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Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendundzweiten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mindestens 76 Tote bei mehreren Anschlägen in Bagdad. Schicksal
deutscher Irak-Geiseln weiter ungewiss
Mi.28.03.07 - Mindestens 76 Menschen sind bei einer Reihe von Anschlägen im Irak
getötet worden. Die blutigsten Attentate wurden in der
nordirakischen Stadt Tal Afar verübt, wo zwei Autobomben nach
Angaben irakischer Sicherheitskräfte mindestens 55 Menschen
töteten und 120 weitere verletzten.
In einem mehrheitlich von Schiiten bewohnten Viertel von Tal Afar
explodierte ein mit Sprengstoff präparierter Lastwagen, den
irakische Sicherheitskräfte ohne Kontrolle hatten passieren
lassen, wie ein Arzt des Krankenhauses der Stadt mitteilte. Er sei mit
Lebensmitteln beladen gewesen, auf die die Bevölkerung seit
mehreren Tagen gewartet habe. In einem anderen Viertel der Stadt sei
ebenfalls eine Autobombe gezündet worden. Die Rebellenhochburg Tal
Afar liegt etwa 400 Kilometer nördlich von Bagdad in der Nähe
der syrischen Grenze. Bei mehreren weiteren Anschlägen im Irak
kamen Sicherheitskräften zufolge mindestens 21 Menschen ums Leben,
darunter Frauen und Kinder.
Das Schicksal der beiden entführten Deutschen im Irak bleibt
ungewiss. Der Krisenstab setze seine Anstrengungen in enger
Zusammenarbeit mit «relevanten Stellen und unseren Partnern
intensiv fort», sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in
Berlin am Dienstag. Man sei weiter «in großer Sorge».
Einzelheiten wollte der Sprecher nicht nennen.
Die 61-jährige Frau und ihr 20-jähriger Sohn waren Anfang
Februar in Bagdad verschleppt worden. Die Geiselnehmer hatten gedroht,
die beiden umzubringen, falls Deutschland seine Truppen nicht aus
Afghanistan abziehen sollte. Diese Forderung hatte die Bundesregierung
kategorisch abgelehnt. Das Ultimatum der Entführer war Anfang
vergangener Woche abgelaufen.
(Quellen: ddp, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 28.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertachtunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.28.03.06 - Selbstmordattentäter tötet 40 Armeefreiwillige +++ 16 Mitarbeiter einer
irakischen Firma entführt +++ Irakische Streitkräfte und US-Armee
machen sich gegenseitig für Angriff verantwortlich, bei dem am
Sonntag 16 Schiiten getötet worden waren +++ Leichen von neun
Erwürgten gefunden...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0603280.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Vier Tote nach Selbstmordanschlag im Süden Afghanistans
Mi.28.03.07 - Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Polizeistation im Süden
Afghanistans sind Augenzeugen zufolge mindestens vier Menschen
getötet und mehrere verwundet worden.
Ein als afghanischer Soldat verkleideter Attentäter habe sich am
Dienstag vor der Polizeizentrale in Lashkar Gah in die Luft gesprengt,
hieß es.
Lashkar Gah ist die Hauptstadt der Provinz Helmand. Die Region im
Süden Afghanistans ist weltweit führend bei der Produktion von
Heroin.
(Quelle: rtr)
Guantanamo-Häftling bekennt sich zu Kampf gegen die USA
Mi.28.03.07 - Im ersten Prozess vor einer der neu geschaffenen
US-Militärkommissionen hat sich der Australier David Hicks nach
fünf Jahren Haft im Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba dazu
bekannt, den Kampf der Al Kaida gegen die USA unterstützt zu haben.
Das teilweise Schuldeingeständnis des 31-Jährigen machte nach
Angaben seines Anwalts den Weg frei für eine Überstellung in
sein Heimatland Australien, wo er seine Strafe verbüßen
soll. Das Strafmaß könnte nach US-Angaben schon gegen Ende
der Woche verkündet werden. Chefankläger Morris Davis hat
angekündigt, etwa 20 Jahre Haft zu fordern.
Der Fall des zum Islam konvertierten Hicks' hat in Australien
großes Aufsehen erregt und mit zur sinkenden Popularität von
Ministerpräsident John Howard beigetragen, der sich in diesem Jahr
Wahlen stellen muss. Außenminister Alexander Downer erklärte,
Hicks werde schon bald nach Australien zurückkehren. Er sei froh,
dass diese Sache endlich zum Anschluss komme.
Senator Bob Brown von den oppositionellen Grünen erklärte
aber, Hicks habe sich nur schuldig bekannt, um endlich aus Guantanamo
raus zu kommen. Ob er tatsächlich schuldig sei, stehe noch nicht
fest. «Er hat sich unter Umständen schuldig bekannt, die vor
keinem australischen Gericht Bestand hätten, und diese Debatte
fliegt mit Hicks nach Hause.»
Hicks' vom US-Verteidigungsministerium bestellter Anwalt Major Michael
Mori erklärte, sein Mandant bekenne sich der Unterstützung der
Al Kaida im Kampf gegen die USA schuldig. Er weise den zweiten Vorwurf,
die Vorbereitung oder Ausführung eines terroristischen Akts
unterstützt zu haben, aber zurück.
Vor der Anhörung in Guantanamo hatten Hicks' Anwälte
erklärt, der 31-Jährige habe die Hoffnung auf einen Prozess
aufgegeben und denke über einen Handel mit der Anklage nach. Hicks
wurde im Dezember 2001 in Afghanistan gefangen genommen und Anfang 2002
nach Guantanamo gebracht. Ihm wird vorgeworfen,
Al-Kaida-Ausbildungslager in Afghanistan besucht und kurzzeitig an der
Seite der Taliban gekämpft zu haben.
Zu Beginn des Verfahrens am Montag hatte er zunächst um eine
stärkere Verteidigung gebeten. Richter Oberst Ralph Kohlmann
erklärte jedoch, er müsse vielmehr auf zwei zivile
Anwälte verzichten, die nicht das Recht hätten, den
Guantanamo-Gefangenen zu vertreten. Er sei geschockt, dass er jetzt
einen weiteren Rechtsbeistand verloren habe, sagte Hicks. Anwalt Mori
zog die Unparteilichkeit Kohlmanns in Zweifel. Der Richter sei an
früheren Militärtribunalen beteiligt gewesen, die das Oberste
Gericht der USA aber für rechtswidrig erklärt hatte,
argumentierte er.
Bereits ab 2004 sollte sich Hicks vor einem Militärtribunal
verantworten. Das Verfahren wurde jedoch gestoppt, nachdem das Oberste
Gericht der USA die Tribunale für rechtswidrig erklärt hatte.
Als Folge des Richterspruchs wurden Ende vergangenen Jahres
Militärkommissionen nach neuen Regeln eingerichtet. Auch gegen
diese Kommissionen ist jedoch eine Eingabe vor dem Obersten Gericht
anhängig.
Hicks ist derzeit der einzige Gefangene, dem der Prozess vor einer der
neuen Kommissionen gemacht wird. Insgesamt sollen mehrere Dutzend der
rund 385 Guantanamo-Häftlinge vor die Militärgerichte gestellt
werden.
(Quelle: ap)
Folterklage gegen Ex-US-Verteidigungsminister Rumsfeld abgewiesen
Mi.28.03.07 - Dem früheren US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld kann wegen
Foltervorwürfen in Militärgefängnissen in Übersee
nicht der Prozess gemacht werden. US-Bezirksrichter Thomas Hogan wies
am Dienstag in Washington eine entsprechende Klage von neun ehemaligen
Gefangenen in Irak und Afghanistan ab. Rumsfeld könne nicht
persönlich für Taten im Zusammenhang mit seinem Regierungsamt
verantwortlich gemacht werden, erklärte der Richter zur
Begründung.
Anwälte der Kläger hatten geltend gemacht, das Rumsfeld und
ranghohe Offiziere Hinweise auf Misshandlungen missachtet und
Verhörpraktiken genehmigt hätten, die gegen die
verfassungsmäßigen und die Menschenrechte von Gefangenen
verstoßen hätten. Bereits im Dezember hatte Richter Hogan
erklärt, würde der Fall angenommen, könnten
Regierungsbeamte Ziel politisch motivierter Klagen werden. Selbst Osama
bin Laden könne dann Klage einreichen, da zwei US-Präsidenten
damit gedroht hätten, ihn töten zu lassen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Regelmäßige Treffen zwischen Olmert und Abbas vereinbart.
Zwei Palästinenser von israelischen Soldaten getötet
Mi.28.03.07 - Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert und
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas wollen sich künftig
alle 14 Tage treffen. Das kündigte US-Außenministerin
Condoleezza Rice zum Abschluss einer Nahost-Rundreise an, bei der sie
den Friedensprozess neu in Gang setzen wollte. "Sie haben akzeptiert,
dass sie sich alle zwei Wochen sehen", sagte Rice in Jerusalem. "Ich
werde von Zeit zu Zeit hinzukommen."
Die Zeit für Endstatus-Verhandlungen sei noch nicht gekommen,
sagte Rice nach den Gesprächen, die sie mit Olmert und Abbas
geführt hatte. Die Palästinenser warten seit Jahren auf die
internationale Anerkennung eines eigenen Staates, allerdings ist keine
Einigung auf die Grenzziehung zwischen Israel und den
Palästinensergebieten absehbar. Rice sagte, die arabischen Staaten
müssten sich gegenüber den Forderungen Israels offener zeigen
und deutlich machen, dass sie Israels "Platz im Nahen Osten akzeptiert
haben".
Bei einem Feuergefecht mit israelischen Soldaten sind am Dienstag im
Westjordanland zwei Palästinenser getötet worden. Die
Al-Aksa-Brigade erklärte, bei den Getöteten haben es sich um
Mitglieder der Gruppe gehandelt. Die Soldaten seien im Schutz der
Dunkelheit die Stadt Nablus eingedrungen. Bei der Schießerei sei
zunächst ein Palästinenser getötet worden. Der zweite sei
ums Leben gekommen, als er dem Getroffenen habe helfen wollen. Die
israelischen Streitkräfte erklärten, die Truppen seien
für eine Routineoperation nach Nablus gekommen. Die
Palästinenser hätten zuerst geschossen.
(Quellen: afp, ap)
Rebellenführer der Elfenbeinküste wird Regierungschef
Mi.28.03.07 - Der Chef der bislang größten Rebellengruppe in der
Elfenbeinküste soll neuer Ministerpräsident des
westafrikanischen Landes werden. Guillaume Soro habe das Angebot
akzeptiert, in Kooperation mit Präsident Laurent Gbagbo die
Regierungsgeschäfte zu führen, erklärte ein Sprecher der
Bewegung Neue Kräfte am Dienstag. Vermittler bestätigten, dass
eine solche Vereinbarung bei Friedensverhandlungen in Burkina Faso
getroffen worden sei.
Damit soll der blutige Bürgerkrieg der vergangenen Jahre beigelegt
werden. Die Elfenbeinküste ist seit einem gescheiterten Putsch Ende
2002 faktisch ein geteiltes Land. Der Süden wird von
Regierungseinheiten kontrolliert, im Norden haben die Rebellen das
Sagen. Dazwischen sind rund 9.000 Blauhelme und 3.500 französische
Soldaten stationiert. Diverse Friedensabkommen sind bislang gescheitert.
(Quelle: ap)
EU und Iran nehmen wieder Kontakt auf -Weitere Gespräche geplant
Mi.28.03.07 - Zwei Tage nach der Verschärfung der Sanktionen gegen den Iran hat
die EU zu dem Land wieder Kontakt aufgenommen.
Der Chefdiplomat der EU, Javier Solana, sprach am Montag mit dem
iranischen Unterhändler, Ali Laridschani, wie eine EU-Sprecherin am
Dienstag bekannt gab. "Das Telefonat diente der Erneuerung der
Kontakte, um zu erklären, was die internationale Gemeinschaft getan
hat", sagte Solanas Sprecherin, Cristina Gallach. Zudem habe Solana die
Bereitschaft erklärt, wieder in einen Dialog einzutreten, um die
Bedingungen für volle Verhandlungen zur Beilegung des Atomstreits
vorzubereiten. Man habe vereinbart, in den nächsten Tagen erneut
zu sprechen. Um konkrete Inhalte zum Atomstreit sei es bei dem
Telefonat nicht gegangen.
Die Vereinten Nationen (UN) hatten am Samstag die Sanktionen gegen den
Iran verschärft, weil das Land sich bislang weigert, seine
umstrittene Urananreicherung einzustellen. Der Iran beharrt auf seinem
Recht auf eine friedliche Nutzung der Atomtechnologie. Die
internationale Gemeinschaft wirft dem Land aber vor, heimlich nach
Atomwaffen zu streben, was der Iran zurückgewiesen hat.
(Quelle: rtr)
Demonstration von Landlosen in Paraguay aufgelöst
Mi.28.03.07 - Mit Tränengas und Schlagstöcken hat die Polizei in Paraguay
am Dienstag rund 2.000 Demonstranten in der Nähe des
Präsidentensitzes vertrieben. Die Protestierenden forderten die
Regierung in Asuncion auf, Land und Unterkünfte für Arme
bereitzustellen. Entsprechende Bemühungen der Regierung von
Präsident Nicanor Duarte kämen nur schleppend voran,
erklärte ein Führer der Gruppe Sin Techos
(»Dachlos»). Polizeichef Fidel Isasa erklärte, die
Demonstranten hätten sich geweigert, das Gebiet um den
Präsidentensitz freiwillig zu verlassen. Zuvor hatten 10.000
Menschen ohne Zwischenfälle für eine bessere öffentliche
Gesundheitsversorgung und Bildung demonstriert.
(Quelle: ap)
Türkei verlangt Klärung ihrer EU-Bewerbung
Mi.28.03.07 - Die Regierung in Ankara hat die Europäische Union aufgefordert,
sich klar zur künftigen EU-Mitgliedschaft der Türkei zu
äußern. «Entscheidet Euch! Entweder wir setzen den
eingeschlagenen Kurs fort oder nicht, denn andernfalls verschwenden wir
beide nur Zeit, Energie und Geld», sagte Ministerpräsident
Recep Tayyip Erdogan am Dienstag in einer offensichtlichen Anspielung
darauf, dass die Türkei nicht zum EU-Jubiläumsgipfel am
vergangenen Wochenende in Berlin eingeladen wurde.
Die Türkei wolle keine Belastung für die Europäische
Union sein, erklärte Erdogan. Sie sei jedoch bereit, die mit einer
Mitgliedschaft verbundene Verantwortung auf sich zu nehmen. Die
türkische Regierung hatte sich über die ausgebliebene
Einladung zum EU-Gipfel düpiert gezeigt und die deutsche
Ratspräsidentschaft dafür kritisiert. Eine Einbeziehung aller
Kandidatenstaaten wäre eine bedeutsame Entwicklung gewesen, die die
Einheit der europäischen Familie herausgestellt hätte,
hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in
Ankara.
Die Türkei hat mit der EU im Oktober 2005 Beitrittsverhandlungen
aufgenommen. Diese wurden jedoch im vergangenen Dezember teilweise auf
Eis gelegt, da Ankara sich weigert, griechisch-zyprischen Schiffen und
Flugzeugen den Zugang zu türkischen See- und Flughäfen zu
gewähren. Bundeskanzlerin Angela Merkel plädiert weiter
für eine privilegierte Partnerschaft an Stelle der vollen
EU-Mitgliedschaft Ankaras.
(Quelle: ap)
Klimaschutzziele kosten EU 1100 Milliarden Euro
Mi.28.03.07 - Die Anfang März in Brüssel beschlossenen Klimaschutzziele
werden in den Mitgliedsstaaten der EU bis zum Jahr 2020
möglicherweise Gesamtkosten bis zu 1100 Milliarden Euro
verursachen. Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey
hervor, aus der die Zeitung "Die Welt" zitiert. Die Untersuchung
rechnet detailliert die Kosten und Potenziale aller weltweit
verfügbaren Klimaschutz-Techniken in Euro pro eingesparter Tonne
Kohlendioxid (CO2) hoch.
Für die deutschen Verbraucher und Steuerzahler kommen die Forscher
auf jährliche Klimaschutzkosten von 45 bis 60 Milliarden
Euro, die vor allem in Form höherer Energiekosten zu zahlen
wären.
Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union (000910.KS
- Nachrichten) hatten am 9. März in Brüssel beschlossen, den
Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid bis 2020 um 20 Prozent zu
reduzieren. Über Kosten oder konkrete Maßnahmen, wie dieses
Ziel erreicht werden soll, legte sich die Gipfelrunde unter der Leitung
von EU-Ratspräsidentin Angela Merkel allerdings nicht fest.
Die Studie von McKinsey zeigt laut Zeitung den Aufwand, der mit dem
Erreichen der ehrgeizigen Klimaschutzziele verbunden ist: "Wir rechnen
bei einem ausgewogenen, sinnvollen Einsatz der günstigsten
verfügbaren Umweltschutz-Technologien mit jährlichen Kosten
von 60 bis 80 Milliarden Euro für die EU-25 bis zum Jahr 2020",
sagte Thomas Vahlenkamp, McKinsey-Experte für Energie, der "Welt".
Aufaddiert ergibt sich eine Gesamtsumme von bis zu 1100 Milliarden Euro
über die nächsten 14 Jahre. Die neuen EU-Mitgliedsländer
Rumänien und Bulgarien sind in der Studie nicht berücksichtigt.
Die Autoren gehen dem Bericht zufolge in ihren Berechnungen davon aus,
dass die Politik konsequent die billigsten und ertragreichsten
Umweltschutzmethoden zuerst einsetzt. Das ist laut Studie zunächst
die Gebäudedämmung: "Wenn die Politik Klimaschutz mit dem
größten Effekt und den geringsten Kosten betreiben will,
sollte sie sich die Potenziale zum Beispiel in der Gebäudesanierung
deutlich intensiver anschauen als bisher", rät McKinsey-Experte
Vahlenkamp: "Gerade dort gibt es viele sogar völlig kostenlose
Möglichkeiten Kohlendioxid einzusparen, die weder unseren
Lebensstil noch unseren Komfort negativ beeinflussen würden."
(Quelle: afp)
US-Forscher sehen ganze Klimazonen von Erderwärmung bedroht
Mi.28.03.07 - Die Erderwärmung könnte laut einer US-Studie ganze Klimazonen
verschwinden lassen. Vor allem in der Nähe des Äquators
könnten ganze Gebiete in neue, bislang unbekannte Klimazonen
verwandelt werden, heißt es in der Studie unter der Leitung des
Geographie-Professors Jack Williams von der Universität von
Wisconsin, die in den "Proceedings of the National Academy of Sciences"
veröffentlicht wurde. Risiken bestehen demnach etwa für die
Regenwälder in Indonesien und für die Anden in Peru.
Die Erkenntnisse über die Bedrohung der Regenwäler
ergäben sich "logischerweise" aus den jüngsten UN-Studien zum
Klimawandel, erklärte Williams. In den bereits jetzt wärmsten
Gebieten der Erde werde es eine weitere Aufheizung geben, so dass sie
"aus unserem Erfahrungsrahmen herausfallen".
Bis zu 48 Prozent der derzeit bestehenden Klimazonen könnten bis
zum Jahr 2100 verschwinden, errechneten die US-Forscher unter
Berücksichtigung der vorliegenden Daten zum Klimawandel. Die
größten Gefahren bestehen demnach an den Polen und in der
Nähe des Äquators, namentlich in Zentralamerika, im Umfeld der
Bergregionen von Kenia, in Sambia, im Hochland von Angola sowie im
Himalaya.
(Quelle: afp)
Deutschland
Spekulation in der SPD über Kanzlerwechsel
Mi.28.03.07 - Der auf zwei Mandate geschmolzene Vorsprung der Union im Bundestag hat
in der SPD bereits Spekulationen über einen möglichen
Kanzlerwechsel ausgelöst. Der Sprecher des konservativen Seeheimer
Kreises, Johannes Kahrs, erklärte: «Wenn wir im Bundestag
einen Abgeordneten mehr haben als die Union, wird Kurt Beck
Kanzler.» Kahrs sagte der «Märkischen
Allgemeinen» (Mittwochausgabe), er halte diesen Fall aber
für unwahrscheinlich. Die Union werde von nun an genau darauf
achten, «dass im Bundestag niemand mehr von Bord geht».
Der Vorsprung der Union verringert sich durch den geplanten Wechsel des
baden-württembergischen CDU-Wirtschaftsexperten Matthias Wissmann
vom Parlament an die Spitze des Verbands der Automobilindustrie.
Bislang verfügt die Union über 225 Mandate, die SPD über
222.
Ein weiteres Mandat könnte die Union verlieren, wenn der
Abgeordnete Ingo Wellenreuther im Juni Oberbürgermeister von
Mannheim wird. Für beide Direktkandidaten würde niemand
nachrücken. Denn die Union hat in Baden-Württemberg bei der
Wahl 2005 drei Überhangmandate erhalten.
Doch selbst in der SPD stoßen Spekulationen über einen
Kanzlerwechsel auf Widerstand. «Wir gackern nicht über
ungelegte Eier», sagte die parlamentarische
Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion, Iris Gleicke,
der «Leipziger Volkszeitung» (Mittwochausgabe).
«Außerdem gewinnen wir in Mannheim», meinte die
Thüringerin.
Von einer «unsinnigen Diskussion» sprach der
sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Manfred Kolbe. «Die
Bundeskanzlerin ist für die gesamte Legislaturperiode
gewählt. Allein eine mögliche Veränderung der Anzahl der
Sitze wird daran nichts ändern. Die Kanzlerin könnte nur
durch ein konstruktives Misstrauensvotum abgewählt werden»,
erklärte der Jurist. Derzeit sehe er aber keinerlei Grund für
einen Führungsanspruch der SPD. «Schließlich hatte die
Union über 400.000 Zweitstimmen mehr bei der Bundestagswahl
2005.»
«Die Mehrheitsverhältnisse in der Großen Koalition
sind völlig klar», sagte auch der parlamentarische
Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Hartmut Koschyk, dem
«Münchner Merkur» (Mittwochsausgabe). «Die
CDU/CSU-Fraktion ist die stärkste Kraft im deutschen Parlament und
wird es auch bleiben. Somit gibt es keinerlei Zweifel am
Führungsanspruch der Union.»
Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn kritisierte interne
«Rechenspiele» der SPD: «Diese alberne Diskussion
soll nur vom Kernproblem ablenken, dass die große Koalition
innenpolitisch auf der Stelle tritt. Wer in dieser Situation den
Stillstand im Kanzleramt verwaltet, ist zweitrangig.»
(Quelle: ap)
SPD und Linke buhlen um Gewerkschaften
Mi.28.03.07 - Fünf Wochen vor dem Tag der Arbeit am 1. Mai buhlen Politiker von
SPD und der neuen gesamtdeutschen Linken um die Arbeitnehmervertreter:
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Niels Annen appellierte an die
Gewerkschaften, sich nicht von der Linkspartei zur
«Fraktionierung» der Arbeiterbewegung missbrauchen zu lassen.
Der Vorsitzende der WASG, Klaus Ernst, dessen Organisation sich Mitte
Juni offiziell mit der Linkspartei.PDS zusammenschließen will,
warf den Sozialdemokraten dagegen einen gewerkschaftsfeindlichen Kurs
vor und äußerte Verständnis dafür, dass
SPD-Politiker nicht mehr zu Mai-Kundgebungen eingeladen würden.
Annen, der dem linken Flügel der SPD zugerechnet wird, sagte der
«Leipziger Volkszeitung»: «Wir lassen uns weder von
einigen aus dem Gewerkschaftsbereich noch von Oskar Lafontaine
absprechen, dass die SPD ein wichtiger Teil der Arbeiterbewegung
ist.» Es möge ja «manchen warm ums Herz werden, wenn er
Oskar Lafontaine reden hört. Aber entscheidende Dinge lösen
können die Gewerkschaften nur zusammen mit der SPD.»
Es gebe sicher «viele Wähler, die von uns enttäuscht
sind», meinte Annen. «Mit der Agenda 2010 sind sicher auch
Fehler gemacht worden, aber vieles davon haben wir bereits wieder
korrigiert.» Die SPD brauche jedenfalls «keine Angst vor der
Linkspartei» zu haben. Und die Gewerkschaften sollten wissen:
«Ohne SPD gäbe es keinen Flächentarifvertrag mehr,
wäre es nicht gelungen, den Kündigungsschutz zu retten und
stünden wir jetzt eventuell nicht kurz vor einer Vereinbarung zum
gesetzlichen Mindestlohn».
Der WASG-Vorsitzende Ernst sagte der Chemnitzer «Freien
Presse», wenn die Gewerkschaften die Rente mit 67 konsequent
ablehnten und die SPD-Abgeordneten im Bundestag für eine
Erhöhung des Renteneintrittsalters stimmten, brauche sich die
SPD-Führung nicht zu wundern, dass ihnen die Mitglieder von der
Fahne gingen. In der SPD-Spitze gebe es inzwischen eine große
Nervosität. Er habe Verständnis, dafür, dass
SPD-Politiker zu den Kundgebungen am 1. Mai schon gar nicht mehr
eingeladen würden, meinte Ernst. Auch in seinem Gewerkschaftsbezirk
werde kein Sozialdemokrat sprechen, der für eine Rente mit 67
gestimmt habe. «Ich lasse mich doch nicht von meinen eigenen
Leuten auspfeifen», betonte der IG-Metall-Funktionär.
(Quelle: ap)
Bayerns DGB-Chef Schösser schließt Austritt aus der SPD
nicht aus
Mi.28.03.07 - Der bayerische DGB-Vorsitzende Fritz Schösser schließt wegen
des Streits über die Reformpolitik der Bundesregierung einen
Austritt aus der SPD nicht aus. Der frühere
SPD-Bundestagsabgeordnete sagte der «Süddeutschen
Zeitung» (Dienstagausgabe), eigentlich sei er schon «so
weit» gewesen. Er verzichte aber «noch» auf diesen
Schritt.
Schösser fügte mit Blick auf die SPD-Politik hinzu:
«Man hofft auf Besserung - bald!» Die SPD müsse abgehen
«von ihrem neoliberalen Kurs hin zu einem, der mehr soziale
Gerechtigkeit bringt». Schösser verteidigte zugleich erneut
die Ausladung von SPD-Bundestagsabgeordneten als Hauptredner bei
DGB-Kundgebungen zum 1. Mai.
(Quelle: ddp)
Kürzung der Pendlerpauschale verfassungswidrig
Mi.28.03.07 - Die Anfang des Jahres in Kraft getretene Kürzung der
Pendlerpauschale ist von einem zweiten Landesfinanzgericht für
verfassungswidrig erklärt worden. Wie zuvor bereits das
niedersächsische Finanzgericht entschied auch das Finanzgericht des
Saarlandes in einem in Saarbrücken veröffentlichtem Urteil,
dass die Neuregelung gegen den allgemeinen Gleichheitssatz von Artikel
drei des Grundgesetzes verstoße. Auch das saarländische
Gericht legte den Fall deshalb dem Bundesverfassungsgericht in
Karlsruhe zur Prüfung vor.
Durch die Kürzung der Pauschale können Fahrten zum
Arbeitsplatz erst ab dem 21. Kilometer mit je 0,30 Euro als
Werbungskosten berücksichtigt werden. Nach Auffassung der
saarländischen Finanzrichter verstößt die Streichung des
unbeschränkten Abzugs "sowohl gegen das objektive als auch gegen
das subjektive Nettoprinzip."
Zudem sahen die Richter einen Verstoß gegen den vom Grundgesetz
garantierten Schutz von Ehe und Familie, da bei einer
Erwerbstätigkeit von beiden Ehepartner die Wahl des Wohnsitzes
nicht allein durch private Erwägungen beeinflusst werde. In dem
vorliegenden Fall hatte eine Ehepaar geklagt, das von seinem Wohnort 60
beziehungsweise 75 Kilometer bis zur Arbeitsstelle zurücklegen muss.
(Quelle: afp)
Arbeitsgruppe einig über Kombilohn-Modell für Jugendliche
Mi.28.03.07 - Die Koalitionsarbeitsgruppe zu Beratungen über Reformen im
Niedriglohnsektor hat sich nach Angaben des arbeitspolitischen Sprechers
der SPD, Klaus Brandner, am Montagabend teilweise verständigt. So
soll zukünftig ein geplantes Kombilohn-Modell für Jugendliche
mit starken Qualifizierungsanteilen versehen werden, sagte Brandner
nach der vierstündigen Sitzung. Qualifizierungs-Bausteine hatte
die SPD als Bedingung für eine endgültige Zustimmung gemacht.
Beim Arbeitslosengeld II soll es außerdem vorerst keine
Kürzungen geben. Über das in der Koalition strittige Thema
Mindestlohn wurde laut Brandner nicht geredet. Das ist laut
Koalitionskreise am Mittwoch Thema einer Spitzenrunde von SPD und Union.
(Quelle: afp)
Deutsche-Bank-Chef Ackermann verdiente 2006
gut 13 Millionen Euro
Mi.28.03.07 - Mit einem Jahresgehalt von 13,2 Millionen Euro ist Deutsche-Bank-Chef
Josef Ackermann 2006 einer der Spitzenverdiener unter den Konzernchefs
in Deutschland geblieben. Gegenüber dem Vorjahr, als er 11,9
Millionen Euro kassiert hatte, wuchs sein Einkommen nochmals um knapp
elf Prozent an.
Ackermann profitierte vom Rekordgewinn seines Instituts, wie aus dem
veröffentlichten Geschäftsbericht der Deutschen Bank (Xetra:
514000 - Nachrichten) hervorgeht. Zu einem Grundgehalt von 1,2
Millionen Euro kam eine an den Geschäftserfolg gekoppelte
Komponente von 12,0 Millionen Euro hinzu. 9,4 Millionen Euro bekam
Ackermann bar ausgezahlt. Insgesamt erhielten die fünf
Vorstandsmitglieder inklusive Ackermann im vergangenen Jahr 32,9
Millionen Euro.
Ackermann bekräftigte in einem Brief an die Aktionäre, er
sehe die Deutsche Bank weiterhin auf Wachstumskurs. «Wir schauen
mit großer Zuversicht nach vorn», schrieb Ackermann. Er sei
optimistisch, «dass wir unser ertragreiches Wachstum beibehalten
können, sofern die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen
freundlich bleiben». Für 2008 strebt der DAX (Xetra:
Nachrichten) -Konzern einen Vorsteuergewinn von 8,4 Milliarden Euro an.
Im vergangenen Jahr hatte der deutsche Branchenprimus vor Steuern 8,1
Milliarden Euro verdient und den Überschuss um 70 Prozent auf 6,0
Milliarden Euro gesteigert.
Die bereinigte Eigenkapitalrendite vor Steuern - jene
Zielgröße, die Ackermann in die Kritik gebracht hatte, weil
er sie zeitgleich mit der Streichung tausender Stellen genannt hatte -
will Ackermann nachhaltig bei 25 Prozent halten. Im vergangenen Jahr
hatte die Deutsche Bank den Wert mit 30,7 Prozent deutlich
übertroffen.
Unter den Chefs der 30 Konzerne im Leitindex DAX zählt Ackermann
nach wie vor zu den bestbezahlten Managern. Spitzenreiter nach den
bisher veröffentlichten Zahlen der DAX-Konzerne war der scheidende
Vorstandsvorsitzende des Energieriesen RWE, Harry Roels, der nach
Angaben von RWE (Xetra: 703712 - Nachrichten) für 2006 gut 12,2
Millionen Euro ausgezahlt bekam. Zusätzlich verfügt Roels
über ein Aktienoptionsprogramm, das zum Zeitpunkt der
Gewährung einen Wert von 3 Millionen Euro hatte, das aber bei
negativer Entwicklung der RWE-Aktie auf einen Wert von null sinken
kann. Im internationalen Vergleich ist Ackermanns Vergütung trotz
insgesamt 13,2 Millionen Euro eher bescheiden: Die Bosse von
Investmentbanken etwa in den USA streichen pro Jahr 20 bis 40 Millionen
Euro ein.
(Quelle: dpa)
Siemens-Affäre: Ermittlungen gegen Ex-Aufsichtsratschef Baumann
Mi.28.03.07 - In der neuesten Siemens-Affäre wird nach Informationen der
«Süddeutschen Zeitung» (Mittwochsausgabe) auch gegen
den ehemaligen Finanzvorstand und Aufsichtsratsvorsitzenden
Karl-Hermann Baumann ermittelt. Siemens-Vorstand Johannes Feldmayer,
Baumann und weitere Führungskräfte sollen nach weiteren
Informationen der Zeitung dafür verantwortlich sein, dass der
Nürnberger Unternehmer und frühere Siemens-Betriebsrat
Wilhelm Schelsky seit 2001 fast 34 Millionen Euro Beraterhonorare
erhalten haben, ohne angemessene Gegenleistungen zu erbringen.
Die Siemens-Affäre um Zahlungen an die Arbeitnehmerorganisation
AUB und deren Vorsitzenden Wilhelm Schelsky hatte am Dienstag eine neue
Dimension erhalten. Mit Siemens-Zentralvorstand Johannes Feldmayer
wurde erstmals ein aktiver Vorstand des Unternehmens in
Untersuchungshaft genommen. Zugleich durchsuchte die Staatsanwaltschaft
Nürnberg mehrere Siemens-Standorte in Nürnberg, Erlangen und
München. Siemens sicherte der Staatsanwaltschaft seine
Unterstützung bei der Aufklärung zu. Indes ist Schelsky von
seinem Amt als Bundesvorsitzender der AUB zurückgetreten.
(Quelle: ddp)
Prozess um den Tod eines Asylbewerbers
Mi.28.03.07 - Im Prozess um den qualvollen Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh in
einer Polizeizelle in Dessau haben die beiden angeklagten Polizisten am
Dienstag vor Gericht die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft im
Wesentlichen bestritten.
Zum Prozessauftakt am Landgericht Dessau gab der 46 Jahre alte damalige
Dienstgruppenleiter zwar zu, bei den Vorgängen vor zwei Jahren den
Warnton des Rauchmelders der Zelle abgestellt zu haben. Er bestritt
aber, nicht rechtzeitig zur Zelle gegangen zu sein. «Der
Angeklagte hätte das Leben von Oury Jalloh retten können,
wenn diesem bereits beim ersten Signal aus der Zelle geholfen worden
wäre», sagte Oberstaatsanwalt Christian Preissner.
Er stützte sich auf ein Gutachten. «Nach dem Öffnen der
Gewahrsamzelle gelang es nicht mehr, das Leben von Oury Jalloh zu
retten. Er starb spätestens sechs Minuten nach dem ersten Signal
des Rauchmelders infolge eines Hitzeschocks», sagte der
Oberstaatsanwalt. Der Afrikaner war festgenommen worden, weil er in
alkoholisiertem Zustand Frauen belästigt und Widerstand gegen
Polizisten geleistet haben soll. Das 23 Jahre alte Opfer soll im Januar
2005 in Dessau trotz Fesselung an Händen und Füßen mit
einem Feuerzeug den Brand selbst ausgelöst haben.
Die Rechtsanwältin Regina Götz erklärte für die
Nebenklage: «Wir halten die Anklage für eine Hypothese, die
denkbar, aber wenig plausibel ist.» Es sei «unfassbar, wie
es dazu kommen konnte, dass Oury Jalloh an allen vier Gliedmaßen
gefesselt, den Brand ausgelöst haben soll», sagte sie.
«Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er das Feuer
entzündet hat, aber nicht, dass er an sich selbst Feuer gelegt
hat. Das wäre absurd», sagte Preissner. Der zweite Polizist
soll laut Anklage bei der Durchsuchung des Afrikaners ein Feuerzeug in
dessen Kleidung übersehen haben. Das bestritt der 44-jährige
Polizeimeister. «Da war mit Sicherheit kein Feuerzeug
drin», erklärte dessen Verteidiger.
Der frühere Dienstgruppenleiter sagte aus, in der
Lautsprecheranlage habe er Geräusche vernommen. «Es handelte
sich um plätschernde Geräusche.» Zu Beginn seiner
Aussage hatte sich der Mann entschuldigt. «Ich möchte sagen,
dass ich zutiefst bedaure, was am 7. Januar 2005 geschehen ist, und
dass es mir nicht vergönnt war, das Leben von Oury Jalloh zu
retten.» Er sei zu der Zelle geeilt. «Nach dem Öffnen
der Tür schlug uns schwarzer Qualm und beißender Rauch
entgegen. Man konnte weder atmen noch was sehen, es ging nichts
mehr», sagte der Angeklagte.
Der Dienstgruppenführer muss sich wegen gefährlicher
Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen verantworten,
sein 44 Jahre alter Kollege wegen fahrlässiger Tötung durch
Unterlassen. Die Mutter des Opfers wurde während des Prozesses von
Weinkrämpfen geschüttelt.
Aus Furcht vor Protesten sicherten mehrere Hundertschaften der Polizei
das Gebiet um das Gericht weiträumig ab. Rund 50 Freunde und
Bekannte des Opfers erinnerten auf Plakaten an Jalloh und forderten
Aufklärung. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International
verlangte mehr Fortbildung für Polizisten. «Wenn man
jahrelang auf der Straße Dienst macht und es immer wieder mit
einer bestimmten Klientel zu tun hat, dann verengt sich der
Gesichtskreis. Dann bekommt man Vorurteile», sagte der Sprecher
der Koordinierungsgruppe Polizei bei Amnesty, Falk Menzner, dem
Radiosender MDR INFO.
Am Nachmittag wurden weitere Zeugen gehört. Zwei Frauen sagten als
Zeuginnen aus, dass sie sich am Morgen des 5. Januar 2005 von dem
Afrikaner belästigt gefühlt hätten. Deshalb hätten
sie die Polizei gerufen. «Ich hatte mächtige Angst, dass
irgendwas passiert», sagte eine 48 Jahre alte Frau, die an diesem
Tag als Ein-Euro-Jobberin Müll in der Stadt aufgesammelt hatte. An
Einzelheiten konnten sich die Frauen jedoch nicht mehr erinnern.
In dem Prozess deutete sich am ersten Verhandlungstag bereits eine
längere Dauer des Verfahrens an als ursprünglich erwartet.
Der Vorsitzende Richter der 6. großen Strafkammer, Manfred
Steinhoff, setzte weitere Verhandlungstermine vorerst bis zum 11. Mai
an. Der Prozess wird am Mittwoch mit der Befragung weiterer Zeugen
fortgesetzt.
(Quelle: dpa)
Münchner will Recht auf saubere Atemluft vor Gericht durchsetzen -
Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht
Mi.28.03.07 - Der 30-jährige Dieter Janecek hat ein ganz klares Ziel vor Augen:
Er will für sich und seine Mitmenschen das Recht auf saubere
Atemluft durchsetzen. Deshalb wird er sich am Donnerstag (29. März,
10.30 Uhr) mit Vertretern des Landes Bayern vor dem
Bundesverwaltungsgericht treffen und über die Frage streiten, ob er
als Einzelperson die Stadt München dazu zwingen kann, über
einen Aktionsplan zur Feinstaubbekämpfung die von der
Europäischen Union vorgeschriebenen Grenzwerte einzuhalten.
Janecek wohnt seit zweieinhalb Jahren an einer der am stärksten
befahrenen innerstädtischen Straßen Deutschlands, der
Landshuter Allee in München. Dort wird der Grenzwert für
Feinstaubpartikel, der EU-weit seit dem 1. Januar 2005 höchstens 50
Mikrogramm pro Kubikmeter Luft betragen darf, regelmäßig
übertroffen. Die EU lässt Abweichungen vom Grenzwert an
höchstens 35 Tagen im Jahr zu, auch diese Grenze wird immer wieder
überschritten: «In den ersten zwölf Wochen des Jahres
bereits 15 mal», sagte Janecek der AP. Im vergangenen Jahr lag der
Wert der Belastung mit Feinstaubpartikeln an rund 100 Tagen über
der zulässigen Höchstgrenze.
Für Janecek ist es ganz klar, dass sich an diesem Zustand etwas
ändern muss. Zu viel Zeit ist seiner Ansicht nach schon ins Land
gegangen, in der die zuständigen Behörden nur zögerlich
in Aktion getreten sind. Allein die Tatsache, dass seit Festlegung der
Grenzwerte mehr als zwei Jahre ins Land gegangen sind, ohne dass ein
Aktionsplan gegen den Feinstaub erarbeitet, geschweige denn
verabschiedet und umgesetzt wurde, ist für ihn nicht hinnehmbar.
«Es geht ja nicht darum, dass man in seiner Wohnung an der
Landshuter Allee sitzen würde und dem Feinstaub ausgesetzt
wäre», sagt er. Täglich sei er in der bayerischen
Landeshauptstadt mit dem Fahrrad unterwegs. «Da kommt es schon mal
vor, dass man in Atemnot gerät», berichtet er.
Es soll also ein effektiver Weg her, damit die Luft nicht länger
übermäßig mit Feinstaubpartikeln belastet ist und durch
die Staubpartikel Gesundheitsgefahren für den Menschen entstehen.
Denn dass der Feinstaub für den vorzeitigen Tod von Menschen
verantwortlich ist, darauf hat nach Janeceks Worten die
Weltgesundheitsorganisation WHO dringend hingewiesen: Bis zu 75.000
Menschen sterben dem UN-Gremium zufolge allein in Deutschland zehn Jahre
früher als statistisch zu erwarten, weil sie durch Feinstaub
belastet sind.
Die Klage wird von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) unterstützt.
«Nach mehr als zwei Jahren gerichtlicher Auseinandersetzungen sind
wir hoffnungsvoll, dass die Feinstaub-Betroffenen endlich ihr Recht auf
saubere Luft gegen Stadtväter und Landespolitiker durchsetzen
können», erklärt DUH-Bundesgeschäftsführer
Jürgen Resch. Die Politiker hätten sich ihrer
«vornehmsten Pflicht, die Bürger vor schweren
Gesundheitsschäden zu schützen, beharrlich zu entziehen
versucht», kritisiert Resch.
Die DUH vertritt die Ansicht, dass die EU-Regelung in Deutschland ein
individuell einklagbares Recht ist, was von Gemeinden und Ländern
bestritten werde. Im Nachbarland Italien sei man da viel weiter.
«Dort würde es kein Bürgermeister wagen, sich den
Forderungen nach Umsetzung der EU-Regelungen zu widersetzen, weil er
dann befürchten müsste, selbst verklagt zu werden.»
Natürlich müsse man abwarten, wie es im Einzelnen ausfalle,
aber das Urteil der Leipziger Richter werde auf jeden Fall
Rechtssicherheit für den Bürger bringen, sagte Resch der
Nahcrichtenagentur AP.
Er hofft darauf, dass das Bundesverwaltungsgericht ein
bürgerfreundliches Urteil fällt. Wenn sich die Richter in den
roten Roben nämlich den Forderungen Janeceks anschlössen, sei
mit strengen Fahrverboten in allen von hohen Feinstaubbelastungen
betroffenen Ballungsgebieten zu rechnen. Nach DUH-Angaben gilt Feinstaub
derzeit als das schwerwiegendste Luftreinhalteproblem in Deutschland.
An den Hautverkehrsadern gehe das Problem vor allem auf die Emissionen
von Dieselmotoren zurück.
Für manche Kraftfahrer würde eine Verpflichtung der
Städte und Länder zur Einhaltung der Feinstaub-Grenzwerte zum
Teil deutlich spürbare Auswirkungen haben, sagt Resch: «Wer
es bisher gewohnt war, mit seinem Dieselstinker ohne Partikelfilter in
die Stadtzentren zu fahren, wird sich entweder auf den öffentlichen
Personennahverkehr umstellen oder schnell einen Partikelfilter
nachrüsten müssen.»
(Quelle: ap)