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Aktuelle Nachrichten
Irak am neunhundertsechsundneunzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Iraks Vizepräsident befürwortet Verhandlungen mit
Aufständischen. Großrazzia in sunnitischen Stadtteilen von
Bagdad. Deutsche Muslime fordern Freilassung der Geiseln im Irak. Acht
Aufständische bei Gefechten im Irak getötet. US-Soldat zu
fünf Jahren Haft für Beteiligung an Vergewaltigung und Mord
im Irak verurteilt
Do.22.03.07 - Der irakische Vizepräsident Tarek el Haschemi hat sich für
Verhandlungen mit den Aufständischen im Irak ausgesprochen. Mit
Ausnahme der El-Kaida-Leute, die mit niemandem reden wollten, sollten
alle Fraktionen an einem Tisch versammelt werden, sagte Haschemi am
Mittwoch dem britischen Sender BBC. Viele Menschen im Irak seien durch
die Präsenz der US-geführten Truppen in ihrem Land "irritiert"
und in ihrer Würde verletzt. Doch "bis auf weiteres" blieben die
ausländischen Soldaten im Land. Wünschenswert sie im
"nationalen Interesse" der Iraker, aber auch Großbritanniens und
der USA, ein Zeitplan für den Abzug der Truppen.
Rund 1.600 Soldaten der USA und des Iraks haben eine Großrazzia
in sunnitischen Stadtteilen von Bagdad begonnen. Sie durchsuchten am
Mittwoch in den Vierteln Ghasalija und Amarija Häuser, in denen
Aufständische vermutet wurden. 31 Menschen wurden festgenommen.
Gleichzeitig wurden zwei Waffenlager beschlagnahmt, in denen sich auch
Chlorgas befand. Dieses war kürzlich bei Selbstmordanschlägen
eingesetzt worden. Tote oder Verletzte gab es bei dem jüngsten
Sicherheitseinsatz vorerst nicht. Beteiligt waren rund 1.100
amerikanische und 500 irakische Soldaten.
Bei Kämpfen westlich von Bagdad sind nach US-Militärangaben
acht Aufständische getötet worden. Amerikanische und irakische
Truppen hätten sich an Dienstag in der Provinz Anbar
mehrstündige Gefechte mit Angreifern geliefert, die der Al Kaida
nahe stehen sollen. Die Gruppe habe zuvor einen Polizeiposten in Amarija
angegriffen, bevor die Truppen sie schließlich mit
Unterstützung von Kampfjets zurückgeschlagen hätten.
Fünf Polizisten seien verletzt worden.
Einen Tag nach Ablauf des Ultimatums der Entführer zweier
Deutscher im Irak hat der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland
die Kidnapper aufgerufen, ihre Geiseln sofort freizulassen. "Die
Geiselnahme im Irak ist ein verabscheuungswürdiger, durch nichts
entschuldbarer und durch nichts zu rechtfertigender krimineller Akt",
teilte der Rat mit. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes ist
derweil unvermindert bemüht, die beiden Entführten unversehrt
in Sicherheit zu bringen, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes
in Berlin sagte.
"Wir appellieren im Namen unseres Barmherzigen Gottes an die
Geiselnehmer, auf die Stimme des Islam und des Herzen zu hören und
die Mutter und ihren Sohn unverzüglich und unversehrt
freizulassen", heißt es in dem Appell des Koordinationsrats der
Muslime in Deutschland, der den Angaben zufolge am Dienstag im Sender
El Dschasira ausgestrahlt wurde. Die Entführung unschuldiger
Zivilisten sei mit den Werten des Islam nicht zu vereinbaren,
heißt es darin.
Die deutschen Geiseln, eine 61-jährige Frau und ihr Sohn, waren
Anfang Februar im Irak verschleppt worden. Die Entführer drohten
im Internet damit, die Geiseln zu töten, sollte die
Bundesregierung nicht einen vollständigen Abzug ihrer Soldaten aus
Afghanistan beschließen und damit auch beginnen. Die Frist, die
sie gesetzt hatten, lief am Dienstag aus.
Wegen Komplizenschaft bei der Vergewaltigung und Ermordung eines
14-jährigen Mädchens im Irak ist ein US-Soldat zu fünf
Jahren Haft verurteilt worden. Der Angeklagte Bryan Howard hatte sich
schuldig bekannt, das Verbrechen vertuscht zu haben, indem er seine
Vorgesetzen belog. Wegen des Geständnisses wurde die ihm drohende
Gefängnisstrafe von 15 Jahren am Mittwoch auf fünf Jahre
reduziert. Nach Angaben des Militärgerichts in Fort Campbell im
US-Staat Kentucky könnte er aber schon nach knapp zweieinhalb
Jahren freikommen.
Die Vergewaltigung und der Mord in Mahmudija südlich von Bagdad
gehören zu den schwersten Verbrechen seitens amerikanischer
Truppen im Irak. Zusammen mit der 14-Jährigen wurden auch ihre
Eltern und jüngere Schwester ermordet. Insgesamt fünf
US-Soldaten hatten die Tat unter Alkoholeinfluss geplant, wie einer der
Angeklagten im Prozess aussagte. Zwei der geständigen Täter
wurden bereits zu 100 beziehungsweise 90 Jahren Haft verurteilt, doch
kann dieses Strafmaß nach zehn Jahren reduziert werden.
Ein weiterer Soldat muss sich von April an ebenfalls vor dem
Militärgericht in Fort Campbell verantworten. Der
mutmaßliche Rädelsführer wird vor ein Zivilgericht in
Kentucky gestellt.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 22.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertzweiunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.22.03.06 - Mindestens 28 Tote bei Angriff auf Polizeistation im Osten Iraks +++
US-Botschafter zeichnet düsteres Bild der Lage im Irak +++
Sunnitischer Rat der Religionsgelehrten ruft Iraker zum Widerstand
gegen ausländische Truppen auf +++ 'Indirekte Lebenszeichen' von
entführten Deutschen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0603220.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Rotes Kreuz kritisiert Gefangenenbehandlung in
CIA-Geheimgefängnissen
Do.22.03.07 - Terrorverdächtige in Geheimgefängnissen des US-Geheimdienstes
CIA sind laut einem vertraulichen Bericht des Internationalen Komitees
vom Roten Kreuz (IKRK) in der Haft und bei Verhören misshandelt
worden. Dem Bericht lagen Gespräche mit Terrorverdächtigen zu
Grunde. Die 14 Gefangenen hätten von Schlafentzug und erzwungenem
Stehen und Verharren in anderen «Stresspositionen»
berichtet, hieß es.
Die Verdächtigen wurden im September von der CIA auf den
US-Stützpunkt Guantanamo auf Kuba überstellt. Der IKRK-Bericht
ist die erste Auflistung von Vorwürfen der Häftlinge von
unabhängiger Seite seit Beginn des Verhörprogramms der CIA
2002. Menschenrechtsorganisationen kritisieren, die extremen
Umstände der CIA-Haft und Zwangsmaßnahmen bei der Befragung
seien Folter.
Aus Kreisen der US-Regierung hieß es, der Bericht basiere auf
Gesprächen mit den Gefangenen und sei nicht überprüft
worden. IKRK-Sprecher Simon Schorno erklärte, er wolle sich zu dem
vertraulichen Bericht nicht öffentlich äußern. Auch die
CIA lehnte eine Stellungnahme dazu ab. Sprecher Mark Mansfield sagte
jedoch, die USA wendeten Folter weder an noch duldeten sie sie
stillschweigend. Das CIA-Programm zur Befragung von Terroristen sei
rechtmäßig ausgeführt worden und habe Informationen zu
Tage gebracht, die zur Rettung von Menschenleben beigetragen hätten.
Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus,
der Demokrat Silvestre Reyes, erklärte, er habe den Bericht noch
nicht gelesen. Die dort aufgestellten Behauptungen der 14 Gefangenen
würden jedoch von CIA-Direktor Michael Hayden vehement dementiert.
Der US-Geheimdienst begann nach der Festnahme des Al-Kaida-Terroristen
Abu Subajdah im März 2002 damit, Regeln für Gefangenenschaft
und die Befragung aufzustellen und so genannte erweiterte
Befragungstechniken anzuwenden (»enhanced interrogation
techniques» oder «EITs» im CIA-Jargon). Dazu
gehören Berichten zufolge Schläge, die Unterkühlung von
Gefangenen, Schlafentzug und das so genannte Waterboarding. Dabei wird
der Gefangene laut Amnesty International an ein Brett gebunden und sein
Kopf unter Wasser getaucht oder so lang mit Wasser
überschüttet, bis er zu ertrinken glaubt. Die CIA war aufgrund
einer nichtöffentlichen Stellungnahme des US-Justizministeriums
der Meinung, mit der Inhaftierung und Befragung von rund 100
Verdächtigen in Lagern von Südostasien bis Europa
rechtmäßig zu handeln.
US-Präsident George W. Bush sagte im September, als er die
Verlegung der Gefangenen nach Guantanamo Bay ankündigte: «Die
(Befragungs-)Methoden waren hart, und sie waren sicher und
rechtmäßig und notwendig.» In diesem Monat wurden 14
der in den Stützpunkt auf Kuba verlegten Gefangenen von
US-Offizieren vernommen, darunter der mutmaßliche Drahtzieher der
Anschläge vom 11. September 2001, Chalid Scheich Mohammed.
(Quelle: ap)
Mehr als hundert Tote bei Kämpfen mit Usbeken in Pakistan
Do.22.03.07 - Bei anhaltenden Kämpfen zwischen mutmaßlichen usbekischen
El-Kaida-Anhängern und regierungstreuen lokalen Stammesführern
sind in der Krisenregion Nord-Waziristan in Pakistan mindestens 106
Menschen getötet worden. Dies teilten die pakistanischen
Behörden mit. Nach Angaben von Anwohnern und hochrangigen
Sicherheitskräften beschossen pakistanische Truppen außerdem
usbekische Behausungen in der Nähe der Grenze zu Afghanistan. Das
Militär dementierte dies jedoch. Führer der Usbeken ist Tahir
Juldaschew, der nach dem Sturz der Taliban 2001 nach Pakistan
geflüchtet war und früher ein enger Verbündeter von
El-Kaida-Chef Osama bin Laden gewesen sein soll.
Die Kämpfe begannen am Montag, nachdem Ex-Taliban-Befehlshaber
Mullah Nazir angeordnet hatte, die usbekischen Aufständischen der
Gruppe "Islamische Bewegung Usbekistans" von Juldaschew zu entwaffnen.
Nazir unterstützt die Bemühungen von Staatschef Pervez
Musharraf, ausländische Kämpfer aus den Stammesgebieten zu
vertreiben. "Mindestens 78 Usbeken und ihre einheimischen
Unterstützer und 28 Unterstützer von Mullah Nazir sind
gestorben, sowie vier Kinder", sagte ein Mitarbeiter der pakistanischen
Sicherheitskräfte.
Die Kämpfe eskalierten in der Nacht zu Mittwoch, nachdem Nazir den
Usbeken ein Ultimatum gesetzt hatte, die Stadt Kalusha zu verlassen.
Dort konzentrierten sich die Kämpfe. Nach Angaben von Anwohnern und
hochrangigen Sicherheitskräften beschoss die pakistanische Armee
die usbekischen Stellungen am frühen Morgen, nachdem diese eine
Militärlager in Wana, der Hauptstadt von Süd-Waziristan,
angegriffen hatten. Ein Sprecher der pakistanischen Armee sagte jedoch,
Regierungstruppen seien nicht in die Stammesauseinandersetzungen
verwickelt.
Aufständische Taliban griffen außerdem zusammen mit
Stammesangehörigen ein von den Usbeken betriebenes privates
Gefängnis in Azam Warsak an und brachten es unter ihre Kontrolle.
Drei Stammesangehörige sowie ein Afghane wurden befreit. Bei dem
Angriff explodierte Munition, die in dem Gefängnis gelagert wurde.
Mehrere Menschen wurden verletzt.
Mitglieder eines Stammesrates begaben sich am Mittwoch nach Wana, um
einen Waffenstillstand zu verhandeln. Dieser war vor zwei Wochen
gebrochen worden, nachdem 19 Menschen in Kämpfen zwischen
Juldaschews Unterstützern und Stammesangehörigen in Azam
Warsak getötet wurden.
Juldaschew und seine Unterstützer flüchteten nach dem Sturz
der Taliban 2001 nach Pakistan. Sie durften sich in den Stammesgebieten
an der Grenze zu Afghanistan aufhalten. Juldaschew wurde 2004 bei
Kämpfen mit pakistanischen Truppen in Azam Warsak verletzt. Er
wegen Bombenanschlägen in der usbekischen Hauptstadt Taschkent in
Abwesenheit zum Tode verurteilt.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
USA kürzen Hilfspaket für palästinensische
Sicherheitskräfte US-Außenministerin Rice: Kein Geld soll
die Hamas erreichen. Israelische Soldaten erschießen
Palästinenser im Westjordanland
Do.22.03.07 - Die Vereinigten Staaten wollen ihre Finanzhilfen für die
palästinensischen Sicherheitskräfte um fast die Hälfte
kürzen. US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte am
Mittwoch, sie werde dem Kongress ein überarbeitetes Paket
vorlegen, mit dem ausschließlich die Sicherheitskräfte des
palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas unterstützt
werden sollten. Aus amerikanischen Regierungskreisen verlautete, das
Paket habe einen Umfang von rund 50 Millionen Dollar (27,1 Millionen
Euro). Das wären 36 Millionen Dollar weniger als ursprünglich
geplant.
Rice erklärte, mit der Überarbeitung solle sichergestellt
werden, dass kein Geld die islamistische Hamas erreiche. Die Bildung
der palästinensischen Einheitsregierung aus Hamas und Fatah stelle
eine Herausforderung für die USA dar, sagte die
Außenministerin weiter. Die Vereinigten Staaten wollten aber ihre
Politik gegenüber der palästinensischen Regierung nicht
ändern, weil sie Israel nicht anerkenne und weiterhin der Gewalt
nicht abschwöre. Washington will nach Rices Angaben den Kontakt zu
den gemäßigten palästinensischen Politikern nicht
abreißen lassen.
Das Nahost-Quartett erklärte am Mittwoch in einer Stellungnahme,
die neue palästinensische Einheitsregierung werde an ihren
Handlungen und ihrer Zusammensetzung gemessen. Die Vereinten Nationen,
die EU, die USA und Russland äußerten die Hoffnung, die
Regierung werde dabei helfen, die Gewalt unter den Palästinensern
zu beenden und Ruhe herzustellen. Die Stellungnahme wurde in Washington
veröffentlicht, nachdem Vertreter des Quartetts am Montag in einer
Telefonkonferenz über die Regierungsbildung in den
palästinensischen Gebieten gesprochen hatten.
Israelische Soldaten haben am Mittwoch im Westjordanland einen
Palästinenser erschossen und einen weiteren verletzt. Der Vorfall
ereignete sich nahe der Ortschaft Abud bei Ramallah. Die beiden
Palästinenser waren nach Angaben der israelischen
Streitkräfte und der palästinensischen Polizei bewaffnet.
Einer habe eine Brandbombe geworfen, teilten die Streitkräfte mit.
Daraufhin hätten die Soldaten geschossen und einen der beiden
tödlich getroffen. Bei dem Toten handelt es sich nach
palästinensischen Angaben um einen 17-Jährigen.
(Quelle: ap)
EU-Sonderbeauftragter findet Lage im Kongo 'Besorgnis erregend'
Do.22.03.07 - Der europäische Sonderbeauftragte für das Gebiet der
Großen Seen in Afrika, Roeland Van de Geer, schätzt die Lage
im Kongo als "Besorgnis erregend" ein. Das wichtigste Anliegen der
Europäischen Union für die Demokratische Republik Kongo sei
es, für die Stärkung von Frieden und Demokratie zu sorgen,
sagte Van de Geer bei einer Pressekonferenz nach einem dreitägigen
Besuch in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa. Die Lage in dem
afrikanischen Staat sei immer noch "äußerst schwierig und
Besorgnis erregend". Politik und Verteidigung des Landes sowie die
Zusammenarbeit mit Europa müssten "einheitlicher" werden;
außerdem sei eine "regionale Annäherung" nötig, damit
die Krisen der vergangenen Jahre in der Region sich nicht wiederholten.
(Quelle: afp)
Westmächte im Sicherheitsrat gegen Aussetzung von Iran-Sanktionen
Do.22.03.07 - Die Beratungen über eine Ausweitung der UN-Sanktionen gegen den
Iran treten vorerst auf der Stelle. Großbritannien, Frankreich
und die USA lehnten eine Aussetzung der Sanktionen gegen den Iran am
Mittwoch kategorisch ab. Der Vorschlag des derzeitigen
Sicherheitsratspräsidenten Südafrika nach einer Auszeit von
90 Tagen sei «total pervers», sagte der britische
UN-Botschafter Emyr Jones Parry in New York. Die Beratungen wurden
schließlich auf (heutigen) Donnerstagabend vertagt.
Der amtierende US-Botschafter Alejandro Wolff wies auch die
Anträge von Indonesien und Katar zurück, den gesamten Nahen
und Mittleren Osten von Massenvernichtungswaffen zu befreien.
Beobachter sahen darin Schützenhilfe für Israel, das
vermutlich Atomwaffen besitzt. Die fünf ständigen Mitglieder
des Sicherheitsrats und Deutschland hatten sich am Donnerstag
vergangener Woche auf einen Resolutionsentwurf mit neuen Sanktionen
geeinigt, weil der Iran sich weigert, die Anreicherung von Uran zu
stoppen.
(Quelle: ap)
USA von Atom-Gesprächen mit Nordkorea enttäuscht
Do.22.03.07 - US-Chefunterhändler Christopher Hill hat sich enttäuscht
über die nordkoreanische Haltung bei den
Sechs-Parteien-Gesprächen zum Atomprogramm des Landes
geäußert.
Wegen der von Nordkorea verursachten Verzögerungen drohe, die
Gelegenheit verpasst zu werden, Fortschritte zu erzielen, sagte Hill am
Mittwoch in Peking. "Ich hatte mich auf sehr viel tiefer gehende
Beratungen in dieser Woche eingestellt."
Die USA hatten zuvor mit dem Ende ihrer Finanzsanktionen den Weg
für eine Umsetzung des Abkommens von Februar geebnet, in dem
Nordkorea eine Abrüstung seines Atomwaffenprogramms zugesagt hat.
Die Regierung in Pjöngjang besteht aber darauf, dass das damit frei
gewordene Geld auf ihren Konten angekommen sein muss, bevor sie
weiterverhandelt. Seit Montag haben deswegen kaum Gespräche im
Rahmen der Runde stattgefunden, der neben den USA, Nordkorea und China
auch Südkorea, Japan und Russland angehören.
(Quelle: rtr)
Südkorea nimmt Hilfslieferungen an kommunistischen Norden wieder
auf
Do.22.03.07 - Südkorea will seine Hilfslieferungen an den kommunistischen Norden
wieder aufnehmen. Man wolle dem Nachbarland Lebensmittel und
medizinische Versorgungsgüter sowie Baumaterial und
Ausrüstung zukommen lassen, erklärte der Vizechef des
Vereinigungsministeriums, Shin Eon Sang, am Donnerstag in Seoul. Die
jüngsten Fortschritte bei den Atomverhandlungen mit Nordkorea
erlaubten diesen Schritt, fügte er hinzu.
Südkorea hat dem Norden nach dortigen schweren
Überschwemmungen im vergangenen Sommer humanitäre Hilfe
zugesagt, diese aber nach dem nuklearen Raketentest Nordkoreas im
Oktober eingestellt. Bei den Sechs-Parteien-Gesprächen in Peking
hat sich Pjöngjang Mitte Februar schließlich bereit
erklärt, sein Atomwaffenprogramm aufzugeben. So soll der
wichtigste Reaktor des Landes bis Mitte April still gelegt werden.
(Quelle: ap)
Erste Zeichen für Entspannung der Krise in Ecuador
Do.22.03.07 - Rund zwei Wochen nach Zuspitzung des Verfassungsstreits in Ecuador hat
sich am Dienstag eine Entspannung der Krise angedeutet. Zum ersten Mal
seit dem 8. März kam das Parlament in Quito wieder zusammen,
nachdem Parlamentspräsident Jorge Cevallos 21 neue Abgeordnete
eingeschworen hatte. Sie treten an die Stelle einiger der insgesamt 57
entlassenen Abgeordneten. Mit ihrer Ernennung wurde das für
Sitzungen nötige Quorum im nur 100 Sitze zählenden Kongress
erreicht. Die Sitzung fand trotzdem in angespannter Stimmung statt: 1200
Polizisten umstellten das Parlamentsgebäude, um die entlassenen
Abgeordneten am Betreten des Gebäudes zu hindern; die 21 neuen
Parlamentarier waren schon vor dem Morgengrauen in den Kongress
gekommen.
(Quelle: afp)
Stationierung des geplanten US-Raketenabwehrsystems: Polnischer Senator
mahnt Washington vor Selbstsicherheit
Do.22.03.07 - Der ehemalige polnische Verteidigungsminister Radek Sikorski hat die
USA davor gewarnt, die Zustimmung Warschaus zur Stationierung des
geplanten Raketenabwehrsystems als selbstverständlich zu erachten.
Die Pläne könnten eine neue Sicherheitspartnerschaft schaffen,
aber auch eine «Spirale des Missverständnisses provozieren,
die NATO schwächen, die russische Paranoia vertiefen und die
Vereinigten Staaten einige ihrer letzten Freunde auf dem Kontinent
kosten», schrieb der Senator in einem Gastbeitrag für die
Mittwochausgabe der «Washington Post».
Die Regierung von US-Präsident George W. Bush will in der
Tschechischen Republik ein Radarsystem errichten und in Polen zehn
Abfangraketen stationieren. Formale Verhandlungen mit Warschau sollen in
Kürze beginnen. Sikorsi, von Oktober 2005 bis zum Februar dieses
Jahres Verteidigungsminister, schrieb: «Wenn die Regierung Bush
erwartet, dass Polen und Tschechen vor Freude an die Decke springen und
allen Vorschlägen zustimmen, wird sie einen gewaltigen
Zusammenstoß mit der Wirklichkeit erleben.»
(Quelle: ap)
Frankreich: Chirac stellt sich im Wahlkampf hinter Rivalen Sarkozy
Do.22.03.07 - Nach langem Zögern hat sich der scheidende französische
Staatspräsident Jacques Chirac im Wahlkampf hinter seinen
Erzrivalen Nicolas Sarkozy gestellt. Die Regierungspartei UMP habe den
Innenminister als Kandidaten gekürt und deshalb werde er diesen
«ganz selbstverständlich» wählen und
unterstützen, sagte Chirac am Mittwoch. Zugleich kündigte er
an, dass Sarkozy kommenden Montag seinen Regierungsposten niederlegen
werde, um sich ganz auf den Wahlkampf zu konzentrieren.
Sarkozy ist der politische Ziehsohn Chiracs, allerdings wurden die
beiden zu erbitterten Widersachern im bürgerlichen Lager. Vor
Sarkozys Nominierung durch die von Chirac selbst gegründete Union
für eine Volksbewegung (UMP) versuchte der Präsident mehrfach,
Sarkozy Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Der
«Krönungsmesse» des Kandidaten mit 80.000
Parteimitgliedern im Januar war Chirac demonstrativ fern geblieben,
selbst eine Grußbotschaft hatte er Sarkozy verweigert.
Als das Staatsoberhaupt vor zehn Tagen seinen Verzicht auf eine dritte
Amtszeit erklärte, ließ er weiter offen, ob er sich vor der
Wahl in vier Wochen noch hinter Sarkozy stellen würde. In Paris
wurde nicht ausgeschlossen, dass der 75-Jährige den
Zentrumskandidaten François Bayrou (UDF) unterstützen
könnte. Als Grund wurde angeführt, dass sich Sarkozy gegen die
ausdrückliche Mahnung Chiracs zunehmend auch um die Stimmen der
Rechtsextremen bemüht.
Die Spekulationen haben nun ein Ende. In einer kurzen Ansprache sagte
Chirac am Mittwoch, die Situation sei ganz einfach: «Ich wollte
die Gründung der UMP, und diese unterstützt die Kandidatur
Nicolas Sarkozys wegen seiner Qualitäten.» Dass auch er
Sarkozy seine Stimme und Unterstützung gebe, sei daher
selbstverständlich.
Von welchem Nutzen diese ist, steht freilich auf einem anderen Blatt:
Eines der zentralen Wahlversprechen Sarkozys ist der «sanfte
Bruch» mit der Politik des Amtsinhabers, nach zwölf Jahren
Chirac im Élysée-Palast sehnen die Franzosen einen
Neuanfang herbei. Dennoch hatte Sarkozy selbst erklärt, eine
Weihung seiner Kandidatur von höchster Stelle wäre «ein
wichtiges politisches Ereignis». Am Mittwoch lehnte er eine
Stellungnahme zunächst ab.
Um sich ganz auf seinen Wahlkampf zu konzentrieren, verlässt
Sarkozy am Montag das Innenministerium. Als wahrscheinlicher Nachfolger
für die Zeit bis zur Bildung einer neuen Regierung gilt der
Chirac-Vertraute François Baroin.
Sarkozy führte das Ministerium mit Unterbrechung seit fünf
Jahren. Als zupackender Law-and-Order-Minister steigerte er in dieser
Zeit zwar seine Popularität, zugleich spaltete er aber die
Gesellschaft. Wegen seiner Provokationen - er bezeichnete randalierende
Jugendliche als Gesindel und schlug vor, die Problemviertel mit einem
Hochdruckreiniger zu säubern - ist fast die Hälfte der
Franzosen durch seine Kandidatur beunruhigt.
Gleichwohl ist der 52-Jährige UMP-Chef derzeit der
aussichtsreichste Kandidat für die Nachfolge Chiracs. In Umfragen
behauptet er einen knappen Vorsprung vor der sozialistischen Kandidatin
Ségolène Royal und UDF-Chef Bayrou. Der erste Wahlgang
findet am 22. April statt, die Stichwahl am 6. Mai.
(Quelle: ap)
Al-Qaida-Drohvideo wurde in Deutschland bearbeitet
Do.22.03.07 - Die vor eineinhalb Wochen im Internet veröffentlichte
Terror-Videobotschaft gegen Deutschland und Österreich ist
über einen Server in Deutschland bearbeitet worden. Das Video sei
über einen Computer in Thüringen gelaufen, teilte der
Hamburger IT-Sicherheitsfirma PAN AMP mit.
Das Rohmaterial für das Video stamme aus dem Irak und sei bereits
im Oktober 2005 auf dem Server in Erfurt mit Animationen und
türkischen Untertiteln aufbereitet worden. Darin sei zur Teilnahme
am Dschihad und zur Tötung aller Ungläubigen aufgerufen worden.
Das Video sei über ein Netzwerk namens Al-Firdaws aufgenommen und
vertont und über denselben Internet-Provider in Erfurt
heruntergeladen worden. Anschließend sei auf der islamistischen
Terror-Propagandaplattform «Global Islamic Media Front
(GIMF)» in den USA die Endproduktion mit deutschsprachigen
Untertiteln, einer Videoformat-Komprimierung und die Endverbreitung der
Videos über das Internet erfolgt.
Nach Recherchen der Hamburger Sicherheitsfirma wurde das Video zur
Endverbreitung in den USA bereits am 9. März heruntergeladen und am
10. März freigeschaltet. Ein Vergleich der hierzu gewählten
Programme und der Video-Kompression habe «ein zu 100 Prozent
identisches Profil zu den Vorkommnissen aus Oktober 2005» ergeben.
Der Vorstandschef der Hamburger Firma, Bert Weingarten, sagte hierzu:
«Die in Deutschland aktive Zelle der GIMF hat somit belegt, dass
es sich weder um Trittbrettfahrer noch um die Verbreitung einer
freundlichen Bitte auf Abzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan
handelt». Weingarten betonte weiter, dass in Deutschland bislang
eine klare gesetzliche Regelung fehle, wonach entsprechende
terroristische Propaganda nicht ins Internet gestellt werden darf.
Deshalb gebe es für Internetanbieter auch kaum Möglichkeiten,
dagegen vorzugehen.
(Quelle: ddp)
Hisbollah siegt vor deutschem Gericht
Do.22.03.07 - Auf Demonstrationen zum Nahost-Konflikt dürfen nach einem Berliner
Urteil Porträts des Hisbollah-Chefs Hassan Nasrallah gezeigt
werden. Das geht aus einer Entscheidung des Berliner
Verwaltungsgerichts vom Mittwoch hervor. Demnach ist das Verbot von
Symbolen der radikal-islamischen Schiiten-Partei Hisbollah, das in
Berlin seit Sommer vergangenen Jahres besteht, rechtswidrig.
Berlin hatte am 10. August 2006 durch einen Bescheid von
Polizeipräsident Dieter Glietsch jedes öffentliche Bekenntnis
und jede Werbung für die Hisbollah untersagt. Die Hisbollah und
ihr Führer stünden für «Forderungen nach der
Auslöschung Israels», hieß es. Die Werbung für
eine Organisation, «die sich für die Vernichtung Israels
einsetzt», sei «nicht hinnehmbar», sagte Innensenator
Ehrhart Körting (SPD) damals. Auslöser für das Verbot
war eine Demonstration gegen das israelische Vorgehen im
Nahost-Konflikt. (Urteil der 1. Kammer vom 21. März 2007 - VG 1 A
212.06)
(Quelle: ddp)
Kritik an Familienrichterin wegen Koran-Äußerung
Do.22.03.07 - Der Verweis einer Frankfurter Familienrichterin auf ein angebliches
Gewaltrecht im Koran ist bundesweit auf Kritik gestoßen.
«Solche Richter lassen jeden normalen Menschen
verzweifeln», sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla der
«Bild»-Zeitung laut einer Vorabmeldung. Urteile ergingen im
Namen des Volkes, nicht im Namen des Korans. «Wenn der Koran
über das deutsche Grundgesetz gestellt wird, dann kann ich nur
sagen: Gute Nacht, Deutschland.»
Die Richterin hatte in einem Scheidungsverfahren auf ein angebliches
Gewaltrecht im Koran verwiesen und wurde daraufhin wegen Befangenheit
von dem Fall abgezogen. Damit hatte der Antrag einer
deutsch-marokkanischen Frau aus Frankfurt am Main Erfolg, die sich noch
vor Ablauf des Trennungsjahres von ihrem Mann scheiden lassen will.
Nach ihrer Darstellung misshandelte er sie.
Kritik kam auch von den Grünen. «Die schwere Misshandlung
und Bedrohung eines anderen Menschen ist hier zu Recht als
Körperverletzung unter Strafe gestellt», sagte der
stellvertretende Fraktionsvorsitzende Christian Ströbele der
«Neuen Presse» aus Hannover. In derartigen Fällen muss
nach seinen Worten die Härtefallregelung angewendet werden. Dies
bestritt die Richterin in einem Schreiben. Mann und Frau stammten beide
aus dem marokkanischen Kulturkreis, für den es nicht unüblich
sei, dass der Mann gegenüber der Frau ein Gewaltrecht habe,
argumentierte sie.
Der Zentralrat der Muslime erklärte, die Juristin hätte nach
der deutschen Verfassung urteilen müssen statt den Koran
auszulegen. «Gewalt und Misshandlung von Menschen - egal ob gegen
Frau oder Mann - sind auch im Islam Gründe, die eine Scheidung
rechtfertigen würden», zitierte die «Neue
Presse» eine Sprecherin des Gremiums.
Die Berliner Frauenrechtlerin Seyran Ates warf der Richterin sogar
Menschenverachtung vor. «Sie gibt damit zum Ausdruck, dass in
bestimmten Kulturen der Welt Gewalt erlaubt ist und dass dies die
Mehrheitsgesellschaft zu akzeptieren hat», sagte sie der
«Berliner Zeitung». Die Position der Richterin sei weder
mit Liberalität zu rechtfertigen noch mit dem deutschen Recht
erklärbar.
(Quelle: ap)
UN-Bericht entfacht Debatte über deutsches Schulsystem neu
Do.22.03.07 - Der Bericht des UN-Sonderberichterstatters für Bildung, Vernor
Muñoz, über das deutsche Bildungssystem hat die Debatte
über das mehrgliedrige Schulsystem in Deutschland neu entfacht.
"Man sollte nachforschen, inwieweit das dreigliedrige deutsche
Schulsystem zu dem vergleichsweise geringen Schulerfolg beiträgt",
sagte Muñoz im ARD-Morgenmagazin. Der Präsident der
Kultusministerkonferenz (KMK), Jürgen Zöllner (SPD),
verteidigte in der ARD das deutsche Schulsystem.
Muñoz hatte bereits im Vorfeld vor allem soziale Ungleichheiten
im deutschen Bildungssystem kritisiert. Vor der vierten Vollversammlung
des Menschenrechtsrates in Genf wird Muñoz am Mittwoch seinen
Bericht offiziell vorstellen.
KMK-Präsident sagte: "Das dreigliedrige Schulsystem bietet
genügend Durchlässigkeit." Entscheidend für die Chancen
der Kinder sei nicht die Diskussion über Schulformen, sondern die
Konzentration auf die Bedürfnisse der Schüler.
Muñoz war im Februar vergangenen Jahres zehn Tage lang zur
Begutachtung des Bildungs- und Schulsystems in Deutschland gewesen.
Dabei besuchte er mehrere Schulen und traf Politiker, Wissenschaftler
und Vertreter von Verbänden. In seinen Bericht flossen zudem die
Ergebnissen von Studien wie der PISA-Untersuchung ein. Laut den
internationalen PISA-Studien besteht in Deutschland ein stärkerer
Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg als in anderen
Staaten.
(Quelle: afp)
71 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause betreut
Do.22.03.07 - Fast jeder fünfte Erwachsene in Deutschland hat einen Pflegefall
in der Familie, und von den hilfebedürftigen Menschen werden mehr
als zwei Drittel auch zu Hause versorgt. Dies ist das Ergebnis einer
Emnid-Studie, die die Klinik-Gruppe Marseille am Mittwoch in Berlin
veröffentlichte. Heraus kam zudem: Die heute über
50-Jährigen sind zum Großteil skeptisch, was die
Qualität der erwarteten Pflege in einem Heim betrifft.
Emnid hatte im Auftrag der Marseille-Kliniken zum einen 1.056 Menschen
befragt, die entweder selbst pflegebedürftig sind oder einen
Angehörigen in dieser Lage haben. Darüber hinaus wurden 1.008
Angehörige der Generation 50 plus befragt. Von den Teilnehmern
sagten 18 Prozent, sie hätten im familiären Umfeld einen
Pflegefall, wie Emnid-Geschäftsführer Klaus-Peter
Schöppner darlegte. Er schloss daraus, dass neben den 2,3 Millionen
offiziell registrierten Pflegefällen noch einmal so viele in
Familien versorgt werden.
Von den pflegebedürftigen Menschen wohnen 71 Prozent «zu
Hause» - also in der eigenen Wohnung oder bei ihren Verwandten. In
den allermeisten Fällen entspricht dies dem Wunsch des alten
Menschen (74 Prozent) und der Familie (ebenfalls 74 Prozent). 36 Prozent
sagten, die Menschen lebten nicht im Heim, weil dies zu teuer wäre.
Von den zu Hause lebenden Menschen mit Pflegebedarf werden 89 Prozent
von Verwandten gepflegt. In 40 Prozent der Fälle übernimmt
dies ein ambulanter Pflegedienst oder hilft dabei. Sehr viele Verwandte
übernehmen die Aufgabe klaglos: 46 Prozent sagten, sie
bräuchten keine Hilfe von anderen, 18 Prozent wissen keine Antwort.
Rechnerisch bleiben 36 Prozent der Befragten, die sich auf dem einen
oder anderen Gebiet mehr Unterstützung wünschen: Sieben
Prozent wünschen sich mehr finanzielle Unterstützung vom
Staat, sechs Prozent Entlastung bei der Rund-um-die-Uhr-Betreuung und
jeweils fünf Prozent beim Einkaufen oder bei der täglichen
Pflege.
Bei der Frage, wie stark man sich von Politik und Gesellschaft
unterstützt fühle, zeigt sich allerdings Enttäuschung: 23
Prozent sagen, sie fühlten sich überhaupt nicht
unterstützt und weitere 42 Prozent «schwach
unterstützt». 30 Prozent fühlen sich stark oder
angemessen unterstützt.
Von den befragten über 50-Jährigen haben 82 Prozent noch
keine Erfahrung mit Pflegebedürftigkeit - weder sie selbst noch
ihre Partner noch andere Verwandte bedürfen der Hilfe. Allerdings
hat dies Gruppe böse Vorahnungen. Während sich 36 Prozent
«zufrieden» oder «eher zufrieden» über die
Pflegesituation älterer Menschen in Deutschland äußert,
zeigen sich 54 Prozent «eher unzufrieden» oder
«überhaupt nicht zufrieden».
Jeweils 94 Prozent sagten, bei der Auswahl eines Pflegeheims sei ihnen
gut ausgebildetes Personal beziehungsweise eine ganzheitliche Betreuung
am wichtigsten. Gegeben sehen aber nur 42 Prozent die ganzheitliche
Betreuung in den heute vorhandenen Heimen, nur 52 Prozent erwarten gut
ausgebildetes Personal.
Finanziell sind die meisten der künftig Pflegebedürftigen
unsicher. Nur 38 Prozent glauben, ihre Pflege voll aus der eigenen Rente
oder aus Erspartem finanzieren zu können. 45 Prozent erwarten,
dass sie Hilfe ihrer Familie brauchen, 32 Prozent sehen sich auf dem
Weg in die Sozialhilfe, sobald sie Pflege benötigen.
(Quelle: ap)
Rentner bekommen 0,54 Prozent mehr Geld
Do.22.03.07 - Die rund 20 Millionen Rentner in Deutschland bekommen nach drei
Nullrunden zur Jahresmitte etwas mehr Geld. «Es wird zum 1. Juli
dieses Jahres eine Anhebung der Renten um 0,54 Prozent geben»,
sagte Bundessozialminister Franz Müntefering (SPD) am Mittwoch in
der ARD.
Die großen Sozialverbände VdK und SoVD begrüßten
zwar die Anhebung. Diese könne die Kaufkraftverluste der Renten in
den vergangenen Jahren aber nicht ausgleichen.
Müntefering sagte, eine Anhebung um 0,54 Prozent sei nicht viel,
sie sei aber Ausdruck der positiven Entwicklung bei Wachstum und
Löhnen im vergangenen Jahr. «Das sind umgerechnet auf ein
volles Jahr 1,2 Milliarden (Euro), die zusätzlich an die
Rentnerinnen und Rentner fließen.» Bei einer Standardrente
von 1100 Euro bedeutet die Erhöhung um 0,54 Prozent monatlich 5,94
Euro mehr. Eine Standardrente erhält ein Durchschnittsverdiener
nach 45 Beitragsjahren.
Die Rentner mussten drei Nullrunden in Folge hinnehmen, weil auch die
Löhne - an deren Entwicklung sich die Rente orientiert -
zurückgeblieben waren. Angesichts der Zuwächse bei Löhnen
und Beschäftigung hatten Rentenexperten im Februar erstmals die
Möglichkeit einer leichten Erhöhung angedeutet. Die von
Müntefering angekündigte Rentenerhöhung muss noch von
Bundeskabinett und Bundesrat gebilligt werden. Dies gilt als sicher.
Der Rentenexperte der Unionsfraktion, Peter Weiß (CDU), wertete
die Ankündigung Münteferings als Zeichen dafür,
«dass es in Deutschland wieder aufwärts geht». Grund
für die Erhöhung sei vor allem «die unvermutet starke
Zunahme der Beschäftigung». Für die FDP kritisierte
deren sozialpolitischer Sprecher Heinrich Kolb die Anhebung als
«Mogelpackung»: Sie liege deutlich unter der für 2007
prognostizierten Inflationsrate von 1,5 bis 2,0 Prozent.
VdK-Präsident Walter Hirrlinger sagte der dpa, die erste
Rentenanpassung seit 2003 sei «sehr erfreulich, aber die Rentner
haben dann unterm Strich immer noch ein negatives Saldo». Die
Durchschnittsrente in Deutschland liege mit 720 Euro netto im Monat weit
unter der Armutsgrenze von 856 Euro monatlich.
Der Präsident des Sozialverbandes Deutschland (SoVD), Adolf Bauer,
sagte, «die geringfügige Rentenerhöhung von 0,54 Prozent
ist kein Grund zum Jubeln», da sie von der Anhebung der
Krankenkassenbeiträge zum 1. April weitgehend aufgefressen werde.
«Die Rentenerhöhung ist für die Rentner ein
Nullsummenspiel. Unter dem Strich haben die Rentner nicht mehr im
Portemonnaie.»
(Quelle: dpa)
Bundesregierung: Verfassungsschutz darf Computer ausspionieren
Do.22.03.07 - Das heimliche Ausspionieren von Computern, das der Polizei gerichtlich
verboten wurde, ist dem Verfassungsschutz nach Einschätzung der
Bundesregierung erlaubt.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz habe «die Befugnis, zur
Erfüllung seiner Aufgaben (...) auch so genannte
Online-Durchsuchungen durchzuführen», heißt es in der
am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Antwort auf eine
parlamentarische Anfrage der FDP.
Anfang des Jahres hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass die
Polizei keine Schnüffelprogramme («Trojaner») auf die
Computer von Verdächtigen einschleusen darf. Bundesinnenminister
Wolfgang Schäuble (CDU) kündigte daraufhin an, die
notwendigen rechtlichen Voraussetzungen für Online-Durchsuchungen
zu schaffen.
Von einer speziellen Regelung für den Verfassungsschutz war dabei
allerdings nicht die Rede, was der FDP-Innenexperten Hartfrid Wolff
für einen Skandal hält. Die Bundesregierung habe die
Öffentlichkeit über ihre Haltung zu Online-Durchsuchungen in
einem wesentlichen Punkt getäuscht. Zudem sei es «mehr als
zweifelhaft», ob die derzeitige Rechtslage für derartige
Aktionen der Verfassungsschützer ausreichend sei.
(Quelle: dpa)
Klimaschutzziele sind auch ohne Atomstrom erreichbar
Do.22.03.07 - Die ehrgeizigen Klimaschutzziele in Deutschland können auch mit
dem Ausstieg aus der Atomenergie verwirklicht werden. Zu diesem Ergebnis
kommt die Umweltorganisation Greenpeace in der Studie
«Klimaschutz: Plan B», die dem Magazin «Stern»
vorliegt. Demnach könnte Deutschland ab 2015 komplett auf Atomstrom
verzichten und zugleich seinen CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent
verringern. Erreicht werden soll dies mit dem Ausbau erneuerbarer
Energien und effizienteren Methoden bei der Stromerzeugung.
Erneuerbare Energien sollen bis 2020 ein Fünftel des
Wärmebedarfs decken und ein Drittel der Strommenge liefern. Hierzu
müsste der Staat laut der Studie Offshore-Windparks stärker
fördern und auf Erdwärmeanlagen setzen. Bei der Stromerzeugung
soll die Kraft-Wärme-Kopplung eine größere Rolle
spielen. Für konventionelle Stromerzeuger wird eine
Verschärfung des Handels mit Verschmutzungsrechten vorgeschlagen.
Braunkohlekraftwerke sollten zukünftig nicht mehr finanziell
privilegiert werden. Die Verbraucher müssten zum Erreichen der
Ziele ihren Stromkonsum nur um 15 Prozent und ihren Wärme- und
Treibstoffverbrauch um elf Prozent senken.
Mit allen Maßnahmen zusammen ließen sich nach Angaben der
Studie 37 Prozent der eingesetzten Energiemenge sparen. Die EU-Staaten
hatten sich kürzlich auf ihrem Gipfeltreffen auf eine Verringerung
des CO2-Ausstoßes um mindestens 20 Prozent bis 2020
verständigt. Der von der rot-grünen Regierung beschlossene
Atomausstieg sieht das Abschalten des letzten Atomkraftwerks in
Deutschland frühestens für das Jahr 2021 vor.
(Quelle: ap)
Weltwasserrat: Klimawandel verschärft Wasserknappheit
Do.22.03.07 - Klimaveränderungen machen nach Einschätzung des
Weltwasserrates einen höheren finanziellen Einsatz notwendig, um
die Versorgung der Menschheit mit Wasser in den kommenden Jahrzehnten zu
gewährleisten. Schon heute hätten 1,5 Milliarden Menschen auf
der Welt keinen Zugang zu sauberem Wasser, sagte der Präsident des
Weltwasserrates, Loïc Fauchon, in Istanbul anlässlich des
Internationalen Wassertags am (heutigen) Donnerstag. Es sei klar, dass
der Klimawandel einen Einfluss auf die Verteilung von Wasser habe. Die
Welthungerhilfe warnte, Wasserknappheit hemme die Entwicklung armer
Länder.
"Die Schere zwischen Orten, wo es immer weniger Wasser gibt, und
anderen, wo es durch Tropenstürme und häufigere
Überschwemmungen Wasser im Übermaß gibt, geht immer
weiter auseinander", sagte Fauchon. "Diese beiden Extreme verpflichten
uns, die Anstrengungen zu erhöhen, um gegenzusteuern. Und dazu wird
viel Geld benötig." Für die Politik müsse Wasser
"wirklich eine Priorität" werden. Notwendig seien auf technischer
Seite ein verstärkter Einsatz der Meerwasserentsalzung,
Tiefbohrungen, der Pipeline-Transport über weite Strecken und der
Einsatz besserer Klärtechniken, um genügend Wasser zur
Verfügung zu stellen.
Dem 1996 gegründeten Weltwasserat gehören 300 internationale
Organisationen, Regierungsstellen, Institute und Verbände aus 55
Ländern an. Fauchon befand sich in Istanbul um das dort für
das Jahr 2009 geplante Fünfte Weltwasserforum vorzubreiten.
Menschen in Entwicklungsländern würden von der
Klimaveränderung und den damit einhergehenden Dürren am
härtesten getroffen, erklärte der
Welthungerhilfe-Generalsekretär Hans-Joachim Preuß in Bonn.
Regelmäßige Regenfälle würden nach aktuellen
Prognosen ausgerechnet in den Regionen ausbleiben, wo die
Bevölkerung rapide wachse und schon heute unter Wasserknappheit und
Ernteausfällen leide. "Eine Verknappung des Trink- und
Brauchwassers sowie eine Verschlechterung der Wasserqualität werden
zu noch mehr Hunger und Armut führen", warnte Preuß. "Die
Industrieländer als Hauptverursacher des Kimawandels müssen
ihren Umgang mit Energie endlich ändern".
(Quelle: afp)