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Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Blutige Anschlagswelle - Dutzende Tote. Extremisten geben
Entführung von irakischen Sicherheitskräften bekannt
So.15.04.07 - Bei zwei schweren Bombenanschlägen im Irak sind am Samstag nach
Polizeiangaben Dutzende Menschen getötet worden. Allein in der
Pilgerstadt Kerbela starben demnach 40 Menschen bei der Explosion einer
Bombe.
Der Sprengsatz explodierte in einem belebten Viertel in der Nähe
der Grabmoschee Husseins, des im Jahr 680 in einer Schlacht gefallenen
Enkels des Propheten Mohammed. Der imposante Bau mit seiner goldenen
Kuppel ist einer der wichtigsten Wallfahrtsorte für schiitische
Muslime aus aller Welt.
Bei dem zweiten Bombenanschlag in Al-Gadirija bei Bagdad auf einer
Brücke über den Tigris starben nach offiziellen Angaben 10
Menschen und 15 weitere wurden verletzt, als ein
Selbstmordattentäter seinen mit Sprengstoff beladenen Wagen
zündete. Augenzeugen erklärten dagegen, sie hätten in
mehreren ausgebrannten Wagen Leichen gesehen und sprachen von bis zu 35
Toten.
Die Brücke wurde nach Angaben eines BBC-Korrespondenten in Bagdad
nur leicht beschädigt. Am Donnerstag hatte ein
Selbstmordattentäter eine andere Brücke über den Tigris
zerstört.
Eine Extremistengruppe mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida hat
nach eigenen Angaben im Irak 20 Sicherheitskräfte entführt.
Die Männer würden getötet, sollte die Regierung nicht
binnen 48 Stunden alle weiblichen Häftlinge freilassen,
erklärte der Islamische Staat im Irak am Samstag im Internet.
Außerdem wird die Überstellung von drei Polizisten
gefordert, die im Februar eine Sunnitin vergewaltigt haben sollen.
Sollte die Regierung den Forderungen nicht nachkommen, würden die
Geiseln hingerichtet, heißt es in der Erklärung. Auf der
Website veröffentlichte die Gruppe Fotos von 20 gefesselten
Männern in Uniformen, denen die Augen verbunden waren.
(Quellen: dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.112004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 15.04.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertsechsundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.15.04.06 - Irakischer Ministerpräsident Dschaafari lehnt Rücktritt
strikt ab +++ Elf Mitarbeiter einer Baufirma in Basra getötet +++ Bei
Kämpfen in der Provinz Anbar kommen zwei US-Soldaten ums Leben +++
Japans Justiz weist Klage gegen Militäreinsatz im Irak ab +++
Deutsche Geiseln möglicherweise an Kriminelle 'weiterverkauft'...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0604150.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Palästinensische Regierung billigt neuen Sicherheitsplan
So.15.04.07 - Die palästinensische Koalitionsregierung aus Fatah und Hamas hat
sich am Samstag auf einen neuen Sicherheitsplan geeinigt. Geplant sei
unter anderem eine gemeinsame Einsatzzentrale der rivalisierenden
Sicherheitskräfte, erklärte Informationsminister Mustafa
Barghuti. Außerdem werde Präsident Mahmud Abbas in den
nächsten Tagen die Bildung eines Nationalen Sicherheitsrats
ankündigen.
Dem Gremium sollen Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanija, Abbas'
Sicherheitsberater Mohammed Dahlan von der Fatah und die parteilosen
Minister für Äußeres, Finanzen und Inneres
angehören, sagte Barghuti. Unklar war zunächst allerdings, ob
im Rahmen der Einigung die im vergangenen Jahr gebildete Miliz der
radikalislamischen Hamas aufgelöst wird. Ihre Gründung hatte
die Spannungen zwischen den beiden Palästinenser-Organisationen
verschärft und zu monatelangen Kämpfen geführt.
(Quelle: ap)
Regierung und Rebellen in Uganda wollen Friedensgespräche
fortsetzen
So.15.04.07 - Die Regierung und die Rebellen in Uganda haben am Samstag ihre
Waffenruhe erneuert und eine Fortsetzung der ins Stocken geratenen
Friedensgespräche vereinbart. An der Unterzeichnung des Abkommens
im Sudan nahm auch der wegen Kriegsverbrechen vom Internationalen
Strafgerichtshof (IStGH) gesuchte Rebellenführer Joseph Kony teil,
wie ein Sprecher seiner Widerstandsarmee des Herrn (LRA) mitteilte.
Die LRA und die ugandische Regierung hatten sich im August vergangenen
Jahres auf eine Waffenruhe verständigt. Die begonnenen
Friedensgespräche verliefen wegen gegenseitiger Vorwürfe
jedoch zusehends im Sand. Der jetzt getroffenen Vereinbarung zufolge
sollen am 26. April neue Verhandlungen beginnen, die Rebellen sollen
sich bis Ende Juni in der sudanesischen Stadt Ri-Kwangba versammeln.
Die LRA hat mit ihrem seit rund 20 Jahren andauernden blutigen Aufstand
in weiten Teilen Nordugandas Terror verbreitet. Tausende Kinder und
Jugendliche wurden entführt und von den Rebellen zu Kämpfern
ausgebildet oder als Konkubinen gehalten. Der Konflikt hat
Hilfsorganisationen zufolge tausende Menschen das Leben gekostet und
zwei Millionen weitere in die Flucht getrieben
(Quelle: ap)
USA fordern Nordkorea zu Reaktorabschaltung auf
So.15.04.07 - Die USA haben Nordkorea aufgerufen, wie zugesagt den Atomreaktor
Yongbyon abzuschalten. Es sei an der Zeit, dass die Regierung in
Pjöngjang diesen Schritt unternehme, «damit wir alle
vorankommen», sagte Außenamtssprecher Sean McCormack.
Nordkorea hat bei den Sechs-Parteien-Gesprächen im Februar
zugesichert, Yongbyon bis zum (gestrigen) Samstag herunterzufahren, die
Frist aber verstreichen lassen.
Im Gegenzug für die Schließung des Reaktors sollte
Pjöngjang 50.000 Tonnen Öl erhalten. Washington seinerseits
erklärte sich bei den Gesprächen in Peking bereit, binnen
eines Monats in Macau eingefrorene Guthaben in Höhe von 25
Millionen Dollar (knapp 19 Millionen Euro) freizugeben. Dies geschah
allerdings erst in den vergangenen Tagen. Die Konten wurden auf Druck
der USA wegen des Verdachts auf Geldwäsche vor rund zwei Jahren
eingefroren.
(Quelle: ap)
Umweltschützer in den USA demonstrieren für mehr Klimaschutz
So.15.04.07 - Auf mehr als 1.300 Veranstaltungen in allen Bundesstaaten der USA haben
Umweltschützer für einen größeren Einsatz der
Regierung gegen den Klimawandel demonstriert. Bis 2050 müssten die
Kohlendioxidemissionen der Vereinigten Staaten um 80 Prozent sinken,
forderten die Organisatoren des Protestes am Samstag. «Wir sehen
dies als dringendste Aufgabe unserer Zeit und unserer
Generation», sagte Will Bates, ein Mitbegründer der
Veranstaltungsreihe. In New York versammelten sich Menschen in blauer
Kleidung, um auf die drohende Überschwemmung Manhattans bei einem
weiteren Anstieg des Meeresspiegels aufmerksam zu machen. Experten
zufolge stünden bereits bei einem Anstieg um drei Meter Teile der
Stadt unter Wasser.
(Quelle: ap)
Festnahmen bei Oppositionskundgebung in Moskau
So.15.04.07 - Mit massiver Gewalt hat die russische Polizei eine nicht genehmigte
Oppositionskundgebung in Moskau aufgelöst und mindestens 250
Demonstranten vorübergehend festgenommen.
«Sie haben auch auf Großmütter und andere Rentner
eingeschlagen», sagte der Parlamentsabgeordnete Wladimir Ryschkow
am Samstag. Auch einer der Organisatoren, der frühere
Schachweltmeister Garri Kasparow, wurde wegen «offen provokativer
Handlungen» über Stunden festgehalten.
Nach Verhören durch die Polizei verurteilte ein Moskauer Gericht
Kasparow zu einer Geldstrafe von 1000 Rubel (knapp 30 Euro). Das teilte
dessen Verteidigerin Jelena Lipzer nach Angaben der Agentur Interfax
mit.
Ein Behördensprecher bezeichnete das Vorgehen der Polizei gegen
den so genannten Marsch der Dissidenten als «angemessen».
An der Protestkundgebung gegen die Politik von Präsident Wladimir
Putin nahmen mehrere tausend Menschen teil. An anderen Orten im
Stadtzentrum beteiligten sich ebenfalls einige tausend Menschen an
Gegendemonstrationen, die von kremlnahen Jugendorganisationen
organisiert worden waren.
Vor dem Polizeigebäude, in dem Kasparow am Nachmittag verhört
wurde, gab es blutige Szenen. «Die Sicherheitskräfte griffen
sich einzelne Demonstranten heraus und schlugen mit brutaler Gewalt auf
sie ein», berichtete eine Augenzeugin. Etwa 100 bis 200 Menschen
forderten die Freilassung Kasparows sowie anderer festgenommener
Oppositionsanhänger und Journalisten. «Nieder mit dem
Polizeistaat» und «Wir wollen ein anderes Russland»,
riefen die Demonstranten.
Die Opposition wirft Putin eine zunehmende Einschränkung der
Menschenrechte vor den Parlaments- und Präsidentenwahlen im Winter
vor. Das Oppositionsbündnis Das andere Russland rief auch in der
Stadt St. Petersburg trotz Behördenverbots zu einem Marsch der
Dissidenten für diesen Sonntag auf.
Nach offiziellen Angaben wurden bis zum frühen Abend in Moskau 250
Menschen in Polizeigewahrsam genommen, wie der Radiosender «Echo
Moskwy» berichtete. Mehrere russische und ausländische
Journalisten wurden vorübergehend festgenommen, darunter auch zwei
Mitarbeiter des deutschen Fernsehsenders ZDF. «Der Machtapparat
handelt schwer paranoid», kritisierte Putins früherer
Wirtschaftsberater Andrej Illarionow den Einsatz von offiziell 9000
Polizisten in Moskau.
Der Moskauer Polizeisprecher Viktor Birjukow rechtfertigte das Vorgehen
der Einsatzkräfte. Alle Beamten hätten sich streng an die
russischen Gesetze gehalten, sagte Birjukow am Nachmittag. Vom
Puschkin-Platz zogen einige tausend Menschen mit Fahnen der Opposition
zum etwa zwei Kilometer entfernten Turgenjew-Platz. Die Polizei
drängte einen Teil der Demonstranten in eine Seitenstraße
ab. Dort kam es zu zahlreichen Festnahmen.
Am Turgenjew-Platz, wo die Behörden eine Oppositionskundgebung
erlaubt hatten, versammelten sich etwa 1000 Demonstranten. Der
frühere Regierungschef Michail Kasjanow forderte faire Parlaments-
und Präsidentenwahlen. «Wir erreichen einen Kurswechsel mit
Wahlen. Aber es müssen ehrliche und freie Wahlen sein und nicht
nur deren Nachahmung», sagte Kasjanow auf dem Turgenjew-Platz.
Kurze Zeit später drängte die Polizei die Zuhörer vom
Platz und erklärte die Veranstaltung für beendet.
(Quelle: ap)
Mehr als 200.000 Menschen demonstrieren für säkulare
Türkei
So.15.04.07 - Mehr als 200.000 Menschen haben am Samstag in Ankara gegen eine
Kandidatur von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan für das
Amt des Staatspräsidenten demonstriert. «Wir wollen keinen
Imam zum Präsidenten», hieß es in Sprechchöre. Die
Großkundgebung zeigte, wie stark die Unterstützung für
eine säkulare Ausrichtung der Türkei ist. Am Donnerstag
hatten sich die türkischen Streitkräfte vehement für
einen säkular orientierten Nachfolger von Staatspräsident
Ahmed Necdet Sezer ausgesprochen, dessen Amtszeit im Mai endet.
Hinter der Kundgebung steht die Befürchtung, dass die Regierung
ohne weiteren Widerstand eine islamorientierte Politik durchsetzen
könnte, wenn Erdogan oder ein ihm nahe stehender Politiker zum
nächsten Staatspräsidenten gewählt werden sollte. Dieser
wird vom Parlament gewählt, in dem die konservativ-religiöse
Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) des Regierungschefs
die Mehrheit stellt. Die AKP ging aus der islamistischen Bewegung der
Türkei hervor.
Angesichts von Erdogans Popularität und der klaren Mehrheit der
AKP im Parlament gibt es aber kaum Möglichkeiten, eine Kandidatur
des Ministerpräsidenten zu verhindern, wenn er sie will. Er selbst
hat sich bislang nicht zu seinen Absichten geäußert. Die AKP
will noch im April ihren Bewerber benennen. Erdogan hat mehrfach
zurückgewiesen, seine Partei verfolge eine islamisch orientierte
Politik.
Als Garant der säkularen Türkei und damit des Erbes von
Staatsgründer Kemal Atatürk gilt das Militär. Die
Generäle putschten schon drei Mal zwischen 1960 und 1980. Vor zehn
Jahren zwangen sie 1997 Erdogans Mentor, Ministerpräsidenten
Necmettin Erbakan, und dessen proislamische Regierung aus dem Amt.
Sezer, ein früherer Verfassungsrichter, verhinderte mit seinem Veto
mehrere Gesetze, die seiner Ansicht gegen die säkulare Verfassung
verstießen, zudem verweigerte er seine Zustimmung zur Ernennung
hunderter islamorientierter Kandidaten für wichtige
öffentliche Ämter.
Mit Sorge wurden Vorschläge aus Erdogans AKP registriert, in der
Türkei ein Präsidialsystem ähnlich dem der USA
einzuführen, das dem Präsidenten größere Macht
gäbe. Die regierungsnahe Zeitung «Zaman» berichtete am
Freitag, Erdogan habe seine Partei angewiesen, dieses Thema bis zur Wahl
nicht mehr zu diskutieren. Sezer warnte am Freitag, die Gefahr durch
islamische Fundamentalisten sei in der Türkei noch sie groß
gewesen wie jetzt. «Zum ersten Mal werden die Pfeiler der
säkularen Republik offen in Frage gestellt», erklärte
Sezer in einer Rede vor Militärangehörigen.
(Quelle: ap)
Türkischer Premierminister Erdogan kritisiert deutsche
EU-Ratspräsidentschaft
So.15.04.07 - Vor seinem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am heutigen
Sonntag auf der Hannover Messe hat der türkische Premierminister
Recep Tayyip Erdogan die deutsche EU-Ratspräsidentschaft in einem
Interview kritisiert. «Ich habe im Ernst mehr von Deutschland
erwartet», sagte Erdogan dem Nachrichtenmagazin «Der
Spiegel» laut Vorabmitteilung vom Samstag.
Vor allem die Entscheidung, die Türkei nicht zur 50-Jahr-Feier der
EU nach Berlin einzuladen, bezeichnete er als großen Fehler. Das
«überschattet die deutsche Ratspräsidentschaft»,
betonte Erdogan, der die Leistungsschau in Hannover, bei der die
Türkei das Partnerland ist, gemeinsam mit Merkel eröffnen
wird. «Auch bei der Entscheidung der EU, einen Teil der
Verhandlungskapitel wegen des Streits um Zypern auszusetzen, hätte
Deutschland uns stärker unterstützen können»,
kritisierte er.
Zugleich forderte der Premierminister erneut eine klare
Beitrittsperspektive für sein Land. «Wir möchten ein
klares Zieldatum, eine Roadmap, einen Zeitplan für die
Verhandlungen», sagte Erdogan. Das könne der türkischen
Bevölkerung zeigen, «dass Europa es ernst meint». Die
Europäische Union solle ehrlich sein: «Wenn sie uns nicht
will, soll sie das jetzt klar sagen. Wenn wir nicht gewollt werden,
brauchen beide Seiten nicht länger ihre Zeit mit Verhandlungen zu
verschwenden», zitiert das Magazin den türkischen
Premierminister. Als mögliches Beitrittsdatum nannte er 2014 oder
2015.
(Quelle: ap)
EU-Kommissar Verheugen für Mindestlöhne auch in Deutschland
So.15.04.07 - EU-Industriekommissar Günther Verheugen hat Deutschland die
Einführung von Mindestlöhnen nahe gelegt. Vor der
Koalitionsrunde am Montag wies der SPD-Politiker nach einer Vorabmeldung
der «Bild am Sonntag» auf das Vorbild zahlreicher anderer
EU-Länder hin. «Der deutschen Politik ist zu empfehlen, die
Frage nach Mindestlöhnen nicht ideologisch zu beantworten»,
mahnte der Vizepräsident der EU-Kommission.
Verheugen verwies auf den bevorstehenden Wegfall der wegen der
EU-Erweiterung erlassenen Schutzregelungen für den deutschen
Arbeitsmarkt. «Wenn man nicht will, dass es dadurch zu
Lohndrückerei kommt, muss das europäische Recht auch in
Deutschland konsequent angewendet werden: Für entsandte
Arbeitnehmer gelten die Bestimmungen des Landes, in dem sie arbeiten. 20
EU-Staaten haben dieses Problem durch die Einführung von
Mindestlöhnen gelöst. Und kein einziger von ihnen hat damit
auch nur die geringsten Schwierigkeiten.»
(Quelle: ap)
In Deutschland weiter Koalitionsstreit über Mindestlohn
So.15.04.07 - Union und SPD streiten weiter über das Thema Mindestlohn. Vor der
Koalitionsrunde am Montag bekräftigte der arbeitsmarktpolitische
Sprecher der SPD, Klaus Brandner, in «Focus»: «Wir
brauchen allgemeine Mindestbedingungen.» Es sei nur ein erster
Schritt, wenn wie von Arbeitsminister Franz Müntefering
vorbereitet in bestimmten Branchen die Tariflöhne als Untergrenze
vorgegeben würden. Dem müssten weitere Schritte folgen.
«Wir werden keinen faulen Kompromiss akzeptieren», sagte
Brandner dem Nachrichtenmagazin zufolge. «Es geht um ein Signal,
dass wir Dumpingbedingungen nicht hinnehmen, die so viele ins Abseits
bringen.»
Die Union sperrt sich dagegen weiter gegen allgemeine
Mindestlöhne. CDU-Experte Ralf Brauksiepe sah die Chancen auf eine
Einigung angesichts solcher Aussagen schwinden. Die Union lasse sich
nicht unter Druck setzen. «Es bringt uns nicht näher, wenn
jetzt eine Forderung nach gesetzlichen Mindestlöhnen nachgeschoben
wird», sagte er. Brauksiepe vermutet «Focus» zufolge
beim Koalitionspartner Kräfte, die eine Einigung nicht wollen:
«Die Anzeichen mehren sich, dass hier vielleicht ein
Wahlkampfthema gemacht wird.»
(Quelle: ap)
Grüne streiten über Afghanistan-Strategie
So.15.04.07 - Im Streit bei den Grünen über die Friedenspolitik haben sich
die Wogen nicht geglättet: Auf dem kleinen Parteitag am Samstag in
Bremen kam es zu zeitweilig heftigen Diskussionen über den
Tornado-Einsatz der Bundeswehr und die deutsche Afghanistanpolitik
insgesamt. Mit großer Mehrheit verabschiedeten die Delegierten
einen Beschluss über einen fälligen
«Strategiewechsel», der neben dem zivilen Aufbau auch an
der Militärpräsenz im dem Land festhält.
Viele Redner von Parteivorstand und Bundestagsfraktion verteidigten die
mit knapper Mehrheit innerhalb der Grünen-Fraktion im Bundestag
mitbeschlossene Entsendung von Tornado-Aufklärungsflugzeugen. Man
dürfe die Menschen in Afghanistan nicht im Stich lassen, sagte die
grüne Europa-Abgeordnete und Militärexpertin Angelika Beer.
Die Grünen seien angesichts der drohenden
«Re-Talibanisierung» des Landes in der politischen
Verantwortung und dieser entziehe man sich nicht, sagte auch die
Parteivorsitzende Claudia Roth. «Es geht nicht um eine
Exit-Strategie.» Der zivile und politische Wiederaufbau habe
absolute Priorität. Dazu gehöre aber auch eine
militärische Komponente.
Die Grünen dürften kein Signal aussenden, dass sie sich auf
dem schleichenden Ausstieg aus internationalen Verpflichtungen
befänden, sagte der Vorsitzende der Heinrich-Böll-Stiftung,
Ralf Fücks. Der frühere Umweltminister Jürgen Trittin
verlangte: «Wir müssen uns eins versagen: Die Rückkehr
zu den ganz einfachen Wahrheiten wie das Nein zu allen
Auslandseinsätzen.»
Rüdiger Sagel, Abgeordneter im nordrhein-westfälischen
Landtag, meinte indes, es müsse sehr wohl über einen Abzug
aus Afghanistan debattiert werden. «Wir brauchen keine
alternative Militärstrategie, sondern eine Strategie des
Friedens.»
In dem Beschluss bekräftigen die Grünen ihre Verantwortung
für einen erfolgreichen Aufbau- und Stabilisierungsprozess in
Afghanistan. Dabei gehe es nicht um das ob, sondern das wie einer
militärischen Komponente.
Von der Bundesregierung verlangen die Grünen die Bereitstellung
von mehr Mitteln für den zivilen Aufbau über die
versprochenen 20 Millionen Euro jährlich hinaus. Die deutschen
Beiträge zum Polizeiaufbau sollten aufgestockt werden. Zudem
fordern die Grünen eine veränderte Drogenbekämpfung
durch den Aufbau alternativer Erwerbsmöglichkeiten für die
Bauern.
(Quelle: ap)
Grüne wollen 'Bürgerbewegung für Klimaschutz'
So.15.04.07 - Die Grünen werben für eine «neue Bürgerbewegung
für Klimaschutz und ökologische Gerechtigkeit».
Klimaschutz erfordere eine «Ökologisierung unserer
Lebensstile», heißt es in einem am Samstag auf dem
Grünen-Länderrat in Bremen einstimmig verabschiedeten
Leitantrag des Parteivorstandes. Darin fordern die Grünen unter
anderem ein Moratorium zum Bau von Kohlekraftwerken und ein generelles
Tempolimit von 120 Stundenkilometern auf Autobahnen. Ferner sollen
Gebäudeneubauten ab sofort Niedrigenergie-und
Nullenergiehausstandards erreichen müssen und der
Gebäudebestand bis 2030 saniert werden.
Zum Auftakt des kleinen Parteitages hatte Grünen-Chefin Claudia
Roth der Bundesregierung Versagen in der Klimaschutzpolitik vorgeworfen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lasse sich «sonntags als
Klima-Queen in Europa feiern», bremse aber werktags bei der
Klimaschutzpolitik, sagte sie. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn
fügte hinzu, die Partei werde beim Klimaschutz weiterhin als Motor
benötigt.
So soll sich die EU nach dem Willen der Grünen zur
«Solarunion» wandeln und verpflichten, die Energieversorgung
noch in diesem Jahrhundert vollständig auf erneuerbare Energien
umzustellen. Ferner wurden die Industrieländer aufgefordert, ihre
CO2-Emissionen bis 2020 um mindestens 30 Prozent zu verringern.
Für Deutschland streben die Grünen bis dahin eine Reduzierung
der CO2-Emissionen um mindestens 40 Prozent im Vergleich zu 1990 an.
Zudem fordern die Grünen in dem Länderrats-Beschluss
«europaweit ambitionierte Mindeststandards für den
Stromverbrauch von Elektrogeräten». Standby-Schaltungen
sollen nach ihren Vorstellungen künftig maximal ein Watt
verbrauchen. Mit Blick auf die Debatte um eine Verfassung für
Europa schlägt die Partei vor, darin den Klimaschutz als
«Kernaufgabe der EU» zu verankern.
(Quelle: ddp)
Oettinger bedauert 'Missverständnisse' bei Filbinger-Rede
So.15.04.07 - Der baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther
Oettinger hat "Missverständnisse" seiner umstrittene Grabrede
für seinen Vorgänger Hans Filbinger (beide CDU) bedauert. Ihm
werde vorgeworfen, dass er "die schreckliche Nazidiktatur in
irgendeiner Weise relativieren wollte. Dies entspricht nicht meiner
inneren Haltung und auch nicht der Intention meiner Rede", heißt
es in einem offenen Brief Oettingers. Die baden-württembergische
SPD-Vorsitzende Ute Vogt reagierte mit scharfer Kritik. Oettinger nehme
"keinen einzigen Satz seiner dreisten Geschichtsklitterung zurück
und bedaure lediglich formal die Wirkung seiner Worte".
Soweit Missverständnisse entstanden seien, "bedauere ich dies
ausdrücklich", heißt es in dem Brief Oettingers. Der
Ministerpräsident betont darin, für ihn sei es eine
Selbstverständlichkeit, "dass wir uns zu unserer historischen
Verantwortung bekennen". Die Opfer des Dritten Reiches und des
Widerstands seien nicht vergessen. CDU-Generalsekretär Ronald
Pofalla begrüßte in der "Bild am Sonntag" das Schreiben.
Vogt warf Oettinger vor, er versuche mit seinem Schreiben nur, die
verheerende Wirkung seiner Rede für sein Ansehen jenseits der
Landesgrenzen etwas einzudämmen, ohne den stramm
Rechtskonservativen in der Union weh zu tun. Bester Beleg dafür
seien die Äußerungen des baden-württembergischen
CDU-Landesgruppenchefs im Bundestag, Georg Brunnhuber, der Oettingers
Trauerrede nun als "Meisterprüfung" lobt. Brunnhuber hatte dem
"Focus" gesagt, die Wirkung von Oettingers Rede sei für die
"christlich-konservative Seele" nicht zu unterschätzen. "Für
unsere Anhängerschaft hat er einen ganz, ganz großen Schritt
getan. Er hat ein Tor aufgestoßen: Das wird ein Großer."
Solche Worte, so Vogt, seien ein Schlag ins Gesicht aller Demokraten.
Oettinger sei "den Anforderungen seines Amtes offenkundig nicht
gewachsen".
Zuvor hatten Politiker der Koalition in Berlin die Distanzierung
Bundeskanzlerin Angela Merkels (CDU) von Oettingers Rede
begrüßt. Merkel hatte erklärt, sie habe sich
gewünscht, "dass neben der Würdigung der großen
Lebensleistung von Ministerpräsident Hans Filbinger auch die
kritischen Fragen im Zusammenhang mit der Zeit des Nationalsozialismus
zur Sprache gekommen wären".
Der am 1. April im Alter von 93 Jahren verstorbene Filbinger war
während der Nazi-Diktatur als Marinerichter an Todesurteilen
beteiligt. Gleichwohl hatte Oettinger in seiner Trauerrede gesagt, der
Verstorbene sei "kein Nationalsozialist" gewesen, sondern vielmehr ein
"Gegner des Nazi-Regimes".
(Quelle: afp)
Muslime in Deutschland fordern Gleichstellung des Islam mit anderen
Religionen
So.15.04.07 - Der neugegründete Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland
(KRM) will eine rechtliche Gleichstellung des Islams mit anderen
Religionen erreichen. Auf der Islamkonferenz bei Bundesinnenminister
Wolfgang Schäuble (CDU) Anfang Mai solle dafür «ein
verbindlicher Fahrplan» festgelegt werden, forderte der
Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman
Mazyek, in der jüngsten Ausgabe des Nachrichtenmagazins «Der
Spiegel». Mazyeks Verband nimmt derzeit die Sprecher-Rolle in dem
aus vier muslimischen Organisationen zusammengesetzten KRM ein.
Eine Anerkennung als gleichberechtigte Religionsgemeinschaft sei
wichtig, damit die Länder in die Pflicht genommen würden,
«endlich flächendeckend Islamunterricht in Schulen
anzubieten», begründete Mazyek die Forderung. Außerdem
strebe KRM den Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts
an, der zum Beispiel Kirchen Vergünstigungen im Steuer- und
Baurecht einräumt. Für die Verleihung dieses Status, der unter
anderem eine gute Organisation und Rechtstreue voraussetzt, sind die
Länder zuständig.
Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums betonte indes, auf der
Islamkonferenz müsse «mit Vorrang» besprochen werden,
wie kurzfristig Probleme im Zusammenleben ausgeräumt werden
könnten - etwa das Fehlen muslimischer Mädchen beim Schwimm-
und Biologieunterricht.
(Quelle: ddp)
Demonstration gegen Speicherung von Telekommunikationsdaten
So.15.04.07 - Bürgerrechtler haben am Samstag in Frankfurt am Main gegen ein
geplantes Bundesgesetz zur massenhaften Speicherung von
Telekommunikationsdaten demonstriert. An dem friedlichen Protestmarsch
durch die Innenstadt der Bankenmetropole nahmen insgesamt rund 1.000
Menschen teil, wie die Polizei mitteilte. Zum Protest hatte der
«Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung» aufgerufen. Die
Speicherung ist Bestandteil eines vom Bundesjustizministerium
vorgestellten Gesetzesentwurfs zur Neuordnung von
Ermittlungsmaßnahmen im Strafverfahren. Damit soll eine
EU-Richtlinie umgesetzt werden.
Die Bürgerrechtler sind der Meinung, dass die Speicherung von
Telekommunikationsdaten wie E-Mails der Bevölkerung keinen
verbesserten Schutz vor Kriminalität biete und die
Privatsphäre Unschuldiger gefährde. Für den Fall, dass
das Gesetz verabschiedet wird, haben die Bürgerrechtler nach
eigenen Angaben eine Sammelklage vorbereitet, an der sich bereits 3.000
Bürger beteiligt haben.
(Quelle: ap)