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Irak am tausendzweiunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Ex-US-Botschafter Holbrooke nennt Irak-Krieg 'Desaster historischen
Ausmaßes'. Ex-CIA-Chef wirft Weißem Haus
verabscheuungswürdiges Verhalten vor. Mindestens zehn Tote bei
Anschlägen. Leiter von US-Gefängnis im Irak festgenommen
Fr.27.04.07 - Der frühere US-Botschafter in Deutschland, Richard Holbrooke, hat
den Irak-Krieg als «Desaster historischen Ausmaßes»
bezeichnet. «Ich dachte nie, dass ich einmal sagen werde, dass
der Irak-Krieg schlimmer ist als Vietnam. Viel schlimmer», sagte
Holbrooke den «Stuttgarter Nachrichten» (Freitagausgabe).
Ein sofortiger und vollständiger Abzug sei zwar attraktiv -
«und vielleicht kommt es dazu» - aber es sei die
Terrororganisation El-Qaida, die den US-Erfolg im Irak verhinderte.
«Und wenn wir gehen, wird El-Qaida stärker», sagte
Holbrooke.
Der US-Diplomat rechnet nicht mit einem Krieg Amerikas gegen den Iran.
«Ein Krieg gegen Teheran ist selbst in weiter Ferne nicht
absehbar», sagte er. Die US-Truppen seien bis zum
Äußersten im Irak und in Afghanistan beansprucht. «Im
Iran gibt es keine Ziele, Luftangriffe auf Atomanlagen würden
nichts erreichen, sie würden international zu verheerenden Folgen
führen», sagte Holbrooke.
Das Weiße Haus gerät mit seiner Irak-Politik immer mehr
unter Beschuss. Der frühere CIA-Chef George Tenet warf der
Regierung hinterlistiges Verhalten bei der Begründung des Krieges
vor. Eine Äußerung, die er über vermutete
Massenvernichtungswaffen im Irak gemacht habe, sei aus dem Zusammenhang
gerissen worden, um den Krieg rechtzufertigen, sagte Tenet.
Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Kontrollposten der irakischen
Streitkräfte sind am Donnerstag mindestens sieben Menschen
getötet worden. Es gab 18 Verletzte, wie die Polizei in Bakuba
mitteilte. Bei den meisten Opfern handelte es sich um Zivilpersonen.
Bakuba liegt etwa 60 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bagdad.
Zudem griffen am Donnerstag zwei Selbstmordattentäter ein
Büro der Demokratischen Partei Kurdistans an. Dabei wurden nach
Polizeiangaben drei Wachmänner des Präsidenten der autonomen
kurdischen Region, Massud Barsani, getötet und fünf weitere
verletzt. Der Anschlag ereignete sich in Sumar westlich von Mossul.
Die Wachen beschossen die Fahrzeuge der Attentäter, die die
Sprengsätze daraufhin etwa 50 Meter von dem Büro entfernt zur
Explosion brachten. Es war bereits der zweite Anschlag auf Einrichtungen
der Partei in dieser Woche.
Der Leiter des Gefängnisses Camp Cropper in Bagdad,
US-Oberstleutnant William Steele, ist festgenommen und in Kuwait
inhaftiert worden. Das sagte eine US-Armeesprecherin, ohne genauere
Angaben zu den Hintergründen zu machen. Weitere Einzelheiten
würden in Kürze bekannt gegeben, insbesondere die gegen Steele
erhobenen Vorwürfe. Der TV-Sender NBC berichtet, Steele
würden "Hilfe für den Feind, das Zurückbehalten
klassifizierter Dokumente, Beziehungen zu einer irakischen Dolmetscherin
und einer Irakerin, Gehorsamverweigerung gegenüber einem
Vorgesetzten" und der "Besitz pornografischen Materials" zur Last
gelegt.
Die US-Armeesprecherin sagte, Steele müsse sich einer
Anhörung nach Artikel 32 stellen, der entsprechend den
US-Zivilverfahren eine Befragung zu den gegen ihn erhobenen
Anschuldigungen vorsehe, sagte die Sprecherin weiter. Die nächsten
Schritte sind die mögliche Einleitung eines Verfahrens und ein
Prozess.
In dem bei Bagdad gelegenen Camp Cropper saß der frühere
irakische Staatschef Saddam Hussein vor seiner Hinrichtung ein.
Insgesamt sind in den beiden größten Gefängnissen der
multinationalen Truppen im Irak, Camp Cropper und dem südirakischen
Camp Bucca, nach UN-Angaben fast 18.000 Menschen eingesperrt.
(Quellen: ap, afp, dpa, ddp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 27.04.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertachtundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Norwegen fordert Ende des Finanzboykotts gegen palästinensische
Regierung
Fr.27.04.07 - Der norwegische Außenminister Jonas Gahr Stoere hat ein Ende des
Finanzboykotts gegen die palästinensische Regierung gefordert. Die
internationale Gemeinschaft müsse ihre Politik gegenüber der
Koalition aus Fatah und radikalislamischer Hamas überdenken, sagte
Stoere am Donnerstag nach einem Treffen mit US-Außenministerin
Condoleezza Rice in Oslo. Rice bekräftigte indes, die
palästinensische Regierung müsse zunächst das
Existenzrecht Israels anerkennen und der Gewalt abschwören.
Stoere erklärte dagegen, mit der Bildung der
palästinensischen Regierung der nationalen Einheit sei bereits viel
erreicht worden. Die radikalislamische Hamas war im März unter
internationalem Druck eine Koalition mit der säkularen
Fatah-Bewegung von Präsident Mahmud Abbas eingegangen. «Ich
glaube nicht, dass diese zerbrechliche Koalition lange halten wird, wenn
von der Außenwelt keine Reaktion kommt», warnte Stoere.
Norwegen stellte sich damit gegen die auch von der EU mitgetragene
Forderung, die palästinensische Regierung müssten vor einer
Wiederaufnahme von Direktzahlungen zunächst die Bedingungen des so
genannten Nahost-Quartetts anerkennen. Seine Regierung wolle so schnell
wie möglich wieder Mittel an das palästinensische
Finanzministerium überweisen, was derzeit aber auf Grund der
internationalen Sanktionen unmöglich sei, erklärte Stoere.
Rice verwies darauf, dass die palästinensische Bevölkerung
trotz des Finanzboykotts nicht von Hilfe abgeschnitten sei.
Tatsächlich seien im vergangenen Jahr unter Umgehung der Regierung
mehr Hilfsgelder in die Palästinensergebiete geflossen als je zuvor.
Stoere erklärte dazu, Hilfsgelder seien auf Dauer keine
Lösung: «Ein Land, das mehr als die Hälfte seiner Mittel
in Form humanitärer Hilfe erhält, hat keine Kontrolle
über sie, und das ist ein Problem.» Norwegen setze
großes Vertrauen in den palästinensischen Finanzminister
Salam Fajjad. Dieser genießt auch international Anerkennung und
war Anfang vergangener Woche in Washington von Rice empfangen worden.
«Wenn wir diese Regierung nicht unterstützen wollen, was
bleibt dann? Zahlreiche verfeindete Gruppen und Bürgerkrieg»,
warnte Stoere mit Blick auf die zunehmende Gesetzlosigkeit in den
Palästinensergebieten.
(Quelle: ap)
Streit über US-Raketenabwehr eskaliert - Russland setzt
Abrüstungsvertrag aus
Fr.27.04.07 - Moskau hat de facto einen wichtigen Abrüstungsvertrages für
Europa ausgesetzt. Der vom russischen Präsidenten Wladimir Putin
angekündigten Schritt löste einen heftigen Streit zwischen
der NATO und Russland aus.
US-Außenministerin Condoleezza Rice forderte Moskau auf, sich
weiterhin an den KSE-Vertrag über eine Begrenzung der
konventionellen Streitkräfte in Europa zu halten. «Das sind
Vertragsverpflichtungen. Und es wird von jedem erwartet, dass er
Vertragsverpflichtungen nachkommt», sagte sie am Donnerstag nach
Beratungen der NATO- Außenminister in Oslo.
Putin hatte am selben Tag in einer Rede zur Lage der Nation in Moskau
gesagt: «Ich erachte es für sinnvoll, dass Russland ein
Moratorium in Bezug auf diesen Vertrag verhängt». Er
begründete den Schritt sowohl mit der schleppenden Ratifizierung
des 1999 modernisierten KSE-Vertrages mit Obergrenzen für
konventionelle Streitkräfte in Europa durch NATO-Länder als
auch mit der geplanten Raketenabwehr in Osteuropa. Diese bedrohe die
nationale Sicherheit Russlands. NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop
Scheffer sagte nach einem Treffen mit dem russischen
Außenminister Sergej Lawrow, die NATO sehe sich mit einem
De-Facto-Moratorium konfrontiert und sei darüber «besorgt
und sehr enttäuscht».
Auch Lawrow machte aus dem Streit keinen Hehl. «Wir können
nicht unbesorgt bleiben, wenn die militärische Infrastruktur der
NATO immer näher an unsere Grenzen herankriecht», sagte er
und kritisierte scharf die US-Pläne für ein
Raketenabwehrsystem in Polen und Tschechien. Er bestätigte, dass
Moskau sogar einen Ausstieg aus dem Vertrag zur Begrenzung der
konventionellen Streitkräfte plane. «Wir werden uns ganz aus
dem Vertrag zurückziehen, sofern es keine Bewegung gibt»,
sagte Lawrow.
De Hoop Scheffer entgegnete, die 26 Mitgliedsländer des
Nordatlantischen Bündnisses wollten auch weiterhin eine neue
Fassung des KSE-Vertrags nicht ratifizieren. Sie hielten daran fest,
dass Russland zuvor sein in Istanbul gegebenes Versprechen umsetzen
müsse, seine Soldaten aus Georgien und Moldawien
zurückzuziehen. «Die Verbündeten sind völlig einig
im Wunsch nach Ratifizierung. Aber es gibt die Istanbul-Verpflichtungen
und so lange diese nicht erfüllt sind, wird es auch keine
Ratifizierung des KSE-Vertrages geben.»
Moskau setzt der NATO nun eine einjährige Frist für die noch
ausstehende Ratifizierung des KSE-Vertrags. Wenn man nicht binnen eines
Jahres zu einer Einigung komme, werde Russland aus dem weiterhin
geltenden alten Vertrag von 1990 austreten, sagte ein ranghoher
Kreml-Mitarbeiter der Agentur Interfax.
NATO-Diplomaten sagten in Oslo, Putins Drohung mit dem Ausstieg aus dem
Vertrag über konventionelle Rüstung sei vermutlich ein
Versuch, Druck auf die NATO wegen der US-Pläne zum Aufbau eines
Raketenabwehrsystems in Polen und Tschechien auszuüben. Rice
verteidigte diese Pläne. Zuvor hatte sie die russischen Bedenken
gegen die Raketenabwehr als «einfach aberwitzig» bezeichnet.
Lawrow widersprach energisch: «Das amerikanische Raketensystem
würde die Sicherheitslage in Europa dramatisch
verändern.» Ein «unilaterales System» (der USA)
sei auch eine Bedrohung der Sicherheit Europas. Es werde russische
Gegenmaßnahmen auslösen. Lawrow warf der NATO vor,
«nach wie vor nach einem Gegner zu suchen und Trennlinien
innerhalb Europas zu schaffen».
De Hoop Scheffer sagte, innerhalb der NATO werde die Diskussion
über das von den USA geplante Raketenabwehrsystem zunächst
weitergehen. «Es gibt völlige Einigkeit, dass dies das
strategische Gleichgewicht in Europa nicht stören kann und wird.
Es ist klar, dass die NATO und Russland sich nicht einig sind. Wir
hoffen, dass sich das noch ändert.»
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier riet zu einem
«behutsamen Vorgehen» in der Raketen-Diskussion. «Wir
sollten den Dialog mit allen direkt und indirekt Beteiligten
suchen», sagte er in Oslo. «Worum es im Kern geht, ist
doch, eine Spirale des Misstrauens zwischen Russland und den USA zu
verhindern. Und das ist etwas, was im unmittelbaren europäischen
Interesse liegt.» Er sagte: «Die Nachrichten des heutiges
Tages waren kein Vergnügen.»
(Quelle: dpa)
Stichwort: KSE-Vertrag
Der Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE)
regelt die Aufstellung von Truppen und schweren konventionellen Waffen
wie Militärflugzeugen und Panzern. Das Abkommen wurde 1990
zwischen den NATO-Staaten und Mitgliedern des Warschauer Paktes
geschlossen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde der Vertrag 1999
der neuen Sicherheitslage angepasst. Moskau hat die Neufassung bereits
vor drei Jahren ratifiziert. Die USA und weitere NATO-Mitglieder machen
ihre Ratifizierung jedoch von einem russischen Truppenabzug aus den
früheren Sowjetrepubliken Georgien und Moldawien abhängig.
In seiner Urfassung von 1990 sollte der Vertrag vor allem
Überraschungsangriffe der NATO und des Warschauer Paktes gegen die
jeweils andere Seite verhindern. Für das gesamte Geltungsgebiet
zwischen Atlantik und Ural wurden deshalb Obergrenzen für die
Stationierung von Panzern, Fahrzeugen, Artillerie, Flugzeugen und
Hubschraubern festgelegt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die
Beschränkungen der UdSSR auf ihre Nachfolgestaaten verteilt. In
der Neufassung von 1999 wurde die bipolare Ausrichtung des Abkommens
schließlich aufgehoben und der Vertrag für weitere
Unterzeichner geöffnet. Zudem berücksichtigt er nun für
Einsätze der Vereinten Nationen notwendigen Truppenkontingente
sowie die Ost-Erweiterung der NATO.
Quelle: ap, 26.04.2007
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Frankreich: Präsidentschaftskandidat Sarkozy erwägt
Abzug der Truppen aus Afghanistan
Fr.27.04.07 - Der konservative französische Präsidentschaftskandidat
Nicolas Sarkozy erwägt im Fall eines Sieges den Abzug der
französischen Truppen aus Afghanistan. Er habe auch die
Entscheidung des scheidenden Staatspräsidenten Jacques Chirac
unterstützt, Ende vergangenen Jahres 200 Soldaten einer
Spezialeinheit aus Afghanistan abzuziehen, sagte Sarkozy am Donnerstag
im Fernsehsender France-2.
Er werde diese Politik fortsetzen, wenn er am 6. Mai gewählt
werden sollte. Langfristig erscheine ihm die Präsenz
französischer Truppen in diesem Teil der Welt nicht zwingend,
sagte Sarkozy. Frankreich hat derzeit noch im Rahmen der 30.000 Mann
starken Truppe der NATO rund 1,100 Soldaten in Afghanistan stationiert.
Sarkozy, der für seine proamerikanische Haltung bekannt ist, sagte
weiter, er könne nicht verstehen, weshalb die USA nicht das
Kyoto-Protokoll zur Reduzierung klimaschädlicher Gase
unterzeichnet hätten. Das sei einfach inakzeptabel. Er sprach sich
für eine EU-Steuer auf Güter aus, die aus Ländern
kommen, die sich nicht zu einer Begrenzung ihrer Emissionen bereit
erklärt haben.
(Quelle: ap)
EU-Studie über Stromgroßhandel zeigt weit
überhöhte Strompreise
Fr.27.04.07 - Die Stromverbraucher in Deutschland und fünf weiteren EU-Staaten
zahlen bei weitem zuviel für Strom. Weder die Kosten der Erzeuger
für ihre bestehenden Kraftwerke noch die notwendigen Investitionen
in zukünftige Kraftwerke können das bestehende
Strompreisniveau rechtfertigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine
umfangreiche Studie für die EU-Kommission. Sie belegt gleichzeitig
einen engen Zusammenhang zwischen Strompreisen und Marktkonzentration.
Der VIK, der Zusammenschluss von gewerblichen und industriellen
Energiekunden in Deutschland, sieht in dieser Studie viele Vermutungen
und Analysen bestätigt, die bisher nur auf lückenhaften Daten
und vielen Annahmen beruhen konnten. Diese Studie greift jedoch auf eine
einmalige Datenquelle - die individuellen Kosten- und Erzeugungsdaten
der Stromerzeugungs-Unternehmen über einen Zeitraum von drei
Jahren - zurück. Daher sind die Studienergebnisse als besonders
fundiert und aussagekräftig zu werten:
- So haben die deutschen Stromverbraucher im EU-Vergleich sehr hohe
Aufschläge auf den Strompreis gegenüber den Preisen bei
Wettbewerb zu tragen. Die wettbewerblichen Strompreise ohne eine
Einpreisung von CO2-Zertifikaten lägen nach der EU-Studie im Jahr
2005 bei nur 28,17 Euro/MWh. Stattdessen mussten deutsche Verbraucher
aber zu dem höchsten CO2-Aufschlag der untersuchten Länder (29
Prozent oder 13,86 Euro/MWh) noch einen zusätzlichen Aufschlag von
13 Prozent oder 6,39 EUR/MWh zahlen. Nach VIK-Schätzungen kamen
dadurch 2005 Mehrkosten für die Verbraucher von insgesamt 9,5 Mrd.
Euro zusammen.
- Ein wettbewerbliches Strompreisniveau würde sogar mehr als die
notwendigen Mittel für Investitionen in neue Kraftwerke
bereitstellen. "Das Märchen der Notwendigkeit überhöhter
Strompreise, um zukünftig den Bau neuer Kraftwerke finanzieren zu
können, hat die Studie mit konkreten Berechnungen
nachdrücklich widerlegt", so Dr. Alfred Richmann,
Geschäftsführer des VIK.
- Außerdem wirft die Studie einen genauen Blick auf die im
Wettbewerbsfall optimale Nutzung der Kraftwerke und stellt als wichtige
Ursache für das überhöhte Strompreisniveau fest: Die
Stromerzeuger setzen ihre kostengünstigsten
Erzeugungskapazitäten nur unterhalb ihrer Möglichkeiten ein.
So könnten bei wettbewerblicher Nutzung jede Stunde im Mittel 1800
MW an einsatzfähigen Kern-, Kohle- und Pumpspeicherkraftwerken
über die Zeit von 2003 bis 2005 zusätzlich eingesetzt werden.
Tatsächlich aber wurden kostenungünstige Kraftwerke - wie z.B.
Gaskraftwerke - übermäßig eingesetzt und führten
"zwangsläufig" zu überhöhten Marktpreisen.
"Jetzt ist mehr als sicher: Der deutsche Verbraucher muss erheblich
für die Marktkonzentration zahlen", so Dr. Alfred Richmann.
Der VIK ist seit über 50 Jahren die Interessenvertretung von
energieintensiven Unternehmen aller Branchen, wie etwa Aluminium,
Chemie, Glas, Papier, Stahl oder Zement. Er berät seine Mitglieder
in allen Energie- und umweltrelevanten Energiefragen. Im VIK haben sich
80 Prozent des industriellen Energieeinsatzes und rund 90 Prozent der
versorgerunabhängigen Stromerzeugung in Deutschland
zusammengeschlossen.
(Quelle: ots)
Deutschland
Umweltminister Gabriel kündigt 3-Milliarden-Klimaprogramm an
Fr.27.04.07 - Mit einem drei Milliarden Euro teuren Acht-Punkte- Plan will die
Bundesregierung den Klimaschutz vorantreiben. Durch Verringerung des
Strom- und Spritverbrauchs und Ausbau erneuerbarer Energien auch zum
Heizen und für Kühlanlagen sollen bis 2020 rund 270 Millionen
Tonnen schädliche Treibhausgase eingespart werden.
Das kündigte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) am
Donnerstag in seiner Regierungserklärung im Bundestag an.
Über die 3 Milliarden Euro Mehrkosten bis zum Jahr 2010 müsse
noch in diesem Jahr bei den Haushalts-Beratungen entschieden werden.
«So muss die Wärmenutzung aus erneuerbaren Energien massiv
aufgestockt werden», sagte Gabriel. Die Rede sei im Vorfeld des
G8-Klimagipfels von Heiligendamm mit Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU) und in der gesamten Regierung abgestimmt. Sie wurde von FDP,
Linken und Grünen heftig attackiert.
Nach Angaben von Gabriel ist nicht mehr auszuschließen, dass
über eine Senkung der Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf den
ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent auch die Bahntickets
für Fernreisen billiger werden. Dies kündigte der Minister
außerhalb der Debatte als seinen Vorschlag an. Der
CDU-Finanzpolitiker Otto Bernhardt lehnt ihn aber ab. Es gehe um einige
100 Millionen Euro, sagte er dem Berliner «Tagesspiegel»
(Freitag). Wenn man allen Begehrlichkeiten für Rabatte bei der
Mehrwertsteuer nachgebe, müsse «am Ende der reguläre
Satz (von 19 Prozent) erhöht werden».
Laut Umweltminister prüft die Bundesregierung jedoch bereits
seinen Vorschlag. Die Steuer von 7 Prozent gilt bereits im Nahverkehr
(bis 50 Kilometer). «Die Bahn ist der klimafreundlichste
Verkehrsträger.» Sie sei aber im Vergleich zum Flug- und
Autoverkehr durch die volle Mehrwert- und Stromsteuer benachteiligt.
Bahnchef Hartmut Mehdorn sagte, das Unternehmen würde eine solche
steuerliche Entlastung «im vollen Umfang an die Kunden
weitergeben.» Die DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert sagte dem
Radiosender MDR Info, aus finanzwirtschaftlicher Sicht sei Gabriels
Vorschlag kaum umsetzbar. Sie forderte eine Besteuerung von Flugbenzin.
In der EU wird über eine Abgabe auf Flugtickets und eine
Flugbenzin-Steuer diskutiert.
Die Klimaschutzziele bedeuten nach den Worten Gabriels nichts weniger
als einen «grundlegenden Umbau der Industriegesellschaft».
Laut Regierungserklärung muss Deutschland als Beitrag zur
Abwendung einer Klimakatastrophe seine Kohlendioxid-Emissionen bis 2020
um 40 Prozent reduzieren. Das Maßnahmenpaket sei «sehr
ehrgeizig, aber machbar». Dazu sollen auch die Verbesserung der
Automotoren, eine Steigerung des Biospritanteils am Kraftstoff auf 17
Prozent und der Einsatz effizienterer Gebäudeheizungen und
Kraftwerke beitragen. Um 40 Millionen Tonnen seien andere Treibhausgase
wie Methan abzubauen.
Auch die Unions-Fraktion kündigte mehr Energieeffizienz an. Eine
Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes sei ohne Atomenergie nicht
möglich, sagte Fraktionsvize Katherina Reiche (CDU). Zudem
müsse das Förderprogramm zur Gebäudesanierung nach 2009
weitergehen und die Kennzeichnung für Haushaltsgeräte
verbessert werden. Für die nächste Emissionshandels-Periode
von 2008 an schlug sie vor, 10 Prozent der Zertifikate entsprechend
EU-Recht zu versteigern und nur den Rest den Unternehmen kostenlos
zuzuteilen. Gabriel will aus Gründen der Versorgungssicherheit an
modernisierten Braunkohle-Kraftwerken festhalten.
FDP, Grüne und Linke monierten das Festhalten an der
gesundheitsschädlichen Braunkohle. Die FDP fordert stattdessen
eine Verlängerung der Atommeiler-Laufzeiten. Eine
Bundestagsmehrheit lehnte Anträge von Grünen und Linken
für ein Tempolimit von 120 beziehungsweise 130 Stundenkilometer
ab. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte: «Wir
können und dürfen weder Wirtschaft noch Verbrauchern
suggerieren, dass man so weiterleben könnte wie bisher.»
Linksfraktionschef Gregor Gysi mahnte mehr Gütertransport auf der
Schiene an und kritisierte die Bahn-Privatisierung. Die FDP monierte,
es fehle ein Konzept für die Exportförderung von Solartechnik.
Die Reaktion der Umweltverbände reicht von einer
Begrüßung der Regierungsziele bis zur Verurteilung
«absolut unzureichender» Maßnahmen. Der
CDU-Wirtschaftsrat kritisierte eine «nicht akzeptable Einengung
des Energiemixes». Industriepräsident Jürgen Thumann
nahm das 40-Prozent-Ziel bei der CO2-Verringerung bis 2020 «mit
großem Interesse zur Kenntnis».
(Quelle: dpa)
'Reizklima' in der großen Koalition
Fr.27.04.07 - Die Stimmung in der großen Koalition bleibt gereizt. Vizekanzler
Franz Müntefering (SPD) mahnte eine «klare Führung an
der Spitze» der Union an. SPD-Chef Kurt Beck wollte nicht von
einer Krise sprechen, warnte aber erneut vor ernsten Folgen, sollte die
Union die Erbschaftsteuerreform in Frage stellen: Dann «wäre
wirklich die Basis zerstört». Der CSU-Vorsitzende Edmund
Stoiber und andere Unionspolitiker machten die SPD und ihre
Verunsicherung durch die schlechten Umfragewerte für den Zank
verantwortlich.
Beck versicherte, er sei nicht auf dem «Kriegspfad».
Zwischen ihm und Bundeskanzlerin Angela Merkel gebe es ein
«ordentliches Verhältnis». Es gebe aber andere
Unionspolitiker von Gewicht, die versuchten, «auf dem Buckel des
Koalitionspartners» zu spielen.
«Niemand hat generell Koalitionsbeschlüsse in Frage
gestellt», betonte Wirtschaftsminister Michael Glos. Beck
erscheine ihm nervös. «Diese Koalition wird halten bis zum
Ende der Legislaturperiode. Es gibt dazu keine Alternative»,
betonte der CSU-Politiker. Zwischen Union und SPD gebe es einen
künstlichen Streit, weil es keine echten Probleme gebe.
Zu Unternehmens- und Erbschaftsteuer seien in der vergangenen Woche
Botschaften aus der Union gekommen, die man nicht akzeptieren
könne, sagte Müntefering: «Ich wünsche mir da eine
klare Führung an der Spitze.» Der Arbeitsminister betonte den
Willen zur Einigkeit. «Die Koalition geht bis 2009. Aber wir
müssen schon besser werden als in den letzten Wochen. Das ist ganz
klar».
Auch SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler forderte von der Kanzlerin und
CDU-Vorsitzenden ein Machtwort. Er habe «nicht den Eindruck, dass
Frau Merkel ihre Leute im Griff hat». Den Zank wertete er als
Zeichen für größer werdende Risse zwischen den
Koalitionspartnern: «Das Gemeinsame wird kleiner, das Trennende
größer.» Dennoch seien sie verurteilt, Kompromisse zu
finden. Das führe zu dem derzeitigen «Reizklima».
«Die Union muss sich jetzt in vielen Bereichen sortieren»,
forderte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil. Auf vielen Feldern
mangele es an Klarheit. «Das kann man in Oppositionszeiten so
machen. Aber die Union regiert.»
Stoiber forderte seinerseits die SPD auf, ihre Regierungsfähigkeit
unter Beweis zu stellen. Sie sei tief verunsichert durch schlechte
Umfragen und müsse jetzt beweisen, «dass sie weiter
handlungs- und kompromissfähig bleibt». Er sehe die Koalition
aber «trotz des verbalen Schlagabtauschs in keiner Krise»,
sagte der CSU-Chef.
Die Koalition halte sicher bis 2009, meinte auch
CSU-Generalsekretär Markus Söder: «Wer sich jetzt
davonmacht, der würde von den Wählern abgestraft.»
Söder bescheinigte der SPD eine «tiefe
Identitätskrise». Sie reagiere «wie ein trotziges Kind,
das durch Aufstampfen mit dem Fuß seinen Willen haben
möchte».
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla bezeichnete die scharfe Kritik
von SPD-Spitzenpolitikern als «durchsichtiges Manöver»:
«Immer, wenn die SPD-Fraktion nach Sitzungspausen wider
zusammenkommt, stimmen Struck und Beck das Kriegsgeheul an.»
(Quelle: ap)
Konsumklima erneut verbessert - Konjunktureuphorie
Fr.27.04.07 - Mit dem kräftigen Aufschwung und der Aussicht auf steigende
Einkommen sitzt das Geld bei den deutschen Verbrauchern wieder lockerer.
Das GfK-Konsumklima für Mai kletterte unerwartet deutlich auf 5,5
Punkte von 4,4 im April, wie die Gesellschaft für Konsumforschung
(GfK) am Donnerstag mitteilte. Die Zuversicht der Verbraucher in die
Konjunktur erreichte einen Rekordwert. Gleichzeitig schraubten sie ihre
Einkommenserwartungen auf ein Sechs-Jahres-Hoch. Auch die
Kaufbereitschaft nahm zu. "Die Ampeln für den Konsum stehen auf
grün", sagte der GfK-Vorstandsvorsitzende Klaus Wübbenhorst.
Die 2000 Befragten äußerten sich so optimistisch zur
Konjunktur wie noch nie seit Beginn der Umfrage 1980. Der entsprechende
Indikator kletterte von 53,1 auf 61,0 Punkte. "Der Konjunktureuphorie
der Bundesdeutschen sind momentan offenbar keine Grenzen gesetzt",
hieß es. Die deutlichen Hinweise für einen kräftigen
Aufschwung kämen zunehmend bei den Verbrauchern an. Bundesregierung
und Wirtschaftsforschungsinstitute sagen einen länger andauernden
Aufschwung und bis 2008 gut eine Million Arbeitslose weniger voraus.
Optimistisch sind auch die Unternehmen: Der
Ifo-Geschäftsklimaindex lag im April nahe seinem 16-Jahres-Hoch.
Die bessere Lage am Arbeitsmarkt lässt die Deutschen auf ein Ende
der jahrelangen Lohnzurückhaltung und steigende Einkommen hoffen.
Der Indikator für die Einkommenserwartung stieg von 15,9 auf 29,6
Zähler, den höchsten Stand seit sechs Jahren. Die IG Chemie
setzte eine Lohnsteigerung von 3,6 Prozent durch. Die IG Metall fordert
für die 3,4 Millionen Beschäftigten in der Metall- und
Elektroindustrie 6,5 Prozent mehr.
Im Sog der guten Konjunktur- und Einkommensstimmung nahm die
Bereitschaft zu größeren Anschaffungen zum zweiten Mal in
Folge zu. Der Indikator für die Kaufbereitschaft kletterte von
minus 12,3 auf minus 6,5 Punkte. Dazu habe beigetragen, dass die
höhere Mehrwertsteuer die Verbraucherpreise nicht so stark wie
befürchtet verteuert habe. "Das Thema Mehrwertsteuererhöhung
spielt offenbar in den Überlegungen der Konsumenten zusehends eine
untergeordnete Rolle", hieß es bei der GfK.
Wegen des zunehmenden Optimismus der Verbraucher rechnen Experten
damit, dass der Konsum eine wichtige Konjunkturstütze wird. "Der
Konsum schwenkt nach der Delle zu Jahresbeginn wieder auf einen
Wachstumskurs ein", sagte Andreas Scheuerle von der DekaBank. "Er wird
zunehmend zur Säule des Aufschwungs, der damit immer mehr an Breite
gewinnt."
(Quelle: rtr)
IG Metall ruft zu Warnstreiks in der Metallindustrie auf
Fr.27.04.07 - Die IG Metall will einen Tarifabschluss in der Metall- und
Elektroindustrie mit Warnstreiks erzwingen.
Ihr Verhandlungsleiter in Nordrhein- Westfalen, Detlef Wetzel, sagte,
er sehe während der Friedenspflicht keine Chance mehr auf eine
Einigung. Deshalb wolle die Gewerkschaft bereits in der kommenden Woche
mit "flächendeckenden Warnstreiks" beginnen. Die vierte
Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern war zuvor ohne greifbare
Ergebnisse zu Ende gegangen. Die Arbeitgeber hatten entgegen den
Forderungen der Gewerkschaft kein neues Angebot vorgelegt und die
Gewerkschaft aufgefordert, sie solle sich bewegen. Wetzel sagte, er
erwarte nun auch bei der Verhandlungsrunde in Baden-Württemberg am
Nachmittag keinen Durchbruch mehr.
Bereits in der Nacht zum Sonntag würden in dem Tarifbezirk die
ersten Warnstreiks bei DaimlerChrysler in Düsseldorf beginnen,
kündigte Wetzel an. Er erwarte für die erste Warnstreikwelle
insgesamt bis zu 100.000 Teilnehmer. In 250 Betrieben solle zu
Ausständen aufgerufen werden. Auch die Arbeitgeber gehen nach den
Worten ihres Verhandlungsleiters Horst-Werner Maier-Hunke nun davon aus,
dass es Warnstreiks geben wird.
Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Lohn. Die Arbeitgeber haben
bislang 2,5 Prozent und einen Konjunkturbonus von 0,5 Prozent angeboten.
Wetzel sagte, es bestehe nach wie vor eine große Diskrepanz
zwischen der Offerte der Arbeitgeber und den Erwartungen der IG Metall.
"Die Arbeitgeber sind noch nicht in der Realität angekommen",
betonte er. Dem wolle die Gewerkschaft mit den Warnstreiks abhelfen. Es
bestehe keine Aussicht mehr auf eine Einigung während der
Friedenspflicht, die am 28. April abläuft.
Wetzel entschied sich, erst gar nicht an den Verhandlungen für den
Tarifbezirk Baden-Württemberg am Nachmittag teilzunehmen.
Maier-Hunke brach indes dorthin auf. Auch er zeigte sich indes
skeptisch, ob es dort zu einer Einigung in letzter Minute kommen
könnte. "Die IG Metall hat sich nicht bewegt", betonte er. Die
Gewerkschaft brauche offenbar Warnstreiks.
Am Donnerstagnachmittag wollten beide Seiten ihre Gespräche in
Baden- Württemberg aufnehmen. Auch der Vehandlungsführer der
Arbeitgeber für Baden-Württemberg, Jan Stefan Roell, war in
Gelsenkirchen anwesend.
Sollte es bis Mitte Mai zu keiner Einigung kommen, droht der Branche
zudem ein umfassender Arbeitskampf. Wetzel drohte, dann werde die
Gewerkschaft zu einer Urabstimmung aufrufen: "Dann ist die Messe
gelesen."
(Quelle: rtr)
SPD nennt Mindeststundenlohn von etwa 6,50 Euro
Fr.27.04.07 - Im Streit über Niedriglöhne hat die SPD einen Stundenlohn von
etwa 6,50 Euro als Untergrenze zur Sittenwidrigkeit ins Gespräch
gebracht.
Bei den Verhandlungen von Union und SPD habe Arbeitsminister Franz
Müntefering vorgeschlagen, als unterste Schwelle das
Arbeitslosengeld II plus 25 Prozent festzulegen, hieß es am
Donnerstag aus der Koalition. Dies laufe auf einen Stundenlohn von etwa
6,50 Euro für Alleinstehende hinaus. Die SPD wolle dies bei der
geplanten Definition der Sittenwidrigkeit als Untergrenze festlegen.
Die Union lehnte dies entschieden ab. In der Praxis hieße dies,
dass der Staat in einigen Branchen die Verdoppelung der Tariflöhne
vorschreiben würde, sagte CDU-Arbeitsmarktexperte Ralf Brauksiepe
der Agentur Reuters.
Die Koalition will im Gesetz klarstellen, dass ein Lohn von weniger als
zwei Dritteln der ortsüblichen Bezahlung sittenwidrig ist. Auch die
Union denkt nach Worten Brauksiepes zusätzlich an eine
Untergrenze, da es einen Unterschied mache, "ob ich ein Drittel weniger
zulasse von einem Tariflohn von zwölf Euro oder von 3,18 Euro". Die
SPD-Vorstellungen gingen aber zu weit. "Zwischen diesen beiden Extremen
müsste man sich aufeinander zubewegen", sagte Brauksiepe.
Nach über einem halben Jahr der Verhandlungen schloss die
Koalitionsarbeitsgruppe unter Müntefering am Mittwochabend ihre
Gespräche ab. Weder beim von der SPD verlangten Mindestlohn noch
bei der Einschränkung der Zuverdienst-Freibeträge für
Hartz-IV-Bezieher gab es laut Teilnehmern eine inhaltliche
Annäherung. Die unterschiedlichen Positionen dazu würden im
Abschlussbericht gegenübergestellt. Den Bericht will
Müntefering dem Kabinett vorlegen. "Und dann wird das Kabinett
entscheiden, ob ich einen Arbeitsauftrag bekomme für ein Gesetz
oder ob der Koalitionsausschuss das noch einmal klärt", sagte er im
ZDF. Die Koalitionsspitzen tagen am 14. Mai.
Mit Blick auf eine Ausweitung des Entsendegesetzes für
Brachenmindestlöhne will die Koalition einen Stichtag festlegen,
bis zu dem alle Branchen auf eigenen Wunsch die Voraussetzungen
dafür schaffen können. Jeder Branche stehe dies
grundsätzlich frei, "wenn Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter
soziale Verwerfungen durch Entsendearbeitnehmer sehen", sagte
Brauksiepe. "Die Tarifparteien in der Branche müssen das aber
wollen." Bis zu einem bestimmten Stichtag, der noch offen sei,
müssten die Branchen dann Mindestlohnverträge
abschließen.
Im Hauptstreitpunkt, wie diese tariflichen Mindestlöhne für
alle verbindlich erklärt würden, gab es aber keine
Annäherung. Die Union macht dies von der Zustimmung des von
Gewerkschaften und Arbeitgebern besetzten Tarifausschusses
abhängig, während die SPD eine Verordnung der Bundesregierung
für ausreichend hält. Auch für die Zeitarbeitsbranche, in
der zwei der drei Arbeitgeberverbände die Aufnahme in das
Entsendegesetz wollen, gibt es noch keine Einigung. "Dazu ist noch keine
Lösung vereinbart", sagte Brauksiepe. Die Union lehnt
größtenteils die Aufnahme der Zeitarbeit in das
Entsendegesetz ab.
Müntefering sprach von leichter Annäherung. "Wir haben eine
Einigkeit, dass alle Branchen in das Arbeitehmerentsendegesetz kommen
können", sagte er am Rande einer Bundestagssitzung. "Das ist sicher
eine gute Entwicklung. Was den eigentlichen Mindestlohn angeht, da
gibt's noch keine Einvernehmlichkeit." Eine Untergrenze sei unstreitig.
"Die Frage ist, wo soll sie sein. Das wird man in den nächsten 14
Tagen sehen", sagte er.
Brauksiepe äußerte sich "sehr enttäuscht", dass wieder
keine Entscheidung über neue Regeln für die Zuverdienste von
Beziehern von Arbeitslosengeld II getroffen wurde. Die Union will, dass
die ersten 400 Euro Zuerwerb bis auf einen Sockelbetrag von 40 Euro voll
auf das Arbeitslosengeld II angerechnet werden. Zwischen 400 und 800
Euro soll jeder zweite Euro in der Tasche der Zuverdiener bleiben. Die
SPD hat Vorbehalte und will Einkommen zwischen 800 und 1300 Euro
bezuschussen, um die Kleinverdiener aus dem Arbeitslosengeld II
herauszuhalten.
Brauksiepe hielt eine Einigung in den Streitpunkten weiter für
möglich. "Das erfordert von beiden Seiten die Kraft zum
Kompromiss", sagte der CDU-Politiker. Die SPD müsse sich
entscheiden, ob sie dazu bereit sei oder die Verhandlungen aus
wahltaktischen Gründen scheitern lassen wolle.
Die Arbeitsgruppe unter Leitung von Müntefering und
Kanzleramtschef Thomas de Maiziere (CDU) hatte seit Herbst um neue
Regeln für den Niedriglohnsektor gerungen. Einigen konnten sich die
Koalitionspartner bereits vor Wochen nur auf einen neuen Kombilohn
für unter 25-Jährige und auf einen staatlich finanzierten
dritten Stellenmarkt für Langzeitarbeitslose, die auf Jahre hinaus
keine Aussicht auf eine Anstellung haben.
(Quelle: rtr)
Soldaten sind mit ihrem Beruf zunehmend unzufrieden
Fr.27.04.07 - Unter den Bundeswehrsoldaten wächst die Unzufriedenheit mit ihrem
Beruf. Nur knapp die Hälfte der Berufssoldaten (43,6 Prozent)
würde diesen Job heute noch einmal ergreifen. Das geht aus einer
Umfrage hervor, die der Bundeswehrverband am Donnerstag in Berlin
vorstellte. «Die Politik muss erkennen, dass es so nicht
weitergeht», sagte der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes,
Bernhard Gertz.
Die Ausstattung der Truppe wurde in der Befragung von mehr als jedem
dritten Soldaten kritisiert: 71,6 Prozent der Soldaten, die bereits an
Auslandseinsätzen teilgenommen haben, bezeichneten die materielle
Ausstattung im Einsatz als mittelmäßig, schlecht oder sehr
schlecht. Knapp 40 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass die
landeskundlichen Schulungen zur Vorbereitung eines Einsatzes nicht
ausreichend waren.
Im Inland hätten Unterkunft, Verpflegung und Sanitätsdienst
noch vergleichsweise gut abgeschnitten, erklärte Gertz. «Das
hat mich überrascht.» In den Kasernen würden häufig
vier Soldaten in «vergammelten Buden von 22 Quadratmetern
eingepfercht», berichtete Gertz. Die Unterfinanzierung der
Streitkräfte wirke sich zunehmend negativ auf die Motivation der
Truppe aus. Die Stimmung sei mittlerweile so schlecht, dass die
Mehrheit der Soldaten anderen von der Ergreifung des Berufes abrieten:
Fast drei Viertel der Befragten (73,7 Prozent) würden ihren
Kindern oder anderen ihnen nahe stehenden Personen den Dienst in den
Streitkräften nicht empfehlen.
Ein erschreckend großer Teil der Soldaten fühle sich von der
Politik im Stich gelassen, sagte Gertz. «Ich halte das für
sehr gefährlich.» Die Politik müsse die Bundeswehr
endlich als Großbaustelle wahrnehmen und ihre finanzielle
Ausstattung verbessern, forderte Gertz. Im Kampf um knappe
Haushaltsmittel sei die Armee zuletzt stets zu kurz gekommen.
Bezeichnend dafür sei der Versuch, den Umbau der Bundeswehr von
einer Verteidigungs- in eine Einsatzarmee «ohne einen Pfennig
Anschubfinanzierung» vornehmen zu wollen, erklärte Gertz.
«Wenn bei der finanziellen Ausstattung der Armee nicht rasch und
grundlegend umgesteuert wird, droht die Unzufriedenheit der Soldatinnen
und Soldaten die Auftragserfüllung der Armee massiv zu
beeinträchtigen.»
Die Politiker müssten außerdem die Sinnhaftigkeit von
Auslandseinsätzen besser vermitteln. Bisher gelinge es häufig
nicht einmal, die Soldaten zu überzeugen: 64 Prozent der Befragten
gaben an, dass die Politik den Sinn von Auslandseinsätzen nicht
ausreichend klar macht.
Erstellt wurde die Studie von der Universität Passau. Von Dezember
bis Februar beteiligten sich 45.040 von rund 210.000 Mitgliedern des
Bundeswehrverbandes an der Befragung.
Als Reaktion auf die Studie forderte der verteidigungspolitische
Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Bernd Siebert, eine
verbesserte Finanzausstattung. «Die Bundeswehr braucht motiviertes
Personal, sonst geht ihr der dringend benötigte qualifizierte
Nachwuchs verloren», erklärte der CDU-Abgeordnete. Die
sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Birgit
Homburger, forderte dagegen eine umfassende Strukturreform: Die
Wehrpflicht müsse abgeschafft und Personal abgebaut werden.
(Quelle: ap)
Bundesärztekammer gegen Neuregelung bei Organspenden
Fr.27.04.07 - Die Bundesärztekammer lehnt den Vorschlag des Nationalen
Ethikrates für eine gesetzliche Neuregelung bei Organspenden ab.
«Es müssen Aufklärung und Information über die
Möglichkeit einer Organspende dringend verbessert und ausgeweitet
werden. Gesetzgeberischen Handlungsbedarf gibt es notwendigerweise
nicht», sagte Hans Lilie, Vorsitzender der Ständigen
Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer, der
«Passauer Neuen Presse» (Donnerstag). Der Ethikrat hatte am
Vortag für ein neues Gesetz plädiert, wonach Gestorbenen
Organe entnommen werden dürfen, sofern sie zu Lebzeiten keinen
Widerspruch eingelegt haben. Nach dem Tod sollen Angehörige die
Entnahme verbieten können.
«Schweigen bedeutet an keinem Punkt unserer Rechtsordnung
Zustimmung», wandte Lilie ein. Außerdem sei der Vorschlag
des Ethikrats, Informationen über die Bereitschaft zur Organspende
auf der elektronischen Gesundheitskarte zu speichern, «aus
datenschutzrechtlicher Sicht höchst fragwürdig». Um die
Zahl der Organspender zu erhöhen, sei stattdessen eine bessere
Vernetzung insbesondere kleiner und mittlerer Krankenhäuser mit den
Transplantationszentren nötig.
Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Carola
Reimann, sprach sich unterdes in der «Berliner Zeitung»
(Donnerstag) für eine Speicherung der Spendebereitschaft auf der
Gesundheitskarte aus. Das bisherige Recht bedeute eine zu starke
Belastung für die Angehörigen. Was eigentlich als Ausnahme
gedacht sei, nämlich das Befragen der Angehörigen, entwickele
sich immer mehr zum Normalfall, da sich nur wenige Menschen zur
Lebzeiten mit dem Thema Organspende beschäftigten. «Viele
Angehörige sind mit der Frage, ob ein Organ des Verstorbenen
gespendet werden kann, schlicht überfordert», sagte Reimann.
(Quelle: dpa)