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Irak am neunhundertneunundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Irakischer Vizepräsident warnt vor raschem Truppenabzug.
Mindestens 47 Tote bei Anschlägen im Irak
So.25.03.07 - Der irakische Vizepräsident Tarik al Haschimi hat vor einem
baldigen Abzug der US-Truppen aus seinem Land gewarnt. Damit wäre
weder dem Irak noch westlichen Interessen gedient, sagte Al Haschimi
während eines Besuchs in Tokio am Samstag. Die Koalitionstruppen
sollten bleiben, bis die irakischen Sicherheitskräfte
eigenständig und kompetent die Lage kontrollieren könnten.
Das US-Repräsentantenhaus verabschiedete am Freitag eine
Entschließung, der zufolge Präsident George W. Bush die
Kampftruppen noch vor dem Ende seiner Amtszeit im Herbst 2008 nach Hause
holen soll. Eine entsprechende Forderung verband die demokratische
Mehrheit der Kongress-Kammer mit der Finanzierung der
Kriegseinsätze im Irak und Afghanistan.
Bei mehreren Anschlägen im Irak sind am Samstag mindestens 47
Menschen getötet worden. Der schwerste Anschlag ereignete sich im
Süden Bagdads mit 20 Toten und 26 Verletzten. Ein
Selbstmordattentäter sprengte sich in einem Lkw vor einer
Polizeiwache in die Luft. Im Stadtteil Abu Schir wurden durch zwei
Mörsergranaten drei Menschen getötet. Bei einem weiteren
Selbstmordanschlag auf eine Konditorei in der nordirakischen Stadt Tal
Afar kamen mindestens zehn Menschen ums Leben. In einem Ort
südlich der irakischen Hauptstadt tötete eine Autobombe
ebenfalls zehn Menschen.
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Unter den 26 Verletzten bei dem Anschlag im Stadtteil Dura waren acht
Polizisten. Dem Attentäter war es gelungen, in seinem mit Steinen
beladenen Lastwagen unerkannt bis vor die Polizeiwache zu fahren.
Vermutlich sei er niemandem verdächtig vorgekommen, weil vor dem
Gebäudekomplex gebaut werde, hieß es. Die Explosion sei
weithin zu hören gewesen und habe einen enormes Sprengloch
verursacht.
In der Konditorei in der nordirakischen Stadt Tal Afar habe ein Mann am
Nachmittag einen Sprengstoffgürtel gezündet, sagte der
Bürgermeister der Stadt. Tal Afar liegt etwa 400 Kilometer
nördlich von Bagdad. In der rund sechzig Kilometer südlich
von Bagdad gelegenen Ortschaft El Hassua explodierte ein mit
Sprengstoff präparierter Lkw. Zehn Menschen wurden getötet,
59 weitere verletzt. Im 50 Kilometer westlich von Bagdad gelegenen
Falludschah starben nach Polizeiangaben vier irakische Soldaten bei der
Explosion einer Bombe.
Bereits am Freitag war der stellvertretende irakische Regierungschef,
Salam el Subaji, bei einem Doppelanschlag in Bagdad schwer verletzt
worden. Neun Menschen kamen nach Angaben irakischer
Sicherheitskräfte dabei ums Leben; neben Subaji wurden 14 Menschen
verletzt. Ein Sprecher der irakischen Sicherheitskräfte sprach von
einem "minutiös" geplanten Attentat. Mehrere Wächter des
Vizeregierungschefs seien festgenommen worden und würden vernommen.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 25.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertfünfunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.25.03.06 - Mindestens 20 Menschen Opfer der Gewalt in Bagdad +++ Selbstmordattentat
gegen US-Armeekonvoi in Falludscha +++ US-Truppen starten Grossoffensive im
Raum Abu Ghraib +++ Radiosender von Anhängern Al Sadrs von
US-Soldaten besetzt +++ Christliche Gruppe will nach Geiselbefreiung weiter
im Irak arbeiten +++ US-Armee will Irakern im Juli Kontrolle der
Landesgrenzen übergeben +++ Moskau soll Bagdad zu Kriegsbeginn
über US-Strategie informiert haben...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0603250.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Afghanistan: 21 Tote bei Gefechten mit den Taliban
So.25.03.07 - Bei Gefechten zwischen Kämpfern der radikalislamischen Taliban und
Polizeikräften im Südosten Afghanistans sind 21 Menschen
getötet worden. Nach Angaben der Polizei waren unter den
Todesopfern 16 Taliban und fünf Polizisten. Die Gefechte
hätten sich an mehreren Orten abgespielt. In Tirin Kot, der
Hauptstadt der Provinz Urusgan, hätten Taliban am Freitagabend
eine Polizeiwache gestürmt und stundenlange Gefechte
ausgelöst. Auf der Straße von Kabul nach Kandahar in der
Provinzhauptstadt Kalat wurde ein weiterer Polizeiposten angegriffen.
Auch in den Provinzen Chost und Paktika wurde gekämpft.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Israel hat laut Palästinenserpräsident Abbas gegenseitige
Waffenruhe vorgeschlagen. Erneut Tote bei Kämpfen zwischen Fatah
und Hamas
So.25.03.07 - Die angestrebte Waffenruhe zwischen Israelis und Palästinensern
geht nach Angaben von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas auf
einen israelischen Vorschlag zurück. Israel habe "eine
wechselseitige und gleichzeitige Waffenruhe" vorgeschlagen, sagte Abbas
am Freitag im israelischen Fernsehsen. "Wir arbeiten jetzt auf dieser
Grundlage." Eine Waffenruhe täte beiden Seiten gut, sagte der
Palästinenserpräsident und wies Unterstellungen zurück,
dass palästinensische Kämpfer die Zeit bloß nutzen
wollten, um ihre Schlagkraft zu stärken. "Wenn Israel sie nicht
sinnvoll finden würde, hätte es sie nicht vorgeschlagen",
betonte Abbas. Zwei frühere Waffenruhen, die die Palästinenser
einseitig ausgerufen hatten, hätten nicht gehalten, erinnerte er.
Auch nach dem Amtsantritt der Koalitionsregierung von Fatah und Hamas
hält die Gewalt zwischen den rivalisierenden Parteien der
Palästinenser an. Seit der Vereidigung der neuen Regierung vor
einer Woche wurden im Gazastreifen mindestens vier Menschen
getötet, darunter ein vier Jahre alter Junge. Hunderte
Fatah-Anhänger schworen am Samstag Rache, als eines ihrer
Mitglieder beerdigt wurde.
Der Mann wurde am Freitag entführt, wie aus Sicherheitskreisen
verlautete. Wenige Stunden später wurde seine Leiche vor dem Haus
einer Familie entdeckt, die der Hamas nahe steht.
Der neue palästinensische Außenminister Siad Abu Amr reist
demnächst nach Frankreich, wie sein Stellvertreter Ahmed Suboh am
Samstag in Ramallah mitteilte. Paris habe als Termin Anfang April
vorgeschlagen, wegen Terminschwierigkeiten werde der Besuch jedoch erst
später erfolgen. Ein genaues Datum nannte Suboh nicht. Mehrere
europäische Länder, darunter Frankreich, haben Kontakte zu den
Mitgliedern der neuen palästinensischen Regierung
angekündigt, die nicht der Hamas angehören. Abu Amr ist
parteilos. Auf den Wahlsieg der Hamas im vergangenen Jahr reagierte die
internationale Gemeinschaft mit einem Boykott.
(Quellen: afp, ap)
Kongos Armee hat Kinshasa wieder unter Kontrolle
So.25.03.07 - Bei den heftigen Gefechten in der vergangenen beiden Tagen sind in der
kongolesischen Hauptstadt Kinshasa nach Angaben der UN-Mission MONUC
mehrere Dutzend Menschen getötet worden. Die genaue Zahl stehe noch
nicht fest, sagte ein MONUC-Sprecher am Samstag in Kinshasa.
Der Chef der kongolesischen Armee Sungilanga Kisempia sagte am
Freitagabend in einer Fernsehansprache, dass die Armee Kinshasa wieder
unter Kontrolle habe. Er forderte die Soldaten der Privatmiliz des
unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Jean-Pierre Bemba auf, sich
zu ergeben. «Wenn sie das nicht tun, werden wir sie bis zum Ende
verfolgen», sagte er.
Bislang hätten sich etwa 100 Soldaten aus Bembas Armee ergeben,
sagte der MONUC-Sprecher. Die Nacht zu Samstag sei
verhältnismäßig ruhig gewesen, berichteten Einwohner. Es
seien nur vereinzelt Schüsse zu hören gewesen.
Am Vortag hatte die kongolesische Regierung Bemba des Hochverrats
beschuldigt, weil er seine Privatarmee nicht aufgegeben habe. Bemba floh
in die südafrikanische Botschaft und warf der Regierung vor, ihn
töten zu wollen. Unter den Verletzten waren auch zwei Franzosen,
ein Italiener und der nigerianische Botschafter.
(Quelle: dpa)
UN-Sicherheitsrat stimmt für schärfere Sanktionen gegen Iran
So.25.03.07 - Der UN-Sicherheitsrat in New York hat einstimmig für eine
Verschärfung der Strafmaßnahmen gegen den Iran gestimmt. Die
von allen 15 Ratsmitgliedern gebilligt Resolution enthält unter
anderem ein Verbot von Waffenausfuhren und das Einfrieren weiterer
Konten. Sie ist damit eine Verschärfung der letzten Resolution von
Ende Dezember. Teheran hatte die Forderungen der UNO missachtet und
weiterhin Uran anreichert. US-Außenstaatssekretär Nicholas
Burns bezeichnete die neue Resoltion als "internationale Rüge"
für Teheran, das nun noch stärker isoliert werde.
"Wir fordern den Iran nochmals auf, allen internationalen
Verpflichtungen nachzukommen", sagte der britische UN-Botschafter Emyr
Jones Parry. Großbritannien hatte in Koautorschaft mit Frankreich
und Deutschland den Entwurf eingebracht. Die Sechsergruppe bot dem Iran
zugleich weitere Gespräche an, um zu einer diplomatischen
Lösung im Atomstreit zu kommen.
Die neue Resolution umfasst ein Waffenexportverbot, das Einfrieren
aller Auslandsvermögen von 28 weiteren iranischen
Regierungsmitgliedern und Institutionen, die mit dem Nuklerar- und
Raketenprogramm in Zusammenhang stehen, und beschränkt
Finanzhilfen und Darlehen an den Iran. Der Regierung in Teheran wird
eine Frist von 60 Tagen gesetzt, um die UN-Forderungen zu
erfüllen. Andernfalls droht die Resolution "weitere angemessene
Maßnahmen" nach Artikel 41 der UN-Charta an - das schließt
militärische Maßnahmen aus.
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad war bei der Sitzung
in New York nicht anwesend. Nach Angaben der Regierung in Teheran
hatten die USA die Ausstellung der für seine Einreise
erforderlichen Visa in die Länge gezogen. Washington bestritt
dies. Dem Präsidenten und seiner Delgation seien die notwendigen
Dokumente rechtzeitig zugestellt worden.
Ahmadinedschad hatte zuvor neue Vorschläge im Atomstreit
angekündigt und erneut bestritten, dass sein Land unter dem
Deckmantel der friedlichen Nutzung der Kernenenergie eine Atombombe
entwickeln wolle. Vor allem die USA verdächtigen den Iran, an der
Herstellung von Atomwaffen zu arbeiten.
(Quelle: afp)
Matrosenfestnahme: Teheran und London auf Konfrontationskurs
So.25.03.07 - Nach der Festnahme von 15 britischen Marine-Angehörigen im
Persischen Golf hat sich die Krise zwischen Großbritannien und
dem Iran zugespitzt. Die britische Regierung bestellte am Samstag den
iranischen Botschafter Rasul Mowahedian erneut ins
Außenministerium ein und verlangte die "sofortige Freilassung"
der Matrosen. Der Iran verurteilte es seinerseits scharf, dass
britische Kräfte "rechtswidrig" in seine Hoheitsgewässer
eingedrungen seien.
Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft forderte die sofortige
Freilassung der britischen Seeleute. Die Sprecherin des
Außenministeriums in London sagte, der iranische Botschafter sei
erneut einbestellt worden, weil Großbritannien die Forderungen
vom Vortag wiederholen wolle. Außenministerin Margaret Beckett
sei "äußerst verstört" über die Festnahme. Die
Regierung verlange eine "vollständige Erklärung" von Teheran.
Der Iran verschärfte seinerseits den Ton und verurteilte es, dass
britische Kräfte "rechtswidrig" in seine Hoheitsgewässer
eingedrungen seien. Es handele sich um einen "verdächtigen"
Vorgang, der gegen weltweit gültige Regeln verstoße,
erklärte ein iranischer Außenamtssprecher.
Großbritannien habe die Souveränität der Islamischen
Republik verletzt und könne sich "unter keinem Vorwand" seiner
Verantwortung entziehen.
Die 15 britischen Seeleute - unter ihnen dem britischen Sender BBC
zufolge auch eine Frau - wurden in die iranische Hauptstadt Teheran
gebracht, wie die iranische Nachrichtenagentur Fars meldete. Der
iranische General Aliresa Afschar sagte der Agentur, die Matrosen
hätten "zugegeben", dass sie rechtswidrig in iranische
Gewässer eingedrungen seien.
Nach Angaben der britischen Regierung waren die Seeleute dagegen in
irakischem Hoheitsgebiet unterwegs. Sie hätten im Schatt el Arab -
der den Iran vom Irak trennt und weiter südlich in den Persischen
Golf mündet - routinemäßig ein Handelsschiff
kontrolliert, als die iranische Marine die beiden Boote zwangsweise in
iranische Gewässer geleitet habe.
Die britische Presse stellte Vermutungen an, dass der Iran mit der
Festnahme womöglich Druck auf den Westen ausüben wolle, bevor
der UN-Sicherheitsrat über schärfere Strafen gegen das Land
abstimmen wollte.
(Quelle: afp)
Mexiko-Stadt nimmt Waffen im Austausch für Computer zurück
So.25.03.07 - Mexiko-Stadt bietet seinen Einwohnern einen ungewöhnlichen Tausch
an, um die Gewalt in der Millionenstadt einzudämmen: Wer ab
kommender Woche seine Waffe bei der Stadtverwaltung abgibt, bekommt
dafür einen Computer mit einem Softwarepaket des US-Konzerns
Microsoft, wie die Stadt am Freitag (Ortszeit) mitteilte. Das Angebot
gilt allerdings nur für Waffen mit einem Kaliber von mindestens 9
Millimeter. Im Austausch für kleinkalibrige Schusswaffen bietet die
Stadt 2500 Pesos (gut 200 Euro) und einen Fresskorb im Wert von 500
Pesos an.
(Quelle: afp)
Feiern zum EU-Jubiläum beginnen mit Ruf nach Reformen
So.25.03.07 - Mit einem Konzert unter der Regie des Stardirigenten Sir Simon Rattle
hat der EU-Gipfel zum Gründungsjubiläum der Gemeinschaft
begonnen. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Mann
Joachim Sauer empfingen am Samstagabend die Staats- und Regierungschefs
der übrigen 26 EU-Staaten in der Berliner Philharmonie. Vor dem
festlichen Auftakt des Gipfels waren bei Spitzentreffen der
europäischen Parteien erneut Meinungsverschiedenheiten über
die Zukunft der EU deutlich geworden.
Zwar schlossen sich zahlreiche Europapolitiker sowie SPD-Chef Kurt Beck
dem Ruf Merkels nach einer grundlegenden Reform der EU bis zum
Frühjahr 2009 an. Die Menschen hätten vor der nächsten
Europawahl Anspruch darauf zu erfahren, «wie wir uns eine
handlungsfähige, erneuerte Europäische Union
vorstellen», erklärte die Bundeskanzlerin bereits am Morgen
in einer Videobotschaft. Auf einem Treffen der Europäischen
Volkspartei (EVP) mit Spitzenvertretern anderer konservativer Parteien
Europas räumte die CDU-Vorsitzende aber indirekt ein, dass es noch
Widerstände gegen ihre Pläne gebe. «Wir nehmen die
Stimmungen in den einzelnen Ländern ernst», sagte Merkel.
Der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende
bekräftigte auf dem EVP-Treffen seine Kritik am Entwurf für
einen europäischen Verfassungsvertrag, an dem Merkel trotz eines
klaren Neins der Niederländer im Jahr 2005 festhalten will:
«Das Wort Verfassung brauchen wir nicht», sagte Balkenende.
Dagegen forderte der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude
Juncker, es müsse berücksichtigt werden, dass 18 der 27
EU-Staaten den Verfassungsvertrag bereits ratifiziert hätten.
In einer von der EVP verabschiedeten Erklärung taucht der Begriff
«Verfassung» ebenso wenig auf wie in der Erklärung der
sozialdemokratischen Parteien Europas (SPE). Der CSU-Vorsitzende Edmund
Stoiber erklärte, er sei dennoch zuversichtlich, dass «die
Substanz der Verfassung» letztlich von allen EU-Regierungen
akzeptiert werden würde.
Auch SPD-Chef Kurt Beck und der Präsident der SPE, der ehemalige
dänische Ministerpräsident Poul Nyrup Rasmussen, zeigten sich
optimistisch, dass eine Einigung über den Verfassungsvertrag
gelingen werde. Die «Berliner Erklärung» zum 50.
Gründungsjubiläum der EU, die am Sonntag von allen 27
EU-Staats- und Regierungschefs angenommen werden soll, sei dafür
ein Anfang. Rasmussen betonte indes, in der weiteren Debatte über
den Verfassungsvertrag müssten die sozialen Aspekte gestärkt
werden.
In ihrer am Samstag verabschiedeten Erklärung forderte die SPE
«neue, gute Beschäftigung mit fairer Vergütung»
und mahnte, «eine ökonomische Abwärtsspirale»
müsse vermieden werden. Die EVP sprach sich in ihrer
Erklärung für die «Erhaltung von
Wettbewerbsfähigkeit und sozialer Sicherheit im Sinne der Freiheit
und sozialen Verantwortung» aus. Anders als in der
«Berliner Erklärung» wird in dem EVP-Papier explizit
auf die «jüdisch-christlichen Wurzeln Europas»
verwiesen.
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof
Wolfgang Huber, forderte einen Gottesbezug auch in der EU-Verfassung.
Das europäische Menschenbild beruhe «auf der
Überzeugung, dass Gott den Menschen nach seinem Bild geschaffen
hat», schrieb Huber in einem Gastbeitrag für die «Bild
am Sonntag».
Offenbar aus Protest gegen den EU-Gipfel in Berlin wurde am frühen
Samstagmorgen im Bezirk Mitte ein Transporter in Brand gesteckt, der
als «Europa-Infomobil» gekennzeichnet war. An dem
Gebäude der Firma, der das Fahrzeug gehört, wurden
Farbschmierereien mit Bezug zum EU- und G-8-Gipfel entdeckt, wie die
Polizei mitteilte.
(Quelle: ap)
Auch Kampf gegen illegale Einwanderung soll EU-Ziel werden
So.25.03.07 - Bei dem Jubiläumsgipfel der Europäischen Union in Berlin ist
bis zuletzt um die Formulierung der Berliner Erklärung als
Herzstück der Feierlichkeiten gerungen worden. Spanien setzte
schließlich durch, dass auch der Kampf gegen die illegale
Einwanderung als EU-Ziel eingefügt wird. Deutschlands
Bundeskanzlerin Angela Merkel will den Text am heutigen Sonntag im
Namen der 27 Staats- und Regierungschefs unterzeichnen. Sie erhofft
sich davon auch einen Impuls für die Verfassungsdiskussion.
Bundespräsident Horst Köhler forderte die EU zu mehr
Bürgernähe auf.
In der Textpassage der Berliner Erklärung soll es nun
heißen: "Wir werden den Terrorismus, die organisierte
Kriminalität und die illegale Einwanderung gemeinsam
bekämpfen." Spanien hat an dem Thema wegen der zahlreichen
Flüchtlinge, die unter anderem auf den Kanaren ins Land kommen,
ein besonderes Interesse.
Der Sondergipfel begann am Samstagabend mit einem Festkonzert der
Berliner Philharmoniker, zu dem Merkel zusammen mit ihrem Ehemann
Joachim Sauer die Staats- und Regierungschefs der übrigen 26
Mitgliedstaaten begrüßte. Anlass für die
Feierlichkeiten ist die Unterzeichnung der europäischen
Gründungsdokumente vor 50 Jahren in Rom.
Deutschlands Bundespräsident Horst Köhler sagte im Schloss
Bellevue bei einem Abendessen für die Staats- und Regierungschefs,
die EU sei mehr als ein "wirtschaftlicher Zweckverband". Er frage sich
aber manchmal, ob "Konferenzeuropa" dem Leben der Bürger genug
Aufmerksamkeit widme.
Zugleich rief Köhler die EU zu institutionellen Reformen auf.
Merkel verspricht sich von den Festlichkeiten auch positive
Auswirkungen auf die festgefahrene Debatte um die EU-Verfassung. In der
Berliner Erklärung ist das Reizwort "Verfassung" allerdings auf
Druck von Ländern wie den Niederlanden oder Tschechien ausgespart.
Der Papst richtete in Rom ungewöhnlich scharfe Worte an die EU. Er
warf der Union eine "einmalige Form der Apostasie" vor, eine Abwendung
vom Glauben. Europa scheine "mehr und mehr die Existenz universeller
und absoluter Werte in Frage zu stellen". In der Berliner
Erklärung gibt es keinen Verweis auf das christliche Erbe der EU.
(Quelle: afp)
Linkspartei.PDS und WASG stellen erste Weichen für Fusion
So.25.03.07 - Linkspartei und WASG steuern trotz Differenzen bei ihrem
Doppelparteitag in Dortmund zielstrebig auf ihre Fusion zu. Zwar kamen
die Delegierten am Samstag in den Westfalenhallen etwa bei den Themen
Auslandseinsätze der Bundeswehr und Regierungsbeteiligungen noch
nicht auf einen gemeinsamen Nenner.
Lange Grundsatzdebatten und größerer Widerstand gegen
Positionen der Parteivorstände blieben aber zunächst aus. Die
Parteichefs rechneten mit klaren Mehrheiten für die
Gründungsdokumente an diesem Sonntag.
Unterdessen kam es zu einem Schlagabtausch zwischen Vizekanzler Franz
Müntefering (SPD) und Linksfraktionschef Oskar Lafontaine.
Müntefering sagte in der «Bild am Sonntag» über
den früheren SPD-Chef: «Lafontaine hat die Partei und die
linke, sozialdemokratische Idee verraten.» Er schloss eine
Koalition mit der neuen linken Partei nach der Bundestagswahl 2009 aus.
Lafontaine sagte: «Müntefering ist die Karikatur eines
Sozialdemokraten.» Er sei mitverantwortlich für die
Beteiligung an völkerrechtswidrigen Kriegen, die Rente mit 67, die
Wahlniederlagen der SPD und die Austritte hunderttausender
SPD-Mitglieder aus der Partei.
Die Spitzen von Linkspartei und Wahlalternative Arbeit und soziale
Gerechtigkeit (WASG), Lothar Bisky und Klaus Ernst, beschworen die
insgesamt 800 Delegierten, die für den 16. Juni geplante
Gründung der neuen linken Partei perfekt zu machen. «Die
Chance, die wir haben, kommt nie wieder. Also nutzen wir sie»,
mahnte Bisky. Ernst sagte: «Wir brauchen eine starke Linke, damit
das Volk überhaupt wieder eine Vertretung hat.» Über
den Verschmelzungsvertrag soll es vom 30. März bis zum 18. Mai
Urabstimmungen in beiden Parteien geben.
Die Fusionskritikerin Lucy Redler (WASG Berlin) warf der Linkspartei
Anpassung an «kapitalistische Sachzwänge» vor. Eine
Linke dürfte sich aber nicht beugen. Redler warnte, in der neuen
Partei werde «die Fraktion alles, der Vorstand wenig und die
Basis so gut wie nichts zu sagen haben». Sie erhielt dafür
wenig Beifall.
Den Delegierten lagen mehrere hundert Anträge zu den Eckpunkten
für das Programm der neuen Partei «Die Linke», zur
Satzung sowie zur Finanz- und zur Schiedsordnung vor. Während die
Linkspartei bei Abstimmungen über die Eckpunkte für ein
Programm der geplanten neuen Partei weichere Formulierungen
akzeptierte, forderte die WASG ein bedingungsloses Nein bei
Bundeswehreinsätzen unter UN-Mandat sowie höhere Hürden
für eine Regierungsbeteiligung. Möglicherweise müssen
die Delegierten an diesem Sonntag über neue Formulierungen
entscheiden. Vereinbart ist, dass die Programm-Eckwerte nur
geändert werden, wenn beide Parteien den Änderungen zustimmen.
Bisky sagte, die Zukunft beider Parteien liege «eindeutig im
Zusammengehen». Mit der neuen Partei könne man «die
Erfahrungen aus beiden Systemen zusammenbringen, werten und bewahren,
auf gleicher Augenhöhe». Er sei «überzeugt, dass
das eine zeitgemäße, eine richtige, eine längst
überfällige Entscheidung ist». Es gehe um einen
«gesellschaftlichen Aufbruch» und eine sozialere Politik.
Er warf der Bundesregierung eine «verstaubte» und
kinderfeindliche Familienpolitik, eine Verstrickung Deutschlands in
militärische Abenteuer und Konzeptlosigkeit im Kampf gegen
Arbeitslosigkeit vor.
Ernst sagte, der Tornado-Einsatz in Afghanistan, die Renten- und die
Gesundheitsreform seien laut Umfragen gegen den Willen einer breiten
Mehrheit in der Bevölkerung beschlossen worden. Die WASG habe in
ihrer kurzen Parteigeschichte schon große Erfolge erzielt.
«Es wird wieder über Mindestlohn diskutiert, das ist so ein
Erfolg.» Nur mit einer solchen starken Linken sei das Volk
überhaupt wieder politisch vertreten.
(Quelle: dpa)
Bundesärztekammer gegen Gesetz zur Patientenverfügung
So.25.03.07 - Die Bundesärztekammer macht Front gegen die geplante gesetzliche
Verankerung der Patientenverfügung. «Es ist schon gut
geregelt. Ein Gesetz wird nur neue Probleme bringen», sagte
Ärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe laut einem am
Samstag veröffentlichten «Spiegel»-Bericht.
Politiker von Union, SPD, FDP und Grünen hatten am Freitag einen
Gesetzentwurf vorgelegt, über den am Donnerstag der Bundestag
beraten soll. Danach können Patienten rechtlich verbindliche
Anordnungen verfassen, die Ärzte und Betreuer im Fall der
Entscheidungsunfähigkeit zu befolgen haben. Bisher sind solche
Erklärungen nicht bindend.
Der Gruppenantrag legt aber auch bestimmte Grenzen fest. Eine aktive
Sterbehilfe soll nicht angeordnet werden dürfen. Der Abbruch einer
lebenserhaltenden Behandlung soll nur bei irreversibel tödlichem
Krankheitsverlauf möglich sein, wenn das dem in einer
Patientenverfügung geäußerten oder mutmaßlichen
Willen des Betroffenen entspricht.
Hoppe sagte, der Effekt der Neuregelung wäre nicht die Absicherung
von Patientenverfügungen, sondern deren Verhinderung. «Ein
Großteil der acht Millionen Verfügungen in Deutschland
wäre dann wertlos», betonte er. «Die
Reichweitenbeschränkung führt praktisch zu einer
Lebensverlängerung um jeden Preis. Das lehnt die Ärzteschaft
ganz klar ab.»
Nach einer Umfrage von TNS Forschung für den «Spiegel»
vertrauen nur 52 Prozent der Befragten, am Lebensende von Ärzten
«angemessen und menschenwürdig» behandelt zu werden.
44 Prozent haben in dieser Frage kein Vertrauen. 59 Prozent gaben an,
am Lebensende nicht länger behandelt werden zu wollen, wenn alles
dafür spricht, dass sie nie wieder das Bewusstsein erlangen werden.
(Quelle: ap)