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Irak am tausendfünfundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Führender US-Demokrat hält Irak-Krieg für 'verloren'.
Irakische Abgeordnete kritisieren Sicherheitsplan für Bagdad.
Bombenanschlag in Bagdad - 13 Tote. Irakische Extremisten zeigen
Ermordung von Geiseln im Internet
Fr.20.04.07 - Der demokratische Mehrheitsführer im US-Senat, Harry Reid,
hält den amerikanischen Militäreinsatz im Irak für
"verloren". Auch die geplante Aufstockung der US-Truppen werde dem Land
keinen Frieden bringen, sagte Reid am Donnerstag in Washington: "Ich
glaube, (...) dass dieser Krieg verloren ist, und diese Aufstockung
führt zu nichts - das hat die extreme Gewalt im Irak diese Woche
gezeigt", sagte Reid. US-Präsident George W. Bush verteidigte
unterdessen in einer Ansprache im US-Bundesstaat Ohio den Irak-Einsatz.
Irakische Abgeordnete haben nach der Anschlagserie vom Mittwoch mit
mehr als 190 Toten in Bagdad den Sicherheitsplan für die irakische
Hauptstadt kritisiert. Die Anschläge zeigten, dass sich der
Sicherheitsplan nicht gegen die Verursacher des "wirklichen Terrors"
richte, sagte der Abgeordnete Saleh Hassan Issa el Igaili von der
Parlamentsfraktion des Schiitenpredigers Moktada Sadr am Donnerstag.
Hinter dem Blutbad standen nach seinen Worten "von den Besatzern
geschaffene oder beaufsichtigte Terrororganisationen". Auch der
sunnitische Abgeordnete Naseer el Ani von der Islamischen Partei
beklagte die mangelnde Schutzfunktion des Sicherheitsplans, der seit
Mitte Februar umgesetzt wird. Dieser sieht unter anderem die
Stationierung von 90.000 US- und irakischen Soldaten bis zum Juni vor.
Am Donnerstag sind bei einem Autobombenanschlag in Bagdad laut
Augenzeugen weitere 13 Menschen getötet und 25 andere verletzt
worden.
Der Sprengsatz explodierte in der Nähe eines bekannten Restaurants
im Stadtteil Al-Dschadrija im Süden der Hauptstadt, wie das
irakische Staatsfernsehen Al-Arabija meldete. Eine Frau und zwei
Männer starben nach Polizeiangaben, als eine Mörsergranate in
einem Wohnviertel in der südlichen Vorstadt Al-Safaranija
einschlug. Ein Kind wurde verletzt. In der Stadt Al-Kut erschossen
Unbekannte einen irakischen Soldaten aus einem vorbeifahrenden Auto
heraus.
Sunnitische Extremisten haben im Internet Filmaufnahmen von der
Ermordung irakischer Sicherheitskräfte veröffentlicht. Auf
den am Donnerstag ins Netz gestellten Bildern waren die 20 Soldaten und
Polizisten zu sehen, die eine Splittergruppe der Terrororganisation El
Kaida am Wochenende verschleppt hatte. Die Entführten hatten die
Augen verbunden; sie sagten ihren Namen und ihren Dienstgrad und riefen
ihre Kollegen zur Fahnenflucht auf. Anschließend war zu sehen,
wie maskierte Männer sie durch Kopfschüsse töten.
US-Verteidigungsminister Robert Gates forderte die irakische
Führung erneut auf, möglichst bald mehr Verantwortung
für die Sicherheit des Landes zu übernehmen. «Die
Iraker wissen, dass es kein endloses Engagement (der US-Truppen) hier
gibt», sagte Gates am Donnerstag bei einem überraschenden
Besuch in Bagdad. «Unsere Geduld ist nicht endlos. (...) Die Uhr
tickt.»
Die Opposition des demokratisch kontrollierten US-Kongresses gegen den
Irakkrieg und die gegenwärtige Auseinandersetzung zwischen dem
US-Parlament und dem Weißem Haus über die
Truppenfinanzierung müssten eine deutliche Botschaft für die
Iraker sein, sagte Gates. Der Pentagon-Chef hatte vor seinem Eintreffen
in Bagdad Israel besucht und dort mit Außenministerin Zipi Liwni
und Ministerpräsident Ehud Olmert die Sicherheitslage in der
Region erörtert.
(Quellen: ap, afp, rtr, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.112004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 20.04.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshunderteinundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.20.04.06 - Irakisches Parlament tagt heute. Amtierender Ministerpräsident Dschaafari
nicht zum Rücktritt bereit +++ Bei Bombenanschlägen und
Überfällen erneut zahlreiche Menschen getötet +++ Seit
Jahresbeginn fast 20.000 Iraker entführt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0604200.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Israels Ministerpräsident Olmert dämpft Erwartungen an
Gefangenenaustausch. UNO: Waffenschmuggel zwischen Syrien und Libanon
untersuchen
Fr.20.04.07 - Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat am Mittwoch die
Erwartungen der Palästinenser an einen möglichen
Gefangenenaustausch gedämpft. Die von ihnen vorgelegte Liste mit
den Namen von Häftlingen wecke Erwartungen, die Israel nicht
erfüllen könne, erklärte Olmert vor dem Außen- und
Verteidigungsausschuss des Parlaments. Öffentlich bekannt wurde die
Liste der Palästinenser bislang nicht. In Medienberichten ist von
350 bis 1.400 Namen die Rede. Darunter sollen auch militante
Kämpfer sein, die tödliche Anschläge verübten.
Zusammengestellt wurde die Liste von militanten Palästinensern,
die den israelischen Soldaten Gilad Schalit im Juni vergangenen Jahres
entführten. Von ihm fehlt seitdem jede Spur. Israel vermutet, dass
er irgendwo im Gazastreifen festgehalten wird. Olmert hat schon
angedeutet, dass Israel bereit ist etliche inhaftierte
Palästinenser freizulassen. Zahlen wurden aber nicht genannt. Die
Entführung des israelischen Soldaten belastet den Friedensprozess
erheblich.
Wie Olmert weiter erklärte, wurden als vertrauensbildende
Maßnahme die Betriebszeiten des Grenzübergangs Karni zwischen
Israel und dem Gazastreifen ausgeweitet. Nach dem Sieg der radikalen
Hamas im vergangenen Jahr hatte Israel den Grenzübergang, der
für Exporte aus dem Gazastreifen von größter
Wichtigkeit ist, weitgehend geschlossen. Das verursachte auch
große Schäden in der palästinensischen Wirtschaft.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat UN-Generalsekretär
Ban Ki Moon am Dienstag (Ortszeit) zur Entsendung einer
unabhängigen Delegation in den Nahen Osten aufgefordert, die
Berichte über Waffenschmuggel an der syrisch-libanesischen Grenze
untersuchen soll. Einstimmig riefen die 15 Mitglieder des
Sicherheitsrates außerdem Syrien auf, die Kontrollen auf seiner
Seite der Grenze zu verstärken. In einer von der stellvertretenden
amtierenden Vorsitzenden des Gremiums, der Britin Karen Pierce,
verlesenen Erklärung, war von "ernsthafter Besorgnis" über
zunehmende Informationen "seitens Israels und eines anderen Staates" die
Rede, wonach unter Verletzung der UN-Resolution 1701 Waffen über
die Grenze geschmuggelt würden.
(Quellen: ap, afp)
USA wollen neue UN-Resolution gegen Sudan
Fr.20.04.07 - Die USA und Großbritannien dringen wegen der Darfur-Krise auf
eine neue UN-Resolution gegen den Sudan. Diplomaten beider Länder
wollten schon am Donnerstag mit verbündeten Mitgliedern des
Weltsicherheitsrates über einen Entwurf beraten.
Die neue Entschließung soll den Druck auf die Regierung in
Khartum und die Rebellen in der westsudanesischen
Bürgerkriegsprovinz erhöhen, sagte der Sprecher des
amtierenden Ratspräsidenten Emyr Jones Parry am Mittwochabend
(Ortszeit) in New York. Ziel sei das Ende der Gewalt und eine politische
Lösung für den Konflikt, der seit Anfang 2004 schon
wenigstens 200 000 Menschenleben gefordert und 2,2 Millionen Menschen
in die Flucht geschlagen hat.
Nach Angaben des Sprechers solle die Resolution Maßnahmen gegen
Personen verhängen, die an den Gräueltaten in Darfur beteiligt
oder für sie verantwortlich waren. Außerdem soll sie die
Luftüberwachung in Darfur verbessern. Dem Weltsicherheitsrat liegt
der Bericht eines UN-Ausschusses vor, nach dem der Sudan Waffen und
schwere Ausrüstung in zu «UN-Flugzeugen» umgespritzten
Maschinen nach Darfur gebracht haben soll. UN-Generalsekretär Ban
Ki Moon warnte am Mittwoch, dass Khartum mit diesem Vorgehen, sollte es
durch weitere Ermittlungen bestätigt werden, völkerrechtlich
verbindlichen Resolutionen zuwider handeln würde. Der Missbrauch
der UN-Insignien auf einem Flugzeug, das nicht den Vereinten Nationen
gehört, ist nach Worten von Bans Sprecherin Michélle Montas
ein Verstoß gegen Artikel 100 der UN- Charta.
Unterdessen forderten die USA den Sudan im Tauziehen um eine
Friedensmission für Darfur ultimativ zur Zusammenarbeit auf und
drohten eine Reihe von Strafmaßnahmen an. US-Präsident George
W. Bush sagte am Mittwoch in Washington, die Zeit der Versprechen sei
für den sudanesischen Präsidenten Omar Hassan al-Baschir
abgelaufen. Al- Baschir müsse die Bombardierung von Zivilisten
beenden, die Stationierung einer groß angelegten internationalen
Friedenstruppe mit starker UN-Beteiligung zulassen und die Arbeit der
internationalen Hilfsorganisation in der Krisenregion schützen.
Bush drohte mit einer Reihe von Sanktionen, falls der Sudan nicht
einlenken sollte. Dazu gehören unter anderem ein Flugverbot
für sudanesische Militärflugzeuge über Darfur.
Ein hochrangiger UN-Beamter sagte Journalisten, dass Flugzeuge mit
großen UN-Insignien auf den Flügeln in einer von der
sudanesischen Regierung kontrollierten Region sowie im Osten des
Nachbarlandes Tschad und im Norden der ebenfalls benachbarten
Zentralafrikanischen Republik gesichtet worden seien. «Dies ist
eine äußerst ernste Angelegenheit», sagte der
UN-Vertreter in einem Hintergrundgespräch. «Wir sind
empört (...) und werden der Sache auf den Grund gehen.»
Die «New York Times» hatte den vertraulichen UN-Bericht von
einem Diplomaten zugespielt bekommen und veröffentlichte
Einzelheiten sowie Bilder daraus in ihrer Mittwochausgabe. Demnach
könnten die umgespritzten Flugzeuge nicht nur zum Transport von
Waffen, sondern auch zur Aufklärung und sogar zur Bombardierung von
Dörfern in Darfur eingesetzt worden sein. Informationen über
den Missbrauch der UN- Farben und -Insignien im Sudan sollen dem
Weltsicherheitsrat schon vor Monaten in anderen Berichten zugetragen
worden sein.
(Quelle: dpa)
Kinder in Darfur 'unaussprechlicher Gewalt' ausgesetzt
Fr.20.04.07 - Kinder in der sudanesischen Krisenregion Darfur sind nach einer Studie
von Hilfsorganisationen «unaussprechlichen Gewalttaten und
Misshandlungen» ausgesetzt. Vergewaltigungen, Entführungen,
Folter, Mord, Verstümmelungen und Zwangsrekrutierungen als
Kindersoldaten seien an der Tagesordnung, schreibt die so genannte
Watchlist on Children and Armed Conflict (Liste zur Überwachung von
Kindern in bewaffneten Konflikten). Der Bericht dieses Netzwerks von
Menschenrechtsgruppen wurde am Mittwochabend am UN-Sitz in New York
vorgestellt.
Darin wird der sudanesischen Regierung vorgeworfen, anscheinend ganz
bewusst Informationen über solche Vorfälle zu
unterdrücken und die Hilfsorganisationen bei ihrer Suche nach
Beweismaterial zu behindern. Dennoch hätten Mitgliedsorganisationen
mehrfach dokumentiert wie bewaffnete Gruppen Kinder gequält und
erschossen hätten, schreibt die Watchlist. Zu den Gräueltaten
gehörten unter anderem Massenvergewaltigungen von Mädchen.
Diese würden auch als Sexsklavinnen ins Ausland verkauft.
Praktisch alle bewaffneten Gruppen rekrutieren laut dem Bericht
«Sudan's Children at a Crossroads» (Sudanesische Kinder am
Scheideweg) Kindersoldaten. Dies treffe auf die regierungsnahe arabische
Reitermiliz Dschandschawid ebenso zu wie auf die schwarzafrikanischen
Rebellengruppen Sudanesische Befreiungsarmee (SLA) und Bewegung
für Gerechtigkeit und Gleichheit (JEM). Einige Kindersoldaten
seien anschließend auch in die regulären sudanesischen
Streitkräfte eingegliedert worden. Die Militärführung
hat dies stets zurückgewiesen.
Der Bericht «bestätigt, dass Kinder im Sudan weiterhin eine
überaus unmenschliche Behandlung ertragen müssen, wie man sie
sonst kaum auf der Welt vorfindet», sagte die
Watchlist-Vorsitzende Kathleen Hunt bei der Vorstellung der Studie. Zwar
habe sich die Lage im Südsudan verbessert, wo die fortschreitende
Umsetzung des Anfang 2005 geschlossenen Friedensabkommens einigen
Anlass zur Hoffnung gebe. In der westsudanesischen Krisenregion Darfur
hingegen sei die Situation von Kindern schlimmer denn je. Dem dortigen
Konflikt sind schon mehr als 200.000 Menschen zum Opfer gefallen, etwa
2.5 Millionen wurden in die Flucht getrieben.
(Quelle: ap)
Chinas Wirtschaft wächst weiter rasant - Regierung warnt
Fr.20.04.07 - Das zweistellige Wachstum der chinesischen Wirtschaft setzt sich
ungebremst fort.
Angetrieben von einem rapiden Anstieg der Exporte und Investitionen
legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den ersten drei Monaten im
Jahresvergleich um 11,1 Prozent zu. Der am Donnerstag vom Statistikamt
gemeldete Zuwachs wäre noch deutlich höher ausgefallen,
hätte die Regierung in den vergangenen Monaten nicht massiv auf die
Bremse getreten. Regierungschef Wen Jiabao warnte umgehend vor einer
Überhitzung der Wirtschaft. Die Angst davor belastete auch die
asiatischen und deutschen Aktienmärkte.
Mit solchen Zuwachsraten bleibt China auf Kurs, bereits im
nächsten Jahr Deutschland als drittgrößte
Volkswirtschaft der Welt abzulösen. Das Wachstum im ersten Quartal
stellt eine weitere Beschleunigung gegenüber den 10,4 Prozent Ende
2006 dar. Der vor allem auf den Exporten und Auslandsinvestitionen
basierende Boom der chinesischen Wirtschaft hält damit seit Jahren
unvermindert an: Seit 1978 ist das BIP im Schnitt um 9,8 Prozent pro
Jahr gewachsen. Die USA und andere Handelspartner drängen China
deshalb mit Nachdruck dazu, den künstlich niedrig gehaltenen Kurs
der Landeswährung Yuan völlig freizugeben, um das
Exportwachstum zu bremsen.
Der rapide Aufschwung bereitet der kommunistischen Regierung zunehmend
Kopfzerbrechen. Denn mit ihm einher gehen kräftige
Preissteigerungen, was in der Bevölkerung immer stärkeren
Unmut auslöst. So stieg die Jahresteuerung im März erstmals
seit zwei Jahren über drei Prozent und zwar auf 3,3 Prozent. An den
Märkten wird daher schon bald fest mit weiteren Zinserhöhung
der Zentralbank gerechnet, um das Wachstum und die Inflation
abzubremsen. In diesem Jahr hat sie dies bereits einmal getan nach
mehreren Anhebungen 2006 und zudem die Mindestreservepflicht für
die Banken drei Mal verschärft, womit sie dem Wirtschaftskreislauf
ebenfalls Geld entzog.
Regierungschef Wen äußerte sich nach Vorlage der Zahlen
besorgt über Gefahren für die Wirtschaft. In einer im Internet
veröffentlichten Erklärung des Ministerpräsidenten
hieß es, das Wachstum der Kredite und der Geldmenge sei zu stark.
Seine Regierung werde daher alles tun, um die Preise stabil zu halten
und ein abruptes Abwürgen des Aufschwungs zu verhindern. "Die
Bemühungen im Kampf gegen die Inflation müssen verdoppelt
werden", erklärte Wen. Er signalisierte auch verstärkte
Bemühungen für den Umweltschutz. Es sei wichtig, das
übermäßige Wachstum energieintensiver und
umweltverschmutzender Firmen abzubremsen. Kritik kam von der
japanischen Regierung, einem der wichtigsten Handelspartner Chinas. Die
Führung in Peking tue nicht genug, um die Wirtschaft zu
kontrollieren, sagte der japanische Vize-Finanzminister Hiroshi
Watanabe. "Die Überhitzung der Wirtschaft ist im Gange."
Der ungebremste Wachstumsboom in China zeigt sich auch an den massiven
Kursgewinnen an den Aktienmärkten des Landes in den vergangenen
Monaten. Auch diese Hausse birgt Gefahren für die internationalen
Finanzmärkte. So löste ein Kursrutsch Anfang des Jahres
weltweit Panikverkäufe aus und ließ die Aktienkurse
einbrechen. Der Vize-Gouverneur der chinesischen Notenbank forderte
daher am Donnerstag, Investmentfonds sollten auch verstärkt
Rentenpapiere und andere festverzinsliche Papiere in ihr Portfolio
aufnehmen. Eine Konzentration auf Aktien berge Risiken, warnte Wu
Xiaoling. Investmentfons in China halten derzeit Anlagen im Wert von
rund 130 Milliarden Dollar, nachdem sie vor Jahren noch praktisch am
Aktienmarkt nicht präsent waren.
(Quelle: rtr)
Brasilien: Präsident Silva verspricht Amazonas-Indianern Hilfe
Fr.20.04.07 - Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hat den
Ureinwohnern im Amazonasgebiet die Hilfe seiner Regierung zugesichert.
Am Donnerstag, dem Nationalfeiertag der Indianer, unterzeichnete er
einen Erlass, mit dem fast eine Million Hektar Land an verschiedene
Stämme verteilt wurde. An der Zeremonie in Brasilia nahmen 20
Amazonas-Indianer teil.
«Stellt Fragen an die Regierung, damit wir wissen, was getan
werden muss», ermutigte Silva die Indio-Führer. «Wir
sind die Eindringlinge.» Silva hat seit 2003 bereits 71
Territorien im Amazonas mit einer Fläche von 16 Millionen Hektar
an Indianervölker und -stämme übergeben, teilte das
Justizministerium mit. Die Indianer sagten ihm am Donnerstag, sie seien
weiter über Viehzüchter und Holzfäller beunruhigt, die
den Urwald zerstörten. «Wir leiden heute. Uns fehlt es an
Gesundheitsversorgung und Bildung», sagte der Häuptling der
Kayapos, Akyaboro. «Wir wollen die Unterstützung aller
Brasilianer, um die Lungen Brasiliens zu verteidigen.»
(Quelle: ap)
NATO unterstützt US-Raketenabwehr
Fr.20.04.07 - Die Pläne der USA für eine neue Raketenabwehr in Europa
werden von den US-Verbündeten in der NATO unterstützt. Dies
sagte NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer am
Donnerstagabend nach einer Sondersitzung des NATO-Rates in
Brüssel. Russland bekräftigte seine Ablehnung des
amerikanischen Plans.
«Wir sind dagegen, dass einseitig Entscheidungen getroffen
werden», sagte der russische NATO-Botschafter Konstantin Totsky
nach Gesprächen mit den Botschaftern der 26 NATO-Staaten.
US-Verteidigungsstaatssekretär Eric Edelman erneuerte ein Angebot
der USA zur Zusammenarbeit mit Russland.
Moskau hatte schon zuvor eine Kooperation zurückgewiesen. Er sehe
dazu keinen Anlass, sagte Vize-Regierungschef Sergej Iwanow am
Donnerstag in Jekaterinburg im Ural. Das strategische Abwehrsystem sei
eine Schimäre. «Auf jedes System findet sich eine billigere
Antwort», sagte Iwanow nach Angaben der Agentur Interfax. Am
kommenden Montag will US-Verteidigungsminister Robert Gates in Moskau
für die geplante Raketenabwehr werben.
De Hoop Scheffer sagte, die von den USA geplante Raketenabwehr habe
keinerlei Einfluss auf das strategische Gleichgewicht in Europa. Die
USA wollen bis 2012 zehn Abfangraketen in Polen und ein
dazugehöriges Radarsystem in Tschechien stationieren. Die
Raketenabwehr soll sich gegen Bedrohungen aus Staaten wie Iran oder
Nordkorea richten. Der NATO-Generalsekretär sagte, das
US-Abwehrsystem könne ein von der NATO geplanten System zur Abwehr
von taktischen Raketen «ergänzen». Während die
US-Raketen gegen strategische Flugkörper von großer
Reichweite gerichtet seien, könne das NATO-System vor allem
Staaten im Süden der Allianz schützen. Deuttschlands
Verteidigungsminister Franz Josef Jung hatte erst vor wenigen Tagen
gefordert, dass die US-Raketenabwehr auch für den Schutz von
Staaten wie Griechenland, Türkei, Bulgarien oder Rumänien
sorgen müsse.
US-Staatssekretär Edelman sagte, Washington sei entschlossen,
«den Zusammenhalt von europäischer und amerikanischer
Verteidigung zu erhalten». Die NATO müsse keine Doppelarbeit
leisten, weil das US-System die NATO-Verteidigung ergänze. Die USA
seien bereit, Russland mehr Zeit zur Prüfung des Abwehr-Vorhabens
zu geben. Die Diskussionen mit Moskau sollten «sehr
transparent» sein. Er räumte ein, Washington habe bisher zu
wenig getan, um Russen und Europäer mit Informationen zu
versorgen. «Wir korrigieren das derzeit.»
Totsky sagte, Russland wolle keinen neuen Rüstungswettlauf mit den
USA. «Wir sind zu Zusammenarbeit und gemeinsamen Anstrengungen
bereit - aber auf gleichberechtigter Grundlage», sagte er. Auch
so genannte Schurkenstaaten könnten keinen massiven Angriff
beginnen, wenn sie «nicht mindestens 100 Raketen besitzen».
Die USA sollten daher «lieber politische und diplomatische Mittel
einsetzen, um die nukleare Weiterverbreitung zu verhindern».
Moskau wisse allerdings, dass es die US-Pläne nicht verhindern
könne: «Wir wissen, dass wir das nicht stoppen
können.»
Die Raketenabwehr wird nach Angaben von Diplomaten ein wichtiges Thema
bei einem Treffen der NATO-Außenminister mit ihrem russischen
Kollegen Sergej Lawrow am kommenden Donnerstag in Oslo sein.
(Quelle: dpa)
EU gibt sich erstmals Mindeststandards gegen Rassismus
Fr.20.04.07 - Im Kampf gegen Rassismus und Fremdenhass gibt sich die Europäische
Union erstmals gemeinsame Mindeststandards. Darauf verständigten
sich die europäischen Justizminister in Luxemburg. Künftig
steht damit in allen 27 EU-Staaten die Aufstachelung zu Gewalttaten aus
rassistischen oder fremdenfeindlichen Motiven unter Strafe. In den
vergangenen sechs Jahren waren in der EU zwei ähnliche
Gesetzesanläufe gescheitert. Deutschlands Justizministerin
Brigitte Zypries (SPD) nannte die Einigung ein "wichtiges politisches
Signal für die EU". EU-Justizkommissar Franco Frattini dankte
Zypries für ihren "außerordentlichen persönlichen
Einsatz".
Mit dem Rahmenbeschluss will die EU nach Worten Frattinis zeigen, dass
Europa "kein sicherer Hafen für rassistische Gewalt,
Antisemitismus und Hassprediger" ist. Dies zeige die "moralische
Verantwortung" der EU. Nach dem Beschlusstext wird "die
öffentliche Aufstachelung zu Gewalt oder Hass" gegen Menschen
anderer Rasse, Herkunft oder Religion künftig EU-weit mit
Freiheitsstrafen zwischen ein und drei Jahren geahndet. Auch "das
öffentliche Billigen, Leugnen oder Verharmlosen von
Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und
Kriegsverbrechen" wird erstmals strafbar.
Ein europaweites Verbot des Hakenkreuzes wie in Deutschland wird es
allerdings nicht geben. Auch Holocaust-Leugner dürften
künftig in Staaten wie Großbritannien oder Dänemark,
die den Grundsatz der Meinungsfreiheit sehr weit auslegen, in der Regel
weiter straffrei ausgehen. In Großbritannien konnte etwa der
Bestsellerautor David Irving jahrelang unbehelligt behaupten, die
Gaskammern habe es nie gegeben.
Nach dem mehrfach abgeschwächten Text bleibt eine Verfolgung auch
weiter im Ermessen nationaler Gerichte. Strafen drohen
Holocaust-Leugnern nur dann, wenn sie mit ihren Worten oder Schriften
zugleich "zu Gewalt oder Hass" gegen eine bestimmte Gruppe anstacheln.
Nach britischer und dänischer Auslegung ändert sich damit an
der Rechtspraxis nichts. Auch Zypries räumte ein,
Strafvorschriften könnten "nur flankierend sein". Wichtiger sei
eine gesellschaftliche Ächtung von Fremdenhass und Rassismus.
Bisher ist das Leugnen des Holocaust nur in einer Minderheit der 27
EU-Staaten verboten, darunter Österreich, Frankreich, Tschechien
und Polen. In Deutschland fällt es unter die Volksverhetzung. Erst
Mitte Februar verurteilte das Landgericht Mannheim den
Holocaust-Leugner Ernst Zündel wegen antisemitischer Hetze zur
Höchststrafe von fünf Jahren Haft.
(Quelle: afp)
Europaparlament richtet Sonderausschuss für Klimaschutz ein
Fr.20.04.07 - Das EU-Parlament will einen Sonderausschuss für Klimaschutz
einrichten. Die Fraktionsvorsitzenden und Parlamentspräsident
Hans-Gert Pöttering erklärten am Donnerstag in Brüssel,
das neue Gremium solle die Arbeit des Umweltausschusses in dieser Frage
mit Empfehlungen und Expertisen unterstützen. Dem
Klimaschutz-Ausschuss sollen 60 Abgeordnete angehören, über
die Besetzung wird am Mittwoch kommender Woche das Parlamentsplenum bei
seiner Sitzung in Straßburg entscheiden. Designierter
Vorsitzender des Sonderausschusses ist der CDU-Abgeordnete Karl-Heinz
Florenz, der bei der konstituierenden Sitzung des Gremiums Ende April
gewählt werden soll. Florenz hatte bis Ende Januar den
Umweltausschuss geleitet.
(Quelle: ap)
EU wirbt bei den Nachbarn für erneuerbare Energien
Fr.20.04.07 - Angesichts des spürbaren Klimawandels wirbt die Europäische
Union auch bei ihren Nachbarstaaten im Süden und Osten für den
Ausbau der erneuerbaren Energien. Unter deutscher
Ratspräsidentschaft kamen in Berlin am Donnerstag erstmals die
Energie- und Entwicklungsminister aus Europa, Nordafrika und dem
Südkaukasus zusammen, um über die Entwicklung und Finanzierung
innovativer Energiekonzepte zu sprechen.
Nachdem die EU-Staaten sich Anfang März darauf geeinigt hatten,
bis 2020 den Anteil der erneuerbaren Energien auf 20 Prozent auszubauen
und die Energieeffizienz ebenfalls um 20 Prozent zu steigern, müsse
dieses Ziel nun auch bei den europäischen Nachbarn vorangebracht
werden, erklärte Deutschlands Umweltminister Sigmar Gabriel. Die
deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul mahnte, dass
Bemühungen einzelner Länder nicht ausreichten, sondern dass
die Sicherung der Energieversorgung und der Klimaschutz eine gemeinsame
Anstrengung erfordere.
Bis 2013 stellt die EU im Rahmen ihren Nachbarn für die
Zusammenarbeit im Energiebereich rund 11,2 Milliarden Euro zur
Verfügung. Einigkeit habe bestanden, dass ein größerer
Teil als bisher dem Ausbau der erneuerbaren Energien und für
Energiesparmaßnahmen verwendet werde, teilte das
Entwicklungsministerium mit.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund wies anlässlich der Konferenz auf
die Beschäftigungswirkung von erneuerbaren Energien und
Energieeinsparungen hin. DGB-Vorstandsmitglied Dietmar Hexel
erklärte, allein im Bereich erneuerbare Energien seien 2004 in
Deutschland rund 57.000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Das
sei eine Steigerung von rund 36 Prozent.
(Quelle: ap)
Greenpeace beklagt Verflechtung von Politik und Energieversorgern
Fr.20.04.07 - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat eine zu enge Verflechtung
von Politik und Energiewirtschaft beklagt. Dies verhindere eine wirksame
Klimaschutzpolitik, erklärte die Organisation unter Verweis auf
eine Studie, die sie am Donnerstag veröffentlichte. Darin ist
aufgelistet, welche Politiker bei welchen Stromkonzernen
Nebentätigkeiten ausüben.
Einschneidende Klimaschutzmaßnahmen werde «kein Politiker
durchsetzen, der gleichzeitig als Aufsichtsrat die Gewinninteressen
dieser Konzerne vertritt», erklärte der
Greenpeace-Energie-Experte Andree Böhling. Derzeit sind laut Studie
zehn Bundestagsabgeordnete und zwölf Landespolitiker auf Beirats-
oder Aufsichtsratsposten bei großen energiewirtschaftlichen
Konzernen. 28 ehemalige Politiker oder hohe Behördenmitarbeiter
seien ebenfalls für Energieversorger tätig.
Greenpeace forderte, die bereits beschlossene
Veröffentlichungspflicht für Nebeneinkünfte von
Abgeordneten endlich umzusetzen sowie Mandatsträgern zu verbieten,
Nebeneinkünfte von Unternehmen zu beziehen, die im Wirkungskreis
ihrer politischen Arbeit liegen.
(Quelle: ap)
Frühjahrsgutachten prognostiziert Aufschwung in Deutschland
Fr.20.04.07 - Der Aufschwung in Deutschland hält nach Einschätzung der
führenden Wirtschaftsinstitute an. Die am Bruttoinlandsprodukt
(BIP) gemessene Wirtschaftsleistung soll in diesem Jahr um 2,4 Prozent
steigen, sagen die fünf Institute in ihrem Frühjahrsgutachten
voraus. Für 2008 gehen die Forscher ebenfalls von einem Plus von
2,4 Prozent aus. Profitieren soll davon auch der Arbeitsmarkt. So soll
die durchschnittliche Arbeitslosenquote von 10,3 Prozent im vergangenen
Jahr 2007 auf 8,7 Prozent sinken und 2008 nur noch bei 8,0 Prozent
liegen.
Der Staatshaushalt soll weiter von dem Aufschwung profitieren. So
erwarten die Institute 2007 einen Rückgang des an der
Wirtschaftsleistung gemessenen Haushaltsdefizit von nur noch 0,6 Prozent
nach einem Fehlbetrag von 1,7 Prozent im vergangenen Jahr. Für
2008 sagt das Frühjahrsgutachten sogar einen ausgeglichenen
Staatshaushalt voraus. Diese solle aber die Wirtschaftspolitik nicht
dazu verleiten, in den Reformanstrengungen nachzulassen. So sei die
Konsolidierung der öffentlichen Haushalte noch nicht
abgeschlossen. Daher müsse die Finanzpolitik "Begehrlichkeiten" zu
Lasten der öffentlichen Kassen abwehren.
Erstellt wurde das Gutachten vom das Deutschen Institut für
Wissenschaftsforschung (DIW) in Berlin, dem Münchener ifo Institut,
dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IFW), das Institut
für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und das Essener
Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI).
(Quelle: afp)
Wirtschaftsminister Glos und BDI für Steuersenkungen
Fr.20.04.07 - Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat seine Forderung nach
Steuersenkungen in der kommenden Wahlperiode erneuert. Im Bayerischen
Rundfunk sagte der CSU-Politiker am Freitag, spätestens nach 2009
müssten die leistungsabhängigen Steuern gesenkt werden,
«und das sind nun einmal die Lohn- und Einkommensteuern».
Man müsse darauf achten, dass das Geld wieder in ausreichendem
Maße bei den Bürgern bleibe, die es erarbeiteten. Zugleich
wies Glos die Vorwürfe von Finanzminister Peer Steinbrück
(SPD) zurück, der Steuersenkungen als populistische Forderung
bezeichnet hatte.
Unterstützt wird Glos vom Präsidenten des Bundesverbandes der
Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, der seine
Steuersenkungsforderung unter anderem mit der schleichenden
Geldentwertung begründete. «Das eigentliche Problem für
die Bürger ist, dass heute oft schon ein Facharbeiter den
Spitzensteuersatz zahlen muss», sagte Thumann der
«Bild»-Zeitung (Freitagausgabe). Allerdings stellte der
BDI-Chef die Vorbedingung, dass «der Staat seinen Haushalt soweit
im Griff hat, dass er nicht immer noch neue Schulden macht».
(Quelle: ap)
Mehr als jeder dritte junge Ausländer hat keine Ausbildung
Fr.20.04.07 - Immer weniger junge Ausländer in Deutschland absolvieren eine
Berufsausbildung. Während vor zehn Jahren in der Gruppe der 18-
bis 21-Jährigen noch gut jeder dritte junge Ausländer (34
Prozent) eine abgeschlossene Berufsausbildung hatte, ist es laut
Berufsbildungsbericht 2006 inzwischen nur noch rund jeder Vierte (25
Prozent). Dies gab die Bundesregierung auf eine Große Anfrage der
Grünen-Bundestagsfraktion bekannt. Bei den Deutschen dieser
Altersgruppe machten 59 Prozent eine Ausbildung, hieß es.
In der Gruppe 20- bis 30-jährigen Ausländer seien
mittlerweile 37 Prozent ohne abgeschlossene Ausbildung. Bei Deutschen
sei das nur bei elf Prozent der Fall. Auch erteilten Arbeitgeber den
Angaben zufolge ausländischen Bewerbern um Ausbildungsplätze
häufiger eine Absage als Deutschen.
Die Regierung versuche nach eigener Darstellung, junge Migranten durch
zahlreiche Projekte zu fördern. So habe die Bundesagentur für
Arbeit im Jahr 2006 für diejenigen Migranten, die ohne Hilfe nicht
weiterkamen, 4100 zusätzliche Plätze für eine
außerbetriebliche Ausbildung geschaffen. Anfang 2007 seien 2500
dazu gekommen.
(Quelle: ddp)
Unterschiedliche Einschätzungen im Fall Buback
Fr.20.04.07 - Die neuen Spekulationen, nicht der verurteilte RAF-Terrorist Christian
Klar, sondern eine unbekannte Person habe auf den damaligen
Generalbundesanwalt Siegfried Buback geschossen, stoßen auf ein
geteiltes Echo. Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz warnte:
«Wir haben im Zusammenhang mit der RAF schon manche
Täuschungsmanöver und Lügen erlebt.» Er sehe daher
«keine Veranlassung, daraus etwas abzuleiten in Bezug auf das
Gnadengesuch Klars», sagte Wiefelspütz der
«Frankfurter Rundschau» (Freitagausgabe). Nach den Worten
des SPD-Politikers ist es jetzt Sache der Justiz, den Hinweisen
nachzugehen.
Der Grünen-Fraktionsvize Hans-Christian Ströbele sagte
dagegen dem Blatt, er hoffe, dass die Erklärungen des Buback-Sohns
Michael zur Entlastung Klars «jetzt zu einer Wende in der
öffentlichen Debatte um das Gnadengesuch Klars und zu einer
Versachlichung führen». Der Stuttgarter Generalstaatsanwalt
Klaus Pflieger sagte der Zeitung, es sei nicht ausgeschlossen, dass
eine vierte, noch nicht bekannte Person unmittelbar an der Tat
beteiligt gewesen sei. Die Ermittler seien damals von «mindestens
drei Personen» ausgegangen. Damals sei es auch nicht um Klar als
Schützen gegangen. «Wir hatten Klar damals nicht auf dem
Sozius des Motorrads und nicht als Schützen», sagte Pflieger.
(Quelle: ap)
Bundesamt genehmigt Freisetzung genveränderter Kartoffeln
Fr.20.04.07 - Der BASF-Konzern darf in sechs Bundesländern Versuche mit
gentechnisch veränderten Kartoffeln starten. Das Bundesamt
für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Bonn
genehmigte die Freisetzung unter strengen Auflagen. Von den Versuchen
seien «keine schädlichen Einflüsse auf Menschen und
Tiere sowie auf die Umwelt zu erwarten», hieß es. Um eine
Verbreitung der genmanipulierten Pflanzen zu verhindern, müsse zu
herkömmlichen Feldern zehn Meter Abstand eingehalten und das
Pflanz- und Erntegut gekennzeichnet werden.
(Quelle: dpa)
Weiter wenig Studenten in Naturwissenschaften und Informatik
Fr.20.04.07 - In Deutschland entscheiden sich trotz bester Berufschancen noch immer
wenige Abiturienten für Studienfächer wie Mathematik,
Informatik sowie Natur- und Ingenieurwissenschaften. Das berichtet die
Tageszeitung "Die Welt" unter Berufung auf eine aktuelle Studie des
Hochschul-Informations-Systems (HIS). Darin heißt es, trotz
anhaltend positiver Arbeitsmarktsignale für Ingenieure zeichne sich
für den aktuellen Schulabschlussjahrgang keine Trendwende hin zu
einer vermehrten Wahl von Maschinenbau und Elektrotechnik ab.
Der Untersuchung zufolge planen neun Prozent der Schüler ein
Lehramtsstudium. Acht Prozent wollen Wirtschaftswissenschaften
studieren. Der Maschinenbau nimmt mit sechs Prozent auf der Wunschskala
zusammen mit Medizin nur den dritten Platz ein. Für Mathematik
können sich gerade einmal vier Prozent erwärmen, für
Physik und Elektrotechnik sogar nur zwei Prozent.
Besonders dramatisch ist der Studie zufolge, dass nur eine von hundert
Abiturientinnen Maschinenbau studieren will. Bei den Männern sind
es immerhin elf Prozent. Auch in anderen techniknahen Fächern
bildeten Frauen nur eine Minderheit.
Die Wirtschaft warnt vor drohenden Wachstumseinbußen aufgrund von
Fachkräftemangel. "Wenn es uns nicht gelingt, mehr junge Menschen
für naturwissenschaftliche und technische Fächer zu
begeistern, bekommen wir einen riesigen Engpass", sagte der
Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK),
Ludwig Georg Braun.
(Quelle: afp)