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Irak am tausendsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Vize-Präsident Cheney warnt vor plötzlichem Truppenabzug
aus dem Irak. Dutzende Tote bei Anschlägen. Seit Kriegsbeginn
mindestens 3.239 US-Soldaten im Irak getötet
Mo.26.03.07 - Der stellvertretende US-Präsident Dick Cheney hat vor einem
abrupten Abzug der US-Truppen aus dem Irak gewarnt. "Ein
plötzlicher Rückzug unserer Koalition würde viele
Bemühungen zunichte machen, die in den weltweiten Kampf gegen den
Terror gegangen sind", sagte Cheney bei einer Veranstaltung im
US-Bundesstaat Florida. Das Ergebnis wären "Chaos und wachsende
Gefahr", warnte er. "Um unserer eigenen Sicherheit willen werden wir
nicht zuschauen und das geschehen lassen." Die Vereinigten Staaten
würden ihren Einsatz zu Ende bringen, "und wir werden uns
durchsetzen."
Das US-Repräsentantenhaus hatte am Freitag - gegen den Widerstand
von US-Präsident George W. Bush - einen Kriegshaushalt
verabschiedet, der für den Abzug der US-Truppen aus dem Irak eine
Frist bis August nächsten Jahres setzt.
Bush kündigte daraufhin seinen Widerstand an, aber die Demokraten
machten klar, dass sie hart bleiben würden: Die Zeit, in der der
Kongress dem Präsidenten Blankoschecks ausgestellt habe, sei
vorbei, sagte der demokratische Abgeordnete Paul Hodes. Bush solle
darauf hören, was die amerikanische Bevölkerung wolle.
Ungeachtet der andauernden US-Sicherheitsoffensive sind am Wochenende
im Irak wieder fast 80 Menschen bei Anschlägen ums Leben gekommen.
Die folgenschwerste Bombenexplosion ereignete sich am Samstag vor einer
Polizeiwache in Bagdad: Der Selbstmordattentäter riss mindestens
20 Menschen mit in den Tod. Der irakische Vizepräsident Tarik al
Haschimi warnte vor einem baldigen Abzug der US-Truppen. Es drohe ein
Sicherheitsvakuum, das zum Bürgerkrieg führen könne.
Der Attentäter, der seine Autobombe vor dem Tor einer
Polizeistation im Bagdader Stadtteil Dora zur Explosion brachte, nutzte
Bauarbeiten auf dem Gelände aus. Der Sprengsatz sei unter
Ziegelsteinen auf der Ladefläche eines Lkw versteckt gewesen,
sagte ein Polizeisprecher. Unter den Todesopfern waren mindestens
fünf Polizisten und mehrere Häftlinge. 26 Menschen wurden
verletzt. Im selben Stadtteil schlugen nur rund drei Stunden zuvor zwei
Mörsergranaten ein. Drei Menschen kamen ums Leben, sieben weitere
wurden verletzt.
Nordwestlich von Bagdad, in Tal Afar, sprengte sich am Samstag ein
Selbstmordattentäter in einer Bäckerei in die Luft und
tötete zehn Menschen. Der Tatort liegt in einem belebten
Stadtteil, der überwiegend von sunnitischen Irakern turkmenischer
Abstammung bewohnt wird. Tal Afar war bis vor eineinhalb Jahren eine
Hochburg irakischer Rebellen. In Haswa, etwa 50 Kilometer südlich
von Bagdad, explodierte am Samstag eine Autobombe in der Nähe
einer schiitischen Moschee. Zehn Menschen wurden getötet und fast
40 weitere verletzt.
Offenbar aus Rache verübten schiitische Aufständische am
Sonntag einen Bombenanschlag auf eine sunnitische Moschee in Haswa. Das
Gebäude war jedoch zum Zeitpunkt der Explosion leer, Verletzte gab
es nicht. Die Bombe sprengte ein Loch in das Minarett.
Im Irak sind am Sonntag fünf US-Soldaten durch Bomben getötet
worden, vier davon bei einem einzigen Anschlag. Sie befanden sich nach
Angaben der US-Streitkräfte in der Provinz Dijala auf Patrouille,
als ihr Fahrzeug von einem Sprengsatz getroffen wurde. Zwei Soldaten
wurden außerdem verletzt. Eine zweite Bombe tötete einen
Soldaten der multinationalen Division im Nordwesten Bagdads, zwei
weitere wurden verletzt. Sie sollten die Strecke nach Bomben absuchen.
Bei 138 derartigen Einsätzen in der vergangenen Woche seien 21
Sprengsätze entdeckt worden. Seit Beginn der Invasion im März
2003 wurden damit laut einer Zählung der Nachrichtenagentur AP im
Irak mindestens 3.239 US-Soldaten getötet.
Eine mit dem Terrornetzwerk Al Kaida verbundene Gruppe bekannte sich am
Wochenende zu einem Anschlag auf UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.
Ban war dem Angriff am Donnerstag in Bagdad knapp entgangen. Die Gruppe
Islamischer Staat von Irak erklärte im Internet, es sei ihr
gelungen, das streng abgeschirmte Regierungsviertel in der
«Grünen Zone» mit Mörsern zu beschießen,
als der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki und Ban eine
gemeinsame Pressekonferenz abhielten.
Die gleiche Gruppe bekannte sich auch zu drei Selbstmordanschlägen
in Anbar. In der Erklärung hieß es, dabei seien 45
Polizisten getötet und weitere 48 verletzt worden. Die
Behörden sprachen dagegen von sechs Getöteten, unter ihnen
fünf Polizisten. Offiziellen Angaben zufolge fielen der Gewalt
allein am Samstag 74 Menschen zum Opfer oder wurden tot aufgefunden.
Der irakische Vizepräsident Al Haschimi kritisierte während
eines Besuchs in Tokio die Entscheidung des
US-Repräsentantenhauses für einen Abzug aus dem Irak. Ein
kurzfristiger Rückzug diene weder dem Irak noch den westlichen
Interessen. «Das könnte zu Chaos führen, und Chaos zum
Bürgerkrieg», sagte Al Haschimi.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 26.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertsechsunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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US-Kongressabgeordnete erwägen offenbar Amtsenthebungsverfahren
gegen Bush
Mo.26.03.07 - In der Debatte um die Irak-Politik von George W. Bush ziehen
Abgeordnete des US-Kongresses offenbar eine Anklage wegen Amtsvergehen
gegen den Präsidenten in Betracht. Einige sähen dies als
Option an, sollte Bush trotz der wachsenden Ablehnung des Irak-Kriegs
an seinem Kurs festhalten, sagte der republikanische Senator Chuck
Hagel am Sonntag in Washington. Wenn Bush weiterhin nicht darauf
reagiere, «was die Leute in diesem Land über den Irak
sagen», dann «gibt es Wege, damit umzugehen»,
erklärte Hagel.
Im Senat soll am (heutigen) Montag die Debatte über ein Gesetz zu
den von Bush beantragten Kriegskosten beginnen, in dem ein Abzug der
US-Truppen aus dem Irak bis Ende März 2008 gefordert wurd. Die
demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus billigte am Freitag
eine Entschließung, in der die Finanzierung der
Kriegseinsätze im Irak und in Afghanistan mit einem Rückzug
der Truppen bis spätestens Herbst 2008 verbunden wird. Bush hat
bereit sein Veto angekündigt.
(Quelle: ap)
Ban und Rice wollen Friedensprozess in Nahost wieder anstoßen
Mo.26.03.07 - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und US-Außenministerin
Condoleezza Rice haben am Wochenende im Nahen Osten für eine
Wiederaufnahme der Friedensgespräche geworben. Ban
begrüßte in Kairo die Bildung der palästinensischen
Einheitsregierung und forderte sie auf, die Erwartungen der
internationalen Gemeinschaft zu erfüllen. Rice wollte sich am
Sonntag zunächst mit dem palästinensischen Präsidenten
Mahmud Abbas treffen und danach mit Ban sprechen.
Bei seiner Ankunft in Israel am Samstag sprach der
UN-Generalsekretär von einer neuen Dynamik im Friedensprozess.
«Die Kontakte zwischen israelischen und palästinensischen
Politikern wurden wieder aufgenommen, das (Nahost-)Quartett ist aktiver
geworden und hofft, sich bald in der Region treffen zu
können», erklärte Ban. «Und es gibt eine neue
Entschlossenheit in der arabischen Welt, die Friedensinitiative von 2002
neu zu beleben.» Die Herausforderung bestehe jetzt darin, dieses
Potenzial in einen greifbaren Fortschritt umzuwandeln.
Am Sonntag besuchte Ban zunächst ein Flüchtlingslager im
Westjordanland und inspizierte den von Israel errichteten Sperrwall. Der
palästinensische Gouverneur von Bethlehem, Salah Tameri,
berichtete Ban von den Auswirkungen des israelischen Reiseverbots und
des Sperrwalls auf das Leben der Palästinenser. Ban sagte, der
Besuch habe seine Entschlossenheit verstärkt, sich für den
Frieden im Nahen Osten einzusetzen. Viele Menschen hätten unter dem
Sperrwall zu leiden. Der Generalsekretär fuhr danach zum Amtssitz
von Präsident Abbas und legte einen Kranz am Grab von dessen
Vorgänger Jassir Arafat nieder.
In Kairo hatten Ban und Rice sich zuvor mit den Außenministern
Ägyptens, Jordaniens, Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen
Emirate zu Gesprächen über den Nahost-Konflikt getroffen.
Dabei wollte Rice nach Angaben aus US-Regierungskreisen um eine
größere Unterstützung der arabischen Welt für den
Friedensplan des Nahost-Quartetts werben. Am Mittwoch findet in
Saudi-Arabien ein Nahost-Gipfeltreffen statt, auf dem es um die
saudische Friedensinitiative von 2002 für einen umfassenden Frieden
zwischen Israel und der arabischen Welt gehen soll.
Am Freitag sprach sich Rice erneut für einen unabhängigen
palästinensischen Staat aus. Wenn Israel und die Palästinenser
sich nicht einig würden, könnten die USA eines Tages
womöglich einen eigenen Lösungsvorschlag einschließlich
der künftigen Grenzziehung unterbreiten, sagte sie in Washington.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert warf Abbas am
Sonntag Wortbruch vor. Abbas habe immer wieder zugesagt, die
palästinensische Einheitsregierung werde erst nach der Freilassung
des verschleppten israelischen Soldaten Gilad Schalit gebildet, sagte
Olmert vor der Kabinettssitzung. Die Palästinenser haben
bestritten, dass Abbas eine solche Zusage machte.
Vor einem umstrittenen Referendum über geplante
Verfassungsänderungen wies Ägypten jegliche Einmischung aus
dem Ausland zurück. Kairo reagierte damit auf Äußerungen
von Rice, die sich wegen des Schritts besorgt gezeigt hat. Kairo werde
eine solche Einmischung in innere Angelegenheiten auch von Freunden
nicht hinnehmen, sagte Außenminister Ahmed Abul Gheit am Samstag.
Rice hatte zuvor erklärt, die Gesetzesänderungen würden
möglicherweise nicht dem erklärten Ziel gerecht, allen
Ägyptern ein politisches Mitspracherecht zu gewähren.
Über die geplanten Verfassungsänderungen soll am Montag in
einem Referendum abgestimmt werden.
(Quelle: ap)
Uruguayischer Anwalt fordert Auslieferung Henry Kissingers
Mo.26.03.07 - Der Anwalt eines Opfers der Militärdiktatur in Uruguay hat die
Auslieferung des ehemaligen US-Außenministers Henry Kissinger an
das südamerikanische Land gefordert. Die zuständige
Staatsanwältin prüfe nun den Antrag, in dem es um die
Verwicklung des US-Außenministeriums in die so genannte Operation
Condor gehe, hieß es in einem Medienbericht. Anwalt Gustavo Salle
vertritt die Familie des linken Aktivisten Bernardo Arnone, der im
Oktober 1976 verhaftet worden war. Zusammen mit einer Gruppe weiterer
politischer Gefangener wurde er in die argentinische Hauptstadt Buenos
Aires geflogen und verschwand dort. Vermutlich wurden die Gefangenen
umgebracht.
(Quelle: afp)
Weisrussland: Demonstranten in Minsk fordern politische Reformen
Mo.26.03.07 - Rund 3.000 Gegner des weißrussischen Staatschefs Alexander
Lukaschenko sind am Sonntag in Minsk mit der Forderung nach politischen
Reformen auf die Straße gegangen. Anlass des Protestmarschs war
der Jahrestag der Gründung des ersten weißrussischen Staates
1918, den die Opposition als «Tag der Freiheit» begeht.
Bereits eine Stunde vor Beginn der Demonstration blockierte die Polizei
den Oktoberplatz im Zentrum der Hauptstadt mit Absperrgittern. Die
Anhänger der Opposition sammelten sich in den umliegenden
Straßen. Vereinzelt versuchten Demonstranten, die Polizeikette zu
durchbrechen.
Im vergangenen Jahr waren bei einer Demonstration am gleichen Tag
mehrere hundert Teilnehmer verhaftet worden, die Kundgebung wurde mit
dem Schlagstock aufgelöst.
«Heute ist die Stimmung der Leute nicht mehr so wie vor einem
Jahr, als viele an einen schnellen Wandel glaubten», sagte
Oppositionsführer Alexander Milinkewitsch am Samstagabend der
Nachrichtenagentur AP. Den Erfolg der Demonstration werde er daran
messen, ob die Anhänger der Opposition auf den Platz gelangen und
wieder sicher nach Hause zurückkehren könnten.
An die Demonstranten in Minsk gerichtet sagte die deutsche
Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag in Berlin: «Die
Menschenrechte sind unteilbar. Europa ist auf Ihrer Seite!» Die
Überwindung der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa sei
«eine große Hoffnung auch für diejenigen in Europa, die
noch immer unter Unterdrückung leiden müssen - wie die
Menschen in Weißrussland.» Kommissionspräsident
José Manuel Barroso sagte während des Berliner Sondergipfels
zum 50. Jahrestag der Römischen Verträge, die EU strebe eine
volle Partnerschaft mit Weißrussland an. «Ich hoffe sehr,
dass die Regierung von Weißrussland das Ihre tut und die Reformen
einleitet, die ihr Volk benötigt.»
Die Regierung Lukaschenko lud für Sonntag überraschend zu
einem Konzert und einer Kundgebung zum Jahrestag ein, der bislang von
Lukaschenko stets ignoriert worden war. Der erste weißrussische
Staat wurde nach nur zehn Monaten von den Moskauer Bolschewiken
überrannt.
(Quelle: ap)
EU-Jubiläumsgipfel verabschiedet 'Berliner Erklärung'
Mo.26.03.07 - Die EU-Staats- und Regierungschefs haben zum 50. Gründungstag der
Gemeinschaft eine «Berliner Erklärung» über die
gemeinsamen Wurzeln, Werte und Herausforderungen der 27 Mitgliedstaaten
angenommen. Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel als
EU-Ratspräsidentin, EU-Kommissionschef José Manuel Barroso
und EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering unterzeichneten
das Dokument am Sonntag in Berlin. In der Erklärung bekennen sich
die Staats- und Regierungschefs zu einer Reform der EU bis zum Jahr
2009.
Bundeskanzlerin Merkel appellierte auf dem Jubiläumsgipfel im
Deutschen Historischen Museum auf einem Festakt erneut eindringlich an
alle europäischen Regierungen, die EU bis zur Europawahl 2009
«auf eine erneuerte gemeinsame Grundlage zu stellen». Diese
Formulierung findet sich auch in der Berliner Erklärung. Das
Dokument enthält aber keinen ausdrücklichen Bezug auf den
umstrittenen Entwurf für eine europäische Verfassung, der eine
tief greifende Reform der EU vorsah.
Merkel machte in ihrer Rede deutlich, dass sie sich eine Verabschiedung
des bereits seit zwei Jahren auf Eis liegenden Verfassungsvertrags
gewünscht hätte. Die Berliner Erklärung zeige aber,
«dass sich Europa der Notwendigkeit bewusst ist, seine innere
Verfasstheit zu stärken». Die Bundeskanzlerin und amtierende
EU-Ratsvorsitzende mahnte: «Ein Scheitern wäre ein
historisches Versäumnis».
Ein klares Plädoyer für eine europäische Verfassung
hielt der italienische Ministerpräsident Romano Prodi. Er verwies
darauf, dass der Verfassungsentwurf bereits im Oktober 2004 in Rom von
allen EU-Staats- und Regierungschefs unterzeichnet und mittlerweile von
18 Mitgliedsländern ratifiziert wurde. Der ehemalige
EU-Kommissionspräsident forderte, Europa müsse auch scheinbar
unüberwindbare Probleme mutig angehen: «Europa muss sich auf
seine kreative Verrücktheit besinnen.»
EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering forderte,
«die Substanz des Verfassungsvertrags» müsse
verwirklicht werden. Indirekt deutete er damit an, dass er bei einer
Wahrung der Inhalte auf den umstrittenen Titel «Verfassung»
zu verzichten bereit wäre. Unter anderem Großbritannien und
Tschechien stoßen sich an dieser Bezeichnung.
Auch Merkel konzentrierte sich in ihrer Ansprache darauf, die
Notwendigkeit der in dem Verfassungsentwurf vorgeschlagenen
institutionellen Reformen hervorzuheben. «Die innere Ordnung muss
der neuen Größe mit 27 Mitgliedstaaten angepasst
werden», mahnte Merkel. «Es steht viel auf dem Spiel.»
Die Berliner Erklärung rückt den Menschen in den Mittelpunkt.
«Seine Würde ist unantastbar», heißt es im Text.
Die Geschichte der EU von der Unterzeichnung der Römischen
Verträge am 25. März 1957 bis heute wird als Erfolgsmodell
beschrieben. «Wir Bürgerinnen und Bürger der
Europäischen Union sind zu unserem Glück vereint.»
Als Errungenschaften werden unter anderem Frieden und Freiheit, das
europäische Gesellschaftsmodell, Solidarität und
Gleichberechtigung, der gemeinsame Markt und der Euro genannt.
Herausforderungen für die Zukunft werden in der Globalisierung, im
Kampf gegen internationalen Terrorismus, gegen Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit sowie im Klimaschutz gesehen.
(Quelle: ap)
DGB-Chef Sommer nennt 'Berliner Erklärung' enttäuschend
Mo.26.03.07 - DGB-Chef Michael Sommer kritisiert die auf dem EU-Sondergipfel
verabschiedete «Berliner Erklärung» als «auf
ganzer Linie enttäuschend». Die Erklärung sei der
«kleinste gemeinsame Nenner und damit Ausdruck einer tiefen
Legitimationskrise», sagte Sommer am Sonntag in Berlin.
In einer Zeit, in der die Skepsis vieler Menschen gegenüber der
Europäischen Union wachse, könne man mit solchen Texten kein
neues Vertrauen der Bürger schaffen, bemängelte der
DGB-Vorsitzende. Die EU-Staats- und Regierungschefs hätten die
«große Chance verpasst, zum 50. Jahrestag eine Vision von
einem sozialen Europa zu entwickeln, dass die Bürger überzeugt
und einen neuen Aufbruch ermöglicht».
(Quelle: ddp)
Ex-EU-Parlamentspräsident Hänsch: Gegner der Verfassung
sollen die EU verlassen
Mo.26.03.07 - Der frühere Präsident des Europäischen Parlaments, Klaus
Hänsch, hat die Gegner einer neuen Verfassungsgrundlage der EU
aufgefordert, die Europäische Union zu verlassen. Jene
Mitgliedstaaten, die die EU nicht auf eine erneuerte Grundlage stellen
und die Substanz der Verfassung nicht mittragen wollten, müssten
sich überlegen, ob sie nicht austreten wollten, sagte der
Sozialdemokrat der «Berliner Zeitung» zufolge.
So müsste die britische Regierung vor einem Referendum den
Bürgern klar machen, dass es dabei nicht nur um einen Vertragstext
gehe, sondern um die Frage, «ob Großbritannien drinnen oder
draußen» sei. Wenn es keine Einigung über den Vertrag
gebe, werde sich diese Frage stellen, sagte Hänsch.
Der EU-Gipfel in Berlin hatte am Sonntag beschlossen, die EU bis 2009
auf eine neue, reformierte Grundlage zu stellen.
(Quelle: ap)
Vizepräsidentin der EU-Kommission fordert neuen EU-Vertrag
Mo.26.03.07 - Zur Lösung der Krise um die ins Stocken geratene europäische
Verfassung hat die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Margot
Wallström, einen neuen Vertrag gefordert, der nicht mehr
Verfassung heißt und die Interessen der Menschen in Europa
stärker berücksichtigt. Unmittelbar nach Verabschiedung der
«Berliner Erklärung» zum 50. Gründungstag der
Union wird die EU-Kommissarin in der Zeitung «Die Welt»
zitiert: «Die Europäische Union braucht einen neuen Vertrag.
Er muss einfacher, kürzer und lesbarer sein.»
Vor allen Dingen aber müsse der neue Vertrag gegenüber dem
alten Verfassungstext zusätzliche, innovative Elemente beinhalten.
«Die Substanz des alten Verfassungstextes muss erhalten bleiben
und durch eine begrenzte Zahl von Zusatzartikeln ergänzt werden,
damit die EU wichtige politische Herausforderungen bewältigen und
die Bedenken der Bürger berücksichtigen kann»,
erklärte Wallström.
Konkret schlug sie vor, den künftigen europäischen Vertrag
durch neue Artikel zum Klimawandel und zur Energiesicherheit zu
ergänzen. «Außerdem muss der Vertrag allen
Bürgern das Grundrecht einräumen, über die
Angelegenheiten der Union umfassend informiert zu werden», wird
sie zitiert.
(Quelle: ap)
Hunderttausende feiern in Berlin 50 Jahre EU
Mo.26.03.07 - Rund eine halbe Million Menschen haben in Berlin den 50. Jahrestag der
Römischen Verträge gefeiert. In 77 Festzelten rund ums
Brandenburger Tor präsentierten sich am Sonntag EU-Länder,
Bundesministerien, internationale Organisationen und Unternehmen. Am
Abend traten bei einem großen Konzert internationale Stars wie
die Blue Man Group und Joe Cocker auf. Bundeskanzlerin Angela Merkel
gab gemeinsam mit EU-Kommissionspräsident José Manuel
Barroso das Startsignal zu einer Informationstour «Europa wird
50».
Merkel sagte zum Start der Informationstour vor dem Brandenburger Tor:
«Viele Menschen wissen noch nicht, wie Europa
funktioniert.» Die Tour, die bis Ende Juni durch 52 deutsche
Städte führt, solle Klarheit schaffen, wie EU-Bürger
Zuschüsse bekommen, einen Betrieb gründen, sowie Rechte und
Pflichten anderer Länder kennen lernen könnten. «Das
ist eine Chance, Europa näher an die Menschen zu bringen»,
erklärte Merkel.
Barroso bekräftigte den Wunsch nach einer Europäischen
Verfassung. «Der wichtigste Grund für einen neuen Vertrag
ist die Handlungsfähigkeit der EU.» Europa müsse die
globalen Herausforderungen annehmen. «Wir brauchen dafür die
Europäische Dimension, die Mitgliedstaaten können das nicht
alleine.» Schulkinder aus den 27 EU-Staaten ließen 5.000
Europaluftballons fliegen. Zum Abschluss sollte es am Abend ein
großes Feuerwerk geben.
Seit Sonntagnachmittag traten internationale Musiker auf einer
großen Konzertbühne auf. Am Abend sang Stargast Joe Cocker
noch zwei Lieder. Eine andere als Konzert-Höhepunkt
angekündigte Künstlerin kam nicht: Die italienische
Sängerin Gianna Nannini sagte ihren Auftritt am Brandenburger Tor
ab. Grund seien politische Vorbehalte, erklärte ein Sprecher des
Bundespresseamtes. Ein zehnminütiges Feuerwerk über dem
Brandenburger Tor bildete den Abschluss der Feier.
Die Feierlichkeiten hatten bereits am Samstag mit einer langen Nacht
der Museen und der Clubs begonnen. Rund 18.000 Besucher, darunter auch
europäische Staats- und Regierungschefs, kamen nach Angaben der
Veranstalter in die 14 beteiligten Staatlichen Museen zu Berlin, die
unter dem Motto «Europa-Nacht der Schönheit» mit
Sonderausstellungen und -programmen lockten.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte als Schirmherr
des Kulturereignisses zur Eröffnung: «Europa gab es nicht
geschenkt, sondern es wurde errungen aus den Trümmern des Zweiten
Weltkrieges. Heute ist es für Jüngere eine
Selbstverständlichkeit. Ältere schütteln darüber
den Kopf, manchmal nicht zu Unrecht.»
Auf den Stufen des Pergamonaltars drängten sich die Zuschauer
für zwei Auftritte der Tänzer um die Choreografin Sasha
Waltz. Das Ensemble zeigte erstmals Ausschnitte aus ihrer
Opernchoreografie «Medea». Die Gemäldegalerie stellte
unter anderem Werke von Peter Paul Rubens aus, die aus
konservatorischen Gründen nur selten zu sehen sind. Für die
Nacht waren die Museen mit Scheinwerfern angestrahlt. Am späten
Abend startete auch eine Europäische Clubnacht mit Aufritten von
über 100 DJs, über 30 Bands und Musikern aus den 27
EU-Staaten.
(Quelle: ap)
Müntefering will sittenwidrige Löhne gesetzlich verbieten
Mo.26.03.07 - Die Bundesregierung bereitet ein gesetzliches Verbot von
Mini-Löhnen vor. «Ich will sittenwidrige Löhne
gesetzlich verbieten. Es verstößt gegen die
Menschenwürde, wenn Menschen, die voll arbeiten, mit ihrem
Einkommen unter dem Existenzminimum liegen», sagte Vizekanzler
Franz Müntefering (SPD) der «Bild am Sonntag» auf die
Frage, was er gegen Stundenlöhne von zwei oder drei Euro tun wolle.
Sein Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AP, die Arbeitsgruppe
Niedriglohn wolle in der zweiten Aprilhälfte einen Abschlussbericht
vorlegen. Thematisiert werden sollte darin auch ein Verbot
sittenwidriger Löhne.
Ausdrücklich kündigte Müntefering an, verbindliche
Grenzen für die Sittenwidrigkeit von Löhnen festzusetzen.
«Wir wollen das im Gesetz präzisieren, damit wir gegen
Verstöße besser vorgehen können.» Dabei wolle er
sich an Gerichtsurteilen orientieren. «Wenn der Lohn 30 Prozent
unter dem in der Branche oder vor Ort üblichen Tarifen liegt, dann
ist Sittenwidrigkeit erreicht.» Alternativ könne man als
Richtmarke den so genannten unangemessen niedrigen Lohn festsetzen.
«Der beginnt schon bei 20 Prozent unterhalb der orts- oder
branchenüblichen Höhe», sagte der Vizekanzler. Eine der
beiden Größen sollte ins Auge gefasst werden.
(Quelle: ap)
Hartz nennt nach ihm benannte Gesetze Betrug an Arbeitslosen
Mo.26.03.07 - Der frühere VW-Manager Peter Hartz hat harte Kritik an den nach
ihm benannten Arbeitsmarktgesetzen geübt. Besonders die Regelung,
wonach ein Arbeitsloser nur noch zwölf Monate lang das an seinem
früheren Einkommen bemessene Arbeitslosengeld I erhält, sei
"ein großer Fehler, ein Betrug, wenn sie so wollen, an denen, die
jahrelang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben", sagte Hartz
der "Bild am Sonntag". Ein weiterer Fehler sei, dass die
Zuständigkeit für die Betreuung der Arbeitslosen teilweise
nicht mehr bei der Bundesagentur für Arbeit liege.
Hartz hob hervor, dass die von ihm geleitete Kommission zur Reform des
Arbeitsmarkts dies 2002 nicht so vorgeschlagen habe. Schuld daran, "dass
nicht überall, wo Hartz draufsteht, Hartz drin ist", seien die
unterschiedlichen Mehrheitsverhältnisse in Bundestag und
Bundesrat, Widerstände in der SPD-Fraktion sowie im
Bundesarbeitsministerium gewesen, sagte Hartz weiter.
Der Ex-Manager beklagte, er sei "zum Buhmann der Nation geworden", weil
die Politik damals die Vorschläge der Kommission nicht eins zu eins
umgesetzt habe.
(Quelle: afp)
BA will Betreuung von Hartz-IV-Empfängern streng kontrollieren
Mo.26.03.07 - Die Bundesagentur für Arbeit (BA) will die Kommunen bei der
Betreuung der Hartz-IV-Empfänger rigoros kontrollieren.
«Speziell im Arbeitslosengeld II brauchen wir bei der
Vermittlungstätigkeit deutlich mehr Transparenz, Erfolgskontrolle
und Vergleichbarkeit zwischen den 69 Optionskommunen und 351
Arbeitsgemeinschaften», sagte Behördenchef Frank-Jürgen
Weise der «Wirtschaftswoche». Über ein umfassendes
Kontrollsystem wäre nachvollziehbar, ob Bundesmittel erfolgreich
eingesetzt würden.
Weise zeigte sich entschlossen, seine Pläne durchzusetzen. Es sei
sein eiserner Wille, Transparenz zum Nutzen der Beitrags- und
Steuerzahler und für die betroffenen Menschen zu schaffen.
«Es geht hier nicht um eine Machtfrage, sondern darum, das
Bundesgeld im Auge zu behalten.»
Der BA-Chef erwartet, dass die Arbeitslosenzahl in diesem Jahr im
Schnitt weniger als vier Millionen betragen werde. Das sei aber noch
lange kein Grund, sich zurückzulehnen. Der Aufschwung löse
nicht alle strukturellen Probleme. «Wir haben noch zu wenige
Rückkehrer aus der Grundsicherung in den ersten Arbeitsmarkt.»
Ablehnend äußerte sich Weise zu einer generellen
Einführung staatlich bereitgestellter Bürgerarbeit wie bei
einem Experiment in Barleben in Sachsen-Anhalt: «Auf keinen Fall
flächendeckend. In einem solchen Ausmaß würde das zu
Verdrängungseffekten auf dem ersten Arbeitsmarkt
führen», sagte er. Außerdem sei nicht erwiesen, ob dies
für die Betroffenen am Ende nicht doch eine Hürde für
die Rückkehr in eine normale Arbeit darstelle. Bei dem
Pilotprojekt bei Magdeburg arbeiten schwer vermittelbare
Langzeitarbeitslose im öffentlichen Bereich, etwa in der Sozial-,
Kinder- und Jugendarbeit oder der Behinderten- und Altenhilfe.
Auch Forderungen nach einer weiteren Senkung des Beitrags zur
Arbeitslosenversicherung erteilte Weise eine Absage. «In unserem
Haushaltsplan rechnen wir zum Jahresabschluss 2007 mit knapp 4,2
Milliarden Euro Defizit. Wir brauchen also den
Elf-Milliarden-Überschuss aus dem vergangenen Jahr, um die Senkung
auf 4,2 Prozent dauerhaft zu finanzieren», wurde der BA-Chef
zitiert.
(Quelle: ap)
Linkspartei und WASG beschließen Programm-Eckpunkte
Mo.26.03.07 - Linkspartei und WASG haben den Eckpunkten für das Programm der
geplanten neuen linken Partei zugestimmt. Die große Mehrheit der
insgesamt rund 800 Delegierten der beiden Bundesparteitage in Dortmund
billigte am Sonntag das Papier.
Allerdings gab es bei der Linkspartei eine heftige Debatte über
die von der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG)
gestellten Bedingungen zur Beteiligung der neuen Partei an Regierungen.
Nach einer Parteitagsunterbrechung und Rücksprache mit der WASG
schwächte letztere im Gegensatz zu ihrer vorherigen Beschlusslage
noch einmal eine Formulierung ab.
Die WASG wollte ursprünglich, dass die linke Partei in einer
Regierung «öffentliches Eigentum» nicht privatisieren
darf. Sie änderte die Formulierung in «öffentliche
Daseinsvorsorge» ab, wie es bereits in ähnlicher Form in dem
von beiden Seiten erarbeiteten Entwurf stand. Die Linkspartei stimmte
dann zu. Damit wird etwa die Partei in der rot-roten Koalition in Berlin
nicht verpflichtet, den geplanten Verkauf der Landesbank, zu der auch
die Sparkasse gehört, zu stoppen. Ferner wurde die WASG-Forderung
nicht übernommen, Personalabbau im öffentlichen Dienst zu
stoppen, was ebenfalls Berlin betroffen hätte.
Insgesamt lehnte die Linkspartei zahlreiche
Änderungsvorschläge der WASG ab, während diese fast alle
Punkte der Linkspartei übernahm. Am frühen Nachmittag wird die
entscheidende Schlussabstimmung über den Verschmelzungsvertrag
erwartet. Bei Annahme ist die Fusion juristisch beschlossen. Die letzte
Entscheidung liegt bei den Mitgliedern in einer Urabstimmung vom 30.
März bis 18. Mai.
In den Eckpunkten geht es um die Ausrichtung der künftigen Partei
in der Sozial-, Friedens- und Gesellschaftspolitik, um Wirtschaft,
Ökologie sowie Außenpolitik. Die Eckpunkte sind Teil der
Gründungsdokumente für eine Fusion im Juni.
(Quelle: dpa)