Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am tausenddreiundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Ministerpräsident Al-Maliki entlässt umstrittenen
Verteidigungsminister. Schicksal der deutschen Irak-Geiseln weiter
ungewiss. UNO fordert mehr Hilfe für Millionen Notleidende im Irak
Mi.18.04.07 - Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat nach Bagdader
Medienberichten seinen umstrittenen Verteidigungsminister Abdul Kader
al-Obeidi entlassen. Er selbst wolle das Amt kommissarisch für zwei
Monate übernehmen bis ein neuer Minister gefunden sei, berichtete
die irakische Agentur INA am Dienstag.
Die stärkste Fraktion der Sunniten im Parlament, die Irakische
Konsensfront, hatte mit ihrem Auszug aus der Regierung gedroht, falls
Al-Maliki den sunnitischen Verteidigungsminister nicht entlassen sollte.
Schon seine Ernennung im Juni 2006 war umstritten gewesen, weil er nach
dem Krieg an größeren Militäroperation gegen
Aufständische im westirakischen Falludscha beteiligt gewesen war.
Am Vortag hatten alle sechs Minister der Bewegung des radikalen
Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr aus Protest ihre Ämter
niedergelegt. Sie einen Zeitplan für den Abzug der Amerikaner
gefordert, was Al-Maliki ablehnte.
Aufständische haben in Bagdad vier amerikanische Soldaten
getötet. Wie die US-Armee am Dienstag berichtete, wurden bei
insgesamt vier tödlichen Attacken am Montag zudem fünf weitere
Soldaten verletzt. In Muschada nördlich von Bagdad konnten
Soldaten nach Angaben des US-Militärs einen schweren Anschlag
verhindern. Sie fanden einen Müll-Lastwagen, der nach einem Unfall
im Straßengraben lag. Der Lastwagen sei mit Sprengstoff und
Säure beladen gewesen, hieß es. Zuvor hatte die US-Armee von
einem Sprengstoffangriff in Falludscha berichtet, bei dem bereits am
vergangenen Samstag zwei amerikanische Soldaten getötet und zwei
weitere verletzt wurden.
Das Schicksal der beiden entführten Deutschen im Irak ist weiter
ungewiss. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes bemühe sich
weiter intensiv um eine Lösung, sagte ein Sprecher am Dienstag in
Berlin. Die 61-jährige Frau und ihr 20-jähriger Sohn waren
Anfang Februar in Bagdad verschleppt worden. Die Geiselnehmer drohen
damit, die beiden umzubringen, falls Deutschland seine Truppen nicht aus
Afghanistan abzieht. Die Bundesregierung lehnt diese Forderung ab. In
der Nacht zum Freitag war auch das zweite Ultimatum der Entführer
abgelaufen.
Bis zu acht Millionen Iraker sind nach Angaben der Vereinten Nationen
"dringend" auf ausländische Hilfen angewiesen. "Das sind rund vier
Millionen mehr als jene, die im Land oder außer Landes auf der
Flucht sind", sagte der UN-Hilfsbeauftragte John Holmes zu Beginn einer
zweitägigen Irak-Konferenz in Genf. UN-Generalsekretär Ban Ki
Moon rief vor allem die Nachbarstaaten des Irak auf, die
Flüchtlinge nicht abzuweisen.
"Der Irak ist nicht nur ein zutiefst widersprüchliches politisches
Problem und Sicherheitsproblem, sondern eine schwere und zweifellos
dauerhafte humanitäre Krise, die Millionen von Zivilisten
betrifft", sagte Holmes, der UN-Untergeneralsekretär für
Humanitäre Angelegenheiten. UN-Generalsekretär Ban sagte, die
Nachbarstaaten des Iraks könnten zum Schutz der Flüchtlinge
beitragen, indem sie ihre Grenzen öffneten. Ban forderte auch
weiter entfernt liegende Staaten auf, irakische Flüchtlinge
aufzunehmen.
Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerkes (UNHCR) befinden sich
derzeit vier Millionen Iraker auf der Flucht, die Hälfte von ihnen
im Ausland. Die Nächbarländer Jordanien und Syrien tragen mit
fast zwei Millionen irakischen Flüchtlingen die Hauptlast. Jeden
Monat kommen laut UNO weitere 50.000 Vertriebene hinzu. Das UNHCR
strebt bei der Konferenz an, in erster Linie die für dieses Jahr
veranschlagten 60 Millionen Dollar (rund 44,3 Millionen Euro) an
Hilfsgeldern zusammenzubekommen.
UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres lobte in seiner
Eröffnungsrede die "großzügigen" Bemühungen
Jordaniens und Syriens. Die beiden Staaten hätten weitgehend ohne
internationale Hilfe Flüchtlinge beherbergt. Es sei an der Zeit,
dass sich die Weltgemeinschaft nun solidarisch zeige und den
Flüchtlingen sowie den Aufnahmeländern großzügig
helfe.
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) forderte die
USA und Großbritannien auf, sich wegen ihrer Sonderrolle im
Irak-Konflikt für die Flüchtlinge des Landes einzusetzen.
"Sie haben einen Krieg geführt, der unmittelbar tausende Tote,
Angst und Leiden verursacht hat und der zu Vertreibungen geführt
hat", sagte der HRW-Flüchtlingsbeauftragte Bill Frelick.
Das Hilfswerk Caritas International forderte Deutschland auf, seine
Hilfe aufzustocken. Das Auswärtige Amt hatte am Vortag mitgeteilt,
es stelle 2,2 Millionen Euro Hilfe für irakische Flüchtlinge
im In- und Ausland zur Verfügung.
(Quellen: dpa, ddp, afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.112004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 18.04.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertneunundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
|
Afghanistan: Vier UN-Mitarbeiter bei Anschlag in Kandahar getötet
- Vergessener Sprengsatz tötet vier Schüler
Mi.18.04.07 - Bei einem Bombenanschlag auf ein Fahrzeug der Vereinten Nationen in
Afghanistan sind vier UN-Mitarbeiter aus Nepal und ein Fahrer ums Leben
gekommen. Ihr Wagen war Teil eines UN-Konvois, der am Dienstag in der
südlichen Stadt Kandahar unterwegs war. Die Männer waren als
Wachleute der Vereinten Nationen tätig.
Die Bombe war am Straßenrand versteckt. Sie explodierte, als das
Fahrzeug die Stelle passierte. Die Wucht der Detonation war so stark,
dass zwei Türen des Wagens 50 Meter weit auf die andere Seite eines
Kanals geschleudert wurden.
Bei der Explosion einer liegengebliebenen Granate sind in Afghanistan
vier Kinder getötet und weitere fünf verletzt worden. In einem
Schulhof im westafghanischen Herat sei vermutlich "eine auf dem
Gelände vergessene Granate" explodiert, sagte der örtliche
Polizeichef. Das Schulgebäude hatte früher als Kaserne
gedient. Trotz des Einsatzes von zahlreichen Suchteams verbergen sich im
Boden des Landes immer noch Millionen Minen und andere Munition.
Monatlich kommen dadurch rund 60 Menschen ums Leben, zumeist Kinder und
Jugendliche.
(Quelle: ap)
EU-Abgeordnete kritisieren in USA CIA-Gefangenentransporte
Mi.18.04.07 - Mitglieder des Europaparlaments haben bei einer Anhörung vor dem
US-Kongress in Washington die Verschleppung von Terrorverdächtigen
durch die CIA kritisiert. Der italienische Abgeordnete Carlo Fava
sprach am Dienstag von einem «illegalen Instrument, das die USA
im Kampf gegen den Terrorismus anwenden». Die Anhörung vor
zwei Ausschüssen des Repräsentantenhauses war auf Initiative
der oppositionellen Demokraten zu Stande gekommen, die sich für
eine größere Kontrolle der Geheimdienste durch den Kongress
einsetzen.
Unterdessen berichtete die «Washington Post», CIA-Direktor
Michael Hayden habe sich privat bei einem Essen mit EU-Diplomaten im
vergangenen Monat beklagt, ein Bericht des EU-Parlaments über die
Verschleppungen sei stark übertrieben. Es handele sich um ein
nützliches Mittel im Kampf gegen den Terrorismus.
Das EU-Parlament hatte den US-Geheimdienst in einem im Februar
vorgelegten Bericht beschuldigt, für die Verschleppung von
Terrorverdächtigen von einem Land in ein anderes verantwortlich zu
sein. Konkrete Beweise dafür liegen allerdings nicht vor, das
Parlament berief sich teilweise auf Zeugenaussagen und Unterlagen
nationaler Regierungen, zum Teil aber auch nur auf Medienberichte.
Zugleich wurden schwere Vorwürfe gegen europäische
Regierungen beispielsweise in London, Warschau und Rom erhoben, die mit
der CIA bei den so genannten außerordentlichen
Überstellungen zusammengearbeitet haben sollen.
(Quelle: ap)
Keine deutschen Soldaten für Darfur
Mi.18.04.07 - Deutschland wird keine Soldaten für die UN-Truppe entsenden, die
demnächst die sudanesische Krisenregion Darfur überwachen
soll. Das Eine Bundeswehrbeteiligung an diesem erweiterten
Darfur-Einsatz sei «nicht in der Diskussion», sagte ein
Sprecher des Auswärtigen Amtes der «Frankfurter
Rundschau» (Dienstausgabe). Der Sudan akzeptiere bisher nur eine
«zweite Stufe» des Ausbaus der internationalen Schutztruppe,
für die deutsche Soldaten nicht vorgesehen seien.
Allerdings werde Deutschland über die EU letztlich an der
Finanzierung des UN-Einsatzes beteiligt sein. Khartum hatte am Montag
auf internationalen Druck der Entsendung von UN-Blauhelmen nach Darfur
zugestimmt.
(Quelle: ddp)
Nigerias Opposition verlangt Verschiebung der Präsidentschaftswahl
Mi.18.04.07 - Die größten Oppositionsparteien in Nigeria haben gemeinsam
die Verschiebung der für Samstag geplanten
Präsidentschaftswahl gefordert. Außerdem verlangten sie die
Annullierung der von Betrugsvorwürfen und tödlicher Gewalt
überschatteten Gouverneurswahlen vom vergangenen Samstag. In einem
in der Nacht zum Mittwoch vorgelegten Kommuniqué, das von 18
Parteien unterzeichnet wurde, rief die Opposition die Bevölkerung
zu friedlichen Protesten gegen die Wahl auf, und verlangte die
Einberufung einer neuen Wahlkommission.
(Quelle: ap)
Globale Erwärmung gefährdet Weltfrieden - Klimawandel erstmals auf Tagesordnung des UN-Sicherheitsrates
Mi.18.04.07 - Die britische Außenministerin Margaret Beckett hat die
Weltgemeinschaft vor den Sicherheitsgefahren des Klimawandels gewarnt.
Die Folgen seien fundamentaler und umfassender als die jedes einzelnen
Konflikts, sagte Beckett in New York, wo sie gestern die erste
Sitzung des UN-Sicherheitsrat zu dem Thema leiten sollte. «Es ist
einfach nicht vorstellbar, dass es keine tiefen und möglicherweise
verheerenden Auswirkungen für unsere kollektive und individuelle
Sicherheit geben wird.»
Beckett verwies in ihrer Rede vor einer britisch-amerikanischen
Wirtschaftsorganisation auf die Lage in den Entwicklungsländern,
die besonders unter dem Klimawandel leiden werden. So gelte die
zunehmende Trockenheit im Sudan bereits jetzt als ein wichtiger Grund
für den Konflikt in Darfur. Die Menschen in
Entwicklungsländern könnten in ihrem Kampf ums Überleben
durch den Klimawandel dazu gebracht werden, «rauszugehen und sich
zu nehmen, was sie für sich brauchen».
Die Außenministerin erinnerte an eine gemeinsame Erklärung
von mehreren US-Admirälen und Generälen im Ruhestand, die die
globale Erwärmung als «ernsthafte Bedrohung der nationalen
Sicherheit» bezeichnet hätten. Sie appellierten an die
Regierung von Präsident George W. Bush, den Ausstoß von
Treibhausgasen deutlich zu begrenzen. Die Exmilitärs sagen
für die nächsten 30 bis 40 Jahre Kriege um Wasser, wachsende
Instabilität durch Hungerkrisen, steigende Meeresspiegel und
Flüchtlingsströme wegen des Klimawandels voraus.
Beckett rief dazu auf, die «größte
Public-Private-Partnership aller Zeiten» ins Leben zu rufen: Die
Regierungen müssten den Rahmen abstecken, in dem Unternehmen mit
Innovationen und Initiativen für eine Reduzierung der
CO2-Emissionen sorgten.
An der Sitzung des UN-Sicherheitsrats am Dienstag sollte für
Deutschland nach Angaben des Auswärtigen Amtes Botschafter Thomas
Matussek teilnehmen, der ständige Vertreter der Bundesrepublik
Deutschland bei den Vereinten Nationen in New York.
(Quelle: ap)
EU meldet Anspruch als Weltraummacht an
Mi.18.04.07 - Die Europäische Union will rasch ein globales Netz von
Beobachtungssatelliten zur zivilen und militärischen Nutzung
aufbauen. EU-Kommissionsvizepräsident Günter Verheugen stellte
die Initiative am Dienstag bei einer Fachkonferenz in München vor
und sagte: «Mit diesem Projekt meldet sich Europa als eine
Weltraummacht an.»
Das Europäische Erdbeobachtungssystem GMES werde aus 30 Satelliten
bestehen und ab 2014 voll funktionsfähig sein. Von jedem Punkt der
Erde werde es in kürzester Zeit scharfe Bilder und Messdaten
liefern und «das weltweit beste Angebot sein», sagte
Verheugen. Damit ließen sich zum Beispiel illegale Rodungen in
Regenwäldern erkennen oder in einem afrikanischen
Flüchtlingslager die Zahl der Hilfebedürftigen bestimmen. Die
europäische Politik werde unabhängiger von fremden
Informationen, und auch Forschung und Wirtschaft würden enorm
profitieren. Die Gesamtkosten von GMES bezifferte Verheugen auf 2,4
Milliarden Euro.
GMES vernetze das «Sammelsurium» bestehender Systeme und
schließe die Lücken, erklärte Verheugen. In einem ersten
Schritt würden drei Dienste zur Beobachtung der Landnutzung,
für maritime Informationen und für Katastrophenfälle
unter dem Dach von GMES zusammengeführt. Bis 2011 sollen fünf
neue Satelliten in Umlaufbahnen gebracht und mit 25 bestehenden
Satelliten und Messeinrichtungen am Boden, auf Schiffen und Bojen und
in Flugzeugen vernetzt werden.
«Europa braucht eine europäische Weltraumpolitik, wenn es
seine wirtschaftliche und politische Zukunft sichern will», sagte
Verheugen und warnte vor «nationalen Eifersüchteleien»
und Stolperfallen wie beim Galileo-Projekt zur satellitengestützten
Positionsbestimmung. Ohne eigene Weltraumpolitik bleibe Europa ein
politischer Zwerg und werde auch wirtschaftlich an Stärke
verlieren. Die USA gäben ein Vielfaches für zivile und
militärische Raumfahrt aus, und Russland, China und Indien
hätten die Europäer in spätestens zehn Jahren
technologisch eingeholt, warnte der stellvertretende
Kommissionspräsident. GMES sei die erste und wichtigste Anwendung
der europäischen Weltraumpolitik, «mit der die EU den
Anspruch erhebt, gleichberechtigt dabei zu sein, wenn es um die
großen globalen Fragen geht».
Deutschlands Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee forderte, «ohne
langatmige Diskussionen» einen langfristig stabilen Steuerungs-
und Finanzierungsrahmen für GMES zu schaffen. Bisher fließen
die Mittel aus dem EU-Haushalt und den nationalen Forschungsetats. GMES
ist ein Kooperationsprojekt der EU mit der Europäischen
Weltraumagentur ESA, in der auch Nicht-EU-Staaten mitarbeiten.
(Quelle: ap)
Türkei: Ministerpräsident Erdogan fordert EU-Beitrittszusage
für spätestens 2015
Mi.18.04.07 - Die Türkei verlangt von der EU eine Zusage für einen Beitritt
spätestens im Jahr 2015. "Wir sollten ein Ziel setzen, das kann
2013, 2014 oder 2015 sein", sagte Ministerpräsident Recep Tayyip
Erdogan der "Süddeutschen Zeitung". "Das macht für beide
Seiten die Arbeit viel leichter", fügte Erdogan hinzu. Der
Türkei sei bewusst, dass ihre Annäherung an die EU ein
langwieriger und schwieriger Prozess sei. "Aber wir hoffen auf
Ehrlichkeit und Fairness." Seinen innenpolitischen Gegnern im
Zusammenhang mit dem Streit um die Neuwahl des Staatspräsidenten
warf Erdogan Machtbesessenheit vor.
In dem am Rande der Hannover-Messe geführten Interview sagte
Erdogan, er habe seine Forderung nach einem Zeitplan auch bei
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Sprache gebracht. Die Kanzlerin
habe dazu aber keine Stellung genommen. Der Zeitung zufolge
stößt Erdogans Forderung in der EU-Kommission und im
EU-Parlament auf Ablehnung.
Erdogan bekräftigte seine Kritik an der Entscheidung der EU vom
Dezember, die Beitrittsgespräche mit der Türkei wegen des
Zypern-Konflikts teilweise auf Eis zu legen. Um sich im Beitrittsprozess
von den Vorgaben der EU unabhängiger zu machen, will die
Türkei ihre Reformen ab sofort nach einem eigenen Zeitplan
beschließen und umsetzen. Nach den Worten von Außenminister
Abdullah Gül, der das Sieben-Jahres-Programm in Ankara vorstellte,
sollen Gesetze und Alltag im Land mit Hilfe des Reformkalenders ab
sofort bis zum Jahr 2013 auf das Niveau eines EU-Staates angehoben
werden.
Erdogan sagte zum innenpolitischen Streit in der Türkei, die
dortigen Eliten hätten sich daran gewöhnt, "Staat und Land zu
regieren". "In der Demokratie aber gilt: Die Regierung muss beim Volk
sein, nicht bei der Elite." Er wies den Islamismus-Vorwurf zurück.
Seine islamisch geprägte Regierungspartei AKP habe seit der
Übernahme der Regierungsverantwortung Ende 2002 nichts unternommen,
um den Türken einen anderen Lebensstil aufzuwingen, sagte er.
Vielmehr werde er als Ministerpräsident mit der Forderung
konfrontiert, seine Ehefrau solle ihr Kopftuch ablegen.
(Quelle: afp)
Ex-Machthaber Jaruzelski in Polen angeklagt
Mi.18.04.07 - Mehr als 25 Jahre nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen
muss sich der damalige Machthaber Wojciech Jaruzelski vor Gericht
verantworten. Die Strafverfolger in Warschau teilte mit, dass sie gegen
den 83-Jährigen förmlich Anklage erhoben hätten.
Jaruzelski lenkte von 1981 bis 1989 im Namen der Kommunistischen Partei
die politischen Geschicke Polens. Er muss bei einer Verurteilung mit
bis zu zehn Jahren Gefängnis rechnen.
In einem anderen Verfahren steht Jaruzelski derzeit bereits wegen
seiner Rolle als Verteidigungsminister bei der Niederschlagung des
Arbeiteraufstands an der polnischen Ostseeküste im Jahr 1970 vor
Gericht. Die Staatsanwaltschaft legt Jaruzelski "kommunistische
Verbrechen" zur Last. General Jaruzelski hatte das Kriegsrecht am 13.
Dezember 1981 im Kampf gegen die Gewerkschaft Solidarnosc
verhängt. Mit der Anklage solle eine "Pflicht gegenüber der
Nation" und allen Opfern von "Ungerechtigkeit und Erniedrigung"
erfüllt werden, erklärte das Institut für die Nationale
Erinnerung, das für die Verfolgung von nationalsozialistischen und
kommunistischen Verbrechen zuständig ist.
Nach der Verhängung des Kriegsrechts war die von Jaruzelskis
damaligem Gegenspieler Lech Walesa gegründete Solidarnosc-Bewegung
verboten worden und musste in den Untergrund gehen. Walesa und
zahlreiche Solidarnosc-Mitglieder wurden festgenommen und inhaftiert.
1996 bescheinigte das polnische Parlament Jaruzelski, der zwischen 1981
und 1989 Regierungschef und Vorsitzender der Polnischen Vereinigten
Arbeiterpartei war, keine Schuld an der Tötung von Menschen
während des Kriegsrechts zu tragen. Viele Polen sind der Ansicht,
Jaruzelski habe dem Land mit der Verhängung des Kriegsrechts eine
sowjetische Militärintervention erspart.
Der polnische Präsident Lech Kaczynski, ein vehementer Gegner des
Kommunismus, hatte im Februar angekündigt, Jaruzelski wegen der
Verhängung des Kriegsrechts vom General (3166.KL - Nachrichten)
zum einfachen Soldaten zu degradieren. Gemeinsam mit Jaruzelski
müssen sich acht weitere hochrangige Mitglieder der Regierung nun
wegen der Verhängung des Kriegsrechts vor Gericht verantworten.
(Quelle: afp)
Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich: Kopf-an-Kopf-Rennen
zwischen Royal und Sarkozy
Mi.18.04.07 - Die Sozialistin Ségolène Royal hat wenige Tage vor der
Präsidentschaftswahl in Frankreich wieder zum rechtskonservativen
Kandidaten Nicolas Sarkozy aufgeschlossen. Laut einer am Dienstag
veröffentlichten Umfrage des Institutes CSA-Cisco könnte sie
in einer Stichwahl am 6. Mai wie Sarkozy mit 50 Prozent der Stimmen
rechnen. Royal legte gegenüber der Vorwoche einen Punkt zu, Sarkozy
verlor einen Punkt. Es ist das erste Mal seit mehr als einem Monat,
dass die Exfamilienministerin zum Chef der UMP aufgeschlossen hat.
Bei der Frage nach der Wahlpräferenz in der ersten Runde am
Sonntag hat
Sarkozy mit 27 Prozent weiter die Nase vorn, Royal kam auf 25 Prozent.
Der Abstand auf den drittplatzierten Francois Bayrou von der
Zentrumspartei UDF vergrößterte sich in einer Woche um vier
Prozentpunkte, er könnte am 22. April mit 19 Prozent rechnen. Den
Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen von der Nationalen Front sieht die
Umfrage, die die Zeitung «Le Parisien» veröffentlichte,
bei 15,5 Prozent.
(Quelle: ap)
Arbeitsplatzabbau trotz Rettung für Opel Werke
Mi.18.04.07 - Neue Sparrunde bei Opel: Zwei Jahre nach dem harten Sanierungsplan
werden erneut Tausende Arbeitsplätze wegfallen, vor allem im
belgischen Werk Antwerpen sowie in Bochum.
Die zunächst angedrohte Schließung eines Werkes ist dagegen
vom Tisch. Auch das lange als gefährdet geltende Bochumer Werk ist
gerettet und wird die neue Generation des Opel-Astra ab 2010 bauen. Das
teilte der Mutterkonzern General Motors (GM) am Dienstag nach
Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern mit.
In Antwerpen wird bereits in diesem Jahr eine Schicht wegfallen - das
entspräche 1400 Stellen. «In Bochum wird es einige Jobs
kosten, wie viele, können wir nicht sagen», erklärte
GM-Europa-Chef Carl- Peter Forster. GM beschäftigt derzeit in
Europa 62 500 Mitarbeiter, davon stehen rund 3000 Stellen auf der
Kippe. Seit 2005 wurden zur Sanierung des lange defizitären
Europageschäfts bereits 12 000 Arbeitsplätze gestrichen, die
meisten bei Opel.
«Wir müssen daran arbeiten, noch rentabler zu werden»,
betonte Forster. Opel hatte 2006 erstmals seit sieben Jahren den Sprung
in die schwarzen Zahlen geschafft. Dieses Ziel sei wegen des harten
Wettbewerbs nicht durch mehr Absatz, sondern nur durch Kostensenkungen
erreichbar.
Das Management fordert flexiblere Arbeitszeiten, den Wegfall von
Zuschlägen und geringere Lohnzuwächse, um die Kosten um 450
Millionen Euro zu senken. Die Gewerkschaften hatten zur Rettung der
Werke Zugeständnisse bei Gehalt und Arbeitszeiten im Volumen von
290 Millionen Euro gemacht. «Die Summe wird Teil des
auszuhandelnden Pakets sein», sagte Forster.
Die neue Generation des Kompaktwagens Astra wird ab 2010 an vier
Standorten, darunter Bochum, gebaut werden, entschied GM Europa. Zudem
erhalten die Werke in Gliwice (Polen), Ellesmere Port (England) und das
Saab-Werk in Trollhättan (Schweden) den Zuschlag. Der
Betriebsratsvorsitzende der schwedischen GM-Tochter Saab, Paul
Åkelund, sagte zufrieden: «Wir haben GM gezeigt, dass wir
Qualität und hohe Produktivität zu bieten haben.» Man
könne nun optimistisch in die Zeit bis nach 2010 blicken.
Leer geht das Opel-Werk in Antwerpen beim Astra aus. «Wir reden
nicht über eine Werksschließung, sondern es kann eine
alternative Belegung mit anderen GM-Marken wie Chevrolet geben»,
sagte Forster. Betriebsbedingte Kündigungen seien ausgeschlossen,
über Abfindungen werde in den nächsten Wochen verhandelt.
Das Werk Antwerpen beschäftigt 4500 Mitarbeiter und baut den Opel
Astra als Drei- und Fünftürer, sowie die Caravan-Version und
das Cabrio. Der belgische Premierminister Guy Verhofstadt bedauerte den
geplanten Wegfall von 1400 Stellen. «Das ist eine sehr schlechte
Nachricht für die Arbeiter, aber auch für die
Zulieferer», sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga.
Die Beschäftigten der Nachmittagsschicht legten spontan ihre
Arbeit nieder und verließen die Fabrik, berichtete Belga weiter.
Wegen verbesserter Produktivität und einer globalen
Modellplattform braucht GM für den Bau des neuen Astra weniger
Kapazitäten als bisher. Geplant ist eine jährliche Produktion
von 750 000 Astra. In die künftigen Astra-Fabriken will GM
insgesamt 3,1 Milliarden Euro investieren.
In Bochum werden nach Angaben des Betriebsrates von den 4900
Beschäftigten in der Montage künftig nur noch 3200 gebraucht.
Ab 2010 dürften für die Produktion eines Autos nur noch 15
statt 24 Stunden benötigt werden, sagte der Bochumer
Betriebsratschef Rainer Einenkel der Nachrichtenagentur dpa. Der
Stellenabbau in Bochum solle weitgehend über
Vorruhestandsregelungen erfolgen. Über weitere Zugeständnisse
der Arbeitnehmer wird in den kommenden Wochen verhandelt werden.
Der Gesamtbetriebsrat begrüßte die Entscheidung.
«Unsere Basisforderung ist erfüllt worden, wir haben
Werksschließungen verhindert», sagte der
Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz. Er forderte eine
Bestandsgarantie für alle europäischen Werke bis 2016.
«Im Bochumer Werk herrscht riesengroße
Erleichterung», sagte Einenkel. «Jetzt müssen wir
schauen, dass wir den Rest noch hinkriegen, und zwar ohne
Kündigungen.»
Schon in den vergangenen Jahren hatten die Arbeitnehmer einen harten
Sanierungskurs mitgetragen. Seit 2005 hat GM im lange defizitären
Europageschäft 12 000 Stellen gestrichen, den Großteil bei
Opel in Deutschland. In Portugal hat der Konzern Ende 2006 ein
Opel-Werk mit 1100 Mitarbeitern geschlossen. Der Kompaktwagen Astra ist
das meistverkaufte Modell bei Opel. 2006 wurden nach
Unternehmensangaben 530 000 Astra produziert.
(Quelle: dpa)
Telekom will Löhne teilweise um 12 Prozent senken
Mi.18.04.07 - Der Konflikt zwischen der Deutschen Telekom und der Gewerkschaft Verdi
um die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für rund die
Hälfte der Mitarbeiter der Festnetzsparte spitzt sich zu.
Das Telekom-Management schlug am Dienstag vor, die Gehälter der
bis zu 50.000 Mitarbeiter, die in konzerneigene Töchter
ausgegliedert werden sollen, schrittweise um zwölf Prozent zu
senken. Zudem sollen die Beschäftigten mindestens 38 statt bislang
34 Stunden arbeiten. Im Gegenzug will das Unternehmen ihre Jobs zwei
Jahre länger garantieren. Verdi lehnte die Vorschläge als
völlig unzureichend ab. Mehr als 10.000 Beschäftigte machten
ihrem Unmut in Warnstreiks Luft.
Nach Vorstellungen des Telekom-Managements sollen die betroffenen
Service-Mitarbeiter in drei konzerneigene so genannte T-Service
Gesellschaften ausgelagert werden. Die Gehälter sollen schrittweise
über 30 Monate um insgesamt zwölf Prozent sinken.
Berufsanfängern will die Telekom künftig 20.000 Euro
jährlich statt bislang bis zu 34.000 Euro zahlen. Dafür sollen
neue Arbeitsplätze in "signifikanter Höhe" entstehen. Den
Kündigungsschutz für die betroffenen Mitarbeiter will der
Konzern bis 2010 verlängern. Bis Ende 2010 ist die Telekom zudem
bereit, auf einen Verkauf der T-Service-Gesellschaften zu verzichten.
Arbeitnehmervertreter forderten größere Sicherheiten
für die Beschäftigten. "Bei dem jetzigen Denkmodell ist eine
Einigung völlig ausgeschlossen", sagte
Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder. Inhaltlich seien
sich die Parteien auch in der vierten Verhandlungsrunde nicht näher
gekommen. "Das ist eine katastrophale Zumutung für die
Beschäftigten", kritisierte Schröder, der auch im Aufsichtsrat
des Bonner Konzerns sitzt. "Bei einer derartigen Dimension des Umbaus
ist ein Kündigungsschutz nur bis 2010 nicht ausreichend."
Firmenchef Rene Obermann will mit dem Konzernumbau bis 2010
jährlich bis zu 900 Millionen Euro sparen und den Service
verbessern, um das Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen. Die
Ausgliederung ist nach Ansicht der Telekom die einzige Möglichkeit,
um die Arbeitsplätze zu erhalten. Notfalls soll sie zum 1. Juli
auch ohne Zustimmung der Gewerkschaft umgesetzt werden.
(Quelle: rtr)
Verbraucherschützer kritisieren 'Bereicherung der Stromkonzerne'
Mi.18.04.07 - Verbraucherschützer haben die jüngsten Zahlen zur
Strompreisentwicklung als Beweis für die halbherzige
Marktöffnungspolitik in Deutschland bezeichnet.
Verglichen mit anderen Branchen wie etwa der Telekommunikation, wo es
eine Marktöffnung gegeben habe, müsse man "klar feststellen:
Die Liberalisierung im Stromsektor ist nicht bei den Verbrauchern
angekommen", sagte der Energieexperte des Bundesverbandes der
Verbraucherzentralen (VZBV), Holger Krawinkel, der Frankfurter Rundschau
(Dienstagausgabe) laut Vorab-Bericht.
Nach Einschätzung des VZBV ist "für mehr als zwei Drittel der
Preissteigerungen die Stromwirtschaft verantwortlich". Krawinkel nannte
es "fatal, dass eine Marktöffnung betrieben worden ist, ohne dass
von vornherein die Spielregeln für diesen Wettbewerb festgelegt
wurden". Die Folge sei, dass sich "in erster Linie international
operierende Konzerne bereichern und die Konsumenten leer ausgehen".
(Quelle: rtr)
Zentralrat der Juden fordert Konsequenzen aus dem Trauerrede-Eklat
Mi.18.04.07 - Der Zentralrat der Juden in Deutschland warnt vor einem Schlussstrich
nach der Diskussion über die Trauerrede des
baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther
Oettinger. Man könne nicht einfach wieder zur Tagesordnung
übergehen, sagte Generalsekretär Stephan Kramer der
Chemnitzer «Freien Presse».
Auf keinen Fall dürfe Oettinger dem rechten Spektrum als
Märtyrer dienen, warnte Kramer. Es würden bereits Biografien
der Opfer des früheren NS-Marinerichters Filbinger
verfälscht, um eine Verschwörungstheorie gegen den
Stuttgarter Landeschef zu konstruieren.
Kramer fordert die Schließung des von Filbinger gegründeten
Studienzentrums im baden-württembergischen Weikersheim als
Konsequenz der Debatte. In dieser Einrichtung würden Ansichten
vertreten, die im rechtsextremen Spektrum anzusiedeln seien, sagte
Kramer.
(Quelle: ap)
CDU streitet weiter über Oettingers Filbinger-Rede
Mi.18.04.07 - Auch nach der Entschuldigung des baden-württembergischen
Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU) für die
Äußerungen über seinen Vorgänger Hans Filbinger
kommt die CDU nicht zur Ruhe. Brandenburgs Innenminister Jörg
Schönbohm griff Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) wegen
ihrer öffentlichen Kritik an Oettinger scharf an. Die Bekanntgabe
ihres Telefonats mit dem Ministerpräsidenten sei "in der Sache
schädlich" gewesen. Politiker von SPD und FDP forderten die CDU zu
weiteren internen Diskussionen auf. Laut einer Umfrage hat Oettinger
deutlich an Ansehen verloren.
In ungewöhnlich scharfer Form wandte sich Schönbohm gegen die
öffentliche Kritik Merkels an Oettinger. Das öffentliche
Abwatschen eines CDU-Ministerpräsidenten durch die eigene
Bundesvorsitzende habe bis zu diesem Fall noch nie zum Stil der CDU
gehört, sagte Schönbohm der "Leipziger Volkszeitung". "Unsere
Leute wollen sehen, ob wir auch noch zusammenstehen, wenn uns der Wind
einmal stark ins Gesicht weht."
Der CDU-Europapolitiker Elmar Brok nahm Merkel gegen die Kritik
Schönohms in Schutz. Die Kanzlerin habe sich "wieder als jemand
erwiesen, der Dinge in den Griff kriegt", sagte Brok dem "Kölner
Stadt-Anzeiger". Das CDU-Präsidiumsmitglied Hildegard Müller
betonte in der "Mitteldeutschen Zeitung", Merkel sei richtig
vorgegangen.
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) warnte die CDU
derweil davor, zur Tagesordnung überzugehen. Er
begrüße, dass Oettinger nach tagelangem Zögern den
geschichtsverfälschenden Satz über Filbinger als Nazi-Gegner
endlich zurückgezogen habe, sagte Thierse der "Berliner Zeitung".
"Es bleibt aber die Erinnerung daran, dass ihm aus den Reihen der
baden-württembergischen CDU jubelnd zugestimmt worden ist."
Der Generalsekretär der baden-württembergischen CDU, Thomas
Strobl, forderte dagegen ein Ende der Diskussion. Er glaube, die
Debatte könne nun wirklich beendet werden, sagte Strobl im SWR.
Zur Rolle Filbingers in der NS-Zeit sagte er, dies müsse von
Historikern geklärt werden.
Mehr als drei Viertel (76 Prozent) der Wahlberechtigten in
Baden-Württemberg halten laut einer vom SWR veröffentlichten
Infratest-dimap-Umfrage den Oettinger in seinem Amt für deutlich
beschädigt. Seinen Rücktritt fordern aber nur 19 Prozent. Die
Rücknahme seiner Aussage, Filbinger sei ein Gegner des
Nazi-Regimes gewesen, halten 67 Prozent für notwendig.
(Quelle: afp)
Michael Buback spricht sich für Begnadigung Klars aus
Mi.18.04.07 - Der Sohn des vor 30 Jahren von der Roten Armee Fraktion (RAF)
ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback spricht sich für
eine Begnadigung des wegen dieser Tat verurteilten Christian Klar aus.
Michael Buback schrieb in einem Beitrag für die
«Süddeutsche Zeitung» (Mittwochausgabe), er habe
«Informationen aus dem Bereich der RAF» erhalten, die
dafür sprächen, dass Klar nicht unmittelbar an dem Anschlag
auf seinen Vater am 7. April 1977 beteiligt gewesen sei.
Demnach sei Klar nicht eine der beiden Personen auf dem Motorrad
gewesen, von dem aus der damalige Generalbundesanwalt und seine beiden
Begleiter erschossen wurden.
Klar wurde wegen mehrfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt und
hat nach 24 Jahren Gefängnis ein Gnadengesuch bei
Bundespräsident Horst Köhler gestellt. Die vom Gericht
festgelegte Mindesthaftdauer Klars läuft 2009 ab. Nach
Informationen der Zeitung wird Köhler am Mittwoch in kleinem Kreis
über das Gnadengesuch beraten.
Buback schrieb, Klar habe nach seinen Informationen auch nicht an der
frühen Planung des Attentats auf seinen Vater teilgenommen, auch
nicht an der Ausbildung für die Aktion. Dagegen habe Klar
maßgeblich an der Ermordung des Dresdner-Bank-Chefs Jürgen
Ponto mitgewirkt. Klar sei nach seinen Informationen auch nicht in die
Entführung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin
Schleyer einbezogen gewesen.
Buback betonte, für ihn sei der entscheidende Täter
derjenige, der geschossen hat. «Wenn die Schwere der Verbrechen
von Christian Klar die der Morde anderer RAF-Mitglieder nicht deutlich
übersteigt, kann man fragen, ob seine Haftdauer länger als
die von Frau Mohnhaupt andauern sollte», schrieb Buback unter
Hinweis auf die Ende März nach 24 Jahren freigelassene Brigitte
Mohnhaupt, die unter anderem wegen des Mordes an Ponto verurteilt
worden war.
Buback räumte ein, er sei sich darüber im Klaren, dass seine
Quelle mit Skepsis betrachtet werden müsse. Die Informationen
könnten falsch sein. Er habe sie aber geprüft und
festgestellt, dass sie in sich schlüssig seien und zu bereits
Bekanntem passten.
Klars Anwalt Heinz-Jürgen Schneider äußerte sich der
Zeitung zufolge überrascht über Bubacks Beitrag und sprach
von einer Stimme der Vernunft. Der Sprecher der Bundesanwaltschaft,
Frank Wallenta, sagte, die neuen Hinweise zum Attentat auf Buback seien
seit kurzem bekannt. Es werde geprüft, ob und gegebenenfalls
welche Konsequenzen sich daraus ergeben.
(Quelle: ddp)