen Tötung irakischer Gefangener. Mehrheit der Briten
hält Irak-Krieg für einen Fehler
Mi.21.03.07 - Unmittelbar vor Ablauf eines Ultimatums hat der irakische
Vizepräsident Tarik al Haschimi am Dienstag die Entführer
einer Deutschen und ihres Sohnes zur Freilassung ihrer Geiseln
aufgefordert. In Berlin tagte am Dienstag der Krisenstab im
Auswärtigen Amt, wie ein Sprecher auf Anfrage der
Nachrichtenagentur AP bestätigte. Die Bemühungen um
Freilassung seien unvermindert hoch.
Die Deutschen Hannelore Krause und ihr Sohn Sinan waren am 6. Februar
im Irak verschleppt worden. Die Entführer, die sich selbst
«Pfeile der Rechtschaffenheit» nannten, hatten von der
Bundesregierung in einem am 10. März bekannt gewordenen Video
verlangt, die deutschen Soldaten aus Afghanistan zurückzuziehen.
Zur Erfüllung hatten sie eine Frist bis (zum heutigen) Dienstag
gesetzt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuletzt am Montagabend
entschieden abgelehnt, auf die Forderungen einzugehen. Die
Bundesregierung lasse sich von Terroristen nicht erpressen.
Tarik al Haschimi forderte die Freilassung als «Zeichen des guten
Willens». Der Irak müsse bei der internationalen Gemeinschaft
Mitgefühl für das Leid der Bevölkerung wecken,
erklärte Al Haschimi. Unschuldige zu entführen und sie
für die Politik ihrer Regierungen verantwortlich zu machen, diene
nicht diesem Ziel.
Der Berliner Außenamtssprecher erneuerte die eindringliche
Warnung vor Reisen in den Irak. Am Vortag hatte das Auswärtige Amt
besonders nachdrücklich die Sorge um die Geiseln betont und vor
Reisen gewarnt. Die Entführung zeige überdeutlich, wie
gefährlich es für Ausländer im Irak sei.
Aufständische im Irak haben nach Angaben eines US-Generals bei
einem Bombenanschlag am Sonntag Kinder eingesetzt. Generalmajor Michael
Barbero sprach am Dienstag in Washington vor Journalisten von einer
neuen Taktik der Aufständischen, die bis dahin nicht beobachtet
worden sei. US-Soldaten hätten an einem Kontrollposten im Norden
Bagdads ein Auto durchgewunken, weil zwei Kinder auf dem Rücksitz
gesessen hätten. Kinder in einem Fahrzeug erweckten bei den
Soldaten weniger Verdacht, sagte Barbero, der stellvertretende Direktor
für regionale Operationen bei den Vereinigten Stabschefs. Nachdem
das Auto den Kontrollposten passiert habe, habe der Fahrer den Wagen in
der Nähe eines Marktes im Stadtteil Al Adamija geparkt. Die
erwachsenen Insassen seien aus dem Auto gesprungen und hätten es
mit den Kindern auf dem Rücksitz in die Luft gesprengt. Bei dem
Anschlag sollen außer den zwei Kindern auch drei irakische
Passanten getötet worden sein.
Am vierten Jahrestag der US-Invasion ist am Dienstag im Irak noch vor
Morgengrauen mit dem ehemaligen Vizepräsidenten Taha Jassin Ramadan
das vierte ranghohe Mitglied des Regimes von Saddam Hussein
hingerichtet worden. Ramadan war im Prozess wegen eines Massakers an 148
Schiiten zunächst zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein
Berufungsgericht schloss sich jedoch der Auffassung der
Staatsanwaltschaft an, dass dieses Urteil zu milde sei, und verurteilte
ihn im Februar zum Tod. Dieser Spruch wurde am vergangenen Donnerstag
von einer weiteren Berufungsinstanz bestätigt.
Vor Ramadan wurden schon Saddam Hussein, dessen Halbbruder und
Geheimdienstchef Barsan Ibrahim sowie der Vorsitzende des
Revolutionsgerichts, Awad Hamed al Bandar, hingerichtet. Ein weiteres
bekanntes Mitglied des Regimes, das derzeit noch unter anderem wegen der
Chemiewaffenangriffe auf Kurden vor Gericht steht, ist Ali Hassan al
Madschid, der auch «Chemie-Ali» genannt wurde. Ramadan
beteuerte bis zuletzt seine Unschuld. Er erklärte, er sei für
die wirtschaftliche Entwicklung zuständig gewesen und habe nichts
mit Sicherheitsfragen zu tun gehabt. Auch Menschenrechtsorganisationen
kritisierten, die Beweise gegen Ramadan reichten für die
Todesstrafe nicht aus.
Ramadan wurde um 03.05 Uhr in der früheren Geheimdienstzentrale
hingerichtet. Um einen Zwischenfall wie bei der Hinrichtung von Ibrahim
zu vermeiden, der am Galgen vom Strick geköpft wurde, sei Ramadan
zuvor gewogen worden, sagte ein Regierungsbeamter, der Zeuge der
Hinrichtung Ramadans war. Wie es hieß, hat dieser darum gebeten,
an der Seite Saddam Husseins bestattet zu werden.
Irakische und US-Truppen gingen unterdessen in der Nacht zum Dienstag
nach Augenzeugenberichten im Bagdader Stadtviertel Hurrija gegen
Aufständische vor. Dabei wurden auch Hubschrauber eingesetzt. Der
staatliche Sender Irakija berichtete von sechs getöteten
Zivilpersonen. Augenzeugen erklärten, Menschen hätten sich in
schiitische Moscheen geflüchtet. Diese seien von US-Soldaten
umstellt worden. In dem Viertel hatten militante Schiiten Ende des
letzten Jahres die meisten Bewohner der sunnitischen Minderheit
vertrieben.
Bei Anschlägen wurden am Dienstag in Bagdad wieder mehrere
Menschen getötet. Eine Autobombe explodierte neben einer
Bushaltestelle, wobei fünf Menschen starben. Drei weitere wurden
getötet, als in einer Unterführung eine Bombe explodierte.
Ein Militärgericht im US-Bundesstaat Kentucky hat am Montag
(Ortszeit) einen Soldaten wegen der Tötung von drei unbewaffneten
irakischen Gefangenen zu zehn Jahren Haft verurteilt. Das Gericht befand
den 24-jährigen Unteroffizier Raymond Girouard schuldig, im Mai
2006 die Erschießung von drei Gefangenen angeordnet zu haben,
nachdem ein Vorgesetzter über Funk die Frage stellte, warum sie
noch lebten. Girouard wird in Unehren aus der Armee entlassen. Nach den
Feststellungen des Gerichts hatte er nach den Todesschüssen
versucht, die Ermittlungen der Justiz zu behindern und Mitwisser zum
Schweigen zu bringen.
Eine klare Mehrheit der Briten hält den Irak-Krieg inzwischen
für einen Fehler. In einer am Dienstag veröffentlichten
BBC-Umfrage erklärten 55 Prozent, die Invasion im Irak habe
Großbritannien nicht sicherer gemacht. Nur fünf Fünf
Prozent gab an, sich nun sicherer zu fühlen. «Nach vier
Jahren Krieg sind die meisten Menschen in diesem Land der Ansicht, dass
die USA und Großbritannien falsch lagen, als sie 2003
militärisch gegen den Irak vorgingen», sagte Nick Sparrow vom
Umfrageinstitut ICM Research.
Mehr als die Hälfte der Befragten (51 Prozent) erklärten
zudem, sie würden der britischen Regierung nicht glauben, wenn sie
erkläre, dass eine Militäraktion gegen ein Land notwendig sei,
weil es eine Bedrohung für die nationale Sicherheit darstelle. 32
Prozent glauben der Regierung weiter. 57 Prozent der Briten sind aber
weiterhin dafür, Truppen ins Ausland zu entsenden, um bei
Naturkatastrophen zu helfen oder einen Völkermord zu beenden.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 21.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshunderteinunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.21.03.06 - Verhandlungen über Regierungsbildung ausgesetzt +++ Bei
Anschlägen am Jahrestag der Invasion mindestens 13 Tote +++
US-Truppen setzen Irak-Offensive fort +++ 'Time': US-Marines töteten
aus Rache 15 irakische Zivilisten...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0603210.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
|
Vier Jahre Irak-Invasion: Banden-Terror statt Diktatur
Mi.21.03.07 - Die amerikanisch-britische Invasion im Irak, die am 20. März 2003
begann, trug den Namen «Operation irakische Freiheit».
Für viele Iraker hat das Wort «Freiheit», das auf
Arabisch «Hurrija» heißt, seither einen bitteren
Beigeschmack.
Vier Jahre nach dem Krieg, der zum Sturz des Regimes von Saddam Hussein
führte, ist es schwierig, im Irak überhaupt noch Menschen zu
finden, die eine positive Bilanz dieses Feldzugs ziehen. Der Hass auf
die amerikanischen «Besatzungstruppen» hat inzwischen sogar
einige frühere Kriegsbefürworter erfasst. Die Gewalt zwischen
Sunniten und Schiiten ist für viele Iraker eine Folge der Invasion.
Nur die kurdischen und schiitischen Parteien, die durch den Umsturz an
die Macht kamen, sind bis heute der Meinung, dass der Preis, den die
Iraker bezahlt haben, «um sich von dem Tyrannen zu
befreien», nicht zu hoch war. Zu ihnen gehört Abbas
al-Bajati, der für die Schiiten-Allianz von Ministerpräsident
Nuri al-Maliki im Parlament sitzt.
«Vier Jahre nach dem Sturz des Regimes von Saddam, der heute in
seinem Grab liegt, gibt es im Irak Freiheit und Demokratie», sagt
er. Selbst die «Fehler der Amerikaner im Irak» und die
«schlechte Sicherheitslage» könnten dies nicht zunichte
machen.
Dem brutalen Ex-Machthaber, der im Dezember 2006 gehängt wurde,
weint zwar kaum jemand eine Träne nach. Doch für viele Iraker
war das Leben unter seinem diktatorischen, aber berechenbaren
Folterregime einfacher als im «neuen Irak», dessen Alltag
von der unberechenbaren Gewalt der Parteimilizen, Todesschwadronen und
Terrorgruppen bestimmt wird. «Im Irak herrschen heute
mafia-ähnliche Gruppierungen, das ist noch schlimmer als ein
richtiger Bürgerkrieg. Die Situation ist so verfahren, dass das
Beste, worauf man hoffen kann, die Entstehung einer Militärdiktatur
in der nächsten Generation ist», so die ernüchterte
Bilanz eines westlichen Irak-Kenners.
Ähnlich pessimistisch äußert sich Sir Jeremy
Greenstock, der nach dem Krieg als Gesandter Großbritanniens im
Irak war. Er wirft US-Präsident George W. Bush und dem britischen
Ministerpräsidenten Tony Blair vor, sie hätten das Land
militärisch eingenommen, ohne einen vernünftigen Plan für
eine Nachkriegsordnung zu haben. Außerdem seien sie ideologisch
so verblendet gewesen, dass sie nicht auf die Ratschläge ihrer
Kommandeure und Diplomaten im Irak gehört hätten.
«Der Krieg war ein schwerer Fehler, dessen Opfer das irakische
Volk ist», sagt Ex-Industrieminister Osama al-Nadschafi, der zu
den Abgeordneten der säkularen Irakischen Liste des einstigen
Kriegsbefürworters Ijad Allawi im Parlament gehört. «Den
Amerikanern ist es nach dem Krieg nicht gelungen, im Irak ein
demokratisches System zu etablieren, stattdessen haben sie
Herrschaftsformen geschaffen, die auf der Zugehörigkeit zu einer
bestimmten Religionsgruppe basieren.»
Nach UN-Schätzungen wurden seit der Invasion im Irak fast zwei
Millionen Menschen vertrieben. Weit über zwei Millionen Iraker
flüchteten ins Ausland. «Wir haben 1,3 Millionen Iraker in
Syrien, die aus der Oase der Demokratie geflüchtet sind»,
erklärte diese Woche der syrische Botschafter in Washington.
Was er nicht sagte, ist, dass es Syrien und anderen undemokratischen
Staaten in der Region gar nicht so unrecht ist, dass sie den
Oppositionellen im eigenen Land den Irak als abschreckendes Beispiel vor
Augen führen können. Ganz nach dem Motto: «Ihr wollt
Demokratie, gut, dann gibt es auch hier bald US-Besatzung und
Autobomben-Anschläge.»
(Quelle: dpa)
Hintergrund: Zehntausende Zivilisten im Irak-Krieg getötet
Vor vier Jahren sind die US-Truppen im Irak einmarschiert. Damit
kämpft die US-Armee in dem Zweistromland länger als sie es im
Zweiten Weltkrieg getan hat. Mit mehr als 3200 Toten im Irak sind ihre
Verluste jedoch deutlich geringer als im Weltkrieg. Die Zahl der
getöteten irakischen Zivilisten wird auf bis zu 650.000
geschätzt. Im Folgenden ein aktueller Überblick, unter
anderem auch über die toten Soldaten der mit den USA
verbündeten Länder:
USA: Nach Angaben der US-Armee starben 3220 Mitglieder der
US-Streitkräfte.
IRAK: Nach
Anzeige
Behördenangaben starben an die 12.000 Polizisten und
Sicherheitskräfte.
GROSSBRITANNIEN: Die britische Armee verzeichnet 133 Tote.
ITALIEN: 32 tote Soldaten, darunter 17 bei einem Selbstmordanschlag auf
den Militärstützpunkt Nassirijah im Südirak. Auch ein
italienischer Geheimdienstagent wurde getötet. Die letzten
italienischen Soldaten zogen im vergangenen Dezember ab.
UKRAINE: 18 tote Soldaten. Das ukrainische Kontingent zog im Dezember
2005 ab.
POLEN: 19 tote Soldaten.
BULGARIEN: 13 tote Soldaten. Das bulgarische Kontingent zog im Dezember
2005 ab, im März 2006 trafen 155 Soldaten zu einem
"humanitären Einsatz" ein.
SPANIEN: Elf spanische Soldaten wurden bis zum Abzug des Kontingents im
Mai 2004 getötet.
DÄNEMARK: Sechs Soldaten getötet.
EL SALVADOR: Fünf Soldaten getötet.
SLOWAKEI: Vier getötete Soldaten. Die neue Regierung von Robert
Fico beschloss im Februar den Abzug des Kontingents.
LETTLAND: Drei getötete Soldaten.
ESTLAND: Zwei getötete Soldaten
THAILAND: Zwei getötete Soildaten vor dem Abzug des
thailändischen Kontingents im September 2004.
NIEDERLANDE: Zwei getötete Soldaten. Das Mandat der
niederländischen Truppen endete im März 2005.
TSCHECHIEN: 2003 starb ein tschechischer Soldat bei einem
Verkehrsunfall.
KASACHSTAN: Ein getöteter Soldat.
AUSTRALIEN: Ein australischer Soldat starb 2005 bei einem
Flugzeugunglück.
UNGARN: Ein getöteter Soldat vor dem Rückzug des Kontingents
im Dezember 2004.
RUMÄNIEN: Ein getöteter Soldat.
IRAKISCHE ZIVILISTEN:
Die Website Irak Body Count gibt die Zahl der getöteten irakischen
Zivilisten mit mindestens 60.000 an. Das irakische
Gesundheitsministerium spricht von 150.000 Todesopfern seit 2003. Eine
wissenschaftliche Studie vor Ort, die im Oktober 2006 in der
Wissenschaftszeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurde,
schätzte, dass mehr als 650.000 Iraker durch die Folgen des
US-Krieges und der anhaltenden Besatzung ums Leben kamen.
Quelle: afp, 20.03.2007
|
UN-Gesandter Koenigs fordert verstärkte Anstrengungen für
Afghanistan
Mi.21.03.07 - Die internationale Gemeinschaft muss ihr Engagement für
Afghanistan nach den Worten des UN-Gesandten für die Region
erhöhen. Alle Geberländer seien gefordert, mehr Helfer und
Mittel bereitzustellen und die internationale Militärpräsenz
in Afghanistan zu verstärken, sagte der UN-Gesandte Tom Koenigs am
Dienstag vor dem Sicherheitsrat in New York. Zugleich kritisierte er
die Regierung in Kabul. Viele Behörden, darunter das
Innenministerium, müssten ihre Verpflichtungen ernster nehmen.
Viele Behörden seien zu passiv und erwarteten, dass ihnen die
internationale Gemeinschaft zu Hilfe eile, sagte Koenigs. Dies
verzögere Fortschritte und untergrabe sie in einigen Fällen
sogar. «Ich zähle auf die Unterstützung des Rats, damit
die nationale Entwicklungsstrategie für Afghanistan
funktioniert», erklärte der Gesandte.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte in einem Bericht an
den Sicherheitsrat, trotz hoher Verluste im vergangenen Jahr
fühlten sich die Aufständischen offenbar durch ihre
strategischen Erfolge ermutigt. In den vergangenen sechs Monaten sei
eine Rekordzahl von 77 Selbstmordanschlägen verübt worden,
überwiegend gegen ausländische Militärkonvois, zunehmend
aber auch gegen Zivilpersonen. Viele Anschläge schienen vom
Ausland finanziert worden zu sein, erklärte Ban.
Der afghanische UN-Botschafter Sahir Tanin beklagte, dass sein Land von
der Gebergemeinschaft viel weniger Unterstützung erhalten habe als
andere Gebiete nach Konflikten. Bauprojekte und grundlegende Dienste
müssten auf ganz Afghanistan ausgeweitet werden. Dem Zusammenhang
zwischen Entwicklung und Sicherheit müsse mehr Aufmerksamkeit
geschenkt werden, forderte Tanin.
(Quelle: ap)
In Pakistan 24 Menschen bei Kämpfen mit Usbeken getötet
Mi.21.03.07 - In Nordwest-Pakistan sind bei Kämpfen zwischen mutmaßlichen
usbekischen El-Kaida-Anhängern und lokalen Stammesführern
mindestens 24 Menschen getötet worden. Nach offiziellen Angaben vom
Dienstag wurden bei den Kämpfen in der Krisenregion
Nord-Waziristan Granatwerfer und Raketen eingesetzt. Vier der Toten
waren Studenten, sieben lokale Stammesmitglieder und 13
Aufständische einer gesuchten militanten islamischen Gruppe aus
Usbekistan.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Deutscher UN-Botschafter: EU gibt palästinensischer Regierung
Bewährungschance
Mi.21.03.07 - Der deutsche UN-Botschafter Thomas Matussek hat die neue
palästinensische Koalitionsregierung als Schritt in die richtige
Richtung bezeichnet. Die EU warte ab, was die Regierung aus Hamas und
Fatah unternehme und urteile dann. «Wie wollen sehen, wie ihre
tatsächliche Politik ist», sagte Matussek am Dienstag vor
Journalisten in New York. Deutschland hat derzeit die
Ratspräsidentschaft der EU inne. Die Europäer hätten
sich entschieden, die palästinensische Regierung nicht umgehend
deswegen abzulehnen, weil sie den Anforderungen nicht genüge,
sagte Matussek. «Wir haben gesagt: 'Es reicht nicht aus, aber ihr
seid auf dem richtigen Weg, also geht noch ein Stück weiter, und
wir bleiben in der Frage engagiert.'» Die neue Einheitsregierung
hat das Existenzrecht Israels bislang nicht anerkannt und auch keinen
Gewaltverzicht erklärt.
(Quelle: ap)
Sicherheitsrat berät über Änderungen am
Iran-Resolutionsentwurf
Mi.21.03.07 - Indonesien, Katar und Südafrika haben Änderungen am
Resolutionsentwurf des UN-Sicherheitsrats zum iranischen Atomprogramm
vorgeschlagen. Über die Anträge berieten die 15 Mitglieder
des Sicherheitsrats am Dienstag bei einem inoffiziellen Treffen in der
britischen UN-Mission in New York. Aus Ratskreisen verlautete
anschließend, die Vorschläge aus Indonesien und Katar seien
praktikabel. Einzelheiten dazu wurden nicht bekannt.
Die Anträge aus Südafrika würden die Resolution deutlich
abschwächen. Die fünf ständigen Ratsmitglieder und
Deutschland hatten sich am Donnerstag vergangener Woche auf einen
Resolutionsentwurf mit neuen Sanktionen geeinigt, weil Iran sich
weigert, die Anreicherung von Uran zu stoppen. Vorgesehen sind unter
anderem ein Verbot von Waffenexporten und das Einfrieren weiterer
Konten.
Der amtierende amerikanische UN-Botschafter Alejandro Wolff sprach von
einem guten Treffen. Er hoffe, dass über den Entwurf noch in
dieser Woche abgestimmt werden könne. Nun müssten die
Einwände geprüft und gegebenenfalls aufgegriffen werden, ohne
die Zielrichtung der Resolution zu untergraben, sagte Wolff.
(Quelle: ap)
Früherer US-Außenminister Kissinger fordert Abkommen mit Iran
Mi.21.03.07 - Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger hat ein
Abkommen zwischen den USA und dem Iran gefordert. Mit den neu
aufgenommenen Kontakten seines Landes mit Syrien und dem Iran existiere
nun ein Forum, in dem man miteinander reden könne. «Mit
geschickter Diplomatie könnte daraus etwas erwachsen», sagte
Kissinger der «Stuttgarter Zeitung» (Mittwochausgabe).
Am vierten Jahrestag des Einmarsches der Amerikaner in den Irak
äußerte sich der frühere US-Außenminister Henry
Kissinger verhalten optimistisch zur Lage in dem Land. Man könne
den Irak aber «nicht befrieden, ohne in der Frage des iranischen
Atomprogramms nicht wenigstens einige Fortschritte zu erzielen»,
sagte der 83-jährige Kissinger. Beide Fragen seien direkt
miteinander verbunden. Daher müsse Washington «ein
umfassendes Abkommen mit dem Iran» anstreben.
Angesichts der Diskussion um die US-Raketenpläne warnte der
frühere Außenminister vor einem Auseinanderdriften der
europäischen und amerikanischen Sicherheitspolitik. Die
Beziehungen der USA zu Deutschland hätten sich seit Angela Merkels
Amtsantritt jedoch enorm verbessert.
(Quelle: ap)
Kommunistische Partei der USA übergibt Archiv der Universität
New York
Mi.21.03.07 - Die Kommunistische Partei der USA hat ihr Archiv der Universität
New York (NYU) übergeben. Die Hochschule habe eine große
Sammlung an Dokumenten und Fotografien von der Communist Party USA
erhalten, erklärte die NYU. Das Archiv sei eines der bedeutendsten
zur Geschichte der amerikanischen Linken und gebe einen Einblick in die
Geschichte der Kommunistischen Partei.
Es werde Jahre dauern, bis alles katalogisiert sei, berichtete die
«New York Times» am Dienstag. Unter den Papieren seien die
Gründungsdokumente, geschmuggelte Direktiven aus Moskau,
persönliche Briefe und geheime Codewörter. Michael Nash, der
Direktor der Tamiment-Bibliothek der NYU, die das Archiv verwahren
wird, sagte, er habe vor etwa einem Jahr überraschend einen Anruf
erhalten, in dem ihm das Archiv angeboten worden sei. «Ich wusste
gar nicht, dass es die Partei noch gibt», wurde Nash in der
«New York Times» zitiert.
(Quelle: ap)
Organisationen beklagen Wasserverschwendung
Mi.21.03.07 - Zum Internationalen Weltwassertag am Donnerstag haben Verbände,
Hilfsorganisationen und Wirtschaft an die Wasserknappheit in vielen
Teilen der Welt erinnert und zu einer gerechteren Verteilung der
Vorräte aufgerufen. Nach Angaben der Experten müssen insgesamt
1,2 Milliarden Menschen ohne sichere Trinkwasserversorgung auskommen.
Im Mittelpunkt der Kritik an Regierungen und Weltbank standen am
Dienstag die Privatisierung der Wasserversorgung in unterentwickelten
Ländern und die Verschwendung in Industriestaaten.
Der Weltwassertag, der in diesem Jahr unter dem Leitwort «Zeit
zum Handeln - Wasserknappheit und Dürre» steht, wurde im Jahr
1993 institutionalisiert und steht seit 2003 unter der Ägide der
Vereinten Nationen. Zentrales Anliegen ist es, das lebensnotwendige
Nass jedem Menschen sauber, in ausreichendem Maß und zu
bezahlbaren Preisen zugänglich zu machen. Zahlreiche Projekte der
internationalen Entwicklungshilfe sind der Wasserversorgung gewidmet,
zum Teil aber heftig umstritten und keineswegs flächendeckend.
Die katholische Hilfsorganisation Misereor beklagte insbesondere, dass
noch immer vier von zehn Afrikanern südlich der Sahara keinen
Zugang zu sauberem Wasser hätten. Damit versage die
Staatengemeinschaft ausgerechnet in einer Weltregion, die am
dringendsten auf Fortschritte angewiesen sei. Einer der Hauptgründe
für die Misere südlich der Sahara liegt nach den Worten des
Misereor-Experten Jean-Gerard Pankert in einer verfehlten
Entwicklungspolitik: «Vor allem die von der Weltbank und dem
Internationalen Währungsfonds propagierte Strategie, die
Wasserversorgung in Entwicklungsländern durch Investitionen
privater Unternehmen zu verbessern, ist ein Irrweg.»
Laut Pankert ist die Privatisierung «mit dem Ziel der
Armutsbekämpfung unvereinbar». Da Unternehmen auf Gewinne
ausgerichtet seien, sei der besonders entwicklungsbedürftige
ländliche Raum in der Vergangenheit bei Investitionen nicht
berücksichtigt worden. Doch auch in afrikanischen
Großstädten seien die Wasserkosten durch die
Kommerzialisierung «vielerorts auf ein Niveau gestiegen, das
für die örtliche Bevölkerung unbezahlbar wurde».
Die einzige Lösung des Problems liegt laut Misereor in der
Subventionierung der Wasserversorgung.
Ohne auf diese Argumente einzugehen, sprach zum Weltwassertag auch die
Industrie von einem «Menschenrecht auf sauberes Wasser». Die
Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall
(DWA) erklärte, die Probleme duldeten keinen Aufschub. Die
außerordentlichen Anstrengungen zur Halbierung der Anzahl der
Menschen ohne Trinkwasserzugang erforderten angepasste Technologien und
gut ausgebildete Nachwuchskräfte.
Der Umweltschutzverband WWF machte anlässlich des Aktionstages auf
die zunehmende Verschmutzung vieler wichtiger Flüsse aufmerksam.
Fünf der weltweit am stärksten bedrohten Ströme -
Jangtse, Mekong, Saluen, Ganges und Indus - befänden sich in Asien.
Weitere bedrohte Flüsse seien in anderen Kontinenten die Donau,
der La Plata, der Rio Grande, der Nil sowie der australische
Murray/Darling. Als Hauptgründe für den Niedergang der
Flüsse nannte der WWF den Bau von Staudämmen, den Ausbau
für die Schifffahrt, den Hochwasserschutz, die Verschmutzung, eine
übermäßige Wasserentnahme, Überfischung und den
Klimawandel.
(Quelle: ap)
UN-Klimarat: Zahl der Autos wird sich laut UN verdreifachen
Mi.21.03.07 - Der Klimarat der Vereinten Nationen rechnet nach einem Zeitungsbericht
mit einer starken Zunahme des weltweiten Autoverkehrs. Die Zahl der
Autos werde sich im Vergleich zu 1997 bis 2050 auf rund zwei Milliarden
nahezu verdreifachen, heißt es in der «Financial Times
Deutschland», die sich auf einen dritten Teil des Berichts zum
weltweiten Klimawandel des Intergovernmental Panel on Climate Change
(IPCC) beruft.
Der Anteil der Autos am vom Menschen verursachten weltweiten
Klimaeffekt liegt laut IPCC bei rund 18 Prozent. Wichtiger Grund
für den starken Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) sei «die
graduelle Zunahme der Größe, des Gewichts und der
Leistung» von Pkw «auf Kosten der
Treibstoffeffizienz», schreibt das IPCC laut Zeitung. Geringeres
Gewicht und schwächere Motorisierung könnten den
Treibstoffverbrauch deutlich senken.
Insgesamt sei der CO2-Ausstoß des Verkehrs laut IPCC-Papier seit
1990 um 27 Prozent gestiegen, schreibt das Blatt. Den höchsten
Anteil am Kraftstoffverbrauch trügen demnach Pkw mit knapp 50
Prozent, gefolgt von Lkw mit 25 Prozent sowie Flugzeugen und Schiffen
mit je rund zehn Prozent. Nach Einschätzung des Klimarats werde der
Zuwachs der weltweiten Autoflotte nahezu komplett aus Schwellen- und
Entwicklungsländern kommen. Allein in China steige die Zahl der
Autos jährlich um ein Fünftel, heiße es in dem Bericht.
«Bei den angenommenen Wachstumsraten würde sich der
Energieverbrauch des Verkehrs in China zwischen 2002 und 2025 fast
vervierfachen», schreiben die UN-Klimaexperten laut FTD.
(Quelle: ap)
Türkei düpiert über ausgebliebene Einladung zu EU-Gipfel
Mi.21.03.07 - Die türkische Regierung hat sich düpiert darüber
gezeigt, nicht zu dem bevorstehenden EU-Gipfel in Berlin eingeladen
worden zu sein. Die Türkei und andere Beitrittskandidaten
hätten auf eine Einladung zu dem Treffen am kommenden Wochenende
gehofft, sagte Außenamtssprecher Levent Bilman am Dienstag in
Ankara. «Hätte Deutschland Kandidatenstaaten zu der
Veranstaltung eingeladen, wäre das eine bedeutsame Entwicklung
gewesen, die die Einheit der europäischen Familie herausgestellt
hätte», sagte Bilman.
Bei dem Treffen in Berlin am Samstag und Sonntag wollen die EU-Staats-
und Regierungschefs den 50. Jahrestag der Unterzeichnung der
Römischen Verträge begehen, der Geburtsurkunde des
integrierten Europas. Die Türkei hat mit der EU im Oktober 2005
Beitrittsverhandlungen aufgenommen. Diese wurden jedoch im Dezember
wieder in Teilen auf Eis gelegt, da Ankara sich weigert,
griechisch-zyprischen Schiffen und Flugzeugen den Zugang zu
türkischen See- und Flughäfen zu gewähren.
(Quelle: ap)
Linkes Bündnis macht gegen Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag der
EU mobil
Mi.21.03.07 - Ein Berliner Bündnis aus mehr als 40 linken Gruppen und
Initiativen hat für Sonntag zu einer Demonstration gegen die
Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag der Europäischen Union (EU)
aufgerufen. «Diese EU ist nicht das Europa, das wir wollen»,
sagte Bündnis-Sprecher Martin Mitterhauser am Dienstag in Berlin.
Eine «lautstarke, sichtbare und kämpferische
Demonstration» solle die politischen Inhalte des Bündnisses
transportieren.
Die Demonstranten protestierten gegen ein Europa, das ihrer Auffassung
nach für «ökonomische Ausbeutung»,
«Rassismus» und «Folter» stehe. Mitterhauser
rechnet mit 5000 bis 10 000 Teilnehmern.
Die Auftaktkundgebung unter dem Motto «Nein zum Europa des
Kapitals» soll am Sonntag um 14.00 Uhr am Alexanderplatz
ausgerichtet werden. Die Demonstrationsroute werde derzeit noch mit der
Versammlungsbehörde abgestimmt, sagte Mitterhauser. Das
Bündnis habe eine Strecke angemeldet, die vom Alexanderplatz unter
anderem über Rosenthaler Straße, Torstraße und
Friedrichstraße zur Straße Unter den Linden führt. Ziel
der Demonstration sei es, möglichst nahe an das Europafest zu
kommen.
Die Bundesregierung feiert den 50. Jahrestag der Unterzeichnung der
Römischen Gründungsverträge der heutigen EU mit einem
großen Bürgerfest rund um das Brandenburger Tor. Zu der
größten Open-Air-Party seit der
Fußball-Weltmeisterschaft erwarten die Veranstalter mehrere
hunderttausend Besucher.
(Quelle: ddp)
EU fordert von Deutschland mehr Anstrengungen beim lebenslangen Lernen
Mi.21.03.07 - Deutschland muss nach Auffassung der EU weitaus mehr für die
permanente Weiterbildung von Arbeitnehmern sowie für die
Vermittlung von Langzeitarbeitslosen tun. Auf diesen Feldern liege
Deutschland nach wie vor unter dem europäischen Durchschnitt, sagte
Johan ten Geuzendam, bei der EU-Kommission in Brüssel für das
Gebiet Arbeitsverwaltung zuständig, am Dienstag in Leipzig
während einer EU-Tagung zum Thema lebenslanges Lernen. Auf diesem
Gebiet sei Deutschland insgesamt lediglich europäischer
Durchschnitt, die EU selbst im weltweiten Vergleich abgeschlagen.
Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit,
sagte in Leipzig, in den vergangenen Jahren sei bei der Bekämpfung
der Arbeitslosigkeit bei Älteren in Deutschland einiges schief
gelaufen. Die zahlreichen Instrumente hätten nicht die Effekte
gebracht, wie man sie sich gewünscht hätte. Die massenhafte
Frühverrentungspraxis der Vergangenheit nannte Alt einen
«Irrweg». Auch bei den Arbeitsgemeinschaften, die für
die Vermittlung der Langzeitarbeitslosen seit der Reform 2005
zuständig sind, laufe es noch nicht optimal.
Für die Zukunft sei beispielsweise eine stärkere Verankerung
von Fortbildung in den Tarifverträgen sinnvoll, sagte Alt. Bislang
sei Fortbildung immer auch eine Frage der Erstausbildung der
Betroffenen. Geringqualifizierte würden kaum fortgebildet. Zurzeit
seien in Deutschland etwa 500 000 junge Menschen unter 30 Jahren ohne
Ausbildung tätig. Wenn nicht in deren Fortbildung investiert werde,
dann «sind das die Arbeitslosen von morgen», sagte Alt. In
dieser Frage seien auch die Unternehmen gefordert, aktiv zu werden.
(Quelle: ddp)
Deutschland muss sich für Schulsystem vor UN-Gremium rechtfertigen
Mi.21.03.07 - Deutschland muss sich heute wegen der Benachteilung von armen
Schülern und Migrantenkindern im Bildungssystem vor dem
UN-Menschenrechtsrat rechtfertigen. UN-Inspektor Vernor Muñoz
wird über seinen Deutschlandbesuch berichten. Wie vorab bekannt
wurde, bemängelt der UN-Menschenrechtsinspektor vor allem fehlende
Chancengleichheit in den deutschen Schulen, die Ausgrenzung von
Behinderten in Sonderschulen und eine oft unklare Schulsituation
für Kinder von Flüchtlingen und Eltern mit unklarem
Aufenthaltsstatus.
(Quelle: dpa)
US-Raketenabwehr treibt Keil in Koalition
Mi.21.03.07 - Die US-Pläne für ein Raketenabwehrsystem in Osteuropa treiben
zunehmend einen Keil in die Koalition. SPD- Generalsekretär
Hubertus Heil rief die Union am Dienstag dazu auf, den Bürgern
«klipp und klar zu sagen», welche Position sie einnimmt.
«Ein Wischiwaschi-Kurs hilft niemandem», sagte er am
Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. «Es darf keine
neuen Raketen in Europa geben.» Deswegen müsse alles getan
werden, «um drohende Rüstungswettläufe zu
verhindern». Die Union verteidigte dagegen die US-Pläne und
wies die Kritik der SPD zurück.
Der CDU-Außenpolitiker Eckart von Klaeden hält die
Befürchtung eines neuen Wettrüstens auf Seiten der SPD
für nicht nachvollziehbar. «Zehn Abwehrraketen sind nicht in
der Lage, eine Abschreckung oder ein wirksames Instrument gegen
Tausende von russischen Raketen und Sprengköpfen zu sein»,
sagte er dem Deutschlandfunk. «Wir alle haben ja die Sorge vor
den Folgen des iranischen Raketen- und Nuklearprogramms.»
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte am Montag in
Washington Verständnis für das Vorhaben der USA, sieht aber
noch Diskussionsbedarf vor allem im Rahmen der NATO.
«Wir haben das zu respektieren», sagte Steinmeier zu den
US-Plänen nach einem Gespräch mit US-Außenministerin
Condoleezza Rice. Natürlich hätten die USA das Recht, sich
gegen Raketenangriffe in angemessener Weise zu schützen. Weitere
Gespräche seien aber notwendig, um «Missverständnisse
mit unerwünschten Konsequenzen zu vermeiden». Rice
verteidigte die US-Pläne und verwies auf wachsende Gefahren wegen
der nuklearen Anstrengungen des Iran. «Es gibt eine zunehmende
iranische Raketengefahr», zunächst von Raketen mittlerer
Reichweite und potenziell auch von Langstrecken-Raketen. «Das
macht uns Sorgen für Europa und unsere Verbündeten.»
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die USA indirekt vor einem
Alleingang gewarnt.
SPD-Chef Kurt Beck lehnt die Stationierung der US-Abwehrraketen in
Polen und Tschechien kategorisch ab. CSU-Landesgruppenchef Peter
Ramsauer warnte die SPD vor dem Anheizen einer negativen Stimmung gegen
die USA. «Das ist nicht dazu geeignet, dass man in der
Öffentlichkeit irgendwelche Ressentiments schürt»,
sagte er. Der Parlamentarische Geschäftsführer der
Unionsfraktion, Norbert Röttgen (CDU), forderte die SPD dazu auf,
«parteipolitische Kalkulationen» zurückzustellen.
Unions-Fraktionsvize Andreas Schockenhoff warf der SPD vor, das Thema
innenpolitisch zu instrumentalisieren. «Die SPD hat nach der
Tornado-Abstimmung im Bundestag das Bedürfnis, die
innerparteilichen Kritiker zu besänftigen», sagte er der
«Berliner Zeitung» (Dienstag).
FDP-Chef Guido Westerwelle kritisierte, eine gemeinsame
europäische Haltung in der EU und in der NATO sei nach dem
Washington-Besuch Steinmeiers weiter in die Ferne gerückt.
Steinmeier hatte wie Beck auch davor gewarnt, dass es zu einem neuem
Wettrüsten kommt. Linksfraktionschef Oskar Lafontaine forderte die
Bundesregierung dazu auf, das US-Vorhaben im Rahmen der EU-
Ratspräsidentschaft und des G8-Vorsitzes zu stoppen.
«Sicherheit lässt sich nicht in einem neuen
Rüstungswettlauf gewinnen.» Grünen- Fraktionschef Fritz
Kuhn verlangte von der Bundesregierung eine «klare eigene
Position».
Der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg rechnet mit
«langen, harten Verhandlungen» über die US-Pläne.
Die militärischen Anlagen stellten allerdings kein Risiko für
die mittel-osteuropäische Region dar, sagte er.
(Quelle: dpa)
Merkel bietet Industrie Kooperation bei Rohstoffsicherheit an
Mi.21.03.07 - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der Wirtschaft eine enge
Zusammenarbeit bei der Sicherung der deutschen Rohstoffversorgung
zugesagt.
Eine solche Kooperation sei "dringend und sinnvoll", sagte Merkel am
Dienstag auf einem BDI-Rohstoffkongress in Berlin. Deutschland sei zwar
arm an Rohstoffen, könne aber mit der Förderung von Forschung
und Entwicklung viel tun, um die Substitution von Rohstoffen zu
erreichen.
Die Kanzlerin umriss die Eckpunkte einer Rohstoffstrategie, die die
Regierung inzwischen entwickelt habe. "Wir werden den von ihnen
erwünschten interministeriellen Rohtstoffausschuss gründen",
sagte sie der Industrie zu. "Sie bekommen damit also das, was sie
wünschen", ergänzte sie. "Die Bundesregierung unterstützt
die Rohstoffvorhaben der deutschen Wirtschaft im Ausland", lautete eine
weitere Zusage. Das betreffe zum Beispiel Investitionsgarantien
für Rohstoffinvestitionen. Schließlich solle die
Rohstoffdatenbasis weiter entwickelt werden und die gesamtstaatliche
Rohstoffproduktivität bis 2020 verdoppelt werden.
Merkel forderte die deutsche Industrie auch auf, ihre Bezugsquellen
für Rohstoffe zu diversifizieren. Dazu könnten auch
Beteiligungen und Käufe von ausländischen Bergbauunternehmen
gehören. Daneben gelte es, faire Handelsbedingungen weltweit zu
schaffen. Der beste Weg dazu wäre ein Erfolg bei der
Doha-Freihandelsrunde. Um das zu ermöglichen, seien feste
belastbare Angebote, auch von den Entwicklungs- und
Schwellenländern nötig.
(Quelle: rtr)
Bundesagentur schließt Abbau von 5.000 Stellen nicht aus
Mi.21.03.07 - Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat einen Abbau von rund 5.000
befristeten Stellen in den Arbeitsagenturen (Arges) noch in diesem Jahr
nicht ausgeschlossen. «Wir verhandeln derzeit mit dem
Bundesarbeitsministerium über die weitere Finanzierung dieser
Stellen», erklärte BA-Sprecherin Ilona Mirtschin am Dienstag.
Es sei aber noch nichts entschieden, sagte sie und widersprach damit
einem Bericht der «Bild»-Zeitung.
Das Blatt hatte unter Berufung auf eine BA-Sprecherin berichtet, die
Bundesagentur baue rund 5.000 Stellen ab, weil das Geld fehle, um die
befristet Beschäftigten auf Dauer anzustellen.
Mirtschin erklärte, die Behörde wolle diese «gut
eingearbeiteten» Mitarbeiter auf jeden Fall behalten, weil sie
auch benötigt würden. «Die BA dringt daher auf eine
rasche Entscheidung, um die Verträge noch einmal zu
verlängern», betonte die Behördensprecherin.
Ihren Angaben zufolge entstanden in den Arges vor zwei Jahren rund
9.000 befristete Stellen, um die hohe Zahl an
Arbeitslosengeld-II-Empfänger zu betreuen. Von diesen 9.000 Jobs
könnten 4.000 aus rechtlichen Gründen nicht noch einmal
verlängert werden. Für diese Mitarbeiter stünden jedoch
grundsätzlich unbefristete Stellen zur Verfügung,
vorausgesetzt sie brächten die nötige Qualifikation mit.
Weitere 5.000 befristete Arbeitsverhältnisse könnten indes
noch einmal verlängert werden. Für sie liefen nun die
Verhandlungen mit dem Bundesministerium über die weitere
Finanzierung.
Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von
Bündnis90/Die Grünen, Brigitte Pothmer, warnte in der
«Bild»-Zeitung vor einem Stellenabbau. «Die
Leidtragenden sind die Langzeitarbeitslosen», sagte Pothmer. Diese
müssten dann mit massiven Verschlechterungen bei der
Arbeitsförderung rechnen.
(Quelle: ap)
Bundeswehr-Frust: Kasernen bröckeln, Soldaten überlastet
Mi.21.03.07 - Die Bundeswehr krankt dem Wehrbeauftragten zufolge an Geldmangel und
vernachlässigt wegen ihrer vielen Auslandseinsätze Kasernen
und medizinische Versorgung im Inland. Das ist eine Bilanz aus den rund
6000 Beschwerden, die im Jahr 2006 beim Wehrbeauftragten des
Bundestags, Reinhold Robbe, eingegangen sind.
Am Dienstag legte er in Berlin seinen Jahresbericht vor und warnte
Parlament und Regierung davor, Abstriche an bewährten Standards
der Streitkräfte zu machen. Das führe zu Vertrauensverlust
und Frust unter den Soldaten, deren Leib und Leben in
Auslandseinsätzen von einer guten Ausstattung und Ausbildung
abhänge. «Die Bundeswehr braucht mehr Geld», sagte
Robbe.
Er berichtete von unzumutbaren, «vereinzelt
skandalösen», Zuständen in Kasernen in Westdeutschland
mit Schimmelbefall in Zimmern, einsturzgefährdete Decken und
Sanitärbereichen, die «man nur in Gummistiefeln betreten
kann. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) räumte am Rande
der CDU-Unionsfraktionssitzung ein: «Tatsache ist, dass wir einen
Investitionsstau haben bei den Kasernen.» Verbesserungen seien
nötig. Dafür brauche er aber auch die finanzielle
Unterstützung, sagte er mit Blick auf die Etatberatungen.
Robbe beklagte, dass der Politik solche Beschwerden seit Jahren bekannt
seien und die Missstände trotzdem nicht behoben würden.
Allgemein kritisierte er, die Bundeswehr sei trotz immer neuer
Belastungen unterfinanziert. Viele Soldaten hätten den Eindruck,
sie müssten für immer weniger Geld immer mehr leisten.
Der Vorsitzende der Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, sagte:
«Es rächt sich jetzt, dass viele Jahre lang nicht
genügend Geld für Modernisierungen zur Verfügung
gestellt worden ist. Das liegt auch daran, dass immer neue
Auslandseinsätze, zuletzt im Kongo und vor der Libanon-Küste,
für die keine Haushaltsmittel eingeplant waren, aus dem
Verteidigungsetat bestritten werden mussten.»
Auch der Fraktionschef der Linkspartei, Oskar Lafontaine, sagte:
«Wer schon so viel den Soldaten abverlangt, sollte ihnen
wenigstens eine Mindestausrüstung geben.» Es sei
«peinlich» und «unverantwortlich», dass die
Bundeswehr vor allem auch bei Auslandseinsätzen dermaßen
unterversorgt sei. Elke Hoff von der FDP unterstütze Robbe
ausdrücklich.
Zu den gravierendsten Mängeln bei Auslandseinsätzen
zählte die Unterbringung im Kongo. Zelte waren undicht und
schimmelig. Die Fäkaliengrube sei übergelaufen und der Inhalt
in Zelte geschwommen. «Solche Verhältnisse sind unzumutbar,
gerade weil sie vermeidbar gewesen wären», sagte Robbe. In
Afghanistan fehlte es den Soldaten trotz der sich dort
verschärfenden Bedrohungslage sowohl an geschützten
Fahrzeugen als auch an Waffen und Munition.
Wegen der Auslandseinsätze vieler Mediziner fehlten den
Bundeswehrkrankenhäusern in Deutschland Chirurgen und
Anästhesisten, beklagte Robbe. Das Personal habe zum Teil eine
Arbeitszeit von 70 bis 80 Wochenstunden. Operationssäle blieben
vorübergehend geschlossen. Offiziere des Sanitätsdienstes der
Bundeswehr wollen wegen zu vieler Überstunden gegen die
Bundesrepublik klagen. Das kündigte der Vorsitzende des Forums
Sanitäts-Offiziere und Oberarzt am Bundeswehrzentralkrankenhaus
Koblenz, Wolfgang Petersen, im NDR an.
(Quelle: dpa)