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Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendundvierten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Anschlagsserie bei Vereidigung des neuen US-Botschafters - Mehr als 100
Tote
Fr.30.03.07 - Begleitet von einer Anschlagsserie in mehreren irakischen Städten
ist am Donnerstag der neue US-Botschafter in Bagdad, Ryan Crocker,
vereidigt worden. Crocker stellte sich in seiner Antrittsrede vor den
Botschaftsmitarbeitern rückhaltlos hinter die Irak-Strategie von
Präsident George W. Bush und forderte den irakischen
Ministerpräsidenten Nuri Al-Maliki auf, «alle notwendigen
Schritte zu unternehmen, um das Land zu einen.»
Crocker löst Zalmy Khalilzad ab, der als UN-Botschafter nach New
York wechselt. An seiner Amtseinführung nahm auch der ebenfalls
erst vor kurzem nach Bagdad als Befehlshaber der US-Truppen im Irak
entsandte General David Petraeus teil.
Crocker, der fließend arabisch spricht, räumte ein, dass er
vor schwierigen Aufgaben stehe. «Aber wenn ich glauben würde,
dass sie unmöglich zu lösen sind, würde ich heute nicht
hier stehen», erklärte er. Crocker kam direkt von seinem
Posten als Botschafter in Pakistan nach Bagdad und ließ die sonst
übliche Zeremonie in Washington ausfallen. Zur Auseinandersetzung
zwischen dem von Demokraten beherrschten Kongress und Bush sagte er:
«Präsident Bushs Politik ist die richtige. Es hat
Fortschritte gegeben, es muss aber auch noch viel geschehen.» Die
Demokraten wollen die Finanzierung der Einsätze im Irak und
Afghanistan mit einem konkreten Rückzugstermin der Kampftruppen
aus dem Irak verbinden. Bush lehnt das entschieden ab; seine Strategie
sieht zunächst die Entsendung zusätzlicher Einheiten in den
Irak vor, mit denen die Gewalt vor allem im Großraum Bagdad unter
Kontrolle gebracht werden soll.
Selbstmordattentäter haben am Donnerstag im Irak mehr als 100
Menschen getötet. Die blutigen Anschläge auf Märkte in
Bagdad und in der nördlich davon gelegenen Stadt Chalis ereigneten
sich in überwiegend schiitischen Wohngebieten. Opfer waren
einfache Menschen, die zum Einkaufen für das Wochenende unterwegs
waren.
In Bagdad rissen zwei Selbstmordattentäter mindestens 61 Menschen
in den Tod. 40 Bewohner wurden nach Polizeiangaben verletzt. Die
Täter zündeten ihre am Leib getragenen Bomben am Eingang und
im Zentrum des Schalal-Marktes. Das betroffene Viertel Schaab im
Nordosten der Hauptstadt war eines der ersten Ziele bei der
jüngsten Offensive amerikanischer und irakischer Truppen, die
Mitte Februar eingeleitet wurde.
Etwa zur gleichen Zeit explodierten drei Autobomben in Chalis, 80
Kilometer nördlich von Bagdad. Dort kamen nach Polizeiangaben
mindestens 43 Menschen ums Leben, 86 wurden verletzt. Bei der ersten
Explosion fuhr ein Autofahrer sein mit Sprengstoff präpariertes
Fahrzeug in eine Menschenmenge auf einem mit Einkäufern dicht
gedrängten Markt. Im Abstand von jeweils fünf Minuten danach
explodierten zwei weitere Autobomben, die offenbar gezielt
Sanitäter und Schaulustige töten sollten. Chalis liegt in der
Provinz Dijala nördlich von Bagdad. Dort kommt es seit einigen
Monaten immer wieder zu Kämpfen zwischen sunnitischen
Aufständischen, schiitischen Milizionären und amerikanischen
sowie irakischen Truppen.
Bei weiteren kleineren Anschlägen kamen ebenfalls mehrere Menschen
ums Leben.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 30.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Lieber der Flammentod als ein Leben in Gewalt und Misshandlung - Immer
mehr afghanische Frauen verbrennen sich selbst
Fr.30.03.07 - Eine der Frauen verbrannte sich selbst, nachdem ihr Schwiegervater
versucht hatte, sie zu vergewaltigen. Eine andere zündete sich an,
weil ihre Brüder ihr nicht erlaubten zu heiraten. Eine dritte
berichtete vor ihrem Flammentod, ihr Ehemann habe sie täglich
geschlagen. Fälle wie diese, die die Afghanische
Menschenrechtskommission (AIHRC) gesammelt hat, dokumentieren
Erschreckendes: Für einige afghanische Frauen ist das Leben so
schwer, dass sie einen schrecklichen und schmerzhaften Tod dem Leben
vorziehen.
Die AIHRC sprach mit rund 800 Afghanen, deren Schwestern, Töchter
und Schwiegertöchter sich durch Selbstverbrennung das Leben
genommen haben. Sie nahmen sich das Leben, um häuslicher Gewalt,
Zwangsheirat oder frauenfeindlichen Sitten zu entfliehen. «Das
(Selbstverbrennung) ist ein richtig großes Problem in
Afghanistan», sagt Nabila Wafik, die sich für die
Hilfsorganisation Medica Mondiale mit dem Thema beschäftigt hat.
Ihre Organisation hat Frauen interviewt, die einen Suizidversuch
überlebt haben. Viele seien der Meinung, Selbstverbrennung sei ein
sicherer Weg sich umzubringen als beispielsweise die Einnahme von
Medikamenten. «Sie glauben, sie würden so ganz sicher
sterben», sagt Wafik.
Einige der verzweifelten Frauen ahmen mit ihrer Selbstverbrennung
offenbar nach, was sie im Fernsehen gesehen haben. Diese Beiträge
verschweigen jedoch häufig, dass die Überlebenden schwer
entstellt sind. Berichte aus Herat im Westen des Landes zeigen, dass
sich dort im vergangenen Jahr etwa 90 Frauen selbst in Brand gesetzt
haben. Mehr als 70 Prozent von ihnen starben - für die schweren
Brandverletzungen der Überlebenden kann das mangelhafte
Gesundheitssystem Afghanistans nur wenig tun.
Für den AIHRC-Bericht wurden Daten aus fünf afghanischen
Provinzen gesammelt. Verlässliche landesweite Statistiken gibt es
nicht. Dokumentationen verschiedener Menschenrechtsorganisationen legen
jedoch die Vermutung nahe, dass Selbstverbrennung ein landesweites
Problem ist, das sich immer weiter ausbreitet. Während vor zwei
Jahren in der Provinz Farah 15 Fälle von Selbstverbrennung pro Jahr
gemeldet wurden, waren es in den vergangenen sechs Monaten bereits 36.
In Kandahar wurden vor zwei Jahren 74 Fälle pro Jahr registriert,
allein in den vergangenen sechs Monaten waren es dagegen schon 77.
Die enorm gestiegene Zahl sei möglicherweise auch auf verbesserte
Datensammlung zurückzuführen, sagt Hussein Hasrat, der an der
Erstellung des AIHRC-Berichtes beteiligt war. Andererseits vertuschen
Familien aus Scham die Selbstverbrennung weiblicher Angehöriger.
Zudem werden viele Fälle wegen des lückenhaften afghanischen
Gesundheits- und Behördensystems nie offiziell verzeichnet.
«Diese Zahlen sind schockierend und sie sind bezeichnend für
das viel weit reichendere Problem der Gewalt gegen Frauen», sagt
Caroline Hames vom Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für
Frauen (UNIFEM). Und sie fügt hinzu: «Suizide sind nur eine
Konsequenz dieser Gewalt, die für so viele Frauen in Afghanistan
tägliche Realität ist.»
Unter den Taliban durften Frauen in Afghanistan keine Schule besuchen
und nicht arbeiten. Doch obwohl es seit ihrem Sturz im Jahr 2001
Fortschritte in Bezug auf die Rechte der Frauen gibt, schätzt
UNIFEM, dass mindestens jede Dritte schon einmal geschlagen, zum
Geschlechtsverkehr gezwungen oder anderweitig misshandelt wurde. Die
Täter stammen gewöhnlich aus dem Kreis der Familie oder sind
den Opfern zumindest bekannt. Strafrechtlich verfolgt wird kaum einer.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israel weist arabische Friedensinitiative zurück
Fr.30.03.07 - Israel hat die arabische Friedensinitiative zurückgewiesen und
pocht auf Verhandlungen. Vizeregierungschef Schimon Peres sagte im
öffentlich-rechtlichen Rundfunk, aus Sicht Israels gebe es nur
einen Weg zur Überwindung von Differenzen: "Verhandlungen". "Es ist
unmöglich zu sagen: was auch immer wir euch vorschlagen, ihr
müsst es annehmen." Wenn Israel den arabischen Friedensplan
akzeptiere, gäbe es für Verhandlungen keinen Raum mehr. "Durch
ein Diktat werden weder die Palästinenser, noch die Araber, noch
wir zu einem Ergebnis kommen", sagte Peres.
Der Gipfel der Arabischen Liga hatte am Mittwoch einstimmig zur
Umsetzung des saudiarabischen Nahost-Friedensplans aufgerufen, der 2002
in Beirut beschlossen worden war. Die im saudiarabischen Riad
versammelten arabischen Staatschefs wandten sich in einem direkten
Appell an die israelische Regierung und an die israelische
Bevölkerung, den arabischen Friedensplan zu akzeptieren.
Der damals von Saudi-Arabien vorgelegte Friedensplan von 2002 sieht
vor, dass die arabische Welt ihre Beziehungen zu Israel normalisiert,
wenn sich Israel auf seine Grenzen vor dem Sechs-Tage-Krieg von 1967
zurückzieht. Außerdem umfasst der Plan die Gründung
eines Palästinenserstaates sowie eine Regelung der Frage der
palästinensischen Flüchtlinge.
(Quelle: afp)
Simbabwe: Mindestens zehn Tote bei heftigen Kämpfen in Mogadischu
Fr.30.03.07 - Bei heftigen Kämpfen in der somalischen Hauptstadt Mogadischu sind
mindestens zehn Menschen getötet und drei weitere verletzt worden.
Unter den Opfern waren zahlreiche Zivilisten, wie ein Korrespondent der
Nachrichtenagentur AFP berichtete. Hubschrauber der äthiopischen
Luftwaffe beschossen mutmaßliche Rebellenstellungen in der
Nähe des früheren somalischen Verteidigungsministeriums. Zuvor
waren Panzer in dem südlichen Stadtteil aufgefahren, in dem sich
Soldaten und Aufständische seit Tagen Kämpfe liefern.
Die somalische Übergangsregierung hatte im Dezember und im Januar
in einer gemeinsamen Offensive mit der äthiopischen Armee die in
weiten Teilen des Landes herrschenden islamistischen Milizen vertrieben.
Bislang war die Regierung kaum in der Lage, der anhaltenden Gewalt in
der Millionenstadt Einhalt zu gebieten. Somalia hatte seit dem Sturz
des Machthabers Siad Barre 1991 keine funktionierende Zentralregierung
mehr.
(Quelle: afp)
USA fordern Nachbarn Simbabwes zu Einschreiten gegen Mugabe auf
Fr.30.03.07 - Die USA haben Simbabwes Nachbarstaaten zum Einschreiten gegen
Präsidenten Robert Mugabe aufgefordert.
Die Regierung von Mugabe betreibe "eine ziemlich schmutzige und
kompromisslose Kampagne, um die politische Opposition in Simbabwe
einzuschüchtern", sagte der Sprecher des
US-Außenministeriums, Tom Casey, am Mittwoch. Mugabe versuche, mit
allen Mitteln an der Macht zu bleiben. Die afrikanischen Staatschefs
müssten klar machen, dass sein Verhalten inakzeptabel sei. Eine
Entscheidung über schärfere Sanktionen gegen Simbabwe, wie
sie die USA und Großbritannien forderten, sei aber noch nicht
gefallen, sagte Casey weiter.
Auf einem Sondergipfel der Südafrikanischen
Entwicklungsgemeinschaft (SADC) in Tansania wollten 14 Staats- und
Regierungschefs über die zugespitzte politische und wirtschaftliche
Krise in Simbabwe beraten. Die USA hofften, die Nachbarstaaten nutzten
das Treffen, um Maßnahmen gegen Mugabe zu ergreifen, sagte Casey.
Sie sollten ihn öffentlich auffordern, seine in den vergangenen
Jahren begangenen politischen Fehler einzugestehen.
Verwirrung gab es über die erneute kurzzeitige Festnahme des
Oppositionsführer Morgan Tsvangirai nach einer Razzia im Hauptsitz
der Bewegung für einen Demokratischen Wandel (MDC) am Mittwoch.
Seine Partei bestätigte, er sei mit zehn weiteren Mitgliedern
festgenommen worden. Die Polizei dementierte dies später. Ein
Augenzeuge bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters, er habe
gesehen, wie Tsvangirai nach dem Abrücken der Polizei sein
Büro verlassen habe.
(Quelle: rtr)
Somalia: Zehntausende Einwohner von Mogadischu auf der Flucht
Fr.30.03.07 - Die anhaltenden Kämpfe in der somalischen Hauptstadt Mogadischu
haben nach UN-Angaben seit Anfang Februar fast 60.000 Menschen in die
Flucht geschlagen. Allein in der vergangenen Woche seien mehr als
10.000 Einwohner geflohen, berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk
UNHCR unter Berufung auf Hilfsorganisationen vor Ort.
Gefechte zwischen Aufständischen und Soldaten kosteten am
Donnerstag in Mogadischu erneut mindestens zehn Menschen das Leben.
Etwa 50 Personen wurden nach Krankenhausangaben verletzt. Ein
Augenzeuge berichtete, die Leiche eines äthiopischen Soldaten sei
durch die Stadt geschleift worden.
Somalische Soldaten und ihre Verbündeten aus Äthiopien
griffen mehrere Stützpunkte der Aufständischen an. Dabei
setzten die Äthiopier nach Augenzeugenberichten auch Hubschrauber
ein. Die Regierung sprach vom Beginn einer dreitägigen Offensive
zur Wiederherstellung der Ordnung angesichts des allmählichen
Rückzugs der äthiopischen Soldaten, die mit ihrem Eingreifen
auf Seiten der schwachen somalischen Übergangsregierung zum
Jahreswechsel die islamistischen Milizen zurückgedrängt
hatten.
Das Rückgrat der Extremisten sei gebrochen, erklärte der
äthiopische Ministerpräsident Meles Zenawi am Donnerstag vor
dem Parlament in Addis Abeba. Daher hätten die äthiopischen
Truppen mit dem Rückzug begonnen. Inzwischen seien bereits mehr
als zwei Drittel der Soldaten zurückgekehrt, sagte Zenawi, ohne
Zahlen zu nennen.
(Quelle: ap)
Keine harte Reaktion des UN-Sicherheitsrats zu britischen Soldaten
Fr.30.03.07 - Großbritannien hat im Konflikt um die 15 im Iran festgehaltenen
Soldaten im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nur eine
verwässerte Erklärung erreicht, in der sich das Gremium
«tief besorgt» äußert. Die Anrufung des
Sicherheitsrats scheint die Fronten in dem Streit sogar noch
verhärtet zu haben. Der iranische Chefunterhändler Ali
Ladridschani deutete an, dass Teheran den Soldaten auch den Prozess
machen könnte. Die Türkei bot ihre Vermittlung an.
Nach mehr als vierstündigen Verhandlungen beschloss der
Sicherheitsrat am Donnerstag schließlich eine Erklärung, in
der sich das Gremium «tief besorgt» für die
Gefangennahme der Briten und ihre anhaltende Inhaftierung
äußert. Der Iran wird aufgefordert, britischen
Konsularbeamten Zugang zu den Soldaten zu gewähren. Der
Sicherheitsrat unterstützte auch den Aufruf von
Generalsekretär Ban Ki Moon, der den iranischen
Außenminister Manutschehr Mottaki zu einer schnellen Lösung
und der Freilassung der 15 Soldaten aufgerufen hatte.
Eine schärfere Formulierung, in der der Sicherheitsrat die
Gefangennahme «missbilligt» und die sofortige Freilassung
gefordert hätte, scheiterte vor allem am Widerstand Russlands und
auch Südafrikas. Umstritten war vor allem die Formulierung, wonach
sich die 15 Briten «in irakischen Gewässern» befanden.
Der Iran wirft den Soldaten vor, in sein Hoheitsgebiet eingedrungen zu
sein, und hat angekündigt, eine Protestnote an die Vereinten
Nationen zu senden.
Der britische UN-Botschafter Emyr Jones Parry äußerte sich
dennoch zufrieden damit, dass es eine einstimmige Erklärung war.
Er hoffe, dass dies «die richtige Botschaft» an den Iran
sei. Wie das britische Außenministerium am Donnerstagabend der
Nachrichtenagentur AP sagte, hat der Iran der britischen Botschaft eine
formelle Note zukommen lassen. Zum Inhalt wollte sich eine Sprecherin
aber nicht äußern. Großbritannien prüfe die
Mitteilung sehr ernsthaft und werde dem Iran sehr schnell eine Antwort
zukommen lassen, sagte sie.
Die Türkei hatte zuvor angeboten, dass auch ein türkischer
Diplomat die Briten besuchen könnte. Die Türkei
unterhält sowohl gute Beziehungen zum Westen als auch zum Iran.
Premierminister Tony Blair lehnte am Donnerstag Zugeständnisse an
den Iran ab. Ein Feilschen komme nicht in Frage, sagte er im Sender
ITV. Den Iranern müsse klar gemacht werden, dass es weitere
Möglichkeiten gebe, «wenn sie nicht bereit sind, sich
vernünftig zu verhalten».
(Quelle: ap)
Chinesischer Stahlkonzern streicht 17.500 Stellen
Fr.30.03.07 - Der chinesische Stahlkonzern Shougang streicht einem Zeitungsbericht
zufolge 17.500 Stellen, weil er seine Produktion aus der Hauptstadt
Peking heraus verlagern muss. Die Regierung habe dies angeordnet, um
für bessere Luft in der Stadt bei den Olympischen Spielen im
kommenden Jahr zu sorgen, berichtete die Zeitung «China»
unter Berufung auf den Vorstandschef von Shougang, Zhu Jimin. Die Zahl
der Mitarbeiter in Peking werde von 50.000 auf 30.000 sinken. Einige
Arbeiter würden in einem neuen Stahlwerk in der benachbarten
Provinz Hebei weiterbeschäftigt. Das Stahlwerk von Shougang in
Peking war einmal das größte in China. Seine Stilllegung ist
einer der Kernpunkte bei den Bemühungen der Regierung, die Stadt
sauberer zu machen.
(Quelle: ap)
Polen droht mit Veto gegen neue EU-Verfassung
Fr.30.03.07 - Polen droht mit seinem Veto gegen eine Wiederbelebung des
EU-Verfassungsprozesses, sollte sein Vorschlag zur Änderung des
Abstimmungsverfahrens innerhalb der Gemeinschaft nicht
berücksichtigt werden. "Wenn wir das demokratische Prinzip
festigen wollen, dass jeder Bürger den gleichen Einfluss auf den
Entscheidungsprozess hat, dann müssen wir etwas am
Abstimmungssystem tun", sagte Marek Cichocki, einer der Berater von
Präsident Lech Kaczynski, der Nachrichtenagentur AFP.
Der Verfassungsentwurf liegt seit seiner Ablehnung bei Referenden in
Frankreich und den Niederlanden vor zwei Jahren auf Eis. Die deutsche
EU-Ratspräsidentschaft will beim EU-Gipfel im Juni erreichen, dass
sich die Mitgliedstaaten zu einer Wiederaufnahme der Verhandlungen
verpflichten, damit die Verfassung Mitte 2009 in Kraft treten kann. Die
polnischen Unterhändler dringen darauf, dass auf dem Gipfel eine
Überprüfung der Stimmgewichtung in das Mandat für die
Regierungskonferenz, welche die Neuverhandlungen führen soll,
eingeschlossen wird.
Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte auf dem
EU-Jubiläumsgipfel am Wochenende in Berlin erklärt,
hinsichtlich der Stimmgewichtung seien alle Möglichkeiten
ausgeschöpft. Cichocki sagte dazu, wenn Deutschland das polnische
Anliegen zurückweise, ziehe es deutsche Interessen einer
Wiederaufnahme der Verhandlungen vor.
Der Verfassungsentwurf sieht für eine qualifizierte Mehrheit bei
Abstimmungen in der EU die Zustimmung von mindestens 15 der 27
Mitgliedstaaten vor, die zugleich 65 Prozent der Bevölkerung der
Europäischen Union ausmachen. Das mit 38 Millionen Einwohnern
bevölkerungsreiche Polen setzt sich hingegen dafür ein, dass
für eine qualifizierte Mehrheit die Zustimmung der Mehrheit der
Mitgliedstaaten ausreicht, also 14 von 27, die zugleich 62 Prozent der
Bevölkerung repräsentieren.
(Quelle: afp)
EU-Kommission sieht Aussichten für 2007 weiterhin positiv
Fr.30.03.07 - Die EU-Kommission sieht die Aussichten für die
Wirtschaftsentwicklung in der Eurozone im Gesamtjahr 2007 weiter
positiv. Im ersten Quartal sei allerdings vorübergehend wegen der
Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland eine leichte
Wachstumsabschwächung zu erwarten, heißt es in dem am
Donnerstag vorlegten Quartalsbericht zur Wirtschaftslage in der Eurozone.
Die Aussichten seien aber weiter günstig. Industrie- und
Verbrauchervertrauen lägen auf hohem Niveau. Entsprechend der
jüngsten Zwischenprognose der Kommission werde für 2007 ein
robustes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,4 Prozent erwartet. Im
vergangenen Jahr hatte sich das Wirtschaftswachstum auf 2,6 Prozent und
2005 auf 1,4 Prozent belaufen.
Die verbesserten Wirtschaftsaussichten haben sich der Kommission
zufolge bisher nicht in einem rascheren Anstieg der Löhne
niedergeschlagen. Kurzfristig seien zwar Aufwärtsrisiken für
die Preise vorhanden, doch dürften Arbeitsmarktreformen und der von
der Globalisierung ausgehende Druck dazu beitragen, übertriebene
Lohnforderungen zu begrenzen. Die Risiken für die Konjunktur
erschienen grundsätzlich sehr ausgeglichen, hieß es.
(Quelle: ddp)
Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im März abermals gesunken -
Noch 4,108 Millionen Menschen ohne Job
Fr.30.03.07 - Die Hoffnungen auf eine deutlich sinkende Arbeitslosenzahl sind zu
Frühlingsbeginn kräftig aufgeblüht: Um 114.000 ging die
Zahl der Arbeitslosen im März zurück, wie die Nürnberger
Bundesagentur für Arbeit mitteilte. Damit waren noch 4,108
Millionen Menschen ohne Job, 869.000 weniger als vor einem Jahr. Zuletzt
hatte es 2001 weniger Arbeitslose in einem März gegeben. "Getragen
von der guten Konjunktur fiel die Frühjahrsbelebung am
Arbeitsmarkt kräftig aus", erklärte BA-Chef Frank-Jürgen
Weise. Auch die Ausichten sind günstig: "Die Kräftenachfrage
bleibt hoch."
Der Rückgang der Arbeitslosenzahl fiel fast doppelt so stark aus
wie im Durchschnitt der letzten drei Jahre. Weise sieht darin einen
"Beleg für die ungebrochene Wirkung der konjunkturellen Belebung
des Arbeitsmarktes". Die Arbeitslosenquote sank binnen eines Monats um
0,3 Prozentpunkte auf 9,8 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie noch bei
zwölf Prozent gelegen.
Die positive Entwicklung erklärt sich laut Weise vor allem mit dem
Aufbau sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Daneben
hätten aber auch eine höhere Zahl staatlich geförderter
Jobs und die durch die demographische Entwicklung sinkende Zahl der
Arbeitskräfte dazu beigetragen. Im Westen sank die Arbeitslosenzahl
um 84.000 auf knappe 2,7 Millionen. Die Arbeitslosenquote lag dort bei
8,1 Prozent. Im Osten verringerte sich die Arbeitslosenzahl um 30.000
auf 1,41 Millionen. Hier lag die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent
allerdings weiter doppelt so hoch wie im Westen.
Bei der BA sind derzeit insgesamt 640.000 freie Stellen gemeldet, von
denen 85 Prozent sofort zu besetzen sind. Im Vergleich zum Vorjahr sind
dies 133.000 mehr, gegenüber dem Februar bedeutet dies allerdings
einen Rückgang um 22.000. Dafür gab es bei den
ungeförderten sozialversicherungspflichtigen Stellen, die laut BA
die positive Marktentwicklung besser widerspiegeln, einen Zuwachs von
6000. Von allen bei der BA gemeldeten Stellen waren 61 Prozent oder
392.000 ungefördert. Neben diesen Stellen kennt die BA noch weitere
freie Jobs, die etwa bei privaten Vermittlern registriert sind, so dass
das Stellenangebot insgesamt sogar bei 891.000 liege.
(Quelle: afp)
Fast 500.000 Vollzeitbeschäftigte auf Zuschüsse angewiesen
Fr.30.03.07 - Knapp eine halbe Million Vollzeitbeschäftigte in Deutschland sind
trotz ihres Einkommens auf finanzielle Zuschüsse zur
Existenzsicherung angewiesen. Insgesamt erhielten im August 2006 rund
570.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte solche
Sozialleistungen, davon 470.000 mit einem Vollzeitjob, wie der bei der
Bundesagentur für Arbeit (BA) für die Grundsicherung
zuständige Vorstand Heinrich Alt am Donnerstag in Nürnberg. Im
Januar 2005 waren es noch insgesamt 287.000.
«Hier gibt es eine Entwicklung, die ist besorgniserregend»,
betonte Alt. Die Frage sei, ob dies so hingenommen werden müsse.
Alts Angaben zufolge beziehen auch etwa 13.000 Mitarbeiter des
öffentlichen Dienstes Leistungen der Grundsicherung. Diese
können zwischen 40 Euro bis zu etwa 200 Euro im Monat betragen.
Selbst innerhalb der Bundesagentur für Arbeit habe es
Einzelfälle gegeben, die wegen ihres niedrigen Einkommens auf
finanzielle Zuschüsse angewiesen seien. «Hier haben aber wir
die Löhne aufgestockt», sagte Alt. «Wir würden uns
freuen, wenn der öffentliche Dienst das auch machen
würde».
(Quelle: ap)
Linkspartei bietet SPD Bundestagsmehrheit für Mindestlohn an
Fr.30.03.07 - Angesichts des andauernden Streits in der Koalition zur Einführung
von Mindestlöhnen hat die Linkspartei der SPD eine
Bundestagsmehrheit gegen die Stimmen der Union in Aussicht gestellt.
«Die SPD ist gefragt», sagte
Linkspartei-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch am
Donnerstag in Berlin. «Sie kann ein Gesetz zum Mindestlohn
vorlegen, und es gibt eine Mehrheit im deutschen Bundestag»,
fügte er hinzu.
Bei einem Spitzentreffen am Mittwochabend im Kanzleramt zu dem Thema
hatte die Koalition keine Einigung erzielt. «Wir haben noch einen
harten Weg vor uns», sagte SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler nach
dem Treffen.
Bartsch mahnte dringenden Handlungsbedarf an. Die Situation, dass eine
Friseuse in Brandenburg drei Euro Stundenlohn habe und in Hessen acht
Euro, sei nicht zu akzeptieren. Bedenken der Union wies der
Bundesgeschäftsführer zurück. «Die Mär von der
Vernichtung von Arbeitsplätzen ist wirklich absurd», sagte
er. Die Einführung eines Mindestlohns etwa in Großbritannien
habe nicht zu einem Arbeitsplatzabbau geführt.
(Quelle: ddp)
Regierung plant mehr Schutz gefährdeter Kinder
Fr.30.03.07 - Die Bundesregierung will Familiengerichten ein früheres Eingreifen
ermöglichen, um Erziehungsmängeln gezielter entgegen treten zu
können. Dabei soll den Gerichten per Gesetz ein konkreter
Maßnahmenkatalog an die Hand gegeben werden.
Unter anderem sind gerichtlich angeordnete Erziehungsgespräche
geplant, berichtete die «Berliner Morgenpost». Dabei soll es
auch Ordnungsgelder gegen Eltern geben, die solchen Gesprächen
unentschuldigt fernbleiben. Eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums
bestätigte am Donnerstag diese Vorschläge einer Arbeitsgruppe.
Ein Gesetz sei in Vorbereitung und solle noch vor der Sommerpause ins
Kabinett kommen. Ein Kernpunkt der Vorschläge seien die
verpflichtenden Erziehungsgespräche, wenn beispielsweise ein Kind
in Kindergarten oder Schule als vernachlässigt oder
entwicklungsgestört auffalle. Dabei sollen die Familiengerichte mit
den betroffenen Eltern drohende oder vorliegende Gefährdungen
erörtern. Der Katalog der Arbeitsgruppe enthält noch keinen
Vorschlag zur Höhe der Geldstrafe für unentschuldigtes Fehlen.
Letzte Stufe der möglichen Maßnahmen ist, das Kind aus
seiner Familie zu nehmen.
Ein Ordnungsgeld wird vom Richter verhängt, wenn sich
Prozessbeteiligte oder Zuschauer vor Gericht falsch verhalten.
Bußgelder sind im streng juristischen Sinne etwas anderes,
nämlich ein verwaltungsrechtlicher Akt bei meist kleineren Vergehen
wie Ordnungswidrigkeiten.
(Quelle: dpa)
Außenminister Steinmeier lehnt Entschuldigung bei Kurnaz ab
Fr.30.03.07 - Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat die Verantwortung
für den Fall Kurnaz übernommen, eine Entschuldigung bei dem
ehemaligen Guantanamo-Häfling aber abgelehnt. Am Ende einer
fünfeinhalbstündigen Vernehmung vor dem BND-Ausschuss sagte
er am Donnerstag, entschuldigen könne man sich nur für
Fehlverhalten. Dies liege aber nicht vor: «Bedauern ist die
richtige Antwort, eine Entschuldigung ist nicht angezeigt,» sagte
der SPD-Politiker.
Zur politischen Verantwortung erklärte er: «Ich habe daran
teilgehabt, ich bekenne mich dazu.» Er flüchte nicht. Auch
der frühere Bundesinnenminister Otto Schily, der vorher als Zeuge
ausgesagt hatte, sagte, er trage für alle Handlungen seines
Ministeriums die politische Verantwortung. Dies falle ihm leicht, weil
sich seine Mitarbeiter korrekt verhalten hätten. Er selbst sei nie
unmittelbar mit dem Fall Kurnaz beschäftigt gewesen.
Außerdem wartete Steinmeier mit einer Überraschung auf. Er
sagte, eine innenpolitische Wende in den USA in der zweiten Hälfte
2005 sei der Grund dafür gewesen, dass Bundeskanzlerin Angela
Merkel bei US-Präsident George Bush die Freilassung von Kurnaz
erreichen konnte.
Kurnaz war 2001 in Pakistan festgenommen und als
Terror-Verdächtiger an die US-Behörden überstellt
worden. Von 2002 bis 2006 war er in Guantanamo auf Kuba inhaftiert. Die
Opposition warf Steinmeier und der rot-grünen Regierung vor,
mitverantwortlich dafür zu sein, dass der in Bremen geborene
Türke vier Jahre in dem Gefangenenlager sein musste.
Bisher galt, dass erst das Engagement Merkels beim Besuch in Washington
Anfang 2006 dazu geführt habe, dass Kurnaz nach vierjähriger
Haft in dem umstrittenen Lager freikam. Steinmeier sagte dazu,
dafür sei die Erfüllung von Voraussetzungen notwendig
gewesen. Anfang 2006 habe es erstmals Signale aus den USA gegeben, dass
man bereit sei, Häftlinge auch in andere als die Länder ihrer
Staatsangehörigkeit zu entlassen.
Die US-Signale beruhten laut Steinmeier auf einer 180-Grad-Wende in der
amerikanischen Innenpolitik nach der Verschärfung der Kritik am
Irak-Krieg und dem Skandal um das Bagdader US-Gefängnis Abu
Ghreib. Die US-Regierung sei danach bestrebt gewesen, die Zahl der
Gefangenen in Guantanamo drastisch zu reduzieren. Bis Anfang 2006 habe
es seitens der USA weder offizielle noch inoffizielle Angebote gegeben,
Kurnaz freizulassen.
Für die rot-grüne Bundesregierung habe sich also zu keiner
Zeit die Möglichkeit ergeben, Kurnaz freizubekommen. Die USA
hätten Deutschland im Fall Kurnaz noch nicht einmal als
Ansprechpartner anerkannt. Auch die Türkei, die sich um die
Freilassung ihres Staatsbürgers bemüht habe, sei erfolglos
geblieben, sagte Steinmeier.
Die 2002 beschlossene Einreisesperre für Kurnaz nach Deutschland
verteidigte Steinmeier ebenso wie Schily. Beide bestätigten auch,
dass die zuständigen Sicherheitsbehörden Kurnaz als
«Gefährder» eingestuft hätten. Hinweise, die
diesen Schluss unumgänglich gemacht hätten, habe es in
größerer Zahl gegeben.
Die gegen ihn gerichteten Vorwürfe wies Steinmeier als im
wesentlichen gegenstandslos zurück. Angesichts der Sicherheitslage
nach den Anschlägen auf die USA im September 2001 sei die
Einreisesperre für Kurnaz im Falle seiner Freilassung
«notwendig und zumutbar» gewesen.
(Quelle: ap)
Feinstaub-Streit wird vor Europäischem Gerichtshof entschieden
Fr.30.03.07 - Der Münchner Streit um einen fehlenden Aktionsplan gegen
gefährlichen Feinstaub geht vor den Europäischen Gerichtshof
in Luxemburg. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ließ am
Donnerstag die Frage offen, ob der Münchner Dieter Janecek, der an
einer stark befahrenen Straße wohnt, ein individuelles Recht auf
saubere Atemluft gerichtlich durchsetzen kann. Nach deutschem Recht sei
ein individuelles Klagerecht auf saubere Luft jedenfalls nicht
vorgesehen, hieß es in der Entscheidung der Leipziger Richter.
Der Anwohner der stark befahrenen Landshuter Allee in München
wollte die Stadt zwingen, mit einem Aktionsplan auf die häufige
Überschreitung der von der Europäischen Union festgelegten
Feinstaub-Grenzwerte zu reagieren. Der Bayerische
Verwaltungsgerichtshof hatte die Stadt bereits zu Maßnahmen
verurteilt, mit deren Hilfe die Grenzwerte so weit wie möglich
eingehalten werden sollen. Janecek will aber deren unbedingte
Einhaltung erzwingen.
Obwohl das Bundesverwaltungsgericht kein Urteil fällte, zeigte
sich Janeceks Anwalt Remo Klinger zufrieden mit dem Verlauf des
Verfahrens. Erstmals habe ein höchstes deutsches Gericht
festgestellt, dass die Kommunen zur Einhaltung der Feinstaub-Grenzwerte
verpflichtet seien und bei Überschreitung mit Aktionsplänen
reagieren müssten.
Tatsächlich hatte der Vorsitzende Richter Wolfgang Sailer in der
mündlichen Verhandlung betont, es sei unstreitig, dass der im
Januar 2005 von der Europäischen Union festgelegte Grenzwert
für Feinstaubpartikel von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft
einzuhalten sei. Die Kommunen seien auch dazu verpflichtet, mit
Aktionsplänen einzuschreiten, wenn der Grenzwert
überschritten werde.
Dies darf laut EU an höchstens 35 Tagen im Jahr passieren. In der
Landshuter Allee wurde der Grenzwert im Jahr 2006 jedoch an rund 100
Tagen überschritten. Janecek und sein Anwalt monierten, dass in
München bisher weder ein Aktionsplan erlassen worden sei noch
andere Maßnahmen gegen die Feinstaubbelastung ergriffen worden
seien.
Die Sprecherin des Bundesverwaltungsgerichts, Sibylle von Heimburg,
sagte, der Europäische Gerichtshof werde
erfahrungsgemäß innerhalb der nächsten ein bis zwei
Jahre über die ihm nun vorzulegende Rechtsfrage entscheiden.
Anschließend komme das Verfahren zur endgültigen
Entscheidung wieder zum Bundesverwaltungsgericht zurück.
Der Sprecher des Deutschen Städtetags, Axel Welge, sagte, es sei
sinnvoll, dass diese Frage nun auf europäischer Ebene geklärt
werde. Der Städtetag habe sich immer dafür eingesetzt, dass
die Feinstaubrichtlinien auch umgesetzt würden. Welge verwies aber
darauf, dass die Kommunen allein mit dem Kampf gegen den Feinstaub
überfordert seien: «Bund und Länder sind jetzt
gefordert, Maßnahmen in Bezug auf die Schadstofftechnik
voranzubringen.»
Der BUND erklärte, das Urteil unterstütze das Ringen von
Bürgern und Umweltverbänden um saubere Luft: «Der
Anspruch auf Maßnahmen zur Verringerung der Feinstaubbelastung
wurde von den Richtern unterstrichen.» Leider hätten die
Bundesrichter dem Münchner Kläger aber noch nicht das Recht
zugesprochen, diesen Anspruch notfalls auch vor Gericht durchzusetzen.
(Aktenzeichen: Bundesverwaltungsgericht 7 C 9.06)
(Quelle: ap)
Zwei Drittel der deutschen Biotope sind akut gefährdet
Fr.30.03.07 - Die Lebensräume vieler Tiere und Pflanzen in Deutschland sind
gefährdet oder akut von der Vernichtung bedroht. Auf mehr als zwei
Drittel der knapp 700 so genannten Biotoptypen in Deutschland treffe
dies zu, sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Er stellte in
Berlin die Rote Liste der gefährdeten Biotop-Typen vor. Demnach
gelten einst in Deutschland weit verbreitete Lebensraumtypen wie
blumenreiche Weiden, Streuobstwiesen, Klarwasserseen und Moore als stark
gefährdet.
"Der Verlust an Lebensräumen ist in vielen Fällen nicht oder
nur mit großem Aufwand rückgängig zu machen",
erklärte Gabriel. "Sterben Tier- und Pflanzenarten aus, ist dies
unwiderruflich." Naturschutzmaßnahmen hätten jedoch dazu
beigetragen, dass andere Lebensräume aktuell stabil seien oder
teilweise sogar leicht zunähmen. Positiv wirkten sich etwa die
Umsetzung von europäischem Naturschutzrecht und die Zunahme des
ökologischen Landbaus aus.
Demnach erholen sich dank der Ausweisung mehrerer Nationalparks an
Nord- und Ostseeküste die Bestände von naturnahem
Salzgrünland und Dünengebüschen. Neben dem
ökologischen Landbau tragen Biosphärenreservate und Naturparks
der Roten Liste zufolge dazu bei, den Rückgang von Gebüschen,
bestimmten Heckentypen und Feldgehölzen aufzuhalten. Auch die
Bestände von Auwäldern und Weidengebüschen an
Bächen und Flüssen sind stabil.
Es bestehe dennoch "kein Grund zur Entwarnung", betonte der
Vizepräsident des Bundesamtes für Naturschutz, Rudolf Ley. Die
Situation habe sich in den vergangenen Jahren weiter verschlechtert.
Die aktuelle Entwicklungstendenz fällt demnach allerdings für
die Meere und die Alpen noch etwas günstiger aus als für die
Landlebensräume und Gewässer im Binnenland; dies sei auf die
intensivere Flächennutzung sowie das stärkere Verkehrs- und
Siedlungsaufkommens zurückzuführen.
Gabriel erklärte, die Anstrengungen des Naturschutzes müssten
auf allen Ebenen fortgeführt werden, "um unser Naturerbe dauerhaft
zu sichern". Gemeinsam mit den anderen G8-Staaten hatte sich die
deutsche Bundesregierung Mitte März dazu verpflichtet, den
Rückgang der biologischen Vielfalt bis 2010 aufzuhalten.
(Quelle: afp)
WHO empfiehlt Beschneidung von Männern im Kampf gegen Aids
Fr.30.03.07 - Im Kampf gegen die Immunschwäche Aids empfiehlt die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Beschneidung von Männern.
Die Entfernung der Vorhaut könne das heterosexuelle
Ansteckungsrisiko für Männer mehreren Studien zufolge um bis
zu 60 Prozent senken, begründeten die WHO und das Aidsprogramm der
Vereinten Nationen (UNAIDS) am Mittwoch in Genf die Empfehlung.
Gleichzeitig müssten Männer aber sorgfältig darüber
aufgeklärt werden, dass die Beschneidung das Infektionsrisiko
lediglich senke, eine Ansteckung aber nicht generell verhindere. Warum
die Entfernung der Vorhaut das Ansteckungsrisiko senkt, ist nicht
endgültig geklärt.
«Die Empfehlungen bedeuten einen wichtigen Schritt nach vorn in
der HIV-Vorbeugung», betonte der WHO-Direktor für HIV/Aids,
Kevin De Cock. Ländern mit einer hohen heterosexuellen
Übertragungsrate und einem geringen Anteil beschnittener
Männer stehe nun eine zusätzliche Maßnahme zur
Verfügung, die das HIV-Infektionsrisiko bei heterosexuellen
Männern senken könne. Es werde allerdings Jahre dauern, bis
sich eine derartige Strategie auch in den Aidsepidemiezahlen
niederschlage. Weltweit sind nach WHO-Schätzungen etwa 665
Millionen Männer beschnitten, das sind rund 30 Prozent aller
erwachsenen Männer.
Drei bedeutende Studien in Südafrika, Kenia und Uganda haben
gezeigt, dass die Entfernung der Vorhaut das Ansteckungsrisiko bei
heterosexuellem Verkehr für Männer um bis zu 60 Prozent senkt.
Diese Ergebnisse werden von zahlreichen Beobachtungen gestützt,
die eine Verbindung zwischen der HIV-Infektionsrate und dem Anteil
beschnittener Männer in einer Weltregion nahe gelegt haben.
Über die Ursache des reduzierten Infektionsrisikos gibt es
verschiedene Vermutungen. So ist es möglich, dass die Zellen an der
Oberfläche der Eichel ohne Vorhaut verdicken und so einen besseren
Schutz gegen das Eindringen der Viren bieten. Eine andere
Erklärung: Der Penis trocknet nach dem Geschlechtsverkehr ohne
Vorhaut schneller - das Virus wird deaktiviert. Vielleicht spielt auch
die Reduktion der Hautoberfläche eine Rolle, denn in ihr finden
sich zahlreiche Immunzellen, die Viren aufnehmen und sie zu den
Lymphknoten bringen.
Die weltweite Aidsepidemie hatte 2006 mit 39,5 Millionen Infizierten
einen neuen Höchststand erreicht. 4,3 Millionen Menschen steckten
sich nach UNAIDS-Angaben neu an. 2,9 Millionen Menschen starben an den
Folgen der Immunschwäche.
(Quelle: dpa)