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Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendundachtzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Drei Abgeordnete und vier Parlamentsangestellte bei Explosion im
irakischen Parlamentsgebäude getötet.
Selbstmordattentäter bringt Brücke in Bagdad zum Einsturz -
Mindestens zehn Tote. Pro Asyl kritisiert Umgang mit irakischen
Flüchtlingen in Deutschland
Fr.13.04.07 - In der schwer bewachten «Grünen Zone» in Bagdad hat
ein Selbstmordattentäter am Donnerstag im Gebäude des
irakischen Parlaments drei Abgeordnete und vier Parlamentsangestellte
mit in den Tod gerissen.
Zehn weitere Iraker wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur Aswat
al-Irak verletzt, als der Attentäter nach einer Sitzung der
Abgeordneten in der Parlamentskantine seinen Sprengstoffgürtel
zündete. Zu dem Anschlag bekannte sich nach einem Bericht des
US-Nachrichtenmagazins «Time» das Terrornetz El Kaida.
Laut «Time» erschien innerhalb einer Stunde nach der
Explosion auf der Website «muslim.net» ein Schreiben, in
dem die von El Kaida kontrollierte Organisation «Islamic State in
Iraq» (Islamischer Staat im Irak) den Anschlag als eine
«Botschaft an alle» bezeichnete, «die mit den
Besatzern und ihren Agenten zusammenarbeiten».
US-Präsident George W. Bush verurteilte das Attentat scharf. Die
Tat erinnere daran, «dass es einen Feind gibt, der willens ist,
Bomben gegen unschuldige Menschen und das Symbol der Demokratie
einzusetzen», sagte Bush in Washington. Die britische
Außenministerin Margaret Beckett sprach in London von einem
«entsetzlichen» Attentat.
Die so genannte Grüne Zone im Zentrum Bagdads galt bislang als
sicher. Dort hatte es bisher erst zwei Selbstmordanschläge
gegeben. Im Oktober 2004 hatten sich dort zwei Attentäter in die
Luft gesprengt. Damals waren fünf Menschen ums Leben gekommen,
darunter vier Amerikaner. Im September 2005 hatten US-Soldaten einen
Selbstmordattentäter mit einer Autobombe an einer Absperrung am
Eingang der Zone aufhalten können.
Wie der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete, sind unter den Toten
Mohammed Awad von der sunnitischen Nationalen Dialogfront sowie ein
Abgeordneter der Liste für Versöhnung und Befreiung, die mit
nur drei Sitzen im Parlament vertreten ist. Unklar blieb zunächst,
wie der Attentäter den Sprengstoff in das Gebäude schmuggeln
konnte. Die «Grüne Zone» wird von der US-Armee und der
irakischen Armee abgeriegelt und schärfstens kontrolliert. Deshalb
hatte es dort seit 2004 keine größeren Terroranschläge
mehr gegeben, sondern nur gelegentliche Angriffe mit
Mörsergranaten - etwa im vergangenen Monat beim Besuch von
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.
Parlamentspräsident Mahmud al-Maschhadani rief die Abgeordneten
nach dem Anschlag auf, sich als «Geste der Solidarität mit
den Märtyrern» an diesem Freitag zu einer
außerordentlichen Sitzung im Parlamentssaal zu versammeln. Die
Parlamentarier sollten sich von einem derartigen Terrorakt nicht
einschüchtern lassen, betonte er.
Ein Selbstmordattentäter hat am Donnerstag eine der neun
Brücken in Bagdad zerstört und mindestens zehn Menschen in den
Tod gerissen. Der Täter fuhr einen mit Sprenstoff beladenen Lkw
auf die Al-Sarafija-Brücke über den Tigris und brachte das
Fahrzeug dort zur Explosion, wie die Polizei mitteilte. Etwa 20 Autos
stürzten in den Fluss, 26 Menschen wurden verletzt.
Nach dem Anschlag lagen Stahlträger der Brücke im Tigris.
Polizeiboote und Taucher suchten nach Überlebenden, während
US-Hubschrauber über dem Tatort kreisten. Die
Al-Sarafija-Brücke verband den überwiegend von Sunniten
bewohnten Stadtteil Wassirija mit dem schiitischen Viertel Utafijah. Sie
wurde in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von den Briten
gebaut. Ursprünglich eine Straßen- und Eisenbahnbrücke,
wurden die Gleise Anfang der 70er Jahre entfernt, um mehr Platz
für den Autoverkehr zu schaffen. «Diese Brücke ist
verbunden mit der modernen Geschichte von Bagdad», sagte der
Architekt Haider Ghasala. Die Zerstörung sei ein Schlag gegen das
Identitätsgefühl der Iraker.
Seit Monaten gab es Berichte, wonach sunnitische Rebellen die
Brücken in Bagdad in die Luft sprengen wollen. Im Zuge der Gewalt
zwischen Sunniten und Schiiten und den damit verbundenen Vertreibungen
ist der Tigris de facto zur Trennlinie zwischen überwiegend
schiitischen Wohngebieten im Osten und mehrheitlich sunnitischen
Stadtteilen im Westen geworden. Die «Grüne Zone» mit
dem Sitz der Regierung und der US-Streitkräfte liegt am Westufer
des Flusses.
Die US-Streitkräfte beschuldigten unterdessen den Iran, irakische
Aufständische auszubilden. Dies habe die Vernehmung von gefangenen
Aufständischen ergeben, sagte Generalmajor William Caldwell.
«Sie erhalten eine Ausbildung, wie EFPs zusammengebaut und
eingesetzt werden», EFP ist die Abkürzung für
«Explosively Formed Penetrator», ein militärischer
Fachbegriff für Sprengsätze, die die Panzerung von Fahrzeugen
durchdringen können. Solche Bomben sind zuletzt häufig auf
Straßen platziert worden und haben den Tod von zahlreichen
US-Soldaten verursacht.
Bei einem Besuch in Südkorea warb der irakische
Ministerpräsident Nuri al-Maliki für Wiederaufbauprojekte in
seinem Land. «Die Tür zum Irak ist weit geöffnet, und
wir warten auf Sie», sagte A-Maliki bei einem Treffen mit
Geschäftsleuten in Seoul. Auch bei einer Unterredung mit
Präsident Roh Moo Hjun ging es um die wirtschaftlichen Beziehungen.
Vor seinen Gesprächen in Südkorea war der irakische
Regierungschef in Japan, wo ein Kreditabkommen für
Wiederaufbauprojekte unterzeichnet wurde.
Menschenrechtsorganisationen haben heftige Kritik am Umgang
Deutschlands mit Flüchtlingen aus dem Irak geübt. Im
vergangenen Jahr hätten nur 189 Iraker Schutz in Deutschland
erhalten, während mehr als 4200 Betroffenen der
Flüchtlingsstatus entzogen worden sei, erklärten der
Europäische Flüchtlingsrat ECRE und die
Flüchtlingshilfeorganisation Pro Asyl am Donnerstag in Berlin. Der
Vizevorsitzende von Pro Asyl, Hubert Heinold, forderte ein Ende dieser
"europaweit einzigartigen Widerrufspraxis". Sie sei
"völkerrechtswidrig, inhuman und kurzsichtig".
(Quellen: ap, afp, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.112004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 13.04.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertvierundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.13.04.06 - Irakischer Parlamentspräsident hofft auf baldige
Regierungsbildung +++ Mindestens 38 Tote bei Gewalt +++ US-Armee suspendiert
drei Offiziere von Einheit im Irak +++ USA machten falsche Angaben
über Waffenlabors im Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0604130.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Wieder zwei kanadische Soldaten in Afghanistan getötet
Fr.13.04.07 - Bei einer Bombenexplosion sind im Süden von Afghanistan zwei
kanadische Soldaten getötet und drei verletzt worden, wie ein
Militärsprecher am Donnerstag mitteilte. Der Vorfall ereignete sich
nach Angaben des stellvertretenden Kommandeurs des kanadischen
Kontingents der von der NATO geführten internationalen
Schutztruppe, Oberst Mike Cessford, am Mittwoch. Eine genaue Ortsangabe
machte er nicht. Erst vor wenigen Tagen waren sechs kanadische Soldaten
bei der Explosion einer am Straßenrand versteckten Bombe im
Süden Afghanistans getötet worden. Kanada ist mit etwa 2.500
Soldaten an der 36.000 Mann starken NATO-Truppe beteiligt.
(Quelle: ap)
Mindestens 49 Tote bei Kämpfen in Pakistan
Fr.13.04.07 - Bei Kämpfen zwischen Sunniten und Schiiten im Nordwesten Pakistans
sind in einer Woche mindestens 49 Menschen ums Leben gekommen und 115
verletzt worden. Die Schießereien in mehreren Dörfern bei
Parachinar dauerten am Donnerstag weiter an, erklärten die
Behörden der halbautonomen Stammesregion Kurram an der Grenze zu
Afghanistan. In anderen Berichten war sogar von mehr als hundert Toten
die Rede. Eine unabhängige Bestätigung der Angaben war nicht
möglich.
Die Kämpfe begannen demnach am Freitag vergangener Woche, als
Unbekannte auf Schiiten in der Nähe einer Moschee in Parachinar
schossen. Schon zuvor hatten die Spannungen zugenommen, weil Sunniten
den Geburtstag des Propheten Mohammed mit einer Kundgebung gefeiert
hatten. Ein schiitischer Einwohner berichtete, aus dem benachbarten
Nord-Waziristan seien militante Sunniten gekommen, um ihre
Glaubensbrüder zu unterstützen. In Pakistan, wo 80 Prozent der
Bevölkerung Sunniten sind und die übrigen 20 Prozent der
schiitischen Glaubensrichtung angehören, kommt es immer wieder zu
gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen beiden Gruppen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
UN-Gesandte kritisiert israelisches Vorgehen im Krieg gegen Hisbollah
Fr.13.04.07 - Die UN-Sondergesandte für Kinder und bewaffnete Konflikte hat
Israel Verstöße gegen internationales Recht während des
Kriegs gegen die Hisbollah-Miliz im vergangenen Sommer vorgeworfen. Sie
werde dieses Verhalten während ihres bevorstehenden Besuchs in
Israel bei der dortigen Regierung ansprechen, sagte Radhika
Coomaraswamy am Donnerstag in Beirut. Die Botschaft sei klar, in
Konflikten müsse zwischen Zivilpersonen und Kämpfern
unterschieden werden.
Coomaraswamy bezog sich damit unter anderem auf den Abwurf von
Clusterbomben durch die israelischen Streitkräfte während des
34 Tage dauernden Kriegs und einen
«unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt»,
der einen Großteil der libanesischen Infrastruktur vernichtet
habe. Besonders schockiert habe sie die Zerstörung im
libanesischen Dorf Bint Dschbeil und deren Konsequenzen für die
Kinder. Israelische Truppen hatten das Dorf besetzt, da es als Hochburg
der Hisbollah galt.
Sie werde sich darum bemühen, dass Israel Informationen über
die Lage der Clusterbomben herausgebe, sagte die UN-Sondergesandte. Ein
Sprecher des israelischen Außenministeriums erklärte, die
Regierung werde sich mit dieser Forderung nach Ankunft Coomaraswamys
befassen.
Den UN und Menschenrechtsorganisationen zufolge warf Israel
während des Kriegs rund vier Millionen Clusterbomben über dem
Libanon ab, bis zu eine Million von ihnen detonierten nicht. Seit dem
Ende des Kriegs am 14. August wurden durch derartige Munition 29
Menschen getötet und 215 verletzt. Unter den Opfern sind 90 Kinder.
(Quelle: ap)
Zahl der Anschlagsopfer in Algier auf 33 gestiegen
Fr.13.04.07 - Einen Tag nach den Terroranschlägen in Algerien ist die Zahl der
Todesopfer auf 33 gestiegen, wie das Innenministerium am Donnerstag
bekannt gab. Die Zahl der Verletzten wurde mit 57 angegeben. Zwei Bomben
waren am Mittwoch vor dem Sitz des Ministerpräsidenten und vor
einer Polizeiwache der algerischen Hauptstadt detoniert. Zu den
Anschlägen bekannte sich die Terrororganisation Al Kaida im Maghreb.
(Quelle: ap)
Indien testet atomwaffenfähige Mittelstreckenrakete
Fr.13.04.07 - Indien hat am Donnerstag eine neue atomwaffenfähige
Mittelstreckenrakete vom Typ «Agni III» getestet. Das
Verteidigungsministerium in Neu-Delhi sprach von einem erfolgreichen
Test wie aus dem Lehrbuch. Der letzte Abschuss einer «Agni
III» im Juli vergangenen Jahres war noch fehlgeschlagen, die
Rakete stürzte in den Golf von Bengalen. Die «Agni III»
hat von allen indischen Rakete die größte Reichweite, sie
kann bis zu 3.000 Kilometer weit fliegen und könnte auch Ziele in
China oder im Nahen Osten erreichen. Die übrigen indischen Raketen
wurden vor allem mit Blick auf einen Konflikt mit dem Nachbarn Pakistan
entwickelt.
(Quelle: ap)
Türkisches Militär fordert säkular orientierten
Präsidenten
Fr.13.04.07 - Die türkischen Streitkräfte haben sich am Donnerstag vehement
für einen säkular orientierten künftigen
Staatspräsidenten ausgesprochen. Das Militär hoffe, dass
«jemand, der den Prinzipien der Republik loyal
gegenübersteht», im Mai zum Präsidenten gewählt
werde, sagte Generalstabschef Yasar Büyükanit auf einer im
Fernsehen übertragen Pressekonferenz. Viele säkular
orientierte Türken fürchten, dass Ministerpräsident
Recap Tayyip Erdogan auf Ahmed Necdet Sezer folgt, dessen Amtszeit im
Mai endet.
Sezers Nachfolger wird vom Parlament gewählt, in dem Erdogans AKP
die Mehrheit stellt. Sezer hat zahlreiche Gesetze mit seinem Veto
blockiert, die seiner Ansicht nach gegen die säkulare Verfassung
verstoßen, und die von Erdogans Regierung angestrebte Ernennung
hunderter mutmaßlich islamisch geprägter Beamter für
wichtige Posten verweigert.
Erdogan hat sich bislang nicht geäußert, ob er für das
Amt kandidiert. Seine AKP will noch im April ihren Bewerber benennen.
Erdogan hat mehrfach zurückgewiesen, seine Partei verfolge eine
islamisch orientierte Politik.
(Quelle: ap)
Deutschland
Oettingers Trauerrede für Filbinger löst Empörung aus
Fr.13.04.07 - Die Rede des baden-württembergischen Ministerpräsidenten
Günther Oettinger bei der Beisetzung seines Amtsvorgängers
Hans Filbinger (beide CDU) hat heftige Empörung beim Zentralrat
der Juden und der Opposition im Land ausgelöst. Die
Zentralrats-Vorsitzende Charlotte Knobloch kritisierte, den
früheren Marinerichter Filbinger als Gegner des NS-Regimes zu
bezeichnen, sei "eine gefährliche und für die
Überlebenden verletzende Perversion der historischen
Realität". Die SPD-Chefin in Baden-Württemberg, Ute Vogt,
warf Oettinger "Geschichtsklitterung" vor.
Filbinger war während der Nazi-Diktatur als Marinerichter an
Todesurteilen beteiligt. Gleichwohl hatte Oettinger in seiner
Trauerrede am Mittwoch gesagt, der Verstorbene sei "kein
Nationalsozialist" gewesen, sondern vielmehr ein "Gegner des
Nazi-Regimes", der sich den Zwängen der damaligen Zeit habe beugen
müssen. Knobloch wies diese Darstellung entschieden zurück.
Filbinger habe das NS-Regime "selbstverständlich mitgetragen",
erklärte sie in München.
Auch Vogt sagte, Filbinger sei in das Handeln der
nationalsozialistischen Herrschaft verstrickt gewesen. Nach dem
Kriegsende habe er sich dann niemals zu dem Unrecht bekannt, sondern
sich immer nur als Opfer von Verfolgung gesehen. Oettinger versuche,
Filbinger zu rehabilitieren, "offenbar um sich mit dem konservativen
Lager seiner Partei besser zu stellen".
Ähnlich äußerte sich der Fraktionschef der Grünen
im Stuttgarter Landtag, Winfried Kretschmann. Es könne nicht
angehen, dass Filbingers Rolle in der NS-Zeit "aus interessengeleiteten
Gründen schöngeredet oder gar umgedeutet" werde.
Der frühere baden-württembergische SPD-Chef Erhard Eppler
sagte im SWR, Filbinger sei "wahrscheinlich weder ein wirklicher Nazi,
noch ein entschiedener Gegner" gewesen. Er könne sich allerdings
nicht vorstellen, dass jemand aus der Generation Oettingers in der Lage
sei, "ein endgültiges Urteil" über Filbinger zu sprechen.
Der am Sonntag im Alter von 93 Jahren verstorbene Filbinger musste 1978
wegen seiner vom Schriftsteller Rolf Hochhuth aufgedeckten
Tätigkeit als Marinerichter zurücktreten. Er selbst versuchte
bis zuletzt, seine Todesurteile zu relativieren, und stellte sich als
Opfer einer von der Stasi gesteuerten Rufmordkampagne dar.
Hochhuth bezichtigte Oettinger der Unverfrorenheit. Wenn Oettinger
sage, sein Amtsvorgänger sei kein Nationalsozialist gewesen, so
sei dies eine "unverfrorene Erfindung", schrieb Hochhuth in einem
Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung".
(Quelle: dpa)
Polizeigewerkschaft lehnt Speicherung von Fingerabdrücken ab
Fr.13.04.07 - Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) lehnt die Speicherung von
Fingerabdrücken aus den neuen elektronischen Pässen ab. Es sei
weder sinnvoll noch vertretbar, diese biometrischen Daten bei den
Meldebehörden zu hinterlegen, sagte der GdP-Vorsitzende Konrad
Freiberg der «Rheinischen Post». Die Diskussionen über
neue Sicherheitsgesetze «verkleistern nur die Augen vor den
wirklich wichtigen Maßnahmen zur Terrorbekämpfung»,
kritisierte er. Die Polizei sei aus Personalmangel nicht einmal in der
Lage, die von den Sicherheitsbehörden erkannten rund 100
islamistischen Gefährder zu überwachen.
In den neuen Reisepässen sind Fotos und später auch
Fingerabdrücke der Inhaber gespeichert. Entgegen erster Pläne
gibt es Überlegungen, die Fingerabdrücke auch bei den
Meldebehörden zu speichern und für die Strafverfolgung zu
nutzen. Über eine entsprechende Gesetzesänderung wird derzeit
in Bundestag und Bundesrat diskutiert.
Positiv äußerte sich Freiberg zu den Plänen von
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), die Daten der
Lastwagen-Maut zur Strafverfolgung zu nutzen. «Für schwerste
Straftaten halte ich das für eine vernünftige Regelung»,
sagte der GdP-Chef. Für einen ganz eng begrenzten Kreis von
Delikten sei das zu rechtfertigen. «Aber der Bürger muss
darauf vertrauen können, dass die Maut-Daten nicht generell zum
Zweck der Beobachtung und der Verfolgung kleinerer Straftaten oder
Verkehrsverstöße genutzt werden. Das muss ganz eindeutig
geregelt sein.»
(Quelle: ap)
Unwillige Erntehelfer müssen mit Leistungskürzungen rechnen
Fr.13.04.07 - Die Bundesagentur für Arbeit (BA) will strenger gegen Arbeitslose
vorgehen, die Erntearbeit ablehnen oder abbrechen. Die Betroffenen
müssten auch mit Leistungskürzungen rechnen, erklärte
BA-Sprecher Ulrich Waschki am Donnerstag und bestätigte damit einen
Bericht der Tageszeitung «Die Welt».
Die Behörde hat an ihre Mitarbeiter so genannte Arbeitshilfen mit
begleitenden Weisungen gegeben, in die erstmals explizit Sanktionen und
Leistungskürzungen aufgenommen wurden, wie Waschki sagte. Ziel sei
ein einheitliches Verfahren aller Arbeitsagenturen.
Grundsätzlich gelte weiterhin, dass nur diejenigen Arbeitslosen
als Erntehelfer arbeiten müssen, die sich dazu bereit
erklären. Wer die Tätigkeit ablehne oder aber trotz Zusage
abbreche, dem «werden wir genau auf die Finger schauen
warum», erklärte der Behördensprecher.
Arbeitslose, die sich als Erntehelfer gemeldet haben und dann nicht
erscheinen oder abbrechen, müssten bei ALG II mit
Leistungskürzungen zwischen zehn und 20 Prozent rechnen,
erklärte Waschki. Bei ALG I-Empfängern könnten die
Leistungen einige Tage gesperrt werden.
Arbeitslose, die eine Tätigkeit als Erntehelfer ablehnen, sollen
stattdessen Ein-Euro-Jobs annehmen oder in Trainingsmaßnahmen
zeigen, «ob sie ein grundsätzliches Problem mit Arbeit
haben», wie Waschki sagte. Auch hier könne es bei
Nichterscheinen oder andauernden Verspätungen zu
Leistungskürzungen kommen. «Das sind unsere Wege zu sehen, ob
jemand mitmachen will», sagte der BA-Sprecher.
Seinen Angaben zufolge sollen ähnlich wie im vergangenen Jahr rund
30.000 ausländische Saisonarbeiter durch deutsche Arbeitslose
ersetzt werden. Bauernverbände hatten geklagt, dass in der
vergangenen Saison nur rund die Hälfte der deutschen Erntearbeiter
durchgehalten hatte.
(Quelle: ap)
Viele Kassenmanager haben Grundgehalt von mehr als 150.000 Euro
Fr.13.04.07 - Viele Manager der rund 250 gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland
hatten 2006 ein jährliches Grundgehalt zwischen 150.000 und 220.000
Euro. Wie die «Leipziger Volkszeitung» berichtete, erhielten
Vorstandsmitglieder zusätzlich zu ihrem Grundgehalt in der Regel
noch Sondervergütungen, Zusatzleistungen und
beamtenrechtsähnliche Absicherungen. Das Blatt berief sich auf die
gesetzlich verfügte Auflistung der Kassen-Managervergütungen
für das Jahr 2006.
Top-Verdiener bei den Kassenmanagern im gesetzlichen Bereich war
demnach die Spitze der Deutschen Angestellten-Krankenkasse: Der
DAK-Vorstandsvorsitzende erhielt im Jahr 2006 eine Grundvergütung
von 223.963 Euro plus Übergangsregelungen, Zusatzversorgungen und
Absicherungen, wie die Zeitung berichtete. Der Vorstandsvorsitzende des
Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen habe 215.000 Euro Grundgehalt
plus 25-prozentige Erfolgsprämie und Zusatzleistungen erhalten. Die
Vergütung an der Spitze des AOK-Bundesverbandes sei mit 171.622
Euro plus 20-prozentige Gewinnprämie vergleichweise bescheiden
gewesen, hieß es in dem Bericht weiter.
(Quelle: ap)
Wirtschaftsforscher: Gutschrift für alle Steuerzahler
Fr.13.04.07 - Im Zuge der von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) entfachten
Debatte um mögliche Senkungen der Einkommenssteuer in Deutschland
hat der erste Wirtschaftsforscher eine Gutschrift nach amerikanischem
Vorbild gefordert.
Der Präsident des Hamburger Instituts HWWI, Professor Thomas
Straubhaar, sagte der «Bild»-Zeitung: «Ich bin
für eine einmalige Steuergutschrift, die von den Finanzämtern
als Barscheck verschickt wird.» Würde die Regierung zum
Beispiel 10 Milliarden Euro aufwenden, könnten pro Kopf 333 Euro
ausgezahlt werden, so Straubhaar. «Das wäre einfacher und
wirkungsvoller als dauerhafte Steuersatzsenkungen, Geringverdiener
würden besonders stark profitieren, wenn die Gutschrift
einkommensunabhängig erfolgt.»
Der Vorteil einer solchen Maßnahme liege auch in der
psychologischen Wirkung, sagte Straubhaar. «Der Staat würde
die Steuerzahler damit die Früchte eines wirtschaftlich guten
Jahres ernten lassen. Das hätte ungeheure Symbolkraft - denn es
vermittelt, dass der Staat nicht immer nur nimmt, sondern auch mal etwas
zurückgibt.»
Unterdessen hat sich die FDP Wirtschaftsminister Glos als Partner
für eine Politik der Steuersenkung angeboten. «Herr Glos hat
weder in der SPD noch in der Union eine Mehrheit für seine
Vorschläge», sagte der FDP-Steuerexperte Hermann Otto Solms
der Nachrichtenagentur dpa. «Ohne die FDP wird das nicht
gehen», fügte er hinzu. Glos hatte sich mit seinen
Vorschlägen für eine Steuerentlastung für die Bürger
Kritik und Vorbehalte in der großen Koalition eingehandelt.
Laut Solms wird die FDP die Forderung nach Steuersenkungen wieder zu
einem zentralen Thema ihres Wahlkampfs machen. Eine Koalition mit der
FDP werde es nur geben «unter der Voraussetzung eines einfacheren,
niedrigeren und gerechteren Steuersystems». Solms forderte Glos
auf, deutlicher als bisher zu sagen, dass «eine dauerhafte
stabile Wirtschaftsentwicklung mit folgender Sanierung der
Staatsfinanzen nur erreichbar ist, wenn die Belastung von Unternehmen
und Arbeitnehmern gesenkt wird».
(Quelle: dpa)
UNICEF fordert mehr Rechte für Kinder
Fr.13.04.07 - Die Kinderhilfsorganisation der Vereinten Nationen, UNICEF, hat
gefordert, die Rechte von Kindern ins Grundgesetz aufzunehmen.
«Dies wäre ein klares Signal, das Wohlergehen von Kindern als
eine entscheidende Aufgabe der Gesellschaft anzusehen», sagte die
Vorsitzende von UNICEF-Deutschland, Heide Simonis, am Donnerstag.
Simonis verwies auf die jüngste UNICEF-Vergleichsstudie über
die Situation von Kindern in Industriestaaten: Deutschland belegt darin
nur Rang elf. Der Anteil der Kinder, die in relativer Armut aufwachsen,
sei hier zu Lande stärker angestiegen, als in den meisten anderen
Industriestaaten. «Wir brauchen einen Bewusstseinswandel auf allen
Ebenen, um Kindern einen selbstverständlicheren Platz in unserem
Land zu geben. Es ist an der Zeit, die Rechte von Kindern ins
Grundgesetz aufzunehmen», sagte Simonis.
In keinem anderen OECD-Land entscheide die soziale Herkunft der Eltern
so stark über den Schulerfolg wie in Deutschland. UNICEF geht zudem
davon aus, dass jede Woche zwei Kinder an den Folgen von
Vernachlässigungen und Misshandlungen sterben.
Die Zahl der Geburten in Deutschland habe sich seit 1960 halbiert. So
stünden inzwischen jedem Kind vier Erwachsene gegenüber. In
vielen Großstädten gebe es heute drei bis vier Mal so viele
Autos wie Kinder.
(Quelle: ap)
'Grüne Friedensinitiative' gegründet
Fr.13.04.07 - Den Grünen stehen auf ihrem Kleinen Parteitag am Samstag in Bremen
kontroverse Debatten über Militäreinsätze ins Haus. Als
Reaktion auf die jüngste Kritik führender
Grünen-Politiker an den Ostermärschen haben mehrere Politiker
der Ökopartei nun eine «Grüne Friedensinitiative»
(GFI) gegründet. Die Initiative will der «zurzeit
dominierenden militärpolitischen Ausrichtung der Grünen»
entgegentreten und als «friedenspolitischer Think-Tank»
Debatten um nichtmilitärische Alternativen anstoßen, wie
einer der Initiatoren, der Sprecher des Grünen-Kreisverbandes
Münster, Wilhelm Achelpöhler, am Mittwoch erklärte.
Aktuell kritisiert die GFI die Unterstützung des
«Afghanistan-Krieges» durch die Grünen. Das habe mit
Friedenspolitik wenig zu tun. Der Kleine Parteitag der Grünen in
Bremen soll sich nach dem Willen der Initiative nicht wie geplant hinter
den ISAF-Einsatz der NATO in Afghanistan stellen.
Grünen-Chefin Claudia Roth hatte den Veranstaltern der
diesjährigen Ostermärsche eine
«Schwarz-Weiß-Sicht» und «pauschale Ablehnung
des Militärischen» vorgehalten. Grünen-Fraktionsvize
Jürgen Trittin bekräftigte die Kritik am Mittwoch. Teile der
Bewegung hätten «fast so ein einfaches Weltbild wie die
CDU», sagte Trittin im Deutschlandfunk. Während sich die
Union stets für Militäreinsätze stark mache, gebe es in
der Friedensbewegung oftmals eine «pauschale Ablehnung»
aller Auslandseinsätze.
(Quelle: ddp)
Grüne rufen trotz Differenzen zu Großdemo vor G-8-Gipfel auf
Fr.13.04.07 - Die Grünen rufen trotz inhaltlicher Differenzen mit anderen
Veranstaltern zu der Großdemo im Vorfeld des G-8-Gipfels Anfang
Juni auf. Bei dem Protestmarsch in Rostock werde ein breites
Bündnis auf die Straße gehen, sagte Grünen-Chefin
Claudia Roth in Berlin. Die Gemeinsamkeiten unter den beteiligten
Initiativen sollten hervorgehoben werden, ohne die Differenzen unter den
Teppich zu kehren.
Roth hatte es zuvor abgelehnt, den auch vom globalisierungskritischen
Netzwerk Attac mitgetragenen Aufruf zu der Großdemo am 2. Juni zu
unterzeichnen. Sie störte sich insbesondere an der dort zu
findenden Formulierung, dass die G-8-Staaten "Vorreiter einer auf Krieg
gestützten Weltordnung" seien. Ihr seien derartige "Feindbilder zu
schlicht", sagte sie zur Begründung ihrer Ablehnung.
Roth kritisierte, dass die G-8-Staaten nur 13 Prozent der
Weltbevölkerung repräsentierten, aber Entscheidung
träfen, die die Folgen für die ganze Welt hätten. "In der
G8 sitzen die größten Klimasünder zusammen",
heißt es in dem Aufruf. Deshalb sollten sich die Teilnehmer des
Gipfels in Heiligendamm auf Maßnahmen verpflichten, um die
Klimaerwärmung auf plus zwei Grad zu begrenzen. Am 2. Juni solle in
Rostock "für den Klimaschutz, für Abrüstung und für
eine gerechtere Globalisierung" demonstriert werden. Roth kündigte
zugleich die Unterstützung der Grünen für den
Alternativgipel zu dem G-8-Treffen an, der ebenfalls Anfang Juni in
Rostock stattfindet.
(Quelle: afp)
Soziologin Kelek bewertet neuen Dachverband der Muslime skeptisch
Fr.13.04.07 - Die türkischstämmige Islamkritikerin und Autorin Necla Kelek
bewertet den neu gegründeten muslimischen Dachverband skeptisch. Es
genüge nicht, dass sich der Koordinierungsrat der Muslime in
Deutschland (KRM) als einheitlicher Ansprechpartner für die
Bundesregierung verstehe, sagte Kelek am Mittwoch im Deutschlandfunk.
Nötig sei vielmehr eine «inhaltliche
Auseinandersetzung» über die Frage, wie der Islam in
Deutschland künftig gelebt werden soll.
Die Bundesregierung habe klar gemacht, «dass der Islam sich
säkularisieren muss», betonte die Soziologin. Sie sei
«sehr kritisch», ob die vier im Koordinierungsrat
zusammengeschlossenen muslimischen Verbände auf diese Erwartung
hinarbeiteten oder sich als Organisation erweisen würden, die
«eine Gegengesellschaft aufbaut».
So seien sich etwa die im Koordinierungsrat zusammengeschlossenen
Gruppen darüber einig, dass Männer und Frauen gesellschaftlich
getrennt sein sollten, fügte Kelek hinzu. Diese hielten es
beispielsweise für richtig, dass Mädchen in der Schule das
Kopftuch tragen sollen und dass der Sportunterricht für Jungen und
Mädchen getrennt stattfinden solle. Auch mit Gruppen, die von
«Gottesgesetzen» sprächen statt von rechtsstaatlichen
Prinzipien, dürfe es keinen Dialog geben. «Die
Bundesregierung kann und darf da keine Zugeständnisse
machen», sagte Kelek.
Gründungsmitglieder des Koordinierungsrates sind die vier
großen Dachverbände Türkisch-Islamischen Union der
Anstalt für Religion (DITIB), der Islamrat, der Verband der
Islamischen Kulturzentren (VIKZ) und der Zentralrat der Muslime (ZMD).
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Neue Messungen sollen Leukämiehäufung in Elbmarsch
aufklären helfen
Fr.13.04.07 - Fast 20 Jahre nach dem Beginn der weltweit einmaligen Häufung von
Leukämieerkrankungen bei Kindern in der Gemeinde Elbmarsch bei
Lüneburg könnte es eine neue Untersuchung zur Ursache geben.
Nach einem Hearing im Sozialausschuss des niedersächsischen
Landtages signalisierten Abgeordnete der Fraktionen von CDU, SPD und
FDP Zustimmung zu einem entsprechenden Vorschlag der Grünen. Mit
den weiteren Messprogramm soll geklärt werden, ob in Bodenproben
aus der Gemeinde Elbmarsch tatsächlich Spuren von Kernbrennstoffen
nachweisbar sind.
In dem nicht öffentlichen Hearing trug zuvor Professor Wladislaw
Mironow aus Minsk zwei Stunden lang die Ergebnisse seiner
Untersuchungen von Bodenproben aus der niedersächsischen Gemeinde
vor. Nach Angaben von Ausschussmitgliedern berichtete der
Wissenschaftler dabei über Spuren von Uran, Thorium und Plutonium
in einer Isotopenzusammenzusetzung, die nur einen nicht
natürlichen Ursprung der radioaktiven Stoffe zulasse. Bei der
Untersuchung ähnlicher Bodenproben hätten allerdings
Geowissenschaftler der Universität Frankfurt die von Mironow
beschrieben kleinen Kügelchen mit Kernbrennstoff nicht entdeckt,
sagte die Vorsitzende des Sozialausschusses Gesine Meißner (FDP).
Man könne daher immer noch nicht sagen, ob tatsächlich ein
Störfall in den Atomanlagen gegenüber der Gemeinde Elbmarsch
für die Leukämieerkrankungen ursächlich sei.
Der Grünen-Landtagsabgeordnete Andreas Meihsies schlug vor, durch
neue Messungen nach Probeentnahmen unter notarieller Aufsicht den
Streit der Wissenschaftler zu beenden. In das Messprogramm müssten
auch die der Bürgerinitiative (BI) gegen Leukämie in der
Elbmarsch nahe stehenden Wissenschaftler einbezogen werden, meinte
Meihsies. Die streitenden Wissenschaftler müssten einen Konsens
über Zuschnitt und Methoden des Messprogramms finden und dann
müssten zwei oder drei Labore parallel die Proben untersuchen.
Neben dem SPD-Landtagsabgeordneten Uwe Harden, der zugleich
Vorsitzender der BI ist, zeigte sich auch die Ausschussvorsitzende
für den Vorschlag aufgeschlossen. Auch der CDU-Abgeordnete Norbert
Böhlke meinte, man müsse im Interesse der Menschen in der
Elbmarsch jetzt auf einen gemeinsamen Nenner kommen und sich auf ein
gemeinsames Untersuchungsverfahren einigen. Allerdings sollten
zunächst die Landtagsfraktionen über die Ergebnisse der
Anhörung beraten.
In dem betroffenen Gebiet an der Elbe, das gegenüber dem
Atomkraftwerk Krümmel und einem atomaren Forschungszentrum in
Geesthacht liegt, erkrankten seit 1989 bei einer Einwohnerzahl von
30.000 Menschen 16 Kinder an Leukämie. Zwei Kommissionen der
Länder Niedersachsen und Schleswig-Holstein konnten die Ursache
der Erkrankungen nicht klären. Die Bürgerinitiative geht
davon aus, dass ein fehlgeschlagenes Experiment mit Kernbrennstoffen im
Forschungszentrum in Geesthacht 1986 zur Verseuchung der Umgebung mit
Radioaktivität geführt hat. Die Landesregierung von
Schleswig-Holstein bestreitet dies energisch.
(Quelle: ap)
US-Senat will staatliche Gelder für Stammzellenforschung
Fr.13.04.07 - Mit den Stimmen der meisten Demokraten und von 19 Republikanern hat
sich der US-Senat in Washington für eine staatliche Finanzierung
der Stammzellenforschung ausgesprochen.
Die Senatoren stimmten am Mittwochabend (Ortszeit) nach
leidenschaftlicher, 20-stündiger Debatte mit 63 zu 34 Stimmen
für die Förderung der Forschung an embryonalen Stammzellen mit
staatlichen Mitteln. Auch das US-Repräsentantenhaus hatte sich im
Januar dafür ausgesprochen. Da es bei der Senatsabstimmung zu
Gunsten der Förderung der Gentechnologie aber keine
Zwei-Drittel-Mehrheit gab, wird US-Präsident George W. Bush wohl
auch diesmal ein noch zwischen den beiden Kammern des US-Kongresses im
Detail auszuhandendes Gesetz mit einem Veto verhindern.
Bush hatte bei diesem heftig umstrittenen Thema bereit im Juli
vergangenen Jahres erstmals in seiner Amtszeit von seinem
präsidialen Vetorecht Gebrauch gemacht und damit einen
ähnlichen Gesetzentwurf des Kongresses verhindert. Bush sieht in
einer Forschung, die die Manipulation embryonaler Stammzellen
zulässt, «eine moralische Grenze» überschritten.
Die Unterstützer der Stammzellenforschung hoffen, bislang als
unheilbar geltende Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer mit neuen
gentechnischen Methoden wirkungsvoll bekämpfen zu können.
Die Demokraten kündigten an, sie wollten auch im Falle eines Bush-
Vetos weiter für die staatliche Förderung der
Stammzellenforschung kämpfen. Eine «überwältigende
Mehrheit der Amerikaner» unterstütze dieses Anliegen, betonte
Senator Tom Harkin.
(Quelle: dpa)