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Irak am tausendfünfunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Bewaffnetes Kommando erschießt bekannte TV-Journalistin in Bagdad
- Seit Einmarsch der US-Truppen im Irak wurden mehr als 150
Journalistinnen und Journalisten getötet. Tote bei Explosion einer
Autobombe in Basra. UN-Generalsekretär Ban fordert vor
Irak-Konferenz Überstützung für Bagdad. Iran nimmt an
Irak-Konferenz teil
Mo.30.04.07 - Ein bewaffnetes Überfall-Kommando hat am Sonntag in Bagdad eine
bekannte Journalistin des staatlichen irakischen Fernsehens erschossen.
Die Journalistin Amal el Muderas sei vor ihrem Haus von mehreren Kugeln
getroffen worden, teilten die Sicherheitsdienste mit. Sie starb demnach
im Krankenhaus an den Folgen ihrer schweren Verletzungen. Seit dem
Einmarsch der US-Truppen im Irak im März 2003 wurden nach Angaben
von Medienorganisationen mehr als 150 Journalistinnen und Journalisten
getötet. Die große Mehrheit von ihnen hatte die irakische
Staatsbürgerschaft.
Bei der Explosion einer Autobombe in der südirakischen Hafenstadt
Basra sind am Sonntagabend mindestens fünf Menschen getötet
und zehn verletzt worden. Zwei weitere Autobomben wurden nach Angaben
der Polizei noch rechtzeitig entdeckt und von Experten entschärft.
In der Gegend des Explosionsortes im Westen von Basra befinden mehrere
Restaurants, in denen häufig Anhänger des radikalen
schiitischen Geistlichen Muktada al Sadr verkehren.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat an die internationale
Staatengemeinschaft appelliert, bei der Irak-Konferenz in dieser Woche
das politische und wirtschaftliche Reformpaket für das Land zu
unterstützen. Dies wäre eine starke Botschaft an das
irakische Volk, die nationale Aussöhnung voranzutreiben, sagte Ban
in einem Interview der Nachrichtenagentur AP.
Ban bezeichnete in dem bereits am Donnerstag in New York geführten
Gespräch die bevorstehende Konferenz im ägyptischen Badeort
Scharm el Scheich als sehr bedeutsam. Sie trage dazu bei, der
irakischen Regierung zu helfen, politisch und wirtschaftlich das Land
zu befrieden. Der UN-Generalsekretär wird die
Irak-Regionalkonferenz am kommenden Donnerstag und Freitag zusammen mit
dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki leiten.
An der Konferenz nehmen alle Nachbarländer des Iraks teil,
darunter auch der Iran. Das bestätigte der iranische
Präsident Mahmud Ahmadinedschad am Sonntag nach Angaben des
irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki. Ahmadinedschad habe
ihn angerufen und mitgeteilt, dass Teheran eine Delegation zu der
Konferenz am Donnerstag und Freitag nach Scharm el Scheich entsenden
werde, erklärte Al-Malikis Büro.
Der iranische Unterhändler Ali Laridschani flog unterdessen zu
politischen Gesprächen nach Bagdad. Wie ein Sprecher des
Außenministeriums in Teheran sagte, soll es bei den Unterredungen
auch um die bevorstehende Regionalkonferenz gehen. Der Iran habe
«einige Fragen zur Tagesordnung».
US-Außenministerin Condoleezza Rice schließt derweil
Gespräche mit Vertretern der iranischen Regierung am Rande der
Irak-Regionalkonferenz nicht aus. Eine solche Begegnung habe für
sie aber keine Priorität, da es bei der Konferenz in Scharm el
Scheich um den Irak gehe, sagte Rice am Sonntag im US-Fernsehen.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 30.04.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshunderteinundsiebzigstenTag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.30.04.06 - Zehntausende Iraker auf der Flucht vor Gewalt +++ Mindestens vierzehn Tote
bei Anschlägen und Übergriffen +++ US-Oberstleutnant wegen
Folter in Abu Ghraib angeklagt +++ Zehntausende fordern in New York ein
Ende des Irak-Kriegs...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0604300.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Demonstrationen gegen US-Angriff in Afghanistan
Mo.30.04.07 - Mehrere hundert Menschen haben am Sonntag im Osten Afghanistans gegen
die Tötung von sechs Zivilisten durch US-geführte
Streitkräfte protestiert.
Die Demonstranten blockierten die wichtigste Zufahrtstraße in die
Hauptstadt der Provinz Nangahar, Dschalalabad. Die Menschen riefen "Tod
für Amerika" uns "Tod für Karsai". Gegner von Präsident
Hamid Karsai kritisieren vor allem dessen als zu eng empfundene
Nähe zum Westen.
Bei dem Angriff am Sonntagmorgen wurden nach US-Angaben vier
Kämpfer der radikal-islamischen Taliban getötet. Dabei seien
auch zwei Frauen in die Schusslinie geraten und ums Leben gekommen. Der
Polizeisprecher der Provinz sagte dagegen, alle sechs Opfer seien
Zivilisten, darunter drei Frauen.
In diesem Jahr sind vor allem bei Taliban-Angriffen hunderte Zivilisten
getötet worden. Zahlreiche Menschen kamen aber auch bei
Einsätzen ausländischer Soldaten ums Leben. Im vergangenen
Monat wurden mehrere Zivilisten getötet, als US-Marineinfanteristen
nach einem Selbstmordanschlag das Feuer in Nangahar eröffneten.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
Libanon-Untersuchungsbericht übt scharfe Kritik an Israels
Ministerpräsident Olmert. Israel bestreitet zusätzliche
Landnahme für Bau von Sperranlage
Mo.30.04.07 - Im Untersuchungsbericht zu politischen und militärischen Fehlern
im Libanon-Krieg wird Medien zufolge trotz scharfer Kritik an Israels
Ministerpräsident Ehud Olmert nicht dessen Rücktritt
gefordert. Der Report, der am Montag vorgelegt werden soll, rüge
die "überstürzte und unkluge" Art, mit der Olmert den Krieg
gegen die Hisbollah im Libanon gestartet habe, berichtete der Sender
Channel 10 am Samstag. In der von dem ehemaligen Richter Elijahu
Winograd geleiteten Untersuchung werde beklagt, dass der Regierungschef
nicht auf mehrere Berater gehört habe, sondern vor allem von
Ex-Militärchef Dan Haluz beeinflusst worden sei. Dennoch werde
nicht ein Rücktritt von Olmert empfohlen.
Die israelische Armee hat bestritten, dass für den Bau der
umstrittenen Sperranlage in der Nähe von Jericho weitere
Landflächen im Westjordanland beschlagnahmt werden sollen. Die
Bauarbeiten in diesem Abschnitt seien beendet, sagte ein Armeesprecher
am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Der entsprechende
Beschlagnahmebefehl sei nur eine Verlängerung des vorherigen aus
dem Jahr 2004. Da es sich bei dem "Sicherheitszaun" um eine
provisorische Anlage handele, müssten die militärischen
Anweisungen zur Beschlagnahme von Land "regelmäßig erneuert"
werden. Die palästinensischen Eigentümer der Ländereien
könnten sich am Montag erneut an die israelischen Behörden
wenden, um "geeignete Entschädigungen" einzufordern.
(Quelle: afp)
Ex-UN-Botschafter Holbrooke: Einseitige Anerkennung des Kosovos
möglich
Mo.30.04.07 - Der ehemalige UN-Botschafter Richard Holbrooke hält für den
Fall eines russischen Vetos eine einseitige Anerkennung der
Unabhängigkeit des Kosovos durch die USA für möglich.
"Sollte Russland sein Veto nutzen, wird es eine
Unabhängigkeitserklärung des Kosovos geben und die USA werden
den Kosovo noch am selben Tag anerkennen", sagte Holbrooke in
Brüssel. Seiner Ansicht nach würden dann auch mehrere
EU-Staaten diesem Vorgehen folgen. "Russland wird die Verantwortung
tragen, wenn die Gewalt eskaliert", sagte Holbrooke.
Der schwedische Außenminister Carl Bildt wies den Vorstoß
Holbrookes zurück und warf ihm vor, "mit dem Feuer zu spielen". Der
UN-Sicherheitsrat will im Mai eine entscheidende Diskussion über
das Kosovo führen. Der UN-Sondergesandte Marti Ahtisaari hatte
eine kontrollierte Unabhängigkeit für die Provinz
vorgeschlagen. Serbien lehnt den Plan für die überwiegend von
Albanern bewohnte Provinz ab und wird dabei von Russland
unterstützt, das einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat hat
und mit einem Veto droht. Die Provinz gehört formell zu Serbien,
steht aber seit 1999 unter UN-Verwaltung.
(Quelle: afp)
Eine Million demonstrieren in Istanbul für säkulare
Türkei
Mo.30.04.07 - Bis zu eine Million Türken haben am Sonntag in Istanbul gegen das
befürchtete Abrutschen ihres Landes in den Islamismus
demonstriert. Die aus dem ganzen Land angereisten Menschen
demonstrierten für die Aufrechterhaltung der Trennung von Religion
und Staat und forderten den Rücktritt der islamisch geprägten
Regierung. Unterdessen spitzte sich der Konflikt zwischen Regierung und
dem einflussreichen Militär im Streit über die
Präsidentenwahl zu.
Justizminister Cemik Cicek wies eine Erklärung des Generalstabs
als inakzeptabel zurück, in der dieser seine Sorge über die
Wahl zum Ausdruck brachte und vor einer Abkehr von der säkularen
Staatsordnung warnte. Regierungskandidat Abdullah Gül hielt an
seiner Bewerbung für das höchste Staatsamt fest. Ein
Rückzug stehe außer Frage, sagte der Außenminister am
Sonntag. Zu der Erklärung der Militärführung, die von
einigen Beobachtern als Ultimatum an die konservativ-religiöse
Regierungspartei AKP gewertet wurde, wollte Gül nicht Stellung
nehmen.
Die Streitkräfte hatten am Freitagabend betont, sie seien
«absolute Verteidiger des Säkularismus». Das
Militär verfolge die Lage mit Sorge und werde seine Ansichten auch
deutlich machen. Die Truppen würden ihre im Gesetz festgelegten
Aufgaben erfüllen. Mit diesem Argument hat das Militär in der
Türkei seit 1960 drei Mal geputscht.
«Das muss als ein offenes Ultimatum bezeichnet werden»,
sagte Oktay Eksi von der Zeitung «Hürriyet».
Justizminister Cicek kritisierte, die Erklärung des Militärs
sei in einer Demokratie nicht akzeptabel. Der Generalstab unterstehe
dem Regierungschef.
Auch EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn forderte die türkischen
Streitkräfte auf, die Präsidentenwahl als demokratischen
Vorgang anzuerkennen. Die Vorsitzende von Bündnis 90/Die
Grünen, Claudia Roth, nannte die Erklärung des Generalstabs
«demokratiefeindlich und brandgefährlich».
«Diese Regierung ist der Feind von Atatürk»,
skandierten Demonstranten in Istanbul mit Bezug auf Mustafa Kemal
Atatürk, den Begründer der weltlichen Staatsordnung der
Türkei. «Die Türkei ist säkular und wird
säkular bleiben», riefen die Teilnehmer, deren Zahl von der
Polizei auf mindestens 300.000 geschätzt wurde. In Medienberichten
war von bis zu einer Million Teilnehmer die Rede.
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan beschimpften die
Demonstranten als Verräter.
Es war bereits der zweite Massenprotest im Zusammenhang mit der Neuwahl
des türkischen Präsidenten. Bereits vor zwei Wochen waren in
Ankara mehr als 300.000 Menschen für eine säkulare
Türkei auf die Straße gegangen. Der unter Druck gesetzte
Erdogan verzichtete schließlich auf eine Kandidatur als
Staatspräsident, die AKP nominierte Außenminister Gül.
Kritiker fürchten jedoch auch bei einer Wahl Güls, dass die
weltliche Ordnung geschwächt werden könnte.
Gül verfehlte bei der ersten Abstimmungsrunde im Parlament am
Freitag die notwendige Zweidrittelmehrheit für die Wahl zum
Staatschef. Die Opposition hatte die Wahl boykottiert und beantragte
beim Verfassungsgericht den Stopp des Wahlprozesses. Das Gericht
kündigte an, es werde am (morgigen) Montag über den Antrag
beraten.
(Quelle: ap)
Tausende erweisen Cellisten Rostropowitsch in Moskau die letzte Ehre
Mo.30.04.07 - Tausende Menschen haben dem verstorbenen weltberühmten russischen
Cellisten und Dirigenten Mstislaw Rostropowitsch die letzte Ehre
erwiesen. Etwa 2000 Menschen, unter ihnen Prominente aus dem In- und
Ausland, nahmen am Nachmittag an der Beisetzung auf dem Friedhof des
Moskauer Neujungfrauenklosters teil. Zuvor hatte in der
Christus-Erlöser-Kathedrale im Zentrum von Moskau ein
Trauergottesdienst für den am Freitag Verstorbenen stattgefunden.
Bereits am Samstag waren Tausende in das Moskauer Konservatorium
geströmt, um Abschied von dem dort aufgebahrten legendären
Musiker zu nehmen.
In der russisch-orthodoxen Christus-Erlöser-Kathedrale, einem
strahlend weißen Gebäude mit golden blinkenden
Zwiebeltürmen, beugte sich Rostropowitschs Witwe, die gefeierte
Sängerin Galina Wischnewskaja, über den Sarg, streichelte dem
Verstorbenen über den Kopf und küsste ihn ein letztes Mal. Zu
den Gästen des Trauergottesdienstes gehörten die spanische
Königin Sofia, der Geiger Maxim Wengerow und Ilham Alijew, der
Präsident der früheren Sowjetrepublik Aserbaidschan, wo
Rostropowitsch 1927 geboren wurde.
Am Samstag hatte Präsdent Wladimir Putin Rostropowitsch die letzte
Ehre erwiesen. Am Sarg des Musikers im Moskauer Konservatorium legte er
dunkelrote Rosen ab und sprach Rostropowitschs Witwe sein Beileid aus.
Unter denjenigen, die sich im Konservatorium in das Kondolenzbuch
eintrugen, waren auch der stellvertretende Präsident des
russischen Unterhauses, Ljubow Sliska, und der Menschenrechtsaktivist
Juri Samodurow.
Auf dem Friedhof einer aus dem 16. Jahrhundert stammenden
Klosteranlage, Rostropowitschs letzter Ruhestätte, ist auch der am
vergangenen Montag gestorbene erste russische Präsident Boris
Jelzin begraben.
Rostropowitsch wurde am 27. März 1927 in Baku in eine Familie von
Musikern geboren. Sein erstes Konzert gab er im Alter von 13 Jahren.
Der als einer der besten Cellisten aller Zeiten geltende Musiker
engagierte sich zeitlebens auch politisch: Anfang der 70er Jahre geriet
Rostropowitsch mit den Sowjet-Behörden in Konflikt, als er in
einem Brief an die Parteizeitung "Prawda" den oppositionellen Autor und
Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn unterstützte. 1974
reiste er mit seiner Frau und den beiden Töchtern in die USA aus.
Die Versöhnung mit dem Heimatland erfolgte erst nach dem Fall der
Mauer 1989. Der Musiker reiste damals spontan nach Berlin. Vor den
Trümmern der Mauer gab er am Checkpoint Charlie ein Konzert und
spielte Suiten von Bach. 1990 wurde Rostropowitsch offiziell
rehabilitiert. 1991 stellte er sich beim Putschversuch gegen Jelzin
hinter den Präsidenten.
(Quelle: afp)
FDP-Vorsitzender Westerwelle: EU muss Raketenstationierung stoppen
Mo.30.04.07 - Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle hat Bundeskanzlerin Angela Merkel
aufgefordert, als amtierende EU-Ratspräsidentin die geplante
US-Raketenabwehr zu stoppen. «Europa sollte in der neuen
Raketenfrage zu einem Scharnier der Vernunft werden, aber das erfordert
vor allem, dass die deutsche EU-Ratspräsidentschaft die geplante
Raketenstationierung in Ost- und Mitteleuropa nicht nur auf die
Tagesordnung der NATO, sondern endlich auch auf die Agenda der
Europäischen Union setzt», sagte Westerwelle der
«Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» zufolge.
Westerwelle erklärte, der «erschreckend plötzliche
Klimawandel» zwischen Russland, Amerika und Europa mahne zu einer
«Rückbesinnung auf ähnliche Wege wie bei der
KSZE». Denn mit Hilfe der Konferenz für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa sei vor drei Jahrzehnten die
Rüstungsspirale des Kalten Krieges durchbrochen worden.
Der FDP-Politiker forderte die USA auf, die noch in Deutschland
lagernden 150 taktischen Atomwaffen abzuziehen als ersten Schritt
für eine neue Abrüstungsinitiative.
(Quelle: ap)
Atomkraftgegner und G8-Kritiker protestieren in Heiligendamm
Mo.30.04.07 - Rund 250 Atomkraftgegner haben gemeinsam mit G8-Kritikern am Sonntag in
Heiligendamm gegen die Energiepolitik der führenden
Wirtschaftsländer der Welt protestiert. Zum Jahrestag der
Tschernobyl-Katastrophe warnten Teilnehmer vor dem «unstillbaren
Hunger nach Energie», der Umwelt- und Lebensbedingungen
zerstöre. Die Demonstration wurde von einem Großaufgebot der
Polizei begleitet.
Der Protestzug richte sich vor allem gegen die Atompolitik und das
Streben nach Wirtschaftswachstum der G8-Länder, sagte ein Sprecher
der Initiatoren. An der Demonstration beteiligten sich
Anti-Atom-Initiativen aus dem Wendland, Berlin und Hamburg sowie
Gruppen des Anti-G8-Bündnisses.
Am 26. April 1986 war es in dem ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl
während eines Probelaufs zum größten anzunehmenden
Unfall (GAU) gekommen. Die Explosion setzte 200 Mal mehr
Radioaktivität frei als die beiden Atombomben auf Hiroshima und
Nagasaki. 162 000 Quadratkilometer wurden atomar verseucht, 345 000
Menschen in der Ukraine, Weißrussland und Russland mussten
umgesiedelt werden, Zehntausende starben in den folgenden Jahrzehnten.
Der Unfall gilt als die größte Katastrophe in der Geschichte
der zivilen Nutzung der Atomenergie.
(Quelle: ddp)
Beck strebt nach SPD-Kanzlerkandidatur
Mo.30.04.07 - SPD-Chef Kurt Beck hat seine Bereitschaft signalisiert, 2009 als
Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) anzutreten. Bei der
Kanzlerkandidatur habe «immer der Vorsitzende das erste
Wort», sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident
am Wochenende und fügte hinzu: «Ich weiß, was ich
will.»
Seine Entscheidung werde er zum richtigen Zeitpunkt mitteilen.
Parteiintern wird damit gerechnet, dass bereits auf dem
SPD-Bundesparteitag Ende Oktober in Hamburg eine Vorentscheidung
über die SPD-Spitzenkandidatur fällt.
Die SPD wolle bei der nächsten Bundestagswahl stärkste Partei
werden und den Kanzler stellen, sagte Beck der «Bild am
Sonntag». «Dieses Ziel halte ich für
erreichbar.» Die gegenwärtig schwachen Umfragewerte für
die SPD irritierten ihn nicht. Die Meinungsforscher hätten schon
oft gewaltig daneben gelegen. Er vertraue seiner Partei. Dort habe er
«absoluten Rückhalt». Zu kritischen Medienberichten
über seine Arbeit als SPD-Chef sagte er, manche würden sich
noch wundern, «was der Beck alles aushält».
«Ganz klar der SPD-Spielführer» ist Beck auch für
Vizekanzler Franz Müntefering. «Wir haben eine gute
Zusammenarbeit entwickelt», sagte der SPD-Arbeitsminister dem
Nachrichtenmagazin «Focus» und widersprach damit Berichten
über offene Spannungen zwischen ihm und dem Parteichef.
«Kurt Beck bewegt sich souverän auf dem komplizierten
bundespolitischen Feld. Er kennt das vom Bundesrat her, aber jetzt ist
die ganze Partei dazugekommen. Er hat schnell das Gesamtfeld von
Politik in den Blick und in den Griff bekommen.» Dass es in
Einzelpunkten manchmal unterschiedliche Meinungen gebe, sei nicht
schlimm, betonte Müntefering. «Eine Mannschaft muss die
ganze Breite des Spielfeldes nutzen. Die Vorstöße
müssen mal über links und mal über rechts laufen.»
Becks Vorschlag, die Zahl der stellvertretenden SPD-Chefs zu
verringern, findet die Zustimmung wichtiger Landesvorsitzender.
Niedersachsens SPD-Landeschef Garrelt Duin sagte dem
«Focus», er finde dies «total richtig». Die
Stellvertreter spielten im Moment «eine sehr untergeordnete
Rolle». Die SPD brauche «Leute mit Generalkompetenz - auch
zur Entlastung des Vorsitzenden». Die baden-
württembergische SPD-Landesvorsitzende, Ute Vogt, die zur Zeit
selbst SPD-Vize ist, erklärte: «Ich bin für zwei,
maximal drei Stellvertreter. Dann hat jeder eine höhere
Schlagkraft als einer unter fünf.» Widerspruch kam aus
Bayern: «Durch die jetzige Zahl wird die ganze Breite der Partei
abgebildet», meinte SPD-Landeschef Ludwig Stiegler. Der
SPD-Bundesvorstand will im Mai über eine Verringerung der
Vize-Posten entscheiden. Im Juni sollen dafür die Bewerber
nominiert werden.
(Quelle: dpa)
DGB will Druck auf Bundes-SPD erhöhen
Mo.30.04.07 - Kurz vor den traditionellen Kundgebungen zum 1. Mai nehmen die
Spannungen zwischen den Gewerkschaften und der Bundes-SPD zu. Bayerns
DGB-Chef Fritz Schösser kündigte am Sonntag einen
erhöhten Druck auf die Sozialdemokraten an. Der Chef der
bayerischen SPD-Landesgruppe im Bundestag, Florian Pronold, forderte
dagegen ein Ende der Attacken auf seine Partei.
Schösser kritisierte, die Interessen der Arbeitnehmer würden
in der großen Koalition zu wenig berücksichtigt. Stattdessen
achte die SPD zu sehr auf die Wünsche der Unternehmen. Notwendig
sei nun ein «Politikwechsel».
Bayerns SPD-Chef Ludwig Stiegler bemühte sich, die Wogen zu
glätten. Er verwies am Samstag auf einem kleinen Parteitag der
bayerischen SPD in Nürnberg auf «die historische
Gemeinschaft» mit den Gewerkschaften, die auch punktuelle
Meinungsverschiedenheiten nicht gefährden könnten. Nur die SPD
sei die Hüterin von Tarifautonomie, Mitbestimmung und
Betriebsverfassung.
Schösser verteidigte die Ausladung von Pronold und drei weiteren
SPD-Bundestagsabgeordneten durch den bayerischen DGB als Hauptredner bei
1.-Mai-Kundgebungen. Er sagte: «Der Tag der Arbeit ist nicht dazu
da, dass Politiker ihre Entschuldigungen vortragen, was im letzten Jahr
alles nicht ging.» Im Übrigen weise die SPD zwar immer die
Verantwortung für umstrittene Reformentscheidungen der Union zu.
Mit Blick auf den Bundesarbeitsminister sagte Schlösser jedoch:
«Aber die Frage ist tatsächlich: Wie viel CDU steckt im
Augenblick schon in Franz Müntefering selbst?»
Pronold versicherte dagegen, dass sich die SPD in der großen
Koalition für Arbeitnehmer-Interessen einsetze. Bei den
Verhandlungen mit der Union müsse man aber auch zu Kompromissen
bereit sein. Eine Bedingung der SPD für den Gang in die große
Koalition sei schließlich gewesen, den Kündigungsschutz und
die Tarifautonomie zu erhalten. Damit habe man die Pläne von Union
und FDP in diesem Bereich verhindern können.
«Ich würde jetzt viel Applaus kriegen bei einer
1.-Mai-Kundgebung, wenn ich Merkel und Westerwelle aus der Opposition
heraus dafür kritisieren könnte, dass sie all diese
Schweinereien gegen die Arbeitnehmer machen», sagte Pronold. Aber
nur als Regierungspartei könne die SPD gestalten.
In der aktuellen Diskussion um Mindestlöhne mahnte Schösser
ein konsequentes Eintreten der SPD für deren Einführung an.
Die Gewerkschaften könnten im Übrigen durchaus verstehen,
«dass eine Regierungspartei Kompromisse machen muss».
Schösser fügte hinzu: «Wir verlangen ja nicht von der
SPD, dass sie eins zu eins Positionen für Arbeitnehmer umsetzt.
Aber wir wollen auch nicht immer nur Entschuldigungen hören, was
nicht geht.»
Pronold sagte dazu, dass die SPD beim Thema Mindestlohn einen harten
Kurs fahren werde. Ziel bleibe ein einheitlicher gesetzlicher
Mindestlohn von 7,50 Euro. Dies werde zwar «sicherlich
schwer», da sich die Union querstelle. Die SPD sei aber
«wirklich gewillt, etwas gegen Ausbeutung und Lohndumping zu
tun». Dagegen wolle die CSU die Menschen «weiterhin in
moderner Lohnsklaverei halten».
(Quelle: ddp)
Streit um Koordinierungsrat der Muslime
Religionsrechtler: Muslime
und Christen rechtlich gleichstellen
Mo.30.04.07 - Kurz vor Beginn der zweiten Islam-Konferenz in Berlin ist ein Streit um
den rechtlichen Status des neu gegründeten Koordinierungsrates der
Muslime ausgebrochen. Der Experte für Religionsverfassungsrecht,
Christian Walter, sagte, es gebe keinen Grund, dem Koordinationsrat die
juristische Anerkennung als Religionsgemeinschaft zu verweigern. Dem
widersprach der Parlamentarische Geschäftsführer der
Grünen-Fraktion, Volker Beck. Nach Ansicht der
türkischstämmigen Soziologin Necla Kelek repräsentiert
der Koordinierungsrat nicht die Mehrheit der Muslime in Deutschland.
Walter sagte, ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2005 habe
«eindeutig geklärt, dass auch ein Dachverband eine
Religionsgemeinschaft sein kann». Eine solche Gemeinschaft habe
einen «Rechtsanspruch gegen den Staat», betonte der
Rechtsexperte. Der Staat müsse Religionsunterricht einführen,
der den Glaubensgrundsätzen dieser Gemeinschaft entspreche.
Allerdings dürfe ein Dachverband nicht nur koordinieren, sondern
er müsse «einen Beitrag zur Identität in
Glaubensfragen» leisten.
Nach Auffassung des Grünen-Politikers Beck kann sich der
Koordinierungsrat dagegen nicht auf besagtes Urteil stützen. Weder
der Koordinierungsrat noch seine Mitgliedsverbände erfüllten
die Voraussetzung für eine rechtliche Anerkennung als
Religionsgemeinschaft, betonte Beck.
Die Soziologin und Frauenrechtlerin Kelek kritisierte, die vom
Koordinierungsrat begonnene Diskussion über dessen Anerkennung als
Religionsgemeinschaft sei lediglich «eine Scheindebatte, um von
den wirklich wichtigen Fragen zum muslimischen Leben in Deutschland
abzulenken». Diskutiert werden müsse stattdessen auf der
Islam-Konferenz über die Voraussetzungen für den Bau von
Moscheen, über die Möglichkeit eines Kopftuchverbots an
deutschen Schulen oder darüber, ob eine muslimische Frau frei
darüber entscheiden könne, wann und wen sie heiraten
möchte.
Kelek betonte, der Koordinierungsrat sei nicht repräsentativ
für die Mehrheit der Muslime in Deutschland. Er diene vielmehr als
Zusammenschluss von Vereinen, die oft selbst gar keine Mitglieder
hätten. Diese Organisationen seien «bloß
vereinsrechtliche Konstruktionen, um Moscheen unterhalten zu
können», in deren Schatten die Parallelgesellschaft
existiere.
Vor kurzem hatten sich drei deutsche Muslimverbände zum
«Koordinationsrat der Muslime» zusammengeschlossen.
Politiker aus Bund und Ländern äußerten danach Zweifel,
dass dies zu rechtlichen Anerkennung des Islam führen könne.
Wenn am Mittwoch zum zweiten Mal die «Deutsche
Islam-Konferenz» in Berlin tagt, werden die Verbände
erstmals unter dem gemeinsamen Dach auftreten.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) äußerte
sich vor Beginn der Konferenz zuversichtlich. Man müsse alles
«Menschenmögliche» dafür tun, «dass die
Muslime in der demokratischen Ordnung der Bundesrepublik heimisch
werden», sagte Schäuble.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Carl Friedrich von Weizsäcker ist tot
Mo.30.04.07 - Der Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker ist tot.
Er starb nach langer und schwerer Krankheit am Samstag kurz vor Mittag
im Alter von 94 Jahren im bayerischen Starnberg, wie seine Familie
mitteilte. Carl Friedrich von Weizsäcker war der ältere Bruder
des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.
Geboren am 28. Juni 1912, studierte von Weizsäcker ab 1929 Physik
und Mathematik. 1931 promovierte der Schüler von Werner Heisenberg
und Niels Bohr in Leipzig. Seine Forschung auf dem Gebiet der
Kernverschmelzung verschafften ihm bald internationales Ansehen als
Atomphysiker. Damals war er Mitglied des so genannten
«Uranvereins» und hatte, wie er später einräumte,
auch selbst einmal an die Entwicklung einer deutschen Atombombe gedacht.
Nach Hiroshima und Nagasaki konfrontiert mit den Folgen eines
Atombombenabwurfs, wurde nach dem Krieg von Weizsäckers wichtigstes
Anliegen die Kriegsverhütung. Immer wieder wies er öffentlich
auf die Verantwortung des Wissenschaftlers für die Folgen seiner
Arbeit hin.
Von 1946 an arbeitete von Weizsäcker zunächst am
Max-Planck-Institut für Physik in Göttingen. 1957 wurde er
Professor und Direktor des Philosophischen Seminars der Universität
Hamburg. 1970 übernahm der gerne als
«Universalgelehrter» bewunderte von Weizsäcker, der
über die Quantentheorie den Weg zur Philosophie gefunden hatte, die
Leitung des auf seine Anregung hin in Starnberg entstandenen
Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der
technisch-wissenschaftlichen Welt - ein Amt, das er bis 1980 innehatte.
Auch politisch machte von Weizsäcker von sich reden: 1979 lehnte
er die Kandidatur für die Bundespräsidentschaft ab, die ihm
SPD und FDP angetragen hatten. 1983 arbeitete er für den damaligen
SPD-Kanzlerkandidaten Hans-Jochen Vogel elf Thesen zur Friedenspolitik
aus. 1987 ermutigte er die SPD, im Entwurf ihres neuen
Grundsatzprogramms eine «bewusst drastische Steigerung des
Energiepreises» zu berücksichtigen».
Von Weizsäcker war seit 1937 mit der Schweizer Historikerin
Gundalena Wille verheiratet, die im Jahr 2000 starb. Das Paar hatte drei
Söhne und eine Tochter. Für seine Arbeit erhielt der
Wissenschaftler zahllose Auszeichnungen, darunter 1963 den Friedenspreis
des Deutschen Buchhandels, den Heine-Preis (1983) und den
Theodor-Heuss-Preis (1988). 2002 - eine Woche nach seinem 90. Geburtstag
- wurde eine nach ihm benannte Stiftung gegründet, die seine
ethischen und gesellschafts-politischen Anliegen weiterverfolgen und
entsprechende wissenschaftliche Arbeiten fördern soll.
(Quelle: ap)
Weltweit beachteter Forscher-Protest gegen atomare Bewaffnung
Vor wenigen Tagen erst wurde es 50 Jahre alt - das "Manifest der
Göttinger Achtzehn". Einer der Autoren war der nun verstorbene
deutsche Gelehrte Carl Friedrich von Weizsäcker. Er wandte sich
zusammen mit Kollegen wie den Nobelpreisträgern Otto Hahn und
Werner Heisenberg in dem am 12. April 1957 veröffentlichten Appell
gegen eine atomare Bewaffnung Deutschlands. Die Forscher sprachen sich
aber für eine friedliche Nutzung der Atomenergie aus.
In der Erklärung beschrieben die Wissenschaftler vor allem die
verheerende Zerstörungskraft von Atomwaffen: "Heute kann eine
taktische Atombombe eine kleinere Stadt zerstören, eine
Wasserstoffbombe aber einen Landstrich von der Größe des
Ruhrgebiets zeitweilig unbewohnbar machen." Durch die Verbreitung der
Radioaktivität könnte man mit Wasserstoffbomben die deutsche
Bevölkerung "wahrscheinlich ausrotten". In der damaligen Diskussion
war besonders der Hinweis auf die Kraft von "taktischen Atomwaffen"
entscheidend, da der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) diese
zuvor verharmlosend als "Weiterentwicklung der Artillerie" bezeichnet
hatte.
Die Forscher begründeten ihren Appell mit der Verantwortung
für die möglichen Folgen ihrer Tätigkeit als
Wissenschaftler: "Deshalb können wir nicht zu allen politischen
Fragen schweigen." Sie rieten daher der Bundesrepublik,
"ausdrücklich und freiwillig auf den Besitz von Atomwaffen jeder
Art" zu verzichten. Ihre Beteiligung an der Herstellung, der Erprobung
oder dem Einsatz von Atomwaffen lehnten die Nuklearforscher in ihrer
Erklärung ausdrücklich ab.
Quelle: afp, 29.04.2007
Der Uranverein
Diskussion über die Rolle deutscher Physiker beim Bau einer
deutschen Atombombe während der Nazizeit
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/uran_v0.htm
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/n0202080.htm#top
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