Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendvierundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Eskalierende Gewalt in Bgdad - 195 Tote bei verheerender Anschlagserie.
US-Verteidigungsminister Gates warnt vor Zusammenbrechen des Iraks.
Keine Annäherung im Streit um Abzugsdatum für US-Truppen aus
Irak
Do.19.04.07 - Bei einer Serie von Autobombenanschlägen in der irakischen
Hauptstadt Bagdad sind 195 Menschen getötet worden. Der
schwerste Anschlag ereignete sich auf einem Markt, wo nach Angaben aus
Sicherheitskreisen 140 Menschen starben.
Der Anschlag auf dem Markt ereignete sich im Viertel El Sadrija, wo
sowohl Kurden als auch Schiiten leben. Mindestens 137 Menschen wurden
dort laut Innenministerium verletzt. Im Schiitenviertel Sadr City
starben mindestens 28 Menschen, als ein mit Sprengstoff beladenes Auto
an einem Kontrollpunkt der Armee explodierte. Dutzende Menschen wurden
verletzt.
Bei einem Überfall auf eine Polizeipatrouille ebenfalls in der
Hauptstadt wurden vier Polizisten getötet, sechs Passanten erlitten
Verletzungen.
In Bakuba kamen bei einer Schießerei zwei Brüder ums Leben,
ein Polizist wurde verletzt. Anschläge und Überfälle
wurden auch aus Mossul, Tal Afar und Kirkuk gemeldet.
Die US-Streitkräfte erschossen nach eigenen Angaben während
einer Razzia in der westlichen Provinz Anbar fünf Verdächtige.
Die Truppen seien in der Nähe von Karma, nordöstlich von
Falludscha, angegriffen worden. 26 Iraker seien festgenommen worden.
Bei zwei weiteren Einsätzen nördlich von Bagdad wurden nach
Militärangaben ein Verdächtiger getötet und acht
festgenommen.
In Genf ging die Hilfskonferenz für die Irak-Flüchtlinge zu
Ende. UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres bezeichnete die
Zusage Bagdads, insbesondere Syrien und Jordanien mit 25 Millionen
Dollar (18,5 Millionen Euro) zu unterstützen, als "großen
Erfolg".
Nach Angaben von Guterres zeigten sich mehrere der über 60
Teilnehmerländer in Genf bereit, die Flüchtlingshilfe
aufzustocken oder Flüchtlinge aufzunehmen. Den Vereinten Nationen
zufolge sind bis zu acht Millionen Iraker "dringend" auf
ausländische Hilfen angewiesen. Vier Millionen Bürger des
Landes - jeder achte Iraker - sind wegen der Gewalt auf der Flucht,
zwei Millionen davon im eigenen Land. Die meisten Flüchtlinge
suchten in Syrien und Jordanien Zuflucht.
Der irakische Außenminister Hoschjar Sebari hatte gesagt, mit den
25 Millionen Dollar sollten die medizinische Versorgung und Ausbildung
von Irakern in ihren Aufnahmeländern unterstützt werden.
Deutschland hatte am Montag angekündigt, 2,2 Millionen Euro
für irakische Flüchtlinge und Binnenvertriebene zur
Verfügung zu stellen. Frankreich will nach Diplomatenangaben etwa
eine Million Euro beisteuern. Die USA gaben an, das UNHCR bereits mit
18 Millionen Dollar für Irak-Flüchtlinge unterstützt zu
haben. Zudem wollen die USA dieses Jahr bis zu 25.000 irakische
Flüchtlinge aufnehmen.
US-Verteidigungsminister Gates warnte vor einem Zusammenbrechen des
Iraks. Wenn die staatlichen Strukturen des Landes zusammenbrächen,
hätte dies negative Auswirkungen auf die Sicherheit und den
Wohlstand in allen Ländern des Nahen Ostens, sagte Gates vor der
Amerikanischen Handelskammer in Kairo.
Ein Treffen zwischen Präsident George W. Bush und führenden
Demokraten hat keine Annäherung im Streit um ein Abzugsdatum
für die Irak-Truppen gebracht. Die Präsidentin des
Abgeordnetenhauses, Nancy Pelosi, und der Mehrheitsführer im
Senat, Harry Reid, sagten nach der Begegnung im Weißen Haus nur,
sie hätten Bush ihren Standpunkt darlegen können. Das sei
«extrem wichtig» gewesen.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.112004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 19.04.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
|
'Der Irak ist unbewohnbar geworden'
Zuerst verlor Professor Nasar al Kadduri seinen Bruder - er wurde mit
einer Kreissäge enthauptet. Auch ein Neffe und mehrere seiner
Kollegen an der Universität Bagdad wurden ermordet. Als er dann
selbst die ersten Todesdrohungen erhielt, zögerte Kadduri nicht
lange: «Ich habe mich fürs Exil entschieden», sagt der
mittlerweile in Brüssel lebende Iraker. «Der Irak ist, wie
jeder weiß, unbewohnbar geworden.»
Kadduri schätzt sich glücklich, in Belgien angekommen zu
sein, aber seine Familie fehlt ihm. «Derzeit bin ich in
Brüssel, meine Frau ist in Amman und mein Sohn in Damaskus. Wir
sind in alle Winde zerstreut, jeder auf einem anderen Stern.» Und
noch ist unklar, ob die belgischen Behörden Frau und Sohn
nachkommen lassen werden.
So wie den Kadduris geht es vielen irakischen Familien. Bis zu 40.000
Iraker, schätzt die Vertretung des UN-Flüchtlingskommissariats
UNHCR in Brüssel, werden allein in diesem Jahr in der EU Zuflucht
suchen. Das wären zwei Mal so viele wie im vergangenen Jahr.
Zwar bleibt der weitaus größte Teil der irakischen
Flüchtlinge nahe der Heimat: Etwa die Hälfte der rund vier
Millionen Menschen, die seit dem Einmarsch der US-Truppen im
Frühjahr 2003 aus ihren Häusern geflohen sind, hält sich
noch im Irak selbst auf. Von den übrigen zwei Millionen leben die
meisten in Syrien, Jordanien oder einem anderen Nachbarstaat.
Die Situation der Flüchtlinge in diesen Ländern ist aber
ausgesprochen schwierig, wie Carsten Jürgensen von Amnesty
International am Mittwoch in Brüssel berichtete. «Die
Flüchtlinge müssen für Ernährung und Unterbringung
selbst aufkommen, zugleich dürfen die meisten von ihnen aber nicht
arbeiten», sagte Jürgensen, der im März die Situation in
Jordanien begutachtete. Da sich die meisten irakischen Flüchtlinge
illegal in dem Nachbarland aufhielten, könnten ihre Kinder noch
nicht einmal die Schule besuchen. Sie müssten zudem stets
befürchten, in den Irak zurückgeschickt und dort getötet
zu werden. In Syrien sei die Situation ähnlich, erklärte
Nawal Abdul Karim von der irakischen Frauenliga in Brüssel.
Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat die Industriestaaten
aufgerufen, in diesem Jahr mindestens 20.000 irakische Flüchtlinge
aus Jordanien und Syrien aufzunehmen, um die Lage in diesen beiden
Staaten zu entspannen. Die USA, die 2006 nur 202 Iraker aufnahmen,
wollen in diesem Jahr rund 7.000 ins Land lassen.
Die einzigen EU-Staaten, die sich offiziell zur Aufnahme einiger
hundert Iraker bereit erklärt haben, sind Schweden und Finnland.
Dessen ungeachtet werden voraussichtlich zehntausende Iraker in Europa
Zuflucht suchen. Im vergangenen Jahr kamen bereits 20.000. Fast die
Hälfte davon beantragte Asyl in Schweden, weil dort bereits rund
70.000 Iraker leben. Es folgten - mit großem Abstand - die
Niederlande mit etwa 2.800 und Deutschland mit rund 2.100 irakischen
Flüchtlingen.
Für die EU stellt sich damit die Frage der Solidarität -
nicht nur mit den Irakern, sondern auch unter den einzelnen
Mitgliedstaaten. Schweden hat bereits ein gemeinsames Konzept zur
Verteilung der Flüchtlinge gefordert. Ein solcher
Verteilungsmechanismus wurde Ende der 90er Jahre auf die
Flüchtlinge aus dem Kosovo angewandt. Die Zahl irakischer
Asylanträge sei aber deutlich geringer, so dass der Mechanismus
nicht automatisch greife, erklärte EU-Kommissionssprecher Friso
Roscam Abbing am Mittwoch. Schweden solle aber finanzielle
Unterstützung aus dem Europäischen Flüchtlingsfonds
erhalten.
Beim EU-Innenministertreffen am Freitag will sich die deutsche
Ratspräsidentschaft zudem bemühen, eine gemeinsame Linie
für die Anerkennung irakischer Flüchtlinge zu vereinbaren.
Während Schweden bislang rund 80 Prozent der irakischen
Asylbewerber anerkennt, wird ein Großteil der Flüchtlinge in
anderen EU-Ländern nur geduldet.
Am restriktivsten verhält sich ausgerechnet Großbritannien,
der treueste Verbündete der USA im Irak. Die britische Regierung
ließ bereits irakische Flüchtlinge abschieben. «Die
Briten sollte Verantwortung übernehmen, weil sie neben den USA die
größte Besatzungsmacht im Irak sind», forderte die
Irakerin Abdul Karim in Brüssel. Amnesty International und andere
Menschenrechtsorganisationen fordern einen europaweiten Abschiebestopp.
Trotz der restriktiven Haltung vieler EU-Staaten glauben Iraker, die es
nach Europa geschafft haben, dass noch zahlreiche ihrer Landsleute den
beschwerlichen Weg auf sich nehmen. Die meisten ließen sich von
Schleppern aus der Türkei oder dem Libanon in die EU bringen,
berichtet Ibrahim Ali. «Sie können sich nicht vorstellen, wie
die Autobahn von Bagdad nach Syrien aussieht.» Als er im Februar
mit seiner Frau und den drei Kindern aufgebrochen sei, sei die
Straße vollkommen verstopft gewesen - von schwer beladenen
Flüchtlingsautos.
Quelle: ap, 18.04.2007
|
UN-Menschenrechtskommissarin: Staaten foltern im Kampf gegen Terror
Do.19.04.07 - Im Kampf gegen den Terrorismus setzen viele Staaten nach Angaben der
UN-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour noch immer auf Folter. Dies
schade den Bemühungen, mit legalen Mitteln gegen Terror
vorzugehen, sagte Arbour am Mittwoch vor der Parlamentarischen
Versammlung des Europarates in Straßburg. Gesetze und
Menschenrechte würden dadurch immer weiter ausgehöhlt.
Studien zufolge kommt es auch in Europa immer wieder zu Folter,
gezielten Tötungen und Verschleppungen.
«Das ist so weit verbreitet, dass es schwer ist, bestimmte
Staaten zu nennen», antwortete Arbour auf die Frage, welche
Regierungen die Menschenrechte verletzten. Die amerikanische
Organisation Human Rights Watch warf dem Europarat vor, nicht
ausreichend gegen die Menschenrechtsverletzungen Russlands in
Tschetschenien vorzugehen. Grund dafür sei der Druck, den das Land
als Mitglied des Europarats auf das Gremium ausübe. Der Europarat
kann nur bei einstimmigen Beschlüssen gegen einen seiner 46
Mitgliedstaaten aktiv werden.
«Eine Reihe von Gremien des Europarates haben die
Gräueltaten in Tschetschenien ausführlich
dokumentiert», sagte der Direktor von Human Rights Watch, Kenneth
Roth. Es sei schlimm, dass Russland nie mit Konsequenzen konfrontiert
worden sei. Der Vorsitzende der Parlamentarischen Versammlung des
Europarates, Rene van der Linden, wies die Kritik zurück:
«Ich kann nicht zustimmen, dass dies mit dem Druck von Russland
zu tun hat», betonte er.
(Quelle: ap)
Deutschland will mit China in Sicherheitspolitik enger kooperieren
Do.19.04.07 - Deutschland und China müssen nach Überzeugung des deutschen
Verteidigungsministers Franz Josef Jung in der Sicherheitspolitik enger
zusammenarbeiten. Zum Auftakt eines Besuches in Peking sagte er, beide
Seiten hätten «viele gemeinsame Sicherheitsinteressen».
Er verwies auf das Tauziehen mit dem Iran und Nordkorea um deren
umstrittene Atomprogramme sowie die Lösung der Krise im Sudan.
Eine stärkere sicherheitspolitische Zusammenarbeit sei auch im
deutschen Interesse, sagte Jung.
(Quelle: dpa)
Menschenrechtsgruppe verklagt Yahoo wegen chinesischer Dissidenten
Do.19.04.07 - Eine amerikanische Menschenrechtsgruppe hat das US-Internetportal Yahoo
der Beihilfe zu Verhaftung und Folter chinesischer Dissidenten
beschuldigt. Die Weltorganisation für Menschenrechte USA reichte
am Mittwoch eine Klage am Sitz des Unternehmens in San Francisco ein,
teilte deren Direktor Morton Sklar mit. Yahoo habe den chinesischen
Behörden Informationen über seine Benutzer weitergegeben, die
in mindestens fünf Fällen zu Verhaftungen und Misshandlungen
geführt hätten.
Sklar sagte, in den USA lebende Dissidenten scheuten sich, sich der
Klage anzuschließen, weil sie Repressalien gegen ihre Familien in
China fürchteten. Yahoo-Sprecher Jim Cullinan sagte, solche Dinge
würden besser mit Diplomatie denn über «das rechtliche
Forum» geregelt. Yahoo ist der einzige Internetanbieter, der
bisher der Beihilfe zur Verhaftung chinesischer Dissidenten beschuldigt
wird. Dem Yahoo-Konkurrenten Google wird vorgeworfen, es habe in China
eine zensierte Version seiner Suchmaschine eingeführt und so den
Behörden dort geholfen, Andersdenkende zu unterdrücken.
Microsoft schaltete nach Pekinger Aufforderung einen Blog ab, der sich
unter anderem mit Pressefreiheit befasste.
(Quelle: ap)
Südamerikanischer Energie-Gipfel bringt Energierat auf den Weg
Do.19.04.07 - Bei ihrem ersten Energie-Gipfel haben die Staatschefs von zehn
südamerikanischen Ländern die Einrichtung eines Energierats
für die Region beschlossen. Damit sei die Grundlage für eine
Abkommen über Öl, Gas, alternative Treibstoffe und
Ökotreibstoffe sowie hydroelektrische Energie und die Frage der
internationalen Vernetzung gelegt, sagte der kolumbianische
Präsident Alvaro Uribe am Dienstag bei dem Treffen auf der
venezolanischen Karibikinsel Isla Margarita. An dem Gipfel nahmen neben
Venezuela als Gastgeber Kolumbien Argentinien, Bolivien, Brasilien,
Chile, Ecuador und Paraguay sowie Peru und Uruguay teil.
(Quelle: afp)
Amokläufer in USA war von Hass auf Kommilitonen getrieben
Do.19.04.07 - Der Amokläufer, der am Dienstag auf dem Gelände einer
Universität im US-Bundesstaat Virginia 32 Menschen erschossen hat,
war offenbar von Hass auf seine Kommilitonen getrieben: Alle Details
deuten auf die verzweifelte Tat eines Außenseiters. Der aus
Südkorea stammende 23-jährige Täter hinterließ
offenbar einen hasserfüllten Abschiedsbrief, in dem er sich
über seine Mitstudenten ausließ. "Ihr habt mich zu dieser Tat
gezwungen", zitierte der Fernsehsender ABC. Der Täter beging am
Tatort Selbstmord. Die Kritik an der Einsatztaktik der Polizei wuchs
derweil.
Der Vizepräsident der Universität Virginia Tech in
Blacksburg, Larry Hincker, beschrieb den Englisch-Studenten als
"Einzelgänger", über den nicht viel bekannt sei. In seinem
mehrseitigen Schreiben habe er seine Kommilitonen als "reiche Kinder"
und "betrügerische Scharlatane" beschimpft, berichteten US-Medien.
In letzter Zeit sei der junge Mann durch seltsames Verhalten
aufgefallen. Er sei "aggressiv und verwirrt" aufgetreten, habe Frauen
nachgestellt und in einem Wohnheim Feuer gelegt, erfuhr die "Chicago
Tribune" von Ermittlern.
Ersten Erkenntnissen zufolge handelte es sich nicht um eine
Kurzschlusstat. Am vergangenen Freitag habe sich Cho die
Neun-Millimeter-Pistole gekauft, die er bei dem Amoklauf einsetzte,
berichtete ABC. Wenig später habe er sich eine 22-Millimeter-Waffe
zugelegt.
Die Kritik am Einsatz der Polizei wurde lauter. Im Mittelpunkt stand
die Frage, warum die Polizei den Campus nicht sperrte, als am
Montagmorgen im Studentenwohnheim die ersten Schüsse fielen und
zwei Menschen getötet wurden. Die Polizei ging danach nach eigenen
Angaben davon aus, dass der Täter geflohen sei. Zwei Stunden
später betrat erdann Norris Hall und tötete dort 30 Menschen.
US-Präsident George W. Bush nahm in Blacksburg an einem
Gottesdienst mit mehreren tausend Studenten und Mitarbeitern zum
Gedenken an die Opfer teil. Er sprach von einem "Tag der Taurigkeit":
"Ich hoffe, in dieser Zeit der Qual wissen Sie, dass Menschen im ganzen
Land an Sie denken". Zuvor hatte er über seine Sprecherin
ausrichten lassen, dass er eine Änderung des in der Verfassung
verbrieften Rechts auf das Tragen von Waffen weiter ablehnt.
(Quelle: afp)
Menschenrechtler prangern Nachsicht gegenüber Tschetschenien an
Do.19.04.07 - Vertreter von Menschenrechtsorganisationen haben scharfe Kritik am
nachsichtigen Umgang der europäischen Länder mit
Übergriffen in der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien
geübt. Die Partner Moskaus reagierten auf die russischen
Menschenrechtsverletzungen in der abtrünnigen Kaukasusrepublik mit
einem "tiefen Schweigen", sagte der Vorsitzende der Organisation Human
Rights Watch, Kenneth Roth, am Mittwoch vor der Parlamentarischen
Versammlung des Europarats in Straßburg. Dieses Schweigen sei dem
Kreml nicht entgangen. Auch die Generalsekretärin von Amnesty
International (ai), Irene Khan, warf den Regierungen vor, das Klima der
Straflosigkeit in Tschetschenien hinzunehmen.
(Quelle: afp)
Mord an Christen in der Türkei
Do.19.04.07 - Bei einem Überfall auf ein christliches Verlagshaus in der Stadt
Malatya im Südosten der Türkei sind drei Menschen ermordet
worden. Unter den drei Männern sei auch ein Deutscher, sagte der
Provinzgouverneur dem türkischen Nachrichtensender NTV. Ein
vierter Mann sei nach einem Sprung oder Sturz aus dem Fenster verletzt
in ein Krankenhaus gebracht worden. Der Verlag habe christliche
Literatur und Kreuze verkauft und sei deshalb bedroht worden.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Justizministerin Zypries und Innenminister Schäuble streiten
über Speicherung von Fingerabdrücken
Do.19.04.07 - SPD und CDU streiten weiter über die Einführung einer
Massenspeicherung von Fingerabdrücken. Justizministerin Brigitte
Zypries wies entsprechende Forderungen von Innenminister Wolfgang
Schäuble (CDU) am Mittwoch in Berlin mit Vehemenz zurück.
«Dafür gibt es im Moment keine rechtliche Grundlage und auch
gar keinen Entwurf», sagte die SPD-Politikerin. Schäuble
verteidigte seine Pläne. Er will zur Abwehr terroristischer
Gefahren auch den Polizeizugriff auf digitale Passfotos erlauben.
Sie wisse noch gar nicht, ob Schäuble mit dem Passgesetz, das sich
schon längst im Verfahren befinde, noch Änderungen vorhabe,
sagte Zypries in der ARD. Nächste Woche gebe es eine Anhörung
im Bundestag, und im Grunde genommen herrsche Einigkeit darüber,
«was da alles drinstehen soll». Mit Blick auf Schäubles
Pläne sagte sie: «Deswegen ist das für mich erst einmal
nur eine Überlegung.»
Schäuble will über eine Änderung des Passgesetzes
Millionen Fingerabdrücke bei den Meldebehörden speichern
lassen. Zypries erteilte dem aber eine klare Absage. In der großen
Koalition habe dieses Projekt keine Zukunft, mit der SPD werde es so
etwas nicht geben, bejahte sie eine entsprechende Frage. Sie könne
es sich nicht vorstellen, die Fingerabdrücke der Menschen in
Deutschland quasi auf Vorrat zu speichern.
Schäuble hingegen verteidigte in einem Interview des Magazins
«Stern» seine Haltung und sprach sich erneut dafür aus,
der Polizei den automatischen Zugriff auf Millionen digitaler Passfotos
zu erlauben, die mit der Vergabe des elektronischen Reisepasses
gewonnen werden. Die Gewährleistung von Sicherheit für Leib
und Leben sei eine wesentliche Aufgabe des Staates. «Alle
Experten sagen, es sei nicht eine Frage des Ob, sondern nur noch eine
Frage des Wann des nächsten Anschlags. In dieser Zeit leben
wir», sagte Schäuble.
Gleichzeitig lehnte es der CDU-Politiker ab, das Prinzip der
Unschuldsvermutung auch bei der Terrorabwehr gelten zu lassen.
«Der Grundsatz kann nicht für die Gefahrenabwehr
gelten», sagte Schäuble.
Kritik übte Schäuble in dem Interview an seiner
Kabinettskollegin Zypries. «Ich wehre mich sehr dagegen, dass die
Bundesjustizministerin jetzt öffentlich den Eindruck erweckt, als
wäre unsere Zusammenarbeit nicht so konstruktiv, wie sie in
Wahrheit ist», sagte Schäuble. Zypries habe dem Passgesetz im
Kabinett zugestimmt.
«Was den Konflikt mit Herrn Schäuble betrifft, wird da
glaube ich auch sehr viel hochgeredet», sagte Zypries. Aus dem
«natürlichen Spannungsverhältnis» zwischen dem
Innen- und dem Justizministerium ergebe sich immer auch ein
Diskussionsbedarf. Sie gehe aber nicht von einem dauerhaften Konflikt
aus.
(Quelle: ap)
Arbeitsagenturen brauchen 2007 drei Milliarden Euro weniger
Do.19.04.07 - Dank der guten Konjunktur und des starken Rückgangs der
Arbeitslosigkeit ist die Finanzlage der Bundesagentur für Arbeit
(BA) weitaus besser als bislang angenommen. Nach Informationen der
Tageszeitung «Die Welt» aus BA-Verwaltungsratskreisen geht
der Vorstand der Behörde für dieses Jahr nur noch von einem
Minus von 1,2 Milliarden Euro aus. Das sind rund drei Milliarden
weniger als ursprünglich erwartet.
Bislang hatte die Bundesagentur mit einem Defizit von 4,3 Milliarden
Euro gerechnet, das durch Überschüsse aus dem Jahr 2006
gedeckt werden sollte. Dieses Finanzpolster von mehr als elf Milliarden
Euro müsste nach den neuen Hochrechnungen nur zu einem Bruchteil
angegriffen werden, wie laut der Zeitung aus den Beratungsunterlagen
für die BA-Verwaltungsratssitzung am heutigen Donnerstag
hervorgeht. Genauere Angaben wolle der Vorstand im Mai machen.
Die BA begründet ihre neue Schätzung mit der guten Konjunktur
am Arbeitsmarkt. Die Agenturen geben weniger für Arbeitslosengeld
aus, zugleich erhöhen sich die Einnahmen durch die steigende Zahl
der Beitragszahler.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Deutschstudenten in Grammatik mangelhaft
Do.19.04.07 - Künftige Deutschlehrer haben katastrophale Wissenslücken in
Grammatik offenbart: Ein Test von 1.000 Studienanfängern im Fach
Germanistik, der im Wintersemester 2006/2007 an allen bayerischen
Universitäten durchgeführt wurde, ergab ein schulgrammatisches
Grundlagenwissen auf dem Stand von Fünft- und
Sechstklässlern. Die Testleiterin und Nürnberger Professorin
Mechthild Habermann forderte am Dienstag dringend mehr
Grammatikunterricht für Schüler und Lehramtsstudenten.
Nicht einmal zehn Prozent der Studenten seien
«befriedigend» oder besser gewesen. Aus welchem Bundesland
die Teilnehmer kamen, habe keinen Unterschied gemacht. Nur Studenten aus
Österreich, die an der Universität Passau studierten,
schnitten deutlich besser ab. Alarmiert zeigten sich Habermann und ihre
Kollegen über die Antworten auf einfache Fragen, die in der siebten
und achten Klasse behandelt werden. So erkannten 77 Prozent
«käme» nicht als Konjunktiv Imperfekt, 88 Prozent
«manche» nicht als Pronomen und 87 Prozent
«dort» nicht als Adverb.
(Quelle: ap)
Studie warnt vor schlechterer Luftqualität bei Einsatz von Ethanol
Do.19.04.07 - Der vermehrte Einsatz von Ethanol als Benzin-Alternative birgt nach
Einschätzung eines US-Forschers Gefahren für die
Luftqualität. Würde der Straßenverkehr in den USA bis
2020 auf eine Ethanol-Mischung umgestellt, stiege die Zahl der Toten
durch Atemwegserkrankungen um jährlich 200, erklärte Mark
Jacobson von der Stanford University.
Seine Studie wurde am Mittwoch in der Online-Ausgabe der
Fachzeitschrift «Environmental Science and Technology»
veröffentlicht. Feinstaub und Ozon kosten den Angaben zufolge in
den USA jedes Jahr 4.700 Menschen das Leben. Ethanol würde die
Ozon-Konzentration in dicht besiedelten Gebieten wie dem Nordosten des
Landes oder Los Angeles erhöhen, hieß es. Ein Grund sei, dass
bei der Verbrennung von Ethanol mehr Kohlenwasserstoff frei werde, ein
Vorläuferstoff des Ozons.
In Gebieten mit hoher Smog-Belastung wiederum verlangsame eine zugleich
niedrigere Konzentration von Stickoxiden den Abbau des Reizgases. Ronald
Hwang vom Rat zum Schutz natürlicher Ressourcen kritisierte die
Untersuchung von Jacobson als provokatives Konzept, das nicht
tragfähig sei. Der prognostizierte Anstieg bei der Zahl der Toten
durch Atemwegserkrankungen sei so gering, dass er noch innerhalb der
Fehlerkalkulation liegen könne.
Er halte auch die Annahme eines so umfassenden Einsatzes von
Biokraftstoff bis 2020 für unrealistisch. Jacobson
berücksichtige zudem nicht, dass Ethanol zur Senkung des
Ausstoßes von Treibhausgasen führe. Und der Weltklimarat habe
gerade erst darauf hingewiesen, dass der Klimawandel zu einem Anstieg
der Zahl der Smog-Toten führen werde, sagte Hwang, der für
die kalifornische Umweltbehörde arbeitet.
US-Präsident George W. Bush will den Benzinverbrauch in den
nächsten zehn Jahren um 20 Prozent senken, unter anderem durch
einen verstärkten Einsatz von Ethanol.
(Quelle: ap)