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Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendachtunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Bagdader Regierung verspricht Versöhnung und Reformen.
Al-Kaida-Gruppe bestätigt Tod ihres Sprechers
Fr.04.05.07 - Die Bagdader Regierung hat sich bei der internationalen Irak-Konferenz
in Ägypten zu einem neuen Anlauf für eine nationale
Versöhnung und Reformen verpflichtet. Im Gegenzug soll dem Irak ein
Großteil seiner zu Zeiten Saddam Husseins angehäuften
Auslandsschulden erlassen werden.
Außerdem versprachen die Vereinten Nationen, sich stärker
als bisher um humanitäre Probleme im Irak zu kümmern. An dem
Treffen nehmen auch US-Außenministerin Condoleezza Rice und ihr
iranischer Kollege Manuchehr Mottaki teil. Rice hat direkte
Gespräche mit Mottaki am Rande der Sitzung nicht ausgeschlossen.
Im Zentrum der Debatte um den internationalen «Pakt für den
Irak», der vor allem auf Betreiben der USA und der UN ins Leben
gerufen worden war, standen zu Beginn der zweitägigen Konferenz in
Scharm el Scheich Wirtschaftsreformen im Irak und das geplante
Ölgesetz, das die sunnitischen Aufständischen besänftigen
soll. An die Adresse der Sunniten gerichtet, die fast
ausschließlich in den Provinzen ohne Ölvorkommen leben, sagte
der schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki: «Die
Einnahmen aus den Bodenschätzen werden gerecht zwischen allen
Provinzen verteilt.» Al- Maliki dankte allen Staaten, die dem Irak
seine Schulden ganz oder teilweise erlassen wollen.
Die Rolle der ausländischen Truppen im Irak wurde bei dem Treffen
zunächst ausgeklammert. Die Maliki-Regierung hatte vor Beginn der
Konferenz erklärt, sie wolle bei dieser bislang größten
internationalen Irak- Konferenz seit der US-Invasion 2003 nicht
über einen Zeitplan für den Truppenabzug reden. Vertreter der
von den Schiiten und Kurden dominierten Regierung traten unterdessen
Spekulationen über einen möglichen Rücktritt Al-Malikis
wegen der schlechten Sicherheitslage entgegen.
Die Gruppe Islamischer Staat des Iraks hat den Tod ihres offiziellen
Sprechers bestätigt. In einer im Internet am Donnerstag
veröffentlichten Erklärung der zur Terrororganisation Al
Kaida im Irak gehörenden Gruppe hieß es, Muharib Abdul Latif
al Dschuburi sei im Kampf getötet worden. Die US-Streitkräfte
hatten zuvor mitgeteilt, Dschuburi sei bei einem Militäreinsatz
nördlich von Bagdad getötet worden. Dschuburi sei unter
anderem in die Entführung der beiden deutschen Ingenieure
René Bräunlich und Thomas Nitzschke im Januar 2006 im Irak
verwickelt gewesen.
Der Al-Kaida-Extremist wurde Cadwell zufolge am Dienstag nahe Tadschi
getötet, als er sich seiner Festnahme widersetzte. Ein DNA-Test
der Leiche habe seinen Tod bestätigt. Bräunlich und Nitzschke
waren am 24. Januar 2006 in der nordirakischen Stadt Beidschi
verschleppt worden und nach 14 Wochen Geiselhaft freigekommen. Seit
Februar werden erneut zwei Deutsche im Irak vermisst: Die Kidnapper
drohten mit der Ermordung der 61 Jahre alten Hannelore Krause und ihres
Sohnes Sinan, sollten nicht alle Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan
abgezogen werden.
Gerüchte über den Tod eines weiteren Al-Kaida-Anführers
wies Cadwell zurück. Auch in der Erklärung des Islamischen
Staats Irak hieß es, ihr Führer Abu Omar al Baghdadi sei am
Leben. Ein Sprecher des irakischen Innenministeriums hatte
erklärt, bei Kämpfen nördlich von Bagdad sei al Baghdadi
getötet worden.
Am Dienstag hatte es bereits Berichte über den Tod des
Anführers der Al Kaida im Irak, Abu Ajjub al Masri, gegeben. Sie
haben sich bislang nicht bestätigt. In den vergangenen Tagen habe
es zahlreiche Militäreinsätze gegen Al Kaida im Irak gegeben,
offenbar habe dies die Gerüchte aufkommen lassen.
Aufständische beschossen den dritten Tag in Folge die schwer
gesicherte Grüne Zone in Bagdad. Dabei wurden vier
ausländische Arbeiter getötet, die für die US-Regierung
arbeiteten, wie die US-Botschaft mitteilte: zwei Inder, ein Philippiner
und ein Mitarbeiter aus Nepal. Weitere Einzelheiten zu dem Angriff vom
Mittwoch wurden nicht bekannt.
US-Präsident George W. Bush erklärte unterdessen das
Terrornetzwerk Al Kaida zum «Staatsfeind Nummer eins» im
Irak. Unter Hinweis auf die Anschläge vom 11. September 2001 sagte
Bush am Mittwoch in einer Rede vor Bauunternehmern in Washington, im
Irak stünden die USA im Kampf gegen dasselbe internationale
Terrornetzwerk, das damals die Vereinigten Staaten angegriffen habe.
Bush hatte am Dienstag sein Veto gegen einen Gesetzentwurf des
Kongresses eingelegt, der eine Finanzierung von
Militäreinsätzen mit einem Rückzugstermin für die
Truppen im Irak verknüpft.
(Quellen: dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 04.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertfünfundsiebzigstenTag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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100 000 Israelis fordern in Tel Aviv Olmerts Rücktritt
Fr.04.05.07 - Mehr als 100 000 Israelis haben am Donnerstagabend bei einer
Großdemonstration in Tel Aviv den Rücktritt von
Ministerpräsident Ehud Olmert und Verteidigungsminister Amir Perez
wegen ihrer Fehler im Libanon-Krieg gefordert.
Zu dem Protest auf dem zentralen Rabin-Platz hatten Organisationen aus
nahezu dem gesamten politischen Spektrum aufgerufen. Die Veranstalter
kündigten an, weitere Aktionen würden folgen, solange bis der
Regierungschef zurücktrete. Politiker waren nicht als Redner
geladen. Olmert hatte am Vortag eine politische Revolte in seiner
Partei abgewendet und die große Mehrheit seiner Kadima-Fraktion
hinter sich vereint.
Auf einem großen Transparent auf der Bühne stand:
«Versager, geht nach Hause!», ein Spruch der von vielen
Rednern des Abends wiederholt wurde. Viele der Demonstranten forderten
auf Plakaten den Rücktritt der beiden Politiker.
Nachdem Außenministerin Zipi Liwni als bisher ranghöchstes
Regierungsmitglied Olmerts Rücktritt gefordert hatte, erwäge
dieser ihre Entlassung und eine Kabinettsumbildung, berichteten
israelische Medien am Donnerstag. Kommentatoren warfen Liwni, die als
mögliche Nachfolgerin Olmerts gilt, zögerliches Verhalten und
mangelnde Führungsstärke vor. Die Ministerin hatte
während einer Pressekonferenz erklärt, sie halte einen
Rücktritt Olmerts für notwendig. Die Öffentlichkeit habe
das Vertrauen in die Regierung verloren.
Der Likud-Vorsitzende und Oppositionsführer Benjamin Netanjahu
forderte am Donnerstag Neuwahlen. Die Regierung habe «den letzten
Rest Vertrauen in der Bevölkerung verloren» und müsse
ihr Mandat zurückgeben, sagte er vor Abgeordneten seiner Partei.
Eine offizielle Untersuchungskommission hatte Olmert und seinen
Verteidigungsminister Amir Perez für «schwere Fehler»
im Libanon-Krieg verantwortlich gemacht. Ein vollständiger Bericht
soll aber erst im Juli vorgelegt werden.
Der israelische Minister für Innere Sicherheit, Avi Dichter,
sprach sich am Donnerstag gegen eine Entlassung Liwnis aus. Sie habe
ihre Kritik an Olmert ehrlich und mutig ausgesprochen, sagte er im
israelischen Rundfunk. «Wehe uns, wenn aus dem tiefsten Herzen
gesprochene Dinge zu einem Schwert werden, das sich gegen den Sprecher
wendet», warnte Dichter.
(Quelle: dpa)
Rebellen entführen in Nigeria mehr als 20 Menschen
Fr.04.05.07 - Rebellen haben am Donnerstag bei drei Überfällen im
ölreichen Süden Nigerias innerhalb weniger Stunden mehr als
20 Menschen entführt. Unter den Verschleppten waren zwölf
Mitarbeiter einer südkoreanischen Baufirma und mindestens sieben
Ausländer aus Großbritannien, Kroatien, den Niederlanden,
Rumänien und Australien, wie die Behörden mitteilten.
Später wurden acht von ihnen laut E-Mail einer Rebellengruppe
wieder freigelassen.
Seit Jahresbeginn wurden in der Ölregion im Süden des
westafrikanischen Landes mehrere Dutzend ausländische Mitarbeiter
von Ölfirmen verschleppt. In der Regel werden die Geiseln nach
Zahlung eines Lösegeldes unversehrt freigelassen. Einige Gruppen
stellen auch politische Forderungen.
Die Angriffe richteten sich unter anderem gegen ein
Ölförderschiff vor der Küste und eine Baustelle für
ein Kraftwerk. Der italienische Ölkonzern Eni bestätigte den
Angriff auf das Schiff, das einer seiner Tochterfirmen gehöre.
Angaben über die Nationalität der Entführten machte Eni
nicht. Der Fernsehsender Sky TG24 berichtete, es seien keine Italiener
gefangen genommen worden. Auf dem Ölförderschiff 90 Kilometer
vor Port Harcourt seien 85 Personen, darunter 22 Ausländer,
gewesen.
Aus einer Bar in dem südnigerianischen Ort Warri wurde ein
Niederländer entführt, berichtete eine Augenzeugin. Die
Wirtin sagte, es handele sich um einen arbeitslosen Ölarbeiter,
der sich am Mittwochabend in ihrer Gaststätte ein
Fußballspiel angesehen habe.
Die Mitarbeiter des südkoreanischen Bauunternehmens seinen von
einer Kraftwerksbaustelle im Süden verschleppt worden, teilte das
Unternehmen Daewoo Engineering and Construction am Donnerstag in Seoul
mit. Bei den Entführten handelt es sich den Angaben zufolge um
acht Philippiner, drei Südkoreaner und einen Nigerianer.
(Quelle: ap)
Türkisches Parlamet stimmt für Neuwahlen am 22. Juli
Fr.04.05.07 - Das türkische Parlament hat vorgezogenen Neuwahlen am 22. Juli
zugestimmt. Das Votum fiel einstimmig aus, wie der stellvertretende
Parlamentspräsident Sadik Yakut mitteilte. Es war erwartet worden,
weil sowohl Regierung als auch Opposition für vorgezogene Wahlen
waren. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor den 24. Juni als
Datum vorgeschlagen. Ein Parlamentsausschuss hatte aber am Mittwoch
klargemacht, dass der Urnengang aus organisatorischen Gründen erst
am 22. Juli stattfinden kann.
Ursprünglich sollten die Türken erst im November ein neues
Parlament wählen. Nachdem jedoch das Verfassungsgericht den ersten
Wahlgang der Präsidentenwahl, den die Opposition boykottiert hatte,
für nichtig erklärte, beantragte Erdogans Regierungspartei
AKP eine Neuwahl des Parlaments.
Unterdessen versucht Erdogans Kabinett offenbar nach einer Drohung der
türkischen Militärs gegen die islamisch geprägte
Regierung, die Wogen zu glätten. Bildungsminister Hüseyin
Celik habe in den vergangenen Tagen Generalstabschef Yasar
Büyükanit besucht, berichtete die Tageszeitung
"Hürriyet". In einer als Putschdrohung aufgefassten Erklärung
hatte die Armee der Regierung vorgeworfen, islamistische Neigungen in
der Gesellschaft nicht entschieden genug zu bekämpfen. Dabei
verwies der Generalstab unter anderem auf den Bildungssektor.
Minister Celik sagte "Hürriyet", er habe mit dem Armeechef
über die Bedenken der Militärs gesprochen. Auch Erdogans
Präsidentschaftskandidat, Außenminister Abdullah Gül,
bemühte sich um Enstpannung. Der Zeitung "Milliyet" sagte Gül,
die Regierungspartei AKP wolle keinen Streit mit den Militärs und
stehe zu den Grundprinzipien der Demokratie.
Die türkische Armee hat seit 1960 insgesamt vier Regierungen aus
dem Amt gedrängt. Ihre Erklärung von vergangener Woche
richtete sich auch gegen Güls Präsidentschaftsbewerbung.
Gül bleibt aber bei seiner Kandidatur. Am Sonntag will die AKP
einen weiteren Versuch unternehmen, ihn vom Parlament zum Staatschef
wählen zu lassen. Die Erfolgsaussichten sind jedoch gering.
(Quelle: afp)
Frankreich: Sarkozy geht als Favorit in Präsidentenwahl
Fr.04.05.07 - Nach einem heftigen Schlagabtausch im Fernsehen mit der Sozialistin
Ségolène Royal geht der konservative französische
Präsidentschaftsbewerber Nicolas Sarkozy als klarer Favorit in die
Stichwahl am Sonntag.
Laut einer Umfrage des Instituts Opinionway fanden 53 Prozent der
Franzosen den früheren Innenminister in der Debatte
«überzeugender» als Royal. Nur 31 Prozent fanden,
Royal habe sich in dem von mehr als 20 Millionen Franzosen verfolgten
«TV-Duell» am Mittwochabend besser geschlagen.
Royal hatte Sarkozy frontal angegriffen und ihm mit Hinweis auf eine
schlechte Regierungsbilanz in den Bereichen innere Sicherheit,
Arbeitsmarkt und Sozialpolitik fehlende Glaubwürdigkeit
vorgeworfen. Beim Thema Behinderte fiel sie ihrem Konkurrenten mehrfach
ins Wort und warf ihm «Gipfel politischer Immoralität»
vor. Sarkozy konterte, Royal verliere die Nerven und bleibe in ihrem
Programm unpräzise.
Klare Differenzen wurden in der Europapolitik deutlich, die erst sehr
spät zur Sprache kam. Royal versprach neue Referenden über
eine EU-Verfassung sowie in ferner Zukunft über einen EU-Beitritt
der Türkei. Sie wolle Europa bei Zukunftsprojekten und im
Sozialbereich voranbringen. Sarkozy versprach, dem Parlament einen
vereinfachten Vertrag über die EU-Instanzen vorzulegen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Regierungschefs Spaniens und
Großbritanniens «haben mir dazu ihre Zustimmung
gegeben», sagte er. Die Aufnahme der Türkei lehnte Sarkozy
ab, weil sie ein politisches Europa verhindern und die Kurdenfrage zum
EU-Problem machen würde.
Angesichts vieler unentschlossener Wähler galt das erste TV-Duell
Pariser Präsidentschaftskandidaten seit 1995 als mitentscheidend
dafür, wer Nachfolger von Präsident Jacques Chirac wird. Bei
ihren eigenen Anhängern fanden Royal und Sarkozy viel Beifall
für ihre selbstbewussten Auftritte. Beide mussten sich besonders
um die Wähler des Zentrumspolitikers François Bayrou und
des Rechtsradikalen Jean- Marie Le Pen bemühen, die im ersten
Wahlgang zweistellige Ergebnisse erzielt hatten. Laut Opinionway
sammelte Sarkozy Punkte sowohl bei Bayrous als auch bei Le Pens
Wählern. Bayrou sagte nach der Debatte, er werde «nicht
für Sarkozy» stimmen. Fast alle seiner 29 Abgeordneten haben
sich allerdings hinter Sarkozy gestellt. Le Pen ruft seine stark zu
Sarkozy neigenden Wähler zur Enthaltung auf.
Vier Tage vor der Stichwahl fand die auf mehreren Sendern
übertragene Debatte ungeahnte Aufmerksamkeit. Zum Rededuell
schalteten vier Millionen Zuschauer mehr den Fernseher ein als zur
Debatte 1995 zwischen Präsident Jacques Chirac und Lionel Jospin;
2002 hatte Chirac eine Debatte mit Le Pen verweigert. Auf der
Internetseite von ARTE schauten 182 000 Interessierte zu, darunter 46
000 Deutsche, ein Rekord für den deutsch-französischen
Sender. Am Donnerstagmorgen waren an vielen Kiosken die Zeitungen mit
der Auswertung der Debatte schnell ausverkauft. Die Presse bewertete
das Rededuell überwiegend als ausgeglichen.
(Quelle: dpa)
Frankreichs Sozialisten wollen neuen Anlauf zur EU-Verfassung
Fr.04.05.07 - Die französischen Sozialisten (PS) sagen im Falle eines Wahlsieges
ihrer Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal einen
neuen Anlauf zur EU-Verfassung zu. Dabei gelte es neben den
Kritikpunkten «auch die substanziellen Fortschritte anzuerkennen,
die der aktuelle Verfassungstext mit sich bringt», heißt es
in einer am Donnerstag in Berlin veröffentlichten gemeinsamen
Erklärung des SPD-Vorsitzenden Kurt Beck und des PS-Chefs
François Hollande zur Zukunft der Europäischen Union. Einen
«Rückfall hinter diese Errungenschaften» dürfe es
nicht geben.
«Die nachdrückliche Stärkung der sozialen Dimension des
europäischen Einigungsprojektes stellt für uns als Sozialisten
und Sozialdemokraten eine besondere politische Priorität
dar», heißt es in der Erklärung weiter. Der
europäische Verfassungsvertrag enthalte darüber hinaus
wichtige Bausteine für ein demokratischeres Europa. Zugleich
umfasse er «wichtige Elemente, die die Handlungsfähigkeit der
EU verbessern können». Die Franzosen hatten bei einem
Referendum im Mai 2005 den Verfassungsentwurf abgelehnt.
(Quelle: ddp)
Deutschland
Schäuble fordert erneut Möglichkeit von
Bundeswehr-Inlandseinsätzen
Fr.04.05.07 - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat erneut die
Möglichkeit von Bundeswehr-Inlandseinsätzen gefordert.
«Die Bundeswehr soll nicht Hilfspolizei sein», sagte
Schäuble auf einer CDU-Podiumsdiskussion am Donnerstagabend in
Hamburg. Seine Fantasie reiche aber für Situationen aus, in denen
die Kraft der Polizei nicht reiche.
Schäuble bekräftigte seine Forderung nach schärferen
Gesetzen zum Schutz der inneren Sicherheit. «Die wichtigste
Vorbeugung heißt, zu wissen, was geplant ist», sagte
Schäuble. Der Staat schütze den Bürger und müsse
diese Aufgabe auch ernst nehmen. Dem Bundeskriminalamt (BKA) wolle er
schnell mehr Befugnisse zukommen lassen. Da drücke er aufs Tempo,
sagte Schäuble und fügte hinzu: «Ich möchte bis
Ende des Jahres ein Gesetz im Bundesgesetzbuch haben.»
So müsse unter richterlicher Kontrolle und mit eindeutigen
Rechtsgrundlagen die Möglichkeit gegeben werden, Telefonverkehr
überwachen und ein Haus durchsuchen zu können. Schäuble
sprach sich erneut für eine rechtliche Grundlage für
Online-Durchsuchungen aus. «Der internationale Terrorismus ist
die derzeit größte Bedrohung», sagte der
Innenminister. Und dieser organisiere sich überwiegend über
das Internet. Denen, die mit dem Schutz der Bürger beauftragt
seien, müsse der Staat die entsprechenden Instrumente an die Hand
geben. Dafür müssen man auch «einwandfreie
verfassungsrechtliche Grundlagen schaffen».
In diesem Zusammenhang kritisierte der CDU-Politiker die aktuelle
Haltung der SPD in dieser Frage. «Die Debatte ist ziemlich
scheinheilig gewesen», sagte Schäuble, der
Online-Durchsuchungen mit einer Grundgesetzänderung auf eine
rechtsstaatliche Basis stellen will. Bisherige Grundlage der
umstrittenen Ermittlungsmethode war eine Dienstvorschrift seines
SPD-Amtsvorgängers Otto Schily.
Zum Einsatz der Bundeswehr im Inneren soll Mitte Mai ein Spitzentreffen
der Koalition stattfinden. Dabei wird es vor allem darum gehen, ein
verfassungsgemäßes Gesetz zur Abwehr von Terrorangriffen aus
der Luft und von der See zu Stande zu bringen. Das
Bundesverfassungsgericht hatte das bereits unter Rot-Grün
verabschiedete Luftsicherheitsgesetzes für verfassungswidrig
erklärt und einen neuen Anlauf notwendig gemacht.
(Quelle: ap)
Hochschulen wollen Kooperation mit Wirtschaft verbesser
Fr.04.05.07 - Die deutschen Hochschulen wollen die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft
verbessern. «Wir müssen lernen, auf gleicher Augenhöhe
miteinander zu reden», sagte Margret Wintermantel,
Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), am Donnerstag
auf der HRK-Jahresversammlung in Gießen. Die Verpflichtung dazu
sehe sie von beiden Seiten. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD)
forderte die anwesenden Präsidenten und Rektoren fast aller
deutschen Universitäten und Fachhochschulen auf, vor allem die
Gründungen von Unternehmen durch ehemalige Wissenschaftler zu
fördern.
Dies sei die beste Partnerschaft von Forschung und Wirtschaft und die
beste Garantie, dass Forschungsergebnisse unverzüglich in die
Praxis umgesetzt würden, sagte Steinbrück. Das dafür
nötige Wagniskapital sei im Gegensatz zu angloamerikanischen
Ländern aber noch sehr schwer zu beschaffen, räumte der
Bundesfinanzminister ein. Gleichzeitig kündigte er eine
Gesetzesinitiative an, mit deren Hilfe die Kreditanstalt für
Wiederaufbau solchen Existenzgründern die nötigen Mittel
bereitstellen könnte.
Darüber hinaus rief der die Hochschulen auf, aktiver als bisher
auf die Unternehmen zuzugehen. Der Abbau von
Berührungsängsten diene den Interessen aller Beteiligten. Vor
allem die Wissenschaftler müssten ihre Scheu ablegen, wenn es um
die wirtschaftliche Verwertung ihrer Forschungsergebnisse gehe, sagte
Steinbrück.
Wintermantel erklärte, die Universitäten und Fachhochschulen
müssten von sich aus stärker als bislang die Partnerschaft
mit den Unternehmen suchen und sich gemeinsam mit der Wirtschaft darum
bemühen, klare Profile und Schwerpunkte zu entwickeln.
«Allerdings müssen die Unternehmen auch bereit sein,
längerfristige Kooperationen mit uns einzugehen», forderte
die HRK-Präsidentin. Eine bessere Partnerschaft der Unternehmen
könne aber auch in einer deutlichen Erhöhung der Zahl von
Stipendien bestehen, sagte Wintermantel.
«Bei den anfänglichen Diskussionen um die
Studiengebühren war viel von einem neuen System der Stipendien,
Darlehen und anderen finanziellen Unterstützungen die Rede»,
kritisierte auch Stefan Hormuth, Präsident der
Justus-Liebig-Universität Gießen. «Darum ist es aber
in den vergangenen Wochen und Monaten sehr still geworden.»
Wie Wintermantel ist auch Hormuth davon überzeugt, dass deutsche
Unternehmen im globalen Wettbewerb dauerhaft nur bestehen könnten,
wenn wissenschaftliche Erkenntnisse so schnell wie irgend möglich
für die Entwicklung neuer Dienstleistungen und Produkte genutzt
würden. Allerdings ende wissenschaftliche Forschung oft, bevor
konkrete Anwendungsbereiche erkennbar würden. Unternehmen
hätten dann vielfach Schwierigkeiten, die Chancen dieser
Ergebnisse richtig einzuschätzen.
«Deshalb brauchen wir dauerhafte Partnerschaften mit klaren
Regeln», die beiden Seiten zum Vorteil gereichten, forderte
Wintermantel. Bei der Unterstützung von Forschung und Lehre durch
die Wirtschaft dürfe die Freiheit der Hochschulen, über
Inhalte selbst zu bestimmen, jedoch nicht zur Disposition stehen,
unterstrich die HRK-Präsidentin.
Eine Möglichkeit, die Unterstützung durch die Wirtschaft
deutlich zu verbessern, sehen Hormuth und Wintermantel in der Pflege
eigener Hochschulabsolventen. «Hier ist noch ein großes
Potenzial», hat Hormuth erfahren.
(Quelle: ap)
Gleichberechtigungsgesetz wird 50 Jahre alt
Fr.04.05.07 - 50 Jahre nach Verabschiedung des Gleichberechtigungsgesetzes im
Bundestag sind Frauen nach Ansicht von SPD- und
Grünen-Politikerinnen weiter benachteiligt.
«Auf dem Papier sind Männer und Frauen gleichberechtigt, im
Alltag ist dies aber noch nicht der Fall», sagte die
stellvertretende Vorsitzende des Bundestagsausschusses für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ekin Deligöz (Die
Grünen), am Donnerstag. Am 3. Mai 1957 hatte der Bundestag die
Gleichberechtigung von Mann und Frau beschlossen. Das Gesetz
schränkte unter anderem die Vorrechte der Väter in der
Kindererziehung ein und ermöglichte den Frauen, gegen den Willen
ihres Mannes arbeiten zu gehen.
«Frauen sind qualifizierter denn je und wollen Familie und Beruf
vereinbaren», sagte die frauenpolitische Sprecherin der
SPD-Fraktion im Bundestag, Christel Humme. Dennoch trügen sie nach
wie vor die Hauptlast im Haushalt und der Kindererziehung. Zudem seien
Frauen in den Führungsetagen in Wirtschaft, Verwaltung und
Wissenschaft deutlich unterrepräsentiert, erklärte die
stellvertretende Vorsitzende der Sozialdemokraten, Elke Ferner. Trotz
besserer Schulabschlüsse erhalte ein Großteil der Frauen
weniger Lohn als die Männer.
«Frauen sind oft die Verliererinnen des
Sozialversicherungssystems», sagte die Grünen-Politikerin
Deligöz. Insgesamt seien weniger Frauen berufstätig als
Männer, weil sie der Familie zuliebe zu Hause bleiben statt sich
um ihre Karriere zu kümmern. Dadurch erhielten sie später
eine niedrigere Renten und verlören zum Teil den Anspruch auf
Arbeitslosengeld.
Daher müsse vor allem mehr für die Vereinbarkeit von Familie
und Beruf sowie für die Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt
getan werden, forderten die Frauenpolitikerinnen. «Wir brauchen
flexible Arbeitszeiten und Betreuungsmodelle», sagte Humme. Die
SPD- Politikerin Ferner forderte Bundesministerin Ursula von der Leyen
(CDU) auf, deutliche Akzente in der Frauenförderung und der
Gleichstellungspolitik zu setzen.
(Quelle: dpa)
Münchner Transrapid-Projekt: Neues Gegengutachten benennt
gravierende Sicherheitsmängel
Fr.04.05.07 - Das Münchner Transrapid-Projekt weist einem neuen Gutachten
zufolge gravierende Sicherheitsmängel auf. Besonders
gefährlich sei das Bremssystem der zwischen Hauptbahnhof und
Flughafen geplanten Strecke, teilte die Anti-Transrapid
Einwendergemeinschaft (ATEG) am Donnerstag in Unterschleißheim
bei München mit. Die Bürgerinitiative, die die
Magnetschwebebahn verhindern will, gab die Studie in Auftrag. Bayerns
Verkehrsminister Erwin Huber (CSU) sprach denn auch von einem
«Gefälligkeitsgutachten», das dazu benutzt werde,
«unbegründete Ängste» zu schüren. Vor einer
Woche hatte das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) das Sicherheitskonzept
für die Münchner Trasse hingegen genehmigt.
Das aktuelle Gutachten der Vieregg-Rössler GmbH kritisiert, dass
beide Bremssysteme auf elektrischen Strom angewiesen seien. Werde der
Stromkreis beispielsweise durch einen Blitzschlag unterbrochen, rase
der Transrapid weitgehend ungebremst weiter. «Eine mit
Höchstgeschwindigkeit fahrende Magnetbahn, bei der sowohl die
Generatorbremse als auch die magnetische Bremse versagt, würde mit
nahezu voller Geschwindigkeit in einen der beiden Endbahnhöfe, den
Hauptbahnhof oder das Terminal 2 am Flughafen, einfahren und dort
zerschellen», sagte Gutachter Martin Vieregg. Deshalb sei ein
weiteres Bremssystem notwendig.
Huber versicherte hingegen: «Der Transrapid ist auch bei einem
Stromausfall sicher.» Es gebe selbstverständlich ein zweites
Bremssystem, das ohne jegliche Stromzufuhr von außen
funktioniere. Dass der Transrapid ungebremst in einen Bahnhof rasen
könnte, sei völlig abwegig. «Das Sicherheitskonzept hat
einen umfangreichen und intensiven Prüfprozess durchlaufen und mit
positivem Ergebnis abgeschlossen», betonte der Verkehrsminister.
Vieregg bemängelte zudem, dass die Magnetbahn bei einem Ausfall
der Energieversorgung viel zu schnell aus dem Schwebezustand in die
«Bauchlandung» übergehe. Da es keine Räder gebe,
setze der Transrapid mit seinen Kufen direkt auf der Trasse auf.
Dadurch entstehe «eine so große Hitze, dass die im
Unterbodenbereich befindlichen Batterien zu brennen beginnen und
hierbei giftige Gase freisetzen».
Auch das bisherige Rettungskonzept bekam in dem neuen Gutachten
schlechte Noten. Ein Brand auf einem der Streckenabschnitte in Hochlage
oder in einem Tunnel bringe die Passagiere in akute Lebensgefahr. Die
Evakuierung der Fahrgäste werde anhand des derzeitigen
Rettungskonzepts «extrem erschwert beziehungsweise unmöglich
gemacht», hieß es. Zudem sei der Transrapid durch seine
Leichtbauweise für eine Kollision mit Vögeln oder auf der
Strecke liegenden Gegenständen nicht ausgelegt.
Das Sicherheitskonzept für die Münchner Transrapid-Trasse war
von der DB Magnetbahn GmbH erstellt worden. Ein vom EBA genehmigtes
Sicherheitskonzept ist Voraussetzung für die Betriebserlaubnis
einer Magnetschnellbahn.
(Quelle: ddp)
Klimawandel
Delegierte einigen sich auf neuen Weltklimabericht
Fr.04.05.07 - Wenige Stunden vor der Vorstellung des neuen Weltklimaberichts haben
sich die Delegierten des Weltklimarats (IPCC) in Bangkok nach
zähem Ringen auf den abschließenden Wortlaut geeinigt. Im
Mittelpunkt des dritten Teils des Klimaberichts stehen Maßnahmen
zur Eindämmung der globalen Erderwärmung.
Die Beratungen über den Entwurf wurden am frühen
Freitagmorgen (Ortszeit) abgeschlossen. «Die Arbeit ist
vollendet», sagte ein Mitglied der südafrikanischen
Delegation, Peter Lukey. Es sei alles erreicht was man habe erreichen
wollen, und sogar noch mehr. «Die Botschaft lautet: Wir
müssen jetzt handeln», sagte Lukey.
Einzelheiten der abschließenden Fassung wurden nicht mitgeteilt.
Der Bericht soll um 08.00 Uhr MESZ auf einer Pressekonferenz
vorgestellt werden. Delegierte erklärten, die jetzt vereinbarte
Fassung enthalte im wesentlichen die Punkte des Ursprungsentwurfs.
Diesem Entwurf zufolge lassen sich die Folgen des Klimawandels nur mit
einer schnellen und weltweiten Reduzierung des
Treibhausgas-Ausstoßes eindämmen.
Die Delegierten hatten sich zuletzt vor allem über die Grenzwerte
für den Ausstoß von Treibhausgasen gestritten. China strebe
mit Blick auf sein enormes Wirtschaftswachstum einen höheren Wert
an, sagte Michael Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im
Bundesumweltministerium, am Donnerstag in Bangkok. Von chinesischer
Seite komme erheblicher Widerstand, «und viele Länder
verstecken sich hinter der chinesischer Position», sagte
Müller. Auch den USA gehen die Grenzwerte für die
Treibhausgas-Emission zu weit. Der Entwurf des Weltklimaberichts sieht
Grenzwerte zwischen 445 und 650 ppm vor.
China, das noch in diesem Jahr die USA als größter Emittent
von Treibhausgasen überholen dürfte, wollte nach Angaben von
Delegierten außerdem die Verantwortung von Industrieländern
für die globale Erwärmung deutlicher herausstellen. Diese
Staaten sollten auch im Kampf gegen den Klimawandel die Führung
übernehmen, verlautete in Bangkok. «Sie wollen nicht
für die Konsequenzen in Zukunft verantwortlich gemacht
werden», sagte der Delegierte Edward Mulbah aus Liberia. Indien
wehrte sich nach Angaben von Gewährsleuten gegen eine
Formulierung, wonach in Entwicklungsländern deutliche
Reduzierungen beim Ausstoß von Treibhausgasen möglich sind.
Vor der Vorstellung des zweiten Teils Anfang April in Brüssel
hatten die Delegierten ebenfalls bis zur letzten Minute über
Formulierungen debattiert. Er zeichnete ein dramatisches Bild von den
Folgen des Klimawandels, vor allem die ärmsten Länder sind
demnach von Hunger, Wassermangel, Stürmen und
Überschwemmungen betroffen. Bis zu 30 Prozent aller Tier- und
Pflanzenarten sind der Einschätzung zufolge vom Aussterben
bedroht, wenn die Temperatur um zwei Grad Celsius steigt. Der Anfang
Februar in Paris vorgestellte erste Teil des IPCC-Berichts stellte die
Verantwortung des Menschen für die Erderwärmung so deutlich
heraus wie keine Studie zuvor.
(Quelle: ap)
Klimakatastrophe ist laut UN-Umweltorganisation noch abzuwenden
Fr.04.05.07 - Vor der Veröffentlichung des dritten Teils des UN-Klimareports am
(heutigen) Freitag in Bangkok hat sich die UN-Umweltorganisation UNEP
zuversichtlich gezeigt, dass eine Klimakatastrophe mit
gemeinschaftliche Anstrengungen noch zu verhindern ist. «Eine
Stabilisierung der Atmosphäre ist machbar», sagte der
Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner, der
«Bild»-Zeitung. «Der Weltklimarat ist optimistisch,
dass bis 2020 ein Drittel aller Treibhausgase eingespart werden
kann.»
Dies solle vor allem durch gezielte Nutzung erneuerbarer Energien und
eine verbesserte Energie-Effizienz von Gebäuden geschehen. Steiner
lobte die Umweltpolitik der Bundesregierung: «Sie waren
Vorreiter, haben gerade in den letzten Monaten eine Führungsrolle
übernommen», sagte der UNEP-Chef.
(Quelle: ap)
IPCC fordert laut Bericht 35-Prozent-Anteil regenerativer Energien
Fr.04.05.07 - Der Weltklimarat (IPCC) will einem Bericht zufolge für das Jahr
2030 einen weltweiten Anteil regenerativer Energien von 35 Prozent
verlangen. Dieses Ziel werde das Gremium am (heutigen) Freitag in
Bangkok beschließen, berichtete die Essener «Neue
Ruhr/Rhein Zeitung» unter Berufung auf den parlamentarischen
Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller.
Ein Viertel der notwendigen Reduktion schädlicher Treibhausgase
könne durch moderne Gebäudetechnik und weitere 20 Prozent
durch den Schutz und die Aufforstung von Wäldern erreicht werden,
zitierte das Blatt den Staatssekretär. Müller warf China und
den USA vor, bei den Verhandlungen in Bangkok «konkrete Ziele des
Handelns zu verhindern». Deutschland hingegen fordere eindeutige
Ergebnisse.
Nach mehrtägigen Beratungen will der Rat am Freitag den dritten
Teil seines diesjährigen Klimareports vorlegen. Die ersten beiden
Teile hatten eine weltweite Debatte über Folgen der globalen
Erwärmung und Gegenmaßnahmen ausgelöst.
(Quelle: ap)
BUND und Ex-UNEP-Chef Töpfer sehen Atomkraft nicht als Mittel
gegen Klimawandel
Fr.04.05.07 - Vor der heutigen Veröffentlichung des neuen Weltklimareports haben
Wissenschaftler und Politiker am Donnerstag verschiedene Strategien
gegen den Klimawandel diskutiert. Die Umweltorganisation BUND und der
ehemalige Chef des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, sprachen sich
dabei gegen eine längere Nutzung der Atomkraft aus.
Bundesforschungsministerin Annette Schavan will bis zum Herbst eine
nationale Strategie zum Klimaschutz vorlegen.
«Ich bin überzeugt, dass ein wesentlicher Schlüssel zur
Lösung bei Wissenschaft und Wirtschaft, bei Forschung und
Entwicklung liegt», sagte Schavan zum Auftakt eines
Klima-Forschungsgipfels in Hamburg. Ziel sei es, einen konkreten
Fahrplan zur Entwicklung klimaschonender Technologien und Verfahren
festzulegen.
Die BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt, erklärte: «Wer beim
Klimaschutz seine Hoffnungen an Atomkraft, CO2-Abscheidung in
Kohlekraftwerken oder Biosprit knüpft, wird scheitern.» Der
Königsweg beim Klimaschutz seien mehr Energieeffizienz, der Ausbau
erneuerbarer Energien und die Vermeidung jeglicher Energieverschwendung.
Töpfer sagte im Deutschlandradio Kultur, es stehe fest, dass mit
der Kernenergie das Problem des Klimawandels nicht bewältigt werden
könne. Vielmehr sei die Atomkraft eine Brückentechnologie.
«Es liegt in unserer Hand, dass wir diese Brücke so kurz wie
möglich machen, dass wir möglichst bald das
gegenüberliegende Ufer erreichen, damit wir ohne Kernenergie
auskommen», sagte er. Saubere Kohlekraftwerke hingegen werden
nach Töpfers Meinung noch lange gebraucht, weil Indien, China und
die USA über große Kohlereserven verfügten.
Dass die von der Bundesregierung angepeilte Senkung des Ausstoßes
von Treibhausgasen den Verbrauchern zusätzliche Kosten bringt,
erwartet der Chef des Umweltbundesamtes, Andreas Troge. Falls die
Kohlendioxid-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gesenkt werden
sollten, werde dies die Privathaushalte im Durchschnitt um bis zu 25
Euro pro Monat belasten, sagte Troge der «Frankfurter
Rundschau». Allerdings gebe es auch Klimaschutz-Maßnahmen,
die schnell Nutzen und sogar Ersparnisse brächten. Als Beispiele
nannte er Einsparungen beim Strom- und Kraftstoffverbrauch.
Der Direktor des Senckenberg-Forschungsinstituts in Frankfurt am Main,
Volker Mosbrugger, kritisierte im Deutschlandradio Kultur, die Menschen
würden sich im System der Erde zu wichtig nehmen. Zwar werde nicht
die große Katastrophe kommen, «aber doch eine schleichende
und sehr deutliche Veränderung» des Klimas und der Umwelt.
Doch könne der Mensch den Klimawandel beherrschen, so dass der
Planet langfristig bewohnbar bleibe.
(Quelle: ap)