Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendundzwölften Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
USA wollen 12.000 Nationalgardisten in Irak entsenden. Gespräche
über iranische Gefangene im Irak. Mindestens 27 Tote bei
Selbstmordanschlag in Ramadi. Journalistin von Radio Free Europe im
Irak getötet. Aufständische im Irak fordern Machtwort von Bin
Laden. Irakische Regierung geißelt britische Razzia in Basra
Sa.07.04.07 - Die USA planen offenbar, 12.000 Nationalgardisten in den Irak zu
entsenden. Damit sollten Lücken in den Reihen der überlasteten
US-Armee gefüllt werden, berichtete der US-Fernsehsender NBC News.
Die Nationalgarde, deren Einheiten in allen Bundesstaaten stationiert
sind, ist an sich eine Reservetruppe auf freiwilliger Basis. Dennoch
solle der Einsatz im Irak verpflichtend sein, hieß es in dem
Bericht.
Kurz zuvor hatte US-Präsident George W. Bush angekündigt,
21.000 zusätzliche Soldaten in den Irak entsenden zu wollen, um den
Aufstand in dem Land zu bekämpfen. NBC berichtete unter Berufung
auf Quellen im Pentagon, US-Verteidigungsminister Robert Gates
müsse der Entsendung der 12.000 Nationalgardisten noch zustimmen.
Das Verteidigungsministerium wollte sich auf Anfrage nicht zu dem
Bericht äußern.
Nach der Freilassung von 15 britischen Soldaten im Iran gibt es auch
Bewegung im Fall von fünf iranischen Gefangenen im Irak.
US-Verteidigungsminister Robert Gates sagte am Donnerstag in Washington,
es gebe Gespräche, um iranischen Vertretern einen Zugang zu den
Gefangenen zu gewähren. Diese befinden sich im Gewahrsam der
US-Streitkräfte.
Die fünf Iraner waren im Januar im Irak gefangen genommen worden.
Ihnen wird vorgeworfen, schiitische Extremisten im Irak mit Geld, Waffen
und Ausbildung unterstützt zu haben. Die Regierung in Teheran
hingegen hat erklärt, die fünf Männer seien allein mit
konsularischen Aufgaben im Nachbarland betraut gewesen. Gates sagte, es
gebe nicht die Absicht, die fünf Iraner freizulassen.
Ein Selbstmordattentäter hat bei Ramadi westlich von Bagdad einen
mit TNT und Chlorgas beladenen Lastwagen zur Explosion gebracht und
mindestens 27 Menschen in den Tod gerissen. Dutzende Menschen erlitten
bei dem Anschlag am Freitag auf eine Polizeistation Verletzungen, wie
die irakischen Behörden mitteilte. Die Polizei versuchte noch, den
Attentäter mit Schüssen aufzuhalten.
Unter den Toten waren mindestens zwei Polizisten. Ramadi ist die
Hauptstadt der Provinz Anbar, die lange als Hochburg sunnitischer
Extremisten galt.
In Diwanija südlich von Bagdad lieferten sich amerikanische und
irakische Truppen am Freitag Gefechte mit Kämpfern der
schiitischen Mahdi-Miliz. Nach US-Angaben wurden sechs Extremisten
getötet und fünf festgenommen.
Im Irak ist eine Reporterin von Radio Free Europe getötet worden,
wie der Sender am Freitag mitteilte. Chamail Chalaf vom arabischen
Dienst Radio Free Iraq sei am Donnerstag erschossen im Westen Bagdads
aufgefunden worden, sagte Sprecherin Anna Rausova in Prag. Die
50-Jährige wurde seit Dienstag vermisst. Sie hatte seit 2004
für den Radiosender aus dem Irak berichtet.
Radio Free Europe wurde 1949 gegründet und hat seitdem in 28
Sprachen in 20 Ländern gesendet. 1995 zog die Zentrale von
München nach Prag um.
Eine der wichtigsten Aufständischen-Gruppen im Irak, die
Islamische Armee, hat Osama bin Laden aufgefordert, den irakischen Arm
seines Terror-Netzwerks El Kaida zur Ordnung zu rufen. "Wir rufen die
Führer von El Kaida, insbesondere Scheich Osama bin Laden - Gott
möge ihn schützen - auf, ihre Verantwortung für die
Handlungen der El-Kaida-Organisation in Mesopotamien wahrzunehmen",
hieß es in einer im Internet veröffentlichten Erklärung
der sunnitischen Gruppe. Sie übte darin heftige Kritik an dem
irakischen El-Kaida-Arm und warf diesem die Ermordung von "mehr als 30
Mitgliedern anderer sunnitischer Dschihad-Gruppen" vor, darunter
Kämpfer der Rebellengruppen Ansar el Sunna und Dschaitsch El
Mudschahidin (Armee der Mudschaheddine).
Die Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki entschied nach
Angaben von Freitag, dass frühere Offiziere der Streitkräfte
unter der Herrschaft Saddam Husseins Pensionen erhalten sollten. Das
Angebot ist Teil eines nationalen Versöhnungsplans. Es wird
angenommen, dass sich zahlreiche Exoffiziere nach dem amerikanischen
Einmarsch 2003 den Rebellen angeschlossen haben. Die Entscheidung des
Kabinetts fiel bereits im vergangenen Monat.
Al-Maliki nahm ein Rücktrittsgesuch von Justizminister Haschim al
Schebli an und betraute Staatsminister Safa al Safi bis auf weiteres
mit dem Ressort. Al Schebli hatte vergangene Woche seinen
Rücktritt angeboten und dies mit nicht näher erläuterten
Differenzen innerhalb der Regierung begründet.
Eine Razzia britischer Soldaten in Basra Anfang März hat nach
Angaben aus Bagdad die Souveränität des Iraks sowie Vorgaben
der Vereinten Nationen eklatant verletzt. Die Operation habe die
Anordnungen eines irakischen Richters schlicht ignoriert, heißt
es in einem Untersuchungsbericht der irakischen Regierung, der am
Freitag veröffentlicht wurde. Der Kommandeur der US-geführten
internationalen Streitmacht im Irak sollte sich deshalb offiziell beim
irakischen Volk, bei den Einwohnern von Basra und beim Innenministerium
entschuldigen.
Britische Soldaten stürmten am 4. März das Gebäude des
irakischen Geheimdienstes in Basra. Nach eigenen Angaben nahmen sie
dort den mutmaßlichen Anführer einer Todesschwadron gefangen
und stellten gleichzeitig fest, dass 30 Gefangene Spuren von Folter
aufwiesen. Ein Großteil der Häftlinge floh während der
Razzia, was den britischen Streitkräften zufolge nicht
beabsichtigt war.
Laut dem irakischen Regierungsbericht waren die Briten nicht
berechtigt, Menschen festzunehmen, die sich bereits auf richterliche
Anordnung im irakischen Gewahrsam befanden. Zumindest hätten sie
einen neuen Haftbefehl beantragen müssen. Die
Koalitionsstreitkräfte müssten deshalb anerkennen, dass
einige ihrer Mitglieder ihre Befugnisse weit überschritten
hätten. Zudem hätten sie einen schweren Fehler begangen,
indem sie die Flucht anderer Häftlinge ermöglicht
hätten. Die Missachtung irakischer Hoheitsrechte widerspreche auch
dem Geist der UN-Resolution, die den Einsatz ausländischer Truppen
im Irak regele.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01. 2006 bis 07.04.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertachtundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.07.04.06 - Drahtzieher der Entführung von Giuliana Sgrena festgenommen +++
Regierungsbildung kommt weiter nicht voran +++ Zehn Tote und 42 Verletzte
bei Bombenanschlag in Nadschaf +++ Bush verteidigt abermals US-Vorgehen im
Irak. Irakerinnen nicht befreit - Organization of Women's Freedom in Iraq veröffentlicht Studie zur
Situation der Frauen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0604070.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
|
Afghanistan: Präsident Karsai räumt Kontakte mit Taliban ein
Sa.07.04.07 - Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat sich nach eigenen
Angaben wiederholt mit Vertretern der Taliban getroffen. Er habe die
islamischen Milizionäre aufgefordert, ihre Waffen niederzulegen,
sagte Karsai am Freitag. «Afghanische Taliban sind immer
willkommen, sie gehören zu diesem Land», sagte Karsai auf
einer Pressekonferenz in Kabul. «Wenn sie umkehren, wenn sie
bereuen, wenn sie in ihr eigenes Land zurück wollen, dann sind sie
willkommen.»
Ausländische Extremisten dagegen müssten
«vernichtet» werden, erklärte der afghanische
Präsident. «Sie zerstören unser Leben, sie töten
unser Volk, sie sind nicht willkommen, und es wird keine Gespräche
mit ihnen geben», sagte Karsai - offenbar im Hinblick auf
Extremisten aus dem Nachbarland Pakistan. Schon lange bestünden
Kontakte zwischen der Regierung und den afghanischen Taliban. Er selbst
habe mit Vertretern der Miliz gesprochen. Einzelheiten nannte Karsai
nicht.
In Deutschland hatte sich SPD-Chef Kurt Beck vor einigen Tagen nach
einem Besuch in Afghanistan für eine internationale Konferenz mit
Beteiligung der Taliban ausgesprochen und damit in Berlin eine lebhafte
Debatte ausgelöst.
(Quelle: ap)
Fünf Tote bei Selbstmordanschlag in Kabul
Sa.07.04.07 - Bei einem Selbstmordanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind
am Freitag fünf Menschen ums Leben gekommen. Der Attentäter
zündete seine Autobombe, als ein Polizist den Wagen an einem
Kontrollpunkt stoppen wollte. Mindestens vier Menschen wurden verletzt.
Die Trümmer des explodierten Autos lagen am Tatort verstreut. In
der Umgebung gingen Fensterscheiben zu Bruch. Die viel befahrene
Darulaman-Straße im Westen von Kabul wurde gesperrt. Für
ähnliche Anschläge wurden in der Vergangenheit stets
Mitglieder der Taliban-Miliz verantwortlich gemacht. Das Regime der
islamisch-fundamentalistischen Taliban wurde 2001 unter dem Druck
amerikanischer Luftangriffe gestürzt.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Laut Hisbollah werden entführte israelische Soldaten 'human'
behandelt. Israel kritisiert US-Rüstungsgeschäft mit
Saudi-Arabien. UN besorgt über Waffenschmuggel in den Libanon
Sa.07.04.07 - Die Hisbollah-Miliz hat sich erstmals öffentlich zum Schicksal von
zwei im Juli 2006 verschleppten israelischen Soldaten
geäußert. "Die entführten Soldaten, Eldad Regev und Ehud
Goldwasser, werden human behandelt", sagte der stellvertretende Chef
des politischen Büros der Organisation, Mohammed Komati, dem in
Israel erscheinenden arabischen Wochenblatt "A Sinara". Er warf den USA
vor, ein Abkommen über die Freilassung der beiden Soldaten im Zuge
eines Gefangenenaustauschs mit Israel zu verhindern.
Der Vater von einem der Entführten, Shlomo Goldwasser,
erklärte im israelischen Militärrundfunk, die Angaben des
Hisbollah-Verantwortlichen seien noch kein Beweis dafür, dass die
Israelis am Leben seien. Er rief die radikalislamische Miliz dazu auf,
ein Video oder Fernsehaufnahmen zu veröffentlichen, die als
Lebenszeichen dienen könnten.
Die Soldaten Goldwasser und Regev waren am 12. Juli 2006 bei einem
Überfall von Hisbollah-Kämpfern auf einen israelischen Posten
an der israelisch-libanesischen Grenze entführt worden. Nach
Angaben der israelischen Armee wurden sie bei dem Kampf schwer verletzt.
In Reaktion auf den Überfall begann Israel den 34-Tage-Krieg gegen
den Libanon. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert hatte Anfang
des Jahres die Möglichkeit angedeutet, dass die beiden
Verschleppten an ihren Verletzungen gestorben sein könnten.
Israel hat Pläne der USA kritisiert, fortgeschrittene
Waffentechnologie an Saudi-Arabien zu verkaufen. Israelische Beamte
hätten sich in Washington für eine Blockade von Teilen des
geplanten Geschäfts stark gemacht, berichtete die "New York Times"
am Donnerstag unter Berufung auf US-Regierungskreise. In Frage
stünde insbesondere die Lieferung satellitengesteuerter Waffen,
welche die militärische Überlegenheit Israels in der Region in
Frage stellen könnten. Beim fraglichen Teil des
Waffengeschäfts mit Saudi-Arabien und weiteren ungenannten Staaten
im Nahen Osten geht es der Zeitung zufolge um einen Wert von fünf
bis zehn Milliarden US-Dollar (3,7 bis 7,4 Milliarden Euro).
Frankreich hat im Weltsicherheitsrat einen Entwurf für eine
Erklärung eingebracht, die ernste Sorge über zunehmende
Hinweise auf Waffenschmuggel in den Libanon zum Ausdruck bringt. Syrien
und Iran werden aufgefordert, ihre Grenzen besser zu überwachen.
Grundlage der geplanten Entschließung ist die
Waffenstillstandsvereinbarung vom August 2006 zur Beendigung des
34-Tage-Kriegs zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz.
Der Entwurf für die Erklärung begrüßt die
Ankündigung von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, die Situation
an den libanesischen Grenzen zu prüfen und dazu möglichst
bald unabhängige Beobachter zu entsenden. Ban erklärte vor
einer Woche, dass es Hinweise in Geheimdienstberichten auf zunehmenden
Waffenschmuggel in den Libanon gebe. In New York wird erwartet, dass
der Sicherheitsrat in der kommenden Woche über den Entwurf der
Erklärung beraten wird.
(Quellen: afp, ap)
US-Journalist nach sieben Monaten Beugehaft freigelassen
Sa.07.04.07 - Nach sieben Monaten Beugehaft zwecks Auslieferung von Filmmaterial ist
ein US-Reporter am Dienstag wieder auf freien Fuß gesetzt worden.
Joshua Wolf war 226 Tagen in einem kalifornischen Gefängnis und
damit länger in Beugehaft als jeder andere Journalist in den USA
vor ihm. Der 24-Jährige hatte 2005 bei einer gewaltsamen
Demonstration in San Francisco gegen den G-8-Gipfel im schottischen
Gleneagles Videoaufnahmen gemacht und sich dann beharrlich geweigert,
diese den Behörden zu übergeben.
Bei der Protestaktion erlitt ein Polizist einen Schädelbruch. Die
Behörden wollten deshalb Wolfs Filmmaterial für ihre
Ermittlungen auswerten. Außerdem sollte der freiberufliche
Journalist gerichtlich aussagen, was er ebenfalls strikt ablehnte.
Das strittige Video wurde jetzt schließlich im Internet
veröffentlicht. Darin sahen die Justizbeamten eine Erfüllung
der gerichtlichen Forderung nach Aushändigung des Materials.
Allerdings war die Szene, bei der der Polizist zu Schaden kam, nicht zu
sehen. Wolf erklärte bei seiner Freilassung, er werde weiterhin
jede Aussage verweigern.
(Quelle: ap)
Weltklimarat verabschiedet Bericht zum Klimawandel
Sa.07.04.07 - Die Vereinten Nationen (UN) haben sich nach zähen Verhandlungen
auf einen zweiten Klimabericht geeinigt.
"Der Text ist verabschiedet", sagte der Chef der internationalen
UN-Forschergruppe, Rajendra Pachauri, am Freitag in Brüssel
über das Dokument, das die Auswirkungen des Klimawandels auf die
unterschiedlichen Weltregionen untersucht. Demnach werden von den Folgen
des Klimawandels vor allem die ärmsten Länder betroffen sein.
Die Klimaerwärmung werde unter anderem zu zunehmendem Hunger in
Afrika und dem Abschmelzen von Gletschern im Himalaya führen,
heißt es in dem Bericht.
Die Delegierten aus mehr als 100 Ländern hatten bis zum Freitagmorgen an
den Formulierungen gefeilt. Nach Angaben von Teilnehmern gab es vor
allem aus China und den USA Widerstand gegen einige Passagen des
Entwurfs. So hätten die USA darauf gedrungen, dass einige
Textstellen gestrichen werden, in denen es darum geht, inwieweit der
Mensch mit der Nutzung fossiler Brennstoffe für die
Erderwärmung mitverantwortlich ist.
Der Bericht ist die wichtigste Studie über die Auswirkungen des
Klimawandels auf verschiedene Weltregionen seit 2001. In die Studie
fließen die Erkenntnisse von 2500 Wissenschaftlern ein. Sie
schließt an einen UN-Bericht vom Februar an, der das Ausmaß
der Erderwärmung im weltweiten Überblick darstellte.
(Quelle: rtr)
UN-Klimabericht zeigt die Verletzlichkeit des Menschen
Zu große Hitze lässt den Kreislauf des Menschen
zusammenbrechen. Der steigende Meeresspiegel vertreibt ihn von Inseln
und aus Küstensiedlungen. Stürme und Dürren
zerstören seine Ernten, Starkregen viele Dörfer und
Städte.
Zudem kosten solche Folgen des Klimawandels viele Milliarden Euro. Der
Mensch ist also an vielen Stellen verletzlich. Der neue Bericht des
UN-Klimarates zeigt, wie sehr. In den Bericht stellen die Forscher in
Brüssel den zweiten Teil ihres aktuellen Klimareports vor. Das
Papier hat die Auswirkungen des Klimawandels zum Thema, die
möglichen Anpassungen
Anzeige
daran - und eben die «Verletzlichkeit des Menschen».
Seit der erste Teil des insgesamt vierten UN-Klimareports Anfang
Februar alle vernünftigen Zweifel an dem vom Menschen
verstärkten Treibhauseffekt vom Tisch fegte, hat sich die
Bühne für den Auftritt von IPCC-Direktor Rajendra Pachauri
deutlich gewandelt. Er kann sich der Aufmerksamkeit der
Öffentlichkeit, der Presse und der Politik sicher sein. Der Erde
droht bis Ende des Jahrhunderts im schlimmsten Fall eine Zunahme der
Temperatur um bis zu 6,4 Grad Celsius.
Viele Resultate und Argumente der Forscher des IPCC (Intergovernmental
Panel on Climate Change), des zwischenstaatlichen Rats für
Klimawandel, sind seit Jahren die selben: Treibhausgase wie Kohlendioxid
(CO2) und Methan halten eingestrahlte Sonnenwärme auf der Erde
zurück und erhitzen die Atmosphäre - mit potenziell
katastrophalen Folgen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sieht im
Klimawandel eine ebenso große Bedrohung wie in Kriegen.
Aus Vorabversionen des zweiten Teils wurde bekannt, dass sich die
Konsequenzen der globalen Erwärmung selbst mit einer deutlichen
klimapolitischen Wende nur noch mildern lassen. Der Klimarat rechnet
demnach mit mehr Todesfällen, Verletzungen und Erkrankungen durch
Hitzewellen, Überschwemmungen, Stürme, Waldbrände und
Dürren. Eine Erwärmung um 0,6 Grad Celsius bis zum Jahr 2100
sei unabwendbar, schnelles Umsteuern dringend nötig, um eine noch
stärkere Temperaturzunahme abzuwenden.
Grundlage der Analyse sind etwa 30 000 Datensätze aus den
vergangenen 20 Jahren. Damit fußt auch der zweite Teil des Reports
auf einer breiten Datengrundlage - wie zuvor bereits Teil I. Die
endgültige Fassung wird erst unmittelbar vor der
Veröffentlichung beschlossen. Auch Deutschland drohen empfindliche
Konsequenzen.
Die Klimaexperten Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe und Peter Werner vom
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) erwarten
trocken-heiße Sommer und warm-feuchte Winter. Laufe der
Treibhausgasausstoß weiter wie bisher, seien insbesondere im
niederschlagsarmen Osten Wasserprobleme garantiert. Dem PIK-Experten
Wolfgang Cramer zufolge war bereits der Hitzesommer 2003 mit 30 000
Hitzetoten europaweit zu einem gewichtigen Teil durch den Klimawandel
bedingt.
Die Forscher wiederholen ihre immer ähnlich lautenden Warnungen
zwar seit vielen Jahren, aber auf der wirklich großen politischen
Bühne angekommen ist der Klimawandel erst seit ein paar Monaten.
Die Hoffnung ruhen derzeit auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm im Juni:
Dort können die Regierungen der reichen Länder einschneidende
Einsparungen beschließen. Viele Forscher glauben, dass sich der
Temperaturzuwachs noch auf zwei Grad Celsius begrenzen lässt, eine
kritische Größe. In den nächsten rund 15 Jahren
müsse dafür aber das Maximum des CO2-Ausstoßes erreicht
werden - um von da an deutlich verringert zu werden.
Diesen langfristigen Plänen stehen indes andere langfristige
Interessen entgegen. Allein in Deutschland sind derzeit 53 große
Kraftwerke mit einer Leistung von mehr als 20 Megawatt geplant oder
befinden sich bereits im Bau. 42 von ihnen verbrennen Erdgas, Stein-
oder Braunkohle, berichtet der Verband der Elektrizitätswirtschaft
(VDEW) in Berlin. Solche Kraftwerke sind - wie überall sonst auf
der Welt - für eine Laufzeit von mehreren Jahrzehnten ausgelegt.
Sie setzen große Mengen CO2 frei.
Quelle: dpa, 06.04.2007
Stichwort: Weltklimara
Keine Expertise zur globalen Erwärmung hat die Weltgemeinschaft so
aufgerüttelt wie der jüngste Bericht des Weltklimarats
(Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz IPCC). In Brüssel
veröffentlichte das UN-Gremium am Freitag den zweiten Teil seines
jüngsten Reports, in dem es auch um die Auswirkungen des
Klimawandels auf die Tier- und Pflanzenwelt geht.
Der Weltklimarat wurde 1988 vom UN-Umweltprogramm und der
Welt-Meteorologie-Organisation ins Leben gerufen und stellt alle
fünf bis sechs Jahre Berichte vor. Diese dienen als
wissenschaftliche Grundlage für die internationale Klimapolitik.
Der IPCC forscht nicht selbst, sondern trägt vorhandene Daten
zusammen, analysiert sie und gibt Empfehlungen. Dem Gremium gehören
2.500 Forscher und Vertreter von mehr als 100 Regierungen an. Sitz des
IPCC ist Genf.
Das Anfang Februar in Paris vorgestellte erste Kapitel des dreiteiligen
Klimaberichts 2007 stellt die Verantwortung des Menschen für die
Erderwärmung so deutlich heraus wie kein Report zuvor: Als sehr
wahrscheinliche Ursache des Temperaturanstiegs wird der von Menschen
verursachte Ausstoß von Treibhausgasen genannt. Anders seien die
Veränderungen in der Atmosphäre und den Weltmeeren sowie das
Abschmelzen der Pole nicht zu erklären, konstatieren die
Wissenschaftler.
Die Klimaberichte 1995 und 2001 hatten die Frage nach der Verantwortung
des Menschen für die globale Erwärmung wesentlich
zurückhaltender beantwortet. Im ersten Bericht 1990 hatte es sogar
noch geheißen, der Umfang des weltweiten Temperaturanstiegs liege
«im Rahmen der natürlichen Klimaschwankungen».
Gleichwohl stellte der IPCC schon vor 17 Jahren den höchsten
Temperaturanstieg seit 10.000 Jahren fest.
Quelle: ap, 06.04.2007
Weltklimarat:
http://www.ipcc.ch
|
Arme leiden am meisten unter dem Klimawandel
Sa.07.04.07 - Unter dem Klimawandel haben nach Einschätzung der internationalen
Experten vor allem die Armen zu leiden. Nach dem in Brüssel
veröffentlichten zweiten Teil des Weltklimaberichts gilt dies
für die "armen Bevölkerungen auch in wohlhabenden
Gesellschaften". Die Wissenschaftler warnten: "Die Ärmsten sind
auch am wenigsten in der Lage, sich anzupassen." Der Bericht sagt
voraus, dass Milliarden von Menschen durch den Klimawandel unter
Wasserknappheit leiden werden und hunderten Millionen Menschen Nahrung
fehlen wird.
Betroffen seien vor allem die ärmsten Regionen der Welt, die am
wenigsten für die Erderwärmung durch das Verbrennen fossiler
Brennstoffe verantwortlich seien, heißt es im Welt-Klimabericht.
(Quelle: afp)
Deutschland
Erste Ostermärsche der Friedensbewegung gestartet
Sa.07.04.07 - Die Friedensbewegung hat die ersten Veranstaltungen im Rahmen der
diesjährigen Ostermärsche gestartet. Unter anderem im
hessischen Bruchköbel und in Chemnitz demonstrierten zum
Karfreitag mehrere hundert Menschen gegen die Auslandseinsätze der
Bundeswehr und warnten vor einem Krieg gegen den Iran. In Dortmund
gedachten nach Angaben des Ostermarschbüros in Frankfurt am Main
rund 4000 Menschen der Opfer der Nationalsozialismus. Die meisten der
bundesweit mehr als 70 Aktionen von Friedensinitiativen starten am
heutigen Samstag.
Zu den größten Kundgebungen zählt auch in diesem Jahr
der Ostermarsch gegen das geplante "Bombodrom" der Bundeswehr in der
Kyritz-Ruppiner Heide. Dort werden am Ostersonntag unter anderen der
Theologe Eugen Drewermann und Brandenburgs Ministerpräsident
Matthias Platzeck (SPD) erwartet. Für Ostermontag sind
Abschlusskundgebungen unter anderem in Berlin, Dortmund, Frankfurt,
Hamburg, Kassel und Nürnberg geplant.
Mit ihren diesjährigen Ostermärschen will die
Friedensbewegung gegen den deutschen Tornado-Einsatz in Afghanistan und
andere Auslandseinsätze der Bundeswehr protestieren. Die
Friedensgruppen fordern den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan, die
Aufstockung der zivilen Hilfe und mehr politische Anstrengungen.
(Quelle: afp)
Kölner Kofferbomber wollten offenbar in den Irak
Sa.07.04.07 - Die mutmaßlichen Kofferbomber von Köln, Youssef Mohamed H.
und Jihad H., sind offenbar von einem Hintermann beeinflusst worden, der
sie auch als Kämpfer in den Irak schicken wollte. Der
«Spiegel» berichtet, es handele sich um den früher in
Schweden lebenden Bruder von Youssef H., der inzwischen im Libanon
verhaftet worden sei. Die Bundesanwaltschaft halte es für
möglich, dass der Bruder, der Kämpfer für den Irak
rekrutiert haben soll, in die Anschläge eingeweiht oder sogar der
Auftraggeber gewesen sei.
Die Bundesanwaltschaft war am Freitag für eine Bestätigung
zunächst nicht erreichbar. Sie hatte aber zuvor bereits einen
Bericht bestätigt, wonach sie im Zusammenhang mit den gescheiterten
Kofferbombenanschlägen im Sommer vergangenen Jahres gegen einen
weiteren Verdächtigen ermittelt. Das Verfahren sei bereits im
Januar eingeleitet worden. Nicht bestätigt wurde damals, dass es
sich um den Bruder von Youssef H. handelt.
Die beiden mutmaßlichen Täter hatten den Ermittlungen
zufolge am 31. Juli 2006 zwei Kofferbomben im Kölner Hauptbahnhof
in Regionalzügen nach Hamm und Koblenz deponiert. Nur durch einen
handwerklichen Fehler explodierten die Sprengsätze nicht, was laut
Bundesanwaltschaft ansonsten verheerende Folgen gehabt hätte. Die
Behörde will im Sommer Anklage gegen Youssef H. erheben. Der zweite
Kofferbomber Jihad H. und weitere Verdächtige stehen von Mittwoch
kommender Woche an in Beirut vor Gericht.
(Quelle: ap)
SPD-Linke will milliardenschweres Investitionsprogramm
Sa.07.04.07 - Rund 100 Abgeordnete der Parlamentarischen Linken in der
SPD-Bundestagsfraktion fordern ein milliardenschweres
Investitionsprogramm «Genshagen II». Das Geld soll bis 2012
für soziale und gesellschaftliche Innovationsprojekte verwendet
werden, erklärte der Vorstand am Donnerstag in Berlin. Ziel sei der
Ausbau des von der Bundesregierung im Januar 2006 bei der Klausur in
Genshagen beschlossenen 25-Milliarden-Programms.
Zentraler Bestandteil ist ein Sonderprogramm zur Bekämpfung des
Klimawandels in Höhe von fünf Milliarden Euro bis 2012. Dazu
gehört nach Ansicht der Parlamentarischen Linken (PL) der Ausbau
des CO2-Gebäudesanierungsprogramms inklusive der Ausdehnung auf
öffentliche Gebäude sowie eine Erhöhung der Mittel
für Forschung und Entwicklung im Bereich erneuerbare Energien, der
Energiespeicherung und im Bereich der Entwicklung CO2-freier
Kraftwerkstechnologie.
Die Projekte sollen durch Änderungen an der für 2008
geplanten Unternehmenssteuerreform, und damit geringeren
Einnahmeausfällen, gegenfinanziert werden. In diesem Zusammenhang
bekräftigte die PL ihre Forderung, den Körperschaftssteuersatz
nur auf 19 Prozent statt auf 15 Prozent zu senken. Auf die für
2009 geplante pauschale Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge sollte
komplett verzichtet werden, meinte die Gruppe.
Weiter verlangten die Abgeordneten ein Förderprogramm zur
altengerechten Wohnungsmodernisierung in Höhe von einer Milliarde
Euro bis 2012 sowie die Übernahme von einem Drittel der Kosten
für den Ausbau der Krippenplätze durch den Bund bis zu einer
Milliarde Euro. Weiter stehen auf dem Wunschzettel ein Aufbauprogramm im
Bereich Weiterbildung in Höhe von 750 Millionen Euro bis 2012
sowie «deutliche qualitative und finanzielle Verbesserungen beim
BAföG» mit einem Gesamtaufwand von 1,25 bis 1,5 Milliarden
Euro bis 2012.
Zur Veröffentlichung der Vorschläge erklärte der
Sprecher der Parlamentarischen Linken, Ernst Dieter Rossmann: «Wer
den Standort Deutschland sichern und attraktiver machen will, kann das
nicht alleine über finanzielle Entlastung der Unternehmen
erreichen, sondern muss in die Menschen investieren.»
(Quelle: ap)
SPD will Postmonopol verlängern
Sa.07.04.07 - Die SPD-Bundestagsfraktion bereitet einen Gesetzentwurf zur
Verlängerung des Postmonopols vor. Die Chance auf eine
Liberalisierung des Postmarktes im Gleichklang in allen
europäischen Staaten sei nicht sehr groß, sagte der
wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Wend,
dem "Focus". Vor allem Frankreich und Italien sperrten sich. Die SPD
wolle die Verhandlungen bis zum Ende der deutschen
EU-Ratspräsidentschaft zwar noch abwarten. "Parallel bereiten wir
aber eine Gesetzesänderung vor, die wir noch vor der Sommerpause
ins Parlament einbringen wollen."
Der für den Postmarkt zuständige Bundeswirtschaftsminister
Michael Glos (CSU) hatte zuvor ein Fortgelten des Monopols über das
Jahr 2007 hinaus abgelehnt.
(Quelle: afp)
DGB verlangt längeres Arbeitslosengeld für Ältere
Sa.07.04.07 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat auf ein steigendes Armutsrisiko am
Ende des Berufslebens hingewiesen und gefordert, dass Ältere
künftig länger Arbeitslosengeld erhalten sollen. Die
Leistungsverbesserung sei dringend notwendig, um Besorgnis erregende
Sicherungslücken zu schließen, erklärte Annelie
Buntenbach vom DGB-Vorstand der Nachrichtenagentur AP in Berlin. Sie
verwies auf eine neue DGB-Studie, nach der inzwischen jeder zweite
Arbeitslose auf das Existenzminimum von Hartz IV angewiesen ist. Bei den
45- bis 55-Jährigen seien es sogar fast zwei Drittel.
Bei den erwerbslosen Männern liegt der Anteil der
Hartz-IV-Empfänger im Westen danach bereits bei 70 Prozent und im
Osten bei knapp 74 Prozent. Laut DGB wird sich das Verarmungsrisiko bald
weiter erhöhen, wenn sich die beschlossene Verkürzung des
Bezugs der Versicherungsleistung ALG I voll auswirkt und der
Bestandsschutz ausgelaufen ist.
Der DGB verlangte gesetzliche Korrekturen. So sollten 45- bis
50-Jährige künftig 15 statt zwölf Monate Arbeitslosengeld
bekommen und 50- bis 55 Jahre alte Erwerbslose 18 statt zwölf
Monate. Für noch Ältere sollte es aus Sicht des DGB zwei
Jahre lang Arbeitslosengeld geben, statt wie bisher nur 18 Monate. Im
Gegenzug möchte der Gewerkschaftsbund festgelegt wissen, dass in
den letzten fünf Jahren weitgehend durchgängig einer
sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgegangen wurde. Bisher sind
nur drei Jahre erforderlich.
(Quelle: ap)
Sozialverband: Bundespräsident Köhler soll Rente mit 67 nicht
unterschreiben
Sa.07.04.07 - Der Sozialverband Deutschland (SoVD) will das Gesetz zur Rente mit 67
noch kurz vor seinem Inkrafttreten zu Fall bringen.
Verbandspräsident Adolf Bauer appellierte in einem Brief an
Bundespräsident Horst Köhler, das Gesetz nicht zu
unterschreiben, wie die "Bild"-Zeitung berichtet. Es gebe "erhebliche
verfassungsrechtliche Bedenken" dagegen, schrieb Bauer mit Blick auf
die Sonderregelung für langjährig Versicherte. Diese sollen
weiterhin im Alter von 65 Jahren ohne Abschläge in Rente gehen
können, wenn sie 45 Jahre lang Pflichtbeiträge in die
Rentenkassen eingezahlt haben.
Schon bei einer Anhörung zum Gesetz im Bundestag hätten fast
alle Experten verfassungsrechtliche Bedenken gegen diese
Sonderbehandlung angemeldet. "Vor diesem Hintergrund bitte ich Sie, die
verfassungsrechtlichen Bedenken in Ihre Prüfung einfließen
zu lassen", zitierte die Zeitung aus dem Brief an Köhler. Das
Gesetz zur Rente mit 67 führe zu einer "willkürlichen
Ungleichbehandlung von Rentnern, die trotz unterschiedlicher
Versicherungszeiten gleiche Beitragsvorleistungen erbracht haben",
schrieb Bauer.
Vor allem Frauen und Arbeitslose würden benachteiligt, weil sie
die 45 Beitragsjahre kaum erreichten. Damit werde eine
"Privilegiertenrente" geschaffen, von der vor allem Arbeitnehmer mit
geschlossenen Erwerbsbiografien profitierten.
Der Bundestag hatte die Rente mit 67 Anfang März verabschiedet,
inzwischen hat auch der Bundesrat zugestimmt. Das Gesetz kann aber erst
in Kraft treten, wenn der Bundespräsident es verfassungsrechtlich
geprüft und unterschrieben hat.
(Quelle: afp)