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Irak am tausendeinundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Blutiges Wochenende im Irak kostet 150 Menschen das Leben. Al-Sadrs
politische Bewegung will irakische Regierung verlassen
Mo.16.04.07 - Die andauernde Gewalt hat am Wochenende im Irak wieder etwa 150
Menschen das Leben gekostet. Allein in Kerbela südlich von Bagdad
kamen am Samstag bei der Explosion einer Autobombe an einem Busbahnhof
mindestens 47 Menschen ums Leben. 224 wurden verletzt, wie die
Behörden mitteilten. Der Anschlag ereignete sich nur rund 200
Meter entfernt vom Immam-Hussein-Schrein, einem der größten
Heiligtümer der Schiiten. Die Stadt war seit dem Einmarsch der
US-Truppen vor vier Jahren mehrfach Ziel von Gewalttaten.
In Bagdad detonierten am Sonntag zwei Autobomben binnen weniger Minuten
auf einem belebten Markt im überwiegend von Schiiten bewohnten
südwestlichen Stadtteil Schurta Rabia. Mindestens 18 Menschen
wurden nach Polizeiangaben getötet. Im zentralen Stadtteil Karrada
explodierte ein Sprengsatz in einem geparkten Kleinbus, mindestens elf
Menschen kamen ums Leben. Nach Einbruch der Dunkelheit detonierten im
selben Viertel im Abstand von fünf Minuten zwei weitere Bomben.
Mindestens acht Menschen wurden nach Polizeiangaben getötet und 23
verletzt. Im Nordwesten der Hauptstadt sprengte sich ein
Selbstmordattentäter in einem weiteren Kleinbus in die Luft und
riss mindestens acht Menschen mit sich in den Tod.
Wie eine Erhebung der Nachrichtenagentur AP ergab, ist seit Beginn der
Sicherheitsoffensive in Bagdad die Zahl der dortigen Gewaltopfer
zurückgegangen. Außerhalb der Hauptstadt stieg die Zahl
dagegen an, weil die Aufständischen ihre Aktivitäten offenbar
verlagert haben. In den zwei Monaten vor der Offensive gab es in Bagdad
2.871 zivile Opfer, vom 14. Februar bis 12. April waren es 1.586.
Außerhalb der Hauptstadt stieg die Zahl der zivilen Opfer in den
gleichen Zeiträumen aber von 1.009 auf 1.504.
In Tadschi nördlich von Bagdad stürzten zwei
US-Militärhubschrauber ab. Dabei seien zwei Soldaten getötet
und fünf verletzt worden, erklärte die Armee.
Eine Untersuchung soll nun die Absturzursache klären, allerdings
deuteten erste Erkenntnisse auf eine Kollision hin. Ein Beschuss
könne vermutlich ausgeschlossen werden, hieß es. In der
Gegend um Tadschi sind US-Flugzeuge und Hubschrauber allerdings bereits
öfters beschossen worden. Seit Mitte Januar sind im Irak bereits
zwölf US-Hubschrauber abgestürzt, etliche nach Beschuss durch
Aufständische.
Die politische Bewegung des schiitischen Predigers Muktada al-Sadr hat
ihren Austritt aus der irakischen Regierung von Ministerpräsident
Nuri al-Maliki angekündigt. Die Gruppierung werde ihre sechs
Minister heute zurückziehen, weil sich al-Maliki weigere einen
Plan für den Abzug der ausländischen Truppen aufzustellen.
Das sagte ein führender Politiker der Gruppierung der irakischen
Nachrichtenagentur Aswat al-Irak. Al-Sadrs Bewegung gehören 30 der
275 Mitglieder des irakischen Parlaments an.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.112004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 16.04.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertsiebenundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.16.04.06 - Irakische Schiiten legen Kompromissvorschlag zu Regierungsbildung vor +++
Bei neuer Gewalt mindestens zehn Iraker getötet +++
Bis das Öl uns scheidet - Die USA errichten permanente
Militärbasen im Irak +++ Diskussion um Amtsführung von US-Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld reißt nicht ab. Präsident George W. Bush
spricht dem umstrittenen Minister demonstrativ das Vertrauen aus.
Rumsfeld selbst schließt Rücktritt aus und weist die Kritik von
inzwischen sechs pensionierten Generälen an seiner
Amtsführung und Versäumnissen beim Irak-Einsatz zurück.
Oppositionelle Demokraten fordern Entlassung des Ministers...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0604160.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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US-Soldaten töten zehn Zivilisten in Afghanistan
Mo.16.04.07 - Amerikanische Soldaten haben einem vorläufigen
Untersuchungsbericht des US-Militärs zufolge nach einem
Selbstmordanschlag in Afghanistan unschuldige Zivilisten erschossen.
Insgesamt seien bei dem Vorfall Anfang März zehn Afghanen
getötet und 33 verletzt worden, berichtete die «Washington
Post» am Sonntag unter Berufung auf General Frank Kearney.
Das Blatt zitierte Kearney, der das Zentralkommando für
Spezialoperationen leitet, mit den Worten, bei den Ermittlungen
hätten sich keine Beweise dafür gefunden, dass die Soldaten
nach dem Bombenanschlag unter Beschuss gekommen seien, wie sie es
selbst berichtet hatten. Dem General zufolge sind inzwischen
strafrechtliche Ermittlungen aufgenommen worden, die zu
Militärgerichtsverfahren führen könnten. Das Blutbad
hatte sich am 4. März ereignet, als die Einheit von
US-Marineinfanteristen von Dschalalabad aus in einem Konvoi auf
Patrouille unterwegs war.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Treffen zwischen Israels Ministerpräsident Olmert und
Palästinenserpräsident Abbas. Bombenanschläge auf
christlichen Buchladen und Internet-Cafés im Gazastreifen
Mo.16.04.07 - Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert und
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas haben am Sonntag zu
Beginn einer Serie von geplanten Treffen die Strukturen eines
künftigen Palästinenserstaats erörtert.
Zu Beginn ihres Gesprächs in Jerusalem waren weitere
Repräsentanten beider Seiten anwesend, darunter der
palästinensische Unterhändler Sajeb Erekat und der
israelische Verteidigungsminister Amir Perez. Olmert bekräftigte
am Sonntag während der wöchentlichen Kabinettssitzung, er sei
zu Gesprächen über die arabische Friedensinitiative bereit.
Sie sieht einen israelischen Rückzug auf die Grenzen von 1967 im
Gegenzug für eine Normalisierung der Beziehungen mit den
arabischen Nachbarstaaten vor. Die israelische Außenministerin
Zipi Liwni reiste am Sonntag nach Jordanien, um Gespräche
über die Initiative zu führen.
Olmerts Beraterin Miri Eisin sagte, bei dem Treffen des Regierungschefs
mit Abbas sei unter anderem um den wirtschaftlichen Aufbau eines
Palästinenserstaates gesprochen worden. Olmert wollte dabei jedoch
nicht über die Kernfragen des israelisch- palästinensischen
Konflikts verhandeln - wie den künftigen Grenzverlauf, die
palästinensischen Flüchtlinge und den Status Jerusalems.
Hintergrund ist die Weigerung der palästinensischen
Einheitsregierung, das Existenzrecht Israels anzuerkennen. Weitere
Gesprächsthemen waren nach Angaben Eisins humanitäre Fragen
sowie der Grenzverkehr und die Blockaden im Westjordanland.
US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte nach ihrer Nahost-Reise
im vergangenen Monat die Serie von Treffen zwischen Olmert und Abbas
angeregt. Die beiden Politiker wollten sich von nun an etwa alle zwei
Wochen treffen.
Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija
bekräftigte unterdessen am Sonntag die Absicht der
Einheitsregierung von Hamas und Fatah, das Sicherheitschaos in den
Palästinensergebieten zu beenden. Er rief das Volk auf, einen
neuen Sicherheitsplan für den Gazastreifen und das Westjordanland
zu unterstützen.
Die Regierung hatte den Plan, der drei Stufen enthält, am Samstag
verabschiedet. Zunächst wollen die Sicherheitskräfte
schärfer gegen Verkehrsvergehen, Kriminalität und
Drogenhandel vorgehen. Danach sollen sich die Bemühungen darauf
konzentrieren, inner- palästinensische Kämpfe zu unterbinden
und die regulären Polizeitruppen sowie die rivalisierende
Hamas-Polizeimiliz zu einer gemeinsamen Organisation
zusammenzufügen. Vor der Bildung einer Einheitsregierung von Hamas
und Fatah im vergangenen Monat hatten sich beide Organisationen
monatelang blutige Straßenkämpfe geliefert.
Im Gazastreifen sind am Sonntagmorgen drei Bombenanschläge auf
einen christlichen Buchladen und zwei Internet-Cafés verübt
worden. Verletzt wurde niemand, wer für die Taten verantwortlich
war, war zunächst nicht bekannt. Zu ähnlichen Anschlägen
auf Internet-Cafés und Musikgeschäfte in den vergangenen
Monaten im Gazastreifen bekannte sich eine Gruppe islamischer
Extremisten mit der Bezeichnung «Schwerter der Wahrheit».
Der Buchladen wurde von amerikanischen Protestanten gegründet.
(Quelle: ap)
Neue Hoffnung für sudanesische Krisenregion Darfur
Mo.16.04.07 - Der Sudan hat nach einem Bericht der amtlichen saudi-arabischen
Nachrichtenagentur SPA mit den Vereinten Nationen und der Afrikanischen
Union (AU) ein Abkommen über die sudanesische Krisenregion Darfur
unterzeichnet. In der Vereinbarung werden dem Bericht zufolge die
jeweiligen Rollen der sudanesischen Regierung und der internationalen
Organisationen festgelegt. Einzelheiten der Vereinbarung wurden
zunächst nicht bekannt. Eine UN-Sprecherin in New York
erklärte, sie könne den Bericht nicht umgehend
bestätigen.
Der sudanesische Präsident Omar al Baschir habe den saudischen
König Abdullah am Sonntag telefonisch über die
Vertragsunterzeichnung informiert, meldete SPA weiter. König
Abdullah habe erklärt, das Abkommen werden im Sudan
«Einheit, Sicherheit, Stabilität und Frieden»
unterstützen. Abdullah hatte bei einem arabischen Gipfel Ende
März in Riad stundenlang mit Baschir und UN-Generalsekretär
Ban Ki Moon über Darfur gesprochen.
Die immer kritischer werdende Lage in Darfur wird auch
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier beschäftigen,
der in der Nacht zum Montag in New York eingetroffen ist. Steinmaier
wollte mit UN-Generalsekretär Ban zusammenkommen, auch ein Treffen
mit dem Vorsitzenden der Kommission der Afrikanischen Union, Alpha
Oumar Konaré, war vorgesehen.
Bei den Gesprächen mit Ban stehen mögliche eigene Sanktionen
der EU gegen die Regierung in Khartum auf dem Programm, wenn sie sich
weiterhin dem wirksamen Einsatz einer gemeinsamen Friedenstruppe von
Vereinten Nationen und Afrikanischer Union widersetzt. Dem Konflikt in
Darfur sind schon mehr als 200.000 Menschen zum Opfer gefallen, mehr
als 2,5 Millionen wurden zu Flüchtlingen.
Ban hatte vor kurzem die Vereinigten Staaten und Großbritannien
gebeten, mit ihrem geplanten Vorstoß für verschärfte
Sanktionen gegen den Sudan zu warten. Ban brauchte nach eigenen Angaben
mehr Zeit, um die Regierung in Khartum dazu zu bewegen, der
Stationierung einer UN-Friedenstruppe in Darfur zuzustimmen. Im
Gespräch war eine UN-Unterstützung für die
geschwächte Friedenstruppe der Afrikanischen Union.
(Quelle: ap)
Iran will zwei weitere Atomkraftwerke bauen
Mo.16.04.07 - Ungeachtet der internationalen Missbilligung seines Atomprogramms hat
der Iran Pläne zum Bau von zwei weiteren Kernkraftwerken bekannt
gegeben. Darin sollen Leichtwasserreaktoren eingesetzt werden, die
jeweils bis zu 1.600 Megawatt Strom erzeugen könnten, wie der
stellvertretende Chef der iranischen Atombehörde, Ahmad
Fajjasbachsch, am Sonntag in Teheran mitteilte. Demnach würde jede
Anlage umgerechnet etwa 1,25 Milliarden Euro Kosten und soll binnen elf
Jahren gebaut werden.
Die neuen Reaktoren sollen laut Fajjasbachsch im Süden des Landes
unweit des nahezu fertigen Atomkraftwerks Buscher entstehen. Dieses wird
mit russischer Hilfe gebaut. Die Inbetriebnahme wird sich allerdings
verzögern, weil Russland mit der Begründung ausstehender
Rechnungen Teherans Brennstofflieferungen zurückgehalten hat. In
Arak in der Landesmitte baut der Iran zurzeit ein weiteres
Atomkraftwerk mit einem Schwerwasserreaktor eigenen Typs. Eine weitere
Anlage ist in Darchowin im iranischen Südwesten im Entstehen.
(Quelle: ap)
G7 empfiehlt Atomkraft als Alternative zu fossilen Energien
Mo.16.04.07 - Angesichts der Preis- und Lieferrisiken bei fossilen
Energieträgern empfiehlt die Gruppe der sieben größten
Industrieländer (G7) unter anderem auch die Nutzung von Atomkraft.
Der französische Finanzminister Thierry Breton wertete es in
Washington als Erfolg seiner Bemühungen, dass sich die
G-7-Finanzminister zum Abschluss ihrer Beratungen in Washington in einer
gemeinsamen Erklärung für Nuklearenergie als eine
mögliche Alternative zu Öl, Gas und Kohle aussprachen. Bei den
vorangegangenen G-7-Ministertreffen war eine solche Empfehlung vor
allem am Widerstand Deutschlands gescheitert.
Das deutsche Finanzministerium teilte jedoch mit, es gebe in dieser
Frage keinen Kurswechsel auf deutscher Seite. In dem
Abschlusskommuniqué der G-7-Minister heißt es: "Die
Diversifizierung (der Energieversorgung) kann fortschrittliche
Technologien einschließen wie etwa erneuerbare Energie, Atomkraft
und saubere Kohle." Die breitere Grundlage für die
Energieversorgung ist nach Ansicht der G7 nötig, weil die
Schwankungen der Ölpreise ein großes wirtschaftliches Risiko
bergen. Zudem wird die Abhängigkeit von Öl- und Gaslieferanten
wie Russland, dem Iran und Venezuela als Problem gesehen.
Laut Breton wurde der Beschluss "einmütig" gefasst. Frankreich
wirbt im Kreis der G7 seit langem für eine stärkere
Unterstützung der Atomkraft, in der es eine saubere Alternative zu
den klimaschädigenden fossilen Energien sieht. "Ich habe viel
Energie in dieses Thema gesteckt", sagte Breton.
Ein Sprecher des deutschen Finanzministeriums sagte mit Blick auf den
G-7-Beschluss, an der deutschen Haltung zur Atomkraft habe sich nichts
geändert. Das gilt demnach auch für die Entscheidung für
einen Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft. Insofern spiegele die
Erklärung der G7 auch die Bandbreite wider, die es im Kreis der
beteiligten Staaten gebe. Für Deutschland hatte
Finanzstaatssekretär Thomas Mirow (SPD) an dem Treffen
teilgenommen. Er vertrat Ressortchef Peer Steinbrück (SPD), der
sich im Urlaub in Namibia befand.
(Quelle: afp)
Jangtse in China teils irreversibel von Umweltverschmutzung
zerstört
Mo.16.04.07 - Der Jangtse in China, Wasserreservoir für dutzende von Millionen
Menschen, ist schwer und teils unwiderruflich von Umweltverschmutzung
zerstört. Das berichtete die amtliche Zeitung «China
Daily» am Montag unter Berufung auf einen Bericht von
Wissenschaftlern unter Schirmherrschaft der chinesischen Akademie der
Wissenschaft. Der Fluss ist dem Bericht zufolge auf über 600
Kilometer Länge in einem kritischen Zustand, fast jeder dritte
seiner Zuflüsse ist ernsthaft verschmutzt.
«Die Auswirkungen menschlichen Handelns auf die
Wasserökologie des Jangtse sind zu einem großen Teil
irreversibel», heißt es in dem Bericht. Der Jangtse umfasst
gut ein Drittel der chinesischen Süßwasserreserven. Als
Verschmutzungsquellen werden unter anderem Pestizide und Dünger
aus der Landwirtschaft genannt.
(Quelle: ap)
Trick-Polizisten sollen in China auf Webseiten 'patrouillieren'
Mo.16.04.07 - Zeichentrick-Polizisten sollen in China künftig auf
größeren Internetseiten und Online-Foren
«patrouillieren». Mit den behördlich programmierten
Figuren will die Regierung «schädliches Material und
Informationen» ausfiltern, berichteten staatliche Medien am
Samstag.
Seiten mit Online-Spielen, Pornografie oder Betrug seien die Topziele
der Kampagne. «Das bloße Erscheinen dieser schwebenden
Figuren wird die Leute daran erinnern, dass diese Seiten unter
Beobachtung sind», sagte Lu Benfu, ein Internetexperte der
Regierung.
Die computeranimierten männlichen und weiblichen Polizisten
hätten sich in der Provinz Shenzhen bereits bewährt und sollen
Ende Juni im ganzen Land eingeführt werden, zitierte die Agentur
Xinhua Behörden. In Shenzhen gleiten seit vergangenem Jahr die
zwei lächelnden Uniformierten namens Jingjing undd Chacha
über die Seiten.
In China wachen tausende Kontrolleure aller Art über die Inhalte
im weltweiten Netz. Die Regierung versucht, Seiten über sensible
politische Themen und soziale Fragen auf einer Linie mit der Ideologie
der kommunistischen Partei zu halten. Zahlreiche kleine
Internetcafés mussten schließen. Es wird geschätzt,
dass in China rund 137 Millionen Menschen das Internet nutzen.
(Quelle: dpa)
Deutschland
G8-Gipfelkritiker starten die 'heiße Phase'
Mo.16.04.07 - Die Vorbereitung für die Protestaktionen rund um den G8-Gipfel im
Juni in Heiligendamm gehen in die «heiße Phase». Am
Wochenende diskutierten rund 400 Gipfelkritiker aus allen Teilen
Deutschland die Feinplanung für das Konzept des Gegengipfels und
probten einzelne Aktionen auch ganz praktisch. Mit einer provisorischen
Straßenblockade und einem «Zaunspaziergang» lieferten
sie einen Vorgeschmack auf das geplante Programm in der ersten
Juniwoche. Die Aktivitäten wurden von einem Großaufgebot der
Polizei begleitet, es kam jedoch zu keinen Auseinandersetzungen.
Rund 300 Demonstranten liefen am Sonntag einen Teil des kilometerlangen
Sicherheitszaunes bis zur Ostseeküste ab. Schon bei der
Vorbereitung der angemeldeten Demonstration hatte es Konflikte zwischen
Polizei und Aktivisten gegeben, die in mehreren Platzverweisen für
die Gipfelkritiker endeten. Zum Zug der
«Zaunspaziergänger» gehörten unter anderem
Stelzenläufer in der Verkleidung von Bolzenschneidern, es blieb
jedoch bei der Anspielung, den Zaun zu beschädigen, wie die
Polizei mitteilte. Es seien weder Platzverweise ausgesprochen oder
Personen festgenommen worden, hieß es aus dem Lagezentrum.
Zuvor hatten einige Demonstranten die Zufahrtsstraße blockiert,
während andere Aktivisten in die Rolle von Polizisten
schlüpften und sich in der Räumung der Straße
versuchten. Das Rollenspiel habe nur wenige Minuten gedauert, sagte ein
Polizeisprecher, es sei für beide Seiten sehr lehrreich gewesen.
Strategien des «zivilen Ungehorsams» zu testen, die nicht
zur Eskalation führten, war auch eines der erklärten Ziele
der Aktivisten, wie zuvor auf der dritten internationalen
Aktionskonferenz in Rostock betont wurde. Die Zusammenarbeit zumindest
mit den Kommunen sei inzwischen gut und fast freundschaftlich, sagte
Monty Schädel vom Rostocker Aktionsbündnis. Jedoch fehle es
noch an finanzieller Unterstützung des Protestes.
Die Aktionen würden in ehrenamtlicher Arbeit tausender Mitstreiter
vorbereitet, betonten die Veranstalter. Bundesweit seien bereits 600
Veranstaltungen organisiert worden, um den Protest gegen die Politik
der G8-Staaten ins Land zu tragen und um Unterstützung zu werben.
Allein die Durchführung der Großdemonstration am 2. Juni in
Rostock werde rund 200 000 Euro kosten, jedes der drei geplanten Camps
schlage mit 130 000 Euro zu Buche.
Nach rund zweijähriger Planung stehe das Programm der
Protestaktionen rund um den Gipfel in Heiligendamm, sagte Christoph
Kleine von den Veranstaltern der Aktionskonferenz. Jetzt gehe es um die
Feinplanung und um Details der Camps, der Großdemonstration, der
kirchlichen Veranstaltungen wie der Gebetskette, der Blockade des
Veranstaltungsortes in Heiligendamm sowie des Flughafens Rostock-Laage.
«Wir werden großartige, breite, bunte, aber auch
entschlossene Proteste im Juni erleben», sagte Kleine. Gerechnet
wird mit insgesamt rund 100 000 Teilnehmern, allein für die Camps
haben sich bereits bis zu 20 000 Demonstranten angemeldet.
(Quelle: ddp)
Zentralrat der Juden fordert Oettingers Rücktritt
Mo.16.04.07 - Seine nachträgliche Erklärungen zur Trauerrede für Hans
Filbinger haben Baden-Württembergs Ministerpräsident
Günther Oettinger (CDU) am Wochenende keine Luft verschafft.
SPD und Grüne wiesen Oettingers Beteuerung als unzureichend
zurück, er habe mit der Würdigung des CDU-Amtsvorgängers
die Nazi-Zeit nicht in irgendeiner Weise relativieren wollen. Der
SPD-Vorsitzende Kurt Beck warf dem Stuttgarter Regierungschef vor,
«am äußersten rechten Rand zu fischen», und
forderte eine Richtigstellung. Der Zentralrat der Juden in Deutschland
verlangte Oettingers Rücktritt. Zustimmung erhielt der
CDU-Politiker dagegen aus seiner eigenen Partei.
Bei der Trauerfeier am Mittwoch hatte Oettinger gesagt, Filbinger sei
«kein Nationalsozialist» gewesen, sondern «ein Gegner
des NS- Regimes». Im Südwestrundfunk (SWR) sagte Oettinger
am Sonntag: «Ich glaube, dass Hans Filbinger ein Gegner der
Diktatur gewesen war.» Filbinger habe nicht wie andere die Kraft
zum offenen Widerstand gehabt. Er habe sich verhalten wie Millionen
andere, habe dem Regime aber kritisch gegenüber gestanden.
Nach SWR-Angaben nannte es Oettinger bedauerlich, wenn seine
Würdigung bei NS-Opfern und deren Angehörigen zu dem
Missverständnis geführt habe, er wolle beschönigen.
Bereits in seiner schriftlichen Erklärung am Samstag hatte
Oettinger «Missverständnisse» im Zusammenhang mit der
Traueransprache bedauert. Am Freitag hatte die CDU-Vorsitzende Angela
Merkel ihn wegen der Rede öffentlich gerügt.
Beck sagte: «Herr Filbinger war Marinerichter, Ankläger, hat
dazu beigetragen, dass es noch wenige Tage vor Kriegsende zu
Ermordungen - anders kann man das nicht sagen - von jungen Menschen
gekommen ist.» Oettinger müsse klar Position beziehen,
forderte Beck am Sonntag in Mainz. «Mein Eindruck ist und bleibt:
Es ging darum, am äußersten rechten Rand zu fischen, und das
ist gründlich daneben gegangen.» Das müsse Oettinger
jetzt einräumen «und in Ordnung bringen».
Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer,
sagte dem «Tagesspiegel» (Montag) zu Oettingers
nachträglicher Erklärung: «Er hat die ganze
Angelegenheit sogar noch verschlimmert.» Es bleibe nur eine
Konsequenz: «Er muss von seinem Amt zurücktreten.» Bei
einer Gedenkfeier im ehemaligen NS-Konzentrationslager Bergen- Belsen
bei Celle sagte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinden von
Niedersachsen, Michael Fürst, am Sonntag vor 700 Gästen,
Oettingers Trauerrede sei «Wasser auf die Mühlen von Alt-
und Neonazis». Oettinger solle in Zukunft allen
Holocaust-Gedenkfeiern fernbleiben.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte der «Bild am
Sonntag»: «Der Respekt vor den Opfern der Nazis verlangt,
dass er seine Äußerung, Herr Filbinger sei ein NS-Gegner
gewesen, zurücknimmt.» Baden-Württembergs SPD-Chefin
Ute Vogt forderte am Sonntag, Oettinger müsse sich
unmissverständlich korrigieren. «Ohne ein deutliches Wort
der Entschuldigung und der Richtigstellung ist Oettinger im Amt des
Ministerpräsidenten nicht länger tragbar.» Die
Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sagte der «Welt am
Sonntag», sie erwarte von Oettinger eine «ebenso eindeutige
Klarstellung und eine deutliche Entschuldigung». Oettinger habe
die historischen Fakten verdreht und Filbingers Rolle während der
Nazizeit verharmlost.
Nach tagelanger massiver Kritik hatte Oettinger am Samstag in einem
«Offenen Brief» geschrieben: «Die Rede war in erster
Linie an die Familie des Verstorbenen und an die Trauergemeinde (...)
gerichtet.» Es sei für ihn wie die CDU
selbstverständlich, «dass wir uns zu unserer historischen
Verantwortung bekennen».
Die Landesvorsitzende von Oettingers Koalitionspartner FDP, Birgit
Homburger, sagte: «Es ist gut, dass Ministerpräsident
Günther Oettinger dem Rat gefolgt ist, sich zu
erklären.» Angesichts der Zerstrittenheit der CDU sei es
offenbar unmöglich, eine deutlichere Klarstellung zu Filbingers
Rolle in der NS-Zeit abzugeben.
Zustimmung erhielt Oettinger aus der CDU. Ihr Generalsekretär
Ronald Pofalla bewertete den Offenen Brief positiv. «Es ist gut
und richtig, dass Günther Oettinger diese Erklärung abgegeben
hat», sagte er der «Bild am Sonntag». Der
Fraktionschef der baden- württembergischen Landtags-CDU, Stefan
Mappus, bezeichnete die Diskussion als «in der Hauptsache
ideologisch motiviert».
In Berlin reagierten Politiker mit Unverständnis auf einen am
Dienstag geplanten katholischen Gedenkgottesdienst für Filbinger.
Es sei nicht nachvollziehbar, warum ein solcher Gottesdienst in Berlin
veranstaltet werde, sagte der SPD-Landesvorsitzende Michael Müller
dem «Tagesspiegel» (Sonntag). Das Erzbistums Berlin
erklärte, es gehe nicht darum, Filbingers Beteiligung an
Todesurteilen «zu beschönigen». Prälat Wolfgang
Knauft wolle in einer Ansprache daran erinnern, dass Filbinger als
Marinerichter den Berliner Priester Karl Heinz Möbius vor der
Vollstreckung eines Todesurteils bewahrt habe.
(Quelle: dpa)
Bundesregierung will Schwerpunkt in Altersforschung setzen
Mo.16.04.07 - Die Bundesregierung startet eine Forschungsoffensive zu Gunsten von
alten und demenzkranken Menschen. «Forschungspolitik ist
Gesellschaftspolitik. Deshalb setzen wir Schwerpunkte in der
Altersforschung», schreibt Bundesforschungsministerin Annette
Schavan (CDU) in einem Gastbeitrag der «Bild am Sonntag».
«Das Bundesforschungsministerium setzt dafür in den kommenden
Jahren mehr als 90 Millionen Euro ein.»
Als Beispiel nannte sie einen Förderschwerpunkt «Gesundheit
im Alter». Schavan verwies darauf, dass in Deutschland eine
Million Frauen und Männer demenzkrank sind. «Die Zahl wird in
unserer alternden Gesellschaft weiter ansteigen», sagte die
Ministerin. «Oft werden Klagen über falsche oder
unzureichende Behandlung dieser Menschen laut. Missstände
müssen benannt und behoben werden. Das verlangt die Achtung vor der
Würde jedes Menschen.»
(Quelle: ddp)