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Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendachtundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Gewalt kostete am Wochenende Dutzende Menschen das Leben. Irakischer
Ministerpräsident Al-Maliki lässt Mauerbau in Bagdad stoppen
Mo.23.04.07 - Die Gewalt im Irak kostete am Wochenende erneut Dutzende Menschen das
Leben. Vor einer Polizeiwache im Westen Bagdads sprengten am Sonntag
binnen weniger Minuten zwei Attentäter ihre Fahrzeuge in die Luft.
Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden 13 Menschen getötet und
mehr als 80 weitere verletzt. Bei der Explosion einer Autobombe im
Südwesten der Hauptstadt wurden laut Polizei mindestens sieben
Zivilpersonen in den Tod gerissen und 42 verletzt.
Im nordirakischen Mossul töteten Bewaffnete 23 Mitglieder der
religiösen Minderheit der Jasidi. Sie stoppten einen Bus mit
Arbeitern, die von Mossul nach Baschika unterwegs waren, ließen
Christen aussteigen und fuhren mit den Jasidis nach Mossul zurück.
Dort mussten sich die Arbeiter an einer Wand aufstellen und wurden
erschossen.
In Falludscha wurde am Samstag der Vorsitzende des Stadtrats, Sami
Abdul Amir, aus einem fahrenden Wagen heraus erschossen. Der
Al-Kaida-Kritiker war erst vor einem Monat in das Amt gewählt
worden und ist bereits der vierte Stadtratsvorsitzende der
früheren Rebellenhochburg, der innerhalb von rund einem Jahr
getötet wurde. Bei der Explosion einer Bombe in einem Bus im
Bagdader Stadtviertel Sadr City kamen nach Polizeiangaben mindestens
drei Menschen ums Leben. In Kirkuk töteten Bewaffnete ein Ehepaar
und dessen zwei Töchter. Rund 60 Kilometer südlich von Bagdad
wurden nach Polizeiangaben der Bürgermeister von Mussajjib und
einer seiner Leibwächter getötet. Südwestlich von Bagdad
wurde ein US-Soldat von einer Bombe getötet, wie die
Streitkräfte am Sonntag mitteilten. Zwei weitere wurden verletzt.
Nach heftigen Protesten hat der irakische Ministerpräsident Nuri
al-Maliki am Sonntag den Bau einer meterhohen Mauer um eine sunnitische
Enklave in Bagdad gestoppt. Es gebe andere Wege, den Stadtteil Asamija
zu schützen, sagte Al-Maliki auf einer Pressekonferenz in Kairo.
Durch die von den US-Streitkräften geplante Mauer wäre
Asamija von den schiitischen Vierteln Bagdads abgeschnitten worden.
Anwohner und sunnitische Politiker hatten kritisiert, damit würde
das Viertel komplett isoliert.
Er lehne den Errichtung des Walls ab und der Bau werde beendet, sagte
Al-Maliki auf einer Pressekonferenz mit dem Generalsekretär der
Arabischen Liga, Amr Mussa. Die Mauer «erinnert uns an andere
Mauern», sagte der Regierungschef offenbar mit Blick auf die
Berliner Mauer.
Nach Angaben der US-Streitkräfte sollte der Wall rund fünf
Kilometer lang und an einigen Stellen 3,50 Meter hoch werden. Die
Eingänge in das sunnitische Viertel am Ostufer des Tigris sollten
von irakischen Soldaten kontrolliert werden. Die Bauarbeiten begannen
bereits am 10. April.
Gemeindevertreter und Anwohner protestierten am Samstag, sie seien vor
Beginn der Arbeiten nicht gefragt worden. Der Vorsitzende des
Gemeinderats von Asamija, Dawud al Asami, erklärte, Vertreter der
US-Streitkräfte hätten vor einigen Tagen zwar um Erlaubnis
gebeten. Obwohl das Projekt noch nicht gebilligt worden sei,
hätten die Bauarbeiten schon begonnen. Der Ingenieur Ahmed al
Dulaimi warnte, der Bezirk werde zu einem Gefängnis. «Sie
werden uns alle bestrafen wegen einiger Terroristen hier und da.»
Iraks Ministerpräsident Al-Maliki warb in Kairo um
Unterstützung für seine Regierung. Es gehe im Irak nicht
einfach um Bürgerkrieg oder religiös motivierte Gewalt,
sondern um Terrorismus, sagte Al-Maliki nach einem Treffen mit dem
ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak. Außerdem traf er
mit seinem ägyptischen Kollegen Ahmed Nasif zusammen.
Anschließend wollte Al-Maliki nach Kuwait, in die Vereinigten
Arabischen Emirate und den Oman weiterreisen.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 23.04.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertvierundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.23.04.06 - Iraks Staatspräsident Talabani im Amt bestätigt +++ Bush sieht
durch Einigung über Regierungsbildung im Irak Sicherheit der USA
gestärkt +++ Gewalt im Irak nimmt kein Ende: Mindestens vierzehn
Menschen bei Bombenanschlägen getötet - Unter den Opfern vier
US-Soldaten +++ Neue Vorwürfe gegen US-Regierung wegen Irak-Kriegs:
Die amerikanische Regierung hat nach Angaben eines ehemaligen Mitarbeiters des
Geheimdienstes CIA vor dem Einmarsch in den Irak gewusst, dass die
Regierung von Saddam Hussein über keine Massenvernichtungswaffen
verfügte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0604230.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Acht Tote bei Kämpfen und Anschlag in Afghanistan
Mo.23.04.07 - Bei Kämpfen und einem Anschlag in Afghanistan sind mindestens acht
Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. Bei einer
Bombenexplosion auf einem belebten Markt in der ostafghanischen Stadt
Chost soll ein Zivilist ums Leben gekommen sein, sieben Menschen wurden
verletzt. Bei einem Gefecht in der südostafghanischen Provinz
Paktia sollen fünf Taliban-Kämpfer und ein Polizist
getötet worden sein.
(Quelle: dpa)
Manipulationsvorwürfe nach Wahlen in Nigeria
Mo.23.04.07 - Nach der Präsidenten- und Parlamentswahl in Nigeria haben die
Opposition und internationale Beobachter schwere
Manipulationsvorwürfe erhoben. Der führende
Oppositionskandidat Vizepräsident Atiku Abubakar rief zur
Annullierung der Abstimmung vom Samstag auf. Es gebe keine Alternative
dazu, erklärte er am Sonntag. Die Wahl war begleitet von Gewalt,
Einschüchterungsversuchen und einem Mangel an Stimmzetteln in
Hochburgen der Opposition. Erste Ergebnisse wurden für heute
erwartet.
«Es ist gewählt worden, aber es gab keine Wahl», sagte
ein Sprecher von Muhammadu Buhari, dem anderen Spitzenkandidaten der
Opposition. Ein Sprecher Abubakars sagte, seine Partei werde vermutlich
die Gerichte anrufen. Die Wahl sei weit davon entfernt, frei und
gerecht gewesen zu sein. Ein weiterer Oppositionsvertreter sprach von
massiven Unregelmäßigkeiten, in vielen Staaten habe keine
Stimmabgabe stattgefunden.
Auch internationale Wahlbeobachter sprachen von einem irregulären
Wahlverlauf. Die 59 Beobachter des in den USA ansässigen
International Republican Institut (IRI) erklärten am Sonntagabend,
der Wahlverlauf sei hinter die Standards früherer Wahlen in
Nigeria zurückgefallen und entspreche auch nicht internationalen
Standards. Die Beobachter führten zahlreiche
Unregelmäßigkeiten an.
Insgesamt verliefen die Wahlen am Samstag aber ruhiger als zuvor
befürchtet. Der scheidende Präsident Olusegun Obasanjo
bezeichnete die Abstimmung als wichtigen Schritt für die
Demokratie in dem westafrikanischen Land.
Der Leiter der Wahlkommission, Maurice Iwu, warb im staatlichen
Fernsehen um Verständnis für Verzögerungen bei der
Stimmabgabe, denen logistische Probleme bei der Verteilung der
Stimmzettel zugrunde lägen. Das Massenblatt «Vanguard»
berichtete, 16 Polizisten seien am Wahltag ums Leben gekommen, sieben
davon bei einem Verkehrsunfall. Bei den Wahlen vor einer Woche kamen
bis zu 50 Polizisten gewaltsam ums Leben.
Wenige Stunden vor Öffnung der 120.000 Wahllokale versuchten
Aufständische, den Sitz der Wahlkommission in der Hauptstadt Abuja
anzugreifen. Die Polizei erklärte, ein mit Benzin- und
Gaszylindern beladener Tanklastzug habe das Gebäude nicht
erreicht. Der Angreifer habe einen Stein auf das Gaspedal des Fahrzeugs
gelegt, das offenbar in das Büro rasen sollte. Ein Hindernis habe
das jedoch verhindert, erklärte die Polizei.
Die EU-Ratspräsidentschaft zeigte sich besorgt angesichts der
Berichte über Unregelmäßigkeiten und Gewalt bei den
Präsidentschafts- und Parlamentswahlen. Die Präsidentschaft
werde den abschließenden Bericht der EU-Wahlbeobachter und der
EU-Botschaften sorgfältig prüfen, hieß es in der
Erklärung vom Sonntag. Die nigerianische Regierung wurde
aufgerufen, keine Zweifel an der korrekten Auswertung der
Wahlergebnisse aufkommen zu lassen.
Für die Demokratie in dem mit 140 Millionen Einwohnern
bevölkerungsreichsten Land Afrikas ist die Wahl ein Meilenstein,
da erstmals seit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1960
ein gewählter Politiker die Macht an einen anderen abgibt. Die 61
Millionen Menschen, die sich als Wähler haben registrieren lassen,
konnten bei der Präsidentwahl zwischen 25 Kandidaten entscheiden.
Die Wahlbeteiligung war offenbar niedrig. Wenn es keinen Sieger klaren
Sieger gibt, findet innerhalb eines Monats eine Stichwahl statt. Die
neue Regierung soll ihr Amt am 29. Mai antreten.
(Quelle: ap)
Südkorea sagt Nordkorea Lieferung von 400.000 Tonnen Reis zu
Mo.23.04.07 - Südkorea hat Nordkorea in Wirtsschaftsgesprächen zugesagt,
das Land mit 400.000 Tonnen Reis zu versorgen. Die Lieferungen sollten
Ende Mai anlaufen, teilten beide Staaten in einer gemeinsamen
Erklärung mit. Von Forderungen Südkoreas an sein Nachbarland,
sein umstrittenes Atomprogramm auszusetzen, war darin nicht die Rede.
Seoul machte Pjöngjang laut Medienberichten aber deutlich, dass die
Lebensmittelhilfe davon abhänge, ob Nordkorea Schritte in Richtung
einer Einstellung seines Atomprogramms mache.
Die Lieferungszusage sei "aus humanitären Gründen und
brüderlicher Liebe der selben Nation" gemacht worden, hieß es
in der gemeinsamen Erklärung. Medienberichten zufolge hatte
Südkorea vergeblich darauf gedrängt, einen Passus über
das internationale Abkommen über Nordkoreas Atomprogramm in die
gemeinsame Stellungnahme aufzunehmen. Südkorea hatte seine
Lebensmittelhilfen an das Nachbarland im Juli nach Raketentests
Nordkoreas eingestellt.
Nordkorea hatte am 13. Februar dem Ausstieg aus seinem umstrittenen
Atomprogramm und einer Abschaltung seiner Atomanlage in Yongbyon binnen
60 Tagen zugestimmt. Es ließ die Frist jedoch verstreichen, weil
eingefrorene Gelder in Höhe von 25 Millionen Dollar (18 Millionen
Euro) auf einer Bank in Macau nicht freigegeben worden seien. Die
internationale Einigung sah zudem vor, dass Nordkorea erstmals seit 2002
wieder Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
ins Land lassen soll. Als Gegenleistung wurden dem Land umfangreiche
Wirtschafts- und Energiehilfen zugesagt.
(Quelle: afp)
Norwegen will erster 'Null-Emissions-Staat' der Welt werden
Mo.23.04.07 - Norwegen setzt sich ehrgeizige Klimaschutz-Ziele: Bis 2020 will das
Land seinen Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen um ein
Drittel senken und bis 2050 eine Klimagas-Bilanz von Null erreichen.
"Wir wollen bis 2020 unsere Treibhausgas-Emissionen um 30 Prozent
drücken", sagte Regierungschef Jens Stoltenberg am Donnerstag auf
dem Parteitag der Arbeiterpartei. Bis 2050 müsse das Land der
erste "Null-Emissions-Staat" weltweit werden. Mit diesen Klimazielen
geht Norwegen deutlich weiter als die Mitgliedstaaten der EU, die ihren
Treibhausgas-Ausstoß bis 2020 um ein Fünftel reduzieren
wollen.
(Quelle: afp)
Frankreich: Präsidentschaftskandidaten Sarkozy und Royal treten in
Stichwahl gegeneinander an
Mo.23.04.07 - Die Entscheidung über den künftigen französischen
Präsidenten fällt in einer Stichwahl zwischen Nicolas Sarkozy
und Ségolène Royal. Der konservative Sarkozy ging aus dem
ersten Wahlgang am Sonntag mit 31,1 Prozent der Stimmen als Sieger
hervor. Royal erzielte mit 25,8 Prozent das beste Ergebnis für die
Sozialisten seit knapp zwanzig Jahren. Die Wahlbeteiligung lag bei fast
85 Prozent - so hoch wie zuletzt vor mehr als 40 Jahren.
Mit dem Duell Sarkozy-Royal steht Frankreich vor einer klassischen
Richtungswahl zwischen rechts und links. Die beiden Anwärter auf
das höchste Staatsamt müssen nun um die Wählerschaft des
drittplatzierten François Bayrou werben. Für den
Zentrumspolitiker stimmten am Sonntag 18,55 Prozent der Wähler.
Bayrou gab zunächst keine Wahlempfehlung für die zweite Runde
ab.
Sarkozy rief die Franzosen schon kurz nach Schließung der
Wahllokale dazu auf, sich um seinen «Traum einer
brüderlichen Republik» herum zu sammeln, in der jeder seinen
Platz habe. Die Sozialistin Royal präsentierte sich am
Sonntagabend als «Garantin eines unparteiischen Staates».
Der «Kampf für den Wechsel geht weiter, der Sieg ist
möglich», sagte sie.
Die Stichwahl findet am 6. Mai statt. Sarkozy liegt in ersten Umfragen
für die zweite Runde mit 54 Prozent vorn.
Der Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen, dem vor fünf Jahren noch
der Einzug in die Stichwahl gelungen war, landete diesmal mit 10,5
Prozent abgeschlagen auf Platz vier. Keiner der anderen acht Kandidaten
erzielte ein zweistelliges Ergebnis.
(Quelle: ap)
Ergebnisse der Präsidentschaftskandidaten
Die Ergebnisse der zwölf Kandidaten aus der ersten Runde der
französischen Präsidentschaftswahl nach Auszählung aller
Stimmen (außer Überseegebiete):
Nicolas Sarkozy - Konservative (UMP) / 31,11 Prozent
Ségolène Royal - Sozialisten (PS) / 25,84 Prozent
François Bayrou - Zentrumspartei (UDF) / 18,55 Prozent
Jean-Marie Le Pen - Nationale Front (FN) / 10,51 Prozent
Olivier Besancenot - Kommunistische Liga (LCR) / 4,11 Prozent
Philippe de Villiers - Nationalisten (MPF) / 2,24 Prozent
Marie-George Buffet - Kommunistische Partei (PCF) / 1,94 Prozent
Dominique Voynet - Grüne / 1,57 Prozent
Arlette Laguiller - Arbeiterkampf (LO) / 1,34 Prozent
José Bové - Globalisierungsgegner / 1,32 Prozent
Frédéric Nihous / Partei für Jagd, Fischfang, Natur
und Tradition (CPNT) - 1,15 Prozent
Gérard Schivardi - parteilos, für Arbeiterpartei (PT) /
0,34 Prozent
Quelle: ap, 23.04.2007 - 02:37 Uhr
|
Deutschland
Sicherheitsbehörden geraten im Fall Buback unter Druck
Mo.23.04.07 - Deutsche Sicherheitsbehörden haben einem
«Spiegel»-Bericht zufolge jahrelang wichtige Informationen
im Fall Siegfried Buback zurückgehalten. Nach unabhängigen
Aussagen zweier ehemaliger Terroristen soll das RAF-Mitglied Stefan
Wisniewski am 7. April 1977 die tödlichen Schüsse auf den
Generalbundesanwalt und seine zwei Begleiter abgegeben haben. Politiker
aller Parteien forderten Aufklärung. Die Grünen drangen
angesichts der neuen Erkenntnisse auf eine RAF-Debatte im
Geheimdienstausschuss des Bundestags.
Bislang galten Christian Klar, Knut Folkerts und Günter Sonnenberg
als Hauptverantwortliche für den Anschlag auf Buback. Wisniewski
wurde dagegen nicht direkt mit der Tat in Verbindung gebracht.
Die neuen Informationen stammen vom ehemaligen RAF-Mitglied
Peter-Jürgen Boock. Er sagte, Klar habe nicht geschossen.
Sonnenberg, der als Fahrer des Fluchtmotorrads gilt, habe über
Ortskenntnisse in Karlsruhe verfügt. Wisniewski dagegen habe die
militärische Ausbildung an den entsprechenden Waffen gleich zwei
Mal absolviert. Auf den Einwurf des Interviewers, dann «ist
logisch, wer geschossen hat», antwortete Boock mit
«Ja».
Wisniewski, der als einer der härtesten RAF-Terroristen galt,
wurde 1981 unter anderem wegen der Entführung und Ermordung von
Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer zu zwei Mal
lebenslänglich verurteilt und kam 1999 frei.
Die ehemalige RAF-Angehörige Verena Becker verriet nach
Informationen des «Spiegels» dem Verfassungsschutz schon
Anfang der 80er Jahre, dass Wisniewski vom Beifahrersitz des Motorrads
die tödlichen Schüsse abgegeben haben soll. Laut Becker fuhr
Sonnenberg die Maschine. Klar soll im Fluchtauto auf die Täter
gewartet haben. Sollten die Aussagen Boocks und Beckers zutreffen,
droht Wisniewski ein neues Verfahren.
Schon seit 1990 habe das Bundeskriminalamt (BKA) zudem ernstzunehmende
Hinweise darauf, dass sich der 1980 wegen des Buback-Anschlags zu
lebenslanger Haft verurteilte Folkerts am Tattag nicht in Deutschland
aufgehalten habe, schreibt der «Spiegel» und beruft sich auf
Vernehmungsprotokolle der früheren RAF-Angehörigen Silke
Maier-Witt. Folkerts hat bisher zu seiner Rolle geschwiegen.
Nach einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» gibt es
aber keine Beweise, die auf eine Beteiligung Wisniewskis hinweisen. In
keiner der drei konspirativen Wohnungen in Karlsruhe seien
Fingerabdrücke oder sonstige Spuren von ihm gefunden worden,
schreibt das Blatt unter Berufung auf eine BKA-Liste aus dem Jahr 1981.
Dagegen gebe es Hinweise auf Becker.
Angesichts der neuen Informationen wächst der Druck auf die
Sicherheitsbehörden. «Wenn Behörden seit Jahren
über genaue Tathergänge Bescheid wussten, diese aber nicht
der Justiz zur Verfügung gestellt haben sollten, würde das
eine juristische und politische Aufarbeitung erforderlich
machen», sagte FDP-Chef Guido Westerwelle. Der CDU-Innenpolitiker
Wolfgang Bosbach betonte: «Mord verjährt nie. Die neuen
Informationen müssen Anlass dazu sein, den gesamten Fall neu zu
untersuchen.»
Grünen-Chefin Claudia Roth forderte eine RAF-Debatte im
Geheimdienstausschuss des Bundestags. «Wenn entlastende Aussagen
vorenthalten wurden und dadurch Fehlurteile zu Lasten von Angeklagten
gefällt wurden, ist das ein Rechtsstaatsskandal.»
Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums erklärte, die Aktenlage
sei als geheim eingestuft. Da es sich um eine nicht abgeschlossene
Strafsache handele, müsse sich die Bundesanwaltschaft
äußern. Die Karlsruher Ermittlungsbehörde lehnte
allerdings einen Kommentar zu den neuen Enthüllungen ab.
(Quelle: ap)
Verfassungsschutz warnt vor Vordringen der NPD in die Mittelschicht
Mo.23.04.07 - Der Verfassungsschutz hat vor einem Vordringen der
rechtsextremistischen NPD in die Mittelschicht gewarnt. In einem
Themenpapier verortet der Geheimdienst die Partei als Teil einer
«Gegenwelt», eines Milieus, «das offenbar von
staatlichen und bildungspolitischen Konzepten nur schwer zu erreichen
ist». Indirekt schreibt er der etablierten Politik ins Stammbuch,
diese Anstrengungen zu beachten.
Bisher habe sie lediglich punktuelle Erfolge erzielt, heißt es in
dem Papier. Es sei ihr aber auch gelungen, «in einigen Regionen an
die gesellschaftliche Alltagsrealität anzudocken». Das
Kölner Bundesamt erinnert in dem neunseitigen Papier daran, dass
die NPD deutlich höhere Zustimmungswerte bei Wahlen in
Ostdeutschland erreicht. Bei männlichen Erst- und Jungwählern
habe sie in Mecklenburg-Vorpommern mit 23 Prozent mit der SPD
gleichgezogen und sei mit ihr auch stärkste Partei geworden.
Die Mitgliederzahl hat 2006 nach den Erkenntnissen «steigende
Tendenz» aufgewiesen. 2005 lag sie laut Verfassungsschutz bei
6.000, im vergangenen Jahr nach NPD-Angaben bei 7.000.
Nicht nur die Mitglieder, sondern auch die Wähler wissen
«sehr wohl, dass es sich um eine rechtsextremistische Partei
handelt», erklärt der Verfassungsschutz. «Dies scheint
sie jedoch nicht abzuschrecken.» Das belegen auch
Fernsehinterviews von NPD-Wählern nach der jüngsten Berliner
Wahl, die genau danach gefragt wurden und sich vor der Kamera offen
antisemitisch äußerten.
In ihrem Resümee werten die Verfassungsschützer die
Bündnispolitik auf der rechten Seite als «reines
Zweckbündnis» eine Formulierung, die auch die Bundesregierung
in einer jüngst veröffentlichten Antwort auf eine Kleine
Anfrage der Linksfraktion im Bundestag benutzte. Dieses
Zweckbündnis sei extrem erfolgsabhängig, da es Strömungen
im Rechtsextremismus verbinde, die einander «in gegenseitigem
Hass gegenüberstehen».
So ist die Partei zurzeit «nicht in der Lage, eine
eigenständige soziale Protestbewegung zu initiieren, die über
ihre unmittelbare Anhängerschaft hinausreicht. Es mangelt ihr an
geeigneten Mitgliedern und einem intellektuellen Resonanzboden».
Auch gebe es keine «Multiplikatoren in die
Mehrheitsgesellschaft». Das schmälere zwar ihren
Aktionsradius, «zeigt aber auch, wie weit Wählerschaft und
insbesondere Anhängerschaft sich vom Mehrheitsdiskurs entfernt
haben», mahnt der Verfassungsschutz. Die Anstrengungen, «in
die Mitte der Gesellschaft vorzudringen, sollten nicht unbeachtet
bleiben. Vorläufig blieben ihre Erfolge im wesentlichen auf
«Jugendliche und Heranwachsende sowie Arbeitslose
beschränkt».
(Quelle: ap)
Bundesregierung korrigiert Wachstumsprognose nach oben
Mo.23.04.07 - Auch die Bundesregierung korrigiert ihre Wachstumsprognose deutlich
nach oben. Nun erwartet sie offiziell ein Wirtschaftswachstum in diesem
und im kommenden Jahr um jeweils 2,4 Prozent, wie die
Nachrichtenmagazine «Spiegel» und «Focus» am
Wochenende übereinstimmend berichteten.
Die Bundesregierung übernimmt damit offenbar die Einschätzung
der fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute. Bislang
rechnete sie mit einem Plus von 1,7 Prozent für dieses Jahr.
Wirtschaftsminister Michael Glos will am kommenden Mittwoch die
Wachstumsprognose der Regierung auf einer Pressekonferenz vorstellen.
(Quelle: ap)
Siemens-Korruptionskandal - Neue Verdachtsmomente gegen Pauly und
Pierer - Ex-Manager weisen Anschuldigungen zurück
Mo.23.04.07 - Bei den Ermittlungen wegen Korruption beim Siemens-Konzern gibt es
offenbar neue Verdachtsmomente. Laut Medienberichten vom Wochenende soll
der in der Nacht zu Freitag zurückgetretene Aufsichtsratschef
Heinrich von Pierer frühzeitig von dem Verdacht gewusst haben, dass
Siemens damals mit heimlichen Zahlungen eine Gegenorganisation zur IG
Metall aufbaue. Pierer wies dies zurück.
Zudem werfen angeblich E-Mails aus dem Jahr 2000 die Frage auf, ob der
Ex-Bereichsvorstand der Kommunikationssparte (Com) und heutige
Telekom-Vorstand Lothar Pauly über mutmaßliche Schmiergelder
in Millionenhöhe informiert war. Wie «Der Spiegel»
berichtete, könnte Pauly zumindest im Fall eines
50-Millionen-Euro-Deals mit dem chinesischen Mobilfunkanbieter Unicom
eine Zahlung auch selbst abgesegnet haben.
Das Magazin zitiert aus Schreiben des für Siemens als
Auftragsvermittler tätigen Max R. mit Siemens-Managern, die den
Verdacht von Zahlungen aus einer schwarzen Kasse nährten. In den
Schreiben heiße es unter anderem, dass man für eine Zahlung
«circa zehn Arbeitstage» brauche. Dies sei der Preis,
«den wir für die Anonymisierung» zahlen. Zugleich habe
ein Manager gewarnt: «Wir sollten unser Minimum an Abschottung
meines Erachtens nicht aufgeben und irgendwelche
Direktüberweisungen als Siemens tätigen.» Paulys Antwort
habe gelautet: «Ist o.k. Die Abschottung nicht aufgeben.»
Pauly, gegen den in diesem Zusammenhang nicht ermittelt werde,
bestreite, von Schmiergeldzahlungen «gleich welcher Art»
oder von schwarzen Kassen gewusst zu haben, hieß es. Von
möglichen rechtswidrigen Zahlungen von R. an Dritte habe er keine
Kenntnis. Er wisse auch nicht, weshalb R. auf Anonymisierung der
Leistungen gedrängt habe. «Von Schmiergeldzahlungen kann
insoweit keine Rede sein», sagte Paulys Anwalt Kurt Kiethe.
Unterdessen berichtete die «Süddeutsche Zeitung» unter
Berufung auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft
Nürnberg-Fürth, dass Pierer frühzeitig von einer
möglichen Beeinflussung von Betriebsräten in dem Konzern
gewusst habe. Dies lege das Protokoll einer Sitzung des Aufsichtsrates
vom 10. Dezember 1997 nahe. Hintergrund sind die Millionen-Zahlungen von
Siemens an den früheren Chef der arbeitgebernahen
«Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsräte»
(AUB), Wilhelm Schelsky, der in Untersuchungshaft sitzt.
Laut Protokoll sei Pierer und seinen Vorstandskollegen damals im
Kontrollgremium von der IG Metall vorgehalten worden, solche Zahlungen
zu leisten. Wie die Zeitung weiter schreibt, ging die Initiative zum
Ausbau der AUB als Gegenorganisation zur IG Metall den Ermittlungen
zufolge 1988 direkt vom Siemens-Vorstand aus.
Der Konzern selbst teilte mit, man könne «zu den
angesprochenen Sachverhalten keine Stellung beziehen». Pierer
sagte der «Welt am Sonntag», er habe «Verträge
über Zahlungen an die AUB nicht gekannt». Das Protokoll der
Aufsichtsratssitzung belege, dass die Frage der Gewerkschaftsvertreter
vom Aufsichtsratsvorsitzenden beantwortet worden sei. Weitere Fragen
dazu seien weder auf dieser noch auf späteren Sitzungen gestellt
worden. «Es gab deshalb keinen Anlass, der Sache weiter
nachzugehen», sagte Pierer.
(Quelle: ddp)
Laut Studie Deutschland Schlusslicht bei berufstätigen Müttern
Mo.23.04.07 - Mütter mit Kleinkindern haben es in Deutschland beruflich nach wie
vor besonders schwer. Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland
zusammen mit Spanien, Griechenland und Italien Schlusslicht bei der
Geburtenrate und beim Beschäftigtengrad von Müttern mit
Kindern unter fünf Jahren. Das ist das Ergebnis einer Studie der
Bertelsmann Stiftung und des Bundesfamilienministeriums. Darin wird
empfohlen, die Steuerklasse V abzuschaffen und für den weniger
verdienenden Partner einen Steuerfreibetrag einzuführen.
(Quelle: dpa)