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Irak am tausendunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mindestens 21 Tote bei Anschlägen. Dänen und Briten
übergeben Stützpunkt an Iraker. US-Kongress will Bush zum
Abzug aus dem Irak zwingen
Mi.25.04.07 - Ein Selbstmordattentäter hat am Dienstag nördlich der Stadt
Ramadi 13 Menschen mit in den Tod gerissen. Der Täter habe den mit
einem Sprengsatz versehenen Lastwagen in einen Polizeiposten gelenkt,
der in einem Wohngebiet liege, teilten die Sicherheitskräfte mit.
Unter den Todesopfern seien vier Polizisten, 25 weitere Menschen seien
verletzt worden.
Im Osten von Bagdad starben am Dienstag zwei Iraker, als eine Bombe in
einem Bus explodierte. Neun Menschen wurden verletzt. Wie die irakische
Nachrichtenagentur Aswat al-Irak berichtete, detonierte eine weitere
Bombe in der Zahnarzt-Fakultät der Bagdad-Universität. Zwei
Studenten wurden verletzt.
In Bakuba wurden nach Angaben der irakischen Nachrichtenagentur INA
sechs Menschen von Extremisten in Militäruniformen getötet,
15 seien verletzt worden. Berichte, denenzufolge Aufständische in
Al- Husseinija bei Kerbela zwei US-Soldaten getötet hätten,
wurden später dementiert. Bei dem Angriff seien zwei Menschen
verletzt worden.
Beim folgenschwersten Anschlag auf US-Militärs seit August 2005
sind im Irak am Montagabend neun US-Soldaten getötet worden. Die
Terrororganisation El Kaida im Irak bekannte sich dem Nachrichtensender
Al-Arabija zufolge zu dem Selbstmord-Anschlag auf den Kontrollposten in
der Provinz Dijala nordöstlich von Bagdad.
Bei dem Anschlag wurden zudem 20 US-Soldaten und ein irakischer
Zivilist verletzt. Ein Selbstmordattentäter hatte die in einem Auto
versteckte Bombe gezündet. Bei einem Terroranschlag in der
irakischen Aufständischen-Hochburg Ramadi wurden 25 Menschen
getötet. Der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete, in der
westirakischen Stadt sei ein Sprengsatz explodiert, der in einem
Lastwagen versteckt gewesen sei.
Der irakische Ex-Regierungschef Ijad Allawi sagte der
Nahcrichtenagentur dpa am Dienstag am Rande eines Demokratie-Forums in
Katar: «Das Chaos, das derzeit im Irak herrscht, ist das Ergebnis
des (von den USA nach dem Krieg 2003 eingeführten) religiösen
Proporz-Systems.»
Im Zuge ihres schrittweisen Truppenabbaus im Irak haben die britischen
und dänischen Streitkräfte einen dritten Stützpunkt an
die irakische Armee übergeben. Der Stützpunkt El Schuaiba im
südirakischen Basra werde den irakischen Soldaten künftig als
Trainingslager dienen, sagte ein britischer Armeesprecher am Dienstag.
Die britischen Truppen blieben bis zum kommenden Jahr in einer nahen
Luftwaffenbasis. Ein dänischer Armeesprecher sagte, die eigenen
Truppen zögen sich in Richtung des Flughafens von Basra
zurück und erfüllten ihre Mission bis zum endgültigen
Abzug im August von dort aus.
Der Konflikt zwischen dem demokratisch kontrollierten US-Kongress und
dem Weißem Haus wegen des Irakkriegs spitzt sich weiter zu: Senat
und Repräsentantenhaus sollen nach dem Willen der Demokraten noch
diese Woche über ein gemeinsames Wehretatgesetz abstimmen, das mit
einer obligatorischen Abzugsklausel für die US-Truppen im Irak bis
spätestens April 2008 verknüpft ist.
US-Präsident George W. Bush will das mit einem Veto verhindern. Er
sei «enttäuscht» über den Konfrontationskurs der
Demokraten, die mit einem vorgeschrieben Abzugstermin «den
Generälen Handschellen» anlegen wollten und damit für
ein «Scheitern im Irak» sorgen würden, sagte Bush. Ein
voreiliger US-Rückzug könnte «ein Chaos in der gesamten
Region auslösen». Das würde die US-Truppen
wahrscheinlich zwingen, wieder zurückzukehren, wo sie dann mit
einem noch gefährlicheren Feind konfrontiert wären. Ein
Erfolg im Irak sei eine wesentliche Bedingung auch für die
Sicherheit in den USA.
In Washington hatten sich Vertreter von Senat und
Repräsentantenhaus am Montag auf ein Wehretatgesetz geeinigt, das
insgesamt rund 120 Milliarden Dollar (etwa 88 Milliarden Euro) Ausgaben
für die Truppen im Irak und in Afghanistan vorsieht. Es schreibt
aber zwingend vor, dass schon in diesem Jahr, spätestens ab
Oktober, mit einem Rückzug der US-Kampftruppen aus dem Irak
begonnen werde.
Die Demokraten beschuldigten Bush, die Wirklichkeit im Irak zu
verleugnen. Der demokratische Abgeordnete John Murtha sprach von einer
«gescheiterten Politik verkleidet in Illusionen». Die
jüngsten optimistischen Äußerungen Bushs über den
Irak stünden im Widerspruch zur wachsenden Zahl der Opfer und den
anhaltenden Konflikten zwischen den Bevölkerungsgruppen, sagte der
Führer der Demokraten im Senat, Harry Reid. «Ungeachtet der
Schönrederei des Präsidenten gibt es keinerlei
Fortschritte.» Der Kongress werde nun nicht mehr länger
«die Inkompetenz und die Unredlichkeit der Bush-Regierung»
hinnehmen.
(Quellen: dpa, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 25.04.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertsechsundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.25.04.06 - Designierter Ministerpräsident nimmt Koalitionsgespräche auf +++
Bush ruft irakische Staatsspitze zur Einigung auf +++ Bei Anschlägen
und Angriffen in Bagdad mindestens 14 Menschen getötet +++ Pentagon
bestätigt neue Misshandlungen von Häftlingen im Irak. Irak-Krieg
teurer als der Vietnam-Krieg: 2,5 Milliarden Dollar pro Woche, Tendenz steigend...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0604250.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Israelis und Palästinenser verhandeln angeblich heimlich in
Europa. Hamas feuert Raketen und Granaten auf Israel
Mi.25.04.07 - Unterhändler Israels und der Palästinenser führen einem
palästinensischen Zeitungsbericht zufolge in Europa
Geheimverhandlungen über die Gründung eines
Palästinenserstaates noch im kommenden Jahr. Die Verhandlungen
unter der Schirmherrschaft der USA und Europas würden in einer
europäischen Hauptstadt geführt, berichtete die führende
palästinensische Tageszeitung "El Kuds" am Dienstag unter Berufung
auf "informierte" Kreise. Dabei gehe es um die Hauptkonfliktpunkte
zwischen Israelis und Palästinensern wie die Grenzfragen, die
Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge, den Status
Jerusalems und die jüdischen Siedlungen.
Die radikal-islamische Palästinenserorganisation Hamas hat am
Dienstag aus dem Gazastreifen mehr als 20 Raketen und
Mörsergranaten auf Israel gefeuert. Es waren die intensivsten
Angriffe seit mehr als fünf Monaten.
Die Hamas reagierte nach eigenen Angaben auf israelische
Militäreinsätze, bei denen in den vergangenen Tagen im
Westjordanland und dem Gazastreifen neun Palästinenser getötet
worden waren. Ein Sprecher des bewaffneten Arms der Hamas sagte, die
Waffenruhe mit Israel sei «lange beendet». Israel habe
diese Waffenruhe mehrfach gebrochen. Hamas stellt den
palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Hanija und
mehrere Minister im Kabinett der Einheitsregierung.
(Quellen: dpa, afp)
Nach Kämpfen im Kongo Zehntausende auf der Flucht
Mi.25.04.07 - Neuerliche Kämpfe im Osten des Kongos haben nach Angaben der
Vereinten Nationen in den vergangenen Wochen mehr als 64.000 Menschen
in die Flucht getrieben. Die Flüchtlinge in der Provinz Nord-Kivu
hielten sich in Wäldern oder notdürftigen Lagern auf,
erklärten das Welternährungsprogramm (WFP) und das
UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) am Dienstag. Wegen der
anhaltenden Gewalt im Osten des Landes seien außerdem weniger
Flüchtlinge aus Nachbarstaaten in den Kongo zurückgekehrt als
erwartet.
(Quelle: ap)
Mindestens 74 Tote bei Angriff auf äthiopisches Ölfeld
Mi.25.04.07 - Bei einem Angriff auf ein Ölfeld in Äthiopien sind mindestens
74 Menschen getötet worden. Nach Angaben des Sprechers von
Ministerpräsident Meles Zenawi handelt es sich bei den Opfern um
neun chinesische und 65 äthiopische Mitarbeiter der
Ölfördergesellschaft. Zu dem Angriff bekannte sich die
Rebellenorganisation Nationale Befreiungsfront von Ogaden (ONLF) am
Abend auf ihrer Internet-Seite.
Dem Zenawi-Sprecher zufolge wurden sieben Chinesen und
möglicherweise auch eine noch unbekannte Zahl von Äthiopiern
entführt. Laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua
attackierten rund 200 Bewaffnete das Ölfeld in Obala, einer
kleinen Stadt im östlichen Bundesstaat Somali, in der eine
chinesische Gesellschaft Öl fördere.
Der Angriff habe sich gegen die drei Wachmannschaften des Ölfelds
gerichtet, erklärte die ONLF im Internet. Diese Einheiten seien
"vollständig vernichtet" worden, und viele weitere Wachleute
hätten sich der ONLF ergeben. Auch die Ölförderanlagen
seien zerstört worden. Die Rebellen hatten ausländische
Firmen im vergangenen Jahr davor gewarnt, Öl und Gas in der Region
zu fördern.
(Quelle: afp)
Deutsche Hilfsorganisationen fordern mehr Hilfe für Darfur
Mi.25.04.07 - Die großen deutschen Hilfsorganisationen fordern mehr Hilfe
für die Millionen von Flüchtlingen in der sudanesischen
Bürgerkriegsprovinz Darfur. In einer gemeinsamen Erklärung
anlässlich der «Safe Darfur Woche» beklagten sie am
Dienstag in Bonn, nach wie vor würden Menschen in Darfur
systematisch ermordet, Dörfer zerstört, Felder abgebrannt und
die Einwohner in die Flucht getrieben.
«Als Bündnis der Hilfsorganisationen in Deutschland fordern
wir sowohl den gesicherten Zugang zu den Flüchtlingen, als auch
eine Verstärkung der Humanitären Hilfe, damit die Menschen in
den Lagern in Darfur wie im Tschad eine reelle Überlebenschance
erhalten», sagte die Geschäftsführerin von «Aktion
Deutschland Hilft», Manuela Rossbach.
Nach Expertenschätzungen sei die Zahl der Flüchtlinge
mittlerweile auf rund 2,4 Millionen angestiegen. Auf Grund der
Gewalteskalation könnten aber nur 64 Prozent der Region
überhaupt noch von humanitären Helfern betreut werden kann.
In der «Aktion Deutschland Hilft» haben sich die
Hilfsorganisationen action medeor, ADRA, Arbeiter-Samariter-Bund,
Arbeiterwohlfahrt, CARE International Deutschland, HELP - Hilfe zur
Selbsthilfe, Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser Hilfsdienst,
Paritätischer Wohlfahrtsverband, World Vision Deutschland
zusammengeschlossen.
(Quelle: ap)
China will Internet noch strenger kontrollieren
Mi.25.04.07 - China will das Internet und amtliche Informationen strenger
kontrollieren. Staats- und Parteichef Hu Jintao forderte am Dienstag die
Behörden dazu auf, das rasant wachsende Internet in China strikter
zu verwalten, um eine «gesunde Online-Kultur» zu sichern.
Es gehe hier auch um die Stabilität des Staates. Die Regierung
erließ zugleich neue Vorschriften über Verlautbarungen durch
Behörden und Regierungsstellen. Solche Informationen dürften
«nicht soziale Instabilität auslösen oder die Sicherheit
des Staates, der Öffentlichkeit oder der Wirtschaft
bedrohen».
Regierungschef Wen Jiabao unterzeichnete die Vorschriften, in denen
Behörden auch aufgefordert wurden, Informationen über
häufig strittigen Landerwerb, Umsiedlungen und Entschädigungen
zu veröffentlichen. Gleiches gilt für Notfälle, den
Umweltschutz, die Nahrungsmittel- oder Medikamentensicherheit oder
Behördenhaushalte. Vertrauliche Geschäftsinformationen oder
persönliche Angaben in amtlichen Datenbanken dürften nicht
ohne Zustimmung der Betroffenen herausgegeben werden. Die Vorschriften
treten am 1. Mai 2008 in Kraft - etwa drei Monate vor den Olympischen
Spielen in Peking.
Nach einem Treffen des Politbüros über die
Informationspolitik am Vortag sagte Präsident Hu Jintao, die
Entwicklung und Verwaltung des Internets «muss der
fortschrittlichen sozialistischen Kultur und der korrekten Führung
der Propaganda folgen». Ideologisch müsse die Führung
des Marxismus gefestigt werden. «Ob wir das Internet in den Griff
bekommen, hat Auswirkungen auf die Entwicklung der sozialistischen
Kultur, die Sicherheit der Informationen und die Stabilität des
Staates», zitierte ihn die Nachrichtenagentur Xinhua.
Mit 137 Millionen Nutzern in China surft bereits jeder zehnte Chinese
im Internet. Die Zahl ist im vergangenen Jahr um 23,4 Prozent gestiegen.
China zählt 20 Millionen Blogger, von denen 3,15 Millionen als
aktive Autoren gelten. Ausländische Beobachter sehen in den neuen
Vorschriften über die Herausgabe amtlicher Informationen eher eine
Standardisierung und bessere Kontrolle. Kritiker beklagten, dass die
sehr vage gesetzliche Definition eines Staatsgeheimnisses nicht wie
ursprünglich geplant gleichzeitig reformiert worden ist.
(Quelle: dpa)
Weltklimarat fordert dringend weltweite Eindämmung der
Treibhausgase
Mi.25.04.07 - Die katastrophalen Folgen des Klimawandels lassen sich nach
Einschätzung des Weltklimarats (IPCC) nur mit einem schnellen und
weltweiten Einsatz zur Reduzierung der Treibhausgase eindämmen.
Energiesparen und eine Abkehr von Kohlendioxid-lastigen Methoden der
Energiegewinnung stünden an vorderster Stelle der dringendsten
Schritte, heißt es in einem der Nachrichtenagentur AP vorliegenden
Entwurf zum dritten Teil des IPCC-Berichts, der am 4. Mai in Bangkok
veröffentlicht werden soll.
«Regierungen, Wirtschaft und jeder Einzelne müssen am selben
Strang ziehen», betont die britische Wissenschaftlerin Rachel
Warren, die zusammen mit Dutzenden weiteren Autoren die Konsequenzen
für die Weltgemeinschaft aufzeigt. Der Bericht unterstreicht, dass
sich auch Hauptemittenten von Treibhausgas wie die USA, Indien und China
den Ländern anschließen müssten, die sich im
Kyoto-Protokoll zu einer Reduzierung der Klimakiller verpflichtet haben.
Neben einer Umstellung von Kohle auf Gas, Atomkraft und erneuerbare
Energien kommt den Experten zufolge der Steigerung der Energieeffizienz
von Gebäuden eine tragende Rolle zu. Als weniger folgenreiche, aber
ebenso wichtige Maßnahmen werden eine größere
Energieeffizienz von Fahrzeugen, die Verringerung der Abholzung sowie
Aufforstung genannt. Auch Schritte wie das Auffangen des Treibhausgases
Methan, das Rinder beim Verdauungsprozess ausscheiden, werden als
hilfreiche Beiträge aufgeführt.
Im besten Falle könnten die Treibhausgase in der Atmosphäre
so bis 2030 stabilisiert werden, heißt es in dem Berichtsentwurf.
Der Temperaturanstieg könnte dann vielleicht bei zwei Grad Celsius
über dem vorindustriellen Stand eingedämmt und die schlimmsten
Folgen für die Erde möglicherweise abgewendet werden.
Weltweit würde dies über die kommenden zwei Jahrzehnte
vermutlich lediglich rund drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts
kosten. Ohne solche Schritte lägen die wirtschaftlichen
Einbußen für die Umweltschäden nach Ansicht von
Experten weit höher.
Bei der Umsetzung sei jedoch ein Umdenken in der Politik einiger
großer Volkswirtschaften nötig, mahnt der Bericht. Bereits
2001 forderte der IPCC die Einführung vieler der jetzt erneut
aufgeführten Maßnahmen, stieß bislang aber auf keine
ausreichende Resonanz.
«Ich bin seit 35 Jahren in diesem Spiel», sagt der Autor
Ralph Sims. «Wir kommen nicht so schnell voran, wie wir
könnten oder sollten.» Die Möglichkeiten seien
vorhanden, betont er. «Jetzt geht es darum, zum zunehmenden
Einsatz dieser Technologien zu ermutigen.»
Der Anfang Februar in Paris vorgestellte erste Teil des
Weltklimaberichts stellte die Verantwortung des Menschen für die
Erderwärmung so deutlich heraus wie keine Studie zuvor. Der vor
drei Wochen in Brüssel vorgelegte zweite Teil zeichnete ein
dramatisches Bild von den Folgen des Klimawandels. Vor allem die
ärmsten Länder sind demnach von Hunger, Wassermangel,
Stürmen und Überschwemmungen betroffen. Bis zu 30 Prozent
aller Tier- und Pflanzenarten sind der Einschätzung zufolge vom
Aussterben bedroht, wenn die Temperatur um zwei Grad Celsius steigt.
(Quelle: ap)
Mehr zum Thema unter:
http://www.ipcc.ch/
EU strebt langfristig gemeinsamen Markt mit USA an
Mi.25.04.07 - Die Europäische Union will langfristig einen gemeinsamen Markt mit
den USA verwirklichen. Zwischen der EU und den USA solle eine
Rahmenvereinbarung über eine transatlantische
Wirtschaftspartnerschaft geschlossen werden, sagte die amtierende
EU-Ratspräsidentin, Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU), am Montag im brandenburgischen Meseberg. Es gehe darum, in den
Wirtschaftsbeziehungen Hindernisse abzubauen, "die uns heute sehr viel
Kraft, sehr viel Zeit und sehr viel Geld kosten". Die Bundeskanzlerin
betonte, langfristig solle ein gemeinsamer Markt geschaffen werden. Auch
die US-Regierung habe sich offen für die Pläne gezeigt.
(Quelle: afp)
EU und Russland wollen Zusammenarbeit beim Grenzschutz verstärken
Mi.25.04.07 - Die EU und Russland wollen ihre Zusammenarbeit beim Grenzschutz
verstärken. Geplant seien gemeinsame Übungen der
europäischen Grenzschutzagentur FRONTEX mit dem russischen
Grenzschutz, erklärten das Bundesinnen- und Justizministerium nach
EU-Russland-Gesprächen am Dienstag in Moskau. Weitere Kooperation
soll es auch im Kampf gegen Terror, Drogen- und organisierte
Kriminalität geben. Auf der Tagesordnung der zweitägigen
Gespräche standen außerdem Erleichterungen beim Reiseverkehr
durch Vereinfachungen der Visa-Bestimmungen. An dem Treffen nahmen unter
anderen Deutschlands Innenminister Wolfgang Schäuble und die
deutsche Justizministerin Brigitte Zypries, ihre russischen Kollegen
Raschid Nurgalijew und Wladimir Ustinow sowie der Vizepräsident der
EU-Kommission, Franco Frattini, teil.
(Quelle: ap)
Türkei: Erdogan verzichtet auf Präsidentschaftskandidatur
Mi.25.04.07 - Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hat auf eine
Kandidatur für das höchste Amt im Staat verzichtet. Erdogan
teilte den Abgeordneten seiner AKP-Fraktion im Parlament in Ankara mit,
dass sich die Regierungspartei für Außenminister Abdullah
Gül entschieden habe. Gül habe sich bei den parteiinternen
Beratungen als Kandidat herauskristallisiert und solle der elfte
Präsident der Türkei werden. Weil die AKP eine klare Mehrheit
im Parlament hat, ist ihrem Kandidaten die Wahl so gut wie sicher. Die
erste Runde der Präsidentschaftswahl soll am Freitag stattfinden.
Nach Erdogans Ankündigung spendeten die Abgeordneten dem
56-jährigen Gül stehend Beifall, etliche gratulierten ihm zur
Kandidatur. Es galt als unwahrscheinlich, dass Gül die Wahl schon
im ersten oder zweiten Durchgang gewinnt, solange noch eine
Zwei-Drittel-Mehrheit der Abgeordnetenstimmen nötig ist. In der
dritten oder vierten Runde, wenn die einfache Mehrheit reicht,
dürfte Gül den Sieg dann aber davontragen. Die AKP
verfügt im Parlament über 353 der 550 Sitze.
Wie es im Parlament hieß, ist die zweite Wahlrunde für
Mittwoch kommender Woche angesetzt; die dritte Wahlrunde ist für
den 9. Mai geplant und die vierte Runde für den 15. Mai. Der neue
Präsident soll Amtsinhaber Ahmet Necdet Sezer ablösen, dessen
Amtzeit am 16. Mai endet.
Gegen eine mögliche Präsidentschaftskandidatur Erdogans
hatten in den vergangenen Wochen hunderttausende Menschen in der
Türkei protestiert. Seine Kritiker fürchteten bei einem
Amtsantritt des überzeugten Muslim eine Islamisierung der
Türkei.
(Quelle: afp)
Trotz guter Konjunktur wächst die Kinderarmut in Deutschland
Mi.25.04.07 - Trotz der boomenden Konjunktur sind in Deutschland immer mehr Kinder
auf Sozialleistungen angewiesen. Die Zahl der von solchen Hilfen
abhängigen Jungen und Mädchen stieg innerhalb eines Jahres um
über zehn Prozent. Das Bremer Institut für
Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) bestätigte am
Montag einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung
«Thüringer Allgemeine». Einen besonders deutlichen
Anstieg gab es demnach in den wirtschaftlich starken Ländern
Baden-Württemberg und Bayern.
Danach lebten 2006 im Jahresdurchschnitt 1,887 Millionen Kinder unter
15 Jahren in Deutschland von Sozialgeld in einer
Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft. Das waren 173.000 mehr als 2005. Den
Höchststand gab es im Dezember 2006 mit über 1,9 Millionen
Betroffenen. «Die Zahlen zeigen eindeutig, dass die ärmeren
Familien mit Kindern vom wirtschaftlichen Aufschwung faktisch nicht
profitieren», sagte BIAJ-Forscher Paul Schröder zu den
Untersuchungsergebnissen. Die Kinderarmut in Deutschland nehme zu.
Im Westen nahm die Zahl der von Sozialgeld abhängigen Kinder 2006
nach dem Bericht der Zeitung mit elf Prozent stärker zu als im
Schnitt der neuen Bundesländer (sieben Prozent). Den
größten Zuwachs gab es in Baden-Württemberg (plus 13
Prozent) und Bayern (plus zwölf Prozent).
«Trotz guter Konjunktur wächst die Kinderarmut in
Deutschland. Familien mit Kindern tragen offensichtlich ein höheres
Risiko für Armut», sagte der Hauptgeschäftsführer
des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (DPWV), Ulrich
Schneider, der «Thüringer Allgemeinen». Darum habe die
Schaffung zusätzlicher Kinderbetreuungsplätze absoluten
Vorrang, damit Eltern für ihren Unterhalt aufkommen könnten.
Finanzminister Peer Steinbrück müsse Steuermittel für
den Ausbau der Kinderbetreuung freimachen. Familien- und
Wohlfahrtsverbände würden in den kommenden Tagen gemeinsam
offiziell bei ihm protestieren, kündigte Schneider in der Zeitung
an.
(Quelle: ap)
SPD will Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung durchsetzen
Mi.25.04.07 - Die SPD pocht im Streit über die Finanzierung der Kinderbetreuung
auf einen Rechtsanspruch für die Eltern. Damit soll sichergestellt
werden, dass das Geld auch wirklich für den Ausbau der
Kinderbetreuung verwendet wird, wie der parlamentarische
Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Olaf Scholz, am
Dienstag in Berlin sagte.
Gleichzeitig machte Scholz klar, dass die SPD «mit ehrlichem
Interesse und großer Neugier» auf das Finanzierungskonzept
von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) warte. «Wir
haben immer gesagt, neue Schulden sind kein Finanzierungskonzept»,
sagte Scholz. Die SPD habe mit ihren Vorschlägen gezeigt, dass
durch Umschichtungen eine Finanzierung möglich sei. Scholz
betonte, dass die SPD sehr bald Vorschläge aus dem
Familienministerium erwarte.
Die SPD dringt darauf, das Geld durch die Umschichtung
familienpolitischer Leistungen locker zu machen. Sie hat vorgeschlagen,
zum Beispiel die nächste Kindergelderhöhung ausfallen zu
lassen. Die Union hatte diesen Vorschlag aus Gerechtigkeitsgründen
zurückgewiesen.
(Quelle: ap)
Erwerbslosenbündnis fordert neue Wege in Arbeitsmarktpolitik
Mi.25.04.07 - Das Brandenburger Erwerbslosenbündnis KESS dringt auf neue Akzente
in der Arbeitsmarktpolitik. Arbeitslose müssten durch individuelle
Förderung und frei von Repressionen in den Arbeitsmarkt integriert
werden, sagte eine Sprecherin am Dienstag in Potsdam nach der
Jahresvollversammlung. In dem Bündnis sind unter anderem DGB,
Arbeitslosenverband und Arbeitsförderungsgesellschaften engagiert.
Nach Einschätzung des KESS hat sich die strukturelle
Arbeitslosigkeit in Brandenburg verfestigt. Der Arbeitsplatzabbau der
Wendezeit sei nicht durch den Aufbau von genügend neuen
Arbeitsplätzen aufgefangen worden. Hinzu kämen negative
Auswirkungen von Billiglöhnen und Rationalisierungen in den
Betrieben und öffentlichen Verwaltungen. Vor diesem Hintergrund
seien die Beschäftigungschancen in der Region Berlin-Brandenburg
immer noch schlecht. Die Debatte über Kürzungen von
«Hartz IV»-Leistungen dränge die Betroffenen weiter ins
Abseits.
Der KESS-Sprecherrat legte anlässlich der Jahresversammlung ein
Konzept mit dem Titel «Mehr Integration durch Mehr-Arbeit»
vor. Dieses Konzept beinhalte ein längerfristiges
Integrationsmodell für Langzeitarbeitlose, das vor allem auf
Qualifikation setzt und durch regional auszuhandelnde
Integrationssysteme gestützt werden soll. Dabei sollten alle
Arbeitsmarktinstrumente genutzt werden, betonte die Sprecherin.
Zur Bekämpfung der strukturellen Arbeitslosigkeit in
Ostdeutschland seien zudem öffentliche Investitionsprogramme des
Bundes sowie Möglichkeiten zur Kapitalisierung von passiven und
aktiven Leistungen der Arbeitsförderung gefragt. Die
Landesregierung müsse dafür sorgen, dass Arbeit und nicht
Arbeitslosigkeit gefördert werde.
(Quelle: ddp)
Kommunen verklagen Gewerkschaften auf längere Wochenarbeitszeit
Mi.25.04.07 - Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) will vor
Gericht längere Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst
erstreiten. Am Dienstag reichte die VKA beim Arbeitsgericht Berlin Klage
gegen die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di sowie die Tarifunion im
Deutschen Beamtenbund (dbb) ein, wie VKA-Präsident Thomas
Böhle erklärte. Die VKA fordert von den Gewerkschaften,
«sich an geltendes Tarifrecht zu halten». Grund für den
Streit ist der neue Tarifvertrag zwischen der Tarifgemeinschaft der
Länder (TdL) und beiden Gewerkschaften, in dem längere
Arbeitszeiten festgeschrieben sind. Die VKA ist der Meinung, diese
Arbeitszeitverlängerung gelte auch für die Kommunen.
Die Arbeitgeber berufen sich dabei auf eine im November 2004 mit beiden
Gewerkschaften vereinbarte «Meistbegünstigungsklausel».
Nach Angaben der VKA besagt die Klausel, dass eine von den
Gewerkschaften mit der TdL vereinbarte Verlängerung der
Wochenarbeitszeit auf die Kommunen übertragen wird. Dieser Fall
sei nun eingetreten. In allen Bundesländern des Tarifgebietes West
hätten die Gewerkschaften den Ländern höhere
Arbeitszeiten zugestanden als die auf der kommunalen Ebene
gültigen 38,5 Stunden. In Bayern betrage die Arbeitszeit pro Woche
bereits seit dem 1. November 40 Stunden und sechs Minuten.
Jeder gütliche Einigungsversuch mit den Gewerkschaften sei laut
VKA gescheitert. Diese würden sich darauf berufen, dass in dem
neuen Tarifvertrag mit der TdL keine Zahlenangaben zur Wochenarbeitszeit
gemacht würden, sondern es lediglich eine Berechnungsformel gebe.
«Das ist ein klarer Umgehungsversuch unserer Abmachung»,
erklärte Böhle und fügte hinzu: «Das ist unfair
und das werden wir nicht hinnehmen. Das ist Wortbruch!»
(Quelle: ddp)
Koalition streitet weiter über schärfere Sicherheitsgesetze
Mi.25.04.07 - Im Streit über schärfere Sicherheitsgesetze wird der Ton
zwischen Union und SPD wieder gereizter. Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck
betonte, seine Partei werde ihre Grundsätze nicht «für
Koalitionskompromisse» aufgeben. «Was Herr Schäuble
auf den Tisch gelegt hat, gefährdet die Balance zwischen Freiheit
und Sicherheit.»
SPD-Fraktionschef Peter Struck nannte die Vorschläge von
Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) «mehr als
diffus». Insbesondere über die dauerhafte Speicherung von
Fingerabdrücken bei Meldebehörden herrscht weiter
Uneinigkeit. Der Datenschutzbeauftragte Peter Schaar warnte die
Koalition vor weiteren Einschränkungen des Datenschutzes und der
Freiheit der Bürger zu Gunsten schärferer Sicherheitsgesetze.
Beck sagte der SPD-Parteizeitung «Vorwärts»,
bürgerliche Freiheiten dürften nicht aufs Spiel gesetzt
werden. «Wir werden mit einer sehr klaren Position in die
Gespräche mit der Union gehen.» Laut Struck läuft es
beim Thema Innere Sicherheit in der Koalition «alles andere als
rund». Schäuble müsse bald seine Vorstellungen
«schriftlich und sortiert» vorlegen. Danach könne man
über jeden Punkt reden, «und zwar nicht über die
Medien, sondern mit den Fachpolitikern».
Die Union indes wies Darstellungen aus der SPD zurück, die
Pläne für eine Speicherung von Fingerabdrücken seien vom
Tisch. Laut Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach gehen die
Gespräche an diesem Donnerstag weiter. Schäuble sagte am
Rande einer Konferenz in Moskau nur, es gebe «bei dieser Thematik
noch schwierige Fragen». Der SPD- Innenexperte Dieter
Wiefelspütz hatte zuvor der Zeitung «Die Welt» gesagt:
«Fingerabdrücke werden nicht auf Vorrat
abgespeichert.» Seine Partei habe verfassungsrechtliche Bedenken.
Auch Struck sagte vor einer Fraktionssitzung: «Schäuble
sollte wissen, dass er dafür die Zustimmung der SPD braucht.»
Die Sozialdemokraten lehnen eine Speicherung der Fingerabdrücke
außerhalb der neuen biometrischen Pässe ab, was der
Gesetzentwurf Schäubles auch nicht vorsah. «Wir haben
gemeinsam einen Gesetzesentwurf eingebracht, der das Speichern von
Daten über den Pass hinaus nicht vorsieht», betonte
Schäuble. Nun wollen Teile der Union die Fingerabdrücke aber
auch bei den Meldebehörden speichern.
Schaar hegt erhebliche Zweifel, ob eine solche Speicherung die
Terrorabwehr tatsächlich verbessern könne. Schon beim neuen
Pass selbst, in dem das Passfoto und die Abdrücke der Zeigefinger
digital festgehalten werden sollen, gingen Deutschland und Europa einen
«Sonderweg», den nur noch wenige andere Länder
mitgingen - etwa einige «nicht-demokratische arabische
Staaten», bemerkte Schaar.
(Quelle: dpa)
Schaar rügt massive Defizite beim Datenschutz
Mi.25.04.07 - Der Datenschutzbeauftragte Peter Schaar hat der Bundesregierung massive
Versäumnisse beim Datenschutz der Bürger vorgeworfen. Das
Grundrecht auf Datenschutz habe nicht mit dem technologischen
Fortschritt mithalten können.
Generell warf Schaar der Regierung in seinem Tätigkeitsbericht
für 2005 und 2006 vor, den Datenschutz «sträflich zu
vernachlässigen». Er kritisierte dabei die aktuelle Debatte
über eine Online-Durchsuchung privater Computer. Weder sei der
Zweck klar noch die Zielgruppe. «Nebulös ist
schließlich auch, wie das Ganze ablaufen soll.» Er sei
erschrocken, mit welcher Vehemenz die Online-Durchsuchung trotzdem
gefordert werde.
Das Gleichgewicht zwischen dem Schutz des Bürgers vor Terror und
Kriminalität und dem Schutz seiner Freiheit drohe zu kippen, mahnte
Schaar. Eine Überprüfung beim neuen Zentrum für
Terrorabwehr in Berlin habe etwa ergeben, dass dort - mehr oder weniger
ungeprüft - an die 100 Datensätze von Bürgern aus
Polizeibeständen an den Verfassungsschutz weitergereicht worden
seien. Die Bürger seien bei der Polizei etwa wegen Trunkenheit
auffällig geworden.
Das Grundrecht auf Datenschutz habe nicht mit dem technologischen
Fortschritt mithalten können, sagte Schaar. «Technologisch
ist eine Totalüberwachung heute bereits möglich.»
Zugleich machte er deutlich, dass die Datenbegehrlichkeiten auch in der
Privatwirtschaft zunähmen. Gerade beim aggressiven
Telefonmarketing enthalte der Staat dem Bürger einen angemessenen
Schutz vor. Andererseits nehme aber auch die Neigung vieler Bürger
zum «elektronischen Exhibitionismus», zur Zurschaustellung
persönlicher Lebensumstände und -daten in elektronischen
Medien zu.
(Quelle: dpa)
Zahl der Organspenden soll per Gesetz erhöht werden
Mi.25.04.07 - Die Zahl der Organspenden in Deutschland soll auf gesetzlichem Wege
drastisch erhöht werden. Der Nationale Ethikrat schlug am Dienstag
in Berlin eine grundlegende Neuregelung vor: Demnach sollen die
Mediziner Verstorbenen im Zweifelsfall immer Organe entnehmen
dürfen, um Schwerstkranken mit einer Transplantation das Leben zu
retten.
Der Spender oder seine Angehörigen müssen dies nach dem
Vorschlag des Gremiums ausdrücklich ablehnen, ansonsten gelte das
Schweigen als Zustimmung, sagte Ratsmitglied Jochen Taupitz.
Die Bürger sollen den Plänen zufolge nach einer
Aufklärungskampagne systematisch aufgefordert werden, sich
für oder gegen eine Organspende zu entscheiden, sagte die
Vorsitzende des Ethikrates, Kristiane Weber-Hassemer. Diese
Entscheidung könne jederzeit zurückgenommen und auf der
Krankenkassenkarte oder dem Führerschein gespeichert werden.
Äußert sich jemand nicht, sollen seine Organe im Todesfall
entnommen werden können, sofern die Angehörigen nicht
ausdrücklich widersprechen.
Derzeit sterben in Deutschland jedes Jahr etwa 1000 Menschen, weil es
nicht genügend Spenderorgane gibt. Bislang wird die
ausdrückliche Zustimmung des Verstorbenen, beispielsweise in Form
eines Organspendeausweises, benötigt. Liegt diese nicht vor,
treffen die Angehörigen die Entscheidung. Sie sollen sich am
mutmaßlichen Willen des Toten orientieren.
Der Ethikrat, ein Beratergremium der Bundesregierung, schlägt nun
eine Kombination aus Erklärungs- und Widerspruchsmodell vor.
«Für die Fälle, wo jemand keine klare Antwort gibt,
soll die Widerspruchsregelung gelten», forderte Taupitz. Das
würde bedeuten, dass die Mediziner prinzipiell von einer
Einwilligung ausgehen und nach der Feststellung des Hirntods Organe
entnehmen können. Verfassungsrechtliche Bedenken hat der Ethikrat
bei dem Modell nicht. «Wir halten die Einschränkung des
Selbstbestimmungsrechts in diesem Fall für vertretbar»,
sagte Taupitz. Schließlich stünden ihr die Rettung von
Menschenleben gegenüber.
Der Medizinrechtler betonte, dass neben dem neuen erweiterten
Widerspruchsmodell weitere Maßnahmen zur Steigerung der
Spendenzahlen nötig seien. Viele Kliniken meldeten potenzielle
Spender nicht an die zentrale Vermittlungsstelle, weil sie Aufwand und
Kosten einer Transplantation scheuten. Dem könne mit finanziellen
Anreizen entgegen gewirkt werden, sagte Taupitz. Auch die Einrichtung
von Transplantationsbeauftragten habe in anderen Ländern positive
Wirkung gezeigt.
(Quelle: dpa)
Gericht gewährt Ex-Terrorist Klar Hafterleichterung
Mi.25.04.07 - Der ehemalige RAF-Terrorist Christian Klar bekommt Hafterleichterung.
Wie das Landgericht Karlsruhe entschied, hat Klar Anspruch auf erste
begleitete Freigänge, einen Sonderurlaub und offenen Vollzug ab
Juli in Berlin. Das Gericht entsprach damit einer Klage des
54-Jährigen, nachdem das Stuttgarter Justizministerium die
üblichen Vollzugslockerungen als Vorbereitung auf eine Entlassung
gestoppt hatte. Hintergrund war eine kapitalismuskritische Botschaft
Klars an eine Konferenz. Das Ministerium hatte deshalb ein neues
Gutachten zur Gefährlichkeit Klars in Auftrag gegeben, das für
Ende August erwartet wird.
Das Landgericht sieht in dem vorläufigen Stopp der
Vollzugslockerung jedoch eine Verletzung der Rechte Klars. Das Gericht
verwies darauf, dass von Klar dem ersten Gutachten zufolge kaum Gefahr
ausgehe. Es sei deshalb vorgesehen gewesen, ihn ab Juli vom
baden-württembergischen Bruchsal in den offenen Vollzug nach Berlin
zu verlegen, wo er am Berliner Ensemble eine Ausbildung als
Bühnenarbeiter beginnen könnte.
Bei einer Beratung über den weiteren Vollzugsplan im Februar sei
Klars umstrittene Grußbotschaft an eine Rosa-Luxemburg-Konferenz
bekannt und "Gegenstand einer Diskussion" gewesen. Ein negativer
Einfluss auf die Prognose für Klar sei dabei aber nicht
festgestellt worden. Gleichwohl habe das Justizministerium ein zweites
kriminalprognostisches Gutachten in Auftrag gegeben und damit das
Zustimmungsverfahren zur Vollzugslockerung vorläufig gestoppt. Laut
Gericht hat das Ministerium allerdings keinerlei Umstände geltend
gemacht, die ein Abweichen von der ursprünglichen Planung
rechtfertigten. Dies gelte zumindest bis zum Vorliegen des neuen
Gutachtens.
Klars Mindesthaftzeit endet nach 26 Jahren hinter Gittern im Januar
2009. Langjährig Inhaftierte werden in solchen Situationen mit
speziellen Vollzugslockerungen auf das Leben in Freiheit vorbereitet. Um
die Haftdauer Klars und dessen Gnadengesuch bei Bundespräsident
Horst Köhler ist eine öffentliche Debatte entbrannt. Für
die Begnadigung des Ex-Terroristen setzt sich inzwischen auch Michael
Buback ein.
Grünen-Chefin Claudia Roth begrüßte die Entscheidung
des Landgerichts: "Unser Rechtssystem basiert auf Reintegration und
nicht auf Rachegelüsten." Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach
(CDU) sprach sich erneut gegen eine Begnadigung von Klar aus. Im
Fernsehsender n-tv nannte er als Begründung unter anderem erneut,
dass Klar nichts zur Aufklärung der RAF-Verbrechen beitrage. Er
sehe nicht ein, weshalb er dann begnadigt werden sollte.
(Quelle: afp)