Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendzweiundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
UN rücken Schicksal irakischer Flüchtlinge in den Blickpunkt.
Tausende radikale Schiiten protestieren in Basra gegen Provinzregierung.
Minister des radikalen Schiiten Al Sadr verlassen Regierung. 13
irakische Soldaten bei Anschlag getötet. US-Streitkräfte melden Tod
von sieben US-Soldaten im Irak
Di.17.04.07 - Amnesty International fordert von der EU und den USA ein Konzept zum
Schutz und zur Versorgung Millionen irakischer Flüchtlinge. Nur
schnelles Handeln könne «eine neue humanitäre
Krise» abwenden, erklärte die Menschenrechtsorganisation am
Montag anlässlich der bevorstehenden Irak-Konferenz des UNHCR.
Jordanien und Syrien, die als Nachbarländer die Hauptlast tragen,
müssten bei der Versorgung der Flüchtlinge finanziell und
technisch unterstützt werden.
Mehr als 450 Delegierte aus rund 60 Ländern sowie zahlreiche
Hilfsorganisationen beschäftigen sich heute und am Mittwoch in Genf
mit der Problematik. Veranstalter der Konferenz ist das
UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR). Zum ersten Mal werde der
außerhalb der Region kaum beachtete Exodus international
erörtert, sagte UNHCR-Sprecher Ron Redmond.
Bis zu 50.000 Menschen fliehen jeden Monat aus dem Irak, bislang rund
zwei Millionen. Weitere 1,9 Millionen Iraker sind innerhalb des Landes
auf der Flucht. Jordanien hat bereits 750.000 irakische Flüchtlinge
aufgenommen, was rund 14 Prozent seiner Bevölkerung entspricht. In
Syrien halten sich nach Schätzungen mehr als eine Million Menschen
aus dem Irak auf.
Amnesty International (ai) beklagte, dass viele Flüchtlinge
mittlerweile verarmt und auf Hilfe angewiesen seien. In Jordanien
hätten sie beispielsweise keine Arbeitserlaubnis und müssten
von ihren Ersparnissen leben.
Die internationale Gemeinschaft und die EU müssten
«irakische Flüchtlinge schützen und unterstützen,
wo immer sie sich aufhalten», forderte die deutsche ai-Sektion am
Montag. Die deutsche Regierung verfolge allerdings ein gegenteiliges
Programm: Gegen 20.000 anerkannte irakische Flüchtlinge sei ein
Widerrufsverfahren eingeleitet worden. Abschiebungen in den Nordirak
hätten bereits begonnen. Diese Politik sei «nicht nur
menschenrechtswidrig, sondern zynisch und zutiefst
beschämend», kritisierte ai-Expertin Ruth Jüttner.
Tausende von Anhängern des radikalen Schiiten-Führers Muktada
al-Sadr haben am Montag in der südirakischen Hafenstadt Basra gegen
die Provinzverwaltung protestiert. Sie forderten den Rücktritt von
Gouverneur Mohammed al-Waili.
In Basra herrschte nach Angaben von Einwohnern am Montag große
Sorge, dass die Proteste in einen größeren Konflikt zwischen
den verschiedenen schiitischen Parteien ausarten könnten.
«Bis jetzt sind die Proteste gewaltfrei», sagte ein
Augenzeuge. Die Demonstranten, zu denen auch Anhänger der
schiitischen Regierungspartei Hoher Rat für die Islamische
Revolution im Irak (SCIRI) gehörten, zogen vor mehrere Gebäude
der Provinzverwaltung, aus denen Regierungsvertreter aus Angst vor
Unruhen am Vortag alle wichtigen Dokumente entfernt hatten.
Parlamentspräsident Mahmud al-Maschhadani hatte die Einwohner von
Basra am Sonntag dringend davor gewarnt, sich dem Demonstrationszug
anzuschließen.
Mit dem Rückzug von sechs Ministern des radikalen Predigers
Muktada al Sadr aus der Regierung hat der irakische
Ministerpräsident Nuri al-Maliki einen wichtigen Rückhalt
verloren. Die Minister verließen am Montag das Kabinett, weil
Al-Maliki sich nicht auf einen Zeitplan für den Rückzug der
amerikanischen Truppen festlegen will.
Der Schritt schürte Befürchtungen, dass die Miliz des
radikalen Schiiten den Kampf gegen die US-Streitkräfte fortsetzen
könnte. Al Sadr hatte seinen Milizionären zu Beginn der
Sicherheitsoffensive im Februar befohlen, ihre Waffen zu verstecken und
sich von den Straßen fern zu halten.
Für ein neues Aufflammen der Gewalt gab es bereits erste Hinweise:
Am Sonntag wurden in Bagdad die Leichen von 30 Irakern entdeckt, von
denen die meisten gefoltert worden waren. Diese Gewaltakte werden
schiitischen Todesschwadronen mit Verbindungen zur Al-Sadr-Miliz
zugeschrieben, zuletzt war die Zahl solcher Morde auf bis zu fünf
pro Tag gesunken.
Al-Maliki erklärte zu der Forderung nach einem Zeitplan für
den Rückzug ausländischer Truppen, dieser hänge von der
Fähigkeit der irakischen Sicherheitskräfte ab, landesweit
selbst für Sicherheit sorgen zu können. Ein weiterer Grund
für den Rückzug al Sadrs waren Festnahmen von
Führungsmitgliedern seiner Mahdi-Armee im Rahmen der US-irakischen
Offensive in Bagdad.
Bei einem Anschlag auf einen Kontrollpunkt im nordirakischen Mossul
kamen derweil mindestens 13 Soldaten ums Leben. Die Polizei
erklärte, weitere vier Soldaten seien verletzt worden, als
Dutzende in einem Lastwagen versteckte Bewaffnete ihren Kontrollpunkt
angriffen.
Die US-Streitkräfte haben am Montag den Tod von weiteren sieben
US-Soldaten im Irak bekanntgegeben. Zwei Marineinfanteristen kamen
demnach am Montag bei Gefechten in der Provinz Anbar ums Leben, ein
Soldat wurde im Süden Bagdads von einer Bombe getötet. Ein
weiterer Soldat wurde ebenfalls im Süden Bagdads von einer Bombe
getötet, ein Soldat wurde während einer Patrouille
tödlich von Schüssen verletzt. Zwei weitere Soldaten wurden
bereits am Samstag bei einer Bombenexplosion in Falludscha getötet.
(Quellen: dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.112004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 17.04.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertachtundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.17.04.06 - Geplante Sitzung des irakischen Parlaments um mehrere Tage verschoben +++
Mindestens 30 Tote bei Anschlägen und Gefechten +++ Sechs Tote bei
US-Razzia südlich von Bagdad +++ Ex-NATO-General Clark fordert Rumsfelds Rücktritt.
Clark wirft Rumsfeld und US-Vizepräsident Dick Cheney vor, sie
hätten die USA im Irak in einen Krieg verwickelt, der mit dem
Kampf gegen den Terrorismus "nichts zu tun" gehabt habe...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0604170.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
|
Afghanistan: Neun Polizisten in Kundus getötet, Bundeswehr nicht
betroffen
Di.17.04.07 - Bei einem Selbstmordanschlag auf einem Trainingsgelände der
Polizei im nordafghanischen Bundeswehr-Standort Kundus sind mindestens
neun afghanische Polizisten getötet worden.
25 weitere Beamte seien verletzt worden, als der Attentäter seine
Sprengstoffweste inmitten einer Ausbildungseinheit nahe des
Polizei-Hauptquartiers in Kundus-Stadt zündete, sagte ein Sprecher
des Einsatzführungskommandos in Potsdam. Während des Anschlags
am Montag war eine Bundeswehr-Patrouille in der Stadt. Soldaten kamen
nach Angaben der Bundeswehr nicht zu Schaden. Deutsche Polizeiausbilder
sind derzeit nicht in Kundus eingesetzt.
Nach Darstellung des Einsatzführungskommandos war die Bundeswehr
nicht das Ziel des Anschlags. Afghanische Experten vermuteten einen
kriminellen Hintergrund der Tat, zu der sich zunächst niemand
bekannte. Der Sprecher des Bundeswehr-Einsatzkontingents in Afghanistan,
Fregattenkapitän Alexander von Heimann, sagte, dem Attentäter
sei es «trotz Abwehrmaßnahmen» gelungen, auf den
Trainingsplatz der Polizei vorzudringen. Die Verletzten seien in ein
Krankenhaus in der Stadt gebracht worden, wo deutsche Ärzte und
Sanitäter des Wiederaufbauteams in Kundus ihre afghanischen
Kollegen bei den Hilfsmaßnahmen unterstützten.
Der Polizeichef der Provinz Kundus, Mohammad Ayoub Salangi, sagte, der
Attentäter sei auf das Ausbildungsgelände gerannt und habe
sich dann in die Luft gesprengt. Der Mann sei dabei in Stücke
gerissen worden. In Kundus und in Nordafghanistan generell sind die im
unruhigen Süden weit verbreiteten Selbstmordanschläge selten.
Es war in diesem Jahr der erste Selbstmordanschlag im Norden, wo die
Bundeswehr ihren Einsatzschwerpunkt hat. Deutschland spielt eine
führende Rolle bei der Polizeiausbildung in Afghanistan.
Die Internationale Schutztruppe ISAF teilte mit, ihre Soldaten
hätten in der südafghanischen Provinz Helmand in den
vergangenen Tagen gemeinsam mit afghanischen Sicherheitskräften
mehrere Anführer der radikal-islamischen Taliban getötet. Die
US-geführten Koalitionstruppen nahmen nach eigenen Angaben jeweils
vier militante Extremisten in Helmand und in der südostafghanischen
Provinz Paktika gefangen. Niemand sei bei den Operationen verletzt oder
getötet worden, teilte die Koalition am Montag mit.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
China und Schweiz wollen mit palästinensischer Regierung arbeiten
Di.17.04.07 - China und die Schweiz wollen künftig mit allen Mitgliedern der
palästinensischen Einheitsregierung zusammenarbeiten, die aus
Mitgliedern der islamistischen Hamas und der Fatah von Präsident
Mahmud Abbas besteht. Der palästinensische Informationsminister
Mustafa Barghuti sagte, das sei der Autonomiebehörde von beiden
Ländern zugesagt worden - und zwar «ohne Diskriminierung
ihrer Mitglieder».
Die Hamas-Fatah-Koalition wurde im vergangenen Monat gebildet. Die EU
und die USA hatten danach erklärt, sie würden nur mit
Regierungsmitgliedern sprechen, die nicht der Hamas angehören. Der
israelische Regierungssprecher Mark Regev lehnte eine Stellungnahme zu
Barghutis Äußerungen ab. Er denke aber, dass es weiterhin
einen internationalen Konsens gebe, nicht mit Vertretern einer Hamas
umzugehen, die weiterhin zu keinem Gewaltverzicht bereit sei und Israel
nicht anerkennen wolle.
(Quelle: ap)
Millionen Israelis gedenken der Holocaust-Opfer
Di.17.04.07 - Mit zwei Gedenkminuten sind am Montagmorgen in Israel die
Feierlichkeiten zum nationalen Holocaust-Tag eingeleitet worden.
Während um Punkt 10.00 Uhr Ortszeit (09.00 Uhr MESZ) die Sirenen
ertönten, verharrten die Menschen überall im Lande in
Schweigen, um der sechs Millionen Juden zu gedenken, die von den
deutschen Nationalsozialisten ermordet wurden. Mit den Sirenen begann
auch die offizielle Veranstaltung an der Holocaust-Gedenkstätte Jad
Vaschem im Westen von Jerusalem.
Der Holocaust-Gedenktag wurde vom israelischen Parlament 1951 auf einen
Tag festgelegt, der im jüdischen Kalender zwischen dem Passah-Fest
und dem Unabhängigkeitstag am 14. Mai liegt. Er fällt auch in
die Zeit des Aufstands im Warschauer Getto. Dieser Aufstand begann 19.
April 1943 und wird in Israel stets besonders gewürdigt.
(Quelle: ap)
Sudan akzeptiert Einsatz von UN-Truppen in Darfur
Di.17.04.07 - Der Sudan hat einer Stationierung von Kampfhubschraubern und
UN-Soldaten in Darfur zugestimmt. Auf internationalem Druck hin
akzeptierte die Regierung in Khartum, dass mehr als 3.000 UN-Soldaten
und -Polizisten mit Helikoptern die rund 7.000 Mann starke Truppe der
Afrikanischen Union in der Krisenregion unterstützen, hieß
es am Montag in einem Schreiben an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.
Es sei die aufrichtige Hoffnung seiner Regierung, dass die Umsetzung
dieses Hilfspakets umgehend erfolgen werde, sagte der sudanesische
UN-Botschafter Abdalmahmud Abdalhalim. Ban beriet am Montag in New York
mit AU-Chef Alpha Oumar Konare und dem UN-Sondergesandten Jan Eliasson.
Der stellvertretende US-Außenminister John Negroponte hatte zuvor
den Sudan bei einem Besuch in Khartum nochmals aufgefordert, die
Menschenrechte in Darfur zu garantieren. Er warf der sudanesischen
Regierung vor, die arabische Reitermiliz Dschandschawid aktiv zu
unterstützen. Diese kämpft in Darfur gegen
schwarzafrikanische Rebellengruppen. Dem Konflikt sind schon mehr als
200.000 Menschen zum Opfer gefallen, mehr als 2,5 Millionen wurden zu
Flüchtlingen.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte vor der
Bekanntgabe der Einigung die jüngste Entwicklung im
Darfur-Konflikt nach einer Unterredung mit UN-Generalsekretär Ban
in New York bereits als hoffnungsvolles Zeichen gewertet.
Ein Sprecher des Außenministeriums in Khartum bestätigte am
Montag, dass die sudanesische Regierung die Entsendung von
UN-Friedenstruppen akzeptiert habe. Es sei nun Sache der Vereinten
Nationen, über den Zeitpunkt der Stationierung zu entscheiden. Die
UN und der Sudan hatten sich im November grundsätzlich über
einen Dreistufen-Plan zur Stärkung der unterbesetzten und schlecht
ausgerüsteten AU-Mission verständigt. Insgesamt soll die
Truppe 20.000 Mann umfassen. Sudan widersetzte sich bislang aber der
Stationierung von sechs Kampfhubschraubern.
(Quelle: ap)
Neun kurdische Rebellen im Südosten der Türkei getötet
Di.17.04.07 - Türkische Soldaten haben bei Gefechten im Südosten des Landes
neun kurdische Rebellen getötet. Auch ein türkischer Soldat
kam ums Leben, wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montag
berichtete. Zu den Kämpfen kam danach am Sonntagabend es in der
mehrheitlich von Kurden bewohnten Provinz Tunceli. Die Rebellen
hätten zuerst auf die Soldaten geschossen und Aufforderungen
ignoriert, die Waffen niederzulegen, berichtete Anadolu. Insgesamt
wurden damit in den vergangenen zehn Tagen in der Region 26 kurdische
Rebellen getötet. Auf seiten der Regierungstruppen wurden elf Opfer
gemeldet.
(Quelle: ap)
Russland fordert Auslieferung von Beresowski
Di.17.04.07 - Russland fordert von Großbritannien erneut die Auslieferung des
Milliardärs und Kreml-Kritikers Boris Beresowski. Der russische
Generalstaatsanwalt Juri Tschaika habe das britische Innenministerium am
Montag schriftlich aufgefordert, Beresowski den Asylstatus zu
entziehen, wie russische Nachrichtenagenturen berichteten.
In einem Beitrag für die britische Zeitung «The
Guardian» hatte Beresowski am Freitag erklärt, er
unterstütze Kräfte in der russischen Führung, die einen
Umsturz planten. Er stehe in Kontakt mit Mitgliedern der Regierung und
habe ihnen finanzielle Unterstützung angeboten. In einer
Stellungnahme erklärte Beresowski später, er habe nicht zur
Gewalt aufrufen wollen. Allerdings seien Wahlen unter Präsident
Wladimir Putin nicht das richtige Mittel, um einen demokratischen
Regierungswechsel herbeizuführen. Kritiker werfen Putin vor, mit
zahlreichen Gesetzen die Demokratie eingeschränkt zu haben, um
sicher zu stellen, dass die gegenwärtige Kremlführung an der
Macht bleibt, auch wenn er 2008 nicht mehr kandidieren kann.
(Quelle: ap)
Ecuador will Verbindungen zu IWF kappen
Di.17.04.07 - Ecuador hat seine Schulden beim Internationalen Währungsfonds
bezahlt und wird die Verbindungen zu der Finanzinstitution trennen. Das
erklärte der linksnationalistische Präsident, Rafael Correa,
am Sonntag. «Wir wollen nichts mehr von dieser internationalen
Bürokratie hören», sagte er. Zugleich wies er aber
Berichte zurück, Ecuador imitiere «die Brudernation
Venezuela».
Der linksnationalistische Präsident Venezuelas, Hugo Chavez, hatte
ebenfalls vor wenigen Tagen erklärt, seine Regierung habe die
restlichen Schulden bei IWF und Weltbank zurückgezahlt. Correa ist
einer der engsten Verbündeten von Chavez und hat wiederholt die
«inakzeptablen Bedingungen» von IWF-Krediten kritisiert.
(Quelle: ap)
UN beklagen mangelnde Armutsbekämpfung
Di.17.04.07 - Streit und Desorganisation unter den Industriestaaten verhindern nach
den Worten von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eine effektive
Armutsbekämpfung in den ärmsten Staaten der Erde. Die
reichsten Länder erfüllte ihre Versprechen einer
stärkeren Unterstützung der Entwicklungsländer nicht,
sagte Ban am Montag vor Vertretern von Internationalem
Währungsfonds (IWF), Weltbank und Welthandelsorganisation (WTO) in
New York.
Darüber hinaus sei das Verfahren zur Verteilung der Hilfe
unnötig kompliziert und schlecht koordiniert. Viel zu oft werde
die Hilfe mehr von politischen Erwägungen als von
Bedürftigkeit getrieben, und damit werde ihre Effektivität
untergraben, erklärte Ban während des Jahrestreffens des
UN-Wirtschafts- und Sozialrats mit Vertretern internationaler
Finanzinstitutionen und der UN-Konferenz für Handel und
Entwicklung.
Alejandro Werner, stellvertretender Leiter des Entwicklungsausschusses
von Weltbank und IWF, erklärte, eine starke Weltwirtschaft helfe,
die Armut zu verringern. Bei weiteren Zielen des UN-Millenniumsgipfels
2000 seien nur «gemischte Ergebnisse» zu verzeichnen. Dies
gelte etwa für das Bestreben, mehr Kinder an Schulunterricht
teilnehmen zu lassen sowie die Kinder- und
Müttersterblichkeitsrate zu senken und Unterernährung zu
lindern. Der Entwicklungsausschuss glaube, dass es für das
Erreichen all dieser Ziele entscheidend sei, die Gleichberechtigung der
Geschlechter zu fördern und Frauen weltweit mehr Kontrolle
über ihr Leben zu geben.
(Quelle: ap)
Billigjobber in Deutschland steuern auf Altersarmut zu
Di.17.04.07 - Millionen von Billigjobbern steuern auf Armut auch im Rentenalter zu.
Die Rentenreformen der vergangenen Jahre hätten das Risiko
Altersarmut für Menschen mit geringem Einkommen deutlich
erhöht, warnte der CDU-Sozialpolitiker Karl-Josef Laumann am
Montag in Berlin.
Wer heute nach 45 Jahren mit dem halben Durchschnittsverdienst von
derzeit sieben Euro pro Stunde in Rente gehe, erhalte rund 590 Euro
brutto im Monat, rechnete der nordrhein-westfälische Sozialminister
vor. Im Jahr 2030 könne er nur noch mit 490 Euro rechnen, obwohl
man dann bis zum Alter von 67 Jahren arbeiten müsse. Es dürfe
aber nicht zum Regelfall werden, dass Geringverdiener sich nach 47
Jahren Arbeit als Bittsteller ans Sozialamt wenden müssten.
Laumann forderte Korrekturen am Rentensystem. Der Blick dürfe sich
nicht nur auf die Begrenzung der Beiträge richten.
Derzeit haben Rentner in der Altersgruppe «65 plus» im
Westen eine durchschnittliche Kaufkraft von 1.740 Euro im Monat und im
Osten von 1.390 Euro. Diese Zahlen, die alle Alterseinkünfte
berücksichtigen, stammen von der Gesellschaft für
Konsumforschung in Nürnberg, wie der MDR meldete. Damit sei die
Legende vom reichen Ostrentner und dem armen Westrentner
entkräftet. Zwar liegen die gesetzlichen Renten im Osten oft
höher, im Westen kommen aber weit häufiger andere
Einkünfte wie Betriebsrenten, Erträge aus privaten
Vorsorgeverträgen und Mieten hinzu.
Für ihre Steuererklärung können Rentner
Unterstützung der Rentenkassen bekommen. Diese stellen auf Wunsch
eine Bescheinigung über die Bruttorente 2006 aus, wie die Deutsche
Rentenversicherung mitteilte. Der Betrag könne dann leicht in das
Formular der Anlage R zur Steuererklärung übertragen werden.
(Quelle: ap)
Deutsche IT-Branche will wachsen und beklagt Fachkräftemangel
Di.17.04.07 - In der deutschen IT-Branche festigt sich der Optimismus. Rund 78
Prozent der Unternehmen rechnen in diesem Jahr mit höheren
Umsätzen, wie der Bundesverband Informationswirtschaft,
Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) am Montag nach einer neuen
Befragung mitteilte.
Jede fünfte Firma hoffe sogar auf Zuwächse im zweistelligen
Prozentbereich. Der Verband bekräftigte daher seine
Wachstumsprognose 2007 von zwei Prozent auf 149,1 Milliarden Euro. Rund
55 Prozent der Firmen planen demnach Einstellungen. Da zugleich einige
Großunternehmen Personal abbauen, zeichne sich eine
ANZEIGE
stabile Beschäftigtenzahl von 800 000 ab. Ein Problem sei
Fachkräftemangel.
Der harte Konkurrenzkampf sorge weiterhin für hohen Preisdruck,
von dem Kunden vor allem bei Mobilfunkdiensten profitieren könnten,
sagte BITKOM-Präsident Willi Berchtold in Berlin. Große
strategische Chancen für deutsche Anbieter gebe es generell bei
eingebetteten IT- Komponenten etwa in Quarzuhren oder
Herzschrittmachern.
Der BITKOM wies erneut auf einen Mangel an qualifizierten Kräften
hin, der die Entwicklung vor allem bei mittelständischen Firmen
bremse. Derzeit gebe es nach wie vor 20.000 offene Stellen. Nötig
sei daher eine erleichterte Zuwanderung ausländischer Spezialisten.
(Quelle: dpa)
Oettinger hält Aussage zu Filbinger 'nicht mehr aufrecht'
Di.17.04.07 - Nach wachsendem Druck hat der baden-württembergische
Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) seine besonders
umstrittene Äußerung zurückgenommen, der frühere
NS-Marinerichter Hans Filbinger sei ein Gegner des Nazi-Regimes
gewesen. "Ich halte meine Formulierung nicht aufrecht", sagte der
Stuttgarter Regierungschef in Berlin. Die CDU-Spitze akzeptierte das
Einlenken, auch Parteichefin Angela Merkel gab Oettinger erstmals in
der Affäre öffentlich Rückendeckung. Zuvor hatte
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil deutlich gemacht, dass seine
Partei die bis dahin von Oettinger geäußerte Entschuldigung
nicht für ausreichend halte.
Oettinger hatte nach seiner umstrittenen Trauerrede für seinen
Amtsvorgänger Filbinger eine geplante Italien-Reise zum
Papst-Besuch kurzfristig abgesagt, um statt dessen an der
Präsidiumssitzung der CDU in Berlin teilzunehmen. Merkel sagte
schon vor der Sitzung, Oettinger habe mit seiner Entschuldigung "einen
wichtigen und auch notwendigen Schritt getan". Jetzt erwarte sie, "dass
die Entschuldigung auch gehört wird".
Oettinger war nach seiner Trauerrede für den am 1. April
verstorbenen Filbinger auch von Merkel gerügt worden. Zu seiner
Aussage, Filbinger sei ein Gegner des Nazi-Regimes gewesen, sagte er
dann vor Journalisten: "Ich distanziere mich davon und glaube, dass
damit alles gesagt worden ist."
Auch vor dem Präsidium stellte Oettinger klar, dass er die
Bemerkung zu Filbinger zurücknehme. "Das Präsidium hat die
Erklärung von Günther Oettinger mit Respekt zur Kenntnis
genommen," sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla. Die Frage
nach einem Rücktritt stelle sich nicht.
SPD-Generalsekretär Heil warf Oettinger vor, er habe sich mit
seinen Äußerungen über Filbinger offenbar am rechten
Rand bemerkbar machen wollen. Gegenüber der "Welt"
begrüßte er jedoch Oettingers Distanzierung: "Diese Aussage
war bitter nötig und überfällig.". Oettinger hätte
"sich und der Demokratie" in Deutschland viel ersparen können.
"Dass so viel öffentlicher Druck nötig war, bis Oettinger
seine vorher mehrfach bekräftigten geschichtsrevisionistischen
Äußerungen zurücknahm, bleibt erschreckend", sagte Heil.
Der Zentralrat der Juden nahm indes ein Gesprächsangebot
Oettingers an. Zentralrats-Generalsekretär Stephan Kramer wertete
die Entschuldigung als Beleg für die "Abkehr und Distanzierung"
von Oettingers Position zu dem früheren Regierungschef Hans
Filbinger. Die von ihm erhobene Rücktrittsforderung an Oettinger
sei "damit vom Tisch".
(Quelle: afp)
Europarats-Abgeordnete kritisieren deutsche Haftanstalten
Di.17.04.07 - Abgeordnete des Europarats sind bei einer Inspektionsreise durch
deutsche Haftanstalten und psychiatrische Einrichtungen auf erhebliche
Mängel gestoßen. In einem in Straßburg
veröffentlichten Bericht kritisieren die Mitglieder einer
Delegation, die Ende 2005 insgesamt 17 Einrichtungen in acht
Bundesländern besuchten, vor allem die so genannte Fixierung von
Häftlingen und Patienten.
In allen besuchten Haftanstalten, Abschiebegefängnissen und
Psychiatrien komme es vor, dass einzelne Insassen mit Gurten oder
Handschellen an ein Bett gefesselt würden, heißt es in dem
Bericht. Auf diese Praxis sollte nur im äußersten Notfall
und nur unter ärztlicher Aufsicht zurückgegriffen werden,
mahnen die Europarats-Abgeordneten. Akzeptabel sei eine kurzzeitige
Fixierung allenfalls bei Personen, die sonst sich selbst oder anderen
Schaden zuzufügen drohten. Keinesfalls dürfe diese Methode
als Strafe oder deshalb angewandt werden, weil nicht genügend
Aufsichtspersonal zur Verfügung stehe.
Besorgt zeigen sich die Europarats-Abgeordneten auch über ein
erhebliches Ausmaß an Gewalt unter den Insassen der beiden von
ihnen besuchten Jugendgefängnisse in Hameln und Weimar sowie eines
Untersuchungsgefängnisses in Halle. Ähnliche Probleme seien
in den psychiatrischen Kliniken im schleswig-holsteinischen Neustadt
sowie im nordbadischen Wiesloch festgestellt worden.
Scharf kritisiert wird in dem Bericht auch der Umstand, dass
Abschiebehäftlinge teilweise gemeinsam mit mutmaßlichen
Kriminellen in Untersuchungshaft untergebracht würden. Dies
führe unter anderem dazu, dass zur Abschiebung vorgesehene
Familien auseinander gerissen würden.
Als «inakzeptabel» bezeichnen die Europarats-Abgeordneten
insbesondere die Zustände in einem Hamburger
Untersuchungsgefängnis. Dort würden Abschiebehäftlinge,
die sich keinerlei krimineller Vergehen schuldig gemacht hätten,
in Zellen ohne Strom oder heißes Wasser untergebracht und 23
Stunden pro Tag unter Verschluss gehalten. Die fünf Abgeordneten,
die vom 20. November bis 2. Dezember 2005 Untersuchungs- und
Abschiebegefängnisse, Jugendstrafvollzugsanstalten und
psychiatrische Einrichtungen besuchten, gehören dem Ausschuss zur
Verhütung von Folter, unmenschlicher oder herabwürdigender
Behandlung oder Bestrafung des Europarats an.
(Quelle: ap)
Umweltminister Gabriel will Klimaschutzziele erweitern
Di.17.04.07 - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel will die deutschen Klimaschutzziele
konkretisieren und zugleich erweitern. Auf der Konferenz der
umweltpolitischen Sprecher der SPD in Bund und Ländern am Montag
in Stuttgart erklärte der SPD-Politiker, er könne sich
vorstellen, dass bis 2020 rund 30 Prozent des Bedarfs durch erneuerbare
Energien gedeckt werden, dass der Anteil der Biokraftstoffe rund zehn
Prozent betragen könnte und die Energieeffizienz um 20 Prozent im
Vergleich zu heute gesteigert werde.
«Wenn wir die Lebensbedingungen unserer Kinder und Enkelkinder
nicht dramatisch verschlechtern wollen, müssen wir die
Energiebasis der Industriegesellschaften grundsätzlichen
umbauen», sagte Gabriel. Unter anderem müsse dies durch die
konsequente Modernisierung der Kohlekraftwerke geschehen, nicht aber
mit ein Wiedereinstieg in die Atomkraft: «Ich will nicht, dass
die Deutschen zwischen CO2 in der Luft und radioaktiven Strahlungen
unter der Erde wählen müssen.»
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Klimawandel wirkt sich bereits auf Tiere und Pflanzen aus
Di.17.04.07 - Der Klimawandel hat nach Auffassung von Wissenschaftlern bereits jetzt
Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. «Dafür gibt es
nicht nur Szenarien wie noch vor einigen Jahren, sondern konkrete
Beobachtungen», sagte Wolfgang Cramer vom Potsdam-Institut
für Klimafolgenforschung (PIK) zu Beginn eines Workshops deutscher
Mitautoren des aktuellen UN-Weltklimareports am Montag in Potsdam. Unter
anderem habe sich die jahreszeitliche Entwicklung in der Natur bereits
verschoben.
Cramer verwies auf die Eisschmelze in der Arktis und an den
Gebirgsgletschern, das Tauen des Permafrostbodens und die Erwärmung
von Flüssen und Seen. «Daraus ergeben sich biologische
Veränderungen», sagte der Wissenschaftler. So hätten
sich Verbreitungsgebiete von Tieren und Pflanzen bereits verschoben,
einige seien verschwunden. Ökoklimatologin Annette Menzel von der
Technischen Universität München nannte als Beispiel die
bisher an den südlichen Ostseeküsten heimische Stechpalme.
Pflanzen dieser Art hätten sich wegen der Erwärmung des
Klimas mittlerweile bis an norwegische Küsten ausgebreitet.
Die Experten prognostizieren je nach der Stärke der
Erderwärmung katastrophale Folgen. Unwetter wie Hochwasser und
Stürme würden bereits bei einem globalen Temperaturanstieg bis
zu 1,5 Grad Celsius vom Mittelwert der Jahre 1980 bis 1999 aus
zunehmen. Wahrscheinlich werde die globale Temperatur aber stärker
zunehmen, sagte Cramer. Damit seien Millionen Küstenanwohner von
Überflutungen gefährdet, weil das Abschmelzen der
grönländischen und westantarktischen Eismassen unumkehrbar
werde. Damit einher gehe ein Artensterben. Steige die Temperatur um mehr
als 3,5 Grad weltweit, könnten sich Öko- und
Wirtschaftssysteme nicht mehr anpassen, warnte Cramer.
(Quelle: ap)