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Irak am neunhundertsiebenundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Senatsausschuss will US-Präsident Bush auf Irak-Rückzug
festlegen. UN-Generalsekretär in Bagdad unter Granatenbeschuss.
Hilfsorganisationen beklagen wachsendes Flüchtlingsproblem im Irak
Fr.23.03.07 - Der US-Kongress will Präsident George W. Bush auf ein
verbindliches Datum zum Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak
festlegen. Der Bewilligungsausschuss des Senats stimmte am Donnerstag
dafür, die US-Kampftruppen bis zum 31. März 2008 nach Hause
zurück zu holen. Im Repräsentantenhaus stand eine
ähnliche Entscheidung für (heutigen) Freitag an. Um eine
möglichst breite Mehrheit zu gewinnen, einigten sich die
Demokraten auf einen Truppenabzug zum 1. September 2008.
Die Forderungen sind Teil einer Gesetzesvorlage zur Finanzierung der
Kriege im Irak und in Afghanistan. Die Demokraten wollen die
Bewilligung der von Bush veranschlagten Finanzmittel in Höhe von
122 Milliarden Dollar (91,4 Milliarden Euro) mit einem konkreten
Rückzugstermin verknüpfen. Der Präsident hat bereits
angekündigt, gegen einen solchen Beschluss sein Veto einzulegen.
Der gesamte Senat befasst sich am kommenden Montag mit der Vorlage.
Seit ihrem Triumph bei den Zwischenwahlen zum Kongress versuchen die
Demokraten, mit ihrer Mehrheit in beiden Häusern einen
Rückzugstermin für die US-Truppen im Irak durchzusetzen. Das
Repräsentantenhaus hat schon einmal generell dafür gestimmt,
im Senat kam die erforderliche Mehrheit indessen nicht zu Stande.
Bei seinem ersten Besuch in Bagdad hat der neue UN-Generalsekretär
Ban Ki Moon am Donnerstag einen drastischen Eindruck von der Lage im
Irak bekommen. Irakische Journalisten sagten, eine Mörsergranate
sei etwa 50 Meter von dem Gebäude entfernt eingeschlagen, in dem
sich Ban befand.
Während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit
Ministerpräsident Nuri al-Maliki in der vom Militär
abgesperrten «Grünen Zone» duckte sich Ban hinter dem
Rednerpult, als eine laute Explosion das Gebäude erschütterte
und Mörtel von der Decke bröckelte. Während der
UN-Generalsekretär zusammenzuckte, blieb Al-Maliki ganz ruhig und
zuckte kaum mit der Wimper.
Ban erklärte, die Vereinten Nationen wollten sich, sobald die
Sicherheitslage es erlaube, wieder verstärkt im Irak engagieren,
sowohl im politischen Prozess als auch im humanitären Bereich. Die
UN hatten ihre Aktivitäten in Bagdad nach Anschlägen auf ihre
Mitarbeiter stark zurückgeschraubt. Wie die meisten Besuche
hochrangiger Politiker im Irak war auch Bans Bagdad-Reise aus
Sicherheitsgründen bis zur Ankunft geheim gehalten worden.
In der südirakischen Hafenstadt Basra lieferten sich am Donnerstag
Anhänger zweier schiitischer Parteien heftige Gefechte.
Augenzeugen berichteten, Anhänger der Bewegung des radikalen
Predigers Muktada al-Sadr hätten ein Parteibüro der
Fadhila-Partei in Brand gesteckt. Kämpfe gab es auch rund um das
Haus des Provinzgouverneurs Mohammed al-Waili. Augenzeugen sahen
mehrere Verletzte. Die Behörden verhängten eine
Ausgangssperre. Hunderte von britischen und irakischen Soldaten bezogen
in den Straßen Stellung.
Die Fadhila-Partei, die ebenso wie die Sadr-Bewegung zu der
Schiiten-Allianz von Ministerpräsident Nuri al-Maliki
gehörte, hatte sich vergangene Woche von der Allianz losgesagt.
Die von dem Geistlichen Mohammed al-Jakubi geleitete islamische Partei,
die mit 15 Abgeordneten im Parlament vertreten ist, hatte diesen
Schritt als Zeichen gegen die Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten
bezeichnet. Al-Sadrs Miliz soll an Mordkampagnen gegen sunnitische
Zivilisten beteiligt sein. Die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak
berichtete unterdessen, Unbekannte hätten in der Nacht zum
Donnerstag in Basra die Frauenrechtlerin Tuhfa al-Bidschari in ihrem
Haus ermordet.
Die US-Armee erklärte, die multinationalen Truppen hätten in
den vergangenen Tagen in Basra und Hilla Kais al-Chasali, den
früheren Sprecher Al-Sadrs in der Pilgerstadt Nadschaf, seinen
Bruder Laith und weitere Angehörige seines Netzwerks gefangen
genommen. Sie sollen in die Entführung und Ermordung von fünf
amerikanischen Soldaten in Kerbela im vergangenen Januar verwickelt
sein. Das Militärkommando berichtete weiter, ein US-Soldat sei am
Mittwoch in Bagdad von Aufständischen getötet worden.
Die Flüchtlingswelle innerhalb des Iraks weitet sich laut einer
US-Organisation zu einer der schwersten Krisen der Welt aus. Die
Vereinigten Staaten, die Vereinten Nationen und die irakische Regierung
hätten es versäumt, die Betroffenen angemessen zu
unterstützen, erklärte Refugees International (RI) am
Donnerstagabend am UN-Sitz in New York. In einem Bericht der Gruppe
heißt es, insbesondere in den kurdischen Gebieten im Nordirak sei
eine ausreichende Unterstützung der Flüchtlinge nicht
gewährleistet.
Demnach haben schon 1,9 Millionen Iraker auf Grund der anhaltenden
Kämpfe ihr Zuhause verlassen und befinden sich in
Notunterkünften im eigenen Land. Diese Zahl dürfte sich in
diesem Jahr um eine weitere Million erhöhen, erklärte RI
unter Berufung auf das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen
(UNHCR). Die zuständigen Regierungsstellen sowie die USA und die
UN versuchten jedoch, das Problem herunterzuspielen. Laut UNHCR haben
mehr als zwei Millionen Iraker das Land bereits ganz verlassen.
(Quellen: ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 23.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertdreiunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.23.03.06 - US-Präsident will sich nicht auf Abzug der Irak-Truppen bis 2009
festlegen +++ Bush: 'Ich wollte keinen Krieg' +++ Iraks Ex-Außenminister
soll für CIA gearbeitet haben +++ Sechs Monate Haft für
US-Soldat wegen Misshandlungen in Abu Ghraib...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0603230.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Menschenrechtler fordern Stopp von Guantanamo-Verfahren
Fr.23.03.07 - Die Menschenrechtsorganisation amnesty international hat die
US-Militärverfahren gegen Guantanamo-Häftlinge als Unrecht
verurteilt und einen Stopp der Prozesse gefordert.
Die Gruppe verlangte zudem mit Blick auf den Beginn des ersten
Verfahrens am kommenden Montag von anderen Staaten, zu den Verhandlungen
keine Dokumente oder Beweise beizusteuern.
"Diese Verfahren verschärfen das Unrecht, für das das Lager
in Guantanamo ein Symbol geworden ist", erklärte Susan Lee, Chefin
der Amerika-Abteilung der Organisation am Donnerstag. Die Gruppe
äußerte sich besonders besorgt darüber, dass die
kritisierten Verfahren mit der Hinrichtung der Angeklagten enden
könnten. "Die Militärkommissionen stehen am Ende eines
illegalen Weges und verhandeln über Menschen, die willkürlich
festgenommen und jahrelang schlecht behandelt wurden", hieß es in
dem ai-Bericht zur rechtlichen Lage der Häftlinge.
Die Organisation legte ihren Bericht anlässlich des ersten
Verfahrens vor, das nach einem neuen System vor einer
Militärkommission abgehalten wird. Von Montag an muss sich ein
31-jähriger Australier wegen des Vorwurfs verantworten, auf seiten
der Al Kaida in Afghanistan gekämpft zu haben.
Die Militärkommissionen wurden auf Basis eines
Parlamentsbeschlusses vom vergangenen Jahr gebildet. Das Verfahren soll
US-Angaben zufolge bei 60 bis 80 der knapp 400 Guantanamo-Häftlinge
angewendet werden, darunter gegen die 14 Gefangenen, die im Herbst aus
geheimen CIA-Gefängnissen in das Lager verlegt wurden. Darunter
sollen auch die Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001
sein. Die USA betrachten die Männer als "feindliche Kämpfer"
und verwehren ihnen damit die Rechte von Kriegsgefangenen.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
Palästinenser entführen UN-Fahrzeug im Gazastreifen.
Nahost-Quartett dringt auf Anerkennung Israels. Olmert zu schmerzhaften
Zugeständnissen im Nahost-Konflikt bereit
Fr.23.03.07 - Bewaffnete Palästinenser haben am Donnerstag ein UN-Fahrzeug im
Gazastreifen entführt. Sie stoppten den Wagen, zwangen den
palästinensischen UN-Mitarbeiter zum Aussteigen und fuhren dann mit
dem deutlich gekennzeichneten Fahrzeug davon, wie ein UN-Vertreter
mitteilte. Unklar war zunächst, ob der Vorfall zu einer
Neueinschätzung der Arbeitsbedingungen der UN-Helfer im
Gazastreifen führt. Die UN-Behörde UNRWA hat im Gazastreifen
rund 11.000 Mitarbeiter.
Das so genannte Nahost-Quartett aus UN, EU, den USA und Russland hat
die neue palästinensische Einheitsregierung zur Anerkennung Israels
aufgefordert. Zugleich wurde an die neue Palästinenserführung
appelliert, der Gewalt abzuschwören.
Die am Mittwoch vom US-Außenministerium verbreitete
Erklärung war die erste offizielle Reaktion der internationalen
Vermittlergruppe seit Amtsantritt der neuen von der radikalislamischen
Hamas und der Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas
gebildeten Regierung am vergangenen Wochenende. Unterdessen ist im
Norden des Gazastreifens die Gewalt zwischen den
Palästinensergruppen erneut aufgeflammt.
Das Quartett sprach sich für eine Fortsetzung der humanitären
Hilfsleistungen an bedürftige Palästinenser über dritte
Organisationen aus. Der noch gegen die alte
Palästinenserführung verhängte Finanzboykott wurde nicht
aufgehoben. Die USA, die EU und die Vereinten Nationen hatten die alte,
nach dem Wahlsieg der Hamas im vergangenen Jahr gebildete Regierung
boykottiert.
Die neue Regierung, auf die sich Hamas und Fatah Anfang Februar in
Mekka verständigt hatten, will das Quartett nicht nur nach ihren
Erklärungen, sondern danach bewerten, ob sie sich zu einem
verlässlichen Partner bei den Friedensverhandlungen mit Israel
entwickle. «Das Quartett stimmt darin überein, dass die
Bildung der neuen Regierung in dieser Hinsicht nicht nur nach
Zusammensetzung und Aufbau zu beurteilen ist, sondern auch nach ihren
Taten», heißt es in der Erklärung.
Kurz vor ihrer Nahost-Reise hat US-Außenministerin Condoleezza
Rice den US-Kongress am Mittwoch aufgefordert, Mittel für die
Sicherheitskräfte von Palästinenserpräsident Abbas
freizugeben. Bislang werden die Gelder wegen der Regierungsbeteiligung
der Hamas blockiert. Vor dem Bewilligungsausschuss des
Repräsentantenhauses versprach Rice, dass nichts von dem Geld an
die Hamas fließen werde. «Ich glaube sehr stark daran, dass
wir jene Sicherheitskräfte unterstützen müssen, die loyal
zu denen stehen, die die Prinzipien des Nahost-Quartetts
akzeptieren», sagte Rice. Sie bricht am heutigen Freitag zu ihrer
dritten Nahost-Reise in diesem Jahr auf.
Nach einem erneuten Aufflammen der Gewalt zwischen Anhängern der
Hamas und der Fatah haben Vertreter beider Gruppen in der Nacht zum
Donnerstag zur Beruhigung der Lage aufgerufen. Man habe sich auf eine
Einstellung der Feindseligkeiten verständigt, meldete der
israelische Onlinedienst Ynet. Zuvor waren bei Schießereien im
Norden des Gazastreifens mindestens ein Mensch getötet und 17
weitere verletzt worden. Außerdem hatten Fatah-Anhänger den
Berichten zufolge einen zur Hamas gehörenden
Universitäts-Professor entführt.
Zur Wiederbelebung des Dialogs im Nahen Osten ist Israel nach den
Worten von Ministerpräsident Ehud Olmert zu «weit reichenden,
schmerzhaften und harten Zugeständnissen» bereit. Entgegen
der früheren israelischen Haltung signalisierte Olmert am
Donnerstag auch Interesse an einer umfassenden Friedensinitiative, die
Saudi-Arabien 2002 eingebracht hatte. Der saudiarabische Plan
könne eine «geeignete Grundlage» für weitere
Kontakte zwischen Israel und gemäßigten Arabern sein, sagte
er.
Die auf Eis liegende Initiative sieht volle diplomatische Beziehungen
der arabischen Welt mit Israel vor und fordert den kompletten
israelischen Abzug aus dem Westjordanland und Ostjerusalem. Bei der
Vorstellung vor fünf Jahren wies Israel den Plan umgehend
zurück, hat sich jedoch in letzter Zeit aufgeschlossener dafür
gezeigt. Es wird erwartet, dass die arabischen Länder den
Vorschlag auf einem Gipfel in Riad Ende des Monats wiederzubeleben
versuchen.
In seiner Forderung nach dem Boykott der neuen palästinensischen
Regierung aus Hamas und moderaterer Fatah sieht sich Israel unterdessen
zunehmend isoliert. Nach dem US-Generalkonsul Jacob Walles traf am
Mittwoch auch der EU-Gesandte für den Nahen Osten, Marc Otte, mit
Finanzminister Salam Fajjad zusammen. Für Donnerstag stand ein
Treffen Fajjads mit dem britischen Generalkonsul an. Otte sprach zuvor
bereits mit Außenminister Siad Abu Amr, bei dem sich auch die
Außenminister Belgiens und Schwedens sowie die Botschafter der
Schweiz und Russlands angekündigt haben.
(Quellen: dpa, ap)
Internationale Besorgnis über neue Kämpfe im Kongo
Fr.23.03.07 - Neue Kämpfe in der kongolesischen Hauptstadt haben internationale
Besorgnis ausgelöst. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
forderte am Donnerstag eine sofortige Einstellung der Gefechte zwischen
Anhängern des ehemaligen Kriegsherrn und Oppositionspolitikers
Jean-Pierre Bemba und Regierungstruppen. Auch UN-Generalsekretär
Ban Ki Moon erklärte, die Berichte aus Kinshasa hätten ihn
zutiefst alarmiert.
Bei den Kämpfen wurde die spanische Botschaft von einem Geschoss,
vermutlich einer Mörsergranate, getroffen, wie das
Außenministerium in Madrid mitteilte. Es sei niemand zu Schaden
gekommen, doch sei das Gebäude evakuiert worden. Augenzeugen
berichteten, aus Bembas Wohnsitz sei am Donnerstag mit Gewehren und
schweren Waffen geschossen worden. Gegen Abend seien die Kämpfe
dann etwas abgeflaut, aber nicht vollständig eingestellt worden.
Es waren die ersten schweren Gefechte in Kinshasa seit dem Amtsantritt
von Präsident Joseph Kabila nach einer international
überwachten Wahl am 6. Dezember. Örtliche Vertreter der
Vereinten Nationen erklärte, die UN-Mission im Kongo stehe bereit,
die Regierung Kabilas zu unterstützen und die Kämpfe zu
beenden. Es habe mit Sicherheit Tote gegeben, doch lägen vorerst
keine Zahlen vor.
(Quelle: ap)
Schwere Kämpfe zwischen Rebellen und Soldaten in Somalia
Fr.23.03.07 - In der somalischen Hauptstadt Mogadischu haben sich Aufständische
schwere Kämpfe mit somalischen und äthiopischen Soldaten
geliefert. Die Auseinandersetzungen griffen auch auf den bislang
weitgehend ruhigen Norden der somalischen Hauptstadt über, wie ein
Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Hunderte Einwohner
der Stadt flüchteten aus Mogadischu. Ministerpräsident Ali
Mohamed Gedi hatte die Bewohner der Hauptstadt angewiesen, Gebiete im
Süden Mogadischus "aus Sicherheitsgründen" zu verlassen,
nachdem am Mittwoch mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen waren.
Die Kämpfe würden weitergehen, bis die Aufständischen
besiegt seien, sagte der stellvertretende somalische
Verteidigungsminister Sald Ali Jelle.
(Quelle: afp)
Endfassung des Entwurfs zu neuer Iran-Resolution vorgelegt
Fr.23.03.07 - Die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und
Deutschland bestehen auf ihrer Forderung nach verschärften
Sanktionen gegen den Iran. Sie boten in New York nur geringfügige
Änderungen an ihrem ursprünglichen Resolutionsentwurf an. Die
Schlussfassung der geplanten Entschließung wurde dem
Weltsicherheitsrat am Donnerstagabend vorgelegt. Nach Angaben des
britischen UN-Botschafters Emyr Jones Parry wird die Abstimmung
wahrscheinlich am Samstag stattfinden.
Insbesondere stellten sich die Verfasser gegen einen Vorschlag des
derzeitigen Sicherheitsratspräsidenten Südafrika, dem Iran
eine Auszeit von 90 Tagen zu gewähren. Auch die Anträge von
Indonesien und Katar, den gesamten Nahen und Mittleren Osten von
Massenvernichtungswaffen zu befreien, wurden nicht in die Resolution
aufgenommen. Mit verschärften Sanktionen soll der Iran dazu
gezwungen werden, die Anreicherung von Uran einzustellen.
(Quelle: ap)
Neue Atomgespräche mit Nordkorea gescheitert
Fr.23.03.07 - Die jüngste Runde der Sechs-Länder-Gespräche über
den Abbau des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms ist gescheitert. Die
Verhandlungen mussten ergebnislos abgebrochen werden, da Nordkoreas
Chefunterhändler Kim Kye Gwan am Donnerstag überraschend aus
Peking abreiste.
Seine Delegation hatte sich zuvor drei Tage lang geweigert, die
Gespräche fortzuführen, da 25 Millionen US-Dollar aus
freigegebenen nordkoreanischen Konten in Macao noch nicht wie vereinbart
auf ein Konto bei einer Bank in China eingetroffen waren.
Die Gesprächsteilnehmer hätten sich darauf geeinigt, die
Verhandlungen zu unterbrechen und sie zum frühest möglichen
Termin fortzusetzen, um einen «Aktionsplan für die
nächste Phase» zu formulieren, hieß es in einer vom
chinesischen Vizeaußenminister Wu Dawei veröffentlichten
Erklärung. Die Delegationen hätten bekräftigt, die
Vereinbarungen vom 13. Februar «gewissenhaft» umzusetzen.
Nordkorea hatte dabei unter anderem die Abschaltung und Versiegelung
seiner Nuklearanlagen innerhalb von 60 Tagen zugesagt. Im Gegenzug
winken dem Land Wirtschaftshilfen und Energielieferungen.
Die anderen Teilnehmer an den Sechser-Gesprächen (USA, China,
Südkorea, Japan, Russland) hatten noch vergeblich versucht, die
Runde zumindest um einen oder zwei Tage zu verlängern. Der Transfer
der Gelder auf den nordkoreanischen Konten wurde unter anderem deswegen
verzögert, weil die Bank of China die Annahme verweigert hatte.
Die Bank wollte offenbar nichts mit Finanzmitteln zu tun haben, die
nach US- Angaben aus Geldwäsche und -Fälschung stammen.
(Quelle: dpa)
US-Generalstabschef Pace zu viertägigem Besuch in China
Fr.23.03.07 - Der ranghöchste US-General, der Vorsitzende der Vereinigten
Generalstäbe Peter Pace, ist am Donnerstag zu einem
viertägigen Besuch in China eingetroffen. Pace ging nach seiner
Ankunft direkt zu einem Treffen mit dem chinesischen
Verteidigungsminister General Cao Gangchuan und führenden
Vertretern der 2,3 Millionen Soldaten der Streitkräfte.
Die USA hatten sich zuletzt besorgt gezeigt über den weiter
wachsenden chinesischen Militärhaushalt und auch einen
erfolgreichen Test einer Anti-Satelliten-Rakete. China hatte zu Beginn
des Monats angekündigt, dass der Militärhaushalt um 17,8
Prozent auf 45 Milliarden Dollar (34 Milliarden Euro) steigen soll. Es
ist der stärkste Anstieg seit 1995. Experten vermuten aber, dass
die tatsächlichen Militärausgaben Chinas weit höher
liegen.
Pace schlug vor seinem Besuch aber versöhnliche Töne an. Er
werde sich um einen verstärkten Austausch und gemeinsame
Übungen bemühen. «Wenn man sich kennt und weiß,
was der andere denkt, dann baut man Vertrauen und Zuversicht auf.»
(Quelle: ap)
Deutscher Außenminister Steinmeier für Einbindung Russlands
im Streit um US-Raketen
Fr.23.03.07 - Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier will Russland
stärker in die Diskussion über das umstrittene
US-Raketenabwehrsystem einbinden. Offene Fragen ließen sich nur
klären, «wenn wir auch diejenigen in die Debatte
einbeziehen, die sich zu Recht oder zu Unrecht von solchen
strategischen Stationierungsentscheidungen betroffen
fühlen», sagte der SPD-Politiker der österreichischen
Tageszeitung «Der Standard» (Freitagsausgabe). Russland hat
das US-Projekt als Bedrohung für die eigene Sicherheit kritisiert.
«Die USA sollten also auch mit Russland einen politischen Dialog
über bestmöglichen Schutz vor Bedrohungen aus dem Mittleren
Osten führen», erklärte Steinmeier weiter, wie die
österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete. In einer
gemeinsam empfundenen Bedrohung könnten sich Ansatzpunkte für
gemeinsame Interessen ergeben
Steinmeier zeigte Verständnis für den Wunsch der USA nach
Schutz. Gleichzeitig müsse aber geklärt werden, ob «der
vermeintliche Zuwachs an Sicherheit» infolge der Stationierung
eines solchen Systems tatsächlich mehr Stabilität garantiere.
«Wir müssen aufpassen, dass durch den Streit um
Stationierungsorte die Rüstungsdebatte nicht in die falsche
Richtung entfacht wird», wurde der Minister weiter zitiert.
Russland hatte im Verlauf des Streits Mitte Februar mit einer
einseitigen Aufkündigung des INF-Vertrags zur Vernichtung aller
nuklearen Kurz- und Mittelstreckenraketen gedroht. Anfang März
kündigte Moskau dann eine neue Militärdoktrin an.
(Quelle: ap)
Deutschland
Ifo und Banken erwarten weniger als 4 Mio Arbeitslose
Fr.23.03.07 - Die gute Konjunktur wird die Arbeitslosenzahl in diesem Jahr nach
Einschätzung von Ifo-Institut und Privatbanken erstmals seit 2001
unter vier Millionen drücken.
"Die Entwicklung am Arbeitsmarkt ist besser als angenommen", sagte
Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Donnerstag in Frankfurt. Im
Jahresdurchschnitt könnte die Zahl der Erwerbslosen auf 3,9
Millionen sinken. Das wären rund 600.000 weniger als 2006. Der
Bundesverband deutscher Banken (BdB) hält einen noch stärkeren
Rückgang für möglich. Voraussetzung dafür sei, dass
die moderate und beschäftigungsfreundliche Lohnpolitik fortgesetzt
werde.
Die Wirtschaft entwickelt sich nach den Worten Sinns "überraschend
gut". Er halte 2007 ein Wachstum von mehr als zwei Prozent für
möglich, sagte der Chef des Münchner Instituts für
Wirtschaftsforschung (Ifo). Im Dezember ging das Institut noch von 1,9
Prozent aus. Der BdB sagt wie bisher ein Plus von rund zwei Prozent
voraus. Der Aufschwung sei inzwischen breit angelegt und werde sowohl
von den Exporten als auch von der Binnennachfrage getragen.
Auch das Bundesfinanzministerium sieht die Erholung gut abgesichert.
"In diesem Jahr dürfte sich die konjunkturelle
Aufwärtsentwicklung mit zunehmender Eigendynamik fortsetzen",
hieß es im Monatsbericht. Die von der höheren Mehrwertsteuer
ausgehende Konjunkturdelle zu Jahresbeginn dürfte kleiner ausfallen
als befürchtet.
"Hinfällig sind die konjunkturdämpfenden Effekte der
Steuererhöhung damit aber nicht", warnte der BdB. In den kommenden
Monaten könnten Preiserhöhungen nachgeholt werden. Die
Unternehmen dürften etwa zwei Drittel der Mehrbelastung an ihre
Kunden weiterreichen und müssten den Rest selbst tragen. Dies
dämpfe Gewinne und Investitionen. Risiken für die deutsche
Konjunktur sehen Bankenverband und Ministerium in einer starken
Abkühlung der US-Wirtschaft und abrupten
Wechselkursänderungen. 2006 hatte die Wirtschaft mit 2,7 Prozent
das kräftigste Plus seit dem Boomjahr 2000 erzielt.
(Quelle: rtr)
Studie: 2,3 Prozent der Praktikanten in Firmen werden übernommen
Fr.23.03.07 - Betriebe übernehmen einer Studie zufolge jährlich 150.000
Praktikanten in ein sozialversicherungspflichtiges
Beschäftigungsverhältnis.
Insgesamt würden 2,3 Prozent aller Stellen mit ehemaligen
Praktikanten besetzt, ergab eine am Donnerstag veröffentlichte
Unternehmensumfrage des Nürnberger Institutes für
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Danach absolvierten Mitte 2006
rund 600.000 Personen ein Praktikum. 150.000 bis 200.000 von ihnen
besuchten eine Hochschule oder hätten bereits einen
Hochschulabschluss. Die Zahl der tatsächlich pro Jahr absolvierten
Betriebsaufenthalte ermittelte die Studie nicht. Sie sei aber um ein
Mehrfaches höher, da Praktika meistens nur einige Wochen oder
Monate dauern.
Am häufigsten stellen der Studie zufolge kleine Betriebe
Praktikanten ein. Sie rekrutieren 3,6 Prozent ihrer Mitarbeiter auf
diesem Weg. Bei mittleren Betrieben seien es 1,5 Prozent und bei
großen Unternehmen nur 0,9 Prozent. Zudem stellten ostdeutsche
Firmen häufiger Praktikanten ein als Betriebe in Westdeutschland.
Drei Viertel der Stellen, die mit ehemaligen Praktikanten besetzt
werden, erfordern einen mittleren Berufsschulabschluss und nur 15
Prozent einen Hochschulabschluss. 85 Prozent aller übernommenen
Praktikanten sind unter 40 Jahren, rund 40 Prozent unter 30. Insgesamt
war etwa jeder Dritte der Eingestellten vorher arbeitslos. Die Studie
macht keine Aussagen zu den Arbeitsbedingungen von Praktikanten oder
darüber, ob sie reguläre Beschäftigung ersetzen.
(Quelle: rtr)
Kernkraft: EnBW verklagt Bundesumweltministerium
Fr.23.03.07 - In der Auseinandersetzung um eine Laufzeitverlängerung für
das Atomkraftwerk Neckarwestheim I hat der Energiekonzern EnBW beim
Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg Klage gegen das
Bundesumweltministerium eingereicht. Grund sei, dass das Ministerium
bislang nicht über den EnBW-Antrag auf eine Übertragung von
Reststrommengen auf das Kernkraftwerk entschieden habe, teilte das
Unternehmen am Donnerstag in Karlsruhe mit.
Ein sachlicher Grund für die Verzögerung sei nicht zu
erkennen. Deshalb solle nun das Gericht über den Antrag
entscheiden. Die am Donnerstag beim VGH in Mannheim eingereichte Klage
sei «die einzige Möglichkeit, einer weiteren Verzögerung
des Verfahrens entgegenzuwirken».
Der am 21. Dezember 2006 beim Bundesumweltministerium eingereichte
Antrag des Energiekonzern hat eine Verlängerung der Laufzeit des 30
Jahre alten Atomkraftwerks Neckarwestheim I auf 2017 zum Ziel.
Hierfür sollen Strommengen vom jüngeren Reaktor Neckarwestheim
II auf den älteren Block übertragen werden. Neckarwestheim I
soll eigentlich spätestens 2009 vom Netz gehen.
(Quelle: ddp)
Koalitionsspitzen über Reform des Unterhaltsrechts einig
Fr.23.03.07 - Die Koalitionsfraktionen von Union und SPD haben ihren Streit um die
Reform des Unterhaltsrechts beigelegt. Neben den Kindern sollen
künftig nach einer Scheidung auch betreuende Ehepartner Vorrang
bei den Unterhaltsansprüchen haben. Das sagte der
Geschäftsführer der Unionsfraktion, Norbert Röttgen
(CDU), nach einem Spitzengespräch der Koalitionsfraktionen in
Berlin. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte: "Die Ehe wird
besonders geschützt." Bundesjustizministerin Brigitte Zypries
(SPD) sieht mit der Reform das Ziel erreicht, dass die Kinder als die
schwächsten besonders geschützt werden.
Der Einigung zufolge haben die Unterhaltsansprüche der Kinder
immer Vorrang vor den Ansprüchen der Ehe- oder Lebenspartner. An
zweiter Stelle stehen nun Ehepartner, die sich nach einer Trennung um
die Kinderbetreuung kümmern. Hier hatte der von
Bundesjustizministerium ursprünglich vorgelegte Entwurf
vorgesehen, nicht mehr zwischen Verheiraten und Unverheirateten zu
unterscheiden. Auf Drängen der Union verständigten sich die
Koalitionsspitzen außerdem darauf, dass sich Verheiratete und
Nichtverheiratete anders als bisher künftig gleichermaßen um
eine Erwerbsarbeit kümmern müssen. Den ursprünglichen
Entwurf von Zypries hatte das Kabinett bereits vergangenes Jahr
beschlossen.
"Wir haben uns an dieser Stelle durchgesetzt", sagte Röttgen. Nun
könne eine Reform verabschiedet werden, "die das Kindeswohl, den
Schutz der Ehe und die Gleichbehandlung bei der Dauer des
Betreuungsunterhalts in einem ausgewogenen Konzept miteinander
verbindet". Kauder sagte, die Ehe gebe eine "gewisse Sicherheit der
Lebensplanung". Mit der Ehe seien bestimmte Pflichten verbunden,
deshalb solle sie auch besonders geschützt werden.
Zypries bedauerte in der "Leipziger Volkszeitung", dass es mit der
Union in dieser Koalition nicht zu einer "wirklich lebensnahen
Regelung" im Streit um das Unterhaltsrecht gekommen sei. "Das hat die
Union mit ihrem konservativen Familienbild zu verantworten", sagte sie
dem Blatt.
Vor der Spitzenrunde hatte die CSU erneut grundsätzliche Bedenken
gegen die Reform angemeldet. Der im Grundgesetz verankerte Schutz der
Ehe müsse ernst genommen werden, sagte die CSU-Abgeordnete Maria
Eichhorn dem Berliner "Tagesspiegel". Deshalb solle zwischen dem ersten
und weiteren Ehepartnern unterschieden werden.
(Quelle: afp)
Täglich sterben über 5000 Menschen weltweit an Tuberkulose
Fr.23.03.07 - Hierzulande ist die Tuberkulose fast ausgerottet - weltweit sterben
aber täglich immer noch mehr als 5000 Menschen an der
Infektionskrankheit. Tuberkulose sei vor allem in Afrika auf dem
Vormarsch, erklärte der Hauptgeschäftsführer der
Hilfsorganisation CARE, Wolfgang Jamann, aus Anlass des
Welt-Tuberkulosetages am Samstag. Auf dem Kontinent wachse die Zahl der
Erkrankungen um ein Prozent pro Jahr. Derzeit fehlten die Mittel, gegen
die resistente Form XDR-TB neue Medikamente zu entwickeln.
Vor allem für HIV-Infizierte sei Tuberkulose die "Todesursache
Nummer eins", sagte Jamann. Weltweit seien zwei Milliarden Menschen, ein
Drittel der Weltbevölkerung, mit dem Tuberkulose-Bazillus
infiziert.
Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Rudolf Seiters, schrieb
im "Tagesspiegel", vor allem in Osteuropa verbreite sich die so genannte
multiresistente Tuberkulose immer weiter, gegen die bekannte
Arzneimittel wirkungslos sind. Seiters rief die internationale
Gemeinschaft zum gemeinsamen Handeln im Kampf gegen die Krankheit auf.
Die Bundesregierung habe Anfang März ihr Budget für die
weltweite Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose um ein
Drittel auf 400 Millionen erhöht. Das sei "ein Schritt in die
richtige Richtung".
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) verzeichnet Europa jährlich
450.000 neue Tuberkulosefälle. Bis zu 70.000 davon endeten mit dem
Tod, vor allem in Osteuropa. Die WHO wollte am Donnerstag ihren Bericht
zum Stand des weltweiten Kampfes gegen die Tuberkulose vorstellen.
(Quelle: afp)