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Irak am neunhundertachtundneunzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Repräsentantenhaus setzt Bush Frist für Abzug aus Irak.
Vizeregierungschef im Irak überlebt Anschlag
Sa.24.03.07 - Im Streit um die Irak-Politik ist das US-Repräsentantenhaus auf
Konfrontationskurs zu Präsident George W. Bush gegangen. Gegen
Bushs Widerstand setzte die Volksvertretung mit den Stimmen der
demokratischen Mehrheitsfraktion eine mit dem Kriegsbudget verbundene
Frist für den Abzug der US-Kampftruppen aus dem Irak bis August
2008. Der Präsident kündigte an, das Kriegsbudget durch sein
Veto zu Fall zu bringen. Er warf den Demokraten vor, die kämpfenden
US-Soldaten vor Ort im Stich zu lassen.
218 Abgeordnete stimmten für den Entwurf, 212 stimmten dagegen. Es
war das erste Mal in seiner sechsjährigen Amtszeit, dass Bush bei
den Haushaltsberatungen einer Mehrheit der gegnerischen Demokraten im
Kongress gegenüberstand.
Beide Seiten machten klar, dass sie in dem Machtkampf um die
Irak-Politik nicht einlenken wollen. "Die Demokraten gefährden die
Fortschritte, die unsere Truppen im Irak machen", sagte Bush.
Die Demokraten wollten nach den Worten ihres Fraktionschefs Sten Hoyer
mit dem Votum zeigen, "dass die Irak-Politik der Regierung gescheitert
ist". Die demokratische Parlamentspräsidentin Nancy Pelosi
bezeichnete den Irak-Krieg als "grotesken Fehler".
Der 124 Milliarden Dollar umfassende Kriegshaushalt knüpft die
Bewilligung der Finanzmittel für den Einsatz im Irak an die
Bedingung, dass die Kampftruppen bis spätestens 31. August 2008 den
Irak verlassen. Sollte die irakische Regierung vorher nicht bestimmte
Bedingungen bei der Sicherung des eigenen Landes erfüllen, soll
der Truppenabzug dem Budget zufolge bereits in den kommenden Monaten
beginnen. Außerdem legt der Text neue Hürden für die
Entsendung von US-Soldaten in den Irak auf: Er verlangt, dass die
US-Kämpfer dafür entsprechend ausgebildet und
ausgerüstet sein müssen.
Dem Votum war eine erbitterte Debatte vorangegangen. Mit ihrer neuen
Mehrheit im Kongress wollten die Demokraten "nicht mehr eine Politik
abnicken, die so viel Blut gekostet hat", sagte der demokratische
Fraktionschef im Repräsentantenhaus, Sten Hoyer. Der
republikanische Fraktionsführer John Boehner warf den Demokraten
vor, den kämpfenden Truppen im Irak in den Rücken zu fallen:
"Wir stehen gerade im Kampf gegen einen Feind, der nicht nur im Irak
ist, sondern auf der ganzen Welt."
Der stellvertretende irakische Regierungschef ist am Freitag nur knapp
einem Mordanschlag entgangen. Ein Selbstmordattentäter sprengte
sich in der Nähe der streng bewachten Grünen Zone in die Luft,
als Salam al Subaie aus einer Moschee kam. Sechs andere Besucher der
Moschee wurden nach Polizeiangaben getötet. Zehn Menschen, unter
ihnen fünf Leibwächter des Politikers, erlitten Verletzungen.
Al Subaie, einer von zwei Stellvertretern von Ministerpräsident
Nuri al-Maliki, wurde mit einer Beinverletzung in ein US-Krankenhaus
gebracht.
In der Grünen Zone am Westufer des Tigris sind das Parlament, der
Sitz der irakischen Regierung und das Hauptquartier der
US-Streitkräfte im Irak untergebracht. Aufständische hatten
erst am Donnerstag eine Rakete in die Grüne Zone abgefeuert. Das
Geschoss explodierte 50 Meter von einem Raum entfernt, in dem
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gerade eine Pressekonferenz gab.
Nach der Explosion von drei Gastankwagen in einem schiitischen Viertel
von Bagdad in der vergangenen Woche erklärten Al-Kaida-Extremisten
im Internet, die Angaben über einen Chlorgas-Anschlag seien
Propaganda. Die Anschläge hätten sich gegen Angehörige
des Stammes Albu Issa gerichtet, die die US-Truppen unterstützten,
erklärte die Organisation Islamischer Staat Irak, eine
Dachorganisation sunnitischer Extremisten, zu der auch die Al-Kaida im
Irak gehört. Bei den Anschlägen kamen zwei Polizisten ums
Leben, 356 Bewohner klagten über Übelkeit.
Die Flüchtlingshilfsorganisation Refugees International (RI) wies
in New York darauf hin, dass immer mehr Iraker wegen der anhaltenden
Unsicherheit aus ihren Wohnorten fliehen. Die Zahl der irakischen
Flüchtlinge im eigenen Land wird mit 1,9 Millionen angegeben. Bis
Ende des Jahres würden rund drei Millionen erwartet, erklärte
RI unter Berufung auf das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten
Nationen (UNHCR).
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 24.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertvierunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Mindestens 17 Tote bei Taliban-Angriff auf Konvoi
Sa.24.03.07 - Taliban-Kämpfer haben im Süden von Afghanistan 15 afghanische
Sicherheitskräfte und zwei Fahrer eines Lastwagen-Konvois
getötet. Der Konvoi sollte ausländische Truppen in der
südlichen Provinz Kandahar mit Material versorgen, wie der
Kommandeur des Konvois sagte. Vier weitere Sicherheitsleute würden
nach dem Angriff vermisst. Etwa hundert Taliban hätten den Konvoi
angegriffen; fünf Lastwagen und ein Transporter seien ausgebrannt.
Der Überfall ereignete sich zwischen Kabul und der Stadt Kandahar.
Der Polizei lagen zunächst keine Informationen über den
Angriff vor.
Die US-Armee will die Verwicklung von US-Soldaten in die Tötung
von acht Zivilisten Anfang März in Afghanistan untersuchen. Die
Untersuchung werde von einem Spezialkommando durchgeführt, teilte
ein Armee-Angehöriger am Freitag mit. Es gehe um einen Vorfall vom
5. März, bei dem acht Zivilisten getötet und 35 verletzt
worden seien. Ein Selbstmordattentäter hatte damals in der
Nähe von Dschalalabad in der Provinz Nangarhar einen Konvoi aus
fünf Militärfahrzeugen angegriffen.
(Quelle: afp)
Guantanamo bleibt während der Amtszeit von Bush in Betrieb
Sa.24.03.07 - Das US-Gefangenenlager Guantanamo wird mindestens bis zum Ende der
Amtszeit von Präsident George W. Bush im Januar 2009 und vermutlich
noch darüber hinaus in Betrieb bleiben. Der Sprecher des
Weißen Hauses, Tony Snow, begründete dies am Freitag damit,
dass für mehrere der gefährlichen Insassen des
US-Stützpunkts auf Kuba keine schnelle juristische Lösung
möglich sei. «Sehr wenige Länder wollen diese Leute
zurückhaben, und deshalb muss man sich durch ein langwieriges
Verfahren arbeiten, um sie der Gerichtsbarkeit zuzuführen.»
Bush hat mehrfach erklärt, er würde das international
umstrittene Gefangenenlager gerne schließen, wenn die
Voraussetzungen dafür erfüllt seien. Snow zufolge hat sich der
neue Verteidigungsminister Robert Gates bei seinem Amtsantritt Mitte
Dezember sogar massiv für eine schnelle Abwicklung des Lagers
eingesetzt. Er habe sich aber von Justizminister Alberto Gonzales
überzeugen lassen, dass dies derzeit unmöglich sei.
Außenministerin Condoleezza Rice sagte, man wolle das Lager zwar
schließen, doch seien dort Häftlinge untergebracht, die man
nicht woanders vor Gericht bringen könne und die für eine
Freilassung zu gefährlich seien. Das Problem müsse von der
internationalen Gemeinschaft gelöst werden: «Ich sage meinen
Kollegen in der ganzen Welt: 'Ihr sagt uns, dass ihr Guantanamo nicht
mögt - dann helft uns, Lösungen für das Problem zu
finden.'»
(Quelle: ap)
Kongo: Kämpfe in Kinshasa - Zweifel am Erfolg der
EU-Militärmission
Sa.24.03.07 - Knapp vier Monate nach dem offiziellen Ende des EU-Einsatzes im Kongo
nähren Gefechte in der Hauptstadt Kinshasa Zweifel am Erfolg der
Militärmission. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard
Gertz, räumte ein: «Es war möglicherweise doch
wirkungslos, was wir da gemacht haben.» Grüne und FDP
forderten die Europäische Union am Freitag auf, sich umgehend
einzuschalten.
Seit Ende Juli 2006 hatten rund 2000 Soldaten aus 18 europäischen
Ländern geholfen, die ersten freien Wahlen im Kongo nach mehr als
40 Jahren abzusichern. Die EUFOR-Mission endete Ende November 2006. Die
letzten Bundeswehr-Soldaten kehrten kurz vor Weihnachten zurück.
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hatte die viermonatige
Militärmission als überaus erfolgreich bezeichnet. Kritiker
warnten damals, dass nach dem Ende des Einsatzes die Kämpfe
zwischen Anhängern des unterlegenen Präsidentschaftskandidaten
Jean-Pierre Bemba und denen des wiedergewählten Amtsinhabers
Joseph Kabila erneut ausbrechen könnten.
Selbstkritisch räumte Gertz nun ein: «Eine
vorübergehende Präsenz wirkt nicht nachhaltig. Man muss sich
fragen, ob das Geld richtig investiert war.» Der Einsatz der
Bundeswehr im Rahmen der EUFOR-Mission soll rund 56 Millionen Euro
gekostet haben.
Die FDP-Sicherheitsexpertin Birgit Homburger kritisierte, der Kongo sei
nach den Wahlen im vergangenen Jahr «viel zu schnell aus dem Fokus
der EU geraten». Sie forderte die EU auf, die Situation in
Kinshasa und im Kongo «sofort auf die Agenda zu setzen und schnell
zu handeln».
Die schweren Kämpfe zwischen der regulären Armee des
Präsidenten Kabila und den Kämpfern um Bemba zeigten, dass
Wahlen nicht ausreichten, um Demokratie, Rechtsstaatlichkeit,
Stabilität und Sicherheit zu verankern. Sollte die Gemeinschaft
jetzt nicht handeln, sei die aufwändige militärische
Absicherung der Wahlen durch die EU vergebens gewesen, sagte Homburger.
Ähnlich äußerte sich der sicherheitspolitische Sprecher
der Grünen-Fraktion, Winfried Nachtwei: «Im schlimmsten Fall
könnte der Kongo wieder ganz zurück fallen.» Nachtwei
sieht die EU «in einer besonderen Verantwortung». Er habe
seit dem Abzug von EUFOR «den Eindruck, dass sich die
Bundesregierung wieder zunehmend vom Kongo abwendet».
Der Afrika-Experte der Unions-Fraktion, Hartwig Fischer (CDU), geht
hingegen davon aus, dass es sich bei den derzeitigen Unruhen um einen
»begrenzten Konflikt in der Hauptstadt Kinshasa« handelt. Er
habe zudem den Eindruck, dass die UN-Mission im Kongo, MONUC, in der
Lage sei, notwendige Evakuierungen abzusichern und auch die Kämpfe
zu unterbinden.
Zu den Unruhen sagte der CDU-Politiker: »So etwas kommt
natürlich manchmal sehr überraschend, aber ich glaube, dass
die Kräfte stark genug sind, um das dauerhaft wieder zu einer
friedlichen Situation zu bringen." Ende 2006 waren mehr als 17 000
UN-Blauhelmsoldaten im Kongo eingesetzt. Dem blutigen Bürgerkrieg
im Kongo sollen vier Millionen Menschen zum Opfer gefallen sein.
(Quelle: ddp)
Iran nimmt vor irakischer Küste 15 britische Marineangehörige
fest
Sa.24.03.07 - Die iranische Marine hat am Freitag 15 britische Soldaten gefangen
genommen, die im Persischen Golf ein Handelsschiff inspizieren wollten.
Das britische Verteidigungsministerium teilte mit, der Vorfall habe sich
in irakischen Hoheitsgewässern ereignet.
Die Besatzungsmitglieder der Fregatte «HMS Cornwall»
befanden sich nach Informationen des US-Verteidigungsministeriums in
zwei Schlauchbooten, um eine Routinekontrolle zur Vereitelung von
Waffenschmuggel vorzunehmen. Nach Abschluss der Inspektion seien sie von
einer Marineeinheit der iranischen Revolutionsgarde gefangen genommen
worden, teilte ein Beamter des Pentagons in Washington mit.
Unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls wurde der iranische
Botschafter ins Londoner Außenministerium einbestellt, wie das
britische Verteidigungsministerium mitteilte. «Die britische
Regierung fordert die sofortige und sichere Rückkehr unserer Leute
und der Ausrüstung», hieß es in einer in London
veröffentlichten Erklärung.
(Quelle: ap)
Mindestens 13 Rebellen im Norden Sri Lankas getötet
Sa.24.03.07 - Bei Gefechten im Norden Sri Lankas sind nach Angaben der
Streitkräfte mindestens 13 tamilische Rebellen ums Leben gekommen.
Ein Sprecher der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) bestritt die
Verluste, räumte aber ein, dass am Freitag rund 300 Soldaten in ein
bislang von den den Rebellen kontrolliertes Gebiet eingedrungen seien.
Die Lage dort sei ernst, sagte er. Die Streitkräfte erklärten,
mit dem Vorstoß an der Grenze der Bezirke Mannar und Vavuniya
solle die Artillerie der Aufständischen ausgeschaltet werden. Die
Befreiungstiger von Tamil Eelam kämpfen seit 1983 für einen
eigenen Staat im Norden und Osten des Landes. Dem Konflikt sind bislang
mehr als 68.000 Menschen zum Opfer gefallen.
(Quelle: ap)
China und USA planen Rotes Telefon
Sa.24.03.07 - China hat sich zu einem verstärkten Austausch mit den
US-Streitkräften bereit erklärt und Interesse an weiteren
vertrauensbildenden Maßnahmen bekundet. US-Generalstabschef Peter
Pace erklärte am Freitag in Peking, sein Kollege Liang Guanglie
habe bei ihm entsprechende Vorschläge unterbreitet. Beide Seiten
wollen außerdem über die Schaltung einer direkten
Telefonverbindung zwischen Militärs oder Politikern beraten.
Liang habe unter anderem vorgeschlagen, chinesische Kadetten an eine
US-Militärakademie zu entsenden, sagte Pace. Zudem könnten die
chinesischen Truppen Übungen beobachten oder sogar teilnehmen. Nach
dem tödlichen Zusammenstoß eines US-Spionageflugzeugs mit
einem chinesischen Kampfjet im Jahr 2001 haben beide Länder ihren
militärischen Austausch weitgehend eingestellt.
Zu Pekings erfolgreichem Test einer Anti-Satelliten-Rakete im Januar
hätten sich seine Gesprächspartner nicht geäußert,
erklärte Pace. Er habe sie erneut aufgefordert, die Ziele des
weiter wachsenden Militärhaushalts offen zu legen. China hat den
Etat für die Streitkräfte in diesem Jahr um 17,8 Prozent auf
umgerechnet 34 Milliarden Euro erhöht. Das Pentagon vermutet
jedoch, dass die tatsächlichen Militärausgaben der Regierung
in Peking weit höher liegen.
(Quelle: ap)
Brasilien lockert Genehmigungsverfahren für Anbau von Gen-Pflanzen
Sa.24.03.07 - Brasilien lockert das Genehmigungsverfahren für den Anbau
gentechnisch veränderter Pflanzen. In der zuständigen
Komission für Biologische Sicherheit genügt es künftig,
dass 14 der 27 Mitglieder dem Anbau zu kommerziellen Zwecken zustimmen -
zuvor waren es 18 Mitglieder gewesen. Dieser Änderung stimmte am
Mittwochabend Präsident Luiz Inacio Lula da Silva zu, wie die
Nachrichtenagentur Agencia Brasil berichtete. Der Chemiekonzern Bayer
könne nun mit einer raschen Zulassung mehrerer gentechnisch
veränderter Maissorten rechnen.
(Quelle: afp)
Die EU will sich neue Grundlage geben
Sa.24.03.07 - Die Staats- und Regierungschefs der EU wollen die Europäische
Union bis 2009 auf eine neue vertragliche Grundlage stellen. Dies geht
aus der «Berliner Erklärung» hervor, die am Sonntag bei
einem Gipfeltreffen in Berlin aus Anlass des 50.
Gründungsjubiläums der Union feierlich unterzeichnet werden
soll.
Mit dem Bekenntnis zu einer neuen «Grundlage», über
die vor den Wahlen zum Europaparlament Anfang 2009 Klarheit geschaffen
werden soll, suchen die EU-Staaten nach einem Ausweg aus der Krise, die
durch das Scheitern des EU-Verfassungsentwurfs bei Volksabstimmungen in
Frankreich und den Niederlanden ausgelöst wurde.
In der Erklärung heißt es, die «politische Gestalt
Europas» müsse «immer wieder zeitgemäß
erneuert» werden: «Deshalb sind wir heute, 50 Jahre nach der
Unterzeichnung der Römischen Verträge, in dem Ziel geeint, die
Europäische Union bis zu den Wahlen zum Europäischen
Parlament 2009 auf eine erneuerte gemeinsame Grundlage zu
stellen.» Bundeskanzlerin Angela Merkel, die als derzeitige
EU-Ratsvorsitzende den Text der Erklärung ausarbeiten ließ,
will im Juni bei einem Gipfeltreffen in Brüssel konkrete
Vorschläge für das weitere Vorgehen zur Rettung der
«Substanz» des Verfassungsentwurfs machen.
In verklausulierter Form nimmt die Erklärung zur Diskussion
über künftige Erweiterungen der EU und die von zahlreichen
Regierungen in diesem Zusammenhang als Vorbedingung geforderte
«Vertiefung» der Union Stellung: «Die Europäische
Union lebt auch in Zukunft von ihrer Offenheit und dem Willen ihrer
Mitglieder, zugleich gemeinsam die innere Entwicklung der
Europäischen Union zu festigen.» Der Euro, den 13 der 27
EU-Staaten als Währung eingeführt haben, wird so erwähnt:
«Der Gemeinsame Markt und der Euro machen uns stark.»
«Wir Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union
sind zu unserem Glück vereint», heißt es in der knapp
dreiseitigen Erklärung. Die europäische Einigung habe Frieden
und Wohlstand ermöglicht. «Der Freiheitsliebe der Menschen in
Mittel- und Osteuropa verdanken wir, dass heute Europas
unnatürliche Teilung endgültig überwunden ist.» Die
EU wahre die Eigenständigkeit und die vielfältigen Traditionen
ihrer Mitglieder. Ein Hinweis auf die christlich-jüdischen
Traditionen Europas, über den im Vorfeld diskutiert worden war,
findet sich nicht im Text. «Die offenen Grenzen und die lebendige
Vielfalt der Sprachen, Kulturen und Regionen bereichern uns»,
heißt es. In der EU würden «unsere gemeinsamen
Ideale» verwirklicht.
«Nur gemeinsam können wir unser europäisches
Gesellschaftsideal auch in Zukunft bewahren zum Wohl aller
Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union»,
heißt es weiter. In der Erklärung wird Terrorismus und
organisierter Kriminalität der Kampf angesagt. Zugleich sollten
Freiheits- und Bürgerrechte verteidigt werden. Im Kampf gegen Armut
und Hunger werde die EU weiter eine führende Rolle einnehmen. Sie
werde «weiterhin Demokratie, Stabilität und Wohlstand
jenseits ihrer Grenzen fördern».
Mit der europäischen Einigung sei «ein Traum früherer
Generationen Wirklichkeit geworden»: «Unsere Geschichte
mahnt uns, dieses Glück für künftige Generationen zu
schützen.» Die Erklärung schließt mit dem Satz:
«Denn wir wissen: Europa ist unsere gemeinsame Zukunft.»
(Quelle: dpa)
Dokumentation: Die 'Berliner Erklärung' im Wortlaut
Die Erklärung, die am Sonntag beim EU-Gipfeltreffen in Berlin
unterzeichnet wird, hat nach dpa-Informationen folgenden Wortlaut:
ERKLÄRUNG ANLÄSSLICH DES 50. JAHRESTAGES DER UNTERZEICHNUNG
DER RÖMISCHEN VERTRÄGE
Europa war über Jahrhunderte eine Idee, eine Hoffnung auf Frieden
und Verständigung. Diese Hoffnung hat sich erfüllt. Die
europäische Einigung hat uns Frieden und Wohlstand ermöglicht.
Sie hat Gemeinsamkeit gestiftet und Gegensätze überwunden.
Jedes Mitglied hat geholfen, Europa zu einigen und Demokratie und
Rechtsstaatlichkeit zu stärken. Der Freiheitsliebe
Anzeige
der Menschen in Mittel- und Osteuropa verdanken wir, dass heute Europas
unnatürliche Teilung endgültig überwunden ist. Wir haben
mit der europäischen Einigung unsere Lehren aus blutigen
Auseinandersetzungen und leidvoller Geschichte gezogen. Wir leben heute
miteinander, wie es nie zuvor möglich war.
Wir Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union sind
zu unserem Glück vereint.
I.
Wir verwirklichen in der Europäischen Union unsere gemeinsamen
Ideale: Für uns steht der Mensch im Mittelpunkt. Seine Würde
ist unantastbar. Seine Rechte sind unveräußerlich. Frauen und
Männer sind gleichberechtigt.
Wir streben nach Frieden und Freiheit, nach Demokratie und
Rechtstaatlichkeit, nach gegenseitigem Respekt und Verantwortung, nach
Wohlstand und Sicherheit, nach Toleranz und Teilhabe, Gerechtigkeit und
Solidarität.
Wir leben und wirken in der Europäischen Union auf eine
einzigartige Weise zusammen. Dies drückt sich aus in dem
demokratischen Miteinander von Mitgliedstaaten und europäischen
Institutionen. Die Europäische Union gründet sich auf
Gleichberechtigung und solidarisches Miteinander. So ermöglichen
wir einen fairen Ausgleich der Interessen zwischen den Mitgliedstaaten.
Wir wahren in der Europäischen Union die Eigenständigkeit und
die vielfältigen Traditionen ihrer Mitglieder. Die offenen Grenzen
und die lebendige Vielfalt der Sprachen, Kulturen und Regionen
bereichern uns. Viele Ziele können wir nicht einzeln, sondern nur
gemeinsam erreichen. Die Europäische Union, die Mitgliedstaaten und
ihre Regionen und Kommunen teilen sich die Aufgaben.
II.
Wir stehen vor großen Herausforderungen, die nicht an nationalen
Grenzen Halt machen. Die Europäische Union ist unsere Antwort
darauf. Nur gemeinsam können wir unser europäisches
Gesellschaftsideal auch in Zukunft bewahren zum Wohl aller
Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union. Dieses
europäische Modell vereint wirtschaftlichen Erfolg und soziale
Verantwortung. Der Gemeinsame Markt und der Euro machen uns stark. So
können wir die zunehmende weltweite Verflechtung der Wirtschaft und
immer weiter wachsenden Wettbewerb auf den internationalen Märkten
nach unseren Wertvorstellungen gestalten. Europas Reichtum liegt im
Wissen und Können seiner Menschen: dies ist der Schlüssel zu
Wachstum, Beschäftigung und sozialem Zusammenhalt.
Wir werden den Terrorismus und die organisierte Kriminalität
gemeinsam bekämpfen. Die Freiheits- und Bürgerrechte werden
wir dabei auch im Kampf gegen ihre Gegner verteidigen. Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit dürfen nie wieder eine Chance haben.
Wir setzen uns dafür ein, dass Konflikte in der Welt friedlich
gelöst und Menschen nicht Opfer von Krieg, Terrorismus oder Gewalt
werden. Die Europäische Union will Freiheit und Entwicklung in der
Welt fordern. Wir wollen Armut, Hunger und Krankheiten
zurückdrängen. Dabei wollen wir auch weiter eine führende
Rolle einnehmen.
Wir wollen in der Energiepolitik und beim Klimaschutz gemeinsam
vorangehen und unseren Beitrag leisten, um die globale Bedrohung des
Klimawandels abzuwenden.
III.
Die Europäische Union lebt auch in Zukunft von ihrer Offenheit und
dem Willen ihrer Mitglieder, zugleich gemeinsam die innere Entwicklung
der Europäischen Union zu festigen. Die Europäische Union wird
auch weiterhin Demokratie, Stabilität und Wohlstand jenseits ihrer
Grenzen fördern.
Mit der europäischen Einigung ist ein Traum früherer
Generationen Wirklichkeit geworden. Unsere Geschichte mahnt uns, dieses
Glück für künftige Generationen zu schützen.
Dafür müssen wir die politische Gestalt Europas immer wieder
zeitgemäß erneuern. Deshalb sind wir heute, 50 Jahre nach der
Unterzeichnung der Römischen Verträge, in dem Ziel geeint,
die Europäische Union bis zu den Wahlen zum Europäischen
Parlament 2009 auf eine erneuerte gemeinsame Grundlage zu stellen.
Denn wir wissen: Europa ist unsere gemeinsame Zukunft.
Quelle: dpa, 23.03.2007
|
Merkel für europäische Armee und EU-Verfassung
Sa.24.03.07 - Kurz vor der 50-Jahr-Feier der Europäischen Union hat Kanzlerin
Angela Merkel neben einer Verfassung auch eine europäische Armee
als künftiges Ziel der Gemeinschaft genannt.
"In der EU selbst müssen wir einer gemeinsamen europäischen
Armee näher kommen", sagte Merkel der "Bild"-Zeitung vom Freitag.
Eine EU-Verfassung ist aus ihrer Sicht nötig, um
Entscheidungsabläufe zu straffen. Sie verwies darauf, dass es oft
zu lange dauere, bis die 27 EU-Mitglieder eine gemeinsame Linie gefunden
hätten. Einen europäischen Bundesstaat schloss sie jedoch
für die nächsten 50 Jahre aus. Die EU zeichnet sich ihrer
Ansicht nach durch Ausgleich und Gemeinsamkeit aus. "Das heißt zum
Beispiel, dass gut Verdienende höhere Steuersätze zahlen und
dass wir ein solides Sozialsystem haben."
Gleichzeitig müsse aber darauf geachtet werden, dass soziale
Sicherheit mit der Freiheit des Einzelnen verbunden werde, sagte die
CDU-Chefin. "Diese europäische Art zu leben, das, was uns ausmacht,
wollen wir auch in der Erklärung zum 50. Jahrestag der EU
schreiben", kündigte sie an. Nach einem am Donnerstag bekannt
gewordenen Entwurf für die "Berliner Erklärung" zum
Jubiläumsgipfel am Wochenende versucht die Bundesregierung die
EU-Mitglieder auf die Ratifizierung der EU-Verfassung bis 2009
festzulegen. Allerdings ist in diesem Entwurf das Reizwort "Verfassung"
nicht enthalten, sondern nur ein indirekter Hinweis. Merkel erhofft sich
von der "Berliner Erklärung" einen Schub für den
Verfassungsprozess. Kritiker wie Großbritannien wollen aber
weitgehende Aussagen verhindern.
Merkel würdigte in der "Bild"-Zeitung die europäische
Einigung als Ursache für die längste Friedensperiode in
Europa. Dies dürfe nie als selbstverständlich angesehen
werden. Die EU sei auch Grund dafür, dass in Europa die Kluft
zwischen Arm und Reich nicht so weit wie in anderen Teilen der Welt
auseinander gedriftet sei. Sie räumte ein, in manchen Bereichen
nehme die EU-Bürokratie überhand. Auch werde in der
EU-Kommission manches nur durch die Wettbewerbsbrille gesehen, ohne die
Traditionen der Nationen zu berücksichtigen.
In einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" betonte
Merkel die Bedeutung der EU für Deutschland: "Wir brauchen Europa."
Dies gelte besonders, wenn es sich um die Bewältigung der
großen Herausforderungen der heutigen Zeit handle. "Ob es um den
Klimawandel, den Schutz vor Terrorismus und organisierter
Kriminalität oder darum geht, die Globalisierung so zu gestalten,
dass unser europäisches Lebens- und Geschäftsmodell
erfolgreich bleibt - stets merken wir, dass als einzelnes Land nicht
genug erreichen können", schrieb die Kanzlerin.
Der Verfassungsrichter Udo Di Fabio forderte unterdessen eine
deutlichere Abgrenzung der Kompetenzen zwischen der EU und den
Mitgliedstaaten. "Der seit einiger Zeit beobachtbare Hang Europas, jede
größere politische Debatte aufzugreifen und dann auch Gesetze
zu erlassen, trägt weder zur Deregulierung noch zu einer klaren
Kompetenzordnung bei", sagte er dem "Handelsblatt". Eine klare
Abgrenzung der Kompetenzen sei zwar ursprünglich Ziel der
EU-Verfassung gewesen, davon sei aber wenig geblieben. Stattdessen gebe
es erweiterte Kompetenzen für die EU etwa beim Strafrecht. Di Fabio
ist beim zweiten Senat des Bundesverfassungsgerichts für
Europarecht zuständig.
(Quelle: rtr)
Hintergrund: Die EU-Verfassung
Der Entwurf für die EU-Verfassung ist zwischen Ende 2001 und Mitte
2003 von einem «Konvent» unter Leitung von Frankreichs
Ex-Präsident Valéry Giscard D'Estaing ausgearbeitet worden.
Er wurde im Juni 2004 von allen Staats- und Regierungschefs gebilligt.
Bisher ist die Verfassung von 18 der 27 EU-Staaten ratifiziert worden.
In Frankreich und den Niederlanden stimmten die Bürger 2005 bei
Referenden gegen die Verfassung. Für das Inkrafttreten ist die
Zustimmung aller EU-Staaten nötig.
Die Verfassung ist in der deutschen Version 485 Seiten lang. Sie
besteht aus drei Teilen.
Teil I befasst sich vor allem mit dem Zusammenspiel der Institutionen
(Parlament, Kommission, Ministerrat). Er ersetzt die bisherige
Stimmengewichtung im Ministerrat durch das Prinzip der «doppelten
Mehrheit». Für die qualifizierte Mehrheit sollen künftig
55 Prozent der Mitgliedstaaten, die mindestens 65 Prozent der
Bevölkerung repräsentieren, erforderlich sein.
Die Verfassung sieht einen EU-Außenminister vor. Der
Europäische Rat (EU- Gipfel) soll einen gesonderten Vorsitzenden
für jeweils zweieinhalb Jahre wählen. Die Zahl der
EU-Kommissare soll nach einer Übergangszeit nur noch zwei Drittel
der Zahl der Mitgliedstaaten betragen.
Teil II der Verfassung besteht aus der Grundrechtecharta. Sie schreibt
die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit und
beispielsweise auch den Grundsatz der Solidarität fest. Teil III
regelt die künftigen Zuständigkeitsbereiche der Union. Er
sieht unter anderem eine neue Rechtsgrundlage für die gemeinsame
Energiepolitik vor. Außerdem soll die Regierungszusammenarbeit
(die Einstimmigkeit voraussetzt) in den Bereichen Justiz und Inneres
durch die so genannte Gemeinschaftsmethode ersetzt werden. Diese erlaubt
Beschlüsse mit qualifizierter Mehrheit und räumt dem
Parlament mehr Befugnisse ein. Dieser Teil regelt auch die
außenpolitische Zusammenarbeit.
Allein 290 Seiten des Verfassungsentwurfs entfallen auf 36 Protokolle
sowie 50 Erklärungen, die von den Mitgliedstaaten bei
Unterzeichnung des Vertrages abgegeben wurden und die offiziell als Teil
IV der Verfassung gelten.
Quelle: dpa, 23.03.2007
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Linkes Bündnis darf nicht bei Europafest protestieren
Sa.24.03.07 - Die Demonstranten gegen den EU-Sondergipfel in Berlin dürfen ihre
Abschlusskundgebung nicht in der Nähe des Europafestes abhalten.
Das beschloss das Berliner Verwaltungsgericht am Freitag. Die
Abschlusskundgebung am Sonntag muss demnach auf der
Friedrichstraße in der Nähe der Weidendammer Brücke
stattfinden. Damit bestätigten die Verwaltungsrichter eine
Anordnung der Polizei.
Ein Berliner Bündnis aus mehr als 40 linken Gruppen und
Initiativen hatte unter dem Motto «Nein zum Europa des
Kapitals» zu einem Protestzug am Sonntag aufgerufen, für den
rund 10 000 Teilnehmer erwartet werden.
Nach der Auflage der Polizei dürfen die Protestierer vom
Alexanderplatz über die Tor- und Friedrichstraße nur bis zur
Weidendammer Brücke ziehen. Das «Bündnis» wollte
hingegen so nahe wie möglich an das Europafest herankommen. Dann
sollte eine «lautstarke, sichtbare und kämpferische
Demonstration» die politischen Inhalte des Bündnisses
transportieren. Gegen die Auflagen der Polizei hat das Bündnis beim
Verwaltungsgericht einen Eilschutzantrag gestellt.
(Quelle: ddp)
Massen-Blockaden für G-8-Gipfel angekündigt
Sa.24.03.07 - Mit Massen-Blockaden will die Kampagne «Block G8» gegen das
Gipfeltreffen im Juni in Heiligendamm protestieren. «Wir werden
auf Mittel des zivilen Ungehorsams zurückgreifen», sagte die
Sprecherin der Kampagne, Frauke Banse, am Freitag in Rostock. Wenn sich
die Regierungschefs der acht mächtigsten Staaten der Erde in
Heiligendamm hinter Sperrzaun und einer Polizeiarmee abschotteten,
würden tausende Menschen die Zufahrtsstraßen zum Tagungsort
blockieren.
Mit den Blockaden werde der Tross von Begleitpersonal, Technik- und
Servicekräften sowie sonstigen Helfern und Versorgern nachhaltig
aufgehalten. So werde der breite Widerstand gege die G-8 und ihrer
Politik deutlich gemacht, erklärte Banse. Die Gipfelgegner rechnen
nach ihren Worten mit einer massiven Polizeipräsenz, der mit
Entschiedenheit, aber ohne Eskalationsabsichten, gegenübergetreten
werden soll.
Die Kampagne wird nach eigenen Angaben von einem breiten nationalen und
internationalen Bündnis von Organisationen und Einzelpersonen der
linken Friedensbewegung getragen. Die Vorbereitungen auf die Aktionen
seien bereits weit gediehen. Über mögliche Teilnehmerzahlen
könne noch nichts Näheres gesagt werden. «Wir rechnen
aber mit Tausenden», sagte Banse.
Vom 6. bis 8. Juni kommen die Regierungschefs der acht stärksten
Industrieländer zum G-8-Gipfel im Ostseebad Heiligendamm zusammen.
Neben den Staatsgästen werden Zehntausende Globalisierungskritiker
zu Protesten erwartet. Polizei und Sicherheitskräfte bereiten sich
seit Monaten darauf vor. Um das Tagungshotel wird ein Sicherheitszaun
gebaut.
(Quelle: ap)
Bundesregierung will an Sparkurs festhalten
Sa.24.03.07 - Ungeachtet jüngster Kritik will die Bundesregierung am Sparkurs
festhalten. Es müsse bei einem Mix aus Investieren, Reformieren und
Sanieren bleiben, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums nach einem
Spitzentreffen im Kanzleramt. "Unser Minister ist nicht immer allein
nur fürs Sparen zuständig", fügte der Sprecher hinzu.
Auch dem Finanzminsterium gehe es um gezielte Investitionen, so wie es
im Koalitionsvertrag festgeschrieben sei. Vor dem Treffen hatte
SPD-Fraktionschef Peter Struck eine Abkehr vom strikten Sparkurs
gefordert. Er sehe keinen großen Gegensatz zu Strucks
Äußerungen.
Alle Gesprächsteilnehmer seien sich bei dem Treffen einig gewesen,
dass auch in Zeiten konjunkturbedingt erfreulicher Steuermehreinnahmen
ein Abrücken von einem konsequenten Konsolidierungskurs nicht
angezeigt sei, teilte das Ministerium mit. "Nur ein solider Haushalt
kann die Basis schaffen für die Finanzierung strukturell
notwendiger Zukunftsprojekte." Die Besprechung habe der ersten
Information und nicht der abschließenden Beschlussfassung gedient,
da hierzu zunächst das Ergebnis der Steuerschätzung im Mai
2007 abgewartet werden muss.
An dem Treffen im Kanzleramt nahmen neben Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) auch Vizekanzler
Franz Müntefering (SPD) und Kanzleramtsminister Thomas de
Maizière (CDU) teil.
(Quelle: afp)
Einführung von Immobilien-Aktiengesellschaften beschlossen
Sa.24.03.07 - Der Bundestag hat am Freitag die lange umstrittene Einführung von
börsennotierten Immobilien-Aktiengesellschaften beschlossen. Die so
genannten Real Estate Investment Trusts (REIT) werden rückwirkend
zu Jahresbeginn zugelassen. REITs sind Aktiengesellschaften, die sich
mit Handel, Verwaltung und Verwertung von Immobilien beschäftigen.
Bestehende Mietwohnungen, die vor 2007 gebaut wurden, sind von der
Neuerung allerdings ausgenommen.
Dies begrüßte der DGB ausdrücklich: «Damit
bleiben die Heuschrecken vor der Wohnungstür. Mieter müssen
nun zunächst nicht befürchten, dass ihre vier Wände an
der Börse gehandelt, also dem Treiben der internationalen
Finanzspekulationen ausgeliefert werden», erklärte Claus
Matecki vom DGB-Bundesvorstand. Es sei schlimm genug, dass es eine
Aufweichung für Neubauwohnungen und ausländische
Wohnimmobilien gebe.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück betonte hingegen im
Bundestag, das Gesamtpaket sei attraktiv und werde positiv wirken, auch
am Arbeitsmarkt. Dies betreffe nicht nur Finanzdienstleister, sondern
auch die Bauwirtschaft und das Handwerk. Die Bundesrepublik schaffe als
letztes G7-Land den Einstieg in den internationalen REITs-Markt, sagte
der SPD-Politiker. In über 20 Ländern der Welt hätten
sich REITs als internationaler Standard für Immobilienanlagen
etabliert, so auch in Frankreich und Großbritannien.
Matecki bekräftigte hingegen, dass der DGB die Einführung von
REIT Immobilienfonds grundsätzlich ablehnt. Unter dem Strich
blieben die negativen ökonomischen und sozialen Folgen dieser
Kapitalmarktöffnung bestehen und machten eine stärkere
politische Regulierung umso dringlicher. «Der DGB fordert die
Bundesregierung deshalb auf, Verantwortung zu zeigen und im Rahmen der
EU-Präsidentschaft sowie des Vorsitzes der G8-Staaten auf eine
einheitliche Regelung der Kapitalmärkte zu dringen.»
Mit dem REITs-Status ist eine Befreiung von der Körperschaft- und
Gewerbesteuer verbunden, wenn die Aktiengesellschaft hohe
Ausschüttungen von mindestens 90 Prozent der Erträge vornimmt
und mindestens 75 Prozent der Einkünfte aus Immobilien erzielt. Das
Gesetz soll nach Hoffnung der Bundesregierung Wettbewerbsgleichheit mit
anderen europäischen Finanz- und Immobilienstandorten schaffen.
Der deutsche Mieterbund hatte gewarnt, eine Konsequenz der
REIT-Konstruktion und des Börsenhandels sei, dass hoher
Verwertungsdruck auf den Unternehmen laste. Soziale Belange des Wohnens
könnten dann keine Rolle mehr spielen.
Direktor Franz-Georg Rips hatte am Donnerstag erklärt: «Die
Politik darf nicht nur den Finanzstandort, sie muss auch den
Wohnstandort Deutschland sehen. Mit Wohnungs-REITs wären Wohnungen
im Kern zu reinen Renditeobjekten geworden, die soziale
Wohnraumversorgung und die nachhaltige Entwicklung der Städte
wären gefährdet gewesen.»
(Quelle: ap)
SPD-Linke will Körperschaftssteuer nur auf 19 Prozent senken
Sa.24.03.07 - Die SPD-Linke fordert Änderungen an der von der großen
Koalition geplanten Unternehmenssteuerreform. Um die vorgesehenen
Entlastungen aufkommensneutral zu finanzieren, verlangt die
Parlamentarische Linke (PL) der SPD-Fraktion, zu der rund 100
Bundestagsabgeordnete gerechnet werden, dass der
Körperschaftssteuersatz nur auf 19 Prozent statt auf 15 Prozent
gesenkt werden darf. Außerdem sollte auf die Einführung der
geplanten Abgeltungssteuer verzichtet werden.
PL-Sprecher Ernst Dieter Rossmann sagte am Freitag, angesichts der
durch die Koalition beschlossenen Beiträge für die Bürger
zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte "sind jährliche
Einnahmeausfälle für die Unternehmenssteuerreform bis zur
Bundestagswahl von sechs bis sieben Milliarden Euro nicht
vermittelbar.» Die Finanzlücke sei auch nicht notwendig, da
die reale Steuerbelastung für Unternehmen in Deutschland bereits
jetzt international wettbewerbsfähig sei.
In ihrem Grundsatzpapier fordert die SPD-Linke ferner, die
Bekämpfung des Steuerbetrugs durch die Einführung
automatischer Kontrollmitteilungen der Banken an die Finanzämter zu
verstärken. Außerdem dürfe die Unternehmenssteuerreform
erst dann verabschiedet werden, «wenn es gleichzeitig klare
Absprachen in der Koalition über eine Reform der Erbschaftssteuer
und über die Einführung von Mindestlöhnen gibt».
Das Kabinett hatte am 14. März die Unternehmenssteuerreform
beschlossen. Das neue Regelwerk soll 2008 in Kraft treten.
Kernstück ist die Senkung der steuerlichen Gesamtbelastung für
Unternehmen um rund neun Prozentpunkte auf knapp unter 30 Prozent. Die
Reform soll dazu führen, dass Unternehmen wieder mehr Steuern in
Deutschland zahlen und nicht Erträge im Ausland versteuern.
(Quelle: ddp)
Breites Bündnis für gesetzliche Verankerung von
Patientenverfügung
Sa.24.03.07 - Politiker von Koalition und Opposition wollen gemeinsam das
Selbstbestimmungsrecht von Patienten stärken. Bundestagsabgeordnete
von Union, SPD, FDP und Grünen legten am Freitag einen
Gesetzentwurf vor, der eine so genannte Patientenverfügung
gesetzlich verankern soll. Damit sollen Patienten Anordnungen an
Ärzte und Betreuer festschreiben können, die im Fall der
Entscheidungsunfähigkeit zu befolgen sind.
Über eine gesetzliche Verankerung der Patientenverfügung
wurde bereits in der vergangenen Legislaturperiode diskutiert. Das
Justizministerium legte im November 2004 einen Referentenentwurf vor,
zog ihn später aber wieder zurück. Im Koalitionsvertrag
verständigten sich Union und SPD darauf, das Thema wieder
aufzugreifen.
In einer Patientenverfügung kann festgehalten werden, welche
Behandlung man sich für den Fall, in dem man sich nach einem Unfall
oder bei einer schweren Krankheit nicht mehr selbst äußern
kann, wünscht oder nicht mehr wünscht. Bisher ist eine solche
Erklärung aber nicht bindend.
Nach einer von der Unionsfraktion verbreiteten Erklärung legt der
jetzt vorgelegte Gruppenantrag für die Patientenverfügung
gewisse Grenzen fest. Eine aktive Sterbehilfe soll nicht angeordnet
werden dürfen. Der Abbruch einer lebenserhaltenden Behandlung soll
nur bei irreversibel tödlichem Krankheitsverlauf möglich sein,
«wenn das dem in einer Patientenverfügung
geäußerten oder mutmaßlichen Willen des Betroffenen
entspricht».
(Quelle: ap)
Linkspartei und WASG beschließen auf Doppelparteitag über
Fusion
Sa.24.03.07 - Auf einem Doppelparteitag in der Dortmunder Westfalenhalle beraten die
Linkspartei.PDS und die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit
(WASG) am (heutigen) Samstag (10.00 Uhr) über ihren geplanten
Zusammenschluss. Bei den bis Sonntag dauernden und parallel
stattfindenden Parteitagen sollen die Delegierten die Grundlagen
für die Vereinigung schaffen, die dann im Sommer formell vollzogen
wird.
Zur Beschlussfassung stehen in Dortmund am Wochenende vor allem die
Gründungsdokumente für die neue vereinigte Partei «Die
Linke». Dazu gehören Eckpunkte für ein künftiges
Parteiprogramm, ein Parteistatut, eine Finanz- und eine Schiedsordnung.
Zum Abschluss steht dann am Sonntag auch der Verschmelzungsvertrag
beider Parteien zur Abstimmung. Dann haben die Mitglieder beider
Parteien noch einmal in Urabstimmungen das letzte Wort. Stimmen auch sie
zu, steht der Gründung der gemeinsamen Partei auf dem ersten
gemeinsamen Parteitag am 16. Juni in Berlin nichts mehr im Weg.
(Quelle: ap)
Verfassungsschutz verteidigt Beobachtung der Linkspartei
Sa.24.03.07 - Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Erich
Fromm, hat die Beobachtung der Linkspartei.PDS durch den Geheimdienst
verteidigt. Seit Jahren lägen Anhaltspunkte für
linksextremistische Bestrebungen der Partei vor, sagte Fromm der
«Berliner Zeitung» (Samstagausgabe). Nicht zuletzt
existierten extremistische Zusammenschlüsse wie die Kommunistische
Plattform, die von der Parteispitze nicht nur geduldet, sondern als
akzeptierter Bestandteil der Partei angesehen würden.
Er könne eine Behinderung der Mandatsausübung von
Bundestagsabgeordneten durch die Beobachtung nicht erkennen, sagte
Fromm. Im Übrigen habe die Partei dies selber in der Hand: Sie
könne sich ja von den Extremisten in ihren Reihen trennen.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Geologen entdecken bislang ältestes Stück der Erdkruste
Sa.24.03.07 - Das bislang älteste bekannte Stück der Erdkruste haben
Geologen auf Grönland entdeckt. Der Komplex ist Teil einer 3,8
Milliarden Jahre alten Felsformation, wie ein internationales
Forscherteam im US-Fachjournal «Science» (Bd. 315, S. 1704)
berichtet.
Die Forscher unter Leitung des norwegischen Geologen Harald Furnes von
der Universität Bergen erhoffen sich von ihrer Entdeckung neue
Erkenntnisse zur Erdgeschichte. Das Stück Erdkruste habe sich
gebildet, als der Meeresboden vor 3,8 Milliarden Jahren aufbrach. Die so
genannte Isua-Felsformation liegt im Südwesten von Grönland.
Die Erdkruste ist in mehrere Platten aufgeteilt, die ähnlich wie
Puzzle-Stücke aneinander grenzen. Nach dem System der
Plattentektonik driften die Stücke an manchen Stellen auseinander,
in den Lücken bildet sich durch aufsteigendes geschmolzenes Gestein
(Magma) neue Erdkruste. In anderen Regionen schieben sich die Teile
untereinander. Stößt eine Platte tief ins Innere der Erde
vor, so schmilzt sie wieder zu Magma.
Bei dem Fund auf Grönland sind Teile der absinkenden Platte
dagegen an die Oberfläche gedrückt worden - anstatt im
Erdinnern zu zerrinnen. Für die Forscher ist dies ein Hinweis, dass
vor 3,8 Milliarden Jahren die Plattentektonik bereits im Gange war. Dies
ist wesentlich früher, als bislang angenommen. Bisher haben
Geologen darüber gestritten, ob die Plattentektonik schon in der
frühen Erdgeschichte oder erst in der zweiten Hälfte ihrer 4,5
Milliarden Jahre langen Existenz eingesetzt hat.
(Quelle: dpa)