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Irak am tausendundfünften Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Al Sadr ruft zu Massendemonstration gegen die USA auf. 18 schiitische
Polizisten wegen Massaker festgenommen
Sa.31.03.07 - Der radikale schiitische Geistliche Muktada al Sadr hat die Iraker zu
einer Massendemonstration gegen die Präsenz der US-Truppen
aufgerufen. «Der Abzug des Besatzers bedeutet Stabilität
für den Irak, den Sieg des Islams ... sowie die Niederlage des
Terrorismus und der Ungläubigen», erklärte der Prediger
in einer Botschaft, die während des Freitagsgebets in Kufa sowie
im Bagdader Stadtteil Sadr City verlesen wurde.
Das «unterdrückte irakische Volk» solle seine Stimme
erheben gegen «Besatzung, Zerstörung und Terrorismus»,
forderte Al Sadr. Am 9. April, vier Jahre nach der Eroberung Bagdads
durch die US-Streitkräfte, sollten die Iraker für den Abzug
der ausländischen Truppen auf die Straße gehen. «Nach
vier Jahren hat der Irak weder (Trink-)Wasser, noch Strom, Benzin oder
Sicherheit und befindet sich überdies mitten im Aufruhr»,
hieß es in der Erklärung, die das Datum 25. März trug.
Weiter warf der schiitische Geistliche den USA vor, den Irak in der
arabischen Welt isoliert zu haben - kein Land kümmere sich mehr
darum, «dass der Irak in Trümmern liegt».
Erst am Donnerstag hatte eine Serie blutiger Anschläge mindestens
181 Menschen das Leben gekostet. Ziele waren zumeist schiitische
Wohngebiete. Allein im Bagdader Stadtviertel Schaab sowie in Chalis
nördlich der Hauptstadt rissen Selbstmordattentäter
mindestens 125 Menschen in den Tod, mehr als 150 weitere wurden
verletzt.
Die US-Streitkräfte gaben unterdessen den Tod eines weiteren
Soldaten bekannt. Er fiel am Donnerstag einer Bombenexplosion in Bagdad
zum Opfer. Ein zweiter Soldat wurde verletzt. Seit Beginn des Krieges
im März 2003 kamen damit nach einer Zählung der
Nachrichtenagentur AP mindestens 3.245 US-Militärangehörige
ums Leben.
Die irakischen Behörden haben am Freitag 18 schiitische Polizisten
festgenommen, die an einem Massaker an sunnitischen Zivilisten in der
nordirakischen Stadt Tel Afar beteiligt gewesen sein sollen.
Dies berichtete die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak unter Berufung auf
die Provinzpolizei in Mossul. Schiitische Todesschwadronen, die sich
aus Polizeiangehörigen zusammensetzten, hatten in der Nacht zum
Mittwoch 70 Sunniten willkürlich in ihren Häusern erschossen.
Die Bluttat war als Vergeltung für Bombenanschläge gedacht,
denen in Tel Afar wenige Stunden zuvor 80 Schiiten zum Opfer gefallen
waren. Bereits in den ersten Stunden nach dem Massaker waren 18
schiitische Polizisten festgenommen worden. Nach Angaben der
Provinzregierung in Mossul waren sie aber kurze Zeit später
«auf Druck der Bevölkerung» wieder freigelassen
worden. Zunächst war nicht klar, ob es sich um die selben Beamten
gehandelt hatte, die am Freitag festgenommen wurden.
(Quellen: ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 31.03.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshunderteinundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Guantanamo: Terrorverdächtiger wirft US-Behörden Folter vor
Sa.31.03.07 - Ein in Guantanamo als mutmaßlicher Terrorist festgehaltener
Saudiaraber hat den USA vorgeworfen, ihm mit Folter Geständnisse
abgepresst zu haben. Bei einer Anhörung im US-Gefangenenlager auf
Kuba sagte Abd al Rahim al Naschiri laut einem am Freitag vom Pentagon
veröffentlichten Protokoll, er sei gezwungen worden, eine
Beteiligung beim Anschlag auf das Kriegsschiff «USS Cole»
im Jahr 2000 zu gestehen.
Bei dem Angriff im jemenitischen Hafen Aden wurden 17 US-Seeleute
getötet und der Zerstörer beinahe versenkt. «Vom
Zeitpunkt meiner Verhaftung vor fünf Jahren an haben sie mich
gefoltert», sagte der 41-Jährige laut Protokoll. «Es
geschah bei Verhören. Das eine Mal folterten sie mich auf die
eine, das andere Mal auf eine andere Art. Ich sagte einfach diese
Dinge, um sie zufrieden zu machen. Sie waren sehr zufrieden, als ich
ihnen jene Dinge sagte.»
Teile des 36-seitigen Protokolls waren zensiert. Einzelheiten zu den
von Al Naschiri geäußerten Foltervorwürfen wurden nicht
genannt. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Bryan Whitman,
sagte, derartigen Vorwürfen werde nachgegangen. Bestimmte Passagen
des Protokolls seien aus Gründen der nationalen Sicherheit
geschwärzt worden.
Al Naschiri ist einer von 14 Gefangenen, die im September aus
CIA-Gefängnissen im Ausland nach Guantanamo gebracht wurden.
Anhörungen der 14 sollen klären, ob sie als so genannte
feindliche Kämpfer eingestuft werden, die nach Vorgaben der
US-Regierung auf unbestimmte Zeit festgehalten werden dürfen. Al
Naschiri ist laut Erkenntnissen des US-Geheimdiensts der
mutmaßliche Drahtzieher des Anschlags auf die «USS
Cole». Er soll bis zu seiner Festnahme 2002 Operationschef der Al
Kaida auf der arabischen Halbinsel gewesen sein.
(Quelle: ap)
Neun Monate Haft für Guantanamo-Häftling Hicks
Sa.31.03.07 - Im ersten Prozess gegen einen Guantanamo-Häftling vor einem der
neu geschaffenen US-Militärtribunale ist der Australier David
Hicks am Freitag wegen Unterstützung von Terroristen zu neun
Monaten Haft verurteilt worden. Er hatte sich zuvor in diesem Punkt der
Anklage schuldig bekannt, um nach dem Urteil in sein Heimatland
abgeschoben zu werden. Ein Gremium von Offizieren hatte nach
zweistündiger Beratung sieben Jahren Haft vorgeschlagen. Eine
Vereinbarung von Hicks mit dem Gericht ermöglichte es aber, dass
die Strafe auf neun Monate reduziert wurde.
Hicks schien erleichtert, als Richter Ralph Kohlmann in Guantanamo das
Urteil verkündete. Gefragt, ob das Urteil so ausgefallen sei, wie
es ihm gesagt worden sei, sagte Hicks: «Ja, das war es.» Im
Gegenzug hatte Hicks sich bereit erklärt, jegliche
Misshandlungsvorwürfe gegen die US-Regierung fallen zu lassen.
Die USA haben zugestimmt, dass er innerhalb von 60 Tagen nach der
Verkündung des Strafmaßes nach Australien
zurückgebracht wird, wo er seine Haftstrafe verbüßen
soll. Ursprünglich drohte Hicks lebenslange Haft.
Bürgerrechtler halten die neu geschaffenen Militärtribunal
für illegal, da sie den Beschuldigten nicht die gleichen Rechte
gewähren wie ordentliche Gerichte.
Hicks wurde im Dezember 2001 in Afghanistan gefangen genommen und
Anfang 2002 nach Guantanamo gebracht. Ihm wird vorgeworfen,
Al-Kaida-Ausbildungslager in Afghanistan besucht und kurze Zeit an der
Seite der Taliban gekämpft zu haben.
(Quelle: ap)
52 Tote bei Kämpfen nahe afghanischer Grenze in Pakistan
Sa.31.03.07 - Gefechten zwischen einheimischen und ausländischen Kämpfern
sind am Freitag in Pakistan an der Grenze zu Afghanistan 52 Menschen
zum Opfer gefallen. Bei den Toten handele es sich um 45 militante
Usbeken und sieben Stammesmitglieder, erklärte Innenminister Aftab
Khan Sherpao. Der Schauplatz der Gefechte, die Region
Südwaziristan, wird von Taliban-Kämpfern als
Rückzugsgebiet genutzt. Die USA befürchten, dass sich das
Terrornetzwerk Al Kaida dort neu formiert.
Seit Beginn der jüngsten Kämpfe in der vergangenen Woche sei
die Zahl der Toten damit auf 213 gestiegen, sagte Sherpao. Der Konflikt
sei am Freitag eskaliert, nachdem Ausländer ein Ultimatum von
Stammesältesten zum Verlassen der Region hätten verstreichen
lassen. Sicherheitskräfte erklärten, Stammesmilizen
hätten Raketen auf die Verstecke der Ausländer abgefeuert.
Die Allianzen in dem Gebiet sind unklar. Die pakistanische Regierung
erklärt, Stammesführer bekämpften in ihrem Auftrag
mutmaßliche Extremisten. Beobachter glauben jedoch, dass
Militante mit Verbindungen zu Taliban und Al Kaida auf beiden Seiten
des Konflikts beteiligt seien, außerdem kämpften dort
einheimische Stämme gegeneinander.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Positive Reaktionen auf arabische Friedensinitiative
Sa.31.03.07 - Die jüngste arabische Nahost-Initiative ist sowohl von der EU als
auch von Israel positiv aufgenommen worden. Die Arabische Liga hatte
sich auf ihrem Gipfeltreffen in Riad am Donnerstag einmütig
für eine Wiederbelebung ihres Friedensplans aus dem Jahr 2002
ausgesprochen. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel reist am
(heutigen) Samstag zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten in den
Nahen Osten. Sie hat sich als EU-Ratspräsidentin die Aufgabe
gestellt, neue Impulse für den Friedensprozess zu geben.
Die EU sehe den Gipfel in Riad als «Ermutigung für die
regionalen Bemühungen von Israelis und Palästinensern»,
sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier am Freitag als
Ratspräsident beim EU-Außenministertreffen in Bremen am
Freitag. Das bestätige auch die EU in ihrem Bestreben, im Ringen
um eine Nahost-Friedenslösung «präsent zu
bleiben». Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana informierte
die EU-Außenminister in Bremen über seine Eindrücke vom
Gipfel der Arabischen Liga.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert wertete die
Initiative positiv, lehnte aber zugleich ein Rückkehrrecht
für palästinensische Flüchtlinge ab. Es gebe die reelle
Chance, dass Israel binnen fünf Jahren «ein umfassendes
Friedensabkommen mit seinen Feinden» erreichen könne, sagte
Olmert in einem Zeitungsinterview. «Es passieren Dinge, die in
der Vergangenheit nicht passiert sind, und sie reifen», zitierte
die Zeitung «Jediot Ahronot» den israelischen
Regierungschef am Freitag. «Wir müssen diese
Möglichkeit nutzen.»
Viele arabische Staaten hätten realisiert, dass «sie falsch
lagen mit der Einschätzung, Israel sei das größte
Problem der Welt», sagte Olmert der Zeitung
«Haaretz». Dies markiere eine «revolutionäre
Änderung». Eine Rückkehr der vertriebenen
Palästinenser stehe allerdings außer Frage, erklärte
Olmert. Eine Friedenslösung, die darauf basiere, werde er niemals
akzeptieren, sagte er der «Jerusalem Post».
In ihrer Initiative bieten die arabischen Staaten Israel Anerkennung
und dauerhaften Frieden an. Im Gegenzug verlangen sie den Abzug Israels
aus den 1967 besetzten Gebieten, einen palästinensischen Staat mit
Ostjerusalem als Hauptstadt sowie eine «gerechte
Lösung» für die palästinensischen Flüchtlinge.
Merkel reist nach Jordanien, Israel, in die palästinensischen
Gebiete und in den Libanon. In Beirut besucht sie zum Abschluss der
dreitägigen Reise am Montag auch die deutsche Fregatte
«Brandenburg». Der Besuch Merkels bettet sich nach Angaben
von Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in die neue Reisediplomatie von
US-Außenministerin Condoleezza Rice ein, sowie in die neuen
Kontakte zwischen Olmert und dem palästinensischen
Präsidenten Mahmud Abbas, den am Donnerstag beendeten Gipfel von
Riad sowie die Aktivitäten des Nahost-Quartetts. «Es gab
eine Reihe von positiven Aspekten, die neuen Schwung gebracht
haben,» sagte Wilhelm. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon
hatte sich in der Region engagiert.
(Quelle: ap)
Somalia: Schwerste Kämpfe in Mogadischu seit 15 Jahren
Sa.31.03.07 - In der somalischen Hauptstadt Mogadischu liefern sich Soldaten und
Rebellen die heftigsten Kämpfe seit Anfang der 90er Jahre.
Innerhalb von zwei Tagen kamen nach Angaben der Behörden 30
Menschen ums Leben, mehrere hundert Einwohner wurden verletzt. Ein
Krankenhaus wurde am Freitag mit Mörsergranaten angegriffen.
Aufständische schossen einen äthiopischen Hubschrauber ab.
Die Rebellen, offenbar Anhänger der im Dezember gestürzten
islamischen Miliz, beschossen die Regierungstruppen sowie
äthiopische Soldaten aus ihren Stützpunkten inmitten von
Wohnvierteln. Die Truppen erwiderten das Feuer mit schwerer Artillerie.
Überall auf den Straßen lagen Leichen. Über der Stadt
stiegen dichte Rauchwolken auf.
«Die Bevölkerung von Mogadischu ist in den schwersten
Kämpfen seit mehr als 15 Jahren eingeschlossen»,
erklärte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). Seit
Anfang Februar sind 58.000 Bewohner aus Mogadischu geflohen.
Auslöser der jüngsten Kämpfe ist eine Offensive der von
äthiopischen Soldaten unterstützten Regierungstruppen gegen
die Rebellen. Die von den Vereinten Nationen unterstützte
Übergangsregierung übernahm zum Jahreswechsel die Macht in
der Hauptstadt, nachdem ihre Truppen mit Unterstützung
Äthiopiens die islamische Miliz vertrieben hatten. Seitdem kommt
es immer wieder zu Gefechten. Die von der Afrikanischen Union gestellte
internationale Friedenstruppe war bislang nicht in der Lage, die
Situation zu stabilisieren.
(Quelle: ap)
EU fordert von Iran sofortige Freilassung britischer Soldaten
Sa.31.03.07 - Die EU fordert die sofortige Freilassung der im Iran gefangen
gehaltenen britischen Soldaten. In einer gemeinsamen Erklärung der
27 EU-Außenminister in Bremen hieß es am Freitag, die
Festsetzung der Marinesoldaten während einer Patrouillenfahrt sei
illegal gewesen.
Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte
auf der Präsidentschafts-Pressekonferenz am Freitagabend:
«Die EU hat eine klare Verurteilung ausgesprochen.» Sie
werde auch zukünftig klare Forderungen in dem Konflikt um die
gefangenen Marinesoldaten stellen.
Aus den Reihen der iranischen Führung war kritisiert worden, dass
sich die EU in einen Konflikt zwischen Großbritannien und dem
Iran einmische. Die EU hofft, dass sich der Streit zwischen London und
Teheran nicht negativ auf die Gesprächsbereitschaft des Irans im
Atomkonflikt mit den Vereinten Nationen auswirken werde.
Ferner hatten sich die EU-Außenminister am ersten Tag der
Gespräche auf eine geschlossene europäische Haltung
hinsichtlich der Statusneuregelung des Kosovo geeinigt. Vorrangiges
Ziel dabei sei, die dauerhafte Sicherheit und Stabilität im
westlichen Balkan zu gewährleisten, hieß es. Die EU trage
eine zentrale Verantwortung, sollte es zur Zustimmung der
Vorschläge des UNO-Vermittlers Martti Ahtisaari im
UN-Sicherheitsrat kommen, sagte Steinmeier. Mit der Übernahme der
Führungsrolle kommt auf die Europäische Union die
größte zivile Krisenmanagement-Mission zu, die sie je
übernommen hat.
Außenminister Steinmeier sagte, er habe die europäischen
Mitglieder des UN-Sicherheitrats aus Großbritannien, Frankreich,
Slowakei, Italien und Belgien zu einem Vorgespräch eingeladen.
«Unser Ziel ist es, uns sowohl hinsichtlich der aktuellen
Situation im Iran, wie auch hinsichtlich der Statusfrage des Kosovo auf
eine gemeinsame Haltung zu verständigen», so Steinmeier.
Die EU-Außenminister werden sich am (heutigen) Samstag weiter mit
der europäischen Nachbarschaftspolitik und insbesondere mit der
Zusammenarbeit mit Weißrussland befassen. Zudem steht die Lage in
der sudanesischen Krisenregion Darfur auf der Tagesordnung.
(Quelle: ap)
EU will in Kosovo-Frage geschlossen auftreten
Sa.31.03.07 - Die EU will im Ringen um den künftigen Status der serbischen
Provinz Kosovo im UN-Sicherheitsrat geschlossen auftreten. Deutschlands
Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte nach den Beratungen
der EU-Außenminister am Freitag in Bremen, der Plan des
UN-Sonderbeauftragten Martti Ahtisaari für eine überwachte
Unabhängigkeit des Kosovos sei weiter die Basis für die
Haltung der EU. Die Möglichkeit, dass die EU sich in der Frage
entzweien lasse, wies er zurück.
«Ich erkenne nicht, dass der Beitrag Europas für die
Statusbestimmung in irgendeiner Weise gefährdet ist», sagte
Ratspräsident Steinmeier. Er sehe nicht, warum sich die
europäischen Staaten in dieser Frage auseinander dividieren lassen
sollten.
Demgegenüber berichtete der slowenische Außenminister
Dimitri Rupel: «Es gibt immer noch einige Zweifel» daran,
dem Kosovo eine international überwachte Unabhängigkeit
zuzugestehen. Bedenken gegen den Plan Ahtisaaris hegen neben Slowenien
unter anderen auch die Slowakei, Griechenland, Zypern und Spanien.
Vor Beginn des Außenministerrates hatte Steinmeier die
europäischen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates - Frankreich,
Großbritannien, Italien und die Slowakei - zu einer gesonderten
Besprechung eingeladen, um die Haltung zu koordinieren. Bei einer
Fortentwicklung der Diskussion im UN-Sicherheitsrat über das
Kosovo werde man sich weiter eng abstimmen.
Die Zukunft des Kosovo sei eine «vitale Frage der
europäischen Sicherheit», sagte Steinmeier. Frieden und
Stabilität auf dem Balkan seien von entscheidender Bedeutung
für Europa. EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn mahnte, dass
Einigkeit in der EU über dieses Thema der Schlüssel für
eine UN-Resolution im Sicherheitsrat sei. Die Europäer zahlten den
Preis, wenn im Kosovo Gewalt ausbreche, sagte er. Der UN-Sicherheitsrat
will in der kommenden Woche mit Beratungen über den
Ahtissari-Bericht beginnen.
Die EU plant die Entsendung von rund 1.500 Polizisten und Beamten in
das Kosovo, um die noch zu Serbien gehörende Provinz nach der
erwarteten Statuslösung in die Unabhängigkeit zu geleiten.
Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana und Rehn wollten den
Außenministern in Bremen die konkreten Planungen für die
Stabilisierungsmission vorlegen. Rehn sagte, dies sei das
größte zivile Krisenmanagement, das die EU jemals in Angriff
genommen habe.
(Quelle: ap)
Tschechien strebt Sicherheitspakt mit den USA an
Sa.31.03.07 - Tschechien erhofft sich eine militärische Sicherheitsgarantie der
USA als Gegenleistung für den Aufbau des geplanten
Raketenabwehrsystems in dem Land. «Ein Sicherheitsabkommen mit den
USA würde uns zweifellos sehr erfreuen», sagte
Außenminister Karel Schwarzenberg der Online-Ausgabe der
«Financial Times Deutschland». Was Tschechien interessiere,
seien eine Bekräftigung des Bündnisses und
Sicherheitsgarantien.
Dem Bericht zufolge wird in Tschechien befürchtet, dass die NATO
im Fall eines Angriffs ihren Bündnisverpflichtungen nicht in vollem
Umfang nachkommen könne: «Es sind relativ
wenige Maßnahmen getroffen worden, die dafür sprechen, dass
diese Sicherheitsgarantie - der unbedingte Beistand - auch für die
neuen Staaten gilt», kritisierte Schwarzenberg. Für
Tschechien sei dies «natürlich schon ein großes
Problem», sagte er.
Auch in Polen, dem zweiten möglichen Standort des
Raketenabwehrsystems, hatten Regierungsmitglieder dem Bericht zufolge
einen militärisch-politischen Pakt mit den USA ins Gespräch
gebracht.
(Quelle: ap)
Deutschland
Bundesverfassungsgericht billigt vorerst Tornado-Einsatz in Afghanistan
Sa.31.03.07 - Das Bundesverfassungsgericht hat den Tornado-Einsatz in Afghanistan
vorerst gebilligt. Die Richter lehnten einen Eilantrag der Linksfraktion
gegen die Entsendung der Aufklärungsflugzeuge ab. Zur
Begründung hieß es, die Kläger hätten nicht
dargelegt, warum ihre Abgeordnetenrechte zusätzlich verletzt
würden, wenn die Flugzeuge zunächst starten dürfen. Eine
grundsätzliche Entscheidung über die Klage trifft das
Bundesverfassungsgericht erst später. Die mündliche
Verhandlung dazu findet am 18. April statt.
Die Linksfraktion ist laut ihrer Klageschrift der Ansicht, dass der
Einsatz der Tornado-Aufklärer im Rahmen eines UN-Mandats ohne eine
gesetzliche Grundlage nicht vom NATO-Vertrag gedeckt ist. Zwar sei die
Ausweitung von Einsätzen in dem neuen strategischen Konzept der
NATO von 1999 vom Bundesverfassungsgericht im November 2001 noch
gebilligt worden, weil das Konzept einen regionalen Bezug für
Einsätze zur euro-atlantischen Region verlangte. Seither sei der
Vertrag aber maßgeblich weiterentwickelt worden. Er sehe nun
weltweit Einsätze von Krisenreaktionskräften vor, die in
keinem Zusammenhang mit der euro-atlantischen Region stünden.
Der von den Verfassungshütern geforderte regionale Bezug sei "nur
noch Rhetorik", argumentieren die Kläger. Die NATO sei damit zu
einem "globalen Sicherheitsdienstleister" geworden. Solch eine
Veränderung des NATO-Vertrags dürfe nur auf gesetzlicher
Grundlage und unter Mitwirkung des Bundestags zustande kommen,
heißt es in der Klageschrift. Die Kläger sind zudem der
Ansicht, dass die militärische Kooperation von NATO-Verbänden
in Afghanistan unter UN-Mandat mit den US-Truppen der Operation
"Enduring Freedom" das Völkerrecht verletzt.
Die Kläger kritisieren überdies, dass die USA als Teil der
NATO inzwischen für sich das Recht zur Führung von
Präventivkriegen in Anspruch nähmen. Die USA sähen dabei
den Widerspruch zum Völkerrecht und beriefen sich deshalb auf das
Recht zur Selbstverteidigung. Dazu weiteten sie das Kriterium der
"unmittelbaren Bedrohung" aus.
Insgesamt sechs Tornado-Aufklärungsmaschinen sollen ab der
kommenden Woche nach Afghanistan entsandt werden. Nach Angaben eines
Sprechers des Verteidigungsministeriums wird mit der Verlegung der
Flugzeuge am Montag begonnen. Am 9. April sollen sie Flugzeuge das
Aufklärungsgeschwaders 51 "Immelmann" dann unter das Kommando der
NATO gestellt werden.
(Quelle: afp)
Regierung verteidigt Unternehmensteuerreform im Bundestag
Sa.31.03.07 - Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat die
Unternehmensteuerreform im Bundestag gegen den Vorwurf der sozialen
Ungerechtigkeit verteidigt. Die Regierung verteile keineswegs
Milliardengeschenke an die Wirtschaft, sondern investiere in den
Standort Deutschland, betonte der SPD-Politiker am Freitag.
Mittelfristig werde mehr Wachstum und Beschäftigung angeregt. Die
FDP äußerte verfassungsrechtliche Bedenken. Die Linksfraktion
rügte eine «Liebedienerei» der Koalition
gegenüber der Wirtschaft.
Laut dem Regierungsentwurf soll ab 2008 die Steuerlast für
Kapitalgesellschaften von aktuell 38,6 Prozent auf knapp 30 Prozent
sinken. Die Regierung erwartet in den ersten vier Kassenjahren bis 2011
Steuerausfälle von rund 25 Milliarden Euro. Dies hatten
Gewerkschaften und Linksfraktion, aber auch rund 100 linke
SPD-Abgeordnete als viel zu hoch bemängelt. Abschließend will
der Bundestag am 25. Mai über das Projekt beschließen, der
Bundesrat soll noch vor der Sommerpause zustimmen.
Steinbrück sagte, die Unternehmenssteurreform werde hiesige Firmen
dazu motivieren, ihre Gewinne wieder stärker im Inland zu
versteuern. Derzeit würden jährlich legal zwischen 30 und 100
Milliarden Euro an Gewinnen ins Ausland verschoben, um Steuern zu
sparen. Das müsse ein Ende haben. Der Politiker bestritt, dass
kleine und mittlere Unternehmen zusätzlich belastet werden und
sagte voraus, dass das Aufkommen der Gewerbesteuer schon nach zwei
Jahren wieder das Niveau von 2007 erreichen werde und das der
Körperschaftsteuer nach drei Jahren.
Der FDP-Haushaltsexperte Herrmann Otto Solms rügte, es würden
gerade kapitalschwache und forschungsintensive Unternehmen belastet. Er
sagte zudem Klagen bis hin zum Bundesverfassungsgericht voraus, weil der
Grundsatz der Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit missachtet
werde. Solms verlangte erneut die Abschaffung der Gewerbesteuer und
hielt der Regierung vor, sie wolle mit der Unternehmenssteuerreform
nach dem Vorbild der DDR eine «Steuer-Mauer» errichten, um
Unternehmensgewinne im Inland «einzusperren».
Die Grünen-Abgeordnete Christine Scheel sagte, die Absenkung der
Steuersätze auf mittleres europäisches Niveau sei - anders als
von der Linkspartei behauptet - kein Dumping. Es besteht aus ihrer
Sicht aber eine Finanzierungslücke von rund neun Milliarden Euro,
die nicht solide gegenfinanziert sei.
Der Linksfraktions-Chef Oskar Lafontaine sagte, Deutschland habe im
internationalen Vergleich gar keinen Nachholbedarf, was die Senkung der
Unternehmenssteuern angeht. Unter Verweis auf die Milliardengewinne der
DAX-Konzerne fragte er: «Wie kann man in einer Situation, in der
die Firmen einmalige Gewinne einfahren, die Unternehmenssteuern
senken?»
Der CSU-Politiker Hans Michelbach verlangte Nachbesserungen, damit alle
2,5 Millionen Mittelständler von der Reform profitieren
könnten. Der hessische Ministerpräsident fasste die Botschaft
der Reform an die Unternehmen mit den Worten zusammen: «Es gibt
künftig keinen Grund mehr, einen Bogen um Deutschland zu
machen.» Aus seiner Sicht seien jedoch noch Änderungen im
Arbeitsrecht vonnöten, um den Standorte Deutschland international
noch attraktiver zu machen.
Laut dem Entwurf wird ab 2009 auch eine pauschale Abgeltungssteuer auf
Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und
Veräußerungsgewinne in Höhe von 25 Prozent
eingeführt. Die neue Steuer soll anonym erhoben und direkt von den
Banken an den Fiskus abgeführt werden.
(Quelle: ap)
Bundesrat macht Weg zur Rente ab 67 frei
Sa.31.03.07 - Der Weg zur Rente ab 67 ist nach monatelangem Tauziehen frei. Nach dem
Bundestag billigte am Freitag auch der Bundesrat die von Gewerkschaften
und Sozialverbänden abgelehnte Anhebung des Eintrittsalters
für die volle Rente von 65 auf 67 Jahre.
Dies soll schrittweise zwischen 2012 und 2029 geschehen. Mit der
Entscheidung steht fest: Wer 1964 oder später geboren wurde,
erhält künftig die volle Rente in aller Regel erst mit 67
Jahren. Flankiert wird die Reform von der Initiative 50 plus, die die
Beschäftigungschancen für Ältere verbessern soll.
Für diese Beschäftigungsinitiative nannte
Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) in der Sitzung der
Länderkammer am Freitag in Berlin überraschend ehrgeizigere
Ziele als die bisher ins Auge gefassten: So soll die
Beschäftigungsquote der über 55-Jährigen bis 2010 auf 55
Prozent steigen. Bisher war eine Quote von 50 Prozent angepeilt. Ende
2006 lag der Wert bei 48,9 Prozent.
Müntefering nannte den Rentenbeschluss «vernünftig und
generationengerecht». Er sei sicher, dass es künftig mehr
Arbeit für Ältere gebe und dass die hochgesetzte
Beschäftigungsquote von 55 Prozent erreichbar sei. Zuletzt habe die
Zahl der Arbeitslosen über 55 binnen Jahresfrist um 180 000
abgenommen.
Die Rente mit 67 sei «keine starre Formel», sagte
Müntefering. Es gebe auch in Zukunft «die alte klassische
Altersteilzeit» und die Möglichkeit, mit Zusatzbeiträgen
Rentenabschläge zu vermeiden oder zu reduzieren. Er rief
Arbeitgeber und Gewerkschaften auf, vorhandenen Gestaltungsraum
für altersgerechte Arbeitsbedingungen auszunutzen.
Müntefering setzt darauf, dass auch die Konzerne erkennen, dass
«ein vernünftiger Altersmix» vorteilhaft für sie
ist. «Man darf die 55- Jährigen nicht rausschieben wollen,
wie es die großen (Firmen) noch immer machen.»
Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Karl-Josef Laumann
(CDU) sagte, trotz der Anhebung des Rentenalters würden die
Menschen künftig wegen der weiter steigenden Lebenserwartung ein
Jahr länger Rente bekommen. Die stufenweise Einführung
zwischen 2012 und 2029 ermögliche es den Beschäftigten, sich
rechtzeitig auf die Änderung einzustellen. Notwendig seien mehr
Teilzeit-Angebote im Alter.
Die FDP sprach sich dafür aus, allen Beschäftigten die
Möglichkeit eines flexiblen Rentenzugangs vom 60. Lebensjahr an zu
verschaffen. Zugleich sollten sie die Möglichkeit erhalten, die
daraus resultierenden Abschläge durch Hinzuverdienst auszugleichen,
forderte der FDP-Vizevorsitzende Andreas Pinkwart.
(Quelle: dpa)
Gewerkschaftschefs attackieren SPD-Reformpolitik in Berlin
Sa.31.03.07 - Die Gewerkschaften in Bayern verschärfen ihre Kritik an der Arbeit
der SPD in der großen Koalition. Der bayerische DGB-Chef Fritz
Schösser warf den Sozialdemokraten am Freitag in München einen
«wirtschaftsliberalen Kurs» vor. Dieser stehe dem Willen
der Mehrheit der Bevölkerung «diametral» entgegen. Die
Sozialpolitik sei auf dem Weg vom Sozialstaat in den
Bedürftigkeitsstaat.
Schösser attackierte insbesondere die Unternehmenssteuerreform.
Kaum begännen sich die Steuereinnahmen zu erholen, sei man auch
schon wieder zu Steuergeschenken an die Unternehmen bereit. Die Reform
verschärfe jedoch die soziale Schieflage, sie nehme besonders den
Ländern und Kommunen die dringend notwendigen Einnahmen, die sie
für öffentliche Investitionen bräuchten. «Ich
fordere die Bundesregierung auf, ihre steuerpolitische Geisterfahrt zu
beenden», sagte Schösser.
Der bayerische IG Metall-Chef Werner Neugebauer sagte, die Menschen
wüssten, dass Reformen notwendig seien. Dabei müsse es aber
gerecht zugehen. Die Gewerkschaften seien bereit, an diesem Prozess
mitzuarbeiten. «Wir haben dazu umfängliche Vorschläge
gemacht», betonte Neugebauer. «Die Beratungsresistenz sowohl
der Bundesregierung als auch der Sozialdemokratie ist da aber sehr
stark ausgeprägt.»
Wenn falsche Politik betrieben werde, «werden wir uns wie in der
Vergangenheit lautstark zu Wort melden», kündigte Neugebauer
an. Darüber würden mit der SPD auch Gespräche
geführt. Neugebauer kritisierte in diesem Zusammenhang, dass
Bayerns SPD-Chef Ludwig Stiegler ein Gesprächsangebot der
Gewerkschaften nicht angenommen habe, da er keine Zeit habe und es
seiner Meinung nach keinen Gesprächsbedarf mit dem DGB gebe.
(Quelle: ddp)
CDU-Regierungschefs über Mindestlohn uneinig
Sa.31.03.07 - Unter den CDU-Ministerpräsidenten gibt es
Meinungsverschiedenheiten über die Einführung eines
Mindestlohnes. Während die Regierungschefs von Thüringen und
Sachsen, Dieter Althaus und Georg Milbradt, ihre Partei vor zu weit
reichenden Zugeständnissen an die SPD warnten, sprach sich ihr
niedersächsischer Amtskollege Christian Wulff für eine
gesetzliche Regelung aus.
Althaus sagte der «Welt am Sonntag» laut einer
Vorabmeldung: «Die Position der Union ist klar. Die Kanzlerin
sollte gerade auch im Interesse der ostdeutschen Länder nicht
nachgeben.» Milbradt meinte, ein zu großes Entgegenkommen
der Union beim Mindestlohn führe angesichts der bisherigen
Aussagen zu einem massiven Glaubwürdigkeitsproblem. Schon der
Beschluss des Antidiskriminierungsgesetzes habe großen Unmut in
der Partei hervorgerufen. «Opportunismus wird nicht
honoriert», sagte Milbradt.
Der sächsische Ministerpräsident warnte eindringlich vor dem
Eingriff des Staates im Niedriglohnbereich. Dies koste
Arbeitsplätze, erhöhe die Arbeitslosigkeit oder fördere
die Schwarzarbeit. «Der Staat schadet denjenigen, denen er helfen
soll», wurde er zitiert. Auch Althaus betonte, Löhne
müssten sich am Markt und in den Verhandlungen der Tarifpartner
bilden. «Der Staat muss sich da heraushalten. Das muss auch die
SPD begreifen.»
Unterstützung erhielten die ostdeutschen Länderchefs von
ihrem baden-württembergischen Kollegen Günther Oettinger. Er
sagte der Tageszeitung «Die Welt», ein gesetzlicher
Mindestlohn würde Kontrollen nach sich ziehen, die Bürokratie
ausweiten und zur Vernichtung oder Verlagerung von Arbeitsplätzen
ins Ausland führen. Es könne aber über eine gesetzliche
Definition und ein Verbot von sittenwidrigen Löhnen gesprochen
werden.
Wulff sprach sich klar für die Einführung von
Mindestlöhnen aus. «Wir brauchen bei Löhnen eine
Untergrenze, schon um Sittenwidrigkeit und Ausbeutung zu
verhindern», sagte er in einem Interview der Chemnitzer
«Freien Presse». Das sei bislang Sache der Tarifpartner
gewesen. Doch mit dem zurückgehenden Einfluss der Gewerkschaften
müsse der Gesetzgeber aktiv werden.
Entscheidend sei die Höhe des Mindestlohnes, sagte Wulff zugleich.
Er warnte davor, mit zu hohen Lohnuntergrenzen Arbeitsplätze zu
gefährden. «Mit einem Mindestlohn von fünf Euro
beschäftigt zu sein, ist besser als mit sieben Euro ohne
Job», betonte der CDU-Ministerpräsident. Wulff hatte bereits
am Freitag Kompromissbereitschaft der CDU bei der Ausweitung des
Entsendegesetzes auf weitere Branchen signalisiert.
Einige ostdeutsche Politiker befürchten, dass Unternehmen in den
neuen Ländern in Schwierigkeiten kommen könnten, falls ein
Mindestlohn gezahlt werden müsste. In einigen Branchen sind
Stundenlöhne unter fünf Euro in der Stunde derzeit keine
Seltenheit.
(Quelle: ap)
Gewerkschaft fordert 100.000 zusätzliche Erzieherinnen
Sa.31.03.07 - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat anlässlich
des «Krippengipfels» am Montag die Einstellung von 100.000
zusätzlichen Erzieherinnen und 1.000 Dozenten gefordert. Für
eine echte Qualitätsoffensive in den Kindergärten würden
bis 2013 mindestens sieben Milliarden Euro benötigt, sagte
GEW-Vorstandsmitglied Norbert Hocke am Freitag in Frankfurt am Main.
Zur Finanzierung seien nach seiner Ansicht auch maßvolle
Veränderungen bei den Themen Ehegattensplitting, Kindergeld und
Freibeträgen kein Tabu.
Bund, Länder und Gemeinden müssten bei der Finanzierung an
einem Strang ziehen. «Die konservativen Bremser in CDU und CSU
müssen endlich gestoppt werden», sagte Hocke. Für alle
Kinder forderte er einen einklagbaren Rechtsanspruch auf
Ganztagsbetreuung ab dem ersten Lebensjahr. Bislang seien die Gemeinden
ihrer gesetzlichen Verpflichtung, ein bedarfsgerechtes Angebot für
Kinder unter drei Jahren zu garantieren, kaum nachgekommen.
Die Überschüsse der Bundesagentur für Arbeit sollten
nach Ansicht der GEW dafür nicht zur Finanzierung herangezogen
werden. Vielmehr sei ein neuer Mix bei der Familienfinanzierung
nötig. «Wer jetzt in Qualität und Quantität
frühkindlicher Bildung investiert, handelt nachhaltig»,
sagte Hocke. Das Institut der Deutschen Wirtschaft habe vorgerechnet,
dass bei richtigem Einsatz der Mittel das Bruttoinlandsprodukt bis 2050
um 100 Milliarden Euro steigen könne.
Hocke forderte außerdem, die Ausbildung der Erzieherinnen zu
verbessern und perspektivisch auf Hochschulniveau anzuheben
(Quelle: ap)
Richterbund verteidigt Richterin nach Koran-Entscheidung
Sa.31.03.07 - Der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes, Wolfgang Ahrenhövel,
hat die Frankfurter Familienrichterin verteidigt, die sich in einem
Scheidungsverfahren auf den Koran berufen hatte. Die Entscheidung, eine
sofortige Scheidung abzulehnen, sei "nicht abwegig", sagte
Ahrenhövel der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Ohne den Hinweis
auf den Koran" sei diese vertretbar. Dieser Hinweis könne aber mit
Fug und Recht kritisiert werden. Ahrenhövel äußerte
zudem sein Unverständnis über die Vorwürfe gegen die
deutsche Justiz, nachdem der Fall bekannt geworden war.
"Ich hätte mir von der Politik gewünscht, dass sie sich
hinter die Justiz stellt", sagte der Richter. Stattdessen habe sie den
Fall zum Anlass genommen, "auf die Justiz einzudreschen". Er betonte, es
gebe überhaupt keine Anhaltspunkte für eine Tendenz der
Rechtssprechung zugunsten des Islam. In dem konkreten Fall sei Kritik
berechtigt, aber die Erwägung von Disziplinarmaßnahmen gehe
zu weit. Die Ablehnung der Richterin wegen Befangenheit habe zudem
gezeigt, dass "die Selbstheilungskräfte des Systems" funktionierten.
Die Frankfurter Richterin hatte in einem Scheidungsverfahren eheliche
Gewalt unter Verweis auf den Koran gerechtfertigt. Sie wies im Rahmen
des Verfahrens darauf hin, dass das Paar aus "dem marokkanischen
Kulturkreis" stamme, "für den es nicht unüblich sei, dass der
Mann gegenüber der Frau ein Züchtigungsrecht ausübe".
Damit begründete sie ihre Auffassung, dass die Voraussetzungen
für die von der Ehfrau angestrebte vorzeitige Scheidung vor dem
üblichen Trennungsjahr nicht vorlägen. Die Richterin war
schließlich vom Amtsgericht für befangen erklärt und von
dem Fall abgezogen worden.
(Quelle: afp)
Innenminister Schäuble schaltet umstrittene Anti-Terror-Datei frei
Sa.31.03.07 - Polizei und Geheimdienste können sich von sofort an in einer
gemeinsamen Anti-Terror-Datei über Terroristen und
verdächtige Personen informieren. Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble (CDU) schaltete das jahrelang umstrittene Projekt am
Freitag in Berlin frei.
Neben üblichen personenbezogenen Daten können
Sicherheitsbehörden auch Informationen über Familienstand,
Religionszugehörigkeit, Bildungsabschlüsse, Bankverbindungen
oder Waffenbesitz abrufen. Diese zusätzlichen Daten werden aber
nur nach spezieller Anforderung bei der jeweiligen Behörde
freigegeben.
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar und die Opposition
übten teils scharfe Kritik an der Datei. Schäuble sprach
dagegen von einem «wirkungsvollen Instrument mit
Augenmaß».
Der Bundestag hatte nach jahrelangem Streit im Dezember 2006 den Weg
für die 15 Millionen Euro teure Anti-Terror-Datei frei gemacht.
Laut Bundeskriminalamt (BKA) sind in der Datei zunächst Daten von
rund 13 000 Personen gespeichert, von denen aber nur ein Viertel in
Deutschland lebt. Darauf zugreifen können 38
Sicherheitsbehörden, darunter Polizei, Verfassungsschutz, BKA,
Bundesnachrichtendienst, der Militärische Abschirmdienst sowie die
16 Landeskriminalämter.
Schäuble betonte, die vereitelten Kofferbombenanschläge vom
Juli 2006 hätten gezeigt, «dass Deutschland auch Ziel von
islamistischen Terroranschlägen ist». «Wir sind keine
Insel der Seligen, und es gibt sie nicht», sagte er. Die
Anti-Terror-Datei solle «verhindern, dass vorhandene Puzzleteile
sich deshalb nicht zu einem Puzzle zusammenfügen, weil die
jeweiligen Behörden von anderen Teilen nichts wissen». Die
Datei stelle schnell notwendige Verknüpfungen her, ohne den
Quellenschutz und Geheimhaltungsvorschriften zu missachten, zudem
gewährleiste sie «ein Höchstmaß an
Datenschutz», sagte der Minister.
BKA-Präsident Jörg Ziercke betonte, der Kampf gegen den
Terror sei «immer ein Wettlauf gegen die Zeit».
«Werkzeuge wie die Anti-Terror- Datei können uns den
entscheidenden zeitlichen Vorsprung sichern.» Brandenburgs
Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) ergänzte, Sicherheit
könne man in Deutschland nicht nach Bundesländern aufteilen.
Schaar bemängelte im RBB dagegen eine «bedenkliche
Erweiterung von Datenverarbeitungsbefugnissen». Er kritisierte
den möglichen Zugriff auf Daten von Kontaktpersonen
Verdächtiger. «Wenn man zum Beispiel in einem
Studentenwohnheim wohnt, wo sich eine Zielperson aufhält, kann das
schon ausreichen, um in eine solche Datei zu gelangen.»
Grünen-Chefin Claudia Roth kritisierte, die Regierung untergrabe
rechtstaatliche Standards. «Außerdem ist diese Datei ein
dicker Datenmoloch und damit kein wirksames Instrument zur
Terrorbekämpfung.» Linksfraktions-Innenexpertin Ulla Jelpke
erklärte: «Wieder einmal wurde im Namen der Illusion von
Sicherheit ein Stück Freiheit aufgegeben.» Die Datei sei
verfassungswidrig, weil sie gegen das Trennungsgebot von Polizei und
Geheimdiensten verstoße. Die Vize- Vorsitzende der FDP-Fraktion,
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, sprach im BR von einem «zu
durchlässigen System».
(Quelle: dpa)
Rechtsextremistische Straftaten auf neuem Höchststand
Sa.31.03.07 - Die Zahl rechtsextremistischer Straftaten in Deutschland ist 2006 auf
einen neuen Höchststand gestiegen. Gegenüber dem Vorjahr
verzeichneten die Behörden einen Anstieg um rund 14 Prozent auf
mehr als 18.000 Fälle, teilte Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble am Freitag in Berlin mit. Die Zahl der politisch
motivierten Straftaten insgesamt erhöhte sich um zehn Prozent auf
29.050. Die gemeldeten Zahlen gäben «Anlass zur
Sorge», sagte Schäuble.
«Nach dem erheblichen Anstieg, der für das Vorjahr zu
verzeichnen war, haben sich in diesem Bereich die Zahlen der Straftaten
und die der Gewalttaten nochmals erhöht. Unsere vielfältigen
Bekämpfungsanstrengungen haben leider noch nicht zu einem
Rückgang dieser Kriminalität geführt», sagte der
CDU-Politiker weiter.
Die Zahl rechtsextremistisch motivierter Kriminalität stieg den
Angaben zufolge von knapp 16.000 im Jahr 2005 auf 18.142 Straftaten im
Jahr 2006, darunter 12.629 so genannter Propagandadelikte. Aber auch
die politisch links motivierte Kriminalität wuchs, und zwar um 9,5
Prozent von 4.900 Fällen in 2005 auf 5.363 im vergangenen Jahr.
Einen Rückgang um rund zehn Prozent auf 691 Straftaten gab es im
Bereich der politisch motivierten Ausländerkriminalität.
«Für die Beurteilung der Gefährdung der Sicherheit in
Deutschland durch diesen Phänomenbereich ist jedoch nicht die
Anzahl der verzeichneten Delikte das allein maßgebliche
Kriterium, sondern es kommt auch auf die Zielrichtung und
Intensität der jeweiligen Tat an. Als eindruckvolles Beispiel
dafür sind die nur glücklichen Umständen zu verdankenden
misslungenen Kofferbombenanschläge in zwei Regionalzügen im
Sommer letzten Jahres zu nennen», erklärte Schäuble.
Im Jahr 2004 hatte die Zahl rechtsextremistischer Straftaten den
Angaben zufolge noch bei rund 12.500 gelegen, im Jahr davor bei knapp
11.600.
Für den Zuwachs im Bereich der politisch rechts motivierten
Kriminalität könnten möglicherweise unter anderem die
Ergebnisse bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin
herangezogen werden, die in der Szene als Bestätigung und Ansporn
empfunden worden sein könnten, hieß es weiter.
Auch die im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft in den Medien
geführte Diskussion um rechte und fremdenfeindliche Gewalt
könne für den Anstieg verantwortlich sein, da sie einerseits
zu Nachahmungen, andererseits aber auch zur Sensibilisierung der
Bevölkerung und damit verbundener erhöhter
Anzeigebereitschaft geführt haben könnte. «Die
verstärkte polizeiliche Präsenz während der
Fußballweltmeisterschaft und eine dadurch bedingte erhöhte
Kontrolldichte dürfte zu einer Erhellung des Dunkelfeldes
insbesondere von Propagandadelikten beigetragen haben»,
erklärte Schäuble. Eine genaue Analyse stehe aber noch aus.
Die Bundesregierung werde politisch motivierte Kriminalität auch
weiterhin entschieden bekämpfen, sagte der Innenminister.
«Deshalb werden die vielfältigen Maßnahmen gegen
Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz fortgesetzt und weiter
intensiviert.» Ein besonderes Augenmerk müsse auf die
Jugendlichen, die Heranwachsenden und jungen Erwachsenen gelegt werden.
«Dabei appelliere ich an alle, unterstützend an den
bisherigen Programmen und an neuen Bekämpfungsstrategien
mitzuwirken», sagte Schäuble.
(Quelle: ap)
Kohlendioxid-Ausstoß in Deutschland 2006 gestiegen
Sa.31.03.07 - Entgegen allen Klimaschutzbekundungen ist der Ausstoß des
Klimagases Kohlendioxid in Deutschland im vergangenen Jahr gestiegen.
Grund für den leichten Zuwachs von 0,6 Prozent ist das deutlich
höhere Wirtschaftswachstum, wie das Umweltbundesamt (UBA) in
Dessau mitteilte. Insgesamt lag der CO2-Ausstoß im vergangenen
Jahr bei 878 Millionen Tonnen, das waren 5,1 Millionen Tonnen mehr als
im Jahr zuvor. Abgefedert wurde der Effekt des Konjunkturplus durch den
verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energien. Grünen-Chef
Reinhard Bütikofer sprach von einem "alarmierenden Warnsignal".
Deutlich erhöht haben sich vor allem die Emissionen aus
Industrieprozessen und zwar im Jahresvergleich um 5,4 Prozent auf 4,2
Millionen Tonnen. Die energiebedingten Emissionen aus der Nutzung
fossiler Energieträger erhöhten sich um 0,1 Prozent oder eine
Million Tonnen. Einen leichten Anstieg gab es auch bei sonstigen
Verbrennungsprozessen, darunter private Raumheizungen, aber auch nicht
industrielle, gewerbliche Anlagen. "Der europäische
Wirtschaftsaufschwung wird den Kohlendioxidausstoß weiter
erhöhen. Wir müssen daher beim Klimaschutz zulegen",
verlangte UBA-Präsident Andreas Troge.
Der Zuwachs bei den erneuerbaren Energien konnte den
konjunkturbedingten Emissionsanstieg laut UBA um etwa elf Millionen
Tonnen CO2 mindern. Erreicht wurde dies durch einen Zuwachs der
regenerativen Energien um 13,5 Prozent, in erster Linie bei Windenergie
und Biomasse.
Bütikofer erklärte zu dem Emissionsanstieg: "Die Entwicklung
geht in die falsche Richtung." Er warf der Bundesregierung vor, die
dramatische Lage "mit klimapolitischem Gerede zu
übertünchen". So gebe es beim Emissionshandel eine
"regierungsamtliche Mischung aus Geschwätz und Zynismus". Mit
Privilegien für den Klimakiller Kohle und der Absage an eine
Zertifikateversteigerung werde zu Lasten des Klimas die Energielobby
bedient.
SPD-Chef Kurt Beck kündigte unabhängig von der
Veröffentlichung der UBA-Daten verstärkte Anstrengungen zum
Energiesparen in öffentlichen Gebäuden an. Zudem sollten
nachwachsende Rohstoffe verstärkt eingesetzt und die Entwicklung
von Möglichkeiten zur CO2-Deponierung vorangetrieben werden.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Geburtsstunde der heutigen Säugetiere neu datiert
Sa.31.03.07 - Evolutionsforscher haben die Geburtsstunde der heutigen Säugetiere
neu datiert. Nach einem von Wissenschaftlern unter Leitung des Biologen
Olaf Bininda-Emonds von der Universität Jena erarbeiteten Stammbaum
der Säugetiere entstanden alle 18 Ordnungen der heutigen
Säuger vor rund 100 bis 85 Millionen Jahren.
Anders als bislang angenommen, habe damit nicht ein Meteoriteneinschlag
vor etwa 65 Millionen Jahren den Artenschub ausgelöst, teilte die
Universität am Donnerstag mit. Der im Wissenschaftsmagazin
«Nature» veröffentlichte Stammbaum umfasst 4510
Säugetierarten.
Der Meteoriteneinschlag vor der mexikanischen Halbinsel Yucatan am Ende
der Kreidezeit wird mit dem Aussterben der Dinosaurier in Zusammenhang
gebracht. Dies habe die Entwicklung der Säugetiere aber nach
jetzigen Erkenntnissen nicht beflügelt, sagte Bininda-Emonds. Nach
einer von seiner Forschergruppe entwickelten Zeitskala setzte sie viel
früher ein, vor rund 100 bis 85 Millionen Jahren. Eine zweite
Evolutionswelle folgte etwa vor 40 bis 35 Millionen Jahren, in diesem
Zeitraum entstanden die meisten heutigen Säugetierarten. Unklar ist
bislang, was die Entwicklung der Säugetiere bis zu dieser Zeit
aufgehalten hat.
Das Wissenschaftlerteam, zu dem Forscher aus den USA, Kanada,
Australien und Großbritannien gehören, entwickelte die
Evolutions-Zeitskala in vierjähriger Arbeit aus genetischen
Informationen über die heute lebenden Säuger und Zuordnungen
von artverwandten Fossilien. Der neue Stammbaum erfasst 99 Prozent aller
heute bekannten Säugetier-Arten, darunter allein 2000
Nagetier-Arten.
(Quelle: dpa)