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Irak am tausendsechsunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Bericht verweist auf massive Probleme beim Wiederaufbau Iraks. Mehr
als 30 Tote bei Anschlag auf Trauergesellschaft. 25 Tote bei
nächtlichem Anschlag in Basra. Mehr als 100 US-Soldaten im April
im Irak getötet. EU sagt Syrien Unterstützung wegen
Flüchtlingen aus Irak zu
Di.01.05.07 - Der Wiederaufbau des Iraks ist laut einem US-Bericht wegen anhaltender
Gewalt und Korruption auf absehbare Zeit nicht von den Irakern allein zu
bewältigen. Der Wiederaufbau, der bisher bereits fast 400
Milliarden Dollar (293 Milliarden Euro) gekostet hat, sei von
Ungewissheit und Verzögerungen geprägt, heißt es in dem
210-seitigen Bericht des Generalinspekteurs für den Wiederaufbau im
Irak, der am Montag in Washington veröffentlicht werden sollte.
Insbesondere die Sicherheitslage sei prekär. Zwar sei die Zahl der
Anschläge zurückgegangen, doch seien sie inzwischen
verheerender und hätten stärkere Auswirkungen auf das
öffentliche Leben, heißt es in dem Papier. Die Korruption
nehme zu: Betrug und Machtmissbrauch, von dem fast jedes Ministerium
betroffen sei, führten zu jährlichen Verlusten von mehr als
fünf Milliarden Dollar.
Die schwerwiegendsten Verstöße seien in den Ministerien
für Öl, Inneres und Verteidigung registriert worden.
Generalinspekteur Stuart Bowen erklärte, die irakische Regierung
übernehme zwar eine größere finanzielle Last, dennoch
werde die Unterstützung durch die USA auf absehbare Zeit
«relativ robust» bleiben.
Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Trauergesellschaft nördlich
von Bagdad sind am Montag mindestens 32 Menschen getötet worden.
Weitere 63 Menschen wurden nach Angaben der Polizei verletzt. Der
Attentäter sprengte sich während einer Beerdigung in der
überwiegend von Schiiten bewohnten Stadt Chalis in die Luft. Er
zündete den Angaben zufolge die Bombe in einem Zelt, in dem sich
die Trauergesellschaft zusammengefunden hatte.
Nahe der südirakischen Großstadt Basra sind in der Nacht zum
Montag 25 Iraker einem Autobombenanschlag zum Opfer gefallen. Bei einem
Sprengstoffanschlag auf Polizisten in Bagdad wurden vier Menschen
getötet. Der christliche Parlamentsabgeordnete Efraim Abdul Ahad
forderte die Regierung unterdessen auf, den Christen in einem vorwiegend
von Sunniten bewohnten Stadtteil in Süd- Bagdad zu helfen.
Bewaffnete Männer hätten sie bedroht. Ein großer Teil
der rund 850 000 Christen sind inzwischen ausgewandert.
In Mossul kam bei einem Autobombenanschlag ein Polizist ums Leben.
Zuvor hatten in Mossul rund 50 Bewaffnete eine Polizeiwache
überfallen. Bei dem anschließenden Gefecht wurden vier
Angreifer getötet und zwei weitere festgenommen.
Bei Anschlägen in Bagdad sind weitere vier US-Soldaten und ein
irakischer Übersetzer ums Leben gekommen, wie die amerikanischen
Streitkräfte am Montag mitteilten. Damit stieg die Zahl der im
April im Irak getöteten US-Soldaten auf 103 - das ist die bislang
höchste Zahl in diesem Jahr. Im Dezember waren 113 Amerikaner ums
Leben gekommen. Drei Soldaten wurden den Angaben zufolge am Sonntag bei
der Explosion einer am Straßenrand versteckten Bombe getötet.
Der Anschlag kostete auch den irakischen Übersetzer das Leben. Ein
vierter Soldat kam bereits am Samstag bei einer Schießerei im
Osten der irakischen Hauptstadt ums Leben.
Derweil berichtet die "Washington Post", Mitarbeiter des irakischen
Ministerpräsidenten Nuri el Maliki setzten sunnitische Offiziere in
der Armee und bei der Polizei unter Druck. Demnach wurden seit Anfang
März 16 Offiziere entlassen oder festgenommen, die gegen
Schiitenmilizen vorgegangen waren. Allein neun von ihnen seinen Sunniten
gewesen, hieß es in dem Bericht unter Berufung auf
US-Armeevertreter und verschiedene Dokumente. Maliki und sein engeres
Umfeld sind Schiiten.
Zwar gebe es für mehrere Entlassungen offenbar legitime
Gründe, schrieb das Blatt. Allerdings gehörten die Geschassten
zu den fähigeren irakischen Kommandeuren. Irakische und
US-Vertreter seien verärgert über die Entlassungen, da
Malikis Regierung ihrer Ansicht nach eigene Interessen auf Kosten der
Armee verfolge.
Maliki stand dem Bericht zufolge in der Vergangenheit in der Kritik,
weil es irakischen Sicherheitskräften nicht gelingt, die
Mehdi-Armee des radikalen Schiitenpredigers Moktada Sadr in Zaum zu
halten. Das US-Verteidigungsministerium bezeichnete die Mehdi-Armee im
Dezember als die gefährlichste irakische Miliz. Die je nach
Schätzungen 10.000 bis 60.000 Kämpfer sollen hunderte
sunnitische Zivilisten ermordet haben.
Die Europäische Union hat Syrien Unterstützung bei der
Versorgung der in großen Zahlen aus dem Irak ins Land kommenden
Flüchtlinge zugesagt. Er habe mit dem syrischen Präsidenten
Baschar el Assad über die wirtschaftlichen, sozialen und
politischen Auswirkungen des "massiven Flüchtlingsstroms" nach
Syrien gesprochen, sagte EU-Entwicklungskommissar Louis Michel am
Sonntag. Nach dem Vorschlag Michels sollen bei Treffen von Vertretern
Iraks, Syriens und der EU Möglichkeiten der humanitären Hilfe
für die Flüchtlinge diskutiert werden. Nach Angaben des
EU-Kommissars leben in Syrien derzeit bis zu 1,5 Millionen irakische
Flüchtlinge.
(Quellen: dpa, ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 01.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertzweiundsiebzigstenTag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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25 Prozent mehr Terroranschläge weltweit im vorigen Jahr
Di.01.05.07 - Die Zahl der Terroranschläge hat sich im vergangenen Jahr weltweit
gegenüber 2005 um 25 Prozent erhöht, wie aus dem jüngten
Terrorbericht des US-Außenministeriums hervorgeht. Die Zahl der
Todesopfer ist demnach sogar um 40 Prozent gestiegen. Der Bericht lag
der Nachrichtenagentur AP bereits vor seiner offiziellen
Veröffentlichung am Montag vor.
Das US-Außenministerium registrierte im vergangenen Jahr
insgesamt 14.000 Terroranschläge weltweit, die meisten davon im
Irak und in Afghanistan. Mehr als 20.000 Menschen seien den
Anschlägen zum Opfer gefallen. Die Zahl der Anschläge habe
sich gegenüber dem Jahr 2005 um mehr als 3.000 erhöht, die
der Toten um mehr als 5.800. Die Zahl der Verletzten habe sich um 54
Prozent erhöht, im Irak habe sie sich sogar verdoppelt.
«Die bei weitem meisten terroristischen Vorfälle ereigneten
sich im Nahen Osten und in Südasien» heißt es in dem
335 Seiten umfassenden Bericht des State Department. Dies sind die
Regionen, in denen der Irak und Afghanistan liegen. 6.600 oder 45
Prozent der im vorigen Jahr registrierten Anschläge ereigneten
sich dem Ministerium zufolge im Irak. Dabei seien 13.000 Menschen
getötet worden. Dies sind 65 Prozent aller weltweit registrierten
Terroropfer. In Afghanistan wurden im vergangenen Jahr 749
Anschläge registriert. Dies sei eine Steigerung gegenüber
2005 um 50 Prozent, teilte das US-Außenministerium mit.
(Quelle: ap)
Mitarbeiter der Welthungerhilfe in Afghanistan erschossen
Di.01.05.07 - In Afghanistan ist erneut ein Mitarbeiter der Deutschen Welthungerhilfe
erschossen worden. Das Fahrzeug des afghanischen Lkw-Fahrers wurde am
Sonntagabend in der Nähe der Stadt Kunduz auf der Rückfahrt
von einer Baustelle offenbar plötzlich beschossen, wie die
Organisation am Montag in Bonn mitteilte. Der Lkw wurde zum Stehen
gebracht, der Mann zum Aussteigen gezwungen und nach ersten
Informationen mit fünf Schüssen getötet. Von zwei
Arbeitern, die mit in dem Fahrzeug saßen, fehle bisher jede Spur.
Der Lkw sei angezündet worden und vollständig ausgebrannt,
berichtete die Organisation. Die Leiche sei vor dem Fahrzeug gefunden
worden. Über die Täter und die genauen Hintergründe der
Tat sei bislang wenig bekannt. Nach der Tat hätten die afghanische
Polizei, die Armee und ein Provincial Reconstruction Team der Bundeswehr
den Tatort gesichert. Laut Polizei habe es schon erste Festnahmen
gegeben.
«Wir wissen zurzeit noch zu wenig, um die Tat einschätzen zu
können», sagte der Generalsekretär der Welthungerhilfe,
Hans-Joachim Preuß. «Tatsache ist zunächst, dass wir
alle erschüttert sind von dieser ungeheuerlichen Tat.» Nun
müsse dringend mehr über den genauen Hergang ermittelt werden,
bevor man über mögliche Auswirkungen für die Arbeit vor
Ort entscheiden könne. Als eine Sofortmaßnahme hat die
Organisation alle Arbeiten in der Provinz Kunduz eingestellt. Der
Sicherheitsbeauftragte der Organisation sei auf dem Weg nach Kabul, um
die Mitarbeiter vor Ort zu unterstützen.
Am 8. März war ein 65-jähriger deutscher Mitarbeiter der
Welthungerhilfe in Sari Pul im Norden Afghanistans erschossen worden.
Die Organisation hatte danach angekündigt, künftig keine neuen
Projekte beginnen zu wollen, ohne vorher fundierte Analysen über
die Sicherheitslage vor Ort durchgeführt zu haben.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Untersuchungsbericht: Olmert und Perez für schwere Fehler im
Libanon-Krieg verantwortlich
Di.01.05.07 - Eine Untersuchungskommission hat dem israelischen
Ministerpräsidenten Ehud Olmert und der damaligen
Militärführung die Verantwortung für das Scheitern des
Libanon-Kriegs zugewiesen. Die Verantwortung für das "völlige
Scheitern" liege bei Olmert, Verteidigungsminister Amir Perez und dem
damaligen Generalstabschef Dan Halutz, sagte der Vorsitzende der
Kommission, der ehemalige Richter Eliahu Winograd, in Jerusalem bei der
Vorstellung eines Zwischenberichts. Olmert kündigte an, aus der
Kritik Lehren zu ziehen und Fehler zu korrigieren.
Der Krieg gegen die Hisbollah-Miliz im Libanon, der vom 12. Juli bis
zum 14. August 2005 dauerte, wird in Israel weithin als Fehlschlag
gewertet. Er hatte weder zur Befreiung von zwei in den Libanon
verschleppten israelischen Soldaten geführt noch zu einer direkten
Schwächung der Hisbollah oder zum Ende des Raketenbeschusses
Nordisraels durch die schiitische Miliz.
Olmert habe seine Entscheidungen überstürzt und
unsystematisch getroffen, obwohl er außenpolitisch und
militärisch unerfahren sei, hieß es in dem Bericht der
Kommission, die das Vorgehen in dem 34-tägigen Krieg im
vergangenen Sommer untersuchte. Er habe nicht auf eine Reihe von
Beratern gehört, sondern Halutz und dessen Generälen beinahe
blind vertraut. "Der Ministerpräsident hat hastig entschieden -
obwohl ihm kein detaillierter Militärplan vorlag und er auch nicht
nach einem solchen fragte". Obendrein habe Olmert "vor den
schicksalhaften Entscheidungen vom 12. Juli" Vorbehalte gegen seine
Pläne nicht ausreichend in Betracht gezogen.
Perez habe dabei versagt, seinen Aufgaben nachzukommen, sagte Winograd.
Er habe die militärischen Pläne nicht geprüft und auch
nicht kontrolliert, ob die Truppen ausreichend vorbereitet gewesen
seien. Halutz wiederum habe die politische Führung nicht gewarnt,
dass die Truppen nicht gut genug vorbereitet gewesen seien. Halutz habe
gewusst, dass weder Olmert noch Perez über genügend Erfahrung
bei Militäraktionen verfügten. Halutz war wegen der Kritik am
Libanon-Einsatz im Januar zurückgetreten.
Olmert zeigte sich nach der Entgegennahme der Ergebnisse bereit, aus
den Fehlern zu lernen. "Wir werden den Bericht prüfen und sofort
versuchen, daraus Lehren zu ziehen und alle Fehler zu berichtigen",
sagte Olmert in Jerusalem. In Zukunft dürften Israel derartige
Fehler nicht mehr unterlaufen. Olmerts Rücktritt wurde von der
Kommission offenbar nicht gefordert.
(Quelle: afp)
Amnesty International prangert Menschenrechtsverstöße in
China an
Di.01.05.07 - Gut ein Jahr vor den Olympischen Spielen von Peking gibt es in China
laut Amnesty International noch immer gravierende
Menschenrechtsverletzungen. Die Regierung habe ihre Zusagen
gegenüber dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nicht
eingehalten, beklagt die Menschenrechtsorganisation.
Bürgerrechtsaktivisten würden verfolgt, Menschen ohne
Gerichtsverhandlung inhaftiert, inländische Medien kontrolliert und
das Internet zensiert, heißt es in einem am Montag
veröffentlichten Bericht.
Als Fortschritt verzeichnete Amnesty International die neuen Regeln
für die Berichterstattung ausländischer Medien. Bisher mussten
Korrespondenten für alle Interviews eine behördliche
Genehmigung einholen, künftig genügt die Zustimmung des
Interviewpartners. Dennoch seien solche Änderungen eher
kosmetischer Natur, meint der Politikwissenschaftler Andrew Nathan von
der Universität von Columbia. Insgesamt habe sich die
Menschenrechtslage in China nicht verbessert.
Die chinesische Regierung wies die Vorwürfe zurück.
«Wir erfüllen gewissenhaft unser Versprechen im Hinblick auf
die Olympischen Spiele», erklärte das Außenministerium
in Peking. Amnesty International sei politisch voreingenommen.
Als positive Entwicklung wertete Amnesty die neuen Regeln für die
Verhängung der Todesstrafe. Demnach müssen Todesurteile vom
Obersten Gericht überprüft werden. Die
Menschenrechtsorganisation schätzt, dass allein im vergangenen Jahr
bis zu 8.000 Todesurteile vollstreckt wurden - offiziell wurden rund
1.000 Hinrichtungen gemeldet.
Amnesty rief das IOC auf, Peking zu weiteren Fortschritten in
Menschenrechtsfragen zu drängen. Es könne nicht im Interesse
des IOC sein, dass die Olympischen Spiele «mit
Menschenrechtsverstößen behaftet» seien. Als Beispiel
führte die Organisation die Zwangsräumung von Wohnhäusern
an, die dem Bau von Sportstätten oder Verkehrsinfrastruktur
weichen mussten. Konkret nannte Amnesty International den Fall des
Pekingers Ye Guozhu, der wegen seines Widerstands gegen
Zwangsräumungen zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt
wurde.
(Quelle: ap)
Lateinamerikanische Staaten vereinbaren engere Kooperation
Di.01.05.07 - Die Staaten der regionalen Organisation Bolivarische Alternative
für unser Amerika (ALBA) haben sich auf eine Vertiefung der
politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit geeinigt. Gleichzeitig
bot der venezolanische Präsident Hugo Chávez seinen
Verbündeten zum Abschluss des ALBA-Gipfeltreffen am Sonntag in
Venezuela verbilligte Energielieferungen an. Chávez, der
bolivianische Präsident Evo Morales, Nicaraguas Staatschef Daniel
Ortega und der kubanische Vizepräsident Carlos Lage unterzeichneten
eine Reihe von Abkommen, in denen drei neue Kooperationsgremien
geschaffen wurden.
(Quelle: afp)
Venezuela kehrt Weltbank und IWF den Rücken
Di.01.05.07 - Der venezolanische Präsident Hugo Chavez hat am Montag den
Rückzug seines Landes aus Weltbank und Internationalem
Währungsfonds (IWF) angekündigt. Der Schritt ist allerdings
weitgehend symbolisch, da Venezuela seine Schulden bei beiden
Institutionen mit Sitz in Washington bereits getilgt hat. Sein Land
müsse nicht länger nach Washington gehen, «weder zum
IWF noch zur Weltbank, zu niemandem», sagte Chavez. Er wolle den
Rückzug noch am Abend offiziell machen und die beiden
Institutionen auffordern, «uns zurückzugeben, was sie uns
schulden». Der linksgerichtete Präsident ist ein scharfer
Kritiker der USA und internationaler Finanzinstitutionen. Eine der
Haupteinnahmequellen des Landes sind seine großen
Ölvorkommen.
(Quelle: ap)
Börsensturz in Türkei nach Putschdrohung der Militärs
Di.01.05.07 - Die jüngste Putschdrohung der türkischen Militärs hat am
Montag die Börsenkurse in der Türkei abstürzen lassen.
Der Leitindex an der Istanbuler Börse sackte in der ersten Stunde
des Handels um etwa acht Prozent im Vergleich zum Schlusskurs vom
Freitag ab und lag bei 44.050 Punkten. Der Generalsekretär des
Europarates, Terry Davis, forderte das Militär auf, sich aus der
Politik herauszuhalten. Das türkische Verfassungsgericht gab
derweil bekannt, bis spätestens Mittwoch seine Entscheidung im
Streit um die Neuwahl des Staatspräsidenten verkünden zu
wollen.
An der Börse in Istanbul verlor auch die Türkische Lira im
Vergleich zum US-Dollar an Wert. Mit dem "unglaublichen Absturz" der
Kurse hätten die Anleger auf die jüngsten innenpolitischen
Turbulenzen in der Türkei reagiert, kommentierte der Fernsehsender
CNN-Türk.
Die Streitkräfte sollten nicht versuchen, sich in die Wahlen des
neuen türkischen Staatspräsidenten einzumischen, erklärte
Davis. Er zeigte sich "entsetzt" über das jüngste Verhalten
des Militärs. Der Generalstab hatte sich gegen eine Wahl von
Außenminister Abdullah Gül von der islamistisch
geprägten Regierungspartei AKP gewandt. Dies wurde als Drohung mit
einem neuerlichen Militärputsch aufgefasst.
"Ich bin über die öffentliche Stellungnahme des
türkischen Militärs sehr besorgt", betonte Davis. "Die
Erklärung erscheint wie ein ausdrücklicher Versuch der
Streitkräfte, die Wahl des neuen Präsidenten in der
Türkei zu beeinflussen." In Istanbul waren am Sonntag mehr als eine
Million Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die
Präsidentschaftsambitionen Güls und die Politik der Regierung
von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan zu protestieren. Die
Armee sieht sich als Wächterin der weltlichen Verfassung des
Landes. Sie übernahm bereits drei Mal - 1960, 1971 und 1980 - per
Staatsstreich die Macht.
Die Verfassungsrichter teilten mit, sie wollten sich zwar bemühen,
schon am Dienstag ein Urteil vorzulegen, doch könne sich die
Entscheidung bis Mittwochmorgen verzögern. Anlass für das
Eilverfahren ist ein Einspruch der Oppositionspartei CHP, die eine
Annullierung der Wahl verlangt. Gibt das Gericht dem Antrag statt, wird
es in der Türkei möglicherweise bereits Mitte Juni vorgezogene
Neuwahlen geben.
(Quelle: afp)
USA und EU rücken bei Klima- und Wirtschaftspolitik zusammen
Di.01.05.07 - Angesichts der Herausforderungen durch den Klimawandel und den globalen
Wettbewerb wollen die USA und die EU enger aneinanderrücken. Nach
dem EU-USA-Gipfel in Washington sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU), die beiden größten Wirtschaftsblöcke der Erde
wollten im Kampf gegen die Erderwärmung zusammenarbeiten und
andere Länder zum Mitmachen bewegen. Beide Seiten unterzeichneten
zudem eine Rahmenvereinbarung, die Handelshemmnisse abbauen und den
Wirtschaftsaustausch erleichtern und vertiefen soll.
Die amtierende EU-Ratsvorsitzende Merkel und
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso unterstrichen
nach ihrem Treffen mit US-Präsident George W. Bush, dass sich die
USA in der Frage des Klimawandels bewegt hätten. "Man sollte
sehen, dass das Glas sich mit Wasser füllt", sagte Merkel in
Anspielung auf die zuvor sehr große Distanz der Regierung Bush
gegenüber einer aktiven Klimapolitik. Bush sagte: "Wir erkennen
an, dass wir ein Problem mit Treibhausgasen haben." Verbindliche
Vorgaben für die Reduzierung des Ausstoßes nach dem Vorbild
der EU lehnte der Präsident erneut ab.
In einer gemeinsamen Erklärung zeigten sich die USA und die EU
einig, dass der Klimawandel eine "globale Herausforderung" sei und
"dringende, nachhaltige weltweite Maßnahmen" erfordere. Sie
bekennen sich darin zu dem "Ziel, die Konzentration von Treibhausgasen
in der Atmosphäre auf einem Stand zu stabilisieren, der
gefährliche vom Menschen bewirkte Störungen des Klimasystems
verhindert".
Bush und Merkel äußerten die Hoffnung, dass die Vereinbarung
Vorbild für aufstrebende Schwellenländer wie China und Indien
sein werde. Auf dem G-8-Gipfel im Juni in Heiligendamm solle mit den
Ländern über eine Einbindung beraten werden.
Neben der Klimapolitik standen die transatlantischen
Wirtschaftsbeziehungen im Mittelpunkt des Gipfels. Merkel, Barroso und
Bush unterzeichneten ein Rahmenabkommen, das Handelshemmnisse abbauen
und den Aufbau eines gemeinsamen transatlantischen Markts vorantreiben
soll. Die Vereinbarung soll dazu führen, unterschiedliche
Vorschriften über Normen und Standards beiderseits des Atlantiks
zu vereinheitlichen. 40 Prozent des weltweiten Handels laufen zwischen
den USA und der EU ab
Am Rande des Washingtoner Gipfels unterzeichneten beide Seiten das
Abkommen über eine Liberalisierung des Luftverkehrs (Open Skies).
Es soll Reisenden mehr Auswahl und billigere Tickets bringen.
(Quelle: afp)
UN-Prognose: Energiekonsum steigt um 50 Prozent
Di.01.05.07 - Der weltweite Energieverbrauch wird nach Berechnungen der Vereinten
Nationen (UN) in den kommenden 25 Jahren noch einmal um 50 Prozent
ansteigen.
Etwa zwei Drittel davon dürften auf Entwicklungsländer
entfallen, in denen 2,4 Milliarden Menschen bis heute auf Holz und Dung
für ihre Energieversorgung angewiesen sind. Derzeit sei noch jeder
vierte Erdbewohner ohne Elektrizität, hieß es am Montag zum
Auftakt der 15. Jahrestagung der Kommission für Nachhaltige
Entwicklung (CSD) in New York.
Zentrale Frage der diesjährigen Konferenz ist, wie die für
die Wirtschaft und soziale Entwicklung in aller Welt benötigte
Energie ohne weitere Umwelt- und Klimabelastung erzeugt werden kann.
«So lange Frauen und Kinder noch nach Feuerholz suchen
müssen, Schüler und Studenten nach Sonnenuntergang nicht mehr
lesen können, und neuen Industrien die nötige Energie zum
Produzieren fehlt, ist das Ziel einer wirtschaftlich, sozial und
umweltmäßig gerechten Entwicklung ausgeschlossen»,
sagte Katars Energieminister Abdullah Hamad al-Attiyah.
Die Konferenz habe sich zum Ziel gesetzt, über politische
Vorkehrungen und praktische Maßnahmen zur umweltfreundlichen
Energiegewinnung und -nutzung zu entscheiden. «Ich schaue
optimistisch in die Zukunft» sagte al-Attiyah. «In den
nächsten Jahren wird es bedeutende Investitionen in die
Infrastruktur für (nachhaltige) Energie geben». Katar hat
den Vorsitz der diesjährigen CSD-Konferenz, zu der in der
kommenden Woche Minister aus knapp 80 Staaten erwartet werden.
Am 8. Mai wird die frühere Ministerpräsidentin von Norwegen,
Gro Harlem Brundtland, sich an die Tagungsteilnehmer wenden. Der
Bericht «Unsere Gemeinsame Zukunft» der nach ihr benannten
Brundtland-Kommission vor genau 20 Jahren gilt als grundlegendes
Dokument zum Thema Nachhaltige Entwicklung.
(Quelle: dpa)
Neue Klimastudie: Eis im Nordpolarmeer schmilzt schneller
Di.01.05.07 - Das Eis im Nordpolarmeer schmilzt nach Erkenntnissen von
US-Wissenschaftlern drei Mal schneller als von vielen Kollegen
vorhergesagt. Zwischen 1953 und 2006 habe das Eis um durchschnittlich
7,8 Prozent pro Jahrzehnt abgenommen, erklärten Wissenschaftler am
nationalen Zentrum für atmosphärische Forschung und der
Universität von Colorado in Boulder am Montag. 18 Computermodelle,
die vom derzeit in Bangkok tagenden Weltklimarat (IPCC) verwendet
werden, schätzten den Eisverlust im selben Zeitraum dagegen nur
auf 2,5 Prozent, erklärten die Forscher.
Beide Angaben beziehen sich auf den September, dem Monat mit dem
wenigsten Eis im Nordpolarmeer. Für März, wenn das Eis
üblicherweise seine größte Ausdehnung erreicht,
errechneten die Wissenschaftler einen Verlust von 1,8 Prozent pro
Jahrzehnt, ungefähr drei Mal mehr als nach den Computermodellen
des IPCC. Ihre Beobachtungen deuten nach Angaben der Forscher darauf
hin, dass der Rückgang des Eises im Sommer den Modellen um 30
Jahre voraus ist.
Gavin Schmidt, ein Klimawissenschaftler am New Yorker Goddard-Institut
für Weltraumstudien der NASA erklärte, die Studie zeige, dass
Unsicherheiten bei derartigen Projektionen in beide Richtungen gehen
könnten. Kritiker der Theorie einer vom Menschen verursachten
globalen Erwärmung sind der Ansicht, dass die verwendeten Modelle
potenzielle Probleme übertrieben darstellen.
(Quelle: ap)
Greenpeace: Wieder illegaler Genmais in der EU gelandet
Di.01.05.07 - Nach Informationen der Umweltorganisation Greenpeace ist erneut in der
EU nicht zugelassener Genmais aus den USA illegal in die Gemeinschaft
eingeführt worden. Der gentechnisch veränderte Mais sei in
einer Lieferung in den Niederlanden entdeckt worden, erklärte
Greenpeace in Brüssel. Das Schiff habe zuvor einen Teil seiner
Ladung in Irland gelöscht. Es sei unklar, ob dabei auch Mais
entladen worden sei. Die Organisation habe am Wochenende die
EU-Kommission informiert und eine Beschlagnahmung des Mais gefordert.
Greenpeace zufolge ist es das vierte Mal in den vergangenen zwei
Jahren, dass nicht zugelassener Mais in die EU geliefert wurde.
Offenkundig seien die Systeme zur Rückverfolgung und Prüfung
der Lieferungen nicht in der Lage illegale Einfuhren zu verhindern.
Greenpeace forderte die Brüsseler Behörde auf alle Einfuhren
von Agrarprodukten aus den USA auszusetzen, die das Risiko nicht
zugelassener Gentech-Arten bergen würden.
(Quelle: afp)
Deutschland
Mindestlohn im Mittelpunkt der traditionellen Mai-Kundgebungen
Di.01.05.07 - Unter dem Motto «Du hast mehr verdient!» rufen die
Gewerkschaften heute zu ihren traditionellen Mai-Kundgebungen auf.
Angesichts sprudelnder Unternehmensgewinne wollen sich die
Arbeitnehmervertreter bei Veranstaltungen in hunderten Städten
für ein Ende von Lohndumping und Billiglöhnen einsetzen,
sowie mehr Arbeitsplatzsicherheit und soziale Verantwortung verlangen.
Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael
Sommer, wird in Gelsenkirchen sprechen, wo auch die diesjährige
Hauptkundgebung zum Tag der Arbeit am 1. Mai stattfindet. Die Spitzen
der Einzelgewerkschaften, darunter IG-Metall-Chef Jürgen Peters
und der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske, werden zu verschiedenen
Veranstaltungen im ganzen Land erwartet.
(Quelle: ap)
Stichwort: Tag der Arbeit am 1.Mai
Im Jahr 1890 machten Arbeiter zum ersten Mal am 1. Mai mit weltweiten
Massendemonstrationen auf ihre Forderungen aufmerksam. Ein Jahr zuvor
hatte die Zweite Internationale der sozialistischen Arbeiterbewegung auf
ihrem Gründungskongress in Paris den Tag als «Kampftag der
Arbeit» begründet. Das Datum wurde festgelegt zur Erinnerung
an die Kämpfe amerikanischer Arbeiter am 1. Mai 1885 für den
Achtstundentag, der auch bei den ersten europäischen
Maikundgebungen im Mittelpunkt der Forderungen stand.
Der Brüsseler Kongress der Zweiten Internationalen von 1891
beschloss dann, den 1. Mai fortan alljährlich zu begehen - als
«Festtag der Arbeiter aller Länder, an dem die Arbeiter die
Gemeinsamkeit ihrer Forderungen und ihre Solidarität bekunden
sollen». Heute ist der «Tag der Arbeit» in zahlreichen
Ländern ein gesetzlicher Feiertag.
In Deutschland demonstrierten schon im Kaiserreich und später in
der Weimarer Republik an diesem Tag viele Arbeiter unter Führung
ihrer Parteien oder Gewerkschaften. 1929 kam es nach dem Verbot von
Straßenumzügen zum 1. Mai zu schweren Auseinandersetzungen
zwischen kommunistischen Demonstranten und der Polizei. Unter der
Herrschaft der Nationalsozialisten wurde der 1. Mai 1933 zum «Tag
der nationalen Arbeit» erklärt und zum gesetzlichen
Staatsfeiertag ernannt. Um die propagandistische Ausschlachtung des Tags
kümmerte sich fortan die «Deutsche Arbeitsfront».
Nach dem Krieg nahm der neu gegründete Deutsche Gewerkschaftsbund
(DGB) die Tradition der Maikundgebungen wieder auf und stellte sie
alljährlich unter verschiedene Parolen. So hieß etwa das
Motto 1956 «Samstags gehört Vati mir», 1957 bereits
«Wiedervereinigung - ohne Gewalt - doch bald» und 1960 zum
Jubiläum «Schon Vatis Opa war dabei, 70 Jahre 1. Mai «.
Den diesjährigen Tag der Arbeit stellte der DGB unter das Motto
«Du hast mehr verdient!». Im Mittelpunkt stehen sollen die
Arbeits- und Sozialbedingungen der Beschäftigten und die Forderung
nach mehr sozialer Gerechtigkeit.
Quelle: ap, 29.04.2007
Mehr unter:
http://www.dgb.de/dgb/geschichte/erstermai/mai.htm
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Gewerkschaften bei Mindestlöhnen uneins
Di.01.05.07 - Beim Thema Mindestlohn gibt es Differenzen innerhalb des
Gewerkschaftslagers. Die stellvertretende Vorsitzende der
Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Margret Mönig-Raane, forderte
am Montag im Deutschlandradio Kultur einen gesetzlichen Mindestlohn von
7,50 Euro pro Stunde für alle Branchen. Branchenbezogene
Mindestlöhne wären eine gute Ergänzung, aber für
sich nur eine «Schmalspurlösung», die kein Abrutschen
in Armut biete.
Der Vorsitzende der IG BAU, Klaus Wiesehügel, plädierte
dagegen für branchenspezifische Mindestlöhne, die dann per
Rechtsverordnung für allgemeinverbindlich erklärt werden.
Wiesehügel äußerte im SWR die «große
Sorge», dass sich mit einem flächendeckenden Mindestlohn die
Tarifvertragsparteien «selber ins Aus manövrieren».
Für die Baubranche gibt es bereits einen Mindestlohn.
Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) nannte Forderungen aus
den Gewerkschaften nach einem einheitlichen Mindestlohn
überraschend. Das Aushandeln von Löhnen sei in der sozialen
Marktwirtschaft «ureigenste Aufgabe der Gewerkschaften».
«Dass die jetzt so stark nach einem Staat rufen, ist
erstaunlich», sagte Huber der «Berliner Zeitung».
Links-Fraktionschef Oskar Lafontaine forderte mit Blick auf den Tag der
Arbeit ein Ende der Lohnzurückhaltung. Über zehn Jahre hinweg
seien die Realeinkommen in Deutschland um fünf Prozent gesunken,
während sie im europäischen Durchschnitt um zwölf Prozent
gestiegen seien, sagte Lafontaine «Focus Online».
Lafontaine hob zugleich hervor, dass die Linke «eine
größere Nähe zu den Gewerkschaften als die SPD»
habe.
Wiesehügel sieht den Flirt mancher Gewerkschafter mit der
Linkspartei skeptisch. Der IG-BAU-Chef betonte gleichwohl, die
Vorsitzenden der Einzelgewerkschaften seien größtenteils
Mitglied in der SPD und wollten dies auch bleiben.
(Quelle: ddp)
IG Metall erhöht mit Warnstreiks Druck auf Arbeitgeber
Di.01.05.07 - Vor der neuen Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie am
Donnerstag hat die IG Metall ihre Warnstreiks massiv ausgeweitet und
den Druck auf die Arbeitgeber erhöht. Schwerpunkte der Aktionen
mit mehreren Tausend Teilnehmern waren am Montag Nordrhein-Westfalen
und Baden-Württemberg, wie die Gewerkschaft mitteilte. Proteste
gegen das Angebot der Arbeitgeber gab es auch in Niedersachsen, Berlin,
Bayern und Hessen. Damit will die IG Metall ihrer Forderung von 6,5
Prozent Lohnerhöhung Nachdruck verleihen. Die Unternehmen bieten
bislang 2,5 Prozent und einen einmaligen Konjunkturzuschlag von 0,5
Prozent.
In Nordrhein-Westfalen beteiligten laut Gewerkschaft rund 2.700
Beschäftigte. Im Transporter-Werk von Mercedes in Düsseldorf
legten etwa 900 Beschäftigte die Arbeit nieder. Im Rastatter
Betrieb des Autobauers waren es 800, wie ein IG-Metall-Sprecher sagte.
Insgesamt waren in Baden-Württemberg knapp 1.600 Arbeiter im
Ausstand.
Beim Autositz-Hersteller Faurecia in Stadthagen in Niedersachsen ging
der Protest über mehrere Schichten und betraf 1.400
Beschäftigte. In Nordrhein-Westfalen gab es auch Aktionen beim
Kraftwerksbauer Siemens in Duisburg sowie bei Unternehmen in Bocholt,
Vreden, Recklinghausen und Krefeld. In Berlin gingen beim
Rasierklingen-Fabrikanten Gillette 300 Mitarbeiter in den Ausstand.
Am Donnerstag kommen um 16.00 Uhr in Sindelfingen IG Metall und
Arbeitgeber zur nächsten Gesprächsrunde für den
Südwesten zusammen, bei denen die Tarifpartner nach eigenem
Bekunden den Durchbruch für die gesamte Branche mit ihren 3,4
Millionen Beschäftigten erzielen wollen.
Eine Einigungsmöglichkeit könnte in einem zweigeteilten
Tarifvertrag mit einer längeren Laufzeit liegen, wie Vertreter von
IG Metall und Gesamtmetall am Wochenende andeuteten. Am frühen
Sonntagmorgen war die Friedenspflicht zu Ende gegangen. Hunderte
Metaller traten daraufhin in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Berlin
in erste Warnstreiks.
Am Mittwoch und Donnerstag will die IG Metall die Warnstreiks deutlich
ausweiten. NRW-Bezirksleiter Detlef Wetzel rechnet nach eigenen Worten
allein für seine Region, dass in dieser Woche insgesamt bis zu
100.000 Beschäftigte aus mehr als 600 Betrieben an Warnstreiks
teilnehmen. Auch in Bayern sollen 100.000 Beschäftigte in 100
Betrieben mobilisiert werden.
Für Berlin kündigte die Gewerkschaft Aktionen etwa im
Mercedes-Werk und beim Elektrokonzern Alcatel an. In Niedersachsen soll
es unter anderen den Nutzfahrzeug-Hersteller MAN und den
Aluminium-Giganten Alcoa treffen, in Baden-Württemberg Mercedes,
Porsche, Audi und Bosch.
Die Unternehmen kritisierten die Aktionen der Gewerkschaft: Der
Arbeitgeberverband Metall NRW bezeichnete die Warnstreiks als
«Rückfall in alte Rituale». Es gebe Chancen, am
Verhandlungstisch eine Lösung zu finden, sagte der
Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Luitwin Mallmann. Die
Arbeitsniederlegungen seien überflüssig und schädlich.
IG-Metall-Bezirksleiter Detlef Wetzel verteidigte die Forderungen.
«Nur mit Druck in jedem Betrieb bekommen wir das, was uns
zusteht», sagte er bei einer Kundgebung in Düsseldorf.
«Sogar beim Weihnachtsgeld wollen sie uns in die Tasche
greifen.» Die Arbeitgeber verschlössen sich auch den besten
Argumenten.
(Quelle: ap)
Islamkonferenz: Zentralrat der Muslime kritisiert Schäuble
Di.01.05.07 - Vor dem zweiten Treffen der Islamkonferenz am Mittwoch hat der
Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, der
Politik den guten Willen abgesprochen. Mit Blick auf den Vorwurf, der
neu gegründete Koordinierungsrat könne nicht für die
Muslime in Deutschland sprechen, sagte Mazyek: "Ich vermisse die
Ernsthaftigkeit in der Debatte. Ich vermisse 'good will' in der
Politik." Mazyek griff Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU)
direkt an. Dieser habe einen Zusammenschluss der Muslime
"höchstpersönlich" gefordert. Nun werde der Koordinierungsrat
von ihm "relativiert und kleingeredet".
In der "Westdeutschen Zeitung" erneuerte Mazyek seine Forderung, den
Islam als gleichberechtigte Religionsgemeinschaft in Deutschland
anzuerkennen. Er habe "den Eindruck, dass man sich vor der
Anerkennungsfrage fürchtet wie der Teufel das Weihwasser", sagte
er. Mazyek fügte hinzu: "Ich möchte, ehrlich gesagt, diese
Diskussion nicht bis zum Sankt-Nimmerleinstag führen."
Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland
(TGD), Kenan Kolat, forderte die staatliche "Türkisch-Islamische
Union der Anstalt für Religion" (Ditib) dazu auf, den
Koordinierungsrat der Muslime zu verlassen. "Sollte Ditib das nicht
machen, werden wir türkische Verantwortliche mobilisieren", sagte
Kolat der "tageszeitung". Gleichzeitig wolle die Türkische
Gemeinde mit der Gründung eines "Kompetenzzentrums Religionen" ein
Gegengewicht zum konservativen Koordinierungsrat herstellen. "Wir
werden alles tun, um zu verdeutlichen, dass eine konservative Deutung
des Islam nicht von der Mehrheit der Türken getragen wird", sagte
Kolat.
(Quelle: afp)
Regierungsbeauftragte übt vor Islamkonferenz heftige Kritik
Di.01.05.07 - Vor der zweiten Islamkonferenz am Mittwoch hat die
Integrationsbeauftragte Maria Böhmer scharfe Kritik an der
Forderung von Muslimen nach getrenntem Sportunterricht für Jungen
und Mädchen geübt. Dies sei «alles andere als ein
gelungener Auftakt» für das Treffen von Bundesinnenminister
Wolfgang Schäuble und Muslim-Vertretern, sagte die
Regierungsbeauftragte der «Neuen Osnabrücker Zeitung»
vom Montag.
«Wir werden nicht zulassen , dass eine kleine Minderheit von
Rückwärtsgewandten hier die Regeln ihrer Großväter
zu installieren versucht», wird Böhmer zitiert. Kulturelle
Vielfalt sei schön und bereichernd. Sie ende aber dort, wo
Deutschlands Grundwerte und -rechte in Frage gestellt würden.
«Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist eines dieser nicht
verhandelbaren Grundrechte», erklärte die CDU-Politikerin.
Kritisch äußerte sich Böhmer auch zur Zusammensetzung
des Koordinierungsrates der Muslime, der Schäubles Ansprechpartner
sein soll. In Deutschland lebten Schätzungen zufolge drei Millionen
Muslime. Die Verbände im Koordinierungsrat verfügten aber nur
über knapp 300.000 Mitglieder. «Der Rat vertritt also nur
etwa zehn Prozent der Muslime», sagte die Integrationsbeauftragte.
Ein Sprecher des Innenministeriums sagte dazu, Schäuble habe
bereits betont, dass der Koordinierungsrat kein Sprachmonopol habe. Bei
der Suche nach Ansprechpartnern unter den Muslimen sei die
Schwierigkeit, dass diese nach dem Staatskirchenrecht nicht
kirchenähnlich verfasst seien. Es gebe unter den 3,5 Millionen
Muslimen auch keine einheitliche Position, sondern einen «sehr
bunten Teppich der Meinungen und Stimmungen».
Für das Treffen am Mittwoch erwarte der Innenminister einen
streitbaren Prozess. Die Gesprächsinhalte seien offen und
fließend, sagte der Sprecher.
(Quelle: ap)
Zu verständnisvolle Lehrer behindern laut Expertin Integration
Di.01.05.07 - Zu verständnisvolle Lehrer an deutschen Schulen behindern nach
Ansicht der Migrationsforscherin Necla Kelek oft unbewusst die
Integration von Kindern muslimischer Eltern. Lehrer, die akzeptierten,
dass muslimische Mädchen nicht am Sport- oder Schwimmunterricht
teilnehmen müssten, machten sich zu Handlangern jener Eltern, die
ihren Kindern die Integration in die deutsche Gesellschaft verwehrten,
sagte die Deutsch-Türkin dem Magazin «Focus Schule».
«Die deutsche Schule muss deutscher Kultur- und Sprachraum sein.
Wenn man diesen betritt, bleibt die Nationalität wie ein Koffer
vor der Tür stehen», sagte Kelek. An den meisten Schulen
finde aber das Gegenteil statt: So werde es oft verständnisvoll
akzeptiert, dass Mädchen nicht am Sport- und Schwimmunterricht
teilnehmen dürfen. Stattdessen muss die Reaktion laut Kelek
lauten: «Nein, du bist jetzt in Deutschland, und hier gilt es als
Errungenschaft, dass Mädchen Schwimmen lernen.»
Gerade die Kinder türkischer Einwanderer lebten in einer Art
Niemandsland, sagte die Migrationsforscherin. Ständig werde ihnen
ins Gewissen geredet: «Ihr seid Türken, ihr seid Muslime,
die deutsche Gesellschaft taugt nichts.» Die Schule als
Institution müsse ihren Schülern daher eine Alternative
bieten und selbstbewusster die deutsche Gesellschaft vertreten und
vermitteln und Identität stiften, sagte Kelek. «Ich vermisse
bei vielen Deutschen einfach die Liebe und den Stolz auf das eigene
Land.»
(Quelle: ap)
Bayern beschließt flächendeckend Ganztagschulen
Di.01.05.07 - Bayern will bis 2012 ein flächendeckendes Ganztagsangebot an
Hauptschulen aufbauen. Das beschloss das Landeskabinett am Montag in
München. Kultusminister Siegfried Schneider sagte, für jede
Ganztagsklasse bekomme die Schule zwölf Lehrerstunden pro Woche
sowie ein Jahresbudget von 6.000 Euro. Von 2008 bis 2011 stelle der
Freistaat Mittel für 1.300 Lehrer sowie zusätzlich 15
Millionen Euro für Fachkräfte in der Ganztagsbetreuung bereit.
Die SPD warf Schneider ein großes Täuschungsmanöver
vor. «Im laufenden bayerischen Staatshaushalt sind 1.660 Stellen
an Hauptschulen gestrichen worden», sagte der bildungspolitische
Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Hans-Ulrich Pfaffmann.
Schneider sagte, mit dem Ausbau der Ganztagsangebote an Hauptschulen
könnten Schüler besser individuell gefördert und ihre
Chancen erhöht werden, die Hauptschule mit einem Abschluss zu
verlassen. Bisher schaffen acht Prozent der Hauptschüler in Bayern
keinen Abschluss, 20 Prozent erreichen dagegen sogar die Mittlere Reife.
(Quelle: ap)