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Irak am tausendundsiebzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Schwerste Kämpfe in Bagdad seit Monaten - Mindestens 26 Tote. Lage
im Irak laut Rotem Kreuz immer schlimmer. Türkische Armee angeblich
in den Nordirak vorgedrungen
Do.12.04.07 - Bei den schwersten Kämpfen seit Beginn der US-Offensive in Bagdad
vor zwei Monaten sind nach amerikanischen Angaben 20 Aufständische
getötet und 30 verletzt worden. In den eigenen Reihen seien 15
Soldaten verletzt worden, teilte ein US-Militärsprecher am Mittwoch
mit.
Auslöser der Kämpfe am Dienstag im sunnitischen Stadtteil
Fadhil sei ein Angriff während einer Razzia gewesen, erklärten
die US-Streitkräfte. Danach wurden Kampfhubschrauber eingesetzt,
die Rebellen wurden aus der Luft mit Maschinengewehren beschossen. Im
Kreuzfeuer kamen mindestens fünf Bewohner ums Leben. Ein
US-Kampfhubschrauber
wurde vom Boden aus beschossen, stürzte aber nicht ab.
Die Vereinigung Muslimischer Geistlicher erklärte am Mittwoch
unter Berufung von Augenzeugen, dass irakische Soldaten in eine Moschee
eingedrungen und zwei junge Männer vor den Augen von Gläubigen
erschossen hätten. Danach seien Bodentruppen mit Tränengas
gegen die Bewohner des Stadtteils vorgegangen. «Die Vereinigung
verurteilt dieses abscheuliche Verbrechen, das von den Besatzern und
der Regierung verübt wurde», erklärte die Organisation.
Einige Häuserblocks vom Zentrum der Kämpfe entfernt schlug
eine Rakete in einen Schulhof ein. Dabei wurde ein sechsjähriger
Junge getötet. Aufnahmen des Fernsehnachrichtendienstes APTN
zeigten Rucksäcke und Bücher von Schülern auf den Tischen
eines Klassenzimmers, die mit Glassplittern und Trümmern
übersät waren. Auf dem Boden war Blut zu sehen. Nach
Polizeiangaben wurden bei dem Einschlag einer Katjuscha-Rakete
mindestens 15 Schüler und zwei Lehrer verletzt.
Die Lage der Menschen im Irak wird nach Einschätzung des
Internationalen Komitees des Roten Kreuzes immer schlimmer. In einem in
Genf vorgestellten Bericht heißt es, die Situation der Zivilisten
sei «unerträglich und inakzeptabel». Das Rote Kreuz
appelliere an Politiker und Militärs, alles zu unternehmen, um das
Leben der irakischen Zivilisten zu schützen. Besorgt zeigte sich
das Rote Kreuz unter anderem über die hohe Zahl der im eigenen
Lande Vertriebenen. Sie wird auf 600 000 geschätzt.
Spezialeinheiten der türkischen Armee sind angeblich bis zu 40
Kilometer tief auf irakisches Staatsgebiet vorgestoßen. Ziel der
Kommandoaktionen seien Lager der kurdischen Rebellengruppe PKK in
Nordirak gewesen, berichtete die Zeitung "Zaman". Für weitere
Vorstöße würden Minenfelder entlang der Grenze
geräumt. Andere Zeitungen berichteten von Truppenbewegungen und
Schießübungen türkischer Verbände nahe der
irakischen Grenze. Die Spannungen zwischen der Türkei und
nordirakischen Kurdenpolitikern waren in den vergangenen Tagen eskaliert.
Die Türkei verlangt von der irakischen Regierung, gegen die
PKK-Lager in Nordirak vorzugehen; die Kurdenrebellen hatten in
jüngster Zeit von Irak aus ihre Gewaltaktionen in der Türkei
wieder verstärkt. Für zusätzlichen Zündstoff sorgen
Äußerungen des irakischen Kurdenpolitikers Massud Barsani. In
einem Fernsehinterview hatte Barsani die Türkei davor gewarnt,
sich in den Streit um die ölreiche Stadt Kirkuk in Nordirak
einzumischen. Andernfalls würden die nordirakischen Kurden für
Unruhe in den Kurdengebieten der Türkei sorgen.
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warnte die irakischen Kurden
daraufhin, sie würden bei Feindseligkeiten gegen die Türkei
einen "sehr hohen Preis" zahlen.
Der irakische Ministerpräsident Nuri el Maliki bemühte sich
unterdessen, die Spannungen abzubauen. Er ließ in Bagdad
erklären, allein die Zentralregierung des Irak entscheide über
die Außenpolitik des Landes. Der Irak mische sich nicht in die
inneren Angelegenheiten seiner Nachbarn ein und erwarte von diesen
dieselbe Haltung.
(Quellen: afp, ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.112004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 12.04.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertdreiundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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US-Armee verlängert Einsatzzeiten für Soldaten im Irak und
Afghanistan
Do.12.04.07 - Das US-Verteidigungsministerium hat die Entsendezeiten für die
US-Soldaten im Irak und in Afghanistan verlängert, um die
Einsatzstärke aufrecht erhalten zu können. Statt bisher
für zwölf Monate würden die Soldaten ab sofort für
15 Monate in die Einsatzländer geschickt, kündigte
Verteidigungsminister Robert Gates in Washington an. In einem
Pressebericht hieß es derweil, US-Präsident George W. Bush
habe bislang vergeblich nach einem Koordinator für die
Einsätze im Irak und Afghanistan gesucht.
Gates sagte, nach maximal 15 Monaten sollten die Soldaten aus dem Irak
auf ihre Heimatstützpunkte zurückkehren dürfen. Die neue
Irak-Strategie von US-Präsident Bush sieht vor, die Truppen im
Irak um 30.000 Soldaten zu verstärken. Derzeit stehen etwa 145.000
Armeeangehörige in dem Land, bis Juni soll ihre Zahl auf 160.000
steigen. Mit der Truppenaufstockung hofft Bush, die Gewalt vor allem in
der Hauptstadt Bagdad eindämmen zu können.
Bei Bushs Suche nach einem Koordinator für die Einsätze im
Irak und Afghanistan hätten drei Generäle bereits abgewunken,
berichtet die "Washington Post". Der General im Ruhestand, John
Sheehan, habe seine Absage mit den derzeitigen Unwägbarkeiten der
Regierungspolitik begründet. Das Grundproblem sei, dass die
Bush-Regierung nicht wisse, wohin der Weg sie führe.
Mit dem neuen Posten will Bush laut "Washington Post" eine bessere
Abstimmung der zivilen und militärischen Belange Einsätze im
Irak und Afghanistan erreichen. Der Koordinator soll demnach
Entscheidungen im Verteidigungs- und Außenministerium und anderen
Ressorts durchsetzen können. Als Berater Bushs würde der
Koordinator einen der wichtigsten Posten im Weißen Haus einnehmen.
Nach Einschätzung der Zeitung schrecken mögliche Kandidaten
auch vor einer Zusammenarbeit mit Vizepräsident Dick Cheney
zurück, der ein entschiedener Befürworter der beiden
Feldzüge ist. Außerdem spiegele die schwierige Suche den
Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust der US-Regierung wieder.
(Quelle: afp)
Britische Experten: Kampf gegen den Terrorismus versagt
Do.12.04.07 - Der vor allem von den USA geführte und von Großbritannien
unterstützte Kampf gegen den Terrorismus bewirkt nach
Einschätzung einer britischen Denkfabrik noch mehr Gewalt. "Der
'Krieg gegen den Terror' versagt und macht weitere Terroranschläge
wahrscheinlicher", hieß es in einer Untersuchung der Oxford
Forschungsgruppe. Großbritannien und die USA hätten ihre
militärische Macht eingesetzt, anstatt die Ursachen des
Terrorismus' auszurotten. Dadurch sei die Gefahr gestiegen, dass es
weitere Terroranschläge im Ausmaß des 11. September 2001 gebe.
Den Irak als einen Teil des Kampfes zu betrachten, habe "bloß
neuen Terror über die Region gelegt" und eine Kampfausbildungszone
für Dschihadisten geschaffen, befanden die Autoren in ihrer Studie.
Für eine "dauerhafte Herangehensweise" müssten die USA ihre
Soldaten aus dem Irak abziehen und durch eine Stabilisierungstruppe der
UNO ersetzen. Jetzt möglicherweise auch noch den Iran anzugreifen,
komme einer Katastrophe gleich.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Libanons Ministerpräsident Siniora bittet UN um Einsetzung des
Hariri-Tribunals. Israels Ministerpräsident Olmert und
Palästinenserpräsident Abbas treffen sich am Sonntag.
Palästinensischer Finanzminister Fajjad richtet dringlichen Appell
an EU. Viele palästinensische Kinder unterernährt
Do.12.04.07 - Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora hat den
UN-Sicherheitsrat um die Einsetzung eines Tribunals zur Aufklärung
des Mordes an Exregierungschef Rafik Hariri gebeten. Einen
entsprechenden Brief richtete Siniora an UN-Generalsekretär Ban Ki
Moon. Das Schreiben wurde dem UN-Vertreter im Libanon, Geir Pederson,
übergeben.
Der prosyrische Parlamentspräsident Nabih Berri weigert sich, eine
Parlamentssitzung einzuberufen, in der das Tribunal ratifiziert werden
könnte. In der vergangenen Woche unterzeichneten jedoch 70 der 128
Abgeordneten ein Memorandum, mit dem sie die Vereinten Nationen zur
Einsetzung des Tribunal auffordern. Siniora bat Ban, die Angelegenheit
dem UN-Sicherheitsrat zu unterbreiten. «Wir sind überzeugt,
das Gerechtigkeit, Frieden und Sicherheit in unserem Land und in der
Region auf dem Spiel stehen», schrieb der libanesische
Ministerpräsident.
Hariri wurde am 14. Februar 2005 bei einem Bombenanschlag in Beirut
getötet. Ermittlungen der Vereinten Nationen ergaben, dass
libanesische und syrische Geheimdienstoffiziere an dem Attentat
beteiligt waren.
Der israelische Regierungschef Ehud Olmert und der
palästinensische Präsident Mahmud Abbas wollen am Sonntag zu
einem Gespräch zusammenkommen. Das bestätigte Olmerts
Sprecherin am Mittwoch. Wo das Treffen stattfindet, war zunächst
unklar. Der palästinensische Unterhändler Sajeb Erakat sagte,
man habe Olmert nach Jericho im Westjordanland eingeladen. Von
israelischer Seite hieß es dagegen, die beiden Spitzenpolitiker
würden sich wahrscheinlich in Jerusalem treffen.
Differenzen gab es auch hinsichtlich der Gesprächsthemen.
Während aus Olmerts Umgebung verlautete, der israelische
Ministerpräsident wolle mit Abbas lediglich über
Sicherheitsfragen und humanitäre Aspekte reden, wollten die
Palästinenser die Kernpunkte eines möglichen
Friedensabkommens ansprechen. Dazu zählen die Grenzen eines
künftigen palästinensischen Staates, der Status Jerusalems
sowie ein Rückkehrrecht für palästinensische
Flüchtlinge.
US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte Olmert und Abbas
während ihrer Nahost-Reise im März zu regelmäßigen
Gesprächen aufgefordert. Beide erklärten sich daraufhin
bereit, alle zwei Wochen zusammenzukommen.
Der palästinensische Finanzminister Salam Fajjad hat an die EU
appelliert, die Direktzahlungen an die Autonomiebehörde wieder
aufzunehmen. Für das laufende Jahr würden rund eine Milliarde
Euro Unterstützung aus dem Ausland benötigt, um die
«schwere finanzielle Krise» in den palästinensischen
Gebieten zu überwinden, erklärte Fajjad am Mittwoch nach einem
Gespräch mit EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner in
Brüssel. «Wir brauchen Hilfe, um wieder auf die Beine zu
kommen», sagte Fajjad.
Ferrero-Waldner bekräftigte indes, vor einer Wiederaufnahme der
Direktzahlungen müsse die neue palästinensische Regierung die
Forderungen des Nahost-Quartetts erfüllen. Sie bestehen in einem
ausdrücklichen Gewaltverzicht, der Anerkennung des Staates Israel
und der bisherigen Abkommen zwischen Jerusalem und den
Palästinensern. «Wir beobachten aber auch die Taten und Worte
der einzelnen Minister», fügte Ferrero-Waldner hinzu. Dem
parteilosen Finanzexperten Fajjad, der die Prinzipien des
Nahost-Quartetts zweifelsfrei anerkenne, habe sie technische
Unterstützung für sein Ministerium zugesichert. Auch eine
Zusammenarbeit mit dem palästinensischen Außenministerium sei
vorstellbar.
Außenminister Siad Abu Amr ist ebenso wie Fajjad parteilos und
wurde bei der jüngsten Regierungsumbildung ins Kabinett
aufgenommen. Die radikalislamische Hamas hatte im März nach langem
Ringen einer Zusammenarbeit mit der säkularen Fatah-Bewegung und
unabhängigen Experten zugestimmt, weil sie international isoliert
war.
Fajjad machte deutlich, dass er die selektive Zusammenarbeit der EU mit
einzelnen Ministerien für unzureichend hält. Er betonte, die
neue Koalitionsregierung sei «ein Team» und «nicht
teilbar». In ihrem Regierungsprogramm bekenne sie sich zu den
bestehenden Abkommen mit Israel. «Wir hoffen, dass die Welt dies
als positive Entwicklung anerkennt und uns auf halbem Weg
entgegenkommt.»
Jedes zehnte palästinensische Kind leidet an den Dauerfolgen von
Unterernährung. Das geht aus einer Studie hervor, die das
palästinensische Statistikamt am Mittwoch veröffentlichte.
Demnach weisen 13,2 Prozent der Kinder im Gazastreifen und 7,9 Prozent
im Westjordanland ein eingeschränktes Wachstum auf. Auffällig
sei auch ein geringes Geburtsgewicht. Besonders betroffen seien Kinder
im nördlichen Gazastreifen, sagte der Leiter der Studie, Chaled
Abi Chaled. 17 Prozent der Bevölkerung in den
palästinensischen Autonomiegebieten sind jünger als fünf
Jahre, 46 Prozent jünger als 15.
(Quellen: ap, afp)
Amnesty wirft Ägypten systematische Misshandlung Gefangener vor
Do.12.04.07 - In Ägypten werden laut einem Bericht der
Menschenrechtsorganisation Amnesty International Gefangene systematisch
misshandelt. Menschen würden jahrelang ohne ein Gerichtsverfahren
inhaftiert und auch mit Elektroschocks und Schlägen gefoltert,
erklärte Amnesty am Mittwoch. In dem Bericht mit dem Titel
«Ägypten - Systematische Misshandlungen im Namen der
Sicherheit» wird die Regierung aufgefordert, die «in hohem
Maße unfairen» Militärgerichtsprozesse einzustellen
und Gesetze zurückzunehmen, die Menschenrechtsverletzungen
ermöglichten. Rund 18.000 Menschen sitzen derzeit ohne Anklage
oder Prozess in ägyptischen Gefängnissen. Einige seien schon
mehr als ein Jahrzehnt unter unmenschlich Bedingungen inhaftiert.
(Quelle: ap)
Mindestens 24 Tote bei Terrorangriffen in Algerien - Organisation Al
Kaida im Maghreb bekennt sich zu Anschlägen
Do.12.04.07 - Koordinierte Autobomben-Anschläge haben am Mittwoch in der
algerischen Hauptstadt Algier mindestens 24 Menschen das Leben
gekostet, 222 wurden verwundet. Zu den offenbar von drei
Selbstmordattentätern ausgeführten Angriffen bekannte sich
die Terrororganisation Al Kaida im Maghreb. Es waren die schwersten
Anschläge in der Region Algier seit 2002. Sie galten als herber
Rückschlag für die Versöhnungspolitik der Regierung. Die
deutsche EU-Ratspräsidentschaft verurteilte die Terrorakte aufs
Schärfste.
Eine Autobombe explodierte vor dem Sitz des Ministerpräsidenten,
in dem auch das Innenministerium untergebracht ist, zwei weitere
offenbar vor der Polizeistation in dem östlich von Algier
gelegenen Bab Ezzouar. Sie richteten schwere Schäden an.
Ministerpräsident Abdelaziz Belkhadem, der nicht in seinem
Büro war und unverletzt blieb, sprach von einem «feigen
terroristischen Akt». Mit Verbitterung in der Stimme warf er den
Islamisten vor, nicht auf ein Amnestieangebot der Regierung eingegangen
zu sein: «Das algerische Volk hat ihnen die Hand gereicht, und
sie haben mit einem Terroranschlag geantwortet.»
Die Organisation Al Kaida im Maghreb erklärte, drei
Selbstmordattentäter hätten das Büro des
Ministerpräsidenten, eine Spezialeinheit der
Sicherheitskräfte und ein Büro von Interpol angegriffen. Die
internationale Polizeiorganisation hat nach eigenen Angaben in dem
genannten Stadtteil aber gar kein Büro. Im Internet verbreiteten
die Islamisten Bilder der Attentäter. «Wir werden nicht eher
ruhen, bis jeder Zentimeter islamischen Landes von den fremden
Mächten befreit ist», erklärte ein Anrufer, der sich im
Namen der Terrorgruppe beim Sender Al Dschasira in Rabat meldete.
Algerien befindet sich seit 1992 in einem blutigen Konflikt mit
islamischen Fundamentalisten. Damals stand deren Islamische Heilsfront
(FIS) bei einer Parlamentswahl kurz davor, die Regierungsmehrheit zu
erringen. Die Wahl wurde daraufhin von den Streitkräften für
ungültig erklärt, und die Fundamentalisten gingen in den
Untergrund. Bei Anschlägen, Überfällen und Kämpfen
mit Polizei und Soldaten kamen seitdem schätzungsweise 200.000
Menschen ums Leben.
(Quelle: ap)
30 Tote bei heftigen Kämpfen in Sri Lanka
Do.12.04.07 - Bei schweren Kämpfen zwischen tamilischen Rebellen und
Regierungstruppen in Sri Lanka sind nach Angaben beider Seiten etwa 30
Menschen getötet worden. Die Bürgerkriegsparteien lieferten
sich entlang der Grenzlinie im Norden anhaltende Mörser- und
Artilleriegefechte.
Schwerpunkt war die Umgebung von Omanthai. Der dort gelegene
Übergang zum Rebellengebiet wurde geschlossen. Der Sprecher der
Befreiungstiger von Tamil Eelam, Rasiah Ilanthirayan, sagte, die
Rebellen hätten die Soldaten im Dschungel angegriffen.
Der 2002 unter norwegischer Vermittlung geschlossene Waffenstillstand
für Sri Lanka ist faktisch zusammengebrochen. Seit Ende 2005 kamen
mehr als 4.000 Menschen ums Leben. Der Bürgerkrieg begann 1983, die
Zahl der Toten wird auf insgesamt rund 70.000 geschätzt. Die
Tamilen werfen der singhalesischen Mehrheitsbevölkerung
Diskriminierung vor und kämpfen für einen eigenen Staat im
Norden der Insel Ceylon.
(Quelle: ap)
China und Japan wollen beim Klimaschutz zusammenarbeiten
Do.12.04.07 - China und Japan wollen beim Klimaschutz und der Nutzung von
Energiequellen enger zusammenarbeiten. Entsprechende Abkommen wurden am
Mittwoch zu Beginn eines dreitägigen Besuchs des chinesischen
Ministerpräsidenten Wen Jiabao in Tokio unterzeichnet. Wen und der
japanische Regierungschef Shinzo Abe betonten, dass ein Ausbau der
Jahrzehnte lang gespannten bilateralen Beziehungen für beide
Länder strategisch und auch persönlich von Nutzen sei.
Beim Klimaschutz geht es nach japanischen Regierungsangaben
vordringlich um die Erarbeitung eines Nachfolgeabkommens zum
Kyoto-Protokoll, das 2013 ausläuft. Die Zusammenarbeit auf dem
Energiesektor soll sich vor allem auf die Nutzung von Erdgasreserven
erstrecken. Der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge liegen diese in einem
Meeresgebiet, auf das beide Länder territoriale Ansprüche
erheben. Dieser Konflikt werde in dem Abkommen jedoch nicht erwähnt.
Schon vor der Ankunft Wens hatten japanische Medien berichtet, dass die
Gebietsstreitigkeiten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs sowie andere
historisch brisante Themen bewusst ausgeklammert werden sollten.
Stattdessen sollten Wirtschaftsfragen im Mittelpunkt der Gespräche
stehen. So vereinbarten beide Länder die Aufhebung eines seit vier
Jahren geltenden chinesischen Embargos gegen japanische Reisimporte. Auf
dem Besuchsprogramm Wens standen auch eine Ansprache vor dem Parlament
in Tokio sowie ein Empfang bei Kaiser Akihito.
Es ist der erste Japan-Besuch eines ranghohen chinesischen Politikers
seit sieben Jahren. Abe leitete mit seiner Reise nach China im
vergangenen Oktober eine Tauwetterperiode in den bilateralen Beziehungen
ein. Sein Amtsvorgänger Junichiro Koizumi hat China und andere
Nachbarstaaten wiederholt gegen sich aufgebracht, weil er
regelmäßig einen Schrein besuchte, in dem auch japanische
Soldaten geehrt werden, die heute als Kriegsverbrecher gelten.
Abe hat sich hier zurückgehalten, sich aber nicht von Koizumi
distanziert. Ferner hat er die Rolle japanischer Soldaten bei der
Ausbeutung von chinesischen und koreanischen Frauen als Sexsklavinnen im
Zweiten Weltkrieg heruntergespielt.
(Quelle: ap)
Ecuador erklärt Galapagos-Inseln zum ökologischen Risikogebiet
Do.12.04.07 - Zur Erhaltung des einzigartigen Ökosystems auf den
Galapagos-Inseln hat die Regierung von Ecuador die Inselgruppe zum
ökologischen Risikogebiet erklärt. Präsident Rafael
Correa erließ am Dienstag (Ortszeit) ein Dekret, das den
Tourismus, die Luftfahrt und die Ansiedlung auf den Galapagos-Inseln
beschränkt. Ecuador kam damit möglichen Maßnahmen der
UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation
(UNESCO) zuvor, die früher wiederholt damit gedroht hatte, der
Inselgruppe im Pazifischen Ozean den vor drei Jahrzehnten verliehenen
Status als Welterbe der Natur abzuerkennen.
(Quelle: afp)
Russland will über US-Raketen im Nato-Russland-Rat reden
Do.12.04.07 - Russland hat seine Ablehnung des in Osteuropa geplanten
US-Raketenschutzschilds bekräftigt.
Zugleich schlug der russische Außenminister Sergej Lawrow in
einem Beitrag für die "Financial Times Deutschland" vom Mittwoch
vor, mögliche Bedrohungen Europas beim Treffen des
Nato-Russland-Rats auf Außenministerebene Ende April in Oslo zu
beraten. Die USA wollen mit den Raketen Angriffe etwa aus dem Iran
abwehren. Lawrow stellte jedoch eine Gefährdung in Frage. "Wir sind
davon überzeugt, dass weder heute noch in absehbarer Zukunft eine
derartige Bedrohung für Europa und die USA besteht", schrieb er in
dem Blatt. Außenpolitiker der großen Koalition stritten
weiter über die Notwendigkeit des US-Raketenschutzschilds
angesichts der jüngsten Ankündigungen Irans, nun
Kernbrennstoff im industriellen Umfang herstellen zu können.
"Jedes einseitige Raketenabwehrprojekt würde die geostrategische
Landschaft des Kontinents verändern", warnte Lawrow. Dadurch
würden zudem paneuropäische und multinationale Organisationen
abgewertet. Russland sei bereit, sich in jeder Form an der Diskussion
über das US-Raketenabwehrsystem zu beteiligen. Der
Außenminister machte allerdings klar, dass aus Sicht Russlands
kein Grund für dessen Aufbau gegeben ist: "Keiner der so genannten
Schurkenstaaten besitzt Raketen, die Europa ernsthaft gefährden
können."
Der deutsche CDU-Außenexperte Ruprecht Polenz bekräftigte,
man müsse über den US-Raketenschutzschild reden. "Schon bei
der nächsten Reichweitensteigerung liegt Mitteleuropa in der
Reichweite potenzieller iranischer Raketen", sagte er der "Berliner
Zeitung". Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Walter Kolbow
widersprach: "Jetzt die Schlussfolgerung zu ziehen, das umstrittene
US-Raketenabwehrsystem müsse installiert werden, halte ich für
falsch." Der SPD-Außenpolitiker Gert Weisskirchen plädierte
in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" dafür, die jüngste
60-Tage-Frist der UN-Resolution gegen den Iran abzuwarten und die
Sanktionen notfalls noch einmal zu verschärfen.
Die islamische Republik steht im Verdacht, heimlich Atomwaffen zu
entwickeln. Die UN hatten das Land daher wiederholt aufgefordert, sein
Programm zur Uran-Anreicherung zu stoppen, und diese Forderung mit
Sanktionen unterstrichen.
(Quelle: rtr)
Ukrainischer Präsident will Auflösung des Parlaments
aussetzen Juschtschenko und Janukowitsch zeigen sich kompromissbereit
Do.12.04.07 - Der ukrainische Staatspräsident Viktor Juschtschenko ist bereit,
seine Entscheidung zur Auflösung des Parlaments auszusetzen. Dies
teilte der Sekretär des Sicherheitsrats, Witali Hajduk am Mittwoch
mit. Damit scheint sich in dem Streit zwischen Juschtschenko und dem
Lager von Ministerpräsident Viktor Janukowitsch ein Weg
abzuzeichnen, der zur Beilegung der derzeitigen Krise führen
könnte.
Juschtschenko hatte das Parlament in der vergangenen Woche
aufgelöst und Neuwahlen für den 27. Mai angesetzt. Er wirft
Janukowitsch und seinen Verbündeten vor, gezielt Abgeordnete der
Opposition abzuwerben und die Macht an sich reißen zu wollen.
Hintergrund ist der Wechsel von elf Gefolgsleute des Präsidenten
ins Regierungslager.
Janukowitsch hält die angeordnete Parlamentsauflösung
für verfassungswidrig. Das Verfassungsgericht verschob eine erste
Anhörung auf kommende Woche.
Auch Janukowitsch gab sich am Mittwoch versöhnlich. Statt wie
bislang die völlige Rücknahme der Parlamentsauflösung zu
fordern, sprach auch er sich nun dafür aus, die Entscheidung
zunächst auszusetzen. Damit könnte das Parlament
weiterarbeiten. Über einen Termin für Neuwahlen würden
beide Seiten verhandeln. In Kiew demonstrierten am Mittwoch tausende
Anhänger beider Lager.
(Quelle: ap)
Erfolgreichster Börsenhändler verdiente zwei Milliarden
Do.12.04.07 - Der bestbezahlte Börsenhändler der Welt ist der
US-Bürger John Arnold. Der 33-Jährige verdiente im vergangenen
Jahr annähernd zwei Milliarden Dollar (knapp 1,5 Milliarden Euro),
berichtet das Magazin "Trader Monthly". Arnold hatte früher bei
dem Energiekonzern Enron gearbeitet und führt in Houston mit
Centaurus Energy inzwischen seine eigene Firma, die im Durchschnitt
investiertes Kapital mehr als verdreifacht. In der Liste der 100
weltweit bestbezahlten Händler nannte das Blatt insgesamt
fünf Händler mit Einnahmen von mehr als einer Milliarde Dollar.
Wichtigster Standort für die Topp-Verdiener an der Börse war
im vergangenen Jahr New York mit 40 sehr erfolgreichen Händlern vor
London mit 27. Im Durchschnitt verdienten die Topp 100 rund 241
Millionen Dollar. Selbst die Händler am Ende der Liste kamen im
vergangenen Jahr noch auf Verdienste zwischen 75 und 100 Millionen
Dollar. Insgesamt 93 der 100 erfolgreichsten Händler arbeiteten
laut Magazin für Hedgefonds, die für eine aggressive
Anlagestrategie bekannt sind.
(Quelle: afp)
Deutschland
Polizei soll automatischen Zugriff auf Passfotos haben
Do.12.04.07 - Zur Bekämpfung von Straftaten soll die Polizei in Zukunft
automatisch auf Millionen von Fotos der neuen elektronischen Pässe
zugreifen dürfen. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums
bestätigte am Mittwochabend eine entsprechende Vorabmeldung der
Berliner «Tageszeitung» (Donnerstagausgabe).
Ursprünglich sei geplant gewesen, die automatische Abfrage
für Verkehrsordnungswidrigkeiten zu ermöglichen. Auf Wunsch
des Bundesrates sei diese Möglichkeit auf Straftaten ausgedehnt
worden, sagte die Sprecherin.
Derzeit läuft für das Vorhaben das Gesetzgebungsverfahren in
Bundestag und Bundesrat. Laut «Taz» gibt es auch eine
Diskussion über die Speicherung von Fingerabdrücken. Im
ursprünglichen Entwurf war sie nicht vorgesehen. Innenminister
Wolfgang Schäuble sprach sich jedoch kürzlich in einem
«Handelsblatt»-Interview dafür aus, auch
Fingerabdrücke bei den Meldeämtern zu speichern. Damit soll
verhindert werden, dass Menschen mit falscher Identität unterwegs
sind.
Von den neuen elektronischen Pässen gibt es bereits drei Millionen
Exemplare. Die erste Generation enthält nur ein Foto auf einem
Chip, neuerdings wird auch der Fingerabdruck elektronisch auf dem
Deckel gespeichert. Auf Fotos bei den Meldeämtern kann die Polizei
bereits heute zugreifen. Die geschieht allerdings nicht automatisch.
(Quelle: ap)
Muslimische Organisationen gründen Dachverband
Do.12.04.07 - Vier muslimische Organisationen in Deutschland haben einen gemeinsamen
Dachverband gegründet. Der neue Koordinationsrat der Muslime (KRM)
werde die Interessen der Muslime vertreten und Ansprechpartner für
die Politik sein, sagte der Dialogbeauftragte vom türkischen
Religionsverband Ditib, Dekir Alboga, am Mittwoch in Köln.
Außer der Ditib gehören zu dem Verband der Zentralrat der
Muslime in Deutschland, der Islamrat für die Bundesrepublik
Deutschland und der Verband der islamischen Kulturzentren.
Die Verbände verkündeten die Gründung am Dienstagabend
bei einer großen Feier zum Geburtstag des Propheten Mohammed in
der Kölnarena. Eine gemeinsame Geschäftsordnung sei bereits am
28. März unterzeichnet worden, sagte Alboga. Zwar arbeite jeder
der Mitgliedsverbände weiter eigenständig: «Aber es
wurde Zeit, dass die Muslime hinsichtlich gemeinsamer Interessen
einheitlich handeln.» Das betreffe solche Themen wie den Wunsch
nach islamischem Religionsunterricht.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) begrüße
diesen Schritt als wichtig und gut, sagte ein Ministeriumssprecher. Es
sei ein Schritt zum richtigen Zeitpunkt, um die Gespräche positiv
zu inspirieren. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz,
Kardinal Karl Lehmann, hatte in einem AP-Interview die Gründung
eines muslimischen Dachverbandes grundsätzlich begrüßt.
«Beim Dialog ist es wichtig, verlässliche Partner zu
haben», sagte er. Es müsse sich aber zeigen, wie
repräsentativ ein solcher Dachverband für die Gesamtheit der
Muslime in Deutschland werde.
Der Vorsitz des neuen Koordinationsrates soll alle sechs Monate
wechseln, den Anfang macht der Zentralrat der Muslime. Bislang vertrete
der KRM rund 90 Prozent der deutschen Moschee-Gemeinden, sagte Alboga.
(Quelle: ap)
CSU-Frauen fordern von Seehofer geordnetes Privatleben
Do.12.04.07 - Die Affären-Gerüchte um Bundeslandwirtschaftsminister Horst
Seehofer stehen nach Ansicht mehrerer CSU-Politikerinnen einer
Kandidatur für den Parteivorsitz entgehen. «Wenn Horst
Seehofer partnerschaftlich hin- und hergerissen ist, nimmt ihm das die
Kraft, die die Partei so dringend braucht», sagte die
CSU-Landtagsabgeordnete Christa Matschl der Illustrierten
«Bunte». «Zur Führung der CSU braucht es ein
gutes privates Umfeld», erklärte die Politikerin.
Gerüchte um eine Beziehung des verheirateten Politikers hatten in
den vergangenen Monaten für Schlagzeilen gesorgt.
«Ich gehe davon aus, dass er sein Privatleben bis zum Parteitag
geklärt hat und das erwarten auch die Mitglieder», sagte die
Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär dem Blatt. Die
Landtagsabgeordnete Ingrid Fickler forderte: «Wenn Horst Seehofer
öffentlich angekündigt hat, sein Privatleben zu bereinigen,
dann sollte er jetzt auch zu seinem Wort stehen.» Der
CSU-Politiker hatte in Interviews erklärt, er wolle sich Zeit
nehmen, seine privaten Verhältnisse zu ordnen.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Astronom findet erstmals Wasser auf fernem Planeten
Do.12.04.07 - Ein US-Astronom hat erstmals Wasser auf einem Planeten außerhalb
unseres Sonnensystems nachgewiesen. Der so genannte Exoplanet HD 209458b
im Sternbild Pegasus besitze erhebliche Mengen Wasserdampf in seiner
Atmosphäre.
Das berichtete das Lowell-Observatorium in Flagstaff (US-Staat Arizona)
am Dienstag (Ortszeit). Lowell-Astronom Travis Barman schließt das
aus einer detaillierten Analyse früherer Aufnahmen des
«Hubble»-Weltraumteleskops. Hinweise auf Leben auf dem 150
Lichtjahre entfernten extrasolaren Planeten erwähnt er aber nicht.
Der Gasplanet ist rund 1,3 Mal so groß wie Jupiter, der
größte Planet unseres Sonnensystems. Er umkreist seinen Stern
21 Mal dichter als die Erde die Sonne und ist etwa 850 Grad Celsius
heiß. Barman nutzte für seine Analyse die Tatsache, dass der
Gasplanet von der Erde aus gesehen alle 3,5 Tage genau vor seinem Stern
vorbeiwandert. Während dieses so genannten Transits schluckt die
Planetenatmosphäre einen Teil des Sternenlichts. Aus der
unterschiedlich starken Absorption bei verschiedenen Wellenlängen
können Astronomen auf die dafür verantwortlichen
Atmosphärenbestandteile schließen.
Wasserdampf wird in der Atmosphäre nahezu aller bislang bekannten
Exoplaneten vermutet, ist aber wegen der großen Entfernungen nur
schwer nachzuweisen. «Wir wissen jetzt von Wasserdampf in der
Atmosphäre eines extrasolaren Planeten, und es gibt gute
Gründe für die Annahme, dass auch andere extrasolare Planeten
Wasser besitzen», sagte Barman. Seine bereits im Internet
veröffentlichte Analyse wird in einer der kommenden Ausgaben des
Fachblatts «Astrophysical Journal» erscheinen.
(Quelle: dpa)
Umfrage: Studenten forden mehr Leistungen für Studiengebühr
Do.12.04.07 - Deutschlands Studenten verlangen von den Universitäten sichtbare
Gegenleistungen für die in fünf Bundesländern bereits
erhobenen Studiengebühren. 77 Prozent fordern künftig mehr
Leistungen und Angebote von ihrer Hochschule, wie aus einer in Berlin
veröffentlichten repräsentativen Emnid-Umfrage im Auftrag der
Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) hervorgeht. 90 Prozent
wollen demnach zudem mehr Mitsprache darüber, wie die Hochschulen
die Beiträge für ein besseres Lehrangebot einsetzen. Zugleich
startete ein Internet-Portal, auf dem Studierende das Angebot ihrer Uni
bewerten können.
Die Studenten erwarten der Umfrage zufolge vor allem mehr
Übungsangebote, mehr Lehrveranstaltungen und generell einen
besseren Unterricht. Eine große Mehrheit der Befragten (83
Prozent) bezweifelt allerdings, dass die zusätzlichen Geldmittel
tatsächlich für eine bessere Ausbildung verwendet werden. Die
meisten Studenten (84 Prozent) fühlen sich zudem von den
Hochschulen nicht ausreichend über die Verwendung der Gebühren
informiert. Zwei Drittel sind dennoch überzeugt, dass
Studiengebühren prinzipiell die Lehre verbessern können. Dies
ändert allerdings nicht daran, dass sich lediglich 33 Prozent
für Gebühren aussprechen. Für die Umfrage wurden 1000
Studenten in Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Niedersachsen und
Nordrhein-Westfalen befragt.
Mit der Veröffentlichung der Umfrage startete auch das
Internet-Portal www.unicheck.de, auf dem Studenten in einem Fragebogen
das Service- und Studienangebot ihrer Uni bewerten können. Aus
diesen Bewertungen soll ein Ranking der Hochschulen entstehen. Ende Mai
soll die erste Rangliste von 136 Hochschulen vorliegen, die bereits
Gebühren erheben. An dem Portal beteiligen sich das Campusmagazin
"Unicum", die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und die "Financial
Times Deutschland".
(Quelle: afp)
Vor 50 Jahren - 'Göttinger Manifest' warnt vor Atombewaffnung der
Bundeswehr
Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik mischten sich
Wissenschaftler vor 50 Jahren massiv in die Politik ihrer Regierung ein:
Achtzehn führende Nuklearphysiker veröffentlichten am 12.
April 1957 ihr berühmtes «Göttinger Manifest», in
dem sie vor einer Ausrüstung der in die NATO integrierten
Bundeswehr mit Atomwaffen warnten.
Die westdeutsche Öffentlichkeit war bereits im Oktober 1956 in
helle Aufregung geraten, als Verteidigungsminister Franz Josef
Strauß (CSU) die atomare Bewaffnung der Bundeswehr verlangte und
den Besitz von taktischen Atomwaffen als «entscheidendes Merkmal
der Souveränität» der Bundesrepublik bezeichnete.
Massive Unterstützung erhielt er von Bundeskanzler Konrad Adenauer
(CDU). Auf einer Aufsehen erregenden Pressekonferenz erklärte
Anfang April 1957 der Regierungschef: «Die taktischen Atomwaffen
sind nichts weiter als die Weiterentwicklung der Artillerie.
Selbstverständlich können wir nicht darauf verzichten, dass
unsere Truppen auch in der normalen Bewaffnung die neueste Entwicklung
mitmachen. Die großen Waffen haben wir ja nicht.»
Die achtzehn namhaften Wissenschaftler, darunter die
Nobelpreisträger Max Born, Werner Heisenberg, Otto Hahn und Max von
der Laue sowie der Atomphysiker und Philosoph Carl Friedrich von
Weizsäcker, widersprachen dieser Verharmlosung. Die Wirkung einer
einzigen solcher Waffen entspreche ungefähr der US-Atombombe, die
1945 das japanische Hiroshima zerstört hatte. Sie forderten von der
Bundesregierung den freiwilligen Verzicht auf Atomwaffen, weil damit dem
Weltfrieden eher gedient werde als mit einem Drohpotenzial. Die
friedliche Verwendung der Atomkraft müsse gefördert werden,
erklärten die «Göttinger Achtzehn». Sie seien aber
nicht willens, bei der militärischen Nutzung der Atomenergie
mitzuwirken.
Der Bundeskanzler war nicht bereit, klein beizugeben, auch als
Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer sich dem Appell
anschloss. Er lud die Wissenschaftler ins Kanzleramt und ließ
ihnen durch die Bundeswehrgenerale Adolf Heusinger und Hans Speidel die
Leviten lesen. Die ehemaligen Generalstabsoffiziere der Hitler-Wehrmacht
referierten über «die Geschichte der russischen
Expansionspolitik» und machten klar, dass unterschiedlich
ausgerüstete NATO-Truppen - die einen mit technisch viel höher
qualifizierten Waffen als die anderen - sich nicht einheitlich
führen ließen. Der Verzicht auf atomare Waffen, ergänzte
Adenauer, wäre «geradezu ein Geschenk an
Sowjetrussland».
Trotz heftiger, von der oppositionellen SPD unterstützter
Protestbewegungen konnten die Unionsparteien im März 1958 mit
Hinweis auf «die weltrevolutionären Ziele des
Kommunismus» das Ja des Bundestages zu einer Ausrüstung der
Bundeswehr «mit den modernsten Waffen» durchsetzen. Kurz
zuvor hatte der NATO-Rat in Paris der Ausrüstung der Partnerstaaten
mit taktischen Atomwaffen unter amerikanischer Kontrolle zugestimmt. So
begannen im Frühjahr 1958 die Vorarbeiten für die Ausstattung
der Bundeswehr mit atomaren Trägerwaffen - die sogenannte nukleare
Teilhabe im Rahmen der NATO.
Darüber hinausgehende Atomrüstungspläne legte Adenauer
keinesfalls zu den Akten. Am Ostermontag, dem 7. April 1958,
unterzeichneten die Verteidigungsminister Frankreichs, Italiens und der
Bundesrepublik ein streng geheimes Protokoll, in dem der Bau einer
gemeinsamen Atombombe anvisiert wurde. «Wenn es Ärger gibt,
weiß ich von nichts», sagte Adenauer damals zu Strauß.
Doch aus dem Bombenbau wurde nichts: Als Charles de Gaulle im Juni 1958
erneut die Macht in Frankreich übernahm, ließ er das Projekt
umgehend stoppen.
Quelle: ddp, 10.04.2007
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