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Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendundachten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Über 40 Tote bei zahlreichen Gewalttaten. Entführer der
Deutschen im Irak stellen neues Ultimatum
Di.03.04.07 - Bei zahlreichen Gewalttaten sind im Irak mehr als 40 Menschen
getötet worden. 21 Schiiten, die am Sonntag entführt worden
waren, seien ermordet aufgefunden worden, sagte ein
Behördenvertreter. Die Leichen der Marktarbeiter seien in der
Nähe von Chalis rund 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt
Bagdad entdeckt worden. Die Schiiten seien erschossen worden. Bei einem
Selbstmordanschlang in Kirkuk im Norden des Landes starben mindestens
zwölf Menschen, fast 180 weitere wurden verletzt. Der Anschlag in
der Nähe einer Grundschule galt laut Polizei einem Polizeiposten.
Bei einer weiteren Explosion in Chalis starben ebenfalls fünf
Menschen, in Amara rund 360 Kilometer südlich von Bagdad wurde
laut Polizei ein irakischer Offizier getötet. In Bagdad starben
bei der Explosion einer Autobombe in der Nähe eines Gerichts zwei
Zivilisten.
Erst am Wochenende hatte das irakische Verteidigungsministerium
mitgeteilt, dass die Zahl getöteter Zivilisten, Soldaten und
Polizisten im März gegenüber dem Vormonat um 15 Prozent
gestiegen sei. Insgesamt wurden demnach allein im März 2078 Iraker
getötet. Die Gewalt nahm trotz des Sicherheitsplans der US-Armee
zu, der Mitte Februar in Kraft getreten war.
Die Entführer der beiden Deutschen im Irak haben offenbar ein
neues Ultimatum gestellt. Darin geben sie der Bundesregierung weitere
zehn Tage Zeit, ihre Truppen aus Afghanistan zurückzuziehen,
hieß es nach Angaben des Instituts SITE, das die Internetseiten
radikal-islamischer Gruppen auswertet. Das neue Ultimatum sei in einer
Videobotschaft genannt worden, die auch Bilder der entführten
61-Jährigen Deutschen Hannelore Krause und ihres Sohnes Sinan
zeigte. Das Institut SITE ordnete die Homepage der Gruppe "Brigade der
Pfeile der Rechtschaffenheit" zu.
Das genaue Datum, wann das Ultimatum auslaufen soll, konnte noch nicht
exakt bestimmt werden. Die beiden Deutschen waren am 6. Februrar in
Bagdad entführt worden, wo sie seit vielen Jahren leben.
Deutschland ist mit gut 3000 Soldaten der drittgrößte
Truppensteller der internationalen Afghanistan-Truppe ISAF. Der
Bundestag beschloss die Entsendung deutscher Aufklärungs-Tornados
nach Afghanistan, die sich am Montag auf den Weg in die Region machten.
Es handelt sich um die dritte Geiselnahme von Deutschen im Irak.
Zuletzt hatte der Fall der im Irak entführten Techniker
René Bräunlich und Thomas Nitzschke für Aufsehen
gesorgt, die im Januar 2006 im Irak verschleppt worden waren und nach
mehr als drei Monaten befreit wurden. Im November 2005 wurde die
Archäologin Susanne Osthoff im Nordirak entführt und nach
mehr als dreiwöchiger Geiselhaft freigelassen.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 03.04.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertvierundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
UN-Generalsekretär Ban bittet um Geduld mit neuer
palästinensischer Regierung
Di.03.04.07 - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Weltgemeinschaft zu etwas
mehr Geduld mit der neuen palästinensischen Regierung aufgerufen.
Man sollte der Hamas und der Fatah etwas Zeit geben, sich zu
arrangieren, sagte Ban am Montagabend in New York. Dann bestehe die
Hoffnung, dass die Regierung der nationalen Einheit schließlich
das Existenzrecht Israel anerkenne und der Gewalt abschwöre. Dies
hat das Nahost-Quartett ebenso gefordert wie eine Anerkennung bereits
bestehender Verträge.
Ban ist gerade von einer elftägigen Reise durch den Nahen und
Mittleren Osten nach New York zurückgekehrt. Er erklärte, der
palästinensische Außenminister Siad Abu Amr, ein
unabhängiger Politiker, habe ihm versichert, dass die Regierung in
Ramallah darauf hin arbeite, internationalen Erwartungen nachzukommen.
Dies könnte allerdings noch eine Weile dauern, und diese Zeit
sollte den Palästinensern gewährt werden, forderte Ban.
Gleichzeitig müsse man sie allerdings gezielt dazu anregen, ihre
Position zu ändern.
(Quelle: ap)
Im Iran gefangene britische Soldaten - Teheran und London suchen
Lösung auf diplomatischem Wege
Di.03.04.07 - In der Krise zwischen London und Teheran wegen der im Iran gefangenen
britischen Soldaten hat sich am Montagabend weitere Entspannung
abgezeichnet. Der iranische Chefunterhändler für
Auslandsfragen, Ali Laridschani, betonte gegenüber dem britischen
Fernsehsender Channel 4, dass sein Land den Konflikt über die
«zuständigen diplomatischen Kanäle» lösen
wolle. Auch wolle man die Angelegenheit rasch klären und nicht
weiter verkomplizieren.
Einen Anlass, die britischen Soldaten vor Gericht zu stellen, sehe die
iranische Regierung nach derzeitigem Kenntnisstand nicht, fügte
Laridschani hinzu. Die britische Regierung erwiderte, sie teile mit dem
Iran das Streben nach einem baldigen bilateralen Dialog. Es gebe zwar
immer noch einige Differenzen, aber wie Teheran bevorzuge London
Gespräche zwecks einer diplomatischen Lösung, erklärte
eine Sprecherin des Außenministeriums.
Großbritannien hatte sich zuvor bereits zu grundsätzlichen
Gesprächen über die Vermeidung künftiger
Seestreitigkeiten im Persischen Golf bereit erklärt. Gleichzeitig
bekräftigte die Regierung aber ihre Forderung nach einer
umgehenden Freilassung der 15 britischen Soldaten.
(Quelle: ap)
Mindestens 15 Tote bei Anschlag in Sri Lanka
Di.03.04.07 - Bei einem Bombenanschlag im Osten Sri Lankas sind am Montag mindestens
15 Menschen getötet und zehn weitere verletzt worden. Die
Streitkräfte verdächtigten tamilische Rebellen, den Anschlag
an einem Militärkontrollpunkt in der Nähe von Ampara
verübt zu haben. Der Sprengsatz explodierte, als Soldaten einen Bus
durchsuchten. Die meisten Fahrgäste waren zuvor ausgestiegen, wie
ein Militärsprecher sagte. Die Befreiungstiger von Tamil Eelam
(LTTE) kämpfen seit 1983 für einen unabhängigen Staat im
Norden und Osten der Insel Ceylon. Dem Konflikt sind bislang rund 69.000
Menschen zum Opfer gefallen.
(Quelle: ap)
Immer mehr Chinesen können weder lesen noch schreiben
Di.03.04.07 - Immer mehr Chinesen können weder lesen noch schreiben. Die Zahl
der Analphabeten stieg binnen fünf Jahren um 30 Millionen auf 116
Millionen, wie die Zeitung «China Daily» meldete. Grund ist
vor allem, dass junge Landbewohner auf der Suche nach Arbeit in die
Städte ziehen und ihre Schulausbildung abbrechen.
Umfangreiche Bildungskampagnen der kommunistischen Regierung und die
Vereinfachung der chinesischen Schriftzeichen haben dazu geführt,
dass die Alphabetisierungsquote nach UN-Angaben bis 2000 auf rund 90
Prozent stieg. Anfang des 20. Jahrhunderts konnten die meisten Chinesen
nicht lesen und schreiben. Als lese- und schreibfähig gilt, wer
1.500 Schriftzeichen beherrscht - ein Hochschulabsolvent muss 7.000 bis
10.000 Zeichen kennen.
Gao Xuegui vom Bildungsministerium sagte der Zeitung zufolge, viele
junge Leute strömten auf der Suche nach Arbeit in die Städte.
Diese Wanderarbeiter haben dort weder Zugang zu Schulen noch zum
Gesundheitssystem. «Die Situation ist beunruhigend», sagte
Gao. «Analphabetismus ist nicht nur eine Frage der Bildung,
sondern hat auch große soziale Auswirkungen.» Ein weiterer
Grund für die Zunahme sei fehlendes Geld. Zudem verleiteten
frühere Erfolge einige lokale Behörden dazu, ihre
Alphabetisierungskampagnen einzustellen, wie Gao weiter mitteilte.
(Quelle: ap)
London und Buenos Aires begehen 25. Jahrestag des Falkland-Kriegs
Di.03.04.07 - Unter divergierenden Vorzeichen haben Großbritannien und
Argentinien am Montagabend den 25. Jahrestag ihres Krieges um die
Falkland-Inseln begangen. Der britische Premierminister Tony Blair
besuchte Veteranen der Schlacht im Südatlantik, die sich auf einem
Kriegsschiff vor Schottland versammelt hatten. In der Londoner
St.-Pauls-Kathedrale legte die frühere Regierungschefin Margaret
Thatcher, die seinerzeit Argentinien den Krieg erklärte, einen
Kranz für die gut 250 getöteten britischen Soldaten nieder.
In Buenos Aires bekräftige Vizepräsident Daniel Scioli den
Anspruch Argentiniens auf die Malvinas, wie die Falklands dort genannt
werden. Die britische Regierung rief er zu Verhandlungen über den
künftigen Status der Inselgruppe vor der argentinischen Küste
auf. Man hoffe, auf diplomatischem Wege friedlich in den Besitz der
Inseln zu gelangen. Großbritannien hat dies allerdings stets
abgelehnt.
Argentinien verlor im Falkland-Krieg rund 650 Soldaten. Anhänger
der Mitte-links-Regierung unter Präsident Nestor Kirchner
vertreten heute die Ansicht, dass die Besetzung der Inseln am 2. April
1982 ein Fehler war. Dennoch wird der Anspruch auf das Gebiet
aufrechterhalten. Großbritannien hat zum Jahrestag des Krieges
Bedauern über die Opfer geäußert und sich für
konstruktive Kontakte zu Argentinien ausgesprochen, ohne jedoch
Bereitschaft zum Verzicht auf die Inseln anzudeuten.
Die beiden Länder haben die seinerzeit abgebrochenen
diplomatischen Beziehungen 1990 wieder aufgenommen. Diese blieben
jedoch unterkühlt, da sich bislang keine Lösung ihres Streits
abgezeichnet hat. London eroberte die besetzten Inseln am 14. Juni 1982
wieder zurück. Die Bewohner der Falklands haben stets betont, bei
Großbritannien verbleiben zu wollen.
(Quelle: ap)
Ukraine: Präsident Juschtschenko ruft Neuwahlen aus
Di.03.04.07 - Der anhaltende Machtkampf zwischen dem Präsidenten und der
Regierung der Ukraine soll mit Neuwahlen beigelegt werden.
Präsident Viktor Juschtschenko löste am Montagabend das
Parlament in Kiew auf und setzte den 27. Mai als Wahltermin an. Sein
langjähriger Rivale, der prorussische Ministerpräsident
Viktor Janukowitsch appellierte später nach einer Kabinettssitzung
an Juschtschenko, diesen Beschluss wieder zurückzunehmen. Seine
Koalition sei zu bedeutenden Kompromissen bereit, und darüber
sollte weiter verhandelt werden.
Juschtschenko hat Janukowitsch vorgeworfen, Abgeordnete aus anderen
Parteien gezielt abzuwerben, um seine Machtposition zu festigen. Zur
Beilegung der Differenzen gab es am Montag ein weiteres
Krisengespräch, das mehr als sieben Stunden dauerte, aber ohne
jedes Ergebnis blieb. Dank der Abwerbung von Abgeordneten konnte sich
Janukowitsch zuletzt auf 260 der 450 Parlamentarier stützen. Unter
anderem trat rund ein Dutzend Abgeordnete aus Juschtschenkos
Bündnis zum Lager von Janukowitsch über - und das, obwohl ein
neues Gesetz den Fraktionswechsel innerhalb einer Legislaturperiode
untersagt.
Noch am Wochenende hatten beide Politiker zehntausende Anhänger
mobilisiert, die in Kiew auf die Straße gingen. Die Szenen
erinnerten an die Orangene Revolution Ende 2004, in deren Folge
Juschtschenko zum Staatschef ernannt wurde.
(Quelle: ap)
Furcht vor Unruhen - Bundeswehr verstärkt Truppen im Kosovo
Di.03.04.07 - Aus Furcht vor Unruhen während der Statusverhandlungen über
die Zukunft des Kosovo hat die Bundeswehr ihr Kontingent um rund 500
Mann verstärkt. "Wir befürchten, dass die Lage während
der Verhandlungen über die politische Zukunft des Kosovo
gefährlicher wird", sagte der deutsche Verteidigungsminister Franz
Josef Jung (CDU) der "Welt". Deshalb sei zusätzlich ein Bataillon
der "Operation Reserve Force" ins Kosovo geschickt worden.
Bislang unterstützen die deutschen Soldaten die US-Armee im Osten
des Kosovo, ab Dienstag werden sie dem schwedischen Kontingent helfen.
Damit sind jetzt laut "Welt" mehr als 2900 deutsche Soldaten im Kosovo
stationiert.
Am vergangenen Montag hatte der finnische Vermittler Martti Ahtisaari
dem UN-Sicherheitsrat seinen Plan für eine Zukunft des Kosovo
weitergeleitet. Dieser sieht eine Unabhängigkeit für die
Provinz unter internationaler Aufsicht vor.
Der EU-Sonderkoordinator des Stabilitätspakts für
Südosteuropa, Erhard Busek, stellte die geplante Führungsrolle
der EU bei der Verwaltung und Entwicklung des Kosovo in Frage. "Die
entscheidende Frage wird sein, ob man dafür die geeigneten Leute
findet", sagte Busek dem Tagesspiegel (Montagausgabe). "So viel
Übung haben wir nicht mit Verwaltungs- und
Entwicklungsassistenzen. Allein mit Diplomaten, Militär und
Polizisten wird das nicht zu schaffen sein: Für die Heranbildung
einer zivilen Gesellschaft braucht man schon ein breites Engagement."
(Quelle: afp)
Kosovo: 'Kriminelle werden geduldet' - Vernichtendes Urteil über Politik von Nato und EU
Berlin - Zu einem vernichtenden Urteil über die bisherige
Kosovo-Politik von Nato und EU kommt das Berliner "Institut für
Europäische Politik", das sich als "strategischer Partner" der
EU-Kommission bezeichnet. Die internationale Gemeinschaft trage
"maßgeblich Verantwortung" dafür, dass es im Kosovo bisher
nicht zu einer nachhaltig positiven Entwicklung gekommen sei,
heißt es in einer vertraulichen Studie für die Bundeswehr.
Durch sein "an Fahrlässigkeit grenzendes Verhalten", mit dem er
kriminelle Elemente in Politik und Gesellschaft dulde, habe de Westen
den Weg zu einer dauerhaften Verfestigung des Problems vorgezeichnet.
Die Verfasser der Studie bezeichnen den Versuch als gescheitert, im
Kososvo eine multi-ethnische Gesellschaft aufzubauen. Der
multi-ethnische Irrglaube werde vor allem von solchen internationalen
Funktionsträgern am Leben erhalten, deren Arbeitserfolg
"unmittelbar an der Erfüllung dieses (auf politischem Wunschdenken
fußenden) Missionsziels gemessen wird oder die über ein
direktes finanzielles Interesse an der Fortführung entsprechender
Förderprogramme verfügen". Sp gebe es zwischen den
Siedlungsgebieten der Albaner und der Serben entgegen den Darstellungen
von Kfor und UN-Verwaltung Unmik keine Bewegungsfreiheit. Nach
Klärung der Statusfrage drohe ein weiterer Exodus serbischer
Bevölkerungsteile.
Großes Gewicht messen die Verfasser der Bedrohung durch die
Organisierte Kriminalität (OK) bei. Statt die Sicherheit zu
fördern, habe die internationale Gemeinschaft in den vergangenen
Jahren offen zur Stabilisierung der lokalen OK-Machtstrukturen
beigetragen. Die machtpolitische Elite des Kosovo rekrutiere sich
überwiegend aus ehemaligen Kämpfern der Kosovo-Befreiungsarmee
(UCK), die in lokalen Clan-Systemen etabliert seien und sich jeder
öffentlichen Kontrolle entzögen. Die "Weigerung" des Westens,
sich offen mit den informellen Machtstrukturen auseinanderzusetzen, habe
"zu einem Zustand faktischer Recht-und Straflosigkeit geführt".
Richter und Staatsanwälte weigerten sich aus Angst vor
Repressionen, ppolitisch sensible Fälle aufzuarbeiten. Angesichts
ihrer schlechten Bezahlung von 150 Euro seien sie massiv für
Korruption anfällig. Bis in die "höchsten Ebenen des
Polizeiapparates" hinein gebe es enge famliäre Bande mit
Hauptakteuren der Organisierten Kriminalität.
Süddeutsche Zeitung, 27.03.2007
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Türkische Wirtschaft wuchs 2006 um 6,1 Prozent
Di.03.04.07 - Die türkische Wirtschaft ist im vergangenen Jahr weiter stark
gewachsen: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg um 6,1 Prozent. Das
teilte das staatliche Statistikamt mit. Besonders kräftig wuchs die
Baubranche, die inflationsbereinigt um 19,4 Prozent zulegte. Das BIP
erreichte einen historischen Höchstwert und stieg knapp über
die Marke von 400 Milliarden Dollar (etwa 300 Milliarden Euro). Das
Pro-Kopf-Einkommen der Türken lag demnach Ende des vergangenen
Jahres bei etwa 5500 Dollar im Jahr, das sind 9,3 Prozent mehr als ein
Jahr zuvor.
Die türkische Regierung war für das Jahr 2006 von einem
Wachstum von fünf Prozent ausgegangen. Auch die Märkte
hätten nicht mit einem Wert von 6,1 Prozent gerechnet, berichtete
der Fernsehsender CNN-Türk. Seit der jüngsten schweren
Wirtschaftskrise im Jahr 2001 und einem anschließend begonnenen
Reformprogramm in Zusammenarbeit mit dem Internationalen
Währungsfonds (IWF) ist die türkische Wirtschaft stark
gewachsen. Vor drei Jahren erreichte das Wachstum fast zehn Prozent, im
Jahr 2005 lag die Steigerung noch bei 7,4 Prozent.
(Quelle: afp)
Frankreich will Vorschulkinderbetreuung ausbauen
Di.03.04.07 - Wenn in Deutschland Bund, Länder und Gemeinden über den
Ausbau der Betreuungsplätze für Vorschulkinder beraten, werden
die Blicke auch wieder auf Frankreich gerichtet, wo berufstätige
Mütter und betreute Kinder eine Selbstverständlichkeit sind.
Doch auch im Nachbarland gibt es bei den Unter-Drei-Jährigen
Nachholbedarf. Nur für zehn Prozent der 2,4 Millionen Franzosen im
Vorschulalter gibt es einen staatlichen Krippenplatz. Alle anderen
Familien behelfen sich mit Kinderfrauen, Tagesmüttern und
Babysittern. Seit November wird daher ein ehrgeiziger "Plan für
Kleinkinder" umgesetzt, der das Krippenproblem entschärfen soll.
Das "Problem" der Franzosen ist eines, von dem in Deutschland manch ein
Politiker sicher träumt: Mit einem Schnitt von zwei Kindern pro
Frau im gebärfähigen Alter sind sie Nachwuchsmeister in
Europa. Die staatliche Kindergartenbetreuung ab dem Alter von drei
Jahren ist garantiert. Doch was sich wie eine vorbildliche Organisation
anhört, ist unseren westlichen Nachbarn nicht genug: Auch die
Unter-Drei-Jährigen sollen noch umfassender versorgt werden. Denn
80 Prozent der Frauen zwischen 30 und 54 Jahren sind berufstätig
und nehmen ihre Arbeit oft schon kurze Zeit nach der Geburt wieder auf.
Der neue Kleinkinderplan soll dazu innerhalb der nächsten
fünf Jahre jährlich weitere 12.000 Krippenplätze
schaffen. Und durch Flexibilität sollen Ausweichlösungen, vor
allem auf dem Lande, erleichtert werden. Im Februar traten die
grundlegenden Maßnahmen des Plans in Kraft: Für den Aufbau
einer Krippe müssen seither weniger strenge Regeln befolgt werden.
So dürfen zum Beispiel auch Menschen mit einer Ausbildung zur
Hebamme oder Krankenschwester in Krippen arbeiten, bei kleinen Krippen
mit nur wenigen Kindern dürfen neuerdings bis zu drei solcher
Einrichtungen von ein und demselben Leiter verwaltet werden.
Um die Finanzierung der Strukturen in der Kinderbetreuung zu
erleichtern, sind durch einen weiteren Beschluss im Februar jetzt auch
privat organisierte Krippen von der Mehrwertsteuer befreit. Das ist
besonders wichtig für Betriebskrippen in kleinen und mittleren
Unternehmen. Überhaupt wird private Initiative ermutigt und
erleichtert: Die lokalen Behörden dürfen ebenfalls seit
Februar die Einrichtung so genannter Mini-Krippen genehmigen. Das sind
Gruppen von bis zu neun Kindern, die von qualifiziertem Personal in
privaten Häusern oder Wohnungen betreut werden können. Und von
der neuen Möglichkeit wird schon Gebrauch gemacht: 200 Gemeinden
hätten bereits die Gründung von neuen Krippen in Angriff
genommen, heißt es aus dem Familienministerium in Paris.
Mit diesen Maßnahmen soll Schritt für Schritt eine Situation
geschaffen werden, in der alle Eltern für ihre Kinder unter drei
Jahren eine Betreuungsmöglichkeit finden. Heute sind nach
Schätzungen des Dachverbandes der Familienvereine (Unaf) bis zu 20
Prozent der Familien darauf angewiesen, sich mit schwarz arbeitenden
Babysittern, mühselig verschobenen Arbeitszeiten, ungewollten
Teilzeitjobs und den Großeltern durchzuschlagen.
Obwohl es eine ganze Batterie staatlicher Beihilfen und Zuschüsse
gibt, kommt die Betreuung der Kleinsten die Eltern dennoch teuer zu
stehen. Französische Familien müssen der OECD zufolge im Falle
von zwei voll verdienenden Eltern mit zwei Kindern im Vorschulalter 18
Prozent ihres Nettoeinkommens für die Kinderbetreuung ausgeben.
Ein deutscher Haushalt in der gleichen Lage muss nur sechs Prozent
seines Budgets dafür aufwenden.
(Quelle: afp)
Deutschland
Betreuung für jedes dritte Kleinkind kommt
Di.03.04.07 - Für jedes dritte Kleinkind in Deutschland soll bis zum Jahr 2013
ein Krippenplatz zur Verfügung stehen. Auf dieses neue
Bedarfs-Ziel verständigte sich Bundesfamilienministerin Ursula von
der Leyen (CDU) am Montag in Berlin mit den Jugend- und
Familienministern der Länder und den Kommunen.
Dies bedeutet - wie von der Ministerin bereits früher anvisiert -
eine Verdreifachung auf 740 000 Krippenplätze. Wie sie finanziert
werden sollen, blieb offen. Im Sommer soll es ein zweites
Spitzen-Treffen geben.
Von der Leyen verpflichtete sich, eine Beteiligung des Bundes an den
erwarteten zusätzlichen Milliarden-Kosten in der Koalitionsspitze
durchzusetzen. «Ich gehe ganz klar mit der Ansage in den
Koalitionsausschuss, dass sich der Bund daran beteiligt», sagte
sie zu den Beratungen am 16. April. Vor allem in der Union gibt es
dagegen noch massiven Widerstand. «Es kann nicht sein, dass wer
das größte Geschrei veranstaltet, dann auch das
größte Geld kriegt», sagte der haushaltspolitische
Sprecher der Unions-Fraktion, Steffen Kampeter (CDU), der dpa. Die SPD
verlangt Umschichtungen in den öffentlichen Haushalten. Dies lehnt
von der Leyen ab.
«Die ist ein ausgesprochen erfolgreicher Tag für die
Familien in unserem Land», sagte von der Leyen nach der
Minister-Sondersitzung. «Wir müssen aber schneller und
besser werden», fügte sie mit Blick auf das laufende
Krippen-Ausbau-Programm hinzu. Der Vorsitzende der
Länder-Jugendminister, Holger Rupprecht (SPD) aus Brandenburg,
begrüßte die Verständigung auf die neuen Bedarfszahlen.
Er beklagte zugleich, dass die SPD-Forderung nach einem Rechtsanspruch
auf einen Krippenplatz von der Union weiter abgelehnt wird.
Die ostdeutschen Länder mit ihrer besseren Krippenplatz-
Versorgung sollen nicht benachteiligt werden, wurde vereinbart. Derzeit
kommen im Westen im Schnitt 7,8 Krippenplätze auf 100 Kinder unter
drei Jahren. Im Osten liegt diese Quote bei 39 Prozent. Der
gesamtdeutsche Durchschnitt beträgt 13,5 Prozent. Die EU strebt 35
Prozent an.
Um das neue Ausbau-Ziel zu erreichen, soll das bereits laufende
Krippen-Programm für das Jahr 2010 mit einer Versorgungsquote von
20 Prozent beschleunigt werden. Das Ziel soll bereits 2009 erreicht
werden, vereinbarten die Minister. Das ergibt für 2008
Zusatzausgaben von einer Milliarde Euro. Für das Jahr 2013 wurden
von den Ländern zusätzliche Kosten von drei Milliarden Euro
ermittelt. Die Kommunen rechnen mit vier Milliarden. Um den
Finanzbedarf im Detail zu klären, wurde eine Arbeitsgruppe
eingesetzt.
Für den Städtetag begrüßte der Münchner
Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) die Bereitschaft des Bundes,
sich an der Finanzierung der Krippenplätze zu beteiligen. Er
warnte vor einem kurzfristigen Rechtsanspruch auf Krippenplätze.
«Dies könnte eine Prozesslawine auslösen, die zu nichts
führt», sagte er mit Hinweis auf die noch fehlenden
Betreuungseinrichtungen. Für die rheinland- pfälzische
Familienministerin Doris Ahnen (SPD) wäre dagegen ein
Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz der beste Weg, um den Eltern
Sicherheit zu geben. NRW-Familienminister Armin Laschet bezeichnete den
Rechtsanspruch als «philosophische Frage». Jetzt gehe es
darum, erstmals ein bedarfsgerechtes Angebot an Plätze zu schaffen.
(Quelle: dpa)
Arbeitgeber verlangen deutliche Senkung der Arbeitslosenversicherung
Di.03.04.07 - Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt will den Überschuss der
Bundesagentur für Arbeit konsequent für eine weitere Senkung
der Lohnnebenkosten nutzen. Es sei «klipp und klar», das zu
viel bezahlte Geld müsse an die Beitragszahler zurückgegeben
werden, verlangte Hundt am Montag in Berlin. Die Arbeitgeber gehen auf
Grund der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt von einem Überschuss
von 2,2 Milliarden Euro oder mehr aus.
Damit könne der Beitragssatz für die Arbeitslosenversicherung
um mindestens 0,3 Prozentpunkte gesenkt werden, sagte Hundt. Zudem
müsste keine einzige Fördermaßnahme der BA für
Arbeitslose deshalb gestrichen werden. Hundt verlangte von der
Bundesregierung, mit verminderten Lohnnebenkosten ein klares Signal
für Beschäftigung zu setzen.
«Ich fordere die Bundesregierung eindringlich auf, den neuen
Spielraum für eine weitere Absenkung des Beitragssatzes zur
Arbeitslosenversicherung zu nutzen und so die wirtschaftlichen
Antriebskräfte am Arbeitsmarkt zu stärken», betonte der
BDA-Präsident. Er verwies darauf, dass die Zahl der
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im vergangenen Jahr um
180.000 gestiegen sei. 75 Prozent der neu Eingestellten seien im Alter
zwischen 55 und 64 Jahre gewesen.
Hundt kritisiert, dass das Ziel der Bundesregierung, die
Lohnnebenkosten dauerhaft unter 45 Prozent zu senken, verfehlt worden
sei. Deshalb wäre es falsch, den Überschuss der BA in die
Renten- oder Krankenversicherung zu leiten. «Mit dem
Verschiebebahnhof muss Schluss sein», sagte Hundt.
Kritik übte er auch an der Einigung der Koalition, 100.000 schwer
vermittelbaren Langzeitarbeitslosen einen Chance in öffentlichen
Beschäftigungsprogrammen zu geben. Das sei nichts anderes als eine
verkappte ABM-Maßnahme, sagte der Arbeitgeberpräsident.
«Solch eine Politik kann ich nur grundlegend ablehnen.» Ziel
müsse die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt sein.
Beim Thema Mindestlohn verwies er auf die Tarifhoheit. Die Arbeitgeber
seien unverändert für tarifliche Regelungen auch im unteren
Einkommensbereich, sagte Hundt. Gesetzliche Mindestlöhne lehnten
sie ab. Eine Ausweitung des Entsendegesetzes kommt für Hundt nur in
Frage, wenn es soziale Verwerfungen am Arbeitsmarkt gebe. Das sei bei
den Gebäudereinigern der Fall gewesen. Aber keine andere Branche
erfüllt seiner Einschätzung nach derzeit diese
Voraussetzungen.
(Quelle: ap)
Anhaltend starkes Wirtschaftswachstum
Di.03.04.07 - Der Staat kann nach Informationen der «Financial Times
Deutschland» in den kommenden vier Jahren mit zusätzlichen
Steuereinnahmen von mehr als 60 Milliarden Euro rechnen. Das berichtet
die Zeitung in ihrer Dienstagausgabe unter Berufung auf erste
Berechnungen des Bundesfinanzministeriums.
Die Fachleute von Minister Peer Steinbrück (SPD) gehen demnach
davon aus, dass der Arbeitskreis Steuerschätzung seine Prognosen
für Bund, Länder und Gemeinden in der nächsten Sitzung
im Mai entsprechend anheben wird. Hintergrund sei die gute Konjunktur,
die weitaus kräftiger und nachhaltiger verläuft als bisher
von den Steuerexperten unterstellt. Nach den vorläufigen
Einschätzungen aus dem Ministerium könne allein der Bund mit
einem Steuerplus von mehr als 30 Milliarden Euro rechnen.
Die Berechnungen des Bundesfinanzministeriums sind die wichtigste
Grundlage für die Steuerschätzer. Auch Experten der
Länderfinanzministerien, der Bundesbank, der Kommunen und der
Wirtschaftsforschungsinstitute gehören dem Gremium an. Die Runde
kommt zweimal im Jahr zusammen. Auf ihre Ergebnisse stützen
Finanzminister und Kämmerer ihre Etatplanung. Am 8. Mai steht in
Görlitz die so genannte große Schätzung an, die einen
Zeitraum bis 2010 umfasst.
Zu dem hohen Einnahmeplus kommt es dem Bericht zufolge, weil die
Schätzer im Mai 2006 noch von einem deutlich schlechteren
Wirtschaftswachstum ausgehen mussten. So unterstellten die Experten
für das vergangene Jahr ein Wachstum von rund einem Prozent.
Tatsächlich legte das Bruttoinlandsprodukt aber um 2,7 Prozent zu.
(Quelle: ddp)
Unternehmen haben CO2-Ausstoß erhöht
Di.03.04.07 - Die deutschen Unternehmen haben ihren Ausstoß an
klimaschädlichem Kohlendioxid erhöht. Nach einem Bericht des
Umweltbundesamtes (UBA) in Dessau vom Montag stießen die am
Emissionshandel beteiligten Firmen im Vorjahr 3,6 Millionen Tonnen mehr
aus als 2005. Eine der Ursachen des Anstiegs sei vermutlich das hohe
Wirtschaftswachstum in 2006. Damit werde der am vergangenen Freitag vom
UBA veröffentliche Gesamttrend bestätigt, wonach die
Kohlendioxid-Emissionen in der Bundesrepublik gegenüber dem
Vorjahr um 0,6 Prozent gestiegen sind.
Der Emissionshandel umfasst den Angaben zufolge derzeit 54 Prozent der
nationalen Kohlendioxidemissionen. Insgesamt hätten die Emissionen
auch im Jahr 2006 mehr als 20 Millionen Tonnen unter der Menge gelegen,
für die kostenlos Emissionsberechtigungen ausgegeben worden seien.
(Quelle: ap)
Umwelthilfe rügt Untätigkeit der Regierung beim Klimaschutz
Di.03.04.07 - Die Deutsche Umwelthilfe hat der Bundesregierung Untätigkeit beim
Klimaschutz vorgehalten. Trotz vollmundiger Versprechen drohten in
zentralen Bereichen sogar massive Rückschläge, sagten die
Geschäftsführer Rainer Baake und Jürgen Resch am Montag
in Berlin. Besonders kritisierten sie Pläne des Kanzleramts, bei
der anstehenden Zuteilung von Verschmutzungsrechten mit Kohlendioxid
große Braunkohlekraftwerke zu fördern. «Braunkohle ist
aber der mit Abstand klimaschädlichste Brennstoff», sagte
Baake.
Nach drei Monaten Klimaschutzdiskussion in Deutschland sei die
Zwischenbilanz deprimierend. «Nirgendwo sonst in Europa wird so
vehement die Notwendigkeit konkreter Maßnahmen verlautbart - und
gleichzeitig nichts getan», erklärte die Organisation.
Resch verwies auf andere EU-Staaten, die schon längst Anreize zum
Kauf klimaverträglicherer Autos setzten, etwa mit Steueranreizen
und Zuschüssen für verbrauchsarme Pkw sowie hohen Strafsteuern
für Klimakiller. Davon sei Deutschland noch weit entfernt.
Die Umwelthilfe verlangte von den deutschen Autobauern, ihre
Klimaschutz-Zusagen einzuhalten und bis Ende 2008 den durchschnittlichen
Kohlendioxid-Ausstoß neu verkaufter Pkw um 32,5 Gramm auf 140
Gramm zu senken. Dazu müssten sich der neu gewählte
Präsident des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie, Matthias
Wissmann, und seine großen Mitgliedsunternehmen öffentlich
bekennen.
Für eine schnelle Trendumkehr stellte die Umwelthilfe einen
«Marshallplan» vor. Auf ihrer Internet-Seite gibt es zum
Beispiel ab sofort Warnaufkleber mit der Aufschrift «Ich bin ein
Klimakiller» zum Download, die auf große Luxus-Jeeps mit
hohem Spritverbrauch abzielt ein Umdenken bei Autofahrern anstoßen
sollen. Des weiteren verlangte die Organisation, dass Verwaltungen und
Unternehmen auf effizientere Dienstwagen setzen. Der Staat solle unter
anderem die CO2-unabhängige Subventionierung von Dienstwagen
beenden und ein Werbeverbot für klimaschädliche Pkw mit mehr
als 210 Gramm CO2 pro Kilometer verhängen.
Zudem verlangte die Umwelthilfe auch ein Tempolimit von 120 Kilometern
pro Stunde auf Autobahnen. Dies führe über den unmittelbaren
CO2-Effekt hinaus auch zu einer veränderten Modellpolitik bis hin
zu Sprit sparender Technik, hieß es.
Resch und Baake bilanzierten: «Wer die Diskussionen der letzten
Tage verfolgt, muss zu dem Schluss kommen, dass viele der derzeitigen
Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik zu konkreten
Weichenstellungen im Klimaschutz nicht willens sind.» Das
G8-Gastgeberland tue seit den Beschlüssen des Brüsseler
EU-Gipfels, die weltweit als Aufbruchsignal im Klimaschutz verstanden
worden waren, alles für ihre systematische Demontage.
Angesichts der anstehenden Zuteilung von Verschmutzungsrechten mit
Kohlendioxid an die Energiewirtschaft und Industrie warnte die
Umwelthilfe vor falschen Weichenstellungen. Ein in der
Öffentlichkeit erst teilweise bekanntes Eckpunktepapier von
Kanzleramts-Chef Thomas de Maizière beharre auf einer für
den Klimaschutz in Deutschland desaströsen Förderung
großer Braunkohlekraftwerke, beklagte Baake. «Unter den
Augen der klimaschutzbewegten Kanzlerin soll ausgerechnet die
ineffizienteste und klimaschädlichste Form der Stromerzeugung
gefördert werden», monierte er.
(Quelle: ap)
Oberstes Gericht kritisiert Bush-Regierung im Klimastreit
Di.03.04.07 - Der Oberste Gerichtshof der USA hat in einem Richtung weisenden Urteil
zur Klimapolitik das Weiße Haus in die Schranken verwiesen. In
seinem ersten Urteil zum Klimawandel kritisierte das Gericht am Montag
die generelle Ablehnung einer Regulierung von Autoabgasen.
Mit einer knappen Mehrheit von 5 zu 4 Stimmen stellten die
höchsten Richter fest, dass die staatliche Umweltbehörde -
anders als von ihr bislang dargestellt - durchaus das Recht hat, mit
dem Gesetz zur Reinhaltung der Luft den Ausstoß von
Treibhausgasen wie Kohlendioxid aus Fahrzeugen zu regulieren.
Zugleich hielt das Gericht fest, dass die Umweltbehörde nicht in
der Pflicht stehe, Zwangsvorschriften einzuführen, sondern dass
dies eine Frage der Politik sei. Präsident George W. Bush hat
bislang staatliche Zwangsvorgaben wie beispielsweise
Emissions-Standards abgelehnt.
Mit dem Urteil stellt sich das Oberste Gericht auf Seite der
übergroßen Mehrheit der Klimaforscher. Der gut dokumentierte
Anstieg der weltweiten Temperaturen falle mit einem bedeutsamen Anstieg
der Konzentration von Kohlendioxid in der Erdatmosphäre zusammen,
heißt es. Geachtete Wissenschaftler glaubten, dass zwischen
beiden ein Zusammenhang bestehe, schreibt der Richter John Paul Stevens
in der Urteilsbegründung. Außerdem seien die mit dem
Klimawandel verbundenen Schäden «sehr ernst und gut
erkannt». Nach den Worten von Stevens würde ein geringerer
Ausstoß von Treibhausgasen in den USA das Tempo des weltweiten
Ausstoßes reduzieren.
In dem konkreten Fall hatten zwölf Bundesstaaten, darunter
Kalifornien und Massachusetts, drei Großstädte und mehrere
Umweltorganisationen geklagt. Der Streitfall hat seit 1999 alle
Instanzen bis zum Obersten Gerichtshof durchlaufen, weil sich die US-
Umweltbehörde generell weigerte, Kohlendioxid als
Luftverschmutzung zu betrachten. Die Behörde hat bislang
argumentiert, dass sie für örtliche Luftverschmutzungen, aber
nicht für Substanzen wie Kohlendioxid verantwortlich sei, die in
ähnlichen Konzentrationen überall in der Luft vorhanden seien.
Das Urteil ist unter anderem ein Sieg für Smog geplagte
Bundesstaaten wie Kalifornien. Der Westküstenstaat hat auf eigene
Faust ab 2009 für Neuwagen Emissions-Standards festgelegt.
Nach dem Urteil sprachen Umweltverbände von einer historischen
Entscheidung. Der US-Kongress müsse jetzt schnell etwas gegen den
Klimawandel unternehmen, heißt es in einer Erklärung des
National Environmental Trust.
(Quelle: dpa)