Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendeinunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Zahl der Todesopfer im Irak laut UN trotz Sicherheitsoffensive
gestiegen - 700.000 Iraker auf der Flucht vor Glaubenskämpfen.
US-Abgeordnete fordern Rückzug aus dem Irak ab 1. Oktober
Do.26.04.07 - Trotz der Sicherheitsoffensive im Irak sind dort nach Angaben der
Vereinten Nationen allein im Februar mehr als 1.600 Zivilpersonen
getötet worden. Das geht aus einem am Mittwoch
veröffentlichten Menschenrechtsbericht der UN-Mission im Irak
(UNAMI) unter Berufung auf Zahlen des Bagdader Innenministeriums hervor.
UNAMI kritisierte, das irakische Gesundheitsministerium verweigere die
Veröffentlichung vollständiger Zahlen, weshalb der Bericht
für die Zeit zwischen 1. Januar und 31. März keine
vollständigen Daten der Regierung enthalte.
Irakische und US-amerikanische Truppen hatten am 14. Februar mit der
Sicherheitsoffensive begonnen. Im Berichtszeitraum seien dennoch
zahlreiche zivile Todesopfer gezählt worden, vor allem in und nahe
Bagdad, erklärte UNAMI. Obwohl die irakische Regierung für die
zweite Februarhälfte von einem Rückgang der Todeszahlen
gesprochen habe, «hat die Zahl der gemeldeten Opfer im März
zugenommen», heißt es in dem Bericht. An einigen Tagen
würden allein in der irakischen Hauptstadt bis zu 25 Leichen
gefunden.
Mehr als 700.000 Iraker haben nach UN-Angaben wegen der Kämpfe
zwischen Sunniten und Schiiten seit Anfang 2006 ihr Zuhause verloren.
117.901 Familien hätten seit dem Anschlag auf das
Schiiten-Heiligtum von Samarra im Februar 2006 wegen der anhaltenden
Gewalt ihre Häuser und Wohnungen verlassen müssen, teilte
UNAMI am Mittwoch mit. Hinzu kämen 1,2 Millionen Iraker, die schon
vor dem Anschlag ihr Zuhause verloren hätten. Der Anschlag auf das
Mausoleum der El-Askari-Moschee in Samarra wird sunnitischen
Kämpfern des Terrornetzwerks El Kaida zugeschrieben.
Das US-Repräsentantenhaus hat sich am Mittwoch über die
Veto-Drohung von Präsident George W. Bush hinweggesetzt und mit
der Mehrheit der Demokraten beschlossen, dass die US-Truppen ab dem 1.
0ktober aus dem Irak abgezogen werden sollen. Die Entscheidung fiel mit
218 gegen 208 Stimmen. Nach dem Repräsentantenhaus stimmt am
Donnerstag der Senat über die demokratische Initiative ab.
Die vollständige Beendigung des US-Kampfeinsatzes im Irak wird
nicht bindend auf den 1. April kommenden Jahres terminiert. Sollte auch
der Senat dem Gesetz zustimmen, in dem es um 124,2 Milliarden Dollar
(91,4 Milliarden Euro) für diverse Auslandseinsätze der USA
geht, würde es in der kommenden Woche Bushs Schreibtisch zur
Unterzeichnung erreichen. Bush hat sein Veto bereits angekündigt.
Dieses wiederum könnte die Opposition kaum überstimmen. Die
Demokraten kontrollieren den Kongress seit den Zwischenwahlen Ende
vergangenen Jahres.
Die Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sagte
vor der Abstimmung, mit der Vorlage werde Bush zum ersten Mal für
den Krieg im Irak zur Rechenschaft gezogen. «Und er will der
Realität nicht ins Auge sehen», erklärte die
demokratische Politikerin. Bush bot noch einmal wichtige Vertreter des
Verteidigungsministeriums und den Oberbefehlshaber im Irak, General
David Petraeus, auf, um Abgeordnete in privaten Gesprächen davon
zu überzeugen, die Finanzierung der Kriegseinsätze nicht mit
einem Abzugs-Zeitplan für den Irak zu verknüpfen.
Der Präsident will sein Veto einlegen, weil er mit der Begrenzung
des Kampfeinsatzes die US-Militärführung im Irak
geschwächt sieht: «Das würde bedeuten, dass unsere
Kommandeure mitten in der Kampfzone ihre Einsatz-Direktiven von
Abgeordneten bekommen, die 6.000 Meilen (10.000 Kilometer) weit weg
sind», sagte er am Dienstag. «Das wäre ein erheblicher
Vorteil für unserer Feinde und eine größere Gefahr
für unsere Soldaten.»
Vizepräsident Dick Cheney warf dem demokratischen
Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, sogar vor, seine Partei
setze auf eine Niederlage der USA im Irak, um zuhause
Wählerstimmen zu gewinnen. «Es ist zynisch zu erklären,
der Krieg ist verloren, weil man glaubt, damit Wählerstimmen zu
bekommen», sagte Cheney. Reid reagierte gelassen. «Ich
werde in keinen Wettstreit der Beschimpfungen mit dem obersten
Kampfhund der Regierung eintreten», sagte er.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 26.04.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertsiebenundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.26.04.06 - Al-Kaida-Führer Sarkawi droht mit neuen Anschlägen +++ Rumsfeld:
Irak-Krieg hält Iran 'im Zaum' +++ Zwölf Tote bei neuen
Angriffen im Irak +++ Paramilitärs, Phantompolizei, Todesschwadrone und
Bürgerwehren: Können die Milizen im Irak noch kontrolliert werden?...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0604260.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
|
US-Soldaten werfen Militärführung Lügen vor
Do.26.04.07 - Prominente US-Soldaten haben der Armeeführung vorgeworfen, sie mit
erfundenen und übertriebenen Geschichten zu Helden der
Einsätze im Irak und in Afghanistan stilisiert zu haben. "Ich bin
noch immer bestürzt darüber, dass sie entschieden haben zu
lügen und mich zu einer Legende zu machen", sagte die US-Soldatin
Jessica Lynch bei einer Anhörung vor dem Kongress in Washington.
Lynch war der US-Öffentlichkeit nach ihrer Befreiung aus
irakischer Kriegsgefangenschaft 2003 als heldenhaftes
"Rambo-Mädchen" präsentiert worden.
Die Armee berichtete damals, Lynch habe in zäher Gegenwehr ihr
ganzes Magazin leergeschossen, ehe sie verschleppt wurde. "Das war
nicht wahr", sagte Lynch nun. Sie habe keine Schüsse abgegeben,
sondern sei nur in einem Lastwagen mitgefahren. Während sie nach
ihrer Befreiung durch ihre Verletzungen außer Gefecht gesetzt
gewesen sei, seien Geschichten über ihr Heldentum verbreitet
worden. Sie sei gegen ihren Willen als Heldin präsentiert worden.
"Die Geschichte des Krieges ist nie einfach. Aber die Wahrheit ist
immer heldenhafter als der Schwindel", kritisierte Lynch.
In einem weiteren Fall ging es um den Tod des früheren
Football-Stars Pat Tillman in Afghanistan. Dessen Bruder Kevin
erklärte vor dem Ausschuss, seiner Familie sei die Unwahrheit
über den Tod des Bruders erzählt worden. Die US-Armee
hätte angegeben, Pat habe bis zum Schluss heldenhaft
gekämpft, bevor er vom Feind durch einen Kopfschuss getötet
worden sei. "Das war eine komplette Erfindung", sagte Tillman. In
Wirklichkeit sei der Bruder durch versehentlichen Beschuss von
US-Soldaten umgekommen. Zuzugeben, dass Pat von seinen Kameraden
getötet wurde, wäre ein politisches Desaster gewesen, sagte
Tillman.
Der demokratische Abgeordnete Henry Waxman beschuldigte die Regierung,
Kampfereignisse mit sensationellen Details und Geschichten
aufzubauschen. Die Anhörungen sollten der Beginn für
Richtigstellungen sein. "Das Mindeste, das wir unseren tapferen
Männern und Frauen, die für unsere Freiheit kämpfen,
schulden, ist die Wahrheit, sagte der Demokrat.
(Quelle: afp)
USA wünschen sich stärkeres deutsches Engagement in
Afghanistan
Do.26.04.07 - Die USA haben ihren Wunsch nach einem stärkeren Engagement der
deutschen Bundeswehr in Afghanistan bekräftigt.
US-Verteidigungsminister Roberts Gates sagte am Mittwoch in Berlin, er
wisse um die rechtlichen und verfassungsmäßigen
Beschränkungen in einigen Ländern. Doch wäre es im
Interesse der Internationalen Schutztruppe ISAF, wenn alle
Truppenstellerstaaten «ihre nationalen Hindernisse
ausräumen» würden, um gemeinsame Operationen im ganzen
Land zu ermöglichen.
Der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) erinnerte
daran, dass Deutschland bereits jetzt einen großen Beitrag
leiste, Sicherheit und Wiederaufbau in Afghanistan «gemeinsam
umzusetzen». Ziel müsse aber eine selbsttragende
Sicherheitsstruktur sein. Dabei gehe es zum einen um den Aufbau der
nationalen afghanischen Armee mit geplanten 70 000 Soldaten, zum
anderen um die Errichtung einer eigenen Polizei. Hier engagiere sich
Deutschland seit Jahren und baue diese Unterstützung gerade mit
der Entsendung von Feldjägern der Bundeswehr noch aus. Zudem sei
geplant, im EU-Maßstab 160 Polizeiausbilder nach Afghanistan zu
entsenden.
(Quelle: ddp)
Sieben Tote bei Bombenanschlag in Afghanistan
Do.26.04.07 - Bei einer Bombenexplosion sind am Mittwoch im Osten Afghanistans sieben
einheimische Soldaten getötet worden. Wie die Polizei mitteilte,
explodierte unter einem Fahrzeug ihres Konvois in der Provinz Paktika
nahe der pakistanischen Grenze ein versteckter Sprengsatz. Ein Soldat
sei verletzt worden. In der Provinz Herat überfielen Bewaffnete am
Dienstag ein Polizeifahrzeug. Dabei wurden nach Angaben des
örtlichen Polizeichefs vier Polizisten getötet und zwei
weitere verletzt.
(Quelle: ap)
Umfrage zeigt Einverständnis von Muslimen mit Zielen der El Kaida
Do.26.04.07 - Die politischen Vorstellungen des Terrornetzwerks El Kaida stoßen
einer US-Umfrage zufolge in vielen muslimischen Ländern auf
Zustimmung. Nur eine Minderheit der Befragten in vier Ländern hat
dabei allerdings Verständnis für die Taktik von El Kaida, ihre
Ziele mit Anschlägen auf Zivilisten durchzusetzen, wie aus einer
am Dienstag vorgelegten Umfrage der University of Maryland und des
Washingtoner Instituts WorldPublicOpinion.org hervorgeht. Demnach
zeigten sich durchschnittlich 74 Prozent der Befragten in Ägypten,
Marokko, Pakistan und Indonesien einverstanden mit dem Ziel der El
Kaida, die US-Armee aus allen muslimischen Ländern zu vertreiben.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Israel will auf Hamas-Angriffe nicht mit großer Offensive
reagieren
Do.26.04.07 - Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat die
Streitkräfte ermächtigt, nach den jüngsten
Raketenangriffen der radikalislamischen Hamas begrenzte Aktionen im
Gazastreifen durchzuführen. Eine groß angelegte Offensive
schloss er aber aus, wie aus Regierungskreisen verlautete. Die
Entscheidung sei am Mittwoch auf einer Krisensitzung des Kabinetts
getroffen worden.
In Militärkreisen hatte es nach den Raketenangriffen am Dienstag -
dem israelischen Unabhängigkeitstag - Forderungen nach einer
Großoffensive gegen militante Hamas-Kämpfer im Gazastreifen
gegeben. Olmert habe aber nur «zielgenaue» Aktionen
genehmigt, berichteten zwei Teilnehmer der Krisensitzung. Der
stellvertretende Verteidigungsminister Ephraim Sneh sagte zuvor im
Rundfunk, die Regierung sei nicht an einer weiteren Eskalation
interessiert.
(Quelle: ap)
Opposition in Nigeria ruft zu Protesten gegen Wahlergebnis auf
Do.26.04.07 - Nach den umstrittenen Präsidenten- und Parlamentswahlen in Nigeria
hat ein Bündnis aus 20 Oppositionsparteien zu Protesten
aufgerufen. Damit soll die Forderung der Opposition auf Annullierung
der Wahlen vom Samstag unterstrichen werden. «Wir werden uns
nicht an gewaltsamen Protesten beteiligen. Wir rufen zu friedlichen
Protesten auf», betonte Bündnissprecher Ben Obi am Mittwoch.
Ungeachtet schwerer Manipulationsvorwürfe von Opposition und
internationalen Beobachtern war der Kandidat der Regierungspartei,
Umaru Yar'Adua, am Montag zum Sieger der Präsidentenwahl
erklärt worden. Yar'Adua ist der Gouverneur des nördlichen
Staats Katsina und Mitglied der regierenden Demokratischen Volkspartei
(PDP). Er soll im Mai die Nachfolge von Präsident Olusegun
Obasanjo antreten.
(Quelle: ap)
Nordkorea wartet weiter auf Freigabe eingefrorener Gelder
Do.26.04.07 - Wochen nach der Freigabe durch die USA sind die in Macao eingefrorenen
Gelder Nordkoreas noch nicht bei der Regierung in Pjöngjang
eingegangen. "Wir müssen endlich Resultate sehen", zitierte die
Nachrichtenagentur Yonhap am Mittwoch den Leiter der nordkoreanischen
Delegation bei den Vereinten Nationen, Kim Myong Gil. Es müsse
möglich sein, das Geld zu anderen Banken zu überweisen.
Nordkorea hatte im Februar eingewilligt, sein umstrittenes Atomprogramm
aufzugeben, sollte die Banco Delta Asia die 25 Millionen Dollar (gut 18
Millionen Euro) wieder freigeben, die sie 2005 auf Betreiben der USA
eingefroren hatte. Eine Frist zur Abschaltung der Atomanlage in Yongbyon
ließ Nordkorea bereits verstreichen, weil die Gelder ausblieben.
(Quelle: afp)
Usbekische Behörden verweigern Treffen mit
UN-Menschenrechtskommissarin
Do.26.04.07 - Die usbekische Regierung hat ein Treffen mit der
UN-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour verweigert. Die Behörden
hätten erklärt, für ein Gespräch sei keine Zeit,
sagte Arbour am Mittwoch im Nachbarland Kirgistan während einer
Reise durch mehrere ehemalige Sowjetstaaten. Menschenrechtsgruppen
zählen die usbekische Regierung zu den repressivsten Regimen in
Zentralasien. Tausende muslimischer Dissidenten sollen in den
vergangenen Jahren unter dem Vorwurf des Extremismus inhaftiert worden
sein.
Nach einem Treffen mit dem kirgisischen Präsidenten Kurmanbek
Bakijew äußerte sich die Arbour am Mittwoch besorgt über
zahlreiche Fälle häuslicher Gewalt gegen Frauen, darunter die
Entführung junger Frauen für Zwangsehen. Die
Menschenrechtskommissarin will außerdem Tadschikistan, Kasachstan
und Turkmenistan besuchen.
(Quelle: ap)
Gericht hebt Begnadigung für Argentiniens Ex-Diktatoren auf
Do.26.04.07 - Ein Gericht in Argentinien hat die Straferlasse des ehemaligen
Präsidenten Carlos Menem für zentrale Figuren der
Militärdiktatur aufgehoben. Das Berufungsgericht in Buenos Aires
habe die Begnadigungen für neun ehemalige Junta-Chefs für
nicht verfassungskonform erklärt, verlautete aus Justizkreisen.
Mit dem Urteil erlangen bereits verhängte Strafen gegen
Angehörige der Militärdiktatur wieder Gültigkeit.
Betroffen sind davon unter anderem die Ex-Junta-Chefs Jorge Rafael
Videla und Emilio Massera. Eine Berufung vor dem Obersten
Berufungsgerichtshofs von Argentinien ist den Angaben zufolge
allerdings wahrscheinlich.
Videla hatte sich 1976 an die Macht geputscht und stand bis 1981 an der
Spitze der Militärjunta in Buenos Aires. 1985 waren er und Massera
wegen mehrfachen Mordes, Entführung und Folter zu lebenslanger
Haft verurteilt worden. Beide saßen aber nur wenige Jahre im
Gefängnis, Menem begnadigte sie 1990. Gegenwärtig steht der
81-Jährige Videla wieder unter Hausarrest. Ihm und Massera soll
aktuell wegen des Mordes an der Tübinger Soziologin Elisabeth
Käsemann und am Deutschen Klaus Zieschank der Prozess gemacht
werden. Deutschland hatte die Auslieferung der beiden Junta-Chefs
beantragt, diese wurde allerdings abgelehnt.
Der Münchner Student Zieschank war 1976, Käsemann 1977
ermordet worden. Zuvor war Käsemann, die Tochter eines
Tübinger Theologen, in das Folterzentrum "El Vesubio" in Buenos
Aires verschleppt worden. Unter der argentinischen Militärdiktatur
(1976-83) wurden zehntausende Menschen verschleppt, gefoltert und
ermordet, auch rund hundert Deutsche und Deutschstämmige.
(Quelle: afp)
Gates und Rice werben für Raketenabwehr in Europa
Do.26.04.07 - Einen Tag vor dem NATO-Außenministertreffen in Oslo haben die USA
intensiv um Zustimmung für ihre Pläne geworben, in
Mitteleuropa ein Raketenabwehrsystem aufzubauen. In einem am Mittwoch
vorab veröffentlichten Beitrag für die
«Süddeutsche Zeitung» versicherten
US-Außenministerin Condoleezza Rice und Verteidigungsminister
Robert Gates, die USA wollten kein neues Wettrüsten. Die Bedrohung
durch den Iran müsse aber ernst genommen werden.
«Wir müssen uns im klaren darüber sein, dass die
Bedrohung durch Raketen aus Iran real ist und zunimmt», schrieben
Rice und Gates für die Donnerstagausgabe der Zeitung. Dagegen
richte sich das Abwehrsystem, das die Minister als maßvoll
bezeichneten. Es gehe darum, einen Angriff frühzeitig zu erkennen,
sich vor ihm zu schützen und so abschreckend zu wirken.
«Eine effektive Verteidigung verringert den Anreiz für
Staaten, überhaupt den Besitz von Raketen anzustreben»,
erklärten sie.
Da das System begrenzt sei, sie es «völlig unnütz gegen
ein riesiges Arsenal wie das russische», hieß es zur
russischen Kritik an den US-Plänen für die in Polen und
Tschechien geplante Raketenabwehr. «Gerede über ein neues
Wettrüsten mit Russland ist anachronistisch und
wirklichkeitsfremd», betonten Rice und Gates, möglicherweise
auch mit Blick auf die Diskussion in Deutschland. Die beiden
US-Minister warnten vor «Angstmacherei und Schlagwörtern aus
der Vergangenheit». Die transatlantische Gemeinschaft und
Russland seien 16 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges keine Gegner
mehr.
(Quelle: ap)
Europäisch-asiatische Umweltkonferenz: Kein Zeitplan für
Nachfolger von Kyoto-Klimaschutzprotokoll
Do.26.04.07 - Ohne Zeitplan für ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll ist am
Mittwoch eine europäisch-asiatische Umweltkonferenz in Kopenhagen
zu Ende gegangen. Zum Abschluss des zweitägigen ASEM-Treffens
verpflichteten sich die Teilnehmer aus 36 Ländern zwar zu
verstärkter Zusammenarbeit im Kampf gegen den Klimawandel. Sie
bekundeten aber lediglich, dass die Verhandlungen «so bald wie
möglich» abgeschlossen werden sollten, um eine Lücke zu
vermeiden, wenn das Kyoto-Abkommen im Jahr 2012 ausläuft.
Die dänische Umweltministerin Connie Hedegaard hatte als Ziel
vorgegeben, bis 2009 die Grundlagen für ein neues Abkommen zum
Klimaschutz zu legen. Sie nannte es ein europäisches Bestreben, so
viele Länder wie möglich für ein Nachfolgeabkommen zu
gewinnen. Vor allem die USA sowie China und Indien sollen bewegt
werden, sich auf eine Reduzierung der Treibhausgase zu verpflichten.
Die USA sind aus dem Kyoto-Prozess ausgestiegen, die
Schwellenländer Indien und China werden von dem Vertrag nicht in
die Pflicht genommen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Verfassungsschutz und BND durchsuchen Computer seit 2005
Do.26.04.07 - Die Geheimdienste haben seit 2005 heimlich via Internet die Computer
von Verdächtigen ausgespäht. Dies wurde am Mittwoch in der
Sitzung des Bundestags-Innenausschusses bekannt.
Zugleich gab es aber auch Hinweise, dass die Regierung diese als
rechtswidrig kritisierte Praxis vorerst beenden will.
Der FDP-Innen- und Rechtsexperte Max Stadler sagte der
Nachrichtenagentur dpa, im Innenausschuss habe der Parlamentarische
Innen-Staatssekreträr Peter Altmaier (CDU) sehr deutlich zu
erkennen gegeben, dass der Bundesverfassungsschutz bis zu einer
gesetzlichen Neuregelung von dieser Ermittlungsmethode Abstand nehmen
werde. Die bisherige Praxis basierte auf einer Dienstanweisung des
Vorgängers von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU),
Otto Schily (SPD). Die Opposition hatte das Verfahren als illegal
kritisiert. Auch Politiker von SPD und Union bezweifelten die
Zulässigkeit. «Wir haben in keinem Bereich eine
verfassungskonforme Grundlage für Online- Durchsuchungen»,
sagte der innenpolitische Sprecher der SPD- Bundestagsfraktion, Dieter
Wiefelspütz.
In einer von der Links-Fraktion beantragten Aktuellen Stunde des
Bundestages verteidigte Schäuble seine Vorschläge für
schärfere Sicherheitsgesetze gegen die heftigen Angriffe der
Opposition und auch gegen die Kritik von Seiten der SPD. Der Minister
beharrte darauf, dass Ermittler die Computer verdächtigter
Personen online ausspähen dürfen. Dafür will
Schäuble die rechtlichen Grundlage schaffen. Auch Wiefelspütz
hält Online-Durchsuchungen grundsätzlich für ein in
Ausnahmefällen gerechtfertigtes Ermittlungsinstrument, wenn
dafür eine Rechtsgrundlage geschaffen wird. Nach Worten von
Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach geht es bei der Online-
Durchsuchung um die Sicherung flüchtiger Beweise, die mit nur
einem Mausklick verschwinden könnten.
Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte im Februar der Polizei wegen
fehlender gesetzlicher Grundlagen Online-Durchsuchungen vorerst
untersagt. Das Ausspähen von Daten mit Hilfe eines Programms, das
ohne Wissen des Betroffenen auf seinen Computer aufgespielt wird, sei
nicht durch die Strafprozessordnung gedeckt. In dem verhandelten Fall
ging es allerdings nicht um die Arbeit von Geheimdiensten.
Schäuble rechtfertigte seine Vorstellungen mit der terroristischen
Bedrohung. Der freiheitliche Verfassungsstaat «muss sich darin
bewähren, dass er in der Gewährleistung der freiheitlichen
Verfassung auch das mögliche Maß an Sicherheit für die
Bürgerinnen und Bürger gewährleistet».
Bei der ebenfalls strittigen Speicherung von Fingerabdrücken gibt
es in der Koalition keine Einigung. Die Union beharrt trotz des klaren
Neins der SPD darauf, Fingerabdrücke nach Ausstellung eines Passes
zu speichern - nicht in einer Zentraldatei, aber bei den 5300
zuständigen Behörden, wie Unions-Fraktionsvize Wolfgang
Bosbach der «Passauer Neuen Presse» sagte.
Wiefelspütz rief dazu auf, in der Sicherheitsdebatte zur
Sachlichkeit zurückzukehren. Der SPD-Abgeordnete Klaus Uwe
Benneter hielt in der Aktuellen Stunde Schäuble gleichwohl vor, in
der bisherigen Debatte nicht einen Vorschlag gemacht, sondern nur
Schlagworte und Überschriften geliefert zu haben und die
Terrorangst zu schüren. Sein Fraktionskollege Frank Hofmann sagte,
der Innenminister provoziere nicht nur die Opposition, sondern auch
Teile des Koalitionspartners.
Der Links-Politiker Jan Korte warf Schäuble eine Salamitaktik vor.
«Jede Woche wird eine neue sicherheitspolitische Sau durchs Dorf
getrieben.» Die FDP-Innenpolitikerin Gisela Piltz warnte,
Freiheit könne auch durch zu viel Überwachung aufgegeben
werden. Der Grünen- Abgeordnete Wolfgang Wieland hielt
Schäuble vor, innere und äußere Sicherheit
verschmelzen, Polizei und Geheimdienste zusammenführen und den
gläsernen Bürger schaffen zu wollen.
Bosbach nannte die Kritik an Schäuble maßlos und in jeder
Hinsicht überzogen. «Wir wollen keinen Polizeistaat.»
Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) griff die SPD scharf
an. In der «Passauer Neuen Presse» stellte er sich hinter
die Forderung Schäubles, die Bundeswehr bei der Luftsicherung und
beim Objektschutz einzusetzen. Die SPD dürfe hier nicht
länger blockieren. «Ich fürchte, dass wir uns mit der
SPD erst nach einem hoffentlich nie kommenden Terroranschlag einigen
können. Wenn es dazu kommt, werden wir in jedem Falle auch eine
Diskussion über die Mitschuld bekommen.» SPD- Fraktionschef
Peter Struck warf Beckstein vor, Terroranschläge geradezu
herbeizureden, um der SPD dafür die Verantwortung zuschieben zu
können.
(Quelle: dpa)
Justiz rollt Buback-Mord neu auf
Do.26.04.07 - Die Justiz rollt den RAF-Mord an Siegfried Buback nach 30 Jahren neu
auf. Generalbundesanwältin Monika Harms hat dazu ein
Ermittlungsverfahren gegen den Exterroristen Stefan Wisniewski
eingeleitet, wie die oberste Anklägerin am Mittwoch in Karlsruhe
bekanntgab. Sie sprach von einem Anfangsverdacht gegen den bislang in
diesem Fall nicht beschuldigten RAF-Angehörigen, der von
früheren Mitkämpfern als Tatbeteiligter genannt wurde. Das
Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags stellte bei einer
Sitzung in Berlin keine Versäumnisse des Verfassungsschutzes im
Fall Buback fest.
Der Ausschussvorsitzende Max Stadler (FDP) sagte, nach einer
Anhörung von Vertretern der Bundesregierung und der
Nachrichtendienste seien keine Übermittlungsversäumnisse des
Bundesamts für Verfassungsschutz festgestellt worden. Die
Bundesregierung sei aber um Fortsetzung der Unterrichtung in der
nächsten Sitzung des Gremiums Ende Mai gebeten worden. Der
«Spiegel» hatte berichtet, dass die Geheimdienste seit
Jahren wichtige Hinweise auf die RAF-Attentäter
zurückgehalten hatten, um Informanten zu schützen. Am
Mittwoch meldete «Spiegel online» dagegen, die Erkenntnisse
seien doch allen Sicherheitsbehörden und auch der Bundesregierung
weitergeleitet worden.
Auslöser für das Ermittlungsverfahren gegen Wisniewski war
unter anderem ein Interview des ehemaligen RAF-Mitglieds
Peter-Jürgen Boock. Er hatte angedeutet, dass Wisniewski auf
Buback geschossen habe. Die Karlsruher Ermittler sehen nach den Worten
von Generalbundesanwältin Harms aber bislang keinen dringenden
Tatverdacht. Deshalb wurde auch keine Untersuchungshaft gegen
Wisniewski beantragt, der 1981 unter anderem wegen der Entführung
und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer zu
zwei Mal lebenslänglich verurteilt worden war und 1999 freikam.
Die Bundesanwaltschaft kennt nach eigenen Angaben seinen Aufenthaltsort
und geht nicht von Fluchtgefahr aus.
Kritik äußerte die Behörde am Verhalten Boocks, der
bereits Ende März in der Sache aussagen sollte, sich jedoch mit
einem ärztlichen Attest entschuldigen ließ. Man sei sehr
verwundert, dass Boock immer wieder in der Lage gewesen sei, Interviews
zu geben, aber nicht vernommen zu werden, sagte Terrorermittler
Griesbaum. Boock und weitere Zeugen sollen nun in den kommenden Tagen
vernommen werden.
Trotz der neuen Äußerungen sieht die
Generalbundesanwältin keinen Anlass, den Mordfall Buback nach den
vorläufigen Erkenntnissen neu zu bewerten. Die Terroristen
Christian Klar und Knut Folkerts seien als Mittäter verurteilt
worden. «An dieser Bewertung ändert sich nach derzeitiger
Sachlage nichts», betonte Harms.
Allerdings gibt es der Behörde zufolge konkrete Anhaltspunkte
dafür, dass Hinweise über eine mögliche Beteiligung
Wisniewskis mehreren Bundesanwälten damals bekannt waren.
Griesbaum betonte, dass die Informationen dürftig gewesen seien
und nicht für eine Anklage-Erhebung gereicht hätten.
Exterroristin Verena Becker verriet dem «Spiegel» zufolge
dem Verfassungsschutz schon Anfang der 80er Jahre, dass Wisniewski der
Schütze gewesen sei. Bislang galten Klar, Folkerts sowie
Günter Sonnenberg als Hauptverantwortliche für den Anschlag
auf Buback und seine beiden Begleiter. Für die neuen Ermittlungen
sollen jetzt auch Haarspuren von damals erneut untersucht werden.
Bubacks Sohn Michael und Exterrorist Boock traten am Mittwochabend
gemeinsam in der ARD auf. Dabei bekundete der frühere
RAF-Angehörige erneut Reue für die damaligen Taten.
(Quelle: ap)
SPD-Linke legt eigene Programmbausteine vor
Do.26.04.07 - Die SPD-Linke hat den Entwurf für ein neues Grundsatzprogramm als
unzureichend bezeichnet und eigene Ideen vorgelegt. Die SPD habe bisher
eine Programmdiskussion ohne Diskussion geführt, sagte
Präsidiumsmitglied Andrea Nahles am Mittwoch in Berlin bei
Vorstellung der «Linken Programmbausteine». «Das
wollen wir nicht.» Sie verwies auf die Vorschläge der
SPD-Linken, die die Debatte anregen und zuspitzen sollten. Streit
bereichere die Diskussion.
Auf 173 Seiten haben SPD-Politiker ihre Vorstellungen zu einem
vorsorgenden Sozialstaat, zur Globalisierung, zur Bildungspolitik und
zur Entwicklung in Europa vorgelegt. Zu den Autoren gehören unter
anderem Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, die
hessische Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti, Nahles und der Vorsitzende
des SPD-Parteirates Claus Möller. Die SPD will auf ihrem Parteitag
im Oktober in Hamburg ein neues Programm verabschieden. Das
«Hamburger Programm» soll das «Berliner
Programm» aus dem Jahr 1989 ablösen.
Der Publizist Johano Strasser, der das Buch vorstellte, verwies darauf,
dass die SPD das erste Mal während einer Regierungsbeteiligung
über ein neues Grundsatzprogramm debattiere. «Das muss kein
Drama sein», sagte er. Aber es könne zu einer Verkürzung
des Blickwinkels führen. Ein Parteiprogramm reiche über einen
Zeithorizont von 20 bis 30 Jahren. Da sei der vorgelegte «Bremer
Entwurf» unzureichend.
Strasser, der auch Vorsitzender des deutschen PEN-Clubs ist, sah
Schwächen vor allen in der programmatischen Ausrichtung.
«Eine große Volkspartei darf keine Allerweltspartei
sein», sagte er. Die Autoren hätten kritische Akzente bei den
Themen Globalisierung, Wachstum und Sozialstaat gesetzt. «Das
Buch ist ein Angebot zum Streit», sagte Strasser.
(Quelle: ap)
SPD-Sozialexperte Dreßler nennt eigene Partei 'verkommen'
Do.26.04.07 - Der SPD-Sozialexperte Rudolf Dreßler hat seine Partei in
ungewöhnlich scharfer Form angegriffen und als
«verkommen» bezeichnet. Die SPD habe das Thema soziale
Gerechtigkeit «völlig aus dem Blick verloren», sagte
Dreßler dem «Kölner Stadt-Anzeiger»
(Donnerstagausgabe).
Als unsozial attackierte Dreßler insbesondere die «Hartz
IV»-Gesetzgebung, die Gesundheitsreform und die Erhöhung des
Renteneintrittsalters auf 67 Jahre. Die «Austrittswelle»
und die anhaltend schlechten Umfragewerte seien
«Alarmsignale», die von der SPD-Führung
«ignoriert» würden.
Auf die Frage, warum er noch SPD-Mitglied sei, falle ihm derzeit keine
Antwort ein. Zu Gerüchten über einen möglichen Wechsel
zur Linkspartei sagte Dreßler, zurzeit verfolge er solche
Pläne nicht. Es könne jedoch der Punkt kommen, «wo ich
sage, es geht nicht mehr». In diesem Falle halte er es für
möglich, dass andere prominente Parteimitglieder seinem Beispiel
folgen. Er kenne viele Genossen, die über Kurs und
Führungsstil «total frustriert und grenzenlos
enttäuscht» seien und die auf ein «Fanal»
warten. Dreßler bestätigte unregelmäßige Treffen
mit Links-Fraktionschef Oskar Lafontaine.
(Quelle: ddp)
Gewerkschaften dürfen zu Streiks für Tarifvertrag aufrufen
Do.26.04.07 - Gewerkschaften dürfen zu Streiks für einen Tarifvertrag
aufrufen, in dem wirtschaftliche Nachteile aus einer
Betriebsänderung ausgeglichen oder gemildert werden sollen. Mit
diesem Urteil wies der Erste Senat des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt
am Mittwoch die Unterlassungsklage eines Arbeitgeberverbands gegen
Streikaufrufe der IG Metall zurück.
Zur Begründung erklärten die obersten deutschen
Arbeitsrichter, typische Sozialplaninhalte wie Ansprüche auf
Abfindungen oder Qualifizierungsmaßnahmen seien zugleich tariflich
regelbare Angelegenheiten. Wenn der Arbeitgeber(verband) zum Abschluss
eines entsprechenden Tarifvertrags nicht bereit sei, dürfe
hierfür gestreikt werden. Die Gewerkschaften könnten mit dem
Streik auch sehr weitgehende Tarifforderungen verfolgen.
Diese unterlägen im Interesse der Funktionsfähigkeit der
Tarifautonomie keiner gerichtlichen Kontrolle, betonte der Erste Senat.
Für die Aufstellung betriebsbezogener Sozialpläne seien zwar
laut Betriebsverfassungsgesetz Arbeitgeber und Betriebsrat
zuständig. Das Betriebsverfassungsgesetz schränke jedoch die
Regelungsbefugnis von Tarifvertragsparteien nicht ein.
Die Unterlassungsklage des Arbeitgeberverbandes gegen die IG Metall war
auch schon in den Vorinstanzen abgewiesen worden. (Aktenzeichen:
Bundesarbeitsgericht Erfurt - 1 AZR 252/06)
(Quelle: ap)
Renten steigen zum 1. Juli um 0,54 Prozent
Do.26.04.07 - Nach drei Nullrunden werden die Renten in diesem Jahr wieder leicht
erhöht. Das Bundeskabinett beschloss in Berlin eine Anhebung der
Renten um 0,54 Prozent zum 1. Juli, wie das Bundesarbeitsministerium
mitteilte. Dies gilt gleichermaßen für die Renten in West-
und in Ostdeutschland. "Die Rentenanhebung wird möglich durch die
positiven Entwicklungen bei Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und
Löhne im Jahr 2006", heißt es in der Erklärung des
Ministeriums weiter.
Insgesamt erhalten die Rentner damit 1,2 Milliarden Euro mehr pro Jahr.
Basis für die Anpassung der Renten ist die Entwicklung der
Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer. Der entsprechende
Verordnungsentwurf bedarf noch der Zustimmung des Bundesrats, die aber
als sicher gilt. Nach der Neuregelung beträgt der so genannte
aktuelle Rentenwert ab Juli im Westen 26,27 Euro und im Osten 23,09
Euro. Der aktuelle Rentenwert ist Berechnungsgrundlage für die
jeweils individuelle Rentenhöhe.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Erdähnlicher Planet in 20 Lichtjahren Entfernung entdeckt
Do.26.04.07 - Auf der Suche nach Leben in fernen Welten haben europäische
Astronomen einen Aufsehen erregenden Fund gemacht: Eine noch namenlose
"Super-Erde" kreist mehr als 20 Lichtjahre von der Erde entfernt in der
Libra-Konstellation um den Stern Gliese 581. Der Planet ist fünf
Mal so groß wie unsere Erde. Xavier Delfosse von der Uni im
französischen Grenoble zeigte sich begeistert: "Auf einer
Schatzkarte des Universums wäre man versucht, diesen Planeten mit
einem Kreuzchen zu versehen."
Die Mitteltemperatur liege bei geschätzten null bis 40 Grad
Celsius, sagte Stéphane Udry von der Universität im
schweizerischen Genf. "Wasser wäre also flüssig."
Modellrechnungen zufolge wäre der Planet entweder felsig wie unsere
Erde oder aber von Ozeanen bedeckt.
"Für Leben, wie wir es kennen, ist flüssiges Wasser
erforderlich", erinnerte Delfosse, der zu dem von Udry geleiteten Team
zählt. "Wegen seiner Temperatur und seiner relativen Nähe wird
dieser Planet höchstwahrscheinlich ein sehr wichtiges Ziel
für künftige Raumfahrtmissionen auf der Suche nach Leben
außerhalb der Erde." Noch ist es für die Menschheit aber
technisch unmöglich, den Planeten zu erreichen. Chemische Raketen
kommen nur auf einen Bruchteil der Lichgeschwindigkeit, die nötig
wäre, um die "Super-Erde" innerhalb eines Menschenlebens zu
besuchen.
Über den Fund berichteten die Astronomen im Fachblatt "Astronomy
and Astrophysics". Die Forscher nutzten dazu ein hochempfindliches
Beobachtungsinstrument im Europäischen Süd-Observatorium (ESO)
im chilenischen Silla. Das Instrument kann die Veränderungen bei
Lichtstrahlen messen, die beim Vorbeiflug eines Planeten vor seinem
Leitstern entstehen. Die "Super-Erde" ist zwar 14 Mal näher am
Leitstern Gliese 581 als die Erde an der Sonne und umrundet Gliese 581
innerhalb von 13 Tagen. Gliese 581 ist jedoch deutlich kühler als
die Sonne und sendet daher weniger wärmende Strahlen.
(Quelle: afp)
Astrobiologin: Suche nach Leben im All noch am Anfang
Do.26.04.07 - Das Leben auf der Erde ist nach Ansicht der deutschen Astrobiologin
Gerda Horneck kein Einzelfall im Kosmos. «Angesichts der
vielleicht zehn Milliarden Sonnensysteme in unserer Galaxie und der
zahllosen anderen Galaxien im Weltall halte ich es für
überheblich, das Leben auf der Erde als einzigartig
anzusehen».
Das sagte die Wissenschaftlerin vom Deutschen Zentrum für Luft-
und Raumfahrt (DLR) in Köln am Mittwoch in einem dpa-Gespräch.
«Wir sind erst ganz am Anfang auf der Suche nach Leben
außerhalb der Erde.» Dabei geht es nicht um andere
Zivilisationen, sondern um Spuren irgendeiner Form von Leben.
Am Dienstag hatten Astronomen die Entdeckung des ersten bewohnbaren
Planeten bei einem anderen Stern bekannt gegeben, Hinweise auf Leben
gibt es dort aber bislang nicht. Bisher sei es aus technischen
Gründen kaum möglich gewesen, erdähnliche Planeten
jenseits unseres Sonnensystems zu finden, sagte Horneck.
Hoffnung setzt die Forscherin in zukünftige Satellitenmissionen,
die möglicherweise auch Lebenszeichen entdecken könnten.
«Ein relativ einfach zu findendes Signal wäre Ozon.»
Das Gas besteht aus Sauerstoff, der nur von Lebewesen produziert werden
kann. Der Fund irgendeiner außerirdischen Lebensform würde
das Verständnis für die Theorie des Lebens enorm voranbringen,
betonte die Astrobiologin. «Auch deshalb suchen wir danach. Es
geht nicht nur um die Frage: "Sind wir allein?".»
(Quelle: dpa)