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Irak am tausendsiebenunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Präsident Bush legt Veto gegen Gesetzentwurf für
Irak-Rückzug ein. Irakischer Al-Kaida-Chef Masri angeblich
getötet. Elf Tote bei Anschlag auf Kleinbus
Mi.02.05.07 - Im Streit mit dem Kongress hat US-Präsident George W. Bush am
Dienstag wie erwartet sein Veto gegen einen Gesetzentwurf eingelegt,
der eine Finanzierung von Militäreinsätzen mit einem
Rückzugstermin für die Truppen im Irak verknüpft hat.
Bush hatte seinen Widerstand wiederholt angekündigt. Die
Demokraten hatten das Gesetz in der vorigen Woche mit ihrer Mehrheit in
beiden Parlamentskammern verabschiedet und leiteten es Bush am Dienstag
zu, auf den Tag genau vier Jahre, nachdem er auf dem
Flugzeugträger «USS Abraham Lincoln» die
Hauptkampfhandlungen im Irak medienwirksam für beendet
erklärt hatte.
Die Vorlage stellte zwar 124,2 Milliarden Dollar (91,2 Milliarden Euro)
für die Kriegsführung bereit, forderte aber den Beginn des
Truppenrückzugs bis zum 1. Oktober. Die Mehrheit der Demokraten
reicht nicht aus, um das Veto Bushs zu überstimmen. Es war erst
das zweite Mal in seiner Amtszeit, dass Bush ein Veto einlegte.
Unmittelbar zuvor hatten die Demokraten noch einmal an den
Präsidenten appelliert, das Gesetz zu unterzeichnen. «Der
Präsident hat unsere Truppen mitten in einem Bürgerkrieg
gebracht», sagte der Mehrheitsführer des Senats, Harry Reid.
«Die Realität vor Ort zeigt, was wir alle wissen: Eine
Kursänderung ist nötig.» Die Präsidentin des
Abgeordnetenhauses, Nancy Pelosi, sagte, das Gesetz respektiere die
Wünsche des amerikanischen Volkes, den Irak-Krieg zu beenden.
Demokratische Abgeordnete und Senatoren berieten unterdessen über
das weitere Vorgehen. Eine Entscheidung sei jedoch noch nicht getroffen
worden, verlautete aus demokratischen Kongresskreisen. Zunächst
werde Bushs Begründung für das Veto geprüft, um
mögliche Kompromissmöglichkeiten auszuloten. Am (heutigen)
Mittwoch will Bush mit Kongressführern beider Parteien
zusammentreffen, darunter Reid und Pelosi.
Der Chef der Extremisten- Organisation Al-Kaida im Irak ist nach
Angaben des irakischen Innenministeriums tot.
Abu Ajjub Al-Masri sei am Dienstag bei internen Kämpfen zwischen
Aufständischen nördlich von Bagdad getötet worden, teilte
das Ministerium am Dienstag mit. "Wir haben sichere
Geheimdienstberichte, dass Masri heute getötet wurde", sagte
Brigadegeneral Abdul Karim Chalaf der Nachrichtenagentur Reuters. An dem
Vorfall seien weder irakische noch US-Truppen beteiligt gewesen. Auch an
einer anderen Stelle im irakischen Innenministerium hieß es,
Masri sei tot. Allerdings sei der Leichnam des Ägypters nicht in
Händen der Behörden.
Das US-Militär erklärte indes, man könne die Berichte
des Ministeriums nicht bestätigen. "Ich hoffe, dass es stimmt. Aber
wir wollen sehr vorsichtig sein, um sicherzugehen", sagte ein Sprecher.
Mitte Februar hatten die USA Berichte über eine Verwundung Masris
zurückgewiesen, die das irakische Innenministerium verbreitet und
als Erfolg im Rahmen der jüngsten Sicherheitsoffensive bezeichnet
hatte. Masris Vorgänger, Abu Mussab al-Sarkawi, war im Juni 2006
bei einem US-Luftangriff getötet worden.
In der letzten Zeit hatten die Spannungen zwischen sunnitischen
Islamisten der Al-Kaida und anderen sunnitischen arabischen
Aufständischen im Irak zugenommen. Dabei ging es vor allem um die
Tötungen von Zivilisten durch die Al-Kaida. Die USA haben ein
Kopfgeld von fünf Millionen Dollar für Masri ausgesetzt.
Bei einem Anschlag auf einen Kleinbus sind am Dienstag südlich von
Bagdad elf Menschen getötet worden, darunter drei Frauen und zwei
Kinder. Bewaffnete Männer eröffneten nach Polizeiangaben das
Feuer auf den Wagen, der auf einer Hauptstraße unterwegs war. Drei
weitere Insassen seien verletzt worden. Zu den Motiven der Täter
wurden keine Angaben gemacht.
(Quellen: rtr, afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 02.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertdreiundsiebzigstenTag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Welthungerhilfe für Strategiewechsel in Afghanistan
Mi.02.05.07 - Nach dem zweiten Mord an einem seiner Mitarbeiter in Afghanistan hat
der Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe (DWHH),
Hans-Joachim Preuß, für einen Strategiewechsel in dem Land
geworben. Die Hilfsorganisationen seien damit gescheitert, ein Land,
«das sich gesellschaftlich im Mittelalter befindet, innerhalb
weniger Jahre in die Demokratie führen zu wollen», sagte
Preuß der «Stuttgarter Zeitung» (Mittwochausgabe).
Preuß betonte, die afghanischen Terroristen fühlten sich
«zunehmend wie Fische im Wasser». Es sei nun an der Zeit,
zusammen mit den Taliban und dem Iran einen nationalen Konsens für
das Land zu erreichen, damit die NATO abziehen könne. Im Norden
Afghanistans war am Sonntag ein afghanischer Lastwagenfahrer der
Deutschen Welthungerhilfe getötet worden. Am 8. März hatten
Unbekannte den deutschen DWHH-Helfer Dieter Rübling erschossen.
(Quelle: ap)
Afghanistan will Entwicklungshilfegelder selbst verwalten
Mi.02.05.07 - Afghanistan hätte laut seinem Finanzminister im Wiederaufbau mehr
erreicht, wenn die internationale Gemeinschaft der Regierung eine
größere Kontrolle über die Entwicklungshilfegelder
gewährt hätte. "Wir denken, dass die Effektivität der
Hilfe größer ist, wenn wir das Geld über den nationalen
Haushalt ausgeben", sagte Anwar-Ul Hak Ahadi am Montag nach Abschluss
einer Geberkonferenz in Kabul. Seit dem Sturz der Taliban 2001 flossen
den Angaben zufolge umgerechnet knapp zehn Milliarden Euro
internationaler Hilfe nach Afghanistan. Der Regierung und ihren Partnern
wird fehlender Fortschritt trotz des vielen ausgegebenen Geldes
vorgeworfen.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Minister aus Olmerts Kabinett tritt nach Kriegskritik zurück
Mi.02.05.07 - Nach der vernichtenden Kritik an der Kriegsführung im Libanon ist
ein israelischer Minister aus Protest gegen Regierungschef Ehud Olmert
zurückgetreten. "Ich kann nicht Mitglied einer Regierung sein, die
von Ehud Olmert angeführt wird", sagte Minister Eitan Cabel am
Dienstag. Cabel gehört Olmerts Koalitionspartner, der Arbeitspartei
an und war Minister ohne Geschäftsbereich.
Mit dem Rücktritt offenbarten sich die ersten Risse in dem
Kabinett, das seit Monaten in der Kritik steht. Olmert hat es am Montag
erneut abgelehnt, wegen der Kritik einer Untersuchungskommission den Hut
zu nehmen.
Cabel erklärte, Olmert müsse zurücktreten. Er erhob die
Forderung aber nicht für seinen Parteichef Amir Perez, der
ebenfalls von der Kommission scharf kritisiert worden war. Der für
den Kriegseinsatz im vergangenen Sommer verantwortliche Armeechef hat
seinen Posten bereits vor Wochen aufgegeben.
(Quelle: rtr)
Elfenbeinküste stellt Truppen aus Soldaten und Rebellen auf
Mi.02.05.07 - Die Elfenbeinküste hat erste gemeinsame Einheiten aus
Regierungstruppen und Rebellen aufgestellt, die die ausländischen
Soldaten in der UN-kontrollierten Pufferzone des Landes ablösen
sollen. "Wir stecken mitten in der Wiedervereinigung des Landes", sagte
Verteidigungsminister Michel Amani N'Guessan am Montag während
einer Zeremonie in Bangolo. Ein neues Friedensabkommen sieht vor, dass
die rund 8000 UN-Blauhelmsoldaten und die 3500 französischen
Soldaten in den nächsten Wochen allmählich aus der Pufferzone
abziehen und von einheimischen Truppen ersetzt werden.
Elfenbeinküste war seit 2002 durch die Pufferzone geteilt, um
Regierungstruppen und Rebellen voneinander zu trennen.
(Quelle: afp)
Mütter der Plaza del Mayo feiern 30. Jahrestag
Mi.02.05.07 - Die bekannteste argentinische Menschenrechtsgruppe, die Mütter der
Plaza del Mayo, hat ihr 30-jähriges Bestehen mit einem
Freiluftkonzert und einer Kundgebung vor dem Präsidentensitz in
Buenos Aires gefeiert. Folksänger traten vor mehr als 1.000
Menschen unter einem Transparent mit den Worten «30 Jahre
Kampf» auf. Die Mütter, die als einheitliches Zeichen ein
weißes Kopftuch tragen, hatten ihre wöchentlichen
Demonstrationen vor dem Präsidentensitz am 30. April 1977
aufgenommen, ein Jahr nach dem Militärputsch.
Während der Diktatur von 1976 bis 1983 wurden in Argentinien nach
offiziellen Angaben fast 13.000 Oppositionelle getötet oder
verschwanden, Menschenrechtsgruppen geben die Zahl mit 30.000 an. Die
Mütter der Plaza del Mayo waren die ersten, die Aufklärung
über das Schicksal ihrer verschwunden Söhne und Töchter
forderten - zu einer Zeit, als viele es nicht wagten, gegen die
Militärmachthaber aufzubegehren.
«Wir fühlen noch immer das Fehlen unserer lieben
Kinder», erklärte Tati Almeida, eine der Gründerinnen
der Gruppe. «Ich danke Gott, dass wir nicht alleine sind»,
sagte sie mit Verweis auf die zahlreichen Teilnehmer an der Kundgebung
am Montag. Vielen der Mütter fällt das Gehen inzwischen
schwer, manche nutzen einen Gehstock. Die 80-jährige Maria Gurtman
erklärte, sie nehme weiter allwöchentlich an den Versammlungen
teil, damit «künftige Generationen wissen, was in unserem
Land geschah».
(Quelle: ap)
USA und China wollen Bericht des Weltklimarats abschwächen
Mi.02.05.07 - Die USA und China wollen den neuen Bericht des Weltklimarats zu
Maßnahmen im Kampf gegen die globale Erwärmung offenbar
abschwächen. Die Möglichkeiten zur Reduzierung von
Treibhausgasen seien teurer und zeitaufwendiger als von Wissenschaftlern
angegeben, heißt es in Dokumenten aus Washington und Peking, die
der Nachrichtenagentur AP vorliegen.
Internationale Experten begannen am Montag in Bangkok mit Beratungen
über das weitere Vorgehen angesichts der globalen Erwärmung.
Der dritte Teil des Weltklimaberichts soll am Freitag vorgelegt werden.
In den Unterlagen der USA und China heißt es, die möglichen
Auswirkungen einer Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen seien nicht
so positiv wie angenommen. Die Regierungen kritisieren außerdem
die Annahme, dass bei raschem Handeln die klimaschädlichen Gase in
der Atmosphäre bis 2030 stabilisiert werden können, wie es in
einem Entwurf des Klimaberichts heißt.
«Die Zeit zum Handeln ist jetzt», mahnte dagegen der
thailändische Delegierte Chartree Chueyprasit zu Beginn der
Beratungen zur Eile. Der Vorsitzende des Weltklimarats (IPCC), Rajendra
Pachauri, erklärte, es gebe «eine Menge zwingender
Gründe zum Handeln». Über die konkreten Maßnahmen
und ihren Beginn müssten aber die Regierungen entscheiden. An der
endgültigen Formulierung des neuen IPCC-Berichts sind Dutzende
Diplomaten beteiligt.
Im Mittelpunkt der Gespräche stehen nach Angaben von Teilnehmern
die Kosten für die Reduzierung der Treibhausgase. Entwicklungs- und
Schwellenländer würden vermutlich um Unterstützung im
Kampf gegen die Folgen der globalen Erwärmung bitten, verlautete am
Sonntag in Bangkok.
Energiesparen und eine Abkehr von Kohlendioxid-lastigen Methoden der
Energiegewinnung stehen dem Berichtsentwurf zufolge an vorderster Stelle
der dringendsten Schritte. Neben einer Umstellung von Kohle auf Gas,
Atomkraft und erneuerbare Energien kommt den Experten zufolge der
Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden eine tragende Rolle
zu. Als weniger folgenreiche, aber ebenso wichtige Maßnahmen
werden eine größere Energieeffizienz von Fahrzeugen, die
Verringerung der Abholzung sowie Aufforstung genannt.
Nach Erwartungen des deutschen Potsdam-Instituts für
Klimafolgenforschung debattieren die Delegierten in den kommenden Tagen
auch über die künftige Rolle der Atomkraft. Im Abschlusspapier
werde es wohl hießen, Atomkraft könne eine Option sein, sagte
der Chefökonom des Instituts, Ottmar Edenhofer, in der
«Frankfurter Rundschau» voraus. Edenhofer, der selbst
Mitglied im IPCC ist, warnte jedoch davor, zum Klimaschutz auf Atomkraft
zu setzen.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte die Regierungen zum
Handeln auf. Der erwartete IPCC-Bericht sei wichtig, den eigentlichen
Schritt nach vorn müssten aber die Regierungen machen, sagte
Greenpeace-Klimaexpertin Gabriela von Goerne am Rande der Konferenz in
Bangkok der AP. Der Report gebe den Regierungsvertretern eine ganze
Menge Möglichkeiten an die Hand. Wozu die Regierungen bereit seien,
werde sich jedoch noch zeigen.
Der im Februar in Paris vorgestellte erste Teil des Weltklimaberichts
stellte die Verantwortung des Menschen für die Erderwärmung so
deutlich heraus wie keine Studie zuvor. Der Anfang April in Brüssel
vorgelegte zweite Teil zeichnete ein dramatisches Bild von den Folgen
des Klimawandels. Vor allem die ärmsten Länder sind demnach
von Hunger, Wassermangel, Stürmen und Überschwemmungen
betroffen. Bis zu 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten sind der
Einschätzung zufolge vom Aussterben bedroht, wenn die Temperatur
um zwei Grad Celsius steigt.
(Quelle: ap)
Pressefreiheit verschlechtert sich weltweit
Mi.02.05.07 - Die Pressefreiheit hat sich einem Bericht zufolge im vergangenen Jahr
in vielen Ländern verschlechtert. Alarmierend sei der Umgang mit
den Medien besonders in einigen Ländern Asiens und
Südamerikas sowie in Russland, hieß es in einem Bericht der
in Washington ansässigen Organisation Freedom House. Die russische
Regierung versuche verstärkt, unabhängige Medien an den Rand
zu drängen. Zudem wolle Russland die Nutzung des Internets
einschränken. "Angriffen auf die Medien folgen unvermeidlich
Angriffe auf weitere demokratische Einrichtungen", warnte die Leiterin
von Freedom House, Jennifer Windsor, zwei Tage vor dem weltweiten Tag
der Pressefreiheit.
Auch in den südamerikanischen Ländern Venezuela, Argentinien
und Brasilien sei die Pressefreiheit im vergangenen Jahr durch
staatliche Eingriffe oder eine schlechtere Sicherheitslage
eingeschränkt worden, hieß es in dem Bericht. In Venezuela
sei diese Entwicklung genau wie in Russland umso Besorgnis erregender,
als sie sich auf die umgebenden Regionen auswirke, warnte Freedom House.
In den asiatischen Ländern China, Vietnam und Iran seien 2006
erneut zahlreiche Journalisten und Internet-Nutzer inhaftiert worden,
bemängelte Freedom House. In Thailand, Sri Lanka und auf den
Philippinen litt die Pressefreiheit demnach unter politischen
Umwälzungen, in Malaysia und Pakistan unter verstärkten
Kontrollen der Medien. In Nepal, Kambodscha und Indonesien habe sich
die Lage der Medien hingegen verbessert, hieß es. Nordkorea
schnitt bei der Achtung der Pressefreiheit am schlechtesten ab. Mit
Birma und Turkmenistan waren zwei weitere asiatische Länder unter
den fünf Staaten mit der geringsten Pressefreiheit. Außerdem
zählten Kuba und Libyen dazu.
Dagegen habe sich unter anderem in Italien die Lage gebessert, stellte
Freedom House fest. Das Land könne nach der Ablösung von
Silvio Berlusconi als Regierungschef in Hinblick auf die Pressefreiheit
wieder als frei gelten. Von den 195 beurteilten Ländern wurden
insgesamt 74 als frei eingeschätzt, 58 als teilweise frei und 63
als nicht frei. Damit konnten nur 18 Prozent der Weltbevölkerung
auf freie Berichterstattung zurückgreifen. Am stärksten wird
die Pressefreiheit dem Bericht zufolge in Finnland und Island beachtet.
(Quelle: afp)
Die Türkei steht vor vorgezogener Parlamentswahl - Gericht stoppt
Präsidentenwahl
Mi.02.05.07 - Vor dem Hintergrund des Streits um die Wahl eines neuen
Präsidenten steuert die Türkei auf vorgezogene
Parlamentswahlen zu. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan
kündigte am Dienstagabend an, Neuwahlen könnten schon am 24.
Juni oder am 1. Juli stattfinden. Er reagierte damit auch auf eine
gerichtlichen Annullierung der ersten Runde der Präsidentenwahl,
bei der sich Regierungskandidat Abdullah Gül am Freitag dem Votum
des Parlaments gestellt hatte.
Zugleich rief Erdogan zu einer Verfassungsänderung auf, wonach der
Staatschef künftig vom Volk gewählt werden könnte. Auch
der Präsidentschaftskandidat von Erdogans
konservativ-religiöser Partei für Gerechtigkeit und
Entwicklung (AKP), Außenminister Gül, sprach sich für
Neuwahlen aus. An seiner Kandidatur hielt er aber fest. Erdogan sagte,
am Donnerstag werde im Parlament ein neuer Anlauf zur Wahl eines
Präsidenten unternommen.
Gül war in der ersten Wahlrunde im Parlament, die vom Boykott
zahlreicher Oppositionspolitiker begleitet war, an einer zu geringen
Stimmenzahl gescheitert. Die oppositionelle Republikanische Volkspartei
beantragte außerdem vor dem Verfassungsgericht die Annullierung
des Votums, weil nicht die nötigen zwei Drittel aller Abgeordneten
anwesend gewesen seien. Das Gericht schloss sich der Argumentation am
Dienstag an.
Staatschef Ahmed Necdet Sezer scheidet am 16. Mai aus dem Amt. Viele
Türken fürchten eine zunehmende Islamisierung der
türkischen Politik, sollte der künftige Präsident auch
der Regierungspartei angehören. Wegen der
Mehrheitsverhältnisse im Parlament kann die AKP derzeit letztlich
vorgeben, wer Nachfolger von Sezer wird. Neuwahlen könnten die
Machtverteilung verändern. Beobachter gehen außerdem davon
aus, dass damit die Legitimität der Regierung gestärkt
würde.
Die Wahl des Staatspräsidenten hat sich auch zum Machtkampf
zwischen der Regierung und den Streitkräften entwickelt, die sich
als Garanten der weltlichen Orientierung des Staates betrachten. Die
AKP von Ministerpräsident Erdogan ging aus einer islamistischen
Bewegung hervor. Die türkische Militärführung brachte am
Freitag ihre Sorge über die Wahl zum Ausdruck und warnte vor einer
Abkehr von der säkularen Staatsordnung. Auch die Möglichkeit
eines Putsches wurde indirekt angedroht. Justizminister Cemik Cicek
wies die Erklärung des Generalstabs als inakzeptabel zurück.
Erdogan selbst hatte auf eine Präsidentschaftskandidatur
verzichtet, nachdem hunderttausende Türken gegen seine
mögliche Bewerbung auf die Straße gegangen waren. Rund
700.000 Menschen demonstrierten am Sonntag in Istanbul erneut für
die Aufrechterhaltung der Trennung von Religion und Staat.
(Quelle: ap)
Polizei verhindert Maikundgebung in Istanbul
Mi.02.05.07 - Ein Großaufgebot von mehreren tausend Polizisten hat eine
geplante Gewerkschaftskundgebung auf einem Platz im Zentrum der
türkischen Metropole Istanbul verhindert. 400 Menschen seien
festgenommen worden, sagte Gouverneur Muammer Güler im
Nachrichtensender NTV. Bei einigen von ihnen seien Waffen wie
Molotow-Cocktails gefunden worden. Der Taksim-Platz wurde von
Polizeisten abgeriegelt. Nach Verhandlungen mit den Behörden
durften später kleinere Gruppen von rund 500 Gewerkschaftern unter
starken Sicherheitsvorkehrungen zu dem Platz marschieren.
In einigen Stadtteilen Istanbuls gab es Zusammenstöße
zwischen Demonstranten und der Polizei. Nach Medienberichten waren
insgesamt 17.000 Beamte im Einsatz. Die Behörden riegelten viele
Straßen in Istanbul ab und stoppten den Betrieb von
Bosporus-Fähren, Bussen und der Metro, um den Demonstranten den Weg
zum Taksim-Platz zu erschweren. Dies löste ein Verkehrschaos in
vielen Stadtteilen aus; etliche Menschen saßen stundenlang fest.
Die Gewerkschafter wollten auf dem Taksim-Platz den Opfern einer blutig
beendeten Maidemonstration vor 30 Jahren gedenken. 1977 hatten dort
Unbekannte das Feuer auf die Teilnehmer einer Maikundgebung
eröffnet. Bei der dadurch ausgelösten Massenpanik und einem
anschließenden Polizeieinsatz waren 34 Menschen ums Leben
gekommen. Seitdem ist der Platz für Demonstrationen gesperrt.
(Quelle: afp)
Weltweit Kundgebungen zum 1. Mai
Mi.02.05.07 - Der 1. Mai ist weltweit meist friedlich gefeiert worden. In Russland
gingen zum 1. Mai hunderttausende Menschen für höhere
Löhne und Renten auf die Straßen. In Frankreich brachten die
Gewerkschaften ihre Belange in den Präsidentschaftswahlkampf ein.
Von Gewalt geprägte Zwischenfälle gab es dagegen am Dienstag
in der türkischen Metropole Istanbul, in der chinesischen
Sonderverwaltungszone Macao sowie in der Schweizer Finanzmetropole
Zürich. In Tschechien ging die Polizei in Prag und Brünn
(Brno) gegen Rechtsradikale zum Teil mit Tränengas und
Schlagstöcken vor.
Tränengas und Schlagstöcke setzte die Polizei in Istanbul
gegen linke Gruppen und Gewerkschafter ein, die trotz eines Verbots auf
dem Taksim-Platz im europäischen Stadtzentrum demonstrieren
wollten. Dabei wurden nach Angaben von Provinzgouverneur Muammar
Güler in der Nähe des abgeriegelten Platzes etwa 700
Demonstranten festgenommen, unter ihnen knapp 200 Frauen. In
Zürich ging die Polizei mit Wasserwerfern und Gummigeschossen
gegen vermummte Demonstranten vor. Diese hatten Fensterscheiben
eingeschlagen, Autos in Brand gesetzt, Haltestellen zerstört und
Polizisten angegriffen.
Pfefferspray und Wasserwerfer setzte die chinesische Polizei in der
ehemaligen portugiesischen Kolonie Macao gegen Demonstranten ein, die
bei einem Marsch zum 1. Mai in das abgeriegelte Stadtzentrum vordringen
wollten. Über eventuelle Festnahmen oder Verletzte gab es keine
Angaben. Gewerkschafter in Macao werfen den chinesischen Behörden
Untätigkeit im Kampf gegen die Korruption und gegen die steigende
Zahl von Wanderarbeitern aus anderen Teilen Chinas vor.
Der Vorsitzende der Föderation der unabhängigen
Gewerkschaften Russlands, Michail Schmakow, forderte vor 25 000
Menschen in Moskau, die Mindestlöhne im Land müssten endlich
an die Lebenshaltungskosten angepasst werden. In Moskau, einer der
teuersten Städte weltweit, soll der Mindestlohn für
städtische Arbeiter in diesem Jahr auf 6100 Rubel (175 Euro)
monatlich angehoben werden.
In Frankreich demonstrierten nach Gewerkschaftsangaben landesweit 200
000 Menschen, davon allein 60 000 in Paris. Auch 2000 Anarchisten
sollen sich an den Kundgebungen beteiligt haben. Fünf Tage vor der
Präsidentenwahl wurde vielerorts Kritik an dem konservativen
Kandidaten Nicolas Sarkozy laut. Trotzdem gaben die großen
Gewerkschaften keine Wahlempfehlung.
(Quelle: dpa)
Frankreichs Gewerkschaften machen vor Wahl mobil
Mi.02.05.07 - Bei ihren Kundgebungen zum 1. Mai haben Frankreichs Gewerkschaften mit
Blick auf die Präsidentschaftswahl ihre Forderungen nach
Arbeitsplatzsicherung und einer höheren Kaufkraft in den
Mittelpunkt gestellt. Landesweit waren fast 250 Veranstaltungen geplant.
In Paris machten die Gewerkschaften CFTC und FO mit Kundgebungen an zwei
Plätzen im Zentrum der französischen Hauptstadt den Auftakt.
Der Chef der Arbeitnehmervertretung CGT, Bernard Thibault, sagte, der
1. Mai solle den Gewerkschaften "mehr Gewicht" in den Gesprächen
mit den neuen Regierung nach der Wahl geben.
Thibault sagte dem Sender i-tele, eine "starke Mobilisierung"
könne es auch erlauben, "etwas in die Debatte" zwischen dem
konservativen Präsidentschaftskandidaten Nicolas Sarkozy und der
Sozialistin Ségolène Royal "einzugreifen", die am Sonntag
in einer Stichwahl gegeneinander antreten. Von den großen
Arbeitnehmervertretungen hat bisher keine klar eine Wahlempfehlung
ausgesprochen. Lediglich die Studentengewerkschaft Unef rief zu einer
"Mobilisierung auf, um Nicolas Sarkozy am Sonntag zu schlagen". Thibault
sagte auf die Frage, ob er einen Präsidenten Nicolas Sarkozy als
"Gefahr" sehe: "Für die gewerkschaftlichen Freiheiten ja."
Sarkozy will bis zum Herbst unter anderem bei Streiks im
öffentlichen Dienst eine Vorgabe für Mindestdienstleistungen
einführen, die trotz Arbeitskämpfen erbracht werden
müssen. Frankreichs mitgliederstärkste Gewerkschaft CFDT hatte
am Montag angekündigt, dass die von Sarkozy für Juli geplanten
Sozialgesetze nicht ohne Widerstand hingenommen würden, die unter
anderem die 35-Stunden-Woche aufweichen sollen.
(Quelle: afp)
Rund eine halbe Million Menschen bei 1.-Mai-Kundgebungen in Deutschland
Mi.02.05.07 - Mehr als eine halbe Million Menschen haben sich nach Angaben des
Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) an den Demonstrationen und
Kundgebungen zum Tag der Arbeit in Deutschland beteiligt. Insgesamt
habe es 450 Veranstaltungen des DGB gegeben, teilte der
Gewerkschaftsbund in Berlin mit. Unter dem Motto "Du hast mehr
verdient! Mehr Respekt. Soziale Gerechtigkeit. Gute Arbeit." stand die
Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn im Mittelpunkt der
meisten Aktionen. Auf der zentralen Veranstaltung in Gelsenkirchen
forderte DGB-Chef Michael Sommer einen einheitlichen Mindestlohn von
7,50 Euro pro Stunde.
"Millionen arbeiten für Hungerlöhne", kritisierte er. "Das
ist und bleibt ein sozialer Skandal." Der Mindestlohn sei kein Thema
für den Wahlkampf 2009, sondern müsse jetzt eingeführt
werden, sagte Sommer weiter.
Verdi-Chef Bsirske sagte der "Thüringer Allgemeinen": "Wo keine
flächendeckenden Mindestlohntarifverträge bestehen, greift
Lohndumping um sich." Der freie Fall der Löhne sei dann
programmiert. In Deutschland arbeiteten 2,5 Millionen Menschen, die zu
wenig verdienten. Die Tendenz sei steigend.
Der Verdi-Chef betonte, Gewerkschaften alleine könnten dies nicht
verhindern, da in vielen Bereichen gar keine Tarife mehr griffen. In
anderen Bereichen gebe es zwar tarifliche Regelungen - "aber mit
Stundenlöhnen von vier Euro". Die bloße Festlegung von
sittenwidrigen Löhnen seien ein "Ablenkungsmanöver". "Danach
wären dann Löhne von knapp über drei Euro
ausdrücklich erlaubt. Das klingt wie Hohn in den Ohren derer, die
davon leben müssen".
(Quelle: afp)
DGB fordert am Tag der Arbeit rasche Einführung von
Mindestlöhnen
Mi.02.05.07 - Angesichts von Lohndumping und Billiglöhnen in zahlreichen
Branchen hat DGB-Chef Michael Sommer die Bundesregierung zur raschen
Einführung von Mindestlöhnen aufgefordert. Die Abschaffung von
Armutslöhnen sei das derzeitig wichtigste Ziel der Gewerkschaften,
sagte Sommer am Dienstag bei der Hauptkundgebung des Deutschen
Gewerkschaftsbundes zum Tag der Arbeit in Gelsenkirchen. «Niemand
in diesem Land soll für weniger als 7,50 Euro in der Stunde
arbeiten müssen», forderte der DGB-Chef.
Gesetzliche Mindestlöhne von 7,50 Euro seien das absolute Minimum
und würden zudem keine Arbeit zerstören, sondern zur
Bekämpfung von Schwarzarbeit beitragen. Ein Mindestlohn in
Höhe von 6,50 Euro, wie er diskutiert werde, wäre laut Sommer
zu niedrig. Auch den CDU-Vorschlag, Kombilöhne einzuführen,
wies der DGB-Vorsitzende zurück. Kombilöhne würden
lediglich bedeuten, dass die Allgemeinheit zur Finanzierung von
Niedriglöhnen beitragen müsse. Ebenso würde ein
bloßes Verbot sittenwidriger Löhne, wie von der Union
vorgeschlagen, nicht ausreichen, sagte Sommer.
«Millionen arbeiten in diesem Land für Hungerlöhne. Sie
haben etwas gelernt, sie arbeiten hart und sie können sich und ihre
Familien doch von ihrem Lohn nicht über Wasser halten»,
kritisierte der DGB-Chef und sprach unter Verweis auf Löhne von
3,50 im Friseurhandwerk von einem «sozialen Skandal» und
Ausbeutung der Beschäftigten, die unverzüglich beendet werden
müssten.
Sommer verlangte zudem eine Teilhabe der Beschäftigten am
derzeitigen Aufschwung. In den laufenden Tarifrunden müsse eine
deutliche Erhöhung der Löhne und Gehälter vereinbart
werden. «Vom Aufschwung müssen alle profitieren - nicht nur
die Reichen und Spitzenverdiener», sagte Sommer.
Der Wirtschaft warf der DGB-Vorsitzende mangelnde soziale Verantwortung
vor. Trotz sprudelnder Gewinne würden zehntausende
Beschäftigte entlassen, kritisierte Sommer und rief die Politik
auch hier zum Gegensteuern auf: «Die Menschen in diesem Land
erwarten, dass die große Koalition diesem Treiben ein Ende
bereitet.» Die Bundesregierung müsse auf internationaler
Ebene Transparenz und klare Regeln durchsetzen, damit Unternehmen nicht
länger ausgeweidet und ganze Belegschaften für die Gier von
Finanzhaien bluten müssten. «Damit muss Schluss sein!»,
forderte der DGB-Vorsitzende.
Angesichts der zunehmenden Zahl von Leiharbeitern in den Unternehmen
erklärte Sommer, die nun stark gesunkene Arbeitslosenzahl
könne jederzeit wieder nach oben schnellen. Leiharbeit dürfe
nicht zur Regel werden, forderte der DGB-Chef. Sommer warf den
Unternehmen zudem mangelnde Bereitschaft zur Ausbildung vor. Weit
über 100.000 Jugendliche seien nach wie vor ohne Lehrstelle.
Scharfe Kritik äußerte Sommer an der Rente mit 67, die er
angesichts der zahlreichen älteren Langzeitarbeitslosen als
«politisch pervers» bezeichnete. Sommer kündigte an,
die Entscheidung der Bundesregierung zu einem zentralen Wahlkampfthema
bei der nächsten Bundestagswahl machen zu wollen. Auch die
Steuerpolitik der großen Koalition kritisierte Sommer als sozial
ungerecht. Die Wirtschaft werde begünstigt, die Bürger
würden benachteiligt.
(Quelle: ap)
Auftragsrekord für deutsche Maschinenbauer
Mi.02.05.07 - Die deutschen Maschinenbauer haben im März den höchsten
Auftragszuwachs seit mehr als 30 Jahren verbucht. In dem Monat gingen 47
Prozent mehr Bestellungen ein als im März 2006, wie der Verband
Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Montag in Frankfurt
mitteilte.
Aus dem Inland kamen 36 Prozent mehr Aufträge, die
Auslandsnachfrage stieg um 54 Prozent. «Eine ungebrochene
Investitionslaune im Inland sowie ein bemerkenswert hohes Maß an
Großanlagengeschäft im Ausland haben dem Maschinenbau im
März die höchsten Zuwächse seit Mitte der 70er Jahre
beschert», sagte VDMA- Chefvolkswirt Ralph Wiechers.
Im ersten Quartal lagen die Bestellungen insgesamt um 29 Prozent
über den ersten drei Monaten 2006. Der Zuwachs verteilt sich fast
gleichmäßig auf das Inland und das Ausland. Von 27 Sparten
waren 22 im Plus. «Der Aufschwung gewinnt an Breite», sagte
VDMA- Konjunkturexperte Olaf Wortmann. Für das Gesamtjahr erwartet
der Verband bislang ein Produktionsplus von vier Prozent. Der deutsche
Maschinen- und Anlagenbau erlebt derzeit die längste Wachstumsphase
seit mehr als 30 Jahren und steuert in diesem Jahr das vierte Rekordjahr
in Folge an. Die Wachstumsprognose sei «nicht in Stein
gemeißelt», hatte VDMA-Präsident Dieter Brucklacher
kürzlich gesagt. 2006 hatte die Branche ein Plus von 7,4 Prozent
verzeichnet.
Der hohe Auftragsbestand sorgt nach Angaben von VDMA- Konjunkturexperte
Wortmann bereits für Lieferengpässe. Von einer Bestellung bis
zur Auslieferung vergingen derzeit im Durchschnitt 5,9 Monate. Dabei
reichten die Lieferzeiten von wenigen Wochen bei Komponenten bis zu 14
Monate für ein Walzwerk. Die Kapazitätsauslastung lag im
März bei 93,2 Prozent. Deshalb würden
Produktionsunterbrechungen durch Warnstreiks wie im laufenden Metall-
Tarifkonflikt die Unternehmen empfindlich treffen, sagte Wortmann. Ein
weiteres Problem für die etwa 6000 Unternehmen sei der starke Euro.
«Jedes Unternehmen in der Euro-Zone hat starken Gegenwind, wenn es
Wettbewerber im Dollar- oder Yen-Raum hat», sagte der Experte.
(Quelle: dpa)
Zahl der Arbeitslosen im April unter vier Millionen gesunken
Mi.02.05.07 - Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im April erstmals seit
Jahren wieder unter vier Millionen gesunken. 3,967 Millionen Menschen
waren im vergangenen Monat ohne Beschäftigung, wie
Bundesarbeitsminister Franz Müntefering in Berlin mitteilte. Am
Arbeitsmarkt gebe es weiterhin eine positive Entwicklung, erklärte
der Minister. "Das wird sich in diesem Jahr fortsetzen." Die
Wachstumsprognosen und Arbeitsmarktentwicklung zeigten einen klaren
Trend. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil zeigte sich zufrieden mit
den neuesten Zahlen.
Nach Münteferings Angaben war die Arbeitslosenzahl 2005 um diese
Jahreszeit um rund 1,1 Millionen höher. Damals habe es 420.000
offene Stellen gegeben, heute seien es rund 920.000. Bei den
Unter-25-Jährigen sei die Arbeitslosenzahl von 555.000 auf etwa
400.000 gesunken.
Heil erklärte in Berlin: "Für uns Sozialdemokraten ist dies
ein Ansporn, die sozial gerechte Modernisierung unseres Landes weiter
voranzutreiben." Der Aufschwung müsse "für alle Bürger
spürbar werden". Heil fügte hinzu: "Wir brauchen
Mindestlöhne, damit Menschen, die hart in Vollzeit arbeiten, von
ihrem Gehalt auch leben können."
(Quelle: afp)
Tausende protestieren gegen rechte Aufmärsche
Mi.02.05.07 - Tausende Menschen in verschiedenen Städten Deutschlands haben am
Maifeiertag überwiegend friedlich gegen Aufmärsche von
Rechtsextremisten protestiert. In Dortmund, Erfurt und anderen
Städten kam es allerdings auch zu gewaltsamen Ausschreitungen auf
beiden Seiten der Demonstranten mit Hunderten von Festnahmen. Der
DGB-Vorsitzende Michael Sommer forderte ein Verbot der NPD «ohne
Wenn und Aber». Der bayerische Innenminister Günther
Beckstein erklärte, man dürfe es der NPD nicht durchgehen
lassen, dass sie Sorgen der Bevölkerung für ihre
extremistischen Ziele instrumentalisiere.
In Dortmund versammelten sich rund 650 Teilnehmer einer Demonstration
aus dem rechten Spektrum. Auf einer DGB-Kundgebung mit rund 3.500
Teilnehmern nannte DGB-Chef Sommer es unerträglich, dass die NPD
unter dem Schutzschild des Parteienprivilegs in Mecklenburg-Vorpommern
und Sachsen öffentliche Gelder kassiere. Deutschland habe es
verdient, «dass wir diesem Spuk ein Ende machen».
Eine Demonstration des Antifaschistischen Bündnisses mit rund
1.800 Teilnehmern wurde vorzeitig vom Versammlungsleiter
aufgelöst. Daraufhin legten Teile der Demonstranten nach Angaben
von Polizei und Bahn Brände an Gleisanlagen, was zu schweren
Beeinträchtigungen im Nahverkehr führte. Insgesamt nahm die
Dortmunder Polizei 133 Personen fest oder in Gewahrsam.
In Erfurt wurden bei einem Aufmarsch von Neonazis und
Gegenveranstaltungen laut Polizei mehrere Menschen verletzt. Die
Einsatzkräfte seien aus den Reihen der rund 1.800
NPD-Anhänger mit Pflastersteinen und Flaschen attackiert worden,
einige Beamte seien tätlich angegriffen worden. Daraufhin habe die
Polizei die Kundgebung der rund 1.300 NPD-Anhänger aufgelöst.
Auch auf Seiten der etwa 2.500 Gegendemonstranten habe es
«massive Sachbeschädigung» gegeben, sagte eine
Polizeisprecherin. Die genaue Zahl der Verletzten war zunächst
nicht bekannt.
In Nürnberg begann um 13.00 Uhr ein Aufmarsch von rund 200
Rechtsextremisten, wie die Polizei mitteilte. An einer
Gegendemonstration unter dem Motto «Nürnberg ist bunt»
nahmen laut Polizei 5.000 Menschen teil. Beckstein sagte, das
Engagement breiter Bevölkerungsgruppen gegen rechtes Gedankengut
zeige, dass die breite Mehrheit der Menschen bereit sei, «die
Herausforderung anzunehmen und die Demokratie gegen die
Rechtsextremisten zu verteidigen».
In den hessischen Orten Raunheim und Rüsselsheim nahm die Polizei
11 Personen fest und 70 in Gewahrsam, zwei Polizisten wurden verletzt.
In beiden Städten gab es Blockaden, unter anderem wurde ein
Bauwagen in Brand gesteckt und auf die Straße gezogen. In
Raunheim kamen laut Polizei rund 270 rechte, 600 linke und 400 keinem
Lager zuzuordnende Demonstranten zusammen. Eine in Rüsselsheim
geplante Demonstration von Rechtsextremisten konnte zunächst nicht
beginnen, da ein Bahndamm aus ungeklärter Ursache in Brand geriet.
Ein mit Rechtsextremisten besetzter Zug wurde dadurch blockiert.
In Bad Bramstedt in Norddeutschland protestierten rund 700
Demonstranten gegen einen Aufmarsch von rund 130 Rechtsextremisten.
Dabei kam es zu acht Festnahmen. In Vechta beteiligten sich rund 1.300
Menschen friedlich an Gegenveranstaltungen zu einem NPD-Aufmarsch mit
rund 100 Teilnehmern. In Neubrandenburg demonstrierten rund 500 zum
Teil gewaltbereite Menschen gegen etwa 700 Teilnehmer eines
NPD-Aufmarschs, 25 Menschen wurden vorläufig festgenommen.
(Quelle: ap)
Zentralrat der Juden will mehr Aufklärung über NS-Zeit in
Schulen
Mi.02.05.07 - Die Themen NS-Zeit und Rechtsextremismus sollten nach Ansicht des
Zentralrats der Juden in Deutschland eine größere Rolle im
Schulunterricht spielen. Man müsse den Jugendlichen dabei helfen,
sich mit der Geschichte ihrer Großeltern auseinanderzusetzen,
sagte Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch am Montag in Halle
bei einer Lehrerfortbildung. Im Geschichtsunterricht komme das Thema
aber zu kurz. Der Deutsche Lehrerverband (DL) und der Schulbuchverlag
Cornelsen wiesen die Kritik zurück.
Knobloch sagte, man müsse den Schülern auch sagen, dass sie
keine Schuld trügen an den Verbrechen ihrer Großeltern. Im
MDR kritisierte sie, der Nationalsozialismus dürfe nicht in
fünf Unterrichtseinheiten abgehandelt werden. Dafür sei das
Thema viel zu wichtig und sensibel.
Der Redaktionsleiter Gesellschaftswissenschaften bei Cornelsen,
Götz Schwarzrock, widersprach im gleichen Sender. «Es ist
nicht ganz richtig, wenn Frau Knobloch sagt, das Thema werde in
fünf Einheiten abgehandelt. Insgesamt zwölf verschiedene
Aspekte werden in der Regel behandelt - von der Machtergreifung bis zum
Holocaust und den Vertriebenen.» Insgesamt werde fast ein halbes
Jahr der Nationalsozialismus unterrichtet, sagte Schwarzrock. Der
Vormarsch rechtsradikalen Gedankenguts liege sicherlich nicht an den
Lehrplänen, sondern am gesellschaftlichen Umfeld.
DL-Präsident Josef Kraus bezeichnete Knoblochs Kritik als nicht
nachvollziehbar. «Das Thema hat in den Lehrplänen und
Schulbüchern seinen gebührenden Platz», sagte er der
Netzeitung. Knobloch solle sich vor solcher Kritik erst einmal mit
«den schulischen Realitäten» vertraut machen. Ihre
Forderung nach mehr Aufklärung über die NS-Zeit in Schulen sei
«nicht berechtigt und wird auch durch permanente Wiederholung
nicht richtiger». Bei der Vermittlung des Themas sei ein
vernünftiges Maß wichtig. «Wir müssen aufpassen,
dass die Schüler nicht die Jalousien herunter lassen», warnte
Kraus. «Zuviel NS-Geschichte kann kontraproduktiv sein.»
Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer,
nannte bei der Lehrerfortbildung Schule einen Ort des menschlichen
Miteinanders, an dem wichtige Mechanismen der Demokratie erlernt und
eingeübt werden können. Er wandte sich jedoch strikt dagegen,
alle Verantwortung bei der Extremismusbekämpfung und
Gewaltprävention auf Lehrer und Schule abzuwälzen. «Wir
kommen nur voran, wenn sich die ganze Gesellschaft stärker gegen
Rechtsextremismus und Antisemitismus im Alltag zur Wehr setzt»,
sagte er.
Die Veranstaltung in Halle war der Startschuss für eine
landesweite Weiterbildungsreihe für Lehrer in Sachsen-Anhalt. Sie
sollen befähigt werden, die unterschiedlichen Erscheinungsformen
von Rechtsextremismus zu erkennen und bei derartigen Vorfällen
richtig zu handeln. In Sachsen-Anhalt ist die Zahl rechtsextremistischer
und fremdenfeindlicher Straftaten 2006 um fünf Prozent gestiegen.
Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg wurden im
vergangenen Jahr insgesamt 1.567 Ermittlungsverfahren eingeleitet,
hauptsächlich wegen unerlaubten Verwendens von Kennzeichen
verfassungswidriger Organisationen.
Fremdenfeindliche Taten in Sachsen-Anhalt hatten in der Vergangenheit
mehrfach für Entsetzen gesorgt. So wurde im Juni 2006 bei einer
Sonnenwendfeier in der Ortschaft Pretzien vor zahlreichen Zuschauern ein
Exemplar des Tagebuches der Anne Frank verbrannt.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
USA lehnt gemeinsame Monderforschung mit Russland ab
Mi.02.05.07 - Die USA wollen nach russischen Angaben beim geplanten Bau einer
Forschungsstation auf dem Mond nicht mit Moskau zusammenarbeiten. Die
NASA habe ein Angebot seiner Raumfahrtagentur abgelehnt, sich mit
Technik und Know-how zu beteiligen, erklärte Roskosmos-Chef Anatoli
Perminow nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax.
Die NASA hatte im Dezember bekannt gegeben, bis 2024 eine
Forschungsstation an einem der Pole des Mondes zu errichten. Perminow
sagte am Sonntag, die Vereinigten Staaten hätten erklärt, sie
wollten das Projekt alleine durchziehen. Dabei fehlten ihnen Fachleute,
um das Programm umzusetzen. Die amerikanische Raumfahrtagentur wollte
sich zunächst nicht dazu äußern.
Auch Deutschland arbeitet an einer Mondmission. Das Deutsche Zentrum
für Luft- und Raumfahrt (DLR) prüft die Erkundung des
Erdtrabanten mit einer Sonde. Das Projekt könnte bis 2013
verwirklich werden. Als zweiter Schritt ist eine europäische
Mondlande-Mission in der Diskussion.
(Quelle: ap)
ESA-Satelliten jetzt auch online zu verfolgen
Mi.02.05.07 - Wer wissen will, ob sich gerade ein Satellit der europäischen
Raumfahrtorganisation ESA am Himmel befindet, findet jetzt auf der
ESA-Website das passende Programm [http://www.esa.int/SPECIALS/Track_ESA_missions/index.html].
Das Tool «Track ESA Spacecraft» zeigt beim Start
automatisch auf einer Google-Earth-Karte den Standort der
Internationalen Raumstation (ISS) an. Auf Wunsch gibt es aber auch zum
Beispiel die Daten von «Hubble» und anderen
Weltraumteleskopen wie «Integral» oder
«XMM-Newton», wie die ESA mitteilte. Zur Wahl stehen auch
noch die Erdbeobachtungssatelliten «Envisat»,
«ERS-2» und «Proba-1» sowie der erste Satellit
des europäischen Navigationssystems Galileo, «Giove-A».
(Quelle: ap)