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Irak am tausendsiebenundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Kritik an Mauerbau in Bagdad. Vorsitzender des Stadtrats von Falludscha
erschossen
So.22.04.07 - In der irakischen Hauptstadt wächst die Kritik am Bau einer Mauer
zum Schutz einer sunnitischen Enklave. Gemeindevertreter und Bewohner
von Asamija am Ostufer des Tigris' beklagten am Samstag, sie seien vor
Beginn der Arbeiten nicht befragt worden. Die Mauer nehme alle Einwohner
von Asamija in Sippenhaft und schränke ihre Bewegungsfreiheit zu
stark ein. Die amerikanischen Streitkräfte erklärten am
Freitag, Asamija werde nach Abschluss der Arbeiten vollständig von
der Mauer umgeben sein.
Der Vorsitzende des Gemeinderats von Asamija, Dawud al Asami,
erklärte, Vertreter der US-Streitkräfte hätten vor
einigen Tagen um Erlaubnis gebeten, zum Schutz vor Anschlägen eine
Mauer zu bauen. Er habe geantwortet, dass er zunächst mit den
Bewohnern sprechen müsse. «Der Gemeinderat hat das Projekt
noch nicht unterzeichnet, und die Bauarbeiten haben schon
begonnen.» Der Ingenieur Ahmed al Dulaimi erklärte, der
Bezirk werde zu einem Gefängnis. «Sie werden uns alle
bestrafen wegen einiger Terroristen hier und da», sagte er.
Die Mauer wird nach Angaben der US-Streitkräfte rund fünf
Kilometer lang sein und an einigen Stellen 3,50 Meter hoch. Der Bau
begann am 10. April und soll so schnell wie möglich abgeschlossen
werden. Asamija wird dann vollständig von der Mauer umgeben sein,
die Eingänge sollen von irakischen Soldaten kontrolliert werden.
Der Vorsitzende des Stadtrats von Falludscha ist am Samstag einem
Attentat zum Opfer gefallen. Sami Abdul Amir wurde aus einem fahrenden
Wagen heraus erschossen. Er war ein erklärter Kritiker der
Terrororganisation Al Kaida im Irak. Er war erst vor einem Monat zum
Vorsitzenden gewählt worden und ist bereits der vierte
Stadtratsvorsitzende der früheren Rebellenhochburg Falludscha, der
in etwas mehr als einem Jahres getötet wurde. Auch sein
Vorgänger hatte sich gegen die Al Kaida gewandt. Die Gruppe ist in
jüngster Zeit verstärkt dazu übergegangen, Politiker zu
töten, die mit den USA und der von ihnen gestützten
irakischen Regierung kooperieren. Viele Sunniten sind aber zunehmend
von der brutalen Gewalt und dem religiösen Extremismus der Gruppe
abgestoßen.
Ein Bombenanschlag im Irak kostete einen polnischen Soldaten das Leben.
Das polnische Verteidigungsministerium erklärte am Samstag in
Warschau, vier weitere Soldaten seien verletzt worden, als der Konvoi am
Freitag in der Stadt Diwanija Ziel des Sprengsatzes geworden sei. Die
verletzten Soldaten seien nicht in Lebensgefahr. Polen stellt seit 2003
Bodentruppen für den Einsatz im Irak zur Verfügung und hat
dort derzeit 900 Soldaten stationiert. 20 polnische Soldaten kamen
bisher im Irak ums Leben.
Der australische Verteidigungsminister Brendan Nelson traf am Samstag
in Bagdad zu einem Gespräch mit dem irakischen
Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki zusammen. Australien
unterstützt den Einsatz im Irak mit derzeit rund 1.400 Soldaten.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.112004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 22.04.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertdreiundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Taliban stellen Paris Ultimatum für Abzug aus Afghanistan
So.22.04.07 - Die mutmaßlichen Geiselnehmer zweier Franzosen in Afghanistan
haben der Regierung in Paris ein Ultimatum zum Abzug der
französischen Soldaten aus dem Land gestellt. Frankreichs Truppen
müssten Afghanistan innerhalb einer Woche verlassen, forderten die
radikalislamischen Taliban auf einer Internetseite. Zudem müsse die
Regierung in Kabul bald zu der verlangten Freilassung von
Taliban-Häftlingen Stellung nehmen.
Die Geiseln, eine Frau und ein Mann, arbeiten für die
Hilfsorganisation Terre d'enfance. Sie waren vor zweieinhalb Wochen mit
drei afghanischen Helfern im Südosten des Landes verschleppt worden.
Es wäre das erste Mal, dass die Taliban öffentlich
Forderungen für die Freilassung der Franzosen stellen. Eine
offizielle Bestätigung für die Echtheit der Erklärung gab
es zunächst nicht. Vergangene Woche war bereits ein Video
aufgetaucht, in dem die französischen Geiseln sagten, sie
hätten Angst um ihr Leben. Ein Sprecher des Außenministeriums
in Paris erklärte, die Regierung habe die neue
Veröffentlichung "zur Kenntnis" genommen und analysiere die
Internet-Botschaft. Im Rahmen der NATO-Schutztruppe ISAF sind in
Afghanistan rund tausend französische Soldaten in der Gegend der
Hauptstadt Kabul stationiert. Auch französische Kampfflugzeuge sind
im Land im Einsatz.
In Afghanistan waren in den vergangenen Monaten mehrere Journalisten
und Mitarbeiter humanitärer Organisationen entführt und in
einigen Fällen getötet worden. Das Ende des an Frankreich
gestellten Ultimatums der Taliban fällt nun genau zwischen die
beiden Wahlgänge der französischen Präsidentschaftswahl,
was den Druck auf die Regierung in Paris erhöhen dürfte.
Frankreich hatte am Donnerstag einen ranghohen Diplomaten nach Kabul
entsandt, um mit Präsident Hamid Karsai über mögliche
Lösungen der Geiselkrise zu beraten. Karsai war in die Kritik
geraten, weil er im März im Gegenzug für die Freilassung des
italienischen Journalisten Daniele Mastrogiacomo fünf Taliban auf
freien Fuß setzte. Die USA, Großbritannien und andere
Länder hatten gegen den Handel protestiert, weil er weitere
Entführungen nach sich ziehen könne.
(Quelle: afp)
Taliban-Chef spornt Anhänger zu mehr Selbstmordanschlägen an
So.22.04.07 - Der im Untergrund lebende Taliban-Chef Mullah Mohammed Omar hat seine
Anhänger offenbar aufgerufen, in Afghanistan noch mehr
Selbstmordanschläge auf ausländische und einheimische Truppen
zu verüben.
"Mullah Omar hat uns befohlen, unser Land zu befreien", sagte
Taliban-Kommandeur Mullah Hajatullah Chan der Nachrichtenagentur Reuters
am Freitagabend per Satelliten-Telefon. Der Anführer der Miliz
habe unlängst Kontakt zu hochrangigen Taliban-Mitgliedern
aufgenommen und ihnen zu den "erfolgreichen" Anschlägen der
vergangenen Wochen gratuliert.
In seinem Aufruf zu neuen Attentaten habe Omar aber auch deutlich
gemacht, dass Opfer unter Zivilisten vermieden werden müssten,
sagte Chan weiter. Wie Mullah Omar den Kontakt zu seinen Kommandeuren
hergestellt habe, ließ er offen.
Die Gewalt in Afghanistan hat zuletzt wieder deutlich zugenommen,
nachdem es den Winter über relativ ruhig geblieben war. Die
islamistischen Taliban sind vor allem im Süden des Landes aktiv, wo
vorrangig US-Truppen im Einsatz sind. Die Bundeswehr ist im Rahmen der
Nato im Norden Afghanistans und im Raum Kabul stationiert, wo es
vergleichsweise ruhig ist. Die Nato hatte in dieser Woche erklärt,
mit mehr Selbstmordanschlägen von Taliban-Anhängern im Land zu
rechnen. Dies sei aber eher ein Zeichen von Verzweiflung, da es der
Gruppe an echter militärischer Kraft fehle, hieß es bei der
Militärallianz.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
Sechs Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen.
Raketenangriffe auf Israel
So.22.04.07 - Israelische Soldaten haben am Samstag bei den blutigsten Gefechten im
Westjordanland und im Gazastreifen seit Januar insgesamt sechs
Palästinenser getötet. Unter den Opfern war auch ein
17-jähriges Mädchen. Vertreter der palästinensischen
Autonomieregierung reagierten empört. «Das untergräbt
unsere Bemühungen, ein Ende der Feindseligkeiten zu
erreichen», erklärte Sajeb Erakat, Berater von
Präsident Mahmud Abbas. «Das ist sehr, sehr schlecht.»
Drei militante Palästinenser wurden von einer verdeckt
operierenden Einheit der israelischen Streitkräfte in der Stadt
Dschenin erschossen. Nach israelischen Angaben handelte es sich um zwei
Mitglieder der Al-Aksa-Brigaden, die der Fatah von Abbas nahe stehen,
und einen Kämpfer des Islamischen Dschihad. Am Abend rückten
israelische Truppen nochmals in Dschenin ein, wo es zu einem heftigen
Feuergefecht mit bewaffneten Palästinensern kam. Ein Mädchen
sei dabei von israelischen Kugeln tödlich getroffen worden,
hieß es.
Zuvor hatten Truppen das Dorf Kafr Dan im Westjordanland nach
militanten Palästinensern durchsucht. Dort wurde bei
Schusswechseln ein Palästinenser getötet. Bei dem Toten
handele es sich um einen 22-jährigen Polizisten, der mit seinem
Bruder auf dem Dach seines Hauses gestanden habe, verlautete aus
palästinensischen Sicherheitskreisen.
Im Norden des Gazastreifens wurden bei einem israelischen
Raketenangriff ein Palästinenser getötet und ein weiterer
verwundet. Aus palästinensischen Kreisen verlautete, eine Maschine
der israelischen Luftwaffe habe eine Rakete auf ein Fahrzeug
abgefeuert, dass in der Nähe eines Ortes war, von dem aus zuvor
Raketen auf Israel abgefeuert wurden. Bei dem getöteten Insassen
habe es sich um einen Zivilisten gehandelt, der keine Verbindungen zu
militanten Gruppen gehabt habe.
Militante Palästinenser hatten zuvor wieder drei Raketen auf den
Süden Israels abgeschossen. Es sei aber niemand verletzt worden,
erklärte die Polizei. Zwei der Raketen seien in der Stadt Sderot
eingeschlagen, eine davon habe ein Haus getroffen. Sechs Menschen
hätten einen Schock erlitten. Die dritte Rakete landete
außerhalb von Sderot. Zu dem Angriff bekannten sich gleich drei
palästinensische Gruppen: Der Islamische Dschihad, die
Volkswiderstandskomitees und die Al-Aksa-Brigaden.
Die israelischen Streitkräfte beschlossen wegen den bevorstehenden
Feierlichkeiten zum Volkstrauertag und dem Unabhängigkeitstag die
Abriegelung von Westjordanland und Gazastreifen. Die Abriegelung sollte
um Mitternacht in der Nacht von Samstag auf Sonntag in Kraft treten.
Palästinenser sollten dann nicht mehr nach Israel einreisen
dürfen, Ausnahmen sollten aus humanitären Gründen und
für Mitarbeiter im Gesundheitsdienst gelten.
Der Volkstrauertag beginnt in Israel bei Sonnenuntergang am Sonntag,
der Unabhängigkeitstag beginnt am folgenden Abend und endet am
Dienstagabend. Vor Feiertagen riegelt Israel die palästinensischen
Autonomiegebiete regelmäßig ab. Tausende Palästinenser
reisen täglich zur Arbeit, zur medizinischen Behandlung oder zu
Verwandtenbesuchen nach Israel.
(Quelle: ap)
Wahlen in Nigeria von Gewalt überschattet
So.22.04.07 - Bei den schwersten Kämpfen in der somalischen Hauptstadt
Mogadischu seit Wochen sind nach Meldungen der somalischen
Nachrichtenagentur Shabelle rund 60 Menschen getötet worden. Die
Straßen seien von Leichen übersät und das
Medina-Krankenhaus überfüllt. Aufständische und
islamistische Milizen lieferten sich den ganzen Tag über heftige
Gefechte mit Truppen der somalischen Übergangsregierung und mit
ihr verbündeten äthiopischen Soldaten.
(Quelle: dpa)
Somalia: Rund 60 Tote und 200 Verletzte bei Kämpfen in Mogadischu
So.22.04.07 - In Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas, sind am
Samstag Präsidentschafts- und Parlamentswahlen angelaufen -
erstmals seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1960 soll die
Macht von einem demokratisch gewählten Staatschef auf einen
Nachfolger übergehen. 25 Kandidaten gehen ins Rennen um die
Nachfolge von Staatschef Olusegun Obasanjo, der acht Jahre lang
amtierte. Kurz vor den Wahlen wurde auf einen der Kandidaten für
die Vize-Präsidentschaft offenbar ein Anschlag unternommen. In der
Hauptstadt Abuja wurde ein Anschlag auf das Gebäude der
Wahlkommission vereitelt.
Die Wahllokale öffneten mit zweistündiger Verspätung
gegen 11.00 Uhr MESZ. Dies war dadurch begründet, dass die
Wahlzettel wegen kurzfristiger Änderungen in der Kandidatenliste
verspätet ausgeliefert wurden.
Die größten Chancen auf das Amt des Staatschefs haben drei
Muslime aus dem Norden: Umaru Yar'Adua von der regierenden People's
Democratic Party (PDP), Vizepräsident Atiku Abubakar vom Action
Congress und der ehemalige Militärmachthaber Muhammadu Buhari von
der All Nigeria Peoples Party (ANPP).
Nach Diplomatenangaben wurden Schüsse abgefeuert, als der
Regierungspolitiker Goodluck Jonathan sich in einem Hotel in der Stadt
Yenagoa im südlichen Bundesstaat Bayelsa aufhielt. Der Politiker,
der die die regierende Demokratische Volkspartei vertritt, wurde
demnach nicht verletzt. Es habe sich um einen Mordanschlag gehandelt,
sagte ein Vertreter der Regierung des Bundesstaates. Jonathan sei in
Sicherheit gebracht worden. Im Stadtzentrum von Yenagoa waren
Schüsse und Explosionen zu hören.
In Abuja wurde ein Anschlag auf das Gebäude der Wahlkommission
vereitelt. Wie die Polizei mitteilte, rollte in der Nacht ein voll
beladener Tanklaster mit Treibstoff auf einer abschüssigen
Straße auf das Gebäude zu, konnte aber gebremst werden. "Es
wäre Zerstörung im größten Ausmaß gewesen",
sagte ein Polizeisprecher. Das Gaspedal des Tanklasters war mit einem
Stein festgestellt. In dem Lastwagen wurde darüber hinaus ein
Gasbehälter gefunden, der den Treibstoff beim Aufprall hätte
entzünden können.
Mit geschätzten 140 Millionen Einwohnern ist Nigeria das
bevölkerungsreichste Land Afrikas. Das Land ist von Korruption und
zum Teil politisch motivierter Gewalt geprägt. Im Wahlkampf waren
in der vergangenen Woche bereits mindestens 21 Menschen getötet
worden.
(Quelle: afp)
Ecofin-Konferenz: Hedgefonds-Geschäfte sollen durchsichtiger werden
So.22.04.07 - Die spekulativen und risikoreichen Geschäfte von Hedgefonds sollen
nach dem Willen der EU-Finanzminister deutlich durchsichtiger werden.
Deutschlands Finanzminister Peer Steinbrück schlug am Samstag nach
Ende der Ecofin-Konferenz in Berlin einen verbindlichen Verhaltenskodex
vor, dem sich die wichtigsten Fonds unterwerfen sollten. Der
SPD-Politiker forderte von den EU-Staaten zudem die Erlaubnis, dass
Deutschland ein neues Umsatzsteuersystem einführen darf, um den
milliardenschweren Steuerbetrug einzudämmen.
EU-Steuerkommissar Lazlo Kovacs berichtete, dass betrügerische
Geschäfte mit der Mehrwert- oder Umsatzsteuer in Europa
jährlich Schäden bis zu 250 Milliarden Euro verursachten.
Steinbrück rechnete vor, das der deutsche Fiskus durch die
Umstellung auf das umstrittene Reverse-Charge-Verfahren mindestens 3,5
Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich einnehmen könnte.
«Bei solchen Summen hört der Spaß auf», sagte er.
Der österreichische Finanzstaatssekretär Christoph Matznetter
bot an, dass sein Land innerhalb weniger Monate einen Pilotversuch
starten könnte. Bei dem neuen Modell wäre bei
Warengeschäften oberhalb von 5.000 Euro zwischen Unternehmen nicht
mehr wie bisher der Erbringer, sondern der Empfänger
umsatzsteuerpflichtig.
Matznetter berichtete, dass Deutschland und Österreich noch vor
dem nächsten Ecofin-Treffen im Juni den anderen Staaten eine
detaillierte Stellungnahme zur Verfügung stellen würden.
Darin wollen sie darlegen, wie das Reverse-Charge-System in das
bestehende Steuersystem eingefügt werden könnte. Er
berichtete, inzwischen hätten erstmals neben Belgien auch die
Niederlande, Luxemburg, Malta «und weitere Staaten»
Sympathie für die Idee eines Systemwechsels bekundet. Auch die
EU-Kommission will das Modell weiter intensiv prüfen, was bis zum
Jahresende dauern soll.
Der luxemburgische Ministerpräsident und Chef der Euro-Gruppe,
Jean-Claude Juncker, sagte zu den Ambitionen Deutschlands und
Österreichs: «Ich halte dies für einen gangbaren Weg.
Nicht alle können diesen Weg mitgehen. Aber die, die auf diese
Option zugreifen wollen, sollte man nicht daran hindern.»
Die staatlich kaum kontrollierten Hedgefonds hatten Ende 2006 weltweit
ein Volumen von rund 1.600 Milliarden Euro. In Europa haben 90 Prozent
von ihnen ihren Firmensitz in Großbritannien, das eine
stärkere Regulierung aber für überflüssig hält.
Auch EU-Kommissar Joaquin Almunia nannte Hedgefonds
«nützliche Institutionen», die zum Funktionieren der
Märkte beitrügen. Er pflichtete Steinbrück aber bei,
dass mehr Transparenz vonnöten ist. Insbesondere Investoren
müssten besser geschützt und auf Risiken aufmerksam gemacht
werden, sagte er.
Bundesbank-Präsident Axel Weber sagte, die neuen
Kapitalgesellschaften müssten erst noch beweisen, dass sie auch in
wirtschaftlich schlechten Zeiten reibungslos funktionierten. Er sei
daher froh über die deutsche Initiative für mehr Transparenz.
Am Freitag hatten die Finanzminister der 13 Euro-Staaten beschlossen,
trotz kräftig sprudelnder Steuerquellen weiter sparsam zu
haushalten. Zusätzliche Einnahmen wollen sie vor allem in den
Schuldenabbau stecken und bis 2010 alle Staatshaushalte weitgehend
ausgleichen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Fall Buback soll neu aufgerollt werden
So.22.04.07 - Der Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback muss nach Ansicht
mehrerer Politiker neu aufgerollt werden. Das forderten führende
Vertreter von CDU, FDP und Grünen in der «Welt am
Sonntag». Hintergrund ist ein «Spiegel»-Bericht,
wonach dem Verfassungsschutz und dem Bundeskriminalamt (BKA) seit
über 20 Jahren wichtige Aussagen vorliegen, die nicht in das
Verfahren eingebracht worden sein sollen.
So sollen die Ex-Terroristinnen Verena Becker und Silke Maier-Witt
glaubhaft geschildert haben, dass der wegen des Buback-Mordes
verurteilte Knut Folkerts an dem Attentat nicht beteiligt gewesen sei.
Beckers Aussage und die ihres früheren Komplizen Peter-Jürgen
Boock legten außerdem nahe, dass der Ex-Terrorist Stefan
Wisniewski die tödlichen Schüsse auf Buback und dessen zwei
Begleiter abgegeben haben soll.
«Wenn Behörden seit Jahren über genaue Tathergänge
Bescheid wussten, diese aber nicht der Justiz zur Verfügung
gestellt haben sollten, würde das eine juristische und politische
Aufarbeitung erforderlich machen», sagte FDP-Chef Guido
Westerwelle der «Welt am Sonntag».
Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach stellte fest: «Mord
verjährt nie. Die neuen Informationen müssen Anlass dazu
sein, den gesamten Fall neu zu untersuchen.» Für die
Grünen sagte der Innenpolitiker Christian Ströbele:
«Wenn die Justiz damals tatsächlich von den entlastenden
Aussagen wusste, hat sie unverantwortlich gehandelt. Dann sind damals
Menschen für etwas angeklagt und verurteilt worden, obwohl Beweise
gegen deren Tatbeteiligung vorlagen. Das muss auch heute noch
Konsequenzen haben.»
Bosbach forderte eine eingehende Untersuchung, in der drei Fragen
geklärt werden müssten: «Erstens müssen wir
prüfen, ob die Informationen zutreffend sind. Zweitens, warum
diese nicht in das Verfahren eingebracht wurden. Und drittens ist zu
klären, wer die Informationen aus welchen Gründen
zurückgehalten hat», sagte der CDU-Politiker.
Sollte es der Justiz damals darum gegangen sein, Zeugen zu
schützen, hätte sie auch andere Wege wählen können.
«Man hätte zum Beispiel einen Aktenvermerk in das Verfahren
einbringen können, in der es heißt: 'Aus dienstlicher Quelle
wurde bekannt'», erläuterte Ströbele. Dies sei damals
in anderen Verfahren durchaus üblich gewesen.
(Quelle: ap)
SPD-Innenpolitiker verteidigt Schäuble in Sicherheitsdebatte
So.22.04.07 - Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz hat Bundesinnenminister
Wolfgang Schäuble (CDU) gegen Angriffe wegen dessen
Äußerungen zur Unschuldsvermutung bei der Terrorabwehr
verteidigt.
"Der Bundesinnenminister hat darauf hingewiesen, dass die
Unschuldsvermutung nur im Strafrecht, jedoch nicht im Bereich der
polizeilichen Gefahrenabwehr gilt", sagte Wiefelspütz der "Passauer
Neuen Presse" vom Samstag. Der CDU-Politiker habe völlig korrekt
gehandelt. Allerdings habe der Eindruck entstehen können, als gebe
es keine Schranken bei der Gefahrenabwehr. "Herr Schäuble ist hier
missverstanden worden. Der Rechtsstaat hat Grenzen, auch bei der Abwehr
der Terrorgefahr", sagte Wiefelspütz.
Schäuble war mit seiner Aussage, die Unschuldsvermutung könne
bei Terrorverdacht nicht gelten, auch in den Reihen der SPD auf massive
Kritik gestoßen. So hatte der Justiziar der SPD-Bundestagfraktion
erklärt: "Wer in dieser Art und Weise Hysterie schürt, wird
selbst zu einem Sicherheitsrisiko." Auch Bundesjustizministerin Brigitte
Zypries (SPD) hatte sich in einer ersten Reaktion verwundert gezeigt.
(Quelle: rtr)
Privatwirtschaft sponsert Regierungsveranstaltungen
So.22.04.07 - Die Bundesregierung hat sich nach Darstellung des «Spiegel»
im vergangenen Monat mit Geld- und Sachleistungen in Höhe von mehr
als einer halben Million Euro durch private Sponsoren unterstützen
lassen. So habe BMW das G-8-Umweltministertreffen in Potsdam
gefördert, bei dem es auch um den Klimaschutz ging, berichtete das
Blatt am Samstag vorab. Der Autokonzern habe 20 Limousinen
einschließlich Fahrer und Treibstoff im Wert von insgesamt 27 000
Euro zur Verfügung gestellt und 7000 Euro für die Anmietung
von Bussen gezahlt.
Ferner unterstützten die Energieunternehmen Vattenfall und RWE mit
9000 Euro eine Kraftwerkskonferenz des Bundeswirtschaftsministeriums in
Leipzig, wie es in dem Bericht weiter heißt. Die Volkswagen AG
habe 10 000 Euro für ein Minister-Dinner in Brüssel
übernommen, bei dem es um die Europäische Energiestrategie
ging, und 25.000 Euro für eine Konferenz des
Bundesverkehrsministeriums in Berlin.
«Wenn Unternehmen Konferenzen von Regierungen und Ministerien
sponsern, weil ihnen die Veranstaltungen nutzen, dann versagt die
parlamentarische Demokratie», zitiert das Blatt den
Links-Parlamentarier Herbert Schui. Die Regierung sei oft »nicht
mehr allein Herr im Haus«.
Das Gesundheitsministerium akzeptierte den Angaben zufolge 20.000 Euro
vom Verband der privaten Krankenversicherung für eine
Aids-Konferenz in Bremen. Rund 275 000 Euro habe das Presse- und
Informationsamt für sein Medienzentrum während des EU-Gipfels
in Berlin bekommen, darunter vom Rüstungskonzern EADS und von der
Deutschen Telekom. Die Bundesregierung verteidige das Sponsoring als
»international üblich zur Entlastung öffentlicher
Haushalte".
(Quelle: ddp)
Kein Konzept zur Krippen-Finanzierung erkennbar
So.22.04.07 - Wie der geplante drastische Ausbau der Krippenplätze bezahlt
werden soll, ist weiter völlig unklar. Bundeskanzlerin Angela
Merkel stellte sich am Samstag gegen SPD-Vorschläge, das
nötige Geld aus anderen Familienleistungen abzuzweigen. Die CSU
will zusätzliche Ansprüche für Familien, die keinen
Betreuungsplatz nutzen: Eltern sollen eine Prämie bekommen, wenn
sie ihre kleinen Kinder selbst betreuen.
Bund, Länder und Gemeinden hatten sich zuletzt grundsätzlich
darauf geeinigt, bis 2013 für jedes dritte Kind unter drei Jahren
einen Betreuungsplatz anzubieten. Das bedeutet einen Ausbau von heute
rund 250.000 auf 750.000 Plätze.
Zu Lösungsansätzen für die offene Finanzierung
äußerte sich Merkel nur vage. «Wir brauchen eine
gemeinsame Anstrengung aller dafür Verantwortlichen in
Deutschland», sagte sie der «B.Z. am Sonntag». Eine
Einigung erwarte sie in absehbarer Zeit. «Wo ein Wille ist, ist
auch ein Weg», sagte die CDU-Chefin.
Den SPD-Vorstellungen hielt sie aber entgegen: «Wir können
nicht das Geld, das Familien mit ganz kleinen Kindern für mehr
Betreuungsmöglichkeiten zu Gute kommt, etwa von Familien mit etwas
älteren Kindern nehmen.» Die SPD hatte vorgeschlagen, zu
Gunsten des Krippenausbaus zum Beispiel die nächste
Kindergelderhöhung ausfallen zu lassen. Finanzminister Peer
Steinbrück hatte erklärt, die 185 Milliarden Euro für
die Familienförderung müssten effizienter eingesetzt werden.
Wie Merkel stellte sich auch CSU-Chef Edmund Stoiber hinter den Ausbau
der Betreuungsplätze. Gleichzeitig forderte der bayerische
Ministerpräsident aber mehr Geld für Eltern, die ihre Kinder
in den ersten drei Jahren zu Hause erziehen. Diese erhielten
gegenwärtig geringere öffentliche Leistungen als Eltern, die
eine Kindertagesstätte nutzen, sagte Stoiber der «Welt am
Sonntag». Die CSU wolle hier eine gerechte Balance.
Finanziert werden könnten die zusätzlichen Leistungen
über die erwarteten Steuermehreinnahmen, meinte Stoiber. Er schlug
vor, den bisherigen Sockelbetrag von monatlich 300 Euro beim Elterngeld
auszubauen. Offen ließ er, ob der Betrag erhöht werden oder
ob eine längere Bezugsdauer eingeführt werden soll.
Der CSU-Vorschlag trifft allerdings in der Unionsfraktion auf
Vorbehalte. «Von zusätzlichen Cash-Leistungen halte ich sehr
wenig», sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ilse Falk
der «Berliner Zeitung». Statt weitere Milliarden für
direkte Transfers auszugeben, müsse die Politik ihr Augenmerk auf
Bildung und Betreuung richten, meinte Falk.
Familienministerin Ursula von der Leyen sagte weiter nichts zu ihrem
Krippen-Finanzierungskonzept, das intern bereits vorliege. Sie werde
darüber mit Steinbrück reden, sagte sie der
«Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Sie mahnte
jedoch Länder und Kommunen, ihren Teil beizutragen. «Keiner
darf sich jetzt aus seiner Verantwortung dafür ziehen. Jeder muss
sich überlegen, was er auch finanziell dazu beitragen kann.»
Vor dem Hintergrund der familienpolitischen Debatte starteten die
Kirchen unterdessen ihre «Woche für das Leben». Sie
verwiesen vor allem auf das Recht der Kinder auf Erziehung und die
Verantwortung der Eltern, die über den Streit um
Krippenplätze in den Hintergrund gedrängt würden. Die
Kirchen wollten Orientierung bieten, sagte der Vorsitzende der
Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann.
(Quelle: ap)
CSU-Generalsekretär Söder für Kürzungen bei 'Hartz
IV'
So.22.04.07 - Mit seiner Forderung nach Kürzungen bei «Hartz
IV»-Leistungen stößt CSU-Generalsekretär Markus
Söder auf entschiedenen Widerspruch bei SPD und Grünen.
«Eine Leistungskürzung gegen Langzeitarbeitslose kommt
für uns nicht in Frage», betonte SPD-Fraktionsvize Ludwig
Stiegler am Samstag. Grünen-Bundesgeschäftsführerin
Steffi Lemke kritisierte, Söders Vorschläge verhöhnten
alle «Hartz IV»-Empfänger. «In der CSU ist die
soziale Eiszeit angebrochen», fügte Lemke hinzu.
Söder plädierte dafür, insbesondere die Zusatzleistungen
zu kürzen, um den Abstand zwischen «Hartz
IV»-Empfängern und Berufstätigen zu
vergrößern. «Der Regelsatz ist nicht das Problem, aber
all die unüberschaubaren Zusatzleistungen müssen durchforstet
werden», sagte der CSU-Politiker. Er halte «Zuschläge
beim Übergang vom Arbeitslosengeld I zum Arbeitslosengeld II und
viele andere Ausnahmen für überflüssig». Es
müsse wieder gelten, dass derjenige, der arbeitet, mehr Geld hat
als der, der nicht arbeitet. Zugleich kündigte er Widerstand gegen
die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn an.
Stiegler bezeichnete die Übergangsregelungen vom Arbeitslosengeld
I zum Arbeitslosengeld II als «unverzichtbare Kompensation
für die Kürzung der Bezugsdauer des
Arbeitslosengeldes». Es könne nicht darum gehen,
Arbeitsanreize durch Leistungskürzungen zu setzen, sagte der
SPD-Fraktionsvize: «Es geht um bessere und passgenaue Vermittlung
in den Arbeitsmarkt.» Arbeitsvermittlung und Unternehmen
müssten auch denen eine Chance geben, die seit längerer Zeit
nicht mehr im Arbeitsleben stehen.
Lemke kritisierte, die Union nehme mit ihrem Kampf gegen
Mindestlöhne »weiter kaltschnäuzig Elendslöhne in
Deutschland hin«, von denen viele nicht leben könnten. Mit
der Kürzung von «Hartz IV» wolle die Union
»diejenigen, die sowieso schon mit Arbeitslosigkeit zu
kämpfen haben, jetzt auch noch chancenlos ins soziale Abseits
schieben«. Söder streiche das «S» endgültig
aus dem Parteinamen der CSU. «Hartz IV» sei «sicher
nicht zu hoch».
(Quelle: ddp)
Linkspartei.PDS und WASG: 'Wir heißen die G8 nicht willkommen'
So.22.04.07 - Die Linkspartei.PDS und die WASG begrüßen die geplanten
Protestaktionen zum G8-Gipfel im Juni in Heiligendamm. «Wir
heißen die G8 nicht willkommen, wir heißen den Protest
willkommen», lautet der Titel einer am Samstag in Berlin
verabschiedeten Erklärung beider Parteivorstände. Darin
werden die Mitglieder und Sympathisanten beider Parteien aufgerufen,
«sich aktiv an der Mobilisierung zu den Gipfelprotesten,
insbesondere der Großdemonstration am 2. Juni 2007 in Rostock, zu
beteiligen».
«Die G8 sind maßgeblich verantwortlich für Armut,
Kriege und Klimaschock. Wir sprechen ihnen das Recht ab, über das
Schicksal von Milliarden Menschen zu bestimmen», heißt es
in der Erklärung weiter. Der Bundesregierung wird darin
vorgeworfen, dass sie den G8-Gipfel nutzen wolle, «um den
Anschein zu erwecken, die drängenden Probleme der Welt zu
lösen». Dabei habe sie aber nur alte Rezepte anzubieten,
«die in der Vergangenheit nicht zur Armutsbekämpfung und zur
Reduzierung des CO2-Ausstoßes geführt haben».
(Quelle: ddp)
Untersuchungsausschuss stellt Behörden-Fehler im Kevin-Skandal fest
So.22.04.07 - Der kleine Kevin aus Bremen könnte heute noch leben. Davon ist der
parlamentarische Untersuchungsausschuss zu dem Fall nach
fünfeinhalb Monaten Arbeit überzeugt. Doch wegen
Untätigkeit der städtischen Betreuer, die für den
Zweijährigen die Amtsvormundschaft hatten, musste der Junge
«unheimliche Qualen» erleiden und dann sterben, wie der
Ausschussvorsitzende Helmut Pflugradt am Freitag unter Tränen
sagte.
Die politische Aufarbeitung des Kevin-Skandals geht mit der Vorstellung
des Abschlussberichts zu Ende. Danach ist die Justiz dran: Die
Staatsanwaltschaft hat Freitag Anklage wegen Mordes, Misshandlung und
schwerer Körperverletzung gegen den Ziehvater des
Zweijährigen erhoben. Sie datiert das qualvolle Sterben des
kleinen Jungen auf Ende April oder Mai. Ermittlungen gegen Kevins
Amtsvormund und den nachlässigen Sozialarbeiter dauern an.
Im April 2006 sahen Jugendamtsmitarbeiter das Kind zuletzt lebend. Der
Skandal wurde am 10. Oktober 2006 offenbar: Der drogensüchtige
Bernd K. wies Polizisten den Weg zum Kühlschrank seiner Wohnung,
in den er die Leiche des Kindes gezwängt hatte. Tod durch Unfall,
behauptete er. Eine Lüge, vermutete die Polizei und nahm den
Junkie fest, der zunächst als leiblicher Vater des Kindes galt.
Zum Schock über den Tod des kleinen Jungen kam schnell Entsetzen
über die Pflichtvergessenheit Bremer Behörden hinzu: Schon
seit November 2005, als die Mutter gestorben war, hatte ein Amtsvormund
die Aufsicht für Kevin. Der kleine Junge kam zeitweilig in ein
Heim. Doch gegen den Rat des Heimes veranlasste der zuständige
Sozialarbeiter die Rückkehr zu Bernd K.
Gerichtsmediziner konnten wegen der Verwesung den genauen
Todeszeitpunkt nicht mehr bestimmen, die Leiche hatte Monate im
Kühlschrank gelegen. Kevin hatte mehr als 20 Knochenbrüche,
zum Teil mehrfach an derselben Stelle. Manche Torturen lagen lange
zurück, andere mussten sich Tage vor seinem Tod ereignet haben.
Wie hatte all das quasi unter behördlicher Aufsicht geschehen
können, fragten sich Bürger und Politiker. Stets waren die
drogensüchtige Mutter und ihr Lebenspartner im Blick von
Sozialarbeitern, auch das kleine Kind. Dessen Lage musste einer Chronik
der Ereignisse zufolge schon neun Monate nach der Geburt amtsbekannt
sein: In einer Kinderklinik hatte ein Arzt im Oktober 2004 zahlreiche
Knochenbrüche festgestellt und gemeldet.
Das Heim schaltete Bürgermeister Jens Böhrnsen ein, dieser
seine Sozialsenatorin Karin Röpke, die dem Jugendamtschef den Fall
persönlich ans Herz legte. Einen Tag nach dem Fund der Leiche trat
die Sozialsenatorin zurück. Die Bürgerschaft setzte einen
Untersuchungsausschuss ein. Drogenabhängige Eltern und andere
Problemfamilien bekamen umgehend Besuch von den Behörden. Bremen
führte verpflichtende Vorsorgeuntersuchungen für Kleinkinder
ein.
In der kommenden Woche diskutiert der Bremer Landtag, die
Bürgerschaft, in der letzten Sitzung vor der Wahl am 13. Mai den
Bericht. Nach dem 384 Seiten starken Papier war Spardruck nicht Schuld
am Tod von Kevins, drängte aber fachliche Fragen der Jugendhilfe
in den Hintergrund.
Unter die Verantwortlichen für den Tod des Kleinkinds zählen
die Politiker Mitarbeiter auf allen Ebenen des Amtes für soziale
Dienste und auch den Arzt von Bernd K. Der hatte sich stets für
den Süchtigen ausgesprochen.
Der Sachbearbeiter habe zwar sehr viel veranlasst. Darunter sei aber
trotz seiner Kenntnis der dramatischen Situation keine einzige
angemessene Maßnahme gewesen - wie die Heimunterbringung von
Kevin. Die Vorgesetzten hätten die Akten nicht gelesen und sich
auf die Informationen des Sozialarbeiters verlassen. Der Arzt habe sich
immer wieder dafür eingesetzt, dass Kevin bei Bernd K. blieb.
«Das Kindeswohl war für ihn nur nachrangig», sagte
Pflugradt.
(Quelle: ap)
Schäuble weist Muslime-Forderung nach Religionsgemeinschaft
zurück
So.22.04.07 - Zehn Tage vor dem zweiten Treffen der Islamkonferenz hat
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Erwartungen des
neu gegründeten Koordinierungsrates der Muslime (KNR)
gedämpft. Dessen Forderung, künftig mit den Kirchen rechtlich
gleichgestellt zu werden, sei so nicht erfüllbar, sagte
Schäuble der «Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung». Ein Verband sei noch keine
Religionsgemeinschaft. «Die rechtliche Gleichstellung von
Religionsgemeinschaften ist im Grundgesetz geregelt. Die Bedingungen
dafür können nur die Muslime selber schaffen», betonte
der Innenminister.
Zugleich wandte er sich gegen einen Alleinvertretungsanspruch des
Koordinierungsrates, weil dieser gerade einmal zehn Prozent der in
Deutschland lebenden Muslime vertrete. «Selbst wenn man es auf
die religiös aktiven Muslime, auf die regelmäßigen
Moscheebesucher bezieht, werden durch den Koordinierungsrat
höchstens 30 Prozent der Muslime vertreten», sagte
Schäuble. «Einen Monopolanspruch auf die Vertretung der
Muslime in Deutschland» habe der Rat nicht.
Die säkularen Muslime forderte der Ressortchef auf, sich ebenfalls
zusammenzuschließen. «Wenn sich liberale Muslime nicht
ausreichend vertreten fühlen, dann liegt es an ihnen, sich auch zu
organisieren. Das ist nicht die Aufgabe der Bundesregierung»,
sagte der Minister.
(Quelle: ddp)
Internet
Uni-Massaker füllt Kassen der Cyberkriminellen
So.22.04.07 - Nur wenige Stunden, nachdem die Meldung über den US-Amoklauf an
der Virginia Tech die Nachrichtenwelt im Sturm erobert hat, haben
Cyberkriminelle das schockierende Ereignis zu ihren Gunsten
ausgenützt. So ist mittlerweile eine wahre Flut an
Spam-Mitteilungen im Umlauf, die einen vermeintlichen Videolink zum
Massaker an der US-Universität beinhalten. Beim Anklicken des
Links, der auf die Datei "terror_em_virginia.scr" verweist, bekommt der
E-Mail-Empfänger allerdings kein Videomaterial zu Gesicht. Vielmehr
installiert sich ein bekannter Bankentrojaner, der in der Lage ist,
Passwörter, User-Namen und Kontonummern zu stehlen.
"In letzter Zeit häufen sich die Vorfälle, bei denen
große Medienereignisse noch am selben Tag von kriminellen
Kräften ausgenutzt werden", erklärt Sophos-Sicherheitsexperte
Graham Cluley im pressetext-Interview. Ähnliches konnten
Malware-Beobachter bereits rund um den Hurrikan Katrina, den
Concorde-Absturz oder in der Orkannacht des Herbststurms Kyrill
beobachten. Dabei beschränken sich die Internetgangster aber nicht
nur auf das Versenden von getarnten Nachrichtenmeldungen mit schadhaften
Trojaner-Links, sondern verfolgen eine mehrgleisige Strategie.
"Allein am ersten Tag des Massakers wurden mehr als 450 Domains
gekauft, die auf den Namen oder die Ereignisse rund um Virginia Tech
zurückgehen", so Cluley. Auch wenn der wahre Verwendungszweck beim
Großteil der erworbenen Domains noch nicht klar sei, könne
man davon ausgehen, dass einige als falsche Wohltätigkeits- und
Spendenseiten im Netz auftauchen werden. Im Falle der Londoner
Bombenattentate im Sommer 2005 seien kurze Zeit danach auch sogenannte
Nigeria-Briefe im Umlauf gewesen, in denen Hinterbliebene um Hilfe
für Transaktionen baten, so Cluley gegenüber pressetext.
Sophos zufolge sind die bisher aufgetauchten E-Mails
ausschließlich in portugiesischer Sprache verschickt worden.
Bislang sind keine Informationen bekannt, wie viele Anwender und welche
Banken von der E-Mailattacke betroffen sind. Eine weitere E-Mail-Welle
in einer anderen Sprache sei nicht auszuschließen, rät Sophos
zu erhöhter Vorsicht.
(Quelle: pte)