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Irak am tausendsechsundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Irakische Versöhnungskonferenz in Genf geplant. Sunnitische
Scheichs gründen neue Partei. Irakische Behörden
verhängen Ausgangssperre über Tal Afar. Senat von Vermont
für Amtsenthebungsverfahren gegen Bush und Cheney. Schicksal
irakischer Flüchtlinge entzweit EU
Sa.21.04.07 - Irakische Politiker planen offenbar eine Versöhnungskonferenz in
Genf. Das Außenministerium habe sich deshalb schon schriftlich an
die Schweizer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey gewandt,
erklärte am Freitag der Direktor des Zentrums für arabische
Studien in Genf, Hasni Abidi. Die Regierung in Bern äußerte
sich zunächst zurückhaltend.
Verschiedene irakische Parteien hätten ihren Wunsch nach einem
Treffen in der Schweiz geäußert, sagte Abidi. Dabei sollten
auch sensible Themen wie der Status der Stadt Kirkuk, die Verfassung
und der Föderalismus diskutiert werden. Genf und die Schweiz
könnten nicht nur einen Ort für den Dialog zur Verfügung
stellen, sondern auch ihre Erfahrungen im internationalen Recht, im
Föderalismus und in der Behandlung von Minderheiten einbringen.
Das Außenministerium wollte die Angaben nicht kommentieren. Die
Stadt Genf bestätigte, dass sie auf halboffiziellem Weg
kontaktiert worden sei. Es sei um die Frage gegangen, was die Stadt zur
Organisation einer solchen Konferenz beitragen könnte, sagte das
Genfer Regierungsmitglied Manuel Tornare. Medienberichten zufolge
könnte die Konferenz Ende Mai oder Anfang Juni stattfinden.
Teilnehmen sollen alle wichtigen Kräfte im Irak, mit Ausnahme
derjenigen, die mit der Terrororganisation Al Kaida in Verbindung
stehen.
Mehr als 200 sunnitische Scheichs in der irakischen Provinz Anbar haben
eine neue politische Partei ins Leben gerufen, die sich vor allem gegen
die Terrororganisation Al Kaida wendet. Anbar gilt als Hochburg der
Aufständischen und ist immer wieder Schauplatz von blutigen
Anschlägen und Kämpfen. Wie Teilnehmer am Freitag
berichteten, kamen die Scheichs am Donnerstag in der Provinzhauptstadt
Ramadi zusammen, um die Partei mit dem Namen Irakische Erweckung zu
gründen.
Die Partei wolle im ganzen Irak vertreten sein und mit der von den
Schiiten dominierten Regierung in Bagdad kooperieren, erklärte
Scheich Dschubeir Raschid. Er ist ein Vertrauter von Scheich Abdul
Sattar al Rischawi, dem Führer des Anbar-Erlösungsrats, einem
Zusammenschluss von Clans, die die Regierung unterstützen. Die
Partei Irakische Erweckung stehe aber in keiner Verbindung mit anderen
sunnitischen Gruppen, sagte Raschid. Die Partei werde sich in den
nächsten Wochen offiziell registrieren lassen und an den Wahlen
2009 teilnehmen.
Im Kampf gegen die anhaltende Gewalt in der irakischen Hauptstadt
Bagdad haben die US-Truppen mit dem Bau einer Mauer zum Schutz einer
sunnitischen Enklave begonnen. Die amerikanischen Streitkräfte
erklärten am Freitag, die Gemeinde Asamija am Ostufer des Tigris'
werde nach Abschluss der Arbeiten vollständig von der Mauer
umgeben sein. Irakische Soldaten sollten dann die Eingänge
bewachen, um die Bewohner vor Anschlägen zu schützen.
«Schiiten kommen und schießen auf Sunniten, und die
Sunniten üben dann Vergeltung», erklärte Hauptmann
Scott McLearn, dessen Bataillon am 10. April mit den Arbeiten begann.
Die Mauer wird den Angaben zufolge rund fünf Kilometern lang sein
und an einigen Stellen 3,50 Meter hoch. Das Mauer sein wichtiger Teil
der neuen Strategie der Koalitionstruppen und der irakischen
Streitkräfte, um den Kreislauf der religiös motivierten
Gewalt zu durchbrechen, hieß es in der Stellungnahme der
US-Streitkräfte.
Im Westen von Bagdad wurden am Freitag zwei Aufständische von
US-Soldaten getötet. Zu dem Gefecht kam es kurz vor dem
Freitagsgebet vor einer Moschee im Stadtteil Baijaa. Bei einer
anschließend Durchsuchung der Umgebung wurden nach US-Angaben
Chemikalien sichergestellt, die zum Bau von Bomben hätten
verwendet werden können. Ein Zivilist wurde festgenommen. Auch
Kampfhubschrauber beteiligten sich an dem Gefecht und feuerten etwa 100
Schuss Munition ab, wie die US-Streitkräfte mitteilten. In einer
ersten Erklärung hatten sie Berichte über den Einsatz von
Kampfhubschraubern noch zurückgewiesen.
Nach der Androhung von Anschlägen mit chemischen Waffen haben die
Behörden von Tal Afar im Nordwesten Iraks eine Ausgangssperre
verhängt.
Es sei unwahrscheinlich, dass die Extremisten tatsächlich die
Möglichkeit hätten, Angriffe mit Waffen dieser Art zu
verüben, sagte der Bürgermeister der Stadt, Nadschim al
Dschiburi, am Freitag. Mit der seit Donnerstag geltenden Ausgangssperre
solle die Bevölkerung aber beruhigt werden.
Die Extremisten hatten in der Stadt zuvor Flugblätter verteilt,
auf denen sie die Anschläge angekündigt hatten. Sie forderten
sunnitische Bewohner zudem dazu auf, die Gegend zu verlassen. Seitdem
flohen Dutzende Familien. In Tal Afar töteten sunnitische
Extremisten im vergangenen Monat bei einem Bombenanschlag 152 Menschen -
es war der schwerste einzelne Anschlag seit dem Einmarsch der USA 2003.
Seitdem übten schiitische Bewaffnete und die irakische Polizei
Vergeltung, bei mehreren Übergriffen wurden insgesamt 47 Menschen
getötet.
Irakische Aufständische haben jüngst mehrfach Anschläge
mit Chlorgas verübt, das - wenn es eingeatmet wird - schwere
Verbrennungen verursacht und zum Tod führen kann.
Der amerikanische Außenminister Robert Gates traf sich am Freitag
im Irak mit ranghohen US-Generälen. Bei den Gesprächen ging
es um die Truppenverstärkung und die Operationen im Irak. Gates
hatte bereits am Donnerstag gewarnt, dass die Geduld der USA nicht
unendlich sei und schnelle Fortschritte von der irakischen Regierung
gefordert.
Der Senat von Vermont hat am Freitag als erste Parlamentskammer eines
US-Staates die Amtsenthebung von Präsident George W. Bush und
Vizepräsident Dick Cheney gefordert. Bei ihren Handlungen im Irak
und in den USA stelle sich die Frage, ob sie
verfassungsgemäß seien. Die nichtbindende Resolution wurde
mit 16 gegen neun Stimmen ohne Debatte angenommen. Es war der bislang
letzte, wenn auch nur symbolische Akt in Vermont, Bush absetzen zu
lassen. Im März hatten 40 Städte dieses für seine
liberalen Ansichten bekannten Staates eine ähnliche Resolution
beschlossen. In den Staaten Wisconsin und Washington dringen
Abgeordnete auf ähnliche Beschlüsse. Sie hoffen, dass dies in
den ganzen USA zu einer Debatte über Bush und seine Regierung
führt.
Die EU-Staaten sind mehrheitlich gegen eine verstärkte Aufnahme
irakischer Flüchtlinge, wie sie die Vereinten Nationen und
Flüchtlingsorganisationen fordern. Stattdessen müsse den
Flüchtlingen in ihrer Heimatregion geholfen werden, sagte der
deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) nach einem
Ministerrat unter seiner Leitung in Luxemburg. Angesichts von monatlich
50.000 Flüchtlingen aus dem Irak hatten Amnesty International (ai)
und Pro Asyl von Deutschland und anderen EU-Staaten ein
"großzügiges" Aufnahmeprogramm und einen Abschiebestopp
gefordert.
Schäuble sagte, für die Mittel, die zur Unterbringung eines
einzigen Irakers in Europa aufgebracht werden müssten, könne
mindestens zehn Menschen in der Region geholfen werden. Iraks
Nachbarländer - darunter Libanon, Syrien oder Jordanien - haben
bisher fast zwei Millionen Flüchtlinge aufgenommen.
Erst am Mittwoch hatte die EU-Kommission für diese Länder
Hilfen von rund elf Millionen Euro zugesagt. Nach Europa kamen im
vergangenen Jahr dagegen "nur" rund 20.000 Iraker, wovon allein
Schweden etwa 9000 aufnahm. In Deutschland stellten im vergangenen Jahr
rund 2000 Iraker einen Asylantrag.
Der Druck auf die EU erhöhe sich aber deutlich, sagte
EU-Justizkommissar Franco Frattini. Allein in den ersten drei Monaten
hätten 4800 Iraker in Schweden einen Asylantrag gestellt. Frattini
warb deshalb bei den EU-Staaten für einen gemeinsamen Ansatz zur
Aufnahme. Nach seinen Angaben sind bisher nur sechs bis sieben
europäische Länder bereit, eine "kleine Gruppe" besonders
bedrohter Menschen wie Frauen und Kinder aufzunehmen.
(Quelle: ap, afp, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 21.04.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertzweiundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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UN-Vollversammlung macht neuen Vorstoß zur Sicherheitsreform
Sa.21.04.07 - Statt einer sofortigen und endgültigen Reform des Sicherheitsrats
hat eine Vermittlergruppe der Vollversammlung eine befristete
Erweiterung des höchsten UN-Gremiums vorgeschlagen. Diese
Übergangslösung solle nach einer bestimmten Zeit zwingend
überprüft werden, schlugen die UN-Botschafters Chiles,
Kroatiens, der Niederlande, Tunesiens und Zyperns in ihrem am Freitag
in New York vorgelegten Bericht vor.
Die Präsidentin der Vollversammlung, Scheicha Haja Rasched Al
Chalifa aus Bahrain, unterstützte den Vorschlag. Nach Ansicht der
Initiatoren könnten mit einer Übergangslösung die
nationalen und regionalen Rivalitäten überwunden werden, die
seit 1979 alle Versuche blockiert haben, die Zusammensetzung des
Sicherheitsrats den Gegebenheiten der modernen Welt anzupassen. Wie
nach dem Zweiten Weltkrieg hat das höchste UN-Gremium derzeit die
fünf ständigen Mitglieder USA, Russland, China, Frankreich
und Großbritannien. Diese verfügen über ein Vetorecht
bei allen Entscheidungen. Zehn Mitglieder werden für zwei Jahre in
den Sicherheitsrat gewählt; sie haben kein Vetorecht.
Eine Gruppe der Vier - Deutschland, Japan, Brasilien und Indien -
möchte in einem aus 25 Mitgliedern bestehenden Sicherheitsrat
permanent, aber ohne Vetorecht vertreten sein. Eine Gruppe, zu der
Italien und Pakistan gehören, tritt für einen Sicherheitsrat
mit 25 Mitgliedern ein, von denen zehn nicht ständige Mitglieder
sind. Die Afrikanische Union will den bisherigen 15 Sitzen elf
hinzufügen - sechs ständige mit Vetorecht, von denen zwei
für Afrika zu reservieren seien, und fünf nicht ständige
Sitze.
Die Vermittler schreiben in ihrem Bericht, dass der Status quo
inakzeptabel sei und Flexibilität der Schlüssel zu greifbaren
Ergebnissen sei. Die Reform des Sicherheitsrats sei das Herzstück
für die Modernisierung der gesamten Weltorganisation. Inzwischen
sei eine beträchtliche Zahl der 192 Mitglieder zu der Einsicht
gelangt, dass ihre persönliche Ideallösung nicht zu
verwirklichen sei und es vernünftiger sei, «die jetzt
bestmögliche Lösung in Betracht zu ziehen».
Insbesondere das Vetorecht sei derart umstritten, dass darüber
erst nach einer Testphase einer neuen Zusammensetzung entschieden
werden sollte. Eine Kompromisslösung könne so aussehen, dass
neue nichtständige, aber mit verlängerten Amtszeiten
ausgestattete Sitze geschaffen werden.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
UN wollen Hariri-Tribunal nicht einseitig einsetzen. UNO prangert
Inhaftierung palästinensischer Kinder in Israel an
Sa.21.04.07 - Die Vereinten Nationen wollen derzeit nicht einseitig ein Tribunal zur
Aufklärung des Mordes an Exregierungschef Rafik Hariri einsetzen,
wie der UN-Gesandte Nicolas Michel am Freitag nach viertägigen
Gesprächen im Libanon erklärte. Die UN hoffen darauf, dass
sich die zerstrittenen Parteien des Landes noch selbst auf ein Tribunal
einigen. Die Vereinten Nationen wollen den Parteien dazu auch noch mehr
Zeit lassen, wie Michel andeutete.
Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora hatte den
UN-Sicherheitsrat um die Einsetzung gebeten. Einen entsprechenden Brief
richtete Siniora an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Zuvor hatte
der prosyrische Parlamentspräsident Nabih Berri sich geweigert,
eine Parlamentssitzung einzuberufen, in der die Einsetzung des
Tribunals ratifiziert werden könnte. Hariri wurde am 14. Februar
2005 bei einem Bombenanschlag in Beirut getötet. Ermittlungen der
Vereinten Nationen ergaben, dass libanesische und syrische
Geheimdienstoffiziere an dem Attentat beteiligt waren.
Die Vereinten Nationen haben Israel aufgefordert, seine Politik zur
Inhaftierung palästinensischer Kinder zu überdenken. Die
derzeitige Praxis führe zu einem Anstieg der Gewalt, sagte die
UN-Sonderbeauftragte für Kinder in bewaffneten Konflikten, Radhika
Coomaraswamy, nach einem Besuch in einem nahe Tel Aviv gelegenen
Gefängnis. "Fast jedes Kind, was ich in den
Palästinensergebieten getroffen habe, war inhaftiert oder kennt
jemanden, der inhaftiert war." Laut Coomaraswamy sind derzeit 398
palästinensische Kinder ab zwölf Jahren unter den 10.000
palästinensischen Häftlingen in israelischen Gefängnissen.
Sie wolle damit nicht sagen, dass schwere Verbrechen nicht geahndet
werden sollten, betonte die UN-Beauftragte. Für weniger schwere
Vergehen sollte aber ein anderer Ansatz gesucht werden. Sie habe dies
bei ihren Treffen unter anderem mit der israelischen
Außenministerin Zipi Livni angesprochen. Während ihres
Besuchs war Coomaraswamy auch mit Palästinenserpräsident
Mahmud Abbas zusammengetroffen.
(Quelle: afp)
Mindestens 113 Tote nach Kämpfen in Somalia
Sa.21.04.07 - Bei Kämpfen in Mogadischu sind nach Angaben der somalischen
Menschenrechtsorganisation Elman mehr als 113 Zivilpersonen ums Leben
gekommen. Mindestens 229 Menschen seien seit Mittwoch verletzt worden,
erklärte die Organisation am Freitag unter Berufung auf Zahlen von
Krankenhäusern, Anwohnern und Mitarbeitern. Vor einer
äthiopischen Militärbasis explodierte am Donnerstag eine
Autobombe. Die somalische Regierung machte das Terrornetzwerk Al Kaida
für den Anschlag verantwortlich. Die Vereinten Nationen begannen
unterdessen mit der Verteilung von Hilfsgütern an etwa 40.000
Flüchtlinge westlich von Mogadischu. UN-Schätzungen zufolge
haben seit Februar mehr als 320.000 Menschen die somalische Hauptstadt
verlassen.
(Quelle: ap)
Gemeinsamer Militärplan für Staaten im Gebiet der
Großen Seen
Sa.21.04.07 - Vier Staaten im Gebiet der Großen Seen in Afrika haben eine
gemeinsame Militärstrategie verabschiedet. Mit dem Plan wollen
Burundi, Ruanda, Uganda und die Demokratische Republik Kongo ihren Kampf
gegen Aufständische in der Region koordinieren, wie die
beteiligten Staaten am Mittwoch in der burundischen Hauptstadt Bujumbura
mitteilten. Kommandeure der vier Länder erklärten, gemeinsame
Einsätze sollten in Zusammenarbeit mit den Staaten geplant und
durchgeführt werden, von denen aus die Rebellen agierten. Der
Kongo kündigte an, den Militäreinsatz gegen Rebellengruppen
im äußersten Osten des Landes sofort auszuweiten, auch mit
grenzübergreifenden Aktionen.
(Quelle: afp)
Philippinen: Abu-Sayyaf-Rebellen enthaupten sieben entführte
Christen
Sa.21.04.07 - Islamische Extremisten auf der philippinischen Insel Jolo haben sieben
entführte Christen enthauptet. Wie die Armee mitteilte, wurden
Zivilisten gezwungen, die Köpfe bei Militärstützpunkten
abzugeben. Die sechs Straßenarbeiter sowie ein Fischer waren am
Montag von Mitgliedern der islamistischen Organisation Abu Sayyaf
entführt worden. Die Extremisten hatten Lösegeld für die
Geiseln gefordert. Die örtliche Regierung hatte erklärt, sie
könne es nicht zahlen.
Die philippinische Armee kämpft auf Jolo bereits seit Monaten mit
mehr als 8000 Soldaten gegen die dem Terrornetzwerk El Kaida nahe
stehenden Abu-Sayyaf-Rebellen. Die Gruppe wird für eine Reihe von
Bombenanschlägen auf den Philippinen sowie für die
Entführung von Christen, Ausländern und Missionaren
verantwortlich gemacht. Im April 2000 brachten Abu-Sayyaf-Rebellen 21
Menschen in ihre Gewalt, darunter auch Renate, Werner und Marc Wallert
aus Göttingen. Die Deutschen wurden Monate später freigelassen.
(Quelle: afp)
Bolivien unternimmt wichtigen Schritt zu Erdöl-Verstaatlichung
Sa.21.04.07 - Bolivien hat einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Verstaatlichung
seines Energiesektors unternommen. Das Parlament in La Paz stimmte am
Donnerstag (Ortszeit) der Änderung von 44 Verträgen mit zehn
internationalen Erdölgesellschaften zu. Damit müssen die
betroffenen Konzerne künftig 82 Prozent statt bisher 18 Prozent der
Erdöleinnahmen an den Staat abführen. Die staatlichen
Erdöleinnahmen steigen dadurch Schätzungen zufolge von bislang
umgerechnet knapp 370 Millionen Euro auf knapp 810 Millionen Euro.
Präsident Evo Morales hatte im Mai vergangenen Jahres per Dekret
die Verstaatlichung der Öl- und Gasindustrie seines Landes
angeordnet und den ausländischen Unternehmen des Sektors sechs
Monate Zeit gegeben, neue Verträge mit dem bolivianischen Staat
auszuhandeln.
(Quelle: afp)
USA: Hillary Clintons Wahlkampf soll klimaneutral sein
Sa.21.04.07 - Der Kampf von Hillary Rodham Clinton um das Präsidentenamt soll
klimaneutral sein, wie ihr Wahlkampfteam am Freitag mitteilte. Mit
Blick auf den Umwelttag Earth Day am Sonntag erklärte Clinton,
«wir alle müssen handeln - und das schließt auch
unseren Wahlkampf ein». Um Energie zu sparen, soll nur noch
Recycling-Papier benutzt, das Licht soll über Bewegungsmelder
gesteuert und es soll ein Ausgleich für die durch den Wahlkampf
verursachten klimaschädlichen Gase gezahlt werden. Dabei
kooperiert das Wahlkampfteam mit der Firma Native Energy.
Native-Energy-Sprecher Billy Connelly erklärte, seine Firma
bekomme Informationen über den Energieverbrauch - die
Bürogrößen, die benutzten Transportmittel, Hotels und
andere Dinge - und errechne daraus den
«Kohlendioxid-Abdruck», den der Wahlkampf verursache. Das
Wahlkampfteam kaufe dann entsprechende Ausgleichsanteile an
erneuerbaren Energien, die sofort ins Energienetz eingespeist
würden.
Mit John Edwards hat schon ein weiterer demokratischer
Präsidentschaftsbewerber angekündigt, seinen Wahlkampf
klimaneutral zu gestalten.
(Quelle: ap)
Schnelle Eingreiftrupps für EU-Außengrenzen vereinbart
Sa.21.04.07 - Die EU verschärft den Kampf gegen illegale Einwanderung: Schnelle
Eingreiftrupps aus ganz Europa sollen künftig in Notsituationen
jedem Mitgliedstaat zu Hilfe eilen, der seine Grenzen allein nicht mehr
zu schützen weiß. Einen großzügigeren Umgang mit
irakischen Flüchtlingen lehnten die EU-Innenminister bei ihrer
Sitzung in Luxemburg ab. Es habe Einigkeit bestanden, «dass
dieses Problem im Wesentlichen in der Region gelöst werden
muss», erklärte Deutschlands Innenminister Wolfgang
Schäuble als Ratsvorsitzender.
Dazu sollen die mit Flüchtlingen überschwemmten
Nachbarstaaten des Iraks elf Millionen Euro humanitäre Hilfe
erhalten. Für die EU wurde trotz dringlicher Appelle von UN und
Menschenrechtsorganisationen noch nicht einmal ein Abschiebeverbot
für Flüchtlinge aus dem Irak vereinbart. Schäuble
erklärte, darüber solle erst nach einer Expertenkonferenz im
Mai beraten werden. Aus Deutschland wurden in diesem Jahr drei
Flüchtlinge in den als vergleichsweise sicher geltenden Nordirak
abgeschoben, auch Großbritannien hat bereits Iraker dorthin
zurückgeschickt.
Im Mittelpunkt des Treffens stand der Ansturm afrikanischer
Flüchtlinge auf die Mittelmeerküsten. Dort sollen schon Ende
Mai ständige Patrouillen an den Seegrenzen beginnen.
Zusätzlich wird ein EU-weiter Pool von rund 450 Polizeibeamten
eingerichtet werden, die auf Anfrage binnen zehn Tagen an jeder
bedrohten Außengrenze der EU zum Einsatz kommen könnten.
Die Beamten sollen im Gastland Exekutivbefugnisse erhalten, um
eigenständig etwa über die Einreise einer Person entscheiden
zu können. Vorbild für diese Regelung sei der Einsatz
ausländischer Polizisten bei der Fußballweltmeisterschaft in
Deutschland gewesen, erklärte Schäuble: «Die
Bundespolizei hat mit der Übertragung von Exekutivbefugnissen auf
Gastbeamte anlässlich der FIFA WM 2006 sehr gute Erfahrungen
gemacht.»
Nach einer Abstimmung des EU-Parlaments in der kommenden Woche, wo mit
einer breiten Mehrheit gerechnet wird, könnte die Neuregelung noch
zum Sommer in Kraft treten. Der Personalstamm von 450 Polizisten soll
allmählich aufgebaut werden, weil die Beamten eine spezielle
Ausbildung erhalten sollen. Die Bundesrepublik hält bereits 100
Beamte für solche europaweiten Einsätze bereit.
Zur Ausrüstung der schnellen Eingreifteams wie auch zur
Unterstützung nationaler Patrouillen soll die Grenzschutzagentur
Frontex künftig auf bis zu 116 Schiffe, 27 Hubschrauber und 21
Flugzeuge zurückgreifen können. Die Bereitstellung dieser
Transportmittel durch die Mitgliedstaaten sei «ein starkes
Zeichen europäischer Solidarität», lobte EU-Innen- und
Justizkommissar Franco Frattini. Deutschland steuert zu diesem
«Werkzeugkasten» für Frontex vier Hubschrauber und ein
Schiff bei, das allerdings aus technischen Gründen nur in der
Nord- und Ostsee eingesetzt werden kann.
Frattini betonte, nach den Problemen der Mittelmeerstaaten müsse
sich die EU nun auch «der illegalen Einwanderung im Osten»
zuwenden. Diese werde vor allem durch die Möglichkeit der
Schwarzarbeit in der EU motiviert. Frattini will deshalb im Mai einen
Sanktionskatalog für Arbeitgeber vorschlagen, die Einwanderer
«ausbeuten».
(Quelle: ap)
Ecofin-Rat der Wirtschafts- und Finanzminister
Sa.21.04.07 - Der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker sieht im
deutlich gestiegenen Euro-Wechselkurs keinen Anlass zur Besorgnis. Der
Kurs habe sich nicht «brutal nach oben bewegt», sondern sei
nach und nach gestiegen, sagte Juncker am Freitag unmittelbar vor Beginn
des informellen Treffens der EU-Wirtschafts- und Finanzminister
(Ecofin-Rat) in Berlin. «Das ist kein Grund in Panik
auszubrechen.»
Die Finanzmärkte hätten zu entscheiden, wie sie mit dem
Kursanstieg umgingen, sagte Juncker. Er ist auch Präsident der
Euro-Gruppe, also der 13 EU-Staaten mit dem Euro als Währung.
Der Ecofin-Rat traf sich am Freitagvormittag zu zweitägigen
informellen Beratungen. Traditionsgemäß nehmen daran auch der
Präsident der Europäischen Zentralbank sowie die Gouverneure
der nationalen Zentralbanken teil. Den Vorsitz hat der deutsche
Finanzminister Peer Steinbrück (SPD).
Schwerpunkte sind der Wunsch Deutschlands und Österreichs nach
einem neuen Modell für die Erhebung der Umsatzsteuer. Das so
genannte Reverse-Charge-Verfahren soll betrügerischen
Karussellgeschäften einen Riegel vorschieben, die den Fiskus Jahr
für Jahr zweistellige Milliardenbeträge kosten. Die Grundidee
ist, dass die Steuerschuld für Umsätze zwischen Unternehmen
grundsätzlich vom leistenden auf das empfangende Unternehmen
verlagert wird.
Weiter steht die Stabilität der Finanzmärkte auf der
Tagesordnung, wo erneut das Dauerthema Hedge-Fonds zur Sprache kommen
wird. Zudem wollen die Minister über die Struktur der
öffentlichen Ausgaben sowie die Effektivität und Effizienz in
der Verwendung öffentlicher Mittel sprechen.
Am Donnerstag hatte Steinbrück überraschend bekannt gegeben,
dass die Euro-Staaten während des Treffens in Berlin
beschließen wollen, dass sie ihre Staatsfinanzen zügig
ausgleichen und ab 2010 ohne neue Schulden auskommen wollen. Der
SPD-Politiker sprach von einem «sehr realistischen und ernsthaft
zu erreichendem Ziel», das er massiv unterstütze.
(Quelle: ap)
'Alternativer Ecofin' fordert Umkehr in der Europa-Politik
Sa.21.04.07 - Ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Verbänden und
Umweltorganisationen hat zum Auftakt des «2. Alternativen
Ecofin» von der EU eine radikale Umkehr in der Wirtschaftspolitik
gefordert. Die derzeitige EU-Handelsstrategie enthalte die neoliberale
Vision eines globalen Europa, die ökologische und soziale Aspekte
vernachlässige, kritisierten Teilnehmer des Kongresses am Freitag
in Berlin.
IG-Metall-Referentin Margit Köppen forderte einen sozialen
Stabilitätspakt für ganz Europa, in dem soziale
Mindeststandards festgeschrieben werden sollten. «Ein gemeinsames
Ziel der EU sollte sein, Mindestlöhne festzulegen, die Armut
verhindern», sagte Köppen.
Der Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND), Gerhard Timm, kritisierte die
«fehlende konsequente Integration von Ökologie in die Finanz-
und Wirtschaftspolitik der EU». Der Handelsexperte des Vereins
Weltwirtschaft, Ökologie und Entwicklung (WEED), Peter Fuchs,
forderte eine Abkehr von dem bisherigen Kurs, der sich lediglich an den
Interessen der großen Konzerne in Europa orientiere.
Die parallel zum Treffen der EU-Wirtschafts- und Finanzminister
(Ecofin-Rat) stattfindende Veranstaltung soll am heutigen Samstag
beendet werden. Rund 300 Teilnehmer sind angemeldet. Der Kongress wird
unter anderem von den Gewerkschaften ver.di, IG Metall und GEW, dem
BUND, Attac und der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützt.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.alternativer-ecofin.org/
Pläne zur Gründung der ersten transatlantischen Gewerkschaft
Sa.21.04.07 - Zwei britische und eine nordamerikanische Gewerkschaft wollen die erste
transatlantische Arbeitervertretung gründen. Amicus, die Transport
and General Workers Union (TGWU) und die nordamerikanische
Stahlarbeitergewerkschaft USW gaben im kanadischen Ottawa bekannt, dass
sie den förmlichen Prozess für einen Zusammenschluss
eingeleitet haben. Dadurch werde innerhalb eines Jahres die
"größte Gewerkschaft der Welt" entstehen. Das neue
Bündnis werde mehr als 3,4 Millionen Menschen in den USA, Kanada,
Großbritannien und Irland vertreten.
Angesichts der Globalisierung müssten auch die Arbeiter weltweit
vernetzt sein, sagte der Generalsekretär der britischen
Gewerkschaft Amicus, Derek Simpson. Bislang profitierten allein die
"Ausbeuter der Arbeiter" von der Globalisierung. In Großbritannien
steht die Fusion von Amicus und TGWU kurz bevor. Ab dem 1. Mai soll die
neue Organisation Unite dort 2,1 Millionen Menschen vertreten. Die USW
mit Sitz in Pittsburgh (US-Bundesstaat Pennsylvania) vertritt 850.000
Arbeiter in Nordamerika, 280.000 davon in Kanada.
(Quelle: afp)
Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich endet mit harten Tönen
Sa.21.04.07 - Zum Abschluss des Wahlkampfes in Frankreich hat sich der Ton noch
einmal verschärft. Der konservative Ex-Innenminister Nicolas
Sarkozy brachte seine scharfen Kritiker mit dem Faschismus in
Zusammenhang.
Der Zeitung «Le Parisien» (Freitag) sagte er:
«Faschismus heißt, die Leute zu karikieren, statt
zuzuhören, was sie sagen.» Nicht nur der Rechtsradikale
Jean-Marie Le Pen handele so.
Die Sozialistin Ségolène Royal hatte am Vorabend in
Toulouse Sarkozy indirekt vorgeworfen, das Land zu brutalisieren und das
«Recht des Stärkeren» über die Justiz zu stellen.
Sarkozy liebäugele mit Le Pen: «Sein Projekt ist, die Macht
zu ergreifen.» Bei ihrem letzten Großauftritt trat Royal
gemeinsam mit dem sozialistischen spanischen Regierungschef José
Luis Zapatero als «die Linke des 21. Jahrhunderts» auf.
Der Zentrumspolitiker François Bayrou beklagte das
«Zusammenspiel der Mächtigen aus Finanzen, Politik und
Medien» und versprach die «Trennung der Machtinteressen vom
Staat». Sarkozy warf er vor, mit dem Schüren von Spannungen
«Frankreich gefährlich zu machen».
Le Pen erklärte, die Wahl werde wie eine «große
nationale Woge die herrschende Oligarchie fortwischen». Sarkozy,
Bayrou, Royal seien alle gleich. «Sie geben sich alle als
Patrioten, Retter der Arbeiter und Rentner, Verteidiger der Witwen und
Waisen.» Sarkozy stehle ihm seine Ideen.
Die erste Runde der Wahl in Frankreich findet am Sonntag statt. Eine
Stichwahl ist für den 6. Mai angesetzt.
(Quelle: dpa)
Präsidentschaftswahl in Frankreich: Programmpunkte der vier
aussichtsreichsten Kandidaten
Die zentralen Programmpunkte der vier aussichtsreichsten Kandidaten
für die französische Präsidentschaftswahl:
Nicolas Sarkozy (rechtsbürgerliche UMP):
- Verabschiedung eines «Minivertrages» zur
EU-Verfassungsreform durch das Parlament vor 2009.
- Beschränkung der Einwanderung (von «erlittener» zu
«gewünschter» Einwanderung)
- Schaffung eines Ministeriums für «Einwanderung und
nationale Identität».
- Befreiung aller Überstunden von Sozialabgaben und Steuern, damit
«mehr verdient, wer mehr arbeitet».
- Senkung des Spitzensteuersatzes von 60 auf 50 Prozent.
- Abschaffung der Erbschaftssteuer.
- Sicherstellung einer Grundversorgung im Fall eines Streiks im
;öffentlichen Dienst.
- Schärfere Strafen für Wiederholungstäter und
jugendliche Straftäter.
Ségolène Royal (Sozialisten):
- Referendum über eine verschlankte EU-Verfassung spätestens
im Juni 2009.
- Anhebung der Kleinstrenten und des Mindestlohnes um 5 Prozent.
- Deckelung der Wohnungsmieten.
- Schaffung von 500.000 Einstiegsjobs für junge Erwachsene,
Finanzierung in den ersten sechs Monaten durch den Staat.
- Profitable Unternehmen müssen bei Verlagerung von Jobs ins
Ausland Subventionen zurückzahlen.
- Militärische Erziehung für jugendliche Gewalttäter.
- Einführung eines Ausländerwahlrechtes bei Kommunalwahlen.
- Recht auf Eheschließungen und Adoption für Homosexuelle.
François Bayrou (Zentrumspartei UDF)
- Referendum über ein neues,
«gemeinverständliches» EU-Verfassungsprojekt.
- Verbot eines defizitären Staatshaushaltes per Verfassung,
ausgenommen in Zeiten der Rezession.
- Verwendung von 50 Prozent der Steuermehreinnahmen zum Schuldenabbau.
- Einrichtung von Eliteklassen in jeder Schule.
- Anhebung von Kleinstrenten auf 90 Prozent des Mindestlohnes.
- Flexibilisierung des Renteneintrittsalters.
- Einführung von Elementen des Verhältniswahlrechts
(gegenüber Mehrheitswahlrecht).
Jean-Marie Le Pen (Nationale Front)
- Stopp von Sozialhilfe und Kindergeld für Ausländer.
- Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft.
- Zuwanderungsstopp für Familienangehörige in Frankreich
lebender Ausländer.
- Verkürzung der Aufenthaltsgenehmigung von zehn auf drei Jahre.
- Wiedereinführung der Todesstrafe.
- Einführung von Elterngeld in Höhe des Mindestlohns ab dem
ersten Kind.
- Schrittweise Abschaffung der Lohnsteuer.
- Ausstieg aus dem Schengen-Abkommen.
- Ausstieg aus der NATO.
Quelle: ap, 20.04.2007
Das französische Wahlsystem
Der französische Staatspräsident wird in direkter und
allgemeiner Wahl mit absoluter Mehrheit für fünf Jahre
gewählt. Für einen Sieg sind 50 Prozent plus eine Stimme
notwendig. In den sieben bisherigen Präsidentschaftswahlen der V.
Republik seit 1958 ist die Entscheidung immer erst in einer Stichwahl
gefallen, die jeweils zwei Wochen nach der ersten Runde stattfinden
muss. Wahlberechtigt sind am Sonntag 44,5 Millionen Franzosen ab dem
Alter von 18 Jahren, die sich bis zum 30. Dezember auf die Wahlliste
haben eintragen lassen. Anders als bei Kommunal- und Europawahlen
können EU-Ausländer ihre Stimme nicht abgeben. Die 85.000
Wahllokale schließen um 18.00 Uhr, in Paris um 20.00 Uhr. Die
Ergebnisse von Wählernachfragen werden um 20.00 Uhr im Fernsehen
verbreitet. Das offizielle Ergebnis gibt das Innenministerium in der
Nacht bekannt.
Quelle: ap, 20.04.2007
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Deutschland
Union drängt Finnzminister Steinbrück immer stärker zu
Steuersenkung
Sa.21.04.07 - In der Union mehren sich die Stimmen, die die Forderung von
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) nach einer Senkung der
Einkommensteuer unterstützen. «Wenn Steuersenkungen im Jahre
2010 möglich sind, sollte man dies auch tun», sagte Sachsens
Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) dem
«Handelsblatt» (Montag).
Auch Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) forderte erneut
weitere Steuersenkungen, falls der Staatshaushalt 2010 insgesamt ohne
neue Schulden auskommt. Die Unions-Parteien werden dieses Ziel
«in ihr Regierungsprogramm 2009 aufnehmen», sagte Huber.
Unions-Fraktionsvize Michael Meister (CDU) sprach sich ebenfalls
für niedrigere Einkommensteuersätze aus. «Wenn der
Staatshaushalt 2010 ausgeglichen ist, sollten die Einkommensteuer
vereinfacht und die Steuersätze gesenkt werden», sagte er.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte zuvor
stärker werdenden Forderungen nach einer Senkung der Lohn- und
Einkommensteuer erneut eine klare Absage erteilt. «Der
Dreizack» - Sanierung der Staatsfinanzen, Zukunftsinvestitionen
und zugleich Steuersenkungen - funktioniere nicht, sagte
Steinbrück am Freitag am Rande des Treffens der 27
EU-Finanzminister in Berlin.
Darin hätten ihn auch seine Amtskollegen der 13 Euro-Länder
bestärkt. Deutschland werde nachhaltig von den Euro-Partnern
gebeten, den EU-Stabilitätspakt einzuhalten. «Insofern steht
das Konsolidierungsziel im Vordergrund.» Die Euro-Gruppe
verständigte sich zuvor, zusätzliche Steuereinnahmen
«absolut prioritär» zum Abbau der Haushaltsdefizite zu
nutzen und bis spätestens 2010 in allen Ländern des
gemeinsamen Euro-Währungsgebietes weitgehend ausgeglichene
Staatshaushalte ohne neue Schulden zu erreichen.
Diejenigen, die jetzt für Steuerreduzierungen eintreten,
hätten noch nicht einmal die Frage beantwortet, wie die auf bis zu
14 Milliarden Euro steigenden Zuschüsse zu den gesetzlichen
Krankenkassen finanziert werden, sagte Steinbrück. «Ich
wundere mich über das Kurzzeitgedächtnis, das da teilweise
gegeben ist». Seit Juli 2006 sei diese Frage nicht beantwortet.
«Wer da jetzt räsoniert über Steuersenkungen, der hat
irgendwo die Proportionen verloren.»
Zu Forderungen von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU), der sich
für mittelfristige Steuersenkungen nach 2009 ausspricht, sagte
Steinbrück: «Ich verbiete Herrn Glos nicht das Nachdenken
über die nächste Legislaturperiode.» Bis zu den
nächsten Bundestagswahlen im Herbst 2009 gehe es aber darum, Kurs
zu halten und die Proportionen nicht aus dem Auge zu verlieren.
«Und ich werde Kurs halten.» Daran gebe es keinen Zweifel.
(Quelle: dpa)
Mehrheit der Bürger unterstützt Schäubles
Sicherheitspläne
Sa.21.04.07 - Die Mehrheit der Deutschen unterstützt die Forderung von
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), Passfotos und
Fingerabdrücke der Bürger zu speichern und die Daten der
Polizei zur Verfügung zu stellen. Im neuen ZDF-Politbarometer
befürworten dies 61 Prozent der Befragten, wie der Sender am
Freitag mitteilte. 37 Prozent lehnen die Maßnahmen ab.
Auch bei den Anhängern von SPD und Linke gibt es mit 56
beziehungsweise 55 Prozent eine knappe Mehrheit für Schäubles
Vorschläge. Größer war die Zustimmung bei Anhängern
der FDP (72 Prozent) und Union (67 Prozent). Bei der
Anhängerschaft der Grünen lehnen 62 Prozent die Idee klar ab.
Generell sind 65 Prozent der Bürger der Ansicht, dass für die
Bekämpfung der Kriminalität nicht genug getan werde. 32
Prozent sehen keine Defizite. Eine Einschränkung der
Freiheitsrechte durch die bisherigen Maßnahmen beklagen 29
Prozent. 66 Prozent sehen hier keine Beeinträchtigungen.
Für das ZDF-Politbarometer wurden von der Mannheimer
Forschungsgruppe Wahlen vom 17. bis 19. April 1251 Bürger befragt.
(Quelle: ddp)
Nordseewellen werden mächtiger
Sa.21.04.07 - Der Wellengang in der Nordsee hat sich deutlich verstärkt. Der
Orkan "Britta" Anfang November 2006 habe in dieser Hinsicht neue
Maßstäbe gesetzt, berichtet die Zeitschrift "Geo": Demnach
betrug der Höhenmittelwert besonders mächtiger Wellen
während des Orkans "Britta" zehn Meter, zuvor hatte der Wert bei
9,20 Meter gelegen. Da die maximale Wellenhöhe etwa 70 bis 80
Prozent über diesem Durchschnittswert liege, bedeute das Wellen mit
einer Höhe von 17 bis 18 Metern. Das seien bis zu zwei Meter mehr
als zuvor.
Ob diese "Extremwellen" mit der Erwärmung der Nordsee zu tun
hätten, sei unklar, sagte ein Sprecher des Bundesamts für
Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH): "Wir wissen nur, dass diese
Höhen in der südlichen Nordsee bisher nicht gemessen und auch
nicht vermutet wurden."
Vereinzelt seien sogar die Messinstrumente überfordert gewesen:
Vor Borkum und Schiermonnikoog streikten in der betreffenden Orkannacht
die Seegangsbojen. Die Wucht des Wassers erschloss sich den
Wissenschaftlern des BSH auch bei der Inspektion einer
Forschungsplattform bei Borkum: Demnach hatten die Brecher auf einer
Galerie 15 Meter über dem Wasserspiegel Metallgeländer
zertrümmert und Kabelstränge zerfetzt.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Forscher entdecken natürlichen HIV-Blocker
Sa.21.04.07 - Deutsche Wissenschaftler haben im menschlichen Blut einen
natürlichen HIV-Blocker entdeckt. Das Eiweißfragment wirkt
mithilfe eines anderen Mechanismus als bisher bekannte Hemmstoffe und
kann eine Reihe von HIV-Varianten abwehren - auch solche, die gegen
bisherige antivirale Wirkstoffe resistent sind. So könnten neue,
noch wirksamere Medikamente gegen die Immunschwächekrankheit Aids
entwickelt werden, hoffen die Forscher um Frank Kirchhoff von der
Universität Ulm. Sie stellen die Ergebnisse der Studie im
Fachmagazin «Cell» vor (DOI: 10.1016/j.cell.2007.02.042).
Eine Vielzahl von Blutbestandteilen steht im Verdacht, den Verlauf
einer HIV-Infektion und damit auch den Zeitpunkt des Aids-Ausbruchs
beeinflussen zu können. Bisher wussten die Wissenschaftler jedoch
nicht, welche Moleküle genau beteiligt sind. Kirchhoffs Team
untersuchte nun mehr als 10.000 Liter Blut und identifizierte dabei ein
kleines Eiweißfragment namens Virus-Inhibitor-Peptid (VIRIP) als
wirksamste Komponente.
VIRIP blockiert ein Protein der HI-Virushülle, das für das
Eindringen des Erregers in die Immunzellen des Menschen benötigt
wird, und wirkt zumindest im Labor gegen verschiedene HIV-Stämme.
Zudem erhöhe sich die Effizienz des Virusblockers um das
Hundertfache, wenn nur einige wenige Bausteine des Peptids
verändert werden, sagen die Forscher.
Bisher konnten die Wissenschaftler die Wirkung von VIRIP zwar lediglich
im Labor nachweisen. Sie sind jedoch zuversichtlich, dass
veränderte Varianten des Virusblockers die Vermehrung von HIV auch
bei infizierten Menschen effektiv eindämmen können. Bisher
werden etwa 20 Medikamente gegen Aids eingesetzt. Jedoch zeigen sich
immer mehr HIV-Stämme gegen diese resistent, und es tauchen
zunehmend sogar multiresistente Virenstämme auf. Kirchhoff und
seine Kollegen sehen in dem Mechanismus des VIRIP deshalb einen
entscheidenden Ansatz bei der Entwicklung neuer Medikamente, bei denen
solche Resistenzen nicht auftreten.
(Quelle: ddp)