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Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendachtunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Neun Tote bei Selbstmordanschlag in Bagdad. Irakische Regierung geht
weiter Hinweisen über Masris Tod nach. US-Repräsentantenhaus
kann Bushs Veto nicht überstimmen. US-Außenministerin Rice
fordert Anrainer des Irak zu Bemühungen um Stabilität auf
Do.03.05.07 - Bei einem Selbstmordanschlag vor einer Polizeiwache in Bagdad sind am
Mittwoch mindestens neun Menschen getötet und 34 verletzt worden.
Nach Polizeiangaben krachte der Attentäter mit seinem Auto voller
Sprengstoff in zwei Streifenwagen, die 50 Meter von dem
Polizeigebäude und 100 Meter von einem Busbahnhof parkten. Unter
den Getöteten seien drei Polizisten. Die Explosion habe auch
mehrere Geschäfte beschädigt.
Die irakische Regierung versucht weiter herauszufinden, ob der
mutmaßliche Anführer der Terrororganisation El Kaida im Irak,
Abu Ajub el Masri, tatsächlich tot ist. "Bislang haben wir seine
Leiche nicht gefunden", sagte ein Sprecher des Innenministeriums am
Mittwoch in Bagdad. "Aber wir setzen unsere Bemühungen fort." Der
Sprecher hatte am Vortag gesagt, die Regierung habe sehr
glaubwürdige Informationen, wonach Masri bei Kämpfen unter den
Aufständischen getötet worden sei.
Einen Tag vor der Irak-Konferenz in Ägypten hat
US-Außenministerin Condoleezza Rice die Anrainerstaaten des Irak
aufgefordert, sich um die Stabilisierung des Landes zu bemühen.
"Ein stabiler, geeinter und demokratischer Irak wird die
Stützsäule für die Stabilität im Nahen Osten sein",
sagte Rice auf dem Flug nach Europa in der Nacht zum Mittwoch vor
mitreisenden Journalisten. Ein Irak, "der kein Irak für alle ist",
werde eine Quelle der Instabilität für die gesamte Region
sein. Dies sei die wichtigste Botschaft, die sie bei der
zweitägigen Konferenz am Donnerstag und Freitag übermitteln
werde. "Die Region hat alles zu verlieren", sagte Rice. "Die Nachbarn
des Irak haben alles zu verlieren."
Das US-Repräsentantenhaus ist am Mittwoch mit dem Versuch
gescheitert, das Veto von Präsident George W. Bush gegen die
Verknüpfung eines Rückzugstermins aus dem Irak mit der
Kriegsfinanzierung zu überstimmen. In der demokratisch
beherrschten Kammer stimmten 222 Abgeordnete gegen das Veto, 203
unterstützten den Präsidenten. Bushs Einspruch kann nur mit
einer Zweidrittelmehrheit überstimmt werden.
Unmittelbar nach dem Votum kamen die demokratischen Führer der
beiden Kongresskammern, die Parlamentspräsidentin Nancy Pelosi
sowie Senat-Mehrheitsführer Harry Reid, mit Bush zu
Gesprächen über eine Kompromisslösung zusammen.
«Gestern war ein Tag, der die Gegensätze unterstrichen
hat», erklärte der Präsident bei dem Treffen im
Weißen Haus. «Heute ist der Tag, an dem wir
zusammenarbeiten können, um eine gemeinsame Grundlage zu
finden.»
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 03.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertvierundsiebzigstenTag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.03.05.06 - US-Präsident sieht Irak auf dem Weg zu Stabilität und
Demokratie +++ Zwei Tote bei Anschlag auf Markt in Bagdad +++
Parlamentspräsident ruft zum Ende der Gewalt und zur Zusammenarbeit
aller Volksgruppen auf +++ Deutsche Geiseln im Irak sind frei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0605030.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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30 Zivilisten bei Kämpfen im Westen Afghanistans getötet
Do.03.05.07 - Bei den jüngsten Gefechten im Westen Afghanistans sind nach
Angaben der afghanischen Polizei mindestens 30 Zivilisten getötet
worden. Auch Frauen und Kinder seien unter den Opfern gewesen, sagte der
Polizeichef der Stadt Herat, Mohammed Schafik Fasli, der
Nachrichtenagentur AFP.
Die Kämpfe hatten sich am Freitag und Samstag im Bezirk Schindand
ereignet. Nach Angaben der US-Armee waren dabei 136 Kämpfer der
radikalislamischen Taliban getötet worden. Hunderte Afghanen hatten
in Schindand gegen die US-Armee demonstriert, der sie die Tötung
zahlreicher Zivilisten vorwarfen.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Untersuchungs-Bericht zum Libanon-Krieg wird zum Debakel für
Israels Ministerpräsident Olmert
Do.03.05.07 - Nach dem vernichtenden Kommissionsbericht zum Libanon-Krieg wird es eng
für den israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert:
Außenministerin Zipi Livni schloss sich am Mittwoch als bislang
ranghöchste und populärste Kadima-Politikerin den
Rücktrittsforderungen an den Regierungs- und Parteichef an.
Zugleich brachte sie sich als mögliche Nachfolgerin ins
Gespräch. Olmert wies die Rufe nach seinem Rücktritt
zurück.
Der Ministerpräsident wolle an der Spitze der Koalition mit der
Arbeitspartei die Empfehlungen der Untersuchungskommission umsetzen,
erklärte Olmerts Sprecher Jacob Galantis. Livni machte vor
Journalisten deutlich, dass sie bei einer Abstimmung um die
Parteiführung gegen Olmert antreten werde. «Ich habe nicht
darauf hingearbeitet und arbeite nicht darauf hin, den
Ministerpräsidenten zu stürzen. Das ist eine Entscheidung,
die er treffen muss», betonte die Ministerin. «Es ist keine
persönliche Angelegenheit zwischen dem Ministerpräsidenten
und mir.»
Sie habe Olmert bei einer Krisensitzung des Kabinetts gesagt, ein
Rücktritt wäre der richtige Schritt für ihn,
erklärte Livni. Sie selbst wolle in der Regierung bleiben, um
sicher zu stellen, dass die von der Untersuchungskommission empfohlenen
Verbesserungen beim Entscheidungsprozess und Krisenmanagement auch
umgesetzt werden. Wegen der destabilisierenden Auswirkungen wolle sie
eine Auflösung der Regierung und Neuwahlen vermeiden. Die Partei
solle Olmert ablösen, ohne die Koalition mit der Arbeitspartei zu
beenden. Bei dem Koalitionspartner erwog Parteikreisen zufolge
Verteidigungsminister Amir Perez seinen Rücktritt.
Vor Livni hatten bereits der Fraktionsvorsitzende der Kadima-Partei,
Avigdor Jitzhaki und die Abgeordnete Marina Solodkin den Druck auf den
Ministerpräsidenten erhöht und verlangt, er solle sofort sein
Amt niederlegen. Jitzhaki trat am Mittwoch nach Kadima-Angaben als
Vorsitzender der Parlamentskoalition zurück. In Umfragen sprachen
sich unterdessen klare Mehrheiten für einen Rücktritt Olmerts
aus.
Die Untersuchungskommission zum Libanon-Krieg ging mit Olmert sowie
Perez und dem damaligen Armeechef Dan Halutz hart ins Gericht. Olmert
habe den Militäreinsatz im vergangenen Sommer überhastet
begonnen und keinen umfassenden Plan zur Hand gehabt, hieß es.
Israel begann den Feldzug am 12. Juli 2006, wenige Stunden nachdem die
Hisbollah-Miliz im Südlibanon drei israelische Soldaten
getötet und zwei weitere entführt hatte. Während der 34
Tage dauernden Kämpfe gelang es den israelischen
Streitkräften weder, die entführten Soldaten zu befreien,
noch die Hisbollah zu vernichten oder die Miliz auch nur daran zu
hindern, tausende Raketen auf Nordisrael zu schießen.
Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah wertete den Kommissionsbericht
am Mittwoch als Beleg für eine israelische Niederlage im
Libanon-Krieg. Es sei zu respektieren, dass eine von Olmert eingesetzte
Kommission den Regierungschef verurteilt habe, sagte Nasrallah in
Beirut.
Die israelische Polizei erhob unterdessen schwere
Spionage-Vorwürfe gegen einen flüchtigen
Knesset-Abgeordneten. Der arabische Politiker Asmi Bischara soll der
Hisbollah-Miliz während des Libanon-Kriegs militärische
Informationen zugespielt haben. Einzelheiten der Ermittlungen, die
bislang geheim waren, wurden am Mittwoch veröffentlicht. Bischara,
der Israel vor einigen Wochen verlassen hat, werde im Falle seiner
Rückkehr verhaftet, sagte ein Polizeisprecher. Ihm könnte die
Todesstrafe drohen.
Bischara hatte sein Abgeordnetenmandat im März niedergelegt. Die
Ermittlungen gegen ihn bezeichnete er als Hexenjagd. Er erklärte
am Mittwoch in einem Telefoninterview von Amman aus, er habe keinen
Zugang zu sensiblen Informationen. Er habe mit Freunden lediglich
über Dinge gesprochen, über die die israelischen Medien
berichtet hätten.
(Quelle: ap)
Haftbefehle gegen mutmaßliche Kriegsverbrecher in Darfur
Do.03.05.07 - Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) hat am Mittwoch Haftbefehle
gegen einen sudanesischen Minister und einen Milizführer erlassen.
Ihnen werden Verbrechen an der Zivilbevölkerung in Darfur zur Last
gelegt. Der Sudan müsse den Minister für Humanitäre
Angelegenheiten, Ahmad Harun, und den Dschandschawid-Führer Ali
Kuschajb festnehmen, erklärte Ankläger Luis Moreno-Ocampo in
Den Haag. Moreno-Ocampo hatte die beiden Männer im Februar als
Verdächtige in mehr als 50 Fällen von Kriegsverbrechen
benannt. Der Gewalt in Darfur sind seit Februar 2003 mehr als 200.000
Menschen zum Opfer gefallen. Etwa 2,5 Millionen Bewohner wurden in die
Flucht getrieben.
(Quelle: ap)
Ärmere Länder fordern Hilfe im Kampf gegen Klimawandel
Do.03.05.07 - Die Entwicklungs- und Schwellenländer sehen ihre Interessen auf
der Weltklimakonferenz in Bangkok nicht ausreichend berücksichtigt.
Der Bericht, der am Freitag vorgestellt werden soll, müsse auch
Hilfszusagen für Afrika beinhalten, sagte der libysche Delegierte
Junis Al Fenadi am Mittwoch. «Afrika ist ein Opfer des
Klimawandels. Es trägt nicht zu den CO2-Emissionen bei»,
erklärte er.
Auch der Karibikstaat Antigua und Barbuda kritisierte die Agenda der
Konferenz. Die Diskussionen ergingen sich in technischen Fragen, sagte
Delegationsmitglied Orvin Paige. «Ich hoffe, dass wir noch
erfahren, welche Hilfe wir erwarten können.» Paige verwies
auf die gravierenden Auswirkungen der Wirbelstürme, die die Karibik
jedes Jahr während der Hurrikan-Saison zwischen Juni und Dezember
heimsuchen.
Die Europäische Union hatte zuvor die Schwellen- und
Entwicklungsländer zum Handeln aufgerufen. Es müsse
sichergestellt werden, dass auch dort der Ausstoß von
Treibhausgasen begrenzt werde, sagte EU-Klimaexperte Tom van Ierland.
(Quelle: ap)
Türkische Regierungspartei beantragt Neuwahlen
Do.03.05.07 - Nach dem Stopp der Präsidentenwahl in der Türkei soll das
Parlament in Ankara Neuwahlen für den 24. Juni beschließen.
Einen entsprechenden Gesetzesvorschlag reichte die islamisch-
konservative Regierungspartei von Ministerpräsident Recep Tayyip
Erdogan beim Präsidium der Nationalversammlung ein.
Der Regierungschef hatte gleich nach der Entscheidung des
Verfassungsgerichts angekündigt, dass die regulär im November
fälligen Parlamentswahlen auf den «nächstmöglichen
Termin» vorgezogen werden sollen.
Das Verfassungsgericht in Ankara hatte am Dienstag die erste Runde
für die Wahl des Staatspräsidenten für ungültig
erklärt und damit dem Kandidaten der Regierungspartei,
Außenminister Abdullah Gül, den Weg in das höchste
Staatsamt verbaut.
(Quelle: dpa)
Präsidentenwahl in Frankreich: Royal und Sarkozy liefern sich
erbitterte TV-Debatte
Do.03.05.07 - Vier Tage vor der Präsidentenwahl in Frankreich haben sich
Ségolène Royal und Nicolas Sarkozy in ihrem einzigen
TV-Duell einen erbitterten Schlagabtausch geliefert. Die Sozialistin
warf dem konservativen Exinnenminister am Mittwochabend einen
«Gipfel der politischen Immoralität» vor, nachdem er
jedem behinderten Kind einen Platz in der Schule versprochen hatte.
«Man spielt nicht mit den Behinderten, ich bin sehr
wütend», sagte Royal. Schließlich sei die amtierende
Regierung für Rückschritte bei der Betreuung Behinderter
verantwortlich. «Madame Royal hat die Nerven verloren»,
konstatierte Sarkozy darauf. «Jemand, der Präsident sein
will, muss die Ruhe bewahren.»
Für die Sozialistin war die Debatte, zu der 20 Millionen
Fernsehzuschauer erwartet wurden, die letzte Möglichkeit, ihren
Rückstand gegenüber Sarkozy vier Tage vor der Stichwahl
aufzuholen. Sie bemühte sich, den wegen seines aufbrausenden
Charakters bekannten UMP-Chef zu einer Attacke zu provozieren.
Allerdings machte sie einen wesentlich aggressiveren Eindruck.
Zum Abschluss der Debatte nach ihrer Meinung zu Sarkozy befragt,
enthielt sie sich jeden persönlichen Kommentars. Der Konservative
hingegen zollte seiner Gegenkandidatin Respekt und Anerkennung, er hege
keinerlei feindliche Gefühle.
Royal war schon gleich zu Beginn der zweieinhalbstündigen Debatte
in die Offensive gegangen und hatte die Bilanz des früheren
Innenministers kritisiert. Sarkozy ließ sich zunächst nicht
aus der Ruhe bringen und verwies auf eine «katastrophale»
Situation, die die sozialistische Regierung Lionel Jospin bei seinem
Amtsantritt 2002 hinterlassen habe.
Auch über die 35-Stunden-Woche stritten Royal und Sarkozy heftig.
Sarkozy will Überstunden ermöglichen und von Abgaben
befreien. Die Einführung der Arbeitszeitverkürzung durch die
Sozialisten in den 90er Jahren sei ein «fundamentaler
Fehler» gewesen, sagte Sarkozy. Royal verteidigte die
35-Stunden-Woche als soziale Errungenschaft, schloss aber Ausnahmen
für kleine Unternehmen nicht aus.
Warum seine Regierung die Regelung nicht abgeschafft habe, fragte
Royal, um Sarkozy in seiner Antwort umgehend zu unterbrechen.
«Würden Sie mich bitte ausreden lassen», sagte der
Konservative. «Nein», erwiderte Royal. «Aha,
gut», sagte Sarkozy und lehnte sich zurück.
Von einem «Höhepunkt des Wahlkampfs» hatte zuvor
Expräsident Valéry Giscard d'Estaing gesprochen. Er hatte
in der ersten TV-Debatte in Frankreich 1974 die entscheidenden Punkte
für seinen Wahlsieg gegen den Sozialisten François
Mitterrand errungen. Das Duell erlaube es den Menschen erstmals, die
Projekte und Persönlichkeiten Royals und Sarkozys direkt zu
vergleichen, sagte Giscard d'Estaing im Radio.
Die letzte TV-Debatte unter Präsidentschaftskandidaten fand 1995
zwischen Amtsinhaber Jacques Chirac und dem Sozialisten Jospin statt,
sie verlief wesentlich zahmer als das Duell Sarkozy-Royal. Vor der
letzten Stichwahl 2002 verweigerte Chirac seinem Gegenkandidaten
Jean-Marie Le Pen von der rechtsextremen Nationalen Front die
Gelegenheit, vor Millionen Zuschauern für sein Programm zu werben.
(Quelle: ap)
Deutschland
Lafontaine kritisiert Sparkurs der europäischen Finanzminister
Do.03.05.07 - Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Oskar Lafontaine, hat
den Sparkurs der europäischen Finanzminister scharf kritisiert. In
einem Beitrag für die «Frankfurter Rundschau»
(Mittwochausgabe) warnt der frühere Bundesfinanzminister vor den
Folgen einer solchen Politik. Der Versuch, die Staatshaushalte durch
«phantasielosen Sparen» zu konsolidieren, «schürt
soziale Ungleicheit, geht zu Lasten von Investitionen und
Beschäftigung und benachteiligt damit auch künftige
Generationen».
Die Heranwachsenden müssten in «unterfinanzierten Schulen
und Universitäten lernen und studieren, sich mit fehlenden
Ausbildungs- und Arbeitsplätzen abfinden» und immer mehr
für Gesundheit, Bildung und Altersvorsorge finanziell selbst
aufkommen, kritisiert der ehemalige SPD-Chef. Lafontaine verlangt, dass
zumindest im gleichen Tempo, in dem die Einnahmen wüchsen, auch die
öffentlichen Ausgaben steigen müssten. Das würde die
Wachstumskräfte stärken und dazu beitragen, dass sich die
außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte innerhalb und
außerhalb Europas nicht vergrößerten.
(Quelle: ddp)
Unter vier Millionen Arbeitslose
BA senkt Durchschnittsprognose
für 2007 auf 3,8 Millionen
Langzeitarbeitslose profitieren kaum
Do.03.05.07 - Nach dem Rückgang der Zahl der Arbeitslosen auf unter vier
Millionen im April hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) ihre
Jahresprognose weiter gesenkt. Im Durchschnitt des Jahres 2007 rechne
man nun mit 3,8 Millionen Jobsuchenden, erklärte BA-Chef
Frank-Jürgen Weise am Mittwoch in Nürnberg. Als Folge der
guten Konjunktur und des warmen Wetters sank die Zahl der offiziell
registrierten Arbeitslosen auf den niedrigsten Stand seit mehr als vier
Jahren und lag bei 3,967 Millionen. Das ist ein Minus von 141 000
gegenüber März. Gegenüber April 2006 ergibt sich ein
Rückgang von 824 000. Die Quote sank von 9,8 auf 9,5 Prozent.
«Der konjunkturelle Aufschwung belebt den Arbeitsmarkt weiter
kräftig. Das Beschäftigungswachstum setzt sich fort»,
betonte Weise. Die günstige Entwicklung erkläre sich auch aus
einem rückläufigen Arbeitskräfteangebot sowie der
professionelleren Vermittlung in den Arbeitsgemeinschaften zur Betreuung
der Langzeitarbeitslosen. Vom Rückgang der Arbeitslosigkeit
profitierten im April allerdings nur 21 000 so genannte
Hartz-IV-Empfänger. «Der Aufschwung baut die
Langzeitarbeitslosigkeit noch nicht so gut ab wie erhofft», sagte
BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt.
Nach wie vor große Schwierigkeiten hätte ältere
Arbeitssuchende und gering Qualifizierte. Vor allem für letztere
sei es problematisch, «dass sie in den Arbeitsmarkt reinkommen und
wenn sie reinkommen, dass sie einen existenzsichernden Lohn
bekommen», sagte Weise. Insofern müsse sich der Arbeitsmarkt
in Deutschland auch strukturell verbessern, forderte er.
Im Westen Deutschlands sank die Arbeitslosigkeit um 93 000 auf 2,605
Millionen Menschen. Die Quote liegt damit bei 7,8 Prozent. Im Osten gab
es einen Rückgang um 49 000 auf 1,362 Millionen, was einer Quote
von 15,9 Prozent entspricht. Erfreulich sei, dass die Arbeitslosigkeit
bei Jugendlichen unter 20 Jahren im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent
reduziert wurde. «Das Ziel, dass jeder junge Mensch ein Angebot
erhält, ist erfüllbar», betonte Weise. Derzeit seien in
der Bundesrepublik noch 75 000 Jugendliche auf der Suche nach einem
Ausbildungs- oder Arbeitsplatz.
Die Zahl der sozialversicherungsflichtig Beschäftigten lag nach
Hochrechnungen der BA im Februar bei 26,5 Millionen. Gegenüber dem
Vorjahresmonat sei dies ein Zuwachs um 650 000, davon seien rund 60
Prozent Vollzeitstellen. Die Zahl der insgesamt der Bundesagentur
bekannten offenen Stellen stieg im Jahresvergleich um 178 000 auf 923
000.
Rund ein Viertel des derzeitigen Beschäftigungsaufbaus resultiere
aus Zeitarbeitsverhältnissen, erklärte Vorstandsmitglied
Raimund Becker. Hier sei eine für Konjunkturphasen idealtypische
Entwicklung zu beobachten. Zu Beginn des Aufschwungs im Frühsommer
vergangenen Jahres habe der Anteil der Zeitarbeit noch 60 Prozent am
Beschäftigungswachstum betragen. Ein Drittel der Zeitarbeitnehmer
werde nach der Ausleihphase von den Betrieben in direkte
Arbeitsverhältnisse übernommen.
Von der wachsenden Zahl an Beitragszahlern profitiert auch die
Nürnberger Behörde. Sie verbuchte in diesem Jahr bis April
inzwischen einen Finanzüberschuss von 390 Millionen Euro.
(Quelle: ddp)
Trotz Aufschwungs offenbar keine sinkenden Kassenbeiträge
Do.03.05.07 - Trotz des Konjunkturaufschwungs können Versicherte nicht auf
sinkende Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen hoffen. Das
berichtete die Zeitung "Welt" unter Berufung auf den AOK-Bundesverband
und Ersatzkassen. "Wir sind zuversichtlich, dass die gute
konjunkturelle Entwicklung auch mit zusätzlichen Einnahmen bei den
Kassen ankommt", sagte AOK-Sprecher Udo Barske der Zeitung. Die
Einnahmen würden helfen, die durch die höhere Mehrwertsteuer
gestiegenen Ausgaben für Arzneimittel und die steigenden Ausgaben
für Krankenhausbehandlungen auszugleichen.
"Was die Einnahmenseite angeht, so kann man feststellen, dass es in der
GKV zu einem leichten Anstieg der beitragspflichtigen Einnahmen in 2006
gekommen ist", sagte auch die Sprecherin des Verbandes der
Angestellten-Krankenkassen und Arbeiter-Ersatzkassen, Claudia Widmaier,
der Zeitung zufolge. "Dieser nur leichte Anstieg spiegelt allerdings
nicht einmal annähernd die positive wirtschaftliche Entwicklung
wider, die sich unter anderem durch deutliche Tariferhöhungen
ausdrückt." Verglichen mit der Entwicklung der Leistungsausgaben
klaffe die Lücke zur Beitragsbasis weiter auseinander. "Der Druck
auf die gesetzlichen Krankenkassen ist also durch die derzeitige
wirtschaftliche Situation keinesfalls gemindert", sagte Widmaier.
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht die Aussagen als Beleg
für die weiter schwierige Lage im Gesundheitssystem. "Eigentlich
müssten jetzt auch die Beiträge zu den gesetzlichen
Krankenkassen sinken", sagte er der "Welt". Stattdessen müssten
sich die Versicherten auf steigende Beiträge einstellen, falls die
Konjunktur wieder nachlasse. Die Kassen bräuchten Mehreinnahmen
zur Entschuldung. Lauterbach forderte eine stärkere
Steuerfinanzierung des Gesundheitswesens. Nur so sei gesichert, dass
die Beitragssätze sänken, wenn die Konjunktur anziehe.
(Quelle: afp)
Islamkonferenz sieht trotz Streitfragen Fortschritte
Do.03.05.07 - Trotz noch erheblicher Differenzen und Klärungsbedarfs in vielen
Streitfragen sehen die Teilnehmer der zweiten Islamkonferenz deutliche
Fortschritte im Dialog zwischen Staat und Muslimen. «Wir waren
uns alle einig, dass der Prozess richtig ist, und er kommt auch gut
voran», sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU)
nach dem Treffen in Berlin.
Der Streit müsse ausgehalten werden. Der Islam sei Teil der
deutschen Gesellschaft geworden. Konkrete Ergebnisse des langfristig
angelegten Dialogs wurden noch nicht erzielt.
Die Islamkonferenz war im September 2006 von Schäuble mit dem Ziel
gegründet worden, die lange vernachlässigte Integration der
auf 3 bis 3,5 Millionen geschätzten Muslime in Deutschland
voranzubringen. Seither wurde in Arbeitsgruppen weitergearbeitet. An
der Konferenz nehmen Vertreter des Staates und der in Deutschland
lebenden Muslime teil. Das Plenum soll in diesem Jahr noch einmal
zusammenkommen.
Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime und Sprecher des von vier
Verbänden gegründeten Koordinierungsrat der Muslime, Ayyub
Axel Köhler, forderte einen konkreten Fahrplan. Die Arbeitsweise
müsse überprüft werden. «So kann es nicht
weitergehen, dass man ziellos nur debattiert.» Ansonsten werde
das Interesse der Konferenzteilnehmer und der Öffentlichkeit
«bald erlahmen», warnte Köhler. Der
Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde Deutschland, Ali Ertan
Toprak, verlangte eine politische Kultur gegenseitiger Anerkennung.
Schäuble bekräftigte zur Forderung der islamischen
Verbände nach Anerkennung als Religionsgemeinschaft: «Der
Koordinierungsrat ist keine religiöse Gemeinschaft im Sinne des
Grundgesetzes.» Das vielfältige muslimische Leben könne
nicht von vier Verbänden repräsentiert werden. Er wies auf
das Problem hin, dass im Islam die religiöse und politische
Ordnung nicht so getrennt sei wie im deutschen Verfassungssystem. Der
Vorsitzende des Islamrates, Ali Kizilkaya, verlangte dagegen, es
müsse eine «Gleichberechtigung der muslimischen
Verbände mit anderen Religionsgemeinschaften» in Aussicht
gestellt werden. Der Parlamentarische Geschäftsführer der
Grünen, Volker Beck, hält die religionsrechtliche Anerkennung
mindestens einer islamischen Religionsgemeinschaft für notwendig.
Auch in der Frage eines islamischen Religionsunterrichts gibt es noch
keine Lösung. Als Vertreterin der Kultusministerkonferenz sagte
Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD), bisher
gebe es nur Übergangslösungen und Modellversuche. Sie
forderte die Eltern muslimischer Kinder auf, die Regeln zu akzeptieren,
das bedeute gemeinsame Klassenfahrten und gemeinsamer Sportunterricht.
Einig waren sich die Teilnehmer, dass die Konferenz schon jetzt ein
Erfolg sei. Laut Schäuble blieb unstrittig, dass das Grundgesetz
viel Raum für Freiheit bietet, dass an der Trennung von
staatlicher und religiöser Ordnung festgehalten wird und der
Islamunterricht an staatlichen Schulen sich am Grundgesetz zu
orientieren hat. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Berlins
Innensenator Ehrhart Körting (SPD), hob als Zwischenergebnis
hervor, dass alle die säkulare (weltliche) Ordnung des
Grundgesetzes akzeptieren.
Der Deutsche Städte- und Gemeindebund wies darauf hin, das
Kommunen die Aufgabe des Zusammenlebens mit Muslimen und der
Integration schon seit Jahren angingen. Dass diesem Thema nun auch auf
Bundesebene ein hoher Stellenwert eingeräumt wird, sei notwendig,
um die Kommunen zu unterstützen und damit den gesellschaftlichen
Frieden zu stabilisieren, sagte Verbandspräsident Roland
Schäfer.
Der Verfassungsschutz wies in einem Dossier auf Probleme junger Muslime
in Deutschland hin. Danach kann mangelnde Integration zur
Radikalisierung beitragen. In abgeschotteten Zuwanderer-Quartieren
könne es zur «Entwicklung von Gegenkulturen zum Leitbild
einer offenen Gesellschaft» kommen. Den islamistischen
Organisationen biete sich dadurch eine Angriffsfläche. Etwa 32 000
oder ein Prozent der in Deutschland lebenden Muslime haben sich nach
den Erkenntnissen islamistischen Organisationen angeschlossen.
(Quelle: dpa)
Buback: Todesschüsse womöglich von Frau abgegeben
Do.03.05.07 - Im Fall des RAF-Mordes an Generalbundesanwalt Siegried Buback hat
dessen Sohn auf angebliche Ungereimtheiten bei den Ermittlungen nach dem
Attentat vom 7. April 1977 hingewiesen. Zwei damaligen Zeugenaussagen
zufolge habe möglicherweise eine Frau vom Soziussitz des Motorrads
die tödlichen Schüsse auf Buback und seine beiden Begleiter
in Karlsruhe abgegeben, schrieb Michael Buback in einem Gastbeitrag
für die "Süddeutsche Zeitung". In den Prozessen gegen die als
Täter verurteilten RAF-Mitglieder hätten diese Aussagen aber
"keine erkennbare Rolle gespielt".
Buback erinnerte zugleich daran, dass die Tatwaffe des Anschlags bei
der Ex-RAF-Terroristin Verena Becker gefunden wurde, als diese am 3. Mai
1977 festgenommen wurde. Becker war knapp einen Monat nach dem
Buback-Attentat gemeinsam mit dem damaligen RAF-Mitglied Günter
Sonnenberg im baden-württembergischen Singen nach einer
Schießerei mit der Polizei verhaftet worden. Dabei wurden ein
Beamter und Sonnenberg schwer verletzt.
Der Ex-Terrorist soll nach bisherigen Erkenntnissen das Motorrad bei
dem Karlsruher Anschlag gefahren haben. Die Debatte um die
Rollenverteilung beim Mord an Buback war zuletzt wieder aufgeflammt,
nachdem der frühere RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock
wiederholt Stefan Wisnieswki als Todesschützen benannt hatte. Die
Bundesanwaltschaft leitete vergangene Woche Ermittlungen gegen
Wisnieswki ein, der wegen der Schleyer-Entführung durch die RAF von
1978 bis 1999 in Haft gesessen hatte.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Klimawandel könnte Meere um sieben Meter ansteigen lassen
Do.03.05.07 - Ein durch die Klimaerwärmung beschleunigtes vollständiges
Abschmelzen des Grönland-Eises könnte die Weltmeere um bis zu
sieben Meter ansteigen lassen. Diese beunruhigende Schlussfolgerung
zogen Forscher der kanadischen Stiftung für Klima- und
Atmosphären-Forschung auf einer Konferenz in Vancouver. Die
Gletscher Grönlands, der größten zusammenhängenden
Eismasse der Welt, schmelzen derzeit vor allem dort, wo sie ins Meer
münden, wie Garry Clarke von der University of British Columbia am
Dienstag (Ortszeit) sagte. Sollte die Frostgrenze wegen der
Erderwärmung jedoch höher wandern, drohten auch die bislang
noch stabilen Eisschichten in höheren Lagen abzuschmelzen. In der
Folge könne "die gesamte Eisdecke Grönlands" verschwinden.
Über den möglichen Zeitpunkt einer solch massiven Eisschmelze
können die Wissenschaftler laut Clarke derzeit noch keine Angaben
machen. Die auf das arktische Eis bezogenen Klimamodelle seien noch
nicht ausgereift. Ihre Daten erheben die Forscher den Angaben zufolge
vor allem mit Hilfe von Satelliten-Ortungssystemen und der
Gravitationsphysik. Der Stiftung für Klima- und
Atmosphären-Forschung gehören Wissenschaftler verschiedener
kanadischer Universitäten an; das Gremium steuert seine
Forschungsergebnisse auch im Weltklimarat (IPCC) bei. Dieser will Anfang
Mai eine neue Studie zum Klimawandel veröffentlichen.
Das an den nördlichen Polarkreis grenzende Kanada werde von dem
drohenden Klimawandel besonders stark betroffen sein, sagte der
Stiftungsvorsitzende Gordon McBean. Die Gefahr des
Meeresspiegel-Anstiegs betreffe besonders die Kryosphäre - die
Bereiche der Erde, die von Eis bedeckt sind. Die Erforschung der
Entwicklung großer Eismassen habe große Bedeutung für
die Risikoanalyse besonders in tiefer liegenden Küstenstaaten,
sagte Shawn Marshall von der Universität von Calgary. Die Prognosen
über die künftige Entwicklung seien jedoch vielfach noch sehr
unsicher.
Die Wissenschaftler kritisierten die Weigerung der kanadischen
Regierung, die im Kyoto-Abkommen festgelegten Grenzen für
C02-Emissionen einzuhalten. Auch verweigere die Regierung bislang die
Zusage der für die Fortsetzung der kanadischen
Kryosphären-Forschung nötigen Gelder. Andere Staaten
trügen mehr zur internationalen Klimawissenschaft bei als Kanada,
sagte McBean. "Wenn wir ein G-8-Staat sein wollen, dann sollten wir uns
auch entsprechend benehmen."
(Quelle: afp)