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Irak am tausendundsiebten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Trotz Sicherheitsoffensive mehr zivile Todesopfer. Sechs
US-Soldaten ums Leben gekommen. 21 mutmaßliche
Al-Kaida-Mitglieder im Irak getötet. Irakischer Vizepräsident
ruft zur Koexistenz auf
Mo.02.04.07 - Im Irak sind im März trotz der Sicherheitsoffensive in Bagdad mehr
Zivilisten Opfer von Gewalttaten geworden als im Vormonat.
Von der Regierung zusammengestellte Daten, die der Nachrichtenagentur
Reuters am Sonntag vorlagen, weisen einen Anstieg der Totenzahl um 13
Prozent auf 1861 aus. Ein Großteil der Gewalt spielte sich demnach
außerhalb der Hauptstadt ab, darunter mehrere mutmaßliche
Al-Kaida-Anschläge, bei denen hunderte Menschen umkamen. Das
schwerste Attentat war ein Anschlag in der nordirakischen Stadt Tel
Afar, bei der in der vorigen Woche 152 Menschen getötet wurden -
die höchste Opferzahl eines einzelnen Anschlags seit dem
US-geführten Einmarsch in den Irak 2003.
Das US-Militär hatte damit gerechnet, dass die Mitte Februar
begonnene Offensive gegen Aufständische und Milizen in Bagdad zu
einer Verlagerung des Schwerpunkts der Gewalt in andere Gebiete
führen würde.
Die Regierungsstatistik beruht auf Angaben des Innen-, des
Verteidigungs- und des Gesundheitsministeriums in Bagdad. Den Zahlen
zufolge wurden im März auch 165 Polizisten und 44 irakische
Soldaten getötet.
Südwestlich von Bagdad sind sechs US-Soldaten bei zwei offenbar
koordinierten Bombenanschlägen getötet worden, wie die
US-Streitkräfte am Sonntag mitteilten. Bei dem ersten Anschlag
kamen am späten Samstagabend zwei Soldaten ums Leben, die anderen
vier wurden am frühen Sonntagmorgen getötet, als sie nach der
ersten Explosion zu Hilfe eilten. Nähere Angaben wurden nicht
gemacht. Nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP kamen seit
Beginn der Invasion im Irak 3.253 Mitglieder der US-Streitkräfte
ums Leben.
Irakische Sicherheitskräfte haben am Sonntag mit
Unterstützung sunnitischer Stammesmitglieder bei Gefechten an der
Grenze zu Syrien mindestens 21 mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder
getötet. Die Kämpfe nahe der Grenzstadt Kaim in der Provinz
Anbar dauerten nach Polizeiangaben mehrere Stunden. Die Polizei
vermute, dass die Al-Kaida-Kämpfer aus dem Irak flüchten
wollten, da sie in Anbar immer weniger Unterstützung fänden.
Der irakische Vizepräsident Tarik al Haschimi hat Sunniten und
Schiiten am Sonntag aufgefordert, auf Racheakte zu verzichten und in
Frieden miteinander zu leben. Die Streitkräfte rief Al Haschimi
dazu auf, die Menschen gerecht zu behandeln. In seiner im Fernsehen
übertragenen Rede zum Geburtstag des Propheten Mohammed sprach
sich der sunnitische Vizepräsident außerdem für eine
Belebung der Generalamnestie für Gefangene als Grundlage für
eine Versöhnung aus.
Diese müsse auch diejenigen einschließen, die in
Gefängnissen ausländischer Truppen festsäßen,
«damit nicht tausende junger Männer ungerechtfertigt
festgehalten werden». Hunderttausende Iraker hätten Tote zu
beklagen, Millionen Iraker seien ausgewandert, tausende seien
inhaftiert. Die Zeit sei gekommen einzusehen, dass nur Koexistenz und
Vergebung statt Rache eine Alternative seien, sagte Al Haschimi. Er
bezeichnete es als «moralische Verantwortung», das
Blutvergießen zu beenden.
(Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 02.04.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertdreiundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Olmert schlägt arabischen Gipfel mit Israelis und
Palästinenser vor
Mo.02.04.07 - Als Reaktion auf eine Friedensinitiative der Arabischen Liga hat der
israelische Ministerpräsident Ehud Olmert den arabischen
Ländern ein weitgehendes Gesprächsangebot gemacht. Beim
Besuch der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel lud Olmert die
arabischen Staatschefs am Sonntagabend zu einer Friedenskonferenz ein.
Dabei wolle er sich um einen Meinungsaustausch zur Lösung des
Nahost-Konflikts bemühen, sagte er bei einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit Merkel in Jerusalem.
Er nutze die Anwesenheit der EU-Ratspräsidentin, um diese
Einladung auszusprechen, erklärte Olmert. Zugleich erklärte
er sich zur Teilnahme an einem Treffen unter saudiarabischer
Federführung bereit. Die Arabische Liga hatte bei ihrem Gipfel am
Donnerstag in Riad einen Plan aus dem Jahr 2002 erneuert, der eine
Anerkennung Israels und dauerhaften Frieden vorsieht, wenn die 1967
besetzten Gebiete geräumt werden und eine «gerechte
Lösung» für die palästinensischen Flüchtlinge
gefunden wird. Olmert begrüßte die Initiative,
bekräftigte aber zugleich, dass Israel nicht alle Punkte des Plans
akzeptiere.
Merkel erklärte, sie begrüße die Verabredung zwischen
Olmert und dem palästinensischen Präsident Mahmud Abbas, sich
zwei Mal im Monat zu treffen. «Das ist eine gute
Grundlage.» Sie glaube, es sei wichtig, dass bei solch
häufigen Kontakten dann auch nachprüfbar sei, dass das, was
verabredet wurde, auch eingehalten werde. «Hier könnte eine
wichtige Rolle des (Nahost-)Quartetts bestehen, und gerade auch der
Europäer.» Deutschland werde sich hierfür sehr intensiv
einsetzen, sagte Merkel.
Auch bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Hebräischen
Universität Jerusalem sicherte Merkel den Konfliktparteien am
Sonntag die Hilfe Europas im Friedensprozess zu. Letztlich müssten
Israelis und Palästinenser aber selbst ihre Differenzen beilegen,
betonte sie. Mit Blick auf die arabische Initiative sprach sie von
einem «Fenster der Gelegenheit».
Der Weg zur friedlichen Koexistenz eines israelischen und eines
palästinensischen Staates sei sicherlich noch lang, erklärte
Merkel. «Und ich weiß sehr wohl, dass wir Europäer uns
davor hüten sollten zu glauben, wir könnten mal eben eine
Lösung herbeizwingen, von oben herab.» Sie glaube aber
«an die Vision einer Zwei-Staaten-Lösung», und hierbei
sei das Nahost-Quartett aus EU, UN, USA und Russland stets zur
Unterstützung bereit.
Vor dem offiziellen Gespräch mit Olmert am Sonntagabend reiste
Merkel nach Ramallah, wo sie mit Abbas zusammentraf. Abbas appellierte
bei dem Treffen an Israel, die arabische Initiative mit konstruktiven
Schritten zu beantworten.
Die Kanzlerin bekräftigte gegenüber Abbas die drei zentralen
Forderungen des Nahost-Quartetts: Demnach muss die
palästinensische Regierung das Existenzrecht Israels anerkennen,
der Gewalt abschwören und bisherige einschlägige
Vereinbarungen anerkennen. Zugleich deutete Merkel an, dass eine
Freilassung des im Juni 2006 verschleppten israelischen Soldaten Gilad
Schalit «weitere Schritte» der internationalen Gemeinschaft
ermöglichen könne. Bereits am Samstagabend hatte Merkel zu
Beginn ihrer Nahost-Reise in Jordanien betont, die EU werde nur jene
Mitglieder der Regierung aus Hamas und Fatah stärken, die zum
Friedensprozess stünden.
Die EU-Außenminister bekräftigten diese Linie. Bei einem
Treffen in Bremen verständigten sie sich darauf, Kontakte zu Abbas
und denjenigen Ministern zu pflegen, die nicht von der Hamas gestellt
werden. Dazu gehören der Außen- und der Finanzminister. Ein
Treffen zwischen Finanzminister Salam Fajjad und
EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner ist für den 22.
April geplant, wie Erakat am Sonntag bekannt gab.
Am Sonntagmorgen legte Merkel in der Holocaust-Gedenkstätte Jad
Vaschem einen Kranz für die Opfer nieder. Ins Gedenkbuch schrieb
sie die Worte: «Menschlichkeit wächst aus der Verantwortung
für die Vergangenheit.» Am Montag fliegt die Kanzlerin
weiter in die libanesische Hauptstadt Beirut, wo sie
Ministerpräsident Fuad Siniora trifft.
(Quelle: ap)
Simbabwes Präsident Mugabe klebt an der Macht
Mo.02.04.07 - Mit scharfer Kritik hat die Opposition in Simbabwe auf die Entscheidung
von Robert Mugabe reagiert, nach 27 Jahren Regierungszeit bei der
Präsidentenwahl 2008 erneut anzutreten. «Das ist eine
Tragödie für die Demokratie», sagte der
Generalsekretär der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC),
Tendai Biti, der Nachrichtenagentur AP.
Das Zentralkomitee der Regierungspartei ZANU-PF nominierte den
83-jährigen Mugabe am Freitag offiziell als ihren Kandidaten
für die Präsidentenwahl im nächsten Jahr. Außerdem
wurde beschlossen, die eigentlich erst 2010 fällige Parlamentswahl
um zwei Jahre vorzuziehen und auf den Termin der Präsidentenwahl zu
legen. Die Zahl der Parlamentssitze soll erhöht werden - im
Unterhaus von 150 auf 210, im Senat von 66 auf 84. Das Volk fühle
sich im derzeitigen Parlament nicht ausreichend repräsentiert,
hieß es zur Begründung. Justizminister Patrick Chinamasa
erklärte, die Amtszeit des Präsidenten solle von sechs auf
fünf Jahre reduziert werden, was allerdings noch eine
Verfassungsänderung erfordere.
Dies würde Mugabe bei einer von niemandem angezweifelten
Wiederwahl einen Verbleib im Amt bis 2013 ermöglichen. Nach der
fünfstündigen Sitzung des Zentralkomitees erschien Mugabe
jubelnd auf der Treppe der Parteizentrale in Harare. Den westlichen
Regierungen, vor allem der einstigen Kolonialmacht Großbritannien
warf er vor, die Oppositionsbewegung MDC zu finanzieren.
Deren Generalsekretär Biti sagte, die Entscheidung sei nicht nur
für das Volk von Simbabwe tragisch, sondern auch für Mugabes
eigene Partei. Oppositionsführer Morgan Tsvangirai hat
angekündigt, dass er bei der Präsidentenwahl nur dann
kandidieren werde, wenn es bis dahin eine neue demokratische Verfassung
gebe. Andernfalls werde er die Wahl boykottieren.
Bei einer gerichtlichen Anhörung von neun inhaftierten
Anhängern der Opposition teilten Ärzte mit, dass alle
Häftlinge wegen Verletzungen behandelt werden müssen, die sie
im Gefängnis erlitten haben. Der Richter folgte am Samstag einem
Antrag der Anwälte, die Anklageerhebung deswegen zu vertagen, wie
aus Kreisen der MDC verlautete. Die neun Oppositionellen waren am
Dienstag und Mittwoch festgenommen worden.
Mugabe kam bereits als Rebellenführer im Bürgerkrieg gegen
die weiße Minderheitsregierung im ehemaligen Rhodesien an die
Macht. Nach dem Sieg der Unabhängigkeitsbewegung übernahm er
1980 die Regierung, setzte sich gegen seinen Rivalen Joshua Nkomo durch
und wurde 1987 zum ersten Präsidenten Simbabwes gewählt. Nach
der Enteignung weißer Farmer geriet Mugabes Regierung 1998
zunehmend in die internationale Isolation. Zurzeit bemüht sich
Südafrika um Vermittlung zwischen Mugabe und der Opposition.
(Quelle: ap)
Britische Regierung bemüht sich um Schadensbegrenzung im Streit
mit Iran
Mo.02.04.07 - Großbritannien bemüht sich um Schadensbegrenzung im
Nervenkrieg um die 15 im Iran gefangenen Soldaten.
Außenministerin Margaret Beckett und ihr Kabinettskollege Douglas
Alexander bekräftigten am Wochenende die Bereitschaft zum Dialog,
sprachen allerdings nicht die von Teheran geforderte Entschuldigung
aus. Das Verteidigungsministerium bestätigte, dass es zur
Lösung des Konflikts direkte Kontakte mit den Iranern gebe.
Berichte, wonach ein ranghoher Marineoffizier zu Vermittlungen in den
Iran geschickt werden soll, wurden vorerst nicht bestätigt. Die
«häufig glanzlose, aber wichtige» Diplomatie sei der
verantwortungsvolle Weg, die Briten nach Hause zu holen, betonte
Verkehrsminister Alexander in einem Gespräch mit dem Sender BBC.
Ein Krisenstab beriet in London über den Stand der Entwicklungen,
wie aus Regierungskreisen verlautete.
Aus Reihen der Opposition wurde hingegen auch der Ruf nach
stärkerem Druck laut. Exaußenminister Malcolm Rifkind sagte
in der BBC, Worte alleine würden den Soldaten keine Freiheit
bringen.
Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel rief den Iran zur sofortigen
Freilassung der Briten auf. Bei der Verleihung der
Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität Jerusalem
kritisierte Merkel, dass Teheran die Weltgemeinschaft bereits mit
seinem Atomprogramm provoziere. «Schließlich zeigt die
Gefangennahme der 15 britischen Soldaten einmal mehr, mit wem wir es zu
tun haben», fügte sie hinzu. «Ich wiederhole deshalb
an dieser Stelle, dass Großbritannien die volle Solidarität
der EU in dieser Angelegenheit genießt.»
Eine solche Solidaritätserklärung gab es am Samstag bereits
beim EU-Außenministerrat in Bremen. Bundesaußenminister
Frank-Walter Steinmeier mahnte dabei zur Eile. «Es muss eine
Lösung gesucht werden, bevor es zu Gerichtsverfahren kommt und die
Seeleute zu Haftstrafen verurteilt werden.»
Die russische Regierung schlug eine unabhängige Untersuchung vor.
Beide Seiten sollten den Vereinten Nationen ihre Sicht der Ereignisse
unterbreiten, damit unabhängige Ermittlungen aufgenommen werden
könnten.
Der Iran verlangt weiterhin, Großbritannien müsse
eingestehen, dass seine Soldaten unbefugt in iranische Gewässer
eingedrungen seien. Präsident Mahmud Ahmadinedschad warf den
Briten und ihren Verbündeten Arroganz und Egoismus vor. Die 15
Soldaten hätten iranische Hoheitsrechte verletzt. «Arrogante
Mächte» behaupteten jedoch das Gegenteil, sagte er.
Großbritannien besteht darauf, dass die Soldaten in irakischen
Gewässern festgenommen worden seien.
US-Präsident George W. Bush bezeichnete die 15 Seeleute in seiner
ersten öffentlichen Äußerung zu dem Fall als Geiseln.
«Sie sind unschuldig, sie haben nichts falsch gemacht»,
sagte er. Das iranische Verhalten nannte Bush unentschuldbar.
Eine Umfrage für den Londoner «Sunday Telegraph»
ergab, dass die britische Bevölkerung eine Militäraktion zur
Befreiung der Soldaten mehrheitlich ablehnt. Demnach sprachen sich nur
sieben Prozent für baldige Vorbereitungen zu einem
militärischen Einsatz aus. Auf die Frage, ob Gewalt als letztes
Mittel angewandt werden sollte, antworteten 48 Prozent mit Nein und 44
Prozent mit Ja.
Hunderte Studenten bewarfen am Sonntag in Teheran das Gebäude der
britischen Botschaft mit Steinen und Feuerwerkskörpern. In
Sprechchören riefen sie «Tod für
Großbritannien» und «Tod für Amerika».
«Die britischen Spione sollen vor Gericht gestellt werden»,
verlangten sie. Außerdem forderten sie die Ausweisung des
britischen Botschafters und die Schließung der diplomatischen
Vertretung. Diese nannten sie einen Schlupfwinkel für Spione.
Polizisten hinderten die Demonstranten daran, auf das Gelände der
Botschaft zu gelangen.
(Quelle: ap)
Maoisten erstmals an Regierung in Nepal beteiligt
Mo.02.04.07 - In Nepal sind die Maoisten knapp ein Jahr nach dem Ende ihres
bewaffneten Aufstandes erstmals an der Regierung beteiligt. Mit
monatelanger Verspätung wurde das 22-köpfige Kabinett der
Übergangsregierung am Sonntag in Kathmandu vom bisherigen und neuen
Premierminister Girija Prasad Koirala vereidigt.
Der 83-jährige Chef der Kongresspartei in Nepal hat das Amt damit
zum sechsten Mal inne. Die Maoisten stellen fünf Minister und
besetzen unter anderem die Ressorts Information und Kommunikation sowie
Kinder und Wohlfahrt.
Maoisten-Chef Prachanda, der kein Ministeramt bekleiden wird, sagte:
«Das ist der Beginn einer neuen Ära für Nepal.»
Nach zweitägigen Beratungen gaben die acht wichtigsten politischen
Parteien des Landes am Sonntag außerdem bekannt, dass am 20. Juni
eine verfassunggebende Versammlung gewählt wird. Prachanda sagte,
die verfassunggebende Versammlung solle auch über das Schicksal der
Monarchie in Nepal entscheiden.
(Quelle: dpa)
US-Präsident Bush und Brasiliens Staatschef Silva sprechen
über Welthandel
Mo.02.04.07 - Die USA und Brasilien hoffen auf einen baldigen Abschluss der
WTO-Verhandlungen zur Liberalisierung des Welthandels. US-Präsident
George W. Bush bekräftigte das gemeinsame Interesse nach einem
Treffen mit seinem brasilianischen Kollegen Luiz Inacio Lula da Silva
in Camp David. Armut ließe sich am besten durch Handel
bekämpfen, sagte Bush am Samstag. Silva nannte das
zweistündige Gespräch produktiv.
Es war bereits das zweite Treffen der beiden Staatschefs innerhalb
eines Monats. Zuletzt waren sie Anfang März in Sao Paulo zusammen
gekommen. Bei dem Gespräch in Camp David ging es auch um die
Förderung von Ethanol als alternativem Treibstoff. Die US-Regierung
erhofft sich davon nicht nur eine Antwort auf die Gefahren des
Klimawandels, sondern will so auch die Abhängigkeit von
Ölexporten verringern. In Brasilien wird Ethanol vor allem aus
Zuckerrohr hergestellt, während in den USA Mais zum Einsatz kommt.
Die WTO-Gespräche im Rahmen der so genannten Doha-Runde waren im
Juli vergangenen Jahres abgebrochen worden. Grund war vor allem der
Streit über den Abbau von Agrarsubventionen in Europa und den USA.
(Quelle: ap)
Britische Regierung äußert 'Bedauern' über
Falkland-Opfer
Mo.02.04.07 - Zum 25. Jahrestag des Beginns des Falkland-Krieges hat die britische
Regierung Bedauern über die Todesopfer auf beiden Seiten
geäußert. Außenministerin Margaret Beckett
erklärte am Sonntag, die Verluste auf argentinischer und britischer
Seite seien "eine Quelle anhaltenden Bedauerns". London habe in
Absprache mit den Behörden der Falklandinseln den
Familienangehörigen der getöteten argentinischen Soldaten
angeboten, eine private Gedenkzeremonie auf den Inseln abzuhalten. Dies
könne gegen Ende des Jahres auf dem argentinischen Friedhof von
Darwin stattfinden.
(Quelle: afp)
Westdeutsche Politiker stellen Solidarpakt in Frage
Mo.02.04.07 - Westdeutsche Politiker stellen den Solidarpakt in Frage und einen
massiven Investitionsstau in den alten Bundesländern beklagt. Die
nordrhein-westfälische SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft verlangte
in «Bild am Sonntag», die gesamte Ost-Förderung neu zu
überdenken. Dem widersprachen ostdeutsche Politiker auch aus der
SPD.
Kraft meinte: «16 Jahre nach der Einheit müssen wir endlich
davon wegkommen, Unterstützung nach der Himmelsrichtung statt nach
der Bedürftigkeit zu verteilen.» Es gehe nicht an, dass das
schuldenfreie Dresden jährlich 300 Millionen Euro
Fördermittel erhalte, während Städte im Ruhrgebiet nicht
mehr wüssten, wie sie ihre Kindergärten bezahlen sollten.
Trotzdem müssten sie weitere Schulden machen, um Geld in
Boom-Regionen im Osten zu überweisen.
Der bayerische Innenminister Günther Beckstein kritisierte, im
Westen seien die Investitionen in den vergangenen Jahren zu stark
gekürzt worden. «In den alten Bundesländern ist ein
Nachholbedarf entstanden, der muss nun ausgeglichen werden»,
sagte der CSU-Politiker derselben Zeitung.
Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) forderte als Konsequenz
einen so genannten Investitionspakt. «Unsere öffentlichen
Bauten sind vielerorts in einem beklagenswerten Zustand»,
bestätigte der SPD-Politiker. «Deshalb brauchen wir einen
Investitionspakt zwischen Bund, Ländern und Gemeinden, um
Kindergärten, Schulen und Turnhallen zu sanieren.» Dies
werde den vielerorts bestehenden Investitionsstau auflösen.
Der Minister bekräftigte, dass schwache West-Regionen künftig
gezielter gefördert würden. «Im Osten gibt es einige
wenige Städte und Regionen, die mithalten können und das
ganze Umland mitziehen müssen», sagte Tiefensee der Zeitung.
«Im Westen ist es genau umgekehrt: Neben vielen prosperierenden
Städten und Regionen gibt es einige, die den Anschluss verlieren.
Hier müssen wir helfen.» Deshalb seien bereits die
ursprünglich nur für den Osten gedachten Stadtumbauprogramme
auf den Westen ausgeweitet worden: «56 Millionen Euro stehen
jährlich zur Verfügung.»
Vielen Kommunen dürfte das nicht weit genug gehen. Peter Demnitz,
Oberbürgermeister von Hagen in Westfalen, kritisierte: «Seit
Jahren pumpen wir Geld in den Osten, das uns hier dringend fehlt. Wir
haben 700 Millionen Euro Schulden, einen Investitionsstau von fast 90
Millionen, zahlen aber immer noch an den Osten. Dabei bräuchten
eigentlich wir Geld aus dem Solidarpakt.»
Harald Fichtner, Oberbürgermeister der nordbayerischen Stadt Hof,
ergänzte: «Ein Großteil der Bevölkerung hat wenig
Verständnis, dass wir unseren eigenen Verwaltungshaushalt nicht
mehr finanzieren können, aber gleichzeitig verpflichtet sind, die
Solidarmittel für den Osten zu zahlen.»
Ostdeutsche Politiker wiesen die Forderungen zurück. Der
sächsische Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) sagte der
«Leipziger Volkszeitung» (Montagausgabe): «Der
Solidarpakt II hat seine Berechtigung.» Er erklärte:
«In 17 Jahren können die Folgen von 40 Jahren Diktatur nicht
gänzlich beseitigt werden, bei allem, was vor Ort schon geleistet
wurde.»
Der Vorsitzende der thüringischen SPD, Christoph Matschie,
kritisierte in der «Thüringer Allgemeinen»
(Montagausgabe): «Wer die bis 2019 garantieren Gelder für
den Osten in Frage stellt, schießt sich selbst ins Knie.»
Die Fördergelder für die neuen Länder würden
ohnehin bereits abgesenkt, «weitere Einschnitte gefährden
den Aufbau Ost», meinte Matschie. Der Generalsekretär der
thüringischen CDU, Mike Mohring, sagte derselben Zeitung:
«Bis 2019 ist der Solidarpakt II unantastbar, dabei bleibt
es.»
(Quelle: ap)
SPD-Chef Beck: 'Tornado'-Einsatz ist 'richtig und notwendig'
Mo.02.04.07 - Wenige Tage vor der Ankunft der Bundeswehr-«Tornados» in
Afghanistan hat der SPD-Vorsitzende Kurt Beck den Einsatz als
«richtig und notwendig» bezeichnet. Dieser Überzeugung
sei er nach wie vor, sagte Beck am Sonntag nach einem Besuch der
Bundeswehr-Camps in Mazar-i-Sharif und Kundus. Die sechs
Aufklärungs-Flugzeuge aus Deutschland werden Ende kommender Woche
in Masar-i-Sharif erwartet.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident sagte zu seinem
Besuch in Afghanistan, es sei wichtig, sich einen persönlichen
Eindruck von der Entwicklung in der Krisenregion zu verschaffen. Beck
fügte hinzu: «Ich kann gut und gerne sagen, es ist die
Erfüllung der Mission, wie wir sie uns vorgenommen haben». Er
lobte die zivil-militärische Zusammenarbeit. Beispielsweise werde
mit dem Aufbau von Schulen Vertrauen in der Bevölkerung erzeugt.
Zudem werde dem Land eine Perspektive geboten.
Beck wollte sich am Sonntagnachmittag mit dem afghanischen
Präsidenten Hamid Karsai beraten. Inhalte des Gesprächs
sollten das weitere Engagement der deutschen Seite sowie die
Stabilisierung des Landes von Seiten der afghanischen Regierung durch
Ausbildung polizeilicher und militärischer Kräfte sein. Der
SPD-Chef reist seit Samstag durch Afghanistan.
(Quelle: ddp)
Umstrittene Gesundheitsreform ist in Kraft
Mo.02.04.07 - Nach einjährigen Verhandlungen zwischen Union und SPD sind erste
Teile der Gesundheitsreform in Kraft getreten. Gesetzliche Kassen
müssen nun zusätzliche Leistungen für Versicherte
bezahlen, zudem können sie neue Wahltarife anbieten.
Nach einem Magazin-Bericht haben jedoch zunächst nur 15 der knapp
250 Kassen solche Tarife im Angebot. Nichtversicherte, die früher
gesetzlich versichert waren, können sofort wieder in ihre alte
Kasse zurück. «Jeder ist künftig gegen das Risiko
Krankheit versichert. Das ist ein großer sozialpolitischer
Fortschritt», erklärte Bundesgesundheitsministerin Ulla
Schmidt (SPD) zum Start der Reform in Berlin. Gesundheit bleibe
bezahlbar, betonte sie und bat um Unterstützung bei der Umsetzung
der Neuregelungen.
Bundestag und Bundesrat hatten das zentrale Reformvorhaben der
großen Koalition im Februar gebilligt. Bedeutende Teile der Reform
wie der Gesundheitsfonds starten allerdings erst Anfang 2009.
Mit dem Reformstart ausgeweitet werden die Leistungen der Kassen bei
Impfungen, Eltern-Kind-Kuren, Reha-Behandlungen für alte Menschen
und bei der Betreuung Schwerstkranker und Sterbender in den eigenen vier
Wänden. Wer Vorsorgeuntersuchungen versäumt und später
schwer krank wird, muss künftig mehr zuzahlen. Die Behandlung von
Komplikationen nach Piercings wird in Zukunft nicht mehr bezahlt.
Unter den Wahltarifen, die die Kassen nun anbieten können, sind
etwa Selbstbehalt- oder Rückerstattungstarife sowie Tarifmodelle,
in deren Rahmen auch homöopathische Arzneimittel bezahlt werden.
Einem «Focus»-Bericht zufolge können aber zunächst
nur 15 Kassen derartige Tarife anbieten, darunter vor allem Allgemeine
Ortskrankenkassen. 24 andere Kassen hätten bis Ende März
nicht die notwendigen Genehmigungen der zuständigen
Aufsichtsbehörden erhalten. Die Linksfraktion im Bundestag
kritisierte die neuen Wahltarife. Diese stellten das Solidarprinzip der
Krankenversicherung in Frage, weil junge Gesunde dem System mit ihren
Wahltarifen Mittel entzögen.
Der Gesundheitsfonds als zentrale Beitragsammelstelle kommt erst 2009.
Von diesem Zeitpunkt an gilt für gesetzlich Versicherte ein
bundesweit einheitlicher Beitragssatz. Zudem greift dann eine Pflicht
zur Krankenversicherung: Die 200 000 bis 300 000 Nichtversicherten
müssen also in die gesetzlichen und privaten Kassen
zurückkehren. Ein Recht auf Rückkehr haben ehemals gesetzlich
Versicherte ohne Schutz ab sofort und ehemals Privatversicherte ohne
Schutz vom 1. Juli an.
Nur 18 Prozent der Deutschen wissen genau, was sich durch die Reform
ändert. 81 Prozent wissen es laut einer Umfrage des Forsa-
Instituts im Auftrag von «Bild am Sonntag» nicht. Auch von
den Bürgern mit Abitur und Studium geben nur 25 Prozent an, sie
seien genau informiert. Am besten Bescheid wissen nach eigenen Angaben
Anhänger der Grünen (44 Prozent). Unter den Sympathisanten der
CDU/CSU sind es 20 Prozent, unter denen der SPD 16 Prozent, unter denen
der FDP 23 Prozent. Am wenigsten informiert sind nach eigenen Angaben
Anhänger der Linkspartei mit sechs Prozent.
(Quelle:dpa )
Hintergrund: Was ist neu für die Versicherten?
Die Gesundheitsreform ist in Kraft getreten. Was ist neu für
gesetzlich Versicherte und Privatversicherte, was für
Nichtversicherte? Einige wichtige Fragen und zentrale Punkte:
WAS IST NEU FÜR GESETZLICH VERSICHERTE?
Ausgeweitet werden die Leistungen der gesetzlichen Kassen bei
Impfungen, Eltern-Kind-Kuren, Reha-Behandlungen für alte Menschen
und bei der Betreuung Schwerstkranker und Sterbender in den eigenen vier
Wänden. Wer Vorsorgeuntersuchungen versäumt und später
schwer krank wird, muss mehr zuzahlen. Die Behandlung von
Komplikationen nach Piercings wird nicht
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mehr bezahlt. Kliniken werden für ambulante Behandlungen
geöffnet. Darüber hinaus können gesetzliche Kassen neue
Wahltarife anbieten - etwa Tarife mit Selbstbehalt, Rückerstattung
oder solche, in deren Rahmen auch homöopathische Arzneimittel
bezahlt werden. Hausarzttarife müssen künftig alle Kassen
anbieten.
STEIGEN DIE BEITRAGSSÄTZE DER GESETZLICHEN KASSEN?
Zu Jahresbeginn stiegen die Sätze im Schnitt um etwa 0,6 Punkte.
Die Kassen begründeten dies auch mit der Reform - was das
Ministerium zurückwies. Wenn 2009 der Gesundheitsfonds startet,
gilt bundesweit ein einheitlicher Beitragssatz, den der Bund festlegt.
Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen ein, Kassen erhalten für jeden
Versicherten einen einheitlichen Betrag. Kassen mit vielen Kranken
bekommen zudem Geld von anderen Kassen. Reicht einer Kasse das Geld
nicht, kann sie einen begrenzten Zusatzbeitrag von ihren Versicherten
fordern. Wenn eine Kasse Zusatzbeiträge erhebt, ist ein
Kassenwechsel erlaubt.
WAS IST NEU FÜR PRIVATVERSICHERTE?
Zunächst nichts. Vom 1. Januar 2009 an müssen die
Privatkassen einen Basistarif anbieten, der im Leistungsumfang der
gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) entspricht. Wer arm ist, muss
weniger zahlen. Bestandskunden können 2009 nur innerhalb von sechs
Monaten in den Basistarif auch anderer Privatkassen wechseln und ihre
Altersrückstellungen mitnehmen. Ausnahmen gibt es für
über 55-Jährige und Bedürftige. Weil der Basistarif nach
Ansicht der Privatkassen nicht Kosten deckend ist, warnen diese vor
Beitragserhöhungen für Bestandskunden. Für Gutverdiener
wird ein Wechsel aus der GKV in die PKV erschwert: Das Einkommen muss
dafür künftig drei Jahre lang über der
Pflichtversicherungsgrenze (derzeit 3975 Euro pro Monat) liegen.
WAS BEDEUTET DIE REFORM FÜR NICHTVERSICHERTE?
Künftig gilt eine Pflicht zur Versicherung: Die rund 200 000 bis
300 000 Nichtversicherten müssen also Mitglied einer gesetzlichen
oder privaten Krankenkasse werden - und müssen von diesen
aufgenommen werden. Ehemals gesetzlich Versicherte müssen von den
Kassen bereits vom 1. April an wieder aufgenommen werden. Ehemals
Privatversicherte ohne Schutz muss die PKV vom 1. Juli an im so
genannten Standardtarif aufnehmen - ohne Gesundheitsprüfung und
Risikozuschläge. Eine bestehende Versicherung kann man nur noch
dann kündigen, wenn man eine neue Police nachweisen kann. Wer die
Versicherungspflicht ignoriert oder fällige Beiträge nicht
bezahlt, wird nur zu ähnlichen Bedingungen medizinisch behandelt
wie Asylbewerber. Zudem müssen offene Beiträge (samt
Strafzuschlägen) nachträglich bezahlt werden.
WEITERE ZENTRALE PUNKTE:
APOTHEKEN/MEDIKAMENTE: Der Rabatt, den Apotheker den Kassen pro
Medikament gewähren müssen, steigt von 2,00 auf 2,30 Euro. Vor
der Verordnung teurer Medikamente muss ein zweiter Arzt befragt werden.
Der Zugang zu innovativen, sehr teuren Arzneimitteln wird gesichert.
ÄRZTE: 2011 kommt eine neue Vergütung mit festen
Euro-Preisen. Ärzte in «unterversorgten» Gebieten
bekommen schon vorher Zuschläge.
KRANKENKASSEN: Statt sieben soll es nur noch einen Dachverband für
die gesetzlichen Kassen geben. Kassenfusionen werden erleichtert. Bis
Ende 2008 müssen sämtliche gesetzliche Kassen entschuldet sein.
EINSPARUNGEN UND KOSTEN: Das Einsparvolumen liegt 2007 bei 1,1 bis 1,2
Milliarden Euro. Der Bundeszuschuss für die gesetzlichen Kassen
steigt in den kommenden Jahren schrittweise auf 14 Milliarden Euro.
Quelle: dpa, 02.04.07
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Fußball als Forschungsfeld für Künstliche Intelligenz
Mo.02.04.07 - Ausgerechnet der Fußball ist seit vielen Jahren ein beliebtes
Forschungsfeld der Künstlichen Intelligenz (KI). Im Jahr 2050
sollen menschenähnliche Roboter auf zwei Beinen nach den
offiziellen Fifa-Regeln gegen den dann amtierenden, menschlichen
Fußball-Weltmeister spielen und gewinnen - Zukunftsmusik, die
heute nach Science Fiction klingt. Das Museum für Kommunikation
Berlin (http://www.museumsstiftung.de/berlin/d211_rundgang.asp) zeigt seit Anfang April Robotermodelle von gestern und heute. "Die Roboter
kommen! Mensch - Maschine - Kommunikation" lautet der Titel der
Ausstellung. Zu sehen sind Exponate aus Kultur- und Technikgeschichte,
Kunstwerke und die neueste Robotertechnik der Forschungslabors.
Das Fernziel der KI-Forschung ist es, Roboter zu erschaffen, die mit
Menschen zusammen handeln können. Man denkt gar nicht an eine
Maschine, die ein Problem besser lösen soll, sondern modelliert in
der Maschine Verfahren, die für Menschen typisch sind, wenn sie
Probleme lösen. "Technologien, die sich im Versuchsfeld
Fußball bewähren, haben gute Aussichten, auch in anderen
Einsatzfeldern wie Haushalt, Büro, Fabrik oder auf anderen Planeten
eine gute Figur zu machen", so Ubbo Visser, Chef des
Organisationskomitees der Robo-Cup-WM 2006, am Informatik-Zentrum Bremen.
Die Maschinen kommen dem Menschen immer näher. In den USA wurde in
den vergangenen Wochen ein neuer Roboter präsentiert, dessen
Fortbewegung dem menschlichen Gehen aufgrund ausgeklügelter
Gleichgewichtssensoren überaus nahe kommt. Federnde und flexible
Verbindungsstücke, die in Anlehnung an menschliche Muskeln
entwickelt wurden, sorgen dafür, dass sich der Roboter namens
Dexter auch bei Stößen nicht aus dem Gleichgewicht bringen
lässt.
Auch die Entwicklung der Sprachtechnik beweist eine Annährung
zwischen Mensch und Maschine. Das Berliner Unternehmen SemanticEdge
sieht einen klaren Zusammenhang zwischen so genannten
Human-Touch-Dialogen mit menschlichen Zügen, die dem menschlichen
Sprechen sehr nahe kommen und der Akzeptanz eines Sprachdialogsystems.
"Wir wollen keine starren Dialoge steuern, bei denen man nur bestimmte
Begriffe verwenden kann, sondern freies Sprechen ermöglichen", sagt
Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge. Bei einem Dialog
mit menschlichen Zügen werde sich der Anrufer eher angenommen
fühlen als bei einem mit starrer Menüführung und Abfrage
von bestimmten Antworten, so Pape.
Das Forschungsfeld Künstliche Intelligenz und speziell die Robotik
gelten weltweit als Zukunftsmarkt. "6,9 Mrd. Euro setzte allein die
deutsche Roboterwirtschaft 2005 mit ihren Produkten um. Außerhalb
der industriellen Fertigung gelten Serviceroboter als Wachstumsbereich",
analysiert die Zeitschrift Technology Review. Die Begeisterung für
Robotertechnik erinnert Microsoft-Gründer Bill Gates an die Zeit,
als er und sein Partner Paul Allen davon träumten, dass irgendwann
auf jedem Schreibtisch und in jedem Haus ein Computer stehen
könnte. Gates könne sich eine Zukunft vorstellen, in der
roboterähnliche Geräte zu einem fast allgegenwärtigen
Bestandteil des täglichen Lebens werden.
Für den Sprachdialogexperten Pape sind das keine Hirngespinste.
Bereits heute existierten die dafür notwendigen Technologien wie
dezentrales Rechnen, Sprach- und Mustererkennung. Drahtlose
Breitbandverbindungen könnten die Tür zu einer neuen
Generation selbständiger Geräte öffnen, die Aufgaben
für Menschen erledigen. "Da liegt allerdings noch ein weiter Weg
vor uns. Für Maschinen ist es sehr schwierig, sich in einem Raum zu
orientieren, auf Geräusche zu reagieren, Sprache zu interpretieren
und Gegenstände zu ergreifen, die höchst unterschiedlich
sind", sagt Pape im Gespräch mit pressetext. Eine funktionierende
Spracherkennung werde unverzichtbar sein, um Roboter im Alltag
einzusetzen. Etwa in der Altenpflege oder bei der Unterstützung
behinderter Menschen.
(Quelle: pte)